Dienstag, 22. Dezember 2009

Slug & Murs - Felt 3: A Tribute To Rosie Perez

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 17. November 2009
Label: Rhymesayers Entertainment

Tracklist:
01. Protagonists
02. Felt Chewed Up
03. Get Cake
04. Bass For Your Truck
05. Like You
06. Permanent Standby
07. Kevin Spacey
08. Ghost Dance Deluxe
09. Revisiting The Styleetron
10. Whaleface
11. Glory Burning
12. Henrietta Longbottom
13. She Sonnet
14. Felt Good
15. Deathmurdermayhem
16. The Prize
17. G.I. Josephine
18. The Clap
19. We Have You Surrounded
20. Give It Up
21. Paul Reubens



Die Marke Felt genießt nahezu Kulstatus. Nicht etwa, weil die zwei bisher veröffentlichten Alben Klassiker wären, sondern schlichtweg aufgrund des Konzepts hinter der ganzen Geschichte: Slug und Murs, gleichermaßen Indie-Größen und jeweils einem nicht weniger bekannten Camp zugehörig, kommen im gemeinsamen Ziel, die Aufmerksamkeit von Schauspielerinnen aus der zweiten Reihe zu erhaschen, zusammen und kreieren so Kollaboalben mit jeweiliger Widmung. Bisher kamen Christina Ricci und Lisa Bonet zu der Ehre einer LP. "Felt 3" geht an Rosie Perez, und wo die ersten beiden Scheiben mit The Grouch bzw. Ant jeweils einen eigenen Produzenten im Rücken hatten, konnte auch hier höchstinteressante Unterstützung gewonnen werden: Diesmal ist der Dritte im Bunde niemand Geringeres als Aesop Rock.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Dieser vollwertige Dritte wirkt sich nicht unerheblich auf das Erscheinungsbild des Albums aus. Was laut Murs und Slug zu einer besseren Harmonie führte, war die Tatsache, dass der Produzent diesmal neutral zwischen den beiden Hauptakteuren steht, wohingegen Grouch aus Murs' direktem und Ant aus Slug's unmittelbarem Umfeld stammt. Doch ganz unabhängig davon werden alle, die Aesop Rock kennen, wissen, dass man sich hier auf weitaus sperrigere Gebilde einzustellen hat, als das auf den vorigen beiden Scheiben noch der Fall war. Auch die Spielzeit hat sich nunmehr konstant gesteigert, gegenüber dem zweiten Teil wurde eine satte Viertelstunde draufgelegt. Allen, die aus diesem Album schnell und nebenbei schlau werden wollen, sei gesagt: "Felt 3" braucht seine Zeit. Erst, wenn man sich beim Einsetzen von Aesop's Gitarren im Opener "Protagonists" mit einem zufriedenen Lächeln der Gesichtsmuskulatur konfrontiert sieht, fängt die Platte an, zu zünden. Dazu wird von S&M sofort klargestellt, wo nun die Aufmerksamkeit der Hörerschaft zu liegen hat. Denn es folgt eine lyrisch hochwertige Darbietung, gespickt mit Sarkasmus, Süffisanz und frei von jeglichen Erwartungen, die etwa ein Atmosphere-Fan der Platte unterstellen könnte. Natürlich kommt auch der Geschichtenerzähler Slug zum Vorschein, etwa im düsteren "Permanent Standby" (wobei sich Aesop den Avril-Lavigne-Voice-Cut hätte sparen können), das die irgendwie vertraute Szenerie eines Mädchens, das des öfteren die falsche Wegabzweigung nimmt und sich von Drogen sowie zwielichtigen Typen umringt sieht, modelliert. Hier kopiert selbst Murs den Slug'schen Stil. Trotzdem halten sich die beiden Emcees die Waage, obwohl die Produktionen Murs auf den ersten Blick besser zu Gesicht stehen. Doch selbst in nach vorne preschenden Bangern wie "Revisiting The Styleetron" (welches großartiges Rap-Ping-Pong spielt) verliert Slug nie den Anschluss. In "Henrietta Longbottom" werden Gerüchte über besagte Henrietta in irrwitzige Höhen getrieben, "Like You" zeigt S&M dagegen als die alltäglichen Kerle, die sie sind, während Aesop immer die passende Untermalung findet. Meist geht er dabei in eine rockige oder eine elektronische Richtung. Fehltritte unterlaufen ihm dabei nur wenige: "Bass For Your Truck" ist kein Muss, dazu kommen die Interludes (bzw- kurzen, Interlude-artigen) Stücke ("Kevin Spacey", "Felt Good", "The Clap"), die allesamt das Niveau nach unten ziehen. Lediglich "Get Cake" setzt sich durch strikte Eintönig- und -gängigkeit durch. Eigentherapie gibt es mit "Deathmurdermayhem", in dem angestaute Aggressionen abgelassen werden, mit "We Have You Surrounded" hingegen wird den Fans ("I write a song about life and dirt / So I can ride along with you when you driving to work") ein Geschenk gemacht. Abschließend gibt es mit "[b}Paul Reubens[/b]" (man beachte, dass entgegen der ersten beiden Scheiben diesmal zwei Schauspieler, nicht etwa Musiker, einen Track abbekommen) noch ein Schmankerl, für das ein paar Seitenhiebe gen Mainstream ausgeteilt, die eigenen Qualitäten nochmals betont werden und bei dem Slug auch schon ankündigt, wie es weitergehen wird:

"I guess the moral is, stick a fork in it
We got more to give, you fortunate
You fucking with a legend and these members of the orphanage
Organisms that were born for this
First we make the people feel quite right
And then I'm working on a sequel to Zeitgeist
So push up the light, peace, nighty night
Stay tuned, number four, tribute to Heidi Fleiss
"


Fazit:
Die Erwartungen bei einem Dreigespann wie dem hiesigen sind natürlich hoch, doch sie wurden auch erfüllt. Zwar wäre wohl noch mehr drin gewesen, doch im schwachen Jahr 2009 sollte man mit diesem Produkt mehr als zufrieden sein. Kritik findet sich wenig: Die Interludes hätten gestrichen und ganz generell auch die Spielzeit etwas komprimiert werden können. Demnach finden sich nunmal einige unnötige Tracks, außerdem stellen sich gegen Ende (trotz des hervorragenden Ausstiegs) Ermüdungserscheinungen ein. Den Spaß, den die Aufnahmen gemacht haben müssen, hört man trotzdem beständig durch. Deshalb, und weil "Felt 3" sowieso nicht komplett in Worte gefasst werden kann, sei jedem geraten, einfach selbst reinzuhören, denn Murs, Slug und Aesop schrammen haarknapp an den vier Kronen vorbei.

Gesamtwertung: 7.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

O.C. & A.G. - Oasis

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 24. November 2009
Label: Nature Sounds

Tracklist:
01. Oasis
02. Keep It Going
03. Give It Back
04. Alpha Males
05. Young With Style
06. Everyday Life
07. Think About It
08. Gotta Get It
09. Put It In The Box
10. Boom Bap
11. Reality Is
12. Contagious
13. Supreme Squad
14. God's Gift
15. Get Away (Feat. Mirror Image)
16. 2 For The Money
17. Pain (Feat. Mirror Image)



Da dieses Album als die erste offizielle Zusammenarbeit der D.I.T.C.-Mitglieder (zumindest einigen davon) seit dem 2000er "Worldwide" angekündigt wird, wäre hier wohl der richtige Zeitpunkt, darauf hinzuweisen, wie sehr dieses einstige Monument einer New Yorker Crew vom Zahn der Zeit in Mitleidenschaft gezogen wurde. Vor allem die produzierende Hälfte verbringt das neue Jahrtausend bisher im Halb- und teilweise Tiefschlaf. Aber auch Leute wie O.C., die sich mit ihrer Solokarriere zumindest halbwegs im Feld der Relevanz hielten, zehren heute nur noch von ihrem Veteranenstatus, nicht etwa von musikalisch bemerkenswerten Taten. Ein Kollabo-Album von O.C. und A.G. soll Abhilfe schaffen.

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"Oasis", so der Titel des Werks. Selbst ohne Cover ist es unschwer zu erraten, was sich hinter dieser Metapher versteckt: anti-progressives, konservatives Denken, Predigten alter Werte in einer Welt, mit der sich die D.I.T.C.-Clique nicht mehr identifizieren kann. Wer also denkt, dass hier ein Versuch gestartet wird, sich mit einem neuen Album neue Ideen und Arbeitsweisen einzuverleiben, um dem langweiligen, verstaubten Bild der eigenen Marke eine neue Facette aufzusetzen, der dachte falsch: O.C. und A.G. schlagen den einfachen Weg ein und versuchen, mit altbackenem BoomBap einen Treffer zu erzielen. Also bleibt einem nicht viel anderes übrig, als sich mit dieser Entscheidung abzufinden und herauszufinden, wie sich O.C., A.G. und die produzierenden Köpfe (vor allem E Blaze, der gut die Hälfte der Tracks beisteuert) schlagen. Und man muss eingestehen, dass es weitaus schlimmer hätte laufen können. Von einer Blamage ist man hier weit entfernt. Leider ebenso weit wie von einem bemerkenswerten oder außergewöhnlichen Album. Wie bei so vielen anderen Künstlern auch verliert sich die Scheibe in Tracks der Güteklasse "okay". Eine müde Vorstellung geben O.C. und Andre The Giant trotzdem nicht: Neben einer nicht von der Hand zu weisenden Harmonie zwischen den beiden Emcees (wobei O.C. als der beständig Bessere aus dem Album hervorgeht) ist es erfreulich zu sehen, dass bei beiden immer noch genügend Power vorhanden ist. Angreifbar wird die Performance am Mic, die alltäglichen Street-Talk und Selbstinszenierung umfasst, erst in Kombination mit den Instrumentals, die auf Dauer genau die Befürchtungen, die bei einem Album wie diesem unweigerlich aufkommen, schüren: Wo der Start noch gut gelingt, verliert sich "Oasis" schnell in Hintergrundmusik. Der Titeltrack und Opener "Oasis" profitiert noch von maximaler Hörmotivation, mit "Give It Back" und einer schönen Drumline hat der Hörer ebenfalls wenig zu kritisieren. Doch schon bei "Alpha Males" fängt die Aufmerksamkeit des Hörers zu bröckeln an. Da helfen vereinzelte großartige Metaphern und Glanzmomente der Lyrics ("Reality Is") nicht weiter, im Gesamtpaket wirkt alles zu unfokussiert. Für den Fall, dass man dem Album besondere Aufmerksamkeit schenkt, sorgen spätestens "Against The Wall", "Put It In The Box" und "Boom Bap" im Mittelteil für die endgültige Erkenntnis, dass hier nicht mehr viel passiert. Im späteren Verlauf warten mit "Two For The Money" noch Scratches von DJ Premier, ein guter Showbiz-Beat und starke Raps, während in der ersten Hälfte "Think About It" die kraftvollste Nummer ist.


Fazit:
Mehr lässt sich an dieser Stelle nicht sagen. Inzwischen fehlt mir wohl auch die Motivation, das x-te Album, das sich damit begnügt, BoomBap zu fertigen, der einerseits jegliche Anstrengungen, sich von der Masse der anderen BoomBap-Platten abzuheben oder erinnerungswerte Elemente einzubauen, ablehnt, der aber andererseits seine Sache bei weitem nicht gut genug macht, um diese Ablehnung zu rechtfertigen, in blumige Worte zu packen. Denn wenn man will, dann ist "Oasis" ein gelungenes Album, das ohne Aussetzer ins Ziel kommt und einige hörenswerte Momente mitführt. Um es aber auf den Punkt zu bringen: "Oasis" muss man nicht gehört haben.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

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RA EL - Close Encounters Of The 4th Kind

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Release Date: Oktober 2009
Label: Hierogrammat Entertainment

Tracklist:
01. Uprising
02. First Contact
03. Night Of Intrigue
04. Matrix Warz
05. Control Agenda
06. Transit Of V3nus
07. Close Encounters Of The 4th Kind
08. Sphere Of Andromeda
09. Born Invincible
10. Love Of Art
11. Prophesies In The Violet Sky
12. War Zone
13. Dreamscape Corridor
14. Salvation



Es hat mit dem Debüt funktioniert, wieso also nicht gleich noch einmal: RA EL kreierte mit "Noir World", ob man es nun schätzt oder nicht, etwas inhaltlich Neues. Die Science-Fiction-Story als Grundlage eines Konzeptalbums bildete eine willkommene Abwechslung zu all den Standard-BoomBap-Platten. Nur ein halbes Jahr nach dem ersten Album folgt also das zweite. Alleine der Titel, eine Anlehnung an Spielberg's "Close Encounters Of The Third Kind" bzw. den Hynek-Terminus, verrät, dass sich RA EL wieder eine nette Geschichte ausgedacht hat, die in einer imaginären Zukunft spielt. Als Steigerung zu Spielberg scheint "Close Encounters Of The 4th Kind" da nur logisch.

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Doch nun etwas konkreter: Wie auf "Noir World" gibt es auch hier einige Hauptpersonen, die "Guten". Doch die Story wirkt diesmal etwas ausgereifter, schließlich wird die gesamte Erde von einer außerirdischen Macht bedroht: Unter dem Namen Dark Reign tritt diese Bedrohung im 31. Jahrhundert auf, um die Erde zu invasieren. Ob das Cover nun einen Eindruck besagter Invasion vermitteln soll, darf jeder selbst entscheiden, doch vom Cover sollte man sich sowieso nicht abschrecken lassen. Denn auch auf Seiten der Instrumentals fanden sich mit 4th Disciple, Falling Down und Ciph Barker einige interessante Persönlichkeiten ein. Zurück zum Plot: Die Dark Reign Invasion wird geleitet von einem Supercomputer, genannt Prophecy. In "First Contact" wird die gesamte Ausgangssituation dargelegt: in Flammen aufgehende Städte, Übernahme durch die Invasoren, weltweites Chaos. Als Gegengewicht entwickelt sich ein Bündnis zwischen dem amerikanischen General Pythagoras, dem russischen Kion Freejack und der japanischen Mona Lisa. Science-Fiction-Jargon findet sich noch und nöcher in RA's Raps, so verdient Mona beispielsweise ihr täglich Brot als Bio-Hunter. Nun also darf der Kampf "Gut gegen Böse" beginnen. Vielleicht sollte man an dieser Stelle erst einmal betrachten, was sich im Vergleich zum ersten Album geändert hat. Die schmackhafte Gästeliste, die beim Debüt eine größere Interessensgruppe anziehen sollte, wird diesmal aus dem Budget gestrichen, was jedoch ohne weiteres zu verschmerzen ist. RA EL ist immer noch kein Rap-Wunderkind, sein Flow ist nicht immer sauber, die Silbenzahl passt an vereinzelten Stellen ebenfalls nicht. Wer diese, im Rahmen des Erträglichen gehaltenen Macken der "Persönlichkeit" zurechnet und somit akzeptiert, der wird sich nicht weiter daran stören. Die Beats schließlich sind ähnlich gut wie auf dem Debüt und als Untermalung der Geschichte meist bestens geeignet. Nun zum Handlungsverlauf: "Night Of Intrigue" und "Matrix Warz" liefern das Vorgeplänkel in einer Erdstation von Dark Reign. Ganz nebenbei: Dass die Erdbevölkerung von der DR-Miliz via Implantaten versklavt wird, offenbart zusammen mit der Verwendung mehrerer Ghost-In-The-Shell-Samples eine von RA's Inspirationsquellen. Schließlich erfolgt eine Teleportation ins Mutterschiff (genannt Darkone Castle), wo weitere Kämpfe ausgetragen werden, die zum augenscheinlichen Tod Mona Lisa's führen. Damit offenbart sich im Titeltrack auch, was mit "Close Encounters Of The 4th Kind" gemeint ist: Anstatt zu sterben, wird sie von einer zuerst unbekannten Instanz in den Andromeda-Nebel befördert ("Transit Of V3nus"), wo höhere Wesen ihr den Schlüssel zur Zerstörung des Prophecy-Computers in die Hände legen ("Sphere Of Andromeda"). 4th Disciple's Produktion im Titeltrack ist ein schlichtes, aber nachhaltiges Juwel, das auch den Hörspaß nicht zu kurz kommen lässt. Es folgen einige Tracks, die die Handlung ruhen lassen. Hier sticht vor allem "Prophesies In The Violet Sky" hervor, erneut ein herausragendes Instrumental, das außerdem perfekt zum hektischen Flow von RA EL passt. In "War Zone" geht es schließlich weiter: Pythagoras und Freejack schlagen sich emsig im Mutterschiff mit dem fiesen Gesindel der Gegenpartei herum, als Mona wieder auftaucht und die Entscheidung bringt. Doch - zu früh grefreut - im "Dreamscape Corridor" - einer weiteren Top-Produktion von 4th Disciple - muss noch der Gestalt annehmende Prophecy-Computer ausgeschaltet werden. Ist auch das geschafft, erfolgt mit "Salvation" das Happy End:

"We made it through the dark storm, the war's over as the night dawn
Soldiers stand at ease and calm
Return to their families, after casualties, enemies
Slaves set free, celebrate freedom and victory
[...]
Pythagoras kisses his wife, holds his daughter, as they walk in the park
"


Fazit:
Bevor man dieses Albun anrührt, sollte man sicherstellen, dass man sich mit dem Emcee RA EL und seiner Art anfreunden kann. Falls ja, wird man mit dem Sophomore des Rappers aus Queens einige schöne Momente verbringen können. Einmal abgesehen von dem starken Statement, das 4th Disciple hier abgibt, sind viele der Beats zwar nicht herausragend, passen dafür jedoch umso mehr ins Gesamtbild. Es fällt (wie beim ersten Album) schwer, der Story zu folgen, doch wie schon auf "Noir World" ist das nicht zwingend notwendig. "Close Encounters Of The 4th Kind" ist ein nettes Werk, das etwas abseits der Norm spielt und dem man ohne Bedenken eine Chance geben darf. Ob dem ganzen Konzept, falls es denn noch einem weiteren Album als Grundlage dienen sollte, jemals höhere Wertungen entspringen, ist allerdings stark in Zweifel zu ziehen.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Critical Madness - Organ Donors

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Release Date: September 2009
Label: Domination Recordings

Tracklist:
01. Organ Donors
02. Empirical (TzarizM ReMIX)
03. Life Is Horror
04. Boom (Nowhere to Hide) (Feat. IDE, Jise, Alucard, UG & TzarizM)
05. Go Harder (Feat. Little Vic)
06. FL. To T-Dot (Feat. Doc Demeyez)
07. Remember (Monowax Remix)
08. Versatility (Feat. J.Bada)
09. CM Anthem
10. Sorry Sugar
11. Issues
12. Halftime Show Promo
13. Madness Freestyle
14. Pasta Eaters (Feat. Little Vic)
15. Chug A 5th
16. Blessed With Sin (Feat. Little Vic)
17. Red Handed
18. Hail To The Fetus
19. Gambling
20. Nothing's Changed (Feat. Mygrane McNastee)
21. Massacre Mics (Original Version)
22. Big Fish (Feat. Caveman Theory)
23. Every Night



Der enge Kreis, der Creative Juices vor kurzem noch war, scheint langsam aufzubrechen: Zuerst zeichnen sich einige namhafte Features ab, nun deutet sich eine leichte Expansion an: Für Critical Madness bedeutet das eine Zusammenarbeit mit Domination Recordings. In diesem Zuge steht auch das erste offizielle Gruppenalbum, "Bringing Out The Dead", in greifbarer Nähe. Davor gibt es jedoch noch ein Schmankerl für alle Freunde von Free Downloads: In einem 23 Tracks starken Mixtape namens "Organ Donors" werden bisher unveröffentlichte Tracks etc. zusammengefasst und dem Hörer vorgesetzt.

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Ein Mixtape, bei dem keine Rücksicht auf Ausgeglichenheit genommen wird und bei dem es auch nicht jedem recht gemacht wird: "Organ Donors" gibt 75 Minuten lang Vollgas und hinterlässt eine von Battle-Rap und wuchtigen Beats verschuldete Schneise. Zur Seite stehen den beiden Emcees dabei Langzeitkumpel TzarizM, ebenso wie einige andere Kollegen, von denen Tempermental noch die meisten Einsätze verzeichnet. Wer Critical Madness bereits kennt, oder wer auch nur zum Beispiel mit Critical's letztjährigem Solo vertraut ist, der weiß, dass CM im Vergleich zu den anderen Creative Juices-Heads eher die Herren fürs Grobe sind: Die ausgeklügelt düster-dramatischen Kompositionen sind nicht ihr Metier, weswegen die bisherigen Releases auch nicht mit denen der Kollegen mithalten konnten. Ob sich das mit "Bringing Out The Dead" ändert, sei mal dahingestellt, doch wie hier in den ersten Songs in die Vollen gegangen wird, schickt einem unter Umständen die Kinnlade gen Süden. Im Sinne des Mixtape-Charakters mixt Prolific alles schön zusammen und macht die ersten Minuten zu einem einzigen Feuerwerk. Wo sich das Intro noch in gesampelten Wortfetzen aufwärmt, rücken der Hörerschaft im Tzar-Remix zu "Empirical" bereits pumpende Drums und dichte Streicher-Arrangements zu Leibe, während es von CM saftige Battle-Raps setzt, die wie nichts anderes an diese Stelle passen, auf dass nur noch zu sagen bleibt: "CM, bitch!" Noch ganz im Erstaunen darüber, wie die ersten Zweifel im Streich genommen wurden, wird nachgelegt: "Life Is Horror" ist das Motto, unter dem der Franzose Al'Tarba seine munter weiterknüppelnden Drums in die Schlacht wirft - wer Tarba kennt, der darf sich auf eine seiner besten Arbeiten freuen. Wem das noch nicht reicht, der darf sich mit "Boom" den alles wegschwemmenden Rest geben. Ein Posse-Track erster Güteklasse treibt über eine weitere Großtat von Tzar die komplette CJM-Bande (mal abgesehen von Savage Messiah) in die Manege und dem Fan die Tränen in die Augen: Vom wütenden IDE über den gewandten Alucard bis zum stimmgewaltigen Dwella UG ist alles dabei. Kein Wunder, dass dieser Song auch auf Alucard's re-releastem Album auftaucht. "We make bangers with no hooks" heißt es direkt im Anschluss - denn vorbei ist die Show noch lange nicht. Ohne Zweifel schleichen sich in der restlichen, ausgedehnten Spielzeit einige Filler ein, doch geboten wird mehr als genug. "Remember" serviert im Monowax Remix relaxte Sommermusik, während in der "Halftime Show Promo" wieder die Sau rausgelassen wird. Aussetzer gibt es keine, lediglich "Red Handed" entpuppt sich als anstrengend. Während sich im hinteren Teil die Hochkaräter lichten, schaffen es die deutschen Hitfarmers trotzdem, nochmal Akzente zu setzen: "Pasta Eaters" mit Little Vic lebt beanstandungslosen BoomBap bis in die letzte Sekunde. Nebst einigen weiteren Songs zum Zurücklehnen ("Issues") sei nochmals zum ersten Teil zurückgekehrt, der noch nicht voll ausgeschöpft wurde, denn "Go Harder" und "Versatility" ziehen mit ähnlicher Intensität wie die Opener aus den Boxen.


Fazit:
Es ist verständlich, bei kostenlosem Material vorsichtig zu sein, beziehungsweise bei der übermäßigen Fülle einen Großteil einfach zu übergehen. Doch gerade deshalb sei an dieser Stelle explizit auf dieses Werk hingewiesen, das zwar keinen Albumcharakter entwickelt, diesen aber auch gar nicht tragen möchte und vielmehr durch die Unbeschwertheit der hintereinander aufgereihten Battle-Sausen besticht. Die Qualität einiger (sogar überraschend vieler) Songs übersteigt dabei das Niveau, das viele Alben innehaben, bei weitem. Sollte wirklich der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Critical Madness ihr nächstes Album mit solchen Songs ausstopfen, dann ist Vorfreude angesagt. Doch bis dahin darf man sich darüber freuen, dass mit "Organ Donors" der Sinn eines kostenlosen Mixtapes punktgenau getroffen wurde. Genau für diesen Umstand werden auch großzügige 3,5 Kronen vergeben.

Gesamtwertung: 6.5 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

50 Cent - Before I Self Destruct

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Release Date: 16. November 2009
Label: Shady Records / Aftermath Records / Interscope Records

Tracklist:
01. The Invitation
02. Then Days Went By
03. Death To My Enemies
04. So Disrespectful
05. Psycho (Feat. Eminem)
06. Hold Me Down
07. Crime Wave
08. Stretch
09. Strong Enough
10. Get It Hot
11. Gangsta's Delight
12. I Got Swag
13. Baby By Me (Feat. Ne-Yo)
14. Do You Think About Me
15. OK, You're Right
16. Could’ve Been You (Feat. R. Kelly)



Interessiert sich heutzutage eigentlich noch jemand dafür, wenn 50 Cent ein neues Album veröffentlicht? Wohl die wenigsten. Das mag daran liegen, dass sich Curtis Jackson schon seit längerem aus dem Zentrum der Rap-Szene verabschiedet hat (eingeschlossen die Mixtape-Szene, in der er so präsent war) und sich gleich Dagobert Duck in seinem Geldspeicher vergnügt. Hin und wieder hört man mal wieder über seine Website thisis50.com den einen oder anderen Kommentar zu derzeitigen Geschehnissen, doch wer nur auf Neuigkeiten, die auch wirklich mit Musik zu tun haben, achtet, der mag Fifty glatt vergessen haben. Schließlich verlor er nicht erst mit seinem letzten Album "Curtis" an Rückhalt in der Szene. Für die einstige Lichtgestalt ist die Ausgangsposition vor diesem neuen Album eine völlig andere - mit "Before I Self Destruct" muss er der Welt wieder etwas beweisen.

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Deshalb wurde von vornherein darauf hingewiesen, dass diese Scheibe härter und aggressiver als der Timbalake-Fitty von "Curtis" sei. Schwer zu glauben, doch 50 scheint es ernst zu meinen: Die poppigen Feature-Gäste werden gekürzt, seine dezimierte G-Unit lässt er auch links liegen. Ganz als ob er der Welt beweisen wollte, dass er es auch alleine kann. Die Produzentenliste ist dagegen keine wirkliche Überraschung, höchstens insoweit, als dass weitere No-Names ihre Beiträge beisteuern durften. Immerhin wurde also etwas geändert. Damit müsste nur noch Fitty selbst nachziehen. Denn seine jüngeren Raps hatten wenig mit der gewünschten Aggressivität zu tun und ließen erwähnenswerte Motivation vermissen. Mit einer Rückkehr zu höherem Rap-Niveau denkt man automatisch an "Get Rich Or Die Tryin'" oder gar die Tage vor dem Senkrechtstart. Das war der Fifty, dem man mit jeder Zeile das dämliche Grinsen, das seinen Style prägte, anhören konnte. Genau diese Art bildete einen Teil seiner Authentizität. Und genau diese Art wird man hier nicht finden. Bei allen Bemühungen wirken viele Songs gezwungen oder dann doch unmotiviert. Hinzu kommen die Beats, die zwar den "GRODT"-Zeiten nachempfunden sein mögen, aufgrund der niederen Qualität jeodch im Jahr 2009 fast durchgehend unspektakulären Standard verkörpern. Manche der Samples kennt man in besserer Verwendung, einige Beats sind zu voraussehbar, nur an wenigen Stellen möchte man wirklich hinhören. Dabei fängt es mit Ty Fyffe's "The Invitation" noch gut an: düster und zeitgemäß. Trotzdem beweist 50 gleich zu Beginn, dass er nicht so viel zu berichten hat, wie man inzwischen vielleicht meinen könnte. Dass alle in seinen Geldspeicher wollen, scheint seine einzige Sorge. Um die Realness zu wahren, müssen natürlich auch reihenweise Street-Phrasen geklopft werden. Trotzdem ist in Fifty's Welt "Swag" gleichbedeutend mit "Money", siehe "I Got Swag". Weitaus voraussehbarer ist "Death To My Enemies", das mit der wohl besten Produktion der Platte (von Dr. Dre) ausgestattet ist. Doch auch dem Doktor gehen bei 50 die Ideen aus: "Psycho" ist mit seinen hektischen Streichern und der Inszenierung der Emcees als psychopathische Killer mehr als nur eine Standard-Kollabo der großen Drei (wobei Em eine gute Show bietet). "So Disrespectful" widmet sich über plattes Instrumental u.a. den Ex-G-Unit-Mitgliedern. Wo ein Großteil der Songs einfach unauffällig ist, gibt es auch prächtige Aussetzer: Die Hook von "Get It Hot" ist erschreckend schlecht, die "Rapper's Delight"-Neuinterpretation "Gangsta's Delight" lahmt nicht nur dank Havoc's ödem Beat gewaltig. Dass die von R. Kelly und Ne-Yo besuchten "Could've Been You" und "Baby By Me" identitätslose Mainstream-Kompromisse sind, überrascht nicht, doch auch die Cleverness, mit der 50 seinen Mist (sogar ein "Candy Shop") früher zu verkaufen wusste, fehlt. Damit verbleibt nicht mehr viel: Ein idiotisches Liebeslied an die eigene Handfeuerwaffe ("Hold Me Down"), das narzisstische "Do You Think About Me", Coke-Lehrstunden in "Stretch" oder das zu bombastisch aufgetragene "OK, You're Right" - meist nicht schlecht, aber nie mehr als mittelmäßig.

Fazit:
Was nützt es, 50 Cent bezüglich der Rückkehr zu aggressiveren Raps zu loben, wenn selbige aufgezwungen wirken, wenn 50 Cent lustlos rappt und wenn die Produktionen jegliche Selbstständigkeit vermissen lassen? Anstatt die Erfahrungen des Überschreitens seines Karrierezenits in Worte zu fassen, vertreibt sich 50 den Großteil der Spielzeit mit langweiligem Gehabe. Perspektivlosigkeit zeigt auch die soundliche Orientierungslosigkeit; die früheren Zeiten scheinen für immer vorbei, eine zukünftige Marschrichtung scheint noch nicht gefunden. Vielleicht täte da eine Selbstzerstörung inklusive anschließendem Neuaufbau ganz gut. "Before I Self Destruct" jedenfalls bietet einen nicht empfehlenswerten Mix aus Mittelmaß und Fehltritten.

Gesamtwertung: 3.8 / 10

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Bekay - Hunger Pains

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Release Date: 10. November 2009
Label: Coalmine Records / Diamond Music Group

Tracklist:
01. Intro
02. I Am (Feat. DJ Revolution)
03. Pipe Dreams (Feat. R.A. The Rugged Man)
04. Bloodsport
05. Young
06. Rapstar (Hunger Pains)
07. Crazy (Feat. Heltah Skeltah)
08. Brooklyn Bridge (Feat. Masta Ace)
09. That's Brooklyn (Skit)
10. Skemers (Feat. Wordsworth)
11. Realest That Run It
12. Pops
13. The Raw (Feat. Saigon & Inspectah Deck)
14. Visions
15. I Am (Remix) (Feat. Dilated Peoples)



Ein weiterer Emcee, für den nun die Stunde der Wahrheit gekommen ist: Wie für so viele andere auch, war es ein etappenreicher Weg, der Bekay zu dem hier vorliegenden Album geführt hat. Bekay hat an diversen Battle-Contests teilgenommen, u.a. 106th and Park's "Freestyle Friday", er war Finalist bei MTV's "Making The Band" und, für die Rap-Fans weitaus gewichtiger, mit seinem Album "The Horror Flick LP" stellte er einen der erfolgreichsten Beiträge der Rawkus-50-Release-Serie. Jenem Album ging ein Mixtape mit DJ Kay Slay voraus. "Hunger Pains" ist nun also ganz ohne Frage das Album, mit dem sich entscheidet, ob es für Bekay auf die nächste Stufe geht.

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Bekay, dessen Name sich nicht nur zufällig wie sein Borough ausspricht, besteht darauf, der Sorte junger Emcees zugeordnet zu werden, deren Wertvorstellung von HipHop noch auf der alten Schule fußt. Damit ist er bei Coalmine natürlich bestens aufgehoben, und für "Hunger Pains" wird ein noch saftigeres Producer-Lineup zusammengetrommelt als auf der "Horror Flick LP". Da verwundert es nicht groß, dass das Angebot, das Bekay dem Hörer mit diesem Album macht, BoomBap mit Herz und Seele ist. Man kann nun also, in Anbetracht der Übersättigung dieser Marktsparte, dankend abwinken oder aber hören, wie Bekay sich im Versuch, der von allen Seiten drohenden Gefahr des Absinkens in Altbekanntes und Langeweile auszuweichen, schlägt. Zu seinen Waffen zählt ein rundum gewöhnlicher Mix aus Battle-Rap, persönlichen Songs und ein wenig Observation der direkten Umwelt. Aller Anfang wird von den Returners besorgt, und zwar mit einem klassischen "Intro" aus Scratches und Cuts, das beanstandungslos gelingt, die richtige Stimmung vorgibt und nahtlos in die Alchemist-produzierte erste Nummer, "I Am", übergeht. Ein tanzender Piano-Loop garantiert den ersten bemerkenswert guten Song, in dem sich Bekay durch einwandfreien Eifer am Mic profiliert. Ein anderer Song, in dem sich Bekay in Battle-Raps ergeht, ist "Realest That Run It", das anschaulich zeigt, dass bei mittelmäßiger Produktion auch die aggressiven Lines des Emcees der Skip-Taste zum Opfer fallen. Denn auch wenn Bekay zweifelsohne mit den richtigen Ambitionen bei der Sache ist, eine außergewöhnliche Erscheinung am Mic ist etwas anderes. Zum Glück stimmen die Produktionen fast durchgehend: "Crazy" zählt zwar zu den schwächsten Instrumentals, erhält sich seinen Unterhaltungswert aber durch gut gewählte Gäste - Ruck mit einigen Bars und Rock mit einer stimmgewaltigen Hook. Als "Skemers" nehmen sich Bekay und Words (die im dritten Verse einen schönen Bars-Schlagabtausch vorführen), was ihnen gefällt und vor die Griffel gerät, zusammen mit dem artverwandten Gast Ace wird mit guter Laune der eigenen Herkunft ein Song gewidmet, der voll und ganz zu Ace's Veteranen-Rapstil passt (das mag nun positiv oder negativ gewertet werden). In eine ähnliche Richtung zielt der "That's Brooklyn" Skit, in dem BK-typische Macken (in etwa wie Joell Ortiz' "Brooklyn Bullshit") aufgezählt werden. Etwas mehr Gehalt bietet "Pipe Dreams", in dem der junge Rapper Bekay mit einem schamlosen A&R, gerappt vom Rugged Man, konfrontiert wird:

"Concentrate on your rapping, I'll handle the rest
I'mma get you five beats from Kanye West
And two beats from Lil Jon, for the Down-South market
If we sell records, who cares if we make garbage?
Oops, I didn't mean that, I'm just so excited
I can't hide it, now here's the contract, you better sign it
"

Die Brücke von Kritik am Business zu eigenen Erfahrungen spannt Bekay mit "Rapstar", wo er seinen bisherigen Weg aufrollt und unter anderem auch die ständigen Vergleiche zu Eminem erwähnt. "Young" und "Pops" markieren die persönlichsten Tracks, fesseln jedoch dank mittelmäßiger Produktion nicht in vollem Maße. Das schön ältere "The Raw" schließlich hat seinen Weg aufs Album wohl nur dank der namhaften Features gefunden, denn zu den besten Tracks zählt es beileibe nicht.


Fazit:
Was dieses Album stark macht, sind die gute Wahl an Beats, die Bekay getroffen hat (und die zwar nichts Außergewöhnliches, dafür aber viel sehr gut Verarbeitetes bietet), und die Emotionen, die Bekay in seine Raps packt. Wenn er dann mit einem verbitterten Song über die Mühen seiner Karriere einen Vergleich mit Eminem hinterhergeworfen bekommt, sollte er die Stinkigkeit beiseite legen und sich freuen, dass diese Parallele ihm offensichtlich mehr Charakter zuspricht, als vielen seiner Kollegen attestiert wird. Denn eigentlich ist Bekay einer unter vielen, der mit "Hunger Pains" ein knapp gutes Album vorlegt, das jedoch keinesfalls irgendwelche Besonderheiten zu Tage fördert.

Gesamtwertung 6.5 / 10

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Wale - Attention Deficit

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Release Date: 10. November 2009
Label: Allido Records / Interscope Records

Tracklist:
01. Triumph
02. Mama Told Me
03. Mirrors (Feat. Bun B)
04. Pretty Girls (Feat. Gucci Mane & Weensey)
05. World Tour (Feat. Jazmine Sullivan)
06. Let It Loose (Feat. Pharrell Williams)
07. 90210
08. Shades (Feat. Chrisette Michele)
09. Chillin' (Feat. Lady Gaga)
10. TV In The Radio (Feat. K'Naan)
11. Contemplate
12. Diary (Feat. Marsha Ambrosius)
13. Beautiful Bliss (Feat. Melanie Fiona & J.Cole)
14. Prescription



Es scheint dem HipHop-Staate ins Blut gelegt, von Zeit zu Zeit neue Jungspunde so sehr mit Medienrummel zu beladen, dass sich selbst der unverbesserliche Ewiggestrige fragt, welcher Messias denn nun schon wieder das Game revolutioniert. Im Falle Wale, mehr oder weniger einem Zögling von Mark Ronson, waren es vielgerühmte Mixtapes, die den Hype um das Debütalbum in ungesunde Höhen schraubten. Denn wenn das nur Mixtapes waren, wie mag dann wohl erst das Album klingen? Man möchte jetzt schon gähnen - nicht wegen Wale selbst, sondern aufgrund der medialen Beachtung, die Wale's "Attention Deficit" wohl jetzt schon mehr als genug befriedigt hat.

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Ob er seinen Albumtitel nun mit oder ohne Sarkasmus gewählt hat, egal wie gut oder schlecht seine Mixtapes waren und was dort bereits an Thematiken abgesondert wurde - hier geht es um das Album, um 14 Tracks mit verschiedensten Gästen und angesehenen Produzenten. Bevor das große Ziehen der Vergleiche, um das man bei Wale schlecht herumkommt, beginnt, sei notiert, dass bisher wohl wenige bis keine Rapper der "jungen" Generation mit einem ähnlichen Anspruch, gleichsam Mainstream-Welt und seriöse HipHop-Gemeinde zu bedienen, ihr Debüt veröffentlichten. Gehaltvolle Lyrics, die über das Gejammer eines Kanye West hinausgehen, injiziert in Massenverträglichkeit. Und so könnte man noch seitenlang Namen in den Schmelztiegel werfen, aus dem im Anschluss ein Wale werden soll, wobei eine Analyse des Endproduktes sinnvoller erscheint. Den Einstieg, "Triumph", in Worte zu fassen, fällt schwer, denn es gibt von allem etwas: Representing, Bragging, Darstellung der Skills, Reflektion des eigenen Werdegangs. Kurzum, ein Track, der alle, die mit Wale noch keine Bekanntschaft geschlossen haben, darauf hinweist, dass dieser Junge Talent hat. Über das Album hinweg muss er sich sogar gedacht haben, dass der anfangs präsentierte Rap-Stil nicht genug sei, weswegen Wale nach Belieben variiert. Der erste Fehler, das Fehlen eines wirklich markanten und auch voll ausgearbeiteten Flows, darf vermerkt werden, spielt aber keine entscheidende Rolle. Da die Zahl der Rapper aus Washington, D.C. nicht gerade lang ist, wartet man unter Umständen auf Referenzen an die Haupstadt. Eine solche findet unterschwellig mit "Pretty Girls", einem Backyard Band-Sample und dem Feature eines Mitglieds ebenjener Go-Go-Band, Weensey, statt. Wer genau dafür verantwortlich ist, dass außerdem der potentiell käuferspektrumerweiternde Gucci Mane mit ins Geschehen geworfen wird, weiß ich nicht, in jedem Fall wird der ansehnliche Song (der Gucci Mane-Hörer wahrscheinlich sowieso kalt lässt) befleckt. Weniger störend sind die weiblichen Gäste, die für die meist gelungenen, doch manchmal austauschbaren Hooks engagiert werden. Schließlich dreht sich auch ein nicht geringer Teil der Texte um die Ladies: "Black girl's Diary" zeigt nicht den souveränen Player, sondern einen Wale, der mehr für eine gute Freundin empfindet als vice versa. Im gut produzierten (und mit atmosphärisch gelungen transferiertem Rihanna-Sample bestückten) "Contemplate" dagegen wird eine undankbare Freundin überwunden bzw. werden die Medienerwartungen verarbeitet. Doch nicht die ganze Platte ist derart interessant: "Mama Told Me" rührt als typischer Opener im "kleiner Junge entdeckt die große Welt"-Kaffee herum und ein "Mirrors" stellt nicht mehr als ein mit dem vollkommen unpassenden Bun B noch erhöhtes Gewicht für die HipHop-Seite der LP dar. Doch nicht nur das, es werden auch andere Styles für das Album übernommen: Auf "90210" klingt Wale wie CuDi und rappt über ein Mädchen, dessen Hollywood-Träume sie und ihren Körper zerstören, auf "Beautiful Bliss" klingt Kollege J Cole wie Lupe Fiasco und auf "Chillin" werden mit dem werbetrommelrührenden Namen Lady Gaga, die zu vollen 100 Prozent im M.I.A.-Stil auftritt, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. "Let It Loose" kupfert nicht ab, geht mit ödem Pharrel-Gesülze und Neptunes-Geholpere im Beat trotzdem als Aussetzer durch. Wenn bis dato die Produktionen wenig erwähnt wurden, liegt das daran, dass Mark Ronson, Best Kept Secret und Konsorten nie in den Vordergrund treten, dafür jedoch auch nichts anbrennen lassen. "World Tour" beispielsweise erarbeitet sich seinen Replay-Value durch Jazmine Sullivan, (das immerhin auffallend gelungen produzierte) "Shades" durch den Auftritt von Chrisette Michele und die Raps, die sich mit den einzelnen Abstufungen und internen Beziehungen der Farbe Schwarz beschäftigen (Wale's Eltern sind Nigerianer). Ebenfalls eine gute Vorstellung liefert das abschließende "Prescription", das als jazzige Nummer mehr HipHop atmet als die meisten Songs der Platte. Da macht es nur Sinn, dass Wale selbst auch seine Profession thematisiert.


Fazit:
Welche der Erwartungen hält Wale nun also ein? Auf der einen Seite nicht übermäßig viele, auf der anderen Seite aber vollbringt er doch eine reife Leistung: Sein Debüt dürfte für jeden akzeptabel sein. Damit lässt es sich auch mit einem Wort zusammenfassen: "Attention Deficit" ist ein Kompromiss. Hier und da wird ein wenig Mist für die Dummen eingestreut, an anderen Stellen wird klargestellt, dass eigentlich ein cleveres Kerlchen am Mic steht. Von der Person Wale bleibt damit leider nicht mehr allzu viel übrig, doch wer weiß, was die Zukunft bringt. Von "Attention Deficit" bleiben jedenfalls weder Beats noch Rap-Taten im Gedächtnis, doch als das Kompromisswerk, das es ist, gelingt mit der Mischung aus Rap und sich zum Beispiel in Hooks niederschlagendem Pop-Appeal ein angenehmes Album, das jedoch keine nennenswerten Spuren hinterlässt.

Gesamtwertung: 5.8 / 10

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Chief - Collabo Collection

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Release Date: 03. November 2009
Label: Feelin Music

Tracklist:
01. Intro
02. Felt Before (Feat. Moka Only)
03. Jazz Unconditional (Feat. John Robinson)
04. Love Lost (Feat. Co$$)
05. Let It Be (Feat. Tha Connection)
06. True Love (Feat. Blu & Sene)
07. Once In My Life (Feat. Les Nubians)
08. Hello (Feat. Just Brea & Abstract Rude)
09. Anyway (Feat. Moka Only)
10. The Journey (Feat. Sunken Heads)
11. Soul Brother (Feat. Co$$)
12. Demon Love (Feat. Kissey Asplund & Moka Only)
13. D&C (Feat. Dynas)
14. That's How We Kick It (Feat. J Sands & Kenn Starr)
15. Go, Ladies (Instrumental)
16. Perspective (Instrumental)
17. 16 Levels (Instrumental)
18. Chieflada (Instrumental)
19. Outro



HipHop im Stile der Amerikaner aus der Schweiz? Wem hier nicht sofort ein Name in den Sinn kommt, der sollte sich schnellstens mit Chief vertraut machen. Nicht nur verdient sich der in Lausanne geborene Herr seine Lorbeeren als Produzent, vielleicht noch wichtiger ist seine Tätigkeit als Kopf des Labels Feelin Music". So verwundert es auch nicht, wenn Chief im Laufe der Zeit eine ganze Reihe an Bekanntschaften geschlossen hat. Produziert hat der Schweizer schon mehrere Projekte, doch nun scheint die Zeit für ein eigenes Producer-Album gekommen zu sein. Mit Songs, die mitunter vier Jahre alt sind, füllt sich das Debüt "Collabo Collection".

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Als Einflüsse wird Chief die halbe Genre-Welt in die Schuhe geschoben, letzten Endes fällt eine Beschreibung der Arbeiten von Chief auch auf keinen gemeinsamen Nenner, doch irgendwo zwischen Jazz-Rap und Neo-Soul tummeln sich die meisten Songs. Wie die meisten anderen Produzenten schart auch Chief viele und vor allem verschiedenste Gäste um sich, auch eine strikte Beschränkung auf amerikanischen Grund und Boden sollte man hier nicht erwarten. Doch im Gegensatz zu so vielen anderen Produzentenalben passt die Mischung bei Chief auch tatsächlich. Ein Pluspunkt, der dem Album im späteren Verlauf sehr zugute kommt. Was das Wattestäbchen im Cover verloren hat, soll hier nicht untersucht werden, vielmehr interessiert, ob aus der "Collection" auch ein brauchbares "Album" geworden ist. Denn bei aller Kultiviertheit der Musik bleibt der Fakt, dass die Idee zum Album wohl nach Aufnahme eines großen Teils der Tracks gefällt wurde. Über das durchschnittliche Album-Feeling anderer Produzenten kommt Chief trotzdem hinaus - Sorge dafür tragen die meist gefühlvollen Instrumentals, die Chief gleich einem Modellbauer mit Liebe fürs Detail zusammenbastelt. So wirklich genießen kann man diese Songs dementsprechend nur, wenn man sich in der richtigen (leider etwas zu eingeschränkten) Atmosphäre, die wahrscheinlich in den eigenen vier Wänden zu suchen ist, befindet. Die meisten Tracks auf "Collabo Collection" wirken nicht, um Ruhe für sich selbst zu finden, sie wirken erst, wenn man die Ruhe schon gefunden hat und sie sich bewahren will. Denn dann hat man den Nerv für Just Brea's "Hello", dann mag man auch das etwas lusch produzierte "Once In My Life" mit dem ausgiebigen Gesang der Les Nubians hören können. Einige Songs können sich erst dann zu wahren Perlen entfalten: "Love Lost" lässt den Tres-Newcomer Co$$ zu sanften Gitarren-Klängen über die Liebe philosopohieren, die britischen Sunken Heads bekommen mit "The Journey" klassisches BoomBap-Piano mit Nas-Sample. "That's How We Kick It" bedarf absoluter Ruhe, um seine Kopfnickerqualitäten zu entfalten. Andere Tracks sind selbst dann noch Filler: "True Love" ist trotz dem bereits bestens vertrauten Trio Chief-Blu-Sene eine lahme Nummer, in "Anyway" verpasst man rein gar nichts. In "Felt Before" leisten Moka und Chief weitaus Besseres und fügen dem Vollzeit-Chill-Charakter der Platte ein weiteres Mosaik hinzu. Neben einem soliden Auftritt von Dynas und dem fast schon schlafend ruhigen "Demon Love" ist es John Robinson, der eine der besten Darbietungen gibt, die von dünnem, aber wirkungsvollem Pianogeklimper bestens unterstützt wird. Bereits vom "Love Royale"-Album bekannt ist Tha Connection's unschlagbares "Let It Be", das hier den herausragenden Höhepunkt markiert und atmosphärisch gut ins Bild passt. Abgeschlossen wird die Platte schließlich durch einige Instrumentals, die - wie sollte es anders sein - nochmals beste Gelegenheit zum Entspannen geben.


Fazit:
Mit "Collabo Collection" gelingt Chief ein respektables Debüt, das einem nach und nach durchaus ans Herz wachsen kann. Doch dafür muss man sich in der richtigen Stimmung befinden. Genau dort liegt auch das größte Manko der Scheibe: Mich persönlich ließ sie, sofern nicht in kompletter Ruhe und entspannter Atmosphäre in den eigenen vier Wänden, größtenteils kalt, was wohl weniger an mir als an dem Wesen der Platte liegt. Natürlich hat sie ihre durchschnittlichen Tracks, aber im richtigen Moment mag sie zu einem guten bis sehr guten Album avancieren - in allen anderen Momenten liegt sie jedoch nur über dem Durchschnitt.

Geasmwertung: 6.3 / 10

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Sonntag, 6. Dezember 2009

Obie Trice - Special Reserve

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Release Date: 15. Dezember 2009
Label: Mossappeal Music

Tracklist:
01. Welcome
02. Got Hungry
03. You've Been Slain
04. On And On
05. I Am
06. 4 Stories
07. Roughnecks (Feat. Deuce Wonder)
08. Cool Cats
09. What You Want
10. Jack My Dick
11. Dope, Jobs, Homeless (Bonus / Alternate Take)



Wenn Newsletter davon tönen, dass sich hier ein neues, dynamisches Duo gefunden hat, schießt man an der Wahrheit etwas vorbei: Obie Trice und MoSS kennen sich schon lange. Die ersten Singles, die Obie veröffentlichte, waren von ebenjenem MoSS produziert. Doch dann schlugen die beiden unterschiedliche Wege ein: Während Obie Trice der weltbekannte Schützling von Eminem wurde, zog MoSS weiter im Untergrund seine Bahnen, konnte seine Werke bei einschlägigen Underground-Größen unterbringen und zählt (um das Ganze anschaulich in Worte zu fassen) als das erste Mitglied von DJ Premier's "Works Of Mart"-Produktionsgenossenschaft. Obie's Weg dürfte bekannt sein: Nach dem Platinumdebüt ging es bergab, schließlich verließ er Shady Records. Damit ist "Special Reserve" sein erstes Indie-Release und drittes Album.

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Doch damit ist zur Story dieser Platte noch nicht alles gesagt: Denn um die Jahrtausendwende herum erblickten nicht nur Singles wie "Mr. Trice" das Licht der Welt, MoSS und Obie nahmen genug Material für ein komplettes Album auf, das über Obie's Shady-Phase hinweg unberührt alterte. Zum Glück für die Rap-Gemeinde fanden Obie und MoSS mit einem Anruf wieder zusammen, um jenes Material aufzuarbeiten (MoSS verlieh dem Ganzen ein komplett neues Gewand), halbfertige Songs zu vollenden und der Welt als "Special Reserve" zu präsentieren. Als weiterer Beteiligter wurde DJ Grouch für Cuts & Scratches angeheuert, auf Gäste wurde bis auf eine Ausnahme verzichtet. Mehr braucht es auch beileibe nicht. Denn wem es bei all den Gästen aus dem Aftermath-/Shady-Camp sowie dem dauerhaften Gläserheben entgangen ist: Obie Trice ist ein ausgezeichneter Emcee. Und wenn das bisher für viele Hörer durch zu viele verschiedene Produzenten, adoptierte Styles und besagte Gäste (und damit soll "Cheers" gar nicht schlechtgeredet werden) kaschiert wurde, bekommt man hier die Augen bzw. Ohren geöffnet: Für "Special Reserve" holt Obie einmal tief Luft und spittet sich dann die Seele aus dem Leib. Ein ironischer Zufall, dass diese Raps zum jetzigen Zeitpunkt wie ein Kontrastbild zu den beiden Shady-Releases dastehen, als hätte er nun allen Grund, Feuer zu spucken. Was also passt perfekt zu Obie's unerbittlichen Battle-Raps? Genau, MoSS. Der klingt nicht mehr so, wie bei den frühen gemeinsamen Werken, sondern unterlegt alle Tracks mit einer weitaus stärkeren Dosis Asphalt: Was etwa bei Kollabos mit Big Shug schon den Geruch einer Trademark-Eigenschaft hatte, tritt hier voll zutage: MoSS knüppelt seine Drumlines aus den Boxen wie kaum ein anderer. Damit steht dem Start in dieses kurze, aber rasante Album nichts mehr im Weg: Gleich das "Welcome"-Intro als auch "Got Hungry" marschieren ohne Hook, dafür aber mit umso mehr Cuts, gen Zuhörer. Ohne Wenn und Aber zieht MoSS seine Schiene durch und legt damit einen Unterbau, den in dieser Form schon lange kein Album mehr bieten konnte: schönen, schlichten Street-Sound. Man möchte es kaum glauben, wie das Duo in "Roughnecks" Energie freisetzt, wie Obie in "I Am" das Studio in Grund und Boden rappt. An anderer Stelle wird die Battle-Maske abgenommen und der lustige Obie tritt zutage: "Jack My Dick" entsagt "the root of evil", den Ladies ("Obie never gets upset when a bitch say no"), "What You Want" entlarvt Obie als professionellen Schnorrer ("What you want Obie? Get off my dick! / No you can't borrow, buy your own shit!"). Lediglich das neue Instrumental zu "Dope, Jobs, Homeless" bewegt sich "nur" im guten Mittelmaß. Zehnmal wertvoller ist da "On And On", das mit simplem Piano-Loop, starken Cuts von Grouch und direkt ins Gesicht gewatschten Battle-Raps von Obie genug Grund zu übermäßiger Freude bietet.


Fazit:
Obie Trice und MoSS gehen ohne Zweifel eine Symbiose ein: Beide motivieren sich gegenseitig zu Höchstleistungen - man bekommt hier gleichwohl Obie's energischste Raps als auch MoSS' beste Produktionen zu hören. Trotzdem: Warum dieses Album sonderlich hervorheben, wenn es nur elf Tracks lang und keine Neuerungen implizierende Bereicherung ist? Weil Alben wie "Special Reserve" viel zu selten daherkommen. Eine Ausblendung jeglicher Störeffekte (wie etwa sentimentaler Underground-Allüren) ermöglicht den Fokus auf strikten Battle-Rap, der mit imposantem Nachdruck konzentriert wird. Gerade weil "Special Reserve" so wenige Tracks aufführt, ist die Zahl der Bretter außergewöhnlich und ergibt mit den restlichen, ebenfalls hörenswerten Tracks ein knappes 4-Kronen-Album.

Gesamtwertung: 7.5 / 10

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Kam Moye (a.k.a. Supastition) - Splitting Image

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Release Date: 27. Oktober 2009
Label: MYX Music Label / RBC Records

Tracklist:
01. Re: Born
02. Reality Check
03. Stars (Feat. John Robinson)
04. Splitting Image (Feat. Neenah)
05. Imani
06. Hello Karma (Feat. Phonte & Ayah)
07. No Substitute
08. Let's Be Honest
09. Don't Forget (Feat. Tiffany Paige)
10. Do What It Takes (Feat. Buff 1)
11. Nobody's Fool (Feat. Tenille)
12. Give Out, Give In
13. Life Line (Feat. One Be Lo)
14. MK-ULTRA (Feat. Baba Zumbi)
15. Forever Fresh



Kam Moye hat alles, was man zu einem Dasein als wenig beachtete Randgestalt im Rapzirkus so benötigt: Eine Diskographie, die bisher zwei Alben und drei EPs hervorbrachte, aus der aber nichts je große Wellen schlagen konnte, eine feste Verankerung im Non-Gangsta-Netzwerk von Corporate Underground HipHop-America und natürlich die entsprechende Gesinnung. Dank seiner Herkunft (North Carolina) mag er zudem von dem ein oder anderen als unbedeutender Gefreiter der Justus League angesehen worden sein. Vielleicht dachte sich auch Kam, dass es Zeit sei, etwas zu ändern. Also wurde der frühere Künstlername Supastition zugunsten des schlichten bürgerlichen Namens aufgegeben, und mit neuem Label gibt es nach der "Self-Centered" EP das nächste Album: "Splitting Image".

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Um den Übergang einfacher zu gestalten, wird noch ein "AKA Supastition" aufs Cover gedrückt. Um die Besonderheit dieser Scheibe zu unterstreichen, werden Phrasen wie "This will be my defining moment" vom Stapel gelassen. So wirklich dran ist dann aber nichts am "defining moment". Nicht nur, dass Kam sich eine vollkommen herkömmliche Auswahl und Anzahl an Produzenten für sein Werk zusammenklaubt, auch der letztendliche Output ist - und das sollte doch als erstes ganz deutlich hervorgehoben werden - schlicht und ergreifend der eines gelungenen, aber doch stinknormalen BoomBap-Albums des Jahres 2009. "I was always seen as that bitter, angry rapper who hated the industry. I mean I still hate the industry, but I'm not mad about it no more" - mit diesem Statement verabschiedet er sich also von Schmähreden über die Politics im Game. Die Zeilen werden anderweitig gefüllt, das Standardrepertoire bietet schließlich noch so einiges mehr. Das einzige Problem, das Kam über sein ganzes Album hinweg begleitet, ist nicht fehlende Qualität, sondern überschüssige Austauschbarkeit. Mal fühlt man sich konkret an Artists wie Substantial erinnert, doch meist schwimmt Supastition geradewegs zwischen seinen unzähligen Kollegen, wie etwa mit "Re:Born" oder "Reality Check", die den typischen Opening-Part ausmachen. Das alles wäre weiterhin kein Problem, wenn die Zahl der wirklich frappierenden Tracks entsprechend hoch wäre, was aber leider nicht der Fall ist; was zu einem nicht kleinen Teil den Produzenten in die Schuhe geschoben werden darf. Khrysis beschränkt sich einmal mehr auf Standardprogramm, und auch ein Vitamin D kann mehr. Lediglich der ebenfalls aus NC stammende D.R., mit dem Kam zusammen das Duo Electric Ave bildet, scheint mit kräftiger Motivation zur Sache gegangen zu sein: Seine drei Beiträge gehören zum besten Teil der LP: "Nobody's Fool" ist ein liebevoll gekittetes Gestell, das zudem noch von Tenille's schöner Hook profitiert. "Do What It Takes", dem die allgegenwärtigen Geldnöte zugrunde liegen, fällt ebenfalls nett aus. D.R.'s dritter Beitrag heißt "Stars" und wird von John Robinson erheblich aufgewertet. Die richtigen Gäste wirken sich hier generell sehr zutragend aus. Solche Gäste kommen am besten nicht aus dem eigenen Kreis, da ein Phonte in die Diskussionsrunde mit dem personifizierten "Karma" nur bedingt frischen Wind zu bringen vermag. Etwas Storytelling darf natürlich auch nicht fehlen und so wird Kam in "Imani" von der frisch gefundenen großen Liebe eröffnet, dass bereits ein Braten im Ofen steckt. Nach noch mehr fein ambitioniertem, aber immer überschaubarem Rap legt Jake One für "Life Line" noch ein wenig mehr Power hinter die Boxen und Illmind für "MK-ULTRA" eingängige, electro-triefende Klänge hinterher. Beide Male erweisen sich die jeweiligen Gäste als gute Wahl.


Fazit:
Warum also ein solches Album nicht höher bewerten, obwohl es eigentlich nicht viel zu kritisieren gibt? Beantworten lässt sich diese Frage durch ein simples Zusammenfassen der Fakten: insgesamt wenig markant plus wenige herausragende Tracks. Ob Kam Moye überhaupt zu viel mehr in der Lage wäre, ist eine ganz andere Frage, mit der man sich nicht auseinandersetzen muss. In jedem Fall gehört "Splitting Image" zu diesen Alben, die so rundum solide (aber nicht mehr) sind, dass sie das Mittelfeld definieren. Letzten Endes braucht man auch ebensolche Scheiben. Und für eine Hand voll guter Tracks reicht es ja in jedem Fall, ob es nun Kam Moye oder Supastition ist.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

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Sene - A Day Late & A Dollar Short

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Release Date: 27. Oktober 2009
Label: Shaman Work Recordings

Tracklist:
01. PressPause
02. WonLover
03. QuarterWaterSupporter
04. WhyBother?
05. WonThousandGirls
06. SmokeRoseBudsOnAshyAvenue
07. TheWonderers
08. CloudClimbers
09. EyeCry - TheBefore
10. OwlThruGotham
11. EveryDejaVu
12. Ain'tNoJustice
13. EyesDry - TheAfter
14. JusASuggestion



Das Gedächtnis eines HipHop-Fans rostet nicht ein: Namen über Namen ergießen sich jedes Jahr über die Lauscher der Hörer, wobei es immer gilt, die wirklich behaltenswerten Neulinge herauszufiltern. Hier stellt sich erneut ein Jemand vor: Sene kommt aus Brooklyn und ist derzeit auf Shaman Work gesignt. Ganz unbeschrieben ist er jedoch nicht: Einige halboffizielle Werke ("Pavement Special", die "Garbage Pail Kids" EP) existieren bereits. Zudem gab es bereits ein Mixtape, das von niemand Geringerem als Sucio Smash präsentiert wurde. Wer nun denkt, er könne hier nicht überrascht werden, der weiß nicht, wen sich Sene für sein Debüt "A Day Late & A Dollar Short" als Gegenstück mit ins Boot geholt hat: Gemeint ist Blu aus der sonnigen anderen Ecke der Staaten, Los Angeles.

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Damit ist die Scheibe nicht nur ein einfaches, sondern ein zweifaches Debüt. Denn wo Sene seinen Albumeinstand als Emcee in der Szene feiert, verliert Blu hier kein einziges Wort und erweitert seinen Talentradius um die Kunst des Produzierens - zwar nicht zum ersten Mal, doch zum ersten Mal auf voller Albumspielzeit. Und ohne ein vorzeitiges Urteil zu fällen, darf jeglicher betonter Eastcoast-Charakter damit abgehakt werden. Wenn man schon ein Referenzobjekt sucht, dann unter Umständen Exile, dessen Klasse Blu zwar bei weitem noch nicht besitzt, dem er jedoch unbestreitbar in gewissen Gesichtspunkten nacheifert. Auch wenn es hier um Sene gehen soll, scheint es doch beizeiten ebenso interessant, die Entwicklung von Blu als Produzent zu betrachten. Warum das so ist wird durch zwei Faktoren erklärt: Sene stellt sich schnell als talentierter Emcee heraus, will sich aber nicht so recht profilieren, und Blu zeigt hier ein Talent, das unter Umständen zu noch viel mehr führen könnte. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, dass Sene es nicht verstünde, zu unterhalten. Sei als Beispiel "EyeCry: The Before" genannt, wo Blu zugunsten von Sene und seinen nachdenklichen Texten gänzlich in den Hintergrund tritt. Das von Blu eingeschleppte Ärgernis der abhanden gekommenen Leerzeichen ist zwar unschön anzuschauen, sei jedoch des Weiteren nicht mehr beachtet. Zurück bei Sene's Eigenschaften am Mic lässt sich feststellen, dass hinsichtlich der Verflechtung von Gedanken, persönlichen Erfahrungen und fidelem Tonfall eine direkte Parallele zu Blu besteht. Immerhin verkörpert Sene auch einen ähnlichen Charakter; "WonThousandGirls", ein Song über das üppige Angebot an potentiellen weiblichen Gespielinnen / Partnerinnen, hätte auch aus Blu's Feder stammen können. Doch genug der Vergleiche - Sene steht seinen Mann auch problemlos selbst. "WhyBother?", fragt er sich, ohne dabei eine Antwort zu finden. "TheWonderers" bekommen ausschweifend erklärt, wer hier am Mikro steht, ohne dass Sene davor zurückschreckt, der ein oder anderen Hook selbst den Gesang zu stiften. Unterlegt ist alles von Blu's angenehmen Sound-Gerüsten, die nur ein einziges Problem zu beklagen haben, nämlich einen Überschuss an Harmlosigkeit. Dieses Gebrechen schlägt sich auch im gesamten Bild der Platte nieder: Was hier passiert ist schön und beschaulich, doch es fehlt der Funke, der dieses potentielle Freudenfeuer zu entzünden imstande wäre. Immerhin es ist nicht so, als läge die Lösung dieses Problems meilenweit entfernt, denn mit einigen der Bestrebungen auf der LP wird in der Tat gezeigt, dass Sene auf dem richtigen Pfad wandelt: "SmokeRoseBudsOnAshyAvenue" lebt von der überquellend guten Laune in den Raps, in "WonLover" gelingt Blu ein exzellentes Bett aus Streichern, in dem es sich Sene's Raps (natürlich über die "eine" Liebe) gemütlich machen. Und schließlich noch "Ain'tNoJustice", das mit Co$$ den einzigen Gast auffährt und das in der Kopfnicker-Sektion die Sternstunde der Platte verkörpert.


Fazit:
Ist dieser neue Name also vermerkenswert? Ja, ist er durchaus. Das Potential zu einer von Kritikern mit Lob überschütteten Underground-Überraschung hat "A Day Late & A Dollar Short" allerdings nicht. Sene wird wohl auch in absehbarer Zeit nicht den Quantensprung vollführen, der Blu zuteil wurde - dafür reicht es bei ihm ganz einfach nicht. Doch Potential nach oben ist in jedem Fall da. Und ein lockeres, relaxtes Album wie hiesiges Debüt ist im Grunde nie verkehrt. Damit bleibt nur zu hoffen, dass Sene auch in Zukunft fähige Produzenten trifft, die ihn trefflich untermalen. Blu als Produzent zeigt in dieser Form Talent und Ausbaufähigkeit und lässt somit Freude auf zukünftige Projekte zu. An dieser Stelle reicht die Kollabo zu einem überdurchschnittlichen Erzeugnis.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

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CunninLynguists - Strange Journey Volume Two

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Release Date: 03. November 2009
Label: A Piece Of Strange Music

Tracklist:
01. Departure - Part 2
02. Imperial (Feat. Freddie Gibbs)
03. The WWKYA Tour (Remix) (By Eextended Famm)
04. Streets (Feat. Sean Price & Poison Pen)
05. Heart (Feat. Tunji)
06. To Be For Real
07. Tear Tracks (By Cashmere The Pro)
08. Still With Me (Remix) (Feat. Jermiside)
09. Close Your Eyes (Feat. Geologic, Grieves & Macklemore)
10. Pit Stop
11. The Park (Blue Sky Black Death Remix)
12. Nothing To Give (Live) (Feat. Club Dub)
13. Cocaine
14. Running Wild (Feat. E-40 & Evidence)
15. Everywhere (Feat. Witchdoctor)
16. Arrival (Outro)



Da sind sie wieder. Mit läppischen zwei Monaten Verspätung gegenüber des ursprünglich angegebenen Release-Dates schicken die CunninLynguists den zweiten Teil ihres "Strange Journey"-Zweiteiler-Projekts ins Rennen und erneut durch ganz Amerika. Auch diesmal hat man es mit einer bunten Ansammlung an Tracks zu tun, die meist von Kno produziert sind und - neben den meist auch vertretenen Natti und Deacon - die verschiedensten Persönlichkeiten ans Mic laden. Gaben beim ersten Teil noch andere Labels Schützenhilfe, so erscheint "Strange Journey Volume Two" ausschließlich über A Piece Of Strange Music.

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Der Van aus dem ersten Teil ist schrottreif, doch in der Garage des mit in herrlichem Southern Slang kauenden Billy Joe hat man sich schnell ein neues Gefährt (siehe Cover) erkauft. Tourte der erste Teil vorwiegend durch die östliche Hälfte der Staaten, bildet der zweite auf dem Back-Cover die logische Ergänzung ab. Tatsächlich findet sich nun auch der eine oder andere Gast der Westküste ein (von einer konsequenten Umsetzung der angeblichen Routenplanung kann jedoch keine Rede sein). Was im Übrigen aus dem angekündigten Bronze Nazareth geworden ist, weiß der Geier. Doch vermissen wird man Bronze sowieso nicht: Mit "Imperial" gelingt den Lynguists ein Einstieg nach Maß. Vom ernsten Kopfnicker mit eingängiger Hook geht es direkt weiter zur Extended Famm: Kno's Remix zu "The WWKYA Tour" schlägt Burns' Original um Längen und bietet mit dem heiteren Voice-Sample den perfekten Untergrund für Tonedeff's sprudelnden Wortfluss. Doch deswegen sollten keine falschen Erwartungen an das Album gestellt werden: Die strikten Gute-Laune-Songs sind in der Unter-, wenn nicht sogar in der Einzahl. Für den Rest wählt Kno klagende Voice-Samples und kompakte Streicher-Szenarien, ohne dabei jedoch die kraftvollen Drums zu vergessen. Schließlich müssen Themen abgehandelt und entsprechend untermalt werden, die man auf CL-Platten fast schon Standard nennen kann: Cashmere The Pro rappt im nahezu pathetischen "Tear Tracks" von einer gewissen Ebony, die nicht von ihrem sie ausnutzenden und schlagenden Mann loskommt ("I know it's hard being alone, but his knuckles is harder"). Mehr davon bietet direkt im Anschluss "Still With Me" mit reichlich Herzschmerz über Vorstorbene - die "reifen" CunninLynguists halten das Steuer eisenfest in der Hand. Doch zu einem großen Thema wird der ewige Zwiespalt der Lynguists in dieser Hör-Session nicht, denn Abwechslung bringen die Gäste: Tief brummende Pianotasten und eine gesunde Drumline bilden das Rückgrat von "Streets", das zum Block der hervorragenden ersten drei Songs gehört. Mit doppelten Rüpel-Raps aus Brooklyn befindet man sich zudem in feinster Gesellschaft. Nach einem lustig gemeinten Interlude, "Pit Stop", in der Mitte des Albums (man erinnere sich an "White Guy Mind Tricks") dürfen mit Blue Sky Black Death die ersten Gastproduzenten ran - für einen sehr starken Remix zu "The Park", der mit den überflüssigen "KKKY" und "Georgia" Remixes gar nichts zu tun hat und mit vielschichtigem Instrumental das Können von Young God und Kingston unterstreicht. J-Zone steuert respektables Audio-Chaos ("Cocaine") bei und hebt sich damit klar von Kno's harmonischem Sound-Bild ab. Damit die Gefühlsschiene im Mittelteil nicht zu kurz kommt, flüchtet man in "Close Your Eyes" in die Welt der Träume, während das Ende des Albums von den Gästen E-40 bzw. Witchdoctor klare Stempel aufgedrückt bekommt. "Arrival" stellt mit dem Einfahren in eine Sackgasse dann das scheinbare Ende dar, doch weder an Asphalt noch an die Schwerkraft fühlen sich die CL gebunden...


Fazit:
Auch mit dem zweiten Teil ihrer sonderbaren Reise geben sich die CunninLynguists keine Blöße, sie erreichen sogar noch eine kleine Steigerung im Vergleich zum ersten Album. Das ist vorrangig den ersten drei Songs zuzuschreiben, die dem CL-Road-Trip spürbar Würze geben. Der Mittelteil ist saubere Handarbeit, hält jeodch wenige Überraschungen parat, während dank der Gäste gegen Ende wieder für mehr Abwechslung gesorgt ist. Damit darf das Projekt "Strange Journey" als abgeschlossen angesehen werden, denn ob ein eventueller dritter Teil als Reise zum Mond noch Sinn hätte, ist sehr fraglich. Das Konzept der losen Feature-Zusammenkunft war nett, aber ein neues, richtiges Album, das eventuell auch neue Wege beschreitet, wäre nun weitaus interessanter.

Gesamtwertung: 6.9 / 10

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Sha Stimuli - My Soul To Keep

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Release Date: 27. Oktober 2009
Label: Chamber Musik Records

Tracklist:
01. Duction
02. Hang On (Feat. The Astronomical Kid)
03. My Soul
04. Blasphemy
05. Do It For The Doe
06. Move Back (Feat. Young Chris & Freeway) / The Reason
07. I Wish I Was U (Feat. Bellringer)
08. The Smelly Cat Song
09. What's Wrong With That? (Wake Up The World) (Feat. Torae)
10. Good Day / Change
11. I Believe (Feat. Lydia Caesar & Khaliq)
12. Have You Seen Him?
13. My Girl (Feat. Khaliq)
14. Last Time / Bucket List
15. Sometimes (Feat. Lydia Caesar)
16. Follow The Leader



Für Sha Stimuli ist endlich der Moment gekommen, in dem er ins Rampenlicht treten darf: Man mag ihn als einen der vielen Mixtape-Rapper kennengelernt haben, die sich vor einigen Jahren wie eine Flut aus New York ergossen, dann aber wieder größtenteils verschwanden. Im Falle Stimuli bedeutete dies, dass aus seinem Vertrag mit Virgin Records, der eine rosige Zukunft in Aussicht stellte, und dem geplanten Album "Thee Emotion Picture", nichts wurde und er selbst im Regen stehengelassen wurde. Doch als entschlossenes Stehaufmännchen ist er nun, nach einer Reihe an Mixtapes, zurück, hat Chamber Musik Records an der Seite und präsentiert sein Debüt "My Soul To Keep".

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Somit stellt dieses Album auch für Chamber Musik eine Neuerung dar. Schließlich hatten die bisherigen Releases immer mehr oder weniger entfernt mit Wu-Tang zu tun. Hinsichtlich der Beteiligten jedoch hat dieses Album - ausgenommen G-Clef - gar nichts mit Wu oder CM zu schaffen. Nein, "My Soul To Keep" wurde diesbezüglich keiner Beeinflussung unterworfen, sondern vermittelt durchwegs den Eindruck, dass Sha hier die Zügel in der Hand hält. Seitens des Produktionsbilds, für das neben Namen wie Just Blaze und M-Phazes viele wenig Bekannte verantwortlich sind, lässt sich diese LP recht gut als NY-Album kategorisieren und ist in diesem Sinne auch mehr oder weniger "gewöhnlich". Will sagen, Sha setzt auf keine revolutionären Instrumentals und landet schließlich bei einer Standardkombination aus meist gutem Material. Dass ihm in Anbetracht seiner bisherigen Karriere ein ordentliches Kontingent an Verbitterung und ernsten Tönen zu Verfügung steht, sollte verständlich sein. Wie gelungen er seine Tracks zu einem wahrhaft persönlichen Album schnürt, dürfte jedoch die meisten überraschen. Wird im vom eigenen Bruder produzierten "Hang On" noch eine jazzige Einführung geboten, differenziert "My Soul" bereits zwischen einerseits Rap-Nonsense:

"I heard somebody say: I hate Rap music
Cause all we talk about is our guns and our cars and our money and our broads
And how wack dudes be, and how nice we are
And how much stuff we sold and how we so damn hard
"

und sich selbst, wobei er sich eine "different motivation" attestiert, denn seiner Musik wohnt seine Seele inne. Damit hat er auch größtenteils Recht, denn sein Album bietet weitaus mehr als die erste Single, "Move Back", die als erstklassiger Just Blaze-Kopfnicker und Representer trotzdem einen Platz auf der Scheibe verdient hat. Das andere Ende der Spanne dieses Albums ist wohl "Last Time", das in erster Linie aus Piano-Begleitung besteht und mit seinem Singsang an KiD CuDi erinnert, während "Bucket List" in der düsteren zweiten Hälfte aufzählt, was Sha noch im Leben zu erreichen wünscht, und dabei kunstvoll Träume mit harter Realität kombiniert. Diese harte Realität behandelt auch "Do It For The Doe" im Rahmen notgezwungen verrichteter Jobs. Kritik am Genre hat natürlich auch Platz, "Follow The Leader" bringt gelungen den Herdeneffekt des Auto-Tune und auch der von Jay-Z mitinitiierten Gegenrevolution auf den Punkt. Ein Glanzpunkt der Scheibe ist "The Smelly Cat Song" (Achtung: hat wenig mit der Friends'schen Phoebe zu tun), in dem ein herrlich souliger Pitch-Beat das amüsante Storytelling von Sha untermalt, das hier nicht weiter als mit der Hook ausgeführt werden muss: "How do you tell a pretty young lady that her coochie smells?" Mehr Storytelling bietet "Good Day", in dem Sha von einem Freund dessen Geschichte (die ihn an den Rollstuhl fesselte) erzählt bekommt, das aber auf die positiven Dinge des Lebens hinweist. "Blasphemy" ist eine Liste von Fragen an Gott, die zusammengefasst den Grund für das beständige Leid der Menschheit zu wissen verlangen. Und neben den bereits erwähnten Tracks haben natürlich auch die restlichen Stationen etwas zu bieten (um noch zwei Beispiele zu nennen: "I Wish I Was You" unterbreitet ein interessantes und wohl für viele nachvollziehbares Beziehungsszenario, "Sometimes" legt Zeugnis von der Gegensätzlichkeit von Sha's Wünschen und Gedanken ab).


Fazit:
Für Sha Stimuli muss es sich unglaublich gut anfühlen, diesen Berg an Gedanken zu Papier gebracht zu haben und losgeworden zu sein. Und auch wenn er weit davon entfernt ist, ein neuer Heiland zu sein (die stimmliche Unauffälligkeit beugt den beachtlichen Skills am Mic in geringem Maße vor), so ist es doch die Dichte an wertvollem geistigen Material, die er absondert und die ihn von so vielen Kollegen abhebt. Auf lyrischer Seite bietet diese Scheibe demjenigen, der gewillt ist, zuzuhören, also einiges. Die Schranken, die "My Soul To Keep" gesetzt sind, findet man auf Seiten der Instrumentals. Die sind allesamt gut (Aussetzer gibt es keine), doch gleichsam verhindern sie, dass man auf lange Sicht sonderlich viel von "My Soul To Keep" behält. Fazit: Wenn Sha Stimuli bei seinem nächsten Werk am Mic eine ähnliche Leistung bringt und gleichzeitig noch bessere Beats pickt, darf man noch einiges von diesem Emcee erwarten.

Gesamtwertung: 6.9 / 10

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Souls Of Mischief - Montezuma's Revenge

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Release Date: 01. Dezember 2009
Label: Hiero Imperium / Clear Label Records

Tracklist:
01. Intro
02. Won1
03. Postal
04. Tour Stories
05. Skit
06. Proper Aim
07. You Got It
08. Hiero HQ
09. Poets Skit
10. Poets
11. Mr. Freeman Skit
12. Fourmation
13. Dead Man Walkin
14. For Real Y'all
15. Lickity Split
16. Home Game
17.Outro
18. Lalala



Es war einmal, eine unscheinbare Truppe namens Souls Of Mischief"; ein Quartett, das vor 16 Jahren mit der Single "93 Til Infinity" einen Hit für die Rap-Geschichte schuf. Das letzte Album der Gruppe gab es vor neun Jahren, doch mit dem Namen kann (ebenso wie mit dem der Hieroglyphics) trotzdem jeder etwas anfangen. In den letzten Jahren gab es zudem Soloalben von Tajai, Opio und auch A Plus, während es um Phesto eher ruhig blieb. Die Nachricht, dass also nun ein neues Album unterwegs sei, ist schon freudig genug, doch es kommt noch dicker: "Montezuma's Revenge" entstand in Zusammenarbeit mit Prince Paul, weswegen man in der Tat gespannt sein darf.

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Laut Titel (dem man nicht zu viele Interpretationen aufhalsen sollte) soll die Scheibe sogar so gut sein, dass es einem glatt den Hosenboden durchschlägt. Möglich erscheint das, wenn man beachtet, dass sich die Souls Of Mischief zusammen mit Hiero-Buddy Domino und Prince Paul für über einen Monat in ein Haus einschlossen, um dort ganz ungestört jeden Tag Musik aufzunehmen. Die schlägt im optimalen Fall eine Brücke zwischen den erfolgreichen frühen SoM-Tagen und einer zeitgemäßen Ausführung. Immerhin stießen schon die letzten Solotaten auf durchwegs positive Resonanz. Wie soll man sich da der Albumatmosphäre entziehen, wenn Prince Paul das "Intro" mit entspannter Hintergrundmusik einläutet und Del The Funky Homosapien für die Vorstellung sorgt? "Ladies & Gentlemen, a warm, warm welcome for Souls Of Mischief." Dass im Anschluss einiges geboten wird, zeigen die ersten Tracks ebenso wie das Album als Gesamtheit. Von Persönlichem bis zu cleveren Wortspielen zur Verschönerung des eigenen Egos zeigen sich die Souls als hungriger, gewohnt harmonischer Haufen, dem sich die gute Laune nicht nehmen lässt und der nie um direkte, zweideutige oder lustige Lines verlegen ist. Alle männlichen Zuhörer werden schmunzelnd nachvollziehen können, wie die Emcees in "Postal" von der Herzallerliebsten in den Wahnsinn getrieben werden. "Lickity Split" schickt die nervtötende Partnerin dann in die Wüste. Der Sound ist dabei meist locker gehalten und lässt sich, wenn man denn so will, als das definieren, was man sich von den Mischiefs erwartet hätte. Trotz der verschiedenen Autoren der Instrumentals (Domino, Prince Paul, Opio, A Plus) findet nie ein Bruch statt, weswegen die Platte auch an einem Stück durchgehört werden kann. Immer wieder finden sich die inhaltlich nicht abgesteckten Kopfnicker, etwa der Opener "Won1", der über einen krachenden Beat die Souls Of Mischief (für alle, die sie nicht kennen oder vergessen haben) und deren Können nochmals darlegt. Ähnlich die schwächeren "Hiero HQ" oder "Fourmation", in dem sich die Vier immer weider gegenseitig ins Wort fallen. Mehrere mehr oder weniger notwendige sowie witzige Skits ("Mr. Freeman" mit einem Seitenhieb gegen Morgan Freeman) durchziehen die Platte, auf der sich auch richtige Perlen finden: "For Real Y'All" legt schon seitens des Beats mächtig los, ist mit Raps jedoch gut und gerne ein potentieller Favorit. Ein zweiter ist "Tour Stories", das dem ausgiebigen Tour-Leben der Truppe Tribut zollt und natürlich auch einen kurzen Bericht einiger Erlebnisse bietet. Domino's Beat ist dabei ähnlich smooth wie zu längst vergangenen Anfangszeiten. Damit stimmen zwar alle Äußerlichkeiten, doch mehr wäre in jedem Fall drin gewesen, da mit Songs wie "Proper Aim" auch Mittelmaß ins Haus in der Montezuma Street eingedrungen ist. Schließlich darf man gegen Ende noch das "Home Game" genießen, Del im "Outro" lauschen und sich mit "Lalala" verabschieden.


Fazit:
Die Voraussetzungen sind erste Sahne, die Emcees sind in Topform, das Feeling als auch der Sound passen, doch trotzdem fehlt zum großen Wurf so Einiges. Das liegt vorrangig daran, dass sich die Qualitätsspanne von einigen sehr guten Tracks bis hinein ins Mittelmaß erstreckt. Selbiges Mittelmaß bringt dann eben auch besagte gute Voraussetzungen ins Straucheln. Grund zur Beschwerde besteht dabei allerdings nicht - es ist einfach nicht besser geworden. Vielleicht beim nächsten Mal. Geändert werden müsste eigentlich nichts. Schließlich ist auch "Montezuma's Revenge" ein gutes Album. Nur eben leider nicht mehr.

Gesamtwertung: 6.7 / 10

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