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Dienstag, 22. Dezember 2009

O.C. & A.G. - Oasis

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 24. November 2009
Label: Nature Sounds

Tracklist:
01. Oasis
02. Keep It Going
03. Give It Back
04. Alpha Males
05. Young With Style
06. Everyday Life
07. Think About It
08. Gotta Get It
09. Put It In The Box
10. Boom Bap
11. Reality Is
12. Contagious
13. Supreme Squad
14. God's Gift
15. Get Away (Feat. Mirror Image)
16. 2 For The Money
17. Pain (Feat. Mirror Image)



Da dieses Album als die erste offizielle Zusammenarbeit der D.I.T.C.-Mitglieder (zumindest einigen davon) seit dem 2000er "Worldwide" angekündigt wird, wäre hier wohl der richtige Zeitpunkt, darauf hinzuweisen, wie sehr dieses einstige Monument einer New Yorker Crew vom Zahn der Zeit in Mitleidenschaft gezogen wurde. Vor allem die produzierende Hälfte verbringt das neue Jahrtausend bisher im Halb- und teilweise Tiefschlaf. Aber auch Leute wie O.C., die sich mit ihrer Solokarriere zumindest halbwegs im Feld der Relevanz hielten, zehren heute nur noch von ihrem Veteranenstatus, nicht etwa von musikalisch bemerkenswerten Taten. Ein Kollabo-Album von O.C. und A.G. soll Abhilfe schaffen.

WRITTEN FOR Rap4Fame

"Oasis", so der Titel des Werks. Selbst ohne Cover ist es unschwer zu erraten, was sich hinter dieser Metapher versteckt: anti-progressives, konservatives Denken, Predigten alter Werte in einer Welt, mit der sich die D.I.T.C.-Clique nicht mehr identifizieren kann. Wer also denkt, dass hier ein Versuch gestartet wird, sich mit einem neuen Album neue Ideen und Arbeitsweisen einzuverleiben, um dem langweiligen, verstaubten Bild der eigenen Marke eine neue Facette aufzusetzen, der dachte falsch: O.C. und A.G. schlagen den einfachen Weg ein und versuchen, mit altbackenem BoomBap einen Treffer zu erzielen. Also bleibt einem nicht viel anderes übrig, als sich mit dieser Entscheidung abzufinden und herauszufinden, wie sich O.C., A.G. und die produzierenden Köpfe (vor allem E Blaze, der gut die Hälfte der Tracks beisteuert) schlagen. Und man muss eingestehen, dass es weitaus schlimmer hätte laufen können. Von einer Blamage ist man hier weit entfernt. Leider ebenso weit wie von einem bemerkenswerten oder außergewöhnlichen Album. Wie bei so vielen anderen Künstlern auch verliert sich die Scheibe in Tracks der Güteklasse "okay". Eine müde Vorstellung geben O.C. und Andre The Giant trotzdem nicht: Neben einer nicht von der Hand zu weisenden Harmonie zwischen den beiden Emcees (wobei O.C. als der beständig Bessere aus dem Album hervorgeht) ist es erfreulich zu sehen, dass bei beiden immer noch genügend Power vorhanden ist. Angreifbar wird die Performance am Mic, die alltäglichen Street-Talk und Selbstinszenierung umfasst, erst in Kombination mit den Instrumentals, die auf Dauer genau die Befürchtungen, die bei einem Album wie diesem unweigerlich aufkommen, schüren: Wo der Start noch gut gelingt, verliert sich "Oasis" schnell in Hintergrundmusik. Der Titeltrack und Opener "Oasis" profitiert noch von maximaler Hörmotivation, mit "Give It Back" und einer schönen Drumline hat der Hörer ebenfalls wenig zu kritisieren. Doch schon bei "Alpha Males" fängt die Aufmerksamkeit des Hörers zu bröckeln an. Da helfen vereinzelte großartige Metaphern und Glanzmomente der Lyrics ("Reality Is") nicht weiter, im Gesamtpaket wirkt alles zu unfokussiert. Für den Fall, dass man dem Album besondere Aufmerksamkeit schenkt, sorgen spätestens "Against The Wall", "Put It In The Box" und "Boom Bap" im Mittelteil für die endgültige Erkenntnis, dass hier nicht mehr viel passiert. Im späteren Verlauf warten mit "Two For The Money" noch Scratches von DJ Premier, ein guter Showbiz-Beat und starke Raps, während in der ersten Hälfte "Think About It" die kraftvollste Nummer ist.


Fazit:
Mehr lässt sich an dieser Stelle nicht sagen. Inzwischen fehlt mir wohl auch die Motivation, das x-te Album, das sich damit begnügt, BoomBap zu fertigen, der einerseits jegliche Anstrengungen, sich von der Masse der anderen BoomBap-Platten abzuheben oder erinnerungswerte Elemente einzubauen, ablehnt, der aber andererseits seine Sache bei weitem nicht gut genug macht, um diese Ablehnung zu rechtfertigen, in blumige Worte zu packen. Denn wenn man will, dann ist "Oasis" ein gelungenes Album, das ohne Aussetzer ins Ziel kommt und einige hörenswerte Momente mitführt. Um es aber auf den Punkt zu bringen: "Oasis" muss man nicht gehört haben.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

RA EL - Close Encounters Of The 4th Kind

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: Oktober 2009
Label: Hierogrammat Entertainment

Tracklist:
01. Uprising
02. First Contact
03. Night Of Intrigue
04. Matrix Warz
05. Control Agenda
06. Transit Of V3nus
07. Close Encounters Of The 4th Kind
08. Sphere Of Andromeda
09. Born Invincible
10. Love Of Art
11. Prophesies In The Violet Sky
12. War Zone
13. Dreamscape Corridor
14. Salvation



Es hat mit dem Debüt funktioniert, wieso also nicht gleich noch einmal: RA EL kreierte mit "Noir World", ob man es nun schätzt oder nicht, etwas inhaltlich Neues. Die Science-Fiction-Story als Grundlage eines Konzeptalbums bildete eine willkommene Abwechslung zu all den Standard-BoomBap-Platten. Nur ein halbes Jahr nach dem ersten Album folgt also das zweite. Alleine der Titel, eine Anlehnung an Spielberg's "Close Encounters Of The Third Kind" bzw. den Hynek-Terminus, verrät, dass sich RA EL wieder eine nette Geschichte ausgedacht hat, die in einer imaginären Zukunft spielt. Als Steigerung zu Spielberg scheint "Close Encounters Of The 4th Kind" da nur logisch.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Doch nun etwas konkreter: Wie auf "Noir World" gibt es auch hier einige Hauptpersonen, die "Guten". Doch die Story wirkt diesmal etwas ausgereifter, schließlich wird die gesamte Erde von einer außerirdischen Macht bedroht: Unter dem Namen Dark Reign tritt diese Bedrohung im 31. Jahrhundert auf, um die Erde zu invasieren. Ob das Cover nun einen Eindruck besagter Invasion vermitteln soll, darf jeder selbst entscheiden, doch vom Cover sollte man sich sowieso nicht abschrecken lassen. Denn auch auf Seiten der Instrumentals fanden sich mit 4th Disciple, Falling Down und Ciph Barker einige interessante Persönlichkeiten ein. Zurück zum Plot: Die Dark Reign Invasion wird geleitet von einem Supercomputer, genannt Prophecy. In "First Contact" wird die gesamte Ausgangssituation dargelegt: in Flammen aufgehende Städte, Übernahme durch die Invasoren, weltweites Chaos. Als Gegengewicht entwickelt sich ein Bündnis zwischen dem amerikanischen General Pythagoras, dem russischen Kion Freejack und der japanischen Mona Lisa. Science-Fiction-Jargon findet sich noch und nöcher in RA's Raps, so verdient Mona beispielsweise ihr täglich Brot als Bio-Hunter. Nun also darf der Kampf "Gut gegen Böse" beginnen. Vielleicht sollte man an dieser Stelle erst einmal betrachten, was sich im Vergleich zum ersten Album geändert hat. Die schmackhafte Gästeliste, die beim Debüt eine größere Interessensgruppe anziehen sollte, wird diesmal aus dem Budget gestrichen, was jedoch ohne weiteres zu verschmerzen ist. RA EL ist immer noch kein Rap-Wunderkind, sein Flow ist nicht immer sauber, die Silbenzahl passt an vereinzelten Stellen ebenfalls nicht. Wer diese, im Rahmen des Erträglichen gehaltenen Macken der "Persönlichkeit" zurechnet und somit akzeptiert, der wird sich nicht weiter daran stören. Die Beats schließlich sind ähnlich gut wie auf dem Debüt und als Untermalung der Geschichte meist bestens geeignet. Nun zum Handlungsverlauf: "Night Of Intrigue" und "Matrix Warz" liefern das Vorgeplänkel in einer Erdstation von Dark Reign. Ganz nebenbei: Dass die Erdbevölkerung von der DR-Miliz via Implantaten versklavt wird, offenbart zusammen mit der Verwendung mehrerer Ghost-In-The-Shell-Samples eine von RA's Inspirationsquellen. Schließlich erfolgt eine Teleportation ins Mutterschiff (genannt Darkone Castle), wo weitere Kämpfe ausgetragen werden, die zum augenscheinlichen Tod Mona Lisa's führen. Damit offenbart sich im Titeltrack auch, was mit "Close Encounters Of The 4th Kind" gemeint ist: Anstatt zu sterben, wird sie von einer zuerst unbekannten Instanz in den Andromeda-Nebel befördert ("Transit Of V3nus"), wo höhere Wesen ihr den Schlüssel zur Zerstörung des Prophecy-Computers in die Hände legen ("Sphere Of Andromeda"). 4th Disciple's Produktion im Titeltrack ist ein schlichtes, aber nachhaltiges Juwel, das auch den Hörspaß nicht zu kurz kommen lässt. Es folgen einige Tracks, die die Handlung ruhen lassen. Hier sticht vor allem "Prophesies In The Violet Sky" hervor, erneut ein herausragendes Instrumental, das außerdem perfekt zum hektischen Flow von RA EL passt. In "War Zone" geht es schließlich weiter: Pythagoras und Freejack schlagen sich emsig im Mutterschiff mit dem fiesen Gesindel der Gegenpartei herum, als Mona wieder auftaucht und die Entscheidung bringt. Doch - zu früh grefreut - im "Dreamscape Corridor" - einer weiteren Top-Produktion von 4th Disciple - muss noch der Gestalt annehmende Prophecy-Computer ausgeschaltet werden. Ist auch das geschafft, erfolgt mit "Salvation" das Happy End:

"We made it through the dark storm, the war's over as the night dawn
Soldiers stand at ease and calm
Return to their families, after casualties, enemies
Slaves set free, celebrate freedom and victory
[...]
Pythagoras kisses his wife, holds his daughter, as they walk in the park
"


Fazit:
Bevor man dieses Albun anrührt, sollte man sicherstellen, dass man sich mit dem Emcee RA EL und seiner Art anfreunden kann. Falls ja, wird man mit dem Sophomore des Rappers aus Queens einige schöne Momente verbringen können. Einmal abgesehen von dem starken Statement, das 4th Disciple hier abgibt, sind viele der Beats zwar nicht herausragend, passen dafür jedoch umso mehr ins Gesamtbild. Es fällt (wie beim ersten Album) schwer, der Story zu folgen, doch wie schon auf "Noir World" ist das nicht zwingend notwendig. "Close Encounters Of The 4th Kind" ist ein nettes Werk, das etwas abseits der Norm spielt und dem man ohne Bedenken eine Chance geben darf. Ob dem ganzen Konzept, falls es denn noch einem weiteren Album als Grundlage dienen sollte, jemals höhere Wertungen entspringen, ist allerdings stark in Zweifel zu ziehen.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Critical Madness - Organ Donors

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: September 2009
Label: Domination Recordings

Tracklist:
01. Organ Donors
02. Empirical (TzarizM ReMIX)
03. Life Is Horror
04. Boom (Nowhere to Hide) (Feat. IDE, Jise, Alucard, UG & TzarizM)
05. Go Harder (Feat. Little Vic)
06. FL. To T-Dot (Feat. Doc Demeyez)
07. Remember (Monowax Remix)
08. Versatility (Feat. J.Bada)
09. CM Anthem
10. Sorry Sugar
11. Issues
12. Halftime Show Promo
13. Madness Freestyle
14. Pasta Eaters (Feat. Little Vic)
15. Chug A 5th
16. Blessed With Sin (Feat. Little Vic)
17. Red Handed
18. Hail To The Fetus
19. Gambling
20. Nothing's Changed (Feat. Mygrane McNastee)
21. Massacre Mics (Original Version)
22. Big Fish (Feat. Caveman Theory)
23. Every Night



Der enge Kreis, der Creative Juices vor kurzem noch war, scheint langsam aufzubrechen: Zuerst zeichnen sich einige namhafte Features ab, nun deutet sich eine leichte Expansion an: Für Critical Madness bedeutet das eine Zusammenarbeit mit Domination Recordings. In diesem Zuge steht auch das erste offizielle Gruppenalbum, "Bringing Out The Dead", in greifbarer Nähe. Davor gibt es jedoch noch ein Schmankerl für alle Freunde von Free Downloads: In einem 23 Tracks starken Mixtape namens "Organ Donors" werden bisher unveröffentlichte Tracks etc. zusammengefasst und dem Hörer vorgesetzt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Ein Mixtape, bei dem keine Rücksicht auf Ausgeglichenheit genommen wird und bei dem es auch nicht jedem recht gemacht wird: "Organ Donors" gibt 75 Minuten lang Vollgas und hinterlässt eine von Battle-Rap und wuchtigen Beats verschuldete Schneise. Zur Seite stehen den beiden Emcees dabei Langzeitkumpel TzarizM, ebenso wie einige andere Kollegen, von denen Tempermental noch die meisten Einsätze verzeichnet. Wer Critical Madness bereits kennt, oder wer auch nur zum Beispiel mit Critical's letztjährigem Solo vertraut ist, der weiß, dass CM im Vergleich zu den anderen Creative Juices-Heads eher die Herren fürs Grobe sind: Die ausgeklügelt düster-dramatischen Kompositionen sind nicht ihr Metier, weswegen die bisherigen Releases auch nicht mit denen der Kollegen mithalten konnten. Ob sich das mit "Bringing Out The Dead" ändert, sei mal dahingestellt, doch wie hier in den ersten Songs in die Vollen gegangen wird, schickt einem unter Umständen die Kinnlade gen Süden. Im Sinne des Mixtape-Charakters mixt Prolific alles schön zusammen und macht die ersten Minuten zu einem einzigen Feuerwerk. Wo sich das Intro noch in gesampelten Wortfetzen aufwärmt, rücken der Hörerschaft im Tzar-Remix zu "Empirical" bereits pumpende Drums und dichte Streicher-Arrangements zu Leibe, während es von CM saftige Battle-Raps setzt, die wie nichts anderes an diese Stelle passen, auf dass nur noch zu sagen bleibt: "CM, bitch!" Noch ganz im Erstaunen darüber, wie die ersten Zweifel im Streich genommen wurden, wird nachgelegt: "Life Is Horror" ist das Motto, unter dem der Franzose Al'Tarba seine munter weiterknüppelnden Drums in die Schlacht wirft - wer Tarba kennt, der darf sich auf eine seiner besten Arbeiten freuen. Wem das noch nicht reicht, der darf sich mit "Boom" den alles wegschwemmenden Rest geben. Ein Posse-Track erster Güteklasse treibt über eine weitere Großtat von Tzar die komplette CJM-Bande (mal abgesehen von Savage Messiah) in die Manege und dem Fan die Tränen in die Augen: Vom wütenden IDE über den gewandten Alucard bis zum stimmgewaltigen Dwella UG ist alles dabei. Kein Wunder, dass dieser Song auch auf Alucard's re-releastem Album auftaucht. "We make bangers with no hooks" heißt es direkt im Anschluss - denn vorbei ist die Show noch lange nicht. Ohne Zweifel schleichen sich in der restlichen, ausgedehnten Spielzeit einige Filler ein, doch geboten wird mehr als genug. "Remember" serviert im Monowax Remix relaxte Sommermusik, während in der "Halftime Show Promo" wieder die Sau rausgelassen wird. Aussetzer gibt es keine, lediglich "Red Handed" entpuppt sich als anstrengend. Während sich im hinteren Teil die Hochkaräter lichten, schaffen es die deutschen Hitfarmers trotzdem, nochmal Akzente zu setzen: "Pasta Eaters" mit Little Vic lebt beanstandungslosen BoomBap bis in die letzte Sekunde. Nebst einigen weiteren Songs zum Zurücklehnen ("Issues") sei nochmals zum ersten Teil zurückgekehrt, der noch nicht voll ausgeschöpft wurde, denn "Go Harder" und "Versatility" ziehen mit ähnlicher Intensität wie die Opener aus den Boxen.


Fazit:
Es ist verständlich, bei kostenlosem Material vorsichtig zu sein, beziehungsweise bei der übermäßigen Fülle einen Großteil einfach zu übergehen. Doch gerade deshalb sei an dieser Stelle explizit auf dieses Werk hingewiesen, das zwar keinen Albumcharakter entwickelt, diesen aber auch gar nicht tragen möchte und vielmehr durch die Unbeschwertheit der hintereinander aufgereihten Battle-Sausen besticht. Die Qualität einiger (sogar überraschend vieler) Songs übersteigt dabei das Niveau, das viele Alben innehaben, bei weitem. Sollte wirklich der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Critical Madness ihr nächstes Album mit solchen Songs ausstopfen, dann ist Vorfreude angesagt. Doch bis dahin darf man sich darüber freuen, dass mit "Organ Donors" der Sinn eines kostenlosen Mixtapes punktgenau getroffen wurde. Genau für diesen Umstand werden auch großzügige 3,5 Kronen vergeben.

Gesamtwertung: 6.5 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

50 Cent - Before I Self Destruct

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 16. November 2009
Label: Shady Records / Aftermath Records / Interscope Records

Tracklist:
01. The Invitation
02. Then Days Went By
03. Death To My Enemies
04. So Disrespectful
05. Psycho (Feat. Eminem)
06. Hold Me Down
07. Crime Wave
08. Stretch
09. Strong Enough
10. Get It Hot
11. Gangsta's Delight
12. I Got Swag
13. Baby By Me (Feat. Ne-Yo)
14. Do You Think About Me
15. OK, You're Right
16. Could’ve Been You (Feat. R. Kelly)



Interessiert sich heutzutage eigentlich noch jemand dafür, wenn 50 Cent ein neues Album veröffentlicht? Wohl die wenigsten. Das mag daran liegen, dass sich Curtis Jackson schon seit längerem aus dem Zentrum der Rap-Szene verabschiedet hat (eingeschlossen die Mixtape-Szene, in der er so präsent war) und sich gleich Dagobert Duck in seinem Geldspeicher vergnügt. Hin und wieder hört man mal wieder über seine Website thisis50.com den einen oder anderen Kommentar zu derzeitigen Geschehnissen, doch wer nur auf Neuigkeiten, die auch wirklich mit Musik zu tun haben, achtet, der mag Fifty glatt vergessen haben. Schließlich verlor er nicht erst mit seinem letzten Album "Curtis" an Rückhalt in der Szene. Für die einstige Lichtgestalt ist die Ausgangsposition vor diesem neuen Album eine völlig andere - mit "Before I Self Destruct" muss er der Welt wieder etwas beweisen.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Deshalb wurde von vornherein darauf hingewiesen, dass diese Scheibe härter und aggressiver als der Timbalake-Fitty von "Curtis" sei. Schwer zu glauben, doch 50 scheint es ernst zu meinen: Die poppigen Feature-Gäste werden gekürzt, seine dezimierte G-Unit lässt er auch links liegen. Ganz als ob er der Welt beweisen wollte, dass er es auch alleine kann. Die Produzentenliste ist dagegen keine wirkliche Überraschung, höchstens insoweit, als dass weitere No-Names ihre Beiträge beisteuern durften. Immerhin wurde also etwas geändert. Damit müsste nur noch Fitty selbst nachziehen. Denn seine jüngeren Raps hatten wenig mit der gewünschten Aggressivität zu tun und ließen erwähnenswerte Motivation vermissen. Mit einer Rückkehr zu höherem Rap-Niveau denkt man automatisch an "Get Rich Or Die Tryin'" oder gar die Tage vor dem Senkrechtstart. Das war der Fifty, dem man mit jeder Zeile das dämliche Grinsen, das seinen Style prägte, anhören konnte. Genau diese Art bildete einen Teil seiner Authentizität. Und genau diese Art wird man hier nicht finden. Bei allen Bemühungen wirken viele Songs gezwungen oder dann doch unmotiviert. Hinzu kommen die Beats, die zwar den "GRODT"-Zeiten nachempfunden sein mögen, aufgrund der niederen Qualität jeodch im Jahr 2009 fast durchgehend unspektakulären Standard verkörpern. Manche der Samples kennt man in besserer Verwendung, einige Beats sind zu voraussehbar, nur an wenigen Stellen möchte man wirklich hinhören. Dabei fängt es mit Ty Fyffe's "The Invitation" noch gut an: düster und zeitgemäß. Trotzdem beweist 50 gleich zu Beginn, dass er nicht so viel zu berichten hat, wie man inzwischen vielleicht meinen könnte. Dass alle in seinen Geldspeicher wollen, scheint seine einzige Sorge. Um die Realness zu wahren, müssen natürlich auch reihenweise Street-Phrasen geklopft werden. Trotzdem ist in Fifty's Welt "Swag" gleichbedeutend mit "Money", siehe "I Got Swag". Weitaus voraussehbarer ist "Death To My Enemies", das mit der wohl besten Produktion der Platte (von Dr. Dre) ausgestattet ist. Doch auch dem Doktor gehen bei 50 die Ideen aus: "Psycho" ist mit seinen hektischen Streichern und der Inszenierung der Emcees als psychopathische Killer mehr als nur eine Standard-Kollabo der großen Drei (wobei Em eine gute Show bietet). "So Disrespectful" widmet sich über plattes Instrumental u.a. den Ex-G-Unit-Mitgliedern. Wo ein Großteil der Songs einfach unauffällig ist, gibt es auch prächtige Aussetzer: Die Hook von "Get It Hot" ist erschreckend schlecht, die "Rapper's Delight"-Neuinterpretation "Gangsta's Delight" lahmt nicht nur dank Havoc's ödem Beat gewaltig. Dass die von R. Kelly und Ne-Yo besuchten "Could've Been You" und "Baby By Me" identitätslose Mainstream-Kompromisse sind, überrascht nicht, doch auch die Cleverness, mit der 50 seinen Mist (sogar ein "Candy Shop") früher zu verkaufen wusste, fehlt. Damit verbleibt nicht mehr viel: Ein idiotisches Liebeslied an die eigene Handfeuerwaffe ("Hold Me Down"), das narzisstische "Do You Think About Me", Coke-Lehrstunden in "Stretch" oder das zu bombastisch aufgetragene "OK, You're Right" - meist nicht schlecht, aber nie mehr als mittelmäßig.

Fazit:
Was nützt es, 50 Cent bezüglich der Rückkehr zu aggressiveren Raps zu loben, wenn selbige aufgezwungen wirken, wenn 50 Cent lustlos rappt und wenn die Produktionen jegliche Selbstständigkeit vermissen lassen? Anstatt die Erfahrungen des Überschreitens seines Karrierezenits in Worte zu fassen, vertreibt sich 50 den Großteil der Spielzeit mit langweiligem Gehabe. Perspektivlosigkeit zeigt auch die soundliche Orientierungslosigkeit; die früheren Zeiten scheinen für immer vorbei, eine zukünftige Marschrichtung scheint noch nicht gefunden. Vielleicht täte da eine Selbstzerstörung inklusive anschließendem Neuaufbau ganz gut. "Before I Self Destruct" jedenfalls bietet einen nicht empfehlenswerten Mix aus Mittelmaß und Fehltritten.

Gesamtwertung: 3.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Bekay - Hunger Pains

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Release Date: 10. November 2009
Label: Coalmine Records / Diamond Music Group

Tracklist:
01. Intro
02. I Am (Feat. DJ Revolution)
03. Pipe Dreams (Feat. R.A. The Rugged Man)
04. Bloodsport
05. Young
06. Rapstar (Hunger Pains)
07. Crazy (Feat. Heltah Skeltah)
08. Brooklyn Bridge (Feat. Masta Ace)
09. That's Brooklyn (Skit)
10. Skemers (Feat. Wordsworth)
11. Realest That Run It
12. Pops
13. The Raw (Feat. Saigon & Inspectah Deck)
14. Visions
15. I Am (Remix) (Feat. Dilated Peoples)



Ein weiterer Emcee, für den nun die Stunde der Wahrheit gekommen ist: Wie für so viele andere auch, war es ein etappenreicher Weg, der Bekay zu dem hier vorliegenden Album geführt hat. Bekay hat an diversen Battle-Contests teilgenommen, u.a. 106th and Park's "Freestyle Friday", er war Finalist bei MTV's "Making The Band" und, für die Rap-Fans weitaus gewichtiger, mit seinem Album "The Horror Flick LP" stellte er einen der erfolgreichsten Beiträge der Rawkus-50-Release-Serie. Jenem Album ging ein Mixtape mit DJ Kay Slay voraus. "Hunger Pains" ist nun also ganz ohne Frage das Album, mit dem sich entscheidet, ob es für Bekay auf die nächste Stufe geht.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Bekay, dessen Name sich nicht nur zufällig wie sein Borough ausspricht, besteht darauf, der Sorte junger Emcees zugeordnet zu werden, deren Wertvorstellung von HipHop noch auf der alten Schule fußt. Damit ist er bei Coalmine natürlich bestens aufgehoben, und für "Hunger Pains" wird ein noch saftigeres Producer-Lineup zusammengetrommelt als auf der "Horror Flick LP". Da verwundert es nicht groß, dass das Angebot, das Bekay dem Hörer mit diesem Album macht, BoomBap mit Herz und Seele ist. Man kann nun also, in Anbetracht der Übersättigung dieser Marktsparte, dankend abwinken oder aber hören, wie Bekay sich im Versuch, der von allen Seiten drohenden Gefahr des Absinkens in Altbekanntes und Langeweile auszuweichen, schlägt. Zu seinen Waffen zählt ein rundum gewöhnlicher Mix aus Battle-Rap, persönlichen Songs und ein wenig Observation der direkten Umwelt. Aller Anfang wird von den Returners besorgt, und zwar mit einem klassischen "Intro" aus Scratches und Cuts, das beanstandungslos gelingt, die richtige Stimmung vorgibt und nahtlos in die Alchemist-produzierte erste Nummer, "I Am", übergeht. Ein tanzender Piano-Loop garantiert den ersten bemerkenswert guten Song, in dem sich Bekay durch einwandfreien Eifer am Mic profiliert. Ein anderer Song, in dem sich Bekay in Battle-Raps ergeht, ist "Realest That Run It", das anschaulich zeigt, dass bei mittelmäßiger Produktion auch die aggressiven Lines des Emcees der Skip-Taste zum Opfer fallen. Denn auch wenn Bekay zweifelsohne mit den richtigen Ambitionen bei der Sache ist, eine außergewöhnliche Erscheinung am Mic ist etwas anderes. Zum Glück stimmen die Produktionen fast durchgehend: "Crazy" zählt zwar zu den schwächsten Instrumentals, erhält sich seinen Unterhaltungswert aber durch gut gewählte Gäste - Ruck mit einigen Bars und Rock mit einer stimmgewaltigen Hook. Als "Skemers" nehmen sich Bekay und Words (die im dritten Verse einen schönen Bars-Schlagabtausch vorführen), was ihnen gefällt und vor die Griffel gerät, zusammen mit dem artverwandten Gast Ace wird mit guter Laune der eigenen Herkunft ein Song gewidmet, der voll und ganz zu Ace's Veteranen-Rapstil passt (das mag nun positiv oder negativ gewertet werden). In eine ähnliche Richtung zielt der "That's Brooklyn" Skit, in dem BK-typische Macken (in etwa wie Joell Ortiz' "Brooklyn Bullshit") aufgezählt werden. Etwas mehr Gehalt bietet "Pipe Dreams", in dem der junge Rapper Bekay mit einem schamlosen A&R, gerappt vom Rugged Man, konfrontiert wird:

"Concentrate on your rapping, I'll handle the rest
I'mma get you five beats from Kanye West
And two beats from Lil Jon, for the Down-South market
If we sell records, who cares if we make garbage?
Oops, I didn't mean that, I'm just so excited
I can't hide it, now here's the contract, you better sign it
"

Die Brücke von Kritik am Business zu eigenen Erfahrungen spannt Bekay mit "Rapstar", wo er seinen bisherigen Weg aufrollt und unter anderem auch die ständigen Vergleiche zu Eminem erwähnt. "Young" und "Pops" markieren die persönlichsten Tracks, fesseln jedoch dank mittelmäßiger Produktion nicht in vollem Maße. Das schön ältere "The Raw" schließlich hat seinen Weg aufs Album wohl nur dank der namhaften Features gefunden, denn zu den besten Tracks zählt es beileibe nicht.


Fazit:
Was dieses Album stark macht, sind die gute Wahl an Beats, die Bekay getroffen hat (und die zwar nichts Außergewöhnliches, dafür aber viel sehr gut Verarbeitetes bietet), und die Emotionen, die Bekay in seine Raps packt. Wenn er dann mit einem verbitterten Song über die Mühen seiner Karriere einen Vergleich mit Eminem hinterhergeworfen bekommt, sollte er die Stinkigkeit beiseite legen und sich freuen, dass diese Parallele ihm offensichtlich mehr Charakter zuspricht, als vielen seiner Kollegen attestiert wird. Denn eigentlich ist Bekay einer unter vielen, der mit "Hunger Pains" ein knapp gutes Album vorlegt, das jedoch keinesfalls irgendwelche Besonderheiten zu Tage fördert.

Gesamtwertung 6.5 / 10

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Wale - Attention Deficit

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Release Date: 10. November 2009
Label: Allido Records / Interscope Records

Tracklist:
01. Triumph
02. Mama Told Me
03. Mirrors (Feat. Bun B)
04. Pretty Girls (Feat. Gucci Mane & Weensey)
05. World Tour (Feat. Jazmine Sullivan)
06. Let It Loose (Feat. Pharrell Williams)
07. 90210
08. Shades (Feat. Chrisette Michele)
09. Chillin' (Feat. Lady Gaga)
10. TV In The Radio (Feat. K'Naan)
11. Contemplate
12. Diary (Feat. Marsha Ambrosius)
13. Beautiful Bliss (Feat. Melanie Fiona & J.Cole)
14. Prescription



Es scheint dem HipHop-Staate ins Blut gelegt, von Zeit zu Zeit neue Jungspunde so sehr mit Medienrummel zu beladen, dass sich selbst der unverbesserliche Ewiggestrige fragt, welcher Messias denn nun schon wieder das Game revolutioniert. Im Falle Wale, mehr oder weniger einem Zögling von Mark Ronson, waren es vielgerühmte Mixtapes, die den Hype um das Debütalbum in ungesunde Höhen schraubten. Denn wenn das nur Mixtapes waren, wie mag dann wohl erst das Album klingen? Man möchte jetzt schon gähnen - nicht wegen Wale selbst, sondern aufgrund der medialen Beachtung, die Wale's "Attention Deficit" wohl jetzt schon mehr als genug befriedigt hat.

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Ob er seinen Albumtitel nun mit oder ohne Sarkasmus gewählt hat, egal wie gut oder schlecht seine Mixtapes waren und was dort bereits an Thematiken abgesondert wurde - hier geht es um das Album, um 14 Tracks mit verschiedensten Gästen und angesehenen Produzenten. Bevor das große Ziehen der Vergleiche, um das man bei Wale schlecht herumkommt, beginnt, sei notiert, dass bisher wohl wenige bis keine Rapper der "jungen" Generation mit einem ähnlichen Anspruch, gleichsam Mainstream-Welt und seriöse HipHop-Gemeinde zu bedienen, ihr Debüt veröffentlichten. Gehaltvolle Lyrics, die über das Gejammer eines Kanye West hinausgehen, injiziert in Massenverträglichkeit. Und so könnte man noch seitenlang Namen in den Schmelztiegel werfen, aus dem im Anschluss ein Wale werden soll, wobei eine Analyse des Endproduktes sinnvoller erscheint. Den Einstieg, "Triumph", in Worte zu fassen, fällt schwer, denn es gibt von allem etwas: Representing, Bragging, Darstellung der Skills, Reflektion des eigenen Werdegangs. Kurzum, ein Track, der alle, die mit Wale noch keine Bekanntschaft geschlossen haben, darauf hinweist, dass dieser Junge Talent hat. Über das Album hinweg muss er sich sogar gedacht haben, dass der anfangs präsentierte Rap-Stil nicht genug sei, weswegen Wale nach Belieben variiert. Der erste Fehler, das Fehlen eines wirklich markanten und auch voll ausgearbeiteten Flows, darf vermerkt werden, spielt aber keine entscheidende Rolle. Da die Zahl der Rapper aus Washington, D.C. nicht gerade lang ist, wartet man unter Umständen auf Referenzen an die Haupstadt. Eine solche findet unterschwellig mit "Pretty Girls", einem Backyard Band-Sample und dem Feature eines Mitglieds ebenjener Go-Go-Band, Weensey, statt. Wer genau dafür verantwortlich ist, dass außerdem der potentiell käuferspektrumerweiternde Gucci Mane mit ins Geschehen geworfen wird, weiß ich nicht, in jedem Fall wird der ansehnliche Song (der Gucci Mane-Hörer wahrscheinlich sowieso kalt lässt) befleckt. Weniger störend sind die weiblichen Gäste, die für die meist gelungenen, doch manchmal austauschbaren Hooks engagiert werden. Schließlich dreht sich auch ein nicht geringer Teil der Texte um die Ladies: "Black girl's Diary" zeigt nicht den souveränen Player, sondern einen Wale, der mehr für eine gute Freundin empfindet als vice versa. Im gut produzierten (und mit atmosphärisch gelungen transferiertem Rihanna-Sample bestückten) "Contemplate" dagegen wird eine undankbare Freundin überwunden bzw. werden die Medienerwartungen verarbeitet. Doch nicht die ganze Platte ist derart interessant: "Mama Told Me" rührt als typischer Opener im "kleiner Junge entdeckt die große Welt"-Kaffee herum und ein "Mirrors" stellt nicht mehr als ein mit dem vollkommen unpassenden Bun B noch erhöhtes Gewicht für die HipHop-Seite der LP dar. Doch nicht nur das, es werden auch andere Styles für das Album übernommen: Auf "90210" klingt Wale wie CuDi und rappt über ein Mädchen, dessen Hollywood-Träume sie und ihren Körper zerstören, auf "Beautiful Bliss" klingt Kollege J Cole wie Lupe Fiasco und auf "Chillin" werden mit dem werbetrommelrührenden Namen Lady Gaga, die zu vollen 100 Prozent im M.I.A.-Stil auftritt, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. "Let It Loose" kupfert nicht ab, geht mit ödem Pharrel-Gesülze und Neptunes-Geholpere im Beat trotzdem als Aussetzer durch. Wenn bis dato die Produktionen wenig erwähnt wurden, liegt das daran, dass Mark Ronson, Best Kept Secret und Konsorten nie in den Vordergrund treten, dafür jedoch auch nichts anbrennen lassen. "World Tour" beispielsweise erarbeitet sich seinen Replay-Value durch Jazmine Sullivan, (das immerhin auffallend gelungen produzierte) "Shades" durch den Auftritt von Chrisette Michele und die Raps, die sich mit den einzelnen Abstufungen und internen Beziehungen der Farbe Schwarz beschäftigen (Wale's Eltern sind Nigerianer). Ebenfalls eine gute Vorstellung liefert das abschließende "Prescription", das als jazzige Nummer mehr HipHop atmet als die meisten Songs der Platte. Da macht es nur Sinn, dass Wale selbst auch seine Profession thematisiert.


Fazit:
Welche der Erwartungen hält Wale nun also ein? Auf der einen Seite nicht übermäßig viele, auf der anderen Seite aber vollbringt er doch eine reife Leistung: Sein Debüt dürfte für jeden akzeptabel sein. Damit lässt es sich auch mit einem Wort zusammenfassen: "Attention Deficit" ist ein Kompromiss. Hier und da wird ein wenig Mist für die Dummen eingestreut, an anderen Stellen wird klargestellt, dass eigentlich ein cleveres Kerlchen am Mic steht. Von der Person Wale bleibt damit leider nicht mehr allzu viel übrig, doch wer weiß, was die Zukunft bringt. Von "Attention Deficit" bleiben jedenfalls weder Beats noch Rap-Taten im Gedächtnis, doch als das Kompromisswerk, das es ist, gelingt mit der Mischung aus Rap und sich zum Beispiel in Hooks niederschlagendem Pop-Appeal ein angenehmes Album, das jedoch keine nennenswerten Spuren hinterlässt.

Gesamtwertung: 5.8 / 10

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Sonntag, 6. Dezember 2009

Kam Moye (a.k.a. Supastition) - Splitting Image

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Release Date: 27. Oktober 2009
Label: MYX Music Label / RBC Records

Tracklist:
01. Re: Born
02. Reality Check
03. Stars (Feat. John Robinson)
04. Splitting Image (Feat. Neenah)
05. Imani
06. Hello Karma (Feat. Phonte & Ayah)
07. No Substitute
08. Let's Be Honest
09. Don't Forget (Feat. Tiffany Paige)
10. Do What It Takes (Feat. Buff 1)
11. Nobody's Fool (Feat. Tenille)
12. Give Out, Give In
13. Life Line (Feat. One Be Lo)
14. MK-ULTRA (Feat. Baba Zumbi)
15. Forever Fresh



Kam Moye hat alles, was man zu einem Dasein als wenig beachtete Randgestalt im Rapzirkus so benötigt: Eine Diskographie, die bisher zwei Alben und drei EPs hervorbrachte, aus der aber nichts je große Wellen schlagen konnte, eine feste Verankerung im Non-Gangsta-Netzwerk von Corporate Underground HipHop-America und natürlich die entsprechende Gesinnung. Dank seiner Herkunft (North Carolina) mag er zudem von dem ein oder anderen als unbedeutender Gefreiter der Justus League angesehen worden sein. Vielleicht dachte sich auch Kam, dass es Zeit sei, etwas zu ändern. Also wurde der frühere Künstlername Supastition zugunsten des schlichten bürgerlichen Namens aufgegeben, und mit neuem Label gibt es nach der "Self-Centered" EP das nächste Album: "Splitting Image".

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Um den Übergang einfacher zu gestalten, wird noch ein "AKA Supastition" aufs Cover gedrückt. Um die Besonderheit dieser Scheibe zu unterstreichen, werden Phrasen wie "This will be my defining moment" vom Stapel gelassen. So wirklich dran ist dann aber nichts am "defining moment". Nicht nur, dass Kam sich eine vollkommen herkömmliche Auswahl und Anzahl an Produzenten für sein Werk zusammenklaubt, auch der letztendliche Output ist - und das sollte doch als erstes ganz deutlich hervorgehoben werden - schlicht und ergreifend der eines gelungenen, aber doch stinknormalen BoomBap-Albums des Jahres 2009. "I was always seen as that bitter, angry rapper who hated the industry. I mean I still hate the industry, but I'm not mad about it no more" - mit diesem Statement verabschiedet er sich also von Schmähreden über die Politics im Game. Die Zeilen werden anderweitig gefüllt, das Standardrepertoire bietet schließlich noch so einiges mehr. Das einzige Problem, das Kam über sein ganzes Album hinweg begleitet, ist nicht fehlende Qualität, sondern überschüssige Austauschbarkeit. Mal fühlt man sich konkret an Artists wie Substantial erinnert, doch meist schwimmt Supastition geradewegs zwischen seinen unzähligen Kollegen, wie etwa mit "Re:Born" oder "Reality Check", die den typischen Opening-Part ausmachen. Das alles wäre weiterhin kein Problem, wenn die Zahl der wirklich frappierenden Tracks entsprechend hoch wäre, was aber leider nicht der Fall ist; was zu einem nicht kleinen Teil den Produzenten in die Schuhe geschoben werden darf. Khrysis beschränkt sich einmal mehr auf Standardprogramm, und auch ein Vitamin D kann mehr. Lediglich der ebenfalls aus NC stammende D.R., mit dem Kam zusammen das Duo Electric Ave bildet, scheint mit kräftiger Motivation zur Sache gegangen zu sein: Seine drei Beiträge gehören zum besten Teil der LP: "Nobody's Fool" ist ein liebevoll gekittetes Gestell, das zudem noch von Tenille's schöner Hook profitiert. "Do What It Takes", dem die allgegenwärtigen Geldnöte zugrunde liegen, fällt ebenfalls nett aus. D.R.'s dritter Beitrag heißt "Stars" und wird von John Robinson erheblich aufgewertet. Die richtigen Gäste wirken sich hier generell sehr zutragend aus. Solche Gäste kommen am besten nicht aus dem eigenen Kreis, da ein Phonte in die Diskussionsrunde mit dem personifizierten "Karma" nur bedingt frischen Wind zu bringen vermag. Etwas Storytelling darf natürlich auch nicht fehlen und so wird Kam in "Imani" von der frisch gefundenen großen Liebe eröffnet, dass bereits ein Braten im Ofen steckt. Nach noch mehr fein ambitioniertem, aber immer überschaubarem Rap legt Jake One für "Life Line" noch ein wenig mehr Power hinter die Boxen und Illmind für "MK-ULTRA" eingängige, electro-triefende Klänge hinterher. Beide Male erweisen sich die jeweiligen Gäste als gute Wahl.


Fazit:
Warum also ein solches Album nicht höher bewerten, obwohl es eigentlich nicht viel zu kritisieren gibt? Beantworten lässt sich diese Frage durch ein simples Zusammenfassen der Fakten: insgesamt wenig markant plus wenige herausragende Tracks. Ob Kam Moye überhaupt zu viel mehr in der Lage wäre, ist eine ganz andere Frage, mit der man sich nicht auseinandersetzen muss. In jedem Fall gehört "Splitting Image" zu diesen Alben, die so rundum solide (aber nicht mehr) sind, dass sie das Mittelfeld definieren. Letzten Endes braucht man auch ebensolche Scheiben. Und für eine Hand voll guter Tracks reicht es ja in jedem Fall, ob es nun Kam Moye oder Supastition ist.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

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Sha Stimuli - My Soul To Keep

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Release Date: 27. Oktober 2009
Label: Chamber Musik Records

Tracklist:
01. Duction
02. Hang On (Feat. The Astronomical Kid)
03. My Soul
04. Blasphemy
05. Do It For The Doe
06. Move Back (Feat. Young Chris & Freeway) / The Reason
07. I Wish I Was U (Feat. Bellringer)
08. The Smelly Cat Song
09. What's Wrong With That? (Wake Up The World) (Feat. Torae)
10. Good Day / Change
11. I Believe (Feat. Lydia Caesar & Khaliq)
12. Have You Seen Him?
13. My Girl (Feat. Khaliq)
14. Last Time / Bucket List
15. Sometimes (Feat. Lydia Caesar)
16. Follow The Leader



Für Sha Stimuli ist endlich der Moment gekommen, in dem er ins Rampenlicht treten darf: Man mag ihn als einen der vielen Mixtape-Rapper kennengelernt haben, die sich vor einigen Jahren wie eine Flut aus New York ergossen, dann aber wieder größtenteils verschwanden. Im Falle Stimuli bedeutete dies, dass aus seinem Vertrag mit Virgin Records, der eine rosige Zukunft in Aussicht stellte, und dem geplanten Album "Thee Emotion Picture", nichts wurde und er selbst im Regen stehengelassen wurde. Doch als entschlossenes Stehaufmännchen ist er nun, nach einer Reihe an Mixtapes, zurück, hat Chamber Musik Records an der Seite und präsentiert sein Debüt "My Soul To Keep".

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Somit stellt dieses Album auch für Chamber Musik eine Neuerung dar. Schließlich hatten die bisherigen Releases immer mehr oder weniger entfernt mit Wu-Tang zu tun. Hinsichtlich der Beteiligten jedoch hat dieses Album - ausgenommen G-Clef - gar nichts mit Wu oder CM zu schaffen. Nein, "My Soul To Keep" wurde diesbezüglich keiner Beeinflussung unterworfen, sondern vermittelt durchwegs den Eindruck, dass Sha hier die Zügel in der Hand hält. Seitens des Produktionsbilds, für das neben Namen wie Just Blaze und M-Phazes viele wenig Bekannte verantwortlich sind, lässt sich diese LP recht gut als NY-Album kategorisieren und ist in diesem Sinne auch mehr oder weniger "gewöhnlich". Will sagen, Sha setzt auf keine revolutionären Instrumentals und landet schließlich bei einer Standardkombination aus meist gutem Material. Dass ihm in Anbetracht seiner bisherigen Karriere ein ordentliches Kontingent an Verbitterung und ernsten Tönen zu Verfügung steht, sollte verständlich sein. Wie gelungen er seine Tracks zu einem wahrhaft persönlichen Album schnürt, dürfte jedoch die meisten überraschen. Wird im vom eigenen Bruder produzierten "Hang On" noch eine jazzige Einführung geboten, differenziert "My Soul" bereits zwischen einerseits Rap-Nonsense:

"I heard somebody say: I hate Rap music
Cause all we talk about is our guns and our cars and our money and our broads
And how wack dudes be, and how nice we are
And how much stuff we sold and how we so damn hard
"

und sich selbst, wobei er sich eine "different motivation" attestiert, denn seiner Musik wohnt seine Seele inne. Damit hat er auch größtenteils Recht, denn sein Album bietet weitaus mehr als die erste Single, "Move Back", die als erstklassiger Just Blaze-Kopfnicker und Representer trotzdem einen Platz auf der Scheibe verdient hat. Das andere Ende der Spanne dieses Albums ist wohl "Last Time", das in erster Linie aus Piano-Begleitung besteht und mit seinem Singsang an KiD CuDi erinnert, während "Bucket List" in der düsteren zweiten Hälfte aufzählt, was Sha noch im Leben zu erreichen wünscht, und dabei kunstvoll Träume mit harter Realität kombiniert. Diese harte Realität behandelt auch "Do It For The Doe" im Rahmen notgezwungen verrichteter Jobs. Kritik am Genre hat natürlich auch Platz, "Follow The Leader" bringt gelungen den Herdeneffekt des Auto-Tune und auch der von Jay-Z mitinitiierten Gegenrevolution auf den Punkt. Ein Glanzpunkt der Scheibe ist "The Smelly Cat Song" (Achtung: hat wenig mit der Friends'schen Phoebe zu tun), in dem ein herrlich souliger Pitch-Beat das amüsante Storytelling von Sha untermalt, das hier nicht weiter als mit der Hook ausgeführt werden muss: "How do you tell a pretty young lady that her coochie smells?" Mehr Storytelling bietet "Good Day", in dem Sha von einem Freund dessen Geschichte (die ihn an den Rollstuhl fesselte) erzählt bekommt, das aber auf die positiven Dinge des Lebens hinweist. "Blasphemy" ist eine Liste von Fragen an Gott, die zusammengefasst den Grund für das beständige Leid der Menschheit zu wissen verlangen. Und neben den bereits erwähnten Tracks haben natürlich auch die restlichen Stationen etwas zu bieten (um noch zwei Beispiele zu nennen: "I Wish I Was You" unterbreitet ein interessantes und wohl für viele nachvollziehbares Beziehungsszenario, "Sometimes" legt Zeugnis von der Gegensätzlichkeit von Sha's Wünschen und Gedanken ab).


Fazit:
Für Sha Stimuli muss es sich unglaublich gut anfühlen, diesen Berg an Gedanken zu Papier gebracht zu haben und losgeworden zu sein. Und auch wenn er weit davon entfernt ist, ein neuer Heiland zu sein (die stimmliche Unauffälligkeit beugt den beachtlichen Skills am Mic in geringem Maße vor), so ist es doch die Dichte an wertvollem geistigen Material, die er absondert und die ihn von so vielen Kollegen abhebt. Auf lyrischer Seite bietet diese Scheibe demjenigen, der gewillt ist, zuzuhören, also einiges. Die Schranken, die "My Soul To Keep" gesetzt sind, findet man auf Seiten der Instrumentals. Die sind allesamt gut (Aussetzer gibt es keine), doch gleichsam verhindern sie, dass man auf lange Sicht sonderlich viel von "My Soul To Keep" behält. Fazit: Wenn Sha Stimuli bei seinem nächsten Werk am Mic eine ähnliche Leistung bringt und gleichzeitig noch bessere Beats pickt, darf man noch einiges von diesem Emcee erwarten.

Gesamtwertung: 6.9 / 10

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Singapore Kane - Living Militant

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Release Date: 06. Oktober 2009
Label: Brick Records

Tracklist:
01. Whatever I Wanna Do
02. Livin' Militant
03. Sufferer
04. Mollywhopped (Feat. Big Shug)
05. Rise Up (Feat. Big Shug)
06. Bust Ya Shit
07. Street Legends (Feat. Chan)
08. Fastlife
09. Summer In The City
10. Superstar
11. You And What Army
12. Don't Take It Personal (Feat. Big Shug)
13. Inner City Youth
14. Stop Playin'
15. You Understand



Für alle, die ihn nicht kennen: Singapore Kane ist ein Name, den man sich im Rahmen der östlichen Street-Rap-Szene ruhig merken kann. Geboren und aufgewachsen in "Murdapan" alias Mattapan, Boston, verlebt er seine ersten Lenze wie viele Kids nicht unter rosigsten Bedingungen, kommt aber dank seinem Vater, der ein in Boston populärer Reggae-Künstler ist, früh mit Musik und dem Schreiben von Texten in Berührung. Im Hier und Jetzt nennt sich Singapore Schützling von Big Shug, was weitere Einordnung ins Rap-Library erübrigen sollte. Neben einigen Gastauftritten umfasst sein bisheriger Output drei Mixtapes unter dem Titel "Welcome To Singapore". Unter anderem als Zusammenfassung eben jener Mixtapes fungiert "Living Militant", ein digital über Brick Records veröffentlichtes Album.

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Hier und da sind aus den Tracklisten der Mixtapes einige Songs gepickt worden und werden nun als Album präsentiert. Dass an dieser Stelle dann überhaupt das Gefühl eines Albums aufkommt, spricht sehr für Singapore Kane und einen geschlossenen Sound. Für selbigen kommt ein Lineup an Produzenten auf, das in keinster Weise überrascht: Illmind, Moss und Lil Fame werden gefolgt von einigen Halbbekannten (Purpose, MP2, Kid Kass, Reel Drama), die auf Projekten wie z.B. der "A Boston State Of Mind" Compilation von 2006 schon Beiträge ablieferten. Auch wenn sich Singa ein Repertoire, das sowohl Street-Topics als auch politische Ansichten impliziert, auf die Fahne schreibt, konzentriert sich "Living Militant" voll und ganz auf Ersteres. Das Straßenleben mit seinen scharfkantigen Facetten wird detailliert ausgebreitet und auf 15 Tracks ausgewälzt - ohne Kompromisse. Die obligatorische Schmalznummer mit R'n'B-Hook sucht man hier vergebens. Ein Umstand, den viele schätzen werden. Hinzu kommt, dass auch die Produktion relativ gut ausfällt. Dabei gerät die Bläser-Sause in "Whatever I Wanna Do" noch geradezu fröhlich, während Kane Hood-Talk von der Karte ablässt und die eigenen Ambitionen darlegt. Als Soll steht das Entkommen aus den miserablen Zuständen (wenn möglich mit Hilfe der Musik), als Ist wird ausführlich der Geldmangel in all seinen Folgen skizziert und von einer ganzen Armee an Snitches, Treulosen und Opponenten umrahmt. Klar, dass in "Mollywhopped" zusammen mit Shug die Fäuste ausgepackt werden und alle Faggots einstecken dürfen. Doch nicht nur von den Austeilfähigkeiten seines Mentors Shug hat Singa sich eine Scheibe abgeschnitten, auch beim Beschreiben seiner Umwelt kann er punkten. Selbst nennt er sich den "Journalist and oberserver" der Straße. In "Street Legends" wird das tägliche Leben geschildert:


"I dont smile and joke, cause it ain't shit funny
When you're broke in the hood, starvin' with no money
Everybody gotta fend for theirselves, survival of the fittest
Only the strong survive, so handle your business
"

Richtige Schwachpunkte findet man wenige. Kane ist sicherlich keine Lichtgestalt eines Emcees, doch ein einwandfreier Flow lässt wenig Platz für Kritik. Lediglich "You And What Army" lässt ein wenig Fingerspitzengefühl vermissen, während das Joe Cocker-Sample für "Summer In The City" zwar wenig innovativ ist, aber gut verarbeitet wurde. Außerdem hat die Sommerhitze, die in Kane's Nachbarschaft um sich greift, nur im übertragenen Sinn mit dem sonnenbedingten Temperaturanstieg zu tun. Moss' harte Trademark-Drumline in "Don't Take It Personal" ruft keine Begeisterungsstürme mehr hervor, tut dem Album aber keinen Abbruch. Und während weiter im "Fastlife" gelebt und dem Geld hinterhergejagt wird, bündelt Kane gegen Ende nochmals all seine Künste für zwei überragende Songs: "Stop Playin'" ist eine besonnen vorgetragene Warnung, in der Singa sich grandios in die Rolle eines alten Veteranen rappt. Sehr hilfreich ist der grandios melancholische Beat von Purpose. Fast noch besser ist direkt davor "Inner City Youth", von Kid Kass mit dezenten Gitarrenklängen versehen und durch die Raps über das harte Jugendschicksal in der falschen Nachbarschaft veredelt:

"Peer pressure will get ya, young niggas'll wet ya
They probably scared as you to be on that stretcher
But fuck fear, cause robbery ain't new to me
I know cats that been snatching jewelry before puberty
"


Fazit:
Bleibt zu sagen: Für einen zusammengetragenen Überblick über Singapore Kane's bisheriges Tun und Treiben darf man positiv überrascht sein. Natürlich passiert hier nichts, was man nicht irgendwo schonmal gehört hätte, doch Singapore Kane hat die Fähigkeit, über ein Album hinweg zu unterhalten und anscheinend hat er auch einen guten Geschmack, wenn es zur Beat-Wahl kommt. "Living Militant" gibt ein anschauliches Bild von Kane's Umfeld und ist in ein sehr gelungenes Eastcoast-Beat-Gewand gepackt. Wenn es beim nächsten Mal mehr ernste, schwermütige Songs vom Schlage "Inner City Youth" und "Stop Playin'" werden, hätte Kane die Möglichkeit, eine Sparte zu bedienen, die derzeit viel zu dünn besetzt ist.

Gesamtwertung: 6.3 / 10

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Freitag, 27. November 2009

Saigon - Warning Shots 2

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Release Date: 29. September 2009
Label: Amalgam Digital / E1 Entertainment

Tracklist:
01. Nothing Comes Easy
02. That's Not What's Up (Feat. G Martin Soul)
03. Fatherhood (Rayne Dior)
04. All Around The World (Feat. G Martin Soul)
05. For Some Pussy
06. Cookies & Milk (Feat. Young Boombaya & A.P.)
07. Be On Time
08. G Optified (Tommy Tee's Theme Sampler)
09. Fuckk Me, Fuck You (Feat. Quan & Ransom)
10. Rusty Gunz (Feat. Lil Fame)
11. Aye Aye Aye Nigga
12. Copping Pleas
13. Who Can Get Busy (Feat. Grand Puba)
14. For Some Pussy (Remix) (Feat. OJ Da Juiceman)
15. Gotta Believe It
16. Saiiiiii Outro



Es scheint, als hinge inzwischen selbst Saigon das Warten auf sein eigenes offizielles Debüt "The Greatest Story Never Told" zum Halse heraus. Nachdem er sich mit Statik Selektah für das selbsterklärende "All In A Day's Work" verbrüderte, folgt nun die Fortsetzung seines 2004 veröffentlichten Street-Albums slash Mixtapes "Warning Shots". Vor fünf Jahren brachte ihm dieses Werk viel Lob und den Hörern die Zuversicht, dass ein Album wohl bald folgen würde. Doch bis zum heutigen Tag hat es Sai sehr gut geschafft, sich durch besagte Street-Tapes, einige Scharmützel und Gastauftritte über Wasser zu halten.

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Diesmal ist zwar kein Alchemist mit von der Partie, doch im Bestreben, den relativen Erfolg des Vorgängers fortzuführen, haben sich zusätzlich zum ähnlichen Cover-Design Mentor Just Blaze sowie Scram Jones, Oddisee, Buckwild und eine ganze Reihe an weniger und nicht bekannten Beatschraubern eingefunden. Wie schon beim Vorgänger ist auch hier der Mixtape-Charakter prägnant, was im Klartext bedeutet: kein roter Faden. Doch wer würde sich an diesem Umstand stören, wenn dafür eine Anhäufung starken Materials geboten würde, die einen in die Vollen gehenden Saigon sähe. Das einleitende "Nothing Comes Easy" lässt dem auch noch alle Chancen offen: Ein etwas lasches, aber immer noch feines Piano-Arrangement dient als Unterlage für Saigon's teils clevere Zeilen. Auch in einigen weiteren Anspielstationen verfolgt er ähnliche Ambitionen, welche natürlich die wünschenswerte Seite des Yardfathers zeigen. Richtige Brecher sollte man jedoch gar nicht erst vermuten. Doch auch Songs wie das an Tochter Rayne Dior adressierte "Fatherhood" können, wenn auch auf instrumentaler Ebene nur halbwegs spannend, den Unterhaltungswert aufrechterhalten. Der Illusion, dass Sai durchgehend von nennenswerten Themen zu berichten hätte, sollte man sich deswegen allerdings nicht hingeben: Ein bisschen Rap-Game-Philosophie, ein wenig Street-Talk und ein viel zu großer Haufen nervtötender Mist. Gemeint ist der unverständlich überproportionierte Anteil, der der animalischen Jagd nach dem weiblichen Geschlecht und allem Folgenden eingeräumt wird: "For Some Pussy" ist nicht nur instrumental miserabel unterlegt, sondern leidet auch an einer Auto-Tune-Hook, die nur aufgrund ihrer Dämlichkeit im Kopf bleibt. Berichtet Saigon hier noch, zu was ihn die Jagd nach Schmuckkästchen getrieben hat, geht es in "Cookies & Milk" ans Eingemachte. Doch auch anderswo sind die Aussetzer zu finden: Vor allem Tommy Tee läuft vollkommen neben der Spur: "Be On Time" und "G Optified" sind mülltonnenreif. Die Suche nach gutem Material verläuft mühsam: "Fuck Me, Fuck You" bietet solides Piano-Geklimper, "Rusty Gunz" ein erfreuliches Oddisee-Instrumental. Altmeister Buckwild's "Aye Aye Aye Nigga" wird erst durch die Hook so richtig versemmelt. Ein Remix mit einem gewissen OJ Da Juiceman sei gar nicht erst in die Relevanz einer Erwähnung erhoben, Grand Puba's Hook für das mäßige "Who Can Get Busy" im leicht karibischen Style hat der Nubian nicht nötig. Um dem Mixtape wenigstens den Ansatz eines versöhnlichen Abschlusses zu setzen, wird mit "Gotta Believe It" ein gelungener Auto-Tune-Track serviert und im "Saiiiiii Outro" mit guter Unterstützung von Scram Jones abgeschlossen.


Fazit:
"Warning Shots 2" ist ein Mixtape. Es sich komplett anzuhören, ist mühsam und resultiert zwangsläufig in konstantem Skippen. Denn die Quote der genießbaren Stücke rangiert um die 50%, was selbst bei einem Mixtape unverzeihlich ist. Zudem fehlt die Loge der sehr guten Tracks (vor fünf jahren noch angeführt von "Yes") gänzlich. Damit bleiben noch Saigon's Skills am Mic, die beizeiten zugunsten von primitivem Proletengelaber in den Schrank gesperrt werden, aber auch sonst nicht jeden Song retten. Wer tatsächlich noch auf "The Greatest Story Never Told" wartet und dabei etwas von Saigon zum Zeitvertreib hören will, der sollte auf die anderen beiden eingangs erwähnten Scheiben zurückgreifen, nicht aber auf "Warning Shots 2".

Gesamtwertung: 4.0 / 10

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William Cooper - Beware Of The Pale Horse

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Release Date: 20. Oktober 2009
Label: Traffic Entertainment Group / Gemstarr Regime

Tracklist:
01. The Day Of Light
02. In America (Feat. Killah Priest & Hell Razah)
03. Bring It Back (Feat. 9th Prince & Nature)
04. One Roll Of The Dice
05. Still Shinning (Feat. Killah Priest)
06. Salutations (What's Real)
07. Song Cry
08. Pray For Me
09. Heaven
10. Free (Feat. Stoneface & Majesty)
11. Feel Afraid
12. Beware Of The Pale Horse (Feat. Ill Bill)
13. J. W. Booth
14. Megalif
15. Bust My Gun
16. Cocaine Israelites (Feat. Killah Priest)
17. American Gangsters (Feat. Kool G Rap)
18. No Retreat No Surrender (Feat. Blue Raspberry, Bloodsport, Stoneface & Majesty)



Wer denkt, hier einem komplett unbekannten Gesicht gegenüberzustehen, der täuscht sich unter Umständen: Wie schon das Cover unmissverständlich kundgibt, hat William Cooper etwas mit der Black Market Militia zu tun, ist genau genommen sogar einer der Initiatoren. Zuvor war er vornehmlich im Hintergrund tätig, z.B. ein Jahr als A&R bei Loud Records - bis zur Schließung des Kultlabels. Des Weiteren war er unter seinem Alias Booth an Tragedy Khadafi's "Still Reporting" beteiligt und produzierte dort einige der Songs. Um nun also auch seinen eigenen Mann zu stehen - auf der "Black Market Militia" LP spielte er ja eher eine Hintergrundrolle - veröffentlicht er das lange vorbereitete Solodebüt "Beware Of The Pale Horse".

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Im Rücken hat er das eigene Label Gemstarr Regime, zur Unterstützung holt er sich einerseits weitbekannte Gäste, aber auch eine Produzentenliste, die man (abgesehen von Bronze Nazareth) kaum kennen dürfte. Doch das stört nicht weiter, denn im Großen und Ganzen kommt man der Ankündigung, eine direkte Fortsetzung des Black Market Militia-Sounds zu liefern, gut nach. Dafür spricht auch die Gästeliste, die zum Großteil dem Wu-Tang-Feld zuzuordnen ist. Inhaltlich ist der Rahmen schnell abgesteckt - Cooper's Freundschaft mit Tragedy Khadafi schlägt eben voll durch: Rezitationen aus dem zentnerschweren Buch der Straßenweisheiten sowie die obligatorische Portion Systemkritik und Verschwörungstheorien. Namedropping bekannter Vordenker und unbeschwertes Konsultieren von Illuminaten und Konsorten. Um es kurz zu fassen: Einmal mehr muss auf die Neue Weltordnung hingewiesen und müssen die unwissenden Massen zur Eigeninitiative aufgerufen werden. "I can see the all-seeing eye on the reverse side of the one dollar bill, homie it's real / See I'm convinced that the unseen hand exists, just take a glimpse between the lies that the government spin" heißt es in "In America". Auch wenn man dem immergleichen Mumpitz kein Gehör schenken muss, ist der überzeugte Enthusiasmus, mit dem Cooper ans Werk geht, lobenswert. Am Mic selbst macht er eine gute Figur, ist aber sowohl bezüglich seiner Stimme als auch hinsichtlich der Performance kein Hingucker bzw. -hörer. Damit mutieren die Beats zu einem noch wichtigeren Faktor. Die Marschrichtung stimmt dort zwar, doch qualitativ kann nicht an das BMM-Projekt angeknüpft werden: Wo das selbst produzierte Intro "The Day Of Light" noch auf Großes hoffen lässt, fehlt dem Album auf voller Spielzeit die nötige Power. Lediglich der Titeltrack "Beware Of The Pale Horse" triumphiert mit einem passenden Gast - Ill Bill. "Bust My Gun" dagegen wirkt vollkommen uninspiriert. Ein "American Gangsters" klingt bereits gehört, "Song Cry" glänzt mit seiner vorhersehbar gesungenen Hook ebenfalls wenig. Gute Vorstellungen gibt es mit dem streichergetriebenen "One Roll Of The Dice" sowie "Bring It Back", das mit seinen Gästen auch seitens der Raps eine willkommene Abwechslung bietet. Wer sich auf das Bronze Nazareth-Instrumental gefreut hat, der wird vom halbminütigen Skit "J.W. Booth" enttäuscht. Bei "Still Shining" als auch bei "Cocaine Israelites" tritt, beide Mal über solide, aber eher gelassene Instrumentals, die gute Verträglichkeit Cooper's mit Killah Priest zu Tage. Doch auch die restlichen Gäste sind gerne gesehen und bringen Abwechslung, was ein "No Retreat No Surrender" allerdings trotzdem nicht übers gute Mittelmaß hebt.


Fazit:
Das Album leidet an zwei Problemen, einem grundlegenden und einem behebbaren: Die Instrumentals, die weit von einer als besonders hervorzuhebenden Leistung entfernt sind, sorgen zwar für Unterhaltung, sind aber nicht in der Lage, dieses Album zu tragen. Dieser Umstand wird in Kombination mit dem zweiten Problem schwerwiegend: William Cooper ist zwar ein fähiger Emcee, doch in den Reihen einer Gruppe wie der BMM, wo er aus dem Hintergrund heraus agieren kann, ist er wohl besser aufgehoben als auf Solopfaden. Für alle Fans der "Black Market Militia" LP dürfte auch "Beware Of The Pale Horse" ein Reinhören wert sein, auf eine ähnlich starke Leistung sollte aber niemand hoffen. Trotzdem gelingt William Cooper ein geschlossener Einstand, der sich ein gutes Stück über dem Durchschnitt festsetzt.

Gesamtwertung: 6.4 / 10

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Masta Ace & Edo G - Arts & Entertainment

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Release Date: 03. November 2009
Label: M3 Records

Tracklist:
01. T.V. Night (Intro)
02. Hands High
03. Fans (Feat. Large Professor)
04. A's E's (Feat. Marsha Ambrosious)
05. Rocsi (Interlude)
06. Little Young
07. Reminds Me
08. Black Ice (Interlude)
09. Good Music (Feat. Posdnuos & Light)
10. Power Out (Interlude)
11. Pass The Mic (Feat. KRS-One)
12. Over There
13. Round And Round (Feat. Doitall)
14. Hot Wangs (Interlude)
15. Ei8ht Is Enuff
16. Here I Go Again (Feat. Jamelle Bundy)
17. You Me & Some Snacks (Interlude)
18. Dancing Like A White Girl (Feat. Chester French)
19. Outro



Erwartungshaltung: hoch. Der aus der Frührente zurückgekehrte Masta Ace lässt sich nach seinem Gruppenprojekt mit eMC nun zu einem weiteren Projekt hinreißen: Fand bis dato auf "A Long Hot Summer" bzw. "My Own Worst Enemy" (ebenso wie mit der "Make Some Noise" EP) ein immer fruchtbarer, gegenseitiger Austausch zwischen Ace und Edo G, seines Zeichens Bostoner Halblegende, statt, kommt man nun für ein komplettes Album zusammen. Wollte man zuerst unter dem Titel A&E auflaufen, hatte man schnell eine Klage von A&E Television am Hals, weswegen es nun schlichtweg Ace und Edo sind, die "Arts & Entertainment" veröffentlichen.

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Die potentielle Erwartungshaltung ist hoch, doch bei beiden Akteuren scheint es, als seien sie im Begriff, in die Jahre zu kommen. Damit in Verbindung steht natürlich die Gefahr auf nostalgisches Gewäsch, zu dem Ace schon immer einen Hang hatte. Trotzdem gilt es (im Sinne besagter "A Long Hot Summer" und "My Own Worst Enemy"), ein hohes Niveau fortzuführen, was den beiden alten Haudegen auch jeder zutrauen wird. Doch was es dazu braucht, ist ein glückliches Händchen bei der Beat-Wahl und ein wenig mehr als die bloße Zusammenstellung einiger gemeinsamer Tracks. Um Letzterem zuvorzukommen, wird, wie schon bei allen jüngeren Projekten von Ace, ein Konzept in Form einer Rahmenhandlung konstruiert, die jedoch diesmal mehr als nur mager bzw. primitiv ausfällt: Der von allerlei Junkfood begleitete Abend eines klischeehaften schwarzen Ehepaars, bei dem man Intellekt vergebens sucht, wird in fünf Skits illustriert, soll dabei wohl den "Entertainment"-Faktor der im TV laufenden Rap-Kombo unterstreichen, lässt den Witz, den etwa ein Fats Belvedere noch in sich trug, aber gänzlich vermissen. Solange die Musik stimmt, ließe sich darüber natürlich hinwegsehen. Doch was M-Phazes, DJ Supreme One und Konsorten abdrücken konnten, überzeugt nur bedingt. In "Hands High" beispielsweise bietet M-Phazes schwaches Geklimpere und eine müde Hook. In diesem Zug ist auch das als Abschieds-Gag gedachte "Dancing Like A White Girl" zu nennen, das zwar lustig ("I ain't being rude, I can tell you in the mood / Cause you dancin' with this dude, but you steppin' on his feet / You're dancin' kinda fast and the song is kinda slow / What I really wanna know is do you even hear the beat?"), aber gleichsam ungenießbar ist. Der Rest fällt zwar weitaus besser aus, doch die atmosphärische Dichte des letzten Ace-Solos sollte man nicht erwarten. Auch überragende Highlights haben es sich auf dieser Scheibe nicht bequem gemacht. Immerhin hat man mit Songs wie Spinna's "Good Music" tatsächlich gute Musik am Start. "Round & Round" dagegen wieder lässt sich von der Thematik fast schon als "typisch Ace" abstempeln, ohne dabei groß Akzente zu setzen. Eine Widmung an die "Fans" passt voll ins Bild, ebenso wie besagte Packung Nostalgie, die unterschwellig omnipräsent ist, doch manchmal auch voll zutage tritt: "Reminds Me" glorifiziert und spannt den Bogen zu den "guten alten Zeiten", "Here I Go Again" reflektiert die eigenen Karrieren als auch die Zukunft, während "Ei8ht Is Enuff" mit abwechselnden Battle-Raps im 8er-Pack aufwartet. Wie sehr das Spoken Word-Interlude vom Meister des Fachs, Black Ice, ins Bild passt, bleibt fraglich, besser als die Skit-Story ist es allemal. Positive Aspekte umfassen die ähnlich konzipierten und gelungenen "A's & E's" und "Little Young", das sich der fehlenden Kreativität bei der Rapper-Namensgebung verschreibt. Zu guter letzt ist "Over There" relaxt gestrickt, kommt mit dieser Masche jedoch gut an, entgegen dem einfallslosen "Pass The Mic".


Fazit:
In gewisser Hinsicht wäre es wohl besser gewesen, wenn Ace nach seinem 2004er Album tatsächlich in Rente gegangen wäre. Damit will nicht gesagt sein, dass dieses Album schlecht sei, denn das entspräche nicht der Wahrheit. Denn auch wenn Ace und Edo hier nicht Feuer und Flamme sind, so ist alleine das Zusammensein zweier routinierter Emcees dieses Kalibers keine verkehrte Sache und beschert der Rap-Welt ja auch eine ganze Reihe an gelungenen Songs. Doch wer bereits große Sachen auf dem Konto stehen hat, der sollte sich nicht wundern, wenn er mit einem Intermezzo wie "Arts & Entertainment" seine Fans nur bedingt zufriedenstellt. Ace sollte zudem erkennen, dass sich seine Rahmenhandlungsstrategie erschöpft hat und dass ein paar lyrische Neuerungen ebenfalls nicht schaden könnten. Wie es auch bei diesem Album der Fall ist, werden zukünftige LPs zu sehr von einer Produktionsgüte abhängen, die mit einer zu geringen Wahrscheinlichkeit eintreten wird.

Gesamtwertung: 6.1 / 10

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Apathy - Wanna Snuggle?

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Release Date: 06. Oktober 2009
Label: Demigodz Entertainment

Tracklist:
01. Hell's Angel
02. Money Orientated (Feat. Emilio Lopez)
03. Gov't Cheese
04. On And Off The Mic (Feat. Blacastan)
05. Back In L.A. (Feat. Ryu (of Styles Of Beyond) & Veze Skante)
06. Shoot First (Feat. B-Real & Celph Titled)
07. I'm A Demigod
08. True Love (Feat. Phonte)
09. Mind Ya Business (Feat. Chip-Fu)
10. Thinkin'
11. This Is The Formula (Feat. J-Live)
12. Guys & Girls (Feat. Blue Raspberry)
13. Anyday (Feat. King Magnetic)
14. Candy (Feat. Dose)
15. Run, Run Away
16. No Sad Tomorrow (Feat. Holly Brook & Mike Mass)
17. Rhode Island (Feat. Emilio Lopez)
18. What Goes Up
19. Hard Times On Planet Earth
20. Slave (Feat. Motive)
21. Victim (Feat. Holly Brook)



Man möchte es kaum glauben, aber was einem hier ins Haus schneit, ist erst das zweite offizielle Album von Apathy. Immerhin machte der Emcee aus Connecticut sein Debüt auf dem ersten Jedi Mind Tricks-Album. Im Rap-Firnament fest verankert ist Apathy im Sternbild der Demigodz, die er zusammen mit Celph Titled gründete und die ihn bis zum heutigen Tag begleiten. Dazwischen stand ein Vertrag mit Atlantic, der fruchtlos blieb und schließlich zum Signing mit Babygrande führte, die 2006 das Debüt veröffentlichten, während das rechtliche Material auf Mixtapes Platz fand. Apathy's bisheriger Werdegang ist also kein Einzelfall in diesem Genre. Wen wundert es da, dass "Wanna Snuggle?" independent, über Demigodz Ent. erscheint?

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21 Tracks, 65 Minuten, reichlich Gäste - auf den ersten Blick scheint das eine anstrengende Angelegenheit zu werden, bei der Ap es nicht verstanden hat, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Wer zudem hinter Titel und Cover etwas Weiterführendes vermutet, der sei darauf hingewiesen, dass Ap sich auf nicht mehr als strikten Rap beschränkt - ohne jegliches Konzept. Hervorzuheben ist dabei der Anteil an Instrumentals, den Apathy sich diesmal selbst aufschultert: knappe drei Viertel. Natürlich sind es keine Wundertaten, die hier geschehen, doch es ist trotzdem erstaunlich, was für ein beschauliches Werk hier zustande gekommen ist. Wieder einmal ist es BoomBap, wie er sich problemlos hören lässt, weder in irgendeiner Weise besonders noch im Geringsten langweilig. Das mag daran liegen, dass Ap eine relativ breite Spanne an Stimmungen bzw. Ausrichtungen der Instrumentals zulässt, ist aber auch der Tatsache zuzuschreiben, dass hier Leute zu Werke gehen, die wissen, wie's geht: Egal ob als Storyteller, Battle-Rapper oder mit ein paar wahllos gekickten Zeilen behält sich Apathy die Aufmerksamkeit des Publikums. Ein Spagat, der von AOTP'schen Wortstürmen bis zu den häuslichen Beziehungs- und Alltagsproblemen reicht, meist aber zugunsten von Zweiterem ausschlägt. Lässt man sich auf diesen Mix ein, wird man sich schnell mit "Wanna Snuggle?" arrangieren. "Shoot First" beispielsweise stellt einen der gröberen Tracks dar und hat mit B-Real und Celph Titled genau die richtigen Gäste für E-Gitarre bzw. harte Drumline. Den krassen Gegensatz liefert direkt zuvor "Back In L.A.", das mit entspannter Melodie und softer Hook vielleicht überrascht, deswegen aber nicht minder hörenswert ausfällt. Um eine gesunde Mischung beizubehalten, wird das Album immer wieder aufgelockert, beispielsweise mit dem herrlich leichten "Mind Ya Business", dem Chip-Fu ganz sanft seine Hook aufsetzt und das sich mit dem Tun und Treiben der Gerüchteküche beschäftigt. Die Zahl der Tracks, die Apathy seinen diversen Beziehungserfahrungen widmet, mag überraschen, doch er hat genügend, meist lustige Dinge zu berichten, weshalb nun auf diese, inhaltlich erfrischendsten Songs eingegangen sei. "Run, Run Away" clappt sich fidel-poppig in die Ohren und ist somit als leicht ironische Begleitung zu Ap's Rhymes über eine Hassliebe perfekt geeignet. Während in "Candy" den bettgemächerischen Fähigkeiten Tribut gezollt wird, gibt Phonte in "True Love" ein amüsantes Gastspiel mit zwei Extrembeispielen seiner Freundinnen (dem "HipHop-Chick", das "Illmatic" auswendig herunterbeten kann und dem Gegenteil, das als HipHop-Analphabet durchgeht), um seine wahre Liebe in der Mitte zu definieren. "Guys And Girls" ("I hate the stereotype, but a lot of y'all are very alike") stellt die zwei Welten gegenüber, das von einem grandiosen Bläser-Beat angetriebene "Thinkin'" zeigt Ap mit einer übermisstrauischen und eifersüchtigen Freundin: "Women's intuition? Or just your suspicion? I think it sound like a bunch of bullshit fiction". Sehr viel Soul plus harte Drums gibt es im Tribut an "Rhode Island", während "Money Orientated" ein AZ-Sample (damit wissen wohl die meisten, von welchem Song) bemüht. Thematisch hervorzuheben ist noch "Victim", das zuerst wie ein gewöhnlicher Song über ein Vergewaltigungsopfer riecht, dann aber eine Kehrtwendung erfährt, da laut Ap's Geschichte das ehemalige Opfer aus den bitteren Erfahrungen (Täter ist der Stiefbruder) inzwischen selbst einen Blutdurst entwickelt hat. Hinzu kommt Holly Brook's starker Gesang, der den Song veredelt.


Fazit:
Das Album hat in der Tat viele Tracks, vielleicht auch zu viele Tracks. Aber es wird definitiv auch einiges geboten. Es ist die Mischung, die an und für sich nicht besonders erscheint, die von Apathy aber großartig zubereitet wird und die hier punktet. Die alltäglichen Zeilen aus dem Ostküstenalltag mischen sich mit einigen netten Stories und Momentaufnahmen von Beziehungen. So hebt sich die Platte in der Tat von anderen, x-beliebigen BoomBap-Platten der Jetztzeit ab. Hinzu kommt Ap's stimmige Vorstellung am Mic und man kann problemlos über die wenigen Fülltracks hinwegsehen, um "Wanna Snuggle?" als durchwegs gelungenes Release zu zertifizieren.

Gesamtwertung: 7.1 / 10

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Mittwoch, 11. November 2009

Fat Joe - Jealous Ones Still Envy (J.O.S.E. 2)

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Release Date: 29. September 2009
Label: Imperial Records / Terror Squad

Tracklist:
01. Winding On Me (Feat. Lil Wayne & Ron Browz)
02. Joey Don't Do It
03. One (Feat. Akon)
04. Aloha (Feat. Pleasure P & Rico Love)
05. Put Ya In Da Game (Feat T-Pain & OZ)
06. Congratulations (Feat. Rico Love & T.A.)
07. Porn Star (Feat Lil' Kim)
08. Cupcake (Feat Benisour)
09. Ice Cream (Feat Raekwon & T.A.)
10. Okay Okay
11. Blackout (Feat. Swizz Beats & Rob Cash)
12. Music (Feat Cherlise)



Die Zeiten, in denen Fat Joe ein wahrhaftes Schwergewicht der Szene war, sind vorbei. Da hilft es nicht weiter, dass er inzwischen fast im Jahresrhythmus Alben droppt, die erstaunlich belanglos sind. An anderen Fronten war Joe erfolgreicher: Gastauftritte von ihm gibt es viele, u.a. auf erfolgreichen Projekten. Denn zumindest seine fettigen Wurstfinger hatte der ehemalige Don Cartagena das ein oder andere Mal im Spiel (als bestes Beispiel sei hier DJ Khaled genannt). Auf Solopfaden sieht das etwas anders aus: Auch wenn er zwischenzeitlich zum "Regenmacher" mutierte, bleibt sein letztes erwähnenswertes Album - wir ahnen es - das platinumgekürte "Jealous Ones Still Envy". Kein Wunder, dass man mit "J.O.S.E. 2" daran gerne anknüpfen möchte.

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Viel eher anzunehmen ist jedoch, dass der Pfad der Unwichtigkeit, dem schon "Loyalty", "All Or Nothing", "Me, Myself & I" und "The Elephant In The Room" folgten, weiterhin beschritten wird. Dass Joe dabei trotzdem immer über seine 100.000 verkauften Einheiten kam, ist schon fast ein Kunststück. Der Weg zum Erfolg sah eine auf Biegen und Brechen erzwungene Befriedigung des zur jeweiligen Zeit angesagten Massengeschmacks vor, was auch diesmal der einzige, strikte Tagesordnungspunkt zu sein scheint. Die Gäste riechen schon gegen den Wind danach, eine kurze Hörprobe liefert die endgültige Bestätigung. Möglichst wenig Eigeninitiative, am besten gar keine persönliche Note: Exakt so windet sich "Winding On Me" mit dem "EtherBoy" durch die Boxen und ist dabei nicht mehr als der Bastard, den das nicht viel bessere "Pop Champagne" mit einer billigen Hure gezeugt hat. In etwa so einfallslos wie das Cover ist die komplette Scheibe: Es wird gegrindet, die eigenen Qualitäten werden ausführlich in alle Wolken gelobt und natürlich bekommen es alle weiblichen Wesen, die Joe zu nahe kommen, ordentlich besorgt. Aber eigentlich braucht er ja nur "One", also die eine Frau; oder - wie Akon quäken würde: "One one one one", quak, quak. Nur in der nächsten Minute sind es halt nicht eine, sondern dreihundert. Ja, dieser Joe ist schon ein toller Kerl. Wenn er doch nur halbwegs so gute Musik von sich geben könnte wie er ein toller Kerl ist. Aber Joe ist ja bekanntermaßen ein toller Kerl und gönnt seinen Hörern ab und zu auch eine Pause von der musikalischen Schlammschlacht mit Einheitsbrei, um im unauffälligen "Ice Cream" verbal seinen Stängel und dessen Tagesplan zu präsentieren - so kann "Eiscreme" natürlich auch aufgefasst werden. Da hilft selbst ein Raekwon nichts mehr. Mehr Einheitsbrei? "Aloha" ist schon zur Stelle und garantiert Déjà Vu-Feeling, auch wenn man den Song zum ersten Mal hört. Ein bisschen Materialismus mit T-Pain richtet im Anschluss nicht viel Schaden an, ist aber dafür hitverdächtig langweilig. Alle Achtung im Übrigen an all jene, die bei den infantil bescheuerten Hooks von Swizz Beatz immer noch keinen Brechreiz verspüren. Unnötig zu erwähnen, dass "Porn Star" schlecht umgesetzt wurde. Zudem trieft dem Song der Auto-Tune aus allen Nähten. Ginge man an dieser Stelle noch weiter auf das Album ein, irrte man nur weiter in die endlose geistige Wüste hinein. Deshalb noch die wenigen "positiven" Dinge, die man dem Album abgewinnen kann: "Joey Don't Do It" überrascht mit harter Gangart und erfreulicherweise fehlender Kotz-Hook, "Music" sowie "Okay Okay" sind immerhin keine vollkommenen Nullnummern.


Fazit:
Man muss sich schon einmal die Frage stellen, was Joe mit einem solchen Album erreichen will. Sind es traumhafte Verkaufszahlen? Denn da hat ihm eine mickrige erste Woche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ist es ein neuer musikalischer Weg für die Zukunft? Diese Abkupferungstour einen "Weg" zu nennen, kann nur sarkastisch gemeint sein. Zusammenfassend ist diese LP sogar für den heruntergekommenen Fat Joe eine Frechheit, die nur unterstreicht, dass dieser Mann nicht mehr den Hauch einer Idee zu sinnvollem musikalischem Output hat. Den ein oder anderen Track mag man betrunken auf der Tanzfläche akzeptieren, ohne sich zu fragen, wer oder was gerade die Lautsprecher zum Schwingen bringt. Seine Punkte bekommt Joe für "Joey Don't Do It" und das Bisschen Professionalität, das er beim Zusammenschandeln dieses Albums an den Tag gelegt hat.

Gesamtwertung: 2.9 / 10

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