Freitag, 25. Juli 2008

Freestyle - Etched In Stone

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 29. Juni 2004
Label: Battle Axe Records

Tracklist:
01. My Time Has Cometh
02. Carry On
03. Rock Da Planet - (feat. DJ Noize)
04. Understand If I - (feat. Eternia)
05. Can't Let You Go
06. It's A Beautiful Thang
07. See No, Hear No
08. Rumblin' Pavement - (feat. Akrobatik)
09. Me Vs. 2 DJ's - (feat. DJ Hype & DJ Static)
10. Method Of Madness - (feat. DJ Noize)
11. Outta Control (Blaze Pt. II)
12. Consequence - (feat. DJ Noize)
13. Card Sharks
14. Can I Get A Yes?



Bushwick, Brooklyn: von hier stammt der Interpret dieses Werks. Freestyle, so hohl der Name auch klingen mag, ist, bekannt durch die Arsonists, ein begnadeter Spitter am Mic. Und dass er auch solo auf Albumlänge einen Kauf wert ist, will er mit seinem ersten Album beweisen. "Etched In Stone" findet sein Zuhause im Westcoast-Qualitätshaus Battle Axe Records, auf dem ein Jahr zuvor schon der Reimpartner Shabazz der Welt einen Longplayer bescherte.

Viele Gastraps sind nicht Freestyles Ding; bis auf Akrobatik und Eternia kommt niemand außer dem Arsonist zu Wort. Was die Beatwahl betrifft, so lässt sich dann aber doch etwas sehr Interessantes notieren: Freestyle versucht sein Glück (fast komplett) in Europa. Die Stieber Twins, DJ Hype oder DJ Friction aus Deutschland, DJ Noize, DJ Static und Context aus Dänemark oder der Finne MGI - sie alle tragen zu "Etched In Stone" bei, wohingegen man die gestandenen Namen aus der US-Szene vergebens sucht. Doch von vorne bis hinten war diese Entscheidung alles andere als schlecht. Beginnend beim Intro, "My Time Has Cometh", das Freestyle mit stampfenden Drums ein Momument eines Beats gegenüberstellt, über "Me Vs. 2 DJ's", in dem DJ Hype und DJ Static zugegen sind, bis hin zum wohl größten Banger der Platte, "Outta Control", zu welchem das einleitende "Sound the horns!" nur schwach erahnen lässt, wie hier die Sau abgeht (und vor allem, wie Freestyle selbst hier abgeht), sind es vor allem die Stieber Twins, die diesem Werk eine besondere Note einhauchen.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

"...There's no such thing as magic, or illusions - I'm just too fast / Got the power to alter your old future to make a new past..."

Weiterhin ist auch Context mit "Rock Da Planet" und "Consequence" gut dabei, da hier an in geringem Maß an Glanzmomente eines DJ Premier erinnert wird, ohne dass die Sache zu sehr nach Abkupferung riecht, zumal im zweiteren der erwähnten Tracks noch ein grandios eingebautes Common-Sample zum Tragen kommt. Doch nach all dem Lob muss natürlich auch noch der Teil erwähnt werden, der nicht mit erstklassigen Beats ausgestattet wurde - denn dieser Teil ist keinesfalls klein und hat leider auch den ein oder anderen Fülltrack im Schlepptau: so hätte der Auftritt von Akrobatik ganz und gar nicht sein müssen und auch "It's A Beautiful Thang" ist nicht ganz so schön, wie es gerne wäre.


Fazit:
Alben wie "Etched In Stone" fingen schon 2004 an, rar zu werden. Denn auch wenn hier kein Meistwerk vorliegt, auch wenn hier Skip-Tracks vorkommen, unterscheidet es sich doch erheblich vom heutigen Querschnitt eines Eastcoast-Albums. Und auch wenn "Etched In Stone" kein Album ist, das man am Stück durchhört, so hat man mit einer Handvoll Brechern viel mehr, als die meisten heutigen Alben vorweisen können. Zudem wäre Freestyle mit seiner markanten Stimme voll und ganz in der Lage, komplett ohne Feature-Gäste die Ohren bei Laune zu halten. Also: alle, die jetzt hellhörig geworden sind, sollten keine Bedenken beim Hinzufügen dieses Albums zur eigenen Sammlung (sofern noch nicht geschehen) haben.

Gesamtwertung: 7.1 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Theory Hazit - Lord Fire

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 24. Juni 2008
Label: Scribbling Idiots

Tracklist:
01. Yeah Y'all
02. Deep Breaths
03. All Love - (feat. Elias)
04. Soph Sissy - (feat. Playdough)
05. Grizzly - (feat. Aletta & Lindsay Orr)
06. Bounce
07. Nobody Say - (feat. Raphi & Braille)
08. One Time
09. Jive Turkey - (feat. Ohmega Watts)
10. It's Over
11. Together
12. Angel - (feat. Scribbling Idiots)
13. Sonrise
14. Rags To Riches - (feat. Wonder Brown)
15. Simply Ill - (feat. Klarity, Freddie Bruno & Sivion)
16. It's Now
17. I Just Wanna Go Home (Remix)



Nicht einmal ein ganzes Jahr nach seinem Debütalbum, "Extra Credit", was von vielen Genre-Fans hochgelobt wurde, steht Theory Hazit, sesshaft in Cincinnatti und dem Kollektiv um "Hip Hop Is Music" zuzuordnen, mit seinem Zweitlingswerk vor der Tür - als Meister des Feuers. Der "Lord Fire" bezieht sein komplettes Brennholz von Vintage, der auch schon auf dem ersten Album Beats beisteuerte. Droppte dieses noch über HHIM, so kommt "Lord Fire" über das eigene Haus.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Auf der Gästeliste die üblichen Verdächtigen - Lightheaded-Abgeordnete Braille und Ohmega Watts oder auch die eigene Truppe, die Scribbling Idiots. Voller Eurphorie sprachen einige andere Rezensoren über den Classic-Charakter dieses Werks. Doch lassen wir mal die Kuh im Dorf - "Lord Fire" ist, ohne zuviel vorwegzunehmen, wie so ziemlich alle neueren Releases aus der besagten Ecke: berechenbar. Dabei soll Vintage keinesfalls die Fähigkeit des Beatbastelns abgesprochen werden, nur der Kreativitätssticker, den sich Artists wie Theory Hazit mit ihrer HipHop-Soul-Fusion gerne auf die Brust heften, existiert nur in deren eigener Imagination. "Lord Fire" ist das 0815-Kaliber eines solchen Albums. Beispiel gefällig? Das fängt schon mit dem Opener "Yeah Y'all" an, der sich irgendwie viel zu sehr nach 9th Wonder anhört, um einen wirklich vom Hocker zu reißen, aufgrund ebenjener Parallelität jedoch schon die typisch relaxte Stimmung, die solche "verstaubten" Instrumentals mit sich tragen, versprüht. Das zieht sich fort, bietet in "All Love" eine butterweiche Nummer mit gesungener Hook, schlägt dann in etwas flotter- und rauere Töne um und vergisst mit Tracks wie "Nobody Say", "Angel" oder "Sonrise" natürlich auch die relaxte Gute-Laune-Schiene nicht. In "Simplyill" finden sich sogar Ansätze eines Highlights, während sich in "It's Now" gepitchte Samples jagen.


Fazit:
Man weiß selten so gut, was man sich von einem Album erwarten darf, wie bei den Jungs aus der "Hip Hop Is Music" Ecke - der Justus League des Westens (wobei hier Theo mit seinem Wohnsitz schon aus der Reihe fällt). So, und genau so ist es auch bei "Lord Fire" der Fall. Das Album ist langweilig - aber gut. Oder um es anders zu formulieren: hier haben wir es mit einem klassischen Fall von Hintergrundmusik zu tun. Wer vorhat, mit seinen Kollegen an den Baggersee (oder wahlweise Grillen) zu gehen, um bei Shisha-Session in der Sonne zu vegetieren und über das vergangene Zechwochenende zu resümieren, der sollte sich Theory Hazit mitnehmen. Und so wenig packend wie das Album auch ist, genau das macht seine Stärke aus: denn in dieser Kategorie, "Hintergrund-Album Of The Year With A Chilled Out Character" haben wir es hier wohl mit dem besten Album des bisherigen Jahren zu tun.

Gesamtwertung: 6.7 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Custom Made - Original Dynasty

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 27. Mai 2008
Label: Babygrande Records

Tracklist:
01. Live From Los Angeles (Intro)
02. Stack 'Em Up - (feat. Scoobs, Bluff & S-Mak)
03. Murderous Speech - (feat. Scoobs, Bluff, Element & S-Mak)
04. So Sorry - (feat. Element, Bluff, Scoob & Aneek)
05. Original Dynasty - (feat. Bluff, Scoobs, Element & S-Mak)
06. Maybe Tomorrow - (feat. Bluff, Aneek & Scoobs)
07. Chemical Romance - (feat. Element, Scoobs & Bluff)
08. Real Life - (feat. Element, Scoobs & Ei8ht)
09. Thug Warz - (feat. Scoobs, Bluff, Element, S-Mak & Remy Ranthoven)
10. The Lion King - (feat. Bluff, Element, Scoobs & Bad Lucc)
11. Gangsta's Theme - (feat. Scoobs, Bluff, Ei8ht & Element)
12. Last Breath - (feat. Element, Paradox, Scoobs & Bluff)
13. Mass Appeal - (feat. Element)
14. Troubled Adolescents - (feat. Element, Scoobs, S-Mak & Ei8ht)
15. Envoy - (feat. Bluff, Element, Paradox & Scoobs)
16. Nasty World - (feat. Scoobs, Element, Aneek & Bluff)



Im Westen nichts Neues? Falsch. Allen, denen aus der zweitgrößten Stadt der Staaten zu wenig frischer Wind weht, sei hier nochmal sanft auf die Sprünge geholfen: Custom Made ist ein ehemals fünf-, und nun vierköpfiges Team aus L.A., bestehend aus Scoobs, Aneek, Bluff und Element, das es nach diversen Mixtapes wie der "Street Cinema"-Reihe endlich zu einem offiziellen Album gebracht hat. Das gute Stück hört auf den Namen "Original Dynasty" und droppt über Babygrande.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Wo hat der Hörer die Jungs nun, zwischen Stones Throw-Backpackern und halbergrauten Gangsta-Rappern, einzuordnen? Da gibt das Label schon mal eine kleine Hilfe - denn Babygrande ist beileibe nicht die Standardplattform für ein Westcoast-Release. So darf auch ganz unverblümt gesagt werden, dass "Original Dynasty" nicht wirklich nach Westen klingt, weshalb es, zum großen Bedauern aller schon geöffneter Schubladen, auch schwer einzuordnen ist. Der Sound, der von durchgehenden Nonames bereitgestellt wird, bietet sowohl astreine Representer, wie in diesem Fall den Titel- und auch besten Track des Albums, als auch Sample-versetze Denkanstöße. Am Mic weisen alle Beteiligten einen soliden Flow vor, thematisch wird vor allem die direkte Umwelt widergespiegelt: Titelnamen wie "Gangsta's Theme" und "Troubled Adolescents" sprechen für sich selbst. Was Custom Made dabei allerdings vergessen, sind ein paar waschechte Kracher, die man, abgesehen vom schon erwähnten Titeltrack, vergebens sucht. Dass dieser Unzulänglichtkeit im Gegenzug ein ebenso konsequentes Fehlen von Aussetzern gegenübersteht, scheint ein sich anbahnendes Syndrom zu sein, das Alben zum guten Mittelmaß verdammt. Letztendlich seien noch zwei Beispiele aus dem Album herausgegriffen: "Thug Warz" nistet sich auf Platz Zwei der Liste der besten Tracks ein und schafft es mit dezentem Sample, klar strukturiertem Beat und einer sehr eingängigen Hook, auch im Gedächtnis der Hörerschaft Platz zu nehmen. Für alle Skip-Fanatiker sei noch "Maybe Tomorrow" genannt, das mit seiner Hook am ehesten die Nerven strapaziert.


Fazit:
Babygrande ist ganz definitiv ein gutes Zuhause für Custom Made. Der Sound, der gewählt wurde, passt auch - in der Westcoast recht einzigartig, und doch nicht so East-lastig, als dass er in der dort wütenden Einfallslosigkeit untergehen würde. Was das nächste Mal besser gemacht werden kann (trotz der Tatsache, dass diese Phrase als Kritikpunkt für fast jedes Album immer wieder herhalten muss): die Beatwahl; hier hätte dem Album ein wenig mehr Power gut getan. Auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass Custom Made, sofern sie nichts an ihrem Konzept ändern, zu der Sorte Artists gehören, deren Alben alle irgendwo gleich klingen, sollte man die Jungs doch im Auge behalten - denn bei den besseren Releases dieses Jahr landen sie allemal.


Gesamtwertung: 6.9 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Montag, 21. Juli 2008

Popa Wu - Visions Of The Tenth Chamber Pt. II (Future Chamber)

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 6. Juni 2008
Label: Future Chamber Entertainment

Tracklist:
01. Freedom or Death - (feat. Popa Wu & Angela S.)
02. S.O.D. Part 2 - (feat. Free Murda, Lord Subliminal, Lu-Struggz, Consciouz Fear, Killah Bam, Raadar Van, Angela S., Deadly Strangah, D.L.A.H. & Dungeon Masta)
03. Black Germ (Still Tricknology) - (feat. Lord Subliminal, Lu-Struggz, Dungeon Masta, D.L.A.H., Angela S., Raadar Van, Deadly Strangah & Consciouz Fear)
04. Popa Wu Righteous Chamber - (feat. Lu-Struggz, Dlijah & Raadar Van)
05. Hallz Of Justice - (feat. Lone Ninja, Free Murda, Consciouz Fear, Dungeon Masta & Killah Bam)
06. Choppen Block - (feat. Lord Subliminal, Lu-Struggz, Consciouz Fear, Dungeon Masta, Free Murda & Killah Bam)
07. Phone Tap (Entamishun) - (feat. Lu-Struggz, Killah Bam, Dungeon Masta & DJ Nino Carta)
08. Abdullah - (feat. Lu-Struggz, Killah Bam, DJ Nino Carta & D.L.A.H.)
09. Spyz In The Palace - (feat. Lord Subliminal, Lu-Struggz & D.L.A.H.)
10. Powder (Yacub's Faktory) - (feat. D.L.A.H., Lord Subliminal, Timbo King, Raadar Van, Lu-Struggz & Consciouz Fear)
11. Broken Bladez - (feat. Dungeon Masta, Deadly Strangah, Lord Subliminal, D.L.A.H. & Raadar Van)
12. Medachevits (OH NO) - (feat. Dungeon Masta, Deadly Strangah, Killah Bam, Lu-Struggz & D.L.A.H.)
13. Generatorz - (feat. Raadar Van, D.L.A.H., Consciouz Fear, Dungeon Masta, Killah Bam & Lu-Struggz)
14. Virus (Like We Do) - (feat. Lord Subliminal, Raadar Van, Free Murda, Deadly Strangah & Killah Bam)
15. Love Hell Or Right - (feat. Angela S., D.L.A.H., DJ Nino Carta & Popa Wu)
16. Revenge Of The 7 Archorz - (feat. Dungeon Masta, Raadar Van, Killah Bam, Deadly Strangah & D.L.A.H.)
17. P.E.A.C.E. - (feat. Ol' Dirty Bastard, Lord Subliminal & Dungeon Masta)
18. Osirius & Gauntlet



Das unermüdliche Getriebe Wu-Tang zeigt keine Ermüdungserscheinungen. Auch der Papaschlumpf der Wu-Gemeinde, Popa Wu, schart seine Jünger um sich, um den zweiten Teil von "Visions Of The Tenth Chamber" Gestalt annehmen zu lassen. Unter dem Motto "Future Chamber" sollen hier neue und unbekannte Gesichter die Möglichkeit bekommen, sich einen Namen zu machen. Daneben tauchen allerdings auch namen wie Timbo King oder Dungeon Masta auf, die nicht neu, sondern höchstens unbeachtet waren und sind.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Bei genauerer Betrachtung muss man jedoch die tatsächliche Beteiligung Popa Wus an diesem Release infrage stellen. Eigentlich sollte das Album eher "D.L.A.H. Presents: ..." heißen, denn dieser Herr ist der eigentliche Initiator - so gehen auch sämtliche Beats auf seine Kappe. Irgendwo machen sich die Abstriche, die bei den namenhaften Gästen oder Producern gemacht wurden, auch bemerkbar: die Beats sind größtenteils moderat, mit wenigen Ausschlägen nach unten und noch weniger nach oben. "Phone Tap" kann mit trockenen Snares und dunklem Streicher-Gerüst überzeugen und der konkurrenzlos beste Track des Albums, "Virus", besticht als Aufreihung weiblicher Eroberungen mit seiner unglaublichen Gelassenheit und dem dazu passenden Beat. Als Kontrast kann hier gleich der folgende Track genannt werden: "Love Hell Or Right" stellt den schlechtesten Track der Platte dar und ist nicht nur ein Griff ins Klo, sondern ein Griff in ein Klo, das zuvor mit einem großen Geschäft gesegnet wurde - in diesem Ausmaß bleibt der Song aber glücklicherweise allein. Denn gerade der Schluss ist eigentlich der stärkste Teil des Albums. "Revenge Of The 7 Archorz" als auch "P.E.A.C.E." führen mit leicht mystischem Flair anschaulich vor, wie man ein solches Album durchgehend spannend hätte gestalten können. Doch wie es zu erwarten war, ergeht sich das Album über lange Strecken in motivierter Langeweile, bei der es den MCs letztendlich an Charisma fehlt.


Fazit:
Anstatt dem Album jedoch zu viele Mängel vorzuwerfen, sollte man seine im Vornherein gesteckten Erwartungen nochmals nüchtern betrachten. D.L.A.H. hätte seinen Job bei der Produktion nämlich auch weitaus schlechter verrichten können, positive Impulse lassen sich ebenfalls finden und außerdem wird hier, ungeachtet der Qualität, auf aktuelle Trends und massentaugliche Sounds vollkommen geschissen. Zieht man darunter den finalen Strich, bleibt zwar kein Pflichtkauf, und auch mit Wu-Tang hat das Ganze nicht mehr allzu viel zu tun - doch Potential lässt sich allemal finden, womit der Zweck dieser Compilation auch schon erfüllt wäre.

Gesamtwertung: 5.8 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Vast Aire - Dueces Wild

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 24. Juni 2008
Label: One Records

Tracklist:
01. You Know (You Like It)
02. T.V. Land
03. Take Two
04. The Dynamic Duo - (feat. Geechi Suede)
05. Gimmie Dat Mic - (feat. Copywrite)
06. Mecca And The Ox - (feat. Vordul Mega)
07. Back 2 Basics
08. Lunchroom Rap (It's Nothing)
09. When Starz Fall - (feat. Double A.B., Thanos, Swave Sevah & Karniege)
10. The Crush
11. Shu (The God of Aire)
12. Graveyard Shift - (feat. Genesis)
14. The Man With Out Fear



Vast Aire ist ein Wortakrobat der besonderen Sorte. Eine sehr prägnante Stimme und die Fähigkeit, mit wenigen Worten verbale Luftschlösser zu zaubern, erlauben es ihm, den Hörer zu fesseln, ohne dabei seine Inhalte zu konkretisieren. Seit Cannibal Ox - und kürzlich erst wieder zusammen mit Karniege als Mighty Joseph - stellt er das unter Beweis. Dem "Empire State" Album folgt nur wenige Monate später Vast's eigenes Solo Album, das lange angekündigte "Dueces Wild", das nach "Look Mom... No Hands" (und abgesehen von "The Best Damn Rap Show" mit Mighty Mi) sein Zweitlingswerk ist.

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Mit fünf aus 13 Tracks ist Melodious Monk eindeutig der dominierende Producer auf dem Album - bekannt durch Produktionen auf "Empire State" und dem Album der Reavers (2005). "This is the best music I have ever made" sagt Vast selbst. Und hier darf man nicht nur als fanatischer "Cold Vein"-Fan seinen Zeigefinger erheben. Denn wo "Mecca And The Ox" mit einem hungrigen Vordul Mega und einer erstklassigen Pete Rock-Produktion tatsächlich in diese Richtung schreitet, da bleibt der Großteil des Rests weit zurück. Die Oh No-Produktion, "Lunchroom Rap", taugt nichts und das "Dynamic Duo" muss sich über einen lahmenden Beat schleppen, wobei Camp Lo's Geechi Suede in Kombination mit einer höchstnervigen Hook des Vast-Man auch nicht gerade dazu beiträgt, diesen Song hörenswerter zu machen. Generell fehlt es den Beats meist an Pepp, und das verdirbt dann ganz einfach den Spaß. Wenige Ausnahmen finden sich beispielsweise in "When Starz Fall", das mit schlichten Drums endlich genug Kraft aufbringt, um die Raps zu tragen, die hier unter anderem von Stronghold-Walze Swave Sevah und Mighty Jo-Kollege Karniege stammen, was sich zusätzlich positiv auswirkt. Auch wenn Vast ins Metaphysische entsteigt und in die Person des agyptischen Gottes "Shu" (the god of air(e)) schlüpft, hat das, unterlegt von einer sehr trefflichen Produktion, viel Schönes.


Fazit:
Wenn Vast Aire nicht die richtigen Beats hat, dann passiert das, was gewisse Hörer (ich nicht) dauerhaft beim Hören seiner Raps verspüren: er nervt. Leider passiert das hier viel zu oft. Das kann zwar unmöglich über seine Rap-Skillz hinwegtäuschen, oder auch darüber, dass hier keinesfalls ein schlechtes Album vorliegt, es verwehrt der Platte allerdings eine Position in den oberen Rängen. Zukünftig möchte ich Vast raten, bei der Beatauswahl einen kühlen Kopf zu bewahren, und ab und an doch einen gestandenen Street-Banger der zwanghaften "Ich-bin-etwas-Besonderes"-Produktion vorzuziehen. Bis dahin sollte man sich zurücklehnen, auf eine Cannibal Ox-Reunion warten, und nochmal "The Cold Vein" in den Player werfen. Und falls man das schon zu oft getan hat, dann wird man sich nach etwas Angewöhnungszeit doch mit dem ein oder anderen Track von "Dueces Wild" anfreunden können.

Gesamtwertung: 6.1 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

T.H.U.G. Angelz - Welcome To Red Hook Houses

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 8. Juli 2008
Label: Babygrande Records

Tracklist:
01. Cab Ride (Opening)
02. Welcome To Red Hook Houses
03. Jail Saga
04. The Obituary (E.B.G.G.)
05. My Brother's Keeper
06. Gang Love
07. South Brooklyn (The Anthem)
08. Audiobiography Remix
09. Apt. 7G (Blacksmiths)
10. The Visit - (feat. 7th Ambassador)
11. Under The Wing
12. Confessions Of A T.H.U.G. Angel (Closing)
13. 144,000



Shabazz The Disciple und Hell Razah sind beide dem Teil der Wu-Fam zuzuordnen, der schon seit langer Zeit im Boot ist, dabei gehörig Props gesammelt und trotzdem solo noch nicht die verdiente Aufmerksamkeit abbekommen hat. Doch das hat sich, zumindest für Razah, mit dem Jahr 2007 geändert: gleich zwei Solo-Alben brachte er unter die Massen - und auch Shabazz plant mit DJ Extremidiz ein Solo namens "Hood Scripturez". Wenn sich nun diese zwei, immer dem ruffen Streetsound treu gebliebenen, Veteranen zu den T.H.U.G. Angelz zusammenschließen, hat nicht nur der Wu-Fan Grund zur Freude.

Schon mit "Reed Hook Day" konnte Shabazz seinerzeit punkten, und diesmal greift man sogar für den Albumtitel auf den Teil Brooklyns, in dem man die T.H.U.G. Angelz antreffen kann, zurück. Nachdem Shabazz und Razah ihr Album wohl äußerst schnell veröffentlichen wollten, ist man von Chambermusik, das ursprünglich als Label hätte fungieren sollen, zu Babygrande gewechselt, wo das Album auch pünktlich auf den Markt gebracht wird. Das später hinzugestoßene dritte Mitglied Ayatollah spielt bei den Produktionen auf diesem Album noch keine Rolle - dafür findet man Namen wie Blue Sky Black Death oder Bronze Nazareth in den Credits.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Im "Cab Ride" eröffnen die, gerade den JFK Airport verlassenden, beiden Protagonisten einem daraufhin deutlich eingeschüchterten Taxifahrer, dass ihr Ziel die Red Hook Houses sind. Und nachdem das Taxi am Ende des Tracks sein Ziel erreicht hat, legt das Album los. Was recht schnell auffällt: hier wird der Sound gespielt, den man von den letzten Razah-Releases schon gewöhnt ist - Überraschungen gibt es keine. Wie nicht anders zu erwarten, stechen die musikalischen Beiträge der schon genannten Producer (Bronze und BSBD) heraus: da wäre einmal "The Obituary", das Bronzes Sample-Kunst zur Geltung bringt und zweitens der Remix zu "Audiobiography", mit dem BSBD ihrem eigenen Original gefährlich nahekommen. Auch inhaltlich wirken "El' Raziel" und "Seraphim Shabazz" etwas festgefahren - so sticht der geniale Rückblick in "Audiobiography" immer noch als bester Track heraus, während sich sonst die typischen Themen die Klinke in die Hand geben - Representer, Thematisierung der schwarzen US-Bevölkerung und ab und an auch an paar Querverweise auf biblische und historische Daten im 5%-Anstrich, wie hier in "Gang Love":

"...Y'all niggas scared of the revolution / This ain't our homeland / That ain't our flag you saluting / We disrespecting the grave of Malcolm and Huey Newton / T.H.U.G. Angelz gangbang for liberation / Putting our life up on the line for the black nation..."


Fazit:
Nachdem man nun einmal durchgehört hat, weiß man einerseits, dass dieses Album keinen einzigen Ausfall aufweist und durch die Bank weg gut ist, dass andererseits aber auch die Kracher fehlen. Einzig "Confessions Of A T.H.U.G. Angel" sticht als relativer, einzig wirklicher und somit absoluter Höhepunkt aus der Masse (Respekt an Spell für diesen Beat) heraus. Das ist eindeutig zu wenig, da richtet auch die konstante Beständigkeit der Qualität nichts mehr gerade. Bleibt zu hoffen, dass die "This is just the prequel"-Phrase hier zutrifft und das komplett von Ayatollah produzierte nächste Album besser wird - denn beim vorhandenen Potential darf man hier ruhig enttäuscht sein.

Gesamtwertung: 7.2 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Freitag, 18. Juli 2008

Qwel & Kip Killagain - The New Wine

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 10. Juni 2008
Label: Galapagos4 Records

01. Adam & Eve
02. Big Eye
03. Agape Rain
04. Innuendo
05. B.rainwashing
06. Starved Rock
07. The New Wine
08. Can't Fool The Blues
09. Frost Seeding
10. Reality TV
11. Grinding Gear
12. Bonita Bitrell
13. Internet Killed The Video Star
14. Heliocentric



Nachdem Qwel in den letzten Jahren regelmäßig Alben veröffentlichte, die zusammen mit jeweils mit nur einem Producer, nämlich Meaty Ogre, Maker bzw. Jackson Jones, erschienen, darf sich der Fan des aus Chicago stammenden Künstlers auch 2008 wieder über ein neues Werk freuen. "The New Wine" ist komplett produziert von Kip Killagain aus Arizona und besticht schon beim ersten Blick mit einem durchdachten Cover.

Die ansonsten jedoch schlichte Digipack-Aufmachung zwingt einen dazu, sich umgehend mit der Musik selbst zu beschäftigen, die sich über gute 41 Minuten, aufgeteilt in 14 Tracks, erstreckt. Dass Qwel zu der Sparte des anspruchsvollen Rap zählt, sollte jedem, der bereits Erfahrungen mit dem Herrn gemacht hat klar sein. Allen anderen sei gesagt, dass es für volles Nachvollziehen der verbalisierten Gedanken von Qwel entsprechender Ausdauer bedarf. Doch alleine schon die Tatsache, wie Qwels Raps einwandfrei vor sich hinfließen, sind eine Hörenswertigkeit für sich. Dazu kommen die Beats, die ebenfalls auf fast kompletter Spiellänge zu faszinieren wissen. Denn wenn sich Qwel durch ein tiefatmosphärisch blubberndes Instrumental wie auf "B. Rainwashing" rappt, ohne dabei anzuhalten oder etwa einem Chorus Platz zu lassen, dann ist das eine Kunst, in der nicht viele mit ihm gleichziehen können.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Generell bestehen viele Songs nur aus den extrem guten Instrumentals und einem einzigen, ununterbrochenen Atemzug Qwels - Chorus-los ist durchschnittlich jeder zweite Song. Doch genau das macht den Reiz von diesem Album aus. Und einen solchen versprüht das Album ganz eindeutig - seien es nun die sich jagenden Rap-Salven im Titeltrack, die Flöten im Instrumental zum viel zu kurzen "Starved Rock" oder das Acapella "Internet Killed The Video Star", das die konsequente Fortsetzung zum Buggles-Klassiker darstellt. Auch das mit melancholischem Beiton ausgestattete "Can't Fool The Blues" oder das klavierdominierte "Grinding Gear" reihen sich ganz oben bei den Pro-Argumenten dieses Albums ein.

Trotz der durchaus vorhandenen geringen Anzahl an Songs, die man bald wieder vergessen hat, legt das Duo Qwel/Kip uns hier ein sehr starkes Erzeugnis vor, das so ziemlich alle seine gleichzeitig veröffentlichten Konkurrenten vorzuführen weiß. Galapagos4 sowie auch Qwel können sich ein weiteres Hochqualitätsprodukt ankreiden, und die Fans sind weiterhin in ihrem Vertrauen und Wissen, bei solchen Releases bedenkenlos zugreifen zu können, bestätigt.

Gesamtwertung: 7.9 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Brooklyn Zu - Chapter #9, Verse 32

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 01. Juli 2008
Label: High Wire Music

Tracklist:
01. We Comin' For Ya
03. Do It For - (feat. Ol' Dirty Bastard)
04. Blood is Love
05. Cold World
06. Knock Knock - (feat. GZA)
07. Eat Ya Food - (feat. Killah Priest & Masta Killa)
08. Baby
09. Pass The Mic
10. Party With The Zu
11. Get Dirty Some Beers
12. Pour My Liquor
13. If I Had A Gun - (feat. Shavo & RZA)
14. Put Yo' People's On
15. Marvelous
16. Get That Cheese - (feat. Shyheim)
17. So Much 2 Say
18. Shut Ya Trap - (feat. Prodigal Sunn)
19. Dirty Outro



Im scheinbar unendlichen Geäst des Giant Sequoia-Baums, der da "Wu-Tang" heißt, finden sich, neben (weitbekannten) Ablegern wie beispielsweise den Sunz Of Man oder der Killarmy, auch solche Gruppen, die man ganz klar einem der Großen Neun zuordnen kann. Und wenn Ghostface's Verein die Theodore Unit ist, dann ist der Trupp um Ol' Dirty Bastard der Brooklyn Zu. Bestehend aus 12 O'Clock, Zu Keeper (Bruder bzw. Cousin von ODB), Shorty Shit Stain, Merdoc alias Murdock und dem wohl bekanntesten Verbliebenen, Buddha Monk darf sich der Zu eine schlagkräftige und fähige Einheit nennen, die durch unzählige Affiliations (Schlagwort United Kingdom) untrennlich mit dem Rest der Wu-Fam verwurzelt ist. Bis auf Buddha Monk sah es bis zum Jahr 2008 jedoch Release-mäßig recht mager aus. Mit "Chapter #9, Verse 32" legen die Jungs nun allerdings ein ganzes Album vor, welches, wie sollte es anders sein, ihrem verstorbenen Brother "Dirt Dog" gewidmet ist.

Die Trackliste sollte den durchschnittlichen Eastcoast-Hörer allemal neugierig machen: neben den üblichen zwielichtigen Gestalten, die u.a. vom Zu Ninjaz-Camp vorbeischauen, findet sich auch der höchste Adel, in Form von GZA, RZA, Masta Killa und Killah Priest, ein. Die Producer-Liste bietet uns eine ganze Palette an Namenlosen, unter denen höchstens RZA mit einem Beitrag, sowie eventuell DJ Woool (der schon für Killah Priest tätig war) herausstechen. Fängt man nun ganz vorne an, so lautet die erste Anspielstation "We Comin' For Ya", das als Paradebeispiel für alles Gute an diesem Album dienen kann: ein düsteres Sound-Gebilde, das roh und blutig den Zu-lern vorgeworfen wird, unter denen vor allem ein übel gelaunter Buddha Monk und ein sich wild gebärdender Shorty Shit Stain maximales verbales Verderben beschwören. Kurz gesagt - kompromissloser Eastcoast-, dreckiger-Seitengassen-Sound, wie man ihn heutzutage selten hört.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Dies setzt sich im ersten Drittel des Albums auch konsequent fort, mal mehr und mal weniger derbe - wobei der ODB-Tribut-Track "Do It For" mit ruhigen Streichern ebenso klasse ist wie die RZA-Produktion "Knock Knock", die uns polternd, unheilverkündend und mit einem schwer genialen Part von Altmeister GZA verdeutlicht, dass es RZA nicht am Können, sondern schlichtweg am Willen fehlt, wenn Stimmen verlangen, dass auch auf einem "Digi Snax" ähnliche Töne wie hier zu hören sein sollten. Ab "Baby" startet das Album den Versuch, vielseitiger zu werden. Wo genannter Track als Party-Song in gepflegter Wu-Tang-Manier bedenkenlos abzuhaken ist, da zeigt ein seichtes "Party With The Zu" deutlich auf, dass es für solche Themenbereiche schon genügend R6B- und Dirty South-Nasen gibt, die uns hier mehr oder weniger gut, doch auf jeden Fall zur Genüge, versorgen. Doch glücklichweise hält sich dieser Ausflug in Grenzen. Mit "If I Had A Gun" wird dem Hörer starker Achozen-Sound eingeschenkt, der mit einem ansehnlichen Auftritt des RZA erstaunlich gut auf dieses Album passt. Nach einigen wieder sehr hörenswerten Tracks gegen Ende schließt das Album mit einem "Dirty Outro", das ausschließlich aus köstlich schräger Stimmstrapazierung des Dirt McGirt besteht, seine Pforten.



Fazit:
Im Endeffekt bleibt nur eines zu sagen: der BK Zu ist als eine der wenigen Gruppen heutzutage noch fähig, dem Eastcoast-Fan feuchte Augen zu bescheren. Dass er genau das auf "Chapter #9, Verse 32" nicht andauernd, sondern nur vereinzelt tut, um stattdessen mit einigen eingestreuten halbherzigen Tracks eine breitere Hörermasse anzusprechen, bleibt mir ein Rätsel. Nichtsdestotrotz liegt hier ein weiteres Manifest der immer noch nicht toten Wu-Fam vor, die auch im Jahr 2008 einen wichtigen Teil der Ernährung eines jeden Eastcoast-Heads stellt - und ein das Attribut "hörenswert" kann auch über das komplette Album verhängt werden.

Gesamtwertung: 7.0 / 10

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Alltruisms - Clusterbombs

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Release-Date: 01. Juli 2008
Label: Gravel Records

Tracklist:
01. A Lightyear Away
02. Deposit
03. Blindfolded - (feat. Verbal Kent)
04. Nine-Digit #
05. Rockets Red Glare
06. The Birds and the Bees - (feat. Rusty Chains)
07. Knight in Shining Armor
08. Clusterbombs Laos
09. Oh
10. Oh Epilogue
11. Dry-spell
12. Nutcamp - (feat. Giraffe Nuts)
13. Jalopy
14. Hire Me
15. Dear Hip Hop - (feat. Verbal Kent)
16. Clusterbombs Me



Herzlich willkommen zu einem weiteren Album, das wohl an vielen Hörern vorbeiziehen wird, weil kein Schwein weiß, wer uns hier sein Solo-Debüt präsentiert. Um angemessen zu dem hier gemeinten Interpreten hinzuführen, sollte man sein Sichtfeld zuallererst auf die Stadt Chicago schwenken. Wenn man dort nun über die weitbekannten HipHop-Größen hinaus blickt, landet man schnell bei der sehr lebhaften "Underground"-Szene, in der ein gewisses Label namens Gravel Records eine gestandene Größe darstellt. Genau hier findet man auch "Clusterbombs", das Album von Alltruisms, der als Teil der Giraffe Nuts-Truppe einigen wenigen sogar bekannt sein dürfte. Dass Alltruisms den Wind, den das Giraffe Nuts-Aushängeschild Verbal Kent mit seinem kürzlich erschienenen und dritten Albm "Fist Shaking" erzeugen konnte, für sich nutzen will, ist voll verständlich. Deshalb prangt Kent's Name auch zweimal auf der Feature-Liste, während sich auch bei den Produzenten der ein oder andere Name deckt.

Da mag der Schluss nahe liegen, dass "Clusterbombs" in seinem Wesen einfach nur eine Kopie von "Fist Shaking" sei. Doch neben der, in Übereinstimmung des Wohnort sowie des Giraffe Nuts-Camps begründeten, Grundähnlichkeit, sollte man die beiden keinesfalls über einen Kamm scheren. Wo Verbal Kent durch rauhe Stimme und gnadenlose Punchlines gewinnt, da ergattert Alltruisms mit einer hellen Stimme und einer breitgefächerten Themenvielfalt seine Punkte. Diese markante Stimme ist zwar einerseits etwas sehr positives, sollte jedoch auch mit Vorsicht genossen werden, wie man das von einigen Artists (hier sei nur mal Vast Aire genannt) schon kennt. Was das Album nun also zu bieten hat: erstens, teils äußerst starke und durchdachte Produktionen. Das "teils" dieses Satzes weist jedoch schon darauf hin, dass nicht alles Spitzenmaterial ist - wie man es von einem "typischen" solchen Release eben gewohnt ist. Wo einem das vom verstorbenen DJ PRZM produzierte "Deposit" in allerfeinster Manier (und wie man es aus der Giraffe Nuts Ecke schon kennt) das Trommelfell aufraut, da sieht, bzw. hört, man im Anschluss gleich einen wenig kreativen J-Zone, der es sich anscheinend zum Ziel gemacht hat, bei der Reaktion der Hörer eine Gratwanderung zwischen abschnittsweiser Gleichgültigkeit und entnervtem Greifen zur Skip-Taste zu vollführen. Seine starken Momente hat das Album in unterschiedlichsten Formen: da wäre "Nine-Digit #", in dem Alltruisms zu unzähligen politischen Themen die Opposition bezieht, und die wenig sozialen Verhältnisse in den Staaten anprangert, während Kaz1 ihm als Untersatz eine simple Gitarren-Melodie verschreibt und was eine Auskopplung als Single durchaus rechtfertigt. Auch der gepflegte Posse-Cut mit einem genickbrechenden Stück Rawness, abermals von Kaz1, darf nicht fehlen. Und es wird einmal mehr bewiesen, wieviel die Nuts in solchen Gefilden ausrichten können - da glänzt nicht nur Verbal Kent.

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Weiter wäre da das smoothe "Knight In Shining Armor", das dem Hörer eine großartige Mittneunzigeratmosphäre um die Ohren schmiert. Und auch die Hommage an die "richtigen" HipHop-Karren und Alltruisms' Schrottkiste im speziellen ist großes Kino: "And if you ever been pulled over by the police / Who ticketed your whip for uglyfying the streets - That Jalopy! / HipHop to me". Schließlich sollen hier auch der Titeltrack und sein Remix Erwähnung finden, die uns die Essenz des Albums offenbaren: "Cluterbombs are like rappers / Hundreds drop at a time / Weed need enough spins to blow up / Otherwise we sit in fields bzw. "Clusterbombs are like rappers / We we all meant to blow / Didn't happen without enough spins but even so / One day, someone comes across the lost forgotten object / Picks it up long after the bomber first dropped it". Was den Rest des Albums betrifft: wo "Hire Me!" als relaxed und inhaltlich urkomisch durchgeht, versinkt der Rest, es dem schon erwähnten "Blindfolded" gleichtuend, in konstruktiver Langeweile. "Dear HipHop" versäuert den dritten Auftritt von Verbal Kent durch die schlichte Tatsache, dass schon weithin bekannte und in HipHop Songs schon zur Genüge verwendete Samples einfach nicht mehr verwendet werden sollten. Da hilft es auch nicht, dass sich Alltruisms herzlich darum bemüht, mit seinen Raps dauerhaft die Aufmerksamt der Hörer auf sich zu bannen.


Fazit:
Auch wenn der negative Teil des Albums nun unterdurchschnittlich klein scheinen mag - "Clusterbombs" ist ein typisches Non-Gangster- oder Backpack-Album, wie immer man es auch nennen mag. Typisch bezieht sich nicht zuletzt auch auf dei Qualität der Musik; denn neben den ausführlich erwähnten Tracks, die man auch in einem halben Jahr gerne mal wieder in den Player werfen wird, treten beim Komplettdurchlauf schonmal Lähmungserscheinungen auf. Zieht man darunter nun den Strich, und summiert Pro und Contra auf, landet man bei einem überdurchschnittlichen/guten Album, das man, da es nichts besonderes ist, keinesfalls gehört haben muss, während man es jedoch auch keinesfalls bereuen wird, es sich doch einmal zu Gemüte zu führen. Alle, die dieses Jahr schon Verbal Kent gehört haben, wissen ganz grob, was sie erwartet - allen anderen wird mit "Clusterbombs" ein guter Überblick darüber gegeben, was sie mit Giraffe Nuts allgemein und Alltruisms speziell erwartet.


Gesamtwertung: 6.9 / 10

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