Posts mit dem Label 6.0 - 7.0 Punkte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 6.0 - 7.0 Punkte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 22. Dezember 2009

O.C. & A.G. - Oasis

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 24. November 2009
Label: Nature Sounds

Tracklist:
01. Oasis
02. Keep It Going
03. Give It Back
04. Alpha Males
05. Young With Style
06. Everyday Life
07. Think About It
08. Gotta Get It
09. Put It In The Box
10. Boom Bap
11. Reality Is
12. Contagious
13. Supreme Squad
14. God's Gift
15. Get Away (Feat. Mirror Image)
16. 2 For The Money
17. Pain (Feat. Mirror Image)



Da dieses Album als die erste offizielle Zusammenarbeit der D.I.T.C.-Mitglieder (zumindest einigen davon) seit dem 2000er "Worldwide" angekündigt wird, wäre hier wohl der richtige Zeitpunkt, darauf hinzuweisen, wie sehr dieses einstige Monument einer New Yorker Crew vom Zahn der Zeit in Mitleidenschaft gezogen wurde. Vor allem die produzierende Hälfte verbringt das neue Jahrtausend bisher im Halb- und teilweise Tiefschlaf. Aber auch Leute wie O.C., die sich mit ihrer Solokarriere zumindest halbwegs im Feld der Relevanz hielten, zehren heute nur noch von ihrem Veteranenstatus, nicht etwa von musikalisch bemerkenswerten Taten. Ein Kollabo-Album von O.C. und A.G. soll Abhilfe schaffen.

WRITTEN FOR Rap4Fame

"Oasis", so der Titel des Werks. Selbst ohne Cover ist es unschwer zu erraten, was sich hinter dieser Metapher versteckt: anti-progressives, konservatives Denken, Predigten alter Werte in einer Welt, mit der sich die D.I.T.C.-Clique nicht mehr identifizieren kann. Wer also denkt, dass hier ein Versuch gestartet wird, sich mit einem neuen Album neue Ideen und Arbeitsweisen einzuverleiben, um dem langweiligen, verstaubten Bild der eigenen Marke eine neue Facette aufzusetzen, der dachte falsch: O.C. und A.G. schlagen den einfachen Weg ein und versuchen, mit altbackenem BoomBap einen Treffer zu erzielen. Also bleibt einem nicht viel anderes übrig, als sich mit dieser Entscheidung abzufinden und herauszufinden, wie sich O.C., A.G. und die produzierenden Köpfe (vor allem E Blaze, der gut die Hälfte der Tracks beisteuert) schlagen. Und man muss eingestehen, dass es weitaus schlimmer hätte laufen können. Von einer Blamage ist man hier weit entfernt. Leider ebenso weit wie von einem bemerkenswerten oder außergewöhnlichen Album. Wie bei so vielen anderen Künstlern auch verliert sich die Scheibe in Tracks der Güteklasse "okay". Eine müde Vorstellung geben O.C. und Andre The Giant trotzdem nicht: Neben einer nicht von der Hand zu weisenden Harmonie zwischen den beiden Emcees (wobei O.C. als der beständig Bessere aus dem Album hervorgeht) ist es erfreulich zu sehen, dass bei beiden immer noch genügend Power vorhanden ist. Angreifbar wird die Performance am Mic, die alltäglichen Street-Talk und Selbstinszenierung umfasst, erst in Kombination mit den Instrumentals, die auf Dauer genau die Befürchtungen, die bei einem Album wie diesem unweigerlich aufkommen, schüren: Wo der Start noch gut gelingt, verliert sich "Oasis" schnell in Hintergrundmusik. Der Titeltrack und Opener "Oasis" profitiert noch von maximaler Hörmotivation, mit "Give It Back" und einer schönen Drumline hat der Hörer ebenfalls wenig zu kritisieren. Doch schon bei "Alpha Males" fängt die Aufmerksamkeit des Hörers zu bröckeln an. Da helfen vereinzelte großartige Metaphern und Glanzmomente der Lyrics ("Reality Is") nicht weiter, im Gesamtpaket wirkt alles zu unfokussiert. Für den Fall, dass man dem Album besondere Aufmerksamkeit schenkt, sorgen spätestens "Against The Wall", "Put It In The Box" und "Boom Bap" im Mittelteil für die endgültige Erkenntnis, dass hier nicht mehr viel passiert. Im späteren Verlauf warten mit "Two For The Money" noch Scratches von DJ Premier, ein guter Showbiz-Beat und starke Raps, während in der ersten Hälfte "Think About It" die kraftvollste Nummer ist.


Fazit:
Mehr lässt sich an dieser Stelle nicht sagen. Inzwischen fehlt mir wohl auch die Motivation, das x-te Album, das sich damit begnügt, BoomBap zu fertigen, der einerseits jegliche Anstrengungen, sich von der Masse der anderen BoomBap-Platten abzuheben oder erinnerungswerte Elemente einzubauen, ablehnt, der aber andererseits seine Sache bei weitem nicht gut genug macht, um diese Ablehnung zu rechtfertigen, in blumige Worte zu packen. Denn wenn man will, dann ist "Oasis" ein gelungenes Album, das ohne Aussetzer ins Ziel kommt und einige hörenswerte Momente mitführt. Um es aber auf den Punkt zu bringen: "Oasis" muss man nicht gehört haben.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

RA EL - Close Encounters Of The 4th Kind

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: Oktober 2009
Label: Hierogrammat Entertainment

Tracklist:
01. Uprising
02. First Contact
03. Night Of Intrigue
04. Matrix Warz
05. Control Agenda
06. Transit Of V3nus
07. Close Encounters Of The 4th Kind
08. Sphere Of Andromeda
09. Born Invincible
10. Love Of Art
11. Prophesies In The Violet Sky
12. War Zone
13. Dreamscape Corridor
14. Salvation



Es hat mit dem Debüt funktioniert, wieso also nicht gleich noch einmal: RA EL kreierte mit "Noir World", ob man es nun schätzt oder nicht, etwas inhaltlich Neues. Die Science-Fiction-Story als Grundlage eines Konzeptalbums bildete eine willkommene Abwechslung zu all den Standard-BoomBap-Platten. Nur ein halbes Jahr nach dem ersten Album folgt also das zweite. Alleine der Titel, eine Anlehnung an Spielberg's "Close Encounters Of The Third Kind" bzw. den Hynek-Terminus, verrät, dass sich RA EL wieder eine nette Geschichte ausgedacht hat, die in einer imaginären Zukunft spielt. Als Steigerung zu Spielberg scheint "Close Encounters Of The 4th Kind" da nur logisch.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Doch nun etwas konkreter: Wie auf "Noir World" gibt es auch hier einige Hauptpersonen, die "Guten". Doch die Story wirkt diesmal etwas ausgereifter, schließlich wird die gesamte Erde von einer außerirdischen Macht bedroht: Unter dem Namen Dark Reign tritt diese Bedrohung im 31. Jahrhundert auf, um die Erde zu invasieren. Ob das Cover nun einen Eindruck besagter Invasion vermitteln soll, darf jeder selbst entscheiden, doch vom Cover sollte man sich sowieso nicht abschrecken lassen. Denn auch auf Seiten der Instrumentals fanden sich mit 4th Disciple, Falling Down und Ciph Barker einige interessante Persönlichkeiten ein. Zurück zum Plot: Die Dark Reign Invasion wird geleitet von einem Supercomputer, genannt Prophecy. In "First Contact" wird die gesamte Ausgangssituation dargelegt: in Flammen aufgehende Städte, Übernahme durch die Invasoren, weltweites Chaos. Als Gegengewicht entwickelt sich ein Bündnis zwischen dem amerikanischen General Pythagoras, dem russischen Kion Freejack und der japanischen Mona Lisa. Science-Fiction-Jargon findet sich noch und nöcher in RA's Raps, so verdient Mona beispielsweise ihr täglich Brot als Bio-Hunter. Nun also darf der Kampf "Gut gegen Böse" beginnen. Vielleicht sollte man an dieser Stelle erst einmal betrachten, was sich im Vergleich zum ersten Album geändert hat. Die schmackhafte Gästeliste, die beim Debüt eine größere Interessensgruppe anziehen sollte, wird diesmal aus dem Budget gestrichen, was jedoch ohne weiteres zu verschmerzen ist. RA EL ist immer noch kein Rap-Wunderkind, sein Flow ist nicht immer sauber, die Silbenzahl passt an vereinzelten Stellen ebenfalls nicht. Wer diese, im Rahmen des Erträglichen gehaltenen Macken der "Persönlichkeit" zurechnet und somit akzeptiert, der wird sich nicht weiter daran stören. Die Beats schließlich sind ähnlich gut wie auf dem Debüt und als Untermalung der Geschichte meist bestens geeignet. Nun zum Handlungsverlauf: "Night Of Intrigue" und "Matrix Warz" liefern das Vorgeplänkel in einer Erdstation von Dark Reign. Ganz nebenbei: Dass die Erdbevölkerung von der DR-Miliz via Implantaten versklavt wird, offenbart zusammen mit der Verwendung mehrerer Ghost-In-The-Shell-Samples eine von RA's Inspirationsquellen. Schließlich erfolgt eine Teleportation ins Mutterschiff (genannt Darkone Castle), wo weitere Kämpfe ausgetragen werden, die zum augenscheinlichen Tod Mona Lisa's führen. Damit offenbart sich im Titeltrack auch, was mit "Close Encounters Of The 4th Kind" gemeint ist: Anstatt zu sterben, wird sie von einer zuerst unbekannten Instanz in den Andromeda-Nebel befördert ("Transit Of V3nus"), wo höhere Wesen ihr den Schlüssel zur Zerstörung des Prophecy-Computers in die Hände legen ("Sphere Of Andromeda"). 4th Disciple's Produktion im Titeltrack ist ein schlichtes, aber nachhaltiges Juwel, das auch den Hörspaß nicht zu kurz kommen lässt. Es folgen einige Tracks, die die Handlung ruhen lassen. Hier sticht vor allem "Prophesies In The Violet Sky" hervor, erneut ein herausragendes Instrumental, das außerdem perfekt zum hektischen Flow von RA EL passt. In "War Zone" geht es schließlich weiter: Pythagoras und Freejack schlagen sich emsig im Mutterschiff mit dem fiesen Gesindel der Gegenpartei herum, als Mona wieder auftaucht und die Entscheidung bringt. Doch - zu früh grefreut - im "Dreamscape Corridor" - einer weiteren Top-Produktion von 4th Disciple - muss noch der Gestalt annehmende Prophecy-Computer ausgeschaltet werden. Ist auch das geschafft, erfolgt mit "Salvation" das Happy End:

"We made it through the dark storm, the war's over as the night dawn
Soldiers stand at ease and calm
Return to their families, after casualties, enemies
Slaves set free, celebrate freedom and victory
[...]
Pythagoras kisses his wife, holds his daughter, as they walk in the park
"


Fazit:
Bevor man dieses Albun anrührt, sollte man sicherstellen, dass man sich mit dem Emcee RA EL und seiner Art anfreunden kann. Falls ja, wird man mit dem Sophomore des Rappers aus Queens einige schöne Momente verbringen können. Einmal abgesehen von dem starken Statement, das 4th Disciple hier abgibt, sind viele der Beats zwar nicht herausragend, passen dafür jedoch umso mehr ins Gesamtbild. Es fällt (wie beim ersten Album) schwer, der Story zu folgen, doch wie schon auf "Noir World" ist das nicht zwingend notwendig. "Close Encounters Of The 4th Kind" ist ein nettes Werk, das etwas abseits der Norm spielt und dem man ohne Bedenken eine Chance geben darf. Ob dem ganzen Konzept, falls es denn noch einem weiteren Album als Grundlage dienen sollte, jemals höhere Wertungen entspringen, ist allerdings stark in Zweifel zu ziehen.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Critical Madness - Organ Donors

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: September 2009
Label: Domination Recordings

Tracklist:
01. Organ Donors
02. Empirical (TzarizM ReMIX)
03. Life Is Horror
04. Boom (Nowhere to Hide) (Feat. IDE, Jise, Alucard, UG & TzarizM)
05. Go Harder (Feat. Little Vic)
06. FL. To T-Dot (Feat. Doc Demeyez)
07. Remember (Monowax Remix)
08. Versatility (Feat. J.Bada)
09. CM Anthem
10. Sorry Sugar
11. Issues
12. Halftime Show Promo
13. Madness Freestyle
14. Pasta Eaters (Feat. Little Vic)
15. Chug A 5th
16. Blessed With Sin (Feat. Little Vic)
17. Red Handed
18. Hail To The Fetus
19. Gambling
20. Nothing's Changed (Feat. Mygrane McNastee)
21. Massacre Mics (Original Version)
22. Big Fish (Feat. Caveman Theory)
23. Every Night



Der enge Kreis, der Creative Juices vor kurzem noch war, scheint langsam aufzubrechen: Zuerst zeichnen sich einige namhafte Features ab, nun deutet sich eine leichte Expansion an: Für Critical Madness bedeutet das eine Zusammenarbeit mit Domination Recordings. In diesem Zuge steht auch das erste offizielle Gruppenalbum, "Bringing Out The Dead", in greifbarer Nähe. Davor gibt es jedoch noch ein Schmankerl für alle Freunde von Free Downloads: In einem 23 Tracks starken Mixtape namens "Organ Donors" werden bisher unveröffentlichte Tracks etc. zusammengefasst und dem Hörer vorgesetzt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Ein Mixtape, bei dem keine Rücksicht auf Ausgeglichenheit genommen wird und bei dem es auch nicht jedem recht gemacht wird: "Organ Donors" gibt 75 Minuten lang Vollgas und hinterlässt eine von Battle-Rap und wuchtigen Beats verschuldete Schneise. Zur Seite stehen den beiden Emcees dabei Langzeitkumpel TzarizM, ebenso wie einige andere Kollegen, von denen Tempermental noch die meisten Einsätze verzeichnet. Wer Critical Madness bereits kennt, oder wer auch nur zum Beispiel mit Critical's letztjährigem Solo vertraut ist, der weiß, dass CM im Vergleich zu den anderen Creative Juices-Heads eher die Herren fürs Grobe sind: Die ausgeklügelt düster-dramatischen Kompositionen sind nicht ihr Metier, weswegen die bisherigen Releases auch nicht mit denen der Kollegen mithalten konnten. Ob sich das mit "Bringing Out The Dead" ändert, sei mal dahingestellt, doch wie hier in den ersten Songs in die Vollen gegangen wird, schickt einem unter Umständen die Kinnlade gen Süden. Im Sinne des Mixtape-Charakters mixt Prolific alles schön zusammen und macht die ersten Minuten zu einem einzigen Feuerwerk. Wo sich das Intro noch in gesampelten Wortfetzen aufwärmt, rücken der Hörerschaft im Tzar-Remix zu "Empirical" bereits pumpende Drums und dichte Streicher-Arrangements zu Leibe, während es von CM saftige Battle-Raps setzt, die wie nichts anderes an diese Stelle passen, auf dass nur noch zu sagen bleibt: "CM, bitch!" Noch ganz im Erstaunen darüber, wie die ersten Zweifel im Streich genommen wurden, wird nachgelegt: "Life Is Horror" ist das Motto, unter dem der Franzose Al'Tarba seine munter weiterknüppelnden Drums in die Schlacht wirft - wer Tarba kennt, der darf sich auf eine seiner besten Arbeiten freuen. Wem das noch nicht reicht, der darf sich mit "Boom" den alles wegschwemmenden Rest geben. Ein Posse-Track erster Güteklasse treibt über eine weitere Großtat von Tzar die komplette CJM-Bande (mal abgesehen von Savage Messiah) in die Manege und dem Fan die Tränen in die Augen: Vom wütenden IDE über den gewandten Alucard bis zum stimmgewaltigen Dwella UG ist alles dabei. Kein Wunder, dass dieser Song auch auf Alucard's re-releastem Album auftaucht. "We make bangers with no hooks" heißt es direkt im Anschluss - denn vorbei ist die Show noch lange nicht. Ohne Zweifel schleichen sich in der restlichen, ausgedehnten Spielzeit einige Filler ein, doch geboten wird mehr als genug. "Remember" serviert im Monowax Remix relaxte Sommermusik, während in der "Halftime Show Promo" wieder die Sau rausgelassen wird. Aussetzer gibt es keine, lediglich "Red Handed" entpuppt sich als anstrengend. Während sich im hinteren Teil die Hochkaräter lichten, schaffen es die deutschen Hitfarmers trotzdem, nochmal Akzente zu setzen: "Pasta Eaters" mit Little Vic lebt beanstandungslosen BoomBap bis in die letzte Sekunde. Nebst einigen weiteren Songs zum Zurücklehnen ("Issues") sei nochmals zum ersten Teil zurückgekehrt, der noch nicht voll ausgeschöpft wurde, denn "Go Harder" und "Versatility" ziehen mit ähnlicher Intensität wie die Opener aus den Boxen.


Fazit:
Es ist verständlich, bei kostenlosem Material vorsichtig zu sein, beziehungsweise bei der übermäßigen Fülle einen Großteil einfach zu übergehen. Doch gerade deshalb sei an dieser Stelle explizit auf dieses Werk hingewiesen, das zwar keinen Albumcharakter entwickelt, diesen aber auch gar nicht tragen möchte und vielmehr durch die Unbeschwertheit der hintereinander aufgereihten Battle-Sausen besticht. Die Qualität einiger (sogar überraschend vieler) Songs übersteigt dabei das Niveau, das viele Alben innehaben, bei weitem. Sollte wirklich der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Critical Madness ihr nächstes Album mit solchen Songs ausstopfen, dann ist Vorfreude angesagt. Doch bis dahin darf man sich darüber freuen, dass mit "Organ Donors" der Sinn eines kostenlosen Mixtapes punktgenau getroffen wurde. Genau für diesen Umstand werden auch großzügige 3,5 Kronen vergeben.

Gesamtwertung: 6.5 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Bekay - Hunger Pains

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 10. November 2009
Label: Coalmine Records / Diamond Music Group

Tracklist:
01. Intro
02. I Am (Feat. DJ Revolution)
03. Pipe Dreams (Feat. R.A. The Rugged Man)
04. Bloodsport
05. Young
06. Rapstar (Hunger Pains)
07. Crazy (Feat. Heltah Skeltah)
08. Brooklyn Bridge (Feat. Masta Ace)
09. That's Brooklyn (Skit)
10. Skemers (Feat. Wordsworth)
11. Realest That Run It
12. Pops
13. The Raw (Feat. Saigon & Inspectah Deck)
14. Visions
15. I Am (Remix) (Feat. Dilated Peoples)



Ein weiterer Emcee, für den nun die Stunde der Wahrheit gekommen ist: Wie für so viele andere auch, war es ein etappenreicher Weg, der Bekay zu dem hier vorliegenden Album geführt hat. Bekay hat an diversen Battle-Contests teilgenommen, u.a. 106th and Park's "Freestyle Friday", er war Finalist bei MTV's "Making The Band" und, für die Rap-Fans weitaus gewichtiger, mit seinem Album "The Horror Flick LP" stellte er einen der erfolgreichsten Beiträge der Rawkus-50-Release-Serie. Jenem Album ging ein Mixtape mit DJ Kay Slay voraus. "Hunger Pains" ist nun also ganz ohne Frage das Album, mit dem sich entscheidet, ob es für Bekay auf die nächste Stufe geht.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Bekay, dessen Name sich nicht nur zufällig wie sein Borough ausspricht, besteht darauf, der Sorte junger Emcees zugeordnet zu werden, deren Wertvorstellung von HipHop noch auf der alten Schule fußt. Damit ist er bei Coalmine natürlich bestens aufgehoben, und für "Hunger Pains" wird ein noch saftigeres Producer-Lineup zusammengetrommelt als auf der "Horror Flick LP". Da verwundert es nicht groß, dass das Angebot, das Bekay dem Hörer mit diesem Album macht, BoomBap mit Herz und Seele ist. Man kann nun also, in Anbetracht der Übersättigung dieser Marktsparte, dankend abwinken oder aber hören, wie Bekay sich im Versuch, der von allen Seiten drohenden Gefahr des Absinkens in Altbekanntes und Langeweile auszuweichen, schlägt. Zu seinen Waffen zählt ein rundum gewöhnlicher Mix aus Battle-Rap, persönlichen Songs und ein wenig Observation der direkten Umwelt. Aller Anfang wird von den Returners besorgt, und zwar mit einem klassischen "Intro" aus Scratches und Cuts, das beanstandungslos gelingt, die richtige Stimmung vorgibt und nahtlos in die Alchemist-produzierte erste Nummer, "I Am", übergeht. Ein tanzender Piano-Loop garantiert den ersten bemerkenswert guten Song, in dem sich Bekay durch einwandfreien Eifer am Mic profiliert. Ein anderer Song, in dem sich Bekay in Battle-Raps ergeht, ist "Realest That Run It", das anschaulich zeigt, dass bei mittelmäßiger Produktion auch die aggressiven Lines des Emcees der Skip-Taste zum Opfer fallen. Denn auch wenn Bekay zweifelsohne mit den richtigen Ambitionen bei der Sache ist, eine außergewöhnliche Erscheinung am Mic ist etwas anderes. Zum Glück stimmen die Produktionen fast durchgehend: "Crazy" zählt zwar zu den schwächsten Instrumentals, erhält sich seinen Unterhaltungswert aber durch gut gewählte Gäste - Ruck mit einigen Bars und Rock mit einer stimmgewaltigen Hook. Als "Skemers" nehmen sich Bekay und Words (die im dritten Verse einen schönen Bars-Schlagabtausch vorführen), was ihnen gefällt und vor die Griffel gerät, zusammen mit dem artverwandten Gast Ace wird mit guter Laune der eigenen Herkunft ein Song gewidmet, der voll und ganz zu Ace's Veteranen-Rapstil passt (das mag nun positiv oder negativ gewertet werden). In eine ähnliche Richtung zielt der "That's Brooklyn" Skit, in dem BK-typische Macken (in etwa wie Joell Ortiz' "Brooklyn Bullshit") aufgezählt werden. Etwas mehr Gehalt bietet "Pipe Dreams", in dem der junge Rapper Bekay mit einem schamlosen A&R, gerappt vom Rugged Man, konfrontiert wird:

"Concentrate on your rapping, I'll handle the rest
I'mma get you five beats from Kanye West
And two beats from Lil Jon, for the Down-South market
If we sell records, who cares if we make garbage?
Oops, I didn't mean that, I'm just so excited
I can't hide it, now here's the contract, you better sign it
"

Die Brücke von Kritik am Business zu eigenen Erfahrungen spannt Bekay mit "Rapstar", wo er seinen bisherigen Weg aufrollt und unter anderem auch die ständigen Vergleiche zu Eminem erwähnt. "Young" und "Pops" markieren die persönlichsten Tracks, fesseln jedoch dank mittelmäßiger Produktion nicht in vollem Maße. Das schön ältere "The Raw" schließlich hat seinen Weg aufs Album wohl nur dank der namhaften Features gefunden, denn zu den besten Tracks zählt es beileibe nicht.


Fazit:
Was dieses Album stark macht, sind die gute Wahl an Beats, die Bekay getroffen hat (und die zwar nichts Außergewöhnliches, dafür aber viel sehr gut Verarbeitetes bietet), und die Emotionen, die Bekay in seine Raps packt. Wenn er dann mit einem verbitterten Song über die Mühen seiner Karriere einen Vergleich mit Eminem hinterhergeworfen bekommt, sollte er die Stinkigkeit beiseite legen und sich freuen, dass diese Parallele ihm offensichtlich mehr Charakter zuspricht, als vielen seiner Kollegen attestiert wird. Denn eigentlich ist Bekay einer unter vielen, der mit "Hunger Pains" ein knapp gutes Album vorlegt, das jedoch keinesfalls irgendwelche Besonderheiten zu Tage fördert.

Gesamtwertung 6.5 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Chief - Collabo Collection

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 03. November 2009
Label: Feelin Music

Tracklist:
01. Intro
02. Felt Before (Feat. Moka Only)
03. Jazz Unconditional (Feat. John Robinson)
04. Love Lost (Feat. Co$$)
05. Let It Be (Feat. Tha Connection)
06. True Love (Feat. Blu & Sene)
07. Once In My Life (Feat. Les Nubians)
08. Hello (Feat. Just Brea & Abstract Rude)
09. Anyway (Feat. Moka Only)
10. The Journey (Feat. Sunken Heads)
11. Soul Brother (Feat. Co$$)
12. Demon Love (Feat. Kissey Asplund & Moka Only)
13. D&C (Feat. Dynas)
14. That's How We Kick It (Feat. J Sands & Kenn Starr)
15. Go, Ladies (Instrumental)
16. Perspective (Instrumental)
17. 16 Levels (Instrumental)
18. Chieflada (Instrumental)
19. Outro



HipHop im Stile der Amerikaner aus der Schweiz? Wem hier nicht sofort ein Name in den Sinn kommt, der sollte sich schnellstens mit Chief vertraut machen. Nicht nur verdient sich der in Lausanne geborene Herr seine Lorbeeren als Produzent, vielleicht noch wichtiger ist seine Tätigkeit als Kopf des Labels Feelin Music". So verwundert es auch nicht, wenn Chief im Laufe der Zeit eine ganze Reihe an Bekanntschaften geschlossen hat. Produziert hat der Schweizer schon mehrere Projekte, doch nun scheint die Zeit für ein eigenes Producer-Album gekommen zu sein. Mit Songs, die mitunter vier Jahre alt sind, füllt sich das Debüt "Collabo Collection".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Als Einflüsse wird Chief die halbe Genre-Welt in die Schuhe geschoben, letzten Endes fällt eine Beschreibung der Arbeiten von Chief auch auf keinen gemeinsamen Nenner, doch irgendwo zwischen Jazz-Rap und Neo-Soul tummeln sich die meisten Songs. Wie die meisten anderen Produzenten schart auch Chief viele und vor allem verschiedenste Gäste um sich, auch eine strikte Beschränkung auf amerikanischen Grund und Boden sollte man hier nicht erwarten. Doch im Gegensatz zu so vielen anderen Produzentenalben passt die Mischung bei Chief auch tatsächlich. Ein Pluspunkt, der dem Album im späteren Verlauf sehr zugute kommt. Was das Wattestäbchen im Cover verloren hat, soll hier nicht untersucht werden, vielmehr interessiert, ob aus der "Collection" auch ein brauchbares "Album" geworden ist. Denn bei aller Kultiviertheit der Musik bleibt der Fakt, dass die Idee zum Album wohl nach Aufnahme eines großen Teils der Tracks gefällt wurde. Über das durchschnittliche Album-Feeling anderer Produzenten kommt Chief trotzdem hinaus - Sorge dafür tragen die meist gefühlvollen Instrumentals, die Chief gleich einem Modellbauer mit Liebe fürs Detail zusammenbastelt. So wirklich genießen kann man diese Songs dementsprechend nur, wenn man sich in der richtigen (leider etwas zu eingeschränkten) Atmosphäre, die wahrscheinlich in den eigenen vier Wänden zu suchen ist, befindet. Die meisten Tracks auf "Collabo Collection" wirken nicht, um Ruhe für sich selbst zu finden, sie wirken erst, wenn man die Ruhe schon gefunden hat und sie sich bewahren will. Denn dann hat man den Nerv für Just Brea's "Hello", dann mag man auch das etwas lusch produzierte "Once In My Life" mit dem ausgiebigen Gesang der Les Nubians hören können. Einige Songs können sich erst dann zu wahren Perlen entfalten: "Love Lost" lässt den Tres-Newcomer Co$$ zu sanften Gitarren-Klängen über die Liebe philosopohieren, die britischen Sunken Heads bekommen mit "The Journey" klassisches BoomBap-Piano mit Nas-Sample. "That's How We Kick It" bedarf absoluter Ruhe, um seine Kopfnickerqualitäten zu entfalten. Andere Tracks sind selbst dann noch Filler: "True Love" ist trotz dem bereits bestens vertrauten Trio Chief-Blu-Sene eine lahme Nummer, in "Anyway" verpasst man rein gar nichts. In "Felt Before" leisten Moka und Chief weitaus Besseres und fügen dem Vollzeit-Chill-Charakter der Platte ein weiteres Mosaik hinzu. Neben einem soliden Auftritt von Dynas und dem fast schon schlafend ruhigen "Demon Love" ist es John Robinson, der eine der besten Darbietungen gibt, die von dünnem, aber wirkungsvollem Pianogeklimper bestens unterstützt wird. Bereits vom "Love Royale"-Album bekannt ist Tha Connection's unschlagbares "Let It Be", das hier den herausragenden Höhepunkt markiert und atmosphärisch gut ins Bild passt. Abgeschlossen wird die Platte schließlich durch einige Instrumentals, die - wie sollte es anders sein - nochmals beste Gelegenheit zum Entspannen geben.


Fazit:
Mit "Collabo Collection" gelingt Chief ein respektables Debüt, das einem nach und nach durchaus ans Herz wachsen kann. Doch dafür muss man sich in der richtigen Stimmung befinden. Genau dort liegt auch das größte Manko der Scheibe: Mich persönlich ließ sie, sofern nicht in kompletter Ruhe und entspannter Atmosphäre in den eigenen vier Wänden, größtenteils kalt, was wohl weniger an mir als an dem Wesen der Platte liegt. Natürlich hat sie ihre durchschnittlichen Tracks, aber im richtigen Moment mag sie zu einem guten bis sehr guten Album avancieren - in allen anderen Momenten liegt sie jedoch nur über dem Durchschnitt.

Geasmwertung: 6.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 6. Dezember 2009

Kam Moye (a.k.a. Supastition) - Splitting Image

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 27. Oktober 2009
Label: MYX Music Label / RBC Records

Tracklist:
01. Re: Born
02. Reality Check
03. Stars (Feat. John Robinson)
04. Splitting Image (Feat. Neenah)
05. Imani
06. Hello Karma (Feat. Phonte & Ayah)
07. No Substitute
08. Let's Be Honest
09. Don't Forget (Feat. Tiffany Paige)
10. Do What It Takes (Feat. Buff 1)
11. Nobody's Fool (Feat. Tenille)
12. Give Out, Give In
13. Life Line (Feat. One Be Lo)
14. MK-ULTRA (Feat. Baba Zumbi)
15. Forever Fresh



Kam Moye hat alles, was man zu einem Dasein als wenig beachtete Randgestalt im Rapzirkus so benötigt: Eine Diskographie, die bisher zwei Alben und drei EPs hervorbrachte, aus der aber nichts je große Wellen schlagen konnte, eine feste Verankerung im Non-Gangsta-Netzwerk von Corporate Underground HipHop-America und natürlich die entsprechende Gesinnung. Dank seiner Herkunft (North Carolina) mag er zudem von dem ein oder anderen als unbedeutender Gefreiter der Justus League angesehen worden sein. Vielleicht dachte sich auch Kam, dass es Zeit sei, etwas zu ändern. Also wurde der frühere Künstlername Supastition zugunsten des schlichten bürgerlichen Namens aufgegeben, und mit neuem Label gibt es nach der "Self-Centered" EP das nächste Album: "Splitting Image".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Um den Übergang einfacher zu gestalten, wird noch ein "AKA Supastition" aufs Cover gedrückt. Um die Besonderheit dieser Scheibe zu unterstreichen, werden Phrasen wie "This will be my defining moment" vom Stapel gelassen. So wirklich dran ist dann aber nichts am "defining moment". Nicht nur, dass Kam sich eine vollkommen herkömmliche Auswahl und Anzahl an Produzenten für sein Werk zusammenklaubt, auch der letztendliche Output ist - und das sollte doch als erstes ganz deutlich hervorgehoben werden - schlicht und ergreifend der eines gelungenen, aber doch stinknormalen BoomBap-Albums des Jahres 2009. "I was always seen as that bitter, angry rapper who hated the industry. I mean I still hate the industry, but I'm not mad about it no more" - mit diesem Statement verabschiedet er sich also von Schmähreden über die Politics im Game. Die Zeilen werden anderweitig gefüllt, das Standardrepertoire bietet schließlich noch so einiges mehr. Das einzige Problem, das Kam über sein ganzes Album hinweg begleitet, ist nicht fehlende Qualität, sondern überschüssige Austauschbarkeit. Mal fühlt man sich konkret an Artists wie Substantial erinnert, doch meist schwimmt Supastition geradewegs zwischen seinen unzähligen Kollegen, wie etwa mit "Re:Born" oder "Reality Check", die den typischen Opening-Part ausmachen. Das alles wäre weiterhin kein Problem, wenn die Zahl der wirklich frappierenden Tracks entsprechend hoch wäre, was aber leider nicht der Fall ist; was zu einem nicht kleinen Teil den Produzenten in die Schuhe geschoben werden darf. Khrysis beschränkt sich einmal mehr auf Standardprogramm, und auch ein Vitamin D kann mehr. Lediglich der ebenfalls aus NC stammende D.R., mit dem Kam zusammen das Duo Electric Ave bildet, scheint mit kräftiger Motivation zur Sache gegangen zu sein: Seine drei Beiträge gehören zum besten Teil der LP: "Nobody's Fool" ist ein liebevoll gekittetes Gestell, das zudem noch von Tenille's schöner Hook profitiert. "Do What It Takes", dem die allgegenwärtigen Geldnöte zugrunde liegen, fällt ebenfalls nett aus. D.R.'s dritter Beitrag heißt "Stars" und wird von John Robinson erheblich aufgewertet. Die richtigen Gäste wirken sich hier generell sehr zutragend aus. Solche Gäste kommen am besten nicht aus dem eigenen Kreis, da ein Phonte in die Diskussionsrunde mit dem personifizierten "Karma" nur bedingt frischen Wind zu bringen vermag. Etwas Storytelling darf natürlich auch nicht fehlen und so wird Kam in "Imani" von der frisch gefundenen großen Liebe eröffnet, dass bereits ein Braten im Ofen steckt. Nach noch mehr fein ambitioniertem, aber immer überschaubarem Rap legt Jake One für "Life Line" noch ein wenig mehr Power hinter die Boxen und Illmind für "MK-ULTRA" eingängige, electro-triefende Klänge hinterher. Beide Male erweisen sich die jeweiligen Gäste als gute Wahl.


Fazit:
Warum also ein solches Album nicht höher bewerten, obwohl es eigentlich nicht viel zu kritisieren gibt? Beantworten lässt sich diese Frage durch ein simples Zusammenfassen der Fakten: insgesamt wenig markant plus wenige herausragende Tracks. Ob Kam Moye überhaupt zu viel mehr in der Lage wäre, ist eine ganz andere Frage, mit der man sich nicht auseinandersetzen muss. In jedem Fall gehört "Splitting Image" zu diesen Alben, die so rundum solide (aber nicht mehr) sind, dass sie das Mittelfeld definieren. Letzten Endes braucht man auch ebensolche Scheiben. Und für eine Hand voll guter Tracks reicht es ja in jedem Fall, ob es nun Kam Moye oder Supastition ist.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sene - A Day Late & A Dollar Short

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 27. Oktober 2009
Label: Shaman Work Recordings

Tracklist:
01. PressPause
02. WonLover
03. QuarterWaterSupporter
04. WhyBother?
05. WonThousandGirls
06. SmokeRoseBudsOnAshyAvenue
07. TheWonderers
08. CloudClimbers
09. EyeCry - TheBefore
10. OwlThruGotham
11. EveryDejaVu
12. Ain'tNoJustice
13. EyesDry - TheAfter
14. JusASuggestion



Das Gedächtnis eines HipHop-Fans rostet nicht ein: Namen über Namen ergießen sich jedes Jahr über die Lauscher der Hörer, wobei es immer gilt, die wirklich behaltenswerten Neulinge herauszufiltern. Hier stellt sich erneut ein Jemand vor: Sene kommt aus Brooklyn und ist derzeit auf Shaman Work gesignt. Ganz unbeschrieben ist er jedoch nicht: Einige halboffizielle Werke ("Pavement Special", die "Garbage Pail Kids" EP) existieren bereits. Zudem gab es bereits ein Mixtape, das von niemand Geringerem als Sucio Smash präsentiert wurde. Wer nun denkt, er könne hier nicht überrascht werden, der weiß nicht, wen sich Sene für sein Debüt "A Day Late & A Dollar Short" als Gegenstück mit ins Boot geholt hat: Gemeint ist Blu aus der sonnigen anderen Ecke der Staaten, Los Angeles.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Damit ist die Scheibe nicht nur ein einfaches, sondern ein zweifaches Debüt. Denn wo Sene seinen Albumeinstand als Emcee in der Szene feiert, verliert Blu hier kein einziges Wort und erweitert seinen Talentradius um die Kunst des Produzierens - zwar nicht zum ersten Mal, doch zum ersten Mal auf voller Albumspielzeit. Und ohne ein vorzeitiges Urteil zu fällen, darf jeglicher betonter Eastcoast-Charakter damit abgehakt werden. Wenn man schon ein Referenzobjekt sucht, dann unter Umständen Exile, dessen Klasse Blu zwar bei weitem noch nicht besitzt, dem er jedoch unbestreitbar in gewissen Gesichtspunkten nacheifert. Auch wenn es hier um Sene gehen soll, scheint es doch beizeiten ebenso interessant, die Entwicklung von Blu als Produzent zu betrachten. Warum das so ist wird durch zwei Faktoren erklärt: Sene stellt sich schnell als talentierter Emcee heraus, will sich aber nicht so recht profilieren, und Blu zeigt hier ein Talent, das unter Umständen zu noch viel mehr führen könnte. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, dass Sene es nicht verstünde, zu unterhalten. Sei als Beispiel "EyeCry: The Before" genannt, wo Blu zugunsten von Sene und seinen nachdenklichen Texten gänzlich in den Hintergrund tritt. Das von Blu eingeschleppte Ärgernis der abhanden gekommenen Leerzeichen ist zwar unschön anzuschauen, sei jedoch des Weiteren nicht mehr beachtet. Zurück bei Sene's Eigenschaften am Mic lässt sich feststellen, dass hinsichtlich der Verflechtung von Gedanken, persönlichen Erfahrungen und fidelem Tonfall eine direkte Parallele zu Blu besteht. Immerhin verkörpert Sene auch einen ähnlichen Charakter; "WonThousandGirls", ein Song über das üppige Angebot an potentiellen weiblichen Gespielinnen / Partnerinnen, hätte auch aus Blu's Feder stammen können. Doch genug der Vergleiche - Sene steht seinen Mann auch problemlos selbst. "WhyBother?", fragt er sich, ohne dabei eine Antwort zu finden. "TheWonderers" bekommen ausschweifend erklärt, wer hier am Mikro steht, ohne dass Sene davor zurückschreckt, der ein oder anderen Hook selbst den Gesang zu stiften. Unterlegt ist alles von Blu's angenehmen Sound-Gerüsten, die nur ein einziges Problem zu beklagen haben, nämlich einen Überschuss an Harmlosigkeit. Dieses Gebrechen schlägt sich auch im gesamten Bild der Platte nieder: Was hier passiert ist schön und beschaulich, doch es fehlt der Funke, der dieses potentielle Freudenfeuer zu entzünden imstande wäre. Immerhin es ist nicht so, als läge die Lösung dieses Problems meilenweit entfernt, denn mit einigen der Bestrebungen auf der LP wird in der Tat gezeigt, dass Sene auf dem richtigen Pfad wandelt: "SmokeRoseBudsOnAshyAvenue" lebt von der überquellend guten Laune in den Raps, in "WonLover" gelingt Blu ein exzellentes Bett aus Streichern, in dem es sich Sene's Raps (natürlich über die "eine" Liebe) gemütlich machen. Und schließlich noch "Ain'tNoJustice", das mit Co$$ den einzigen Gast auffährt und das in der Kopfnicker-Sektion die Sternstunde der Platte verkörpert.


Fazit:
Ist dieser neue Name also vermerkenswert? Ja, ist er durchaus. Das Potential zu einer von Kritikern mit Lob überschütteten Underground-Überraschung hat "A Day Late & A Dollar Short" allerdings nicht. Sene wird wohl auch in absehbarer Zeit nicht den Quantensprung vollführen, der Blu zuteil wurde - dafür reicht es bei ihm ganz einfach nicht. Doch Potential nach oben ist in jedem Fall da. Und ein lockeres, relaxtes Album wie hiesiges Debüt ist im Grunde nie verkehrt. Damit bleibt nur zu hoffen, dass Sene auch in Zukunft fähige Produzenten trifft, die ihn trefflich untermalen. Blu als Produzent zeigt in dieser Form Talent und Ausbaufähigkeit und lässt somit Freude auf zukünftige Projekte zu. An dieser Stelle reicht die Kollabo zu einem überdurchschnittlichen Erzeugnis.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

CunninLynguists - Strange Journey Volume Two

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 03. November 2009
Label: A Piece Of Strange Music

Tracklist:
01. Departure - Part 2
02. Imperial (Feat. Freddie Gibbs)
03. The WWKYA Tour (Remix) (By Eextended Famm)
04. Streets (Feat. Sean Price & Poison Pen)
05. Heart (Feat. Tunji)
06. To Be For Real
07. Tear Tracks (By Cashmere The Pro)
08. Still With Me (Remix) (Feat. Jermiside)
09. Close Your Eyes (Feat. Geologic, Grieves & Macklemore)
10. Pit Stop
11. The Park (Blue Sky Black Death Remix)
12. Nothing To Give (Live) (Feat. Club Dub)
13. Cocaine
14. Running Wild (Feat. E-40 & Evidence)
15. Everywhere (Feat. Witchdoctor)
16. Arrival (Outro)



Da sind sie wieder. Mit läppischen zwei Monaten Verspätung gegenüber des ursprünglich angegebenen Release-Dates schicken die CunninLynguists den zweiten Teil ihres "Strange Journey"-Zweiteiler-Projekts ins Rennen und erneut durch ganz Amerika. Auch diesmal hat man es mit einer bunten Ansammlung an Tracks zu tun, die meist von Kno produziert sind und - neben den meist auch vertretenen Natti und Deacon - die verschiedensten Persönlichkeiten ans Mic laden. Gaben beim ersten Teil noch andere Labels Schützenhilfe, so erscheint "Strange Journey Volume Two" ausschließlich über A Piece Of Strange Music.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Der Van aus dem ersten Teil ist schrottreif, doch in der Garage des mit in herrlichem Southern Slang kauenden Billy Joe hat man sich schnell ein neues Gefährt (siehe Cover) erkauft. Tourte der erste Teil vorwiegend durch die östliche Hälfte der Staaten, bildet der zweite auf dem Back-Cover die logische Ergänzung ab. Tatsächlich findet sich nun auch der eine oder andere Gast der Westküste ein (von einer konsequenten Umsetzung der angeblichen Routenplanung kann jedoch keine Rede sein). Was im Übrigen aus dem angekündigten Bronze Nazareth geworden ist, weiß der Geier. Doch vermissen wird man Bronze sowieso nicht: Mit "Imperial" gelingt den Lynguists ein Einstieg nach Maß. Vom ernsten Kopfnicker mit eingängiger Hook geht es direkt weiter zur Extended Famm: Kno's Remix zu "The WWKYA Tour" schlägt Burns' Original um Längen und bietet mit dem heiteren Voice-Sample den perfekten Untergrund für Tonedeff's sprudelnden Wortfluss. Doch deswegen sollten keine falschen Erwartungen an das Album gestellt werden: Die strikten Gute-Laune-Songs sind in der Unter-, wenn nicht sogar in der Einzahl. Für den Rest wählt Kno klagende Voice-Samples und kompakte Streicher-Szenarien, ohne dabei jedoch die kraftvollen Drums zu vergessen. Schließlich müssen Themen abgehandelt und entsprechend untermalt werden, die man auf CL-Platten fast schon Standard nennen kann: Cashmere The Pro rappt im nahezu pathetischen "Tear Tracks" von einer gewissen Ebony, die nicht von ihrem sie ausnutzenden und schlagenden Mann loskommt ("I know it's hard being alone, but his knuckles is harder"). Mehr davon bietet direkt im Anschluss "Still With Me" mit reichlich Herzschmerz über Vorstorbene - die "reifen" CunninLynguists halten das Steuer eisenfest in der Hand. Doch zu einem großen Thema wird der ewige Zwiespalt der Lynguists in dieser Hör-Session nicht, denn Abwechslung bringen die Gäste: Tief brummende Pianotasten und eine gesunde Drumline bilden das Rückgrat von "Streets", das zum Block der hervorragenden ersten drei Songs gehört. Mit doppelten Rüpel-Raps aus Brooklyn befindet man sich zudem in feinster Gesellschaft. Nach einem lustig gemeinten Interlude, "Pit Stop", in der Mitte des Albums (man erinnere sich an "White Guy Mind Tricks") dürfen mit Blue Sky Black Death die ersten Gastproduzenten ran - für einen sehr starken Remix zu "The Park", der mit den überflüssigen "KKKY" und "Georgia" Remixes gar nichts zu tun hat und mit vielschichtigem Instrumental das Können von Young God und Kingston unterstreicht. J-Zone steuert respektables Audio-Chaos ("Cocaine") bei und hebt sich damit klar von Kno's harmonischem Sound-Bild ab. Damit die Gefühlsschiene im Mittelteil nicht zu kurz kommt, flüchtet man in "Close Your Eyes" in die Welt der Träume, während das Ende des Albums von den Gästen E-40 bzw. Witchdoctor klare Stempel aufgedrückt bekommt. "Arrival" stellt mit dem Einfahren in eine Sackgasse dann das scheinbare Ende dar, doch weder an Asphalt noch an die Schwerkraft fühlen sich die CL gebunden...


Fazit:
Auch mit dem zweiten Teil ihrer sonderbaren Reise geben sich die CunninLynguists keine Blöße, sie erreichen sogar noch eine kleine Steigerung im Vergleich zum ersten Album. Das ist vorrangig den ersten drei Songs zuzuschreiben, die dem CL-Road-Trip spürbar Würze geben. Der Mittelteil ist saubere Handarbeit, hält jeodch wenige Überraschungen parat, während dank der Gäste gegen Ende wieder für mehr Abwechslung gesorgt ist. Damit darf das Projekt "Strange Journey" als abgeschlossen angesehen werden, denn ob ein eventueller dritter Teil als Reise zum Mond noch Sinn hätte, ist sehr fraglich. Das Konzept der losen Feature-Zusammenkunft war nett, aber ein neues, richtiges Album, das eventuell auch neue Wege beschreitet, wäre nun weitaus interessanter.

Gesamtwertung: 6.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sha Stimuli - My Soul To Keep

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 27. Oktober 2009
Label: Chamber Musik Records

Tracklist:
01. Duction
02. Hang On (Feat. The Astronomical Kid)
03. My Soul
04. Blasphemy
05. Do It For The Doe
06. Move Back (Feat. Young Chris & Freeway) / The Reason
07. I Wish I Was U (Feat. Bellringer)
08. The Smelly Cat Song
09. What's Wrong With That? (Wake Up The World) (Feat. Torae)
10. Good Day / Change
11. I Believe (Feat. Lydia Caesar & Khaliq)
12. Have You Seen Him?
13. My Girl (Feat. Khaliq)
14. Last Time / Bucket List
15. Sometimes (Feat. Lydia Caesar)
16. Follow The Leader



Für Sha Stimuli ist endlich der Moment gekommen, in dem er ins Rampenlicht treten darf: Man mag ihn als einen der vielen Mixtape-Rapper kennengelernt haben, die sich vor einigen Jahren wie eine Flut aus New York ergossen, dann aber wieder größtenteils verschwanden. Im Falle Stimuli bedeutete dies, dass aus seinem Vertrag mit Virgin Records, der eine rosige Zukunft in Aussicht stellte, und dem geplanten Album "Thee Emotion Picture", nichts wurde und er selbst im Regen stehengelassen wurde. Doch als entschlossenes Stehaufmännchen ist er nun, nach einer Reihe an Mixtapes, zurück, hat Chamber Musik Records an der Seite und präsentiert sein Debüt "My Soul To Keep".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Somit stellt dieses Album auch für Chamber Musik eine Neuerung dar. Schließlich hatten die bisherigen Releases immer mehr oder weniger entfernt mit Wu-Tang zu tun. Hinsichtlich der Beteiligten jedoch hat dieses Album - ausgenommen G-Clef - gar nichts mit Wu oder CM zu schaffen. Nein, "My Soul To Keep" wurde diesbezüglich keiner Beeinflussung unterworfen, sondern vermittelt durchwegs den Eindruck, dass Sha hier die Zügel in der Hand hält. Seitens des Produktionsbilds, für das neben Namen wie Just Blaze und M-Phazes viele wenig Bekannte verantwortlich sind, lässt sich diese LP recht gut als NY-Album kategorisieren und ist in diesem Sinne auch mehr oder weniger "gewöhnlich". Will sagen, Sha setzt auf keine revolutionären Instrumentals und landet schließlich bei einer Standardkombination aus meist gutem Material. Dass ihm in Anbetracht seiner bisherigen Karriere ein ordentliches Kontingent an Verbitterung und ernsten Tönen zu Verfügung steht, sollte verständlich sein. Wie gelungen er seine Tracks zu einem wahrhaft persönlichen Album schnürt, dürfte jedoch die meisten überraschen. Wird im vom eigenen Bruder produzierten "Hang On" noch eine jazzige Einführung geboten, differenziert "My Soul" bereits zwischen einerseits Rap-Nonsense:

"I heard somebody say: I hate Rap music
Cause all we talk about is our guns and our cars and our money and our broads
And how wack dudes be, and how nice we are
And how much stuff we sold and how we so damn hard
"

und sich selbst, wobei er sich eine "different motivation" attestiert, denn seiner Musik wohnt seine Seele inne. Damit hat er auch größtenteils Recht, denn sein Album bietet weitaus mehr als die erste Single, "Move Back", die als erstklassiger Just Blaze-Kopfnicker und Representer trotzdem einen Platz auf der Scheibe verdient hat. Das andere Ende der Spanne dieses Albums ist wohl "Last Time", das in erster Linie aus Piano-Begleitung besteht und mit seinem Singsang an KiD CuDi erinnert, während "Bucket List" in der düsteren zweiten Hälfte aufzählt, was Sha noch im Leben zu erreichen wünscht, und dabei kunstvoll Träume mit harter Realität kombiniert. Diese harte Realität behandelt auch "Do It For The Doe" im Rahmen notgezwungen verrichteter Jobs. Kritik am Genre hat natürlich auch Platz, "Follow The Leader" bringt gelungen den Herdeneffekt des Auto-Tune und auch der von Jay-Z mitinitiierten Gegenrevolution auf den Punkt. Ein Glanzpunkt der Scheibe ist "The Smelly Cat Song" (Achtung: hat wenig mit der Friends'schen Phoebe zu tun), in dem ein herrlich souliger Pitch-Beat das amüsante Storytelling von Sha untermalt, das hier nicht weiter als mit der Hook ausgeführt werden muss: "How do you tell a pretty young lady that her coochie smells?" Mehr Storytelling bietet "Good Day", in dem Sha von einem Freund dessen Geschichte (die ihn an den Rollstuhl fesselte) erzählt bekommt, das aber auf die positiven Dinge des Lebens hinweist. "Blasphemy" ist eine Liste von Fragen an Gott, die zusammengefasst den Grund für das beständige Leid der Menschheit zu wissen verlangen. Und neben den bereits erwähnten Tracks haben natürlich auch die restlichen Stationen etwas zu bieten (um noch zwei Beispiele zu nennen: "I Wish I Was You" unterbreitet ein interessantes und wohl für viele nachvollziehbares Beziehungsszenario, "Sometimes" legt Zeugnis von der Gegensätzlichkeit von Sha's Wünschen und Gedanken ab).


Fazit:
Für Sha Stimuli muss es sich unglaublich gut anfühlen, diesen Berg an Gedanken zu Papier gebracht zu haben und losgeworden zu sein. Und auch wenn er weit davon entfernt ist, ein neuer Heiland zu sein (die stimmliche Unauffälligkeit beugt den beachtlichen Skills am Mic in geringem Maße vor), so ist es doch die Dichte an wertvollem geistigen Material, die er absondert und die ihn von so vielen Kollegen abhebt. Auf lyrischer Seite bietet diese Scheibe demjenigen, der gewillt ist, zuzuhören, also einiges. Die Schranken, die "My Soul To Keep" gesetzt sind, findet man auf Seiten der Instrumentals. Die sind allesamt gut (Aussetzer gibt es keine), doch gleichsam verhindern sie, dass man auf lange Sicht sonderlich viel von "My Soul To Keep" behält. Fazit: Wenn Sha Stimuli bei seinem nächsten Werk am Mic eine ähnliche Leistung bringt und gleichzeitig noch bessere Beats pickt, darf man noch einiges von diesem Emcee erwarten.

Gesamtwertung: 6.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Souls Of Mischief - Montezuma's Revenge

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 01. Dezember 2009
Label: Hiero Imperium / Clear Label Records

Tracklist:
01. Intro
02. Won1
03. Postal
04. Tour Stories
05. Skit
06. Proper Aim
07. You Got It
08. Hiero HQ
09. Poets Skit
10. Poets
11. Mr. Freeman Skit
12. Fourmation
13. Dead Man Walkin
14. For Real Y'all
15. Lickity Split
16. Home Game
17.Outro
18. Lalala



Es war einmal, eine unscheinbare Truppe namens Souls Of Mischief"; ein Quartett, das vor 16 Jahren mit der Single "93 Til Infinity" einen Hit für die Rap-Geschichte schuf. Das letzte Album der Gruppe gab es vor neun Jahren, doch mit dem Namen kann (ebenso wie mit dem der Hieroglyphics) trotzdem jeder etwas anfangen. In den letzten Jahren gab es zudem Soloalben von Tajai, Opio und auch A Plus, während es um Phesto eher ruhig blieb. Die Nachricht, dass also nun ein neues Album unterwegs sei, ist schon freudig genug, doch es kommt noch dicker: "Montezuma's Revenge" entstand in Zusammenarbeit mit Prince Paul, weswegen man in der Tat gespannt sein darf.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Laut Titel (dem man nicht zu viele Interpretationen aufhalsen sollte) soll die Scheibe sogar so gut sein, dass es einem glatt den Hosenboden durchschlägt. Möglich erscheint das, wenn man beachtet, dass sich die Souls Of Mischief zusammen mit Hiero-Buddy Domino und Prince Paul für über einen Monat in ein Haus einschlossen, um dort ganz ungestört jeden Tag Musik aufzunehmen. Die schlägt im optimalen Fall eine Brücke zwischen den erfolgreichen frühen SoM-Tagen und einer zeitgemäßen Ausführung. Immerhin stießen schon die letzten Solotaten auf durchwegs positive Resonanz. Wie soll man sich da der Albumatmosphäre entziehen, wenn Prince Paul das "Intro" mit entspannter Hintergrundmusik einläutet und Del The Funky Homosapien für die Vorstellung sorgt? "Ladies & Gentlemen, a warm, warm welcome for Souls Of Mischief." Dass im Anschluss einiges geboten wird, zeigen die ersten Tracks ebenso wie das Album als Gesamtheit. Von Persönlichem bis zu cleveren Wortspielen zur Verschönerung des eigenen Egos zeigen sich die Souls als hungriger, gewohnt harmonischer Haufen, dem sich die gute Laune nicht nehmen lässt und der nie um direkte, zweideutige oder lustige Lines verlegen ist. Alle männlichen Zuhörer werden schmunzelnd nachvollziehen können, wie die Emcees in "Postal" von der Herzallerliebsten in den Wahnsinn getrieben werden. "Lickity Split" schickt die nervtötende Partnerin dann in die Wüste. Der Sound ist dabei meist locker gehalten und lässt sich, wenn man denn so will, als das definieren, was man sich von den Mischiefs erwartet hätte. Trotz der verschiedenen Autoren der Instrumentals (Domino, Prince Paul, Opio, A Plus) findet nie ein Bruch statt, weswegen die Platte auch an einem Stück durchgehört werden kann. Immer wieder finden sich die inhaltlich nicht abgesteckten Kopfnicker, etwa der Opener "Won1", der über einen krachenden Beat die Souls Of Mischief (für alle, die sie nicht kennen oder vergessen haben) und deren Können nochmals darlegt. Ähnlich die schwächeren "Hiero HQ" oder "Fourmation", in dem sich die Vier immer weider gegenseitig ins Wort fallen. Mehrere mehr oder weniger notwendige sowie witzige Skits ("Mr. Freeman" mit einem Seitenhieb gegen Morgan Freeman) durchziehen die Platte, auf der sich auch richtige Perlen finden: "For Real Y'All" legt schon seitens des Beats mächtig los, ist mit Raps jedoch gut und gerne ein potentieller Favorit. Ein zweiter ist "Tour Stories", das dem ausgiebigen Tour-Leben der Truppe Tribut zollt und natürlich auch einen kurzen Bericht einiger Erlebnisse bietet. Domino's Beat ist dabei ähnlich smooth wie zu längst vergangenen Anfangszeiten. Damit stimmen zwar alle Äußerlichkeiten, doch mehr wäre in jedem Fall drin gewesen, da mit Songs wie "Proper Aim" auch Mittelmaß ins Haus in der Montezuma Street eingedrungen ist. Schließlich darf man gegen Ende noch das "Home Game" genießen, Del im "Outro" lauschen und sich mit "Lalala" verabschieden.


Fazit:
Die Voraussetzungen sind erste Sahne, die Emcees sind in Topform, das Feeling als auch der Sound passen, doch trotzdem fehlt zum großen Wurf so Einiges. Das liegt vorrangig daran, dass sich die Qualitätsspanne von einigen sehr guten Tracks bis hinein ins Mittelmaß erstreckt. Selbiges Mittelmaß bringt dann eben auch besagte gute Voraussetzungen ins Straucheln. Grund zur Beschwerde besteht dabei allerdings nicht - es ist einfach nicht besser geworden. Vielleicht beim nächsten Mal. Geändert werden müsste eigentlich nichts. Schließlich ist auch "Montezuma's Revenge" ein gutes Album. Nur eben leider nicht mehr.

Gesamtwertung: 6.7 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Singapore Kane - Living Militant

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 06. Oktober 2009
Label: Brick Records

Tracklist:
01. Whatever I Wanna Do
02. Livin' Militant
03. Sufferer
04. Mollywhopped (Feat. Big Shug)
05. Rise Up (Feat. Big Shug)
06. Bust Ya Shit
07. Street Legends (Feat. Chan)
08. Fastlife
09. Summer In The City
10. Superstar
11. You And What Army
12. Don't Take It Personal (Feat. Big Shug)
13. Inner City Youth
14. Stop Playin'
15. You Understand



Für alle, die ihn nicht kennen: Singapore Kane ist ein Name, den man sich im Rahmen der östlichen Street-Rap-Szene ruhig merken kann. Geboren und aufgewachsen in "Murdapan" alias Mattapan, Boston, verlebt er seine ersten Lenze wie viele Kids nicht unter rosigsten Bedingungen, kommt aber dank seinem Vater, der ein in Boston populärer Reggae-Künstler ist, früh mit Musik und dem Schreiben von Texten in Berührung. Im Hier und Jetzt nennt sich Singapore Schützling von Big Shug, was weitere Einordnung ins Rap-Library erübrigen sollte. Neben einigen Gastauftritten umfasst sein bisheriger Output drei Mixtapes unter dem Titel "Welcome To Singapore". Unter anderem als Zusammenfassung eben jener Mixtapes fungiert "Living Militant", ein digital über Brick Records veröffentlichtes Album.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Hier und da sind aus den Tracklisten der Mixtapes einige Songs gepickt worden und werden nun als Album präsentiert. Dass an dieser Stelle dann überhaupt das Gefühl eines Albums aufkommt, spricht sehr für Singapore Kane und einen geschlossenen Sound. Für selbigen kommt ein Lineup an Produzenten auf, das in keinster Weise überrascht: Illmind, Moss und Lil Fame werden gefolgt von einigen Halbbekannten (Purpose, MP2, Kid Kass, Reel Drama), die auf Projekten wie z.B. der "A Boston State Of Mind" Compilation von 2006 schon Beiträge ablieferten. Auch wenn sich Singa ein Repertoire, das sowohl Street-Topics als auch politische Ansichten impliziert, auf die Fahne schreibt, konzentriert sich "Living Militant" voll und ganz auf Ersteres. Das Straßenleben mit seinen scharfkantigen Facetten wird detailliert ausgebreitet und auf 15 Tracks ausgewälzt - ohne Kompromisse. Die obligatorische Schmalznummer mit R'n'B-Hook sucht man hier vergebens. Ein Umstand, den viele schätzen werden. Hinzu kommt, dass auch die Produktion relativ gut ausfällt. Dabei gerät die Bläser-Sause in "Whatever I Wanna Do" noch geradezu fröhlich, während Kane Hood-Talk von der Karte ablässt und die eigenen Ambitionen darlegt. Als Soll steht das Entkommen aus den miserablen Zuständen (wenn möglich mit Hilfe der Musik), als Ist wird ausführlich der Geldmangel in all seinen Folgen skizziert und von einer ganzen Armee an Snitches, Treulosen und Opponenten umrahmt. Klar, dass in "Mollywhopped" zusammen mit Shug die Fäuste ausgepackt werden und alle Faggots einstecken dürfen. Doch nicht nur von den Austeilfähigkeiten seines Mentors Shug hat Singa sich eine Scheibe abgeschnitten, auch beim Beschreiben seiner Umwelt kann er punkten. Selbst nennt er sich den "Journalist and oberserver" der Straße. In "Street Legends" wird das tägliche Leben geschildert:


"I dont smile and joke, cause it ain't shit funny
When you're broke in the hood, starvin' with no money
Everybody gotta fend for theirselves, survival of the fittest
Only the strong survive, so handle your business
"

Richtige Schwachpunkte findet man wenige. Kane ist sicherlich keine Lichtgestalt eines Emcees, doch ein einwandfreier Flow lässt wenig Platz für Kritik. Lediglich "You And What Army" lässt ein wenig Fingerspitzengefühl vermissen, während das Joe Cocker-Sample für "Summer In The City" zwar wenig innovativ ist, aber gut verarbeitet wurde. Außerdem hat die Sommerhitze, die in Kane's Nachbarschaft um sich greift, nur im übertragenen Sinn mit dem sonnenbedingten Temperaturanstieg zu tun. Moss' harte Trademark-Drumline in "Don't Take It Personal" ruft keine Begeisterungsstürme mehr hervor, tut dem Album aber keinen Abbruch. Und während weiter im "Fastlife" gelebt und dem Geld hinterhergejagt wird, bündelt Kane gegen Ende nochmals all seine Künste für zwei überragende Songs: "Stop Playin'" ist eine besonnen vorgetragene Warnung, in der Singa sich grandios in die Rolle eines alten Veteranen rappt. Sehr hilfreich ist der grandios melancholische Beat von Purpose. Fast noch besser ist direkt davor "Inner City Youth", von Kid Kass mit dezenten Gitarrenklängen versehen und durch die Raps über das harte Jugendschicksal in der falschen Nachbarschaft veredelt:

"Peer pressure will get ya, young niggas'll wet ya
They probably scared as you to be on that stretcher
But fuck fear, cause robbery ain't new to me
I know cats that been snatching jewelry before puberty
"


Fazit:
Bleibt zu sagen: Für einen zusammengetragenen Überblick über Singapore Kane's bisheriges Tun und Treiben darf man positiv überrascht sein. Natürlich passiert hier nichts, was man nicht irgendwo schonmal gehört hätte, doch Singapore Kane hat die Fähigkeit, über ein Album hinweg zu unterhalten und anscheinend hat er auch einen guten Geschmack, wenn es zur Beat-Wahl kommt. "Living Militant" gibt ein anschauliches Bild von Kane's Umfeld und ist in ein sehr gelungenes Eastcoast-Beat-Gewand gepackt. Wenn es beim nächsten Mal mehr ernste, schwermütige Songs vom Schlage "Inner City Youth" und "Stop Playin'" werden, hätte Kane die Möglichkeit, eine Sparte zu bedienen, die derzeit viel zu dünn besetzt ist.

Gesamtwertung: 6.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Freitag, 27. November 2009

William Cooper - Beware Of The Pale Horse

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 20. Oktober 2009
Label: Traffic Entertainment Group / Gemstarr Regime

Tracklist:
01. The Day Of Light
02. In America (Feat. Killah Priest & Hell Razah)
03. Bring It Back (Feat. 9th Prince & Nature)
04. One Roll Of The Dice
05. Still Shinning (Feat. Killah Priest)
06. Salutations (What's Real)
07. Song Cry
08. Pray For Me
09. Heaven
10. Free (Feat. Stoneface & Majesty)
11. Feel Afraid
12. Beware Of The Pale Horse (Feat. Ill Bill)
13. J. W. Booth
14. Megalif
15. Bust My Gun
16. Cocaine Israelites (Feat. Killah Priest)
17. American Gangsters (Feat. Kool G Rap)
18. No Retreat No Surrender (Feat. Blue Raspberry, Bloodsport, Stoneface & Majesty)



Wer denkt, hier einem komplett unbekannten Gesicht gegenüberzustehen, der täuscht sich unter Umständen: Wie schon das Cover unmissverständlich kundgibt, hat William Cooper etwas mit der Black Market Militia zu tun, ist genau genommen sogar einer der Initiatoren. Zuvor war er vornehmlich im Hintergrund tätig, z.B. ein Jahr als A&R bei Loud Records - bis zur Schließung des Kultlabels. Des Weiteren war er unter seinem Alias Booth an Tragedy Khadafi's "Still Reporting" beteiligt und produzierte dort einige der Songs. Um nun also auch seinen eigenen Mann zu stehen - auf der "Black Market Militia" LP spielte er ja eher eine Hintergrundrolle - veröffentlicht er das lange vorbereitete Solodebüt "Beware Of The Pale Horse".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Im Rücken hat er das eigene Label Gemstarr Regime, zur Unterstützung holt er sich einerseits weitbekannte Gäste, aber auch eine Produzentenliste, die man (abgesehen von Bronze Nazareth) kaum kennen dürfte. Doch das stört nicht weiter, denn im Großen und Ganzen kommt man der Ankündigung, eine direkte Fortsetzung des Black Market Militia-Sounds zu liefern, gut nach. Dafür spricht auch die Gästeliste, die zum Großteil dem Wu-Tang-Feld zuzuordnen ist. Inhaltlich ist der Rahmen schnell abgesteckt - Cooper's Freundschaft mit Tragedy Khadafi schlägt eben voll durch: Rezitationen aus dem zentnerschweren Buch der Straßenweisheiten sowie die obligatorische Portion Systemkritik und Verschwörungstheorien. Namedropping bekannter Vordenker und unbeschwertes Konsultieren von Illuminaten und Konsorten. Um es kurz zu fassen: Einmal mehr muss auf die Neue Weltordnung hingewiesen und müssen die unwissenden Massen zur Eigeninitiative aufgerufen werden. "I can see the all-seeing eye on the reverse side of the one dollar bill, homie it's real / See I'm convinced that the unseen hand exists, just take a glimpse between the lies that the government spin" heißt es in "In America". Auch wenn man dem immergleichen Mumpitz kein Gehör schenken muss, ist der überzeugte Enthusiasmus, mit dem Cooper ans Werk geht, lobenswert. Am Mic selbst macht er eine gute Figur, ist aber sowohl bezüglich seiner Stimme als auch hinsichtlich der Performance kein Hingucker bzw. -hörer. Damit mutieren die Beats zu einem noch wichtigeren Faktor. Die Marschrichtung stimmt dort zwar, doch qualitativ kann nicht an das BMM-Projekt angeknüpft werden: Wo das selbst produzierte Intro "The Day Of Light" noch auf Großes hoffen lässt, fehlt dem Album auf voller Spielzeit die nötige Power. Lediglich der Titeltrack "Beware Of The Pale Horse" triumphiert mit einem passenden Gast - Ill Bill. "Bust My Gun" dagegen wirkt vollkommen uninspiriert. Ein "American Gangsters" klingt bereits gehört, "Song Cry" glänzt mit seiner vorhersehbar gesungenen Hook ebenfalls wenig. Gute Vorstellungen gibt es mit dem streichergetriebenen "One Roll Of The Dice" sowie "Bring It Back", das mit seinen Gästen auch seitens der Raps eine willkommene Abwechslung bietet. Wer sich auf das Bronze Nazareth-Instrumental gefreut hat, der wird vom halbminütigen Skit "J.W. Booth" enttäuscht. Bei "Still Shining" als auch bei "Cocaine Israelites" tritt, beide Mal über solide, aber eher gelassene Instrumentals, die gute Verträglichkeit Cooper's mit Killah Priest zu Tage. Doch auch die restlichen Gäste sind gerne gesehen und bringen Abwechslung, was ein "No Retreat No Surrender" allerdings trotzdem nicht übers gute Mittelmaß hebt.


Fazit:
Das Album leidet an zwei Problemen, einem grundlegenden und einem behebbaren: Die Instrumentals, die weit von einer als besonders hervorzuhebenden Leistung entfernt sind, sorgen zwar für Unterhaltung, sind aber nicht in der Lage, dieses Album zu tragen. Dieser Umstand wird in Kombination mit dem zweiten Problem schwerwiegend: William Cooper ist zwar ein fähiger Emcee, doch in den Reihen einer Gruppe wie der BMM, wo er aus dem Hintergrund heraus agieren kann, ist er wohl besser aufgehoben als auf Solopfaden. Für alle Fans der "Black Market Militia" LP dürfte auch "Beware Of The Pale Horse" ein Reinhören wert sein, auf eine ähnlich starke Leistung sollte aber niemand hoffen. Trotzdem gelingt William Cooper ein geschlossener Einstand, der sich ein gutes Stück über dem Durchschnitt festsetzt.

Gesamtwertung: 6.4 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Masta Ace & Edo G - Arts & Entertainment

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 03. November 2009
Label: M3 Records

Tracklist:
01. T.V. Night (Intro)
02. Hands High
03. Fans (Feat. Large Professor)
04. A's E's (Feat. Marsha Ambrosious)
05. Rocsi (Interlude)
06. Little Young
07. Reminds Me
08. Black Ice (Interlude)
09. Good Music (Feat. Posdnuos & Light)
10. Power Out (Interlude)
11. Pass The Mic (Feat. KRS-One)
12. Over There
13. Round And Round (Feat. Doitall)
14. Hot Wangs (Interlude)
15. Ei8ht Is Enuff
16. Here I Go Again (Feat. Jamelle Bundy)
17. You Me & Some Snacks (Interlude)
18. Dancing Like A White Girl (Feat. Chester French)
19. Outro



Erwartungshaltung: hoch. Der aus der Frührente zurückgekehrte Masta Ace lässt sich nach seinem Gruppenprojekt mit eMC nun zu einem weiteren Projekt hinreißen: Fand bis dato auf "A Long Hot Summer" bzw. "My Own Worst Enemy" (ebenso wie mit der "Make Some Noise" EP) ein immer fruchtbarer, gegenseitiger Austausch zwischen Ace und Edo G, seines Zeichens Bostoner Halblegende, statt, kommt man nun für ein komplettes Album zusammen. Wollte man zuerst unter dem Titel A&E auflaufen, hatte man schnell eine Klage von A&E Television am Hals, weswegen es nun schlichtweg Ace und Edo sind, die "Arts & Entertainment" veröffentlichen.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Die potentielle Erwartungshaltung ist hoch, doch bei beiden Akteuren scheint es, als seien sie im Begriff, in die Jahre zu kommen. Damit in Verbindung steht natürlich die Gefahr auf nostalgisches Gewäsch, zu dem Ace schon immer einen Hang hatte. Trotzdem gilt es (im Sinne besagter "A Long Hot Summer" und "My Own Worst Enemy"), ein hohes Niveau fortzuführen, was den beiden alten Haudegen auch jeder zutrauen wird. Doch was es dazu braucht, ist ein glückliches Händchen bei der Beat-Wahl und ein wenig mehr als die bloße Zusammenstellung einiger gemeinsamer Tracks. Um Letzterem zuvorzukommen, wird, wie schon bei allen jüngeren Projekten von Ace, ein Konzept in Form einer Rahmenhandlung konstruiert, die jedoch diesmal mehr als nur mager bzw. primitiv ausfällt: Der von allerlei Junkfood begleitete Abend eines klischeehaften schwarzen Ehepaars, bei dem man Intellekt vergebens sucht, wird in fünf Skits illustriert, soll dabei wohl den "Entertainment"-Faktor der im TV laufenden Rap-Kombo unterstreichen, lässt den Witz, den etwa ein Fats Belvedere noch in sich trug, aber gänzlich vermissen. Solange die Musik stimmt, ließe sich darüber natürlich hinwegsehen. Doch was M-Phazes, DJ Supreme One und Konsorten abdrücken konnten, überzeugt nur bedingt. In "Hands High" beispielsweise bietet M-Phazes schwaches Geklimpere und eine müde Hook. In diesem Zug ist auch das als Abschieds-Gag gedachte "Dancing Like A White Girl" zu nennen, das zwar lustig ("I ain't being rude, I can tell you in the mood / Cause you dancin' with this dude, but you steppin' on his feet / You're dancin' kinda fast and the song is kinda slow / What I really wanna know is do you even hear the beat?"), aber gleichsam ungenießbar ist. Der Rest fällt zwar weitaus besser aus, doch die atmosphärische Dichte des letzten Ace-Solos sollte man nicht erwarten. Auch überragende Highlights haben es sich auf dieser Scheibe nicht bequem gemacht. Immerhin hat man mit Songs wie Spinna's "Good Music" tatsächlich gute Musik am Start. "Round & Round" dagegen wieder lässt sich von der Thematik fast schon als "typisch Ace" abstempeln, ohne dabei groß Akzente zu setzen. Eine Widmung an die "Fans" passt voll ins Bild, ebenso wie besagte Packung Nostalgie, die unterschwellig omnipräsent ist, doch manchmal auch voll zutage tritt: "Reminds Me" glorifiziert und spannt den Bogen zu den "guten alten Zeiten", "Here I Go Again" reflektiert die eigenen Karrieren als auch die Zukunft, während "Ei8ht Is Enuff" mit abwechselnden Battle-Raps im 8er-Pack aufwartet. Wie sehr das Spoken Word-Interlude vom Meister des Fachs, Black Ice, ins Bild passt, bleibt fraglich, besser als die Skit-Story ist es allemal. Positive Aspekte umfassen die ähnlich konzipierten und gelungenen "A's & E's" und "Little Young", das sich der fehlenden Kreativität bei der Rapper-Namensgebung verschreibt. Zu guter letzt ist "Over There" relaxt gestrickt, kommt mit dieser Masche jedoch gut an, entgegen dem einfallslosen "Pass The Mic".


Fazit:
In gewisser Hinsicht wäre es wohl besser gewesen, wenn Ace nach seinem 2004er Album tatsächlich in Rente gegangen wäre. Damit will nicht gesagt sein, dass dieses Album schlecht sei, denn das entspräche nicht der Wahrheit. Denn auch wenn Ace und Edo hier nicht Feuer und Flamme sind, so ist alleine das Zusammensein zweier routinierter Emcees dieses Kalibers keine verkehrte Sache und beschert der Rap-Welt ja auch eine ganze Reihe an gelungenen Songs. Doch wer bereits große Sachen auf dem Konto stehen hat, der sollte sich nicht wundern, wenn er mit einem Intermezzo wie "Arts & Entertainment" seine Fans nur bedingt zufriedenstellt. Ace sollte zudem erkennen, dass sich seine Rahmenhandlungsstrategie erschöpft hat und dass ein paar lyrische Neuerungen ebenfalls nicht schaden könnten. Wie es auch bei diesem Album der Fall ist, werden zukünftige LPs zu sehr von einer Produktionsgüte abhängen, die mit einer zu geringen Wahrscheinlichkeit eintreten wird.

Gesamtwertung: 6.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Snowgoons - The Trojan Horse

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 27. Oktober 2009
Label: iHipHop Distribution

Tracklist:
01. The Trojan Horse (Feat. Savage Brothers)
02. King Kong (Feat. Reef The Lost Cauze & Young De)
03. Hey Young World (Feat. Heltah Skeltah & La Coka Nostra)
04. Krush University (Feat. Krush Unit & Freestyle)
05. Git Cha Gully Up (Feat. Outerspace)
06. Full Force (Feat. Block McCloud, Feaz One, King Syze & Sifu Versus)
07. Hate On Me (Feat. M-Dot & Krumb Snatcha)
08. Make Way (Feat. Chief Kamachi, Buckshot & Reef The Lost Cauze)
09. Goons Stampede (Feat. Rakaa Iriscience, Sicknature & Reks)
10. The Limit (Feat. Viro The Virus)
11. He Sold Out (Feat. Lord Lhus)
12. The Ill Bunch (Feat. Nut-Rageous, Termanology & Tribeca)
13. The Time Is Now (Feat. D-Stroy, Sicknature & Freestyle)
14. Valley Of Death (Feat. Block McCloud, LordWillin & Sabac Red)
15. Scar Sculpture (Feat. Virtuoso & Young Haze)
16. I Did Everything (Feat. Lord Lhus, Qualm & Dark Skinned Assassin)
17. Cross The Line (Feat. Young Haze)
18. Survive The Mess (Feat. Kaze & El Da Sensei)
19. Man In The Mirror (Feat. Nut-Rageous)



Bisher kein Ende in Sicht: Nach dem ersten Album meinten viele, dieses Art von Scheibe könne keinen dauerhaften Bestand haben. Inzwischen laden die Snowgoons zum dritten großen verbalen Schlagabtausch ein - und der breite Strom des nach Deutschland fließenden Respekts scheint nicht abzureißen. Auf anderen Alben sind sie selten zu finden, dafür scheint sich ihr 2007 begonnenes Release-Bestreben zum Stammtisch der Indie-Emcees zu entwickeln. Dazwischen stand in diesem Jahr noch der Zusammenschluss mit den Savage Brothers und Lord Lhus, der wie die lässige Anmerkung, dass DJ Illegal und DJ Waxwork nicht wissen, wohin mit ihren Beats, wirkte. Ob der Markensound auch im vierten voll produzierten Auswurf ansprechend verkauft wird, ist die Frage, die es mit "The Trojan Horse" zu beantworten gilt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Das trojanische Pferd wäre natürlich ein schöner Grundbaustein für ein sauberes Konzept, das zwischen den instrumentalen Bauten der Snowgoons und dem Standpunkt der Indie-Gemeinschaft super hätte funktionieren können. Doch "Wofür?" haben sich die Goons wohl gedacht. Im wilden Haufen ihrer zahllosen Gäste eine klare Marschrichtung vorzugeben, kommt sowieso einem unmöglichen Unterfangen gleich. Also ist der einzige rote Faden des dritten Komiteetreffens erneut nur auf Seite der Beats zu suchen. Und die sind wieder einmal laut, dramatisch und brachial. Eine Neuerung, die auch zu "A Fist In The Thought" führte, ist der veränderte Status der Goons: Galt es beim ersten Album noch, mit möglichst vielen hochkarätigen Namen auf sich aufmerksam zu machen, muss man sich mit solchen Problemen inzwischen nicht mehr befassen (wahrscheinlich gingen die Plätze auf "Trojan Horse" weg wie warme Semmeln). Kurzum, wo früher sofort die bedeutenden Figuren ins Feld geführt wurden, steht nun auch eine Reihe Bauern, die den Ansporn haben, sich zu beweisen. Beispielsweise das, was sich als Krush Unit zusammenfasst und sich (neben Zugpferd Reef) mit Brainstorm, Side Effect oder Viro The Virus schon auf der letzten Goons-Platte einen Namen machen konnte. Hier staubt Viro wieder einen Solotrack ab und zeigt, wo "The Limit to the love" liegt. Im Verband wirkt man - was auch dem schwächsten Beat der Platte zuzuschreiben ist - etwas blass. Im Zuge der anderen, wenig bekannten Gesichter dürfen natürlich auch die Savage Brothers ran, die es im Opener "The Trojan Horse" sogar auf das massive Bläsergerüst schaffen, sich wie Elefanten im Porzellanladen aufzuführen und den bisher schlechtesten Start (man denke an die Opener von "German Lugers" oder "Black Snow") hinzulegen, der dank der starken Produktion immer noch zu genießen ist. Doch damit hat man schon ein Problem der kompletten Scheibe: Beizeiten fühlt es sich an, als würden manche der Künstler den Instrumentals nicht gerecht - vornehmlich in den Hooks. Da sind natürlich Outerspace zu nennen ("If I push snow into Snowgoons, would it be illegal? Would Illegal come through with mo' Goons and the Desert Eagles?"), aber auch ein Young Haze und natürlich Termanology, der hier nicht deplatzierter sein könnte. Doch wen stört das schon, wenn die Goons sich durch das große Kochbuch der Chorgesänge sampeln? "Git Cha Gully Up" ist ein gewaltiges Gefüge, "Full Force" schreitet gemäßigter durch die Boxen und hat dabei einen richtig gut aufgelegten Block McCloud im Gepäck. Nahezu unscheinbar ist das gelungene Aufeinandertreffen von Heltah Skeltah und La Coka in "Hey Young World", wohingegen "King Kong" die inoffizielle Fortsetzung zu "Never" und "This Is Where The Fun Stops" gibt. An anderen Stellen wandern die Goons auf Pfaden, die Stoupe The Enemy Of Mankind ausgetreten hat: "Valley Of Death" mit seinem einleitenden Shannon Kraus-Sample oder "The Ill Bunch" erinnern klar an den JMT-Mastermind. "He Sold Out" (mit einem zu schwachen Lhus) oder "The Time Is Now" dagegen peitschen ungestüm nach vorne. Doch fast noch besser gefallen da die clever und düster zusammengesteckten Kopfnicker wie "I Did Everything" und "Survive The Mess", die dem Album die nötige Abwechslung geben.


Fazit:
Die Snowgoons bleiben eine Angelegenheit, die man entweder feiert oder links liegen lässt. Daran ändert sich auch mit diesem Album nichts. Der einzige Unterschied ist, dass die Qualität hier etwas verwässert wurde - in erster Linie durch Pack wie die Savage Brothers, aber auch durch eine mäßige Leistung einiger bekannter Größen (Outerspace) und der vereinzelten Mittelmäßigkeit bei den Beats. Nichtsdestotrotz bleiben die hiesigen Kompositionen der Goons eine Delikatesse, die dem Neugewinn zahlreicher Fans keinen Abbruch tun wird. Für ein zukünftiges, qualitativ hochwertigeres Projekt wäre es interessant zu hören, was entweder ein kompakter Gästekreis (bei "A Fist In The Thought" sei hier gar nicht erst angefangen) oder aber ein einziger Emcee (ganz im Stile von der Stoupe-Canibus-Kollabo) aus dieser instrumentalen Landschaft zu formen imstande wäre. Doch für gute Unterhaltung wird auch weiterhin ein Album im Stile von "The Trojan Horse" ausreichen.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame