Freitag, 28. Dezember 2007

Krohme - All Praises Due


Release Date: 27. Februar 2007
Label: Godsendant Music

Tracklist:
01. The Opening - (Feat. Farooq Ameen Al Said)
02. Revolution Music
03. The Forsaken - (Feat. Royce Da 5'9)
04. Cold Summers - (Feat. Hell Razah)
05. Real Talk
06. We Shall Overcome
07. I'm Gonna Win - (Feat. Agallah & D.V. Alias Khryst)
08. The Next Star
09. King - (Feat. Smigg Dirtee & Divine Allah)
10. All Praises Due - (Feat. C-Rayz Walz)
11. Round Here - (Feat. MC Serch)
12. Run Them Thangs
13. A Better Future - (Feat. Chace Infinite)
14. These Final Hours - (Feat. Judah Priest & Tripp Doogan)
15. A Change Gonna Come
16. Come Together Now



Jedes Jahr gibt es Namen, die einem bis dato absolut nichts gesagt haben, die man sich jedoch merken sollte. Ein solcher Name ist Krohme, Producer und MC aus Alexandria, Virginia. Nachdem er zuerst MF Grimm auf seine Beats aufmerksam machen konnte, verbreitete sich die Kunde seiner Producer-Fähigkeiten schnell, so dass er auf seinem Debütalbum "All Praises Due", welches Ende Februar 2007 erschien, schon eine beachtliche Gästeliste aufweisen kann. Und wie schon erwähnt, ist dieses Debüt kein Producer-Album (wie es 2007 unzählige gab), sondern Krohme steht auch selbst am Mic. Da er nach eigenen Aussagen irgendwo um 1995 festhängt, was seine Music betrifft, weiß man schon was man sich hier zu erwarten hat. Ein weiterer Indikator ist seine bisherige Zusammenarbeit mit vielen Artists aus der Wu-Tang-Familie.

Da Krohme kein fauler Mann ist, besitzt er auch sein eigenes Label, Godsendant Music, über das "All Praises Due" auch veröffentlicht wird. Die ersten Worte im Intro, "The Opening", werden von einem der ersten Mitglieder des Label-Rosters, A-Jaxx alias Farooq Ameen Al-Said, gesprochen. Dann schmettern die Fanfaren los, und Krohme legt volle 100% vor, um dem Hörer sich und seinen Fähigkeiten als Emcee und Producer vorzustellen. "I stand aside and bring the knowledge to you", so sein Motto. Wie bei so vielen Artists, die in beiden Gebieten tätig sind, ist er der bessere Producer, auch wenn seine Rap-Fähigkeiten als solide zu umschreiben sind. Ähnlich dem Intro zeigt sich auch "Revolution Music" mit kräftigem Unterbau, für den Krohme's Stimme fast schon zu schwach ist, trotz des guten Wiedererkennungswerts. Nun schließt sich ein locker-leichter Kopfnicker an, in dem der erste große Gast, Royce Da 5'9", den Chorus übernimmt.

Erster Höhepunkt kündigt sich im Anschluss mit Hell Razah an, der in "Cold Summers" zwar neben dem Chorus nur magere 4 Bars spittet, aber im Endeffekt gut zum Gesamtpaket beiträgt, das vor allem von dem energiegeladenen Beat profitiert. "Money got you sellin' your soul / You can tell we in hell, when the summer is cold / Cock back, shoot a MC, empty, reload / Tell the truth to the seeds, til' the world explode", so der Refrain. Von alamierenden Aufrufen wechselt Krohme nun spielend zum entspannten und vor Soul nur so überlaufenden "Real Talk", um dann in ein Interlude mit einer Rede von Martin Luther King überzuschwenken, "We Shall Overcome", welches sehr zum atmosphärischen Ganzen des Albums beiträgt.

"I'm gonna win" zeigt Krohme's Vorlieben für (Voice-)Samples auf, während sich als Rap-Gast der Don Bishop alias Agallah einfindet und für den Chorus D.V. Alias Khryst ein Lebenszeichen von sich gibt. Und das interessante Zusammenspiel der rauhen Stimmen von Agallah und Krohme mit D.V.'s weicher Stimme weiß durchaus zu überzeugen. Einer der besten Songs der Platte wird nun gleich nachgeschoben, "The Next Star" zeigt, wie sich der perfektionierte Einsatz von Voice-Samples anhört, bietet zudem eine starke Hook und passt auch definitiv zu Krohme's Stimme. Textlich gibt es eine Beschreibung, von Krohme's hartem Weg als Artist, die sicherlich nicht aus der Luft gegriffen ist.

"King" ist eine vollkommen ruhige Nummer, auf der neben dem Brooklyn-Newcomer Divine Allah auch Bay-Rapper Smigg Dirtee zu finden ist und das textlich, mit einer Schilderung des gefährlichen Alltags, nicht viel Neues zu bieten hat. "Another day, another chance to die". Nächste Rap-Größe ist C-Rayz Walz, der sich im Titeltrack "All Praises Due" die Ehre gibt, einem voluminösen Streicher-Song. "The adrenaline rush, you never feel til you die / 85 percent ask the question why / Didn't do the research, deaf, dumb and blind". Trotz flacher 5%-Anspielungen ein sehr gelungenes Stück Musik. Anschließend versinkt das Album in drei soliden, doch mehr oder weniger unauffälligen Tracks. Der erste wird von steinharten Gitarren getragen und kann mit MC Serch als Gast aufwarten. Diesem folgt "Run Them Thangs", auf dem trotz Voice-Sample fast schon Langeweile aufkommt. Das freshe "A Better Future" mit Chace Infinite ist da eindeutig wieder etwas besser, kann jedoch immer noch nicht an das Niveau vom Anfang anknüpfen.

Dies gelingt Krohme erst wieder mit "These Final Hours"", neben "The Next Star" bester Track des Albums. Mit dem in Kentucky ansässigen Tripp Doogan und dem Philadelphia-Abgesandten Judah Priest hat sich ein starkes und in etwa gleich (un-)bekanntes Trio gefunden, dem ein traumhafter Beat zur Verfügung steht. "Hip Hop is dead, like Nas said / I resurrect Hip Hop like Christ did". Etwas oberflächlich, trotz der vorangegangenen geistlichen Rhymes. Doch das stört bei diesem Song nicht weiter. Nun wird Sam Cooke's "A Change Gonna Come" gespielt, überschnitten mit Samples von Bürgerrechts-Reden. Es verbleibt noch ein einziger Track, "Come Together Now", der als Art Tribut an Public Enemy gedacht ist, und in etwa auch so klingt. Trotz, bzw. genau wegen dieser Note, ist der Song ein sehr starker Ausstieg. Es gibt noch einen versteckten Bonus-Track, dessen Beat in leichter Modifikation auch von 50 Cent für "Window Shopper" verwendet wurde, und der dementsprechend, trotz Reggae-Vibe, nicht allzu erwähnensert ist.

Es ist verwunderlich, wie sehr dieses Album an der Welt vorbeigezogen ist. Natürlich wird hier nicht die Welt neu erfunden, trotzdem gehört es zu den solidesten Alben 2007, wenn es um liebevollen, BoomBap-basierten, Eastcoast-Sound geht. Auch wenn Krohme am Mic kein Rakim ist und auch nicht die lyrischen Fähigkeiten eines GZA aufweist, schafft er es gut, sein nicht zu leugnendes Producer-Talent entsprechend mit Raps auszuschmücken. Von diesem Ein-Mann-Unternehmen darf man sich noch viel erwarten, und sofern der Mitt-90er-Sound so gut wie hier klingt, stört das Auf-der-Stelle-Treten auch nicht im Geringsten.

Gesamtwertung: 7.7 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Donnerstag, 27. Dezember 2007

4th Disciple - The Best Of 740 Vol. 1 (Unreleased Classics)


Release Date: 18. Juni 2007
Label: Blakglobe Records

Tracklist:
01. Tha Fall - (Feat. ShoGun Assasson)
02. CPC Theory - (Feat. Big Tae, Black & Bummy Juss)
03. Swordz - (Feat. ShoGun Assasson & Beretta 9)
04. Change iz Comin - (Feat. Raw Intellect & Stanley)
05. Time Passes - (Feat. Agony)
06. One Step - (Feat. Verb)
07. Who's Eyez Can See - (Feat. ShoGun Assasson)
08. Long Time - (Feat. Sneek Sinatra, Ho2fa & Jag)
09. Heavy Berdenz - (Feat. One Man)



Jedem Wu-Tang Fan ist der Name 4th Disciple ein Begriff. Nach dem RZA gehört er zu den beständigsten und wichtigsten Säulen im Poducer-Kreis der Wu-Familie. Deshalb ist er Mitglied der Wu-Elements. Als inoffizielles Mitglied der Killarmy und wichtigster Producer aller ihrer Alben etablierte er sich in den späten 90ern mit seinen harten Produktionen, die perfekt zu den Raps des Clans passten. Trotzdem bleibt der Mann meist im Hintergrund. Im Jahr 2007 veröffentlicht er ein 9-Track starkes Internet-Release namens "The Best Of 740 Vol. 1 (Unreleased Classics)", das später auch als CD-R über chambermusik erhältlich ist. Diese Zusammenstellung beinhaltet Tracks aus den Jahren 1996 bis 2001, einerseits mit Killarmy-Emcees und andererseits mit gänzlich unbekannten Artists.

Ein Großteil der unbekannten MC's stammt aus 4th's Heimat, Steubenville, Ohio. Der Großteil der Tracks stammt aus den Jahren 1998 und 1999. Den Anfang macht dann Killarmy's ShoGun Assasson mit "The Fall". Und diese geballte Portion Härte bläst die komplette Hörerschaft um wie ein Jahrhunderttornado ein amerikanisches Einfamilienhaus. Selten hat 4th Disciple so knochentrockene und steinharte Drums als Grundlage für seinen Beat verwendet, und die Drums befinden sich mit gefährlichen Streichern und tiefen Bläsern auch noch in bester Gesellschaft. Dazu hält ShoGun einem passend seine lyrische Schrotflinte ins Gesicht. "Fuck killing 'em with kindness, I'mma dead 'em mentally / As well as physically, leave 'em with a holy body / There's no need for an autopsy, he died from a bullet, see, I'm nice on the A.K.T. / The gun's ready to pop off, blow ya top off / Ya'll niggas is soft like ass-tissue, white cloud / Grab the mic and aim my weapon at the crowd / Wisely analyze reality, that's warfare / Bounce ya life, I don't care, and won't try to spare / Yeah I'm fully aware, that the ending is near".

Der nächste Track beschreibt sich bestens selbst: "We movin' swiftly, quickly, dangerously and silently, through this battlefield". Das will heißen, dass hier eine ruhigere, bedachte und doch nicht minder gefährliche Produktion von 4th Disciple auf Raps von Big Tae, Bummy Juss und Black trifft. Wie schon die beiden ersten Tracks ist auch der dritte aus dem Jahr 1999, wobei diesmal ein Drittel der Killarmy, in Form von ShoGun und Beretta 9, am Mic steht. Dem in Wu-Gefilden nicht all zu kreativen Titel "Swordz" wird von 4th Disciple ein typischer, wenn auch nicht vollends überzeugender Beat aufgesetzt, der sich jedoch trotzdem keinesfalls verstecken muss, nur etwas schwächer als seine Vorgänger ist. "The mind is a silent weapon, so I pack knowledge in my clips / Do the damage like hollow tips / In this quiet war, the enemy is the manufacturer of death / They united the nations for one devilish cause / To keep all cartridge concealed / They're afraid too much science will be revealed", so die Lines von ShoGun Assasson. Nun gibt es eine Portion Ohio, Raw Intellect alias Raw-N-Tellect und Stanley veredeln "Change iz comin'", bei dem 4th Disciple wiederum ein ruhiges Händchen behält und so für einen ernsten Kopfnicker sorgt.

Etwas anders sieht es in "Time Passes" aus, in dem sich Streicher und ein Voice-Sample die Hand geben, während Agony eine solide Leistung am Mic abliefert. "One Step" klingt fast schon untypisch für 4th Disciple, hier wurde in einwandfreier Weise eine schlichte 90er Beatlandschaft inszeniert, für 4th Disciple-Verhältnisse jedoch schon recht munter. Das Endergebnis ist jedoch in jedem Fall sehr hörenswert. Viel mehr nach 4th Disciple klingt die älteste Nummer auf dem Album, ShoGun Assasson's "Who's Eyez Can See" aus dem Jahr 1996. Altbekannte gewalthaltige Aussagen wie "This is clear and present danger / Filled with anger, like the hillside strangler / Follow the footsteps of a lunatic, sick like Michael Myers / Ripping hearts out with pliers / Magnetic attraction makes me burn like the sun / I set your soul on fire, so walk in a striking distance" kreuzen sich mit religiösen Ansichten wie "I don't like Christ on the crucifix / I carve into they flesh, six six six". Doch ob man nun ShoGun's Ansicht ist oder nicht, im Vordergrund stehen hier sowieso die Beats, und solange die so himmlisch kantig und roh sind, gibts es rein gar nichts zu meckern.

Zur größten Freude finden sich in den letzten zwei Tracks nochmals erstklassige Hochkaräter. "Long Time" bietet wieder Raps aus Ohio, mit Sneek Sinatra und Jag & Ho2fa. Der Beat entspricht absolut dem, was im Titel unter "Unreleased Classics" angepriesen wird. 4th spannt ein Voice-Sample in den sonst auch etwas weicheren Beat ein, um damit die schönste und gefühlvollste Nummer der Platte zu schaffen, die 4th's Status als einmaliger Producer nur ein weiteres Mal unterstreicht. "Heavy Berdenz (Remix)" beschäftigt sich mit Themen wie frühzeitigem Ableben und weiteren unfreiwilligen Alltagsproblemen, erzählt von Schützling One-Man. "[i]Bobby must have had a slow reflex / Cause he got hit, before he let one off / Now he shakin' on the ground, spittin blood when he cough / And I can tell that he wasn't gonna make it, his mom's won't be able to take it / But that's life / Yo, we live by the sword and we die by the knife / Bobby left behind three kids and a wife[i]". 4th Disciple's Beat ist in allerbester Manier klassischer Eastcoast-Sound.



Fazit:
"The Best Of 740 Vol. 1" wird wohl von eben jenen gehört werden, die 4th Disciple wegen seiner Beats lieben. Und für eben jene sind diese neun Tracks perfekt, eine kleine Zeitreise zurück in die goldene Zeit des dreckigen Wu-Tang Sounds, hier jedoch auch praktiziert von diversen Emcees aus Ohio. Wie zu erwarten findet dieses Album keine besondere Beachtung, doch für seine Zielgruppe ist es optimal. Wenn man 4th Disciple nicht kennt, sollte man sich zuerst sämtliche Killarmy-Alben zu Gemüte führen, und wenn man dann auf den Geschmack gekommen ist, ist dieses Album eine starke Ergänzung mit fast gleichem Sound. Davon darf auch noch ein Volume 2 folgen.

Gesamtwertung: 8.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Lupe Fiasco - Lupe Fiasco's The Cool


Release Date: 18. Dezember 2007
Label: Atlantic / 1st and 15th

Tracklist:
01. Baba Says Cool For Thought
02. Free Chilly - (Feat. Sarah Green & Gemstones)
03. Go Go Gadget Flow
04. The Coolest
05. Superstar - (Feat. Matthew Santos)
06. Paris, Tokyo
07. Hi-Definition - (Feat. Snoop Dogg & Pooh Bear)
08. Gold Watch
09. Hip-Hop Saved My Life - (Feat. Nikki Jean)
10. Intruder Alert - (Feat. Sarah Green)
11. Streets On Fire
12. Little Weapon - (Feat. Bishop G & Nikki Jean)
13. Gotta Eat
14. Dumb It Down - (Feat. Gemstones & Graham Burris)
15. Hello/Goodbye (Uncool) - (Feat. UNKLE)
16. The Die - (Feat. Gemstones)
17. Put You On Game
18. Fighters - (Feat. Matthew Santos)
19. Go Baby - (Feat. Gemstones)



Selten hat ein neuer Artist im HipHop-Game so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie Lupe Fiasco. Sein 2006 erschienenes Album "Food & Liquor" gehört für viele zu den Höhepunkten des Jahres, bekam durchgehend hervorragende Kritiken und wurde außerdem mit Ehrungen wie "innovativ", "anders", "seiner Zeit voraus" nur so beworfen. Als Moslem und zudem aus Chi-City/Chicago, das u.a. Kanye West und Common mit erfolgreichem und trotzdem nicht 0815-HipHop in Verbindung gebracht haben, stehen Lupe solche Attribute auch absolut zu. Ein gutes Jahr nach seinem Debüt lässt er den nächsten Streich folgen, und dafür greift er sich die Person aus dem Track "The Cool" vom ersten Album und widmet dieser ein komplettes Album, "Lupe Fiasco's The Cool".

Mit von der Partie ist, neben alten Bekannten wie Sarah Green und Matthew Santos, was hochkarätigen (HipHop-)Besuch angeht, nur Snoop Dogg. Produktion kommt zum Großteil von Soundtrakk, der ebenfalls schon auf "Food & Liquor" zugegen war. Iesha Jaco, Lupe's Schwester, übernimmt das Intro, "Baba Says Cool For Thought", in Spoken Word-Form. "They thought it was cool to burn crosses in your front line as they hung you from trees in your backyard. They thought it was cool to leave you thirsty and stranded, Katrina! He thought it was cool to carry a gun in his classroom and open fire, Virginia Tech, Columbine, Stop the violence! They thought it was cool to tear down the projects and put up million dollar condos, Gentrification / They think it’s cool to stand on the block hiding product in their socks to make quick dime bag dollars. They think it’s cool to ride down on you in blue and white unmarked cars, busting you upside your head. Freeze... Cause the problem is we think it’s cool too. Check your ingredients before you overdose, on The Cool". Damit ist auch gleich geklärt, wie Lupe zum Begriff "cool" allgemein steht. Denn wenn Lupe "The Cool" ist, dann heißt das nicht, dass er es den anderen gleichtut, sondern darauf hinweist, dass die "coolen" Dinge, wie im Intro aufgezählt, meist alles andere als cool sind.

Nach diesem Statement folgt "Free Chilly", ein einminütiges Art Interlude, das seinem Freund, Charles 'Philly' Patton, gewidmet ist, welcher für 44 Jahre einzusitzen hat. "If we could break down those walls to set you free, we would, cause we down here, and we miss you / If we could build a ladder that tall, to come up and see you, we would, cause we down here, and we miss you".Auch hier gibt es noch keinen Lupe zu hören. Denn der gibt sich erst im ersten Track, "Go Go Gadget Flow", die Ehre. Zu hektischen Streichern stolpert sich der smarte 25-Jährige durch den Track und erinnert dabei an manchen Stellen schon fast an Verbalsprinter Twista. "The Coolest" ist ein sehr runder Track, der, was den Sound betrifft, nicht wirklich besonders, aber trotzdem sehr angenehm anzuhören ist. Dafür sorgt Lupe, neben Streichern und Vocals, selbst, wenn er über seinen Weg, "the coolest nigga" zu werden, berichtet.

"Superstar" ist die erste Single des Albums, und es ist auch vollkommen verständlich, wieso. Bei Lupe's sowieso radiotauglichem Style sticht dieser Song nochmals heraus. Das mag wohl an Matthew Santos liegen, der mit seiner Hook, die in etwa der Aufdrückung eines gelungenen, wenn auch absolut identitätslosen Pop-Stempels entspricht, dem Song besondere Massentauglichkeit verspricht. Auch textlich ist hier alles recht schwammig, die Beschreibung des Lebens als Superstar mit kritischem Unterton ist nicht die Neuerfindung des Rads. Trotzdem schmückt Lupe den Song mit ansprechenden Lines aus, und da dieser Komporomiss eines Songs auch sonst (neben Ohrwurm-Potential) sehr solide ausfällt, sollte man ihn nicht all zu sehr kritisieren, sondern ihn einfach laufen lassen. Denn skippen muss man auf diesem Album kein einziges Mal. "Paris, Toyko" ist ein ähnlich harmloser Song, in dem The Cool, dem Titel gemäßg, um die Welt reist. "So let's keep it real, all in together Free Chill! / Tell the stewardess to throw a movie on the reel / Heat up my kosher meal, exchange my dollar bills / Lean back in my first class seat and sleep / Don't wake me 'til I land, where they barely understand / What i speak, but they nod to my beats / I tell my fans who I am and they stand and they clap / They applaud, they love me my god". Da wird die untergeschobene Kritik doch recht dünn gehalten.

Wer hätte es gedacht, der nächste Song wandelt auf ganz ähnlichen Pfaden. "Hi-Definition" ist allerdings ein so charmanter Feel-Good-Track, das einem selbst bei den Gästen Pooh Bear und Snoop der Kommentar von der Zunge genommen wird. "Gold Watch" beschränkt sich als erster Song auf einen recht schlichten Beat, und geht auch genau deshalb etwas unter. Was den Inhalt angeht, so reitet Lupe immer noch auf dem Materialismus-Pferd, was hier auch nicht mehr aufregend ist. Von diesem fast schon Fülltrack kann sich das Album mit dem nun folgenden "Hip Hop Saved My Life" wieder steigern. Mal wieder eine gesungene Hook, hier von Nikki Jean, doch diesmal schildert Lupe den steinigen und unangenehmen Weg eines angehenden Rappers. "His man called, said your time might be now / They played your freestyle over 'Whipe me down' / They played it 2 times, said it might be crowned / As the best thing out the H-Town in a while / He picked up his son with a great big smile / Rapped every single word to the new born child / Then he put him down and went back to the kitchen / And put on another beat and got back to the mission / To get his momma out the hood, put her somewhere in the woods / Keep his lady lookin' good, have her rollin' like she should". HipHop als Alternative zum Kleinkriminellendasein ist natürlich auch nichts Neues, hier jedoch sehr fein verpackt.

Nach dem ebenfalls sehr gelungenen "Intruder Alert", getragen von einem nahezu schwermütigen Piano, wird "Streets On Fire" nachgeschoben, das rein musikalisch nicht übermäßig viel zu bieten hat (und dessen Hook im Vergleich zu den vorigen sehr blass aussieht), in dem Lupe jedoch astreine Lyrics zu bieten hat. "Disease, the virus is spreading in all directions / No safe zone, no cure and no protection / No symptoms to find or signs of an infection / No vaccines, remedies and no corrections / Quarantine the dreams and seal off our connections / Don't let 'em in, not a friend, not a reflection".

Nun aber zum eindeutig besten Track des Albums. "Little Weapon"'s Thematik ist, wie schon aus dem Titel ersichtlich, die Verbindung von Waffen mit Kindern. Während im Intro Kindersoldaten bzw. Rebellen unter religiösen Vorsätzen ebenso wie Amokläufer an US-Schulen zur Sprache kommen, beschäftigt sich Lupe in seinen 2 Verses mit jenen Kindersoldaten, wie sie in Afrika zu finden sind. Auf erschreckend bildhafte Weise illustriert er seine Lyrics. "Think you gangsta, popped a few rounds? / These kids'll come through and murder a whole town / Then sit back and smoke and watch it burn down / The grave gets deeper, the further we go down". Feature-Gast Bishop G nimmt sich dagegen die Gewalt in Konsolen-Games zur Brust, und kann sich dabei voll neben Lupe behaupten. Als ob dies alles nicht genug wäre, schraubt Patrick Stump von Fall Out Boy (umso erstaunlicher) einen vielschichtigen und schlichtweg genialen Beat zusammen, in dem sich Choralgesänge und treibende Snare-Drums guten Tag sagen.

Nach diesem Track sieht der Beat zu "Gotta Eat" natürlich etwas alt aus, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass auch hier ein einwandfreier Song vorliegt, für dessen (Hustler-)Story die Fortsetzung auf dem nächsten Album angekündigt wird. Dass Lupe ein vielseitiger Rapper ist, beweist er auf diversen Tracks, bei denen er spielend seinen Flow variiert. "Dumb It Down" kann seitens des Beats nicht groß punkten, doch Lupe's Aufforderung an sich selbst, seine Vorsätze aufzugeben, retten die Show. "They're getting self-esteem Lu, Dumb it down! / These girls are trying to be queens Lu, Dumb it down! / They're trying to graduate from school Lu, Dumb it down! / They're starting to think that smart is cool Lu, Dumb it down!".

Eine der Genre-übergreifendsten Nummern ist "Hello/Goodbye (Uncool)" mit UNKLE, das dem durchschnittlichen HipHop-Fan nicht allzuviel gibt. "The Die" ist da mit schnellem Wechselspiel von Gemstones und Lupe weitaus interessanter. "Put You On Game" ist als einer der wenigen Tracks wirklich als "HipHop" zu bezeichnen, was jedoch nichts daran ändert, dass hier der langweiligste Track des Albums vorliegt, der nur knapp über dem Status eines Füllers liegt. Denn auch wenn "Fighters" ganz klar von Matthew Santos signiert ist, rauschen die entspannten Sounds doch sehr gut durch die Boxen und hinterlassen eine angenehme Stimmung, was dann im Endeffekt für fehlende pumpende Drums oder sonstigen HipHop-Schnickschnack entschädigt. Nach den ersten beiden Interlude-Tracks und 16 langen Songs findet das Album dann sein Ende in "Go Baby", einem luftigen Song für das weibliche Geschlecht, bzw. Lupe's "Lady", welcher seinen Posten als Ende des Albums unspektakulär, doch tadellos, erfüllt.



Fazit:
Dass es mehrere Wege gibt, die vom HipHop ins Pop-Land führen, haben schon unzählige Rapper bewiesen. Lupe's Weg liegt in der Nähe von Kanye's, hat aber auf jeden Fall viel mehr Originalität als ein Großteil aller anderen HipHop-Alben. Ansonsten ist dieses Album jedoch alles andere als seiner Zeit voraus, es ist vielmehr genau der Trend, der im Moment bei den Massen auf fruchtbaren Boden trifft. Leicht genreübergreifende Musik aus Rap und Punk, Pop und sonstigem verhilft Lupe zu seinem Erfolg, ist dann schlussendlich aber doch nicht so unglaublich wie ab und zu behauptet. Doch da der Mann aus Chicago seinen Musik-Mix recht fehlerfrei präsentiert, sollte dies auch kein Kritikpunkt sein. Denn auch mit "The Cool" kann er wieder hervorragende Kritiken einfahren, und das, aufgrund der geschlossenen Einheit des Albums, auch zurecht. Lupe ist nicht wirklich revolutionär, greift aber viele Brennpunkte auf, rennt nicht dem breiten Trend hinterher und ist auf seine eigenen Weise cool. Bleibt zu hoffen, dass auch sein drittes und letztes Album, LupEND, so gut ausfällt.

Gesamtwertung: 7.7 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Montag, 24. Dezember 2007

HMD - One Pursuit


Release Date: 11. Dezember 2007
Label: PHILAsofikal Records

Tracklist:
01. Old Records
02. Move - (Feat. Jehst, Micall Parknsun, Adam 12 & Reef The Lost Cauze)
03. Such As Myself - (Feat. Baby Blak)
04. The One
05. Imma Make It - (Feat. Wordsworth & Masta Ace)
06. Not A Test - (Feat. Sam Doom)
07. One Pursuit - (Feat. D-Rellz)
08. Interlude Beat 1
09. Mummers Beat Down - (Feat. Adam 12, Reef & D-Rellz)
10. Remember The Name - (Feat. R.A. The Rugged Man)
11. No Time - (Feat. Catatstrofiks)
12. Leave Em Devastated
13. Interlude Beat 2
14. On Sight Beef - (Feat. Digs Darklighter)
15. Task N Vic
16. My People - (Feat. Catastrofiks)



HMD, das ist ein bis jetzt wohl den meisten unbekannter Produzent. Mit seinen 22 Jahren lebt der Mann in San Francisco, auch wenn er ursprünglich in Philadelphia ansässig war. Nachdem es 2007 sowieso die Modeerscheinung schlechthin war, springt er in den Strom und veröffentlicht ein Produzenten-Album. "One Pursuit" kann mit weithin bekannten Underground-Namen wie Masta Ace, Wordsworth, R.A. The Rugged Man oder Reef The Lost Cauze werben und fungiert gleichzeitig und vor allem natürlich als Vorstellung des Hauptakteurs.

Außerdem finden sich auch Namen, die in etwas HMD's Bekanntheitsgrad genießen, wozu man die Homies D-Rellz, Vision oder Rook von den Catastrofiks oder auch Digs Darklighter zählen darf. Etwas das sich hier von den anderen Prodocuer-Alben abhebt: von 16 Tracks sind ganze 6 Stück ohne Feature, und somit reine Instrumentals. Ein solches ist auch das Intro alias "Old Records", das ganze dreeinhalb Minuten vor sich hin plätschert. Allerdings hat es auch allen Grund dazu, denn HMD kreiert eine solch wunderbare Atmosphäre, dass einem das Verlangen nach einem Intro in anderer Form sofort vergeht. Je länger der Track andauert, desto besser entfaltet er sich, so scheint es.

Nachdem er dann doch sein Ende findet, folgt die Überleitung in den ersten richtigen Song. "Move" besticht als typischer Eastcoast-Beat mit abgestumpften Drums, Streichern und Bläsern. Passend dazu gibt es Raps von Reef The Lost Cauze zu hören, an dessen Seite jedoch auch die Londoner Jehst und Micall Parknsun stehen, die dem Track zusätzliche Abwechslung einhauchen und die erste Granate des Albums absichern. "But I'm still murderin' at a rate of no equal / If it wasn't for the beats, I'd kill a whole lotta people". So einwandfrei wie dieses Stück den Hörer plattwalzt, ist es schwer, an "Such As Myself" noch viel Gutes zu finden. Auch wenn Baby Blak eine solide Leistung am Mic abliefert, ist der Beat hier tödlichst langweilig. Ein Unterschied wie Tag und Nacht im Vergleich zum vorigen Track.

Auf dem Instrumental "The One" zeigt HMD, dass der Gähner mit Baby Blak wohl ein Ausrutscher gewesen war, denn dieser Beat ist wieder als gelungen zu bezeichnen. Sofern man jedoch kein Instrumental-Fanatiker ist, sind die zwei Minuten Spielzeit mehr als genug. Nun folgt der Track mit den Zugpferden Masta Ace und Wordsworth. "I'mma Make It" nennt sich das Stück und verfügt auch über einen sehr starken Beat. Wenn da nicht ein Haken wäre: dieser Beat ist alles andere als unbekannt, ist er der Welt doch erst kürzlich wieder, im Jahr 2006, unter dem Namen "Stack Up" auf Main Flow & 7L's Kollabo-Album untergekommen. Doch routiniert wie MA und Words nunmal sind, machen sie die Nummer allemal hörenswert. "I'm surrounded by pain and death / It was infectin' my brain, so before I went insane, I left / Cause the mind is the heaviest price to pay / I would've liked to stay".

Etwas eingestaubt und auch nicht besonders kreativ ist der Beat, der an Sam Doom geht, allerdings ist das Ergebnis mit "Not A Test" trotzdem sehr gelungen, und da die Hörerscheinungen entspanntes Kopfnicken und gute Laune sind, darf sich HMD hier sagen: Mission erfüllt. Auch D-Rellz harmoniert sehr gut mit HMD-Beats, und das stellt sich auf seinem ersten Auftritt und "One Pursuit", dem Titeltrack, eindeutig heraus. HMD spannt orientalische Klänge ein, um etwas Abwechslung und Schwung in das Album zu bringen. Trotzdem kann der Track auf Dauer nicht voll überzeugen, da eben dieser orientalische Beigeschmack, sofern man ihn nicht fanatisch liebt, auf Dauer etwas nervig wird.

Jedenfalls legt HMD nun erstmal eine Pause ein und schiebt den "Interlude Beat 1" ein. Nicht allzu aufregend und nicht vergleichbar mit dem Intro-Beat sind die zweieinhalb Minuten definitiv zu lang. Entschädigt wird man jedoch sofort, und zwar mit dem Kracher des Albums schlechthin. "Mummers Beat Down" wird getragen von einer Akustikgitarre (Aufgrund der häufigen Verwendung von Gitarren kann man wohl davon ausgehen, dass HMD diese sehr gerne hat), welche vor allem von Reef und seinen Raps nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen wird.

Der einzige noch verbleibende große Name ist R.A. The Rugged Man, und der wird auf "Remember The Name" abgehandelt. Die gewohnt starken Raps bekommen einen nur soliden Beat, womit auch dieser Track nur zum Mittelfeld des Albums gehört, wie schon der mit Ace und Words. Wieso die Hochkaräter dieses Albums keine besseren Beats abbekommen haben, bleibt offen. Denn besser kann HMD es ja, was sich auch gleich in "No Time" mit den Catastrofiks zeigt, der sich definitiv bei den besten Tracks einordnet.

HMD wirft nun gleich zwei Instrumental-Beats ein. "Leave 'Em Devasted" ist gut hörbar, wird aber eindeutig vom "Interlude Beat 2" übertroffen, der (wieder mit Gitarren) seine Spieldauer vollkommen wert ist. Endlich wieder Raps gibt es mit "On Sight Beef", bei dem sich mal wieder herausstellt, wie sehr es schief gehen kann, wenn alte Klassiker ins HipHop-Millieu gezerrt, dort entsprechend eingekleidet und dann einem Rapper vorgeworfen werden. Philly-Rapper Digs Darklighter kann zwar sowohl mit seinen energiegeladenen Raps, als auch mit seinen Texten überzeugen, wirkt auf diesem Beat jedoch vollkommen fehl am Platz, wobei der Beat selbst sowieso nicht besonders attraktiv ist. Nachdem nochmal ein und nun das letzte Instrumental erklingt, wiederum etwas zu lang, dürfen die Catastrofiks das Album mit "My People" abschließen. Da HMD sich hier keine Blöße gibt und auch die Raps erste Sahne sind, ist dieser Song eindeutig ein gelungenes Ende.



Fazit:
Nachdem man einmal durch "One Pursuit" ist, weiß man: HMD hat sicherlich nicht eines der besten Producer-Alben dieses Jahr veröffentlicht. Dafür sind zu viele mittelmäßige Beats auf der Scheibe. Trotzdem hebt sich das Album aus der Masse der restlichen Producer-Alben dieses Jahr ab, was schonmal sehr positiv zu werten ist. Dies und die Tatsache, dass sich hier auch ein paar astreine Beispiele dafür finden, wie HMD ein durchgehendes Hammer-Album hätte gestalten können/müssen, sind der Grund, dass man sich in Zukunft noch einiges von diesem Produzenten erwarten darf.

Gesamtwertung: 6.2 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Montag, 17. Dezember 2007

Hi-Tek - Hi-Teknology³: Underground


Release Date: 11. Dezember 2007
Label: Babygrande Records

Tracklist:
01. Tek Intro
02. Life To Me - (Feat. Estelle)
03. Interlude - (Feat. Lil Tone)
04. My Piano - (Feat. Ghostface, Raekwon & Dion)
05. Gods Plan - (Feat. Young Buck & Outlawz)
06. Ohio All Stars - (Feat. Cross, Showtime, Mann & Chip Tha Ripper)
07. Back On The Grind - (Feat. Riz, Kurupt & Dion)
08. I'm Back - (Feat. Rem Dog)
09. Killing You - (Feat. Push Montana)
10. Handling My Bizness - (Feat. Lep, Count, Big D' & M-1)
11. Come Get It (Tekrumentals)
12. Step Ya Game Up (Remix) - (Feat. Dion & Little Brother)
13. Know Me - (Feat. Jonell)
14. Time - (Feat. Talib Kweli & Dion)
15. Outtro



DJ Hi-Tek hat es geschafft, sich über die letzten Jahre unter die ganze Großen im Producer-Business hochzuarbeiten. Von anfänglichen Underground-Tätigkeiten, die damals als Reflection Eternal zusammen mit Talib Kweli für viele in einem Klassiker endeten, hat sich Hi-Tek in die Riege der Namenhaften gespielt. Gleichzeitig vergisst der Mann jedoch auch nicht, wo er herkommt, und so ist er einer der wenigen, der den Spagat zwischen Underground und Mainstream wagt, sowohl was seine Gäste als auch seine Musik selbst betrifft. Nachdem er mit "Hi-Teknology²: The Chip" im Jahr 2006 zahlreiche Lobeshymnen einsacken konnte, legt er gleich im Jahr darauf nach, und zwar logischerweise mit "Hi-Teknology³: Underground". Auf diesem hat Hi-Tek allerdings noch ein spezielles Anliegen. Neben den schon zum Teil von "The Chip" bekannten Artists finden sich hier auch komplett unbeschriebene Blätter, Künstler, denen Hi-Tek auf die Sprünge helfen will.

Ein Teil dieser Artists kommt aus Hi-Tek's eigener Heimatstadt, Cincinnati, der Rest verteilt sich über Midwest und East. Und dann sind da ja immer noch die großen Namen, wie in etwa Ghost, Rae, Kurupt, Young Buck, Outlawz, Little Brother oder Talib Kweli. Doch zuerst bekommt man ein Intro zu hören, in dem ein neues Leben das Licht der Welt erblickt. Die Geburt des Protagonisten im Intro ist jedoch inzwischen auch keine Neuerfindung mehr. Während noch erwähnt wird, dass Tek schon immer die Musik im Blute lag, erfolgt ein fließender Übergang zum ersten Track, "Life To Me". Zu hören ist nur Estelle, ihres Zeichens Soul-Sängerin aus London. Ja, man befindet sich hier offiziell auf einem HipHop-Album, doch das schert Hi-Tek nicht besonders. Wer sich damit abfinden kann, wird "Life To Me" sicherlich etwas abgewinnen können, und auch so ist der Track gut hörbar.

Nach einem Interlude folgt gleich einer der besten Tracks, "My Piano". Gitarren-Klänge paaren sich mit gut eingewebten Vocals von Schützling Dion. Dazu gibt es starke Raps vom Wu-Tang-Duo Ghostface und Raekwon, während auch Hi-Tek einen kleinen Rap-Part beiträgt, gegen die Wu-Altmeister jedoch verblasst. "We wilding without Deck while we become very violent / Until then, I play the piano / Luciano on the base, Mariano on the block with the sage / I'ma grind til my seeds is grey / Still young when I'm eighty, pop in Cialis and fuck all day", so ein gut aufgelegter Ghostface. Darauf gibt es die Kombo aus den Outlawz und Young Buck. Hi-Tek steuert einen sehr starken Beat bei, geleitet von einer simplen Piano-Line, die in Kombination mit den soliden Raps maximale Wirkung erzielt. "I'm the last Outlaw, man I know I'm the truth / I was trained by the best, to carry on tradition / Carry the torch, complete the mission, streets is listenin' / They keep askin' me, 'Is Pac alive?' / I tell 'em 'Hell yeah nigga, you can see him in my eyes' / All you gotta do is look, this is a page out a book / We startin' a new chapter, this is a Cashville massacre".

Nun folgt die Vorstellung diverser neuer Gesichter. Den Anfang machen die "Ohio All Stars", und das sind Showtime, Mann und Cross aus Cincinnati und Chip Tha Ripper aus Cleveland. Und hier drängt sich nur eine Frage auf: Ist es wirklich notwendig, eine Truppe von MCs, welche bei Gottes Vergabe von Rap-Talent übergangen wurde, auf dieses Album zu packen, während das Quartett einschläfernd über einen Beat rappt, der so klingt, als wäre er von einem x-beliebigen dritteklassigen Stümper aus Atlanta zusammengeschraubt worden? Und die Antwort lautet: Nein! Nein nein, das ist absolut nicht notwendig. "My Cincinnati hoes, talkin' like they from Down South" oder "Me, I'm that nigga who all them hoes scream for / Gotta be the most fitted nigga you ever seen though". Vor allem Cross und Chip schaffen es, so unglaublich amateurhaft zu klingen, dass man sich, sofern man nicht schon lange geskippt hat, fragen muss, ob man noch auf dem richtigen Album ist.

Ja, ist man. Und auf "Back On The Grind" ist mit Kurupt auch wieder ein wirklicher Rapper am Start. Dann wäre da noch ein zweiter Rapper namens Riz, welcher aus Harlem stammt. Dieser macht mit solider Leistung und ordentlichem Flow vor, dass unbekannte Namen nicht unbedingt schlecht sein müssen, auch wenn er gegen Kurupt nicht bestehen kann. Bis jetzt unerwähnt ist Hi-Tek's Schoßhündchen Dion, welcher hier auch seinen Senf dazugibt und der doch tatsächlich als Bereicherung für die Musikwelt, als neuer Marvin Gaye gerühmt wird. Doch da die Stimme von Dion so unglaublich unvariabel und noch dazu sehr markant ist, ist man in etwa nach einem Song, auf dem er eine Hook beisteuert, gesättigt. Und dieser Song war schon auf Hi-Teknology². Hi-Tek ist das allerdings egal, da Dion wieder ganze 4 Auftritte auf der Platte hat, so viele wie sonst niemand. Dabei lässt er sich auf "Back On The Grind" jedoch noch ganz gut ertragen. Und Gott sei Dank finden die nächsten Tracks vorerst ohne ihn statt.

Denn der nächste Song gehört Rem Dog alleine, was in einem äußerst mittelmäßigen Endergebnis endet, wobei das gleichermaßen an Beat und Raps liegt. Nochmal das gleiche Konzept wird in "Kill You" verfolgt, Push Montana kann zwar einen besseren Eindruck hinterlassen als seine Vorgänger, die dringende Notwendigkeit seiner Anwesenheit ist jedoch auch mehr als fraglich. Seinen absoluten Tiefpunkt findet das Album in "Handling my bizness", welches in einer ähnlicher miserablen Beat-Pampe watet wie schon die "Ohio All Stars". Raps kommen von Count (der Gruppe L.E.P. zugehörig), Big D und M-1. Ja genau, das ist der M-1 von Dead Prez, für dessen Auftritt hier das Wort "Schande" schon viel zu untertrieben ist. Nach soviel Müll in Form von Schallwellen und sovielen überflüssigen Rap-Einlagen kommt das "Come Get It"-Instrumental genau richtig. In einem gefühlvollen Stück Musik zeigt Hi-Tek, dass er auch anders kann, und wäscht die Gehörgänge vom vorausgegangenen Unrat rein.

Um dann wieder Dion auf die Hörer loszulassen. "Step Ya Game Up" unterscheidet sich von der Version auf dem Little Brother-Album nur durch neue Verses. Gehörte es auf "Getback" zu den schlechtesten Tracks, so reiht es sich hier doch ins gute Mittelfeld, auch wenn Dion ganz eindeutig zu lange am Mikrofon steht. Die Hook erinnert viel zu sehr an "Keep It Movin'" von Hi-Teknology², womit das einzig wirklich Hörenswerte auf dem "Step Ya Game Up"-Remix die Raps sind. Jonell, hauptsächlich bekannt durch "Round & Round" vom ersten Teil der Hi-Teknology Reihe, und dessen Remix mit Method Man, der als Beitrag zum How-High-OST diente, bekommt nun einen vollen Track, um die Hörerschaft mit sulzigem R&B einzulullen. Hier passiert nicht wirklich viel, was den allgemeinen Musikhörer begeistern könnte, und erst recht nicht einen HipHop-Anhänger. Lässt sich im Hintergrund gut abspielen, gerät jedoch schnell wieder in Vergessenheit.

Nun fehlt nur noch ein Song, und der ist zusammen mit dem alten Kollegen Talib Kweli. Und alle, die sich von dieser Kollabo etwas erwarten, dürfen aufatmen. "Time" ist mit "My Piano" der beste Track des Albums. Endlich bekommt man wieder hochwertige Raps von zu hören (mal abgesehen von Little Brother), und sogar Dion fügt sich zu diesem Traum eines Beats exzellent ins Gesamtbild. So bleibt im Endeffekt ein klasse Relax-Song, der wenigstens den letzten Eindruck des Albums gewaltig nach oben zieht. "It's time to start a movement, it's time to start approving / If everybody a pimp, then who the prostitutes? / Where the hell is our solution? / It's time to handle problems, it's time to stand for somethin'". Das Outtro rundet die Geschichte recht gut ab, auch wenn Hi-Tek es sich hätte sparen können.



Fazit:
Mit "Hi-Teknology³" sackt Hi-Tek definitiv im Vergleich zu den vorigen Releases ab. Das liegt hauptsächlich an dem "Underground" im Titelnamen. Wenn man schon beschließt, ein paar unbekannte Namen auf die Welt loszulassen, sollte man vorher sicherstellen, dass diese es auch wert sind, und das hat Hi-Tek wohl vergessen. Aber auch der Hauptdarsteller selbst zeigt, dass er manchmal zu absoluten Untergrund-Beats fähig ist, wobei sich dies auf die Qualität bezieht, die nicht immer seinem Namen entsprechend hoch ist. Die gestandenen Größen verhindern jedoch die totale Misere, zufälligerweise steigern sich genau mit ihrem Auftreten die Beats in die gewohnt starke Form, was dem Album dann auch zwei Höhepunkt und einige solide Tracks beschert. Unterm Strich bleibt ein höchst mittelmäßiges Album, das sicherlich nicht zu den Pflichtkäufen 2007 gehört.

Gesamtwertung: 5.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Styles P - Super Gangster (Extraordinary Gentleman)


Release Date: 04. Dezember 2007
Label: Koch Records

Tracklist:
01. Intro
02. Blow Your Mind - (Feat. Swizz Beatz)
03. Let’s Go - (Feat. Ray J)
04. Alone In The Street
05. In It To Win It - (Feat. Bully)
06. All I Know Is Pain - (Feat. Alchemist)
07. Got My Eyes On You - (Feat. Akon)
08. Green Piece Of Paper
09. Holiday - (Feat. Max B)
10. Look @ Her
11. Da 80’s
12. Interlude 1 - (Feat. Tony Roberts)
13. Shoot Niggas - (Feat. Raw Buck)
14. Super Gangster
15. Star Of The State - (Feat. Ghostface Killah)
16. U Ain’t Ready 4 Me - (Feat. Beanie Sigel)
17. Interlude 2 - (Feat. Tony Roberts)
18. Gangster Gangster - (Feat. Sheek Louch & Jadakiss)
19. Cause I’m Black - (Feat. Black Thought)



Wie sich doch die Zeiten ändern. Nachdem Styles P, alias Ghost, immer nur im Hintergrund von The LOX stand, mit seinem Solo-Debüt nur verhaltenen Applaus einfahngen konnte, und dann von Sheek und Jada in Sachen Albumzahl überholt wurde, ist er heutzutage der einzige von The LOX, der richtig aktiv ist. Und mit "Super Gangster (Extraordinary Gentleman)" kann er zwar nicht den Titel für den innovativsten Albumnamen des Jahres einfahren, doch mit seinem nunmehr dritten Album wieder an seinen LOX-Kollegen vorbeiziehen, was die Albumzahl betrifft. Das über Koch Records veröffentlichte Album erschien am 04. Dezember und kann auf eine beträchtliche Zahl Features stolz sein, ebenso wie auf selbstsichere Aussagen von Styles selbst.

Ganz gewohnt eines anstehenden Releases konnte man Styles P in der zweiten Hälfte des Jahres 2007 auf unzähligen Releases finden, und das zahlt sich in schon erwähnter riesiger Gästeliste auf dem eigenen Album aus. Erwähnenswert sind da Dauergast Swizz Beatz, Akon, Ghostface, Beanie Sigel, Black Thought, Alchemist, und natürlich die Buddies von The LOX. Doch wie die Rap-Geschichte schon unzählige Male lehrte, sind viele Features (und auch viele Producer) nicht immer der Qualität der Musik zuträglich. Aber immer der Reihe nach, weshalb man ganz vorne beim Intro anfangen sollte. Dieses lässt sich wunderbar heranziehen, wenn man die Notwendigkeit von einem Großteil aller Intros auf sämtlichen HipHop-Releases dieser Zeit in Frage stellen will. Kein Beat und ein Haufen wunderbar überflüssiger und hohler Aussagen. Noch schlimmer ist es allerdings, zuerst Keulen wie "I'm better than all you mothafuckas" zu schwingen, um dann mit dem ersten Song das Swizz Beatz-produzierte "Blow Ya Mind" hinterherzuwerfen. Allerdings vollkommen überflüssig, hier Swizzy zu erwähnen, da die Produktion so typisch und ereignislos nach ihm klingt, dass es schwer fällt, nicht sofort mit einem Seufzer diesen "Unter-aller-Sau"-Chorus wegzudrücken.

Da dieser Track trotzdem erstaunlich entspannt ist, ist es unbedingt notwendig, nun einen auf das aktuelle HipHop/Club-Geschehen zugeschnittenen Track folgen zu lassen, bei dem eine gesungene Hook von Ray J auch gerade richtig kommt. Es sollte Hi-Tek lieber sein, wenn er hier nicht als Producer erwähnt wird, da er sich mit diesem etwas platten Stück nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Immerhin hätte "Let's Go", abgesehen von seinem lyrischen Vakuum, trotzdem schlimmer ausfallen können, und da Releases wie dieses anscheinend nicht mehr ohne solche Songs auszukommen, gerade so zu verkraften. Bedenklich ist allerdings die Tatsache, dass die sowieso nicht übermäßige "I ain't talkin' bout coffee, but I'm gettin them Starbucks"-Line schon früher dieses Jahr auf Ice Water's "Do It Big" zu hören war (Ohne jetzt einer der beiden Seiten Abkupferung zu unterstellen).

Da nun schon die verkaufsorientierten Nummern an der Reihe sind, kann man gleich einen Sprung zu den zwei anderen Hauptverdächtigen dieser Kategorie machen. Eigentlich lesen sich beide schon am Namen ab, wobei es bei einem absolut klar ist. Natürlich das Stück mit Akon. Der Mann ist wie eine Plage oder ein Virus, unaufhaltsam mit seiner penetranten Stimme und seinen langweilig-immergleichen Beats jedes Album invasierend, das in Infektions-Reichweite ist. So muss man sich in "Got My Eyes On You" wiedermal eine 0815-Hook vom Allerfeinsten anhören, während der Beat für Akon-Verhältnisse recht passabel ausfällt. Der zweite Angeklagte kommt von Green Lantern und wird von Styles mit dem geistreichen "I gotta do sum for the ladies, right?" eingeleitet. Der Beat überschreitet die Schmerzensgrenze nicht, doch es ist schon erstaunlich wie chancenlos man hier in der unendlichen Oberflächlichkeit von Styles' Raps ertrinkt. "Look @ Her" ist absolut wörtlich zu nehmen, um mehr dreht sich hier nichts. Der Rest des Albums ist in gewisser Weise durchaus geglättet, kann jedoch in die Streetrap-Sparte geworfen werden, für die der LOX-Sound heute steht bzw. gerne stehen würde.

"Alone In The Streets" nennt eine melodische Piano-Line und ein gepitchtes Voice-Sample sein Eigen, während Styles dem Hörer seine Straßenweisheiten aufdrückt. Styles selbst bezeichnet den Sound des Albums als 90er-Atmosphäre, doch da darf man in dem meisten Fällen getrost widersprechen. Denn auch wenn die meisten Beats solide bis gut sind, so ist es doch genau dieser NY-Sound, der heutzutage auf der Stelle tritt (und trotzdem wenig mit den "Golden 90s" zu tun hat). Und da helfen erst recht nicht die Pop- und South-Ausreißer, die schon angesprochen wurden. Beim Großteil des Albums versucht der Ghost allerdings garnicht, mit dieser Tour die Punkte zu sichern. Vielmehr stehen oft harte Produktion und noch härtere Aussagen an. "In It To Win It" ist so ein Song, auf dem Styles aus seinem rauen Leben rezitiert, was sich recht gut anhören lässt, doch keine besonderen Spuren hinterlässt.

Eine der besten Stellen des Albums behandelt eine ähnliche Thematik, kann allerdings mit einem Beat von The Alchemist aufwarten, der sehr gute Arbeit leistet, und den Hörer mit seinem charakteristischen, düsteren Halb-Elektro-Sound begeistern kann. "All I know is pain, everything I did wrong, I did it in vain / This is why I'm try'nna change / Life for my seeds but the game ain't changed / Only the strong survive, I will maintain". Unbestreitbar, dass Styles seine Lebensgeschichte ein wenig zu oft erzählt und zu breittritt, zumal die Kritik am System, oder sonstige Variationen, wenn vorhanden, sehr oberflächlich gehalten werden. Zweiter Beat von Alchemist ist der zu "Green Piece Of Paper", bei dem textlich wieder nur seicht geplänkelt wird, weshalb man sich mehr dem gelungenen Beat widmen sollte. Im Anschluss folgt "Holiday", und dieser Titel sollte schon von der zweiten RR-Compilation bekannt sein. Nur hier ist in der Hook anstatt Jadakiss das Ex-Byrdgang Mitglied Max B am Werk, an dem immernoch der Dipset-Geschmack haftet, der auch auf diesem Track/Chorus unüberhörbar ist.

Eine solide, wenn auch recht überflüssige Nummer ist das Kid Capri-produzierte "Da 80's", das außer verhaltenem Kopfnicken nicht viel reißt. Es ist zwar löblich, dass Styles dem Hörer vielseitige Unterhaltung bietet, aber was der Comedian Tony Roberts auf einem Rap-Album verloren hat (noch dazu nicht allzu sehr ins Gesamtbild passend), bleibt unbeantwortet. Jedenfalls beschließt Styles, im restlichen Teil des Albums ordentlich auf die Kacke zu hauen. Das bedeutet lyrisch, dass sich die Anzahl der Erwähnungen seiner "Realness" und Ausführungen aus seinem harten Leben verdoppeln, während seitens der Beats endlich etwas mehr geschieht. "Shoot Niggas" mag inhaltlich noch so einseitig sein, Dame Grease's Beat schlägt ein wie eine Bombe.

Nun nochmals kurz ein Sprung zum langweiligen "Super Gangster", dessen Refrain nochmal einen auf Styles bisherige Vielfältigkeit draufsetzt ("Up in the hood, it's a lotta gangs and gangsters, but I'm a super Gangser / I super grind, try'nna get super paper, told you I'm a super Gangster"), um dann mit "Star Of The State" und weit höherem Unterhaltungswert fortzufahren. Hier beginnt das Aufeinandertreffen des Trios Styles, Ghost und Beanie, deren Alben entweder am 04. oder 11. Dezember erschienen sind und die sich darauf mit gegenseitigen Features austauschen. Doch das Outcome ist durchgehend stark, sei es nun bei der Kollabo mit Ghostface, bei der Vinny Idol seinen einzig richtig guten Beat abliefert, oder "U Ain't Ready". Dame Grease schafft mit Marschtrommel, tiefen Bläsern und gelegentlich einsetzendem Piano eine trefflich düstere Stimmung, während sich Beanie und Styles abwechselnd einzelne Bars an den Kopf werfen. Das Ergebnis gehört zu den besten Tracks des Albums, da das Zusammenspiel der beiden ausgezeichnet funktioniert. Bis zu diesem Punkt gab es noch keinen einzigen Auftritt von The LOX, und auch wenn das Trio in "Gangster, Gangster" aufeinander trifft, bleibt dies das einzige Feature. Wenn Pete Rock an den Reglern steht, kann bekanntlich nicht viel schiefgehen, und so steuert er hier einen großartigen Beat bei, den Jada, P und Sheek entsprechend verwerten, auch wenn thematisch alles wie gehabt bleibt. Seinen Abschluss findet das Album in dem einzigen Track, der etwas Abwechslung bietet, sowohl vom Text als auch vom Beat. In "Cause I'm Black" skizziert Styles die immernoch vorhandenen Spuren von Rassismus, und hat mit Black Thought auch einen mehr als fähigen Partner zur Seite.


Fazit:
"Super Gangster (Extraordinary Gentleman)" ist also ähnlich den Vorgängern nicht der große Wurf, und Styles sollte sich definitiv überlegen, seine Thematik etwas auszuweiten, da er im letzten Track auch schon minimale Ansätze dazu zeigt. Bei den Beats wird meist solide Arbeit geleistet, die wirklich markanten Teile fehlen dann aber doch (bis auf wenige Ausnahmen). Da das Album trotzdem mit wenigen wirklich negativ auffallenden Stellen über die Runden kommt, hat Styles P allein damit schon etwas geleistet, und man kann sich sein Werk noch dazu, sofern man in der Stimmung ist, recht gut durchhören, ohne groß Langeweile zu bekommen (auch wenn die Trackanzahl fast schon zu groß ist). Für die Zukunft sollte Mr. Ghost die auf Radio-Play abzielenden Tracks über Bord werfen und sich mehr an Songs wie "Cause I'm Black" orientieren, dann gelingt ihm unter Umständen sogar noch ein richtig gutes Album. Hier liegt jedoch auch solide Kost vor.

Gesamtwertung: 6.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Samstag, 15. Dezember 2007

Wu-Tang Clan - 8 Diagrams


Release Date: 07. Dezember 2007
Label: Wu Music Group / SRC Records

Tracklist:
01. Campfire - (Feat. Cappadonna)
02. Take It Back
03. Get Them Out Ya Way Pa
04. Rushing Elephants
05. Unpredictable - (Feat. Dexter Wiggles)
06. The Heart Gently Weeps - (Feat. Erykah Badu)
07. Wolves - (Feat. George Clinton)
08. Gun Will Go - (Feat. Sunny Valentine)
09. Sunlight
10. Stick Me For My Riches - (Feat. Gerald Alston)
11. Starter - (Feat. Streetlife, Sunny Valentine & Tash Mahogany)
12. Windmill - (Feat. Cappadonna)
13. Weak Spot
14. Life Changes
15. Tar Pit - (Feat. Cappadonna, Streetlife & George Clinton)
16. 16th Chamber (O.D.B. Special)



Wu-Tang Clan 8 Diagrams. 2007 gab es wohl kein Thema, das über das ganze Jahr soviel Aufsicht erregte. Und sich dann ganz nebenbei mit Näherrücken des Release-Dates noch in ungeahnt heftige Diskussionen steigern konnte. Die Ankündigung Ende 2006, dass der Clan, zuletzt als Gruppe mit "Iron Flag" 2001 aktiv, nochmals ein Album veröffentlichen wird, war an sich schon ein historisches Ereignis. Entgegen der Erwartungen vieler dieser Ankündigung pessimistisch gegenüber stehenden HipHop-Fans kommt das Album dann sogar tatsächlich, und das "noch" 2007. Zuerst muss das Album jedoch von ODB's Todestag auf den 04. Dezember verschoben werden, und dann, da an diesem Tag Ghostface mit seinem Solo in den Läden steht, nochmals um eine Woche. Am 11. Dezember gibt es für die HipHop-Welt also ein vorgezogenes Weihnachten mit "8 Diagrams".

Doch schon im November bekommt die Welt mit, dass es Clan-intern heftig brodelt. Nachrichten, dass alle Mitglieder außer RZA mit dem Album unzufrieden seien, dass RZA als HipHop-Hippie zu viel seiner eigenen Ideen verwirklicht habe, tun den Erwartungen und der Vorfreude jedoch keinen großen Abbruch. Deutschland kann sich über ein vorgezogenes Release-Date am 07. Dezember freuen. Dank einiger schon früh erscheinender Reviews wird schnell klar, dass der Klassiker anscheinend ausbleibt, was jedoch eigentlich auch gar nicht zu erwarten war. Bei Fans im Internet findet man Meinungen von "totaler Schrott" über "ganz okay" bis zu "genial". Von anfänglichen Informationen, es habe eine ganze Reihe Beat-Köche ihre Finger im Spiel gehabt, wird schnell abgewichen, letztendlich hat der RZA doch wieder überall seine Finger im Spiel. Raps gibt es neben den Acht verbleibenden Clan-Membern von Streetlife und Cappadonna, wobei sich jedoch eine ganze Reihe an Vocal-Beiträgen findet. Doch nun genug der Information, immerhin interessiert hier die Musik.

Was anderes könnte der Einstieg in dieses Album sein, als ein Sample aus dem namensgebenden Film, "8 Diagram Pole Fighter". Und schon das nebenbei laufende Voice-Sample kündigt an, was für Sound RZA für den Opener "Campfire" vorgeschwebt ist. Egal wie viel man dem Album vorwerfen kann, an diesem Track gibt es rein gar nichts auszusetzen. RZA's düstere Drums, begleitet von einer Geige und summenden Hintergrund-Vocals bieten eine perfekte Grundlage für die Raps von Method Man, Ghostface und Cappadonna. "On anything that RZA throw, Ironman's invisible / I left my chick for cheating on me, now that bitch is miserable". Die Schwarzseher dürfen nach dem ersten starken Track also aufatmen. Und mit dieser Schiene an Tracks, die bewusst an alte Zeiten erinnert, fährt RZA fort, wobei er sich für "Take It Back" Producer-Urgestein Easy Mo Bee mit ins Boot holt. Zusammen wird ein Beat zusammengeschraubt, der im Jahr 2007 sicher einzigartig ist. Selten hören sich Beats heutzutage so gekonnt alt und verstaubt an, ohne an Reiz zu verlieren. Das Charisma bekommt der Song von einem E-Bass verliehen, der munter vor sich hin spielt, während jeder der am Track beteiligten MC's diesem eine persönliche Note einbaut. Wu-Tang as usual. Seien es nun die kantigen Rhymes von U-God, die helle Stimme von Ghostface oder Method Man, der im Chorus ruft: "Before you even had a name, you was screamin' 'Wu-Tang'!", das Outcome ist große Klasse. "Get 'Em Out Ya Way Pa" klingt zu Beginn etwas uninspiriert und langweilig. Doch spätestens beim Einsetzen von Mef's Raps oder Ghost's Chorus weiß man, dass RZA auch hier alles richtig gemacht hat. Hiermit wird der Wu-Tang Sound für das Jahr 2007 definiert, und dort dürfen natürlich auch nicht immer wieder eingespielte Filmsamples fehlen.

Für "Rushing Elephants" bewegt sich RZA erstmals aus der schattig-bedächtigen Atmosphäre, um mit Fanfaren-Antrieb seine ersten Raps auf dem Album zu spitten, direkt nach dem Genius, der mit seinen ersten Bars wieder mal seinen Beinamen rechtfertigt: "It was not a hobby, but a childhood passion / That had started in the lobby and was quicky fashioned / Every line to line, bar for bar is clockwork / Hazardous and powerful, enough to have your block hurt / Check the total amount of MCs inflicted / With torture, from moving with work that's restricted / We criticize producers til they joints'll bite / Then acupuncture the track with pinpoints of light". Die einprägsamste Line kommt jedoch von RZA selbst: "Lord of the Wu-Tang sword, know what that means? / Like J.R. Tolkien, it's the Lord of the Rings". Egal wie wenig tiefsinnig, der Vergleich gefällt sofort. Obwohl "Wu-Tang keep it fresh like Tupper Ware" muss der folgende Track, "Unpredictable", leider auf der Bank der weniger guten Tracks Platz nehmen. Hier hat RZA im Beat etwas übertrieben, denn dieser klingt schlichtweg unangenehm und nervig. Ebenso die Hook von Dexter Wiggles, die dem Hörer dann schließlich den letzten Nerv raubt, ganz gleich wie gut die Raps zwischendurch sind.

Doch auf einem Wu-Tang Album kämpft man sich, ohne zu skippen, durch den Track; um dann bei einem schon längere Zeit vorher sehr bekannten Track zu landen. Die Rede ist natürlich von "The Heart Gently Weeps", mit Vocals von Erykah Badu und Gitarren-Beiträgen von Red Hot Chili Peppers-Gitarrist John Frusciante und George Harrison's Sohn Dhani Harrison. So eine ungewöhnliche Kombination unter einen Hut zu bringen, und das Outcome trotzdem hörenswert zu machen, erfordert spezielles Können. Wobei eingeräumt werden muss, dass RZA dies nicht 100% gelingt, wenn er auch sein Möglichstes tut. Abgesehen davon, dass dieser Sound nun gar nichts mehr mit dem der ersten vier Tracks zu tun hat, bringt Erykah es fertig, nach öfterem Hören im Refrain etwas aufdringlich zu werden. Beste Stelle hat die Nummer, wenn Ghostface ein "That bitch is craazy!" entfährt.

Da gibt sich der durchschnittliche Hörer doch lieber George Clinton's starkem Chorus und einem treibenden Beat im großartigen "Wolves" hin, bei dem die Auftritte von U-God, Meth und dem High Chief genau richtig gewählt sind. "Yo, would you recognize a jewel for what it is, when you see it / Or would you take it for something else and get torn the fuck up / Men come together for the common cause / To beat your ass, just because / There's a line you don't cross, offending the boss". In "Gun Will Go" findet sich dann ein äußerst minimalistischer Beat, zu dem sich im Chorus Vocals von Sunny Valentine gesellen, die sich allerdings als eher unpassend herausstellen.

"Sunlight" gehört RZA ganz allein, und fängt mir einer Kung-Fu-Sample Einleitung auch sehr gut an. Der etwas schläfrige Beat zu RZA's Raps (welche im Vergleich zu den restlichen sowieso leicht blass aussehen) wirkt dann jedoch leicht ernüchternd, da dieser Track nicht mehr als "ganz solide" ist. "Allah's the father from without and within / On Christ return, who will announce him? / Every tree is numbered, but who can count them? / The name of all things in this world, who can pronounce 'em? / Allah's the father of all, why did you doubt him?". Seinen Tiefpunkt findet das Album anschließend in "Stick Me For My Ritches". Ein flacher Beat mit hektischen Hi-Hats verursacht über den ganzen Track hinweg schlichtweg Unverständnis. Da hat RZA definitiv den falschen Zug getan. Das Schlimmste wäre damit jedoch noch gar nicht genannt. Gerald Alston ist zwar besser als T-Pain, aber welcher Wu-Tang Fan will die erste Minute eines sowieso schon durchschnittlichen Tracks auch noch tödlichst nervigen Gesang haben? Dieser Gesang macht übrigens auch gut 50% des Tracks aus. Die Raps "zwischendurch" vertrösten da nur gering.

Und spätestens jetzt drängt sich auch die Frage auf: Was zur Hölle hat sich RZA dabei gedacht, auf so viele Tracks gesungene Hooks zu packen? Wo sind die "Wu-Tang"-Rufe und historischen Refrains à la "C.R.E.A.M."? Stattdessen gibt es nun "Starter", und welch Überraschung, Sunny Valentine buttert schon wieder seinen lauwarmen Singsang mit dazu. Unglücklicherweise ist das auch nicht alles, was es hier auszusetzen gibt. Denn wer sich an den "Afro Samurai" OST von Anfang 2007 erinnert, dem wird bei diesem Beat ein Stöhnen entfahren. RZA nimmt sich ein Element aus "Certified Samurai" und wälzt es in "Starter" schön breit. Was ja nicht schlimm wäre, wenn ersterer Track nicht ein absoluter Brecher wäre, der in Sachen Replay-Value den Vertreter dieses Albums um Längen schlägt. Ohne den Gesang wäre "Starter" jedoch immer noch sehr gut.

Die Erlösung kommt Gott sei Dank mit "Windmill", einem bedächtigen Wu-Tang-Kopfnicker wie er im Buche steht, bei dem mit Raekwon, GZA, Masta Killa, Inspectah Deck, Method Man und Cappadonna auch eine traumhafte Kombination Aufstellung bezieht. "We keep it hot, keep the heat on the block / We never stop, drawing water up until it begin to drop / Raining with the patchwork of puzzles / That was written in the year of the dragon" (GZA). In ähnlich guter Manier geht es in "Weak Spot" zur Sache, das von düsteren Streichern getragen wird. Damit ist das Album bei seinem Tribute-Track an ODB, der natürlich etwas Besonderes darstellt und von dem man schon lange vor allen anderen Tracks des Albums wusste. Der Beat ist mit Absicht schlicht gehalten, doch es muss angemerkt werden, dass die simplen Piano-Klänge weder melancholisch noch mitreißend genug sind, um aus diesem Track wirklich das zu machen, was dessen Lyrics verdient haben. Denn die sind wirklich ergreifend, wie wohl auch nicht anders zu erwarten. Bis auf Ghostface (der auch deswegen nicht gut auf RZA zu sprechen ist) sind alle Member zu hören. "I became weak when I heard, that his body expired / It was hard for me to believe my brother retired / Suddenly the clock stopped and the room started spinning / How can he walk off the field during the first inning?" (GZA). Der Song endet mit Mandarin-gesprochenen Worten.

Nun folgen zwei auf der US-Version nicht enthaltene Tracks, von denen sich ersterer "Tar Pit" nennt. Neben Cap und Street ist nur U-God vertreten, während RZA's Beat durchaus zu überzeugen weiß, was nicht zuletzt am leichten Latin-Flair liegt. "16th Chamber (O.D.B. Special)" bietet die versprochenen Raps von ODB, wobei zuerst noch Method Man seine Bars spittet. Der Song hört sich an wie aus den frühen 90ern, was hier jedoch alles andere als unpassend ist. Fantastischer Ausstieg. " The Ol' Dirty Bastard, MC killer / Money maker, Brooklyn, Shaolin style / That I lay down like tile / Gotta hit you up, one blaow / So you better come down".



Fazit:
"8 Diagrams" ist kein Klassiker, das sollte jedem klar werden. Wahrscheinlich ist es auch das schwächste Album des Clans, denn trotz der exzellenten Form der acht Emcees ist die Dynamik nicht mehr so vollkommen wie früher, und der Beigeschmack des Streits zwischen RZA und Ghostface / Raekwon wirkt sich auch leicht negativ aus. Allerdings hat das Album definitiv etwas zeitloses, so dass es gut sein mag, dass in fünf Jahren gesagt wird, dieses Album sei seiner Zeit voraus gewesen. Das verzeiht jedoch nicht die Ausrutscher, die sich RZA bei seinen Experimenten leistet, und vor allem den übermäßigen Anteil an Gesang. Da sich jedoch genügend Tracks finden, die ganz im gewünschten Wu-Style liegen, dürfte das Album jedem etwas bieten und ist als Einheit immer noch eines der besseren Alben 2007.

Gesamtwertung: 7.8 /10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 9. Dezember 2007

Ghostface Killah - The Big Doe Rehab


Release Date: 4. Dezember 2007
Label: Def Jam

Tracklist:
01. At the Cabana (Skit) - (Feat. Rhythm Roots Allstars)
02. Toney Sigel a.k.a. The Barrel Brothers - (Feat. Beanie Sigel & Solomon Childs)
03. Yolanda’s House - (Feat. Raekwon & Method Man)
04. We Celebrate - (Feat. Kid Capri)
05. Walk Around
06. Yapp City - (Feat. Trife Da God, Sun God & Solomon Childs)
07. White Linen Affair (Toney Awards) - (Feat. Shawn Wigs)
08. Supa GFK
09. Rec-Room Therapy - (Feat. Raekwon & U-God)
10. The Prayer - (Feat. Ox)
11. I’ll Die for You
12. Paisley Darts - (Feat. Raekwon, Sun God, Trife Da God, Method Man & Cappadonna)
13. Shakey Dog Starring Lolita - (Feat. Raekwon)
14. ! - (Feat. Rhythm Roots Allstars)
15. Killa Lipstick - (Feat. Method Man & Masta Killa)
16. Slow Down - (Feat. Chrisette Michele)




Ghostface Killah ist zurück. Das Clanmitglied mit dem höchsten Output an Alben in den letzten Jahren schlägt wieder zu und veröffentlicht das nunmehr vierte Album seit 2004. Nach seinem Fish-Trip 2006 folgt nun "The Big Doe Rehab". Allerdings verlief mit dem Album nicht alles so rund wie mit den letzten Releases. Neben einem Disput wegen des ebenfalls in den Läden stehenden Wu-Tang Albums musste dieses auch um eine Woche nach hinten verschoben werden, da Ghost ein zeitgleicher Release-Termin am 4. Dezember nicht passte. Doch ansonsten kann man sich die nahtlose Anknüpfung an "More Fish" erwarten.

Dies wird schon aus der Trackliste ersichtlich: Trife Da God, Shawn Wigs, Solomon Childs und Ghost's Sohn Sun God vertreten die Theodore Unit, während auch aus dem Clan selbst genug Besuch zugegen ist, Partner Raekwon sogar ganze vier mal. Für die Produktion borgt sich Ghost erstaunlich oft das Duo Sean Cane & LV von Diddy's Producer-Haufen The Hitmen aus. Nach traditionellen Beatbastlern aus dem Wu-Tang-Camp sucht man hier vergebens. Doch damit gab es ja auf den Alben zuvor auch keine Probleme. Wenn man also nun anfängt, das Album abzuspielen, landet man bei Latino-Sounds der Rhythm Roots Allstars, während Ghostface von einem Hispanic Geld eintreibt, und dann, aufgrund dessen Zahlungsunfähigkeit, seine Frau als Pfand mitnimmt.
"Toney Sigel a.k.a. The Barrell Brothers", das sind Tony Starks und Beanie Sigel, versehen mit einer knurrenden Hook von Solomon Childs. ""It's the Broad Street Bully and the Killa with no face / [...] / I kill a nigga at the drop of a dime / Just imagine what I'd do for a quarter / Ain't no telling what I'd do for a dollar / Pop a nigga right in front of his mom / Son a nigga right in front of his daughter". Starke Lines von Schwergewicht Beanie Sigel, von LV & Sean C serviert über schmetternde Gitarren und hetzende Drums.

Ein typischer Ghostface-Track is das Ant Live-produzierte "Yolanda's House", bei dem sich hoher Besuch in Form von Raekwon und Mr. Mef einfindet, wobei sich letzterer in fließendster Bestform zeigt. "You know we family like Crack and Pun / But Mr. GFK, state ya business after that be one / Now can it be that you hot lord? / You did some shit on the block, that the cops try'nna lock you for?". Kid Capri ist sicherlich eine der einmaligsten Stimmungskanonen im Rap-Game, und so weiß man schon nach 2 Sekunden, wer in "We Celebrate" einheizt. Der etwas einseitige Beat schafft es, mit jedem Hören besser zu werden. Es scheint mal wieder ein typisches Ghostface Album geworden zu sein, und anscheinend ist Ghost Deini auch nicht in der Lage, schlechte oder gar mittelmäßige Album aufzunehmen.
Trotzdem lässt sich diesem Album etwas vorwerfen. So gut wie alle diese Beats sind, besonders innovativ sind sie im einzelnen nicht, was oft auch impliziert, dass Ghost sich fast in die Kategorie der Cover-Songs bewegt, wozu nur noch die Übernahme alter Songtexte nötig wäre. Da diese Erscheinung jedoch heutzutage nicht mehr selten ist, und die Zusammenstellung als Ganzes dann doch wieder zu unterhalten weiß, fehlen diesem Kritikpunkt, zumindest auf diesem Album, Hand und Fuß.

"Walk Around" fällt dann allerdings genau in diese Kategorie, die Streicher in Kombination mit dem Sample und Ghost's Rhymes sind jedoch trotzdem äußerst hörenswert, der Track an sich siedelt sich recht eindeutig über dem Mittelfeld an. Etwas anders wird die Sache dann allerdings auf "Yapp City". Denn doppelte Beatverwertung ist immer ein Ärgernis. Wer sich erinnert, dem wird auffallen, dass Scram Jones denselben Beat dieses Jahr schon an einen gewissen Canibus verscherbelte, der daraus den Titeltrack und Opener zu seinem Album "For Whom The Beat Tolls" machte. Wenn dann schon der direkte Vergleich vorliegt, kann man diesen auch ziehen. Und da gehen sowohl der routinierte Tony Starks, Trife Da God und erst recht Sprößling Sun God gegen die weltenzerstörenden Power-Raps von Mr. Can-I-Bus unter. Da der Beat jedoch ein wahrhaft düsterer Kracher ist, kann man den Song zumindest, wenn auch mit bitterem Beigeschmack, gut durchhören.

Kräftig gesampled wird auf "White Linen Affair", den Toney Awards, auf denen sich Ghost eine Who-Is-Who-Gästeliste des Rap-Games einlädt. "We got D-Block, Wu-Tang, Jay-Z and Nas / Also performing 50 Cent, Terror Squad / From the South we have the great Luda, Jeezy and Wayne / T.I., Rick Ross, Rich Boy, snoopin the game / And for my ladies, we have Ne-Yo and Usher, y'all have a seat, we be right back motherfucker". Natürlich darf auch Comedy nicht fehlen: "Hey, hey sweetheart, come here. Got a hundred dollar bill tattoo'd on my cock, heard you like to... blow money!". Das ganze spielt sich auf einen gelungenen Beat ab.

Auch "Supa GFK" ist keine Neuerfindung, jedoch trotzdem sehr solide. Ebenso gelungen ist die Baby Grand-produzierte "Rec-Room Therapy", die der Hörer zusätzlich mit Raekwon und U-God besucht. Wieso nun das Interlude "The Prayer" eingeworfen wird, entzieht sich gänzlich dem, was ich als nachvollziehbar bezeichnen würde. Die penetrante Stimme von Sänger Ox verursacht ein Verkrampfen des Magens, was sich verschlimmert, sofern man es nicht schnell zur Skip-Taste schafft. "I'll Die For You" ist mit Voice-Sample, Streichern und Piano zwar zum Hinschmelzen schön, jedoch auch einen Tick zu ereignislos. Immerhin reiht es sich, sehr schön vor sich hinplätschernd, bei den soliden Tracks ein. Allstar-Lineup empfängt den Hörer auf "Paisley Darts", bei dem sich nacheinander Ghost, Raekwon, Sun God, Trife Da God, Method Man und abschließend Cappadonna das Mic in die Hand geben. Der Beat von LV & Sean C ist wieder nichts Weltbewegendes, weiß aber die starken Raps angemessen zu unterlegen.

"Shakey Dog Starring Lolita" kommt trotz Raekwon-Feature und exzellentem Story-Telling nicht an seinen Namensvetter von "Fishscale" heran, bildet aber wieder eine sehr solide, entspannte Nummer. "But you know what, Flaco meets Lolita / Flew in, she from Medayeen, he deaded her uncle over them seventeen, bricks / Niggas ain't slick, niggas is dicks / Y'all got beef for life now, cause that bitch is a trick". Nach der Eskalation der Geschichte zu einer wilden Schießerei setzt wieder die Latino-Trompete der Rhythm Allstar Roots ein, auf dass nun in "Killa Lipstick" einer der ruhigsten Tracks folgt, der sich beim Beat des Klassikers "Riding High" von Faze-O bedient. Trotzdem kommt die Nummer nicht kitschig rüber, was neben Method's Chorus auch an den souveränen Raps vom High Chief liegt. Die letzte Nummer ist dann auch kein knallharter HipHop mehr, was schon das Feature von Soul-Stimme Chrisette Michele verrät. Trotzdem wirkt "Slow Down" nicht fehl am Platz, ganz im Gegenteil, es bildet einen sehr stimmigen Ausstieg aus diesem Album.



Fazit:
Damit wäre "The Big Doe Rehab" zu Ende. Ghostface setzt seinen Style konsequent fort, und schafft es ohne nennenswerte Aussetzer, wieder ein Album, schon das siebste, in seine Diskografie einzureihen. Der Ironman kann auch mit diesem Album von allen großen Online-Seiten gute Reviews kassieren, was, trotz ein paar durchschnittlichen Nummern, auch voll gerechtfertigt ist. Man mag sich zwar von Zeit zu Zeit wünschen, richtig klassische Wu-Tang-Beats aus den Schmieden der Wu-Elements auf Ghost Deini's Alben vorzufinden, doch solange sein Konzept auch so aufgeht, sollte er nicht davon abweichen. "The Big Doe Rehab" festigt Ghostface Killah's Stellung als konsistentester Wu-Tang-MC und zeitgemäßer Akteur im HipHop-Game allgemein.

Gesamtwertung: 7.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Samstag, 8. Dezember 2007

Smiley The Ghetto Child - The Antidote


Release Date: 2. Mai 2006
Label: Amalgam Entertainment / A-Mob

Tracklist:
01. Intro
02. Limousine Dream
03. Bronx Baby
04. No Love
05. L.A.N.Y. - (Feat. WC)
06. Pig Latin
07. Close to 30 G's
08. Everything
09. 800 Trigger Fixers
10. Bodychalk
11. Monster
12. Logic
13. All on You
14. Wake Up Call
15. Styles
16. Give Us a Moment
17. Rest in Peace
18. Outro



Artists, die viel zu lange im Game sind ohne je ein Album veröffentlicht zu haben. Ding, ding, ding! Richtig, in diese Kategorie fällt Smiley The Ghetto Child, bekannt aus dem Umfeld von Gang Starr. Als Cousin von Melachi The Nutcracker (eine Hälfte von Group Home) ist diese Verbindung zu Primo und Guru auch äußerst nachvollziehbar. Und obwohl es Smiley erst 2006 fertigt bringt, ein Album zu veröffentlichen, ist die Zeit für talntierte MCs wie ihn nie zu spät, möchte man meinen. Allerdings will zu dieser Zeit schon (fast) niemand mehr von düsteren Überlebensstories aus den Straßen New Yorks hören.

Natürlich gibt es immer noch die (geschrumpfte) Base an Heads, die weiterhin Sound wie diesen dem Snap-Movement vorziehen. Und was genau Smiley auf diesem Album zu beiten hat, sollte schon das Cover beantworten. Ein Schwarz-Weiß Foto aus dem Ghetto, mit einem Maschendrahtzaun im Hintergrund, einem zum Knuddeln lieben Pitbull im Vordergrund, Smiley selbst mit Grim Team-Tee und NY-Fitted, das ist das Gegenmittel, und das beinhaltet keine halben Sachen. Wer meint, hier gibt es, in etwas wie bei Shug oder Blaq Poet eine gehörige Anzahl Primo-Beats, der täuscht sich. Die Hauptarbeit lastet Smiley einerseits Sebb, u.a. schon als Producer für Infamous Mobb oder Tony Yayo tätig gewesen, und andererseits Chaze, dem Gründer des Grim Team, auf. Letzterer steuert auch das Intro bei, in dem Smiley ein paar Worte los wird. "You know, y'all sit down and sit back and enjoy this shit, this is Hip Hop".

Und wie der Mann aus der Bronx Hip Hop definiert, das wird er nun eindrucksvoll auf 15 Songs dem Hörer vor Augen/Ohren führen. Dabei entscheiden natürlich die Beats darüber, ob die Platte unterhalten kann oder untergeht. Mit dem Mix aus altbekannten Drum-Patterns, Streichern, Piano-Lines und Ähnlichem zettelt sich hier keine Revolution an. Doch die braucht und erwartet man ja auch garnicht. Da der Mann mit einem knurrenden Stimmorgan wie nur noch wenige andere heutzutage verbleibende Emcees gesegnet ist, erfüllt er perfekt die Grundvoraussetzung, um knallharten Streetsound zu erschaffen; und da es von ebenjenem sowieso nicht mehr besonders viel gibt, hat er auch ein gutes Recht dazu, diesen zu praktizieren. Und nachdem Chaze ihm erstmal einen wunderbar harmonischen, streichergetriebenen Beat unterschiebt, auf dem Smiley in kurzen 2 Minuten den "Limousine dream" herunterbetet, fällt es im Showbiz-produzierten "Bronx Baby" schwer zu entscheiden, ob der Chorus nun von Smiley oder dem zähnefletschenden Pitbull auf dem Cover geknurrt wird. "Straight history, yo put it at ease / We from the Bronx baby, yeah you know my steez". Sein Motto macht er auch gleich klar: "Yo, achieve it on my own, that's what the good book say".

Nitro, ansonsten nur von Produktionen für Hell Razah bekannt, fügt "No love" ein Voice-Sample hinzu, um ansonsten eine bedrückende Street-Atmosphäre mit Streichern und, natürlich, zurückhaltenden Drums zu weben. Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass Smiley, neben der beachtlichen Bandbreite an Producern, auf die anzunehmende lange Feature-Liste gänzlich verzichtet. Einzig ein Gast ist auf "The Antidote" zu vernehmen, und der stammt aus dem Sunshine State California und nennt sich WC. Zusammen spitten Smiley und Dub-C auf dem von Sebb-produzierten, eigenwilligen "L.A.N.Y.", das jedoch sofort zu einem der Banger des Albums mutiert. Gleich danach wird man von Green Lantern in einen Morast aus dreckigen Gitarren-Sounds und knackenden Drums gestoßen, der trüber und düsterer nicht sein könnte. Dagegen klingt die Kombination aus Bass-Drums und einer Piano-Line in "Close To 30 G's" fast freundlich. "And these streets are mean / They don't care about bling, they don't about cream, they don't care about me / But if I had a buck, for every girl I fucked / I'd be rich as hell, with platinum nuts / [...] / This mic is like a football, come and get tackled".

"Everything" fängt mit einem Gespräch zwischen Primo und Smiley an, und verläuft dann düster in einer Piano-Line. Anschließend folgt der einzige Skit auf dem Album, auf dem sich Smiley in köstlichster Weise des Tina Turner-Klassikers bedient, um Werbung für die "Trigger Fixers" zu machen: "What's guns got to do with it, got to do with it / What's gun, but a trigger hand emotion / What's guns got to do with it, got to do with it / Who needs a gun, when a trigger is broken?". So lustig macht das Album selbstverständlicherweise nicht weiter, schon der nächste Track ist das exakte Gegenteil dieses Fun-Skits. "Bodychalk" ist eine Straßenhymne für Hoodlums mit böse dreinblickenden Minen. "Yo I live for the hood, but won't die for the hood / [...] / This Rap's the shit, F moppin the floors / It won't see myself dyin at a early death / I got so many productive years left / So i cherish the breath, that live in my lungs / Some niggas on corners got crack by tons". Nach diesem düsteren, doch langsamen Beat, legt Smiley richtig los. "Monster" ist nicht nur wegen des Titels der Monster-Track dieses Albums. Bombastische Streicher tragen den Track, während ihn Smiley mit energiegeladenen Raps in seine Einzelteile zerlegt. You better move out my fuckin' way, cause lyrically kid, this ain't no game".

Es folgt ein sehr einfallsloser und der wohl schlechteste Beat des Albums, verbrochen von Sebb. Dieser, als einziger langweilige Track, ist jedoch schnell vergessen, sobald die nächste Nummer temporeiche Nummer loslegt, die sich "All On You" nennt. Damit dieses hohe Niveau nicht abreißt, wirft Smiley nun den einzigen Primo-Beat des Albums hitnerher, der sich mit dessen typischen Drums zu den besseren Tracks des Albums gesellt (und gleichzeitig auch der wohl älteste Song des Albums ist). Nun schließt sich The Grouch mit seinem Beitrag und "Styles" an, getragen von einer sehr zurückhaltenden Violine. Ein solides Stück, das jedoch leicht untergeht. Das erstaunlich positiv klingende "Give Us A Moment" ertönt da wieder erheblich besser. "Hoes in the hood, drugs in the hood, crack in the hood / Fuck it my nigga, we smoke wood in the hood / Roll up, champagne til' we throw up, stack doe up / Blind dates, I won't show up, I got to see what type of pussy I get". Es verbleiben noch zwei Produktionen von Chaze, wobei vor allem "Rest In Peace" dessen ganz typische (Drum-)Handschrift trägt. Dass Smiley diesen Song verstorbenen Bekannten/Homies widmet, deutet schon der Titel an. "My man Sam, god damn, he was only 17, too young for a murder scene / What about Chuck, body never showed up / Left behind a son in this world that's fucked up". Das einminütige Outro besteht aus Shoutouts.


Fazit:
Man mag diesem Album vorwerfen, es sei viel zu einseitig. Mag sein, denn sowohl Sound als auch Smiley's Raps variieren nicht allzu sehr. Doch allein schon die Tatsache, dass Smiley The Ghetto Child dieses Album so wie es ist auf die Beine gestellt hat, verlangt Respekt für den Mann. Und da der gerade aufgeführte Kritikpunkt der Einseitigkeit wohl eher von jenen Hörern angeführt wird, die mit einem kompletten Album unmittelbaren Street-Raps sowieso nie zufrieden sind, kann im Gegenzug für alle Fans solchen Raps gesagt werden, dass sie ihre Freude an "The Antidote" finden werden, zumal es im Jahr 2006 wenige vergleichbare Alben gibt. Man darf gespannt sein auf mehr Material, vornehmlich da dieses Album eigentlich nur als Street-Album und Vorgeschmack des noch folgenden (doch nicht zwingend so schnell kommenden) richtigen Albums gedacht ist.

Gesamtwertung: 7.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame