Dienstag, 26. Mai 2009

Guru & Solar - Guru 8.0: Lost & Found

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 19. Mai 2009
Label: 7 Grand Records

Tracklist:
01. Lost And Found
02. Fastlane
03. Ride (Feat. Omar)
04. No Gimmick Shit (Feat. Doo Wop)
05. Read Between Tha Linez Solar (Feat. K Born & Highpower)
06. Best Of My Yearz
07. Divine Rule
08. When U Least Expect (Feat. K Born & High Power)
09. After Time (Feat.Solar)
10. Those Dayz R Gone
11. Stop Frontin
12. Own Worst Enemy
13. Cee What We Do
14. Love-Hate Thang
15. It's A Shock
16. 6 Cipher (Feat. K Born & Highpower)
17. 7 Grand, Off Tha Chain



Man will es gar nicht glauben: Diese Scheibe ist inzwischen die vierte Zusammenarbeit zwischen Guru und Solar auf Albumlänge. Neben Projekten unter dem Motto der "Jazzmatazz"-Reihe gab es bereits 2007 die sehr lauwarmen "Street Scriptures", die eigentlich nur eines aufzeigten: Die Fans wollen DJ Premier zurück. Doch weit gefehlt, hier folgt mit "8.0" der direkte Nachfolger, bei dem natürlich Premo's Ablöse hinter jedem Instrumental steht und das über das gemeinsam ins Leben gerufene 7 Grand-Label erscheint. Von dort stammen auch alle Gastbeiträge, welchen auf "Lost & Found" die Möglichkeit gegeben wird, sich der Welt zu präsentieren.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Um gar nicht lange um den heißen Brei herumzureden: Die folgenden Zeilen beschäftigen sich größtenteils damit, in Worte zu fassen, wie unerhört schlecht dieses Album ist. Doch immer der Reihe nach - schließlich kann man zu Beginn das drohende Unheil, das sich erstmals beim Anblick des ideenlosen Covers als kleiner Bach der Vorahnung ergießt und sich schnell in einen reißenden Strom ausweitet, nur erahnen. Schon "The Street Scriptures" eröffnete, dass Solar gerne unerreichte Songs sampelt und weithin bekannte Melodien durch den Fleischwolf dreht, um sie dann Mr. Gurizzy vorzuwerfen. Doch was der "Super Producer" hier veranstaltet, liegt jenseits von Gut und Böse. Gleich zu Beginn wird der Animals-Klassiker "House Of The Rising Sun" ins Süppchen geworfen, was dem Album einen schleppenden Einstieg beschert. Doch "Lost And Found" war noch harmlos: Wer wissen will, wie Guru auf Autotune klingt, der bekommt in "Fastlane" die - grauenhafte - Antwort. Für "It's A Shock" leiht such Guru das RoboCop-Kostüm von Kanye West, in "Own Worst Enemy" malträtiert er seine Hörerschaft mit einer ausgelutscht langatmigen Hook und einem einschläfernden Flow. Hinter allem steht natürlich die Lichtgestalt, der Super Producer, das Genie Solar. Seicht, hektisch, identitätslos und vollkommen belanglos - mit diesen Attributen lassen sich abwechselnd die Beats der Scheibe zusammenfassen. Denn meistens, wenn Guru einen besseren Tag erwischt hat, ist es Solar, der das Kellerniveau garantiert. Das Zusammenfallen des Nichtversagens von beiden Herren zu einem Zeitpunkt liefert dann die wenigen hörbaren Songs. "Divine Rule" ist ein Disco-Break und als Tribut an die alten Tage gedacht, funktioniert erstaunlicherweise auch und verlangt Guru ein etwas schnelleres Tempo ab. Ein wirkliches Highlight gibt es trotzdem nicht. Doch auf der Suche nach Erträglichem wird man auch an "Ride" vorbeikommen, in dem der britische Omar in die Fußstapfen von Roger Troutman tritt und - als Direktvergleich zum direkt vorher gehörten Autotune - den Vocoder auspackt. Der krasse Kontrast dazu ist "Gimmick Shit", das mit orientalischem Gestocher mehr als nur abgestanden riecht und bei dem auch ein Doo Wop keine Abwechslung ins Spiel bringt. Ebenso wie einen Großteil der Songs hat man auch K Born und Highpower schnellstens wieder vergessen. Erwähnenswert ist noch der Moment, in dem der Super Producer zum Super Emcee mutiert und, während in "After Time" ein Queen-Sample mager aufgetragen wird, zeigt, was die Welt bisher verpasst hat. "Read Between Tha Linez Solar" versagt mit grummelnden Bässen, während Guru doch tatsächlich ein "Arm, leg, leg, arm, head" über ein Foreigner-Sample brabbelt. Wenn man das Trauerspiel fast hinter sich hat, bekommt man noch versichtert, dass 7 Grand "Off The Chain" ist. Vielen Dank für den Hinweis.


Fazit:
Bei all den Pressemitteilungen, die in der heutigen Zeit im Internet umherflattern, ist sowieso das direkte Ignorieren meist eine gute Lösung. Doch was in jenem zum hier vorliegenden Album vom Himmel gelobt wird, ist pure Comedy. Denn, das sei einmal festgehalten: "Lost & Found" ist der absolute Tiefpunkt - zumindest bisher. Und auch wenn Solar wirklich sein Bestes gibt, um diesem Umstand gerecht zu werden, stehen auch Guru ein paar Lorbeeren zu: Es ist kaum zu glauben, dass der lustlos vor sich hin murmelnde Guru derselbe ist, der einst Großtaten mit DJ Premier beging. Doch wie auch immer: Lasst die Finger von diesem Schmutz!

Gesamtwertung: 2.7 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Busta Rhymes - Back On My B.S.

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 15. Mai 2009 (D) / 19. Mai 2009 (US)
Label: Universal Motown / Flipmode

Tracklist:
01. Wheel Of Fortune
02. Give 'Em What They Askin' For
03. Respect My Conglomerate (Feat. Lil Wayne & Jadakiss)
04. Shoot For The Moon
05. Huster's Anthem 2009 (Feat. T-Pain)
06. Kill Dem (Feat. Pharell & Tosh)
07. Arab Money (Feat. Ron Browz)
08. I'ma Go And Get My... (Feat. Mike Epps)
09. We Want In (Feat. Ron Browz, Spliff Star & Show Money)
10. We Miss You (Feat. Jelly Roll & DeMarco)
11. Sugar (Feat. Jelly Roll)
12. Don't Believe Them (Feat. Akon & T.I)
13. Decision (Feat. Mary J. Blige, Jamie Foxx, John Legend & Common)
14. World Go Round (Feat. Estelle)



Nach schier unendlichen Verzögerungen und Label-Turbulenzen hat es Busta Rhymes doch noch geschafft. Busta Rhymes, eines der etabliertesten Gesichter im Rap-Geschäft, der es mit seinem Werdegang von den Leaders Of The New School bis hin zum Aftermath-Deal immer geschafft hat, mitten im Geschehen zu stehen. Trotzdem war "The Big Bang" dann mehr ein dezentes Rauschen als der große Knall. Also sollte schon Ende 2007 mit "Back On My Bullshit" nachgelegt werden. Inzwischen sind fast eineinhalb Jahre, unzählige Promo-Singles und mehrere Albumtitel vorbeigezogen, bis Busta mit "Back On My B.S." schließlich bei Universal Motown gelandet ist.

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Was also soll man sich von einem neuen Busta Rhymes Album, auf dem die halbe Gemeinde der derzeit durch BET und sonstige Musiksender springenden Trendvögel und HipPop-Künstler vertreten ist, erwarten? Kommt da ein Busta Rhymes überhaupt noch zu Wort? Ja, in gewisser Weise tut er das schon. Zurück bei seinem Bullshit, das ergibt natürlich nur Sinn, wenn Bullshit mit Geldmachen, Trends setzen oder aber solche kopieren und auswälzen gleichzusetzen ist. Denn genau das ist "Back On My B.S.". Ob man Busta bisher so kannte, diese Entscheidung sei jedem selbst überlassen. Eines jedenfalls ist schwer zu leugnen: Busta nimmt von allem ein wenig, rührt einmal kräftig um und setzt sein immer noch vorhandenes Reimtalent obendrauf. Dabei darf man noch froh sein, dass man es hier nicht mit 14 Variationen von "Arab Money" zu tun hat. Immerhin konnte er mit der Vorab-Single auf sich aufmerksam machen. Doch: Der tiefschürfende politische Hinweis auf die Kapitalverschiebung aus der westlichen Welt heraus sei Busta dabei gar nicht erst unterstellt, die eingängigen Synthies und das arabische Autotune-Gejodel sind Ron Browz sicher nicht als kreativer Erguss gutzuschreiben und für das hirnrissige Ärmchenwackeln bleibt mein Geist nach wie vor unter 2.0 Promille verschlossen. Diesen "Trend" darf man verpassen, ohne etwas verpasst zu haben. Und dabei fängt alles so schön an: "Wheel Of Fortune" markiert gleich zu Beginn das Highlight der Scheibe, wenn DJ Scratch zeigt, wie man einen Busta Rhymes mit auf Staub tanzenden Snares auch 2009 aus der Reserve locken kann. Schön wär's gewesen. Aber nein, das eigentliche Anliegen dieser Scheibe ist es offensichtlich, mit jedem einzelnen Song eine potentielle, massentaugliche Hit-Single einzureichen, was natürlich sämtliche Sünden mit einschließt, derer es derzeit bedarf, um das Maximum an Käufern zu erreichen. In Busta's Worten heißt das "Give 'Em What They Askin' For". Und die Leute wollen Ron Browz, denn auch hier hat er seine Finger im Spiel und unterstützt Busta mit Claps und gelooptn "Hey"-Rufen, welche auch von Swizz Beatz hätten stammen können. "We Want In" führt den Ether Boy zum dritten Mal ins Feld, diesmal wieder in der - gänzlich missratenen - Hook. Ansonsten wird man zwischendurch bemerken, dass gerade die Neptunes mit ihren Bläsern in "Kill Dem" einen der bodenständigsten Songs des Albums produziert haben oder dass "Don't Believe 'Em" in bester Lego-Baukasten-Manier eine Akon-Hook und einen Beat, der sich als Querschnitt der Instrumentals eines T.I. Albums beschreiben lässt, zusammenstöpselt und dabei in vollkommener Charakterlosigkeit in sich zusammenstürzt. Der obligatorische T-Pain-Auftritt ist gewohnte Kost, die - wenn man T-Pain in seiner Existenz anerkennt - als weder negativ noch wirklich positiv abgehakt werden kann. Nichts anderes gilt für "Respect My Conglomerate", wohingegen "Shoot For The Moon im Chorus patzt und "Sugar" dank eines selten schlechten Gasts in Sülze versinkt. "Decision" soll nach der langen Party wohl der Song zum Ausspannen sein. Doch sowohl der stimmlich noch sehr angeraute Busta sowie das Trio Singsang wirken zu aufgesetzt. Einzig und allein Common ist mit seinem bedacht und (vor allem) dezent eingesetzten Stimmorgan Balsam für die Seele und stellt somit den einzigen Moment des Albums dar, in dem man entspannt ausatmen kann. Denn zum Schluss werden nochmal die Pferde vorgespannt und es wird mit "World Go Round" mit Vollgas gen Club gedonnert.


