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Mittwoch, 29. April 2009

Killarmy - Silent Weapons For Quiet Wars

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 05. August 1997
Label: Wu-Tang Records / Priority Records

Tracklist:
01. Dress To Kill
02. Clash Of The Titans (Feat. Streetlife)
03. Burning Season
04. Blood For Blood
05. Seems It Never Fails
06. Universal Soldiers
07. Love, Hell Or Right
08. Wake Up (Feat. Hell Razah & Prodigal Sunn)
09. Fair, Love & War
10. Wu-Renegades
11. Full Moon
12. Under Siege
13. Shelter (Feat. Hoffa)
14. Camouflage Ninjas
15. Swinging Swords
16. War Face (Feat. Hoffa)
17. 5 Stars (Feat. Masta Killa)



Die Familie des Wu-Tang Clans ist bekanntermaßen riesig, sie umschließt eine unglaublich große Liste an Affiliates, die alle unter der Flagge des Clans Hip Hop unter die Massen bringen bzw. brachten. Eine der ersten Gruppen auf dem Wu-Tang-Zug war die Killarmy (eigentlich Killa-Army gesprochen). Mit ihren sechs (plus eins) Mitgliedern ist sie neben dem Clan eine der größeren Gruppierungen. Einzuteilen ist sie in zwei Hälften: Aus den Straßen New Yorks sind es RZA's Bruder 9th Prince und zudem Islord, Killa Sin und P.R. Terrorist (alias Dom Pachino), aus dem Steel Valley / Ohio stößt Produzent 4th Disciple mit Shogun Assason und Beretta 9 hinzu. Das erste Album erblickt 1997 unter dem Titel "Silent Weapons For Quiet Wars" das Licht der Welt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Wo sich der Titel auf Verschwörungstheorien bezieht, sollte gleich zu Beginn eines klargestellt werden: Solche Ansätze werden nicht wirklich verfolgt, diese Scheibe dreht sich um das schmutzige Geschäft des Kriegs, dessen metaphorische Anwendungen und die Handhabung der richtigen (lyrischen) Waffen. Die sechs Lyricists gehen mit einer Einstellung, die gepflegt auf alles - Normen, die Industrie, politische Korrektheit - scheißt und die stattdessen die Rhymes sprechen lässt, ins Rennen. Was bei erstem Anhören wie ein undurchsichtlicher Pulg aus sechs aggressiven Mäulern voller Reißzähne klingt, offenbart bei differenzierter Betrachtung eine Formation, die eine erstaunliche Qualität an den Tag legt und in der sich jeder Emcee zu behaupten weiß. Außerdem ist da auch noch 4th Disciple, der eigentliche Star der Platte, der bekanntermaßen ja schon zuvor im Wu-Tang Umfeld aktiv war, mit diesem Album jedoch ein Monument seines genialen Könnens errichtet: Simple Piano-Lines, pumpende Kicks, nüchtern-trockene Snares, Streicheraufgebote und hier und da ein Voice-Sample - mit den simpelsten Mitteln braut 4th seinen Zaubertrank, der wahre Wunder wirkt - selten war ein Album mit solch konsequent gutem, hartem Sound gesegnet. Dabei werden die Kung Fu-Samples größtenteils gegen Maschinengewehrrattern eingetauscht, denn dort liegt das Metier der Killarmy. Vom Opener, dem opulenten und genialen Representer "Dress To Kill", zum abschließenden "5 Stars", für das sogar Generalfeldmarschall Masta Killa den Gefechtsstand betritt, befindet man sich "Under Siege", was die durchgehende Kampfbereitschaft bedeutet. Neben Songs wie dem eiskalten "War Face" (mit trefflichem "Full Metal Jacket"-Sample), für das RZA eine von zwei Gastproduktionen beisteuert, legt 4th Disciple Wert darauf, mit eleganten und bedachten Arrangements die Brücke zum Wu-Tang Sound nicht einzureißen - "Camouflage Ninjas" oder "Swinging Swords" sind die verehrenswerten Resultate. Hell Razah und Prodigal Sunn schauen auf "Wake Up" (der zweiten RZA-Produktion) vorbei, und neben Hoffa aus dem Steel Valley komplettiert Streetlife auf einer weiteren Großtat von 4th Disciple, "Clash Of The Titans", die kurze Liste der Gäste. Irgendwo zwischen dem Berg aus Kriegsmaterial, auf dem die Killarmy sitzt, scheinen ab und an auch Black Supremacist-Ansätze durch, stören jedoch nie wirklich. Ansonsten ist die Devise: "Killarmy profilin', mostly buckwildin'". Und findet sich in "Fair, Love & War" tatsächlich mal ein Track, der ein wenig schwächelt, so wird in "Wu-Renegades" prompt ein Song der Extraklasse nachgeschoben. Wieder einmal ist es 4th Disciple, der den ungebrochenen Wortfluss von Pachino, Killa Sin, 9th Prince und Beretta 9 mit einer umgreifend wallenden Piano-Line veredelt. Zum Abschluss sei noch 9th Prince mit einigen repräsentativen Zeilen aus "5 Star" zitiert:

"As night falls the commandos teams seize the palace
Fiercely assault commands the volts
Explode in the air like lightning bolts
We rippin' out your spleen, at battlegrounds like the dense jungles of Phillipines
Drunk monk sip O.E. out the canteen, men at war with guillotines
"


Fazit:
Bei der Einordnung dieser Scheibe im Wu-Universum bleibt zu sagen, dass sie, ähnlich dem Sunz Of Man-Sound der ersten Tage, schwerlich mit den Wu-Tang Alben selbst gleichgesetzt werden kann. Die Killarmy ist die unzensierte Version des Clans, die Unterabteilung in der Firma Wu-Tang, die sich auf alles mit großem Kaliber spezialisiert hat, dieses Fach aber ähnlich kunstvoll meistert wie seinerzeit der Clan seine 36 Kammern. Sechs hungrige Emcees (oder fünfeinhalb, wenn man Islord's Gefängnisaufenthalt zu jener Zeit berücksichtigt), ein mächtiger Producer im Hintergrund, damit schmiedet die Killarmy ihre "Silent Weapons For Quiet Wars". Was fälschlicherweise auf den ersten Blick wie ein Abklatsch aussehen mag, ist in Wahrheit ein Klassiker, dem höchstens die Killarmy selbst mit ihrem Nachfolger nahezukommen vermochte.

Gesamtwertung: 9.4 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Freitag, 6. Februar 2009

Bronze Nazareth - The Great Migration

Einigen wird es auffallen: Zu diesem Album existiert bereits eine Review. Da seitdem jedoch reichlich Zeit vergangen ist und dieser Blog nur als Back-Up für meine Reviews fungiert, ist dies die Neuauflage für R4F...

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 23. Mai 2006
Label: Think Differently Music Group / Babygrande Records

Tracklist:
01. In The Beginning (Intro)
02. The Pain
03. More Than Gold (Feat. Timbo King)
04. Killa Beez Attack (Skit)
05. The Bronzeman (Feat. Killa Sin)
06. One Plan (Feat. Byata)
07. Instrumental Interlude
08. Stolen Van Gogh
09. 5th Chamber (Feat. Prodigal Sunn, 12 O'Clock & Sean Price)
10. Stupid Fucking White Man (Skit)
11. Good Morning (A Nice Hell)
12. Rare Breed (Feat. Phillie)
13. Hear What I Say!
14. Black Royalty
15. Detroit (Feat. Kevlaar 7 & Phillie)
16. $ (AKA Cash Rule)
17. Poem Burial Ground
18. The Great Migration
19. Bronze Halls (Outro)



Es gibt viele Gründe, warum das Markenzeichen Wu-Tang auch heute noch äußerst relevant ist. Das liegt unter anderem daran, dass immer wieder neue Künstler im Pool der Killa Beez auftauchen und mit ihren Alben dem Vermächtnis dieser Institution ein weiteres Stück hinzufügen. Bronze Nazareth ist ein solcher Fall. Wohnhaft in Detroit, entdeckt vom RZA und aufgenommen in die Inhouse-Producer-Riege der Wu-Elements, tritt der Producer/MC erstmals 2005 auf "Wu-Tang Meets The Indie Culture" groß ins Rampenlicht, da er dort den Großteil der Produktion beisteuert. Auf jenem Label, dem Babygrande-Imprint Think Differently, erscheint ein Jahr später dann sein Solodebüt, "The Great Migration".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Schon Dreddy Kruder's "Wu-Tang Meets Indie" konnte äußerst positive Kritiken einfahren. Und was Bronze bzgl. guter Produktionen dort begonnen hat, wird hier fortgesetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Mitgliedern der Wu-Elements wird man bei Bronze die harte Schiene, ein Markenzeichen von Wu-Tang, nicht finden. Herr Nazareth verschafft sich seine Wu-Berechtigung anders - liebevolle Sample-Arbeiten und die typischen Rezepte der Wu-Tang-Küche, verpackt in den charakteristischen Sound, den sich Bronze angeeignet hat. Er ist also nicht mit der schwergerüsteten Killarmy zu vergleichen, vielmehr ist er ein sehr ruhiger Zeitgenosse, der seine Weisheiten in bedächtigem Tonfall an dem Mann bringt. Sehr zugute kommt ihm dabei seine tiefe Stimme. Auch wenn Bronze, wie so vielen anderen Producern auch, ein Defizit am Mikrofon nachgesagt wird, sollte man sich selbst ein Bild seiner Fähigkeiten machen, was dann unweigerlich zu dem Schluss führt, dass solche Behauptungen unhaltbar sind. Bronze ist ein Poet, dessen abstrakte verbale Spaziergänge schwer unterhaltend sind. Auch die Skillz sind mehr als nur ausreichend. Bei all dieser Rechtfertigung seiner Emcee-Kompetenzen sollte jedoch nicht vergessen werden, dass seine Produktionen von ihm selbst oft in den Mittelpunkt gerückt werden - und das nicht, um besagte nichtexistente Unzulänglichkeiten zu kaschieren, sondern einfach, weil diese Instrumentals so verdammt gut sind. Die Samples, die Bronze ausgräbt, hauchen dem Album ein warmes Innenleben ein, das durch und durch von Soul durchsetzt ist. Voice-Samples kommen zu mannigfachem Einsatz und tragen zum Wu-Charakter der Scheibe bei. Schließlich finden sich jedoch immer die für Bronze typischen, gut bekömmlichen und kräftigen Drumlines. Als Kombination wirkt jeder Song unglaublich lebendig und gesättigt. Es vollzieht sich ein fliegender Wechsel in puncto Tempo und Thematik, der durch einige Interludes vervollständigt wird. So folgt dem Streicher-dominierten "Stolen Van Gogh" das relativ raue "5th Chamber", in dem Bronze neben einer beachtlichen Besetzung eine gute Figur abgibt. Sehr eigenwillig ertönt "Black Royalty, in dem die Drumline zugunsten der, den Song gänzlich ausfüllenden, Trompeten in den Hintergrund tritt. Der Beginn des Albums wird mit "The Pain" vollzogen, das als erster Höhepunkt mit viel Kraft einrollt und durch sein anfängliches Audio-Chaos wie eine soulige Ausführung von Wu-Tang's "In The Hood" anmutet. Zusammen mit der Russin Byata wird im Liebeslied "One Plan" groß aufgespielt, in "Good Morning (Nice Hell)" lässt Bronze es sich nicht nehmen, des Sample von David McCallum fast unverändert zu belassen und dem großartigen Stück Musik seine Gedanken in sehr unaufdringlicher Form aufzusetzen. "Hear What I Say!" mischt die Reagenzien zu einem erneuten gefühlvollen Beat-Diamanten, der zusammen mit Bronze's humorgetränkten Zeilen an die Mainstream-Belegschaft voll aufblüht. Ein bisher noch unerwähntes Highlight findet sich in "The Bronzeman", das sich glücklich schätzen kann, auf einem der besten Instrumentals seines Jahrgangs zu basieren. Wie hier die saftigen Drums mit den aufsitzenden Streichern kopulieren spricht eindeutig für Bronze's Fähigkeiten. 45 Sekunden spielt das Instrumental vor sich hin, um eine ungemeine Spannung aufzubauen, die auf Bronze's Einsatz hinausläft. Es folgen zwei Minuten großartigen Raps, keine Hook und krönend der bärenstarke Auftritt von Killarmy-Scharfschütze Killa Sin. Nach 50 Minuten schließt das "Bronze Halls" Outro als hinreißend gutes Instrumental dieses Album ab.


Fazit:
Was Bronze Nazareth hier abliefert, sollte eigentlich über jeden Zweifel erhaben sein. Die Produktionen sind seit langem (und zwar nicht nur im Hause Wu-Tang) eine gekonnte Reminiszenz an alte Großtaten, wobei hier genügend Eigeninitiative schlummert, um auch auf voller Spielzeit immer fesselnd zu sein. Bronze soll ein mittelmäßiger bis langweiliger MC sein, dessen Flow zu unaufregend ist? Wer das behauptet, hat recht wenig von diesem Album verstanden. Natürlich wäre die Scheibe, trotz Bronze's Fähigkeiten, mit Raps des Wu-Tang Clans ein lyrisch anderes Kaliber geworden. Doch dann wäre dieser heimelige Charakter verloren gegangen, dieses funktionierende Verhältnis zwischen Rhymes und Beats, in dem Zweitere immer genug Platz bekommen. "The Great Migration" passt so, wie es ist und sollte für Liebhaber dieser Art HipHop eines, wenn nicht DAS beste Album des Jahres 2006 sein.

Gesamtwertung: 9.2 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 25. Januar 2009

Cannibal Ox - The Cold Vein

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date:
15. Mai 2001

Label:
Definitive Jux

Tracklist:
01. Iron Galaxy
02. Ox Out The Cage (Feat. El-P)
03. Atom (Feat. Cryptic One & Alaska)
04. A B-Boys Alpha
05. Raspberry Fields
06. Straight Off The D.I.C.
07. Vein
08. The F-Word
09. Stress Rap
10. Battle For Asgard (Feat. L.I.F.E. Long & C-Rayz Walz)
11. Real Earth
12. Ridiculoid (Feat. El-P)
13. Pain Killers
14. Pigeon
15. Scream Phoenix



Cannibal Ox sind ein ein weiterer Fall jener Künstler, die sich den Rest ihrer Karriere mit dem schier unendlichen Respekt herumschlagen werden müssen, den ihnen ihr Debütalbum eingebrockt hat. Nicht unschuldig an dieser Tatsache sind die Umstände, unter denen "The Cold Vein" das Licht der Welt erblickte. 2001, als erstes richtiges Album, das auf Definitive Jux veröffentlicht wurde und mit einer kompletten Produktion vom Herrn und Meister El Producto selbst, war der erste Schritt bereits getan. Ansonsten waren die beiden Harlem-Natives zu diesem Zeitpunkt keine unbeschriebenen Blätter mehr: Seit 1995 ist man mit der Atoms Family unterwegs und treibt im New Yorker Untergrund sein Unwesen. Darauf folgt das Zusammentreffen mit El-P - und das Ergebnis ist dieses Album.

Wieviel El-P selbst von diesem Werk hält, sollte die Tatsache, dass "The Cold Vein" vor dem eigenen Solo "Fantastic Damage" veröffentlicht wird, klarstellen. Was nun diesem Album als Basis zugrunde liegt, scheint auf den ersten Blick sehr inkompatibel: zwei grundverschiedene Emcees und ein Producer, der für seine gänzlich abstrakten Beats bekannt ist. Doch dann stellt sich heraus, dass die Rhymes, vor allem seitens Vast Aire, teilweise fast ebenso abgehoben sind wie die Untersätze von El-P. Auf der anderen Seite wird jedoch auch auf Reality-Rap-Niveau das Leben in Harlem in die Rhymes gepackt. Dieses Zusammenspiel beginnt im ersten und endet im letzten Track, ohne dabei ein einziges Mal zu missglücken. Mit "Iron Galaxy" beginnt dieser erste Track mit nicht weniger als einem Klassiker, in dem El-P mit einer gewaltigen Electro-Walze einrollt und Platz macht für eine nicht minder beeindruckende Show der beiden Protagonisten. Spätestens hier hat man die Möglichkeit, sich ein Bild von den beiden zu machen: Vast Aire ist der etwas langsame Pfundskerl, der mit einer sehr eigenen und gewöhnungsbedürftigen, hellen Stimme seine sehr poetischen Rhymes gelassen und bedächtig ins Mic fließen lässt - und Vordul Megallah der optisch unauffälligere Zweite, dessen erschreckend düstere, kalte Stimme das Pendant zu Vast darstellt. El-Producto ist auf dieser Scheibe jedoch ebenfalls mindestens ein Hauptdarsteller, welcher die unterschiedlichsten Songs aneinander reiht - von ruhigen Tracks bis hin zum totalen Chaos in Audioformat. "A B-Boys Alpha" schwingt verhältnismäßig zurückhaltend, ist deswegen jedoch keinesfalls langweilig und bietet, wie fast jeder Song dieser Platte, ein großartiges Drum-Grundgerüst. Neben mehr als einer Minute hinreißendem Instrumental-Fade-Out bekommen hier auch die Poeten am Mic genügend Raum, sich zu entfalten - wer von beiden die bessere Figur macht, lässt sich schwerlich sagen:

WRITTEN FOR Rap4Fame

[Vast]
"And I ain't dealin with no minimum wage
I'd rather construct rhymes on a minimum page
Cynical ways, cats sin for nickels these days
"

[Vordul]
"All of us canoeing through sewers with juvenile maneuvers
Caught up in nooses from borders with troubleshooters
On corners where coppers'll hop outta Dunkin Donuts
Poppin' they gun and shoot us
"

Auch das sehr atmosphärische "F-Word" zählt zu den ruhigen Nummern, während Vast mit seinen Ausführungen über eine Beziehung einen thematischen Umschweif vornimmt. Das direkt folgende "Stress Rap" ist wohl der einzige Track, der sehr konventionell gehalten ist - und der trostlos schmucklose Eastcoast-Rap, der eine haarscharfe Realität beschreibt, steht Vordul besser zu Gesicht. Auch wenn manche Hörer ob der Herkömmlichkeit dieses Songs enttäuscht sein mögen, reiht sich auch dieses Stück unbeirrt bei den absoluten Highlights der Scheibe ein. Der einzige Track, den man halbwegs kritisieren kann, ist das träge "Painkillers", denn hier geht das Konzept nicht so sehr auf wie beim Rest. Und dieser Rest ist die Spielwiese von El-P. "Raspberry Fields" ist mit seinen Synthies so herrlich schräg, dass die Gratwanderung zwischen Wahnsinn und Genialität problemlos gelingt. In zwei Tracks bequemt sich El-P sogar selbst ans Mic, wobei vornehmlich "Ridiculoid" als Anwärter zum Electro-geladensten Instrumental kräftig mitmischt. Zwei Mitglieder der Atoms Fam schauen in Form von Cryptic One und Alaska in "Atom" vorbei, während die Stronghold-Fraktion mit L.I.F.E. Long und C-Rayz Walz in "Battle For Asgard" vertreten ist, das als abstraktester Beitrag El-P's auf dieser LP gewertet werden kann. Gegen Ende wird lyrisch, vorderst von Vast Aire, nochmals abgehoben. "Birds of the same feather, flock together" heißt es in "Pigeon", dem das überragende "Scream Phoenix" als perfekter Abschluss folgt.


Fazit:
Was "The Cold Vein" letztendlich so besonders macht, ist die außergewöhnliche Kombination aus diesen hervorragenden und schon sehr gegensätzlichen Emcees und dem Mastermind El-P. Seine Produktionsarbeit gehört zur besten, mit der je ein Album von ihm ausgestattet wurde - wenn sie nicht sogar die beste ist. Die Gäste sind dezent und gut gewählt, doch zu keinem Zeitpunkt vergisst man, wer die Gastgeber sind. Vast Aire und Vordul Mega rappen in einer Galaxie, die der des Mainstreams und der platten Phrasen sehr weit entrückt ist. Vielen mag dieses Album über das Ziel hinaus schießen (und für Neulinge im Rap ist es wohl schwerlich geeignet), doch man kann sich nur glücklich schätzen, dass die Szene über Werke wie "The Cold Vein" verfügt: Werke, die anders sind und die bei genauem Hinhören ihre enormen Stärken offenbaren.

Gesamtwertung: 9.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Gravediggaz - 6 Feet Deep

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date:
09. August 1994

Label:
Gee Street / Island Records

Tracklist:
01. Just When You Thought It Was Over (Intro)
02. Constant Elevation
03. Nowhere To Run, Nowhere To Hide (Feat. Kurious)
04. Defective Trip (Trippin') (Feat. Biz Markie & MC Serch)
05. 2 Cups Of Blood
06. Blood Brothers
07. 360 Questions
08. 1-800 Suicide
09. Diary Of A Madman (Feat. Scientific Shabazz & Killah Priest)
10. Mommy, What's A Gravedigga?
11. Bang Your Head
12. Here Comes The Gravediggaz
13. Graveyard Chamber (Feat. Dreddy Kruger, Scientific Shabazz & Killah Priest)
14. Deathtrap (Feat. Masta Ace)
15. 6 Feet Deep
16. Rest In Peace (Outro)



No Introduction needed. Was sich in der ersten Hälfte der Neunziger als Gravediggaz zusammenfindet, gehört beim Sammelbegriff "Legenden" ins HipHop-Lexikon gedruckt. Es ist Prince Paul, der vom Business die Schnauze voll hat und das Konzept dieser Gruppe entwirft. Stetsasonic-Kumpel Frukwan ist mit an Bord, ebenso wie der bisher relativ erfolglose Too Poetic. Auch ein gewisser RZA, der zu jener Zeit mit einer eigenen Gruppe dem Durchbruch entgegenwerkelt, wird auf Frukwan's Anraten in Paul's Haus geladen. "Niggamortis" heißt das Album, das diese Supergruppe aufnimmt; veröffentlicht wird es jedoch nur in Europa unter diesem Titel - in Amerika erreicht Gee Street den weniger provokativen Titel "6 Feet Deep".

Ziel des Projekts ist es, die geistig abgestorbenen Massen aus ihren mentalen Gräbern auszubuddeln, auf dass die drei Emcees ihnen ihre Weisheiten eintrichtern. Prince Paul selbst steht, wie auch auf dem Cover, nur im Hintergrund, kümmert sich aber um einen Großteil der Produktion. Hierfür schlüpft er in die Rolle des Undertaker, während RZA zum RZArector, Frukwan zum Gatekeeper und Poetic zum Grym Reaper mutiert. Dass dieses Album als Genre-definierend für den Horrorcore gilt, sollte schon Bände darüber sprechen, wie weit Prince Paul hier von der fidelen Welt De La Soul's abdriftet. Knöchern klopfende Drums, ein paar tiefe Piano-Klänge, ausgefallene Samples und ein staubiger Minimalismus regieren die Landschaft, während die Herrschaften am Mikrofon gar nicht erst versuchen, auch nur einen Hauch normaler Gedanken in ihre Rhymes einfließen zu lassen. Hier wird geschrien, geflucht, geröchelt, gehustet und vor allem lässt man das Blut in Strömen fließen. Was die Gravediggaz auf zynische und humorvolle Art mit ihren makaber-schockierenden Lines ins Mic schleudern, lässt Freude aufkommen. Während man, entspannt an einer Tasse Blut nippend, diesen Leichenräubern beim Wühlen durch Friedhöfe und Leichenhäuser lauscht, könnte nur noch eine ausgewählte und dezente Anzahl an hochwertigen und fördernden Gästen die Stimmung bessern. So schaut beispielsweise Masta Ace vorbei, um das Intro für das erstaunlich funky geratene "Death Trap" zu sprechen und Biz Markie öffnet zusammen mit MC Serch das Höllentor, um "Defective Trip (Trippin')" auf die Welt loszulassen. Die Kombination dieser Charaktere hätte besser nicht sein können: Ein vollkommen labiler Poetic, der tief-dröhnende Frukwan und der fieberhaft wahnsinnige RZA reißen ihre Hörerschaft in ein schwarzes Loch, aus dem es kein entkommen gibt: "Nowhere To Run, Nowhere To Hide". Noch besser wird es, wenn in "Diary Of A Madman" eine Gerichtsverhandlung stattfindet, in der die Gravediggaz auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren und als Angeklagte ausführliche Schilderungen zum Besten geben. Vor allem Gast Shabazz The Disciple brettert hier einen geschichtsträchtigen Part hin, der auch auf diesem Album noch hervorzuheben ist:

WRITTEN FOR Rap4Fame

"Be a witness, as I excercise my exorcism
The evil that lurks within the sin, the terrorism
Possessed by evil spirits, voices from the dead
I come forth with gravediggaz in a head full of dread
I've been examined ever since I was semen
They took a sonogram and seen the image of a demon
At birth nurses surrounded my with needles
and drugged me all up with the diseases of evil
Grew up in hell, now I dwell, in an Islamic Temple
I'm fighting a holy war in the mental
Look deep into my eyes, you'll see visions of death
Possessed by homicide is what I'm obsessed
"

Nicht minder boshaft zeigt sich "1-800-Suicide", in dem ein schadenfroher RZA seine Mitmenschen in diverse Selbstmorde treibt. Selbst das vollkommen schräge "6 Feet Deep" ist, nicht zuletzt wegen seiner eingängigen Hook, ein großartiger Anspielpunkt. Auch der Opener, "Constant Elevation", in dem Prince Paul sein Klavier sehr effizient einsetzt, sollte Erwähnung finden - hier erfolgt schließlich einer der abgedrehtesten Auftritte des nach Blut dürstenden RZA. Und mit dem rauen "Bang Your Head", dem eher ruhig gehaltenen "Mommy, What's A Gravedigger" (in dem vor allem Poetic aufblüht) oder dem düster-klirrenden "Graveyard Chamber", in dem ein weiterer Wu-Tang Besuch ansteht (wobei zu dieser Zeit noch keine offizielle Zugehörigkeit der Sunz Of Man bestand), wird das Gesamtbild komplettiert.


Fazit:
Zusammenfassend darf gesagt werden: Dieses Album hat alles, was einen Klassiker ausmacht. Es ist nicht nur zeitlos, sondern besitzt auch noch eine Einzigartigkeit, der bis heute niemand gleichgekommen ist - kein anderer Vertreter des Horrorcore, nicht die Gravediggaz selbst und auch sonst kein Album, das sich irgendwo mit Hardcore o.Ä. brüstet. Die Produktionen von Prince Paul und RZA sind optimal, die Aufstellung der Emcees ist ebenfalls exzellent. Bei "6 Feet Deep" stimmt einfach alles. Umso trauriger ist es deshalb, wie sehr der aussichtsreiche Horrorcore-Trend an der Ostküste in der Versenkung verschwunden ist. Doch wer will sich groß beschweren, wenn der HipHop-Welt wenigstens dieses Album, das sich wohlverdient die volle Wertung krallen kann, erhalten bleibt?

Gesamtwertung: 9.6 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 21. Januar 2009

Sunz Of Man - The First Testament

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date:
31. Januar 1999

Label:
Red Hook Records / Echo International

Tracklist:
01. Who Are The Sunz Of Man? - (Hell Razah, Prodigal Sunn, 7th Ambassador, Killah Priest & 60 Second Assassin)
02. The Valley Of Death - (Prodigal Sunn, 7th Ambassador, Hell Razah, Killah Priest, 12th Disciple & 60 Second Assassin)
03. Bring Back The Mike - (Killah Priest, 60 Second Assassin, Prodigal Sunn & Hell Razah)
04. Valley Of Kings - (Killah Priest, Prodigal Sunn, Hell Razah & 60 Second Assassin)
05. Deep In The Water - (Killah Priest, Hell Razah, Prodigal Sunn & Shabazz The Disciple)
06. Elements - (Killah Priest, Shabazz The Disciple, Hell Razah & Prodigal Sunn)
07. Natural High (Interlude)
08. Hell Hole - (Hell Razah & 7th Ambassador)
09. Combat - (Hell Razah & 7th Ambassador)
10. Lulla Bye - (Hell Razah, 7th Ambassador, Prodigal Sunn & Killah Priest)
11. Sunz Of Man Court - (Shabazz The Disciple & Kavalier)
12. The Sins Of Men - (Shabazz The Disciple & Killah Priest)
13. The Law - (60 Second Assassin, Killah Priest, Prodigal Sunn & Hell Razah)
14. Hot Line - (Hell Razah)
15. In The Beginning... - (Shabazz The Disciple & Killah Priest)



HipHop schreibt tragische Geschichten. Wie die der Sunz Of Man. Mitte der Neunziger bilden Hell Razah, 7th Ambassador, Prodigal Sunn, Shabazz The Disciple, Killah Priest und später auch 60 Second Assassin eine lose Ansammlung von Künstlern, die unter vielen Einzelgruppierungen (The Art Of War, The Disciples, Sunz Of Man, Da Last Future) agieren, jedoch unter Führung des Producers Supreme Kourt einige Aufnahmen zusammen bringen. Ein Demo-Tape dieser Erzeugnisse gerät in die Hände des RZA. Damit nehmen die Sunz Of Man als Gruppe erstmals wirklich Gestalt an; 7th Ambassador zieht sich an dieser Stelle der Geschichte jedoch schon aus dem Rap-Game zurück. Das geplante Debüt-Album "Nothing New Under The Sun" ist dem neuen Label nicht massenverträglich genug, weshalb es in der Versenkung verschwindet und erst 1998 "The Last Shall Be First" als offizielles Debütalbum auf den Markt kommt. Zu diesem Zeitpunkt haben Priest und Shabazz die Gruppe bereits verlassen. Doch damit nicht genug. "The First Testament", das die Aufnahmen der ersten Tage endlich der Rap-Welt zugänglich machen soll, wird im Voraus ausgerechnet von Supreme geleakt, was zu dessen unfreiwilligem Austritt aus der Gruppe führt.

Nichtsdestotrotz existiert dieses Werk und ist somit als das eigentlich erste Album der Gruppe anzusehen. Die Musik stammt aus den Jahren '94, '95 und wurde fast ausschließlich von Supreme und Drospect produziert. Dass diese Aufnahmen es nicht auf das massenorientiertere Album von 1998 geschafft haben, deutet schon an, woher hier der Wind weht. Wie kompromisslos dieses Album dann allerdings wirklich ist, kann man sich bei bloßer Kenntnis von "The Last Shall Be First" nicht einmal im Traum ausmalen. Irgendwo kommt ein Substanz-Vergleich zu den Gravediggaz auf, doch auch der wird den SOM nicht gerecht. Denn hier wird kein Horrorcore praktiziert - "The First Testament" ist Holy-Core. Während die Beats zusätzlich zu der, in den Neunzigern gewöhnlichen, Reduzierung auf das Nötigste immer einen kräftigen Hauch Mystik eingehaucht bekommen, gehen die Wahnsinnigen am Mic hier vollkommen aus sich heraus und bieten eine Show, die man in dieser Form im HipHop nicht noch einmal finden wird. Positive Gedanken, Licht oder gar Freude scheinen so fern, als hätten sie nie existiert. In den Augen der Sunz Of Man ist die Welt voll und ganz durchsetzt vom Bösen. Man lebt in einem in Beklemmung wuchernden "Hell Hole" - und in dessen Sog reißen die besessenen Akteure auch den Hörer. Der Trip, der von diesem Album geboten wird, ist so düster und dämonisch, dass man sich im Anschluss am besten eine CD von Mariah Carey o.Ä. zu Gemüte führt. Der Exorzismus, der im "Valley Of Death" betrieben wird, hat wenig mit jeglichen anderen Religionen zu tun, auch wenn Figuren und Namen wie Jesus oder Allah beliebig in die Ideologien und metaphysischen Imaginationen dieser Propheten eingebaut werden. Dass in diesem Camp ein wildes Chaos aus Black Hebrew Bewegung, Nation of Islam, 5% Nation, Islam und Christentum herrscht, ist kein Geheimnis. Doch entgegen der fehlenden Logik in den Texten sind diese Auszüge aus der selbstgeschafften Weltanschaung eine Kunst, die sehr hohen Respekt verlangt. Selbst Gast-Rapper 12th Disciple fügt sich perfekt ins Bild und brennt seine Zeilen ins Gehirn des Hörers:

WRITTEN FOR Rap4Fame

"Thoughts interfere with devil mirrorin'
Now we even steamin, because the devil is no longer veerin'
Leavin my body, to into ya body, so you can see what I'm seein
Not a hell in my body's limb
Now ya agreeing, that my tongue is laced with acid
Stick my white fingers up in your face, ya scream like meltin plastic
Stretch ya body, put a slug in ya red basket
Talk you can respect by drinkin Christ blood from the casket
"

Doch niemand auf diesem Album gebärdet sich wie Prodigal Sunn, der irgendwo zwischen Krächzen und Schreien gegen seine Psychosen ankämpft und wie von Sinnen seine Parts aufsagt. Killah Priest hingegen war schon damals der introvertierte Weise, der er noch heute ist. Hell Razah nennt auf diesem Album noch eine sehr helle Stimme sein Eigen, die seinen Lines ebenfalls etwas albtraumartiges verleiht. Im Zenit des verbalen Krozidismus steht jedoch Shabazz The Disciple, der mit seinen Auftritten unter seinen Kollegen sogar noch ein wenig heraussticht, wie zum Beispiel im kruden "Deep In The Water":

"When I was born, I came out screamin and blasphemin
Cryin in blood, spittin and cursin at the figure of Christ on the holy rood
See, since the sonogram I was diagnosed to be cursed
Doctors administered stress, I'd be born in the church
But, they sold the womb closed of unholy bitches
A burst up, reversed and blast through the stitches
Aaahhh! Hell at last, my first breath that I cursed
They performed the ritual, took me home in a hearse
But in the womb I metamorphasized
My birth and death was already prophesized
"

Momente zum Verschnaufen gibt es wenige. Einzig das "Natural High" Interlude lässt dies mit seinem Instrumental-Charakter zu und gibt zudem einen Einblick, wie sich der Sound zu "The Last Shall Be First" hin geglättet hat. Auch "Valley Of Kings" hätte in dieser Form auf einem der späteren Alben erscheinen können, was natürlich nichts an der lyrischen Klasse des Songs ändert. Der Großteil der Tracks (wie beispielsweise das bitterböse "The Sin Of Men") hingegen illustriert die Einzigartigkeit der Platte. Der Remix zu "Death Be The Penalty", in dem Kavalier erneut die Hook gibt und der sich "Sunz Of Man Court" nennt, kommt zwar nicht an sein Original heran, bewegt sich jedoch trotzdem auf einem Level, das von vielen Rappern nie erreicht wurde. Schließlich wäre da noch das düster-staubig stampfende "Bring Back The Mike", das von vage hörbaren, gemurmelten Chören im Hintergrund geleitet wird und einen weiteren genialen Song dieser Scheibe darstellt. Abgeschlossen wird das Album von "In The Beginning...", das leider zu kurz gerät und in dem neben einer kurzen Rap-Einlage alle am Mic stehenden Apostel aufgezählt werden.


Fazit:
Der Clan und sein Umfeld sind weithin dafür bekannt, in den Neunzigern einige Juwelen des harten New York-Raps hervorgebracht zu haben. "The First Testament" ist der König dieser Alben. Natürlich ist es als Einheit nicht so gut wie "Enter The Wu-Tang (36 Chambers)", doch bei einer Messung des textlichen Karats erhebt sich diese Scheibe in eine Sphäre, die über dem Erstling des Clans und weiterhin auch über allen anderen vergleichbaren Alben liegt. Wer dieses Werk gehört hat, der weiß, warum "The Last Shall Be First" trotz seiner hohen Qualität eine Enttäuschung war. HipHop dieses Schlags ist eine unbezahlbare Rarität; die Energie, mit der hier ins Mikrofon gespuckt und gebrüllt wird, sensationell; die Inhalte, die hier verkauft werden, einzigartig. "The First Testament" ist nicht nur eines der besten Alben aus dem direkten Wu-Tang Umfeld, sondern auch eines der besten Alben der kompletten Ostküste.

Gesamtwertung: 9.3 / 10

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Sonntag, 28. Dezember 2008

Rodan - Theophany: The Book Of Elevations

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Release Date: 04. Februar 2004
Label: Day By Day Entertainment

Tracklist:
01. Intro (Peri-G) / Wind Before The Storm
02. The Conqueror
03. F.E.D.'s (Faggot Evil De-Vines)
04. No Snakes Alive Pt. II (Feat. Shaman)
05. Roll Call (Feat. Kong, Kamackeris & Gigan)
06. War In Heaven Pt. I
07. Erotic Peaks
08. Flight Lessons (Lyric Medley)
09. Sumthin' To Prove (Remix)
10. No Degrees
11. War In Heaven Pt. II
12. The Wilderness
13. G.O.D. (O'mighty)
14. Human Inquisition
15. Outro (Apo-G)
16. Century 21 (Feat. Megalon)
17. Run The Sphere V.2.3 (Feat. Monsta Island Czars)
18. Ability To Speak (One Week)



Von den Monsta Island Czars gab es bis ins Jahr 2004 nur Solo-Releases von Doom, Grimm und X-Ray. Nachdem man mit der Veröffentlichung von "Escape From Monsta Island!" allerdings Solos von so ziemlich allen Czars angekündigt hatte, ist es 2004 Rodan, Gründungsmitglied von KMD, der diese Ankündigungen, wenn auch mit Verspätung, als erster wahr macht. "Theophany: The Book Of Elevations" erscheint über Grimms Label Day By Day Entertainment und lässt auf ein Album im typischen Monster-Stil hoffen.

Dass hier etwas höher gegriffen wird, offenbart schon der Titel mit dem trefflich passend gewählten Cover: Theophanie - eine Gotteserscheinung - ist das Hauptkonzept, erweitert durch die Anlehnung an die Offenbarung des Johannes. Der Sound wird größtenteils von X-Ray bereitgestellt, womit dem Anschluss an die qualitativen Höhenflüge der Monster Mixes oder des Gruppenalbums nichts mehr im Wege zu stehen scheint. Den eingefleischten Fans wird auch schon eine ganze Reihe an Songs bekannt sein: Neben den Tracks, die es schon auf den Monster Mixes zu hören gab, existiert nämlich noch die sechs Tracks starke "Flight Lessons EP" aus dem Jahr 2002, die komplett in diese Platte integriert wurde. Bezeichnend für das Album ist schon der Beginn, den ein Sample des Films "The Prophecy" (1995) macht:

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"Did you ever notice how in the Bible, when ever God needed to punish someone, or make an example, or whenever God needed a killing, he sent an angel? Did you ever wonder what a creature like that must be like? A whole existence spent praising your God, but always with one wing dipped in blood. Would you ever really want to see an angel?"

Dies markiert den Auftakt zu "Wind Before The Storm". X-Ray gönnt dem Hörer keinen gemächlichen Einstieg, sondern wirft gleich zu Beginn eines seiner düstersten Instrumentals ins Geschehen, das mit seinem Streicherteppich ein fabelhaftes musikalisches Motiv für den, das Cover zierenden, apokalyptischen Engel abgibt. Dem Beat in seiner Dramatik ebenbürtig ist jene Sekunde, in der Rodan sein erstes Wort abfeuert. Im Rap-Game gibt es keinen anderen Akteur, der eine kühle Stimme und einen rasanten und schlichtweg brutalen Flow so in Szene zu setzen zu weiß. Zudem ist das, was Rodan zu erzählen hat, auf ganz hohem, sich beispielsweise abstrakt oder ironisch kleidenden, Niveau angesiedelt. Selbst wenn einem die Lyrics auf Papier beigelegt würden, man würde hier mit jedem Hörgang Neues entdecken. Jeder Track ist somit in zweierlei Hinsicht besonders - denn selbst ohne Rodan ist auch die Produktion auf "Theophany" erstklassig. Was zuerst nach schlecht abgemischten Lo-Fi-Produktionen riecht, beschert dem ganzen Album eine dichte Atmosphäre, in der die messerscharfen Worte Rodans mühelos ihre Bahnen ziehen. Nicht nur X-Ray, sondern auch RAVAGE, seines Zeichens Monster aus der jüngeren Generation, verewigt sich mit grandiosen Beiträgen. Die beiden Teile von "War In Heaven" krallen sich ein Sample des Transformers-Theme, was überraschenderweise in perfektem Monster-Sound-Kostüm resultiert. "Century 21" sampled Alanis Morissette ("Thank U"), um dem harmonierenden Duo Megalon / Rodan ein weiteres Monument eines Beats zu bieten. "F.E.D.'s (Faggot Evil De-Vines)" hingegen ruft, weitaus konservativer, ein Method Man-Sample auf den Plan, während auch Rodan hier eine thematische Landung bei den Problemen des Ghetto-Lebens vornimmt. Abgehoben wird dagegen in Tracks wie "Flight Lessons" oder dem Remix zu "Sumthin To Prove", wobei beat-technisch etwas abgespeckt wird, um den Fokus voll und ganz auf das Ausnahmetalent am Mic zu setzen: "Ayo, my name was Rodan before the wack Godzilla blockbuster / My name was Rodan before stellar dust collected into the first star cluster" - das war im Original von "Sumthin' To Prove" großartig, und das ist es hier immer noch. Der thematische Exot dieser Scheibe ist "Erotic Peaks", in dem Rodan einen lyrischen Soft-Porno kreiert, der gar nicht erst mit den plumpen Ausführungen gewisser Rap-Kollegen verglichen werden sollte. "G.O.D. (O'mighty)" dreht sich um den "Great O'mighty Dollar" und die von RAVAGE genial produzierte "Human Inquisition" rechnet radikal mit der den Autor anwidernden Menschheit und zudem den Vereinigten Staaten ab. Generell scheinen die Wirren und Widersprüche der menschlichen Existenz ein Thema zu sein, das Rodan beschäftigt - zu Tage tritt dies in "The Wilderness", welches von einer simplen Piano-Line, die sich augenblicklich im Gedächtnis festsetzt, unterlegt ist. Bis jetzt noch gänzlich unerwähnt sind die beiden Posse-Tracks. "Run The Sphere V.2.3" erhebt sich mit düsterer Produktion und seinem Line-Up automatisch zum Brecher. Auch "Roll Call" ist nicht weniger als eine Bombe, die mit Kamackeris, Kong und Gigan (von denen es allerdings keiner vermag, gegen Rodan zu bestehen) hervorragend besetzt ist. Schlussendlich sollte Rodan selbst noch einmal zu Wort kommen, wenn er im abschließenden "Ability To Speak (One Week)" erneut ein Feuerwerk an schwerverdaulichen Rhymes abbrennt: "We monsters and men / Gods and animals / Embody the human dichotomy / Mythical spirits intangible / Consume flesh and vegetables / Killer instincts with cannibal / In my city fantasy video / Produced by me and my manski / Directed by Rodan Polanski."


Fazit:
Immer, wenn Rodan auf "Escape From Monsta Island!" seinen Einsatz hatte, lief dem Hörer (bzw. mir) aufgrund dieses stählernen Flows ein Schauer über den Rücken. Dies nun ist das Soloalbum, das diese Action auf eine volle Stunde ausdehnt. Zusammen mit dem hier gebotenen Sound, den Fans von rohem Eastcoast-Rap zu schätzen wissen sollten, erhält man "Theophany" - nicht weniger als einen Klassiker, der die volle Aufmerksamkeit des Hörers fordert. "You gotta decipher it", meint Rodan selbst. Um nun zu einem Ende zu kommen: Mit einem der besten Releases des neuen Jahrtausends und dem besten Soloalbum aus der Czars-Ecke begeht Rodan seinen Solo-Einstand. Dieser Herr ist und bleibt einer der besten mir bekannten Rapper, sei es aufgrund seiner Inhalte oder seines ihn auszeichnenden und eigenen Flows.

Gesamtwertung: 9.4 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 24. Dezember 2008

X-Ray - Monster Mixes Vol #1

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 2002
Label: Mindbenda Recordings

Tracklist:
01. Run The Sphere (Feat. Monsta Island Czars)
02. Live Wirez (Feat. Gigan)
03. Fast Lane (Feat. Kurious)
04. Gorilla Warfare (Feat. Megalon & Kong)
05. Blindfold (Feat. Monsta Island Czars)
06. Broken Nose Flow (Feat. Kong)
07. You Da One (Feat. Darc Mind)
08. Mic Line (Feat. King Ghidra)
09. I Seen It All (Feat. Spiega)
10. Newyork, Newyork (Feat. Quiz)
11. The Orignal (Feat. MF Grimm)
12. Feel It (Feat. Megalon)
13. We Got Beef Wit Da Cops (Feat. Ray Long)
14. Untouchable (Feat. Kamackeris)
15. Century 21 (Feat. Rodan & Megalon)
16. Doomsday (Remix) (Feat. MF Doom)




Was einem hier als Godzilla in schlechter Bildqualität entgegenlächelt und sich als Album von X-Ray zu erkennen gibt, könnte ebenso gut mit dem Schlagwort Monsta Island Czars auf dem Cover winken. "Monster Mixes Vol #1" jedoch ist das erste Machwerk von X-Ray Da Mindbenda, dem Mastermind hinter den Czars, der auch auf dem Gruppenalbum von 2003 einen Großteil der Produktion übernahm. Dieses Werk hier erschien ein Jahr früher über das eigene Label Mindbenda Recordings und lässt schon mit besagtem Cover erahnen, woher der (atomare) Wind weht und mit welchen Gästen man zu rechnen hat.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Und auch wenn dieses Album älter ist, darf man es doch als naheliegendste Ergänzung für jeden, der das weitaus bekanntere "Escape From Monsta Island" schätzt, anpreisen. Mit von der Partie sind sie alle - und noch mehr. Wer es vergessen hat: die rappenden Ungeheuer, die ihre Namen von den Godzilla-Streifen der Toho Studios beziehen, sind (in der Besetzung des Gruppenalbums): X-Ray selbst als King Ceasar, MF Doom als King Ghidra, Rodan, Megalon, Kong, Spiega, Kamackeris, Gigan und Initiator MF Grimm als Jet Jaguar. Aus der weiteren Riege der Monstas ist hier nur einer zu hören: Kurious, der als Biolante aufläuft und auf dem Doom-produzierten "Fast Lane" gleich eine Monsta-Hymne schlechthin abliefert. Der Beat selbst klingt wie einer der seltsamen Rufe der Toho-Monster - einsame Klasse. Im weiten Rest des Albums regiert jedoch der pechschwarze Dirigierstab des Mindbendas, der uns allerfeinste Eastcoast-Kost um die Ohren haut. Das beginnt schon gleich im Opener, dem Remix zu "Run The Sphere": X-Ray verpasst dem Posse-Track ein neues Streicher-Gewand, das den energiegeladenen Raps sogar noch besser steht als das 2001 veröffentlichte Original. Doch ansonsten stellen auf dieser Scheibe, im Gegensatz zu "Escape From Monsta Island!", die Tracks in Komplettbesetzung die klare Minderheit - genau genommen wäre da nur noch das robuste "Blindfold", in dem das eingespielte Team das Mic reihum gehen lässt. Der Rest füllt sich mit Solo-Tracks, die teilweise auch auf den äußerst raren EPs von Rodan, Gigan oder Kong erschienen sind. Letzterer ist mit "Gorilla Warfare" und "Broken Nose Flow" gleich mit zwei Songs vertreten, für die jeweils der gute alte Prodigy als Sample herhalten muss. Wenn er dann in Megalons "Feel It" nochmals bemüht wird, möchte man meinen, es mit einem weiteren Mitglied der Czars zu tun zu haben. Doch wer will sich beschweren, wenn die Resultate von solch bemerkenswerter Qualität sind? "Mic Line" ist dann der einzige Song, der auch auf dem Czars-Album vertreten ist - und gehört zu den wenigen hiesigen Mic-Appearances von Doom. Die Alternativen sind allerdings und glücklicherweise mehr als ausreichend: Gigan beispielsweise flowt sich elektrisch geladen durch "Live Wirez" und Kwite Def alias Kamackeris erhält in "Untouchable" ebenfalls genug Spielzeit. Im Verlauf des Albums kommt man noch am genialen "Century 21", mit Megalon und einem wie gewohnt nicht in den menschlichen (Stratos-)Sphären rappenden Rodan, als auch an dem von Fakts One stürmisch ausgestatteten "The Original", vorbei. Nicht zu vergessen Froststimme Spiega, die sich in "I Seen It All" ein Denkmal setzt. Dagegen verblasst sogar MF Doom, der auf dem von DangerMouse 2005 abgekupferten Bauplan dieses Tracks zu hören ist. Schlussendlich sind auch einige Nicht-Monsta-Stücke an Bord: Kev-Roc, der als Reimpartner zusammen mit X-Ray die Formation Darc Mind bildet, gibt sich in "You Da One" die Ehre und auch Quiz bekommt drei Minuten um sich zu beweisen. Megalons Bruder Ray Long komplettiert das Gästeaufgebot, während der Ausstieg mit einem gelungenen Remix zu "Doomsday" (welcher seinem Original jedoch nicht gleichkommt) vollzogen wird.


Fazit:
Man sollte sich nicht vom billigen Cover abschrecken lassen: Im ersten Teil der Monster Mixes steckt eine Füllung, an der man lange seinen Spaß haben wird. Dieses zur Blütezeit der Truppe entstandene Werk bildet einen der Gründe, warum die Monsta Island Czars zu dieser Zeit als Geheimtipp und Qualitätshochburg eine der führendsten Anlaufstellen für ungeschliffenen Eastcoast-Rap waren. Wem das Line-Up vor guten Emcees aus den Nähten platzt, wer solche Beats zustande bringt, der braucht sich nicht verstecken. "Monster Mixes Vol #1" ist ganz einfach gesagt ein Blindkauf für jeden Ostküsten-Fan und zudem ein Beweis, dass guter HipHop keines riesigen Budgets und namenhafter Gäste bedarf.

Gesamtwertung: 9.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Montag, 22. Dezember 2008

Madvillain - Madvillainy

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 23. März 2004
Label: Stones Throw Records

Tracklist:
01. The Illest Villains
02. Accordion
03. Meat Grinder
04. Bistro
05. Raid - (feat. MED aka Medaphoar)
06. America's Most Blunted - (feat. Quasimoto)
07. Sickfit
08. Rainbows
09. Curls
10. Do Not Fire!
11. Money Folder
12. Shadows Of Tomorrow - (feat. Quasimoto)
13. Operation Lifesaver / Mint Test
14. Figaro
15. Hardcore Hustle - (feat. Wildchild)
16. Strange Ways
17. Fancy Clown - (feat. Viktor Vaughn & Allah's Reflection)
18. Eye - (feat. Stacy Epps)
19. Supervillain Theme
20. All Caps
21. Great Day
22. Rhinestone Cowboy



Madvillain ist ein Name, der seit diesem Album hier mit viel Respekt in der Rap-Welt umhergeistert. Dass sich dahinter der namentliche Zusammenschluss von Supervillain Metal Face Doom und Madlib verbirgt, ist dabei kein Geheimnis. Was genau dieses Album zu einem solchen Phänomen macht, ist da weitaus interessanter. Andererseits: schon Madlibs Kollabo mit einem anderen großen Kopf im HipHop als Jaylib brachte ein ähnlich gerühmtes Werk hervor.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Anders als bei "Champion Sound" werden hier nicht Beats und Rhymes 50/50 aufgeteilt - obwohl das sicherlich auch prima funktioniert hätte. Doch hier sorgt der Beat Konducta für die klangliche Ausrüstung der Songs, während die einzigartige Reimwalze Doom seinen Flow darüberpackt. Was also passiert, wenn zwei der zu den kreativsten Köpfen im HipHop gezählten Künstler zu Superschurken avancieren und die Welt unsicher machen, bekommt man hier in einer Dreiviertelstunde und auf 22 Tracks so unverschämt gut vor Ohren geführt, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Charakteristisch über das ganze Album hinweg sind kurze Spielzeiten, die es dem Hörer nicht gönnen, groß Luft zu holen. Hier jagt eine Sensation die nächste, die Instrumentals wechseln manchmal in atemberaubendem Tempo, ohne dabei den von Madlib schwungvoll ausgelegten und doch nie abreißenden Faden zu verlieren. Da klebt der selbstredende Titel "Accordion" an dem vom Metal Face gebastelten Intro, das Doom-angepasst-verhaltene "Curls" wird von einer Explosion pulsierender Madlib-Auswüchse in "Do Not Fire!" verfolgt und der "Mosnta Island Sound goes Madlib"-Clash namens "Operation Lifesaver" sitzt zwischen nachdenklichen Quasimoto-Pitches und dem genickbrechenden "Figaro". Sample-Kunst nahe der perfektionierten Vollendung kommt mannigfach zum Einsatz und verpasst der Harmonie des Albums den letzten Schliff. Beim Aufzählen der positiven Beispiele muss man da weit ausholen: ein umwerfend nach vorne preschendes "Raid", das abgedrehte Interlude-artige "America's Most Blunted" und gleich danach das schlichtweg hinreißend geniale Instrumental "Sickfit" - und im zweiten Atemzug folgen "Strange Ways" mit Streicher-Untersatz der Extraklasse und dem vielleicht besten Auftritt Dooms auf diesem Album ("They pray four times a day, they pray five / Who ways is strange when it's time to survive / Some will go of they own free will to die / Others take them with you when they blow sky high"), eine melancholische Sample-Show mit "Gast" Viktor Vaughn, die Madvillain-Hymne "All Caps" oder "Rhinestone Cowboy", das abschließend noch einmal Doom auf Hochtouren bietet: "We rock the house like Rock 'N Roll / Got more soul than a sock with a hole".


Fazit:
Wer im Aufeinandertreffen der Supervillains, das übrigens auch ein Wettstreit der Anzahl der Alter Egos hätte werden können, letztendlich besser dasteht, ist sehr schwer zu sagen. Vielleicht Madlib ein klein wenig. Ist allerdings auch vollkommen egal - fest steht, dass die allgemeine Euphorie über dieses Album vollkommen gerechtfertigt ist. "Madvillainy" ist ein Hörerlebnis, dem man mit Worten schwer gerecht wird.

Gesamtwertung: 9.0 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Freitag, 19. Dezember 2008

Monsta Island Czars - Escape From Monsta Island!

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 3. März 2003
Label: Rhymesayers Entertainment / Metal Face Records

Tracklist:
01. What's The Name Of This Place?
02. M.I.N.Y.A.
03. F@#k Y'all N!@@#s
04. Witchcraft
05. 1,2... 1,2
06. Scientific Civilization (Skit)
07. MIC Line
08. Poizon Windz
09. Under Pressure
10. Became A Monsta
11. There's A Legend (Skit)
12. Out My Mind
13. Warning
14. Make It Squash!
15. Gunz 'N' Swordz
16. Sumthin' To Prove
17. Live Son Of A Bitch (Skit)
18. Comin' At You
19. Take Control
20. Escape From Monsta Isle



Wer ist diesem Cover nicht schon mal zumindest über den Weg gelaufen? Dass das Album trotzdem keine weitreichende Bekanntheit genießen kann, ist dabei gleichsam Tatsache und Frechheit. Denn hier hat man es mit einem einmaligen Spektakel zu tun: 2003 kommt das bis dato einzige Gruppenalbum des in den Neunzigern entstandenen Kollektivs der Monsta Island Czars, kurz M.I.C., auf den Markt.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Ursprünglich ins Leben gerufen von MF Grimm, ist es ebenjener Herr, der zur Zeit der Aufnahmen hinter schwedischen Gardinen sitzt und auf dem Album nicht zu hören ist. Ist allerdings nicht weiter schlimm, denn die Emcees, die hier zu Monstern mutieren, dürfen sich allesamt fähige Untergrundspucker nennen. Die Namen, die einem auf diesem Album begegnen, sind aus den Monsterfilmen entnommen, die unter Produtkion der Toho Studios seit den 50ern ihr Unwesen treiben. Da wären: der abwesende Grimm, der in die Rolle der fliegenden Action-Roboterfigur Jet Jaguar schlüft, der weitaus bekannteste Name der Truppe - MF Doom - der hier als dreiköpfiges Monster King Ghidra unterwegs ist, ein zerstörungswütiger Pteranodon alias Rodan (auch Doc Morreau), Tommy Gunn als Riesenschabe Megalon, Zymeer als Gigan, Kwite Def als Kamackeris (Monstervorbild: der Gottesanbeterinnenverschnitt Kamacuras), Kongcrete bzw. Kong, dessen Cousin Spice als Riesenspinne Spiega und last but not least die lenkende Hand im Hintergrund, X-Ray Da Mindbenda, der hier als King Ceasar auftritt. Direkt in der zweiten Reihe und auf diesem Album (noch) nicht vertreten finden sich allerdings noch eine ganze Reihe weiterer Monster.

Wer sich bei diesem Album einen Abklatsch des Doom-Sounds erwartet, der liegt vollkommen daneben. Generell wirkt Doom hier mehr wie ein Gast, der nur einmal ans Mic tritt, jedoch einige der Produktionen übernimmt. "Mic Line" ist ebenjener Auftritt, der in typischer Doom-Manier abgehandelt wird und sicherlich auch Abwechslung in das Album bringt, trotzdem nicht zu den besten Tracks gehört. Die haben nämlich die restlichen Monster gepachtet, die im Gegensatz zum gemächlichen Doom Tod und Verderben über das Rap-Land bringen. Kantige, düstere Produktionen von X-Ray legen den Grundstein für den Sturm auf herkömmlichen und kommerziellen HipHop, der vor nichts Halt macht und alles im Weg stehende niederreißt. Erläutern lässt sich dies bestens am Highlight der Platte, "Whichcraft": ein Insturmental, das mit pechschwarzer Sound-Kulisse und elektrischem Zucken wie die Audioillustration des Himmels eines Jahrhundertgewitters erscheint, wird durchschnitten von gleich sechs der Monster, die nach mehrmaligem Hören ihre jeweiligen Besonderheiten herauskristallisieren können. Rap-technisch fliegt über allen seinen Kumpanen Rodan: ein stahlharter Flow, gepaart mit einer zügigen Geschwindigkeit lässt seine Raps sogar unter dieser Ausnahmegruppe hervorstechen. Vor allem in den verworren-dunklen Momenten trumpfen weitere Monster auf, wie beispielsweise auf "Poison Windz" Megalon und auch Gigan, dessen Stimmorgan dem "Damien" von den DMX-Alben nahekommt. Spiega ist nicht minder einzigartig, was er seiner unbändig finsteren Stimme zu verdanken hat, mit der er Tracks wie das drohend-stampfende "Became A Monsta" zerlegt. Weiterhin bietet das Album eine ganze Palette an Samples aus den Monsterfilmen, einen irrwitzig guten Solo-Track Rodans ("Sumthin' To Prove"), das Anti-Kommerz-Statement "Take Control", einen nach vorne preschenden Opener namens "M.I.N.Y.A.", Kongs dreckig-geniales Solo "Warning", mit "Comin' At You" und einer Hook von Angela Workman leider auch einen überflüssigen Track (wohlgemerkt, produziert von Doom) und mit dem Titeltrack nochmal allerfeinstes Hochgefühl zum Abschluss.


Fazit:
Wo der Wu-Tang Clan seine Inspiration aus vereinsamten Shaolinklostern bezog, da bedienen sich die Czars bei den Toho Studios. Und auch wenn diese Supergruppe (zusammen) nur ein Album veröffentlichte, hat es dieses Release in sich. Von schlichtem unangepasstem Ostküsten-Sound nahe der Perfektion bis zu bedrückenden Abgründen, die X-Ray mit seinen Produktionen auftut, wird hier der Soundtrack zur Zerstörung New York Citys bzw. der Welt serviert. "Escape From Monsta Island!" darf als Repräsentant sämtlicher Releases aus der M.I.C.-Ecke gelten und ist somit in diesem Rap-Universam ein Unikat, das die Höchstnote verdient hat.


Gesamtwertung: 9.6 / 10

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Samstag, 6. Dezember 2008

Alucard - Watch Them Fall

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 28. Oktober 2008
Label: Creative Juices Music

Tracklist:
01. Intro - (feat. DJ Jedi)
02. Stealth Bomber - (feat. DJ Jedi)
03. We The Ones - (feat. IDE)
04. Rainy Soul - (feat. Destruments)
05. Poison Tester
06. Utopias
07. Oh No
08. Walk In The Park - (feat. IDE & Midaz)
09. Life Threatening Interlude - (feat. DJ Jedi)
10. Vendetta
11. What They Gone Say - (feat. L.I.F.E. Long)
12. Poetry In Motion
13. Clear Face Mask - (feat. IDE & Critical)
14. Full Of Hate
15. Octane - (feat. Savkillz, L.I.F.E. Long & IDE)
16. Dream Of Life - (feat. Savage Messiah & L.I.F.E. Long)
17. Dont Get - (feat. IDE)
18. Best Of Short Cuts 1-3
19. Altitude - (feat. Savage Messiah)
20. Order Of The Dragon - (feat. Deep, L.I.F.E. Long, Relz & IDE)
21. Ditmas - (feat. IDE)
22. Daisy Cutters
23. Smiley Face Killers - (feat. Jise)



In Zeiten, in denen die Ostküste immer noch im Dauertief feststeckt und hin- und hergerissen ist zwischen Aufspringen auf den Zug des Einheitssounds oder Sichtreubleiben, was meist trotzdem in unspektakulären Alben resultiert, muss sich der Underground-Fan in seine letzten Rückzugsgebiete verkriechen. Ein solches ist Creative Juices, ein Label, das in New York beheimatet ist. Eines der Gründungsmitglieder wiederum ist Alucard, der schon seit über zehn Jahren im Geschäft mitmischt, bis zum heutigen Tag jedoch noch kein einziges Release vorzuweisen hat. Grund genug, einige Tracks der letzten Jahre zusammenzukehren und sie auf eine CD zu packen. Was ursprünglich als Mixtape geplant war, heißt nun "Watch Them Fall" und gilt als vollwertiges Album.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Auf dem Cover ein Junge, der einem Engel, welchem er augenscheinlich die Flügel ausgerissen hat, beim Sturz aus den Wolken zusieht. Was will man eigentlich mehr? Neben der Tatsache, dass hier ein weiterer Bewerber für das beste Cover des Jahres vorliegt, erscheint die Scheibe nur im SlimCase-Format. Das schmälert zwar die ersten Freudeneindrücke, ändert jeodch und natürlich nichts an der Musik selbst. "Some of the rawest Boom Bap Hip Hop has ever heard", so heißt es. Große Töne also, die schon so viele Alben für sich beanspruchten, dass man es hier auch wieder mit einem 0815-Werk zu tun haben könnte. Doch um eines vorwegzunehmen: "Watch Them Fall" ist alles andere als gewöhnlich. Alucard übergießt den Hörer mit einem komplexen Wortfluss, der sich vor nichts und niemandem verstecken muss. Die Produktion verspricht, angeführt von IDE, allerfeinsten CJM-Sound. Und was soll man da mehr sagen? Was hier auf den Hörer losgelassen wird, ist Kunst. Sobald im Intro, langsam aber sicher, losgelegt wird, springt die Platte auf ein Grundniveau, auf dem bei anderen Alben die Highlights sitzen. Der Opener "Stealth Bomber" macht sich innerhalb nur einer Minute kraftvoll Platz, um die Hörerschaft mit Tracks wie dem tiefschwarz-düsteren "We The Ones" oder dem vielschichtig-überragenden Kopfnicker "Poison Tester" zu überziehen. Desweiteren stehen im Programm: knochenbrechende Drums mit perfekt passenden Samples wie in "Full Of Hate" und gut gesetzte Streicher, die vom verhältnismäßig ruhigen "Don't Get" bis zum bedrohlichen "Order Of The Dragon" reichen, welches zudem noch von einem bestens aufgelegten L.I.F.E. Long zerlegt wird. Der "Walk In The Park" mutet vielmehr wie eine professionell inszenierte Geisterbahnfahrt an, die in puncto Düsternis von "Vendetta" noch übetroffen wird, in dem Alucard gemäß dem Titel eine blutige Spur hinterlässt. Doch damit nicht genug. Die 2 Hungry Brothers bemühen unheilvoll schallende Trompeten für das "Life Threatening Interlude", in dem DJ Jedi knappe drei Minuten lang die Hörer an die unschönen Dinge des Lebens erinnert und dabei zwischen "Anal Rape", Treibsand, Killerbienen, Pech, unpassenden Schuhen, Sonnenbrand, der Erderwärmung, Vergiftung des Leitungswassers, dem nuklearen Winter und dem Zorn Gottes wenig auslässt. Als kleiner ironischer Fingerzeig wohl eines der besten Interludes des Jahres. Sogar die "Short Cuts" sind, jedes der drei für sich, kleine Juwelen, wobei man sich vor allem beim ersten fragen muss, wieso solch eine Brillianz nicht länger als eine Minute bekommt. Und unter all diesen erwähnenswerten Anspielpunkten fehlt noch der vielleicht Beste. "Poetry In Motion" bekommt von IDE einen Beat verpasst, der, in Worte gefasst, für sich schon ein eigenes Kunstwerk darstellt und nicht weniger als überwältigend ist.


Fazit:
In einer Zeit, in der viele Künstler auf höchstens ein Dutzend Tracks setzen und es schon dabei nicht auf die Reihe bringen, konstant gute Ware zu bieten, knallt einem Alucard 23 Songs vor den Latz, die es in sich haben. Dieses Album ist der Prototyp eines zu wenig beachteten Underground-Werks. Auch dem Label-Namen macht es alle Ehre, denn hier fließen die Creative Juices im Überfluss. Wer bezüglich des Compilation-Charakters, den eine Zusammenstellung aus so vielen Jahren mit sich bringen könnte, Bedenken hat, dem kann ebenfalls Entwarnung gegeben werden - Alucard tat um die Jahrtausendwende das, was er auch heute tut. Wer sich "Watch Them Fall" entgehen lässt, der ist selbst schuld, denn hier hat man es wohl mit dem besten Release des Jahres 2008 zu tun.

Gesamtwertung: 9.0 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Dienstag, 2. September 2008

Baby J - Presents: Birth

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 17. November 1998
Label: Bomb Hip-Hop / Baby J Enterprises

Tracklist:
01. Intro
02. For My Army - (feat. A-Alikes)
03. Savior - (feat. Poetic)
04. Truth - (feat. Shaqueen, Omen & Shabazz The Disciple)
05. The God In Man - (feat. Knowledge Scientifik Cipher)
06. Unseen Hand - (feat. Kinzmen)
07. War Trilogy: P.O.W. (Projects Of War) / M.I.A. (Militia Incarcerated Alien) / Ambush - (feat. Celestial Souljahz)
08. Focus - (feat. Freestyle)
09. Threat Of Allegiance - (feat. Bless)
10. Pressure - (feat. Yogi)
11. Fire On Water - (feat. Fire)
12. Walk With A Bop - (feat. A-Alikes)
13. Angels Of Death - (feat. Yogi, Freestyle, Shabazz The Disciple & Poetic)
14. How Long? - (feat. G-Force)
15. The Lamb's Blood - (feat. Shabazz The Disciple)
16. Outro - (feat. DJ Noize)



Alle, die Baby J nicht kennen, bitte aufstehen. Wer jetzt noch sitzt, ist ein glücklicher Mensch. Denn er ist wahrscheinlich mit dem Werk, das 1998 unter dem Titel "Birth" seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat, vertraut. Baby J kommt nicht etwa aus New York, sondern aus Großbritannien. Doch was er auf diesem Album abliefert und mit wem er es abliefert, sollte jeden Eastcoast-Fan aufhorchen lassen.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Denn neben einigen weiteren Herren aus dem UK sind auch Shabazz, Poetic oder die A-Alikes mit von der Partie. Letztere beginnen auch mit dem ersten Track, "For My Army". Schon dieser Song eröffnet dem Hörer, von wo der Wind hier weht: staubtrockene Snares, üppiger Einsatz von Streichinstrumenten und Samples, von denen nur Baby J selbst weiß, wo er sie ausgegraben hat. Klingt eigentlich nicht besonders, schließlich stehen diese Reagenzien auf fast jedem Rezept der Neunziger. Doch dieses Album ist anders. Beziehungsweise: besser. Baby J zelebriert sein Handwerk und webt unerahnt atmosphärische Teppiche, mit denen auf diesem Album durchgehend Poeten fliegen dürfen. Neben den nüchternen Reality-Rap-Inhalten finden sich reihenweise religiöse Einflüsse, die man zwar nicht glauben muss, die jedoch das gewisse Etwas ausmachen. Um das Ergebnis in Worte zu fassen bedarf es einer inflationären Verwendung des Worts "genial". Im Gegensatz zu heute, wo größtenteils gemütlich vor sich hingeflowt wird, spucken die Akteure hier lodernde Flammen - ganz gleich von welcher Seite des Kontinents. Schon zu Beginn wird von Poetic als auch von Shaqueen alias Ma Barker Vollgas gegeben. Nachdem dann eine geniale Pause eingelegt wird, in der uns Cipher Jewels von Moorish Delta 7 von seiner Auffassung der Entstehungsgeschichte berichtet, entführen die Kinzmen den Hörer unter mystischem Gesang in andere Rap-Sphären. Doch hier einen Höhepunkt zu setzen wäre fatal - im Anschluss laufen nämlich Shabazz The Disciple und Freestyle (bekannt von den Arsonists) als Celestial Souljahz ein, um die "War Trilogy" zu performen, die unter Sirenenheulen und Maschinengewehrfeuer als Funkverkehr zu vernhemen ist. Im fortgeschrittenen Stadium des Albums stößt man neben einem weiteren genialen Auftritt der A-Alikes auf die "Angels Of Death", die sich über einen verstörend düsteren Beat als Yogi, Freestyle, Shabazz und Poetic vorstellen. Wem das noch nicht reicht, der bekommt zu guter Letzt noch einen Bombeneinschlag eines Songs: "The Lamb's Blood" ist vielleicht Shabazz' bester Song überhaupt. Man mag das, was er hier von sich gibt, als Stuss abtun, doch dieser Stuss befindet sich auf so unerreichbar hohem Niveau, dass es einfach großartig ist, dem Herrn beim Sinnieren zu lauschen. Deshalb ist es nur recht, hier noch einen kleinen Auszug zu zitieren:

"This be the opening of the 7th seal / I'm storming down like the plague of hail / Avenge the innocent blood spilled, the king of Israel
The earth was given to his hand to trick it / I'm the mighty lion in the thicket, who be spying on the wicked
In these last days, the projects is like the caves / Facing the 10 plagues, like Moses I free slaves"


Fazit:
1998 kam eine Auswahl an Künstlern zusammen und erschuf am Zenit ihrer Schaffensphase "Birth". Fast genauso verwunderlich wie dieses Album selbst ist die Tatsache, dass Baby J neben einigen der wortgewaltigsten Emcees der damaligen Zeit nie das Zepter aus der Hand gibt. Denn egal, wo in dieser Review die lyrischen Leistungen gewürdigt wurden - es stand immer ein entsprechend exzellenter Beat dahinter. Baby J, obwohl nicht einmal aus den Staaten, serviert hier den Prototyp eines makellosen Eastcoast-Albums und krallt sich nebenbei den Titel des besten Producer-Albums aller Zeiten. So klingt es, wenn eine Sparte des Raps zur Perfektion getrieben wird. Jammerschade, dass Baby J heutzutage einen vollkommen anderen musikalischen Weg verfolgt.

Gesamtwertung: 9.7 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Samstag, 8. Dezember 2007

GZA - Beneath The Surface


Release Date: 29. Juni 1999
Label: MCA Records

Tracklist:
01. Intro
02. Amplified Sample
03. Beneath the Surface - (Feat. Killah Priest & RES)
04. Skit #1
05. Skit #2
06. Crash Your Crew - (Feat. Ol' Dirty Bastard)
07. Breaker, Breaker
08. High Price, Small Reward - (Feat. Masta Killa)
09. Hip Hop Fury - (Feat. Hell Razah, RZA, Timbo King & Dreddy Kruger)
10. Skit #3
11. 1112 - (Feat. Masta Killa, Killah Priest & Njeri)
12. Skit #4
13. Victim - (Feat. Njeri & Joan Davis)
14. Publicity
15. Feel Like an Enemy - (Feat. Hell Razah, Killah Priest, Trigga & Prodigal Sunn)
16. Stringplay (Like This, Like That) - (Feat. Method Man)
17. Mic Trippin
18. Outro - (Feat. LA The Darkman & Timbo King)



GZA zählt schon seit Anbeginn der 90er zu den begnadetsten und besten Reimflechtern und Lyricists des Clans, dessen Umfeld und überhaupt dem HipHop-Game. Das liegt an seiner ruhigen, souveränen Art zu rappen, die trotzdem eine selten kraftvolle Wirkung besitzt und die auch "Liquid Swords" zu einem Klassiker machte und seinen Beinamen "Genius" mehr als rechtfertigt(e). Im Zuge der zweiten Generation von Solo-Alben steht auch der GZA in den Startlöchern, um seine Hörergemeinde in "Beneath The Surface" unter die (oberflächliche) Öberfläche zu führen.

So wie ein Wu-Tang Solo halt nun mal auszusehen hat, gibt es hier purste Wu-Features und passende Produktion. Diese legt GZA hauptsächlich in die Hände von Allah Mathematics und The Arabian Knight. Erstaunlicherweise nur ein Beat und ein Feature von RZA. Doch die Betrachtung der Tracklist sagt natürlich noch nichts über den wahren Inhalt des Albums aus, dafür sollte man schon seine Lauscher aufsperren und sich dem Hörerlebnis hingeben, das dieses Album bietet. "In the depths of the cavern of the mind comes another jewel / From the man who brought you Liquid Swords / The director of "Shadowboxin'", "4th Chamber" and "Cold World" / He now takes you... beneath the surface". So leitet sich dieses Album ein, gefolgt von druckvollen Streichern. Nach dem Intro geht es dann gleich über zum ersten Track. Und dieser bietet so unglaublich eindrucksvollen Eastcoast-Sound, dass man versucht ist, anstatt vom Rest des Albums einfach nur "Amplified Sample" 20 mal abzuspielen. Die Harmonie, die hier zwischen dem verkratzten Beat und GZA's ebenso rauer Stimme herrscht, ist schwer in Worte zu fassen. " Everything I thought of, I saw it happen / Then I rose from the soil to sun blacken". Der allwissende Meister hat gesprochen.

Für den nächsten Beat-Diamant zeigt sich Inspectah Deck verantwortlich, der im Titeltrack "Beneath The Surface" dem GZA softe Streicher zur Seite stellt. Zu Gast ist außerdem ein Killah Priest, der so perfekt rappt wie auf "BIBLE". "Been in the presence of mad peasants, and old kings / Who sold everything, on a quest for god's divine / Slept in caves to get a clear mind / Who prayed 3 times, when the moon lit and when the sun rise / I met dwellers in the desert, talked to shepherds / Been in the mouth of many leopards / Felt the death kiss, of Satan's mistress / Walked through vacant districts, for four religions, studied Pagan scriptures". Eine solche Wortwahl ist im Rap-Game fast mit dem Titel 'einzigartig' zu krönen. Abgerundet wird das Werk von einer angenehmen Hook von RES.

Nach zwei Skits erwartet den Hörer eine Wucht eines Beats, die von einem grölenden Ol' Dirty Bastard mit einem Chorus gesegnet wird. "Crash Your Crew" ist böse-verrucht, wie es sich ein Wu-Tang-Fan nur wünschen kann. The Arabian Knight lässt anschließend in "Breaker, Breaker" eine Geige den Ton angeben, um ansonsten nur noch simple Drums hinzuzufügen und trotzdem mit minimalem Aufwand ein großartiges Ergebnis zu erzielen. "My high molecular structure be untangible / The name ring a bell, killable, two syllable / The Wu is comin' through, the outcome is critical". Im sehr kurzen "High Price, Small Reward" leistet Masta Killa dem Genius Gesellschaft, während Mathematics den Piano-dominierten Beat beisteuert. Allah Mathematics gibt den Ball dann gleich wieder an den Arabien Knight ab, der eine eingängige, wunderbar dreckige, Piano-Line mit simplen Drums unterlegt, um "Hip Hop Fury" zu einem der Kracher des Albums zu erheben. Gast-Raps gibt es von der Royal Fam, hier verteten durch Dreddy Kruger und Timbo King, und dem SOM-MC Hell Razah. Ob diese Features dem Album wirklich zuträglich sind, steht offen, sie stören jedoch auch nicht und bieten jenen MCs somit eine gute Chance, ihre Fähigkeiten für jene, die keine Die-Hard-Wu-Fans sind, vorzustellen. Und dann ist da noch RZA's starke Hook, die dem Song das I-Tüpfelchen aufsetzt. "You crunchy chump crabs get crumbled up like crack rock / fuck wit the Wu we bustin ya whole snot box".

Es stellt sich die Frage, was mit dem folgenden, nunmehr dritten Skit, bezweckt werden soll, da er, wie schon die beiden vorigen, höchstens den Fluss des Albums stört. Und da RZA mit seinem einzigen Beat voll den Nerv des Albums trifft, gibt es keinen Grund, sich von einem solchen Skit aufhalten zu lassen, zumal es neben GZA hochwertige Raps von Masta Killa, Killah Priest und auch Njeri zu hören gibt. I shot the sheriff and the deputy secondly / Threatenin the lives of those who threaten me", so Njeri. Skit #4 ist etwas aussagekräftiger als seine Vorgänger und zielt wirkungsvoll auf den Waffenfanatismus der Amerikaner ab, und die daraus resultierende Gefahr für Kinder. "In the United States, more than 10 children are killed by handguns every day". Dies bildet die Einleitung zum großartig von Arabian Knight produzierten "Victim", das leider von Joan Davis' Hook etwas versalzen wird. Ohne diese Hook wäre der Track sicher bei den besten des Albums gelandet, so kann man sich lediglich an starken Raps von GZA und Njeri und dem Beat erfreuen. Dass das Konzept aus trockenen Drums und alt klingenden Streichern wieder und wieder aufgeht, beweist Mathematics mit "Publicity", einem zweieinhalb Minuten langen Rap von GZA, ohne Hook und Schmuck. "I do an interview and they aim to trace my essence / To know more than is necessary blunts your weapon / My group's Nova, remain unsober / And serve high times with king cobras".

In "Feel Like An Enemy" geht Mathematics genau nach demselben Schema vor wie schon beim Track zuvor, und kreiert wieder einen astreinen Beat, den sich die halben Sunz Of Man mit MMO-Mitglied Trigga teilen, wobei GZA hier nicht zu hören ist. "Stringplay" ist, was den Beat betrifft, wörtlich zu nehmen, denn er besteht aus eben diesem Stringplay. Dazu gibt es eine gehörige Portion Coolness von Method Man und GZA, was zu Lines führt wie: "You're like secretaries who can't type, you're no use". Mit einem fast schon verträumten Beat schiebt Mathematics den Hörer dann nochmals tief in die Wu-Atmosphäre, während GZA für die entsprechende Rap-Unterhaltung sorgt, was "Mic Trippin'" im Gesamtpaket einwandfrei macht. Für das Outro wird dann nochmals der Beat des Intros eingespielt, wobei er diesmal von LA The Darkman und Timbo King berappt wird.


Fazit:
Man sollte "Beneath The Surface" nicht mit "Liquid Swords" vergleichen, denn dann wird man mit diesem Album nicht glücklich. Es ist bei weitem nicht so kantig, es fehlt dieser Schatten, der über dem Album hängt, es fehlen auch die Kung Fu-Samples. Davon abgesehen ist "Beneath The Surface" jedoch ein einwandfreies Eastcoast-Album ohne Ausfälle, mit einem einmaligen Hauptdarsteller und durchweg starken Beats. Und damit ist "Beneath The Surface" eines, wenn nicht das beste Album der zweiten Runde an Wu-Solos, das in einer Zeit, in der HipHop am Aufweichen ist, durchaus als Klassiker seiner Zeit bezeichnet werden kann.

Gesamtwertung: 9.6 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 5. Dezember 2007

One Be Lo - S.O.N.O.G.R.A.M.


Release Date: 8. Februar 2005
Label: Fat Beats

Tracklist:
01. Intro
02. The UNDERground
03. enecS eht no kcaB
04. Questions - (Feat. Charmaine Gibson & Abdus Salaam)
05. Oggie
06. Propaganda
07. The Ghetto - (Feat. Marvin Scruggs)
08. Axis
09. Sleepwalking - (Feat. Ka Di)
10. True Love - (Feat. Decompoze)
11. Interlude
12. Used 2 Be Fly
13. Deceptacons
14. Can't Get Enough - (Feat. Magestik Legend)
15. Assassinations
16. Evil of Self - (Feat. Abdus Salaam)
17. The Future
18. E.T.
19. The Capital IST
20. Rocketship
21. Unparalleled - (Feat. Magestik Legend)
22. Follow My Lead



One Be Lo, von woher sollte einem dieser Name bekannt vorkommen? Genau, zusammen mit Senim Silla als Binary Star bekannt und für einen Underground-Klassiker namens "Masters Of The Universe" verantwortlich. Nach dem Aufbau von Subterranoues Records und einem eigenen Album "Project F.E.T.U.S." erscheint im Jahr 2005 der Nachfolger, "S.O.N.O.G.R.A.M.", alias "Sounds Of Nashid Originate Good Rhymes And Music". Sein Motto hat Nashid Sulaiman damit also schon definiert. Es stellt sich somit nur noch die Frage, wie in One Be Lo's Augen "Good Music" aussieht bzw. sich anhört, und darauf ist natürlich das Album selbst die Antwort.

Um diese Antwort zu bekommen, sollte man sich, ohne groß zu zögern, einfach in das Album stürzen. One Be Lo verzichtet auf all zu viele Gäste, belässt die Produktion ganz bei den einzelnen Mitgliedern der Trackezoids und packt doch ganze 22 Tracks auf das Album. Wer Binary Star kennt, sollte jedoch wissen, dass der Moslem kein Problem damit hat, jede einzelne Sekunde Spielzeit mit intelligenten, unterhaltenden und bewegenden Raps zu füllen, und das natürlich in allerbester Form, denn an Talent fehlt es ihm ebensowenig wie an Rhymes.

Neben Liedern, in denen sich die OneManArmy mit dem weiblichen Geschlecht beschäftigt, gibt es von Alltagsproblemen, Kritik an den Lebensverhältnissen im Ghetto, Kritik am Rap-Game und Ausführung der Missstände in Politik und Gesellschaft das volle Programm. Doch erstmal muss der Mann sein Intro gebacken bekommen, für dass er selbst Producer-Hand anlegt und die Blechbläser zu seinen Raps dirigiert: "This apple's hard to the core, this ain't about metaphors / Given the spiritual war, we all a part of it / So much emotion inside, I spit with passion and pride / Feel the rhythms I ride? I put my heart in it".

Nachdem dem "UNDERground" gefröhnt und gegen Major-Labels geschossen wird, fährt Lo in "enecS eht no kcaB" einen Gang herunter, um auf den fast schon übertrieben relaxten Beat seine Wortspiele an den Mann zu bringen. "Thinkin' I'm dissin', cause I ain't feelin' the shit they spittin' / Know the difference between dissin' and constructive criticism / [...] / We don't procrastinate, how many times I got to say to you? / We ain't the type of cats that only talk about what they would do". Während man sich nun, gefesselt von dieser Kombination aus starken Rhymes und ungemein beruhigendem Piano, schon voll in der Atmosphäre des Albums befindet, steigert One Be Lo das Tempo in "Questions" wieder ein wenig, um sich dem System zu widmen. "Violence the number one form of entertainment / Guidance, we need to free us from mental enslavement". Dieser Song geht nahtlos in den nächsten über, der nach kurzen eineinhalb Minuten zu "Propaganda", führt, um thematisch zurück zum verdorbenen System zu steuern. "Who got da props?".

Damit gelangt das Album zu seiner sowohl musikalisch als auch inhaltlich bis dato besten Nummer. "The ghetto". Dieser Song wäre perfekt, wenn nicht der Gesang den von One Be Lo selbst produzierten Song im Chorus etwas ruinieren würde. So kann man sich ganz auf die ohnehin besseren Verses von Lo konzentrieren. "The only playgrounds is vacant lots and burned buildings / You gotta feel sorry for the children / How they gon' do they homework when they homes don't work? / They can't read books cause the lights don't work / They can't take a bath cause the water don't work / The stove in the kitchen, plus the heat don't work / It's cold at night, they mommas can't afford jackets / She too busy trynna to support the crack habit".

Ein starker Vorteil des Albums ist, dass alle vier Mitglieder des Trackezoids, sowohl Chic Masters, Magestik Legend, Decompoze als auch One Be Lo selbst, absolut auf einer Wellenlänge liegen, wodurch das Album eine durchgehende Sound-Atmosphäre aufweisen kann, gleichzeitig aber äußerste Abwechslung zu bieten hat. Im folgenden "Axis" sorgt Chic Masters für die harmonische Beschallung, während One Be Lo nicht müde wird, seine Grundsätze in Rhymes zu verpacken. "It don't take a professor / to see the oppressor got the whole treasure / Now how many Africans slain for one platinum chain on yo dresser / I'm no better just because I think I know better / Tell me who you trust when you in your new trucks / Some of us dyin over a few bucks / Killers old enough to ride a school bus/ With brothers like these, tell me who needs the Ku-Klux?". Nicht möglich zu sagen, ob man sich nun mehr darüber wundert, wie es One Be Lo schafft, solche schlagkräftigen Aussagen in so wenige Lines zu packen oder wie er das Ganze als Rap-Paket darbietet, da beides allererste Sahne ist.

Für "Sleepwalking" schnappt sich Lo KaDi, welche ihm eine Soul-geschwängerte, tramuhafte, Hook beschert. Dank dem gut verständlichen Flow des Mannes bleiben seine Lines wie von alleine im Gedächtnis kleben. "Big chains, cars and clothes, yo that ain't Hip Hop". Mit und von Decompoze erklingt im Anschluss "True Love", was eine kurzzeitige Verschiebung der Thematik auf Liebe und Beziehungen bedeutet. Mit einem nicht minder zurückgelehnten Kopfnicker-Beat präsentiert sich "Used to Be Fly", an welches sich das Streicher-getriebene "Deceptions" heftet, in dem sich Lo mit der Veränderung von Freundschaften beschäftigt.

Das über eine langsam gezupfte Gitarre ertönende "Can't Get Enough" beschäftigt sich logischerweise mit der unmäßigen Gier nach Geld (und Macht). "They say money’s the root of all evil, it gotta be wicked / I seen million dollar preachers robbin’ church senior citizens / A lotta cats be buyin' lottery tickets / Somebody offer you a mill, you probably with it". Natürlich wird auch auf geldfressende Staatsinstitutionen verwiesen, was beim Thema Geldgier natürlich nicht fehlen darf. Der wohl schwächste Track ist "Evil of Self", was am etwas verhaltenen Beat liegt, in dem die dominierenden Snares leicht unpassend wirken. Anschließend philosophiert Lo über "The future", wobei in entspannt-ruhiger Stimmung auch sein Glauben deutlich zum Vorschein tritt. "I heard the future was impressin' when you doin some investin' / Allah multiply 10 times one of your blessings / Qu'ran full of wisdom, it answer thousands of questions / Muhammad soon to show us the way, follow directions".

Für den verbleibenden Rest bringt Lo nochmals Schwung in das Album, angefangen beim Gute-Laune-Song "E.T.", in dem One Be Lo von einer Liebschaft mit einer extraterrestrial/außerirdischen Dame berichtet. Und nachdem man sich in "Rocketship" starker Piano- und Soulsample-Beschallung ausgesetzt hat, darf man sich nochmals Raps vom Duo SECURITY, Lo und Magestik Legend, anhören, die "Unparalleled" Leben einhauchen. Damit ist das Album auch schon fast bei seinem Ende, es fehlt nur noch "Follow My Lead". Dieser stellt als perfekter Ausstiegstrack nochmal einen unanzweifelbaren Höhepunkt des Albums dar. In Eigenregie packt One Be Lo einen Hammer-Beat aus, zu dem er einen selten guten, stimmungsvollen, Refrain auftischt. "Feel the vibe in the place when it's primetime / Don't need no light on the stage, I got my own shine / The fact's right in your face, no need to play blind / Proceed, follow my lead, and get left behind".

Fazit:
Wie oft kommt es heutzutage schon noch vor, dass ein Artist ein Album veröffentlicht, welches (fast) ausnahmslose Begeisterung hervorruft? One Be Lo ist deshalb mit "S.O.N.O.G.R.A.M." ein Underground-Klassiker aus dem Jahr 2005 geglückt, der dank seines freshen Sounds fast jeden HipHop-Liebhaber überzeugen kann und wird, sofern dieser sich das Album auch anhört. Auch wenn man anhand der Trackstärke auf einen oder zwei Songs hätte verzichten können, ist einem das Verlangen nach der Skip-Taste hier vollkommen fremd. Ausgehend vom grundlegenden Erfolgsrezept "Dope Beats, starke Rhymes" baut One Be Lo sehr viel von seiner persönlichen Note ein, welche durch die Produktion und die wenigen Gäste auch nie verfälscht wird. Für alle, die eine Abwechslungs zu Street-Rap, oder einfach nur exzellente, entspannte Musik, suchen, unbedingt empfehlenswert!

Gesamtwertung: 9.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame