Dienstag, 2. September 2008

Baby J - Presents: Birth

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 17. November 1998
Label: Bomb Hip-Hop / Baby J Enterprises

Tracklist:
01. Intro
02. For My Army - (feat. A-Alikes)
03. Savior - (feat. Poetic)
04. Truth - (feat. Shaqueen, Omen & Shabazz The Disciple)
05. The God In Man - (feat. Knowledge Scientifik Cipher)
06. Unseen Hand - (feat. Kinzmen)
07. War Trilogy: P.O.W. (Projects Of War) / M.I.A. (Militia Incarcerated Alien) / Ambush - (feat. Celestial Souljahz)
08. Focus - (feat. Freestyle)
09. Threat Of Allegiance - (feat. Bless)
10. Pressure - (feat. Yogi)
11. Fire On Water - (feat. Fire)
12. Walk With A Bop - (feat. A-Alikes)
13. Angels Of Death - (feat. Yogi, Freestyle, Shabazz The Disciple & Poetic)
14. How Long? - (feat. G-Force)
15. The Lamb's Blood - (feat. Shabazz The Disciple)
16. Outro - (feat. DJ Noize)



Alle, die Baby J nicht kennen, bitte aufstehen. Wer jetzt noch sitzt, ist ein glücklicher Mensch. Denn er ist wahrscheinlich mit dem Werk, das 1998 unter dem Titel "Birth" seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat, vertraut. Baby J kommt nicht etwa aus New York, sondern aus Großbritannien. Doch was er auf diesem Album abliefert und mit wem er es abliefert, sollte jeden Eastcoast-Fan aufhorchen lassen.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Denn neben einigen weiteren Herren aus dem UK sind auch Shabazz, Poetic oder die A-Alikes mit von der Partie. Letztere beginnen auch mit dem ersten Track, "For My Army". Schon dieser Song eröffnet dem Hörer, von wo der Wind hier weht: staubtrockene Snares, üppiger Einsatz von Streichinstrumenten und Samples, von denen nur Baby J selbst weiß, wo er sie ausgegraben hat. Klingt eigentlich nicht besonders, schließlich stehen diese Reagenzien auf fast jedem Rezept der Neunziger. Doch dieses Album ist anders. Beziehungsweise: besser. Baby J zelebriert sein Handwerk und webt unerahnt atmosphärische Teppiche, mit denen auf diesem Album durchgehend Poeten fliegen dürfen. Neben den nüchternen Reality-Rap-Inhalten finden sich reihenweise religiöse Einflüsse, die man zwar nicht glauben muss, die jedoch das gewisse Etwas ausmachen. Um das Ergebnis in Worte zu fassen bedarf es einer inflationären Verwendung des Worts "genial". Im Gegensatz zu heute, wo größtenteils gemütlich vor sich hingeflowt wird, spucken die Akteure hier lodernde Flammen - ganz gleich von welcher Seite des Kontinents. Schon zu Beginn wird von Poetic als auch von Shaqueen alias Ma Barker Vollgas gegeben. Nachdem dann eine geniale Pause eingelegt wird, in der uns Cipher Jewels von Moorish Delta 7 von seiner Auffassung der Entstehungsgeschichte berichtet, entführen die Kinzmen den Hörer unter mystischem Gesang in andere Rap-Sphären. Doch hier einen Höhepunkt zu setzen wäre fatal - im Anschluss laufen nämlich Shabazz The Disciple und Freestyle (bekannt von den Arsonists) als Celestial Souljahz ein, um die "War Trilogy" zu performen, die unter Sirenenheulen und Maschinengewehrfeuer als Funkverkehr zu vernhemen ist. Im fortgeschrittenen Stadium des Albums stößt man neben einem weiteren genialen Auftritt der A-Alikes auf die "Angels Of Death", die sich über einen verstörend düsteren Beat als Yogi, Freestyle, Shabazz und Poetic vorstellen. Wem das noch nicht reicht, der bekommt zu guter Letzt noch einen Bombeneinschlag eines Songs: "The Lamb's Blood" ist vielleicht Shabazz' bester Song überhaupt. Man mag das, was er hier von sich gibt, als Stuss abtun, doch dieser Stuss befindet sich auf so unerreichbar hohem Niveau, dass es einfach großartig ist, dem Herrn beim Sinnieren zu lauschen. Deshalb ist es nur recht, hier noch einen kleinen Auszug zu zitieren:

"This be the opening of the 7th seal / I'm storming down like the plague of hail / Avenge the innocent blood spilled, the king of Israel
The earth was given to his hand to trick it / I'm the mighty lion in the thicket, who be spying on the wicked
In these last days, the projects is like the caves / Facing the 10 plagues, like Moses I free slaves"


Fazit:
1998 kam eine Auswahl an Künstlern zusammen und erschuf am Zenit ihrer Schaffensphase "Birth". Fast genauso verwunderlich wie dieses Album selbst ist die Tatsache, dass Baby J neben einigen der wortgewaltigsten Emcees der damaligen Zeit nie das Zepter aus der Hand gibt. Denn egal, wo in dieser Review die lyrischen Leistungen gewürdigt wurden - es stand immer ein entsprechend exzellenter Beat dahinter. Baby J, obwohl nicht einmal aus den Staaten, serviert hier den Prototyp eines makellosen Eastcoast-Albums und krallt sich nebenbei den Titel des besten Producer-Albums aller Zeiten. So klingt es, wenn eine Sparte des Raps zur Perfektion getrieben wird. Jammerschade, dass Baby J heutzutage einen vollkommen anderen musikalischen Weg verfolgt.

Gesamtwertung: 9.7 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Onyx - Cold Case Files (Murder Investigation)

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 19. August 2008
Label: Iceman Recordings

Tracklist:
01. U.S.G
02. Ghetto Way Of Thinking
03. O.N.Y.X
04. See U In Hell Pt. 2
05. Evil Streets (Remix) - (feat. Method Man)
06. Rock U
07. Hydro
08. Purse Snatchaz Pt. 2
09. Wili'n Wili'n
10. Free Style
11. I'll Murda U - (feat. Gang Green)
12. Mad World
13. I Don't Want To Die
14. Return Of The Madface
15. Candy Man - (feat. X1)
16. Hard To Be A Thug



Verglichen mit dem HipHop, den Onyx Mitte der Neunziger praktizierten, sah ein Bergarbeiter einer Kohlemine des Neunzehnten Jahrhunderts nach einer Sechzehnstundenschicht aus wie frisch gebadet. Diesem Umstand verdanken Onyx erstens einen Platz im Rap-Olymp und zweitens eine sehr große Anzahl an Fans. Im 21. Jahrhundert sieht es nicht mehr so rosig aus: Gruppenalben werden zerrissen, Solos größtenteils ebenso. Um Sticky wird es musikalisch ruhig, da er zu beschäftigt damit ist, Vampire zu jagen. Fredro sinkt tiefer und tiefer in den HipPop-Sumpf, währen Sonee Seeza sein eigenes Süppchen kocht. Dass ein brandneues Album names "Black Rock" kommen soll, ist da schon erstaunlich genug. Vielleicht noch viel erfreulicher: mit "Cold Case Files" werden die ganzen unveröffentlichten Tracks aus der goldenen Zeit nochmal auf einem Silberling vereint.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Wer die "Rare, Raw & Uncut Grimee EP" kennt, dem werden hier einige Bekannte über den Weg laufen. Da dies jedoch nicht auf allzu viele Personen zutrifft, ist es doch gut, dass dieses Werk nun auch der Allgemeinheit weitere Juwelen des Trios eröffnet. Als da wäre als inoffizieller Höhepunkt die über dreieinhalb Minuten währende komplette Version von "I'll Murda U", das auch auf "All We Got Iz Us" mehr als ein Skit hätte sein dürfen. Denn da sind sie wieder: die menschenverachtenden, grollend wütenden Raps, mit denen Sticky schon in der Einleitung zum Song um sich rotzt:

"Nah nah, fuck dat, I ain't gon' murda you - I'll beat you in the head with the back of my pistol and turn you to a vegetable. I'mma noke a nigga, fuck it, something's gotta give - call me Mr. Negative, I rob my own relative!"

Doch das Album ist vollgestopft mit Tracks dieses Schlags: sei es nun das pianogetriebene "Free Style", die Fortsetzung zu "Purse Snatchaz", der dem Original ebenbürtige Remix zu "Evil Streets", bei dem Method Man trotz guter Tagesform gegen einen dämonischen Sticky Fingaz untergeht, oder aber das Sample-versetzte "Candy Man", in dem X1 (R.I.P.) in die Rolle eines Drogendealers schlüpft. Überall ein abgasverseuchter schwarzer Himmel über den Hintergassen, in denen Onyx' Raps zuhause sind. Bei all der Euphorie gibt es jedoch auch einige Ausreißer: "Wili'n Wili'n" klingt mit gezupfter Gitarre gänzlich anders, ebenso wie "Return Of The Madface", das ich zeitlich eher bei "Bacdafucup Pt. II" einordnen würde. "I Don't Want To Die" ist mit seiner Modifikation von R. Kellys "I Believe I Can Fly" ebenfalls gewöhnungsbedürftig.


Fazit:
"Cold Case Files" mag zwar als Album ohne roten Faden einige Defzite aufweisen, gibt uns jedoch ein sehr schönes Bild von dem, was es nie auf Onyx-Alben geschafft hat. Dass dieses Material so hochwertig ist, zeigt außerdem die Klasse, die Onyx damals besaßen. Schade, dass ich im Jahr 2008 fast nur noch durch solche Alben zu höheren Noten greifen kann, doch ich will mich absolut nicht über diese Platte beschweren, die so unverschämt oft an "All We Got Iz Us" erinnert - gleichbedeutend mit: Onyx in einer Zeit, in der sie unerreicht waren. Da wird "Black Rock" wohl nie hinkommen.

Gesamtwertung: 8.1 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Outlawz - We Want In: The Street LP

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 5. August
Label: Gold Dust Media / 1Nation Ent.

Tracklist:
01. We Want In - (feat. Stormey)
02. Everything Happenz 4 A Reason - (feat. Stormey)
03. Failure Ain't An Option
04. Us - (feat. Stormey)
05. Love Of Money - (feat. Stormey & Keion)
06. Thuggin Till I Die - (feat. C-Bo & Stormey)
07. I'm Mister
08. My Life- (feat. Stormey)
09. Do It Like That - (feat. J-Bo)
10. I Can't Lie - (feat. Stormey & Tha Pimptationz)
11. Take It Off - (feat. Keion)
12. It's My Turn - (feat. Maserati Rick & Nutt-So)



Dass man als Outlawz-Mitglied wenig zu lachen hat, sollte inzwischen kein Geheimnis mehr sein: immer (zurecht) in die zweite Reihe verwiesen zu werden ist sicherlich kein Zuckerschlecken. Mit Gold Dust Media wird 2008 ein weiterer Versuch gestartet, die gewaltige Mauer der Vorurteile und kritischen Stimmen zu erklimmen: "We Want In" schafft schon mit dem Titel klare Verhältnisse. Dass Young Noble, E.D.I., Kastro und Stormey schon im Vornherein von Vielen ein Scheitern bescheinigt wird, scheint die Jungs nicht zu stören.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Unter dem dicken Albumtitel prangt auf dem Cover noch der Schriftzug "The Street LP". Und man muss nicht seit Jahrzehnten Rap hören, um zu wissen, dass solche widerwärtigen Untertitel sich wie Parasiten an der Qualität des jeweils befallenen Albums zu schaffen machen - Künstler entschuldigen dies meist mit einem Verweis auf ein noch folgendes "real album". Und wie verhält es sich hier? Die Tatsache, dass J-Bo von den Young Bloodz anscheinend das zweitwichtigste Feature der Platte darstellt, fasst das Dilemma der Outlawz schon recht gut zusammen. "Do It Like That" heißt der geistreiche Titel, auf dem J-Bo vertreten ist, und er tut sich durch besondere Austauschbarkeit hervor. Fast auf dem kompletten Album wird bei den Hooks mit erschreckender Sicherheit danebengelangt. So bekommen auch die besten Tracks des Albums leichte Kratzer. "Love Of Money" ergeht es mit einer soliden Hook etwas anders, weswegen sich hier auch der beste Track findet. Und auch das direkt folgende pianogeleitete "Thuggin Till I Die" fordert trotz todesdämlichem Titel als erstaunlich ruhiger Song zum entspannten Zurücklehnen auf - auch wenn die Hook wieder gegen die Wand gefahren wird. Der Rest ist hörbare Langeweile, die erst nach fortgeschrittener Spieldauer zum Skippen animiert, da hier einfach nichts passiert.


Fazit:
Die Outlawz mögen die optimale Truppe gewesen sein, um Pac den Rücken zu stärken - doch alleine beweisen sie hier auf ein Neues, warum sie heutzutage so unbeachtet sind - Austauschbarkeit und Langeweile mit zu wenigen Lichtblicken gibt es genug. Bevor man hier sein Geld investiert, sucht man sich lieber bessere Alben, denn von denen gibt es dieses Jahr viele. "We Want In" hinterlässt keinen einzigen bleibenden Eindruck. Nuff said.

Gesamtwertung: 4.0 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Brooklyn Academy - Bored Of Education

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 2. September 2008
Label: Gold Dust Media

Tracklist:
01. One (Intro) - (feat. Jean Grae)
02. Raise Ya Hands - (feat. Jean Grae)
03. We Don't Play
04. Message To Brooklyn (Skit)
05. I'm From Brooklyn - (feat. Ill Bill)
06. That's Brooklyn - (feat. Will Tell)
07. The Growler
08. Weight Liftin'
09. Tear It Down
10. Blame It On The Alcohol (Skit) - (feat. War Bixby)
11. Splash - (feat. Killah Priest)
12. Black Out - (feat. Jean Grae)
13. Suicide
14. Close Your Eyes - (feat. Skam 2)
15. Back In Effect
16. What's The Buzz
17. Peanuts (Skit)
18. Nothin' You Can Do feat. Jean Grae)



Die Brooklyn Academy ist ein weiteres Kollektiv, das bis dato, immer in Verbindung mit einer Reihe wohlbekannter Namen, lose im Rap-Zirkus New Yorks herumgeflattert war. Doch 2008 kündigt die Crew, die jetzt auf drei Köpfe abgesteckt ist, ein Gruppenalbum an. Auf dem neuen Label Gold Dust finden Pumpkinhead, Block McCloud und Mr. Metapohr ein Zuhause, um "Bored Of Education" zu droppen, das, wie jüngst so viele Alben, als Rückkehr zum Raw HipHop des Ostens angekündigt wird.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Wenn man beispielsweise die bisherigen Releases des Kürbiskopfs kennt, dann darf man solche Töne durchaus für bare Münze nehmen. Beim Auflaufen der Spieler erkennt man an vierter Stelle ein (zumindest bei diesem Album) inoffizielles viertes Mitglied, nämlich Jean Grae. Aus dem näheren Dunstkreis finden sich außerdem Will Tell und War Bixby ein, während man bei den Produktionen ein typisches Bild für ein NY-Release vorfindet: da reiht sich Marco Polo neben Illmind, Sicknature und den Snowgoons ein. Hört man mal rein, kommt auch schnell die Ernüchterung. Hier hebt sich nichts vom alles verschlingenden Rest ab. Fast alle Akteure bringen eine Standardleistung. Das lässt sich über Illmind sagen, wobei das in seinem Fall zu dem immer noch sehr erträglichen Ergebnis "Raise Ya Hands", in welchem er seine Streicher wild tanzen lässt, führt. Die Snowgoons hingegen liefern das ab, was auf ihrem eigenen Album ein nicht erwähnenswerter Füller gewesen wäre. Das schon auf Ill Bills "Black Metal" zu hörende "This Is Brooklyn" schafft es auch nicht übers Mittelmaß hinaus. Und auch wenn sich in der Liste von Sicknatures bisherigen Erzeugnissen noch nicht allzu viel befindet, "Nothing You Can Do" klingt auch viel zu sehr nach seiner Note, als dass es über den Querschnitt eines in letzter Zeit zu oft gehörten AOTP-Beats hinauskäme. Das ist schade, denn in Sachen Skillz nehmen die hier Werkelnden Jungs den Holzfällern aus der Nachbar-Posse definitiv einige Mikrofonmeter ab. Doch das macht eben nur richtig Spaß, wenn auch der Sound stimmt. Dies geschieht in "The Growler", bei dem Marco Polo einmal mehr beweist, dass er konstant mehr aus dem Ärmel schütteln kann als einen 0815-Beat. Dieses eindeutige Highlight entschädigt als Kopfnicker mit Repeat-Qualitäten schon für Einiges. Kämpft man sich am langweiligen "Weight Liftin" vorbei, kommt man bald sogar zu einem weiteren großen Moment des Albums. Killah Priest gibt sich auf "Splash" die Ehre, das mit seiner Streicherbesetzung auch besser als jeder andere Song zum Priester passt. Während man auf dem Weg zum Ziel noch an einer soliden Black Milk-Produktion vorbeikommt, wäre nun auch schon alles Wichtige gesagt.


Fazit:
Eigentlich sollte man diesem Album Kellernoten allein dafür geben, dass es mal wieder genau solch eines ist, das bei zukünftigen Reviews herangezogen werden wird, um als Beispiel für ein berechenbares Album zu dienen, welches das Aufderstelletreten der Ostküste dokumentiert. Diesen Aspekt ausgeblendet, haben wir wieder eine Platte, die ihren Kopf noch über dem Durchschnitt zu halten vermag, allerdings hinter jeglichen gestellten Erwartungen zurückbleibt. Wer schon damit zufrieden ist, Pumpkinhead mal wieder in Aktion zu erleben und ihn mit seinen Kollegen die Tracks aufrollen zu sehen, und dafür bereit ist, bei den Produktionen Abstriche zu machen, der wird mit "Bored Of Education" glücklich werden. Allen anderen sei zu den beiden erwähnten Highlights geraten, wohingegen der Rest unaufgeregt solide im hörbaren Bereich dudelt.

Gesamtwertung: 5.8 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Buddha Monk - Unreleased Chambers

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 5. August 2008
Label: Chamber Musik

Tracklist:
01. We Roll In Brooklyn
02. Call Of The Gods - (feat. Da Manchuz)
03. Prepare for the Buddha Monk - (feat. Brooklyn Zu, Da Manchuz & Ol' Dirty Bastard)
04. Butterflies - (feat. Layza Life & Mazur)
05. Peep The Steez - (feat. Crave, Main Event, Che Logan & Popi)
06. Make This Money, Take This Money - (feat. Ol' Dirty Bastard, I Born, Shyheim, ShaCronz & 12 O'Clock)
07. Man's World
08. Live My Life
09. Story Of My Life
10. Play The Game - (feat. Ol' Dirty Bastard, Grime, Anesthesia & Moz Art)
11. Nothing To Live For But A Lot To Die From
12. You Dont Want it With Me
13. Who's There - (feat. Fung See U)
14. Clack Clack - (feat. Juice)
15. Picture That - (feat. Tai Chi Mastas & Da Manchuz)
16. Ghetto Man - (feat. Prodigal Sunn, Murdoc, 12 O'Clock & Shorty Shit Stain)
17. Kill A Man
18. Who Wanna Battle? - (feat. Drunken Dragon)
19. Zu Keep Gettin' Me High - (feat. Layza Life, Redz, Lil Vicious & Babyface Fensta)



Chambermusik-Aushängeschild Buddha Monk war dieses Jahr schon auf dem neuen Brooklyn Zu-Album "Chapter #9, Verse 32" zu hören, das jedoch auf einem anderen Label vertrieben wurde. Nun ist Chambermusik an der Reihe und veröffentlicht "Unreleased Chambers", das, wie aus dem Namen schon zu erahnen, kein neues Album ist. Doch anscheinend errechnet man sich mit diesem Album Gewinnchancen.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Bei näherer Betrachtung entpuppt sich das Album größtenteils als Überblick über die Zu-Chronicles-Reihe. Anstatt jedoch nun lange über die Notwendigkeit der Sache zu sinnieren, soll lieber die Musik ein wneig näher betrachtet werden. Da wäre zum Beispiel "Prepare For The Buddha Monk" von Popa Wu's "Visions Of The Tenth" Chamber", das auch 2008 mit schlichter Fundierung und einer kühlen Brise Eastcoast noch hervorragend funktioniert. Ganz generell findet man hier (wie nicht anders zu erwarten) das, was man von dem schwergewichtigen MC auch gewohnt ist: schnörkelllosen NY-Sound, dem die Jahre wenig anhaben können. Als Gast findet sich die ganze Meute ein, die jetzt oder früher unter dem Schirmnamen United Kingdom zusammenzufassen ist/war: von I Born und La(y)za Life über die Manchuz bis zu den Zu Ninjaz und dem Brooklyn Zu. Auch 12 O'Clocks Bruder Prodigal Sunn schneit beim ursprünglich auf dem zweiten Teil der Chronicles zu findenden "Ghetto Man" vorbei. Wer jetzt noch Tracks findet, die er nicht zuordnen kann, der sollte mal einen Abgleich mit "Prophecy Reloaded" vornehmen, von wo sich weitere sechs Tracks hinzugesellen. Als da wären zum Beispiel das von Chambermusik extra mit Video ausgestattete "We Roll In Brooklyn", die wilde Streicher-Party in "Clack Clack", "Man's World" (James Brown lässt grüßen) oder der wohl softeste Track der Zusammenstellung, "Butterflies", der im Übrigen nicht zu den besten Momenten gehört. Von den fünften Chronicles kann man sich als einer von zwei Abgesandten vor allem über "Call Of The Gods" freuen, das mit seiner eigenwilligen Art sofort hängenbleibt.


Fazit:
Wenn alle Tracks auf "Unreleased Chambers" exklusiv und brandneu wären, käme an diesem Punkt das Lob an den unverändert guten Sound. So muss an dieser Stelle die Notwendigkeit dieser Platte kurz infrage gestellt werden. Denn von den alten Fans braucht dieses Werk sicherlich niemand, wohingegen es äußerst zweifelhaft erscheint, ob man hiermit übermäßig viele neue Fans auf den Geschmack bringen kann. Ansonsten hat man es hier fast mit einem Best-Of zu tun, es fehlt einzig eine Auswahl von "Prophecy" (das als erstes und bestes Album dann jedoch auch besonders schwer wiegt). Die Musik muss nicht groß kritisiert werden, über die wird jeder halbwegs mit der Materie "Wu-Umfeld" vertraute Hörer auch ohne diese Review Bescheid wissen. Falls es nun doch Leser geben sollte, die Buddha Monk höchstens vom Hörensagen kennen, jedoch bereit wären, in ihn ein wenig Zeit und Geld (bzw. einen Download) zu investieren: Zugreifen!

Gesamtwertung: 6.8 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

S1 - Music Box

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 22. Juli 2008
Label: Spilt Milk Records

Tracklist:
01. Intro / Music Box - (feat. Speech)
02. Mash - (feat. Rapper Big Pooh & Kay)
03. Everybody Clap - (feat. Lifesavas & Tanya Morgan)
04. Neva - (feat. Tone Trezure)
05. Next Leve - (feat. AEONZ)
06. Life Is A Movie - (feat. Rah Digga)
07. Chemistry - (feat. Yolanda Johnson)
08. Callin’ Me - (feat. Phonte)
09. Know Your Name - (feat. Mojoe, The Ill & HeadKrack)
10. Who Stole The Music - (feat. Knessecary, Bavu Blakes & Glenn Reynolds)
11. Be Sure - (feat. D.V. Alias Khryst)
12. Jimmy Swag Art 03:59 - (feat. Strange Fruit Project & Dawg Wonder)
13. Upper Echelon - (feat. Skyzoo, Supastition & Dow Jones)
14. Tire - (feat. Darien Brockington)



Es gibt gewisse Artists, die sind ganz einfach langweilig. Nachdem man einmal etwas von hinen gehört hat, kennt man alles - was ja nicht immer schlimm sein muss, es in diesem Fall aufgrund der belanglosen MusiK jedoch ist. Wieso ich dieses Thema anreiße? Es ist eine wunderbare Einleitung für den hier im Mittelpunkt stehenden Artist, dem das eben skizzierte Image praktisch auf der Stirn steht. S1, Symbolic One, alternativer HipHop-Artist aus Texas, der vielen als Mitglied der Gruppe Strange Fruit Project ein Begriff sein wird, lädt einige gleichgesinnte Nasen auf ein Teekränzchen im eigenen Garten ein, um der Welt als Erzeugnis "Music Box" zu hinterlassen.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Strange Fruit Project, ja das waren die Typen, die auf ihrem letzten Album den langweiligen Justus League Sound praktiziert haben. Wie trefflich, dass hier jeweils Big Pooh und Phonte einen der 14 Tracks besetzen. Zusammen mit dem Rest verspricht das Album einen bunten Mix aus relaxtem Sommer-HipHop mit Soul-Einlagen. Und so schlecht fängt das Album auch gar nicht an. "Mash" kann mit eigenem Charakter auftrumpfen, während das folgende "Everybody Clap" einen flotten Rhythmus vorlegt. Auch sonst geht das Konzept des chilligen Sommeralbums meist auf - denn die kurzweiligen, leicht im Magen liegenden Instrumentale sind eben genau das, was S1 gut kann. Wie so oft in letzter Zeit gewinnt "Hintergrundmusik" den Wettbewerb zur passenden Umschreibung des Audiomaterials. Der nervtötend langweilige Ausrutscher "Neva" kann dabei unter den Tisch gekehrt werden. Auch die Tatsache, dass D.V. Alias Khryst sich eigentlich besser für Hooks als für ganze Songs (weswegen der komplette Track wohl auch wie ein einziger Refrain klingt) eignet, stört nicht groß, genauso wenig, wie die Tatsache, dass Nichtpowerstimme Skyzoo mal wieder so rappt, als würde er nebenzu noch seelenruhig Tee schlürfen. Mit Rah Digga schleicht sich dann ein(e) verlässliche(r) Leistungsträger(in) ins Aufgebot, während sich auch Yolanda Johnson durch eine starke Gesangseinlage hervortun kann. Gegen Ende koppelt man den widerlich säuselnden Darien Brockington besser ab und belässt es bei den 13 schon gehörten Tracks - und die Geschichte hat sich.


Fazit:
Letztendlich ist doch alles so wie erwartet. Nichts besonderes, ganz gut, harmlos und luftig leicht. "Music Box" ist ein Softporno, wer das volle Programm will, der sollte wo anders suchen. Es wäre schön, wenn S1 in Zukunft auch in andere Richtungen arbeitet, da noch ein Soloalbum dieses Schlags tödlichst überflüssig wäre - schon die Notwendigkeit dieses Albums wäre eine Diskussionsrunde wert. Trotzdem werden Fans ihren Spaß dran haben, während man sich auch sonst (vielleicht) mit einigen wenigen Tracks anfreunden können wird. Knappe 3 Mics.

Gesamtwertung: 5.7 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

NASA & Karniege - From The Left

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 11. März 2008
Label: Uncommon Records

Tracklist:
01. From the Left (Intro)
02 .Mad Cow Milk
03. People's Anthem
04. Flu Shot
05. The Truth - (feat. Metro)
06. You Don't Know
07. Random Denial - (feat. Nathaniel Roberts)
08. Busy Boys - (feat. Access Immortal & MarQ Spekt)
09. Headache Med (Outro)
10. Drug Habitz (Bonus Track)
11. People's Anthem (Dig Dug Remix)



Die Zeiten, in denen sich ein Artist nach einem veröffentlichten Album erstmal ein Weilchen Zeit ließ, um ausgiebig an seinem nächsten Projekt zu arbeiten, sind vorbei. Ein sehr schönes Beispiel hierfür ist Karniege. Bis jetzt nicht übermäßig bekannt, konnte der MC dieses Jahr kräftig zuschlagen: mit Vast Aire als Mighty Joseph und mit MarQ Spekt als Invizzibl Men. "From The Left" ist das dritte bzw. das als zweites erschienene Album dieses Jahres, wobei der Partner diesmal NASA aus dem DefJux-Dunstkreis ist und sich um die Produktion kümmert. Als Label findet sich Uncommon, das "From The Left" ausschließlich online veröffentlicht.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Was steckt also neben dem sehr ansehnlichen Cover in diesem Paket? Nicht übermäßig viel. Im Versuch, gegen den Strom zu schwimmen, erscheint das Album als Versuchslabor für Nasas Spielereien. Da wäre beispielsweise "People's Anthem", das mit seinem schwerverdaulichen Gitarrengerüst als Sprung über den Genre-Tellerrand völlig missglückt, ähnlich wie, beispielsweise, die Metal-Rap-Bastarde, die vorzugsweise von weißen Rappern zur Welt gebracht werden. Ansonsten beschränkt man sich jedoch darauf, einem Fließband-Boom-Bap-Gerüst einen visionären Anstrich zu verleihen. Der Funk, laut Karniege ein Mix aus Psychedelia und LSD-Trip, soll regieren. Und so klingt das Album auch beizeiten. Was Karniege dabei wohl übersehen hat: dieser Funk klingt ganz und gar nicht berauschend. Das "Headache Med Outro" wirkt nicht fördernd im Kampf gegen Kopfschmerzen, sondern schürt diese viel mehr. Positiv tut sich dagegen "Mad Cow Milk" hervor, das neben seinem herrlichen Titel auch einen angemessen düsteren Beat verpasst bekommen hat. Und genau in solchen Gefilden fühlt sich Karnieges Stimme am wohlsten. Auch "Flu Shot" wird, dank trackdominierender Flöte, sicher nach Hause geschaukelt, ebenso wie der Dig Dug Remix zu "People's Anthem", der, weitaus besser als sein Original, in seiner Existenz als Remix vollauf berechtigt ist. Der unerwähnte Rest dingelt dann jedoch recht belanglos vor sich hin, wobei man bei 35 Minuten Gesamtlaufzeit sowieso schnell em Ende angekommen ist.


Fazit:
"From The Left" beweist einmal mehr, dass Karniege ein stimmlich einzigartiger Künstler ist, der auch im Alleingang unterhalten kann - wenn auch nicht so sehr wie mit Partner. Die Gastraps werden mit Access Immortal, MarQ Spekt und Metro im überschaubaren Bereich gehalten. Was NASA betrifft, so kann der zweite Hauptcharakter nicht sonderlich glänzen und sollte sich überlegen, seine Produktionen einmal zu überdenken. Hier, auf einem wenig beachteten Album, an das niemand Erwartungen gestellt hat, ist das allerdings harmlos. Unterm Strich bleibt ein passables Durchschnittswerk, das man absolut nicht gehört haben muss, das aber auch nicht total verkehrt ist.

Gesamtwertung: 5.2 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam