Mittwoch, 27. Februar 2008

KRS-One - Adventures In Emceein'

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 19. Februar 2008
Label: Echo-Vista Group

Tracklist:
01. Intro - (Feat. Rakim)
02. Today's Topics - (Feat. Chuck D)
03. Our Soldiers - (Feat. Cx)
04. Money - (Feat. MC Lyte)
05. We Dem Teachas - (Feat. Dwayne Da Rock)
06. Better & Better - (Feat. Peedoe)
07. The Way It's Goin’ Down
08. All Right - (Feat. Just Blaze)
09. Don't Get So High (Dancehall Mix)
10. I Got You
11. All My Love - (Feat. Carlet Boseman)
12. Over 30 (Remix)
13. The Teacha Returns
14. The Real Hiphop - (Feat. Nas)
15. Watch This! - (Feat. S-Five)
16. What's Your Plan?
17. Getaway
18. Don't Give It Up - (Feat. S-Five)
19. Gro---oh! (Hiphop Nation) - (Feat. S-Five)
20. It's All Love - (Feat. Non-Stop)
21. Wachanoabout



Wer sich einen Besuch im HipHop-Land vornimmt, der wird nicht daran vorbeikommen, auch den Tempel zu besuchen, in dem der Oberpriester, gerne auch The Teacha genannt, den Namen KRS-One trägt. Dass selten auf einen noch aktiven Rapper die Bezeichnung Urgestein so gut gepasst hat sei nur mal am Rande erwähnt. Wer also diesen Tempel besucht, der wird merken, dass KRS-One sein Mic noch lange nicht an den Nagel gehängt hat. Nach dem jüngsten Projekt, dem Kollabo-Album mit dem früheren Opponent Marley Marl, steht Anfang 2008 schon das nächste Werk ins Haus. Neben einem Album namens "Maximum Strength", das alte Songs beinhalten wird, veröffentlicht KRS nämlich ein brandneues Album namens "Adventures In Emceein'".

Dass man dieses Ding wegwerfen will, bevor man es überhaupt angehört hat, das schafft auf glorreiche Weise ein Cover, das allem Anschein nach größten Wert darauf legt, eine Frechheit zu sein. Was bei tödlichst unbekannten Artists zu entschuldigen ist, ruft bei einem Künstler wie KRS-One einfach nur Unverständnis hervor; dieser Typ wird sich doch jemanden leisten können, der mit Photoshop eine längere Erfahrungsdauer als einen Tag aufzuweisen hat. Aber ich will mein ganzes Pulver nicht schon bei diesem Witz eines Covers verschießen, dafür ist das Album viel zu schade. Denn weiter geht es mit der Trackliste. Bei so viel Geteachere zückt der Deutschlehrer schon seinen Rotstift in der gewissen Vorahnung auf unzählige Wiederholungen. Fast schon erdrückt von diesen bösen Vorahnungen taucht man also in ein kurzes "Intro" ein, das fließend in "Today's Topics" übergeht, und diese Topics werden von einem weiteren Urgestein, Chuck D, vorgetragen. Und erstaunlicherweise ist dieser äußerst kurze Track alles andere als schlecht.

Diese ersten beiden Tracks hat KRS gut genutzt - denn nun hat er mit seiner unfehlbaren Knowledge-Keule soweit ausgeholt, dass er den Hörer für den Rest des Albums damit abwatschen kann. Angefangen wird mit "Our Soldiers": über einen soliden, doch unspektakulären Beat, rollt KRS die Wahrheit auf und enthüllt, dass der von der US-Regierung angezettelte Krieg eigentlich total unnötig ist. Während man noch total geschockt von dieser Offenbarung ist, lässt KRS keine Pause zu, sondern stellt gleich den nächsten Bösewicht an den Pranger - den Herrn Geld, alias "Money". Bei wieder solide unauffälligem Beat und Spoken Word-Einlagen von MC Lyte werden unfehlbare Wahrheiten klargestellt, wie zum Beispiel: "M-O-N-E-Y, don't ask why, it is the root of all evil, the very necessary to your livelihood, it's all good, when you got enough; 'til enough ain't enough". Auch wenn sich der marktwirtschaftlich aufgeklärte Mensch hier, unwissend ob er jetzt schockiert oder belustigt sein soll, an den Kopf fasst: man sollte KRS doch unbedingt glauben, denn seine Traumwelt, in der kein Geld existiert, die voller Blumenwiesen ist und in der der Wert eines PC's plus MP3-Player dem einer Kuh plus 20 Liter Milch entspricht, ist definitiv erstrebenswert.

Da solche Inhalte allerdings alles andere als eine Überraschung darstellen, kann man auch einfach weghören, was dann natürlich die Frage aufwirft, was man auf diesem Album zu suchen hat. Dass dann ausgerechnet "We Dem Teachas", das unter der scheinbar endlosen Liste der bekloppten Titelnamen nochmal den Vogel abschießt, erstaunlich erträglich gerät, scheint sich jeder Logik zu entziehen. "Comin straight out the block, we dem teachas / Always makin' that doe, on the hustle". Na da hoffe ich doch schwer, dass dieses Doe nicht aus verticktem Dope resultiert. Ganz unabhängig davon gehört Keith Stewart für diese Dämlichkeit einer Hook erschossen. KRS selbst predigt wie nicht anders zu erwarten Lines wie: "I'll never stop talkin' bout Malcolm X / And I'll never stop talkin' bout havin save sex". Und trotz der stellenweisen Wässrigkeit darf man dem Mann hier ein "hörenswert" attestieren.

Trotz seiner auf Albumlänge äußerst anstrengenden Stimme verzichtet KRS größtenteils auf Features. Eines (in Form von Pee-Doe) findet sich jedoch auf "Better & Better", das sich über eine hektische Komposition aus Streichern freuen kann. "However, I'm really fascinating to the letter / My English grammar gets better & better". Für die zweite Hälfte dieser Line darf man jedem Grundschüler ein anerkennendes Lob zusprechen, nur von einem 42-jährigen dürfte man eigentlich schon den Abschluss dieses Lernprozesses erwarten. Wie auch immer, ganz im Trend von Tracks mit kurzer Spielzeit findet man sich nach weniger als drei Minuten schon im nächsten (noch kürzeren) Song, in dem Adam Deitsch ganz gemäß der bisherigen Beatkulisse ein weiteres Bäumchen in die Landschaft stellt, welches dann aber doch ziemlich großen Abstand zum Langzeitgedächtnis hält. "HipHop East, West, North, South, we lovin it / It's time for new leadership, time for self-government". Natürlich für sich genommen, wie übrigens ein Großteil von KRS' Verbaloutput, weder tragisch oder besonders, nur in seiner Gesamtheit, gespittet von diesem ausrangierten Fast-Rentner, nicht ernst zu nehmen.

"The Teacha Returns". Schon wieder? Zumindest auf einen von Bam Beats annehmbar gestalteten Beat, der auch KRS eine halbwegs lustige Line entlockt. "I be rockin them drums, all you do is shoutin' / What's your adress, 69 Brokeback Mountain?". Nach einem gesprochenen Intro von Nas erklingt mit "The Real HipHop" der bis dato beste Track, was vorwiegend an dem soliden Beat liegt. Mit "Watch This!" begibt sich KRS in elektronische Beat-Gefilde, die ihm eindeutig nicht stehen, weswegen hier auch nicht mehr als Mittelmäßigkeit drin ist. Geboten wird außerdem einer von zu vielen unaufregenden Auftritten von S-Five. Der nächste richtig gute Track folgt mit "What's Your Plan?", für den Alex Track verantwortlich ist. Wieso nicht öfter so? O nein, denn Abwechslung muss sein und deshalb klingt "All Right" mit seinen Streichern eher wie eine typische Represent-Nummer eines Releases von irgendwo zwischen Georgia und Texas. Für einen unheilverkündenden Dancehall Mix hätte "Don't Get So High" dann jedoch erheblich schlimmer ausfallen können. "Some say I'm stuck back in 84, I don't know / I don't see no nicklebags, yo / I don't see no Word Up! Mags, yo / All I see is striaght up fags, yo.

Da dieses Album stolze 21 Tracks besitzt, sprich viel zu viele, fängt ungefähr nun die leichte Langeweile an, über die auch nicht mehr die Raps vom Blastmaster hinweghelfen. "I'm omni-hood, that means I rep every street". Solche Lines finden sich viel zu selten auf "I Got You". Jetzt aber zum besten Teil des Albums. Bis zu diesem Punkt konnte man seitens der Beats noch keinen wirklichen Totalausfall beklagen. Dieser zeigt sich auch noch nicht in "All My Love", wobei die gesäuselten und allgegenwärtigen Vocals von Carlet Boseman in anderer Weise eine Tortur darstellen. Doch das war noch nichts. Denn wenn dieser Track den Anus darstellt, dann ist der Rattenschwanz der nun folgenden Tracks dessen Output.

"Over 30 (Remix)" leitet mit traumhaft grottigem Beat ein, Ohrenkrebs bekommt man nach der unangenehmen Hook von "Get Away" spätestens bei "Don't Give It Up". Während man sich noch fragt, wieso KRS hier über Produktionen rappt, die jeder zweitklassige South-Rapper verschmäht hätte, kommt der eigentliche Knaller des Albums. "Gro---oh! (HipHop Nation)" ist, abgesehen von der verursachten Übelkeit, schon wieder höchstamüsant. Dass sich KRS-One wirklich mit einer solchen Schlechtheit auf ein Album traut, verdient Anerkennung. Über den Inhalt ist mit dem Titel schon alles gesagt. Da KRS diesen Song nicht überbieten kann, setzt er in "It's All Love" auf ein langweiliges Piano mit Dünnbrettbohrer-Hook und einem Tick Kitsch. Äußerst fehl am Platz wirkt das abschließende "Wachanoabout", das mit Metal-Einfluss und stark dominierender Gitarre von Vince Flores jedoch trotzdem weitaus besser als seine Vorgänger ist. Und damit wäre diese Show, Schrägstrich, Panne, vorbei.


Fazit:
Es ist nicht einfach, einer noch lebenden Person den Titel "Legende" zuzusprechen. Bei KRS-One jedoch wird wohl niemand Einspruch dagegen erheben. Dies führt zur Preisfrage des Tages: Was sollten Legenden auf keinen Falls tun? Genau, dann noch Musik machen, wenn sie schon lange hätten in Rente gehen sollen. Dass man dabei seinen eigenen guten Namen noch extrem in den Dreck ziehen kann, haben unlängst erst Mobb Depp, ääh Deep, lehrbuchmäßig vorgeführt. Nichts anderes ist dieses Album. Ganz wie zu erwarten. Da KRS für "Knowledge Reign Supreme" steht, sollte sich der Mann, der dieses Album veröffentlicht hat, ab sofort nur noch "One" nennen. Die teils passablen bis guten Beats, die den totalen Aussetzern und der Eintönigkeit der plattgetretenen Lyrics und deren Inhalt gegenüberstehen, verhindern eine absolute Keller-Wertung. Falls KRS-One wirklich meint, er muss die HipHop-Welt weiter mit seiner Musik segnen, dann sollte er jedoch dringendst einiges ändern.

Gesamtwertung: 3.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Torae - Daily Conversation

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 29. Januar 2008

Label: Internal Affairs Ent. / Fat Beats

Tracklist:
01. Intro
02. Callin' Me
03. Somethin' To See
04. The Journey Pt. I
05. Click - (Feat. Skyzoo)
06. Fantaztik 4 - (Feat. Chaundon, Kil Ripkin & Skyzoo)
07. Think About It - (Feat. Teflon)
08. Switch
09. Get It Goin'
10. Save The Day - (Feat. Stimuli & Kel Spencer)
11. The Nigguz Is Comin' - (Feat. Tash)
12. CME The Entity - (Feat. Skyzoo, Yatta Barz & Zeqway)
13. Get It Done - (Feat. Skyzoo)
14. Tayler Made
15. Casualty (Bonus Track)



Mit Torae's Beinamen "Da Young Veteran" ist schon eine ganze Menge über diesen Artist gesagt, um dessen Werk es hier geht. Ohne auch nur ein einziges Release auf dem Konto ist es nämlich hier mal wieder alles andere als ein Rookie, der ins Rampenlicht tritt. Früher ein Teil der Diplomats ist er jetzt einerseits allein und andererseits doch in bester Gesellschaft. Dass er sich hier Beiträge der halben Eastcoast leisten kann, kommt laut seiner eigenen Aussage von 100% Grind. Desweiteren ist das Anfang 2008 erscheinende "Daily Conversation" weniger als Album, sondern als Streetalbum mit einer Zusammenstellung von hottem Material, sozusagen als Re-Introduction, gedacht.

Wer keinen Blick auf Feature- oder Producerliste geworfen hat, dem hilft Torae mit seinem Intro auf die Sprünge. Unter anderem sprechen ihm DJ Premier, Pete Rock, Masta Ace, Khrysis oder Little Brother's Phonte aufs Band und bekunden ihre Vorfreude auf "Daily Conversation". Dieses steigt dann auch noch im "Intro" voll ein. "Daily Conversation is more than a mixtape / But this is less of a intro, these is just words to set the tempo / [....] / You can hate it or love it but at least respect it". Damit wäre das Anliegen, welches Torae mit der Platte hat, auch schon ausformuliert. Und wer hinter all dem ein typisches Eastcoast Neo-BoomBap Album, von denen in letzter Zeit wieder vermehrt Exemplare veröffentlicht wurden, vermutet - vollkommen richtig! "Callin' Me" fällt in die Sparte der soulig-angehauchten Tracks, wobei dem Torae mit seinem klaren und definitiv guten Flow auch zweifelsohne zu unterhalten weiß.

Im Khrysis-produzierten "Somethin' To See" erzählt Torae wie schon im Track zuvor von sich und seinen Fähigkeiten am Mic. Nichts was man nicht schon in zig-facher Variation gehört hätte, und trotzdem auch beim hundert und ersten Mal gut hörbar. Zum soliden Beginn gesellt sich nun noch "The Journey Pt. 1", das diesmal auch, ganz unter dem Motto des Klimaschutzes, Beat-Recycling betreibt. Das hält, ergänzt durch Torae's Ausführungen über seinen bisherigen Karriere-Weg, den Hörer zwar weiterhin bei Stange, ist dann jedoch schon etwas ärgerlich. "A few niggas probably know me from the Diplomats / Before they had the byrd chains and the fitted hats".

Damit wären wir bei der ersten Primo-Produktion. Und für alle, die die Auffassung vertreten, dessen Beats locken seit der Jahrtausendwende keinen mehr hinter dem Ofen hervor; damit hat der Herr Premier kein Problem. Als Gegenmaßnahme wird jedoch eine breite Front an Hörnern angesetzt, die alles, was noch hinter sämtlichen Öfen kauert, mit dezent wuchtigem Druck von dort hinfortfegt. Denn so ein bisschen Primo ab und an tut einfach gut. "Nigga I'm New York grounded / Holdin New York down / With the creator of the New York sound / And it can never be another or new version of nothing / Niggas must have forgot where it started, Primo they buggin' / It's more of the future, less of what you used ta / Whoever feel Hip Hop is dead, here's a booster / [...] / You should sit down and listen, to what the game's been missing / Cause reprogram was my re-definition". Sosehr sich Torae's letztere Aussagen hier mit der Wahrheit beißen, diese Nummer, bei der zudem Tor's bester Buddy Skyzoo zugegen ist, macht Spaß.

Der Beweis, dass aus diesem Sound-Konzept (welches ja beileibe nicht neu ist) neben soliden auch richtiger Banger-Tracks entwachsen können, ist nun also erbracht; damit hört man auch gerne weiter. Während Skyzoo seinen zweiten Gastauftritt verbucht, bekommen die "Fantaztik 4" Backup von niemand anderem als 9th Wonder, der seitens des Beats eine für ihn solide, doch, mit böser Absicht ausgedrückt, recht langweilige Produktion bereitstellt. Die Show wird hier jedoch durch vier hungrige MCs gerettet. Es schließt sich "Think About It" an, eine kraftvolle Produktion mit dem totgeglaubten Teflon, bekannt aus dem Umfeld der Mash Out Posse. Nachdem Black Milk sich 2007 in der breiten Szene einen Namen gemacht hat, finden sich seine Beats nun auch außerhalb von Detroit, wie hier in "Switch", was jedoch für Milk's Verhältnisse nur sehr lauwarm geliefert wird.

Erstaunlicherweise kommt das Album mit einer sehr hohen Anzahl solcher Beats aus, ohne jedoch groß zu langweilen. So auch in "Get It Goin'", in dem Torae aus dem nicht mehr als solide mittelmäßigen Beat eine überdurchschnittliche Nummer macht. An den folgenden Khyrsis-Produktionen gibt es dann allerdings weitaus weniger zu meckern, "Save The Day" überzeugt ebenso wie "Da Nigguz Is Commin'". Auch wenn zu diesem Zeitpunkt eigentlich alles zum Album gesagt ist, da sich der Rest auf dem gleichen Niveau bewegt, ohne besonders aufzufallen, sollen die letzten Songs doch noch Erwähnung finden. Da wäre "CME The Entity", das mit wuchtigem Bass einheizt, oder auch die zweite Primo Produtkion, "Get It Done", auf der Skyzoo zum vierten Mal zu vernehmen ist, die jedoch nicht ganz an "Click" heranreicht. "It's me, Sky and Preme, we sicker than syphilis". "Tayler Made" erinnert etwas an "Callin' Me", da die beiden die ruhigsten Tracks des Albums ausmachen und auch beide auf das Konto von Eric G gehen. Wer so will, kann diesen Sound auch als 9th Wonder-Pampe abstempeln, was jedoch nichts daran ändert, dass "Tayler Made" sehr solide gerät. Abschließend darf noch Marco Polo an die Boards, der in "Casualty" genau genommen zwei Tracks auf den Plan ruft, die wieder etwas flotter sind, sich jedoch auch nicht zu Marco's besten Werken zählen dürfen. "And this the leak joint, imagine how the album sound". Dann sind wir mal gespannt.



Fazit:
Wer sich bei Namen wie der Justus League, Premier oder Marco Polo denkt: "nicht schon wieder!", der sollte diesem Album keine Beachtung schenken, denn es ist durchaus ein weiterer fester Ziegelstein in der Mauer aus ebenjenem Sound. Zudem klingen hier manche Produktionen nicht nach allererster Ware (siehe Black Milk). Als Vorstellung taugt "Daily Conversation" dann aber allemal, denn wer dieses Album gehört hat, der weiß, dass Torae des Rappens mächtig ist. Noch dazu ist "Daily Conversation" unter der Berücksichtigung der Bezeichnung "Streetalbum" (meist als Entschuldigung für niedrigere Qualität benutzt) sehr gelungen. Dies entschuldigt nämlich auch die fehlende richtige Strukturierung, denn wie Torae schon sagte, die steht hier nicht im Vordergrund. Wie bei allen diesen Alben werden diejenigen, die wissen und schätzen, was sie hier vor sich haben, nicht enttäuscht, während die Scheibe auch sonst mindestens ein Reinhören wert ist.

Gesamtwertung: 7.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Donnerstag, 21. Februar 2008

L.I.F.E. Long - Longevity Vol. 1.5

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 14. Januar 2008
Label: Ascetic Music

Tracklist:
01. Begintro - (Feat. DJ Mista Sinista)
02. Intro
03. Move! Get Up!
04. Simple Pleasure - (Feat. Apani B. Fly & Tia Thomas)
05. Flow Omnipotent - (Feat. Poison Pen)
06. Long
07. Self Examination
08. Scandelous Success - (Feat. Iomos Marad)
09. Skrypt Keepahs - (Feat. UG)
10. Artistry - (Feat. Grand Fortune)
11. Outside
12. Rose Petals
13. Random Thoughts - (Feat. Many Styles)



Die Stronghold Crew darf sich heute als eine der blühenden Lichtungen in der New Yorker HipHop-Szene betrachten. Und eines der ursprünglichen Mitglieder und inzwischen fast ein Urgestein im eben genannten Underground-Feld hört auf den Namen L.I.F.E. Long und sollte zumindest von unzähligen Feature-Auftritten den meisten etwas sagen. Dieser Mann veröffentlicht nun im Jahre 2008 ein brandneues Album, wobei er auf dem französischen Label Ascetic Music ein Zuhause gefunden hat. Bei dem trefflichen Titel "Longevity Vol. 1.5", gewählt aufgrund der Langlebigkeit des Emcees selbst, der Zeitlosigkeit seiner Musik, und der eineinhalb Jahre Entstehungszeit für das Album, geben sich anerkannte Größen wie Apani B. Fly, UG, Iomos Marad oder Poison Pen die Ehre.

Als Album mit klassischem NY-Sound wird die Scheibe angekündigt, jedoch verzichtet L.I.F.E. auf die üblichen und allgegenwärtigen Produzenten und holt sich stattdessen u.a. Black Panther (um mal einen der bekanntesten zu nennen) ins Boot. Im "Begintro" wird, vollgepackt mit Cuts von Mista Sinista und französischen Wortfetzen, sehr verhalten ins Album eingeführt. Richtig losgelegt wird erst im richtigen "Intro", in dem uns Dysh mit staubtrockenen Drums zu Leibe rückt und dann mit dezentem Piano sofort den schon angekündigten NY-Sound kreiert, und das in allerfeinster Manier. "In my lifetime, so many things went down / Watched kings and queens turn fiends, lose their crowns". Damit beginnt die Show dieses Veteranen, der nach dem kurzen Intro mit "Move! Get Up!" nachlegt, in dem Black Panther eine Geige für die, altbekannte und schon oft verarbeitete, Melodie bemüht, während L.I.F.E. die Titelaussage mit beachtlichem Wordplay versetzt.

Ein erstes Vocal-Feature gibt es auf "Simple Pleasures" zu hören, das durch Tia Thomas auch viel Soul abbekommt, und auf dem auch Apani B. Fly ihren Teil sehr gut macht. Mit Stronghold-Kollege Poison Pen wird in "Flow Omnipotent" zwar nicht allmächtig, doch trotzdem sehr gut, geflowt. Mit einem weiteren gelungenen Beat rangiert die Nummer zum astreinen Gute-Laune-Kopfnicker. "If we can't spit with you, we spit on you, motherfucker" findet sich neben Rhymes wie: "Me and Pen, the garbage men puttin in work / Takin out the trash like you didn't know / Stronghold, cock back the mic, let out flow / Slow ya roll, thirteen, we holdin' down the pavement / Hypnotizin' DJs 'til they play this".

Wem die Sache an diesem Punkt zu nett wird, der muss nicht lange warten, um mit der Hymne "Long" wieder voll entschädigt zu werden. Tiefe Hörner jagen über die Drums, während sich L.I.F.E. auf "another Spier 1200 banger" so grimey wie es schöner nicht ginge zeigt. Ein bisschen mehr über sich selbst gibt er dann in "Self Examination" preis, was von allgemeinen Grundsatz-Regeln wie "Think for self first, then think for others" bis zur ausgesprochnenen Wertschätzung der "females with strong minds" reicht. Ohne jedoch ein Schwarz-Weiß-Gebilde aus Queen und Hoe zu zeichnen, gerät diese Nummer sowohl musikalisch als auch inhaltlich sehr anspruchsvoll und ansprechend.

Ein Gast, mit dem man wohl eher weniger gerechnet hätte, ist Iomos Marad, Wortkünstler aus dem fernen Chiacgo und fester Zweig des All Natural Family Tree. Doch schon deshalb besteht natürlich eine mentale Verbindung, die sich in der Harmonie zwischen den Raps der beiden Bahn bricht. Natürlich sind die Ausführungen über den "Scandelous Success" nicht Neues, der Unterhaltungswert hier ist trotzdem mehr als nur akzeptabel. "Ayo, scandelous is when god seems to bless / An athlete or artist with talent, then access turn perverted / Believin' they can fly and given a gift that's genius", etc. Sobald diese relaxte Nummer ihr Ende findet, schneit der nächste Überraschungsgast herein. UG, bekannt als die Hälfte der Dwellas mit der markant tiefen Stimme, gibt als, wie eh und je, gut aufgelegter Gast, ein Lebenszeichen von sich, um "Skrypt Keepahs" zum nächsten Banger auszugestalten.

Ohne sich lange aufzuhalten wird mit striktem, Piano-getriebenem, BoomBap weitergemacht, und somit bleibt "Artistry" auch voll im Gesamtbilde des Albums, ohne dabei einerseits zu sehr herauszustechen oder aber das Niveau herunterzuziehen. Nach oben gepusht wird ebenjenes dann durch die nachfolgende Nummer, die offensichtlich ein langes Bad in purer Freshness genommen hat, um das ganze mit Entspanntheit zu ergänzen. "Outside" ist der Track für einen perfekten Spätfrühlingstag, an dem man bei scheinender Sonne und leichtem Wind das Haus verlässt. "If I'm not home, you can find me outside / [...] / My favorite season's summer, spring and fall / Summertime, New York, hit the courts for BBall". Im recht unauffälligen "Rose Petals" geschieht nichts weiter Erwähnenswertes, ganz im Gegensatz zum abschließenden "Random Thoughts", das mit Hilfe von Many Styles nochmals zum richtig Hingucker/-hörer wird. "Envision the world, hold a piece of the sky / Feel the clouds flow as time drifts by / The mind capitvates the image that's conceived / See the picture drawn out, random thoughts proceed", wird zum hier eingesetzten Saiteninstrument gerappt.



Fazit:
"Longevity Vol. 1.5" ist in der Hinsicht seines Konzepts ein voller Erfolg. Dieses Album spiegelt die Arbeit eines routinierten Veteranen wieder, der hier nichts anbrennen lässt und auch weiß, was ein gutes Album, ganz abgesehen davon dass sein Output doch nicht gerade hoch zu nennen ist, ausmacht. Das Album is sowohl für die in den Neunzigern feststeckenden HipHop-Heads als auch schlichtweg für Eastcoast-Liebhaber und solche, die ab und zu ein gutes Album von dort nicht verschmähen, empfehlenswert. In Sachen Raps muss hier weder etwas beanstandet, noch etwas angemerkt werden, der Mann versteht sein Handwerk und kann mit seiner Stimme noch zur Atmosphäre des Albums beitragen. Eines dieser Alben, die man immer mal wieder gerne hört, denen zum richtigen Wow-Effekt dann allerdings doch noch ein Stück fehlt.

Gesamtwertung: 7.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 13. Februar 2008

Masta Killa - Made In Brooklyn

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 08. August 2006
Label: Nature Sounds

Tracklist:
01 Then And Now - (Feat. Young Justice, Jamel Irief & Young Prince)
02 E.N.Y. House
03 Brooklyn King
04 It's What It Is - (Feat. Raekwon & Ghostface)
05 Nehanda & Cream
06 Iron God Chamber - (Feat. U-God, RZA & Method Man)
07 Pass The Bone (Remix)
08 Older Gods Part 2
09 Let’s Get Into Something - (Feat. Startel)
10 Street Corner - (Feat. Inspectah Deck & GZA)
11 Ringing Bells
12 East MCs - (Feat. K. Born, Freemurda, Killa Sin & Victorious)
13 Lovely lady - (Feat. Governor Tools & Ski)



Elf lange Jahre musste man nach dem Klassiker-Album des Clans warten, bis auch der letzte der Neun, nämlich Masta Killa, sein erstes Solowerk unter die Massen brachte. Auch sonst gehört Masta Killa zu jenen im Clan, die erst im zweiten Atemzug genannt werden, was jedoch nichts an seinem Status ändert. Wer 2004, nach dem die Clan-Member in ihren Solo-Projekten teilweise erheblich vom ursprünglichen Sound abgedriftet sind, ein Album wie "No Said Date" bringt, der identifiziert sich noch ganz erheblich mit eben erwähntem Sound. Und dann dauert es nur vergleichsweise kurze zwei Jahre, bis der Mr Slow Flow des Clans nachlegt, 2006 erscheint "Made In Brooklyn".

Schon der Titel sollte mehr als selbsterklärend sein. Und da neben dem verstorbenen ODB auch alle Clan-Member vertreten sind, kann man sich auch hieraus einen Hinweis auf altbewährten Wu-Tang Sound erschließen. Als Fortsetzung von "The Future", dem Track vom ersten Album, ist der Opener von "Made In Brooklyn", nämlich "Then And Now", der jungen Generation überlassen worden. Die Söhne von Power, GZA und natürlich Masta Killa geben hier, über einen absolut einwandfreien Beat, eine Kostprobe ihrer Flows. Nachdem Young Justice, Shamel Irief und Young Prince fertig sind, ergreift erstmals der Meister selbst das Wort, um nach einer kurzen Vorstellung der Kids mit seinem ersten Track loszulegen. Dieser nennt sich "E.N.Y. House" und bedient sich einer sagenhaften Produktion vom großen MF Doom, der mit seinen verstaubten Bläsern den ersten Höhepunkt des Albums markiert. "When the East is in the house...".

Mit einer noch weitaus old-schooligeren Produktion folgt "Brooklyn King", das dem Flow des High Chief wieder wie angegossen passt. Schwer zu glauben, dass ein so minimales Konzept, nur aus Drums bestehend, so gut funktioniert. "Now you see how the Crowd respond when I get on / You will neva last in this square when I enter Brooklyn, also known as good lookin' / Crooklyn, slidin' through your central bookin'". Mit Kung-Fu Sample und gefährlich aufbrausenden Fanfaren erhebt sich "It's What It Is" zum nächsten Banger, ganz zu schweigen vom Feature des Zweigespanns Ghost & Rae.

Bronze Nazareth's erster Beitrag zum Album gerät sehr entspannt, "Nehanda & Cream" ist schon fast einen Tick zu ruhig. Etwas lebhafter gerät "Iron God Chamber", in dem reichlich Gäste zugegen sind und dessen Beat wieder extrem, aber auf positive Weise, anachronistisch klingt. Auch die zusammenhanglosen Philosophien eines RZA passen hier gut. "I was born in a barrel of razor blades / Right next door to haze, I used to be afraid / Of the devil, as a boy, but now as a grown man / I ealized, he is just a toy / A graphic image, I'm the magnificent splendid / Dominant, prominate, Islamic / I was here before the dinosaurs, shine & defining law / Measure every inch of the Earth / Combining more elements and chemicals, find space in minerals".

Heimlicher Höhepunkt findet sich im Remix zu "Pass The Bone". Ja, genau jenes "Pass The Bone" von dem allerersten Album des Genius. In dieser Version stößt man auf einen liebevoll soulig zubereiteten Beat, der sein Original noch übertrifft und dann natürlich Masta Killa, der nun an GZA's Stelle tritt, um mit seinem konstanten und schlichtweg überlegenen Flow den Track zu veredeln. So viel Relax-Faktor sucht 2006 seinesgleichen. Im Anschluss findet man sich umgeben von Pete Rock's Bläseraufgebot und eingeblendet in Diskussionen der "Older Gods". Ohne sich lange mit der löchrigen Logik sämtlicher auf dem Album vertretener und angesprochener Ideologien zu befassen sollte man einfach abschalten und Pete Rock in seinem Element genießen.

"Let's Get Into Something" ist die softeste Nummer des Albums, auf der sich der High Chief auch sehr lange nicht blicken lässt, sondern die Bühne dem Gesang Startel's überlässt. Und der braucht sich auf dem Album auch nicht zu verstecken und bietet eine gute Ergänzung des bisher Gehörten. Gegen das was jetzt kommt ist dieser Song allerdings nur Vogelfutter. "Street Corner", featuring Inspectah Deck und GZA. Allein schon diese Dreier-Combo ist Grund zur Freude. Doch das beste ist der Beat, denn der kommt vom Wiseman Bronze Nazareth und toppt alles bisher Gehörte. Er war, ganz nebenbei, auch schon auf der "Wu-Tang Meets The Indie Culture"-Scheibe zu hören, wobei das Aufgebot der MC's hier natürlich eine Steigerung ist und somit die Wiederverwendung auch rechtfertigt. Ein traumhafter Einstieg des Rebels und ein grandioser Abschluss des Altmeisters GZA. "When the revolution come, you can see me on the front line / Firing my gun, standing right beside my son / If I go, it's understood that I stood for something / When my whole life, they told me, I was good for nothing", so Deck.

Während man sich noch wünscht, das Instrumental würde endlos weiter vor sich hin spielen, wird man vom Beginn des nächsten Tracks wieder voll und ganz zurückgeholt; die dritte und letzte Produktion Bronze's kommt erheblich druckvoller als die bisherigen und reiht sich gleich hinter seinem Vorgänger zu den besten Tracks. Zudem wird eine Rede von NOI-Mitglied Benjamin Chavis Muhammad immer wieder eingespielt um den Song abzurunden. An diesem Punkt hätte MK sein Album am besten beendet. Das folgende "East MCs" muss zwar nicht über schlechte Raps klagen (ganz im Gegenteil), bricht jedoch aufgrund seines etwas einfallslosen Beats gegenüber dem bisherigen Niveau eindeutig ein. Und was sich MK gedacht hat, als er das Reggae-Stück "Lovely Lady" auf sein Album gepackt hat, steht in den Sternen. Passt weder zu Masta Killa noch ganz allgemein in ein solches HipHop-Album.


"Made In Brooklyn" spiegelt, abgesehen vom Schluss, absolut die Beständigkeit, sowohl in der Qualität als auch im Sound, von Masta Killa's Musik wieder. Auch auf diesem Album gibts es nicht das Geringste, was ihn aus der Ruhe bringen könnte wenn er gemächlich seine Runden am Mic zieht. Und genau das macht auch seine Stärke aus, die ihm hier wieder zu einem Release verholfen hat, was die meisten anderen seines Jahrgangs schlagen kann. Routine ohne Langeweile ist das Motto, das auch genau so umgesetzt wird. Und den einzigen Versuch, etwas Neues einzubauen, hätte man sich sogar sparen können. Ansonsten: mehr als nur solide Kost aus der guten Wu-Küche!

Gesamtwertung: 7.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Junclassic - 2 Much Ain't Enuff

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 31. Juli 2007
Label: Classified Recordings, LLC

Tracklist:
01. End The Beginning
02. Life And Debt
03. The Chukkas
04. Left Out
05. Devil Worship
06. Sippin' & Dippin'
07. Come Home
08. Betta Get It
09. 2 Much Ain't Enuff
10. Tha Biz Pt. 1
11. On A V.I.
12. The Biz Pt. 2
13. Neva Can Say Goodbye
14. Bedroom
15. Patrick Dorismond



Die Monsta Island Czars stehen für hochqualitativen NY-Underground-Sound. Und für die Fans ihres Klassiker-Group-Albums gilt das wohl auch noch im Jahr 2007, in dem sich das unüberschaubare Kollektiv etwas zerstreut hat. Einer der Emcees aus der jungen Generation nennt sich Junclassic und serviert der Welt im Sommer selbigen Jahres sein Solodebüt, welches über Classified Recordings erscheint.

"Containing no features and no samples" wird hier dick angekündigt und auf die Eigenständigkeit wird anscheinend besonderen Wert gelegt. So ist auch die Produktion komplett in den Händen des Protagonisten geblieben, alles in allem komplette Eigenregie. Den ersten negativen Eindruck findet man jedoch schnell. Natürlich sollte man Alben nicht nach ihren Covern beurteilen, doch die vektorisierte Form eines Fotos, welches Jun sowieso nicht von seiner Schokoladenseite zeigt, schießt gleich zu Beginn den Vogel ab. Diese Beeinflussung gnadenlos unterdrückend, klinkt man sich also ein, und führt sich "End The Beginning" zu Gemüte. Langsam und tief, oder auch, wenn man so will, schlichtweg träge, rappt Junclassic gegen eine Wand aus Streichern und Drums, die nicht den kleinsten Hund hinter dem Ofen hervorlocken würde. Wenn man sich schon für abgedroschene Zutaten entscheidet, sollte man diese wenigstens mit Liebe zubereiten.

Und wenn man als Hörer dann irgendwo in "Life And Debt" feststeckt, weiß man auch, dass Jun's Bandbreite bezüglich seiner Beats nur für Alben mit drei Tracks zugelassen sein sollte. Demotivierende Synthie- und Piano-Klänge werden die festen Wegbegleiter auf dem Album. Und wo wir schon am bemängeln sind, bei den Hooks reißt Junclassic hier auch nicht viel. Und was hat der Mann aus South Suicide Queens zu sagen? Hier tut sich immerhin etwas, wie in etwa im Track an die Außenseiter und Andersdenkenden, "Left Out", welches mit seinem tief grollenden Piano auch halbwegs hörbar gerät. In gewisser Weise gehört "Devil Worship" zu den besseren bis besten Momenten des Albums, auch wenn die Thematisierung der Religion und Inszenierung einer vom Teufel beherrschten Welt nicht wirklich fesselt.

Was allerdings im Anschluss folgt, muss auf die Knie gehen und darum betteln, überhaupt noch mit der Umschreibung "Musik" ausgezeichnet zu werden. "Störgeräusch" wäre viel passender, ganz egal wie man es dreht und wendet. Und egal was sich Junclassic mit dem Titel "Sippin' & Dippin'" gedacht hat, dieser Track dreht jeder Party im Handumdrehen den Saft ab und macht jeden übertriebenen Alkoholgenuss überflüssig - massenhafte Entleerungen von Mageninhalten ergeben sich von ganz alleine. "If I get drunk, is you gonna get drunk with me?". Hell to the no. Ganz unbeschwert wird nun zum streichergetriebenen "Come Home" gewechselt, in dem der Irakkrieg als Bösewicht herhalten muss. Damit wäre auch schon so ziemlich alles (und wahrscheinlich schon zuviel) zum Album gesagt. Was nun noch folgt ist in unspektakulärer Weise mehr oder weniger schon (wenn nicht bisher rigoros geskippt wurde) Gehörtes. Während "Betta Get It" noch leicht positiv klingt, sehen sich die Ohren der Hörerschaft im Titeltrack "2 Much Ain't Enuff" oder auch in "The Biz Pt. 1" der immergleichen Synthie-Struktur schutzlos ausgesetzt.

Nachdem man, aus reinem Selbstschutz, weiterskippt, landet man beim gut erträglichen "On A V.I.", um dann jedoch wieder zurück zu "The Biz", nämlich Part 2 gezogen zu werden. Mit andauernder Spieldauer des Albums steigt die Anstrengung, die man beim Hören der Songs aufbringen muss, mindestens exponentiell an, was wenig Verständnis für ein quietschfidel klingendes "Neva Can Say Goodbye" oder die Eigenbedröhnung Jun's in dessen "Bedroom" zulässt. Kritik an der immerzu ungerechten Polizei ist auch nichts Neues, trotzdem wäre Junclassic's "Patrick Dorismond" als Ausstieg sehr gelungen gewesen, hätte es nicht einen so unbeschreiblichen langweiligen Beat.



Fazit:
Junclassic und "2 Much Ain't Enuff" sind ein Paradebeispiel dafür, dass Underground-Rap seinen Status der Unbekanntheit (wenn auch in den wenigsten Fällen) manchmal voll verdient hat. Außerdem beantwortet es anschaulich die Frage, wieso die Monsta Island Czars so in der Versenkung verschwunden sind und was denn mit den "Jungspunden" passiert ist. Das schmerzliche Fehlen von Abwechslung, welche sich Junclassic am besten durch Aufgeben seiner Ein-Mann-Masche verschafft hätte, bescheinigt dem Album schon nach wenigen Songs seine Todesurkunde. Denn ganz allein kann Junclassic weder mit Raps, noch mit Beats unterhalten. Sosehr dies bei einem M.I.C.-Release schmerzt, von "2 Much Ain't Enuff" ist, trotz einiger passabler Tracks, dringlichst abzuraten.

Gesamtwertung: 3.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Freitag, 8. Februar 2008

Method Man - Live From The Sunset Strip (DVD)

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 30. Oktober 2007
Label: HD Entertainment

Tracklist:
01. Intro (4:21 Album)
02. Method Man
03. Bring The Pain
04. Ice Cream
05. All I Need
06. Grid Iron Rap
07. How High
08. What The Blood Clot
09. Suspect Chin Music
10. Fall Out
11. Ya'Meen
12. Is It Me
13. Problem
14. Say
15. Wu-Tang Clan Ain't Nothin To Fuck Wit
16. Triumph
17. Shimmy Shimmy Ya (Tribute To ODB)
18. Brooklyn Zoo
19. Judgement Day
20. Da Rockwilder
21. End Credits



Method Man, der SunnyBoy des legendären Wu-Tang Clans, ist seit seiner Filmrolle als weedrauchender College-Absolvent in Deutschland wohl das bekannteste Gesicht der Großen Neun. Mit "Live From The Sunset Strip" präsentiert der MC aus Shaolin, NYC seine erste Live-DVD, auf der auch einiges Bonus-Material angekündigt wird.

Noch bevor Method Man die Bühne betritt, ertüchtigt sich schon DJ Allah Mathematics, Inventor des legendären Clan-Logos, hinter den 1's & 2's. Da Method's letztes Album, "4:21 - The Day After", noch recht neu ist, kann man sich natürlich einen gewissen Fokus auf diesem Album erwarten. So betritt der Chef auch zum Intro des ebengenannten Albums die Bühne. Ihm folgt sein Partner-N-Rhyme, Streetlife, der während der ganzen Show seinen Rücken freihalten wird. Nach dem Intro schwenkt Mr. Mef jedoch erstmal zeitlich zurück. Das noch verhaltene Publikum bekommt, eingepackt in viele kurz angepsielte Songs, Klassiker wie "M.E.T.H.O.D. Man", "Bring The Pain" oder "Ice Cream" serviert. Schon früh fällt auf, was den Method Man als hervorragenden Entertainer ausmacht. Er mag zwar nicht die stärkste Stimme haben (Was wohl am vielen Rauchen liegt), doch seine Präsenz und vor allem seine "Unterhaltungen" mit dem Publikum geben dem Konzert einen viel persönlicheren Charakter als bem Großteil aller anderen Emcees. Zudem passt hier Streetlife, der über ein kräftiges Stimmorgan verfügt, gut ins Bild und ergänzt sich gut mit dem Hauptakteur. Gemäß einem amerikanischen Publikum ist die Bereitschaft zur Selbstbeteiligung anfangs noch sehr gering. Auch wenn die Reihenfolge und die Auswahl der Songs, die Meth pickt, nicht die vorteilhafteste Möglichkeit darstellt, dient das zwischen älteren Songs eingestreute "How High" bestens zur Stimmungshebung, was jedoch durch eine Kette von Tracks des neuen Albums wieder nach unten ausgeglichen wird. Dies tut dem Unterhaltungswert von Method Man jedoch keinen Abbruch. Und das schöne dabei ist, das bekommt man auch zuhause mit. Nach "Problem" hält er eine Ansprache, die erstens eine gute Weile dauert, und in der er sein Prinzipien darlegt. Neben "Fuck The Industry"-Parolen gibts es u.a. zu hören: "Fuck that man, I have no problmen dancing to my own shit! I have no problem coming down in the crowd and fuckin' wit y'all niggaz. I like to have a good time, too!". Mit dem nun folgenden "Say" merkt man auch, dass nun der Punkt gekommen ist, an dem das Eis wirklich gebrochen ist. Und das steigert sich in die zu erwartenden Ausmaße, wenn wieder Old Shit eingespielt wird, und zwar in Form von All-Time-Classic "Wu-Tang Clan Ain't Nuttin To Fuck Wit". Gemäß seinem Motto ("There is nobody, and I mean nobody, that rocks a motherfuckin stage like I do") übernimmt er RZA's ersten Part, auf dass dann der Rebel INS persönlich auf die Bühne kommt. Stimmlich klingt der Inspectah zwar leicht ausgepowert, doch allein dessen Präsenz hält die jumpende Crowd bei Stange. Noch besser wird das Ganze mit dem nächsten Klassiker, "Triumph". Hier gibt sich der nächste der Clansmen, der High Chief alias Masta Killa, die Ehre. Der nun folgende Tribut an ODB fördert Mef's diesbezügliche Einstellung zutage: "We are not going to mourn Ol Dirty Bastard's death. We are going to celebrate Ol Dirty Bastard's life!". Auch die beiden Track von ODB gehören zu den Highlights des Abends. Als finaler Abschluss gibt es "Da Rockwilder", bei dem es Los Angeles auch nicht mehr bei ruhigem Kopfnicken belässt. Während Mr. Mef spontan Stage-Diving betreibt, sind sich die Verbliebenen (Street, Deck und MK) nicht ganz einig, wer denn nun Redman's Part rappen soll, was jedoch nicht großartig stört.
Falls man das Konzert selbst als Mittelmaß abtut, sollte man sich keinesfalls mit den Extras aufhalten. Die bescheidene Fotogalerie überzeugt hier ebenso wenig, wie ein recht aussageloses Interview mit Method Man selbst. Interessanter ist da schon das Interview mit Brother J vom legendären X-Clan, der Theorien über den Zusammenschluss von Indie-Labels zur Verbesserung des HipHop aufstellt.


Fazit:
Alles in allem ist diese DVD wohl selbst für Wu-Tang Fans kein Muss, trotz der starken Show, die Meth selbst hier abliefert. Denn der Mann ist ein wahres Energiebündel, das seine Show auf das Publikum abstimmt und auch dementsprechend Stimmung machen kann. Die spärliche Ausstattung mit Extras, und die Tatsache, dass die Show trotz Meth's Bemühungen stellenweise etwas langweilig ist, wiegen doch schwer gegen eine Anschaffung. Trotzdem begeht man damit auch keinen Fehler, denn wer das hier gesehen hat, der wird Method Man, falls nicht schon geschehen, definitiv auf die Liste derer setzen, die er live sehen sollte.

Gesamtwertung: 5.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 6. Februar 2008

Big Noyd - Illustrious

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 22. Januar 2008
Label: KOCH Records

Tracklist:
01. Snitches
02. Posted On The Block
03. So Much Trouble - (Feat. Serani)
04. Heartless
05. Money Talk
06. Things Done Changed - (Feat. Kira)
07. Back Up In This Bitch
08. The Paper - (Feat. Jay Rush)
09. Ghetto - (Feat. Joell Ortiz)
10. It's A Wrap - (Feat. Ric Rude)
11. Trying To Make It Out - (Feat. 40 Glocc & B.A.M.)
12. No Where Else To Hide
13. Rages To Riches
14. Get It Poppin'



Es gibt gewisse Artists, bei denen man, wenn vom inzwischen x-ten Album die Rede ist, erstaunt ausruft: 'So viele schon?!'. Und wenn man ein kleines Projekt aus dem letzten Jahr mitrechnet, dann kommt man bei dem Herrn und Rapper Big Noyd auf sein nunmehr sechstes Album. Bisheriges Problem war wohl eindeutig, dass Noyd auf Albumlänge die Verkörperung des langweiligen QB-Sound darstellte. Und deswegen wird auf dem neuesten Werk "Illustrious" auf Features aus der Mobb Deep-Ecke verzichtet und M.O.P.'s Lil Fame als Executive Producer angeheuert. Und so kommt Anfang 2008 "Illustrious" in die Läden.

Den Unterschied soll also diesmal Noyd's "New flavor" ausmachen. Doch betrachtet man sich das Ganze mal ein klein wenig genauer, dann wird hier gar nicht so viel Neues geboten. Denn unterm Strich sehen sich die Lego-Bausteine, aus denen Noyd's bisherige Beats gebaut waren, und jene, die als neu angepriesen werden, doch ziemlich ähnlich. Allein dies lässt schon die Vorahnung aufkommen, dass hier, wie auf jedem anderen Noyd-Album auch, angenehme Hintergrundbeschallung gestreckt auf 14 Songs, im Tagesmenü angeboten werden. Wunder soll es jedoch immer wieder geben, uns deshalb sollte man keine voreiligen Urteile fällen. Wunder geschehen allerdings äußerst selten, und auch wenn damit der Rest der Review erheblich an Gewichtigkeit und Spannung verliert, Noyd hat hier bestimmt kein Wunder aus dem Ärmel gezaubert. Ganz im Gegenteil, er manifestiert das ihm gegenüber schon bestehende Vorurteil. "Niggas like bitches, talkin / Til' you put a fuckin gun in they mouth / Believe me he a dead man, walkin / Cause when I see him, I'mma air the nigga out".

Wie eh und je werden die immergleichen Phrasen abgeklopft und gleich einem Lego-Baukasten in den anscheinend unendlichenen Variationsmöglichkeiten aneinandergereiht. Noch dazu ist die musikalische Untermalung, die Sebb, der in QB alles produziert was sich nicht schnell genug in Sicherheit gebracht hat, dem Opener "Snitches" verpasst hat, nicht gerade aufregend. Wen wundert es da, dass die Queensbridge die letzten Jahre so erheblich an Gewichtigkeit verloren hat. In "Posted On The Block" zeigt sich Fizzy Womack alias Lil Fame dann alerdings sehr gut aufgelegt und kann zumindest einen soliden Kopfnicker erschaffen, der zumindest positiv auffällt. Während man beim Ertönen von "So Much Trouble", "That gangsta shit" und leicht karibischem Flair in Form von Serani schon den Kopf halb in die Schlinge gelegt hat und kurz davor ist, sich vom Stuhl abzustoßen, gerät die Nummer dann doch erträglicher als gedacht, vermag es allerdings trotzdem nicht, seinen Weg ins Langzeitgedächtnis zu finden.

Das gelingt schon viel mehr mit einer typischen Ric Rude-Produktion, welche übrigens auch einwandfrei auf jedes bisherige Noyd-Album gepasst hätte; "Heartless" vermittelt zwar inhaltlich wieder nur viel heiße Luft, doch bevor man sich ergebnislosen Diskussionen über die Wichtigkeit und die Notwendigkeit des Vorhandenseins von lyrischem Content verliert, sollte man einfach weghören und genießen. Denn das schöne Wetter hält nicht lange, "Money Talk" versucht zwar erstmals, ein anderes Thema in den Mittelpunkt zu stellen (Denn nachdem uns Noyd erinnert hat, dass er größte Chips-Stacker von allen ist, wird auch der moralische Zeigefinger, ganz kurz, gehoben), besticht dafür jedoch ebenso mit einem äußerst unschönen Sample.

Die Vorab-Single geht wieder auf Fame's Kappe und besticht mit erstaunlich viel Soul. In dieser Weise gibt es wenig zu bemängeln. Nur eben, dass "Things Done Changed" eher die Ausnahme auf dem Album bildet. Denn man verfällt schnell wieder in das altgewohnte Muster der Belanglosigkeit, wie etwa in "Back Up In This Bitch" oder "The Paper". Es bedarf hier keiner näheren Beschreibungen der einzelnen Songs, da diese, im Noyd'schen Einheitsgewandheit, gemächlich vorbeiplätschern ohne positiv oder negativ aufgefallen zu sein. Etwas besser und somit im guten Durchschnitt liegt "Ghetto", welches sehr von den Raps des Gastes und Ex-Aftermath-Emcees Joell Ortiz profitiert. "Hands only do damage, with cannons you meet Jesus".

Ehe man sichs versieht ist schon ein weiterer Track vorbei, "It's A Wrap" kommt und geht heimlich, still und leise. Über "Trying To Make It Out" lies Noyd etwas von einer Verantwortung gegenüber Kids (wie auch seiner Tochter) verlauten, die er mit seiner Musik habe und die neben der Gangster-Attitüde koexistieren könne/müsse. Erscheint hier allerdings, wenn überhaupt von selbst ersichtlich, reichlich paranoid, um nicht zu sagen Para-Noyd. Nichtsdestotrotz gerät die Nummer, mit Unterstützung von G-Unit-Rekrut 40 Glocc und B.A.M., recht gut; und mindestens überdurchschnittlich ist auch das sample-versetzte "Nowhere To Hide", in dem sich massiv ein Piano über den Hörer ergießt.

"Rags To Riches" leitet den mittelmäßigen Schlussteil ein. "You stuntin on Noyd kid, that's prohibited / You think I can't get you hit, that's ridiculous / I know niggas that pull more strings than Aerosmith / That'll have you in your casket, bastard, real quick". Alle Achtung. Kurz nachdem "Get It Poppin'" angefangen hat, ist es auch schon wieder vorbei. So geht es in etwa auch dem ganzen Album. Doch bevor man sich darüber länger den Kopf zerbricht - das Album ist mit 40 Minuten Spielzeit wirklich sehr kurz geraten.



Fazit:
Noyd bleibt Noyd, mit oder ohne Mobb. Hier hat niemand auch nur das Geringste verpasst, und trotzdem wird der durchschnittliche Eastcoast-Fan, während er sich mit etwas anderem beschäftigt, "Illustrious" als angenehmes Beigeräusch bezeichnen. Dass Noyd wohl nie über diesen Status hinauskommen wird, wird von Album zu Album sicherer, wobei sich auch Machwerk Nummer sechs brav in die lineare Folge einreiht. Wer sich die allesdominierende QB zurückwünscht, der sollte hier auf keinen Fall anhalten, wer, wie schon gesagt, nicht zu gehaltvollen und nicht zu harten Street-Rap sucht, weil er Stille nicht ertragen kann, der ist bei Big Noyd richtig.

Gesamtwertung: 5.1 / 10


WRITTEN FOR Rap4Fame

Montag, 4. Februar 2008

71Raw - Ninja Guidance

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 04. Januar 2008
Label: 71raw.com

Tracklist:
01. Martial Art
02. Revenge - (Feat. Beretta 9 & Christ Bearer)
03. Bloodline
04. The Last Fight - (Feat. Black Knights)
05. Drunken Master
06. M.C. Classic - (Feat. Platto)
07. Mask Men - (Feat. Beretta 9)
08. Fuck Y'all
09. June 21st - (Feat. Christ Bearer & 5 Star)
10. Stay True - (Feat. Black Knights)
11. You've Been Bad
12. Life Is Hard - (Feat. Pesha)
13. Sun Moon & Stars
14. Two Places @ One Time
15. Lace 'Em
16. 71War
17. Raw Fish
18. The Master & The Student - (Feat. Solomon Child & Monk)



Der Name Wu-Tang ist inzwischen schon ein eigenes Sub-Genre im HipHop. Denn der originale Clan warf unzählige Sprösslinge, welche wiederum Ableger in die Welt setzten, was zu einem inzwischen unüberschaubaren Netz aus Connections, Affiliations und Gruppenzugehörigkeiten geführt hat. Und von dieser (weltweiten) Invasion der sogenannent Killa Beez blieb natürlich auch die Westcoast nicht verschont. Schnell finden sich mit den Black Knights und Northstar der Kern der Westcoast Killa Beez. Wie sehr 71Raw, um die es hier ja eigentlich geht, wirklich in den riesigen Wu-Stammbaum gehören, spielt hier dann auch gar keine Rolle mehr. Bezeichnend sind viel mehr die Features von Beretta 9, Mitglied der legendären Killarmy, Black Knights, Christ Bearer, eine Hälfte der Northstar-Formation und Solomon Childs. Selbst wenn man absolut keine Ahnung hat wer denn 71Raw nun sind, mit diesen Angaben hat man trotzdem schon grob umrissen, worum es hier geht.

"Ninja Guidance", der treffliche Titel des hier vorliegenden Albums, sollte dann alle verbliebenen Unklarheiten unter einen so riesigen Scheinwerfer stellen, dass es nur noch einem taubstummen Blinden verschlossen bleibt, was hier ins Haus steht. 71Raw selbst, das sind Anthai Da Protagonist, Martial Arts und Broken Tongue, ein Dreiergespann aus Westminster, Orange County, California, die sich dem "Raw HipHop" verschrieben haben, wobei sich der Group-Name aus ihrem Area-Code ableitet. Wer immer noch nicht genau weiß, worum es denn hier jetzt geht: Gehaltvolle Beats, fliegende Schwerter und Fäuste, und natürlich eine Unzahl an alten Kung Fu-Film-Samples - kurz: Wu-Tang Sound. Als Großgeneral der Armee aus Drums, Samples und sämtlichen Instrumenten schickt sich Anthai an, diesen Feldzug musikalisch anzuführen.

Die einzige Ausnahme bildet hier der allererste Track, der, wie könnte es bei dem Titel "Martial Art" anders sein, von Martial Arts produziert ist und der sämtliche Truppen gleich von Null auf Hundert mobilisiert, um ab Sekunde eins den Sieg im Feldzug um die Gunst der Hörerschaft zu sichern. Schwerfällige Streicher, Kung-Fu-Sample und knackige Drums, wie soll das nicht zum Erfolg an allen Fronten geraten? Der (Wu-)Sound, der sich heutzutage bis ins Unauffindbare rar gemacht hat, wird hier mit Leib und Seele zelebriert. Daran wird auch in "Revenge" nichts geändert, und während der Titel (wie so viele auf diesem Album) fröhliche Erwartungen weckt, laden sich 71Raw Beretta 9 und Christ Bearer ein. "I move like a ninja, the mad avenger / My ninja stars never hit walls, cause it hits ya / The premonition, Anthai, I'm the revenge / Backflips like Vega, I'm crawling on the fence / Strike with the slidekick, I'm one of the nicest / Spit needles, pierce through your iris / Knock the wind out of your system, from our wisdom / Retaliation, you got enemies then list 'em".

Auch wenn sich Anthai in "Bloodline" eines bekannten und unlängst erst von Krohme verwendeten Beats bedient, passt die erschaffene Atmosphäre doch perfekt ins Gesamtbild. "The beast is loose, mankind gettin abused" heißt es im Refrain. "Camouflage, large men armed with weapons / Commence the warfare, 50 perent half-steppin / Humanity's about to get shafted to madness / Slaves being drafted like basket".

Die nächste Kammer im Rundgang durch dieses Shaolin-Kloster ist die des "Last Fight", für die sich zwei weitere Adepte in Form der Black Knights ins Geschehen werfen. Gekleidet in musikalisch perfekt gewebte Kutten und unterlegt mit den unverkennbaren und allgegenwärtigen Samples alter Kung Fu-Filme wird auch dieser Track zum reinen Hörvergnügen. Doch das lässt sich natürlich noch überbieten. Schon beim Titel "Drunken Master" ergibt sich eine gewissen Vorfreude. Doch wenn dann die langsam wiegenden Drums einsetzen und die Bühne freigeben wird für eine Kulisse, die einen sofort neben Jackie Chan in schlingernde Kampfszenen wirft, stehen dem Wu-Tang Jünger die Tränen in den Augen. Denn auch bei 71Raw geht es ähnlich zu wie seinerzeit bei Jackie, hier wird alles mit Prozenten gekippt, um "men in black masks" und Ähnliche das Fürchten zu lehren.

Der Faden an phänomenalen Tracks reißt hier jedoch noch nicht ab. Denn nun folgt "M.C. Classic", in dem Anthai eine wunderbare Panflöte auf den Plan ruft, und dazu eben mal Hell Razah für die Hook sampled. Das Ergebnis ist ein facettenreicher, fast schwermütiger Track, an dem es nicht das Geringste zu beanstanden gibt. Auch wenn sich das Album vorerst aus dem Shaolin-Kloster entfernt, erfolgt kein großartiger Bruch. "Mask Men" bedient sich voluminöser Fanfaren, die eher an einen Kracher der Killarmy erinnern, weswegen auch Beretta 9 hier vorzüglich ins Bild passt. Abgerechnet mit allen üblichen Verdächtigen (Fakes, Politiker, Musikindustrie) wird in "Fuck Y'All". "When the shit goes down like B-Real from Cypress Hill / Bitch faggot ass better know the fuckin' deal". Gut zu wissen.

Mithilfe Christ Bearer's markanter Stimme nistet sich das nun folgende "June 21st" ohne Probleme im Gedächtnis des Hörers ein, während hier ausnahmsweise von gewaltsamer Kampfsportverbalakrobatik abgewichen wird und dafür die eigene Heimat, in der warmen Zeit der Sonnenwende, gefeiert wird. "Love is love, we represent for all people / Shorties in a mini-skirt with a wet see-through". In seiner entspanntesten Phase schieben 71Raw nun einen recht unauffälligen Track ein, der sich jedoch im Fluss des Albums alles andere als negativ auswirkt. Ein Interlude zu Ende des Track bildet die Überleitung zur Hommage an untreue "bitches", die sich "You've Been Bad" nennt: "Ayo, my homegirl, ready to slap the fuck out of your face / My family don't like you, get the fuck out of my place" bildet den Auftakt eines verbitterten Berichts über unglücklich geendete Beziehungen.

Nun wird nochmals Altbekanntes neu inszeniert, und nach "Life Is Hard" wird in "Sun, Moon & Stars" ein klein wenig philosophiert. Die Meditationsstunde findet ihren Höhepunkt im flötendominierten "Two Places @ One Time". Von pantheistischen Andeutungen bis zum alltäglichen Stress bieten die drei Emcees hier wieder ein breites Spektrum. Nachdem sich das Album nun eine lange Zeit etwas gemächlicher gegeben hat, kehrt man gegen Ende wieder dahin zurück, wo die Reise angefangen hat. Begonnen wird dies mit dem Voice-Sample-versetzen "Lace 'Em", das leider etwas kurz gerät, dem sonst zum einwandfreien Kopfnicker jedoch nichts fehlt.
Hiermit ist das Album bei "71war", dem wohl düstersten Song der Platte, was in großartiger Ausführung mit einem Aufgebot an Streichern erzielt wird. "Raw Fish" funktioniert nach ähnlichem Prinzip und kann zudem von einem hervorragendem Chorus profitieren. Damit wäre das Album auch bei seinem letzten Track, für den es zurück in die Martial Arts-Gefilde geht. "The Master & The Student" ist ein weiteres Meisterwerk aus Anthai's Schmiede, auf dem auch Raubein Solomon Childs und die Hälfte der Black Knights, Monk, eine gute Figur abgeben. Mit diesem Hörgenuss entlassen uns die Ninjaz von 71Raw aus ihrem knapp 70-minütigen Trip.


Ein Jammer, dass dieses Album nicht die ihm angemessene Beachtung finden wird. Denn was 71Raw hier auf die Beine gestellt haben, kann sich sehen lassen, und könnte auch im direkten Vergleich mit sämtlichen Wu-Releases der letzten Zeit glänzen, vor allem im Bezug auf den hier gebotenen Sound. So jedoch wird "Ninja Guidance" ein Geheimtipp bleiben. Jeder, der sich selbst reinen Gewissens einen guten Geschmack attestieren kann, darf hier auch bedenkenlos zugreifen!

Gesamtwertung: 8.7 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Freitag, 1. Februar 2008

Nicolay & Kay - Time:Line

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Release Date: 01. Februar 2008
Label: Nicolay Music Group

Tracklist:
01. Time:Line
02. Blizzard - (Feat. Toby Hill)
03. The Lights - (Feat. Myth, S1 & Nicole Hurst)
04. Through The Wind - (Feat. Stokley Williams)
05. What We Live
06. I've Seen Rivers
07. Tight Eyes - (Feat. Oh No & The Luv Bugz)
08. As The Wheel Turns
09. The Gunshoot - (Feat. Chip Fu)
10. GrandTheft Auto
11. When You Die
12. Dancing With The Stars - (Feat. Soulfruit)



Nicolay aus den Niederlanden, jetzt ansässig in North Carolina. Kay von The Foundation, aus Houston. Was die beiden verbindet? Sie veröffentlichen ein gemeinsames Album. Wieso? Das Internet macht's möglich. Okayplayer war der Ausgangspunkt, und das Endprodukt darf man sich ab dem 01. Februar in Europa in den Läden aneignen. Und bei einem Titel wie "Time:Line", der ein wohldurchdachtes Konzeptalbum verspricht, sollte man gespannt genug sein. Zumal der Producer-Teil sich in der Szene bereits einen exzellenten Ruf eingefangen hat, was nicht zuletzt an dem mit Lob überschütteten Album mit LB's Phonte, als The Foreign Exchange, liegt.

Und wenn "Connected" etwas gelehrt hat, dann das Nicolay ein vielseitiger Producer ist. Dies trifft nun auf Kay's Lyrics, die im Sinne des Konzept sehr viel Spielraum haben, denn diese Zeitleiste erlaubt sowohl Zeitreisen allgemein als auch solche im Rahmen eines menschlichen Lebens. Das Album macht jedoch keine Anstalten, hier langsam seinen Einstieg zu finden, sondern Nicolay legt mit krachenden Drums und Audiochaos, in Form von Stimmgewirr im Hintergrund, gleich voll los, und sobald sich dann auch Kay ins Getümmel stürzt, befindet man sich voll und ganz Sound von "Time:Line", so auch der Name des Intros. Die Time-Line beginnt allerdings praktisch erst im "Blizzard", bzw. wie auch im Chorus schwer zu überhören, der Geburt. Dieser steht als Hebamme Toby Hill bei, der die Vocals zur angemessenen Auskleidung dieses Songs beisteuert, bei dem Nicolay am Rande fast schon an Timbaland's frühere und noch ernst zu nehmende Zeiten erinnert.

Für "The Lights" werden zwei Drittel des Strange Fruit Projects eingeladen, welche als Seelenverwandte aus Texas durchaus bekannt sein sollten. Doch ganz abgesehen davon passen Myth und Symbolic One auch sehr gut ins Gesamtbild des butterweichen Songs, auf welchem zudem Nicole Hurst ihre Stimme für die Vocals herleiht, während sich die Raps um den (zu großen) Ruhm und dessen Bewältigung drehen. "Designer clothes, sharper than lenses / Contact with beautiful women, model types / Guess that's the life when you're living in the lights / Best believe, you might get caught up in your own hype / A little snort here and there, dealin' with the limelight / Depression get into your souls, you can't cope / Your best friend name is coke, and you put him up your nose". Ein wenig mehr in Fahrt kommt das Album mit "Through The Wind", was sicherlich an den klar nach vorne gehenden Drums liegt, die natürlich wieder mit den Nicolay-typischen Soundelementen versehen werden und zu denen sich mit Stokley Williams auch wieder eine gesungene Hook gesellt.

Erstes richtiges musikalisches Highlight ist dann "What We Live", in dem Nicolay eine solch breite Front an Hörnern auffährt, wie man es sonst selten hört. Gefällt. Die nahtlose Überleitung in das ruhigere "I've Seen Rivers" gelingt ebenso einwandfrei, und der Rest des Tracks weiß gleichfalls zu überzeugen. Auch wenn die Gesamtaussage etwas wässrig gehalten wird und man am Ende so schlau wie am Anfang ist, so lauscht man doch gerne dem, äußerst flüssigen, Flow Kay's beim Philosophieren. "See, they all smile, til' a nigga say somethin' / Then it's like 'Call my office' / They only seem to take action when they start talkin / About the rivers, elephant and donkey / 90% of the folks is clearly retarded".

Wem auf den letzten paar Songs die weiblichen Vocals abgegangen sind, der wird an "Tight Eyes" mehr als nur Gefallen finden, das mit den Luv Bugz in Sachen Vocals keinesfalls besser hätte ausgestattet werden können. Außerdem findet sich hier auch ein Auftritt von Herr Oh No, der als Vertreter von Stones Throw sicherlich gut passt, gegenüber besagten Vocals jedoch mit Kay nur die zweite Geige spielt. Noch weiter steigern kann sich das Album mit "As The Wheels Turn", bei dessen Hook sich ein T-Pain, stellvertretend für sämtliche weitere gefühllose Figuren dieser den Markt überschwemmenden Brut, in Grund und Boden schämen würde, würde man ihm unterstellen, dass er jemals in den Genuss solcher Musik käme. Dieses Stück lässt sich mit nicht mehr und nicht weniger als "smooth" umschreiben, eventuell darf sich noch "unglaublich entspannt" dazugesellen.

Genau hier, im späten Mittelteil des Albums, findet die Harmonie zwischen den Auswüchsen Nicolay's Oberstübchens und Kay's talentgesegneten Rapkünsten ihren Höhepunkt. An dessen Spitze steht nämlich das nun denn folgende "The Gunshot", in dem der chemischen Lösung aus "Nic" und "Kay" auch noch "Chip Fu" begemischt wird und dem ganzen dann einen noch viel einzigartigeren Flair begibt, was zu allem Überfluss mit perfekt eingesetzen Vocals in die Perfektion getrieben wird. Nun bewegt sich das Album langsam aber sicher auf seinen thematischen Umbruch zu, zuerst jedoch digitalisiert sich Kay, um dann eine kurze Zeit in "Grand Theft Auto", Houston, zu verweilen. Doch wie es den meisten selbst erging, so findet sich auch Kay schnell mit dem langen Arm des Gesetzes konfontriert, hier in Form einer SWAT-Einheit. Und da Kay anscheinend die Cheats nicht kennt, heißt es am Schluss "Game over", womit wir auch gleich bei "When You Die" wären, was hier natürlich perfekt anknüpfen kann. Aus der Sicht von Kay im Koma: "As I lay in this bed and see tears from my wife and my mother, my sister my father, I / Wanna scream 'It's okay, I can hear you', this coma got folks in the frenzy". Auf sein letztendliches Ableben gibt der letzte Track einen Ausblick auf das, was einen nach dem Übetreten der Schwelle von Leben und Tod erwartet. Und sofern das immer so fein klingt wie hier in "Dancing With The Stars" braucht man vor dem Tod keine Angst zu haben.


So ziemlich alles, was Nicolay & Kay über ihr Album angekündigt hatten, trifft auch ein. Hier ist wirklich der etwas andere Sound vorzufinden, der durchaus auch richtungsweisend ist und ganz allgemein eine erfreuliche Abwechslung sowohl zu einheitlichem Dirty-South-Stuff als auch zum wenig variablen Boom Bap bietet. Sauber gewählte Gastauftritte mit durchdachten Songs, die auch nach vielmaligem Hören nicht alles preisgeben, und wahrscheinlich auch einen Deutschlehrer glücklich machen würden. Davon kann man sich nur mehr wünschen! Nic & Kay: Mission erfüllt!

Gesamtwertung: 8.5 / 10


WRITTEN FOR Rap4Fame

Born Talent - The Essence

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Release Date: 08. Januar 2008
Label: 54 Side Records

Tracklist:
01. Talent's Affection
02. The Name
03. Bad Side
04. Mic Check 1,2
05. Playing The Game
06. Cover Girl - (Feat. Lupita)
07. Used To Be
08. Complaining
09. Braggin'
10. East 2 West
11. Deep With The Lyrical - (Feat. Torae & Rise)
12. Blah, Blah - (Feat. The Avid)
13. Dumb
14. Just A Dream
15. The Essence
16. This Is For (Extended)
17. Time To Close / Future (Bonus)



Born Talent, ein weiterer Name, der dem durchschnittlichen HipHop-Fan wenig sagt; was jedoch ein völlig falsches Bild vermittelt. Denn wie so oft ist es kein blutiger Anfänger, der hier sein Debüt vorlegt. Ansässig in White Plains, NY, gehört zur etablierten lokalen Battle-Szene und machte sich durch diverse Auftritte einen Namen. In letzter Zeit mussten diese Tätigkeiten jedoch an zweite Stelle rücken, denn Born Talent widmet sich nun ganz seinem Debut-Album. Und auch wenn er immer noch als Host der 54 Side Show fungiert, zum Anfang des Jahres 2008 erscheint dann "The Essence".

Im Gepäck hat er den Producer The Avid Record Collector, auf dessen Kappe alle bis auf zwei Beats gehen, für jene anderen beiden gibt sich DJ Reflection die Ehre. Thematisch lässt sich dieses Album schnell zusammenfassen, genau genommen genügt schon ein Blick aufs Cover. Mit Vinyls wie ATCQ, EPMD, Big Daddy Kane, Jeru The Damaja etc. und einem Titel wie "The Essence" sollte man schnell Zwei und Zwei zusammengezählt haben: Wenn hier mal nicht klassischer BoomBap-Sound mit aufrichtigen und anspruchsvollen Lyrics ins Haus steht, was dann? Und ohne zu viel zu verraten: Born Talent will keinesfalls ahnungslose Käufer mit seinem Cover hinters Licht führen, das war man hier erwartet ist auch zu 100% Programm. "Talent's Affection" übernimmt die Aufgabe des Intros, und zeigt The Avid's unüberhörbare Vorliebe für Samples und Scratches, da dieser die Hälfte des Songs aus ersteren zusammenschustert, während BT seine Rhymes dazwischenstreut, ohne dabei zu bescheiden zu sein: "Better than the rest, 95 percent to be honest / OK, add another five, I was being modest / As you could see, I stand out from the crowd / The explanation's quite simple, see, 'I was born to Rap'".

"The Name" macht genau da weiter, Born Talent rappt sich durch das BoomBap-Gestrüpp, aus dem sich wieder reichlich zusammengescratchte Samples erheben, um hier als Hook zu dienen. "Bad Side" ist, boshaft ausgedrückt, ein Bad in Selbstmitleid. "Knoch knock, who's there, I'm wishin opportunity / But nobody's there, it's always disappointment / They say, that when it rains it pours / I guess that's why my apartment has flooded floors". Die Schilderung seines entmutigenden und demotivierenden Wegs gelingt jedoch sehr gut, und darf sich somit ohne Zweifel "sehr gut" nennen. Zum praktischen Handwerk wird nun in "Mic Check 1,2" übergeschwenkt. "When I step onto the stage tonight / The first thing I say when I'm touching the mic, it's like '1, 2, mic check'". Auch hier wird solide Arbeit verrichtet, doch auch der erste Auftritt von DJ Reflection an den Reglern verhilft noch nicht zu den ganz großen Momenten. Das wird gleich mit der nächsten Nummer behoben. Denn wenn einem ein angenehmer Schauer über den Rücken läuft, weil man gerade in ein Gewand aus warmen Streichintrumenten und einem Soul-Sample eingewickelt wird, dann weiß man, dass man das Richtige hört. BT beschäftigt sich hier mit dem Rap-Game, wie auch später noch mehrmals der Fall.

Vorerst jedoch widmet Born Talent einen Song seinem "Cover Girl", und für die Vocals lädt er sich Lupita ein, während Avid eine harmonische Harven-Komposition unterschiebt. Nun folgt "Used To Be", das, dem Titel gemäß, In Erinnerungen an alte Zeiten schwelgt, als die Welt für BT noch heil war. Bezeichnend dafür ist die Kritik an Downloads, Stumpfsinn und Oberflächlichkeit. "Nowadays, music's downloaded for free / mp3's, burned straight to CDs / From iPods, fileshared in all countries / The bottom line, the artist gets no money / Don't get me wrong, I'm not greedy for doe / but I invest all my time plus my money and flow / For me to make a record, for you to enjoy / Meanwhile my pockets go broke and my dreams destroyed / Fans don't understand, if we don't sell records / We don't get distribution, the stores won't check us / We get no shows and can't perform for you / That means no doe, to put out record number 2 / So show some support to your favorite MCs / So can afford to make songs like these / Cause if not, you'll have no right to complain / 'Yo, whatever happened to 'what's his name', he was dope'".

Leider findet sich das Album jetzt in einer leichten Rezession wieder, die, wie so oft, den Mittelteil eines Albums prägt. Trotz kräftigem Sampling von Premo und Anderen läutet "Complaining" diese Phase ein, die dann von "Braggin'" grandios unspektakulär fortgesetzt wird. Auch die Themen, dominiert von am Pranger stehenden Fake-MCs, werden hier zu breit getreten. "East 2 West" verhält sich ähnlich, wobei das am Ende einlaufende Instrumental das Ende der Trockenperiode verkündet. Denn nun fährt The Avid Record Collector eine richtig gefährlich-massige Produktion auf, die von einem Dreigespann zerlegt wird. Neben BT finden sich Torae und Rise ein. Ersterer steht im Januar mit seinem eigenen Album in den Läden und klingt zweifelsfrei hungrig ("You dumbin' it down, I'm smartin' it up"), zweiterer, bekannt aus dem Demigodz-Umfeld, konnte mit seiner markanten Stimme schon immer überzeugen und liefert auch hier einen Part ab, der sich gewaschen hat. Tadel der Nonsense-Lyrics, die es heutzutage zuhauf gibt, ist natürlich nicht die Neuerfindung des Rads. Da "Blah, Blah" jedoch mit einem herrlich amüsanten Beat ausgestattet ist, und der Mann hinter den Reglern hier auch hinters Mic tritt, reiht sich der Song zwischen den Höhepunkten des Albums ein.

Beat Nummer zwei von DJ Reflection gibt es mit "Dumb", in dem BT den Weg eines "dumb" MC beschreibt: "You rhyme for five years, now you call yourself a veteran / I know your style, I seen it before / You hear the world battle and you head for the door / Duckin', but you decide to stay for the game / Figure that you got it locked just because of your name". Dabei macht BT selbst eine astreine Figur, was sich auch im folgenden Track fortsetzt. "Just A Dream" handelt vom großen Traum Born Talents, der da wäre, ein MC zu sein. Genau gesagt beschreibt er sein Leben, in dem sich dieser Traum erfüllt hat, während Avid mit gepitchten Voice-Samples und Piano-Klängen in angenehmer Weise zum Zuhören auffordert. "Sun rise, morning, rush hour, that's too soon / Come on, you know the deal, I don't weak up til' noon / [...] / I remember when I was young / Used to rap and beat-box, just for fun / Listened to the radio and wished it was me / That one day, maybe I could be an MC / And get my song played, for everyone to hear / The heads would start boppin when it reaches the ear / I just want some radio play, that's all / And in the store, I wanna see my records on the wall / Then step on stage and do some live shows / Have fans give me propz for kickin my flows".

Ein weiteres Stück einwandfreier BoomBap ist der streichergetriebene Titeltrack "The Essence": "The essence are Mic, DJ and MC". In diesem Sinne folgt "This Is For", in dem sich BT in ausgiebigem Namedropping ergeht. "Spittin for the love, performin for free / Battlin, for the R-E-S-P-E-C-T / That's the true characteristics of a real Emcee / This goes out to all o' y'all in the place to be / DJs and Producers form state to state / who spendin time and the money, to dig in the crates", und weiter: "Gang Starr, Run-D.M.C. / Pete Rock & C.L. Smooth and EPMD / O.C., Show & A.G. / Lord Finesse, Diamond D, the whole D.I.T.C. / Buckshot and the BCC / Black Moon, Smif-N-Wessun, Heltah Skeltah, O.G.C. / Marley Marl and the symphony / Big Daddy Kane, Masta Ace, Kool G and Craig G / Brand Nubian and BDP / Fat Boys, Chubb Rock, Heavy D and M.O.P. / Beatnuts, Nasty Nas and AZ / Large Pro, Main Source, Akinyele and Mobb Deep / Tribe Called Quest, Phife, Tip and Ali / De La Soul, Plugs One, Two and Three / Cella Dwellas, Phantasm and UG / Black Thought, Common Sense and J-L-I-V-E / Little Brother and the Justus League / Zulu Nation, Native Tongue and Rock Steady / Big L, Rakim and Biz Markie / Jeru, Hieroglyphics, Dilated and Edo G".
Das Album ist jedoch noch nicht zu Ende, es versteckt sich noch ein ungelisteter Bonus-Track, der genau genommen aus zwei Tracks besteht, "Time To Close" und "Future", wobei der Beat des ersteren sehr solide und der des zweiteren schlichtweg traumhaft ausfällt. So lässt sich das Album am besten mit weiteren Lines des Hauptakteurs abschließen: "Attention, class is in session / Turn up your headphones, it's time to learn the lesson / Take this song home and decode the message / Required listening, an album called The Essence".


Wie bei allen Alben, die heutzutage noch dem BoomBap der goldenen 90er nachtrauern, kommt es auch hier darauf an, ob man damit noch etwas anfangen kann oder nicht. Für den ersten Fall liefert Born Talent ein sehr sauberes Album mit einwandfreier Produktion, keinem Aussetzer, sehr wenigen fast-langweiligen Tracks und ansonsten gut verdaulicher Kost. So lange es MCs wie Born Talent gibt, werden auch die ewig am heutigen Mainstream HipHop meckernden Heads (mich eingeschlossen) einen Grund haben, HipHop treu zu bleiben und sich nicht nur altem Material hinzugeben.

Gesamtwertung: 7.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame