Posts mit dem Label Reviews - International werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Reviews - International werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 22. Dezember 2009

Chief - Collabo Collection

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 03. November 2009
Label: Feelin Music

Tracklist:
01. Intro
02. Felt Before (Feat. Moka Only)
03. Jazz Unconditional (Feat. John Robinson)
04. Love Lost (Feat. Co$$)
05. Let It Be (Feat. Tha Connection)
06. True Love (Feat. Blu & Sene)
07. Once In My Life (Feat. Les Nubians)
08. Hello (Feat. Just Brea & Abstract Rude)
09. Anyway (Feat. Moka Only)
10. The Journey (Feat. Sunken Heads)
11. Soul Brother (Feat. Co$$)
12. Demon Love (Feat. Kissey Asplund & Moka Only)
13. D&C (Feat. Dynas)
14. That's How We Kick It (Feat. J Sands & Kenn Starr)
15. Go, Ladies (Instrumental)
16. Perspective (Instrumental)
17. 16 Levels (Instrumental)
18. Chieflada (Instrumental)
19. Outro



HipHop im Stile der Amerikaner aus der Schweiz? Wem hier nicht sofort ein Name in den Sinn kommt, der sollte sich schnellstens mit Chief vertraut machen. Nicht nur verdient sich der in Lausanne geborene Herr seine Lorbeeren als Produzent, vielleicht noch wichtiger ist seine Tätigkeit als Kopf des Labels Feelin Music". So verwundert es auch nicht, wenn Chief im Laufe der Zeit eine ganze Reihe an Bekanntschaften geschlossen hat. Produziert hat der Schweizer schon mehrere Projekte, doch nun scheint die Zeit für ein eigenes Producer-Album gekommen zu sein. Mit Songs, die mitunter vier Jahre alt sind, füllt sich das Debüt "Collabo Collection".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Als Einflüsse wird Chief die halbe Genre-Welt in die Schuhe geschoben, letzten Endes fällt eine Beschreibung der Arbeiten von Chief auch auf keinen gemeinsamen Nenner, doch irgendwo zwischen Jazz-Rap und Neo-Soul tummeln sich die meisten Songs. Wie die meisten anderen Produzenten schart auch Chief viele und vor allem verschiedenste Gäste um sich, auch eine strikte Beschränkung auf amerikanischen Grund und Boden sollte man hier nicht erwarten. Doch im Gegensatz zu so vielen anderen Produzentenalben passt die Mischung bei Chief auch tatsächlich. Ein Pluspunkt, der dem Album im späteren Verlauf sehr zugute kommt. Was das Wattestäbchen im Cover verloren hat, soll hier nicht untersucht werden, vielmehr interessiert, ob aus der "Collection" auch ein brauchbares "Album" geworden ist. Denn bei aller Kultiviertheit der Musik bleibt der Fakt, dass die Idee zum Album wohl nach Aufnahme eines großen Teils der Tracks gefällt wurde. Über das durchschnittliche Album-Feeling anderer Produzenten kommt Chief trotzdem hinaus - Sorge dafür tragen die meist gefühlvollen Instrumentals, die Chief gleich einem Modellbauer mit Liebe fürs Detail zusammenbastelt. So wirklich genießen kann man diese Songs dementsprechend nur, wenn man sich in der richtigen (leider etwas zu eingeschränkten) Atmosphäre, die wahrscheinlich in den eigenen vier Wänden zu suchen ist, befindet. Die meisten Tracks auf "Collabo Collection" wirken nicht, um Ruhe für sich selbst zu finden, sie wirken erst, wenn man die Ruhe schon gefunden hat und sie sich bewahren will. Denn dann hat man den Nerv für Just Brea's "Hello", dann mag man auch das etwas lusch produzierte "Once In My Life" mit dem ausgiebigen Gesang der Les Nubians hören können. Einige Songs können sich erst dann zu wahren Perlen entfalten: "Love Lost" lässt den Tres-Newcomer Co$$ zu sanften Gitarren-Klängen über die Liebe philosopohieren, die britischen Sunken Heads bekommen mit "The Journey" klassisches BoomBap-Piano mit Nas-Sample. "That's How We Kick It" bedarf absoluter Ruhe, um seine Kopfnickerqualitäten zu entfalten. Andere Tracks sind selbst dann noch Filler: "True Love" ist trotz dem bereits bestens vertrauten Trio Chief-Blu-Sene eine lahme Nummer, in "Anyway" verpasst man rein gar nichts. In "Felt Before" leisten Moka und Chief weitaus Besseres und fügen dem Vollzeit-Chill-Charakter der Platte ein weiteres Mosaik hinzu. Neben einem soliden Auftritt von Dynas und dem fast schon schlafend ruhigen "Demon Love" ist es John Robinson, der eine der besten Darbietungen gibt, die von dünnem, aber wirkungsvollem Pianogeklimper bestens unterstützt wird. Bereits vom "Love Royale"-Album bekannt ist Tha Connection's unschlagbares "Let It Be", das hier den herausragenden Höhepunkt markiert und atmosphärisch gut ins Bild passt. Abgeschlossen wird die Platte schließlich durch einige Instrumentals, die - wie sollte es anders sein - nochmals beste Gelegenheit zum Entspannen geben.


Fazit:
Mit "Collabo Collection" gelingt Chief ein respektables Debüt, das einem nach und nach durchaus ans Herz wachsen kann. Doch dafür muss man sich in der richtigen Stimmung befinden. Genau dort liegt auch das größte Manko der Scheibe: Mich persönlich ließ sie, sofern nicht in kompletter Ruhe und entspannter Atmosphäre in den eigenen vier Wänden, größtenteils kalt, was wohl weniger an mir als an dem Wesen der Platte liegt. Natürlich hat sie ihre durchschnittlichen Tracks, aber im richtigen Moment mag sie zu einem guten bis sehr guten Album avancieren - in allen anderen Momenten liegt sie jedoch nur über dem Durchschnitt.

Geasmwertung: 6.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 6. Dezember 2009

Swollen Members - Armed To The Teeth

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 27. Oktober 2009
Label: Suburban Noize Records / Battle Axe Records

Tracklist:
01. Reclaim The Throne (Feat. Tre Nyce & Young Kazh)
02. Porn Star (Feat. Tre Nyce)
03. Kyla
04. Red Dragon (Feat. Moka Only)
05. Bollywood Chick (Feat. Tech N9ne & Tre Nyce)
06. Meltdown
07. My Life
08. Bang Bang (Feat. Tre Nyce & Young Kazh)
09. Here We Come
10. Warrior (Feat. Tre Nyce & Young Kazh)
11. Certified Dope
12. Funeral March (Feat. Saafir & Barbie Hatch)
13. Flyest (Feat. Tre Nyce)
14. Lonely One
15. Crossfire (Feat. Talib Kweli, Krondon, Phil The Agony & Tre Nyce)
16. Concerto
17. Dumb (Feat. Everlast, Slaine & Tre Nyce)
18. Real P.I. (Feat. Tre Nyce & Glasses Malone)



Inzwischen können sich die Swollen Members getrost (und zu Recht) einen der größten Fische nennen, den HipHop-Kanada je hervorgebracht hat. Auf dem Konto stehen bisher fünf Alben, die dem üblichen Syndrom der unerreichten Taten als Newcomer gehorchen und von denen zuletzt "Black Magic" über weite Strecken hin wieder unterstrich, dass die alte Formel immer noch ansprechende Verwendung finden kann. Drei Jahre später stehen Prevail, Mad Child und Rob The Viking mit ihrem nächsten Longplayer vor der Tür: "Armed To The Teeth" heißt das gute Stück und knüpft mit dem sehr direkten Titel plus Cover unmittelbar an die bisherigen Erzeugnisse an.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Ansonsten hat sich jedoch einiges verändert: Stand "Black Magic" zum Beispiel noch stark unter dem Einfluss der Westcoast-Backpacker, vor allem in Form der Dilated Peoples, so sucht man Evidence (der vor drei Jahren noch vier Beats und zwei Auftritte am Mic verbuchen konnte) hier vergebens. Die Produktion übernimmt diesmal zu einem Großteil Rob The Viking, und neben einer Standard-Auswahl an US-Größen treten Tre Nyce und Young Kazh immer wieder am Mic ins Rampenlicht. Den Kern dieser Scheibe bringt man damit jedoch nur bedingt zur Sprache. Denn die Frage, die sich vor allem die Fans stellen, ist natürlich die der soundlichen Ausrichtung (nachdem die inhaltliche schon vom Cover eine vorzeitige Antwort erhielt). Hier stellt sich ein Phänomen ein, wie man es selten bei einem Album beobachten kann: "Armed To The Teeth" ist mit einer fast komplett eindeutigen Linie in zwei Lager einzuteilen, die sowohl hinsichtlich der Ausrichtung als auch der Qualität eindeutig abgetrennt sind. Seien also zuerst beide Lager benannt. Das erste (oder, je nach Auffassung der Gewichtung, das zweite) bedient (erwartungsgemäß) die Fans, die Real HipHoppers, die gute Seite mit genau dem, was zu erhoffen war: dem (dunklen) Sound, der das Markenzeichen der Members ausmacht. Das zweite Lager entspringt dem albernen Gedanken, dieser Markensound könne in eine gewinnbringendere Richtung frisiert werden, und wird demnach nahe den derzeitigen Trends aufgeschlagen. Diesem Lager entspringen auch die bisherigen Videos. "Warrior" fasst zusammen: Verstärker, Knarren und Auto-Tune. Für ebendieses Lager wird auch schon genannter Hampelmann engagiert (Tre Nyce), womit man auch schon beim Indikator wäre, der bei der Erkennung aller Untaten auf der Platte behilflich ist und mit einer (für Tre erschreckend) hohen Sicherheit funktioniert. "Porn Star" und "Bollywood Chick" sind auf inhaltlichem Ying Yang Twins-Niveau gleichermaßen überflüssig; da hilft auch ein Tech N9ne rein gar nichts mehr. "Flyest" ist nicht weniger eine Frechheit, die Hook kommt wie ein Kanye West-Heartbreak-Plagiat dahergescheppert. "Reclaim The Throne" startet als Zwitter und wäre ohne Tre Nyce in der Hook sogar gelungen, wohingegen "Real P.I." als schwerwiegende Sünde gebrandmarkt werden darf. Bevor man sich nun dem Rest widmet, sei noch "Bang Bang" erwähnt, das als einziger Tre Nyce-Song aus dem "zweiten Lager" tatsächlich gelingt. Und nun zu den schönen Seiten der Scheibe: Hier wird schön an "Black Magic" angeknüpft, "Certified Dope" etwa erinnert, versehen mit derselben Coolness, an "Too Hot". Ansonsten finden sich viele schöne, teils dunkle Kompositionen. Lediglich "Crossfire" leidet trotz der starken Gäste an trockener Langeweile. "Kyla" dagegen ist so sehr Swollen wie nur irgend möglich: ungehetzt, aber bestimmt düster und somit perfekt für Mad Child. "Meltdown" dagegen besteht aus (und begeistert mit) stürmischen, immer höher aufbrausenden Streichern, die vor allem Prevail gut zu Gesicht stehen. "Dumb" klingt, wie man sich eine Kollabo von Swollen und La Coka vorstellt, und bietet zudem köstlich anschaulich den Wandel des Everlast im Vergleich zum "Black Magic"-Auftritt. Auch den bisher unerwähnten restlichen Tracks soll das Swollen-Gütesiegel nicht abgesprochen werden, "Lonely Ones" zum Beispiel glänzt mit eingängiger Bassline und einer Coolness, die glatt vergessen lässt, welche Untat direkt davor zum Besten gegeben wurde.


Fazit:
"HipHop, it's not dead, but it's hardly breathin'" tönt es an einer Stelle mit unbewusst bitterer Ironie. Da muss den Members irgendwo zwischen Beschriftung der Flaggen und tatsächlicher Handlung ein Meinungswandel unterlaufen sein. Die Frage nach dem "Warum" muss man eigentlich gar nicht stellen; dass die Swollen Members gerne ein paar mehr Einheiten über die Ladentische brächten, scheint offensichtlich. Ihre Strategie ist eine nicht alltägliche: Auf der einen Seite steht der unverwässerte, ureigene Sound, auf der anderen die knallharte Hurerei mit aktuellen Trends. Warum letztere Unternehmungen so derart plump ausfallen, ist dann aber doch unerklärlich und verwunderlich. Da der bessere Teil gleichzeitig der größere ist, verbleibt mit dem dort auch (in geringem Maße) vorhandenen Durchschnitt insgesamt ein Album, bei dem sich die beiden Lager die Waage halten. Mit einigen Skips lässt sich "Armed To The Teeth" dann richtig gut anhören. Ob die Swollen Members den Quatsch, den sie hier partiell eingeführt haben, selbst erkennen, bleibt abzuwarten.

Gesamtwertung: 5.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Freitag, 27. November 2009

Snowgoons - The Trojan Horse

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 27. Oktober 2009
Label: iHipHop Distribution

Tracklist:
01. The Trojan Horse (Feat. Savage Brothers)
02. King Kong (Feat. Reef The Lost Cauze & Young De)
03. Hey Young World (Feat. Heltah Skeltah & La Coka Nostra)
04. Krush University (Feat. Krush Unit & Freestyle)
05. Git Cha Gully Up (Feat. Outerspace)
06. Full Force (Feat. Block McCloud, Feaz One, King Syze & Sifu Versus)
07. Hate On Me (Feat. M-Dot & Krumb Snatcha)
08. Make Way (Feat. Chief Kamachi, Buckshot & Reef The Lost Cauze)
09. Goons Stampede (Feat. Rakaa Iriscience, Sicknature & Reks)
10. The Limit (Feat. Viro The Virus)
11. He Sold Out (Feat. Lord Lhus)
12. The Ill Bunch (Feat. Nut-Rageous, Termanology & Tribeca)
13. The Time Is Now (Feat. D-Stroy, Sicknature & Freestyle)
14. Valley Of Death (Feat. Block McCloud, LordWillin & Sabac Red)
15. Scar Sculpture (Feat. Virtuoso & Young Haze)
16. I Did Everything (Feat. Lord Lhus, Qualm & Dark Skinned Assassin)
17. Cross The Line (Feat. Young Haze)
18. Survive The Mess (Feat. Kaze & El Da Sensei)
19. Man In The Mirror (Feat. Nut-Rageous)



Bisher kein Ende in Sicht: Nach dem ersten Album meinten viele, dieses Art von Scheibe könne keinen dauerhaften Bestand haben. Inzwischen laden die Snowgoons zum dritten großen verbalen Schlagabtausch ein - und der breite Strom des nach Deutschland fließenden Respekts scheint nicht abzureißen. Auf anderen Alben sind sie selten zu finden, dafür scheint sich ihr 2007 begonnenes Release-Bestreben zum Stammtisch der Indie-Emcees zu entwickeln. Dazwischen stand in diesem Jahr noch der Zusammenschluss mit den Savage Brothers und Lord Lhus, der wie die lässige Anmerkung, dass DJ Illegal und DJ Waxwork nicht wissen, wohin mit ihren Beats, wirkte. Ob der Markensound auch im vierten voll produzierten Auswurf ansprechend verkauft wird, ist die Frage, die es mit "The Trojan Horse" zu beantworten gilt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Das trojanische Pferd wäre natürlich ein schöner Grundbaustein für ein sauberes Konzept, das zwischen den instrumentalen Bauten der Snowgoons und dem Standpunkt der Indie-Gemeinschaft super hätte funktionieren können. Doch "Wofür?" haben sich die Goons wohl gedacht. Im wilden Haufen ihrer zahllosen Gäste eine klare Marschrichtung vorzugeben, kommt sowieso einem unmöglichen Unterfangen gleich. Also ist der einzige rote Faden des dritten Komiteetreffens erneut nur auf Seite der Beats zu suchen. Und die sind wieder einmal laut, dramatisch und brachial. Eine Neuerung, die auch zu "A Fist In The Thought" führte, ist der veränderte Status der Goons: Galt es beim ersten Album noch, mit möglichst vielen hochkarätigen Namen auf sich aufmerksam zu machen, muss man sich mit solchen Problemen inzwischen nicht mehr befassen (wahrscheinlich gingen die Plätze auf "Trojan Horse" weg wie warme Semmeln). Kurzum, wo früher sofort die bedeutenden Figuren ins Feld geführt wurden, steht nun auch eine Reihe Bauern, die den Ansporn haben, sich zu beweisen. Beispielsweise das, was sich als Krush Unit zusammenfasst und sich (neben Zugpferd Reef) mit Brainstorm, Side Effect oder Viro The Virus schon auf der letzten Goons-Platte einen Namen machen konnte. Hier staubt Viro wieder einen Solotrack ab und zeigt, wo "The Limit to the love" liegt. Im Verband wirkt man - was auch dem schwächsten Beat der Platte zuzuschreiben ist - etwas blass. Im Zuge der anderen, wenig bekannten Gesichter dürfen natürlich auch die Savage Brothers ran, die es im Opener "The Trojan Horse" sogar auf das massive Bläsergerüst schaffen, sich wie Elefanten im Porzellanladen aufzuführen und den bisher schlechtesten Start (man denke an die Opener von "German Lugers" oder "Black Snow") hinzulegen, der dank der starken Produktion immer noch zu genießen ist. Doch damit hat man schon ein Problem der kompletten Scheibe: Beizeiten fühlt es sich an, als würden manche der Künstler den Instrumentals nicht gerecht - vornehmlich in den Hooks. Da sind natürlich Outerspace zu nennen ("If I push snow into Snowgoons, would it be illegal? Would Illegal come through with mo' Goons and the Desert Eagles?"), aber auch ein Young Haze und natürlich Termanology, der hier nicht deplatzierter sein könnte. Doch wen stört das schon, wenn die Goons sich durch das große Kochbuch der Chorgesänge sampeln? "Git Cha Gully Up" ist ein gewaltiges Gefüge, "Full Force" schreitet gemäßigter durch die Boxen und hat dabei einen richtig gut aufgelegten Block McCloud im Gepäck. Nahezu unscheinbar ist das gelungene Aufeinandertreffen von Heltah Skeltah und La Coka in "Hey Young World", wohingegen "King Kong" die inoffizielle Fortsetzung zu "Never" und "This Is Where The Fun Stops" gibt. An anderen Stellen wandern die Goons auf Pfaden, die Stoupe The Enemy Of Mankind ausgetreten hat: "Valley Of Death" mit seinem einleitenden Shannon Kraus-Sample oder "The Ill Bunch" erinnern klar an den JMT-Mastermind. "He Sold Out" (mit einem zu schwachen Lhus) oder "The Time Is Now" dagegen peitschen ungestüm nach vorne. Doch fast noch besser gefallen da die clever und düster zusammengesteckten Kopfnicker wie "I Did Everything" und "Survive The Mess", die dem Album die nötige Abwechslung geben.


Fazit:
Die Snowgoons bleiben eine Angelegenheit, die man entweder feiert oder links liegen lässt. Daran ändert sich auch mit diesem Album nichts. Der einzige Unterschied ist, dass die Qualität hier etwas verwässert wurde - in erster Linie durch Pack wie die Savage Brothers, aber auch durch eine mäßige Leistung einiger bekannter Größen (Outerspace) und der vereinzelten Mittelmäßigkeit bei den Beats. Nichtsdestotrotz bleiben die hiesigen Kompositionen der Goons eine Delikatesse, die dem Neugewinn zahlreicher Fans keinen Abbruch tun wird. Für ein zukünftiges, qualitativ hochwertigeres Projekt wäre es interessant zu hören, was entweder ein kompakter Gästekreis (bei "A Fist In The Thought" sei hier gar nicht erst angefangen) oder aber ein einziger Emcee (ganz im Stile von der Stoupe-Canibus-Kollabo) aus dieser instrumentalen Landschaft zu formen imstande wäre. Doch für gute Unterhaltung wird auch weiterhin ein Album im Stile von "The Trojan Horse" ausreichen.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

The White Shadow Of Norway - Victory

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 26. Oktober 2009
Label: Uncut Productions

Tracklist:
01. The Rap Game (Feat. Melle Mel)
02. Dark Side (Feat. Seven)
03. It's The Crew Again (Feat. Sadat X & Khb)
04. Before (Feat. Awkword, Block McCloud & Pacewon)
05. Gotta Do (Feat. Bawston Strangla)
06. Victory (Feat. Craig G, The Grindhouse Gang & Strick)
07. All My Friends (Feat. The Pizdamen)
08. Verbal Assault (Feat. IDE & Alucard)
09. Classic Regulations (Feat. Infinito:2017)
10. Straight Bars (Feat. Mark Deez, Powder, Main Flow & Nato Caliph)
11. You Don't Want (Feat. Ripshop)
12. Ready For War (Feat. The Grindhouse Gang)
13. Rap Thugs (Feat. Infinito:2017)
14. Wild Wild East (Feat. Awkword, Castro & Block McCloud)
15. The End (Instrumental)



Der bisherige Weg von The White Shadow Of Norway ist länger, als die meisten denken würden. Aus seiner Herkunft macht der Herr kein Geheimnis und bezeichnet sich im Übrigen auch als erster norwegischer DJ, der je scratchte (laut Bio bereits 1978). Doch da hört seine Geschichte natürlich nicht auf: Anfang der Neunziger zog es ihn nach New York, wo er im erweiterten Dunstkreis der Boogie Down Productions auftauchte, weswegen sein erster musikalischer Fußabdruck auch in Form von Scratches auf dem 93er Album von Jamalski zu finden ist. Von da an spinnen sich die Connections weiter und weiter, umfassen Produktionen für angesehene Größen sowie bisher zwei eigene Alben mit jeweiligem Star-Lineup. "Victory" ist sein inzwischen dritter Langspieler, wieder einmal über das eigene Label Uncut Productions und wie schon der Vorgänger ausschließlich digital erhältlich.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Auch sonst fallen unwiderlegbare Parallelen zu "Untouchable" aus dem Jahr 2008 auf. Das Cover, das wieder derselbe Künstler erstellt hat, bleibt im gleichen Stil. Selbst die Tracklist findet mehr als nur einen alten Bekannten wieder - White Shadow's ständige Weggefährten eben. Von dieser Seite betrachtet ist es schon verwunderlich, dass etwa Supastition, Maylay Sparks oder Majik Most nicht vertreten sind. Aus der Vogelperspektive hat man auch mit dem tatsächlichen Lineup eine unorganisierte, für Produzentenalben typische Ansammlung an Künstlern, die eine maximal überdurchschnittliche Scheibe mit Compilation-Charakter durchscheinen lassen. Und - als hätte man es allein mit diesem Gedanken heraufbeschworen - so ist es auch. Der weiße Schatten ist mit Leib und Seele dem Standard-BoomBap verschrieben, der sich vom sehr ruhigen Instrumental (dem gelungenen "The End") zum Song mit AOTP-Ambitionen (das nervtötende Heranziehen dieser Bezugsmarke sei mir vergeben) erstreckt. Nicht umsonst hat WS auf "The Torture Papers" produziert. Vielleicht sei dort angefangen, wo "Untouchable" seinerzeit seinen Einstieg hatte: Die Pizdamen, eine unbekannte Truppe aus Milwaukee, waren bis jetzt immer bei White Shadow zu Gast und dürfen diesmal "All My Friends" mit verstellten Stimmen und mäßigem Unterhaltungswert vorstellen. Doch oft fehlt hier auch die richtige Glut, weswegen einige Künstler einfach nicht in die Gänge kommen wollen. Wer sich von der Creative Juices-Abordnung etwas erhoffte, dessen Vorfreude wird von einem viel zu überspitzt dramatischen Streicher-Gehetz gedämpft. Gerade bei den "härteren" Songs will's nicht so recht - zu sauber, zu glatt, zu berechenbar: "Wild Wild East" klingt nach gar nichts und scheint dies zu allem Überfluss in der Block McCloud-Hook auch noch bekräftigen zu wollen. Dann doch lieber die ruhigeren Stücke: Bawston Strangla berichtet in "Gotta Do" in aller Ruhe vom täglichen Struggle und lässt sich prompt besser genießen. Der restliche Inhalt beschäftigt sich, wenn nicht mit Battle-Raps, mit dem "Victory" des Underground über den fake HipPop. Bereits in "The Rap Game" wird die Thematik mit einem Sample einer Rede von Vinnie Paz dargelegt und zudem (finanzieller) Respekt für die Pioniere gefordert. Die Grindhouse Gang (Mark Deez, Powder, Dr- ILL, Lord Lhus) tritt als White Shadow's Schützlinge auf und bekommt zwei bzw. drei akzeptable Auftritte. Craig G und seine hingerotzten Zeilen aus dem Normbaukasten sind leider keine Bereicherung, viel eher sollte da schon Chicago's Infinito 2017 erwähnt werden. Nicht nur fällt das Release-Date dieses Albums mit seinem Geburtstag zusammen, zwei Tracks mit ihm finden sich ebenso wie der Vorgeschmack auf das gemeinsame Album, das auf den Namen "Classic Regulations" hören wird. Beim hier vertretenen Song kommt zum ersten Mal Freude auf. Eine entspannte Piano-Line und keine (sonst vorherrschende) Hektik sind Vorsätze, denen White Shadow öfter folgen sollte. Auch "Rap Thugs" geht in dieselbe Richtung, ist mit Infinito's Fingerzeig auf die fake Thugs jedoch kein Pflichtprogramm.


Fazit:
Fällt die Endwertung erstaunlich niedrig aus, so gibt es dafür gute Gründe. Erstens: Die angesprochenen Themen liegen noch unter dem Durchschnitt der sowieso durchwegs langweiligen Produceralben - was ja im Grunde kein Problem wäre, wenn nicht die Aufbereitung ebenfalls die Raffinesse fehlen ließe. Zweitens: Auch White Shadow selbst hätte sich bei seinen Instrumentals mehr Mühe geben können, um nicht wie jeder x-beliebige Beatbastler zu klingen, der irgendwann bereits einen Track auf irgendeinem AOTP-Affiliates-Album platzieren konnte. Drittens fehlt diesem Album - mehr noch als den vielen anderen - das Gefühl, dass man es hier wirklich mit einem Album zu tun hat. Damit lässt sich "Victory" zwar ohne große Störungen anhören, kommt aber nicht aus dem Mittelfeld heraus.

Gesamtwertung: 5.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 11. November 2009

Deams - The Legacy EP

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 11. September 2009
Label: Deams Music

Tracklist:
01. DJ Premier Legacy Intro
02. State Your Game (Feat. Big Daddy Kane)
03. Collateral Damage (Feat. Jeru the Damaja)
04. The BoomBap Experience (Feat. De La Soul)
05. Underground (Feat. Ice T)
06. I See (Feat. Chuck D)
07. Nuthin' Like (Hip Hop Music)



Für alle, die das Zeitfenster in den Neunzigern, in dem man von Deams hätte Wind bekommen können, verpasst haben, ist es nur angebracht zu fragen: 'Wer bitteschön ist denn Deams?' Denn der Herr, der hier seine erste (halb)volle Veröffentlichung, eine EP, vorlegt, scheint kein Niemand zu sein, was der Grad seiner Gäste schwer andeutet. Kurze Zusammenfassung: Deams stammt aus Holland, zog dann aber nach New York, wo er von Afrika Bambaata in die Zulu Nation aufgenommen und zudem Teil der Gang Starr Foundation wurde. Probleme mit seiner Greencard zwangen ihn zur Ausreise, weshalb es damals bei nur einer Single blieb. 2009 wird ein neuer Anlauf gewagt, der mit der übers eigene Label veröffentlichten "The Legacy EP" seinen Start nimmt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Inzwischen ist Deams kein Jungspund mehr, der Stellenwert von BoomBap hat sich geändert und Namen wie Zulu Nation oder Gang Starr Foundation werden vornehmlich in auf vergangene Tage zurückblickendem Kontext verwendet. Es gilt also, andere Dinge zu beweisen als noch vor einem guten Dutzend Jahren. Jemand wie Deams muss beweisen, dass er überhaupt noch relevant ist. Die Tracklist lässt vermuten, dass diese Aufgabe mit einer gepflegten Nostalgiestunde und der Kraft der wohlklingenden Gäste in Angriff genommen werden soll. Doch es ist nicht so, dass Deams selbst kein passabler Emcee wäre, der durchaus eine eigene Persönlichkeit am Mic vorzuweisen hat. Nur was dann in harmlosen sieben Tracks geboten wird, reicht keinesfalls, um irgendeine "Legacy" fortzuführen, geschweige denn, um in jeglicher Weise aufzufallen. BoomBap nach Strich und Faden, der zwar durchaus zu gefallen weiß, dafür aber jede Besonderheit vermissen lässt. Viele Shoutouts, viel Props-Schieberei. Das beginnt im (keinem anderen Zweck dienenden) DJ Premier-Intro und ist in jedem weiteren Track wiederzufinden: Gibt es in "State Your Game" mit BDK noch ein richtig schönes Instrumental, während von Deams im Vitrinenschrank der selbstverliehenen Auszeichnungen Inventur geführt wird, so hat man im unauffälligen "The BoomBap Experience" beispielsweise relativ wenig vom De la Soul-Auftritt. "Collateral Damage" ist nicht schlecht, aber schnell vergessen. Im hinteren Teil trifft "Underground" (thematisch ohne Überraschungen) eine gute Wahl aus der Standard-Sample-Kiste, während Ice-T (repräsentativ für alle Gäste) gründlich, aber unauffällig auftritt. Dann wäre da noch das mittelmäßige "I See", das die gewohnten Probleme (Verfall der HipHop-Kultur, soziale Missstände) sieht. "Nuthin'" sollte schlussendlich gar nicht mehr erwähnt werden, da Deams im einzigen Song ohne Gast dank eines miserablen Beats nichts gelingen will.


Fazit:
Das war es auch schon wieder. In Anbetracht der Gästeliste, von welcher viele vollwertige Alben nur träumen können, eine doch etwas magere Vorstellung. Das mag daran liegen, dass man Deams als Hörer keinen Sound zuordnen kann, ebenso wie Deams selbst dazu anscheinend nicht in der Lage ist. Deswegen bleibt es BoomBap, wie er standardisierter nicht sein könnte. Was Deams am Mic bietet, würde reichen, wenn er besagtes Sound-Problem gelöst hätte. Doch so verbleibt nur eine Hand voll Songs, bei denen man unter Umständen noch die Gäste im Kopf behält, die als Neuvorstellung für Deams im Jahr 2009 jedoch recht ungeeignet erscheinen. "The Legacy" lässt sich zwar gut anhören (letzter Track ausgenommen), im überdurchschnittlichen Bereich bewegt man sich hier allerdings (knapp) nicht.

Gesamtwertung: 5.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 26. August 2009

White Lotus - Formless Kung-Fu

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: September 2008
Label: Eigenvertrieb

Tracklist:
01. Pai Mei's Lessons
02. Falling From Hands Of Gods (Feat. Cosmic Crusader)
03. Crippled Beggas (Feat. Begga Ooh, Long Ace & Dragon Fly)
04. Street Rings (Feat. Darkim Be Allah, Crucial The Guillotine & Tragic Allies)
05. Training Sequence (Interlude)
06. Ginsu Karaté
07. Crazy Horsemen Of The Apocalypse (Feat. The Lost Children Of Babylon & Tragic Allies)
08. Hymns Of A Ghostly Priest (Feat. Lotus Clan a/k/a D.K.G.A.)
09. Formless Kung Fu
10. Paper Crane Technique (Feat. SeraphGuard)
11. Shadow Portraits (Feat. Loke & Morning Star)
12. Foundation
13. Pathways (Feat. Wisemen, Crucial The Guillotine, Rasul Allah & Richard Raw)
14. The Rain Marker
15. Water Spike (Feat. Lotus Clan a/k/a D.K.G.A.)
16. Interlude
17. Seventh Crown Chamber
18. Wandering Ghost (Feat. Lotus Clan a/k/a D.K.G.A.)
19. The Sleeping Fist (Feat. Sleep Sinatra, Killer Falcon, Nova Kane & SeraphGuard)
20. Windbreaker
21. Moon Flowers In The Attic (Feat. Eridanus) / Dart Landscape (Feat. The Lost Children Of Babylon) (Bonus)



Wer im Underground sucht, der findet. In diesem Fall White Lotus. Aus Calgary in Kanada kommt dieser Herr, der sowohl Emcee als auch Producer ist. In seiner Funktion als Vorstand der White Lotus Society repräsentiert er ein ganzes Kollektiv voller Künstler mit exotischen Namen, die zwar in Kanada sitzen, allerdings rege Verbindungen zu den Lost Children Of Babylon (selbst Teil der Society) und diversen Namen aus dem Wu-Tang-Umfeld pflegen. 2007 gab es bereits zwei Alben der kompletten Gruppe, nämlich "The Lotus Society Vol. 1 & 2", die dem Hörer als Vorstellung dienten. Nun droppt White Lotus sein Solo-Album, "Formless Kung-Fu", exklusiv und nur erhältlich über seine Myspace-Seite.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Viel geändert hat sich im Verlgeich zu den beiden "The Lotus Society"-Teilen nicht: Auch hier findet ein großangelegter Auflauf der schwertschwingenden Wortakrobaten, die schon dadurch unterhalten, dass man ihre Namen einen nach dem anderen vorliest, statt. Am häufigsten vertreten ist White Lotus' eigenes Unterkollektiv, der Lotus Clan alias Dread Knaut Ghost Army. Bei all diesen Namen wird wahrscheinlich jeder, der mit der Lotus Society nicht vertraut ist, unsicher darüber sein, wo er den Sound einzuordnen hat. Dabei lässt es sich recht gut auf den Punkt bringen: White Lotus liegt teilweise sehr nah am glorreichen Wu-Tang Sound, baut dabei jedoch seinen eigenen Stil aus. Besagter Wu-Tang Sound ergibt sich daraus, dass hier eine Prise Eastcoast als Fundierung gelegt wird, diese mit einer Unzahl an Samples aus Martial Arts-Filmen geziert wird und auch sonst darauf geachtet wird, dass sich der Hörer durchgehend so fühlt, als befinde er sich in einem Shaolin-Kloster. Die Drumlines sind dabei jedoch nicht so hart wie beim Wu-Tang Clan seinerzeit, dafür wird sehr viel mit Streichern und gepitchten Voice-Samples gearbeitet. White Lotus' Rap-Stil passt perfekt ins Bild, da er formlos flüssig ist und trotzdem das Quäntchen Unsauberkeit besitzt, das einem solchen Release innewohnen muss. Und auch wenn White Lotus den Großteil seiner Beats selbst produziert, findet man in "Falling From Hands Of Gods" einen Beitrag von Bronze Nazareth, zu dem ebenfalls beste Connections bestehen. Mit Bronze in Bestform ist es ein Genuss, wie gut dieser Song (gespickt mit einem Auftritt von Cosmic Crusader von den LCOB) funktioniert. Die ehemaligen Beggaz und jetzigen Hidden Aspects finden sich auf "Crippled Beggas" ein, das wie ein Soundtrack zu einem Kung Fu-Flick anmutet. Epische Streicher und ferne Choräle untermalen "Pathways", einen Posse-Cut, auf dem die Wisemen aus Detroit und großartig aufgelegte Poeten und Mitglieder der LCOB zugegen sind. Doch White Lotus kommt auch ganz allein bestens zurecht: "Ginsu Karaté" lebt von seinem Voice-Sample, während das schwermütige Instrumental zu "Formless Kung-Fu" die (trotzdem vollauf passenden) Raps in den Hintergrund drängt und so eine dichte Atmosphäre aufbaut. Die beste Pitch-Voice Einlage serviert jedoch Loke, der "Shadow Portraits" produziert, eine großartige Show aus wehmütigem Sample und tiefgreifenden Raps. Wer es nicht schon aus den Track-Titeln abgeleitet hat (die für sich genommen schon unterhaltend sind), dem sei gesagt: Die Rhymes der Lotus Society schweben auf der abstrakten Wolke Sieben, wobei natürlich die Anlehnungen an diverse Kampftechniken nie aus den Augen verloren werden. Auch wenn es schwer ist, Highlights auszumachen, hier noch ein paar Erwähnungen: Das schneidende "Crazy Horsemen Of The Apocalypse" ist nicht nur aufgrund der Features hörenswert, ebenso wie das trockene "Street Rings". Und während "Wandering Ghost" seine Streicher zu einem düsteren Kopfnicker zusammenbindet, ergeht sich White Lotus in "The Rain Maker" in weichen Klängen, die man auch Bronze Nazareth in die Schuhe hätte schieben können.


Fazit:
"Formless Kung-Fu" hat zwar eine kleine Zahl mittelmäßiger Tracks, macht diese jedoch durch die Masse der guten wett. Der Sound dieses Kollektivs, der zweifelsohne von White Lotus stark mitgeprägt wurde, sollte nicht nur für Wu-Tang Fans sehr interessant sein. Im schwachen Jahr 2008 mausert sich White Lotus damit unter die Top-Alben. Da dieses Kollektiv außerdem auf den ersten Blick wie ein Loch ohne Boden erscheint, gibt es mehr als genug Material für hungrige Fans. Doch als erster Überblick sowie als konstant gelungenes Album sollte man vorerst hier zugreifen. "Formless Kung-Fu" hält, was Titel und Cover versprechen. Kanada trägt hiermit einen weiteren, starken Aspekt zum erweiterten Wu-Universem bei.

Gesamtwertung: 8.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Anno Domini Beats - Secret Archives Vol. II

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: Juni 2009
Label: Anno Domini Records

Tracklist:
01. 2009 A.D. (Intro)
02. Rockstar (Feat. Kritikal)
03. I Am Legend (Feat. Choo Biggz)
04. O.D.E. Part II (Feat. Illusion)
05. U See Him (Feat. M.Ski)
06. Words Can't Describe (Feat. Rumorz)
07. Listen (Feat. Randam Luck & Banish)
08. Revelations (Feat. Complex)
09. Dead Man's Chest (Feat. Kool G Rap & Sci-Development)
10. Lost (Feat. Hard Target & Lisa Gallo)
11. Sinner (Feat. 40 Dash 1)
12. I Keeps It Militant (Feat. 80Proof)
13. The Ghetto (Feat. Xtroidinaire, Ja Biggz & Stya)
14. This Is Me (Feat. Wordsmith)
15. Make It Hot (Feat. Choo Biggz)
16. 6 Ways 2 Kill 'Em (Feat. Sci-Development, Reef The Lost Cauze, Doap Nixon & Sick Six)
17. Clear View (Feat. EQ, Destruct & Bernice Nicole)
18. Consensual Seduction (Feat. Cryptic Wisdom)
19. Which One (Feat. Signature)
20. I'm Coming Home (Feat. Switch)



Für alle, die ihn noch nicht kennen, sei hier ein "neuer" Produzent vorgestellt: Anno Domini Beats ist gebürtiger Münchner, derzeit jedoch auf dem besten Weg, sich in die Riege der Qualitätsproduzenten für anerkannte US-Größen zu spielen. Seit 2004 ist mit Anno Domini Records das eigene Label / Unternehmen am Start, das in gewissen Internetkreisen bereits hohe Wellen schlägt, dem gemeinen Rap-Hörer wahrscheinlich aber wenig bekannt sein dürfte. Erstmals mögen viele von ihm gehört haben, als Randam Luck, für die er einige Produktionen bereitstellte, bei Babygrande gesignt wurden. AD selbst ist davon noch weit entfernt, und auch sein erstes Album aus dem Jahre 2006 blieb eher unebachtet. Nun steht der zweite Teil, "Secret Archives Volume II", an, der schon mit weitaus bekannteren Namen winkt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Doch man sollte nichts Falsches denken: Hier hat man es nicht mit dem üblichen Producer-Album zu tun, auf dem eine lustlose Größe der nächsten die Klinke in die Hand drückt. Der Großteil der Emcees kam mir persönlich zum ersten Mal unter Augen und Ohren, was natürlich gleichermaßen Segen als auch Fluch sein kann (sich auf dieser Scheibe jedoch als positiver Umstand herausstellt). Erwähnt werden muss außerdem, dass Anno Domini Beats sich die Arbeit mit 2Deep, der ebenfalls zum ADR-Team gehört, teilte. Dass im bisherigen Katalog Namen wie AOTP, Sabac Red oder eben Randam Luck stehen, sollte die Marschrichtung bereits vorgeben. AD hat eine Vorliebe für gewaltige Sound-Kulissen, ausgefallene Samples und satte Klänge, die im heutigen Rap-Geschäft in gelungener Ausführung nur noch sehr selten anzutreffen sind. Natürlich sind auch Anno Domini und 2Deep keine Heilsbringer, doch die ihre Produktionen kommen weitaus frischer daher, als es etwa bei einem Stoupe dieses Jahr der Fall war. Und auch wenn nicht jeder der unbekannten Emcees ein unbemerkter Rakim ist, so liegt allgemeines Engagement in der Luft, dem von Anno Domini kräftiger Rückenwind gegeben wird: "Rockstar" versucht sich keineswegs in misslungenen Crossover-Eskapaden, sondern markiert den roughen Start in dieses durchaus facettenreiche Album. Da wird einmal im klassischen (von Stoupe geprägten) Style eine Pitch-Voice über ein Piano gejagt, während Hard Target (die schon auf den ersten Geheimarchiven zu hören waren) über ein Rock-lastiges Instrumental einen krassen Gegensatz zu den Vocals von Lisa Gallo bieten. Wie schon oben erwähnt richtet sich die Marschrichtung geradewegs nach Osten, wo auch ein großer Teil der Gäste zu finden ist. Daneben scheint eine besondere Bindung zur Stadt San Diego zu bestehen, denn neben Randam Luck wird auch guter Kontakt zu Sci-Development gepflegt, die hier zweimal vertreten sind: Zum einen mit Schwergewicht Kool G Rap, der routiniert seinen Part nach Hause fährt, sowie im halben Dutzend auf "6 Ways 2 Kill 'Em", das mit einer eingängigen Violine der perfekte Untersatz für einen Reef, der es seinen Nachfolgern schwer macht, ist. In die Reihe dieser sehr hörenswerten Songs gesellt sich auch das ruhige "Clear View" mit einer starken Hook von Bernice Nicole. Auf der anderen Seite fällt kein Song wirklich negativ auf. Klar, Randam Luck sind weiterhin wenig anmutig am Mic, doch "Listen" stellt schon auf ihrem eigenen Album einen der stärksten Beats und besten Songs (mit heruntergeschraubtem Brüll-Faktor) dar. Und dann wären da ja noch die Highlights: 80Proof profitiert auf "I Keeps It Militant" von einem herrlichen Satz Drums und einem schönen Streicher-Sample, das wiederum nur noch vom nächsten Song übertroffen wird: "The Ghetto" ist mit seinem Bericht über das Wohnen im widrigen Großstadtdschungel nicht neu, doch die grandios melancholische Piano-Line verleiht dem Song in Kombination mit einer trefflichen Hook den richtigen Anstrich.


Fazit:
Während man vor allem noch "The Ghetto" im Ohr hat, fällt einem bei jedem Hören auf, dass hier auch das Gesamtpaket stimmt. Ähnlich wie bei einem SnakeVsCrane und seinem "Truth On The Table"-Album kommen alle Gäste, so unterschiedlich sie auch sein mögen, auf der Platte unter. Das Gefühl eines gemeinsamen Konzepts fehlt zwar, doch der Wunsch nach dem roten Faden drängt sich an keiner Stelle auf. Stattdessen bleibt die Freude über eine Reihe von hungrigen Emcees, die den Beats von AD und 2Deep gerecht werden, als auch die Freude über dieses Produzententeam, das in Zukunft zweifelsohne noch so manchen Rapper mit einem dicken Instrumental beglücken wird. Wer bei den Gästen, die ihm etwas sagen, hellhörig wurde, oder wer einfach nur so über "Secret Archives Vol. II" gestolpert ist, der wird nicht enttäuscht sein.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 2. August 2009

SnakeVsCrane - Truth On The Table Vol. 2

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 29. Mai 2009
Label: Rapublik Records / Rough Trade

Tracklist:
01. Contribution X - Truth On The Table
02. Mad Preacher - Red Eye Prophet
03. 8BZA - Novus Ordo Seclorum
04. 9th Scientist - Lessons
05. JusP, Graveface & IcabodHeadlessChang - Chop Ya Head Off
06. Erks & Sharon - Espiritus Del Grial
07. Caligula - Bronson Vs. Kersey
08. 80 Proof a.k.a. The Illa Instinct - Green Fatigues
09. Witchcraft & Cheena Black - Hollowuing
10. O.L.D. Astrdalong - Odio Amore E Polizia
11. Strangah - The Venom
12. Sound Survivors - Blinded People
13. Mac Blaze - Hard Boiled
14. John The Baptist - Put It On The Table
15. Sinister Stricken & Warcloud - Mystic Eyes Of Visions
16. Van Ark & OZ - Mentalist



Es ist soweit: SnakeVsCrane lädt zum zweiten Teil von "Truth On The Table". Dabei ist der erste Teil noch kein dreiviertel Jahr her und denjenigen, die es sich damals zu Gemüte führten, wohl noch gut in Erinnerung. Interessant war dabei die Zusammenkunft von Emcees verschiedenster Nationalitäten auf einer Platte, was man hier natürlich erneut erwartet werden darf. Einige Änderungen gegenüber dem ersten Teil gibt es allerdings zu vermelden: Dieser Teil ist auf 250 Vinyl-Copies limitiert. Während der Vorgänger mit 25 Tracks aufwarten konnte, bekommt man hier nur 16 und lediglich die Vinyl-Käufer kommen in den Genuss einer Bonus Disc mit weiteren 17 Stücken. Außerdem fehlt DJ Swarm. Doch das schmälert die Vorfreude auf "Truth On The Table Vol. 2" nicht.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Wie schon beim ersten Teil erwarten einen auch hier wieder zahlreiche, vollkommen unbekannte Namen, die es zu entdecken gilt. Doch ebenso wird man in der Tracklist einige bekannte Namen antreffen. Was man gleich vorwegnehmen darf: Der Sound von SvC ist im Großen und Ganzen gleich geblieben - immer noch regiert der BoomBap der rohen Schule, der eine eigene Note versetzt bekommt und somit weitab der Gefahr läuft, in Beliebigkeit abzurutschen. Zu vermerken ist, dass man auf dieser Scheibe verhältnismäßig mehr US-Acts findet als noch 2008. Die Ausnahmen lassen sich an einer Hand abzählen: Da wäre beispielsweise Mad Preacher aus London, der zu einfachen Gitarrenklängen den "Red Eye Prophet mimt. Den Italiener Astrdalong kennt man bereits, sein hiesiger Beitrag, "Odio Amore E Polizia", zeugt von einem guten Flow. Es erfreut natürlich, dass auch beim zweiten Teil eine allgemeine Stimmung herrscht, in der kein Emcee jegliche Hemmungen davor hat, seinen jeweiligen Track aggressiv anzugehen. Das begründet sich mitunter auch in der Unbekanntheit aller Beteiligten und hebt "Truth On The Table" von anderen Produzentenalben ab. Doch auch schon der Beat-Teppich alleine spricht für sich: Exotische Samples, dichte Atmosphären, knochige Drumlines und eine über allem schwebende Rawness lassen jeden Eastcoast-Fan mindestens ein Instrumental finden, das ins Herz geschlossen wird. In der Reihe der nichtamerikanischen Songs fehlt noch "Espiritus Del Grial" mit den Südamerikanern Erks und Sharon, die für sprachliche Abwechslung sorgen. Außerdem die Sound Survivors, alte Bekannte, die hier mit "Blinded People" ein düsteres Bild der Welt zeichnen, in dem u.a. Geheimgesellschaften die Fäden ziehen. Der Rest (mit einer Ausnahme) wird in American English vorgetragen. Auch wenn uns jeder der Künstler seine Wahrheit auf den Tisch packt, ist es doch 8BZA, der thematisch wohl die gehaltvollste Packung parat hat mit dem Konspirationskonzept der "Novus Ordo Seclorum" vor der Neuen Weltordnung warnt, ganz gleich, ob man ihm nun zustimmt:

"Watch what you say when you say what you sayin'
Cause they watchin and plottin', in the shadows they waitin'
Everytime you use your credit card to make a transaction
They tracking you, every move, but you don't notive what's happening
[...]
The street lights have eyes and the walls have ears
It's the New World Order
The best way to control us is by provoking our fears
Don't call me a defector if you don't know what you supporting
"

Die bekanntesten Namen schauen diesmal von der Westküste vorbei: Contribution X eröffnet mit dem Titeltrack (wobei Shadow Star im ersten Teil überzeugender war), und der stimmlich sehr ähnlich angesiedelte Warcloud nimmt hier schon fast die Stellung des Promis ein, lässt sich in "Mystic Eyes Of Visions" jedoch nicht von einer guten Leistung abhalten, die den Briten Sinister Stricken locker übertrifft. Einige der US-Acts aus dem Osten sind sich untereinander nicht fremd, was Gäste wie Mac Blaze nur zur logischen Konsequenz des ersten Teils macht - mit "Hard Boiled" bekommt man dann sogar gleich ein Highlight, das sich bei jedem Hördurchgang steigert. Kritik kann man allerdings ebenfalls anbringen: Das Gejaule in "Hollowuing" ist schlichtweg unerträglich, das Sample in "The Venom" wurde eher matt in Szene gesetzt. Typische Tracks wie "Lessons" oder das energische "Chop Ya Head Off" lassen diese überschaubaren Schnitzer schnell in Vergessenheit geraten. Schließlich fehlen noch die Vendetta Kingz, bzw. deren Mitglieder, wobei John The Baptist klassische Streicher abbekommt und OZ zusammen mit Van Ark im dunklen "Mentalist" mit leicht mystischem Hauch abschließt.


Fazit:
In einer gewissen Weise ist es schade, dass SnakeVsCrane mit seinem zweiten Teil nicht noch einen draufgesetzt hat, auf der anderen Seite sollte man heilfroh darüber sein, dass der erste Teil so konsequent wie nur irgend möglich fortgesetzt wurde. In einer aneinandergehängten, langen Playlist würde dem Unwissenden sicherlich kein Bruch auffallen. Das Konzept der "Truth On The Table"-Compilation geht einmal mehr auf: Mit einer Vielzahl an vorrangig hungrigen Emcees, die alle etwas auf dem Tisch hinterlassen und letztendlich alle am gleichen Strang ziehen, werden die Züge eines richtigen Albums gesichert, von SnakeVsCrane's festem Beat-Gerüst wird alles zusammengehalten. Da es in der Welt noch eine Unzahl Emcees gibt, die es verdient haben, gehört zu werden, und da SvC keine Anzeichen von Abnutzungserscheinungen aufweist, ist nichts gegen einen dritten oder vierten Teil von "Truth On The Table" einzuwenden. Neueinsteigern sei zuerst zur minimal besseren Volume One und danach zu diesem Werk geraten.

Gesamtwertung: 6.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Montag, 27. Juli 2009

Sound Survivors - Boom Bap Blues

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 18. Juli 2008
Label: Rapublik Records / Rough Trade

Tracklist:
Disc 1:
01. Intruth
02. Takeoff
03. Dubious
04. Sizilia Interloop
05. Culture (Feat. M-Eighty)
06. Roots
07. Mothership Interloop
08. Weltkrieg V3.0
09. One
10. It Don't Stop (By Invincible Temple)
11. Desperate
12. Drunken Monkeys (Feat. MC Spontan)

Disc 2:
01. Ego (Intro by Jeru)
02. Mehr!
03. Cool
04. Revolution (Feat. MC Mosiris)
05. Sound
06. Bewegung (Intro by Lil' Dap)
07. Time Interloop
08. Misundastood
09. Shaolin (Feat. Golden Mastah)
10. Real Interloop
11. Chillout
12. Finale



Schon die äußerlichen Gegebenheiten der Sound Survivors gehen über die durchschnittliche Rap-Truppe hinaus: Sie selbst nennen sich einen "Zusammenschluss von erfahrenen und seit langem aktiven Musikern, Produzenten, Vinyl-Junks, MCs, DJs und Graffiti-Künstlern" mit Hauptsitz in den Lost Hill Studios Süddeutschlands. Dahinter stehen - bzw. standen zur Zeit der Aufnahmen zu diesem Album - die auf deutsch rappenden Emcees Fantomas und Kalmann (Ungarn) sowie Marabou (Niger) und 2Fast Blades, deren Sprache das Französische ist. Außerdem und vielleicht am wichtigsten: Tom Select, der Produzent und DJ. Nachdem das erste Album "just loop it" einen Überblick über das bisherige Schaffen gab, ist "Boom Bap Blues", eine Doppel-CD, der erste vollwertige Longplayer der Gruppierung.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Ein ellenlanger Pressetext führt die Sound Survivors, deren Name sich aus Pete Rock's Album ableitet, gegen sämtliche Laster der momentanen HipHop-Szene ins Feld und schreibt ihnen zudem lyrischn Anspruch zu, begleitet von einem Sound, der mit seinem roughen Charakter zwischen Madlib und Wu-Tang treibe. Sorge dafür tragen gemeinsame, intensive Sutdiosessions, deren in gemeinsamer Arbeit geschaffene Erzeugnisse möglichst unmodifiziert ihren Weg auf den Silberling fänden, um den jeweiligen Vibe widerzuspiegeln. So weit, so gut - bei einem Albumtitel wie "Boom Bap Blues" (und außerdem einem mäßig attraktiven Photoshop-Cover) muss natürlich auch noch bewiesen werden, dass hier nicht irgendwelche Renaissance-Rapper die große Fahne schwenken, dann aber mit ihrer Musik nur ein verstaubter Spiegel einer vergangenen Ära sind. Doch mit dieser Unterstellung machen die Sound Survivors schnell kurzen Prozess, bzw. erledigt das Tom Select bereits mit seinem "Intruth" Intro: Lockere Klänge begrüßen den Hörer, die natürlich in BoomBap getränkt sind und die auch die Marschrichtung für das gesamte Album angeben. Denn meistens lässt Tom Select es eher ruhig angehen, wirft nur ab nud an atmosphärische Wechsel ein, doch versteht er sein Handwerk so gut, dass sein Konzept voll und ganz aufgeht. Soundmäßig hat man es also mit unaufgeregtem, souligem BoomBap mit dicken Basslines zu tun, der sich in "Dubios" bis zu Dub-Einflüssen erstreckt. Um nun die Leistung der Emcees zu beurteilen, muss man klar in zwei Kategorien einteilen: Inhalt und Technik. All jene, die Wert auf einen handfesten, sauberen Flow sowie technische Korrektheit legen, die werden beim Erklingen von "Takeoff" Augen machen: In erster Linie fällt es natürlich bei Fantomas und Kalmann auf, doch auch die sprachlichen Nachbarn sind alles andere als Flow-Götter. Naheliegenderweise sei jedoch nun auf die deutsche Hälfte Bezug genommen. Die dort beizeiten auftretende Diskrepanz zwischen der richtigen und der tatsächlichen Anzahl an Silben pro Zeile schmerzt ein wenig. Der Flow holpert, was sich direkt auf das Charisma auswirkt und zusammenfassend die Performance in Sphären zwingt, die sich mit anderen professionellen Spittern nicht messen kann. Doch nun zum Inhalt: Hier muss man seinen Respekt kundtun, da sowohl Fantomas als auch Kalmann den Hörer mit einer Sintflut aus wenig alltäglichen Worten, die sich aus diversesten Themengebieten rekrutieren, konfrontieren. Es darf angenommen werden, dass die Sound Survivors über ein gesättigtes Allgemeinwissen verfügen, für gewisse Themen jedoch besonderes Interesse hegen, nämlich Politik (wobei die eigene, von mir als antikapitalistisch geschätzte Meinung dem Hörer nie aufgedrängt wird), die Gala sämtlicher Verschwörungstheorien und deren Rattenschwänze, Mythologie sowie Exo- und Esoterik. "Culture" und "Roots" (das hier verwendete Sample sollte allen Capital D-Fans bekannt sein) widmen sich allerdings noch dem eigenen Genre, "Weltkrieg V3.0" schickt dann über dichte Streicher-Samples die Welt gen Untergang, während die Weltpolitik mit sarkastischen Farben skizziert wird. In diesem Zug ist es unerlässlich, das nach dem minimalistischen 90s-Tribut "Cool" losdonnernde "Revolution" zu erwähnen, das unantastbare Highlight dieses Schaffenswerks. Hier beschwört Tom Select ein Instrumental, das an Dramaturgie kaum zu übertreffen ist und nach kurzen Pausen immer wieder von neuem aufbraust. Für ihre Revolution heuern die Sound Survivors wirklich alles an, was ihnen unter die Finger kommt: Totenkopfverbände (wobei hier nichts falsch interpretiert werden sollte) folgen den Mic-Propheten ebenso wie die mythischen Lemuren oder die Taliban. Unter anderem muss selbst das Neuschwabenland herhalten, während das Ganze von einem einminütigen Martin Luther King Sample eingeleitet wird.

"Live und direkt aus den Randbezirken
Es beginnen Bandenkriege, angetrieben vom Paukenschlag der Stammesriten
[...]
Aus der Tiefe gekrochen, sieben Siegel gebrochen
Nach Jahren der Entsagung lohnt's aber wieder zu hoffen
Krieger der Sonne, gekommen, um zu expandieren
Während im Gefecht Felle der Trommeln explodieren
Planeten kollidieren, Raketen detonieren
Von den Vogesen bis Neuseeland, Armeen, die marschieren
"

Sechseinhalb Minuten wütet dieser monumentale Track, was gleich zur nächsten Eigenschaft der Scheibe führt: Tracklängen wie diese sind keine Seltenheit, selbst ein mit Vocal-Sample überzogenes Instrumental wie "Desperate" kommt mit fünf Minuten nicht gerade kurz. Da kann es natürlich anstrengend werden, sich über diesen Zeitraum die Kost der Emcees anzutun, zumal sich der Eintopf aus Wortschnipseln verschiedenster Herkunftsbereiche oftmals der rationalen Nachvollziehbarkeit entzieht und sich lediglich in abstraktem Wortgestapel ergeht, wobei es immer Spaß macht, dem jeweiligen Emcee zu folgen, ohne den Anschluss zu verlieren, und dabei auch noch Denkanstöße zu erhalten oder zumindest über Worte zu stolpern, die man nachschlagen muss. Während man wieterhin einige Samples kennt, tun sich vor allem das "Mothership"- sowie das "Time Interloop" hervor. Bezüglich der Gäste scheint man sich mit Gleichen umgeben zu wollen: M-Eighty ist bekannt dafür, ein weitaus besserer A&R als Rapper zu sein, während auch der aus Chicago stammende Invincible Temple, der auf dem von SnakeVsCrane produzierten "It Don't Stop" ein Sologastspiel führt, sehr gewöhnungsbedürftig daherkommt. Die beiden Veteranen sprechen nur jeweils ein Intro, wobei Jeru "Knowledge Of Self" predigt und sich Lil Dap als überflüssig erweist. Dass in "Bewegung" zudem Ulrike Meinhof gesampelt (und dabei nicht kritisiert) wird, versalzt die sonst leckere Suppe kräftig. Nachdem die Survivors bewiesen haben, dass sie auch in fernöstlichen Gefilden Profis sind, gönnt man sich ein "Chillout", um dann mit dem achtminütigen "Finale" abzuschließen.


Fazit:
Bei manchen Alben ist es notwendig, weiter auszuholen, da sie genau das verlangen, um voll und ganz erfasst zu werden. So ein Album ist "Boom Bap Blues". Denn diese LP ist ein Unternehmen, das Zeit erfordert. Das sagt einem nicht nur das eigene Gefühl - mit einer Stunde und 50 Minuten Gesamtspielzeit tanzt die Doppel-CD wirklich aus der Reihe und ist als Ganzes schwer zu bewältigen. Und es ist nicht so, dass man sich nicht hätte kürzer fassen können - die enormen Tracklängen wurden schon erwähnt. Zusammen mit den technischen Mängeln der Emcees hat man hier die einzigen ernsthaften Kritikpunkte. Da sich die Sound Survivors wohl aber so schnell nicht ändern werden, bleiben sie ein Tipp für diejenigen, die bei der Beschreibung der Lyrics hellhörig wurden. Als einmalige Investition und als Demonstration, welche Netze sich mit Worten spinnen lassen, seien diese Gruppe und "Boom Bap Blues" allerdings jedem ans Herz gelegt - zumal sämtliche Einnahmen (u.a. an "Deine Stimme gegen Armut") gespendet werden.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 12. Juli 2009

Recordkingz - Heavyweight

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 05. Juni 2009
Label: ABB Records / All City Music

Tracklist:
01. The Heavyweight Muthafucka (Skit) (Feat. Portobello Dave)
02. I Cried (Feat. Tragedy Khadafi)
03. Take A Walk With Me (Feat. Joell Ortiz)
04. Do You Feel It (Skit 1)
05. Rock Ya Shoulders (Feat. The Beatnuts)
06. Hip-Hop Throwback (Feat. Guilty Simpson)
07. Playin To Lose (Feat. Little Brother)
08. Scratch and Chop (Skit 2)
09. This Is 4 My Peoples (Feat. Evidence)
10. Heat (Feat. Mobb Deep)
11. Da Money (Feat. Glasses Malone)
12. Pay Your Respects (Feat. Problemz)
13. Keep It Coming (Feat. Craig G, Will Pack & K Major)
14. Get High (Skit 3)
15. Bad Cats (Feat. Phil The Agony, Montage & Mo Money)
16. Juliano On The Cuts (Skit 4)
17. You Been Warned (Feat. Aasim)
18. Keep On (Feat. Chalice & Ruk)



Während man noch darüber grübelt, ob man sich nun freuen oder verzweifeln soll, flattert das nächste Producer-Album ins Haus. Diesmal ist es Recordkingz alias Juliano alias eine Hälfte von The Creators, der mit recordkingz.com einen hoch geschätzten Online-Shop betreibt und hier sein Solo-Debüt vorlegt. Doch selbst seit dem Creators Album "The Weight" ist einige Zeit vergangen. Für dieses Album will der auch körperlich schwergewichtige Londoner seinem Albumtitel alle Ehre machen und schart ein nicht gerade mickriges Aufgebot um sich, das natürlich auf klassischen BoomBap schließen lässt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Da heutzutage absolut jeder Produzent sein eigenes Album braucht, stellt sich bei Alben wie diesem nur noch die Frage, ob sie etwas besonderes sind oder nicht. "Heavyweight" ist es nicht. Das bedeutet für den Hörer die übliche Mischung aus Standard und einigen guten Songs. Auch sonst folgt die Scheibe in keinster Weise einem Konzept oder einer speziell ausgerichteten Motivation, was Juliano wohl aber auch nie in Erwägung zog. In seinem Bestreben, einfach nur dem Sound, den die Gästeliste verspricht, zu frönen, macht er nicht viel falsch, setzt sich aber auch selbst Grenzen. Dass hier nichts Neues passiert, unterstreicht mit rotem Edding gleich zu Beginn der Umstand, dass das Sample zu "I Cried" fast jedem Hörer bekannt sein dürfte (u.a. Mos Def's "Life Is Real"). Doch beschweren will man sich bei den erstklassigen Rhymes eines Tragedy Khadafi nicht - schließlich hört man von ihm derzeit gezwungenermaßen nicht allzu viel. Danach allerdings finden sich auch einige der üblichen Verdächtigen ein: Little Brother sind weiterhin allgegenwärtig auf Produzentenalben, verdienen sich mit "Playin' To Lose" ihre Existenzberechtigung allerdings einmal mehr. Ob das auch für Evidence gilt, ist schon fraglicher, denn wie sich der Weatherman durch das ideenlose "This Is 4 My Peoples" gähnt, bleibt im Rahmen von Hintergrundmusik. Um gänzlich im Einklang mit der Produzentenalbennorm zu stehen, wird auch eine Handvoll Instrumentals eingestreut, von denen "Do You Feel It" positiv auffällt und "Get High" (trotz oder gerade wegen der Pitch-Voice) eine richtig angenehme Atmosphäre aufbaut. Den programmgemäßen Standardnummern fällt auf dieser LP Joell Ortiz anheim, während sich Mobb Deep mit dem hektischen Streicher-Sample in "Heat" ebenfalls nicht zurechtfinden. Auch den Beatnuts fehlt das nötige Feuer: Sowohl Psycho Les als auch JuJu schaffen es in "Rock Ya Shoulders" nicht, die Massen aus ihren Sitzplätzen zu reißen. Dann doch lieber Guilty Simpson, der erstens einen frechen Bläser-Beat abbekommt und zweitens für "Hip Hop Throwback" eine simple, aber sehr gut funktionierende Hook aus dem Ärmel schüttelt. Ansonsten ist die Scheibe schnell zu Papier gebracht: Einige solide Nummern wie "Da Money" oder "Pay Your Respects" sind selbstverständlicherweise ebenso vertreten wie das gelungene "Bat Cats" oder das ernste "You Been Warned" - und damit hat sich die Geschichte dann auch.


Fazit:
Bei der Unzahl an Produzentenalben, die in letzter Zeit veröffentlicht wurden, stellt sich auch hier ein Fazit ein, dass nicht neu ist: Schlecht ist "Heavyweight" keinesfalls, es ist sogar gut hörbar und bietet einige feine Momente. Doch welches Producer-Album tut das nicht? Und genau da liegt der Hund begraben: In puncto Einzigartigkeit gibt es schwere Abzüge. Nichts auf dieser Scheibe bleibt auf Dauer hängen, die Aneinanderreihung der Tracks kommt wie immer vielmehr einer Compilation denn einem Album gleich. Demnach ist "Heavyweight" für BoomBap-Fans durchaus eine Anschaffung wert, geht aber in der Masse aller Producer-Alben unter.

Gesamtwertung: 6.2 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 24. Juni 2009

Snowgoons, Savage Brothers & Lord Lhus - A Fist In The Thought

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 26. Mai 2009
Label: Babygrande Records

Tracklist:
01. Who Are You
02. Get Down
03. Platoon Goons (Feat. Reef The Lost Cauze)
04. Trapped On Earth (Feat. Brainstorm)
05. Run Run
06. At War (Feat. Sean Price)
07. Knuckle Up
08. One Shot
09. Pray Hard (Feat. Sicknature)
10. South Carolina Struggle (Feat. Vibez)
11. Michael Nobody a.k.a. Poetic Death
12. Planetary Takeover (Feat. Planet X)
13. All In Your Mind (Feat. Viro The Virus)
14. Capital City Streetz
15. Snakes
16. Hip Hop Crusaders (Feat. King Syze & Kev Turner)
17. Been Fighting Devilz



Es ist das dritte komplett von den Snowgoons produzierte Album, und trotzdem ist es nicht in eine Reihe zu stellen mit "German Lugers" und "Black Snow": Was uns hier, natürlich wieder über Babygrande, ins Haus steht, ist kein neues Album mit All-Star-Line-up, sondern ein Album, für das sich die Deutschen mit drei Emcees aus Columbia, South Carolina zusammengetan haben. Die Rede ist von Knowledge Born und Qualm, zusammen als Savage Brothers bekannt, sowie Lord Lhus. Allesamt waren sie bisher wenig bekannt und befinden sich gerade auf dem Weg in höhere Bekanntheitsgrade, wobei ihnen "A Fist In The Thought" hierbei einen Stoß nach vorne geben soll.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Warum genau sich die Snowgoons dazu entschieden haben, diesen Jungspunden ein ganzes Album voller Beats zu überlassen, wird nicht offensichtlich. Es ist zwar nicht so, als würde man hier Perlen vor die Säue werfen, doch die Snowgoons haben schon mit durchaus besseren Emcees gearbeitet. Das fängt bei den Namen der drei Hauptfiguren an und endet bei ihren plumpen Auf-die-Fresse-Raps. Um es einmal kurz zu fassen: Diese Kerle würden sich gut in der zweiten oder dritten Reihe der Army Of The Pharaohs machen, zu Höherem sind sie zweifelsohne nicht berufen. Doch darauf soll gar nicht lange herumgeritten werden, schließlich bedarf es nicht immer eines technisch erstklassigen Spitters - erst recht nicht auf Instrumentals der Snowgoons. In dieser Hinsicht also sind Lhus, Qualm und Knowledge - wenn auch auf Dauer etwas eintönig - gar nicht so verkehrt. Zudem gibt es ja noch eine ganze Reihe an Gastauftritten. Viel wichtiger ist sowieso, in welcher Form sich die Snowgoons befinden. Schon das Fazit des ersten Albums lautete, dass die Snowgoons ohne große Variationen nicht weit kommen würden. Nachdem der Zweitling die direkte Fortsetzung war, erlaubt den Goons das Fixieren auf bestimmte Künstler bei "A Fist In The Thought", tatsächlich Variationen einzubauen und eine dichtere Atmosphäre zu schaffen, da die Goons nicht bei jedem Track einem namenhaften Gast mit epischer Produktion gerecht werden müssen. Doch eines sollte auch klar sein: Diese Variationen bewegen sich im Millimeter-, nicht im Meter-Bereich: Größtenteils tanzen immer noch wilde Streicheraufgebote, laufen dramatische Samples über die Drums und wird auch sonst die brachiale Atmosphäre der vorigen Alben transportiert. So werden dem Hörer Aufforderungen wie "Get Down", "Run Run" oder "Pray Hard" an den Kopf geworfen, nachdem in "Who Are You" eine kleine Vorstellungsrunde erfolgt ist:

"I'm the dark clouds in the distance that you see before the rain
I'm your father when he beats you as a child wildin' out
I'm the preacher in the cathedral with his dick in a nun's mouth
I'm the evil that's inside you like blood swimmin' through your heart
I'm death, torture and greed, disease and demonic thoughts
"

Diese (nennen wir sie einmal Jus Allah'schen) Aufzählrhymes spiegeln in etwa das lyrische Niveau wider, mit dem sich Lhus und die SBs vorstellen. Man wende sich also wieder den Beats zu. Hier gilt: Wer den beiden ersten Alben etwas abgewinnen konnte, der wird hier vollauf zufrieden sein. "Platoon Goons" und "At War" stechen in der ersten Hälfte besonders hervor und profitieren zudem von ihren Gästen. "Knuckle Up" sampelt sich einmal mehr klassische Töne und verwurstet sie herrlich zu einem Snowgoons-Banger, "One Shot" macht sich mit aufbrausendem Bläser-Aufgebot Platz. Die anderen Produzenten (Scorpio61, Sicknature, Eternel, Al'Tarba), die in geringer Zahl zum Album beitragen, fügen sich ein, bleiben aber hinter den Goons. Bis auf Tarba, dessen kraftvolles "Planetary Takeover" schon auf seinem eigenen Album vertreten war. Ab und an schleicht sich dann auch ein durchschnittlicher Beat ein, wie etwa in "Capital City Streetz", zu dem die aggressiven Raps nicht passen wollen. Und während im "South Carolina Struggle" sogar ruhige Töne angeschlagen werden, fällt das Album gegen Ende keinesfalls ab und bietet mit "Hip Hop Crusaders" (trotz einer Schlaftablette eines King Syze) einen Brecher mit Choralgesang.


Fazit:
Raps lau, Beats wau. Dabei schaffen es Lord Lhus, Qualm und Knowledge, den Beats nicht negativ aufzureiten, sondern sich meist neutral zu verhalten. Sie sind zwar Holzfäller, sind auf Snowgoons-Beats aber akzeptabel. Dass sie wahrscheinlich unfähig sind, sich in anderen Lagen zurechtzufinden, ist nicht unser Problem auf diesem Album. Zusammenfassend gilt: Die Snowgoons drängen ihre Emcees aus dem Rampenlicht und brennen einmal mehr ein Beat-Feuerwerk ab, das man entweder mag oder links liegen lässt. Damit ist "A Fist In The Thought" kein überragendes, nicht einmal ein übermäßig gutes Album. Doch gut genug (zu gut), um es nicht als pures Mittelmaß abzustempeln, ist es allemal. Alle, die auch am Mic Höchstleistungen erwarten, müssen auf die nächste Scheibe warten. Wer in erster Linie auf die Beats aus ist, der wird hier auf seine Kosten kommen.

Gesamtwertung: 6.6 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Dienstag, 16. Juni 2009

Moka Only - Lowdown Suite 2: The Box

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 19. Mai 2009
Label: Feelin' Music

Tracklist:
01. Do Work
02. Hardly Say (Remix) (Feat. Bootie Brown)
03. Syrup
04. Lemon
05. Fried Rice
06. Stained
07. Funky (Feat. Psy)
08. Drip Drop (Feat. Kissey Asplund)
09. Boohoo
10. Clap Yer Feet
11. Trudgin
12. Mothballs
13. Isn't Over
14. It's Lowdown
15. Bored (Feat. Psy)
16. Be Alright
17. Riverside
18. Rock The Yacht



Viele Artists rühmen sich damit, zu den emsigsten ihrer Zunft zu gehören. Moka Only kann das belegen. Inzwischen wandert er schon auf die 30 zu - hinsichtlich veröffentlichter Alben! Doch als Solo-Artist mit kreativer Ader, vor allem jedoch als Multitalent, das seine Alben selbst produziert, sind dem Kanadier wenige Grenzen gesetzt. So entsteht auch sein neustes Album fast in kompletter Eigenregie. Eine kleine Zahl an Gästen, und fertig ist "Lowdown Suite 2: The Box". Nach einer Vielzahl an Labels (und nachdem "Lowdown Suite" noch über Battle Axe erschien) findet sich Moka diesmal bei Feelin' Music ein.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Was soll man also erwarten von einem Artist, der in guten Zeiten vier Alben pro Jahr veröffentlicht? Mit "Carrots And Eggs" liegt der letzte Auswurf ja auch erst ein halbes Jahr zurück. Wurde jenes Album noch gänzlich selbst produziert, so steuert hier der neue Labelchef Chief einen Beat bei, nämlich gleich den zum Opener "Do Work". Erstaunlicherweise darf man hier den Pressetext einmal für bare Münze nehmen: "...deconstructed beats, lo-fi sampling, moody ambiences, scratchy loops" - genau das ist der zweite Teil von "Lowdown Suite". Vor allem der Lo-Fi-Charakter ist es, der über das ganze Album hinweg durchscheint. Dabei ist die volle Dosis Moka einerseits des Albums größte Stärke, gleichzeitig aber auch der größte Kritikpunkt: Moka's Raps und seine Instrumentals gehen eine Symbiose ein, in der die gemächlichen Vocals einen sehr trefflichen Untersatz an Beats bekommen und in der selbige Beats durch ebenjene Raps voll zur Geltung gebracht werden. Während sich Moka Only durch sein Album brummt, sitzt er immer in seinem instrumentalen Berg aus Moos (nicht zu verwechseln mit dem Mossberg), der für eine sehr wohlige Atmosphäre sorgt. Genau das hindert das Album jedoch auch daran, wirklich im Gedächtnis hängen zu bleiben - denn die großen Überflieger-Tracks sucht man vergeblich. "Funky" ist das Album auf jeden Fall, und auch der Auftritt von Psy (der ein bisschen wie Chali 2na's kleiner Bruder klingt) passt ins Bild. Regiert hier noch die Drumline, so umgeben den Hörer in "Lemon" oder "Stained" knietiefe Basslines, in denen sich Moka's monotoner Flow wohl fühlt. Neben Psy gibt es Gast-Raps von Pharcyde-Mitglied Bootie Brown, der schon auf "Carrots And Eggs" zugegen war und es sich hier im zurückgelehnten "Hardly Say" gemütlich macht. Moka Only lässt die Hörerschaft wissen, dass er in seiner eigenen Welt lebt, die komplett ohne aktuelle Trends und sonstigen Schnickschnack auskommt. Und wer diese Welt betritt, dem mag es - bezeiten - ähnlich ergehen. Doch so herrlich unbeschwert wie z.B. "Isn't Over" präsentiert sich nicht jeder Song. Wo die tonnenschweren Klavierklänge in "Trudgin'" noch ihren Reiz haben, mutet "Clap Yet Feet" mehr wie ein Totalausfall an, der ein Loch in den Stimmungsteppich der Platte reißt. Andere Stücke hingegen zünden einfach nicht und bleiben damit auf der Strecke: "Bored" schlägt sich noch recht wacker, "Rock The Yacht" hätte man weglassen können. Dann doch lieber die soulige Hook von "Be Alright" oder das angenehme Saxophon in "Mothballs". In der Tat kommt ein alter Kleiderschrank, in dem Moka Mottenkugeln aufhängt, dem musikalischen Bild der LP relativ nahe. Für diesen Schrank sind die Vocals der Schwedin Kissey Asplund eine nette Abwechslung, auch wenn er mit seinen typischen Stücken à la "It's Lowdown" alleine zurecht käme.


Fazit:
So abgeschottet, wie Moka Only und sein Album klingen, fällt es schwer, einen Vergleich mit anderen Alben zu ziehen. Sei es so beschrieben: Wer in Moka's Box steigt, der wird es nicht bereuen, der wird sogar für eine Zeit lang vergessen, dass es noch eine Welt außerhalb dieser Box gibt. Verlässt mab die Box dann allerdings, wird man wiederum bald vergessen haben, dass sie existiert. Denn das ist Moka's Problem: Er bietet keine nennenswerten Highlights, die den Hörer mit diesem Album verbänden. Hinzu kommt ein Aussetzer und eine Prise Mittelmaß, und schon sind die eigentlich guten Voraussetzungen für ein großartiges Album dahin. Doch trotzdem sei noch einmal bemerkt: Das Hören von "Lowdown Suite 2" sei allen, die mit dem beschriebenen Sound etwas anzufangen wissen, dringendst empfohlen, denn bezüglich seiner Atmosphäre ist diese Scheibe nicht zu verachten.

Gesamtwertung: 6.4 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Dienstag, 12. Mai 2009

Fabio Musta - Passport

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 12. Mai 2009
Label: Babygrande Records

Tracklist:
01. Intro
02. Open Up Their Eyes (Feat. Jeru The Damaja)
03. Hassa (Feat. Termanology)
04. Do It (Feat. T3 (of Slum Village))
05. I Still Want More (Feat. Akrobatik)
06. Keep It Tight (Feat. Strong Arm Steady)
07. Famous Type (Feat. Manifest)
08. Across The Map (Feat. Main Flow & Freestyle (of Arsonists))
09. I'm Ready (Feat. Substantial & Elias (of Scribbling Idiots))
10. Italian Roots (Feat. Copywrite)
11. Crossroads (Feat. Kool Sphere (of Verbal Threat))
12. Real Rap Music (Feat. Reks)
13. Hands Of Time (Feat. Wyld Bunch)
14. Feel It (Feat. Guilty Simpson)
15. Antiopnionisti (Feat. Paura & Clementino)
16. Senza Di Te (Feat. Ghemon & SoulShine)



Im Hause Babygrande sind die Lichter noch lange nicht aus. Zwar sind einige der treusten Imprints von dannen gezogen, und es gab Gerüchte um mehr als nur eine krumme Aktion (u.a. die bisher immer noch nicht wirklich geklärte BSBD / Jean Grae-Geschichte), doch das hindert Imperator Chuck Wilson nicht daran, weiter nach vorne zu blicken. Mit Stolz betont er, wie vielen Artists sein Label eine Chance gegeben hat - trotz harter Zeiten in Sachen Verkaufszahlen. Ähnlich wie schon bei den Snowgoons ist dieses Projekt ein internationales: Diesmal führt die Reise nach Italien, zu Fabio Musta, der mit "Passport" sein weltweites Debüt vorlegt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Ob Musta seine beachtliche Gästeliste selbst zusammengetrommelt oder ob er von seinem neuen Label profitiert hat, spielt dabei auch gar keine Rolle mehr. Fakt ist, dass "Passport" mit sämtlichen anderen Producer-Alben aus den Staaten mithalten kann. Besonders ist dabei lediglich, dass ans Ende des Albums zwei Songs mit italienischen Raps gesetzt wurden, die gerade so erahnen lassen, dass der Herr in seiner Heimat eigentlich schon zu den alten Hasen gehört. "Antiopinionisti" ruft Clementino und Paura, dessen 2007er Album Musta komplett produzierte, auf den Plan. Auch Soul-Sängerin SoulShine gehört zu seinem engeren Kreis, und so leiht sie dem sehr entspannten "Senza Di Te" ihre angenehme Stimme. Ist die italienische Einlage für den US-Fan durchaus eine Abwechslung, so muss man sich beim überwiegenden Rest doch fragen: Vermag es Fabio Musta, aus der derzeitigen Flut an Producer-Alben herauszustechen? Die Antwort ist, kurz und bündig: nein. Hier regiert die durch und durch typische Anteilsverteilung auf Rhythmussektion, Samples, Sreicher & Co., wobei auf markante Percussions absolut kein Wert gelegt wird. Samples dagegen halten bei Fabio beständig Einzug. Doch bezeichnend für dieses Album ist es, dass dem durchschnittlichen Hörer der ein oder andere Voice-Cut bekannt vorkommt, dass einem einige Melodien alles andere als neu vorkommen. Standardgast Termanology schlägt sich in "Hassa" mit einem solchen, sonst jedoch durchwegs gelungenen Instrumental herum. Auch sonst ist es das übliche Spiel, das in der gefühlten hundertsten Rezension wieder in neue Worte gefasst wird: Der Sound ist durch die Bank weg sauber, gut, aber nie wirklich bewegend. Die Nummer mit Main Flow erweist sich einmal mehr als Schlaftablette - in "Across The Map" reißt auch ein Freestyle nichts mehr. Jeru The Damaja eröffnet dagegen souverän, wenn in "Open Up Their Eyes" auf die wahren Werte im Musikgeschäft hingewiesen wird ("It's nice to have nice things - but that's not what life is all about"). Auch Reks praktiziert "Real Rap Music", was jedoch ähnlich standardmäßig abläuft wie bei Guilty Simpson (der sich anscheinend in die erste Liga der konstant auftauchenden Feature-Gäste spielen will). Denn auf voller Flamme läuft hier keiner der Gäste. Akrobatik zeigt sich dann jedoch erstaunlich geistvoll, während Substantial gewohnt gute Leistung bringt. Zwischen den anderen Größen erkämpft sich Manifest in "Famous Type" einen der Sonnenplätze, wohingegen Kool Sphere (die Quietschstimme von Verbal Threat - Premo's Schützlingen, die immer noch kein Album zustande gebracht haben) schnell nervig wird. Zu den besten Tracks gesellt sich Copywrite, der in "Italian Roots" erstens mit seinem Instrumental Glück hat und zweitens motivierter als seine Kollegen wirkt.


Fazit:
Spätestens nach 16 Stationen und keinem einzigen Highlight ist überdeutlich: Fabio Musta ist zwar ein fähiger Producer, doch seine Beats könnten gar nicht normaler sein. BoomBap nach Strich und Faden, ohne jegliche Fehler im Gewebe, dafür jedoch auch ohne Überraschung, eigene Marke oder gar Innovation. Man möchte nun argumentieren, dass es auch solche Alben geben muss - denn schließlich lässt sich "Passport" von vorne bis hinten problemlos durchhören. Doch in einer Zeit, in der Alben - ebenso wie Producer-LPs - dieses Schlags zuhauf auf dem Markt geistern, fehlt ein wenig das Verständnis für dieses Projekt. Löblich, dass Babygrande für solche Aktionen offen ist, doch das ändert nichts an der Musik selbst. Mit dieser Leistung wird es schwer für Fabio Musta, sich im internationalen Bereich einen Namen zu machen.

Gesamtwertung: 5.7 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame