Dienstag, 31. März 2009

Krumb Snatcha - Snatcha Season Pt. 1

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 04. August 1998
Label: M.I.A. Records Inc.

Tracklist:
01. Intro
02. Gangsta Disease (Remix)
03. Remarkable
04. Mental Orgasm
05. Romeo & Juliet
06. Hip Hop
07. Closer To God
08. Everyday Struggle (Feat. Sonic)
09. Hustlers And Hardcore (Feat. Kabuki)
10. To All The Killas (Feat. Timbo King & Lord Harrison)
11. Simple Words



Boston, Massachussetts. Nicht nur, weil Guru von hier stammt, ist diese Stadt für die Gang Starr Foundation fast ebenso wichtig wie New York. Neben Größen wie Freddie Foxxx, Jeru The Damaja, Group Home oder Bahamadia sind es auch Big Shug und Krumb Snatcha, die als der Boston-Anteil dieses Kollektivs auf diesem Weg die Leiter zum etablierten Rap-Game erklommen haben. Krumb Snatcha taucht 1998 erstmals auf Gang Starr's "Moment Of Truth" auf und legt in "Make 'Em Pay" einen denkwürdig guten Part hin. Daraufhin veröffentlicht er noch im selben Jahr seinen Erstling, eine EP namens "Snatcha Season Pt. 1".

Leider nur knappe zehn Tracks plus Intro bietet die Scheibe. Doch diese Dreiviertelstunde reicht Krumb Snatcha völlig, um sein Anliegen an den Mann zu bringen. Als jemand, der die stereotypische Hustler-Vergangenheit schon hinter sich hat, berichtet der Mann aus Erfahrung, ohne dabei zu glorifizieren. Um ein kurzes Profil dieses Emcees abzugeben: Eine sehr gewöhnliche Stimme trifft auf hervorragenden Flow und Delivery. Bezeichnend für Krumb's Glaubwürdigkeit ist die Tatsache, dass dieser Mann Weisheiten aneinanderreiht, als wäre dies nicht sein Einstand, sondern als hätte KS schon Jahre im Game verbracht. In diesem Zusammenhang ist es unabdingbar und nur richtig, als erstes Beispiel den "Gangsta Disease" Remix aufzuführen: Krumb Snatcha's Resümee über den von waffen- und gewaltgeilen Schwätzern befallenen Patienten Hip-Hop:

WRITTEN FOR Rap4Fame

"Wanna be drug incorporator, street life narrator
But nothin but a bullshit immitator
Exagerrator with that bust-shot chatter that don't flatter
That means you need to change your subject matter
[...]
So what? You carry hot glocks and rocks
So what? That type of Rap is number one on the charts
So what? Your video was on MTV
You still ain't an emcee to me!
"

Die Art, wie nüchtern, ruhig und ernst KS seinen Vortrag hält, verdient höchsten Respekt. Wendet man sich dem Rest der Scheibe zu, wird man schnell feststellen, dass die CD mehr als nur einen Hochkaräter zu bieten hat - ja, dass sie genau genommen voll davon ist. Denn die Bühne, auf der Krumb Snatcha hier spielt, ist geprägt von der Schokoladenseite der Eastcoast. Dialek (der manchen vielleicht noch als Producer der Concrete Clik in Erinnerung ist) trägt vier Instrumentals bei, Pistachio Paul, Blink Dog, Curt Cazal, Ski und The Magician tun den Rest. Und dann ist da natürlich noch DJ Premier, der den Beat zur Single "Closer To God" geschustert hat. Und dass die satten Drums, kombiniert mit einem Prodigy-Sample und den Raps von KS hervorragend harmonieren, stellt sich schon nach wenigen Sekunden heraus. Auch hier gibt sich KS kritisch und berichtet von der Schattenseite des Hustler-Lebens - dem Sterben. A propos Prodigy - der Mobb Deep-MC muss noch zwei weitere Male herhalten, wie aus den Titeln "To All The Killas" und "Simple Words" schon hervorgeht. Beide Nummern fallen hervorragend aus und sind von dem trüben Ostküstenvorhang, für den auch die Sample-Stimme bekannt ist, umschlungen. Doch die Scheibe hat noch mehr zu bieten: "Remarkable" ist ein prächtiger Piano-Kopfnicker, während das von Ski produzierte "Hustlers And Hardcore" in erfreulicher Art und Weise nach einem Nick Wiz-Beat klingt. "Romeo & Juliet" projiziert die vielkopierte Thematik in sehr ansprechender Weise in die Welt der städtischen Gang-Welt und das in Erinnerungen schwelgende "Hip Hop" ist an Krumb Snatcha's große Liebe gerichtet, die er inzwischen vermisst. Da auch noch die verbleibenden Tracks Erwähnung finden sollen: "Everyday Struggle" berichtet ohne Umschweife und gerade heraus von der Titelthematik, während "Mental Orgasms" das weibliche Geschlecht auf platonischer Ebene thematisiert und ehrt.


Fazit:
Krumb Snatcha zeigt mit seinem Debüt-Album (bzw. seiner Debüt-EP), dass er den Sport am Mic exzellent beherrscht und zudem auf nur zehn Tracks eine lyrische Vielfalt an den Tag zu legen weiß, die andere Emcees über ihre ganze Karriere hinweg vermissen lassen. Doch dem nicht genug, die mindestens ebenso erwähnenswerte Stärke dieser Scheibe ist die Produktion, welche in jeder einzelnen Kapillare von feinstem Ostküsten-Sound erfüllt ist. Mehr braucht an dieser Stelle eigentlich nicht gesagt zu werden - denn jeder, der nun hellhörig geworden ist, wird die Anschaffung von "Snatcha Season Pt. 1" nicht bereuen.

Gesamtwertung: 8.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Blame One - Days Chasing Days

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 31. März 2009
Label: Soulspazm Records

Tracklist:
01. Supreme Beings
02. Perseverance
03. Street Astrologist
04. Bring To You
05. Wonder Years (Feat. Blu & Exile)
06. Disturbed (Feat. Sean Price)
07. Days Chasing Days (Feat. Aloe Blacc & Beleaf)
08. Saturday Night Special
09. The Word To Say (Feat. Johaz & Sha Dula)
10. Official With It
11. The Real Revolution
12. Words
13. More Fiyah (Feat. Johaz & Coss)
14. Blame Me
15. Documentarian
16. Spellcasting (Bonus Track)



Die hier zur Diskussion stehende Person fällt aus der Reihe - nämlich aufgrund des Ortes, an dem sie residiert. Es geht um Blame One, der den südlichsten Zipfel Kaliforniens - San Diego - seine Heimat nennt. Nachdem er bereits den Großteil seines Lebens mit Musik zu tun hatte, darf man den Herren keinen Neuling nennen. Zumal "Days Chasing Days" nach dem 2006er "Priest, Thief & Wizard" sein viertes Album ist. Seine Anfänge tat er jedoch zusammen mit Deja Vu als Mystery's Extinction. Man kam in Kontakt mit Kankick und im Anschluss mit einigen weiteren angesehenen Größen der Szene. Das schlägt sich natürlich auch in diesem Album nieder, das mit einiger Verspätung nun endlich über Soulspazm das Licht der Welt erblickt.

Primär ist die Bekanntschaft mit Exile ein wichtiger Faktor für die LP, nicht zuletzt existiert auch das Duo Blamexile. Die produzierende Hälfte von Emanon zeigt sich mit sechs Beats sehr präsent. Da ist es keine Überraschung, dass sich das Gesamtbild überwiegend an den relaxten Tönen, die man auch von Exile kennt, ausrichtet. Bezeichnend hierfür ist Exile's Beat zu "Disturbed", das mit Sax und Voice-Sample dezentes Sommer-Feeling versprüht. Und auch wenn Sean Price aufgrund seiner übermäßigen Feature-Präsenz Gefahr läuft, weniger gerne gehört zu werden, so tut er an dieser Stelle sein Bestes, dieser Gefahr mit seinem typischen Wortwitz entgegenzuwirken. Alltägliche Routinen und Abläufe, die das eigene Leben dominieren und die als Inspiration zum Albumtitel dienen, dominieren zwar nicht den kompletten Longplayer, wohl aber den Titeltrack "Days Chasing Days", den einzig ernsthaft nachdenklichen Song der Scheibe:

WRITTEN FOR Rap4Fame

"So when people from other cultures speak, I always listen
If you were born in other regions, would you be a Christian?
Would you call me a heathen because I hate the system?
You say I don't act my color cause I relate to rhythm
Drinkin on a daily basis, that's escapism
From the vanity, the violence and the racism
And the television trying to erase wisdom
Train' to accept your circumstance and replace living
"

Der Großteil der Spielzeit untermalt musikalisch jene Orte, die fernab von Monotonie liegen. Blu darf hier natürlich nicht fehlen - so ist er in "Wonder Why" sowohl als Produzent als auch am Mic (wo auf diesem Song auch Exile anzutreffen ist) zugegen und sorgt für einen souligen Vibe, der dem seines 2007er Kollabo-Partners sehr ähnlich ist. Zwei weitere Beiträge zum Album kommen von Black Sparx, dem Beatbastler aus Brooklyn, der bisher höchstens durch Zusammenarbeit mit L.I.F.E. Long von sich reden machte. "Supreme Beings" dient mit Streichern im Instrumental als Opener, während "Official With It" voll und ganz im Zeichen dieses Albums steht und es nicht sehr eilig hat. Das soll jedoch nicht heißen, dass sich "Days Chasing Days" Bummeleien erlaubt - der Spannungsbogen wird immer aufrecht erhalten, auch wenn nicht bei der Spannung, sondern bei der Atmosphäre die Punkte gesammelt werden. Denn bei neun verschiedenen Produzenten, die zum Album beitragen, gelingt es Blame Uno vortrefflich, alle unter einen Hut zu bringen. Eine große Hilfe beim Zusammenhalten des Ladens ist Blame dabei sein angenehm-lockerer Flow, der in keiner Situation ins Straucheln gerät oder schwach aussieht. Da darf auch ein Black Milk eine für seine Verhältnisse nur mittelmäßige Leistung ("Perseverance") abliefern. Wettgemacht wird dies durch Oh No's "Words" oder durch das sehr Drum-reduzierte "Street Astrologist", das ebenso von Exile stammt wie die gut hörbaren (wenn auch nicht überragenden) "Saturday Night Special" und "The Word To Say" (eine Reminiszenz an die "guten alten Tage"). Gegen Ende dreht Blame One nochmal auf, wenn mit "More Fiyah" und "Documentarian" zwei weiche und trotzdem energiegeladene Kopfnicker in die Manege geführt werden.


Fazit:
Zwanglos, locker und ehrlich. Mit diesen Attributen garantiert Blame One dem Hörer eine angenehme Reise durch sein Album. Dank der Hilfe von fähigen Producern hat er dabei nie ein Beat-Problem, dank seinen eigenen Skills ist auch bei den Raps für gute Unterhaltung gesorgt. Wenn man dem Album etwas vorwerfen will, dann den Umstand, dass an einigen Stellen doch zu wenig passiert. Trotzdem gehört "Days Chasing Days" zu den besseren Releases des bisherigen Jahres 2009 und fügt auch der kargen Rap-Diskographie von San Diego einen wertvollen Beitrag hinzu. Exile-Fans sind hier sowieso richtig, alle anderen Sympathisanten des Westcoast-Rucksack-HipHop werden ebenfalls zufrieden sein.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 29. März 2009

IDE - IDE The Shanty One Presents: Divine Kingdom

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 2006
Label: Creative Juices Music

Tracklist:
01. Force Fed Sampler
02. Project Blue Book
03. Chosen Fiew (Feat. L.I.F.E. Long)
04. Sucker Punch Music (Feat. Relz & Felony)
05. Circle Breathing (Feat. Alucard & Jak Progresso)
06. Apples and Oranges (Feat. Madness, L.I.F.E. Long & Critical)
07. Falling (Feat. Masai Bey, E-Coli, Zesto, L.I.F.E. Long & Savage Messiah)
08. Rabit Hole (Feat. Alucard)
09. Hate Me
10. The Result
11. T.O. (Feat. Relz & Felony)
12. Purgatory Freestyle
13. Harpoon (Feat. Critical & Savage Messiah)
14. As the World Turns (Feat. L.I.F.E. Long)
15. Right Honorable (Feat. Savage Messiah)
16. MJ 12 (Feat. Jak Progresso)
17. Release Valve
18. Mountain Goats (Feat. Jak Progresso)
19. Exclusive (Feat. Jak Progresso)
20. Biohazard (Feat. Swave Sevah)
21. Truth Behold (Feat. Alucard)
22. Under The Radar (Feat. Shabaam Sahdeeq)



Wer IDE und das um ihn aufgebaute Kollektiv Creative Juices einmal besser kennen gelernt hat, für den ist der Name schwer aus dem New Yorker Underground wegzudenken. Ohne viel Support und aus eigener Tasche wurde dieses Projekt hochgezogen. Gegen 2006 ging es dann langsam richtig los: Mit Jak Progresso's Album wird der erste Jewel-Case Longplayer veröffentlicht, während auch IDE selbst ein neues Projekt in den Startlöchern hat: "Force Fed", ein ursprüngliches Mixtape, das mit der Zeit zum Album wurde. Als Vorgeschmack zu dem schließlich 2007 erschienenen Debüt gibt es diese Scheibe hier: "Divine Kingdom", selbstverständlich mit Cameos aus dem ganzen Camp.

WRITTEN FOR Rap4Fame

22 Tracks, gefüllt mit exklusivem Material, machen dieses Werk für Creative Juices-Fans auf jeden Fall interessant. Zu finden sind sowohl Tracks, die von IDE produziert wurden (und auf denen andere Emcees spitten) als auch jene, die mit seinen Raps gespickt sind (dafür jedoch andere Beatbastler auf den Plan rufen). Der Spaß beginnt mit einem "Force Fed"-Sampler, einem fünfminütigen Vorgeschmack zu IDE's Debütalbum. Im Anschluss geht es los mit "Divine Kingdom": Düstere Sounds aus den zwielichtigsten Kellern und den tiefsten Abflusskanälen des Rotten Apple pumpen durch die Venen dieses Mixtape-Albums. Hier sei nur "Circle Breathing" mit dem infernalischen Jak Progresso genannt. Die den typischen CJM-Sound ausmachenden Elemente basieren oft auf Streichern und kommen nicht aus ohne die sehr eigentümlichen und unruhigen Raps von IDE selbst aus. Weitere Stimmen, die unzertrennlich mit dieser Marke verknüpft sind, gehören L.I.F.E. Long, Alucard und auch Jak Progresso, mit dem man sich zu diesem Zeitpunkt noch bestens verstand. Auch wenn sich die anderen Producer erfreulicherweise sehr gut in den Rahmen dieses Werks einfügen, so ist es immer noch IDE, der die markantesten Beats schnitzt: "MJ 12" in Zusammenarbeit mit Jak P ist nicht unbedingt der beste Track, heftet sich aber mit seinen hämmernden Drums, dem tiefen Brummen und seiner nächtlichen Atmosphäre ans Ohr des Hörers. Den Ausgleich bieten Tracks wie "The Result", das mit seinen Streichern in eine andere Richtung blickt, trotzdem nicht unpassend wirkt und auch keinesfalls an Qualität verliert. Über L.I.F.E. sind Connections zu Stronghold nur logisch, weshalb ein Auftritt von Swave Sevah niemanden überraschen sollten. Weshalb auch immer, Alucard scheint ein Magnet für besonders gute Tracks zu sein, was dem Hörer in "Truth Behold" ein Stück Rap erster Güteklasse beschert. "Under The Radar" fasst das Wesen dieser Scheibe gut zusammen. Posse-Tracks wie das verhalten-betrübte "Falling" gehen Hand in Hand mit IDE-Solo-Tracks oder beispielsweise Savage Messiah's "Right Honorable". Den besten Eindruck hinterlässt jedoch gleich zu Beginn "Project Blue Book", das vom Drunk Orchestra mit einem Monster eines Beats versehen wurde. Dass sich bei 22 Tracks auch schwächere Nummern finden, versteht sich - trotzdem ist man immer gefangen in der dicht gewebten Atmosphäre der Scheibe, für die vornehmlich Tracks wie das minimalistische "Mountain Goats" mit den beiden Hobby-Psychopathen IDE und Jak verantwortlich sind. Eine ehrenvolle Erwähnung geht außerdem an Kryptonite für seinen schwerkalibrigen Beat in "Hate Me" und L.I.F.E. Long für seine vier Auftritte, von denen jener auf "As The World Turns" in seiner nachdenklichen Art heraussticht.


Fazit:
Man kann es simpel auf den Punkt bringen: Creative Juices befinden sich in einer Phase, in denen ihnen nichts missglückt. Natürlich gibt es mittelmäßige Nummern, doch im Großen und Ganzen bleibt das Material höchstgradig hörenswert. Da ist es jammerschade, dass der Kern der Truppe doch recht überschaubar ist. Doch so lange dieser Kern regelmäßg Musik auf diesem Niveau unter die Massen bringt, darf man sich nicht beschweren. Hier wohnt man dem Kopf - IDE The Shanty One - selbst bei, wenn er dem Hörer zeigt, wie New York im neuen Jahrtausend zu klingen hat. Für Neulinge ist zwar in erster Linie das noch bessere "Force Fed" empfehlenswert, doch ganz generell und ganz besonders für diejenigen, die sich mit dem Camp vertraut gemacht haben und die es nun nach mehr dürstet, gilt: Mit "Divine Kingdom" wird man unterhalten. Und zwar bestens. Trotz des "Mixtape"-Charakters.

Gesamtwertung: 7.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Nu Jerzey Devil - Art Of The Devil

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 03. März 2009
Label: LiveliHood Entertainment / SoBe Entertainment

Tracklist:
01. Intro
02. Official Bloodline (Feat. Jay Rock)
03. Rapper Slash Rocker (Feat. Ya Boy)
04. Shyne Like Me (Freestyle)
05. Different Girls (Feat. Lil' Wayne)
06. Drink By The Pint (Feat. Josh Franks)
07. Rep Where You Stay
08. Put My Flag On (Freestyle)
09. Somebody's Gonna Die 2nite (Feat. Viper)
10. Do You
11. Hate (Feat. Young Buck)
12. Meet The Devil (Freestyle)
13. Jerzey: We Go Hard
14. How I Does
15. Jerz Is Nice (Freestyle)
16. That's Me (Feat. Urban Mystic)
17. So Wet (Feat. Ray J)
18. Colorful Clothes (Feat. Lil' Wayne, Baby, Maino, Trae & K.Dot)
19. In My City (Feat. Stack$)



Vor einigen Jahren war Nu Jerzey Devil noch einer von vielen Mixtape-DJs, die ihre Tapes mit Pokemon-artigen Ausrufen ihres eigenen Namens zupflasterten. Inzwischen ist der DJ fester Bestandteil des Black Wall Street-Aufgebots und konnte Produktionen bei Fat Joe, Busta Rhymes, Lil Scrappy und natürlich The Game unterbringen. Für 2009 schließlich ist Großes geplant: Das selbst-berappte Debüt-Album "Devil's Playground" soll veröffentlicht werden, davor eine EP namens "Heaven Or Hell". Vorab gibt es dieses Mixtape-Album, "Art Of The Devil", als kleinen Vorgeschmack.

"It’s always been in the back of my mind to emcee", so der Devil selbst. Also: Gratulation zur Erfüllung dieses stillen Traumes. Doch wenn man Nu Jerzey gratuliert, muss man ihm gleichzeitig die Frage stellen, was zum wortwörtlichen Teufel er sich dabei gedacht hat, der Rap-Welt seine Rap-Skillz aufzunötigen. Denn wo sich noch darüber streiten lässt, ob der Herr gut produzieren kann oder nicht, erübrigt sich diese Diskussion beim Sprechgesang mit dem ersten Satz, den man hier zu hören bekommt. Eine stinknormale Stimme, ein ansatzweise erkennbarer 08/15-Flow und Texte, bei denen es dem Fass den Boden bzw. dem Hörer das Trommelfell durchschlägt. Zitiert sei hier nur eine Passage aus "Shyne Like Me":

WRITTEN FOR Rap4Fame

"I don't know bout y'all, but yeah, they call me Jerzey
You can find me in the street ridin' somewhere dirty
Sippin' on that lean, smokin on that haze
Pistol on my hip, so don't go try and play me
Goons is ready, in the hood I'm a star
Everywhere I go, they know who I are
There go Jerze, he be doing his thing
He be fucking mad bitches and he got mad bling
"

Ob man nun desweiteren die Beimischung von einer Palette an meist gesichtslosen Features als Schadenseindämmung oder als zusätzliche Belastung auf die Ohren ansieht, bleibt jedem selbst überlassen - in jedem Fall laufen auf den 19 Tracks noch eine ganze Reihe an Gästen auf. Um das Bild perfekt zu machen, scheut sich NJD nicht, teils völlig austauschbare oder aber einfach nur nervtötende Produktionen an Bord zu lassen. Der Eintopf, der sich hieraus ergibt, ist damit eigentlich schon beim Namen genannt: Entweder man vergisst völlig, dass man gerade Musik am Laufen hat oder aber man greift zur Skip-Taste. Die Notwendigkeit, lyrisch in irgendeiner Weise zu unterhalten, erfüllt der Devil nur bedingt - nämlich durch unfreiwillige Komik. "Different Girls", am besten jeden Tag eines. Nachdem Zwerg-Wayne seine Bars heruntergequiekt hat, läuft ein völlig unmotiviert dudelndes "Drink By The Pint" mit John Franks und Autotune im Gepäck ein. Wie hier Einflüsse von allen Himmelsrichtungen zusammengeklaubt und dann durch den Fleischwolf gedreht werden, um schlussendlich einen charakterlosen Sound-Brei auszukotzen, verdient Respekt. "Rep Where You Stay" geht ans Äußerste, was das Album an Aussagen zu bieten hat. In "Hate" wird festgestellt: "All y'all fuckin do is hate, man. But if y'all hate I'm doing something right." Dass er wirklich etwas falsch macht, steht natürlich nicht zur Diskussion. "That's Me" kann als Scott Storch-Produktion wenigstens einigermaßen unterhalten, wohingegen der Posse-Track "Colorful Clothes" trotz Trae-Feature nicht die geringsten Spuren hinterlässt. "In My City" lebt nur von seinem Lovin' Spoonful-Sample, was von der eingecutteten Lil Wayne-Hook in "Rapper Slash Rocker" nicht gerade behauptet werden kann. Ein weiterer guter Beat findet sich dann im "Jerzey: We Go Hard" Freestyle, den man dem NJD jedoch nicht einmal gutschreiben darf.


Fazit:
Man lernt aus dieser Scheibe einige Dinge: Erstens, Nu Jerzey Devil sollte das Mic wieder aus der Hand geben, denn seine Skillz sind reichlich mager. Ein Album, bei dem er am Mic steht, wird dank dieses Umstands grundsätzlich keine hohen Wertungen zustande bringen. Außerdem lässt dieses Mix-Album auf Jerzey's Geschmack bei der Beat-Wahl schließen, welche die Kronenzahl zusätzlich mindert und auch in Zukunft mindern wird. Dann fehlen noch die Features. Diese sind zwar besser als der Protagonist selbst, haben jedoch trotzdem keinen besonderen Unterhaltungswert vorzuweisen. "Art Of The Devil" anzuhören, ist schlicht und ergreifend ein Ärgernis. Hier gibt es wenig bis keine Hoffnung.

Gesamtwertung: 2.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Saigon & Statik Selektah - All In A Day's Work

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 17. März 2009
Label: Amalgam Digital

Tracklist:
01. To Be Told
02. So Cruel
03. The Rules
04. My Crew
05. Prepare For War
06. Spit
07. Lady Sings The Blues
08. Lose Her
09. Goodbye
10. The Reason
11. I Warned You (Bonus)



Na also, es geht doch: Ist es inzwischen fast fünf Jahre her, dass Saigon - einer der heißgehandeltsten Neulinge der im Sand verlaufenen neuen Generation des Ostens um das Jahr 2004 - mit "Warning Shots" ein erstes Street-Album veröffentlichte, auf dem schon kräftig für das damals als bald erscheinend angekündigte Album "The Greatest Story Never Told" geworben wurde, so konnte man über die Jahr hinweg beobachten, wie Saigon ein ähnliches Drama durchlief wie Papoose. Sogar der komplette Ausstieg stand kurzzeitig im Raum. Sein offizielles Debüt residiert immer noch, mit der Beschriftung "coming soon", im Nirvana. Schließlich hatte Saigon anscheinend die Schnauze voll, was uns zu diesem Release führt: "All In A Day's Work", in 24 Stunden aufgenommen mit Statik Selektah, der Rap-Welt angekündigt und ein paar Wochen später schon, ausschließlich digital und über Amalgam Digital, veröffentlicht.

Was als Session für Tracks zum offiziellen Album begann, hat nun zehn Anspielstationen plus Bonus-Track und bietet dem Hörer eine gute halbe Stunde an BoomBap à la Statik Selektah. Dessen Sound sollte spätestens seit seinen zwei Producer-LPs ("Spell My Name Right" 2007 und "Stick 2 Tha Script" 2008) kein Geheimnis mehr sein. So gibt es auch auf diesem Release keine Überraschungen: Statik bleibt von Anfang bis Ende in seinem Metier. Was so viel bedeutet wie: Hier bekommt man eine zu keiner Zeit sauer aufstoßende Ladung gemäßigten BoomBap ohne Ausfälle und ohne übermäßige Highlights. Die Instrumentale auf dieser LP gehören nicht einmal zu Statik's bester Arbeit. Auf der anderen Seite ist das, was man hier zu hören bekommt, immer noch um Längen besser als ein bunter Mix von elf verschiedenen Produzenten, der dann völlig gesichtslos dasteht. Für viele sowieso interessanter ist die wörtlich zu nehmende Tagesform, in der sich Saigon auf diesem Album zeigt. An dieser Stelle darf Saigon sein bekannt guter Flow gutgeschrieben werden. Spielend leicht fügen sich seine Zeilen zusammen. Doch Saigon kann mehr, als er hier bietet. "Spit" beispielsweise flext sich mit Zeilen wie "My flow is flowingly fluid like liquid / Even Jamaicans be sayin my shit wicked / Y'all should believe me, I shouldn't even have to kick shit" durch die Gehörgänge. Eine Großtat wie "Yes" wird man nicht finden. Trotzdem schafft es Saigon, die Aufmerksamkeit des Hörers auf sich zu bannen, während sich Statik seine Hooks zusammensamplet und -cuttet und altbekannte Drumlines kreiert. "The Rules" schafft es erfolgreich, ein Soulja Boy-Sample mit klassischem Eastcoast-Instrumental zu verknüpfen und gerät dabei noch zu einem der besten Tracks der Scheibe, in dem Saigon auch lyrisch punktet (auch wenn der Big Apple weit davon entfernt ist, "back in full effect" zu sein):

WRITTEN FOR Rap4Fame

"New New Yitty is back in full effect
We the kind that don't throw gang signs or claim sets
We one of the few left that ain't ridin' the West
Ain't dick suckin' the South, you still'll get punched in your mouth
"

Widmet man Statik's Beats zu viel Aufmerksamkeit, erweisen sie sich schnell als langweilig, was "My Crew" oder "Prepare For War" ins Mittelmaß zwingt. Anders "Lady Sings The Blues", das mit Pitch-Voice versehen wurde und relaxte Töne angibt, über welche Saigon ein Portrait eines Image-wechselnden Rappers anfertigt. "Don't Make Me Chris Brown you, bitch!". Ein ebenfalls guter Track findet sich in "The Reason", das wieder gepitchte Samples bemüht, während Saigon der Industry den Mittelfinger ins Gesicht hält ("Industry rule #4080 - record company people are lazy"). Die kurze Spielzeit legt nahe, keine Gäste zu featuren, was auch voll gerechtfertigt ist, da Tracks wie "To Be Told" oder "Goodbye" sehr verhalten sind und nur von der guten Leistung Saigon's leben. Den Abschluss, der mit dem Bonus "I Warned You" gemacht wird, hätte man sich jedoch sparen können, da hier sogar Saigon wenig inspiriert klingt.


Fazit:
In einer Weise ist das Erscheinen dieses Albums auf jeden Fall wichtig und gut: Als Symbol für die Karriere Saigon's hat es großen Stellenwert. Davon abgesehen ist "All In A Day's Work" in der Wertungsskala normaler Alben alles andere als besonders. Unter Beachtung der Entstehungszeit verdient dieses Machwerk durchaus Respekt - doch im Vergleich zu einem MF Grimm relativiert sich auch dieser Aspekt. Wenn, bzw. falls Saigon's "Greatest Story Never Told" (oder welchen Titel auch immer es dann tragen wird) kommt, dann sollte es jedenfalls mehr bieten. Hier befindet man sich im guten Mittelfeld, doch absolut nicht bei Pflichtprogramm.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

DOOM - BORN LIKE THIS

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 24. März 2009
Label: Lex Records

Tracklist:
01. Supervillain Intro
02. Gazzillion Ear
03. Ballskin
04. Yessir (Feat. Raekwon)
05. Absolutely
06. Rap Ambush
07. Lightworks
08. Batty Boyz
09. Angelz (Feat. Tony Starks (aka Ghostface Killah))
10. Cellz
11. Still Dope (Feat. Empress Starhh)
12. Microwave Mayo
13. More Rhymin'
14. That's That
15. Supervillainz (Feat. Kurious, Mobonix & Slug)
16. Bumpy's Message (Feat. Bumpy Knuckles (aka Freddie Foxxx))
17. Thank Ya



Der Kerl mit der Maske steht mit einem neuen Album vor der Tür. Und das sogar recht unerwartet, denn "BORN LIKE THIS" ist nicht das jahrelang erwartete Nachfolgealbum zu "MM... Food?" - nichtsdestoweniger beschert der Mann mit den vielen Namen der Rap-Welt 17 neue Tracks. Wer schon so viele kunterbunte Namen in seiner Alias-Liste vorzuweisen hat, der kann es sich jetzt erlauben, ein wenig unkreativ zu sein - das MetalFace wird fallengelassen (anhand des Covers müsste es sowieso StoneFace heißen) und der Name zu DOOM - bitteschön groß geschrieben - verkürzt. Dass der Superschurke unter jedem Namen in der Lage sein sollte, guten HipHop aufzutischen, lässt den Namenswechsel verschmerzbar werden.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Als Label dient Lex Records, das seinerzeit auch der Kollabo mit DangerMouse als Grund und Boden diente. Wie eventuell aus der Tracklist ersichtlich, gibt sich DOOM auf dieser Scheibe keinem anderen Charakter hin als dem Supervillain, der er auch schon mit Maske war. An die Boards lässt er, neben sich selbst, beide Mitglieder von Jaylib sowie Seattle's Own Jake One, auf dessen Debüt-Scheibe schon zwei Tracks mit dem Metallfinger anzutreffen waren und der sich hier revanchiert. Die Zeichen stehen also gar nicht schlecht, dass man hier das erste Highlight des Jahres vor sich hat - ganz gleich, wie hässlich das Cover ist. Den Titel entlehnt DOOM bei Charles Bukowski und dessen Gedicht "Dinosauria, We" - kein Wunder, dass ebenjenes auch seine ganzen zwei Minuten eingespielt wird, nämlich zu Beginn von "Cellz", untermalt mit dramatischen Streichern und Sample-Cuts-Chaos, das die Sozialkritik bestens unterstützt. DOOM selbst rappt immer noch denselben nasal-pampigen Flow, für den er weithin bekannt ist. Auch die teils abstrakten Inhalte lassen keine große Veränderung erkennen. Dass im "Supervillain Intro" als auch sporadisch über das ganze Album hinweg immer wieder Samples den Schurkencharakter von DOOM unterstreichen, versteht sich von selbst. Dass er zu Dilla passt, zeigt uns "Gazzillion Ear", ausgestattet mit gemächlichem Tempo und typischen Jay Dee-Elementen. "Lightworks" ist schlichtweg Dilla's "Donuts" entnommen und stellt hier dessen zweiten Beat zum Album dar. Bei anderen Tracks sieht man sich mit einem Manko auf diesem Album konfrontiert: Der Lo-Fi-Charakter, der einst so typisch für Doom war, fehlt hier - was auch nicht weiter schlimm wäre, wenn Tracks wie das Streicher-geleitete "Batty Boyz" nicht so aalglatt produziert wären. Darunter hat auch "Angelz" ein wenig zu leiden, trotz des Auftritts von Ghostface als Comic-Charakter Ironman / Tony Starks. Madlib hingegen verrichtet in "Absolutely" starke Arbeit, die gewohnt gut zu Herrn Dumile passt. Klappert man die weiteren Gastauftritte ab, so trifft man auf eine Solo-Show des female MC Empress Starhh in "Still Dope"; Raekwon flowt sich über "Yessir", das ein Sample des ESG-Klassikers "UFO" breitwälzt, während zu den "Supervillainz" neben dem alten Bekannten Kurious (der zeitgleich ebenfalls mit einem neuen Album mit DOOM-Feature an den Start geht) auch noch Slug und Mobonix zu zählen sind. Die düster gehaltene Atmosphäre mit DOOM-typischer Karosserie gehört zum Besten, was das Album hergibt. Ob der Shoutout von Freddie Foxxx nötig ist, bleibt fraglich - da ist es viel unterhaltsamer, wenn DOOM zu dünnem Geigen-Gewand das Singen anfängt und Erinnerungen ("Mic Line") weckt oder wenn er sich das zaghafte "More Rhymin'" schnappt. Zum Abschluss sei das mit krachenden Jake One-Drums versehene "Ballskin" zitiert: "The flow is towin', precision as a afro trim / All big letters, but it isn't no acronym".


Fazit:
Alles in allem ist "BORN LIKE THIS" ein Doom-Album nach Maß. Die Atmosphäre ist da (schließlich bedient sich Doom teilweise an schon bekannten Kräutern). Und auch wieder nicht. Denn irgendwie will das Album nicht in der Art zünden, wie es bei den vorigen Solo-LPs der Fall war. Man wird das Gefühl nicht los, dass der Superschurke hier mit angezogener Handbremse fährt - in jedem Fall wird man hier keine nennenswerten neuen Ideen finden, wodurch sich das Album von bisherigen Releases unterscheidet. Generell fehlt dieser Scheibe ein wenig das eigene Gesicht. Doch auch unter diesem Aspekt hätte man mehr herausholen können. So reicht es für "BORN LIKE THIS" zu einem knapp guten Album, das einem MF Doom jedoch nicht so wirklich gerecht wird.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 25. März 2009

Brother Ali - The Truth Is Here

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 10. März 2009
Label: Rhymesayers Entertainment

Tracklist:
01. Real As Can Be
02. Philistine David
03. Little Rodney
04. Palm The Joker
05. Good Lord
06. Baby Don't Go
07. Talkin' My Shit
08. The Believer (Feat. Slug)
09. Begin Here



Brother Ali ist zurück - zurück vom Tour-Leben und zurück mit neuer Musik. Inzwischen hat es der Albino geschafft, sich in der Rap-Szene als fester Bestandteil, dem durchgehend positive Rezensionen hinterhergeworfen werden, festzusetzen: Das 2007 erschienene Album "The Undisputed Truth" konnte sich seinerzeit vor Lob kaum noch retten. Inzwischen hat sich Ali also vom Geheimtipp zu einem der Aushängeschilder des Minneapolis-Indies Rhymesayers Entertainment gemausert, was ihm sicherlich auch jeder einzelne Rap-Fan gönnt. Im Herbst diesen Jahres soll das nächste vollwertige Album folgen - bis dahin veröffentlicht er die "The Truth Is Here" DVD, zu der es diese Neun-Track-EP gibt.

Großer Teil des Erfolgs von "The Undisputed Truth" war ganz ohne Zweifel Ant - produzierende Hälfte von Atmosphere, die auch Ali mit Beats versorgt. So ist es hier nicht anders wie auf dem letzten Album. Neben zwei B-Seiten bietet "The Truth Is Here" sieben neue Tracks, die genau da anknüpfen sollen, wo Ant und Ali 2007 aufgehört haben. Textlich besteht da auch kein Zweifel - dass Ali stimmlich so angenehm wie immer seine Raps gen Mikrophon schickt, versteht sich von selbst. Auch in Sachen Thematik und Flow bleibt alles beim Alten: Zu sagen gibt es für den Moslem immer genug. Trotzdem macht sich gleich zu Beginn ein Bruch zum letzten Album bemerkbar: Wo vor zwei Jahren "Watcha Got" den Hörer ganz unvorbereitet zu einer Fahrt mit Vollgas einlud, da trödelt "Real As Can Be" seelenruhig ein. Natürlich lassen sich die Blues-Anlehnungen von Ant immer noch bestens hören, trotzdem fühlt man sich hier eher in einerm Interlude als in einem richtigen Track. Inhaltlich berichtet Ali vom Tour-Leben, gibt sich dabei keine Blöße und beweist erneut, dass er der geborene Erzähler ist. "Philistine David" geht schon eher in die Vollen, doch auch hier lässt Ant seine Finesse vermissen. Glücklicherweise punktet Ali wieder mit seinen Zeilen:

WRITTEN FOR Rap4Fame

"A foreigner in my own damn home-land, made me a sixteen year old grown man
I was aged by the pain that I saw, outside my frontdoor was the frontline of a war
Shots get fired, I cry on the floor, underneath my bed, try'nna hide from it all
I try to recall the first time that I saw someone close to me die, and my mind starts to draw
A blanket - far too many of us died - genocide, it's a genocide!
And our enemies will never be satisfied, until not even our memory survives
"

So sehr sich Ali auch ins Zeug legt - Ant scheint nicht so recht mitziehen zu wollen. "Talkin' My Shit" treibt die Wolke aus guter Laune zwar schon vor sich her, lässt aber seitens der Drumline den nötigen Druck vermissen, den man auf "The Undisputed Truth" noch deutlich zu spüren bekam. "The Believers" bietet mit Slug den einzigen Gast und ruft diesen auch noch in einer sehr gut gelaunten Stimmung auf den Plan, die mit dem Stempel Emo-Rap nicht viel zu tun hat. Das Geflecht aus Bass und Drums gelingt, lässt dann allerdings Zusatzeffekte vermissen. Der Ausstieg aus der EP vollzieht sich mit "Begin Here", das wie ein Gute-Nacht-Song anmutet, jedoch genau deshalb und vor allem als Abschluss hervorragend funktioniert. "Little Rodney" dagegen fängt mit seiner penetranten E-Gitarre schnell an, nervig zu werden. Letztendlich soll die Scheibe dann aber doch nicht schlechter geredet werden, als sie eigentlich ist. Natürlich sind allein schon die Raps hörenswert und natürlich ist auch eine mittelmäßige Leistung von Ant eine gute und gut hörbare. Zudem ist es nicht so, dass die guten Tracks hier nicht gut die Hälfte der Tracklist ausmachen würden: "Palm The Joker" bringt genau die Energie, die man erwartet und "Good Lord" lässt mit dem simplen Klavier-Einsatz keine Stimmung am Boden, ganz gleich ob man nun mit den religiösen Ansichten Ali's übereinstimmt. "Baby Don't Go" kann da leider nicht mithalten und nistet sich im langweiigeren Teil der EP ein.


Fazit:
Ein Brother Ali muss es sich gefallen lassen, dass bei ihm die Messlatte in luftigen Höhen angesetzt wird. Und so negativ wie hier alles klingt, so sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass hier relativ gewertet wird und der Bezugspunkt bei "The Undisputed Truth" liegt. Jenes Werk wird von der hier vorliegenden EP nicht erreicht, weswegen man durchaus leicht enttäuscht sein darf. Unter einer absoluten Betrachtung kann vermerkt werden, dass Ant und Ali immer noch ein hervorragendes Gespann abgeben, dessen abgelieferte Arbeit den Großteil der Konkurrenz überholt. In seiner Funktion als EP ist "The Truth Is Here" also durchaus ein gelungenes Häppchen für zwischendurch, beim nächsten Album darf man allerdings wieder auf eine leicht bessere Leistung hoffen.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

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Quite Nyce & Raydar Ellis - Champs vs. The League

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Release Date: 24. März 2009
Label: Brick Records

Tracklist:
01. Leading The Leaders
02. Clap
03. Holla Bout A Dolla
04. Lalalalala
05. Love Is (Feat. Project Move)
06. Move
07. Build Up
08. Ms. September
09. Broken Pieces
10. The Spirit
11. If I Never (Feat. Akil & Soulstice)
12. Trophy Room
13. Buck Short
14. They Say It's The End



Willkommen zu einer neuen Runde der Kollabo-Tombola. Die Glücklichen sind diesmal: Raydar Ellis und Quite Nyce. Ersterer ist sowohl Produzent als auch Emcee und ist Teil von Short Bus Alumni und im Umfeld von Project Move anzusiedeln. Zweiteren kennt man als Hälfte des Duos RADIx. Nachdem sie sich auf einer Show getroffen haben und dann den Kontakt aufrecht erhielten, haben die beiden nun einen Gutschein auf ein gemeinsames Album unter Brick Records gewonnen. Freunde dürfen in begrenzter Zahl ebenfalls mitgebracht werden, was natürlich auch ausgenutzt wird - es werden Project Move, Akil von den Jruassic 5 und Soulstice aus Chicago erwartet. Und das finale Produkt hat man hier vor sich: "Champs vs. The League".

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Natürlich weckt ein solches Projekt in erster Linie Misstrauen. Immerhin haben sich RADIx mit ihrem Debüt als Vorzeige-BoomBap-Schlaftabletten einen Namen gemacht, während auch Raydar Ellis bei diesem Bild von Conscious Rap und herkömmlichem BoomBap abgespeichert ist. "["Champs Vs. The League"] is truly an intelligent breath of fresh air in the current stagnant, un-innovative genre that is hip hop." Da ist diese Beschreibung natürlich ebenso austauschbar wie falsch - schon bevor man das Album gehört hat, darf man seine Wetten darauf abschließen, dass hier genau dasselbe praktiziert wird, was zuvor schon 100 Mal durchgekaut wurde. Die Frage ist nur, wie gut sich das Duo dabei anstellt. Da seitens der Raps von beiden mindestens eine grundsolide Leistung zu erwarten ist, ist es Raydar's Produktionsarbeit, die dieses Album richtet. Hier stellt man im ersten Track ("Leading The Leaders") erstaunt fest, dass Quite und Raydar mit vollem Elan ins Rennen starten: Knackige Drums und ein verhaltenes Voice-Sample lassen diesen Representer sehr gut aussehen. Nach dem ersten, oberflächlichen Durchlauf bleibt dieses positive Bild auch erhalten. Zückt man nun die Lupe und geht genauer auf das Mackwerk ein, so relativiert sich das Bild - man möchte schon sagen - selbstverständlicherweise. Der erste mehr oder weniger negative Eindruck, den man gleich in der ersten Runde mitnimmt, ist "Love Is": Dieses mehr als nur totgehörte Sylvers-Sample wurde von Nicolay perfekt verwurstet, womit hier, obgleich der Song an sich sehr ansehnlich ist, wenig Begeisterung aufkommt. Doch um sich darin zu ergehen, das hundertste BoomBap-Werk aufgrund seiner fehlenden Innovativität niederzumachen, bietet "Champs vs. The League" zu viele nette Aspekte. "Trophy Room" hätte seine Einstiegs-Raps nur noch screwen müssen, um den Hörer auf falsche Hipster-Fährten zu führen, entpuppt sich dann jedoch als gelungene Gratwanderung zwischen simplen Drums und melodischer Hook. Die vielen entspannt-ruhigen Minuten im Album sind zwar nichts für's Langzeitgedächtnis, sie funktionieren jedoch prima als kurzlebige Ohrenmassage. In jene Kategorie fallen "Buck Short", das etwas seichte "Ms. September" und "If I Never". Dem gegenüber stehen "Clap", das zur unvorhersehbar großen Überraschung mit Clap-Elementen versehen wird oder das heitere "Lalalalala", das mit Ohrwurm-Potential eines der Highlights der Scheibe darstellt. Ein zweites sitzt bei "The Spirit", das sich durch überzeugend gelungenen 90s-Flavor hervortut. Nichtsdestotrotz hat auch dieses Album langweilige Seiten: "Move" ist zum Einschlafen, "Holla Bout A Dolla" vergeigt es sich mit uninspiriertem Beat und der noch weniger ansprechenden Hook.


Fazit:
Wenn man "Champs vs. The League" bewertet, sollte man sich vergegenwärtigen, dass dieses Album einen bestimmten Rahmen vorgegeben hat, über den es mit einer verschwindend geringen Wahrscheinlichkeit hinausschießt. Im Jahr 2009 lassen sich mit diesem harmlosen BoomBap nunmal keine Begeisterungswellen mehr auslösen. Unter dieser Betrachtung muss man Raydar Ellis und Quite Nyce gratulieren, da sie ein Album geschaffen haben, das man problemlos anhören kann, bei dem alle, die etwas erwartet haben, zufrieden gestellt werden und das sich somit über das triste Mittelmaß hinaus erhebt. Vielleicht wäre noch mehr drin gewesen, doch mit diesem Ergebnis kann man durchaus zufrieden sein. "Champs vs. The League" klopft an die Pforte der Wertungsbereiche von durchwegs guten Alben.

Gesamtwertung: 6.2 / 10

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Samstag, 21. März 2009

Endemic - Terminal Illness

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Release Date:
24. März 2009

Label:
No Cure Records

Tracklist:
01. Intro
02. Robin Hood Theory (Feat. Timbo King & Planet Asia)
03. Cant stand to wake up (Feat. The Wisemen)
04. Comin to Kill (Feat. Sean Price, Ruste Juxx & Sav Killz)
05. Political Criminals (Feat. Leathafase, Melanin 9 & Cyrus Malachi)
06. Hypocrites (Feat. Masikah & Melanin 9)
07. Walk the Shadows (Interlude)
08. One Day (Feat. Killah Priest & Timbo King)
09. Not Like Us (Feat. Letia Larock, C Mone & Sima Lee)
10. Bang on Me (Feat. Leathafase & DJ Furious P)
11. From BK to UK (Feat. Ruste Juxx, Cyrus Malachi & Nasheron)
12. Look My Way (Feat. Sima Lee)
13. I'm Show Ya (Feat. Sean Price & Ruste Juxx)
14. Three Kings (Feat. Hell Razah, Melanin 9 & Kevlaar 7)
15. Outro



Und mal wieder ein Producer-Album - die Anzahl dieser Spezies an Rap-Alben steigt und steigt und steigt. Viel erstaunlicher jedoch, dass sich für jedes Album auch ein entsprechend gutes Line-Up findet. In diesem Fall ist die Rede von Endemic, einem bisher recht unbeschriebenen Blatt. Bis jetzt konnte er Beiträge zu J-Ronin's "All Elements"-Reihe verbuchen. Allerdings stammt dieser Beatbastler nicht etwa aus den Staaten, sondern aus den Rap-technisch fruchtbaren Midlands in England. Als Einflüsse gibt der Herr jedoch RZA, Pete Rock und die Boot Camp Clik an - kein Wunder, dass sein eigenes Statement zu seinem Debüt "Terminal Illness" einen Sound andeutet, der die Brücke zwischen UK und US schlägt.

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Um genau zu sein: Dieser Sound ist sogar überwiegend höchstgradig Eastcoast-lastig. Bei den Gästen fällt schnell auf, dass "Terminal Illness" sich nicht zum Ziel setzt, pro Song so viele Features wie möglich und insgesamt so viele verschiedene Gäste wie möglich aufzufahren. Ein schwerer Einschlag aus dem Wu-Tang Umfeld lässt sich außerdem ausmachen. Daneben finden sich Repräsentanten der BCC und auch Emcees aus dem United Kingdom. Bei der Beschreibung von Endemic's Anteil zum Album kann man sich schnell an ein paar altbekannten Zutaten aufhängen: simple Drumlines, viel Streicher- und Klaviereinsatz und zudem viele Voice-Samples. Ganz generell scheint Endemic ein leidenschaftlicher Crates-Digger zu sein. Man findet hier keine Samples, die im letzten Jahr schon zig-mal anderweitig zu hören waren. Am Beispiel der Songs selbst lässt sich am besten aufzeigen, was einem hier blüht: Schon die Vorab-Single "Robin Hood Theory" schlägt hohe Wellen: Eingängige Piano-Line auf einem Teppich aus Streichern und Voice-Sample, getragen von straffen Drums - darüber eine bodenständige Schicht allerfeinster Raps von Royal Fam'ler Timbo King und dem überall anzutreffenden Planet Asia. Schnörkellose Ostküsten-Kost, wie sie einfach zuzubereiten ist und wie man sie doch viel zu selten antrifft. Wer gedacht hat, er habe es mit diesem Track nur mit einem Achtungserfolg zu tun, der wird sich wundern, wie qualitativ konstant Endemic seine Schiene auf dem ganzen Album durchzieht. Dabei bleibt jedoch trotzdem genug Spielraum, um den jeweiligen Künstlern das passende Gewand auf den Leib zu schneidern: Hillside Scrambler Leathafase bekommt für seine aggressiven Raps einen düsteren Streicher-Untersatz in "Bang On Me", Killah Priest und Timbo für ihre bedachten Kundgebungen ("One Day") ein ruhiges Instrumental verpasst. "Can't Stand To Wake Up" hätte mit seinem herzlichen Sound und ordentlich Motor City-Soul sogar gut und gerne von einem der Wisemen selbst stammen können. So roh wie Ruste Juxx in "Comin To Kill" seinen Eindruck hinterlässt, hätte man ihn sich gerne auf seinem Solo-Debüt gewünscht. Kein Wunder, dass er von Endemic begeistert ist - immerhin ist er hier dreimal vertreten, während wohl auch eine gemeinsame EP in der Mache ist. Aus Endemic's Heimatland mit von der Partie sind in erster Linie Triple Darkness (Melanin 9, Nasheron und Cyrus Malachi), die u.a. in "Hypocrites" mit dem ebenfalls britischen Masikah beweisen, dass sie für ihre Seite des Atlantik ein hörenswertes Bild abgeben, das sich nicht vor den Kollegen aus Übersee verstecken muss - meist weht bei den Briten sogar ein stärker von Politik als auch von Religion beeinflusster Wind. Weiterhin erwähnenswert ist das Meeting dreier weiblicher MCs in "Not Like Us": Sima Lee und Letia Rock kommen aus den Staaten, C Mone aus dem UK. Letzter Track ist dann "Three Kings", eine großartige, schwermütig-ergreifende Produktion, die ohne jegliches Representen eine hervorragende Rap-Show bietet.


Fazit:
Der wohl größte Pluspunkt, der "Terminal Illness" gutgeschrieben werden muss und der diese LP von vielen anderen Producer-Alben abhebt, ist die Tatsache, dass Endemic bei der Wahl seiner Gäste mit der richtigen Einstellung zu Werke gegangen ist und dem Hörer ein Rap-Spektrum bildet, das zwar nicht von A bis Z reicht, dafür jedoch kontinuierlich eine Sparte besetzt. Auf Deutsch: Hier wird die Atmosphäre nicht durch buntgemischte Gäste zugrunde gerichtet. Der Sound ist einheitlich und schlicht im Eastcoast-Stil, die Raps allesamt ebenso. Damit wird zwar keine Revolution losgetreten, doch Alben wie "Terminal Illness" gibt es auf selbigem Niveau sowieso nicht mehr allzu viele; außerdem wird so mancher US-Fan hiermit interessante Neuentdeckungen aus England machen.

Gesamtwertung: 7.1 / 10

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MarQ Spekt & Lex Boogie - Guilty Party

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Release Date: 03. März 2009
Label: Backwoodz Studioz / Free Download (Klick)

Tracklist:
01. GUILTYLUDE 1
02. Guilt Scott
03. The Shine
04. BangLadesh
05. BOBBY WO
06. Dusk (Feat. H-Pone aka NYCE aka Black Assailant)
07. Homicide Written (Feat. Akil Nuru & Karniege)
08. GUILTYLUDE1.5
09. Jetlag
10. Guttersnipin (Feat. Lex Boogie)
11. GUILTYLUDE2
12. Dissident Factions
13. Unborn (Feat. QUDRAT (Messiah & PointGod))
14. GUILTYLUDE3
15. DIRTYDRUMS BIRTHDAY PARTY (Feat. Buddy Leroy & OzyReigns)
16. Black Soul
17. Out



MarQ Spekt ist einer jener vielen Schatten im Underground New York's, die einem ab und an über den Weg laufen, die man jedoch noch nie so wirklich wahrgenommen hat. Dabei ist der Emcee aus New Jersey schon lange aktiv - ob nun solo und anfangs bei Sub Verse Music oder zusammen mit seiner Truppe Broady Champs. Trotzdem hielten sich die offiziellen Veröffentlichungen in Grenzen, man beschränkte sich hauptsächlich auf Mixtapes. 2008 dann der erste Umschwung: Zusammen mit Karniege bildet er die Invizzibl Men, deren Debütalbum "The Unveiling" positiv, wenn auch mit beschränkter Begeisterung aufgenommen wird. Ins Jahr 2009 startet Spekt nun mit diesem Projekt: einem Album zum freien Download, komplett produziert von Lex Boogie: "Guilty Party", präsentiert von den Backwoodz Studioz.

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Erklärtes Ziel von MarQ ist es, mit diesem Album einen Fingerzeig Richtung der guten alten Zeiten zu geben: "Back when you would record in closets, basements, attics or bathrooms, and your sound wasn't always BIG BOY MIX and MASTERED. [...] ...just a grimy dusty tape sound because I feel like that essence is being lost today where everyone wants to make the cleanest sound possible and then autotune it out." Schöne Vorsätze, das muss man ihm lassen. Was er dabei offensichtlich vergessen hat, ist die Tatsache, dass neben ihm dutzende andere Emcees die gleiche Idee hatten. Im Konzept schwimmt "Guilty Party" also ganz und gar nicht allein, sondern im breiten Strom der Renaissance-Bewegung. Nicht die besten Voraussetzungen, doch auch kein Todesurteil. Immerhin nennt MarQ eine prägnante Stimme sein Eigen und setzt diese auf dem Album auch zu seinem Vorteil ein. Der Sound, den ihm Lex Boogie an die Füße schnürt, lässt sich gut im einschlägigen Bild der Szene, in der sich Spekt auch sonst bewegt, einfügen: roher, solider BoomBap. Gute Ansätze lassen sich dabei von Anfang bis Ende beobachten, doch es verhält sich ähnlich wie beim Invizzibl Men-Album aus dem Jahr zuvor: Der zündende Funke will nicht so recht überspringen. "I'm just a black kid spittin' straight from the horse's mouth / I live more revolution than all these revolutionary rappers talkin' bout" - davon ist leider nicht allzuviel zu hören, egal wie entspannt sich "The Shine" ansonsten durch die Lautsprecher windet. Der staubige Klang dringt immer wieder durch, schafft es jedoch nie, eine anhaltende Atmosphäre zu etablieren. Auch die Gäste, seien es nun die Broady Champs-Kollegen oder Invizzibl Man Karniege, absolvieren ihre Auftritte, überzeugen, ändern jedoch nichts an der Essenz des Albums. So rappt sich Marq Spekt meist durch Produktionen, die zu gut für Mittelmaß und zu schlecht für die Oberklasse sind. Und wenn Lex Boogie es dann mal krachen lässt, wie im "GUILTYLUDE1.5" (das sich gewaschen hat), hat man es leider nur mit einem Sample-Cuts versehenen Instrumental zu tun, das keine zwei Minuten anhält. Bis auf das grässliche "GUILTYLUDE1" gelingen auch die restlichen Interludes besser als die meisten anderen Songs. Einziger wirklich lobenswerter Track ist "Unborn", eine melancholische Nummer, in der sich PointGod an seinen noch ungeborenen Sohn richtet: "Only teach you how to think, how to stay in the box / Put your left foot forward so you won't get knocked / Daddy could've been a poet, but he ran from cops". Im eher unauffälligen "Guttersniping" greift Lex Boogie dann sogar selbst zum Mic. Doch man kommt wieder zum selben Schluss wie schon zu Beginn: Beispielsweise in "BangLadesh" fehlt den rohen Ideen eine rechte Umsetzung; wenn es wie in "Dissident Factions" dann funktioniert, lässt sich das eher dem Zufall in die Schuhe schieben.


Fazit:
Irgendwo lässt sich schon deutlich beobachten, wie das Ziel des rohen 90er Sounds hier umgesetzt wurde. Auf der anderen Seite hebt sich das Album damit trotzdem nicht nennenswert von anderen Releases der heutigen Zeit ab, muss dafür aber Einbußen bei einigen Instrumentals hinnehmen. Doch ganz generell stellt sich die Frage, ob Lex Boogie die richtige Person ist, ein ganzes Album zu produzieren. Somit hat MarQ Spekt eigentlich alles richtig gemacht, als er sich entschloss, dieses Album zum freien Download anzubieten. Denn als Geschenk ist "Guilty Party" zweifelsohne ein Reinhören wert, da es mit einigen guten Tracks gespickt ist. Außerdem wird es Spekt sicher einen Zuwachs in Sachen Beachtung bescheren.

Gesamtwertung: 6.2 / 10

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Sonntag, 15. März 2009

The Day Laborers - The Learning Process

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Release Date: 28. Februar 2009
Label: Day Labor Music

Tracklist:
01. Cant Stop This War
02. I, You, We
03. Burn One (Feat. Mac Lethal)
04. Carbon Copies
05. Smiling Faces
06. Slappin' Ya Senseless
07. Confinement (Feat. Louis Logic)
08. Paddling Upstream
09. Things Oughta Change
10. When It Rains It Pours
11. Came In the Door
12. Facing Days
13. Dirty Work (Feat. Nightwalker)
14. Big Bad Wolves (Feat. Homeboy Sandman)
15. Nightingale (Feat. Jus Dave)



Die beiden Rapper I.N.F. und Aspect kommen aus Long Island. Grund genug, sich in der eigenen Bio in eine Reihe mit Pionieren wie Rakim, EPMD oder De La Soul zu stellen. Dabei stehen die Day Laborers eher noch am Anfang: Bis jetzt besteht höchstens ein kleiner, lokaler Vibe, auf dem Konto hat man bisher auch nur eine EP ("Red Sky") vorzuweisen. Doch mit dem Debütalbum soll sich das ändern: "Preparing for the release of their first full album "The Learning Process", The Day Laborers are set to make their mark with music in a major way." Veröffentlicht wird die Scheibe über das eigene Label "Day Labor Music".

Weiter kann man auf der Seite der Day Laborers über das Album lesen: "... the best of what underground boom bap and raw rap has to offer". Da anscheinend kein Neo-BoomBap-Album mehr ohne solche Umschreibungen auskommt, sollte man natürlich keine zwei Cent auf solche Phrasen geben, ganz im Gegenteil wird hier eher schon die gebotene Mittelmäßigkeit angedeutet. Ein Blick auf die Producer-Liste trägt auch nicht viel zur Aufklärung bei: Pen Pointz, Jon Dubs, GP und Skammadix stellen den Großteil der Beats bereit, wobei Letzterer mit Beiträgen für das AOTP-Camp vielleicht von dem ein oder anderen schon mal registriert wurde. Um es kurz zu machen: Die unbekannten Produzenten können keine Akzente setzen. Keiner von ihnen. Auch nicht der Exot, der Franzose Posi Hel, der den soliden Kopfnicker "Slappin' Ya Senseless" beiträgt. Auf Seiten der Raps haben I.N.F. und Aspect beide eine gesunde Portion Skills zu bieten, sind jedoch in keinster Weise als besonders zu bezeichnen - auch die Inhalte kauen sich durch die herkömmlichen Themenpunkte von der Stange. Trotzdem lassen sich allerhand gute Ansätze in diesem Album finden: "When It Rains It Pours" ist ein hübsch nachdenklicher Song, in dem man sich teilweise (auch stimmlich) an Atmosphere's Slug erinnert fühlt, ebenso wie im ähnlichen "Padding Upstream":

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"I count my blessings, share the essence that we co-exist
Through times of overflowing bliss, through times of loneliness
My mother said to me 'Son, remember only this:
Do your best to show respect and have a kind heart
Always keep your head up even when the times are hard'
Ain't try'nna dodge these words of wisdom but I find it odd
Why we novacaine our own domain, live inside a fogg
"

Das Album lässt sich grob in jene ruhigen Tracks und die BoomBap-typischen Kopfnicker aufteilen. Zu Zweiteren zählt auf jeden Fall der Opener, "Can't Stop This War", der in seiner Funktion keinen schlechten Eindruck macht und mit netter Drumline die Maschinerie dieser Platte zum Laufen bringt. "Burn One" featured Mac Lethal, wird eingeleitet von einem kleinen Seitenhieb gegen die Ying Yang Twins und ergeht sich dann in lockeren Raps der drei rechtschaffenen Conscious-Rapper. Zu "Smiling Faces" gibt es nur zu sagen: Wer Buddha Monk's Interpretation des Samples vom "The Undisputed Truth"-Song kennt, der kann die Version der Day Laborers nur links liegen lassen. Weiterhin im Repertoir des Albums befinden sich ein Pitch-Voice-getragener Song ("Facing Days") und ein recht unspektakulärer Auftritt von Louis Logic in "Confinement". Nightwalker am Pult und am Mic bekommt der Hörer in "Dirty Work", wobei auch hier eindeutig der Pepp fehlt. Gut hörbare, doch wenig innovative Cuts prägen "Came In The Door", "Things Oughta Change" dagegen sitzt im sinnenden Mittelteil und baut auf Streichern auf. Skammadix schließt mit seinem vierten Instrumental sehr mittelmäßig in "Big Bad Wolves", das auch noch mit einer nervigen Hook zu kämpfen hat, ab. Das Album selbst jedoch findet sein Ende in einem der besten Tracks, "Nightingale", einer sehr angenehmen und gefassten Nummer.


Fazit:
"The Learning Process" kommt leider nicht aus dem Mittelmaß der Vielzahl an Ostküsten-Alben heraus. Schuld daran sind alle Beteiligten, doch natürlich in erster Linie die Produzenten, die es nicht schaffen, diesem Album etwas Charakteristisches aufzudrücken. Auch I.N.F. und Aspect bedienen viel zu sehr die Norm eines solchen Standard-Albums. Dass sie zu mehr imstande gewesen wären, zeigen einige Ansätze, allen voran "Nightingale". Gerade wegen diesen Ansätzen schafft es "The Learning Process" zu einem gut hörbaren BoomBap-Album, das sich als leichtverdauliche Kost sehr gut verträgt, im intensiven Verhör allerdings seine Mängel offenbart. Hoffentlich lernen die Day Laborers aus diesem Album für ihr nächstes.

Gesamtwertung: 6.1 / 10

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Visual - Working Class Legend

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Release Date: 27. Januar 2009
Label: Community Service Records

Tracklist:
01. Gettin' It
02. Never Sold Crack (Feat. Cap D)
03. The Planet
04. Grown Man Minutes
05. Till The day I Die (Feat. Wes Restless)
06. Fuck Dreams, Make Plans
07. What I'm On
08. Super Man
09. We Gonna Fly
10. Credit Interlude
11. What's Up Joe (Feat. Ale Nova)
12. Bills (Feat. Sharkula aka Thigahmajigee)
13. Pay Day (Feat. Scheme & Astonish)
14. Self Motivated (Feat. Rios & Dism)
15. Besides The Bullshit
16. I Know
17. Livin' My Life
18. Working Class Legend / I Found You (Hidden Track)



Im Pool des Chicagoer Undergrounds gibt es eine neue Veröffentlichung. Visual ist wahrhaftig nicht der Rapper, der im Zentrum der Aufmerksamkeit steht - weder wenn es um das Rap-Game allgemein noch um seine Heimatstadt geht. Dabei hat der früher unter dem Namen NDVisual tätige MC bereits einige Einträge in seiner Diskographie stehen: Nach "Work" aus dem Jahr 2003 und "Figured It Out", welches drei Jahre darauf erschien folgte jedoch eine Pause, die mit einigen Mixtapes überbrückt wurde. Pünktlich zum Jahresauftakt erscheint "Working Class Legend", wie gewohnt über Community Service Records.

Übermäßig viel gibt es nicht zu erzählen über Visual: Auf den bisherigen Releases profitierte er sehr von den starken Produktionen, die ihm zur Verfügung standen. Auch hier ändert sich daran nichts, als Beispiel sei hier Panik von den Molemen als schlagkräftiges Argument genannt. Was den Albumtitel betrifft, so sei ganz einfach seine Biographie zitiert:

"...a regular working class guy with a steady day job, who happens to rap. Not a rapper with a day job."

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Dies wird zum Dreh- und Angelpunkt des Albums. Visual präsentiert sich von Anfang bis Ende als "9 to 5"-Worker, der von Geschichten aus dem Alltag berichtet. Eine weitere Information sei noch genannt, mit der man bei Kenntnis früherer Releases hier an den Start geht: Visual ist nicht der talentierteste Rapper. Mit einem sehr gemächlichen und simplen Flow schreitet er durch seine Tracks, hinzu kommt die schlechte Grundvoraussetzung einer relativ kraft- und charakterlosen Stimme. Beim Hören der ersten Tracks stört dieser Umstand allerdings kein bisschen: Ehrlicher als Visual kann man seine Texte nicht schreiben, was dem MC dicke Sympathiepunkte einbringt. Das erste Highlight wird von "Never Sold Crack" markiert, einer lockeren, streichergeführten Hymne, die es kurz und bündig auf den Punkt bringt:

"Art, sneakers, culture - I'm a fan; father, teacher, leader - I'm a man
If I'm in the kitchen, I'm cookin for my kids, I ain't cookin no crack fuckin' up yo kids
I'm a man of integrity, working class celebrity; so I don't rap for dough, I rap for clarity
"

Der Auftritt von Chi-City-Legende Capital D tut das Übrige, um diesen Track mehr als nur hörenswert zu machen. Wie schon erwähnt profitiert Visual von guten Beats, was einem auf den folgenden Tracks auch durchgehend vorgeführt wird. Im Großen und Ganzen geht das Sound-Spektrum als typisch für Chicago durch: "What I'm On", "Super Man" oder "We Gonna Fly" spielen nach Feierabend und dienen zur Auflockerung der Atmosphäre, was auch bestens gelingt - den relaxten Sounds lauscht man gerne und Visual selbst beansprucht mit seinen wenig aufdringlichen Raps nicht zu viel Raum. Abgesehen von diesem Luftzug im Mittelteil des Albums zeigt sich Visual erstaunlich ernst. Die Welt dreht sich um "Bills" und den "Pay Day", Chicago macht den Großteil des "Planet"s aus. Bei der Wahl der Beats beweist Visual Geschick, die jeweiligen Atmosphären passen zu den Themen wie die Faust auf's Auge. "F Dreams, Make Plans" drückt einmal mehr Visual's Ansichten in direkter Art und Weise aus, wobei das extrem schleppende Tempo diesen Song verdirbt. Herrlichen Chicago-Flavor gibt es von Panik in "I Know" und "I Found You". Infinite Beats sorgt mit seinem Klavier für eine höchst melancholische Stimmung in "Besides The Bullsh#'+", dessen Zeilen ein weiteres Mal die handfeste Meinung von Visual präsentieren:

"Look I'm true, I'm a regular dude
That's why when I speak, I speak for you
I'm try'nna do something real in this game
But sometimes I feel that it's just a game
Lotta punks act like being real was lame
Bunch of soulless bitches, what a damn shame
Regardless, I keep makin' my moves
I keep doin' what I do, keep sayin' my truth
"


Fazit:
Das Proletariat hat gesprochen. Doch so positiv diese Rezension auch klingen mag - nach 18 (bzw. 19) Tracks ist man froh, endlich fertig zu sein. Auch wenn Visual ein rappender Arbeiter und kein arbeitender Rapper ist, muss er sich Kritik gefallen lassen: Von inhaltlichen Wiederholungen abgesehen verhindern die Beats zwar in jedem Fall, dass dieses Album zu einem Ausrutscher wird, doch gleichzeitig verwehrt sich Visual durch seinen Rap-Stil und seine Skills eine höhere Wertung. Daran ändert auch die kleine Zahl an (soliden) Gästen nichts. Im Rahmen seiner Möglichkeiten hat Visual trotzdem fast alles richtig gemacht - alle drei Jahre ein Album von ihm geht in Ordnung. Für Fans von Chicago's Non-Gangsta Rap alleine schon wegen der Beats hörenswert, während auch die Raps bei gemäßigtem Konsum genießbar sind.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

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Mittwoch, 11. März 2009

The Almighty RSO - Doomsday: Forever R.S.O.

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Release Date: 19. November 1996
Label: Rap-A-Lot Records / Noo Trybe Records

Tracklist:
01. Doomsday Intro
02. Forever RSO
03. The War's On (Feat. Mobb Deep)
04. Thought You Knew
05. Gotta Be A Better Way
06. Summer Knightz (Feat. Tangg The Juice)
07. Sanity (Feat. D-Ruff)
08. You'll Never Know (Feat. Mad Lion)
09. You Could Be My Boo (Feat. Faith Evans)
10. Mix Of Action
11. Keep Alive (Feat. Cool Gsus)
12. Illicit Activity (Feat. 8-Ball & MJG)
13. Killin' Em
14. One In Tha Chamba (Feat. M.O.P. & Cocoa Brovaz)
15. Quarter Past Nine (Feat. Cool Gsus, M3 & Fuckamon)
16. We'll Remember You



Schon beim Betrachten der äußeren Gegebenheiten sollte auffallen, dass dieses Album nicht das gewöhnlichste ist: The Almighty RSO stammen aus Boston, sind jedoch auf Rap-A-Lot Records gesignt. Dass ein solcher, eigentlicher Widerspruch existiert, sollte hellhörig machen. RSO besteht aus Tony Rhome, DJ Jeffy Jeff, E-Devious und Ray Dog, wobei Letzterer vielen als ehemaliger Source Co-Besitzer Benzino bekannt sein dürfte. Nachdem die Gruppe bereits '94 mit der EP "Revenge Of Da Badd Boyz" ihren ersten Output verzeichnen konnte, folgt 1996 das Album "Doomsday: Forever R.S.O.".

Nicht nur heißt das Label Rap-A-Lot, auch beim musikalischen Teil hält der dreckige Süden Einzug: Ein 8-Ball & MJG-Feature ist auf einem Boston-Release sicher nicht gewöhnlich und während ein Teil der Produktionen von der eigenen Producer-Truppe Hangmen 3 (welcher Deff Jeff und Benzino angehören) gestemmt wird, finden sich ebenso Instrumentals von Houston-Größen wie Crazy C oder John Bido. Die Connections, die auch die weiteren Gastauftritte auf der Scheibe erklären, hängen dicht zusammen mit der Crew-Geschichte, die wahrlich erwähnenswert ist. Als eine der ersten Gruppen, die in Boston HipHop praktizieren, ist der Terminus Pionier durchaus angebracht. Von Rückschlägen und Verlusten kann die RSO Crew ein Lied singen: Die Tode von Big T (1988) und Rock (1991) sind hier ebenso zu erwähnen wie der missglückte Deal mit Tommy Boy. Da ist es nur angebracht, im ersten Song die eigene Gruppenbiographie aufzurollen, wie hier Tony Rhome:

WRITTEN FOR Rap4Fame

"'92, shit's still fucked up, hooked up with Tommy Boy
They try to play us, but fuck 'em, we don't need no fuckin' favors
They bitched up, switched up, over controversal lyrics
When controversy's sumthin' my crew lives with
"

Zusammen mit dem langsamen und doch kraftvollen Beat von John Bido und Pee Wee wird in "Forever R.S.O." ein Start nach Maß hingelegt. Vielseitigkeit beweisen auch die Hangmen 3: Nicht nur strikter Eastcoast-Flavor wird mit deren Beats eingebracht, sondern etwa in "Summer Knightz" ein Track, der sowohl vom Sound als auch von seiner Thematik sehr an Ice Cube's "It Was A Good Day" erinnert. "Sanity" bietet dann einen soften Beat-Teppich, der von D-Ruff's Hook noch unterstrichen wird. Nichtsdestotrotz lassen die rohen Rhymes eines Benzino nie das Gefühl von Kitsch aufkommen. Tony Rhome kann mit seiner (fast schon schrill-hohen) penetranten Stimme ebenfalls Akzente setzen, ohne dabei nervig zu werden. E-Devious schließlich ist das technisch am besten rappende Mitglied - und zusammengenommen ergänzen sich die drei Emcees angemessen. "You Could Be My Boo" mit hohem Besuch von Faith Evans schwebt als einziger Song in Kitsch-Gefahr, rettet sich jedoch auch elegant in äußerst smoothe Gefilde. Befindet man sich schon bei diesen Tracks, darf das lockere "You'll Never Know" nicht fehlen. Wenn das Album für die Ostküstenliebhaber bisher nicht sonderlich interessant geklungen haben mag, hier ein Totschlagargument: "The War's On". Der Beat stammt von niemand anderem als Havoc selbst, weswegen man es hier eigentlich mit einem Mobb Deep-Track mit RSO-Feature zu tun hat. Dementsprechend klingt die Sache und hätte ohne weiteres auch auf "Hell On Earth" gepasst, da hier düstere New York-Szenerie vom Feinsten die Atmosphäre ziert, während Prodigy's schneidende Stimme seine Beantown-Kollegen ziemlich alt aussehen lässt. "One In The Chamba" kommt zwar über einen bei weitem nicht so epischen Beat daher, ist jedoch aufgrund der Raps von Fame, Danze, Steele und Tek definitiv interessant. Desweiteren empfehlenswert ist "Mix Of Action" mit einem Streichergewand, wie man es aus dem Osten kennt und liebt. Ein starkes Tony Rhome-Solo gibt es in "Killin' Em", während in "Quarter Past Nine" die Boston Kollegschaft mit von der Partie ist. Bei so viel guter Kost fällt es nicht schwer, mittelmäßige Nummern wie "Thought You Knew" oder "Illicit Activity" (trotz dem hörenswerten Besuch aus Memphis) zu verzeihen. Abgeschlossen wird die Platte durch "We'll Remember You", einem Gedenken an Ex-Mitglieder (z.B. Big T).


Fazit:
Diese in der Blüte des auf ihr praktizierten Sounds geschlagene Brücke zwischen Ost und Süd ist in jedem Fall hörenswert. Und zwar, im Gegensatz zu vielen anderen Alben jener Zeit, nicht nur für eine Fraktion an Fans. Das Highlight sitzt ganz klar in der Kollaboration mit Mobb Deep, doch auch sonst wird ein hohes Niveau gehalten. Almighty RSO mögen nicht die technisch beste Rap-Gruppe gewesen sein und auch die aus den Connections resultierenden Gastauftritte tragen ihren Teil zum Album bei, doch trotzdem kann man dem Quartett dieses (gute) Album nicht nehmen. Schade, dass es durch die Source-Geschichte (Benzino lies seine Gruppe aufgrund der Bekanntschaft mit Gründer David Mays "pushen") leicht negativ behaftet ist. Alles später erschienene Material kann man sich schenken, hier jedoch sollte man reinhören. Für die besagte Vielseitigkeit gibt es vier Kronen.

Gesamtwertung: 7.5 / 10

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MeccaGodZilla Vs. 007 - Soundclash Vol. 1

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Release Date: 15. Januar 2005
Label: Backwoodz Studioz

Tracklist:
01. Sound Of Fury
02. Pit & The Pendulum (Golden Gun Remix) (Feat. Billy Woods & Vordul Mega)
03. Visions Of An Archangel
04. Gasoline (Feat. Billy Woods)
05. Trojan Warfare (Feat. Rodan)
06. Holla Back (Challabread Mix) (Feat. Lam Shist)
07. Who Want War (Feat. Majesty)
08. Free Trade
09. Lady Flipside Meets MeccaGodZilla
10. Beware
11. Citrus Punch
12. Frederick Douglas (Bodega Mix) (Feat. Billy Woods)
13. Made 2B Major (2K Mix) (Feat. King Ra & Divine Mind)
14. Crusades (Undeclared Wars 2) (Feat. Billy Woods & Vordul Mega)
15. Sword Of Omenzzzzz / Oceans Of Fire (Bonus) (Feat. Ray Long, Spiega & Kong)




"Soundclash" - das ist die richtige Bezeichnung für dieses Projekt. Bond alias 007, produzierender Kopf der Backwoodz Studioz, lädt sich eine Underground-Größe aus New York zur gemeinsamen Session: RAVAGE The MeccaGodZilla ist aus der jüngeren Generation der Monsta Island Czars und einer der aktivsten noch verbliebenen Vertreter der Toho-Monster. Zwei Vertreter von zwei der interessantesten Kollektive aus dem Big Apple prallen aufeinander und das Ergebnis verspricht - in Anbetracht der beidseitig ungewöhnlichen Styles - mehr als nur interessant zu werden.

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Dass beide Seiten Gesellschaft mitgebracht haben, sollte einen weiteren Anreiz für dieses Album darstellen. Der am öftesten zu Wort kommende Emcee ist Billy Woods, der auf Seiten der Backwoodz-Fraktion ins Rennen geht: Gleich im "Pit & The Pendulum (Golden Gun Remix)" schnappt sich 007 einen seiner Beiträge zu Woods' Album "The Chalice" und jagt ihn durch die Remix-Maschine. Dem einst tief-melancholischen Track werden erhebende Hörner aufgesetzt, während Vordul's schwarze Metaphern wirken wie eh und je. Erreicht zwar nicht ganz sein geniales Original, kann aber trotzdem beeindrucken. Bevor jedoch auf die zweifelsohne wichtigen Beiträge der Gäste eingegangen wird, sollte man sich der Leistung der beiden Protagonisten zuwenden: Denn dies ist kein Producer-Album in dem altbekannten Sinne. Abwechselnd spielen sich Ravage und Bond den Ball zu, was im Gesamteindruck eine sehr gut geglückte Synthese der beiden Styles zulässt: Bond mit seinen unzählbaren Genre-Einflüssen und einer Flut an Samples (die im ebenfalls 2005 veröffentlichten "Golden Gunn" noch exzessiver über den Hörer hereinbricht) und Ravage mit seinen dramatischen Gefügen, die durch knackige Drums und Electro-Einflüsse komplettiert werden. Der MeccaGodZilla ist bekanntermaßen auch ein Emcee und scheut sich nicht, selbst zum Mic zu greifen (viermal um genau zu sein). Am markantesten fällt dabei das Interlude-artige "Visions Of An Archangel" auf, in dem Ravage acapella seine Salven in beachtlichem Tempo auf den Hörer feuert. Großes Beat-Kino ist der instrumentale Mittelteil des Albums, in dem keine Raps zu hören sind, wodurch der Fokus voll auf die Produzenten gesetzt wird: Sei es nun der mehrfache Beat-Wechsel in Bond's "Free Trade" (mit großartigem Sample-Salat), sein herrlich souliges "Beware" oder Ravage's angenehme (mit Voice-Sample versehene) Streicherkulisse in "Citrus Punch" - der Sprechgesang wird nicht vermisst. Dabei soll gar nicht verschwiegen werden, dass man hier nichtsdestotrotz einige höchstqualifizierte Spitter antreffen wird: Der Meister Rodan höchstpersönlich gibt sich beispielsweise in "Trojan Warfare" die Ehre, während Bond in "Crusades (Undeclared Wars 2)" einen meisterhaften und in reiner Schwermut getränkten Geigen-Teppich webt, der wie geschaffen ist für das Duo Vordul-Woods, das auf solchen Instrumentals in seiner eigenen Liga spielt. Auch unbekanntere Emcees kommen zu Wort, wie Lam Shist in "Holla Back (Challabread Mix)" oder Majesty, als Mitglied der jüngeren Czars-Generation unter dem Alias Gamma-Ra bekannt, in "Who Want War". Gegen Ende gibt es Ravage's "Sword Of Omenzzzzz", die einzige Nummer, bei der die Zügel hinsichtlich schöpferischer Freiheit zu locker gehalten wurden - dieses Electro-Ding ist zwar amüsant, aber ebenso anstrengend. Wett gemacht wird das durch den Canal Street Mix von "Oceans Of Fire", einem Auflauf von Ray Long, Ravage, Spiega und Kong, der es (dank einer überragenden Leistung von Spiega als auch von Kong und Ravage) monstermäßig in sich hat.


Fazit:
Tief im Untergrund New Yorks erfolgt dieses Aufeinandertreffen von Riesenechse und Superheld. Ohne große Wellen zu schlagen. Und doch unter Freisetzung beachtlicher Energien, die in dieses Album gesteckt werden. Bond und Ravage harmonieren - und wie gut die beiden Camps zusammenpassen, dafür ist das Reavers-Projekt Beweis genug. Hier stehen die Produzenten im Vordergrund, was auf der Scheibe auch zu jedem Zeitpunkt zu spüren ist, während die Gäste bestens gewählt sind und das Ganze ergänzen. Dieses Release ist für Backwoodz- und für MIC-Fans genauso geeignet wie für Liebhaber von frischem NY-Sound, der nicht auf der Stelle tritt.

Gesamtwertung: 7.7 / 10

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