Fazit:
Mit einer nüchternen Erwartungshaltung kann man im Nachhinein sagen: Alles halb so wild. Gute 75% fallen aktuellen Trends zum Opfer, darunter kann man eventuell beklagen, dass sich der Autotune doch ein wenig zu oft eingeschlichen hat. Doch selbst in diesem Großteil, der mit Busta Rhymes selbst relativ wenig zu tun hat, schlägt sich Mr. Break Ya Neck noch besser als viele andere. Außerdem offenbart die Scheibe, dass Busta auch noch Tracks wie "Wheel Of Fortune" beherrscht. "Back On My B.S." ist weniger ein Album als eine Ansammlung an Songs und dürfte sein Ziel, Anklang bei der HipPop-Gemeinde zu finden, mit Bravour meistern. Wer also mit den Gästen etwas anfangen kann, der wird hier ein sehr gutes Album vorfinden. Die HipHop-Hörer dürfen einmal mit den Achseln zucken und sich langlebigerem Material zuwenden. "Back On My B.S." ist genießbares Fast-Food, aber eben nur Fast-Food.

Gesamtwertung: 3.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Method Man & Redman - Blackout! 2

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 15. Mai 2009 (D) / 19. Mai 2009 (US)
Label: Def Jam

Tracklist:
01. BO2 (Intro)
02. I'm Dope Nigga
03. A-Yo (Feat. Saukrates)
04. Dangerous MCs
05. Errbody Scream (Feat. Keith Murray)
06. Hey Zulu
07. City Lights (Feat. UGK)
08. Father's Day
09. Mrs. International (Skit) (Feat. Tanish Green, Michelle Pickney & Saukrates)
10. Mrs. International (Feat. Erick Sermon)
11. How Bout Dat (Feat. Ready Roc & Streetlife)
12. Dis Iz 4 All My Smokers
13. Lock Down (Skit) (Feat. DJ Kay Slay, C.O. Ellis, Reggie Noble & Ready Roc)
14. Four Minutes To Lock Down (Feat. Raekwon & Ghostface Killah)
15. Neva Heard Dis B4
16. I Know Sumptin (Feat. Poo Bear)
17. A Lil Bit (Feat. Melanie Rutherford)



Dann ging es ja doch ganz flott: Gut ein halbes Jahr hat es gedauert, bis nach den ersten konkreten Andeutungen dieses Album wirklich in den Läden steht. Dabei ist der zweite Teil der Kollabo zwischen Method Man und Redman eines der wenigen Alben des Jahres, das fast bei jedem Rap-Konsumenten Interesse weckt. Seit dem ersten Zusammentreffen steht das Duo für weedgeschwängerten Fun-Rap, der so gut aufgenommen wurde, dass seitdem auf einen Nachfolger zu "Blackout!" gewartet wurde. Um gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, in welcher Vorstellung man sich hier befindet, schießen Red und Mef wieder alle Lichter aus und laden ein zu "Blackout! 2".

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An alle Wu-Tang Fans: Kommt gar nicht erst auf den Gedanken - noch weniger als der erste Teil hat diese LP, bei der RZA seine Finger auch nicht mehr im Spiel hat, mit dem Wu-Sound zu tun. Und wieso sollte sie auch? Erhoffen kann man sich dagegen zwei sympathische Chaoten, die im Jahr 2009 ihren Logenplatz im HipHop-Zirkus zu verteidigen wissen. Damit sollte man in diesen Zeiten schon zufrieden sein. Zur Unterstützung holt sich das Duo namenhafte Produzenten ins Boot, um die gewichtige Aufgabe der stimmigen Instrumental-Unterlage mit Masse zu bewältigen. Erick Sermon beispielsweise kennt man noch vom ersten Teil. Ebenso Allah Mathematics, der hier den Opener beisteuert und dem Duo einen Einstieg beschert, wie man ihn sich nicht schöner hätte wünschen können. Das klingt frisch, trotzdem nach Ostküste und überdies gehen der rote und der Methodenmann gleich in die Vollen. Es fällt auf, dass beide Emcees mit Spaß bei der Sache sind, und wenn auch keine epischen Lines verfasst werden, so ist das Album doch voll mit den lockeren Sprüchen, die man kennt und schätzt. Bei der Vielzahl an Produzenten ergibt sich natürlich auch eine Klangspanne, die nicht makellos sein kann. Was "City Lights" hier beispielsweise verloren hat, bleibt ein Rätsel, klingt der Song doch - inklusive gescrewter Hook - mehr nach einem Meth & Red-Feature auf einem Bun B Album. Dass mit "I Know Sumptin" kurz vor Ende noch ein Skip-Track mit selten dämlicher (Autotune-)Hook eingebaut wurde, ist auch mehr als überflüssig. Doch beim Rest bleiben die bösen Überraschungen aus: "Hey Zulu" kommt vom Rockwilder und schafft es, mehrere verschiedene Elemente unter einen Hut zu bekommen und dabei sogar noch richtig eingängig und ansprechend zu klingen. Auch der Autotune (dessen Gebrauch auf diesem Album hoffentlich Def Jam, nicht dem Geschmack der Protagonisten, in die Schuhe zu schieben ist) stört nicht großartig. Apropos Rockwilder: "Errbody Scream" schickt sich in etwas unausgefeilter Form an, der Nachfolger zum Smash-Hit vom ersten Album zu werden, bleibt aber nur als halbgarer Kopfnicker hängen. "Mrs. International" ist viel zu seicht, um zu fesseln, Havoc's "I'm Dope Nigga" viel zu gefühllos, um in konstruktive Interferenz mit den Raps zu treten. Doch wen stört das, wenn in "Four Minutes To Lock Down" mit den Wu-Brüdern im klassischen Stile der Ostküste auf die Kacke gehauen wird? Oder wenn die "Dangerous MCs" mit gewetzten Messern und scharfen Punchlines einlaufen? Nicht zuletzt ist es auch der grandios-relaxte Pete Rock-Beat in "A-Yo", der zum guten Gesamtbild beiträgt. "Diz Iz 4 All My Smokers" ist dem Hörer zwar bzgl. des Samples nicht neu, wird aber gut als Weed-Hymne hergerichtet ("For those who don't smoke, get the middle finger up / You smoke more than us, nigga it's beginner's luck"). Den Abschluss arrangiert Rockwilder mit "A Lil' Bit", das entgegen des starken Rests des Songs eine für Melanie Rutherford eher platte Hook auffährt.


Fazit:
Dann ist es auch schon wieder vorbei. "Blackout! 2" zieht schneller vorbei als gedacht. Danach ist klar: Kein Top-Album, aber auch weit davon entfernt, der Reinfall zu sein, den manche Skeptiker von vornherein prophezeit haben. Method Man und Redman wollen relevant bleiben, was einige gute Kompromisse und Einflüsse mit sich zieht, aber zum Beispiel auch zum Einsatz von Autotune führt. Für die Hardcore-Fans ist das Album deswegen weniger geeignet (weil zu soft), doch das Mef & Red-Projekt war schon immer ein von Spaß geprägtes, das sich selbst nicht zu ernst nimmt. Demnach halten beide Emcees ihre Hörer bei Stange, und auch wenn hier viel mehr drin gewesen wäre, so ist "Blackout! 2" in diesem Jahr eines der besseren Alben und zudem eine der besten populären Veröffentlichungen. Dank der souveränen Leistung der Emcees knapp "gut".

Gesamtwertung: 6.7 / 10

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K.A.R. - Joe Crack & Pistol Pete Present: K.A.R.

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Release Date: 05. Mai 2009
Label: E1 Music

Tracklist:
01. Intro From Pistol Pete
02. Girls Wanna Have Fun (Feat. Ace Hood)
03. Hustler
04. They Hate Me Man (Feat. DJ Khaled & Dre)
05. Getting Money Money (Feat. Tony Sunshine)
06. Oh Baby (Feat. Fat Joe)
07. You Could Tell I'm From New York (Feat. Jadakiss)
08. Guy Like Me (Feat. Sean Kingston)
09. From The City (Feat. Layzie Bone)
10. This Is The X (Feat. Fat Joe & Hell Rell)
11. Serious (Feat. Sheek Louch)
12. What You Gonna Do To Me (Feat. Fat Joe)
13. Get Your Money Up (Feat. Jadakiss)
14. Rat Killa (Feat. Raekwon)
15. The Takeover
16. Growing Up In The Streets
17. Get It Right



Hinter jedem neuen Namen steckt eine kleine Geschichte: Das ist bei K.A.R. nicht anders. Wo ein "Fat Joe & Pistol Pete Present" davorsteht, darf man hier nicht nur große Namen zur Steigerung der Verkaufszahlen erwarten, denn dieses Projekt geht zu einem Großteil auf Pistol Pete's Kappe: Nachdem die Bronx-Legende im Bundesgefängnis einsaß und dort miterlebte, wie Söhne ihre eigenen Mütter verpfiffen, kam ihm die Idee zu seinem Unternehmen Kill All Rats. Nachdem er 2002 entlassen wurde, begann er, K.A.R. auf legalem Wege aufzubauen und lief dabei auch Fat Joe, einem langjährigen Freund, über den Weg. Pete's K.A.R.-Projekt ist an einigen DVDs beteiligt, bis dann die Entscheidung getroffen wird, eine Gruppe zu bilden und ein Album zu veröffentlichen. Das Ergebnis hat man hier vor sich, ganz im Konzept der ursprünglichen Idee und ohne weiteren Albumtitel.

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Bisher noch nicht erwähnt wurden dabei K.A.R. selbst. Die Truppe besteht aus vier, bzw. derzeit drei Mitgliedern. Mike Beck (Brooklyn) ist seit kurzem nicht mehr dabei, jedoch auf dieser Scheibe noch zu hören. Der Rest setzt sich aus Onez (Harlem), Leader (Bronx) und Rob Cash (Harlem), welcher eigentlich schon lange bei Kay Slay hätte gesigned sein können, sich jedoch dann dafür entschied, einen dreijährigen Knastaufenthalt zwischenzuschieben und somit seine Street Cred zu pushen, zusammen. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein bunt zusammengemwürfelter Haufen, bleibt es auch bei genauerer Betrachtung: K.A.R. ist weniger eine Gruppe als eine wahllos zusammengeführte Vereinigung einiger Künstler, die zu allem Überflüss alle die markanten Charakterzüge eines Sandkorns an den Tag legen. Doch das scheint Pistol Pete bei der Auswahl nicht aufgefallen zu sein - auch nicht, dass allein schon beim Alterunterschied (Onez und Leader sind 18, Rob Cash hingegen ist 31) Zweifel aufkommen müssten, dass das Gelingen dieser Gruppe auf wackeligen Beinen steht. Fat Joe fungiert als Executive Producer, E1 als Label und den Connections der Mentoren sind wohl die satten Features zuzuschreiben, während auch bei den Produzenten einige dicke Fische geangelt werden konnten: u.a. Scott Storch, Cool & Dre oder Streetrunner. Da nun alle Äußerlichkeiten umrissen sind, darf endlich die Bestätigung dazu gegeben werden, was schon der Blick aufs Cover, auf die Tracklist oder gar schon den Titel nahelegt: Dieses Album ist das wohl austauschbarste Erzeugnis des bisherigen Jahres 2009. Von vorne bis hinten will kein einziger Beat hängenbleiben, was auch daran liegt, dass dieses Album der absolute Querschnitt des Mittelwerts sämtlichen derzeit semi-populären HipHops und den beiliegenden Trends ist. Man wird hier nicht den Ansatz eines eigenen Impulses finden, auch keinen einzigen Gast, der in Höchstform aufläuft, und erst recht keine Protagonisten, die dem Hörer im Gedächtnis bleiben. Die Songs selbst schwanken dabei zwischen harmlosem Hintergrundgeplätscher, missratenen Versuchen, der eigenen Heimat treu zu bleiben, und Skip-Kandidaten. "You Could Tell I'm From New York"? Das könnte ich beileibe nicht. Wie auch Fat Joe klingen K.A.R., als wären sie nach Miami ausgewandert. Klappern wir also die einzelnen Klischee-Songs ab: "Girls Wanna Have Fun" disqualifiziert sich durch lyrisches Vakuum und die tausendfach breitgetretenen Phrasen über Dinge, die sich mit Geld so anstellen lassen. Und das können K.A.R. besonders gut: Mit den Geldscheinen, die sie wahrscheinlich nicht einmal im dargestellten Überfluss besitzen, wedeln. "Hustler" treibt die Austauschbarkeit auf einen ultimativen Hochpunkt, der natürlich nicht ohne Autotune auskommt (und dabei noch überdurchschnittlich schwer nach T-Pain klingt). Die Synthies klingen auf dem ganzen Album ausgelutscht, und auch sonst ist der musikalische Teil fast noch ärmer als die Vorstellung am Mic. Sean Kingston soll in "Guy Like Me" karibischen Flair mitbringen und klingt dabei noch besser als der vollkommen deplatzierte Layzie Bone bei seinem Auftritt, kann aber, wie alle anderne Gäste auch, keine Akzente setzen. Jadakiss wird gleich zweimal geladen und rappt Leader in "Get Your Money Up" an die Wand. Gegen selbige fahren K.A.R. allem Anschein nach auch mit Vorliebe ihre Hooks. Im sonst eigentlich gelungen "Getting Money Money" (über die nicht vorhandenen Inhalte sei mal hinweggesehen) übernimmt das Tony Sunshine in glorreicher Art und Weise, "Oh Baby" ist ein weiterer Fall eines passablen Beats, der mit einer unterirdischen Hook beschmutzt wird. Ob eine Hookline jemals unpassender klang als im von penetrantem Gezwitscher begleiteten "Rat Killa" steht in den Sternen. "What They Gonna Do To Me" ist ein winziger Lichtblick und überrascht mit gerade zu düsterem Sound-Gerüst, "Growing Up In The Streets" ist ähnlich aufgebaut, Rob Cash's etwas plumpe Ausführungen über soziale Misstände sind jedoch nicht sonderlich fesselnd. Wirklich gut zu K.A.R. passt schließlich Khaled, der in etwa auf demselben Niveau seine Standardzeilen aufsagt und den Track an die Hater einleitet.


Fazit:
Es gleicht einer Geduldsprobe, sich dieses Album ohne Skip-Taste anzutun. Pistol Pete's Geschmack scheint keine eigenen Ausprägungen zu haben, sondern richtet sich nach dem, was gerade angesagt ist. Das K.A.R.-Projekt ist so gezwungen auf die Autotune-Gangster-Konsumenten zugeschnitten, dass es nur schiefgehen konnte. Aber dafür gehen die Kammerjäger komplett mit Mann und Maus (bzw. Ratte) unter: Wer dieses Album gehört hat und halbwegs bei Verstand ist, der wird nie wieder etwas von Kill All Rats hören wollen. "We have a statement to make", so die Worte von Pistol Pete. Eine glatte Lüge, denn "K.A.R." lässt man mit seiner Mischung aus Einheitsbrei und Aussetzern am besten an sich vorbeiziehen.

Gesamtwertung: 2.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 17. Mai 2009

Jak Progresso - Dump Sites: The Unfound Dead Body Tapes

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 2006
Label: Creative Juices Music

Tracklist:
01. Black Umbrellas
02. Green River
03. Idle Time
04. Dump Sites
05. 1791 (a.d.)
06. Alkeline Mist (Feat. IDE)
07. The Great Depression '04
08. Hibernation
09. Coke Walrus
10. Sock Puppet



Low Budget B-Movie Shit - damit hat man es hier zu tun. Tief, tief, tief unten, irgendwo in einer Nische im Keller der Archive von Creative Juices kann man diese CD-R ausgraben, wobei die Aufmachung dem bereits zitierten Motto in sämtlichen Belangen alle Ehre macht. Nicht zuletzt die äußerst makabere Auffassung von Kunst, die das Cover ziert, weist den Hörer darauf hin, was ihn bei Jak Progresso erwartet. "Dump Sites: The Unfound Dead Body Tapes" erscheint 2006 und soll den Hunger auf Jak's Debüt bei Creative Juices, "Random Violence", schüren.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Wem das Artwork schon genügt, der sollte bei der Musik gar nicht erst anfangen. Jak Progresso konnte sich seine Fan-Base durch einen schaurigen Rap-Stil gewinnen, der mit unmenschlichen Zeilen ausgestopft ist und mit entsprechender Stimme vorgetragen wird. Als Einblick ins Schaffen von Jak dient diese Scheibe außerordentlich gut, und in ihrem Dasein als wenig beachtete Randveröffentlichung finden sich auf den zehn Tracks nicht einmal Ansätze einer Zensur von Jak's künstlerischen Auswüchsen - dafür stehen natürlich auch schon die Crews von Johnny23 Records und Creative Juices (auch wenn die Trennung von Letzterer nicht gerade im Guten verlief), unter denen Mr. Progresso verweilte bzw. verweilt. Dass er sich gerne als Psychopath inszeniert, ist nichts Neues. So bekommt man auch hier eine Show, die kränker nicht sein könnte. Egal ob als mordender Anhalter, Tierquäler oder als Verrückter mit Grenouille-Charakterzügen: Jak rappt so überzeugend, dass man annehmen muss, dass er aus der Hölle selbst kommt. Nichts anderes gilt für die Instrumentals, die neben Jak Progresso selbst von IDE, Kryptonite und E.T. stammen: Schon in "Black Umbrellas" wird man mit langsamem Rhythmus und tiefdüsteren Bläsern empfangen, die den Schauplatz mit schwarzer Nacht überziehen. Mal halten krachende Drumlines Einzug, mal regiert kompletter Minimalismus ("Coke Walrus"). Für "1791 (a.d.)" macht Jak, begleitet von klassischer Geigenmelodie im Hintergrund, eine Zeitreise und trägt eine Dichtung vor, nur um den Hörer in "Alkeline Mist", gemeinsam mit IDE, im Anschluss wieder an den musikalischen Abgrund zu führen. "It's been a week since I saw sun" schnaubt er ins Mikro, worauf ihm in "Hibernation" ein donnerndes Hörneraufgebot antwortet. Womit er seine "Idle Time" verbringt, wurde grob bereits umrissen (die üblichen Dinge eben - Leichen auf der eigenen Farm verscharren), im "Green River" wird man ohne Zweifel auch ein paar Tote finden (das lässt schon die Anspielung des Titels erahnen). "Sock Puppet" und "Dump Sites" verfolgen relativ konzeptlos Jak's wirre Gedanken, was nicht minder unterhaltend ist. Nicht in der Tracklist aufgelistet ist ein elfter Bonus-Track, der aus Snippets zu "Random Violence" besteht.


Fazit:
Was wie nebenbei entstandenes Abfallprodukt wirkt und im Rap-Game auch ungefähr eine entsprechende Beachtung erfuhr, ist fast auf einem Level mit Jak's eigentlichem Album, "Random Violence". Die gewohnte Rap-Show profitiert vom aschigen Bezug, den die Creative Juices-Heads aus der Hand schütteln. Atmosphärisch ist "Dump Sites" fast noch dichter als das folgende Album, düsterer ist es auf jeden Fall. Wer kein Problem mit dem etwas kläglichen Äußeren der Scheibe hat, sollte nicht zögern und versuchen, eine Copy in die Hände zu bekommen. Für Neueinsteiger in Sachen Jak Progresso sei jedoch vorerst "Random Violence" empfohlen; wer jedoch Hunger auf mehr hat, der wird mit "Dump Sites" mehr als gut bedient. In diesem Sinne sei mit der Ankündigung, die unter der Tracklist prangt, abgeschlossen: "The king shall arrive soon..."

Gesamtwertung: 7.0 / 10

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Krumb Snatcha - Hidden Scriptures

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Release Date: 05. Mai 2009
Label: Str8 Up Entertainment / Mind Power Entertainment

Tracklist:
01. The Way
02. Triumph
03. L.O.V.E.
04. Hold It Down
05. Still Be Me (Feat. Lex Boogie & Blacastan)
06. Street Merchant
07. Secret
08. Feeling
09. Hidden Scriptures
10. The Light
11. Mind Power
12. Explanation (Feat. Lex Boogie & Pops)
13. Garden Of Eden
14. Heaven On Earth
15. Yesterday
16. East Is Back
17. Underground Ambassadors (Feat. Afu-Ra)
18. Leavin
19. Begins



Für ihn hatte eigentlich alles so schön begonnen: Mit seiner Mitgliedschaft in der Gang Starr Foundation und der "Snatcha Season Pt. 1" gelang Krumb Snatcha ein Start nach Maß. Doch dann verlief sich alles im Sand. Die Veröffentlichungen, die in der Zwischenzeit erschienen sind, verloren sich mangels fehlender Relevanz im großen Meer der Ostküsten-Releases. Ein Umstand, der sich sich mit dem neuen Album ändern soll: KS ist zurück mit 19 brandneuen Tracks aus seinen "Hidden Scriptures". Hinter ihm stehen dabei Str8 Up Entertainment und Mind Power Entertainment.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Seit jeher kennt man Krumb Snatcha als bodenständigen MC, der zwar in keiner Weise herausragend ist, dafür durch solide Skills und angenehme Vortragsweise überzeugt. Die richtige Mischung für ein neues Album wären dementsprechend eine starke, ungetrübte Eastcoast-Produktion, kombiniert mit den altbewährten Statements des Krümelschnappers. Um Ersteres zu garantieren, setzt KS auf eine Mischung aus Producer-Größen und fast gänzlich unbekannten No-Names, wobei der Löwenanteil von Letzteren beigesteuert wird. Doch wer Pete Rock, Mr. Walt von den Beatminerz und Large Professor einstreut, der darf sich der Aufmerksamkeit einer gewissen Hörerschaft schon sicher sein. Umso erfreulicher ist es natürlich, wenn auch ein Nickel Plated gleich im Opener ("The Way") zeigt, dass er sein Fach beherrscht (auch wenn die 9/11-Samples etwas deplatziert wirken). Wie zu hoffen war, legt KS keinen merklichen Wert auf aktuelle Trends und orientiert sich an den Werten, die ihn seit Karrierrebeginn begleiten. Genau das ist es auch, was diesem Album als größter Pluspunkt gutgeschrieben werden kann. Mit einer Ausnahme: Auf "Explanation" schleicht sich doch tatsächlich ein wenig Autotune ein - glücklicherweise in einem dezent erträglichen Maße, wie es ohne die derzeitige Autotune-Popularität wohl den wenigsten aufgefallen wäre. Zusammen mit "Heaven On Earth" finden sich hier die langweiligsten Stücke des Albums. Denn wenn in "L.O.V.E." eine Neuauflage der Liebeserklärung an "Hip Hop" geboten wird, lässt sich das verzeihen - nach elf Jahren ist so etwas im Rahmen des Erlaubten. Und während sowohl Statik Selektah ("Hidden Scriptures") als auch Mr. Walt ("Feeling" mit nervtötendem Kanye-Voice-Cut) nur Programm von der Stange bieten, ist es höchst erfreulich, dass die Underdogs Karimbo und Nickel Plated Schwung in die Platte bringen: "Hold It Down" schwingt locker in die Lauscher, "East Is Back" verschafft sich - während KS die Position der Ostküste unterstreicht - mit kräftigen Kicks Gehör. Ganz zu schweigen vom Kracher dieses Albums: Was Karimbo in "Triumph" an Hörnern aufbietet, macht sowohl zusammen mit Krumb's tiefem Stimmorgan als auch mit den Cuts und Scratches in der Hook Sinn und verlangt nach Replay. Nicht unerwähnt bleiben darf Large Pro, der "Mind Power" seine markante Note leiht und dabei ebenso mit Routine überzeugt wie Pete Rock, der "Yesterday" mit gemächlichem Beat und Voice-Sample bestückt und in "Begins" einen (für seine Verhältnisse zugegebenermaßen mittelmäßigen) soliden Ausstieg abliefert. Zuletzt sei noch der einzig wirklich bekannte Gast am Mic erwähnt: Afu-Ra ist ein alter Bekannter, mit dem KS es in "Underground Amabassadors" krachen lässt.


Fazit:
19 Tracks, keine Überraschungen (höchstens die überraschend gute Qualitätsdichte, die man einem KS gar nicht mehr zugetraut hätte) und dafür Eastcoast-Rap, wie er heutzutage sein darf. Krumb Snatcha bleibt bei seinen Leisten, und anstatt bei irgendwelchen neuen Trends zu versagen, bietet er ein gutes Album, das einigen zu langweilig und unkreativ, für andere aber gerade richtig sein wird. Natürlich gibt es auch hier die Erscheinungen und damit folgenden Abstriche, die einem Großteil der Alben dieses Jahr anhaften - die zwingende Aufmerksamtkeit der Hörer hält diese LP beileibe nicht über seine komplette Spieldauer hinweg. Doch wer sich nicht mit Meckern aufhält, sondern sich den positiven Seiten von "Hidden Scriptures" zuwendet, der kann mit Krumb Snatcha's (knapp guter) Arbeit durchaus zufrieden sein.

Gesamtwertung: 6.5 / 10

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Prodigy - Ultimate P

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Release Date: 15. Mai 2009
Label: Module / Ascetic Music

Tracklist:
Disc 1:
01. Intro
02. Bidadidat (Feat. Mobb Deep)
03. People Talkin (Dissin' Jay-Z)
04. Hood Rich
05. So Ill
06. Dissin' 1 Interlude
07. Know The Game (Frankie Cutlass Remix) (Feat. Mobb Deep & M.O.P.)
08. Okay Dunn
09. Mobb Run The Rap Game
10. Power Rap Freestyle
11. Heads Off (Feat. E Money Bags)
12. The Code Part 2 (Feat. Mobb Deep & Tragedy Khadafi)
13. Sold My Soul (Feat. Twin Gambino)
14. Three Stacks (Feat. Twin Gambino)
15. Interlude
16. Project Niggas (Feat. Mobb Deep & Young Buck)
17. Walk With A Shotgun (Feat. Illa Ghee)
18. Interlude

Disc 2:
01. The Gold (Feat. Mobb Deep)
02. Straight Murda (Feat. 50 Cent)
03. Sleep When I'm Dead
04. Somebody Be Dead (Feat. Mobb Deep)
05. Murda Murda (Feat. Tony Yayo)
06. Got Got
07. Interview 2 Interlude
08. That Go (Feat. Keak Da Sneak)
09. I Betcha (Feat. Kokane)
10. We Don't Love Them (Feat. Mobb Deep)
11. Interlude
12. Dissin' 2 Interlude
13. It's Ya Birthday (Feat. Mobb Deep & Twin Gambino)
14. Serial Killer (Feat. 50 Cent & 40 Glocc)
15. U All Right? (Feat. Mobb Deep)
16. Freeway (Feat. Mobb Deep)



Ein neues Prodigy Album? Nein, schließlich sitzt die Mobb Deep Legende für die nächste Zeit hinter Gittern. Wofür sich Module und Ascetic hier die Rechte gesichert haben: nicht mehr als eine Ansammlung an mehr oder weniger unveröffentlichtem Material und B-Ware. Um das Ganze etwas attraktiver einzukleiden, wird der Titel "Ultimate P" aus der Taufe gehoben: "The ultimate Prodigy / Mobb Deep project covering Prodigy and Mobb Deep history, with previously unreleased tracks, from the Golden Age to G-Unit signature and jail...". Laut Ankündigung also alles, was man neben den offiziellen Alben braucht - man darf gespannt sein, wie viel bzw. wenig der großspurigen Ankündigungen wahr ist.

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Dass in Zeiten, in denen Prodigy auf seinem Cover mit Pinkstich posiert, auch der Pressetext flunkert, überrascht nicht im Geringsten. "Ultimate P" ist die alte Leier - Freestyles, Remixes und ein wenig unveröffentlichtes Material. Die ineinandergeblendeten Übergänge geben der Doppel-CD von Anfang an Mixtape-Charakter, die teilweise sehr kurzen Tracks erledigen den Rest. Häufigster Gast ist Havoc, da ein beachtlicher Satz an Mobb Deep-Tracks ins Aufgebot gestreut wurde. So zum Beispiel gleich "Bidadidat", das zusammen mit "Okay Dunn" von Clinton Sparks' 2005er Album entnommen wurde - und schon damals sämtliche Mobb-Fans kalt ließ. Ansonsten hält sich der Anteil der bereits auf den ersten Blick bekannten Songs in Grenzen. Zudem wird das Album eingerahmt von einigen Interludes, in denen Prodigy ein paar der Sprüche, die es auch schon in seinen Blogs zu lesen gab, vom Stapel lässt: Zu viele Garbage-Rapper seien momentan unterwegs, er könne auf der Stelle 100 davon aufzählen und er selbst gehöre selbstverständlicherweise zur privilegierten Selektion, die ihren Platz im Game verdient hat. Ein wenig unglücklich ist die Qualität, die auf dieser Scheibe unter P's Aussagen steht. Lag es nun daran, dass die Rechte für andere Songs nich erkämpft werden konnten, oder an der Tatsache, dass die Tracklist nicht von Mobb Deep-Fans zusammengestellt wurde: für eine "ultimative" Zusammenstellung an Schubladenmaterial von Mobb Deep bzw. Prodigy ist "Ultimate P" eher kläglich. Da schlummern Diamanten von weitaus höherem Karat in den Archiven - man erinnere sich nur einmal daran, was es auf "The Dunn Language" zu hören gab. Denn auch wenn man sie bereits kennt - inoffizielle Klassiker wie "Back At You" hätte ich persönlich bei einem solchen LP-Titel durchaus erwartet. Doch die Zahl der wirklich zu Recht vertretenen Songs ist nicht groß, aus den 90ern ist es ganz offensichtlich nur ein Song: Der "Power Rap Freestyle" (vom QB Finest Album) klingt als einziger nach dem Prodigy, wie man ihn aus seiner Blütezeit kennt - und ist auch deshalb bei den besten Songs einzuordnen. J-Love's "Mobb Misses" lassen bei "We Don't Love Them Hoes" (schon bei jenem Mixtape einer der schlechteren Tracks) grüßen und mit "Freeway" wird eiskalt der Freestyle über Freeway's "Flipside" von "Infamous Allegiance" ins Feld geführt. Es finden sich noch eine ganze Reihe an weiteren fremden Beats - doch Klassiker von "The Chronic" und "Doggystyle" ("Mobb Run The Rap Game", "Serial Killer") braucht man nicht mit Neuinterpretation von Mr. P. Während aus den Sessions mit Sid Roams Restmaterial verwendet wird, ist "Three Stacks" eiskalt vom Album "H.N.I.C. Pt. 2" selbst. Dass es "Sleep When I'm Dead" hingegen nicht geschafft hat, ist kein Wunder. "Sold My Soul" klingt plastisch unattraktiv nach Sid Roams, stammt aber aus Havoc's Hand. Von den Gastauftritten sollte man sich auch nicht viel erwarten: "The Code Part II" unterscheidet sich nur im (schlechteren) Beat vom Original, Gambino kämpft mit den Sid Roams-Sounds, die G-Unit sollte eigentlich gar nicht erwähnt werden und Vögel wie Keak Da Sneak sind hier - ohne über sie zu urteilen - auf dem falschen Album. Wie das seinerzeit (1996 / 1997) bombenstarke "Know The Game" mit neuem Beat verunstaltet wurde, grenzt an Vergewaltigung. Lediglich "Heads Off" mit E Money Bags (ebenfalls zu finden auf dem Kay Slay Tribut-Mixtape) gehört hierher. Amüsanterweise findet sich gerade in den "Interludes brauchbares Material, das sich mit DJ Clue's "The Gold" bei den stärksten Momenten der Kollektion einreiht. Dort darf auch Alchemist's "Somebody Be Dead" nicht fehlen. Damit hat man jedoch alle nennenswerten Punkte abgeklappert. Der Jay-Z Diss ist ein schlechter Witz ("I got more money and I got more power" - eiskaltes Leugnen der Realität?!), und auch sonst scheint P teilweise nicht mehr ganz sauber zu sein:

"Mobb Deep is better than God, better than Jesus
More popular than Allah in the hood, in the street it's
Only us that these niggas are listenin to
Our book is a new bible
"


Fazit:
Nüchtern betrachtet ist "Ultimate P" nicht übermäßig schlecht (mit einigen Ausnahmen). Doch der Deutschlehrer würde diese Scheibe als Themaverfehlung abwatschen. Für Mobb Deep-Fans ist sie uninteressant, da die Fans die lohnenswerten Songs bereits kennen, für Neueinsteiger oder diejenigen, die nur mit den offiziellen Alben vertraut sind, wird hier einfach kein repräsentatives Gesamtbild abgegeben. Unter einem anderen Namen, unter anderer Sicht auf sich selbst würden diese Kritikpunkte entfallen. Doch was ein "Ultimate P" sein will, das muss mehr bieten. Hier hat man eine Ansammlung, die vor allem das Second-Hand-Material der qualitativ ärmeren neuen Zeiten abdeckt, in seiner eigentlichen Funktion jedoch versagt und auch ganz unter Ausblendung all dieser Umstände etwas magere Kost ist.

Gesamtwertung: 4.0 / 10

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C-Rayz Walz - Who The F%@k Are You?

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Release Date: 10. Februar 2009
Label: Kings Link Records

Tracklist:
01. Original Intro
02. The Art of Energy
03. Spread News
04. Love New York (Feat. Karniege, Vast Aire, Access Immortal, Poison Pen & Lady Pseudo)
05. In Your Soul (Feat. Slug, Samuel & Sum In One)
06. Needle In Ya Arm (Feat. Couture Ink & Lakey The Kayidee)
07. Infected
08. Oxy Killa (Feat. Major League)
09. Hot Sauce (Feat. Klu Shiesty & Lady Pseudo)
10. Deeper Feelings (Feat. Echo1)
11. Crazy King (Feat. Bateria)
12. Whiskey Mechanics (Feat. Roman E Gripp)
13. Red, White & Blue (Feat. Sonni Shine & Lee G)
14. OverSitChu
15. The Twins
16. The Family Crest (Bonus Track) (Feat. Swave Sevah)



Wenigen MCs schlägt in diesem Rap-Game mehr Sympathie entgegen als der charismatischen Person des C-Rayz Walz. Das hält den Rapper aus der Bronx jedoch nicht davon ab, sich mit dem Staat in die Haare zu kriegen. Das Ergebnis: Statt der angekündigten Veröffentlichung des dritten Teils der "Collectable Classics"-Reihe (von der 2007 "The Dropping" und "Chorus Rhyme" erschienen) wandert Walz hinter schwedische Gardinen, während er sich mit dem FreeRayzWalz-Projekt im Gespräch hält. Nun ist er wieder frei und kommt beim neuen Label Kings Link Records unter. Das neue Album soll unter dem Titel "Original Recipes" erscheinen, muss aber aufgrund eventueller rechtlicher Probleme umbenannt werden - womit man beim letztendlichen Ergebnis angelangt ist: "Who The F%@k Are You?", einem weiteren Teil Walz' beeindruckender Diskographie.

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Bei zwei seiner jüngsten Alben versuchte es C-Rayz mit Beats von jweweils nur einer Quelle, nämlich von Parallel Thought bzw. Sharkey. Hier wird, ähnlich wie bei "The Dropping", eine Vielzahl meist höchst unbekannter Produzenten auf den Plan gerufen. Wer nach bekannten Namen sucht, der wird bei Dub Sonata fündig. Die Gästeliste sieht dagegen ein wenig anders aus: Teilweise schlägt sich das neue Label in Form des Auftritt der Kollegen von House Of Repz durch. Außerdem finden sich auch hier nicht wenige No-Names, davon abgesehen kann das Album jedoch mit einigen Hochkarätern der Szene protzen. Doch wen stört das schon, schließlich ist auf einem C-Rayz Walz Album eine zu große Anzahl an Gästen nie gut und es sollte schnell offensichtlich werden, dass "Who The F%@k Are You?" mit seinen Produktionen steht oder fällt. Wünschenswert wäre natürlich ein leicht abstraktes Szenario, in dem es sich die ebenso abstrakten Reime von Waleed Shabazz bequem machen. Weniger erfreut ist der Fan, wenn er sich im austauschbaren und alltäglichen Teich eines Standard-NY-Releases dieser Zeit wiederfindet. Da weckt der Anfang des Albums gemischte (doch überwiegend positive) Gefühle: "The Art Of Energy" kreiert, gebettet in eine Trasse aus erstaunlich knochigen Drums, in der Tat die Art von Atmosphäre, in der sich die Raps von Walz voll entfalten können. Und "Spread News" hat zwar ebenfalls ein stark am herkömmlichen BoomBap orientiertes Gerüst, bekommt von Dub Sonata jedoch wunderbar luftige Sommerklänge aufgedrückt. Doch der gute Start wird schnell abgebremst. NY-Sound nach Maß ist es, was fast jeder hier beteiligte Produzent serviert. Zu C-Rayz' großem Glück geht das in einigen Fällen noch äußerst gut aus; Tracks wie "Needle In Ya Arm" hingegen lassen den durchschnittlichen Hörer so kalt wie die Jahreszeit der Veröffentlichung - und zwar wieder einmal nicht, weil man hier schlechte Kost vorgesetzt bekommt, sondern weil die Langeweile Überhand nimmt - daran rüttelt auch Besuch von der Queensbridge (Lakey The Kid) nichts. In dieselbe Kategorie fallen desweiteren: "Hot Sauce" mit mehr als nur blassen Gästen, das lahme "Crazy King" und das harmlose "OverSitChu". Ordentlich dämlich wird es mit "Oxy Killa" und einer Mülltonnen-Hook. Ansonsten gerät das Album erwartungsgemäß erträglich und kann an einigen Stellen sogar dick punkten: "Red, White & Blue" sollte sich thematisch selbst erklären und könnte zudem, abgesehen von den Raps, im Radio laufen, was es seiner Ohrwurm-Hook zu verdanken hat. Das klingt alles sehr nach verwerfbarem Hip-Pop, funktioniert aber erstaunlicherweise hervorragend. New York-Gipfeltreffen und -widmung ("I'm talkin' bout the city - she got rotten milk in her titties") gibt es in "Love New York", in dem ein Access Immortal zwar gegen das fürstliche Duo Vast-C-Rayz untergeht, das jedoch trotzdem Spaß macht. Auch die gefühlvolleren Tracks wie "In Your Soul" (mit einem weiteren hochkarätigen Gast) oder "Deeper Feelings" sind schlichtweg gut. Abschließen darf eine starke Hommage an Guru und DJ Premier, abgehalten mit Stronghold-Bruder Swave Sevah:

"Make niggas put up or shut up when they step in the arena / Kill with the skills, send the militia to clean up / [...] / To go for the gusto, collect more figures / Started just to get a rep, but now the rep grows bigga".


Fazit:
Nach dem ersten Durchhören muss man enttäuscht zugeben: Hier ist genau das passiert, was nicht hätte passieren dürfen: Dieses Album ist mit seinem Sound alles andere als besonders. Gibt man dem Album mehr Zeit, wird man trotzdem feststellen, dass sich hier, zwischen den verschmerzbaren Skip-Tracks, einige Anspielstationen finden, die auch auf lange Zeit gesehen wertvoll bleiben. Als Richtlinie gilt jedoch weiterhin: bei den Produktionen etwas mehr wagen und einige der unnötigen Gäste streichen. Denn trotz Sympathiebonus und den guten Momenten reicht es für "Who The F%@k Are You?" nicht zu einem durchwegs guten Album - hier scheitert C-Rayz knapp an der 3,5er-Hürde.

Gesamtwertung: 6.4 / 10

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Dienstag, 12. Mai 2009

Roc C & IMAKEMADBEATS - The Transcontinental

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Release Date: 15. Mai 2009 (D) / 19. Mai 2009 (US)
Label: E1 Entertainment

Tracklist:
01. Introduction (Feat. Not Dr. Trevis)
02. Still Here
03. Just A Man
04. Warrior (Feat. Rapper Big Pooh & Chino XL)
05. Ox To Ozone (Feat. Midaz The Beast)
06. The Official Smash Mouf
07. Imagine That (Feat. Felony)
08. All Im Asking (Feat. Viva)
09. By Any Means
10. Struggle (Feat. Oh No)
11. Whisper Music
12. Won't Fall (Feat. Prince Po & Rakaa Iriscience)
13. Hit The Floor (Feat. Pok Dog & Wildchild)
14. The One You Love (Feat. Mic Geronimo)



Man muss zugeben: Es ist nicht die alltäglichste Kollabo, die mit diesem Duo zusammengefunden hat: Roc C aus Oxnard, der Neuling, der 2005 auf Stones Throw sein bis dato einziges Album veröffentlichte und der ebenfalls bisher wenig in Erscheinung getretene IMAKEMADBEATS, der schon in halb Amerika gewohnt hat und derzeit in Brooklyn residiert. Der Beat-Bastler mit dem markanten Afro-Logo kommt erstmals über Mic Geronimo mit seinem zukünftigen Partner in Kontakt. Die Chemie stimmt sofort und aus einem Song werden mehrere, bis schließlich ein komplettes Album, "The Transcontinental", seinen Weg in die Läden findet.

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Komplett in Schwarz und Weiß ist sowohl das Cover als auch der Rest des Designs gestaltet. Auf der einen Seite hebt das natürlich die Gegensätze der Scheibe hervor, die zusätzlich auch noch mit einer breiten Auswahl an Gästen verstärkt werden. Andererseits jedoch sieht das Cover wie eine halbfertige Skizze aus, wie ein Work In Progress, dessen Vollendung vergessen wurde. Beide Assoziationen lassen sich auch tatsächlich aufs Album projizieren. Auf jeden Fall ist es potentiell höchstinteressant, wenn diese zwei unterschiedlichen Charaktere aufeinander stoßen: Roc C, der Street-Rapper im Stones Throw-Käfig voller Exzentriker, und IMAKEMADBEATS, der bisher weit unten in den Sphären des New Yorker Underground seine Kreise unter seinesgleichen zog. Doch genau hier setzt sich dem Album nach dem ersten Hördurchgang das große Fragezeichen auf, das auch nicht verschwinden will. NeMo, so der Zweitname von IMAKEMADBEATS, klingt, als wolle er es seinem Reimpartner mehr als nur rechtmachen - von kompromisslosem Eastcoast-Sound ist hier nicht mehr viel zu hören. Stattdessen ist die Sound-Fusion irgendwo auf der Hälfte ihres transkontinentalen Flugs abgestürzt. Roc C, der stimmlich irgendwo in der Mitte der (zugegeben, sehr großen) Spanne zwischen Ras Kass und Braille liegt, eröffnet in "Still Here" zu einem Beat, dessen Sample allen Kool G Rap-Hörern noch allzu gut in Erinnerung sein wird. Was ein für dieses Duo unglücklicher Zufall ist, sagt trotzdem etwas über NeMo's Arbeit aus: Sie klingt an vielen Stellen zu beliebig. Doch es soll nicht alles schlechtgeredet werden: Wenn IMAKEMADBEATS seine Kollegen im Gepäck hat, dann funktioniert es: "Ox To Ozone" klingt zwar mehr nach Ox als nach Ozone, weiß mit MidaZ The Beast jedoch zu unterhalten, und auch "Imagine That" mit Felony ist durchwegs solide. Später dann klappt es auch alleine: "Whisper Music" spielt mit kräftigem Bläser-Hintergrund so ganz und gar nicht auf Flüster-Niveau und direkt im Anschluss kämpft sich das ungleiche Dreigespann Po-Roc-Rakaa erfolgreich durch das in ähnlichen Sound-Gefilden spielende "Won't Fall". Die zweite außergewöhnliche Kombo kommt mit Big Pooh und Chino XL zusammen und erklärt sich als "Warrior"s. Doch hier offenbart sich ein neues Problem: Hooks werden auf dieser Scheibe anscheinend gerne versemmelt: "Just A Man" geht ebenso nach hinten los wie "Struggle", das förmlich nach der Skip-Taste schreit. Da sich beim Rest nichts Nennenswertes mehr findet und da auch mit Ox-Kumpel Wildchild nichts gerissen wird, gibt es zu diesem Album nicht mehr viel zu sagen.


Fazit:
Mit diesem Endprodukt darf man, ganz gleich ob Fan oder nicht, sagen: Dieses Projekt bleibt unter seinen Möglichkeiten und ist damit in der Tat eine Enttäuschung. Vor allem IMAKEMADBEATS ist es, der zu geglättet erscheint. Interessant wäre es gewesen, zu hören, wie Roc C auf einem schmutzigen NY-Beat klingt - nicht, wie Roc C über einen Allerwelts-Beat spittet. Leider versinkt "The Transcontinental" damit im breiten Sumpf der Langeweile, zeigt mit einigen guten Tracks, was hier möglich gewesen wäre, wird aber in einem halben Jahr völlig in Vergessenheit geraten sein. Roc C und NeMo retten sich mit Ach und Krach über die 50%.

Gesamtwertung: 5.5 / 10

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Sadat X - Brand New Bein'

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Release Date: 05. Mai 2009
Label: Ground Original

Tracklist:
01. All For One '08
02. Nuthin' (Feat. C.L. Smooth)
03. Go Slow (Feat. Jak D & Twan)
04. Breathe Interlude
05. Blow Up Da Spot (Feat. KRS-One & Rahzel)
06. The Natural
07. Lyrics? (Feat. Craig G)
08. Bullseye (Feat. Buckshot & Jak D)
09. Goin' Back
10. Brand New Bein' (Feat. Lord Jamar & Grand Puba)
11. Unforgettable (Feat. Poison Pen & Jak D)
12. Wait A While (Interlude)
13. Teach The Children
14. Gamer (Feat. C-Rayz Walz & Okwerdz)
15. Smallest Violin (Feat. Jak D & Craig G)
16. I Can't Forget... (Outro)



Da ist er schon wieder. Nur ein halbes Jahr ist es her, dass zusammen mit Will Tell von der Brooklyn Academy das letzte Album "Generation X" erschien. Für sein neues Werk heuert Sadat X bei DJ JS-1's Label Ground Original an, eine Komplettproduktion von JS-1 gibt es gratis dazu. "Brand New Bein'" heißt der neue Longplayer und ist die nunmehr sechste Veröffentlichung des Mannes mit der markanten Stimme. Damit bleibt er unter seinen Brand Nubian-Brüdern derjenige mit dem höchsten Output (selbst wenn Grand Puba ebenfalls mit neuem Material an den Start geht). Um mit der Zeit zu gehen, erscheint dieses Album mit einer zweiten, einer MP3-CD mit u.a. Instrumentals und Acapellas.

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Ganz im Gegensatz zu "Generation X" ist "Brand New Bein'" nicht gerade Feature-arm: Craig G, Buckshot, KRS-One und C.L. Smooth treffen sich zur gemütlichen Seniorenrunde, die sich untereinander auch nicht fremd ist. Hinzu kommt JS-1, ebenfalls ein Veteran. Zusammen mit der einen Hälfte von Cold Heat (Johnny Walker) produziert er das Album, während Jak Danielz (der Rest von Cold Heat) am Mic ganze vier Auftritte verbucht. Wer nun den letzten Auswurf von X gehört hat, der wird sich erinnern, dass Will Tell natürlich ebenfalls auf BoomBap gesetzt hat, doch trotzdem bemüht war, seine Beats nicht zu rückständig wirken zu lassen. JS-1 und JW machen in diesem Hinblick nicht die geringsten Anstalten: "Brand New Bein'" verdient sein Adjektiv beim besten Willen nicht, lediglich das Wortspiel verbleibt. Doch so negativ muss das garnicht gesehen werden: Wo mit "All For One '08" in recht überflüssiger Weise Altes aufgekocht wird, macht es sich "Nuthin'" mit Altmeister C.L. Smooth so charmant smooth in den Hörgängen gemütlich, dass man sich ungemein an alte Zeiten erinnert fühlt. Denn das vermag JS-1 von Zeit zu Zeit: Wo jedes zweite Release die Rückkehr zur goldenen Ära verkündet, steigt man auf dieser Scheibe teilweise tatsächlich in die Zeitmaschine. Daran, dass dieses Album nicht besonders ist, würde auch eine 15 Jahre frühere Veröffentlichung nicht rütteln. Die geschlossene Atmosphäre ist da, nennenswerte Highlights und Eigenheiten fehlen. "Goin' Back" kann inhaltlich so weit zurückreisen, wie es will - hier passiert nicht viel. "Unforgettable" alias "When Sampling Goes Wrong" zerstört sich seine Hook mit deplatziertem Voice-Sample, in "Go Slow" ("Don't label me underground, cause that means no money / That's a term they made to keep real dudes from getting paid") fährt Sadat einmal mehr die Nostalgie-Schiene, hätte dabei aber Twan lieber links liegen lassen. Ab und an vermögen die allesamt relaxten Sounds zu überzeugen: "Brand New Bein" ruft logischerweise Lord Jamar und Grand Puba auf den Plan, während man außerdem "The Natural" und "Teach The Children" (dessen Thematik der als Lehrer ausgebildete Sadat gut präsentiert) im Gedächtnis behält. Erwähnenswert ist außerdem noch "Gamer" mit Konsolen-Beat und starkem Auftritt von C-Rayz Walz. Die Thematik ist dabei natürlich nicht neu: "Still fuck with the games and I'm a grown ass man / Walk around with the stick in my hand". Nachdem KRS und Craig G gekommen und wieder gegangen sind, gibt ein klassisches Shoutout-Outro ("I Can't Forget...") den Abschied.


Fazit:
In einigen Punkten hebt sich Sadat X' jüngstes Werk von anderen Releases seiner Zeit ab, in anderen finden sich Parallelen: So ist der Sound in der heutigen Zeit durchaus nicht der alltägliche und kann an einigen Stellen auch mit wahrem Renaissance-Faktor glänzen. Noch dazu sind sowohl die Gäste als auch Sadat X selbst die richtigen Emcees, um im Jahr 2009 über solche Instrumentals zu flowen. Auf der anderen Seite verwehrt genau diese wissentliche Verschränkung gegenüber jeglichen überraschenden Elementen dem Album eine Wertung im gehobenen Bereich. Was zur Frage führt, ob man von Sadat X überhaupt ein visionär-kreatives Album will. Die Antwort ist wahrscheinlich "nein". Deshalb ist "Brand New Bein'" absolut nicht falsch, denn es zeigt den Veteranen X, wie man es erwartet hat. Zwar nicht aufregend und beileibe auch kein Muss, aber es gibt wesentlich schlimmere Entscheidungen, als in dieses Album reinzuhören.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

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Fabio Musta - Passport

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Release Date: 12. Mai 2009
Label: Babygrande Records

Tracklist:
01. Intro
02. Open Up Their Eyes (Feat. Jeru The Damaja)
03. Hassa (Feat. Termanology)
04. Do It (Feat. T3 (of Slum Village))
05. I Still Want More (Feat. Akrobatik)
06. Keep It Tight (Feat. Strong Arm Steady)
07. Famous Type (Feat. Manifest)
08. Across The Map (Feat. Main Flow & Freestyle (of Arsonists))
09. I'm Ready (Feat. Substantial & Elias (of Scribbling Idiots))
10. Italian Roots (Feat. Copywrite)
11. Crossroads (Feat. Kool Sphere (of Verbal Threat))
12. Real Rap Music (Feat. Reks)
13. Hands Of Time (Feat. Wyld Bunch)
14. Feel It (Feat. Guilty Simpson)
15. Antiopnionisti (Feat. Paura & Clementino)
16. Senza Di Te (Feat. Ghemon & SoulShine)



Im Hause Babygrande sind die Lichter noch lange nicht aus. Zwar sind einige der treusten Imprints von dannen gezogen, und es gab Gerüchte um mehr als nur eine krumme Aktion (u.a. die bisher immer noch nicht wirklich geklärte BSBD / Jean Grae-Geschichte), doch das hindert Imperator Chuck Wilson nicht daran, weiter nach vorne zu blicken. Mit Stolz betont er, wie vielen Artists sein Label eine Chance gegeben hat - trotz harter Zeiten in Sachen Verkaufszahlen. Ähnlich wie schon bei den Snowgoons ist dieses Projekt ein internationales: Diesmal führt die Reise nach Italien, zu Fabio Musta, der mit "Passport" sein weltweites Debüt vorlegt.

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Ob Musta seine beachtliche Gästeliste selbst zusammengetrommelt oder ob er von seinem neuen Label profitiert hat, spielt dabei auch gar keine Rolle mehr. Fakt ist, dass "Passport" mit sämtlichen anderen Producer-Alben aus den Staaten mithalten kann. Besonders ist dabei lediglich, dass ans Ende des Albums zwei Songs mit italienischen Raps gesetzt wurden, die gerade so erahnen lassen, dass der Herr in seiner Heimat eigentlich schon zu den alten Hasen gehört. "Antiopinionisti" ruft Clementino und Paura, dessen 2007er Album Musta komplett produzierte, auf den Plan. Auch Soul-Sängerin SoulShine gehört zu seinem engeren Kreis, und so leiht sie dem sehr entspannten "Senza Di Te" ihre angenehme Stimme. Ist die italienische Einlage für den US-Fan durchaus eine Abwechslung, so muss man sich beim überwiegenden Rest doch fragen: Vermag es Fabio Musta, aus der derzeitigen Flut an Producer-Alben herauszustechen? Die Antwort ist, kurz und bündig: nein. Hier regiert die durch und durch typische Anteilsverteilung auf Rhythmussektion, Samples, Sreicher & Co., wobei auf markante Percussions absolut kein Wert gelegt wird. Samples dagegen halten bei Fabio beständig Einzug. Doch bezeichnend für dieses Album ist es, dass dem durchschnittlichen Hörer der ein oder andere Voice-Cut bekannt vorkommt, dass einem einige Melodien alles andere als neu vorkommen. Standardgast Termanology schlägt sich in "Hassa" mit einem solchen, sonst jedoch durchwegs gelungenen Instrumental herum. Auch sonst ist es das übliche Spiel, das in der gefühlten hundertsten Rezension wieder in neue Worte gefasst wird: Der Sound ist durch die Bank weg sauber, gut, aber nie wirklich bewegend. Die Nummer mit Main Flow erweist sich einmal mehr als Schlaftablette - in "Across The Map" reißt auch ein Freestyle nichts mehr. Jeru The Damaja eröffnet dagegen souverän, wenn in "Open Up Their Eyes" auf die wahren Werte im Musikgeschäft hingewiesen wird ("It's nice to have nice things - but that's not what life is all about"). Auch Reks praktiziert "Real Rap Music", was jedoch ähnlich standardmäßig abläuft wie bei Guilty Simpson (der sich anscheinend in die erste Liga der konstant auftauchenden Feature-Gäste spielen will). Denn auf voller Flamme läuft hier keiner der Gäste. Akrobatik zeigt sich dann jedoch erstaunlich geistvoll, während Substantial gewohnt gute Leistung bringt. Zwischen den anderen Größen erkämpft sich Manifest in "Famous Type" einen der Sonnenplätze, wohingegen Kool Sphere (die Quietschstimme von Verbal Threat - Premo's Schützlingen, die immer noch kein Album zustande gebracht haben) schnell nervig wird. Zu den besten Tracks gesellt sich Copywrite, der in "Italian Roots" erstens mit seinem Instrumental Glück hat und zweitens motivierter als seine Kollegen wirkt.


Fazit:
Spätestens nach 16 Stationen und keinem einzigen Highlight ist überdeutlich: Fabio Musta ist zwar ein fähiger Producer, doch seine Beats könnten gar nicht normaler sein. BoomBap nach Strich und Faden, ohne jegliche Fehler im Gewebe, dafür jedoch auch ohne Überraschung, eigene Marke oder gar Innovation. Man möchte nun argumentieren, dass es auch solche Alben geben muss - denn schließlich lässt sich "Passport" von vorne bis hinten problemlos durchhören. Doch in einer Zeit, in der Alben - ebenso wie Producer-LPs - dieses Schlags zuhauf auf dem Markt geistern, fehlt ein wenig das Verständnis für dieses Projekt. Löblich, dass Babygrande für solche Aktionen offen ist, doch das ändert nichts an der Musik selbst. Mit dieser Leistung wird es schwer für Fabio Musta, sich im internationalen Bereich einen Namen zu machen.

Gesamtwertung: 5.7 / 10

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Oddisee - Mental Liberation

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Release Date: 05. Mai 2009
Label: Mello Music Group

Tracklist:
01. Hip Hop Is Cool Again
02. Let The Music (Feat. LMNO)
03. The Jungle (Feat. Hassaan Mackey & Bilal Salaam)
04. Get Up (Feat. Declaime, Prince Po, YU & DJ Clear)
05. Q n A (Feat. Kenn Starr)
06. Rhymes Get Written (Feat. Silent Knight & XO)
07. Whats Crazy (Feat. J-Live & Stik Figa)
08. Cold For That One (Feat Trek Life)
09. Endure (Feat. Rapper Big Pooh, MED & Georgia Anne Muldrow)
10. Don't Sleep (Feat. Invincible & Finale)
11. Drugs Ourside (Feat. Rapper Big Pooh & Black Milk)
12. When Everything Changed



Eigentlich ist es ja fast schon ein Wunder, dass Oddisee hier sein erstes Producer-Album vorlegt. Wo jeder noch so unbekannte Beat-Heimwerker sein eigenes Album mit Star-Aufgebot auf dem Konto stehen hat, wäre es gerade jemand wie Oddisee, dem ein solches Unterfangen wirklich zustünde und der zum heutigen Tage schon beim fünften Album angelangt sein könnte (seine bisherigen Mixtapes einmal ausgenommen). In den letzten paar Jahren etablierte er sich als Teil der Szene - durch harte Arbeit und eine Vielzahl an Beiträgen bei allen möglichen Rucksackträgern und BoomBap-Vertretern vom mittleren Westen bis nach New York. Dabei beherrscht der in der Hauptstadt ansässige Künstler die Kunst am Mic ebenso selbst, weswegen das über Mello Music erscheinende Debüt eigentlich gar kein Producer-Album ist (auch wenn die Tracklist den Anschein erweckt).

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Oddisee's Umfeld ist ein eingespielter Kreis von Künstlern, von dem immer mehr Namen dem durchschnittlichen Rap-Konsument geläufig sind - Oddisee selbst sollte schon seit längerem dazugehören. Ähnlich der Justus-League zieht man sein eigenes Ding durch, lässt dabei jedoch im Gegensatz zu Little Brother & Co. das Quäntchen Pepp nicht vermissen. Hier kommen einige der bisherigen Weggefährten Oddisee's zusammen und gesellen sich mit ein paar weiteren gutbekannten Mitgliedern der Rap-Gesellschaft ins Line-Up. Mit einem Titel und losen Albumkonzept wie "Mental Liberation" dürfen alle MCs dankbar sein - der hier ausgehängte Themenabend erlaubt es jedem Künstler, dem Hörer seine Ansichten, glasiert mit belehrendem Content, vorzutragen. Den Anfang jedoch macht Oddisee selbst, wenn er in der nicht gerade florierenden Zeit seines Genres feststellt: "Hip Hop's Cool Again". Und so nonchalant, wie er mit seinem Piano auf die Bühne rollt, kauft man ihm das auch ab. Dass nun ein harmonisches Miteinander sämtlicher MCs erfolgt, überrascht nicht: Oddisee's Instrumentale sind meist zurückgelehnt, während der locker-frischen Brise, die aus den Boxen weht, immer eine gesunde Drumline zugrunde liegt. "What's Crazy" führt Kansas-Jungspund Stik Figa mit Veteran J-Live zusammen, in "Rhymes Get Written" ergreifen XO und Silent Knight das Mic, um in gemächlichem Tempo ihren Beitrag zu hinterlassen. Doch nicht nur XO, auch der zweite Emcee (YU), der mit Oddisee selbst noch zum Trio Diamond District gehört, lässt es sich nicht nehmen, hier seine Bars einzurappen - ein wenig Promo für die Gruppe muss schließlich sein (so sind DD ja selbst mit einem Album am Start). "Get Up" ist besagter Track, der wiederum eine interessante MC-Kombo auf die wummernden Bässe loslässt. Neben seiner soliden Leistung am Mic beweist Oddisee Variationsfreude bei seinen Produktionen - für Georgia Anne Muldrow (und ihr nervtötendes Gesäusel) und MED werden also kotzseichte Westcoast-Strings ausgepackt - in diesem Fall keinesfalls ein positiver Kompromiss. Auch der große Pooh glänzt hier nicht gerade. Schade außerdem, dass er nicht gleich noch auf "Cold For That" zugegen ist, da er auf seinem eigenen Album ("The Delightful Bars") über selbiges Sample spittet - mit dem Unterschied, dass die Kicks hier einiges mehr hermachen. Zusammen mit dem eingespielten Detroiter Duo Invincible und Finale heißt es zu einem einwandfreien Beat mit Voice-Sample: "Don't Sleep". Desweiteren gibt sich der Protagonist sowohl bei Reduktion auf Drum-lastige Songs als auch bei liebevoll ausgekleideten Instrumentals keine Blöße: Sei es nun mit Visionarie LMNO oder als abschließendes Instrumental ("When Everything Changed"), ein gewisses Mindestniveau hält sich. Das heimliche Highlight sei zum Schluss noch erwähnt: "Q & A" ist ein Paradebeispiel, wie aus Altbewährtem Gutes hervorgehen kann. Kräftige Drums und ein Voice-Sample unterstützen Oddisee, wenn er mit Low Budget-Bruder Kenn Starr ("Just because I don't be mentionin' bitches / Doesn't mean I don't say it if the description is fittin'") auf leider nur zweieinhalb Minuten heißläuft.


Fazit:
Hier eine Wertung zu finden ist schwer. Oddisee zeigt mit seinem Debüt Wandlungsfähigkeit (in bestimmtem Maße), einen lockeren Sound und eine überzeugende Rap-Leistung. Und auch wenn es nicht gerade viele sind, so hat man auch ein paar Highlights. Ein Skip-Track geht negativ in die Bilanz ein, womit man vor der Frage steht: Ist dieses Album nun "gerade noch gut" oder im obersten Durchschnitt? Ausschlaggebend ist schließlich, dass "Mental Liberation" zu wenig Eigenheiten hat, um auf lange Sicht im Gedächtnis hängen zu bleiben. Ein wenig mehr Low Budget, ein wenig mehr eigener Sound und ein wenig weniger Big Pooh (wobei die Zahl der überall zu hörenden 08/15-Feature-Rapper schon erstaunlich gering ist) hätten dem Album gut getan. So bleibt "Mental Liberation" ein Album, das allen Liebhabern des bürgerlich-relaxten BoomBap schwerstens zu empfehlen ist, das auch problemlos anhörbar ist, das jedoch weit davon entfernt ist, etwas besonderes zu sein.

Gesamtwertung: 6.2 / 10

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Donnerstag, 7. Mai 2009

Phil Anastasia - The Outfit LP

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Release Date: 05. Mai 2009
Label: Chamber Musik Records

Tracklist:
01. Where We From
02. The Outfit (Feat. Dyverse The First, Rahsaan, Lounge Lo, Shyheim, Dr. Ama, Neph-E-Neph: The Last American B-Boy & King Just)
03. Aqui Mando Yo (Feat. Streetlife & Rock)
04. Track's The Proof (Feat. Sence, Scrap & Lot-A-Nerv)
05. The Way
06. Pass It On (Feat. Lounge Lo, Rashaan, Dyverse The First, Neph-E-Neph: The Last American B-Boy & King Just)
07. P Knuckles (Feat. Dr. Ama, Lounge Lo & Raekwon)
08. Mack-A-Docious (Feat. Cappadonna, Dyverse The First & Kofi Black)
09. The Last American B-Boy (Skit)
10. Diesel feat Vin Andreassi
11. What If (Feat. Rashaan & Lazy K)
12. Gangsta Pimpetry
13. We Came To Fuck With You (Who Wanna Fight - Outfit Mix) (Feat. King Just, Dyverse The First, ParaDox, Neph-E-Neph: The Last American B-Boy, Rashaan & Lounge Lo)
14. No Guts No Glory
15. Symphonies (Feat. Inspectah Deck, Neph-E-Neph: The Last American B-Boy & Sean Price)



Das letzte Stück der Chamber Musik-Release-Flut innerhalb eines Monats stammt von Phil Anastasia: Geboren in Brooklyn, aufgewachsen in Staten Island - ein New Yorker durch und durch. Durch sein Äußeres weiß er sich auch schon vom herkömmlichen Rapper zu differenzieren: Mit Anzug und markanter Gesichtsbehaarung steht der Weiße neben seinen schwarzen Kollegen. Letztere sind alle Teil der Crew, die sich lose um Anastasia gebildet hat. Und was sich schnell als Vermutung aufdrängt, entspricht auch der Wahrheit: Dieser Herr lebt von Vitamin B. Und wer irgendwann ins Umfeld eines Raekwon rutscht, hat diesbezüglich gute Voraussetzungen. Man befindet sich also wieder einmal mit einem Fuß im Wu-Umfeld, was die Label-Wahl sowie die vertretenen Gäste auf "The Outfit LP" mehr als logisch macht.

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"The Outfit", das steht nicht nur für dieses Album, nicht nur für dessen belächelnswertes Cover, sondern auch für den Namen der oben schon erwähnten Crew, in der sich eine ganze Reihe an schon bekannten Gesichtern wiederfindet: Old-Timer King Just, Lounge Lo und Dark Skinned Assassin (der parallel zu diesem Album auf CM sein Debüt veröffentlichen darf) führen schon länger im Wu-Universum ein Schattendasein. Rashaan, Dyverse The First und Neph-E-Neph: The Last American B-Boy hingegen sind dem durchschnittlichen Hörer nicht bekannt. "The Outit LP" ist also der Soundtrack und die Eigendefinition dieses Projekts. Nicht fehlen darf dabei P Version: The King, der die komplette Scheibe produziert und sie laut Pressetext mit einem Mash aus Rock und HipHop versieht. Was genau das bedeutet, eröffnet gleich zu Beginn "Where We From": Ein paar einfallslos aneinandergereihte Akkorde werden durch den Verstärker gepresst und fertig ist die pseudo-kreative Mischung. Hinzu kommt Phil's platter Flow, dem jegliches Feingefühl abgeht. "Staten Island ist jetzt hier, alle Faggot-MCs kriegen auf die Fresse" - mit solchen und ähnlichen Inhalten fühlt man sich teilweise wie im falschen Film. Glücklicherweise ist die Bezeichnung Solo-Album für dieses Projekt sowieso wenig angebracht, und so kann man darüber hinwegsehen, dass der Protagonist selbst kein begnadeter MC ist - seine Gäste sind es durchaus und spitten ihn somit auch allesamt an die Wand. Dies zeigt erstmals "The Outfit", das als Vorstellung der Crew-Mitglieder dient, bei dem P Version den Fokus mehr auf anstandslosen Headnod-HipHop legt und das somit einen schwer gelungenen Posse-Track und ein Highlight des Albums darstellt. Leider dümpelt (wie angekündigt) ein großer Teil der Platte in einem äußerst seichten Metal-HipHop-Matsch, der am Sinn der Sache gehörig vorbei geht. "Gangsta Pimpetry"? Nein, danke! "No Guts No Glory" scheitert mit den gleichen Zutaten, ebenso wie "P Knuckles", in dem sogar die sonst souveränen Gäste ein wenig verloren wirken. "We Came To Fuck With You" zieht zwar etwas härtere Saiten auf, bleibt jedoch (nicht zuletzt dank der völlig deplatzierten Hookline) ebenso plump wie mittelmäßig. Da ist es geradezu schade mit anzusehen, wie Rock und Streetlife auf "Aqui Mando Yo" über einen weiteren abgedroschenen Beat verheizt werden. Nicht anders ergeht es Cappadonna im schnell vergessenen "Mack-A-Docious", während die Outfit Crew immerhin im Party-Track "Pass It On" Stimmung macht. Wenn auch inhaltlich keine Erleuchtungen, so gehen die beiden ruhigen Nummern "The Way" und "What If" in Ordnung. Erwähnenswert bleibt nur noch "Symphonies", das puren Eastcoast HipHop praktiziert und auch noch bestens besetzt ist: Mit Inspectah Deck und Sean Price ("I take hard drugs - I graveyard thugs") gibt es einen erstklassigen Ausstieg.


Fazit:
Der durchschnittliche Rap-Hörer, der weder Chamber Musik-Releases explizit verfolgt noch Phil Anastasia-Fan ist, wird dieses Album am Rande des Blickfelds seiner Aufmerksamkeit kurz bemerken. Vielleicht wird er sich noch über die namenhaften Gäste wundern, die Phil zusammentrommeln konnte - doch wahrscheinlich wird er die "Outfit LP" an sich vorbeiziehen lassen. Dazu kann man, sofern man das Album gehört hat, nur sagen: Verständlich. Phil selbst ist ein höchstens mittelmäßiger MC, sein Album lebt von den vielen Gästen. Die Produktionen sind meist durchschnittlich, teilweise schwach. Und die Zahl der wirklich empfehlenswerten Tracks lässt sich an einer Hand (der auch ruhig ein Finger fehlen darf) abzählen. Sonst ist die Outfit Crew allerdings ein durchaus interessanter Haufen, der mit einem fähigen Produzenten im Rücken zu einem starken Release fähig wäre. Hier jedenfalls bleibt in der Endsumme keinesfalls mehr als Mittelmaß.

Gesamtwertung: 4.9 / 10

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Super Chron Flight Brothers - Indonesia

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Release Date: 20. April 2009
Label: Backwoodz Studioz (Free Download)

Tracklist:
01. Xanax
02. Broccoli
03. African Robotics
04. Occam's Razor
05. The Big East
06. Florida Ki's
07. News & Notes
08. La Da
09. Wings
10. Once Were Kings
11. Gatwick
12. John McCain
13. Reconstruction
14. SubPop
15. Sendero Luminoso
16. The Constant Gardeners
17. Open Doors



Eine unschöne Sache: Da arbeiten die Super Chron Flight Brothers am Nachfolger zu ihrem 2007er Debüt "Emergency Powers" und bekommen eine ganze Palette an Beats, die so gar nicht ins Konzept passen wollen, aber trotzdem zu schade sind, sie links liegen zu lassen. Die Lösung des Problems: Ein Nebenprojekt, auf dem die Beats verwertet werden. Gesendet wurden sie von DJ Marmaduke, der für das Backwoodz-Camp schon seit längerer Zeit als Beat-Bastler tätig ist. Der Titel "Indonesia" rührt von einer Reise zu selbigem Land, die Billy Woods und Priviledge vor einiger Zeit unternahmen. Die Folge ihres Aufenthalts: Ihr Hotel nimmt seither keine Afro-Amerikaner mehr auf.

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Um das Projekt, dessen Reifeprozess nicht der längste war, für die Fans attraktiver zu machen, wird es am 20. April, dem inoffiziellen Tag für alle Pot-Liebhaber, als kostenloser Download veröffentlicht. Sinnlosen Fun-Rap gibt es deswegen natürlich nicht. Im abstrakten Netz der Rhymes des Duos finden sich weiterhin eine Vielzahl an Allusionen und Metaphern - eine gezielte Richtung lässt sich dabei jedoch nicht feststellen. Da Marmaduke anscheinend nicht sonderlich viel geschickt hat - oder aber ein Teil seiner Beats doch nicht so berauschend war, wird das Album mit einer Reihe an anderen bisher ungenutzten und bestimmungslosen Beats aufgefüllt, die vornehmlich von Dr. Monokrome, einem weiteren Mitglied der Backwoodz-Schmiede, stammen. Wie schon dem Presse-Text zu entnehmen, bewegen sich die Beats in einer großen Spanne, die auf Eckpfeilern des HipHop und allerlei Electronica balanciert. Eigentlich bei diesen Künstlern nichts Ungewöhnliches. Doch was hier zusammengeschraubt wurde, bewegt sich teilweise in der Grauzone zwischen Musik und Geräuschanhäufung. Wenn sich wie in "Occam's Razor" auch noch eine vollkommen eigenwillige, schräge Hook dazumischt, hat der Spaß jedoch sogar für hartgesottene Backwoodz-Fans ein Ende. Hinzu kommen die beiden nicht minder eigentümlichen Stimmen und Rap-Stile von Woods und Edge, die mit den schwerfällig-betonten Worten von Ersterem und dem hell-dünnen Flow von Zweiterem unterschiedlicher nicht sein könnten. In ihren Einzelteilen eventuell berechenbar, wird diese Mixtur auf einem Projekt wie diesem, dem keine Marschrichtung vorgegeben wurde, oft anstrengend bzw. zuviel des Guten und fällt damit aus dem Himmel der guten Intentionen ins Fangnetz der Unerheblichkeit, das sich schnell der ihr anhaftenden Aufmerksamkeit des Hörers entledigt. Genau deshalb behält man "John McCain", "Xanax" oder "African Robots" nicht im Gedächtnis. Und neben todsicheren Skip-Kandidaten wie "Gatwick" ist der Geduldsfaden auch gegenüber den restlichen Songs sehr straff gespannt. Bei all den Ausrutschern lässt es sich trotzdem nicht leugnen, dass Marmaduke (der einen Großteil der Patzer auf seine Kappe nehmen muss) sein Handwerk beherrscht und auch exotische Samples (wie in "Florida Ki's" oder "Sendero Luminoso") mit einzubinden weiß. Schließlich ist er es auch, der für das Highlight der Scheibe sorgt: "Wings" findet die richtige (nämlich eine für dieses Album relativ kleine) Dosierung an kreativen Freiräumen und beschränkt sich auf lockere, leicht exotische Klänge, die hervorragend zu den SCFB passen. Monokrome, der in der Regel noch Electro-beeinflusster als Marmaduke ist, hält sich hier eher zurück und sorgt für das ruhige "News & Notes" oder "The Big East", das ebenfalls nicht zu schwer im Magen liegt. Nachdem sich das von Teleseen produzierte "The Constant Gardeners" mit seltsamer Hook etwas abseits des Durchschnittsgeschmacks platziert, stellt sich heraus, dass dieses Album eines mit früheren Releases gemein hat: "Open Doors" ist, als typischer Backwoodz-Abschluss-Song, sehr zurückgelehnt, ruhig und ernst - und ist genau deshalb hörenswert.


Fazit:
Der erste Hördurchlauf läuft alles andere als rund, doch mit der Zeit öffnen sich einige der Stücke auf dem Album. Andere hingegen bleiben wohl dauerhaft verschlossen. So wirklich gelungen ist das Album leider nicht, weder als Einheit noch in der Einzelbetrachtung aller Songs. Als Free Download durchaus ein Reinhören wert, sei Neueinsteigern auf jeden Fall zu "Emergency Powers" geraten - hiermit wird man unter Umständen doch recht verschreckt. "Indonesia" ist ein Zusatz für die Fans, von denen wahrscheinlich jeder seine eigenen Highlights finden wird. Die Vorfreude auf das angekündigte, zweite offizielle Album "Cape Verde" verderben die SCFB ihren Fans hiermit sicherlich nicht, mehr als ein kleiner nebenbei eingeworfener Snack ist "Indonesia" jedoch nicht.

Gesamtwertung: 5.7 / 10

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