Donnerstag, 29. November 2007

CunninLynguists - Dirty Acres


Tracklist:
1. Never feat. Big Rube
2. Valley of death
3. Dirty acres
4. Kentucky (Interlude)
5. K.K.K.Y.
6. Wonderful feat. Devin the Dude
7. Yellow lines feat. Phonte & Witchdoctor
8. The park (fresh air) feat. Chizuko Yoshihiro
9. Summer's gone
10. They call me (Interlude)
11. Gun feat. Sheisty Khrist
12. Dance for me
13. Georgia
14. Things I dream
15. Mexico feat. club Dub

Release: 27. November 2007
Label: QN5 / Bad Taste Records



Die CunninLynguists haben sich über die letzten Jahre zu einem der angesagtesten Underground-Acts aus den Staaten gemausert. Durch ihre ansprechende Musik und ihre Auftritte auf diversen Konzerten haben sich KNO und Deacon The Villain auch in Europa einen Namen gemacht. Nach 3 offiziellen Alben und einer Palette Mixtapes folgt 2007 der Nachfolger zu "A Piece Of Strange", und der nennt sich "Dirty Acres".

Eine grundlegende Neuerung ist zu vermelden, die auch schon aus dem Cover ersichtlich ist. Ein dritter Kopf ist mit von der Partie, und zwar Natti. Damit ist das Kentucky-Duo nun ein Trio, was aber am Konzept der Musik nicht viel ändert.
Allerdings klingt die Musik selbst nicht mehr so wie auf den ersten beiden Alben. Das bekommt man auch sofort zu hören. "Never" wird von Big Rube aus dem Pool der Dungeon Family gesprochen. "As long as we breathe, Hip Hip gon' breathe with us". Dazu steuert KNO ein schwermütiges Piano bei.

Und so wird fast jeder Song des Albums ausschlagen. Im kurzen "Valley of death" wird der Hörer auf diesen ihn erwartenden Sound eingestimmt, der irgendwo zwischen relaxed in manchmal sogar schwermütig anzusiedeln ist. Damit vermisst man zwar Kracher wie auf "Will Rap For Food", erhält dafür jedoch ein sehr geschlossenes Album. Um genau zu sein wäre es wohl schwer, Kentucky besser in einen Sound zu kleiden, als es KNO hier getan hat.
Das "Kentucky (Interlude)" beispielsweise weist mit seinen dreckigen Gitarren-Klängen trefflich auf die Herkunft der Jungs hin, und hat somit auch volle Existenzberechtigung.

Auch wenn dies ein QN5-Release ist, sucht man hier vergeblich nach einem Auftritt von Tonedeff. Stattdessen holt man sich beispielsweise Devin The Dude aus Houston, um in "Wonderful" dem anderen Geschlecht zu huldigen. "You lookin' jazzy, with a touch of nasty / But you walk right pass me, don't do me that way / I'm starin' at you at the club for 'bout an hour and a half / And you smellin' like you just took a shower and a bath". Doch es wäre nicht Devin, wenn er nicht sein Anliegen (un-)angebracht auf den Punkt bringen würde: "I don't wanna offend you, but I sure wanna put my thang in you".

Mit Witchdoctor (ebenfalls Dungeon Family) und Phonte von Little Brother gibt es das smoothe "Yellow lines", während danach zu einem Spaziergang in "The park" aufgefordert wird, bei dem der Beat eine solche Atmosphäre erstaunlich gut einfängt. "Fresh air, what a day, at the park".

Besonders stark ist die Platte, wenn KNO Samples oder ergreifende Vocals in seine Beats flechtet, wie im nahezu melancholischen "Summer's gone". Leider viel kurz, doch äußerst stimmungsvoll und genau die richtige Musik für trostlose Herbst- bis Wintertage. Alles in Allem ist dieses Album im Winter ebenso gut hörbar wie im Sommer, wobei es im Winter vermag, an schönes Wetter zu erinnern, bzw. jenes Wetter, welches die Lynguists auf ihren schmutzigen Äckern in Kentucky haben.

Dass "Gun" keine Glorifizierung von Gewalt ist, wird jedem offensichtlich sein, und es ist ebenso natürlich, dass es äußerst hörenswert ausfällt, wenn sich Deacon und Natti zu politischen Themen äußern.
Ein Manko dieses Album hat sich spätestens zu diesem Zeitpunkt herausgestellt. So gut und ohne bisherige Ausfälle das Album auch sein mag, wirkliche Banger, die das Album tragen, sucht man vergebens. Natürlich ist das nicht zwingend notwendig, doch wird sich wohl jeder CL-Fan ein ein paar vor Energie sprühende Kracher wünschen. Abgesehen davon gibt sich das Album jedoch keine Blöße.

Sei es nun das erneut unglaublich relaxte "Dance for me" oder großartig traurige "Georgia", die Songs fügen sich nahtlos aneinander und garantieren Non-Stop Hörspaß. Und vor allem gegen Ende werden mit "Things I dream", aufwartend mit langsamen Streichern, und dem locker-leichten "Mexico" nochmals feinste Musikware aufgetischt.


Fazit:
Die CunninLynguists legen mit "Dirty Acres" ein sehr lückenloses, schwachstellenfreies, geschlossenes Album vor. Der Sound hat sich weiterentwickelt, er ist ausgereifter und ernster. Wem diese Entwicklung zusagt, der wird das Album den ganzen kommenden Winter durchfeiern können. Und auch wem hier zu wenige trommelfellzermalmende Brecher am Start sind, der wird doch nicht leugnen können, dass er es mit einem guten Album zu tun hat. Letztendlich wird jeder, der nicht gerade zu voreingenommen vom Querschnitts-Hip-Pop ist, diesem Album etwas abgewinnen können.

Gesamtwertung: 8.3 / 10

Sonntag, 25. November 2007

Masta Killa - No Said Date


Tracklist:
01 Born Chamber (Intro)
02 Grab the Microphone
03 No Said Date
04 Last Drink
05 Love Spell
06 The Future (Skit) feat Shamel, Kareem & Jamel
07 D.T.D. feat Raekwon & Ghostface Killah
08 Whatever feat Streetlife & Prodigal Sunn
09 Secret Rivals feat Method Man & Killah Priest
10 Skit
11 Digi Warfare feat RZA & U-God
12 Old Man feat Ol Dirty Bastard & RZA
13 Queen
14 School feat RZA
15 Silverbacks feat Inspectah Deck & GZA
16 Masta Killa

Release: 1. Juni 2004
Label: Nature Sounds



Wie heißt das Einzige Mitglied des Wu-Tang Clan, das es bis ins 21. Jahrhundert noch nicht geschafft hat, ein Album zu veröffentlichen? Genau, Masta Killa. Der High Chief braucht 11 Jahre, um nach dem Release des ersten Wu-Tang Albums sein eigenes erstes Solo-Werk unter die Massen zu bringen. Doch zahlreiche HipHop-Jünger werden trotzdem hungrig darauf warten. Vor allem, da Masta Killa immer einer der Clan-Heads war, die zur Besinnung auf die alten Werte aufriefen. Somit ist es naheliegend, dass "No Said Date" trotz zeitlicher Entrückung direkt dem genialen Wu-Sound der Mittneunziger nachempfunden ist.

In "Born chamber" dient als Intro ein Sample aus "Five Deadly Venoms", das den kompletten Track ausfüllt. Damit gibt Jamel Irief die Antwort auf die Frage: "Wie leite ich 2004 am besten ein Wu-Album ein?" - Kung Fu Sample. Da hätten sich Ghost und Mef eine Scheibe abschneiden können.
Und auch was nun folgt, während des ganzen Albums, ist himmlisch guter Wu-Tang Sound. Gleich einer der besten Tracks ist "Grab the mic"; dieses Stück ist die Ruhe selbst. Masta Killa flowed als der Allwissende Meister so ruhig und gleichmäßig über den nicht minder bedachten Beat, dass einem die Worte wegbleiben. Dieser Mann braucht keine Hektik, keinen Lärm, nichts. Auch wenn seine Stimme zu den unauffälligsten im Clan gehört, hat sie doch ein so starkes Charisma, das man seinen Wortspielen fast ebenso anhänglich ist wie denen eines GZA. "Iron Mic Duel held down by the poolside / Along came a spider, spun spools in a cypher / Screamin' on your mic, leads spray from the sawed off pipe / Stenographer type, the ghetto hype slang, flow gold / Like water off the brim when it rain / Iron Maiden, checkmating, no escaping, we takin' it".

Sowie MK auf beinahe jedem wichtigen Wu-Tang Release des letzten Jahrzehnts zu vernehmen war, finden sich auf "No Said Date" Gastauftritte von allen 8 anderen Clan-Membern. Den ersten Teil beschreitet der High Chief allerdings alleine. In "No said date" bedient sich RZA eines Songs von Outkast, und baut ihn soweit aus, dass die Streicher perfekt ins Szenario dieses Chambers passen. Jamel Irief passt sich sogar dem Rhythmus an und spittet, für seine Verhältnisse, erstaunlich schnell. "Long time, man for dead / Should've been, put one in his head / Before the poison spread to the body / Partly done, 'nuff said".

"After this drink, we... now become sworn enemies". Allah Mathematics durchsetzt die monumentalen Bläser mit einem Sample aus "Enter The Dragon", wodurch sich "Last drink" neben seinen vorangegangenen Tracks durchaus sehen lassen kann. "I cock aim, squeeze the gun at Emcees / Not for a dollar, not for the fame / Not for you to holla, or shout the god name".
Seine softere und das andere Geschlecht achtende Seite zeigt MK in "Love spell", das Supa Dave West dem Hörer sehr entspannt um die Ohren wickelt.

Auf anderthalb Minuten sehr alt klingendem Wu-Sound darf man sich dann anhören, wer den Wu-Tang Clan in Zukunft ablösen wird. "The future" zeigt sich mit Raps von Young Masta alias Shamel Irief, dem Sohn von Masta Killa, Young Justice alias Kareem, GZA's Sprössling, und Jamel. Da braucht sich der Clan auch in Zukunft keine Sorgen zu machen.
Nachdem die Knaben fertig sind, gehen wieder die Meister ans Werks. MK bekommt Gesellschaft vom Dreamteam Ghost und Rae. Zusammen sind sie zu hören auf "D.T.D.", "Do that dance". Mathematics zeigt sich nicht müde, Wu-Banger von höchster Qualität zu schmieden. Jeder der etwas anderes sagt, sollte zum Ohrenarzt gehen. Kein Wunder, dass dieser Track auf einem And1-Mixtape gelandet ist, unlängst ist dieser Song zur BBall-Hymne mutiert. "Party people gather round, watch the God get down / The sound's so rugged, measure the erection / It's raw when I'm sexin' your brain", und den Abschluss findet der Song mit einer Line von Ghostface: "By the way, who the fuck, let ya fools in?".

Da das Album nun schon mal auf vollen Touren ist, buttert Mathematics gleich den nächsten Hochkaräter hinterher. Unglaublich, wie mitreißend stimmungsvoll sich "Whatever" über zwei jeweils großartige Parts von Streetlife und Sunzini bis hin zum Refrain aufbaut, bei dem man dann aus vollem Hals mitgrölen darf: "We all in this together, forever and ever / Down for whatever, whenever, yeah, yeah / We all in this together, forever and ever / Down for whatever, whenever". Wenn da mal keine Erinnerungen an alte Zeiten hochkommen; und so kann Wu-Sound auch noch 2004 klingen. Denn: "They only make 'em like us, every twenty five thousand".
Das nächste Wu-Element gibt sich auf "Secret rivals" die Ehre. True Master legt die Sound-Unterlage für MK, Killah Priest und Mr. Mef. Äußerst schlicht und leicht verstaubt klingn die Piano-Line und das Voice-Sample und Kombination mit den zum Mitnicken auffordernden Drums. Auf dass man nicht vergisst, wo man sich hier befindet, flattert im folgenden Skit ein weiteres Film-Sample herein.

Dieses geht dann in das ausgeklügelte "Digi warfare" über, in dem neben Masta Killa noch RZA und U-God am Mic stehen. Eingeengt zwischen lauter astreinen Wu-Bangern ist dieser Track jedoch der wohl schwächste des Albums.
Denn gegen einen irrsinnig komischen ODB, der das "Sanford and Son"-Theme röhrt, hat wenig Bestand. "Old man" bekommt soviel von Ol Dirty's Charisma ab, dass der Song keinesfalls schlecht sein kann. "I want two beef patties, special sauce, onions, tomatoes, lettuce, on a sesame seed bun... on a a sesame seed bun, you big dummy!".

Nach einem in die Richtung von "Love spell" ausschlagenden "Queen" gibt es das von RZA sehr stark produzierte "School". Nachdem ein schleppender Beat die ersten Lines des High Chief untermalt, switcht RZA zu einem flotten Kopfnicker, was den Track nicht nur rettet, sondern ihn auch noch äußerst hörenswert macht. "Phat shoe laces and tri-colored sneakers / I stood like a man then I questioned my teacher / Why don't we speak about the wisdom of the sages? / And how did Europe black out in the dark ages? / And when they got light did they white-wash the pages? / And the inquisition, why was Christians thrown in cages?".

Nachdem "School" von einem 2 Pac-Sample abgeschlossen wird, folgt das True Master-produzierte "Silverbacks" mit GZA und dem Rebel INS. Abgesehen davon, dass von diesem Trio generell Großartiges zu erwarten ist, schafft der Beat eine wunderbare Atmosphäre, die für die Weisheiten des Genius wie geschaffen scheinen. So hört sich ein bedachter Banger an. "I went from the slums of hell to paradise in heaven / From a sling-shot to a wall of Mac 11's / I drank with the devil and ate with the reverend / We talked numbers and I told him, mine was 7".
Nachdem Abt Jamel Irief in atemberaubender Art und Weise durch sein Shaolin-Kloster geführt hat, wäre für das Finale kein Track passender als das nun folgende"Masta Killa". "You are watching a master at work". Baby Dooks schafft mit fernöstlichen Klängen und einem immer wieder einsetzenden Bruce Lee-Sample den perfekten Ausstieg für dieses Album. Be water, my friend.

Fazit:
Wu-Tang Sound, wie ihn die Fans lieben. Für alle, die Method Man enttäuscht hat und denen Ghostface zu sehr von seinen Ursprüngen abweicht, ist "No Said Date" seelischer Balsam. Dafür sorgt die routinierte Zusammenarbeit der Wu-Tang Emcees mit Producern wie True Master, Mathematics oder RZA. Liebhaber des Wu-Tang Sounds werden hieran Freude finden.

Gesamtwertung: 8.9 /10

Samstag, 24. November 2007

Freeway - Free At Last


Tracklist:
01. This Can't Be Real (Feat. Marsha Ambrosius)
02. It's Over
03. Still Got Love
04. Roc-A-Fella Billionaires (Feat. Jay-Z)
05. When They Remember
06. Take It To The Top (Feat. 50 Cent)
07. Spit That Shit
08. Reppin' The Streets
09. Free At Last
10. Baby Don't Do It (Feat. Scarface)
11. Nuttin' On Me
12. Walk Wit Me (Feat. Busta Rhymes & Jadakiss)
13. Lights Get Low (Feat. Rick Ross)
14. I Cry

Release: 20. November 2007
Label: G-Unit / Roc-A-Fella / Def Jam



Freeway gehört zu den charismatischsten MCs aus dem Roc-A-Fella Camp. Ohne auch nur in irgendeiner Weise seine Rap-Skillz zu betrachten bleibt der massive Mann mit dem dichtem Bart und der starken Stimme doch im Gedächtnis hängen. Mit "Philadelphia Freeway" kam 2003 sein Debut-Album in die Läden. Und nach etlichen Verschiebungen veröffentlicht Free nun endlich den Nachfolger, "Free At Last", mit Gastauftritten von Jay-Z, 50 Cent, Scarface, Busta Rhymes, Rick Ross und Jadakiss.

In etwa zu dem Zeitpunkt, als Freeway ankündigte, 50 Cent werde als (Co-)Executive Producer am Album beteiligt sein, haben sich viele Fans darüber gefreut, dass es so aussah, als käme das Album frühestens 2009. Einen musikalischen Nutzen zieht "Free At Last" jedenfalls nicht aus dem großen Namen Fitty's, er mag wohl letztendlich nur zur Promotion gedient haben.
Etwas kontrovers ist auch Freeway's Verhalten. Da taucht er beispielsweise auf dem Album eines Hezekiah auf, um sich dann auf seinem Album Beats von Topfschlägern wie Cool & Dre basteln zu lassen. Der gesunde Verstand fragt sich da, ob Freeway es wirklich schaffen wollte, alle Rap-Fans, Underground und Hip-Pop, für sein Album zu gewinnen.

Doch bevor man groß zweifelt, schimpft und verurteilt sollte man sich erst der Musik widmen. Auf seinem Debut konnte Freeway etliche Fans gewinnen, doch wem seine manchmal schon kreischende Stimme nach 10 Minuten auf den Zeiger ging, hat den Mann schon damals abgeschrieben. Auf seinem neuen Album findet man Tracks wie "Flipside" nicht mehr, zusammenfassend ist das Album durchgehend etwas geglätteter.
Der Opener beispielsweise, "This can't be real", ist stark Soul-beeinflusst und weist zudem noch Vocals von Marsha auf. Mit solch ruhigen Tönen schafft Freeway einen krassen Kontrast zu seinem Stimmorgan, weshalb er dieses auch gemäßigt verwendet. Nichtsdestotrotz ein Einstieg, der sich sehen lassen kann.

Jake One schustert die Video-Auskopplung "It's over" zusammen, die mit pumpenden Drums, tiefen Bläsern und passenden Vocals schon viel eher zu Freeway's Stimme passt. So ist es nicht verwunderlich, dass das Ergebnis viel besser ausfällt und sich hier der wohl beste Track des Albums findet.
"Still got love" ist ein 100% typischer Roc-A-Fella Song, bei dem Freeway ganz (bzw. viel zu) routiniert den Refrain in den Sand setzt. Dame Grease steuert mit "Roc-A-Fella billionaires" einen Beat im College-Band-Stil bei, der spätestens beim zweiten Durchlauf anfängt zu nerven. "I turn a nick to a dime, dime to some millions / A brick to the Roc, the Roc into some buildings". Und auch Jay-Z hatte schon bessere Rhymes am Start.

Bei 50 Cent lässt sich das Phänomen beobachten, dass alle Tracks, auf denen er gefeatured wird, schlecht sind. Ob das nun am Hass gegen diese Person liegt, die keine halbwegs objektive Beurteilung zulässt, oder einfach daran, dass es wirklich so ist, Fitty's Chorus auf "Take it to the top" ist jedenfalls die reinste Qual. Zusammen mit dem mittelmäßigen bis langweiligen Beat findet sich hier ein wunderbar überflüssiger Track.

Um dann die Nullnummern komplett zu machen, muss noch das doppelte Übel erwähnt werden. Cool & Dre und der hustelnde Onkel Ross schaffen es in "Lights get low", jedem Philly-HipHop-Liebhaber die Stimmung zu vermiesen.
Die restlichen Features kommen jedoch besser weg. Scarface ist in "Baby don't do it" ebenso solide wie Jada in "Walk with me", in dem ein Busta Rhymes sogar richtig auftrumpfen kann. Dem zugrunde liegen beide Male solide Beats.

Und neben vielen anderen durchschnittlichen bis guten Tracks findet sich in "Reppin' the streets" ein wunderbarer Beat mit einem zurückhaltenden Freeway, womit sich der Song ausgezeichnet als Hintergrundbeschallung oder einfach zum Relaxen eignet.
DJ Noodles produziert den letzten Song "I cry", der zu den besten des Albums gehört. Dies liegt einerseits an dem halben Streich-Orchester und dem passend eingesetzten Voice-Sample, als auch den Lyrics, die die besten des Albums sind, wobei Free auch seinen muslimischen Glauben miteinfließen lässt. "When I finally realized, that they died upon the wrong religion, hope the Lord forgive 'em". So sieht ein gelungener Ausstieg aus.


Fazit:
Erwartungen übertroffen. Nachdem von den Nebendarstellern aus dem Hause Roc-A-Fella nie die großen Würfe kamen, kann man sicherlich sagen, dass Freeway sein Möglichstes getan hat. Natürlich wäre es auch noch viel besser gegangen: 50 Cent raus, mehr Tracks wie "It's over" und "I cry" rein, und dann hätte man ein sogar sehr gutes Album. Aber wer sich mit einem soliden Album mit ein paar Höhepunkten zufrieden gibt, wird in "Free At Last" genau das bekommen, zumal sich Freeway Mühe gibt, mit seiner Stimme nicht zu sehr über die Stränge zu schlagen.

Gesamtwertung: 6.5 / 10

Das EFX - How We Do


Tracklist:
01 Intro
02 Greezy
03 Full Tyme Hussle
04 Dro & Henne feat JJ
05 The Memories Remain feat Sean Paul
06 Diggy DAS
07 G Music
08 Get It Poppin'
09 Jungle feat Lovey
10 How We Do
11 East Coast Husslaz feat JJ & Un Pacino
12 Let's Get Money
13 B.S.A.P. feat Lovey

Release: 23. September 2003
Label:
CNR Records / UTR Music


Diggedy DAS sind zurück! Das wortgewandte Rasta-Duo aus Brooklyn, das sich mit seinem besonderen Rap-Stil eine eigene Nische im Ostküsten-HipHop erarbeitete findet nach ihrem letzten Album vor 5 Jahren, "Generation EFX", wieder zusammen. Skoob und Drayz servieren "How We Do", ganz ohne große Gäste.

Bevor man, wie diverse Kritiker, dieses Album zerreißt, sollte man sich seiner Betrachtungsweise dieses Albums bewusst werden. Das EFX klingen nicht mehr genau so wie vor 10 Jahren, der Sound hat sich "weiterentwickelt". Dabei ist es nicht zu leugnen, dass mit "How We Do" wirklich ein bis eineinhalb Auge(n) Richtung Mainstream geworfen werden. Deshalb ist das Album jedoch noch lange kein Teufelswerk, man sollte sich zuerst zu Gemüte führen, wie sich Das EFX bei ihrem Spagat halten.

Das Intro, mit Scratches und Samples, stellt sich ganz eindeutig auf die Underground-Seite. Wenn man dann weiterhört, stellt sich heraus, dass sich das Album durchaus ganz gut in nach Mainstream ausschlagende und solide New-York-Street-Tracks einteilen lässt. Das mit etwas unkonventionellem Beat versetzte "Greezy" gehört da eher in erste Kategorie. Auffällig ist der Chorus, der nicht so recht zu den sonst starken Rhymes passen will.

Dass ihr Leben ein "Full tyme hussle" ist, darüber klären Skoob und Drayz in selbigem Song auf. "Yo, it's been a long time coming, no time to waste / Every word mean somethin', no rhyme to waste / Right here, right now, be the time and place, for me to / Spit them lines and define my place". Der starke Beat von Nastee gibt dem Song seinen Unterbau und lässt wenig Kritik an der Beschreibung vom Leben der beiden MCs zu. "It ain't easy, this life we lead, yo it's a full tyme hussle, man it's twice your speed".

Mit "Dro & henny" produziert Skoob einen astreinen Kopfnicker, der sich auch auf Parties nicht verstecken muss. Die gesungene Hook von JJ buchsiert diesen Track mehr in die Mainstream-Schiene, die Raps können sich so oder so sehen lassen.
Sean Paul auf einem Das EFX-Release zu sehen ist sicherlich ungewöhnlich, doch wer jetzt denkt, "The memories remain" ist das auf den Club abgerichtete Zugpferd des Albums, liegt falsch. Ein geniales Voice-Sample unterlegt den ernüchternd trockenen Track, in dem Sean Paul nur für die Hook zuständig ist, sich jedoch perfekt ins Gesamtbild fügt und den Track zu einem der besten des Albums macht.

"Diggy DAS" ist eine gewagte Sache, von nicht mehr als Drums und nur im Chorus in den Vordergrund tretenden Vocals begleitet, spitten Drayz und Skoob in bester -iggedy-Manier ihre Rhymes. "Me and my dog, we giggedy-gone for the longest time / We biggedy-back, stiggedy-strap 4-4's and 9's / I'm higgedy-hustlin', constantly on the grind / Until the crib up in the hill and the Porsche is mine".
"G music" ist Party Music, und zwar, wie schon der Titel sagt, für G's. "Now what you 'bout to hear, is wiggedy-wild, I'm sayin' it loud & clear". Zwar wirklich nichts besonderes, doch auch problemlos hörbar, und kein Fülltrack. Diesen leisten sich Das EFX dann mit "Get it poppin'", auf dem erstaunlicherweise der Refrain das Beste ist, da er am geschicktesten den einfallslosen, platten Beat übertönt.

Und ebenso "Jungle", eine ruhige und ernste Nummer, ist keine Wundertat, doch immerhin recht solide. "I'm from where the days are short, and the nights are long / And when I'm stressed out, I write s aong and analyze the right from wrong / I speak for half a million, that bite like Israeli's and Palenstinian's". Natürlich sind die Klagen über die Leiden derer, die in Ghettos leben müssen, schon hunderte Male erzählt worden. Doch da sich nichts ändert, haben Tracks wie diese auch weiterhin ihre Daseinsberechtigung. "It's alotta pain in this grain that we go against / Life's a dirty game, you either play a hoe o' pimp / Weed & crack, cats be switchin' up the product / And every week or two another school gettin' shot up / Lil' niggas turnin' killa at a eraly age, sendin' other lil' niggas to a early grave / They always say that the good die young, especially in the hood I'm from". Großartig verpackt, auch wenn man sich die gesäuselte Hook von Lovey hätte sparen können.

Der Titeltrack rollt mit einem monströsen Beat an, der "How we do" auch zum besten Track des Albums katapultiert. Dieses Stück heizt ordentlich ein, ohne in irgendeiner Weise verwaschen oder weichgespült zu wirken. Drayz und Skoob geben selbst zu, dass in ihrem Interesse keine Weltpolitik liegt, sondern sie bleiben mit ihren Themen in der Nachbarschaft. "That's how it is in the dephts of hell / And the only way out is either death or jail".

"East Coast husslaz" wurde wieder von JJ mit einer Hook versehen, die jedoch besser ausfällt als auf "Dro & henny", hat mit Un Pacino außerdem eines der wenigen Rap-Features an Bord und verfügt auch über einen soliden Beat. "Y'all niggas can't fuck with us, we, straight East Coast husslaz / We get money all day, honeys all night, keep it all tight, Das EFX, the raw type". Da verkraftet man es auch, dass der Chorus nicht gerade vor Intelligenz sprüht.

In "Let's get money" findet sich ein unauffälliger, und doch sehr solider Song, der direkt auf das Guthaben des Street Cred-Konto von Das EFX wandert. Ein roher Beat und "Let's get money"-Rufe im Chorus sollten den durchschnittlichen Eastcoast-Hörer durchaus glücklich machen.
Wem das noch nicht genug war, der bekommt in "B.S.A.P." nochmals einen wunderbaren Kopfnicker, auf dem auch Lovey (mit einer guten Hook) zeigt, dass sie zu etwas zu gebrauchen ist. "All we do, is get this money". Die Themen werden zwar gegenüber dem vorangehenden Track nicht gerade erweitert (Der Titel steht für Bull-Shit and Party), doch der Sound stimmt.


Fazit:
Auch wenn das Album den Das EFX-Fan, der die alten Alben feiert, nichtmehr richtig befriedigen dürfte, ist es deshalb nichts Verwefliches. Neben einigen Ausrutschern Richtung Verkaufszahlen finden sich doch mehr als nur ein paar sehr solide Street-Tracks, was im Jahr 2003 schon nicht mehr selbstverständlich ist. Wenn man es also in Bezug zu den vielen anderen (und meist schlechteren) Alben 2003 stellt, und nicht zu den alten EFX-Werken, kann man sich mit "How We Do" durchaus zufrieden geben.

Gesamtwertung: 8.0 / 10

Nappy Roots - Watermelon, Chicken & Gritz


Tracklist:
1. Intro
2. Hustla
3. Set It Out
4. Country Boyz
5. Ballin On A Budget
6. Awnaw feat Jazze Pha
7. Headz Up
8. Slums feat DJ 'Voodo' Henry
9. Po' Folks feat Anthony Hamilton
10. Start It Over
11. Blowin Trees
12. Sholiz
13. Life's A Bitch
14. My Ride feat Ayesha Kirk
15. One Forty
16. Dime,Quarter,Nickel & Penny
17. Kentucky Mud
18. The Lounge
19. Ho Down feat Bar-Kays
20. Headz Up (Refried Remix)

Release: 26. Februar 2002
Label: Atlantic



Die Nappy Roots sind eine 6 Mann starke Truppe aus Kentucky, gegründet im Jahr 1995. Nachdem Big V, Skinny Deville, R. Prophet, Scales, Ron Clutch und B. Stille aufgrund ihrer Einzigartigkeit als Gruppe die Aufmerksamkeit diverser Labels auf sich ziehen konnten, kommt 2002 endlich das erste offizielle Major-Release in die Läden. "Watermelon, Chicken & Gritz" bietet facettenreichen Südstaaten-Rap gekleidet in dessen Country-Variante.

Denn die sechs sind zwar just some country boyz. Trotzdem gilt auch für sie ganz nach dem Motto des "Hustla": "I got to be that early bird / To grind an get what I deserve". Nachdem dieser Track gut in das Album eingestimmt hat, macht der nächste Track weiter, ein fantastischer Kopfnicker namens "Set it out", ein Party-Track mit Style. "Nappy Roots, get it up at a sold out show / Cut her to, give it up when ya tho' that dough / Don't be playin no games, what I told that hoe / Forget her name, but she gonna lemme cut that's all I know".

Das wirklich erstaunliche an den Nappy Roots ist, dass sie mit 6 Mann doch eine relativ große Formation bilden, die jedoch keine Schwachstellen aufweist. Astreine Flows, die keine Probleme damit haben entweder einen Gang zuzulegen oder in ernsteren Stücken langsam ihre Aussagen zu äußern, es ist immer ein Genuss den Jungs bei ihrer Leidenschaft zuzuhören. Eine gute stimmliche Mischung im Aufgebot kommt noch hinzu.
Und was den Sound betrifft, so zeigen sich die Nappy Roots ebenso variationsreich wie in allen Lagen absolut souverän. Die düstere Country-Hymne "Country boyz" stellt sich als bombenstarker Represent-Track direkt zwischen Party-Song und das relaxte "Ballin' on a budget", geschwängert von einem Kontrabass.

Mit Jazze Pha findet sich der einzige prominente Gast auf der Scheibe, der, Gott sei's gedankt, nur die Vocals und nicht die Produktion übernimmt, um die sich James 'Groove' Chambers kümmert. Ein Feeling, wie es Bubba Sparxxx und Timbaland nicht besser hingekriegt hätten, erhebt "Awnaw" zur Gute Laune-Hymne schlechthin. "My first song was like 48 bars with no hook / You hear me flippin through my pages out my favorite notebook / The microphone was in the closet, no headphones, we lost it" rappt ein gut aufgelegter Scales.

Auf dem Album geben sich nun die Feel Good-Tracks und die ernsten Nummern die Klinke in die Hand. Für erstere Songs gibt "Sholiz" ein treffliches Beispiel ab. Flotte Rhymes, die leicht verdaubar sind, eignen sich schlichtweg perfekt dafür, im Auto laut aufgedreht zu werden und verbreiten in bester Manier den von den Nappy Roots um die Nappy-Sparte erweiterten Country-Sound. "Whassup, my folks, sholiz?!"

Auf der anderen Seite finden sich die langsamen Nummern, die, wie in "Slums" auch etwas zu sagen haben. "Slum for a while now, country for a lifetime / Cool is what I choose to be, but that ain't what I used to be / Muddy waters couldn't drown a nigga, bloodhounds on the trail for real".
Eben hier reiht sich auch "Life's a bitch" ein, in dem in großartiger Art und Weise über das ungerechte Leben geklagt wird. "I'm tryna make ammends for all the sins that occured / The uncontrollable urge that emerged when I, snatched that lady's purse / And the, last week that I slurred, when I, cursed on every verse". Düstere Streicher und Vocals unterstreichen die unwirsche bis schwermütige Atmosphäre des Songs, die von Big V's wütenden Raps im Refrain perfekt aufgegriffen wird.

Wovon "Blowin' trees" handelt, muss gar nicht weiter erläutert werden, ein starker Beat gehört auch hier zur Standardausrüstung. Anthony Hamilton steuert zur Single "Po folks" den Chorus bei, um dem langsamsten Stück der Platte seine Würze zu geben.
Zwei streichergetragene Kopfnicker jagen sich mit "My ride" und "One forty", beide ebenso exzellent produziert wie gerappt. Da vor allem die Beats hier so einzigartig und gelungen sind, stören die wenig variierenden Themen nicht im Geringsten, was jedoch auch daran liegt, dass ein R. Prophet stimmlich so viel Charisma mit sich schleppt, dass man vorerst sowieso nicht auf die Texte achtet.

Dass die Nappy Roots all about the Benji's sind, bekennen sie in "Dime, quarter, nickel, penny", einem der besten Tracks des Albums. Anschließend taucht man in den blubbernden "Kentucky mud", das nach dem vorangegangenen Banger wieder zu den ruhigen Stücken zählt. Nach einem Party-Track, "Ho down", der nochmals köstliche Stimmung verbreitet, folgt noch ein überflüssiger Remix zu "Headz up", den man sich hätte sparen können.


Fazit:
"Watermelon, Chicken & Gritz" ist ein Unikat, das nicht mal mehr die Nappy Roots mit ihrem Nachfolger erreicht haben. Ihr Sound ist durch die Heimat Kentucky geprägt und bietet von sympathischen Gute-Laune Tracks zu Party-Banger und ernsten Nummern sehr viel mehr Abwechslung als die meisten Alben. Da den Nappy Roots jedoch alle diese Facetten bestens liegen, wirkt auch nichts auf dem Album unpassend. Alles in Allem eine Alternative aus dem Süden, die kein Kompromiss ist, und trotzdem überall Fans finden sollte.

Gesamtwertung: 9.1 / 10

Freitag, 23. November 2007

Panacea - The Scenic Route


Tracklist:
1. Intro
2. The Scenic Route
3. Flashback To Stardom feat. Raheem DeVaughn
4. Pops Said
5. Epiphany
6. Between Earth And Sky
7. Bubble
8. Square 1
9. Blue Ice
10. Walk In The Park
11. Aim High
12. Katana
13. One Shine
14. Outro

Release: 4. September 2007
Label: Rawkus



Washington D.C. stellt nicht unbedingt einen Ballraum von HipHop-Künstlern dar. Einige, dem Underground-Sound fröhnende, Artists wie in etwa Time Machine haben es jedoch geschafft, dass die Stadt kein komplett weißer Punkt auf der HipHop-Landkarte ist. Und mit Panacea findet sich ein weiterer Vertreter von HipHop aus Washington. Emcee Raw Poetic und Producer K-Murdock sind die Mitglieder dieses Duos in klassischer Aufstellung. Über das wieder lebendig gewordene Kult-Label Rawkus kommt 2007, nachdem ein Jahr zuvor das Debut "Ink Is My Drink" in die Läden kam, Panacea's Sophomore Release, "The Scenic Route".

Besser hätten die beiden ihr Album keinesfalls nennen können. Auch das Cover trifft den Nagel auf den Kopf. Eine grüne Sommerwiese, ein Laubbaum und schräg einfallende Sonnenstrahlen, hier führt die "Scenic Route" entlang, die Raw Poetic und K-Murdock per Spielkonsole beschreiten. Die knallharten Drums, trockenen Snares und düsteren Street-Raps darf man anderswo suchen, wer diese landschaftliche Reiseroute betritt, taucht ein in K-Murdock's Sound-Kulisse.

Diese ist harmonisch, atmosphärisch und vor allem relaxed. "In life, there exists people whose imaginations are so wildly vivid, that they often confuse what is reality with what is in fact fantasy. This is the story of these people, a story of a man who dreams awake". So lautet das Intro, das dann nahtlos eintaucht in "The scenic route", den Titeltrack. Und diese Route legt besonderen Wert auf ihr Adjektiv, dementsprechend sind es hier die Beats, die im Vordergrund stehen. Raw Poetic verfügt zwar über ein zweifelsohne ausgeprägtes Rap-Talent, doch hier wird nicht zur Revolte aufgerufen und auch nicht die Weltpolitik kritisiert.

Das Album nimmt nun seinen locker-leichten Lauf. Man könnte sogar soweit gehen und sagen, dies sei das wohl harmloseste Album des Jahres, es könnte unmöglich einer Fliege etwas zu Leide tun. In gewisser Weise ist das natürlich gar nichts Schlechtes. Doch es stellt sich auch heraus, dass der Chill-Faktor nicht immer konstant hoch gehalten wird, und sobald das der Fall ist, wird aus Entspannung Langeweile.
Doch dem ist nicht oft so, denn K-Murdock sorgt mit extravaganten, spacigen Produktionen für gute Abwechslung. In "Pops said" beispielsweise wechseln sich Snare-Drums mit elektronischen Klängen und von Zeit zu Zeit auch Scratches, ab.

Ein wunderbares Beispiel für den etwas anderen Sound ist auch "Between earth and sky". Und in der Tat befinden sich die flotten Drums und die markante Querflöte irgendwo außerhalb dieser Erde, so scheint es auf jeden Fall. Genau hier, wenn das Album experimentell wird, und das mit Erfolg, hat es seine besten Momente. Auch die sehr schnellen, sich nicht in den Vordergrund stellenden Raps, passen wie angegossen.

Schlechteste Nummer ist "Katana", was schlichtweg in die Sparte "Langeweile" fällt, jedoch damit recht alleine auf dem Album steht. Zu den ebenfalls unspektakuläreren Nummern zählen "Aim high" (was jedoch dank großartiger Hook trotzdem Hörspaß bietet) und "Blue ice".
In sympathischen und charakteristischen Nummern wie "Walk in the park" oder "One shine", die sich gut als "Feel Good"-Music zusammenfassen lassen, da sie einen herlichen Flair verbreiten, können die beiden Protagonisten (entsprechend ihrem Cover-Videogame) dicke Punkte sammeln . Und nach 12 Tracks (fast durchgängiger) guter Laune verabschiedet sich das Album mit den Worten: "Thanks for listening, stay tuned and keep dreaming".


Fazit:
Man sollte dieses Album nur einwerfen, wenn man wirklich in der Stimmung zu relaxtem Sound ist, oder ebendiesen Zustand erreichen will. Denn Panacea schaffen es mit nur einem einzigen Gast (Raheem DeVaughn), ein sehr stimmiges Album aufzustellen, dem in Sachen Entspanntheit wohl kaum ein Album dieses Jahr etwas vormachen dürfte. Doch genau das ist das Problem, das Album wirkt manchmal schlichtweg zu locker, fast schon langweilig ungefährlich. Trotzdem dürfen alle, die dieser Art Musik gegenüber positiv eingestellt sind, ruhig "The Scenic Route", zusammen mit Panacea, beschreiten.

Gesamtwertung: 7.1 / 10

Knoc-Turn'al - Return Of The Hustler


Tracklist:
1. Return Of The Hustler (feat. Soup, Tree Dog, & Jazmine)
2. Gansta Ways (feat. LiL T & Lord Lucky)
3. You A Bopper (feat. Aziz & Macguiness)
4. I Stay Swerning (feat. J-Peace & Macguiness)
5. Up In L.A. (feat. Maintain & Krown City)
6. Four Season's (feat. Soup, Tree Dog, Wes, & Lord Lucky)
7. Dirty Money (feat. Lord Lucky & John)
8. The Donkey Donk (feat. Macguiness)
9. Get Up On It (feat. Lord Lucky & LiL T)
10. My Dream
11. Inspiration (feat. Maintain, Krown City, & Jessica)

Release: 17. Januar 2006
Label: Sonic Wave Intl.



Knoc-Turn'al hatte als Ghostwriter von Dr. Dre und mit seinem Hit "The Knoc" eine schöne Karriere vor sich. Nachdem sein Debut "Knoc's Landin" jedoch nicht veröffentlicht wurde, folgte nur die "L.A. Confidential EP", die auch seinen Hit vom Transporter-Soundtrack, "My muzik", enthielt. 2004 erst konnte man sich dann über ein Soo-Album freuen, "The Way I Am". Mit Gastauftritten von Snoop Dogg, Xzibit, Nate Dogg und Warren G war die Platte sicherlich ein ordentliches Stück Westcoast. 2006 kommt der Nachfolger, "Return Of The Hustler", auf den Markt.

Und mal ganz abgesehen davon, dass das Album eines der hässlichsten Cover, die je ein HipHop-Album zierten, besitzt, ist "Return of the Hustler", um die Kernmessage vorwegzunehmen, das totale Disaster. Man sollte nicht von den Features auf die Qualität des Albums schließen, doch anscheinend gilt das für Knoc schon, denn mit Snoop & Co. war er besser dran.
"You are now tuned in to the greatest MC of all time" wagt Knoc doch tatsächlich in "You a bopper" zu behaupten. Die Aussage ist ungefähr so wahr wie das Cover schön ist. Rein garnichts, was auf "The Way I Am" für den ein oder anderen Kracher gesorgt hat, ist hier wiederzufinden. The Bubble Monkeys, die die Produktion in die Hand nehmen, haben durch die Bank weg nichts anderes zu bieten als platte, einschläfernde, oberflächliche Beats. Da hilft auch keine Live-Band im letzten Track.

Ebenso wenig ist es eine Entschuldigung, dass dieses Album kein richtiges Album ist, sondern Spuren einer Compilation ausweist. Unterm Strich rappt Knoc-Turn'al, wenn er überhaupt auftritt, was nicht auf jedem Track der Fall ist, sehr wenig, den Rest erledigt die Horde an Features.
Doch wenn er dann am Mic ist, klingt Knoc alles andere als hungrig, auf Monster-Tracks wie "My muzik" scheint eine andere Person mit dem selben Namen gerappt zu haben. Das widerliche Gesäusel in "Gangsta wayz" hat mit Rap herzlich wenig zu tun, in etwa so viel wie der unspektakuläre Versuch eines Club-Bangers in "The donky donk".
Nicht minder schlimm ist "I stay swerning", in dem man sich nervtötendem "Gesang" (wobei schon dieses Wort zuviel Positives in sich birgt) aussetzen muss.

Wo sich Knoc-Turn'al seine "Inspiration" holt, da sollte man einen großen Bogen drum herum machen. Ob Knoc rappt oder einfach spricht, ist nicht genau definiert. "I tell you the truth, I don't love no phonies. Don't love gimmicks, don't like no games". Na wenn das mal keine Offenbarung ist.
Noch schlimmer ist, dass die Tracks auch noch alle in der gleichen Sound-Pampe schwimmen, beim schnellen durchskippen würde teils nicht mal auffallen, dass man bei dem nächsten Track angelangt ist, da sogut wie alle mit vielen unfähigen Features, schlechtem Gesang (bzw. Gedudel) und flachen Beats ausgestattet sind.

Die einzige wirkliche Freude an dem Album ist die Tatsache, dass es nur aus 11 Stationen besteht, wer also nicht schon mittendrin das Handtuch wirft, hat keine allzulange Hörqual vor sich. Und es finden sich sogar zwei Tracks, die nicht sofort "Skipp mich!" rufen. "Up in L.A." wäre da einerseits zu nennen, auch wenn es nicht viel öfter als einmal unterhaltsam ist. Und der beste Song des Albums ist "My dream", eine sehr ruhige Nummer, die nicht wirklich hochkarätig, doch immerhin ganz passabel ist.

Fazit:
Hier reicht ein Wort: Sondermüll. Schlaffe Produktionen, von denen es keine vermag, auch nur irgendwie hängezubleiben, untermalen stinklangweilige, wenig potente Raps. Zu sagen, Knoc-Turn'al könne das eindeutig besser, erübrigt sich, denn wer Knaller wie "My muzik" auf seinem Konto stehen hat, kann mit diesem Album nur eines tun: Sich in die Ecke stellen und sich schämen.

Gesamtwertung: 1.7 / 10

Donnerstag, 22. November 2007

DJ Muggs - Presents: The Soul Assassins (Chapter I)


Tracklist:
1. The Time Has Come
2. Puppet Master - Dr. Dre & B Real
3. Decisions, Decisions - Goodie Mob
4. Third World - RZA & GZA
5. Battle of 2001 - Cypress Hill
6. Devil in a Blue Dress - LA The Darkman
7. Heavy Weights - MC Eiht
8. Move Ahead - KRS-One
9. It Could Happen to You - Mobb Deep
10. Life Is Tragic - Infamous Mobb
11. New York Undercover - Call O' Da Wild
12. John 3:16 - Wyclef Jean
13. Runnin' Wild - Soul Assassins Music & Call O' Da Wild

Release: 4. März 1997
Label:
Sony / Columbia



Zumindest in Beziehung zu Cypress Hill sollte DJ Muggs jedem ein Begriff sein, da er nach B-Real der wohl bekannteste der Truppe ist. Im Jahr 1997 lädt Muggs eine ganze Reihe von hochkarätigen Gästen ein, um ihm auf seinem ersten eigenen Album Gesellschaft zu leisten. "The Soul Assassins" ist ein Producer-Album mit vielen Gesichtern.

Bei Gästen von West, Ost und Süd ist Abwechslungsreichtum Programm. Und bei den Namen, die hier fallen, darf jedes Producer-Album aus der jetzigen Zeit neidlos auf die Knie fallen. Im ersten Song beispielsweise gibt es Westcoast Sound vom Allerfeinsten mit Dr. Dre und Cypress Hill-Kollege B-Real. Die beiden sind die "Puppet master"s, welche die Fäden ziehen. "We're pullin strings, killin kings / Countin all pinky rings, seizin control of the whole game / I took a pull from the blunt, inhaled it / Blew the smoke from my lungs into the world of Hip Hop", so ein bestens aufgelegter B-Real.

Danach geht es nach Atlanta, gateway of the south. So fein die beiden Westcoast-Meister auch ihre Puppen haben tanzen lassen, wenn Goodie Mob über einen langsam gezupften Beat über "Decisions, decisions" rappen, dann schreit dieser Song nach Klassiker. "The battles no longer physical, its from within / You live to die and you die to live again / But you cant win for losing, what sides are you choosin?". Vor allem Cee-Lo, heute bekannt als fröhlicher Hook-Trällerer und zusammen mit Danger Mouse in abtrakten Welten unterwegs, rappt sich hier rauchig und dreckig die Seele aus dem Leib. "Let your eyes close to what your contract shows / And fine print, they gotta get back every cent you spent / You content cause, you do what everybody does / The industry that change you from the person you was".

Damit es nicht langweilig wird, führt der nächste Song ins einzige Shaolin-Kloster New Yorks, in dem man von den Äbten RZA und GZA empfangen wird. Ein dreckiger Beat, eingeleitet von Gewehrfeuer und Funksprüchen, begleitet den Hörer in die "Third world". Dass man von GZA ein paar messerscharfe Lyrics erwarten kann, versteht sich von selbst: "Still branchin off the tree that sparked any MC / And the fool that fell far was the righteous / It was Cypress, let the media hype this / Promotion niggas snipe this".

Nach einem ausgezeichneten "Battle of 2001", in dem sich B-Real als Kommandeur von feindlichen Truppen überrant sieht, geht es zurück in die Wu-Tang Gefilde. LA The Darkman bekommt einen Solo-Track, was er zu schätzen weiß. "Devil in a blue dress" könnte von der großartigen Atmosphäre her auch von seinem eigenen Solo-Album stammen. "I know that money bring bitches and bitches aren't to be trusted / Some rappers sniff coke and others be gettin dusted / City lights, a minute with new books to read / I feed my man lock down, my physicals and my seeds". Sehr starker und trotzdem relaxter Kopfnicker.

Ohne Umwege geht es dann wieder direkt nach Los Angeles, um dem MC Eiht zuzuhören, der über die "Heavy weights" seiner Crew aufklärt. Einwandfreies Stück, das jedoch gegen die nächste Eastcoast-Nummer wieder klar den kürzeren zieht. Prediger KRS-One zeigt sich in "Move ahead" in Bestform. Nachdem gepitchte Vocals immer wieder Eastcoast - Westcoast wiederholen, setzt Muggs' Piano ein um Platz für KRS's Raps zu ebnen. Diese sprechen sich klar gegen die Küsten-Fehde aus, wobei sich KRS in großartige und sehr treffliche Worte kleidet: "For the hip-hop nation, yet our hope, your scope / Is broader than who can kill who and who got the biggest crew? / Thats why black people cannot seem to break through / Its like crabs in a pot when one crab reaches the top / Other crabs wish to pull down and blood / Im not understandin whats all the fuss / Hip-hop belongs to all of us / The East created it, the West decorated it / Learn the lesson, the unified picture is black expression / When black expression heights itself / It becomes black digression leadin to depression in health". Und letztendlich kommt KRS zu dem Schluss: "We got no one to blame but ourselves".

Es folgt gleich der nächste Klassiker, wobei man jetzt erst mal im Osten verweilt. Mobb Deep, die sowieso alles, was sie zu dieser Zeit anfassten, zu Gold machten, bekommen einen wunderbaren Beat für "It could happen to you", der mit entsprechend gutem Reality Rap gewürdigt wird. Darauf gibt es einen der ersten Auftritte der Mobb Deep-Ableger Infamous Mob als komplette Gruppe. "Life is tragic" ist fast noch besser als der Song ihrer QB-Nachbarn. "But we trapped on this planet til the day that we die / Aint no way to escape, sight from my twin eye / Above my unlaw, juice from the wines / Far side only to see with mobb eye". Ein damals schon Stimmband-raspelnder Twin Gambino rappt sich ins Gedächtnis des Hörers.

Call O' Da Wild ist einer der Artists, die einmal auftauchen, um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden. Doch den Auftritt, den er auf "New York undercover" hinlegt, vergisst man so schnell nicht, was hauptsächlich an Muggs' sensationellem Beat liegt, einem wahren Diamanten, der nach Östküste klingt und sich auch mit jedem Eastcoast-Beat messen kann. Dank dieser Produktion (wohl der besten des Albums) rangiert der Song zum versteckten Höhepunkt des Albums, in dem auch die Lyrics schnell hängenbleiben. "It's all thorough, one city, five boroughs / Associated with interlockin sub tunnels / New York's undercover".

Nicht müde, charakteristische Songs zu schustern, tut sich Muggs mit Fugee Wyclef Jean zusammen, der "John 3:16" serviert. Wyclef baut seine eigene Bibel, und der Vers lautet: "What do you mean, John 3:16? / For God so loved the world, every man packs an M-16". Ebenfalls ein Song, den man nicht wieder vergessen wird.
Ein Bonus Track (auf der European Version) findet sich in "Runnin' wild", nochmals mit einem astreinen Beat ausgestattet und mit Raps von Call O' Da Wild ausgestattet. Gelungener Ausstieg.


Fazit:
Bombige Beats, noch bessere Rhymes. Die verschiedenen Rhyme-Talente geben dem Album die Würze, die Mugg's Beats benötigen, um jedes Mal so ausgezeichnet zu klingen, wie es hier der Fall ist. Sowohl Westcoast- als auch Eastcoast-Liebhaber werden hieran Freude finden. Großartiges Teil.

Gesamtwertung: 9.0 / 10


Mittwoch, 21. November 2007

TomC3 & Prince Po - Saga Of The Simian Samurai


Tracklist:
01. The Saga Begins
02. Saga of the Simian Samurai
03. Roota to the Toota
04. Lessons in Drama
05. Candy
06. Now and Then
07. Apocalyptic Medicine (feat. Motion Man & Kool Keith)
08. Choose
09. Speak
10. Bad Brainz
11. Land of Perfect
12. I'm Hatin
13. Can't Stop Won't Stop (feat. A.G.)
14. Rockland (feat. Del The Funky Homosapien)

Release: 6. November 2007
Label: Threshold Recordings



Ab und an beschert das HipHop Game der Welt einzigartige Underground-Kollabos. Genau das ist auch hier passiert. TomC3, bekannt durch seine Producer-Arbeit im Project Polaroid und Prince Po, ehemals Prince Poetry und zusammen mit Pharoahe Monch als Organized Konfusion bekannt schließen sich zusammen und nehmen dieses Album auf, das sich mit "Saga Of The Simian Samurai" schon mal einen der, wenn nicht den, originellsten Titel des Jahres sichert.

Das Album ist eines dieser Stücke, die ganz sicherlich äußerst wenig Beachtung finden werden, um dann in ein paar Jahren von Underground-Liebhabern als Geheimtipp gehandelt zu werden. TomC3 fährt teils grandiose Produktionen auf, und was weitaus beachtlicher ist, meist äußerst abwechslungsreiche. Doch da man sich im Rockland befindet, muss man, wenn man die Beats kategorisieren will, zugeben, dass TomC3 sehr oft die E-Gitarre auspackt, um die flotten Rhythmen damit zu schmücken.

Prince Poetry zeigt sich auf Seiten des Microphones in Top-Form. Sein Wortsalven passen sich, wie beispielsweise in "Roota to the toota", perfekt den Drums an, während Po auffordert: "Get on yo grind!". An manchen Stellen des Albums hat Seine Stimme und sein Flow etwas von einer Mischung aus Cilvaringz und dem Last Emperor, was im Outcome großartig klingt.

"I discovered evidence, of a simian culture, that existed long before the sacred scrolls were written". Mit diesen Worten aus "Planet of the Apes" startet das Album in "The saga begins". Der anschließende Titeltrack folgt mit herben Drums und, wie fast das ganze Album, zügigem Tempo. TomC3 lässt keine Zeit, um zur Ruhe zukommen, die meisten Track bewegen sich unter 3 Minuten Spielzeit, und so folgt ein frischer Beat schnell dem nächsten.
Eine der wenigen ruhigeren Nummern ist "Lessons in drama", in dem sich mit einem tiefen Horn und Kopfnicker-Drums ein exzellenter Track findet.

"Candy" handelt weniger von den Süßwaren, die sich Po im Laden kauft, als von jenen, die er abends in Bars und Clubs aufgabelt. Inhaltlich ebenfalls großartig ist "I'm hatin'", in dem Po sich als straight up hatin bekennt. "...hate it when people cough, don't cover their mouth / Hate when homies get lost, tryin' a new route / Hate it when you gotta shit, but don't know where". Hoher Unterhaltungsfaktor garantiert.

Ansonsten bewegt sich das Album mit Tracks wie "Speak" oder "Choose" in funkigen, zusammen mit Tom's Kollegen Motion Man und Kool Keith auf "Apocalyptic medicine" in düster-dramatischen, und mit Diggin In The Crates-Altmeister A.G. und "Can't stop, won't stop" in freshen, rockigen Gefilden. Trotzdem hat alles die persönlich Note von TomC3, sodass das Album eine geschlossene Einheit bleibt. Perfekt abgerundet wird so eine Sache mit Hieroglyphics-Exponat Del Tha Funkee Homosapien. "Welcome to Rockland!"

Fazit:
HipHop, bzw. dessen Underground braucht definitiv mehr frische, abwechslungsreiche Alben wie dieses. Wenn auch noch in Zukunft MCs, die von manchen Hörern schon zum alten Eisen abgestempelt wurden, relevant bleiben wollen, müssen sie es Prince Po gleichtun, der zu dieser Sound-Kulisse so fresh wie selten ein MC in letzter Zeit klingt. Allerdings kann man auch bei einem Album wie "Saga Of The Simian Samurai" nicht in grenzenlose Schwärmerei verfallen, denn das wäre übertrieben. Es finden sich durchaus die ein oder andere Produktion, die nach mehrmaligem Hören zu nerven beginnen. Trotzdem kann man sich, sofern man für etwas Abwechslung bereit ist, die 40-minütige "Saga Of The Simian Samurai" bedenkenlos geben.

Gesamtwertung: 7.5 / 10

Cormega - Who Am I?


Tracklist:
01. Sleep Well (Ft. Dwele)
02. 718 (Ft. Lil Fame)
03. Use Mad Clips (Ft. Styles P)
04. Lookin' At It (Ft. Jacka, Keak Da Sneak & Yukmouth)
05. Ryder Muzik (Ft. Tragedy Kadafi)
06. Throwback Homie (Ft. Hejaz)
07. Who Am I Exclusive (Ft. AZ & Nature)
08. What Mobsters Do (Ft. Husalah, Unda P & Fed X)
09. Stuntin Remix (Ft. Hell Rell)
10. Shade 45 Skit
11. Time (Ft. Ransom & Nicole Wray)
12. The Rap Game (Ft. Little Brother)
13. Triboro (Ft. Dead Eye, Ron Smack & Bags)
14. Live From The Caves (Ft. Donnie Castro, Sick Jacken, Cynic Of The Psycho Realm & Sick Symphonies)
15. King Me (Ft. Agallah)

Release: 20. November 2007
Label: Legal Hustle Entertainment



Die Queensbridge war schon immer ein Pool, aus dem viele großartige MCs ihren Weg in die Rap-Welt gefunden haben. Einer davon ist Cormega. Vielen nur bekannt durch den Beef mit Nas und nochmals Anderen gar nicht bekannt zählt er sicherlich zu den "most underrated", und das nicht nur aus der Bridge, sondern aus ganz New York. Seine ersten beiden Alben gelten vielen als QB-Klassiker. Dann kam ein "Legal Hustle"-Album und "The Testament", die beide nicht mehr so in den Himmel gelobt wurden. Viel schlimmer jedoch ist, dass es seitdem um Cormega ruhig geworden war. Ein neues Album war und ist zwar angekündigt, es ist jedoch frühestens nächstes Jahr zu erwarten. In der Zwischenzeit kommt "Who Am I?", eine DVD über Mega, mit allem möglichem ungesehenen Material, unter anderem auch unveröffentlichten Videos. Passend dazu gibt es diesen Soundtrack.

Ja, das ist ein Soundtrack. Kein Album. Mega selbst ist fast auf der Hälfte der Tracks nicht vertreten, was eindeutig für den Begriff Soundtrack spricht. Und bei Features wie den Mob Figaz, Yukmouth, Keak Da Sneak oder Hell Rell bekommt der Cormega-Fan erstmal einen gehörigen Schreck. Solche Namen werfen die Frage auf, ob Mega überhaupt noch seinem Sound treu geblieben ist, was unter den Fans Ängste, Schrecken und noch mehr Fragen heraufbeschwört.

Doch man sollte die Sache erstmals langsam angehen. Wie gesagt: Diese Platte sollte unter keinen Umständen als Mega-Album gewertet werden. Und auch nichr damit verglichen. Man darf sich höchstens die Frage stellen, wieso er Bay-Artists auf seinen Soundtrack holt (Wahrscheinlich wegen seines Trips dorthin).
Und dann gibt es ja immerhin einen Track, auf dem Cormega ganz alleine rappt, das gleich zu Beginn startende "Sleep well". Und hier darf dem Eastcoast-Fan ruhig das Herz aufgehen. Erstaunlich, dass die Heatmakerz, ihres Zeichens mit Dipset in Verbindung gebrachtes Produzenten-Duo und bekannt für oberflächliche Beats mit Club-Tauglichkeit, überhaupt zu einem solchen traumhaften Beat fähig sind. Anscheinend schon, denn dieser Track ist der Beweis. Während im Hintergrund die Vocals vor sich hin summen und Dwele einen starken Chorus abgibt, flowt Mega in gewohnt guter Weise und tätigt Aussagen wie: "You got the game backwards, these lame rappers / Wear fake jewelry and say whack shit / Wouldn't bust a U-turn but claim they blastin / And when beef's on, the heat's drawn, they passin". In dieser Beziehung bleibt also alles beim Alten.

Da dieser Soundtrack sowieso keinen wirklich erkennbaren roten Faden aufweist, was aber auch gar nicht nötig ist, sei hier der zweite typische QB-Track vorgezogen. "Who am I? exclusive" (auch bekannt als "Professional style") bietet mit AZ und Nature als einer der wenigen Tracks wirklich die Features, die man sich von Mega erwartet hätte. Der grandiose Beat von Alchemist, der laut Cormega "Raw meat" ist, bietet die passende Grundlage für einen der besten Songs der Scheibe. Auch die beiden Gäste liefern eine starke Leistung ab, wie z.B. Nature mit seiner ersten Line: "Nature the juggernaut, blunts banana-rap / Somethin' like a runningback, I keep y'all niggas runnin' back".

Natürlich finden sich auch andere Gäste aus dem Big Apple. M.O.P.'s Lil Fame, alias Fizzy Womack produziert und rappt auf "718", das mit seinem Sample ebenfalls sehr gelungen ist.
Tragedy Khadafi's "Ryder muzik" ist schon von seinem eigenen Solo-Album dieses Jahres bekannt, und auch wenn der Track hier zum obersten Durchschnitt gehört, drängt sich doch die Frage auf, wieso Mega einen der schlechteren Tracks von "The Death Of Tragedy" für seinen Soundtrack wählt. Abgesehen davon, dass die meisten Mega-Fans durchaus auch Khadafi-Fans sind, und somit den Track sowieso schon kennen. Trotzdem muss die beste Line des Tracks hier zitiert werden: "You ain't never lived this life, you just playin' a part / This is a art, I don't write, I recite from the heart". Damit hat Tragedy vielen Artists auf diesem Soundtrack etwas voraus.

Ein weiteres sauberes Stück Eastcoast ist das Emile-produzierte "Use mad clips", bei dem Mega zusammen mit LOX-Mitglied Styles P spittet. Nun zu "Lookin at it". Produziert von RobLo von den Mob Figaz, als Rapper gibt es Yukmouth, Jacka und Keak Da Sneak. Auch wenn der Track durchaus recht gut hörbar ist (nicht zuletzt wegen einem starken Yukmouth) wirkt er immer noch etwas unpassend. Gleiches gilt auch für "What Mobsters do", wieder von den Mob Figaz.

Agallah The Don Bishop ist mit 2 Beats am Album beteiligt, einer davon nennt sich "Stuntin' (Remix)", mit Raps von Mega und Hell Rell und einem Chorus von Juelz Santana. Der Synthie-Beat ist typisch Agallah, kann jedoch gut gehört werden ohne langweilig zu werden. Sogar die Dipset-Auftritte fügen sich gut ein.
"King me" ist von und mit Agallah allein, der Rau-Hals liefert einen für sich typischen Song ab, der auch recht gelungen ist. "Rap's a league, I'm in the mist of it / The game is cold blooded, but you still love it".

Es fehlt noch der Großteil des letzten Drittels des Albums. Little Brother geben sich auf einen schwerverdaulichen Khrysis-Beat die Ehre, "The Rap game" ist ein erste-Sahne Justus League-Kopfnicker. Dem folgt ein solides "Triboro" von 3 unbekannten Gesichtern, die jedoch eine recht gute Figur machen.
Die Psycho Realm Ecke hat auch etwas zu sagen, und das hört sich auch noch verdammt gut an. "Live from the caves" ist klar in die Banger-Kategorie einzuordnen. "I ain't from round here, the fuck, are you? / Let me snatch up your gorceries and eat your food".
Nun noch etwas Rüge. Einerseits zu dem einfallslosen "Time", dessen Beat vollkommen langweilig vor sich hineiert, während Nicole Wray's Vocals ganz und gar nicht ins Gesamtbild passen wollen (was nicht heißt, dass sie schlecht wären).
Viel schlimmer jedoch ist das Interlude "Throwback homie". Die stümperhaft vorgetragenen Acapella-Rhymes eines lispelnden Vogels namens Hejaz lassen sich wohl nur mit irgendeinem nicht offensichtlichen tieferen Grund erklären, stellen aber in jedem Fall eine Verbal-Qual dar. Dafür wurde die Skip-Taste gemacht.


Fazit:
Auch wenn man anfangs sehr abgeschreckt von dem Album sein mag, sollte man ihm auf jeden Fall eine Chance geben. Denn Cormega hat es geschafft, trotz der verschiedensten Rapper und Producer ein solides Outcome zu kreieren, das sich als Soundtrack sehen lassen kann. Es ist zwar schade, dass Mega selbst so wenig auftaucht, doch er hat es mit "Who Am I?" geschickt angestellt, dass man ihn nicht vergisst und gleichzeitig gespannt weiter auf ein hoffentlich nicht erst in zwei Jahren erscheinendes neues Album wartet.

Gesamtwertung: 7.1 / 10

The Black Market Militia - Black Market Militia


Tracklist
01 Intro Children of Children feat Jr. Oscar Brown
02 Thug Nation
03 Mayday!
04 Audobon Ballroom feat Dead Prez & Savoy
05 The Struggle
06 Hood Lullabye
07 Gem Star's
08 Righteous Talk
09 The Final Call feat Abiodun Oyemole
10 Dead Street Scrolls
11 Paintbrush
12 Black Market
13 The Breath of Life
14 Think Market

Release: 22. März 2005
Label: Nature Sounds



Im Jahr 2005 erscheint über Nature Sounds ein äußerst interessantes Album. The Black Market Militia. Ein Supergruppe, die aus dem aus QB stammenden Tragedy Khadafi, drei Wu-Tang Killa Beez in Form von Killah Priest, Hell Razah und Timbo King, und letztendlich dem Newcomer William Cooper aus New Jersey zusammengesetzt ist. Sie bilden zusammen eine Truppe, die mit ihrem Debut über die durchschnittlichen Themen eines Rap-Albums 2005 hinaus blickt.

Bis auf den unbekannten William Cooper sind die anderen vier ja alles andere als Neulinge im Geschäft. Killah Priest gehört zu den bekanntesten Ästen, die je aus dem Wu-Tang Baum entsprossen sind (und sich zeitweise auch vollkommen davon gelöst haben). Hell Razah konnte schon früh mit den Sunz Of Man Aufmerksamkeit erregen und Timbo King ist durch die Royal Fam, United Kingdom, die Maccabeez und viele Features ein fester Bestandteil der Killa Beez.

Alle diese Emcees haben schon immer mit religiösen Themen sympathisiert, alle können sich wohl als 5-Percent-beeinflusst betrachten, während auch alle drei abrahamitischen Religionen immer wieder Einzug in die Texte eines Killah Priest oder Hell Razah finden. Und daneben findet man sowohl bei Tragedy als auch bei den Wu-Tangern politische Themen:, von Verschwörungstheorien bis zu Innen- und Außenpolitik, und natürlich dürfen auch die Klagen an die amerikanische Gesellschaft für die Armut in Ghettos etc. ebenso nicht fehlen.
An dieser Stelle stehen also die 5 Emcees, und genau das darf man sich auf "Black Market Militia" auch erwarten. Nature Sounds hat sich seit 2004 als ein Zuhause von HipHop genau dieser Art entwickelt, somit ist das Label perfekt gewählt, und auch die Beat-Wahl stimmt mit dem Konzept des Albums überein.

Das Intro, "Children of children", wird gesprochen von Oscar Brown Jr., der aufgrund seines Alters mit seiner Stimme genau die richtige Person für diesen Job ist. Da dieses Intro schon so unglaublich stark ist, und das Anliegen des Albums sehr gelungen ausdrückt, sollte es in seiner ganzen Länge zitiert werden:
"The children of children, by the time they’re half-grown, have habits, like rabbits, and young of their own.
The children of children, from their mommas’ laps, hop down to the ground, to be taken in traps.
The children of children are trapped by dark skins, to stay in and play in, a game no one wins.
The children of children, while still young and sweet are all damned and programmed, for future defeat.
The children of children are trapped by adults, who failed them, then jailed them, to hide the results.
The children of children, unable to cope with systems that twist them, and rob them of hope.
The children of children, the sin and the shame, keep pairing and bearing, and who do you blame?
The children of children cry out everyday, they beg you for rescue and, what do you say?"

Großartig.

Das Producer-Team Godz Wrath ist mit 4 Beats am häufigsten auf dem Album zu hören, so geht auch der erste Track, "Thug nation", auf ihre Kappe. Und damit eröffnet sich, was einen Eastcoast-Fan erfreut: hier hält man sich nicht lange mit Kompromissen auf, das Album ist eine reine Tour straighter HipHop, mit einem leichten Beigeschmack Mid-90s. Tragedy Khadafi erklärt dann den Zweck der BMM: "Black Market Militian is revolution, the mission is / Free the minds of our listeners, resurrected with militance", während Priest in seinem Verse das Project Manual aufstellt, dass aus 4 Regeln besteht, wobei Regel 4 so klingt: "Rule 4: There are no more rules, cash rules" und Regel 2: "Rule 2: Find out who's who / See Judas hung around Jesus, you don't want the same thing to happen to you". Sehr gelungener Einstieg.

die BMM muss nicht mal besonders laut oder aggressiv werden, mit Beat-Unterstützung, in diesem Fall von Ben Varges, fliegen die Fäuste ganz automatisch nach oben. Denn nur solange die Messages in geniale Kopfnicker wie in "Mayday!" gewickelt sind, ist man auch gewillt, ihnen zuzuhören. Ob man Hell Razah mit seiner tief-monotonen Stimme und seinen Predigten Glauben schenkt, ist eine ganz andere Sache. "Welfare, got a respect for my moms / I found out, George Bush was the same as Saddam / I'm a digital bomb, downloaded on the CD-ROM / Before Muhammed and the Holy Qu'ran, an Egyptian God". Nicht immer zusammenhängend machen diese gerappten Formeln immer noch ordentlich Spaß beim Hören. "When I write, the angels cry, tears fall out of the sky / Hit the earth, take human form and fly".

Es ist nicht besonders verwunderlich, dass auf dieser Polit-Kombo ausgerechnet die politisch ebenfalls sehr aktiven Black Supremacists M-1 und Stic.Man alias Dead Prez treffen. "I hold my marker, like Huey P. held his revolver". Und da darf die Referenz zu den Black Panthers natürlich nicht fehlen. Trotzdem ist "Audobon ballroom" aufgrund eines nur soliden Beats bei den schlechtesten Tracks dieses Albums anzuordnen.

Woraus "The struggle" besteht, erklärt der Chorus recht anschaulich: "Get that money, money, money, y'all / Support the struggle with your hustle, y'all / We need enough guns, 'nuff funds, 'nuff weed / Till y'all could burn, listen till our sadeed". Die sich darin aufspannenden Widersprüche seien mal außer Acht gelassen, Message ist, dass Hustling auch für die BMM absolut notwendig ist. Tragedy gibt später noch ein interessantes Statement ab: "Now I ain't racist, I'm just try'nna tell you what the case is / Feelin' discrimination, when I walk in different places". An dieser Stelle wünscht man sich dann ebenfalls eine Stellungnahme von den vorher zu Gast gewesenen Dead Prez, die das wohl etwas anders sehen würden.

"Hood lullabye"
hat wieder einen absoluten Klassiker-Beat, wobei das Schlaflied aus der Hood natürlich alles andere als nett und fröhlich klingt: "Inside a hood, here's fiends / Young teens, wanna look like the magazines, O.G.'s with M-16's / Hear the story, later, upstairs, a baby's cryin' / Cause her mom's upstairs fryin'", so Timbo King.
Auch "Gem star's" ist ein absoluter Kracher, ein gepitchtes Voice Sample begleitet den fantastischen Beat. Die Raps drehen sich diesmal wie schon im Track zuvor wenig um höhere Politik, als mehr um das Leben im Ghetto. "Hot lead bust through iron pipes / Blood drips from the corner of young thug's mouth, the hood life / His torn flesh, and his last bit of breath / Pulses, over death flesh, homicide hover like vultures". Tragedy zeigt, dass er ein unbestreitbares Talent für diese Stories besitzt.

Im "Righteous talk" hört man Timbo King, Killah Priest, und einen alten Mann ein Gespräch führen, dass sich um die Definition des Wortes Gangsta ("To me, Malcolm was a gangsta / Like Huey P Newton, now that was a gangsta, Timbo") dreht, und ansonsten auch die BMM nochmals definiert. Wer die Producer-Credits liest, wird hier den Namen Bronze Nazareth vorfinden. Der zu diesem Zeitpunkt noch recht unbekannte Name steuert langsame, zeitlose Musikuntermalung bei, die sein außergewöhnliches Producer-Talent zwar nicht erahnen lässt, jedoch trotzdem sehr auf das Album passt. Timbo lässt es sich nicht nehmen, selbst noch ein paar Lines zu spitten, die durch und durch vor Verbitterung und Kritik triefen. "Education got the youth, like, fuck next period / Rather slang rocks, that's it, period".

Die nächste Nummer lässt schon mit dem Titel "The final call" etwas besonderes erahnen. Unter die Haut fahrende Streicher und ein im Hintergrund summender Chor garantieren Gänsehaut-Feeling, während Abiodun Oyewole von den Last Poets seine prophetenhaften Ankündigen vorträgt. "This is a final call, a final message / To those who think they know, and those who don't want to know / A damn thing". Doch zuvor gibt es äußerst starke Raps von Killah Priest und Tragedy zu hören: "To all races, faces and man, with holes in his hand / He will even bracelets, or race our soul where we stand / My eyes, have seen hell, between jail, and bullet shells / Heard some words from the both Bushes yell", so Priest. Überragender Track.

Es ist schwer zu sagen, aber was jetzt folgt könnte ernsthaft der beste Song des Albums sein. Wie dramatisch der "Final call" auch war, die "Dead street scrolls" sind ein Street-Banger erster Klasse, mit einem hinreißendem Beat von Godz Wrath, bei dem man im Refrain lauthals mitsingt:"We, the ones that cry / The dead street scrolls". Der Track sticht deshalb noch unter den anderen des Albums heraus, da er unglaublich viel Energie transportiert, die von den Protagonisten perfekt in Worte gefasst wird.

Mit Ron Brownz ist der einzige wirklich namenhafte Producer vertreten, der das gelungene "Paintbrush" beisteuert, in sich dem einer der ruhigeren Beiträge zum Album findet. "I draw pictures without paint, with the ink / When I think, the sun and moon, stars, link".
Zu relaxten Black Market-Gesängen windet sich der Titeltrack "Black Market" in die Gehörgänge, denn auch mit ihrem letzten Beitrag treffen Godz Wrath genau den richtigen Ton, wobei Killah Priest wieder wunderbare Rap-Netze webt. "First and foremost, we let our jobs toast and sing bravo / Drinkin the red wine, the sands of time, stampeded by a million broncos / Through the congo, beneath the cosmos, Priest the 5th apostle / I'm like Picasso, I paint a hot flow, the canvas is your mind / When you visualize, you can see it like an art show / It's warm like a bullet goin' through the Pope shirt / Sinkin' in the lungs of the quiet Cardinal".

Ben Varges stellt in "The breath of life" seinen zweiten Beat, der nicht weniger als ein Juwel ist. Die harten Klänge weichen für eine softe Stimmung, zu dem erneut auf die Situation im "Ghetto" hingewiesen wird: "Is little ghetto kids ever gonna see the sun / Look what that metal did, sad, cause he was young / Outside his funeral, du-rags, white tees and funds / It's all I could do, make a path, hear the preacher comes".
Der Beat des letzten Tracks mag dem ein oder anderen bekannt vorkommen. Ja, der wurde auch von den Diplomats schon verwendet. Etwas schade, doch im direkten Vergleich kann Dipset gegen Priest & Co. natürlich nicht bestehen. "Niggaz wanna know what I base my theories in / Hebrew literature, face Nigerian / Black Market, we form the great pyramids / My poetry's deep, call it Shakespearing".


Fazit:
Dieses Album ist nicht wirklich ein Klassiker. Der Sound ist zwar herrlich, doch nichts Neues, und auch die Texte sind zwar mal wieder sehr einfallsreich, doch die Grundaussagen kennt man schon. Die besondere Stärke dieses Albums ist jedoch, dass es 2005 (so gut wie) nichts Vergleichbares gibt, denn die Black Market Militia ist eine lückenlose Einheit, sowohl lyrisch als auch stimmlich liegen die 5 Emcees alle auf einer Wellenlänge. Das Album bietet sehr viele Hochkaräter und keine Aussetzer, weshalb es zu den besten seines Jahrgangs gehört.

Gesamtwertung: 9.0 / 10

Dienstag, 20. November 2007

Talib Kweli - The Beautiful Struggle


Tracklist:
01 Going Hard feat RES
02 Back Up Offa Me
03 Broken Glass
04 We Know feat Faith Evans
05 A Game
06 I Try feat Mary J. Blige
07 Around My Way feat John Legend
08 We Got the Beat feat RES
09 Work It Out
10 Ghetto Show feat Common & Anthony Hamilton
11 Black Girl Pain feat Jean Grae
12 Never Been in Love
13 Beautiful Struggle

Release: 28. September 2004
Label:
Rawkus



Talib Kweli gehört zu jenen Artists, die bei so ziemlich jedem anderen Artist stattliche Credibility genießen und es trotzdem recht weit gebracht haben, mindestens in die oberste Schicht des "Underground". Nachdem seine Kollabo mit Hi-Tek als Reflection Eternal von vielen als Klassiker gehandelt wird, ebenso wie das Black Star-Album, und auch sein "Quality"-Album wenige Kritiker gefunden hat, darf man sich im Jahr 2004 über "The Beautiful Struggle" freuen.

Mit Common und Jean Grae sind ausgesprochen wenige Gast-Raps vorhanden, was aber bei Kweli's Leistung am Mic kein Problem sein sollte. Auch wenn Kweli meist keine weltbewegenden Themen anspricht, ist es doch immer ein Genuss, seiner angenehmen Stimme und seinem astreinen Flow bei den Stories über Everyday-Struggle und Ähnliches zu lauschen.
"The Beautiful Struggle" ist vollkommen wörtlich zu sehen, vor allem das Adjektiv sollte sehr betont werden. Wer sich hier ausgesprochenen Street-Rap erwartet, ist vollkommen Fehl am Platz. Zum schärfsten, was das Album zu bieten hat, gehört der Neptunes-produzierte Kopfnicker "Broken glass", der für ebenjene Producer erstaunlich gut ausfällt. Kweli erzählt von der small city girl with big city dreams Story, die an sich ja nichts neues ist, jedoch trotzdem sehr hörenswert ist (doch eben von jeglicher "Härte" weit entfernt ist).

Viel typischer für das Album sind jedoch ruhige, Soul-beeinflusste Nummern, die oft auch weibliche Vocals aufweisen. Faith Evans versüßt "We know" mit hauchdünnem Gesang, während der Beat als einer von zwei Supa Dave West's Erzeugnis ist. Sehr hohen Chill-Faktor kann man dem Song wohl schlecht absprechen, doch das ist leider alles.
Leicht unangenehm wird es in "Around my way", wenn Charlemagne versucht, viel softer als nötig sein Piano in gedämpfte Drums und Streicher zu betten. Was dem Song aber den Rest gibt, ist John Legend's Hook, die nichtmals schlecht ist (denn singen kann der Mann ja), nur in Kombination mit soviel Sanftheit übertrieben wirkt. Denn das ist das Kweli-Album, nicht das John Legend-Album.

Viel besser klingt das Album auf smoothen und doch action-geladenen Tracks wie dem schon erwähnten "Broken glass", Hi-Tek's Glanzleistung "Work it out" oder "A game", wobei letztere Tracks auch bestens geeignet sind, ordentlich Party-Stimmung zu verbreiten. In selber Weise gilt das für nach vorne preschende "We got the beat", das sicher gewöhnungsbedürftig ist, mit RES im Refrain jedoch ordentlich einheizt. "It don't matter if you muslim, hebrew, or you a christian / Information is the newest religion, it's a true way of living". Das heißt dann jedoch noch lange nicht, dass Kweli seine Tracks mit heißer Luft aufbläst, der ein oder andere Denk-Anstoß steckt überall.

R&B-Legende Mary J. Blige gibt sich in "I try" die Ehre, welches dank Kanye West's trefflichem Beat keinesfalls zu sulzig, sondern gerade richtig gerät. Wer hinhört, kann Kweli ein paar Worte zu seinem Albumtitel verlieren hören: "Life is a beautiful struggle / People search through the rubble for a suitable hustle / Some people usin' the noodle, some people usin' the muscle / Some people put it all together, make it fit like a puzzle".

Anthony Hamilton im Chorus, geschmückt mit Raps von Common und Talib, bietet "Ghetto show", das ein Paradebeispiel abgibt, wie es sich anhört, wenn das Konzept des Albums voll aufgeht. "Federal buildings, pissy hallways filled with children pushing children / Fiend's lips peeling, shit seems real and / What's real is the estate of mind that we're in, the situation feels great". Wie es Common selbst so schön sagt, real ones do relate.

Auch wenn Kinder-Gesänge immer eine gefährliche Sache sind, ist "Black girl pain", nicht zuletzt dank einer großartigen Jean Grae, einer der gefühlvollsten und besten Songs des Albums.
Die Single-Auskopplung stammt von Just Blaze und schmückt mit Voice-Sample und einem Chorus von Dave Young, der kitschiger nicht sein könnte. Man möchte also meinen, dass hier der Bogen eindeutig überspannt wurde. Doch erstaunlicherweise ist die Atmosphäre des Songs so bewegend, dass man nicht anders kann, als ihn zu lieben. "Never been in love" gehört zu den besten Tracks des Albums.
Sein Ende findet das Album ohne großes Aufsehen in dem gelungenen "Beautiful struggle", in dem Hi-Tek einen ausgezeichnete Stimmung, passend zum Ausstieg, erschafft.


Fazit:
Was Talib Kweli auf "The Beautiful Struggle" macht, macht er fast durchgehend hervorragend. Nur hätte man sich durchaus den ein oder anderen etwas kantigeren Song gewünscht. Trotzdem bleibt "The Beautiful Struggle" ein sehr gutes Album, in dem ein grandios rappender Talib, von dem sich viele Artists eine Scheibe abschneiden können, immer die Zügel in der Hand behält.

Gesamtwertung: 8.3 / 10

Montag, 19. November 2007

Sean Price - Monkey Barz


Tracklist:
01 Peep My Words
02 One Two Y'all
03 Onion Head feat Tek
04 Fake Neptune feat Buckshot, Steele & Louieville Sluggah
05 Heartburn
06 Shake Down feat Steele & Starang Wondah
07 Mad Mann
08 Brokest Rapper You Know
09 Boom Bye Yeah
10 I Love You (Bitch)
11 Bye Bye feat Buckshot
12 Spliff N Wessun feat Ruste Juxx
13 Jail Shit feat Rock
14 Monkey Barz
15 Slap Boxing feat Ruste Juxx & Rock
16 Rising to the Top (Grand Theft Auto Theme Song) feat Agallah & Bazaar Royale

Release: 31. Mai 2005
Label:
Duck Down



Sean Pee ist zurück. Beziehungsweise, er ist erstmals alleine da. Nachdem er, vorwiegend unter dem Namen Ruck, mit seinem Partner Rock als Heltah Skeltah der Welt zwei großartige Alben bescherte und an den zwei Boot-Camp Alben beteiligt war, soll es nun er sein, der den angerosteten Karren um Duck Down Records 2005 wieder aus dem Dreck zieht. Gleichzeitig ist "Monkey Barz" Sean's große Chance, das Scheinwerferlicht auf sich zu richten, spielte er doch bei Heltah Skeltah neben dem stimmgewaltigen Rock meistens die zweite Geige.

Monkey Barz bietet als Gäste hauptsächlich interne Features, sowie zum Beispiel auch Sean's Schützling Rustee Juxx. Beats kommen fast auf jedem Track von einem anderen Producer, Namen wie Ayatollah und unbeachtetere Namen wie P.F. Cuttin oder MoSS finden sich ebenso wie Khrysis und 9th Wonder, was die wohl in dieser Zeit entstandene Verbindung von BCC und Justus League markiert.
Doch neben den Beats sind es hier vor allem die Lyrics, die beachtenswert sind. Sean Price gießt eine Flut an verrückten, lustigen und oft wunderbar sinnfreien Lyrics auf die Hörer, denn in dieser Beziehung ist er seinen BCC-Kollegen um Längen voraus. "What you about to witness here, my brother, is ignorance at its finest... Peep my words" sagt schon das Intro. "Call me Ruckus, but Sean's, the name that I choose to be called when I'm in front of my mom's".
MoSS, bekannt für schnörkellose Kopfnicker, serviert auf seine Drums eine simple Piano-Line, die sich trotzdem sehr gut zu Sean's Raps macht. "I got a glock with a clock on the top / So when you pop it or not, you know what motherfuckin' time it is / Ya girl, on the top of my cock, you feel the snot in the box / You like, 'that bitch, grimey, kid'". Mit urkomischen Lines wie diesen ist "One two y'all" als voller Erfolg zu verbuchen.

"Onion head" trägt klar die Handschrift von Khrysis und dem Justus League-Sound. Und ebenso stellt es klar, wie gut dieser Sound zu Sean Pee passt. Als Gast ist Tek vertreten, jedoch nur im Refrain zu hören. "I love busting in ya mouth, I know you can't stand it". Was Sean sonst noch alles liebt, erzählt er in dem traumhaft von 9th Wonder produzierten "Heartburn".
P.F. Cuttin's "Mad mann" besticht mit seinem Voice-Sample, wobei der ganze Beat perfekt auf Sean Price zugeschnitten ist. "Cee-lo trip six bitch, throw some dice on it / Four chicken wings, throw some fried rice on it / Get a car, and I throw some two o's on it / Dick is hard, so I throw a few hoes on it".

Die Tracklänge hält sich fast immer (manchmal sogar erheblich) unter 4 Minuten, was jedoch nie wirklich störend auffällt. Nach der durchwegs gelungenen ersten Hälfte legt das Album jedoch in Hälfte noch einen Zahn zu. Den Beginn macht das hektische "Boom bye yeah", mit einem markanten Beat, der einschlägt wie eine Bombe. "First name Sean, last name Price / You can say what you want, just spell my name right". Hier jagen sich eingängige und witzige Lines. "Niggaz be rhymin' bout nothing / I rhyme about nothing, and sound like something / I used to sell crack and listen to Redman / Now I smoke black, while I'm gettin' some head, damn". Schlichtweg fabelhaft.

Es folgt "I love you (Bitch)". Der Titel hat zwar schon alles gesagt, aber da Sean auf den soften Beat die lustigsten Lines des Albums rappt, muss dementsprechend auch fast der ganze Verse 1 zitiert werden: "Yo, ya ass is fat, ya brain is small / You slap the kids and ya chain is pawned / You look like shit, you destroying yourself / Heineken for breakfast-ass bitch / You don't even make my dick hard no more / Gotta think about my ex to get erect". Und noch besser: "Our love is like husband & wife or a brother & sister / Unconditional love, even if I ain't with ya / Remember when I fucked up, you kicked me out of the house? / Wait a minute that was yesterday!". Zusammengefasst: weltklasse.

Sean lässt nun eine Großtat auf die anderen folgen. Einer der bis dato besten Khrysis-Beats versteckt sich in "Bye bye", auf dem Buckshot in Bestform zu hören ist. Die weiche, rauchige Stimme passt einfach zu den Soul-Samples, die Khrysis oftmals verwendet.
Im locker-relaxten "Spliff-N-Wessun" werfen Sean und Rustee Juxx mit freshen Raps um sich, während sie sich in Sachen Flow ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Ayatollah's großartiger Streicher-Beat rundet die Sache perfekt ab. "Let me get a turkey sandwich and a bottle of juice please / A dollar change left, fuck it, give me two loosies"... "Niggaz actin' like my motherfuckin' gat don't work / Til you hit and then collapse in the dirt, and screamin' 'That you hurt!' / Motherfuckin' right, that shit hurt". Alleine diese Line macht den Track hörenswert.

In "Jail shit" gibt es die Wiedervereinigung von Heltah Skeltah, Rock zeigt sich für den Refrain verantwortlich: "You come home to the streets, niggaz raising hell / Fightin', cuttin', damn it's the same as jail / Only the grimey get over, ain't no making bail / Get torn at the frame, if your frame is frail". So "normal" dieses eher relaxte Stück ist, so ist der Titeltrack "Monkey barz" das genaue Gegenteil. Ty Deals nimmt den Hörer direkt mit in den Dschungel, Affengekreische, Vogelgeschrei und zirpende Insekten begleiten den genialen Beat und Ruck's Raps. "Straight from the jungle my brother, my niggaz Banana Republican / Rang-a-tang slang, Chewbacca not proper".

Neben "Boom bye yeah" ist der zweite große Monster-Track des Albums eindeutig "Slap boxing". Über mörderische Drums wälzt sich ein phänomenal böser Beat heran, der zuerst von Sean P bezwungen wird: "Ayo, my son got a gun, I say shoot, that's where the gat'll spray / Make these faggot niggaz go that a way, RUN! / Your fab five is jumping, big knives, guns, bats and sticks / Fuck all that rapping shit!". Danach gibt Rustee Juxx seine nicht minder militanten Rhymes zum Besten.
Nach Rustee ist Rock an der Reihe, mit seinem einzigen Rap-Part auf dem Album. Tief grollend donnert er mit seiner unterirdisch tiefen Stimme seine erste Line, auf dass einem Hören und Sehen vergeht. "Ayo, I shake the ground when I walk". Damn right. Trotz aller genialen Lines von Sean P ist eigentlich Rock's Part, der einem Erdbeben der Stärke 8 bis 9 gleicht, das Highlight des Albums.
Als Bonus-Track wird noch "Rizing to the top" vom GTA-Soundtrack mit auf das Album gepackt, dass dank den grimey Raps von Agallah dem Don Bishop hier auch voll berechtigt ist: "Everyone welcome to the gangsta world of Agallah / Where it's me and my niggaz, my bitches, my guns and my cars".


Fazit:
Teil 1 des Triple-Threats der Boot-Camp Clik ist gleichzeitig auch der beste. War Hälfte 1 von Monkey Barz sehr gut, so folgt in Hälfte 2 noch eine Steigerung. Sean Price kann sich über durchgehend starke Produktion freuen, die er mit seinen köstlichen Rhymes veredelt. Dazu kommen gut gewählte, bereichernde Features und fertig ist eines der besten Alben 2005 und der Wegbereiter für die Rückkehr der BCC. Auch bei den Fans kam dieses Werk äußerst gut an, Sean genießt den größten Bekanntheitsgrad der "Great 8", hat viele neue Fans gewonnen und veröffentlicht 2 Jahre später sein zweites Album, "Jesus Price Supastar". In diesem Sinne: Sean Püüü!

Gesamtwertung: 9.2 / 10