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Dienstag, 22. Dezember 2009

50 Cent - Before I Self Destruct

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 16. November 2009
Label: Shady Records / Aftermath Records / Interscope Records

Tracklist:
01. The Invitation
02. Then Days Went By
03. Death To My Enemies
04. So Disrespectful
05. Psycho (Feat. Eminem)
06. Hold Me Down
07. Crime Wave
08. Stretch
09. Strong Enough
10. Get It Hot
11. Gangsta's Delight
12. I Got Swag
13. Baby By Me (Feat. Ne-Yo)
14. Do You Think About Me
15. OK, You're Right
16. Could’ve Been You (Feat. R. Kelly)



Interessiert sich heutzutage eigentlich noch jemand dafür, wenn 50 Cent ein neues Album veröffentlicht? Wohl die wenigsten. Das mag daran liegen, dass sich Curtis Jackson schon seit längerem aus dem Zentrum der Rap-Szene verabschiedet hat (eingeschlossen die Mixtape-Szene, in der er so präsent war) und sich gleich Dagobert Duck in seinem Geldspeicher vergnügt. Hin und wieder hört man mal wieder über seine Website thisis50.com den einen oder anderen Kommentar zu derzeitigen Geschehnissen, doch wer nur auf Neuigkeiten, die auch wirklich mit Musik zu tun haben, achtet, der mag Fifty glatt vergessen haben. Schließlich verlor er nicht erst mit seinem letzten Album "Curtis" an Rückhalt in der Szene. Für die einstige Lichtgestalt ist die Ausgangsposition vor diesem neuen Album eine völlig andere - mit "Before I Self Destruct" muss er der Welt wieder etwas beweisen.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Deshalb wurde von vornherein darauf hingewiesen, dass diese Scheibe härter und aggressiver als der Timbalake-Fitty von "Curtis" sei. Schwer zu glauben, doch 50 scheint es ernst zu meinen: Die poppigen Feature-Gäste werden gekürzt, seine dezimierte G-Unit lässt er auch links liegen. Ganz als ob er der Welt beweisen wollte, dass er es auch alleine kann. Die Produzentenliste ist dagegen keine wirkliche Überraschung, höchstens insoweit, als dass weitere No-Names ihre Beiträge beisteuern durften. Immerhin wurde also etwas geändert. Damit müsste nur noch Fitty selbst nachziehen. Denn seine jüngeren Raps hatten wenig mit der gewünschten Aggressivität zu tun und ließen erwähnenswerte Motivation vermissen. Mit einer Rückkehr zu höherem Rap-Niveau denkt man automatisch an "Get Rich Or Die Tryin'" oder gar die Tage vor dem Senkrechtstart. Das war der Fifty, dem man mit jeder Zeile das dämliche Grinsen, das seinen Style prägte, anhören konnte. Genau diese Art bildete einen Teil seiner Authentizität. Und genau diese Art wird man hier nicht finden. Bei allen Bemühungen wirken viele Songs gezwungen oder dann doch unmotiviert. Hinzu kommen die Beats, die zwar den "GRODT"-Zeiten nachempfunden sein mögen, aufgrund der niederen Qualität jeodch im Jahr 2009 fast durchgehend unspektakulären Standard verkörpern. Manche der Samples kennt man in besserer Verwendung, einige Beats sind zu voraussehbar, nur an wenigen Stellen möchte man wirklich hinhören. Dabei fängt es mit Ty Fyffe's "The Invitation" noch gut an: düster und zeitgemäß. Trotzdem beweist 50 gleich zu Beginn, dass er nicht so viel zu berichten hat, wie man inzwischen vielleicht meinen könnte. Dass alle in seinen Geldspeicher wollen, scheint seine einzige Sorge. Um die Realness zu wahren, müssen natürlich auch reihenweise Street-Phrasen geklopft werden. Trotzdem ist in Fifty's Welt "Swag" gleichbedeutend mit "Money", siehe "I Got Swag". Weitaus voraussehbarer ist "Death To My Enemies", das mit der wohl besten Produktion der Platte (von Dr. Dre) ausgestattet ist. Doch auch dem Doktor gehen bei 50 die Ideen aus: "Psycho" ist mit seinen hektischen Streichern und der Inszenierung der Emcees als psychopathische Killer mehr als nur eine Standard-Kollabo der großen Drei (wobei Em eine gute Show bietet). "So Disrespectful" widmet sich über plattes Instrumental u.a. den Ex-G-Unit-Mitgliedern. Wo ein Großteil der Songs einfach unauffällig ist, gibt es auch prächtige Aussetzer: Die Hook von "Get It Hot" ist erschreckend schlecht, die "Rapper's Delight"-Neuinterpretation "Gangsta's Delight" lahmt nicht nur dank Havoc's ödem Beat gewaltig. Dass die von R. Kelly und Ne-Yo besuchten "Could've Been You" und "Baby By Me" identitätslose Mainstream-Kompromisse sind, überrascht nicht, doch auch die Cleverness, mit der 50 seinen Mist (sogar ein "Candy Shop") früher zu verkaufen wusste, fehlt. Damit verbleibt nicht mehr viel: Ein idiotisches Liebeslied an die eigene Handfeuerwaffe ("Hold Me Down"), das narzisstische "Do You Think About Me", Coke-Lehrstunden in "Stretch" oder das zu bombastisch aufgetragene "OK, You're Right" - meist nicht schlecht, aber nie mehr als mittelmäßig.

Fazit:
Was nützt es, 50 Cent bezüglich der Rückkehr zu aggressiveren Raps zu loben, wenn selbige aufgezwungen wirken, wenn 50 Cent lustlos rappt und wenn die Produktionen jegliche Selbstständigkeit vermissen lassen? Anstatt die Erfahrungen des Überschreitens seines Karrierezenits in Worte zu fassen, vertreibt sich 50 den Großteil der Spielzeit mit langweiligem Gehabe. Perspektivlosigkeit zeigt auch die soundliche Orientierungslosigkeit; die früheren Zeiten scheinen für immer vorbei, eine zukünftige Marschrichtung scheint noch nicht gefunden. Vielleicht täte da eine Selbstzerstörung inklusive anschließendem Neuaufbau ganz gut. "Before I Self Destruct" jedenfalls bietet einen nicht empfehlenswerten Mix aus Mittelmaß und Fehltritten.

Gesamtwertung: 3.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 11. November 2009

Fat Joe - Jealous Ones Still Envy (J.O.S.E. 2)

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 29. September 2009
Label: Imperial Records / Terror Squad

Tracklist:
01. Winding On Me (Feat. Lil Wayne & Ron Browz)
02. Joey Don't Do It
03. One (Feat. Akon)
04. Aloha (Feat. Pleasure P & Rico Love)
05. Put Ya In Da Game (Feat T-Pain & OZ)
06. Congratulations (Feat. Rico Love & T.A.)
07. Porn Star (Feat Lil' Kim)
08. Cupcake (Feat Benisour)
09. Ice Cream (Feat Raekwon & T.A.)
10. Okay Okay
11. Blackout (Feat. Swizz Beats & Rob Cash)
12. Music (Feat Cherlise)



Die Zeiten, in denen Fat Joe ein wahrhaftes Schwergewicht der Szene war, sind vorbei. Da hilft es nicht weiter, dass er inzwischen fast im Jahresrhythmus Alben droppt, die erstaunlich belanglos sind. An anderen Fronten war Joe erfolgreicher: Gastauftritte von ihm gibt es viele, u.a. auf erfolgreichen Projekten. Denn zumindest seine fettigen Wurstfinger hatte der ehemalige Don Cartagena das ein oder andere Mal im Spiel (als bestes Beispiel sei hier DJ Khaled genannt). Auf Solopfaden sieht das etwas anders aus: Auch wenn er zwischenzeitlich zum "Regenmacher" mutierte, bleibt sein letztes erwähnenswertes Album - wir ahnen es - das platinumgekürte "Jealous Ones Still Envy". Kein Wunder, dass man mit "J.O.S.E. 2" daran gerne anknüpfen möchte.

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Viel eher anzunehmen ist jedoch, dass der Pfad der Unwichtigkeit, dem schon "Loyalty", "All Or Nothing", "Me, Myself & I" und "The Elephant In The Room" folgten, weiterhin beschritten wird. Dass Joe dabei trotzdem immer über seine 100.000 verkauften Einheiten kam, ist schon fast ein Kunststück. Der Weg zum Erfolg sah eine auf Biegen und Brechen erzwungene Befriedigung des zur jeweiligen Zeit angesagten Massengeschmacks vor, was auch diesmal der einzige, strikte Tagesordnungspunkt zu sein scheint. Die Gäste riechen schon gegen den Wind danach, eine kurze Hörprobe liefert die endgültige Bestätigung. Möglichst wenig Eigeninitiative, am besten gar keine persönliche Note: Exakt so windet sich "Winding On Me" mit dem "EtherBoy" durch die Boxen und ist dabei nicht mehr als der Bastard, den das nicht viel bessere "Pop Champagne" mit einer billigen Hure gezeugt hat. In etwa so einfallslos wie das Cover ist die komplette Scheibe: Es wird gegrindet, die eigenen Qualitäten werden ausführlich in alle Wolken gelobt und natürlich bekommen es alle weiblichen Wesen, die Joe zu nahe kommen, ordentlich besorgt. Aber eigentlich braucht er ja nur "One", also die eine Frau; oder - wie Akon quäken würde: "One one one one", quak, quak. Nur in der nächsten Minute sind es halt nicht eine, sondern dreihundert. Ja, dieser Joe ist schon ein toller Kerl. Wenn er doch nur halbwegs so gute Musik von sich geben könnte wie er ein toller Kerl ist. Aber Joe ist ja bekanntermaßen ein toller Kerl und gönnt seinen Hörern ab und zu auch eine Pause von der musikalischen Schlammschlacht mit Einheitsbrei, um im unauffälligen "Ice Cream" verbal seinen Stängel und dessen Tagesplan zu präsentieren - so kann "Eiscreme" natürlich auch aufgefasst werden. Da hilft selbst ein Raekwon nichts mehr. Mehr Einheitsbrei? "Aloha" ist schon zur Stelle und garantiert Déjà Vu-Feeling, auch wenn man den Song zum ersten Mal hört. Ein bisschen Materialismus mit T-Pain richtet im Anschluss nicht viel Schaden an, ist aber dafür hitverdächtig langweilig. Alle Achtung im Übrigen an all jene, die bei den infantil bescheuerten Hooks von Swizz Beatz immer noch keinen Brechreiz verspüren. Unnötig zu erwähnen, dass "Porn Star" schlecht umgesetzt wurde. Zudem trieft dem Song der Auto-Tune aus allen Nähten. Ginge man an dieser Stelle noch weiter auf das Album ein, irrte man nur weiter in die endlose geistige Wüste hinein. Deshalb noch die wenigen "positiven" Dinge, die man dem Album abgewinnen kann: "Joey Don't Do It" überrascht mit harter Gangart und erfreulicherweise fehlender Kotz-Hook, "Music" sowie "Okay Okay" sind immerhin keine vollkommenen Nullnummern.


Fazit:
Man muss sich schon einmal die Frage stellen, was Joe mit einem solchen Album erreichen will. Sind es traumhafte Verkaufszahlen? Denn da hat ihm eine mickrige erste Woche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ist es ein neuer musikalischer Weg für die Zukunft? Diese Abkupferungstour einen "Weg" zu nennen, kann nur sarkastisch gemeint sein. Zusammenfassend ist diese LP sogar für den heruntergekommenen Fat Joe eine Frechheit, die nur unterstreicht, dass dieser Mann nicht mehr den Hauch einer Idee zu sinnvollem musikalischem Output hat. Den ein oder anderen Track mag man betrunken auf der Tanzfläche akzeptieren, ohne sich zu fragen, wer oder was gerade die Lautsprecher zum Schwingen bringt. Seine Punkte bekommt Joe für "Joey Don't Do It" und das Bisschen Professionalität, das er beim Zusammenschandeln dieses Albums an den Tag gelegt hat.

Gesamtwertung: 2.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Montag, 26. Oktober 2009

Capone - Revenge Is A Promise

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 15. September 2009
Label: SMC Recordings

Tracklist:
01. None Of Y'all Better
02. Fallin' Apart
03. Seen My Face Before
04. Get $t
05. Talk My Shit
06. Rock Star
07. Keep It On Me 2
08. Dirty Game
09. Witness
10. Ain't No Punk
11. Lonely
12. Take Me Alive
13. Still Ridin'
14. Capo 2 Capo
15. West Side Story



Mit diesem Werk ist das Trio der Veröffentlichungen von Capone-N-Noreaga im Jahr 2009 komplett. Nachdem man bei SMC Recordings unterschrieb, veröffentlicht das Label nach dem im März erschienenen "Channel 10" ein Soloalbum jeweils beider Mitglieder des QB-Duos. Für Capone ist es damit das nunmehr dritte Album, bei dem man natürlich gespannt sein darf, welche Richtung Pone diesmal einschlägt. Ob "Revenge Is A Promise" ähnlich wie das parallel erscheinende N.O.R.E. Album ohne die Zustimmung des Künstlers erschien, sei hier einmal außer Acht gelassen, der Fokus sei gänzlich bei der Musik gesetzt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Und dort hat Pone einiges an Boden gutzumachen, schließlich schimpft sich "Menace II Society", ein ungenießbares Stück Zeitverschwendung, sein letztes Album. Doch was bei "Pain, Time & Glory" noch gut kaschiert wurde und bei "Menace II Society" eine Teilschuld am kläglichen Endergebnis trug, tritt auch hier zutage: Capone wirkt auf Solopfaden die größte Zeit vollkommen orientierungslos was den Sound betrifft, mit dem er sich kleiden möchte. Das bedeutet konkret, dass man auch auf dieser Scheibe bzgl. Produktion weitreichende Abstriche machen muss. Hinzu kommen die gewohnten Raps mit Standardsprüchen von Pone, und man könnte jegliche weitere Besprechung des Albums an dieser Stelle beenden. Wo "S.O.R.E." schlecht war, ist "Revenge Is A Promise" langweilig und einfallslos. Das impliziert natürlich, dass man im Verlauf über mehr als nur ein gut bekanntes Samples stolpern wird. Verständlich, wenn man im Opener "None Of Y'all Better" nur noch ein Gähnen aufbringt, wenn sich Pone zum Durchladegeräusch seines Schießeisens selbst inszeniert. Mäßige Sample-Arbeiten wie etwa in "Lonely", wo Bonnie Tyler vor den Wagen gespannt wird, wären über kurze Distanz kein Problem, erheben sich hier aber zum oft gesehenen Gast und machen es zusammen mit den restlichen, unmotivierten Beats unmöglich, dem Album durchgehend Aufmerksamkeit zu schenken. Dazu hat Pone in Tracks wie "Take Me Alive" absolut gar nichts zu erzählen. Der harte Gangster lässt sich nicht lebendig fangen - wie interessant. Zu den laschen Street-Tracks mischen sich noch einige undefinierbare Ausrutscher, denen "Dirty Game" unbeirrt vorausgeht: Schlechte Voice-Cuts in der Hook, ein Instrumental, das bei mir nach einer Minute zum Tinnitus führt und Pone's höchst uninteressante Ausführungen über die Game-Politics - da greift man doch gerne und beherzt zur Skip-Taste. Die Tiraden über die verschiedenen Tracks können problemlos fortgeführt werden, wobei man anerkennen muss, dass "Rock Star" (in dem sich Capone über das Sample aus Fitty's "Window Shopper" versucht) halbwegs annehmbar gerät. Dass dieses Album seine Highlights da setzen muss, wo man andernorts die Nase rümpfen würde, sollte jedoch aussagekräftig genug sein. "Fallin' Apart" wäre ohne die schwachen Voice-Samples in der Hook genießbar, "Seen My Face Before" weckt höchstens Sehnsucht nach Songs mit besserer Umsetzung des Samples. In "Witness" wird Capone um sechs Uhr morgens von Türklopfen geweckt, um nach Verstecken und Vernichten aller illegalen Substanzen, Laden und Entsichern in Erwartung der ungeliebten Cops festzustellen, dass die Zeugen Jehowas vor der Türe stehen. Diese kleine Story bietet nicht viel, aber auf diesem Album den größten Unterhaltungswert. Nach mehr Gelaber und den dümmlichen "Still Ridin' und "Capo 2 Capo" ist es irgendwann endlich genug.


Fazit:
Das war wohl nichts. Da Capone über eine auf Dauer anstrengende Stimme gebietet, hätten es sowieso ein paar Gäste sein dürfen. Aber auch mit Gästen wäre hier nicht mehr viel zu retten gewesen: Wer so wenig zu sagen hat und wem so mittelmäßig bis schlechte Beats zur Verfügung stehen, der sollte die Veröffentlichung eines Albums nochmal überdenken - wobei bei allen Gegebenheiten eine Veröffentlichung seitens des Labels über Pone's Kopf hinweg ebenfalls denkbar und somit teilweise erklärend wäre. Lässt man diesen Aspekt unter den Tisch fallen, darf man resümierend, auch "S.O.R.E." betrachtend, sagen: Mit "Channel 10" haben CNN doch noch Einiges geleistet. Denn was auch ein Capone hier solo zusammenstümpert, wäre nicht notwendig gewesen. Da mag die Wertung sogar noch zu positiv wirken, doch "Revenge Is A Promise" ist meist weniger schlecht als gänzlich unbedeutend.


Gesamtwertung: 3.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Donnerstag, 1. Oktober 2009

N.O.R.E. - S.O.R.E.

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 15. September 2009
Label: Thugged Out Militainment / SMC Recordings

Tracklist:
01. Take Ya Face Off (Feat. Raekwon & Tony Sunshine)
02. Get It In (Say What)
03. Move (Feat. Jim Jones & Nina Sky)
04. My Girl Gangsta (Feat. T-Pain)
05. Good Day
06. Set Trip (Feat. Bun B)
07. By Myself
08. On & On (Feat. Sean Kingston)
09. Shorty Look Good
10. Phone Call 2 Heaven
11. Body In The Trunk 2
12. I Wasn't Wrong
13. Fake Nigga
14. Letter 2 Norieaga (Bonus)



Wer hätte gedacht, dass nach dem neuen Album von Capone-N-Noreaga noch im gleichen Jahr Solowürfe von beiden Mitgliedern des QB-Duos das Licht der Welt erblicken würden? Anscheinend herrscht eine gute Arbeitsmoral bei den beiden. Dabei war das Album von Noreaga alias N.O.R.E. bereits seit einiger Zeit angekündigt. Stand sein Debüt für "Niggas On (The) Run Eatin'", so wird nun das erste Wort durch "Still" ersetzt, um zu verdeutlichen, dass sich an der Einstellung des Dickerchens nichts geändert hat. Ob die Qualität, die in N.O.R.E.'s Karriere weitesgehend abwesend war, mitzieht, ist eine ganz andere Frage.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Zuletzt gab es von N.O.R.E. das mehr als durchwachsene "Noreality", davor einen Ausflug in Reggaetone-Gefilde. Was hier geschieht, ist eine konsequente Fortsetzung des N.O.R.E.-Solo-Stils, der sogar mit "Channel 10" wenig zu tun hat und in dessen Zusammenhang man von der Nennung des (mit positiven Momenten assoziierten) Alias "Noreaga" lieber absieht. Denn "S.O.R.E." ist schlecht. Wie schlecht, bzw. wieso schlecht, das gilt es zu ergründen. Als ersten Kritikpunkt darf man ins Feld führen, dass N.O.R.E. sowohl bzgl. seines Unterhaltungswerts am Mic sowie auch im Empfinden seines Status unter gnadenloser Selbstüberschätzung leidet. Dass die Themenwahl nicht über Niedrigstniveau hinausgehen würde, war absehbar - dass die ganze Chose mit einer unschönen Auswahl an Gästen und mittelmäßigen Rhymes angereichert werden würde, war höchstens zu befürchten. Doch wo im von Tuneheadz annehmbar (aber aggressiv die Ohren angreifend) produzierten "Take Ya Face Off" mit Raekwon und einer Tony Sunshine-Hook noch ein passabler Einstieg hingelegt wird, begibt sich der schwergewichtige Latino schnell auf Talfahrt. Warum man im Prinzip bis zu "Good Day" durchskippen kann, sei später erklärt, an dieser Stelle sei der Song nur als Beispiel herangezogen: Ruhige und vor allem gemäßigte Klänge stellen, in der Minderheit, den Kontrast zum dominierenden Rest, der als "Lärm" zusammengefasst sei, dar. Das dabei "Good Day" ein einfallsloser Abklatsch des Ice Cube-Klassikers ist, nimmt jedoch auch diesem Song die Butter vom Brot. In selbige Kategorie kann man "By Myself" stecken, in dem sich N.O.R.E. ausgiebig mit sich selbst, seinen Errungenschaften und Lastern, beschäftigt. "Shorty Look Good" ergeht sich in viel Alkohol und (hauptsächlich) Sex, was N.O.R.E. laut Eigenaussage in den Status eines "Cocksmith" erhebt - was sicherlich nicht weniger langweilig anzuhören ist, als es sich hier liest. Weitere ruhige Songs sind "Letter 2 Heaven", das natürlich nur ein Brief an Pun sein kann, sowie das überraschend annehmbare "I Wasn't Wrong" (wenn auch das Sample im Beat schon besser verpackt und bespittet wurde). Damit zur Fraktion, die diesem Album den Strick dreht - Synthies, gelangweilte Standardgäste und Party-Rhymes. "Move" tut fast schon physisch weh, der "Set Trip" ist, im reudig misslungenen Versuch, dem Gast entgegenzukommen, so stinklangweilig, dass simples Skippen einem zu geringen Ausdruck der Geringschätzung dieses Songs gleichkäme. Und wo "On And On" nicht weniger kreativ, dafür aber fast mit Ohrwurmpotential gerüstet ist, vergehen die Trommelfellanimateure "Body In The Trunk 2" und "Get It In" am Rande zur Nichtexistenz. Während man sich noch durch einen unauffälligen und belanglosen Disstrack gegen einen gewissen Juda hangelt ("Fake Nigga"), erwartet einen das schlimmste Instrumental zum Schluss: "Letter 2 Norieaga" vergleicht in zwei Verses den echten Noriega aus Panama mit dem hiesigen, während die explizit hervorgehobene Latino-Rassengleichheit N.O.R.E. als Grund zur Blutsbruderschaft genügt.


Fazit:
"Yo Pone, let me keep this for my solo" sagt N.O.R.E. zu Beginn von "Move" und tut seinem Partner damit höchstens einen Gefallen. Sich selbst und seine Solokarriere verdammt er weiterhin zu einer orientierungslosen Irrfahrt, die sich an Trends festzuklammern versucht und zudem einen lächerlichen Spagat mit den eigenen Wurzeln erreichen will. Letztere sind hier nur noch rudimentär auszumachen, während auch bei den Songs, die als Party-Aufheizer gedacht sind, keine Stimmung aufkommen will. Zu penetrant die Trendreiterei, zu nervtötend selbst N.O.R.E.'s Performance, gespickt mit hohlen Phrasen. Der Swag des Noreaga passt nicht auf diese Gleise und ist deshalb, da auch alle sonstigen Songs nur zu maximal annehmbarer Qualität reichen, derzeit heimatlos.

Gesamtwertung: 2.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Montag, 10. August 2009

Fabolous - Loso's Way

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 28. Juli 2009
Label: Def Jam

Tracklist:
01. The Way (Intro)
02. My Time (Feat. Jeremih)
03. Imma Do It (Feat. Kobe)
04. Feel Like I'm Back
05. Everything, Everyday, Everywhere (Feat. Keri Hilson)
06. Throw It In The Bag (Feat. The-Dream)
07. Money Goes, Honey Stay (When The Money Goes Remix) (Feat. Jay-Z)
08. Salute (Feat. Lil Wayne)
09. There He Go (Feat. Paul Cain, Red Café & Freck Billionaire)
10. The Fabolous Life (Feat. Ryan Leslie)
11. Makin Love (Feat. Ne-Yo)
12. Last Time (Feat. Trey Songz)
13. Pachanga
14. Lullaby
15. Stay (Feat. Marsha Ambrosius)
16. I Miss My Love



"We're live in New York City, awaiting Loso" eröffnet eine Reporterin dieses Album. Das hätte er wohl gerne: Fabolous, der DJ Clue-Sprössling, der seit 2001 und seinem wenig steinigen Einstieg ins Game in der Szene mitmischt. Der Softie-Rapper, der von Kritikern wenig geliebt wird und dessen Alben höchstens belächelt werden. Nicht anders erging es ihm mit seinem 2007er Auswurf "From Nothin' To Somethin'", das sich die halbe Szene zusammenfeaturte. Nachdem Jay-Z "American Gangster" veröffentlichte, kam bald die Ankündigung eines Albums, das sich an "Carlito's Way" anlehnen und mit wenigen Gästen auskommen soll. Ein gute Zeit später sieht man sich mit dem Ergebnis konfrontiert: "Loso's Way".

WRITTEN FOR Rap4Fame

"Um ein zu großes Ego und eine wacklige Credibility zu untermauern, eignet sich nichts besser als ein Konzept-Album im Gangster-Stil". Das (oder Ähnliches) muss sich Fab gedacht haben. Doch der Anschein des Crime-Epos, den nicht einmal das überdurchschnittlich hässliche Cover aufrechterhalten kann, ist schnell hinfort: Egal, was geplant war, "Loso's Way" schart schon wieder ein Standard-Aufgebot aus R&B-Tölen und Trend-Rappern um sich, derer Fabolous auch einer ist. Denn eigene Kreativität hat er in keinster Weise, was seit jeher mit der richtigen Wahl an Gästen und dem Zuschneiden auf die Massen ausgeglichen wurde - und auch hier wird. Dass im Vergleich zum letzten Album etwas zurückgeschraubt wurde, kann nicht darüber hinwegtäuschen, aus welchem Grund ein The-Dream hier "Throw It In The Bag" kräht. Man könnte meinen, dass wenigstens inhaltlich dem Konzept Genüge getan wird, doch weit gefehlt: Auf großer Strecke schafft es auch dieses Album, durch konzentriertes Nichts seine Zeilen zu füllen. Während man bei jedem dämlichen "Street fitted-itted"-Ausruf die Machete auspacken will, spuckt Fabolous in seinem eintönigen Halbgenuschel weiterhin Töne über seine eigene Großartigkeit, denen er in keinster Weise gerecht wird. Doch dessen wird er sich selbst kaum bewusst sein, da der Klang der immergleichen und hohlen Produktionen alles übertönt, und ganz am Rande somit das einzige erkennbare Konzept des Albums darstellt: Dass StreetRunner den Runners die Klinke in die Hand drückt, spricht für sich. Mit der J.U.S.T.I.C.E. League, die für die Erbärmlichkeit namens "Feel Like I'm Back" (für das Fab auch lyrisch in noch tiefere Sphären als gewöhnlich steigt) gerade stehen, komplettiert sich das Trio der Stümper aus Florida. Zu allem Überfluss hat man JD produzieren lassen, der die Schlaftablette "Money Goes, Honey Stay" zusammenstöpselt, auf dass Jay-Z das Ganze mit einer käsigen Hook veredelt. "Pachanga" wälzt die Freund-Feind-Thematik, während zumindest der Beat nicht vollkommen aus Pappe ist. Einzig "I Miss My Love" bietet Storytelling, wie man es sich erwartet hätte, mit einem Fab, der zusammen mit einer Frau, die er zu heiraten gedenkt, im Drogen-Business steckt, dann jedoch feststellen muss, dass alles anders kommt. Doch da ist es schon viel zu spät, denn zu diesem Zeitpunkt hat man sich schon so viel Audio-Schmutz antun müssen, dass sämtliches Verständnis von dannen gezogen ist. Die Marschkapelle in "Salute" ist nicht mehr als ein schlechter Witz (und schmeichelt Weezy's Gekrächze ganz und gar nicht), "Makin' Love" zeigt Fab als den Ladies-Rapper, den niemand braucht. War auf der letzten Scheibe mit "Brooklyn" noch ein richtiger HipHop-Cut, sucht man hier vergebens: "There He Go" reißt auch mit Langzeitpartner Paul Cain nichts, "Last Time" hat den Charakter und die Einzigartigkeit eines Sandkorns. Ähnlich "My Time", das jedoch noch halbwegs hörbar ist. Da muss man Ryan Leslie zu dem markanten Beat in "Everything, Everyday, Everywhere" gratulieren, der als Instrumental allerdings besser dagestanden hätte. Schließlich behandelt Fabolous noch seine Beziehung zu seinem Vater sowie zu seinem Sohn in "Stay", was zumindest halbwegs unterhält.


Fazit:
Wenn die "Loso's Way" DVD ein Äquivalent zur Musik der hier vorliegenden CD ist, dann braucht niemand die Deluxe Edition. Als Nachfolger zu "From Nothin' To Somethin'" schon schwach, ist diese Scheibe in ihrem Anspruch auf das Titel-Konzept eine Frechheit. Fabolous ist und bleibt ein Weichspüler mit einem ausgesprochenen Riecher für vollkommen kanten- und haarlose Beats. Vielleicht muss man schon dankbar sein, dass hier keine Auto-Tune-Orgie stattfindet. Doch dass die tatsächlichen HipHop-Tracks hier so lächerlich wenige sind, dass selbst im Club keine wirkliche Lust aufkommen will und vor allem dass kein einziger Track ernsthaft bzw. positiv hängenbleibt, ist durchaus ärgerlich. Hinzu kommt die lyrisch zu erwartende Dünnbrettbohrerei, und man hat mit "Loso's Way" ein Album, das so reichlich wenig hergibt, wie man es selbst von Fabolous nicht erwartet hätte.

Gesamtwertung: 2.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Twista - Category F5

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Release Date: 14. Juli 2009
Label: EMI

Tracklist:
01. Misunderstood (Feat. Buk)
02. American Gangsta
03. Fire (Feat. Lil Boosie)
04. Talk To Me
05. Yellow Light (Feat. R. Kelly)
06. Walkin On Ice (Feat. Gucci Mane & OJ Da Juiceman)
07. Wetter (Feat. Erika Shevon)
08. Billionaire (Feat. Busta Rhymes)
09. Yo Body (Feat. Do Or Die & Johnny P)
10. Hustla
11. Gotta Get Me One (Feat. Static Major)
12. On Top (Feat. Akon)
13. Jump Off
14. Wanna See 'Em Buss (Feat. Liffy Stokes)
15. Birthday



Der Herr Zungen-Twista ist zurück, keine zwei Jahre nach seinem letzten Album. Man mag ihn hassen oder lieben, er ist ohne Zweifel ein fester Teil der Landschaft des HipHop-Genres, spätestens seit seinem 2004er Platinum-Album "Kamikaze". Doch auch sonst gehört der Mann mit der schnellen Zunge dazu, auch wenn er sich mit seinen letzten Auswürfen nicht unbedingt mit Ruhm bekleckerte. Bei diesem Album kürzte sich vom ursprünglich angekündigten Star-Lineup einiges weg, doch trotzdem verbleibt "Category F5" mit einigen renommierten Gästen. Und auch so beansprucht Twista auf der Messskala für Orkanstärken, die parallel zum Kronensystem von eins bis fünf reicht, das Maximum.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Ein bisschen widersprüchlich ist es auf den ersten Blick schon: Wer Twista nicht kennt, dem werden beim Anblick des Covers, auf dem ein mit schwuler (zu verstehen im Rap-, nicht im tatsächlichen Sinn) Hipster-Brille und -Hut sowie tonnenweise Bling-Bling abgebildetes Moppelchen die im Hintergrund zu sehende Verwüstung angerichtet haben will, vor Lachen die Tränen kommen. Doch die Zeichen stehen gar nicht schlecht, immerhin markiert dieses Album seit 2004 die erste Zusammenarbeit mit The Legendary Traxster. Diese Zusammenarbeit hat das Potential, über die etwas enttäuschende Gästeliste hinwegzutrösten. Der Einstieg ins Album ist vielversprechend: Nachdem dem Hörer erklärt wurde, was so ein "F5"-Hurrikan alles anzurichten vermag und Buk mit tiefer Stimme die ersten Lines gekickt hat, legt Twista los: Über Traxster's düsteres, mit Streichern ausgekleidetes Instrumental gibt es Rhyme-Salven vom Allerfeinsten, die zudem stark mit Buk's gegensätzlich langsamer Performance harmonieren. Wo "Misunderstood" ansetzte, da macht "American Gangsta" weiter: Diesmal ist es Toxic (ebenfalls ein Langzeitkollaborationspartner), der in "American Gangsta" das richtige Gelände für Twista modelliert. Der Speedster tischt hier eine etwas fragwürdige Hommage an die Groß- und Kleinkriminellen Amerikas ("We was born into this system, so don't be mad at what you made us") auf, die raptechnisch allerdings so verdammt gut ist, dass jegliche Kritik unter den Tisch fällt. Der Anfang schmeckt also herrlich, nur was nun folgt, gleicht einer Talfahrt: "Fire" fängt gut an, bis zu dem Punkt, an dem ein kleines Baby anfängt, zu quäken. Nein, es ist Lil' Boosie, der den Unrat, den er als Rap bezeichnet, über den Song kippt. Doch das war natürlich bei weitem nicht das Ende der Fahnenstange. "Birthday" klingt mit Quietschestimmchen und inhaltlich untergründiger sowie auch technisch gewöhnlicher Vorstellung nach nichtigstem Wiedererkennungswert, was ebenso für "Gotta Get Me One" gilt, das jedoch zumindest technisch anspruchsvoller ausgeführt wurde. Ein steter Begleiter ist der Auto-Tune, der prinzipiell akzeptablen Songs wie "Yo Body" den Garaus macht. Auch R. Kelly spielt die Trendhure und säuselt sich durch die ampelgeregelten Softporno-Raps in "Yellow Light", wobei derjenige, dem als erstes die Ironie des Tracktitels ("yellow") in Bezug auf R. Kelly als Gast aufgefallen ist, diesem Song zumindest etwas Amüsantes abgewinnen konnte. Thematisch und auch vom Unterhaltungsfaktor ähnlich verläuft Akon's gelangweilt-routinierter Auftritt, bei dem man die Gespielin "On Top" reiten lässt. Schon fertig? Oh nein, es kommt noch besser, schließlich wurde noch gar nicht genug betont, wie viel Dinero man verdient. "Hustla" hält sich noch in Grenzen, "Billionaire" kann dagegen mit Vollzeit-Auto-Tune gut und gerne der schlechteste Song sein, den es von Twista je zu hören gab. Auch in den Jahrescharts spielt er ohne Zweifel ganz unten mit. Dort klinkt sich auch die Hook von "Walking On Ice" ein, die zeigt, dass die Niveaulosigkeit im Rap ein Fass ohne Boden ist. Nachdem man Gucci und OJ in Gedanken den Gnadenschuss gegeben hat, landet man in einem dicken Bottich aus Sülze, der da auf den Namen "Wetter" hört. Doch softe Klänge plus Twista, das kann durchaus funktionieren, so geschehen in "Talk To Me". Mit "Jump Off" und "Wanna See 'Em Buss" finden sich dann noch zwei Friedensangebote, die jedoch bei weitem nicht ausreichen, den vorher angerichteten Schaden glattzubügeln.


Fazit:
Das war wohl mal wieder ein Schuss in den Ofen. Dabei fing alles so gut an - mit den ersten beiden Tracks hat Twista zwei Kracher parat, die, wenn konsequent weitergeführt, der Beginn seines bisher besten Albums hätten sein können. Doch das scheint unmöglich, schließlich käme dies dem Nichtbedienen der Massen gleich, was für Twista anscheinend nicht zur Diskussion steht. Lieber steckt er sein enormes Talent auf einigen Tracks in die Tasche und rennt, zusammen mit zeitgemäßen Gästen, irgendwelchen Trends hinterher. Damit flaut der "Category F5"-Sturm schnell zum lauen Lüftchen ab, das höchstens bei 40° C im Club wirklich wahrgenommen werden kann. Wer anderswo unterhalten werden will, der muss sein Messer nach "Misunderstood" und "American Gangsta" (die dieses Album übrigens auch vor Kellerwertungen retten) ansetzen, den Rest wegwerfen und anderswo suchen.

Gesamtwertung: 3.8 / 10

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Sonntag, 2. August 2009

Cage - Depart From Me

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Release Date: 07. Juli 2009
Label: Definitive Jux

Tracklist:
01. Nothing Left To Say
02. Beat Kids
03. Dr. Strong
04. I Found My Mind In Connecticut
05. I Lost It In Havertown
06. Teenage Hands
07. Eating Its Way Out Of Me
08. Kick Rocks
09. Captain Bumout (Katie's Song)
10. Strain
11. Fat Kids Need An Anthem
12. Look At What You Did
13. Depart From Me
14. I Never Knew You



Unter all den Rappern mit bewegter Vergangenheit sticht Chris Palko alias Cage wohl noch heraus. So sehr, dass sein Leben für filmreif befunden wurde. Dass jemand wie er seinen Weg in die Rap-Szene gefunden hat, ist in jedem Fall ein kreativer Zuwachs, während das aktuelle Label Definitive Jux mehr oder weniger der perfekte Platz für seine Persönlichkeit darstellt. An Soloalben hat er der Rap-Welt bisher erst zwei Stück beschert, und seit "Hell's Winter" sind inzwischen vier Jahre vergangen. Da schon zwischen Sophomore und Debüt Welten lagen, darf man gespannt sein, was Cage in seinem neuen Werk "Depart From Me" zu sagen hat.

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Zu erzählen hat er einiges, ist dieses Album doch laut Eigenaussage das persönlichste, das ihn komplett "nackt" zeigt. Denn hier gibt es den echten Cage zu sehen, der auf dem Debüt einem betrunkenen und berauschten Scheincharakter, mit dem (und auch mit dessen Musik) sich Cage inzwischen in keinster Weise mehr identifizieren kann, Platz machen musste, und der beim zweiten Album nur teilweise zutage trat. Eine selten harte und kaputte Kindheit, Drogen und Kriminalität, diese Dinge zeichneten sein Leben und sollen hier ein für allemal verarbeitet werden. Hinzu kommt der Tod des Freundes Camu Tao sowie seine Ex-Freundin, die ihn sitzenließ. Geschichten aus dem Leben, mit denen sich der Hörer (angeblich) identifizieren soll. Und während "Hell's Winter" thematisch ohne Frage in dieselbe Richtung ging, stellt Cage hier die Strapazen seines Lebens in den Vordergrund. Für die Art und Weise, wie er das tut, gibt es nur eine Bezeichnung - Emo-Rap. Was nun den Sound betrifft, so zeichnen sich drastische Neuerungen ab: Während "Hell's Winter" noch sehr samplebasiert war, ist hier Gitarrist und Produzent Sean Martin sehr präsent und produziert bis auf vier Songs von El-P und einen von Aesop Rock die gesamte LP. Die HipHop-Fans wird das wenig erfreuen, denn damit verabschiedet sich Cage bezüglich des Sounds weitesgehend von selbigem Genre. "If people can't understand that, that's good, because I don't want to make music for assholes" sagte Palko über seinen lyrischen Wandel, wird das aber sicherlich auch für seine Musik so meinen. Was von ihm selbst und von Kritikern wohlwollend als reifere Musik bezeichnet wird, ist für den Rap-Hörer ein Schritt in die falsche Richtung; denn genau da, wo man bei "Hell's Winter" eine Augenbraue hochzog, setzt "Depart From Me" an. Viele der Rock-Elemente deuten an, dass Cage diesbezüglich einen miesen Geschmack hat, seine deplatzierten und schrägen Hooks besiegeln diese Befürchtung. Lichtblicke gibt es dennoch: Wenn sich Cage in seinen vier Wänden vergräbt ("I Found My Mind In Connecticut") gibt das zumindest musikalisch etwas her. Diese innere Isoliertheit, mit der er anscheinend in den letzten Jahren zu kämpfen hatte, zeigt sich auch in der Absenz von Features. Doch wem will man es verübeln, wenn er mit diesem weinerlichen Junkie nichts zu tun haben will? Vice versa gilt nämlich dasselbe, da Cage von seiner Umwelt nicht sonderlich viel hält: Verbitterte Töne an die ihn in schweren Zeiten verlassende Freundin in "Depart From Me", kritische und in diesem Fall auch angebrachte Worte über die hohle Nachtszene in "Captain Bumout", das eine wirre Fortsetzung in "Strain" findet. Daneben wird, wie schon auf dem letzten Album, die Kindheit verarbeitet ("Beat Kids") und die Drogensucht thematisiert, die zum 18-monatigen Aufenthalt in einer Psychiatrie führte ("Dr. Strong"). Ein solider Beat von El-P untermalt "Eating Its Way Out Of Me", während man "Teenage Hands", das Cage zusammen mit einer 17-Jährigen sieht, wenig abgewinnen kann. Den Höhepunkt des Emo-Geheuls bildet "I Never Knew You", in dem Cage sich in die Person eines Stalkers versetzt. Einen kurzen unterhaltsamen Moment findet man mit "Kick Rocks", das mit allen Schnorrern abrechnet. Verbleibt noch "Fat Kids Need An Anthem" als potentiell interessanter Song, der sich aus Cage's eigener Umstellung vom Dickerchen zum gesund lebenden "Normalo" (bei Cage natürlich nur bitter ironisch zu gebrauchen) heraus erklärt, in dem die grauenhaft gebrüllte Hook allerdings die sonst guten Lyrics vermiest:

"This is nothin' to kick dirt on
If you thin you get your flirt on
If you fat you make love with your shirt on
[...]
They say you are what you eat
That means I went from shit to a vegetable
And the worst part about it is
I was happier when I was fat and on drugs
I went from fantasizing about women
To fantasizing about food I can't eat anymore
"


Fazit:
Man kann davon ausgehen, dass Cage sich nicht viel aus Kritiken macht - dass diese Kritiker wahrscheinlich allesamt Recht haben, sollte dabei jedoch nicht übersehen werden. Weiterentwicklung und Reifeprozess hin oder her - dem "Movies For The Blind"-Cage hat man eher zugehört als dem in Selbstzweifel erwachten Herrn, der in suizidaler Betrübtheit seine Existenz beklagt. Selbst im Vergleich mit Klinik-Nachbar Eminem zieht Cage den kürzeren. "Depart From Me" ist sogar für Def Jux-Liebhaber schwere Kost, was in erster Linie daran liegt, dass sie ganz allgemein (nicht nur aus der Sicht eines Rap-Hörers) nicht sonderlich gut (um nicht zu sagen: miserabel) geraten ist. Wenn das Album für Cage als Eigentherapie von Nutzen ist und er auf seinem nächsten Longplayer wieder überzeugt, dann lässt sich "Depart From Me" allerdings verschmerzen.

Gesamtwertung: 2.8 / 10

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Sonntag, 28. Juni 2009

Fred Money - Money Rules Tha World

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Release Date: Babygrande Records
Label: 09. Juni 2009

Tracklist:
01. Intro
02. Killa Beat Pt. 2
03. Thunderbird (Freestyle)
04. Dollar Bill (Feat. J.R. Writer)
05. Over Here (Feat. O. Cooks)
06. Freekey Zekey Speaks
07. Stunt Hard (Feat. J.R. Writer)
08. Talk It Over
09. Them Days
10. Work
11. Paper Chaser (Feat. P. Dub)
12. Soulja
13. 40 Cal Speaks
14. Money On My Mind (Feat. LD Capone)
15. Fresh Money



Nein, das ist kein Scherz. Es ist Fred Geld, der kleine Bruder von J.R. Schreiber - erst 19 Jahre jung, doch bereits mit der Arroganz seines Bruders gesegnet. Zur großen Freude aller Dipset-Fans bekommt ebendieser Fred Money bei Babygrande die Chance zum großen Wurf: Nach zahlreichen Mixtape-Auftritten (von denen wohl nicht nur ich keinen einzigen bestaunt habe) geht es ins Album-Geschäft. "Money Rules Tha World" ist die Devise, unter der der junge Emcee aus Harlem seinen festen Platz in den maroden Dipset-Reihen beansprucht. Und ganz gleich der wohl wenig zahlreichen Leute, die diese Scheibe wirklich interessiert, sei sie nun einmal unter die Lupe genommen.

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Ganz ehrlich muss man sagen: Gäbe es einen Preis für die abstoßendste Aufmachung eines Albums, Fred Money hätte gute Chancen, ihn zu gewinnen. Cover, Albumtitel, Künstlername - alles hier scheint darauf konzipiert, potentielle Käufer zu vergraulen. Hinzu kommt noch die unwahrscheinlich dämliche Fresse, die der 19-jährige zieht, und perfekt ist eine bereits im Voraus aufgebaute, ungeheure Abneigung gegen diesen Künstler, ganz ungeachtet der Verbindung zu J.R. Writer. Zum Album selbst: Mehr als die Hälfte der Beats zu seinem Album kommen von den Trakdealaz, womit man auch schon bei dem größten Problem der Scheibe wäre: Wer so gähnend langweilige Produktionen im Gepäck hat, der soll zuhause bleiben. Ein bodenlos schlechter Rapper is Fred Money nicht, auch wenn sich seine Lyrics in einem sehr, sehr, sehr überschaubaren Kreis drehen. "Stunt Hard" jeden Tag, Hustlen, Geld, Geld, Bitches, Geld und natürlich das Zurschaustellen desselbigen. Das hört sich äußerst langweilig an. Es wäre mit den richtigen Produktionen wohl erträglich. Aber bei "Money Rules Tha World" kommt natürlich alles zusammen. Seine besten Momente hat die Scheibe dann, wenn sie sich von nervtötender Trendnachhechelei zu belanglosem Hintergrundgeplätscher aufschwingt. "Talk It Over" beispielsweise ist dafür ein gutes Beispiel und ist mit Pitch-Voice und gemäßigtem Sound zu den besten Momenten der LP zu zählen. Auf der anderen Seite stehen Songs wie "Dollar Bill", bei dem Spectacular's Vergewaltigung eines Method Man-Samples eigentlich bestraft gehört. Ein großes Fragezeichen schwebt außerdem über den zwei eingestreuten Skits, in denen Freekey Zekey (inklusive seinem Pokemon-Ruf) und 40 Cal anrufen, um das Album mit insgesamt einer Minute purer Leere auszupolstern. Irgendwie verwundert es auch nicht, wenn ein P. Dub (eine Kreuzung aus Akon und T-Pain) in "Paper Chaser" sein Häufchen auf die Hook setzt. Ganz egal, mit welchen Tracktiteln Fred versucht, Abwechslung vorzugaukeln - er landet immer wieder bei seinen gewohnten Themen, ebenso wie seine Instrumentale kein einziges Mal einen Ausbruch nach oben unternehmen. Während man sich also durch das Album skippt und sich wundert, dass es tatsächlich kein einziger guter Song aufs Album geschafft hat, fallen die Gäste (vor allem Writer) überhaupt nicht auf, und ehe man sich's versieht, sitzt man bei dem sehr kurzen "Fresh Money", wobei Fred ein letztes Mal in der Pampe aus lyrischem Kindergartenprogramm rührt. "Money On My Mind", "Work", "(Money) Over Here" - es ist eine sich immer wiederholende Geschichte, die niemandem auf Albumlänge zumutbar ist.


Fazit:
Frederik Geld, geh und komm nie wieder. Wenn es in Supermärkten austauschbare Rap-Cyborgs zu kaufen gäbe, so wäre Fred Money das Sparprodukt von Lidl. Nicht wegen seinen schlechten Rap-Künste, sondern wegen seinen Texten, die schlicht und ergreifend unter aller Sau sind. Ein einziger Satz reicht aus, um Fred's Wortschatz zweimal zu fassen. Folglich muss man Babygrande zu einem neuen Tief in der Neu-Signing-Flut gratulieren und sie gleichzeitig fragen, wieso diese Scheiße (oh ja, Fäkalsprache durchaus angebracht) veröffentlicht wird, wo doch das Label früher einmal für hohe Qualität stand. Immerhin ist "Money Rules Tha World" so kanten- und haarlos, dass es vorbeizieht, ohne auch nur eine einzige Spur zu hinterlassen. Höchstens die Frage, was mit dieser Rap-Welt los ist.

Gesamtwertung: 2.5 / 10

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Mittwoch, 24. Juni 2009

D-Block - No Security

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Release Date: 09. Juni 2009
Label: E1 Music

Tracklist:
01. So Much Trouble (Feat. Sheek Louch, Styles P Bucky & Beanie Sigel)
02. Thrilla (Feat. Sheek Louch, Snyp Life, Large Amount & Tommy Star)
03. Show 'Em (Feat. Don D, T.Y. & OJ Da Juiceman)
04. Get That Paper (Feat. Sheek Louch, Styles P, Jadakiss & S.I.)
05. Get Ya Bounce On (Feat. Large Amount, A.P., Bully & Webstar)
06. From the Block (Feat. Sheek Louch, Styles P, Bully, T.Y. & Tommy Star)
07. That's D-Block (Feat. Styles P, Bucky, Straw, Large Amount, AP & Snyp Life)
08. Round & Round (Feat. Large Amount, A.P., Bully & Tommy Star)
09. Hello (Feat. Sheek Louch, Large Amount, T.Y., Bucky & Red Cafe)
10. Brother's Keeper (Feat. Sheek Louch, Jadakiss, Styles P & Bully)
11. Hustler's Prayer (Feat. Styles P, Bully & Straw)
12. Like That Ya'll (Remix) (Feat. Sheek Louch, Styles P, Jadakiss, A.P., Straw & Snyp Life)



Es ist ein weithin bekannter Name, hinter dem sich eigentlich gar nicht so viel verbirgt: The LOX, Schrägstrich D-Block, haben sich ihren Ruhm sicher nicht durch ihre Musik erspielt. Zwei mehr oder weniger solide Gruppenalben, die mittlerweile neun bzw. elf Jahre zurückliegen, sowie eine sehr durchwachsene Stange an Solo-Releases markieren den Werdegang von Jadakiss, Styles P und Sheek Louch. Nachdem man nach Bad Boy ins Ruff Ryders-Kollektiv eingegliedert war, kam nach dem Abklingen des RR-Hype die Idee, sich selbst einige Rap-Lakaien anzueignen, die als D-Block seither ein unebachtetes Dasein fristen. Ob sich das nun ändert, bleibt zu bezweifeln: Bei "No Security" stehen, wie das Cover schon ganz richtig zeigt, wieder die drei LOX-Mitglieder im Mittelpunkt.

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Das mag vielleicht daran liegen, dass es das erste Gruppenalbum seit "We Are The Streets" ist. Und ganz ungeachtet der Tatsache, dass man bei The LOX eigentlich nie von einer wirklichen Hochphase sprechen kann, rauschen sie derzeit allesamt bergab. Das führte erst jüngst Jada's "The Last Kiss" vor Augen. Ziel der Talfahrt ist dabei der große Pool aus absatzgeilen Trendrappern. Doch da man ja immerhin aus den harten Straßen von Yonkers stammt, wird die ganze Chose in ein wenig Street-Flavor geworfen. Und nun ist man bei "No Security", das sich in seinen wesentlichen Zügen auch nicht zu sehr von Jada's letztem Album unterscheidet, nur ein bisschen mehr Posse raushängen lässt. Das bedeutet im Klartext: Einem eigentlich einwandfreien Banger - "From The Block" - wird eine nicht sehr maskuline Hook übergestülpt. Im Einstieg lassen sich die harten Männer vom Cover den Weg von einer (gewohnt oberflächlichen) Vinny Idol-Produktion ebnen, um dann "So Much Trouble" zu machen. Notieren darf man sich dabei das (wenig spektakuläre) Lebenszeichen von Beanie Sigel, der Rest ist schnell vergessen. Ebenso und vor allem die Pfosten, die im unteren Teil des Covers posieren. Es hat einen guten Grund, warum das Team Arliss (bzw. hier nur St. Raw) seit 2004 nur auf überflüssigen Mixtapes vegetieren. Auch die weiteren Anstrengungen in Form eines Bully, AP oder Snyp Life demonstrieren auf anschauliche Weise, wie sehr das Vorhaben, hinter die LOX-Drillinge ein charakterstarkes Team zu setzen, misslungen ist. Doch natürlich ist das alles nichts gegen die größte Plage des Albums. Glücklicherweise nur einmal als Gast zu hören (doch alleine das muss den Gastgebern vorgeworfen werden), gehört OJ Da Juiceman sein Mikro so tief in den Rachen gesteckt, dass man seiner Magensäure lauschen kann. Und selbst die würde wahrscheinlich verständlicheres Englisch sprechen. Selbstredend wird um diesen Rap-Schandfleck mit "Show 'Em" ein kompletter Papierkorbfüller hochgezogen. Wo man schon bei den Glanzpunkten der Scheibe ist, darf natürlich "That's D-Block" nicht fehlen, ein lyrischer Tiefflieger der Extraklasse ("They get pissy, drunk and mad high - yeah that's D-Block, my niggas is mad live / They be in shoot-outs and night fights - yeah that's D-Block, shit, real live, right?"). Da sieht "Get That Paper" als ruhige, wenn auch ähnlich platte Nummer wesentlich besser aus. Ansonsten habe ich jetzt schon zuviele Worte verloren, die "No Security" eigentlich nicht wert ist. Vergessenswert ist der Großteil, abheben können sich da nur zwei Beats: Scram Jones' "Hello", das einen düsteren Beat mit weiblichen Bollywood-Vocals verbindet, sowie Pete Rock's "Like Y'All (Remix)", das zwar keine Erleuchtung ist, in Sachen Street-Sound aber alle Vinny Idols und Toneheadz in der Pfeife raucht. Im Anschluss noch schleppende drei versteckte Bonus-Songs anzuhängen, entzieht sich allerdings des guten Humors.


Fazit:
Angehört, abgeurteilt und weg damit. In "No Security" passiert so wenig wie nur irgend möglich. Das heißt nicht, dass LOX & Co. vollkommen schlechtes Material auftischen, sehr wohl aber, dass man sämtliche Erwartungen lieber zuhause lässt. Ein unglücklicher Umstand ist es zudem, dass mit all den Halbstarken um Jada, Sheek und Styles herum nicht wirklich eine Stärkung bewirkt wird, sondern vielmehr das Gegenteil. Hinzu kommt der nicht nachvollziehbar profillose Geschmack bei der Wahl der Beats, und schon landet man beim nächsten Release, dem man am besten und zu Recht seine Aufmerksamkeit vorenthält. Als Zwischenzeugnis und Widergabe des Stands der Dinge bis zum bereits angekündigten dritten LOX-Album auf Bad Boy spricht "No Security" eine klare Sprache: Hier muss schon einiges passieren, damit man sich wieder aus der langweiligen Masse heraus erhebt.

Gesamtwertung: 3.9 / 10

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Dienstag, 26. Mai 2009

Guru & Solar - Guru 8.0: Lost & Found

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Release Date: 19. Mai 2009
Label: 7 Grand Records

Tracklist:
01. Lost And Found
02. Fastlane
03. Ride (Feat. Omar)
04. No Gimmick Shit (Feat. Doo Wop)
05. Read Between Tha Linez Solar (Feat. K Born & Highpower)
06. Best Of My Yearz
07. Divine Rule
08. When U Least Expect (Feat. K Born & High Power)
09. After Time (Feat.Solar)
10. Those Dayz R Gone
11. Stop Frontin
12. Own Worst Enemy
13. Cee What We Do
14. Love-Hate Thang
15. It's A Shock
16. 6 Cipher (Feat. K Born & Highpower)
17. 7 Grand, Off Tha Chain



Man will es gar nicht glauben: Diese Scheibe ist inzwischen die vierte Zusammenarbeit zwischen Guru und Solar auf Albumlänge. Neben Projekten unter dem Motto der "Jazzmatazz"-Reihe gab es bereits 2007 die sehr lauwarmen "Street Scriptures", die eigentlich nur eines aufzeigten: Die Fans wollen DJ Premier zurück. Doch weit gefehlt, hier folgt mit "8.0" der direkte Nachfolger, bei dem natürlich Premo's Ablöse hinter jedem Instrumental steht und das über das gemeinsam ins Leben gerufene 7 Grand-Label erscheint. Von dort stammen auch alle Gastbeiträge, welchen auf "Lost & Found" die Möglichkeit gegeben wird, sich der Welt zu präsentieren.

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Um gar nicht lange um den heißen Brei herumzureden: Die folgenden Zeilen beschäftigen sich größtenteils damit, in Worte zu fassen, wie unerhört schlecht dieses Album ist. Doch immer der Reihe nach - schließlich kann man zu Beginn das drohende Unheil, das sich erstmals beim Anblick des ideenlosen Covers als kleiner Bach der Vorahnung ergießt und sich schnell in einen reißenden Strom ausweitet, nur erahnen. Schon "The Street Scriptures" eröffnete, dass Solar gerne unerreichte Songs sampelt und weithin bekannte Melodien durch den Fleischwolf dreht, um sie dann Mr. Gurizzy vorzuwerfen. Doch was der "Super Producer" hier veranstaltet, liegt jenseits von Gut und Böse. Gleich zu Beginn wird der Animals-Klassiker "House Of The Rising Sun" ins Süppchen geworfen, was dem Album einen schleppenden Einstieg beschert. Doch "Lost And Found" war noch harmlos: Wer wissen will, wie Guru auf Autotune klingt, der bekommt in "Fastlane" die - grauenhafte - Antwort. Für "It's A Shock" leiht such Guru das RoboCop-Kostüm von Kanye West, in "Own Worst Enemy" malträtiert er seine Hörerschaft mit einer ausgelutscht langatmigen Hook und einem einschläfernden Flow. Hinter allem steht natürlich die Lichtgestalt, der Super Producer, das Genie Solar. Seicht, hektisch, identitätslos und vollkommen belanglos - mit diesen Attributen lassen sich abwechselnd die Beats der Scheibe zusammenfassen. Denn meistens, wenn Guru einen besseren Tag erwischt hat, ist es Solar, der das Kellerniveau garantiert. Das Zusammenfallen des Nichtversagens von beiden Herren zu einem Zeitpunkt liefert dann die wenigen hörbaren Songs. "Divine Rule" ist ein Disco-Break und als Tribut an die alten Tage gedacht, funktioniert erstaunlicherweise auch und verlangt Guru ein etwas schnelleres Tempo ab. Ein wirkliches Highlight gibt es trotzdem nicht. Doch auf der Suche nach Erträglichem wird man auch an "Ride" vorbeikommen, in dem der britische Omar in die Fußstapfen von Roger Troutman tritt und - als Direktvergleich zum direkt vorher gehörten Autotune - den Vocoder auspackt. Der krasse Kontrast dazu ist "Gimmick Shit", das mit orientalischem Gestocher mehr als nur abgestanden riecht und bei dem auch ein Doo Wop keine Abwechslung ins Spiel bringt. Ebenso wie einen Großteil der Songs hat man auch K Born und Highpower schnellstens wieder vergessen. Erwähnenswert ist noch der Moment, in dem der Super Producer zum Super Emcee mutiert und, während in "After Time" ein Queen-Sample mager aufgetragen wird, zeigt, was die Welt bisher verpasst hat. "Read Between Tha Linez Solar" versagt mit grummelnden Bässen, während Guru doch tatsächlich ein "Arm, leg, leg, arm, head" über ein Foreigner-Sample brabbelt. Wenn man das Trauerspiel fast hinter sich hat, bekommt man noch versichtert, dass 7 Grand "Off The Chain" ist. Vielen Dank für den Hinweis.


Fazit:
Bei all den Pressemitteilungen, die in der heutigen Zeit im Internet umherflattern, ist sowieso das direkte Ignorieren meist eine gute Lösung. Doch was in jenem zum hier vorliegenden Album vom Himmel gelobt wird, ist pure Comedy. Denn, das sei einmal festgehalten: "Lost & Found" ist der absolute Tiefpunkt - zumindest bisher. Und auch wenn Solar wirklich sein Bestes gibt, um diesem Umstand gerecht zu werden, stehen auch Guru ein paar Lorbeeren zu: Es ist kaum zu glauben, dass der lustlos vor sich hin murmelnde Guru derselbe ist, der einst Großtaten mit DJ Premier beging. Doch wie auch immer: Lasst die Finger von diesem Schmutz!

Gesamtwertung: 2.7 / 10

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Busta Rhymes - Back On My B.S.

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Release Date: 15. Mai 2009 (D) / 19. Mai 2009 (US)
Label: Universal Motown / Flipmode

Tracklist:
01. Wheel Of Fortune
02. Give 'Em What They Askin' For
03. Respect My Conglomerate (Feat. Lil Wayne & Jadakiss)
04. Shoot For The Moon
05. Huster's Anthem 2009 (Feat. T-Pain)
06. Kill Dem (Feat. Pharell & Tosh)
07. Arab Money (Feat. Ron Browz)
08. I'ma Go And Get My... (Feat. Mike Epps)
09. We Want In (Feat. Ron Browz, Spliff Star & Show Money)
10. We Miss You (Feat. Jelly Roll & DeMarco)
11. Sugar (Feat. Jelly Roll)
12. Don't Believe Them (Feat. Akon & T.I)
13. Decision (Feat. Mary J. Blige, Jamie Foxx, John Legend & Common)
14. World Go Round (Feat. Estelle)



Nach schier unendlichen Verzögerungen und Label-Turbulenzen hat es Busta Rhymes doch noch geschafft. Busta Rhymes, eines der etabliertesten Gesichter im Rap-Geschäft, der es mit seinem Werdegang von den Leaders Of The New School bis hin zum Aftermath-Deal immer geschafft hat, mitten im Geschehen zu stehen. Trotzdem war "The Big Bang" dann mehr ein dezentes Rauschen als der große Knall. Also sollte schon Ende 2007 mit "Back On My Bullshit" nachgelegt werden. Inzwischen sind fast eineinhalb Jahre, unzählige Promo-Singles und mehrere Albumtitel vorbeigezogen, bis Busta mit "Back On My B.S." schließlich bei Universal Motown gelandet ist.

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Was also soll man sich von einem neuen Busta Rhymes Album, auf dem die halbe Gemeinde der derzeit durch BET und sonstige Musiksender springenden Trendvögel und HipPop-Künstler vertreten ist, erwarten? Kommt da ein Busta Rhymes überhaupt noch zu Wort? Ja, in gewisser Weise tut er das schon. Zurück bei seinem Bullshit, das ergibt natürlich nur Sinn, wenn Bullshit mit Geldmachen, Trends setzen oder aber solche kopieren und auswälzen gleichzusetzen ist. Denn genau das ist "Back On My B.S.". Ob man Busta bisher so kannte, diese Entscheidung sei jedem selbst überlassen. Eines jedenfalls ist schwer zu leugnen: Busta nimmt von allem ein wenig, rührt einmal kräftig um und setzt sein immer noch vorhandenes Reimtalent obendrauf. Dabei darf man noch froh sein, dass man es hier nicht mit 14 Variationen von "Arab Money" zu tun hat. Immerhin konnte er mit der Vorab-Single auf sich aufmerksam machen. Doch: Der tiefschürfende politische Hinweis auf die Kapitalverschiebung aus der westlichen Welt heraus sei Busta dabei gar nicht erst unterstellt, die eingängigen Synthies und das arabische Autotune-Gejodel sind Ron Browz sicher nicht als kreativer Erguss gutzuschreiben und für das hirnrissige Ärmchenwackeln bleibt mein Geist nach wie vor unter 2.0 Promille verschlossen. Diesen "Trend" darf man verpassen, ohne etwas verpasst zu haben. Und dabei fängt alles so schön an: "Wheel Of Fortune" markiert gleich zu Beginn das Highlight der Scheibe, wenn DJ Scratch zeigt, wie man einen Busta Rhymes mit auf Staub tanzenden Snares auch 2009 aus der Reserve locken kann. Schön wär's gewesen. Aber nein, das eigentliche Anliegen dieser Scheibe ist es offensichtlich, mit jedem einzelnen Song eine potentielle, massentaugliche Hit-Single einzureichen, was natürlich sämtliche Sünden mit einschließt, derer es derzeit bedarf, um das Maximum an Käufern zu erreichen. In Busta's Worten heißt das "Give 'Em What They Askin' For". Und die Leute wollen Ron Browz, denn auch hier hat er seine Finger im Spiel und unterstützt Busta mit Claps und gelooptn "Hey"-Rufen, welche auch von Swizz Beatz hätten stammen können. "We Want In" führt den Ether Boy zum dritten Mal ins Feld, diesmal wieder in der - gänzlich missratenen - Hook. Ansonsten wird man zwischendurch bemerken, dass gerade die Neptunes mit ihren Bläsern in "Kill Dem" einen der bodenständigsten Songs des Albums produziert haben oder dass "Don't Believe 'Em" in bester Lego-Baukasten-Manier eine Akon-Hook und einen Beat, der sich als Querschnitt der Instrumentals eines T.I. Albums beschreiben lässt, zusammenstöpselt und dabei in vollkommener Charakterlosigkeit in sich zusammenstürzt. Der obligatorische T-Pain-Auftritt ist gewohnte Kost, die - wenn man T-Pain in seiner Existenz anerkennt - als weder negativ noch wirklich positiv abgehakt werden kann. Nichts anderes gilt für "Respect My Conglomerate", wohingegen "Shoot For The Moon im Chorus patzt und "Sugar" dank eines selten schlechten Gasts in Sülze versinkt. "Decision" soll nach der langen Party wohl der Song zum Ausspannen sein. Doch sowohl der stimmlich noch sehr angeraute Busta sowie das Trio Singsang wirken zu aufgesetzt. Einzig und allein Common ist mit seinem bedacht und (vor allem) dezent eingesetzten Stimmorgan Balsam für die Seele und stellt somit den einzigen Moment des Albums dar, in dem man entspannt ausatmen kann. Denn zum Schluss werden nochmal die Pferde vorgespannt und es wird mit "World Go Round" mit Vollgas gen Club gedonnert.


Fazit:
Mit einer nüchternen Erwartungshaltung kann man im Nachhinein sagen: Alles halb so wild. Gute 75% fallen aktuellen Trends zum Opfer, darunter kann man eventuell beklagen, dass sich der Autotune doch ein wenig zu oft eingeschlichen hat. Doch selbst in diesem Großteil, der mit Busta Rhymes selbst relativ wenig zu tun hat, schlägt sich Mr. Break Ya Neck noch besser als viele andere. Außerdem offenbart die Scheibe, dass Busta auch noch Tracks wie "Wheel Of Fortune" beherrscht. "Back On My B.S." ist weniger ein Album als eine Ansammlung an Songs und dürfte sein Ziel, Anklang bei der HipPop-Gemeinde zu finden, mit Bravour meistern. Wer also mit den Gästen etwas anfangen kann, der wird hier ein sehr gutes Album vorfinden. Die HipHop-Hörer dürfen einmal mit den Achseln zucken und sich langlebigerem Material zuwenden. "Back On My B.S." ist genießbares Fast-Food, aber eben nur Fast-Food.

Gesamtwertung: 3.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

K.A.R. - Joe Crack & Pistol Pete Present: K.A.R.

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Release Date: 05. Mai 2009
Label: E1 Music

Tracklist:
01. Intro From Pistol Pete
02. Girls Wanna Have Fun (Feat. Ace Hood)
03. Hustler
04. They Hate Me Man (Feat. DJ Khaled & Dre)
05. Getting Money Money (Feat. Tony Sunshine)
06. Oh Baby (Feat. Fat Joe)
07. You Could Tell I'm From New York (Feat. Jadakiss)
08. Guy Like Me (Feat. Sean Kingston)
09. From The City (Feat. Layzie Bone)
10. This Is The X (Feat. Fat Joe & Hell Rell)
11. Serious (Feat. Sheek Louch)
12. What You Gonna Do To Me (Feat. Fat Joe)
13. Get Your Money Up (Feat. Jadakiss)
14. Rat Killa (Feat. Raekwon)
15. The Takeover
16. Growing Up In The Streets
17. Get It Right



Hinter jedem neuen Namen steckt eine kleine Geschichte: Das ist bei K.A.R. nicht anders. Wo ein "Fat Joe & Pistol Pete Present" davorsteht, darf man hier nicht nur große Namen zur Steigerung der Verkaufszahlen erwarten, denn dieses Projekt geht zu einem Großteil auf Pistol Pete's Kappe: Nachdem die Bronx-Legende im Bundesgefängnis einsaß und dort miterlebte, wie Söhne ihre eigenen Mütter verpfiffen, kam ihm die Idee zu seinem Unternehmen Kill All Rats. Nachdem er 2002 entlassen wurde, begann er, K.A.R. auf legalem Wege aufzubauen und lief dabei auch Fat Joe, einem langjährigen Freund, über den Weg. Pete's K.A.R.-Projekt ist an einigen DVDs beteiligt, bis dann die Entscheidung getroffen wird, eine Gruppe zu bilden und ein Album zu veröffentlichen. Das Ergebnis hat man hier vor sich, ganz im Konzept der ursprünglichen Idee und ohne weiteren Albumtitel.

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Bisher noch nicht erwähnt wurden dabei K.A.R. selbst. Die Truppe besteht aus vier, bzw. derzeit drei Mitgliedern. Mike Beck (Brooklyn) ist seit kurzem nicht mehr dabei, jedoch auf dieser Scheibe noch zu hören. Der Rest setzt sich aus Onez (Harlem), Leader (Bronx) und Rob Cash (Harlem), welcher eigentlich schon lange bei Kay Slay hätte gesigned sein können, sich jedoch dann dafür entschied, einen dreijährigen Knastaufenthalt zwischenzuschieben und somit seine Street Cred zu pushen, zusammen. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein bunt zusammengemwürfelter Haufen, bleibt es auch bei genauerer Betrachtung: K.A.R. ist weniger eine Gruppe als eine wahllos zusammengeführte Vereinigung einiger Künstler, die zu allem Überflüss alle die markanten Charakterzüge eines Sandkorns an den Tag legen. Doch das scheint Pistol Pete bei der Auswahl nicht aufgefallen zu sein - auch nicht, dass allein schon beim Alterunterschied (Onez und Leader sind 18, Rob Cash hingegen ist 31) Zweifel aufkommen müssten, dass das Gelingen dieser Gruppe auf wackeligen Beinen steht. Fat Joe fungiert als Executive Producer, E1 als Label und den Connections der Mentoren sind wohl die satten Features zuzuschreiben, während auch bei den Produzenten einige dicke Fische geangelt werden konnten: u.a. Scott Storch, Cool & Dre oder Streetrunner. Da nun alle Äußerlichkeiten umrissen sind, darf endlich die Bestätigung dazu gegeben werden, was schon der Blick aufs Cover, auf die Tracklist oder gar schon den Titel nahelegt: Dieses Album ist das wohl austauschbarste Erzeugnis des bisherigen Jahres 2009. Von vorne bis hinten will kein einziger Beat hängenbleiben, was auch daran liegt, dass dieses Album der absolute Querschnitt des Mittelwerts sämtlichen derzeit semi-populären HipHops und den beiliegenden Trends ist. Man wird hier nicht den Ansatz eines eigenen Impulses finden, auch keinen einzigen Gast, der in Höchstform aufläuft, und erst recht keine Protagonisten, die dem Hörer im Gedächtnis bleiben. Die Songs selbst schwanken dabei zwischen harmlosem Hintergrundgeplätscher, missratenen Versuchen, der eigenen Heimat treu zu bleiben, und Skip-Kandidaten. "You Could Tell I'm From New York"? Das könnte ich beileibe nicht. Wie auch Fat Joe klingen K.A.R., als wären sie nach Miami ausgewandert. Klappern wir also die einzelnen Klischee-Songs ab: "Girls Wanna Have Fun" disqualifiziert sich durch lyrisches Vakuum und die tausendfach breitgetretenen Phrasen über Dinge, die sich mit Geld so anstellen lassen. Und das können K.A.R. besonders gut: Mit den Geldscheinen, die sie wahrscheinlich nicht einmal im dargestellten Überfluss besitzen, wedeln. "Hustler" treibt die Austauschbarkeit auf einen ultimativen Hochpunkt, der natürlich nicht ohne Autotune auskommt (und dabei noch überdurchschnittlich schwer nach T-Pain klingt). Die Synthies klingen auf dem ganzen Album ausgelutscht, und auch sonst ist der musikalische Teil fast noch ärmer als die Vorstellung am Mic. Sean Kingston soll in "Guy Like Me" karibischen Flair mitbringen und klingt dabei noch besser als der vollkommen deplatzierte Layzie Bone bei seinem Auftritt, kann aber, wie alle anderne Gäste auch, keine Akzente setzen. Jadakiss wird gleich zweimal geladen und rappt Leader in "Get Your Money Up" an die Wand. Gegen selbige fahren K.A.R. allem Anschein nach auch mit Vorliebe ihre Hooks. Im sonst eigentlich gelungen "Getting Money Money" (über die nicht vorhandenen Inhalte sei mal hinweggesehen) übernimmt das Tony Sunshine in glorreicher Art und Weise, "Oh Baby" ist ein weiterer Fall eines passablen Beats, der mit einer unterirdischen Hook beschmutzt wird. Ob eine Hookline jemals unpassender klang als im von penetrantem Gezwitscher begleiteten "Rat Killa" steht in den Sternen. "What They Gonna Do To Me" ist ein winziger Lichtblick und überrascht mit gerade zu düsterem Sound-Gerüst, "Growing Up In The Streets" ist ähnlich aufgebaut, Rob Cash's etwas plumpe Ausführungen über soziale Misstände sind jedoch nicht sonderlich fesselnd. Wirklich gut zu K.A.R. passt schließlich Khaled, der in etwa auf demselben Niveau seine Standardzeilen aufsagt und den Track an die Hater einleitet.


Fazit:
Es gleicht einer Geduldsprobe, sich dieses Album ohne Skip-Taste anzutun. Pistol Pete's Geschmack scheint keine eigenen Ausprägungen zu haben, sondern richtet sich nach dem, was gerade angesagt ist. Das K.A.R.-Projekt ist so gezwungen auf die Autotune-Gangster-Konsumenten zugeschnitten, dass es nur schiefgehen konnte. Aber dafür gehen die Kammerjäger komplett mit Mann und Maus (bzw. Ratte) unter: Wer dieses Album gehört hat und halbwegs bei Verstand ist, der wird nie wieder etwas von Kill All Rats hören wollen. "We have a statement to make", so die Worte von Pistol Pete. Eine glatte Lüge, denn "K.A.R." lässt man mit seiner Mischung aus Einheitsbrei und Aussetzern am besten an sich vorbeiziehen.

Gesamtwertung: 2.9 / 10

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Sonntag, 29. März 2009

Nu Jerzey Devil - Art Of The Devil

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 03. März 2009
Label: LiveliHood Entertainment / SoBe Entertainment

Tracklist:
01. Intro
02. Official Bloodline (Feat. Jay Rock)
03. Rapper Slash Rocker (Feat. Ya Boy)
04. Shyne Like Me (Freestyle)
05. Different Girls (Feat. Lil' Wayne)
06. Drink By The Pint (Feat. Josh Franks)
07. Rep Where You Stay
08. Put My Flag On (Freestyle)
09. Somebody's Gonna Die 2nite (Feat. Viper)
10. Do You
11. Hate (Feat. Young Buck)
12. Meet The Devil (Freestyle)
13. Jerzey: We Go Hard
14. How I Does
15. Jerz Is Nice (Freestyle)
16. That's Me (Feat. Urban Mystic)
17. So Wet (Feat. Ray J)
18. Colorful Clothes (Feat. Lil' Wayne, Baby, Maino, Trae & K.Dot)
19. In My City (Feat. Stack$)



Vor einigen Jahren war Nu Jerzey Devil noch einer von vielen Mixtape-DJs, die ihre Tapes mit Pokemon-artigen Ausrufen ihres eigenen Namens zupflasterten. Inzwischen ist der DJ fester Bestandteil des Black Wall Street-Aufgebots und konnte Produktionen bei Fat Joe, Busta Rhymes, Lil Scrappy und natürlich The Game unterbringen. Für 2009 schließlich ist Großes geplant: Das selbst-berappte Debüt-Album "Devil's Playground" soll veröffentlicht werden, davor eine EP namens "Heaven Or Hell". Vorab gibt es dieses Mixtape-Album, "Art Of The Devil", als kleinen Vorgeschmack.

"It’s always been in the back of my mind to emcee", so der Devil selbst. Also: Gratulation zur Erfüllung dieses stillen Traumes. Doch wenn man Nu Jerzey gratuliert, muss man ihm gleichzeitig die Frage stellen, was zum wortwörtlichen Teufel er sich dabei gedacht hat, der Rap-Welt seine Rap-Skillz aufzunötigen. Denn wo sich noch darüber streiten lässt, ob der Herr gut produzieren kann oder nicht, erübrigt sich diese Diskussion beim Sprechgesang mit dem ersten Satz, den man hier zu hören bekommt. Eine stinknormale Stimme, ein ansatzweise erkennbarer 08/15-Flow und Texte, bei denen es dem Fass den Boden bzw. dem Hörer das Trommelfell durchschlägt. Zitiert sei hier nur eine Passage aus "Shyne Like Me":

WRITTEN FOR Rap4Fame

"I don't know bout y'all, but yeah, they call me Jerzey
You can find me in the street ridin' somewhere dirty
Sippin' on that lean, smokin on that haze
Pistol on my hip, so don't go try and play me
Goons is ready, in the hood I'm a star
Everywhere I go, they know who I are
There go Jerze, he be doing his thing
He be fucking mad bitches and he got mad bling
"

Ob man nun desweiteren die Beimischung von einer Palette an meist gesichtslosen Features als Schadenseindämmung oder als zusätzliche Belastung auf die Ohren ansieht, bleibt jedem selbst überlassen - in jedem Fall laufen auf den 19 Tracks noch eine ganze Reihe an Gästen auf. Um das Bild perfekt zu machen, scheut sich NJD nicht, teils völlig austauschbare oder aber einfach nur nervtötende Produktionen an Bord zu lassen. Der Eintopf, der sich hieraus ergibt, ist damit eigentlich schon beim Namen genannt: Entweder man vergisst völlig, dass man gerade Musik am Laufen hat oder aber man greift zur Skip-Taste. Die Notwendigkeit, lyrisch in irgendeiner Weise zu unterhalten, erfüllt der Devil nur bedingt - nämlich durch unfreiwillige Komik. "Different Girls", am besten jeden Tag eines. Nachdem Zwerg-Wayne seine Bars heruntergequiekt hat, läuft ein völlig unmotiviert dudelndes "Drink By The Pint" mit John Franks und Autotune im Gepäck ein. Wie hier Einflüsse von allen Himmelsrichtungen zusammengeklaubt und dann durch den Fleischwolf gedreht werden, um schlussendlich einen charakterlosen Sound-Brei auszukotzen, verdient Respekt. "Rep Where You Stay" geht ans Äußerste, was das Album an Aussagen zu bieten hat. In "Hate" wird festgestellt: "All y'all fuckin do is hate, man. But if y'all hate I'm doing something right." Dass er wirklich etwas falsch macht, steht natürlich nicht zur Diskussion. "That's Me" kann als Scott Storch-Produktion wenigstens einigermaßen unterhalten, wohingegen der Posse-Track "Colorful Clothes" trotz Trae-Feature nicht die geringsten Spuren hinterlässt. "In My City" lebt nur von seinem Lovin' Spoonful-Sample, was von der eingecutteten Lil Wayne-Hook in "Rapper Slash Rocker" nicht gerade behauptet werden kann. Ein weiterer guter Beat findet sich dann im "Jerzey: We Go Hard" Freestyle, den man dem NJD jedoch nicht einmal gutschreiben darf.


Fazit:
Man lernt aus dieser Scheibe einige Dinge: Erstens, Nu Jerzey Devil sollte das Mic wieder aus der Hand geben, denn seine Skillz sind reichlich mager. Ein Album, bei dem er am Mic steht, wird dank dieses Umstands grundsätzlich keine hohen Wertungen zustande bringen. Außerdem lässt dieses Mix-Album auf Jerzey's Geschmack bei der Beat-Wahl schließen, welche die Kronenzahl zusätzlich mindert und auch in Zukunft mindern wird. Dann fehlen noch die Features. Diese sind zwar besser als der Protagonist selbst, haben jedoch trotzdem keinen besonderen Unterhaltungswert vorzuweisen. "Art Of The Devil" anzuhören, ist schlicht und ergreifend ein Ärgernis. Hier gibt es wenig bis keine Hoffnung.

Gesamtwertung: 2.0 / 10

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Sonntag, 1. März 2009

Havoc - Hidden Files

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Release Date: 24. Februar 2009
Label: E1 Music

Tracklist:
01. Can't Get Touched
02. I Clap'Em Up
03. Watch Me (Feat. Ricky Blaze)
04. Heart Of The Grind
05. You Treated Me (Feat. Cassidy)
06. My Life
07. That's My Word
08. The Hustler
09. The Millennium
10. Walk Wit Me
11. On A Mission (Feat. Prodigy)
12. This Is Where It's At (Feat. Big Noyd)
13. Don't Knock It Til You Try It
14. Tell Me More (Feat. Sonyae Elyse)



Havoc-Solo die Zweite. Es ist generell erstaunlich, dass die eine Hälfte des legendären Duos Mobb Deep bis zum Jahr 2007 braucht, um ein Solo-Werk zu veröffentlichen, damals noch über Nature Sounds. Sein einsitzender Kollege Prodigy hatte bis zum Ende 2008 vier Alben im Kasten. Da hat Hav natürlich Einiges nachzuholen. Angefangen wird mit diesem Release. Wenn auch noch immer im Liebeskontrakt mit der G-Unit, darf sich der Producer und Emcee auf KOCH Records mit eigenen Projekten austoben. KOCH wird zu E1 Music, an dem Release des neuen Albums ändert das jedoch nichts: "Hidden Files" heißt die Scheibe, mit der den QB-Fans neues Futter serviert werden soll.

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Man will es gar nicht verschweigen: "The Kush" war für den Mann, der zwei Klassiker produziert hat, ein Armutszeugnis. Zu allem Überfluss hebt sich "Hidden Files" auf den ersten Blick keineswegs von seinem Vorgänger ab: ein nichtssagendes Cover, ausgelutschte Track-Titel und die kleine Handvoll Standard-Features, die niemanden überraschen. Die schlechte Vorahnung, mit der man hier zur Tat schreitet, bestätigt sich sehr schnell in bitterer Art und Weise. Wo soll man anfangen? Vielleicht das Schlimmste zuerst: Die Single "Watch Me" entzieht sich jeder Beschreibung: Mit T-Pain-Verschnitt Ricky Blaze (und somit natürlich Auto-Tune) im Chorus wäre der Song von einen x-beliebigen Artist schon eine Qual, tut bei jemandem wie Havoc jedoch gleich doppelt weh. Noch bevor man diese Anspielstation erreicht hat fällt auf: Havoc hat nicht besonders viel zu sagen. Seit den frühesten Tagen hat sich das Themenspektrum keinen Nanometer verschoben: Immer noch strampelt man im "Heart Of The Grind" mit Dollarbündeln als das große Ziel vor Augen. Das war früher noch gut hörbar, aber wenn man zum zehnten Mal dasselbe sagt, dann macht sich eben auch in den abgedroschenen Formulierungen ein Qualitätsabfall bemerkbar. Doch nicht nur die Texte klingen uninspiriert - auch die Beats erinnern viel zu sehr an "The Kush": Wie die Audiobeilage zu einem allumfassenden Report über den Niedergang des Ostküsten-Sounds in der HipHop-Oberschicht muten diese Instrumentals an. Und wenn dann mal, wie in "Can't Get Touched", die Produktion in Ordnung geht (doch bei weitem noch kein Highlight darstellt), dann leistet Havoc mit einer selten bildungsarmen Hook einen guten Beitrag, um den Hörer zur Skip-Taste zu verleiten. Die größten Strecken des Albums ergehen sich allerdings in gähnender Unbedeutsamkeit, die es unmöglich für den Hörer macht, auf Dauer etwas von diesem Album zu behalten. Da bildet auch das Auflaufen von Prodigy in "On A Mission" keine Ausnahme. Weiterhin bringen weder Big Noyd noch Cassidy frischen Wind, wobei "You Treated Me" wenigstens noch einen akzeptablen Beat zur Grundlage hat. "One gun, two gun, three gun, four / So many of 'em, niggas still want more / Niggas talk drama but they don't want war / My mouth watered when that line get crossed / Untimely lost" - bei solchem Gefasel überlebt "I Clap 'Em Up" keine Minute. Ausgelutschte Streicher in "My Life", lahmer Piano-Einsatz in "The Hustler" und unpassende Hektik inklusive Zuckerwatten-Hook in "Tell Me More" - man ist heilfroh, wenn man dieses Album verlässt.


Fazit:
Anstatt aufzuzählen, wo bei diesem Album die Mängel liegen, beschäftigt man sich lieber gleich mit den positiven Eindrücken: Die gehen nämlich schlafwandlerisch sicher gegen Null. Havoc stellte seit jeher bei den Raps die eindeutig schwache Hälfte des Mobb dar, doch die lyrischen Gute-Nacht-Geschichten dieses Albums bewegen sich definitiv unter seinem Niveau. Zumindest unter seinem früheren. Denn da auch bei den Produktionen extreme Abstriche gemacht werden müssen, liegt die Vermutung nahe, dass Hav inzwischen einfach abgebaut hat. Wer sich selbst etwas Gutes tun will, der sollte um dieses Album einen Bogen machen und sich sein positives Bild von Havoc (sofern nicht schon zerstört) erhalten - diese 45 Minuten sind trostlos und weggeworfen.

Gesamtwertung: 3.0 / 10

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