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Sonntag, 6. Dezember 2009

Sene - A Day Late & A Dollar Short

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 27. Oktober 2009
Label: Shaman Work Recordings

Tracklist:
01. PressPause
02. WonLover
03. QuarterWaterSupporter
04. WhyBother?
05. WonThousandGirls
06. SmokeRoseBudsOnAshyAvenue
07. TheWonderers
08. CloudClimbers
09. EyeCry - TheBefore
10. OwlThruGotham
11. EveryDejaVu
12. Ain'tNoJustice
13. EyesDry - TheAfter
14. JusASuggestion



Das Gedächtnis eines HipHop-Fans rostet nicht ein: Namen über Namen ergießen sich jedes Jahr über die Lauscher der Hörer, wobei es immer gilt, die wirklich behaltenswerten Neulinge herauszufiltern. Hier stellt sich erneut ein Jemand vor: Sene kommt aus Brooklyn und ist derzeit auf Shaman Work gesignt. Ganz unbeschrieben ist er jedoch nicht: Einige halboffizielle Werke ("Pavement Special", die "Garbage Pail Kids" EP) existieren bereits. Zudem gab es bereits ein Mixtape, das von niemand Geringerem als Sucio Smash präsentiert wurde. Wer nun denkt, er könne hier nicht überrascht werden, der weiß nicht, wen sich Sene für sein Debüt "A Day Late & A Dollar Short" als Gegenstück mit ins Boot geholt hat: Gemeint ist Blu aus der sonnigen anderen Ecke der Staaten, Los Angeles.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Damit ist die Scheibe nicht nur ein einfaches, sondern ein zweifaches Debüt. Denn wo Sene seinen Albumeinstand als Emcee in der Szene feiert, verliert Blu hier kein einziges Wort und erweitert seinen Talentradius um die Kunst des Produzierens - zwar nicht zum ersten Mal, doch zum ersten Mal auf voller Albumspielzeit. Und ohne ein vorzeitiges Urteil zu fällen, darf jeglicher betonter Eastcoast-Charakter damit abgehakt werden. Wenn man schon ein Referenzobjekt sucht, dann unter Umständen Exile, dessen Klasse Blu zwar bei weitem noch nicht besitzt, dem er jedoch unbestreitbar in gewissen Gesichtspunkten nacheifert. Auch wenn es hier um Sene gehen soll, scheint es doch beizeiten ebenso interessant, die Entwicklung von Blu als Produzent zu betrachten. Warum das so ist wird durch zwei Faktoren erklärt: Sene stellt sich schnell als talentierter Emcee heraus, will sich aber nicht so recht profilieren, und Blu zeigt hier ein Talent, das unter Umständen zu noch viel mehr führen könnte. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, dass Sene es nicht verstünde, zu unterhalten. Sei als Beispiel "EyeCry: The Before" genannt, wo Blu zugunsten von Sene und seinen nachdenklichen Texten gänzlich in den Hintergrund tritt. Das von Blu eingeschleppte Ärgernis der abhanden gekommenen Leerzeichen ist zwar unschön anzuschauen, sei jedoch des Weiteren nicht mehr beachtet. Zurück bei Sene's Eigenschaften am Mic lässt sich feststellen, dass hinsichtlich der Verflechtung von Gedanken, persönlichen Erfahrungen und fidelem Tonfall eine direkte Parallele zu Blu besteht. Immerhin verkörpert Sene auch einen ähnlichen Charakter; "WonThousandGirls", ein Song über das üppige Angebot an potentiellen weiblichen Gespielinnen / Partnerinnen, hätte auch aus Blu's Feder stammen können. Doch genug der Vergleiche - Sene steht seinen Mann auch problemlos selbst. "WhyBother?", fragt er sich, ohne dabei eine Antwort zu finden. "TheWonderers" bekommen ausschweifend erklärt, wer hier am Mikro steht, ohne dass Sene davor zurückschreckt, der ein oder anderen Hook selbst den Gesang zu stiften. Unterlegt ist alles von Blu's angenehmen Sound-Gerüsten, die nur ein einziges Problem zu beklagen haben, nämlich einen Überschuss an Harmlosigkeit. Dieses Gebrechen schlägt sich auch im gesamten Bild der Platte nieder: Was hier passiert ist schön und beschaulich, doch es fehlt der Funke, der dieses potentielle Freudenfeuer zu entzünden imstande wäre. Immerhin es ist nicht so, als läge die Lösung dieses Problems meilenweit entfernt, denn mit einigen der Bestrebungen auf der LP wird in der Tat gezeigt, dass Sene auf dem richtigen Pfad wandelt: "SmokeRoseBudsOnAshyAvenue" lebt von der überquellend guten Laune in den Raps, in "WonLover" gelingt Blu ein exzellentes Bett aus Streichern, in dem es sich Sene's Raps (natürlich über die "eine" Liebe) gemütlich machen. Und schließlich noch "Ain'tNoJustice", das mit Co$$ den einzigen Gast auffährt und das in der Kopfnicker-Sektion die Sternstunde der Platte verkörpert.


Fazit:
Ist dieser neue Name also vermerkenswert? Ja, ist er durchaus. Das Potential zu einer von Kritikern mit Lob überschütteten Underground-Überraschung hat "A Day Late & A Dollar Short" allerdings nicht. Sene wird wohl auch in absehbarer Zeit nicht den Quantensprung vollführen, der Blu zuteil wurde - dafür reicht es bei ihm ganz einfach nicht. Doch Potential nach oben ist in jedem Fall da. Und ein lockeres, relaxtes Album wie hiesiges Debüt ist im Grunde nie verkehrt. Damit bleibt nur zu hoffen, dass Sene auch in Zukunft fähige Produzenten trifft, die ihn trefflich untermalen. Blu als Produzent zeigt in dieser Form Talent und Ausbaufähigkeit und lässt somit Freude auf zukünftige Projekte zu. An dieser Stelle reicht die Kollabo zu einem überdurchschnittlichen Erzeugnis.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Souls Of Mischief - Montezuma's Revenge

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 01. Dezember 2009
Label: Hiero Imperium / Clear Label Records

Tracklist:
01. Intro
02. Won1
03. Postal
04. Tour Stories
05. Skit
06. Proper Aim
07. You Got It
08. Hiero HQ
09. Poets Skit
10. Poets
11. Mr. Freeman Skit
12. Fourmation
13. Dead Man Walkin
14. For Real Y'all
15. Lickity Split
16. Home Game
17.Outro
18. Lalala



Es war einmal, eine unscheinbare Truppe namens Souls Of Mischief"; ein Quartett, das vor 16 Jahren mit der Single "93 Til Infinity" einen Hit für die Rap-Geschichte schuf. Das letzte Album der Gruppe gab es vor neun Jahren, doch mit dem Namen kann (ebenso wie mit dem der Hieroglyphics) trotzdem jeder etwas anfangen. In den letzten Jahren gab es zudem Soloalben von Tajai, Opio und auch A Plus, während es um Phesto eher ruhig blieb. Die Nachricht, dass also nun ein neues Album unterwegs sei, ist schon freudig genug, doch es kommt noch dicker: "Montezuma's Revenge" entstand in Zusammenarbeit mit Prince Paul, weswegen man in der Tat gespannt sein darf.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Laut Titel (dem man nicht zu viele Interpretationen aufhalsen sollte) soll die Scheibe sogar so gut sein, dass es einem glatt den Hosenboden durchschlägt. Möglich erscheint das, wenn man beachtet, dass sich die Souls Of Mischief zusammen mit Hiero-Buddy Domino und Prince Paul für über einen Monat in ein Haus einschlossen, um dort ganz ungestört jeden Tag Musik aufzunehmen. Die schlägt im optimalen Fall eine Brücke zwischen den erfolgreichen frühen SoM-Tagen und einer zeitgemäßen Ausführung. Immerhin stießen schon die letzten Solotaten auf durchwegs positive Resonanz. Wie soll man sich da der Albumatmosphäre entziehen, wenn Prince Paul das "Intro" mit entspannter Hintergrundmusik einläutet und Del The Funky Homosapien für die Vorstellung sorgt? "Ladies & Gentlemen, a warm, warm welcome for Souls Of Mischief." Dass im Anschluss einiges geboten wird, zeigen die ersten Tracks ebenso wie das Album als Gesamtheit. Von Persönlichem bis zu cleveren Wortspielen zur Verschönerung des eigenen Egos zeigen sich die Souls als hungriger, gewohnt harmonischer Haufen, dem sich die gute Laune nicht nehmen lässt und der nie um direkte, zweideutige oder lustige Lines verlegen ist. Alle männlichen Zuhörer werden schmunzelnd nachvollziehen können, wie die Emcees in "Postal" von der Herzallerliebsten in den Wahnsinn getrieben werden. "Lickity Split" schickt die nervtötende Partnerin dann in die Wüste. Der Sound ist dabei meist locker gehalten und lässt sich, wenn man denn so will, als das definieren, was man sich von den Mischiefs erwartet hätte. Trotz der verschiedenen Autoren der Instrumentals (Domino, Prince Paul, Opio, A Plus) findet nie ein Bruch statt, weswegen die Platte auch an einem Stück durchgehört werden kann. Immer wieder finden sich die inhaltlich nicht abgesteckten Kopfnicker, etwa der Opener "Won1", der über einen krachenden Beat die Souls Of Mischief (für alle, die sie nicht kennen oder vergessen haben) und deren Können nochmals darlegt. Ähnlich die schwächeren "Hiero HQ" oder "Fourmation", in dem sich die Vier immer weider gegenseitig ins Wort fallen. Mehrere mehr oder weniger notwendige sowie witzige Skits ("Mr. Freeman" mit einem Seitenhieb gegen Morgan Freeman) durchziehen die Platte, auf der sich auch richtige Perlen finden: "For Real Y'All" legt schon seitens des Beats mächtig los, ist mit Raps jedoch gut und gerne ein potentieller Favorit. Ein zweiter ist "Tour Stories", das dem ausgiebigen Tour-Leben der Truppe Tribut zollt und natürlich auch einen kurzen Bericht einiger Erlebnisse bietet. Domino's Beat ist dabei ähnlich smooth wie zu längst vergangenen Anfangszeiten. Damit stimmen zwar alle Äußerlichkeiten, doch mehr wäre in jedem Fall drin gewesen, da mit Songs wie "Proper Aim" auch Mittelmaß ins Haus in der Montezuma Street eingedrungen ist. Schließlich darf man gegen Ende noch das "Home Game" genießen, Del im "Outro" lauschen und sich mit "Lalala" verabschieden.


Fazit:
Die Voraussetzungen sind erste Sahne, die Emcees sind in Topform, das Feeling als auch der Sound passen, doch trotzdem fehlt zum großen Wurf so Einiges. Das liegt vorrangig daran, dass sich die Qualitätsspanne von einigen sehr guten Tracks bis hinein ins Mittelmaß erstreckt. Selbiges Mittelmaß bringt dann eben auch besagte gute Voraussetzungen ins Straucheln. Grund zur Beschwerde besteht dabei allerdings nicht - es ist einfach nicht besser geworden. Vielleicht beim nächsten Mal. Geändert werden müsste eigentlich nichts. Schließlich ist auch "Montezuma's Revenge" ein gutes Album. Nur eben leider nicht mehr.

Gesamtwertung: 6.7 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Freitag, 27. November 2009

Fashawn - Boy Meets World

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 20. Oktober 2009
Label: One Records

Tracklist:
01. Intro
02. Freedom
03. Hey Young World (Feat. Aloe Blacc & Devoya Mayo)
04. Stars (Feat. Aloe Blacc)
05. Life As A Shorty (Feat. J Mitchell)
06. The Ecology
07. Our Way (Feat. Evidence)
08. Why
09. Samsonite Man (Feat. Blu)
10. Father
11. Sunny CA (Feat. Co$$ & Mistah F.A.B.)
12. Bo Jackson (Feat. Exile)
13. Lupita
14. When She Calls
15. Boy Meets World



Auf den ersten Blick sehen Cover und Tracklist eher unscheinbar aus. Geradezu so, als wäre dieses Projekt für den Durchschnitts-HipHop-Konsumenten gar nicht von Interesse. Wer sich näher mit diesem Album beschäftigt, der wird diese eventuelle Meinung schleunigst revidieren: Bei "Boy Meets World" handelt es sich um das Debütalbum eines 20-jährigen Emcees aus Fresno, das komplett von Exile produziert wurde. Spätestens hier sollte man hellhörig werden, denn der Produzent aus Los Angeles gehört derzeit zu den saftfrischsten Beatbastlern in seiner Sparte. Hinzu kommen schon die ersten begeisterten Rezensionen und man darf definitiv gespannt sein, was hier fabriziert wurde.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Auch wenn die Platte über One Records erscheint, sie wäre - als kleine Richtungsweisung - z.B. bei Tres Records ebenso gut aufgehoben gewesen. Und schließlich und letztendlich unausweichlich ist der Vergleich mit "Below The Heavens" zu ziehen, das vor zwei Jahren einem gewissen Blu haufenweise Lob bescherte und die entscheidende Zündung in einer seither florierenden Karriere markierte. Gewisse Parallelen sind in der Tat nicht von der Hand zu weisen: Neben Exile im Rücken führte auch Fashawn bis zu diesem Zeitpunkt ein relativ unbeachtetes Dasein im Rap-Game, was sich nun - soviel sei schonmal verraten - schlagartig ändern wird. Doch "Boy Meets World" ist kein "Below The Heavens 2": Auch wenn das Cover einen ähnlich verträumten Eindruck macht, liegt Fashawn beizeiten näher am Reality Rap der frühen QBler als am entspannten Westcoast-Spaziergang eines Blu. Dass an anderen Stellen tatsächlich Ähnlichkeiten zu ebenjenem Blu aufglimmen, stellt einen augenscheinlich unvereinbaren Spagat dar, der jedoch die Stärke der Platte ausmacht. Das geht natürlich Hand in Hand mit Exile's Produktion, die sich rein qualitativ auf einem ähnlichen Level wie bei der Blu-Collabo befindet, jedoch vielschichtiger geworden ist. Doch zurück zu Fashawn: Der verbringt Teile seiner Kindheit in einem Waisenhaus, da der Vater einsitzt und die Mutter drogenabhängig ist. Doch Fa kann es besser: Im "Intro" wird der krummen Bahn zugunsten seiner Leidenschaft - dem Rappen - der Rücken gekehrt. Als Belohnung gibt es einen fetten (eine andere Umschreibung will sich nicht finden lassen) Beat von Exile, der nur der Auftakt zu einer Aufreihung der schmackhaftesten Instrumentals, die einem seit längerer Zeit über den Weg gelaufen sind, sein soll. "Hey Young World" als grundauf positiver Song ist in seiner herrlich relaxten Art und mit Exile's Piano einer der Gründe, warum man dieses Album auch auf lange Sicht nicht vergessen wird. Auf der anderen Seite geben ernst zusammengefügte Samples den Nährboden für "The Ecology", einen Bericht über die sozialen Zustände in Fashawn's direkter Umwelt. Genau dort setzt auch das bombenstarke "Our Way" an, in dem ein Foto der eigenen Straße geschossen und eiskalt kommentiert wird:

"That's how we live in the streets of the F
Paranoid, so I sleep with a tec, valley of death
I'm from the Sunshine State, but we live in the darkness
Be smart nigga, enter with caution
"

Mitunter der größte Schnitzer der Scheibe ist der Auftrit von Schnarchnase Evidence, der auch thematisch voll und ganz die Show verschläft und mit seinem Gefasel zwischen den beiden 16ern von Fashawn nur stört. Ein weiterer unnötiger Gast ist Exile - natürlich nur am Mic. Denn auch sonst ist "Bo Jackson" der schwächste Song der Scheibe. Was aber nicht stören sollte beim großen Rest: Da wäre z.B. "Life As A Shorty", das ganz simpel über die Mühen von Fashawn's Kindheit ("Didn't know how broke we was til I got older") berichtet, die Lovestory über "Lupita", das an Gott gerichtete "Father" oder das mit hauchdünnen Streichern bespannte, selbstreflektierende "Why". Neben den gut vorgetragenen Inhalten bietet Fashawn auch einwandfreie Rap-Skills sowie eine Präsenz am Mic, die Potential hat. Zutage tritt dies, neben den schon erwähnten Songs, im grandiosen "Samsonite Man", das so ungebunden wie der Titel ist und nicht nur dank Gast Blu auch auf "Below The Heavens" gepasst hätte. Ein anderes Highlight ist das ergreifende "When She Calls", eine weitere überragende Sample-Arbeit von Exile, in der Fa drei unterschiedlich verlaufende Versionen einer zerbrochenen Jugendliebe erzählt. Den Ausstieg gibt "Boy Meets World", ein Zehnminüter, der im ersten Teil die Frische des ganzen Albums versprüht, um den Hörer danach mit sachtem Gesang und Shoutouts aus der Tür zu geleiten.


Fazit:
Fragt man sich nun, ob dieses Debüt für Fashawn ähnliche Konsequenzen nach sich ziehen wird, wie es damals "Below The Heavens" für Blu tat, dann kann man diese Frage mit einer hohen Sicherheit mit "ja" beantworten. Dank gebührt dabei zu großen Stücken Exile, der sich zu einem der derzeitigen Top-Producer mausert. Wie schon erwähnt sollte der musikalische Vergleich mit Blu's Album nicht zwingend herangezogen werden, doch vom Wesen her besteht eine Ähnlichkeit, die die andauernde Erwähnung von Blu rechtfertigt. Auch wenn "Boy Meets World" beizeiten weitaus ernster und lyrisch kühler ausfällt, wohnt der LP eine von Exile verschuldete Wärme inne, die derzeit wenige andere Künstler zustande bringen. Zu einem hohen Durchschnittsniveau kommen noch einige herausragende Highlights und ein lyrisch ansprechendes Spektrum, und schon hat man in "Boy Meets World" eine der besten Scheiben des Jahres gefunden.

Gesamtwertung: 7.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 11. November 2009

Gift Of Gab - Escape 2 Mars

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 03. November 2009
Label: Cornerstone Recording Arts Society

Tracklist:
01. E2Mtro
02. El Gifto Magnifico
03. Lightyears
04. Dreamin' (Feat. Del The Funky Homosapien & Brother Ali)
05. In Las Vegas
06. Escape 2 Mars
07. Electric Waterfalls
08. Richman, Poorman
09. Someofthepeople
10. Spotlight
11. Rhyme Travel



Er ist einer der renommiertesten Emcees der alternativen HipHop-Szene der Westküste: Gift Of Gab verdiente sich seine Lorbeeren in erster Linie als Teil von Blackalicious und zog jüngst in der Dreierformation The Mighty Underdogs die Aufmerksamkeit der Hörer auf sich. Neben anderen Projekten gab es auch schon eine Solo-LP im Jahr 2004. Ganze fünf Jahre später wird der nächste Langspieler veröffentlicht, der wieder einen außergewöhnlichen und abgehobenen Titel trägt: "Escape 2 Mars".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Das ganze Design der Platte sieht nach viel aus, hat aber relativ wenig Bezug zur eigentlichen Musik. Denn Gift Of Gab hat nicht vor, hier irgendwelche verrückten musikalischen Reisen über den roten Planeten zu unternehmen, sondern will unterschwellige Kritik am Verhalten der Menschheit im Umgang mit dem eigenen Planeten anbringen. Unterstützt wird er dabei von zwei Produzenten, nämlich größtenteils DNAEBEATS und außerdem dem Mighty Underdogs-Kumpel Headnodic. Diese Beschränkung in der Zahl der Beatbastler stellt sich als sehr gute Entscheidung heraus und garantiert dem Album ein geschlossenes Auftreten, in dem es Gift Of Gab meist gestattet ist, in Ruhe und Besonnenheit das Mic zu ergreifen. Die meisten Songs bestechen mit warmen Klängen, dezenten Einflüssen von Electronica und angenehm gesungenen Hooks, für die Vivica Hawkins und Bart Davenport aufkommen. Hektik ist ein Wort, das allen Beteiligten fremd scheint: So dirigiert DNAE im "E2Mtro" einen langsamen Einstieg, damit sich jeder mit der Platte anfreunden kann. "Richman, Poorman" ruft neben einer umgreifenden Bassline die verträumten Rhodes von Crown City Rockers-Mitglied Kat010 auf den Plan, während Gift Of Gab in zwei Verses einen herzensguten Armen und einen gefühllosen Reichen portraitiert. Botschaft: Geld alleine macht nicht glücklich. Doch da hört es natürlich nicht auf. Wenn schon der Planet Erde kritisiert wird, dann darf die Stadt der Sünde nicht fehlen. Für "In Las Vegas" muss logischerweise etwas mehr Schwung eingebracht werden, der die Zeilen über den klischeehaften Vegas-Besuch trägt. Besonders tiefgründig will Gift Of Gab gar nicht sein, laut Eigenaussage versucht er auch nicht, hier große Predigten zu halten. Doch die simplen Botschaften bleiben im Kopf, womit der Emcee schon zufrieden sein dürfte. "Esacpe 2 Mars" gibt eine Diagnose der angeschlagenen Mutter Natur, während sich "Electric Waterfalls" mehr der wirtschaftlichen Gier der Menschheit zuwendet. Gäste braucht Gift Of Gab wenige, lediglich in "Dreamin'" zeigt er, dass er auch mit Größen wie Hiero-MC Del The Funky Homosapien und Rhymesayer Brother Ali bestens funktioniert - sogar so gut, dass man es hier mit einem der Highlights zu tun hat. Dazu fehlt "Some Of The People" zwar das gewisse Etwas, doch Headnodic versteht es wieder einmal hervorragend, einen schönen und relaxten Untersatz zu basteln, der mit einer Diashow verschiedener Charaktere von "Some Of The People" bespielt wird. Aussetzer sucht man selbstredend vergeblich, erwähnenswert ist noch "El Gifto Magnifico", das einen aufgeweckt reimenden Gift Of Gab vorfindet, der selbst für die Ohrwurm-Hook aufkommt.


Fazit:
Nach kurzen 40 Minuten hat der Spaß wieder ein Ende, doch enttäuschend fällt das Fazit deshalb keineswegs aus. Gift Of Gab gelingt zwar kein Ausreißer nach oben, doch im großen Hauptfeld kann sich sein Zweitling gekonnt in den vorderen Reihen platzieren. Mit entspannter Gesamteinstellung und mit den zwei richtigen Produzenten im Rücken gerät "Escape 2 Mars" zu einer Scheibe, die zwar durchaus ihre (wenigen) mittelmäßigen Tracks hat, dafür aber weit genug vom HipHop-Alltag entfernt liegt, um als Erfrischung durchzugehen, und die zudem davon profitiert, dass Gift Of Gab (mit seiner angenehmen Stimme) seine Kunst einwandfrei beherrscht. Empfehlenswert.

Gesamtwertung: 6.7 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Montag, 26. Oktober 2009

Paten Locke - Super Ramen Rocketship

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Release Date: 20. Oktober 2009
Label: Tres Records

Tracklist:
01. Soup For One
02. Breakthru
03. Good Muse
04. Ash On Em
05. Auto Reverse
06. Brava
07. Funky Hit Record
08. Ventilation
09. Wadaap!
10. Til The Dawn
11. Just Me
12. Super Ramen Rocketship
13. Off The Grid
14. After You



Von Paten Locke werden viele Leser bereits Musik gehört haben, ohne sich dessen bewusst zu sein. Doch schön der Reihe nach: Paten wurde in Boston geboren, ist dann nach Chicago gezogen und später (Ende der 90er) dann nach Jacksonville, Florida. Als er anfing, sich in der dortigen HipHop-Szene zu etablieren, ging das noch nicht unter seinem bürgerlichen Namen, sondern dem Alias DJ Therapy vonstatten. Mit dem Beinamen The Triple Threat wird gleich unterstrichen, dass Paten sowohl als DJ, Produzent sowie auch Emcee sein Unwesen treibt. Wieso man ihn nun kennt? Er ist Teil der ehemals als Asamov bekannten Truppe. In der Zwischenzeit begründete er noch eine weitere, weniger bekannte Gruppe, The Smile Rays. Um nun auch als Solokünstler Fuß zu fassen, kommt er den vielstimmigen Forderungen nach einem Album nach und veröffentlicht "Super Ramen Rocketship".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Was passt da als Label besser als Tres Records, die zwar in Los Angeles sitzen, im Geiste jedoch als direkte Nachbarn von P. Locke zählen - für eine frische Brise sorgen beide. Der erste Hinweis, dass Herr Locke dies (die frische Brise) beabsichtigt, ist das kunterbunte, wilde Cover. Als in diesem Fall sehr zuträglich stellt sich die vollkommene Abwesenheit jeglicher Gäste heraus - der Triple Threat erledigt alles selbst und erreicht somit genau das, was auch der Pressetext ankündigt: ein musikalisches Abbild seiner Person, eine Biographie in CD-Format. Etwaige Zweifel, dass hier das Producer-am-Mic-Syndrom durchschlägt und man sich die volle Spielzeit durch zweitklassige Raps hören muss, pulverisiert Paten bereits zu Beginn erfolgreich. Mit Lines wie "I punch a rapper right up in his personality" sorgt er für gute Unterhaltung; außerdem wird die lyrische Ausrichtung durchaus gut wiedergegeben - große Denkanstöße will P. Locke gar nicht an den Mann bringen, wohl aber aus seiner eigenen Welt erzählen. Die Grundstimmung der Musik lässt sich dabei als durch und durch entspannt beschreiben. Locke kreiert lockere Kopfnicker, unternimmt funkige und schräge Ausflüge oder baut angenehme Streichergebilde, ohne dabei jemals seine gute Laune aus den Händen zu geben. Diese gute Laune ist eine Begleiterscheinung seiner Raps selbst - denn sogar, wenn es beim Beat mal aussetzt, geht die Grundstimmung nicht flöten. "Ash On 'Em" lässt sich hier ebenso wie das etwas zu "funkige" "Funky Hit Record" als Beispiel anführen. Der Rest des Albums fällt durchwegs erfreulich aus, vor allem dann, wenn sich Paten gar nicht erst die Mühe macht, den Hörer groß zu fordern, sondern ihm einfach nur ein Schmankerl vorsetzt: "Wadaap!" startet mit einer eingängigen und feschen Hook, nur um dann in komplette Unbeschwertheit zu zergehen und zu einem der Highlights der Scheibe aufzublühen. "Auto Reverse", das der Tape-Generation gewidmet ist, ist schräg, trotzdem gelungen und zudem ein Ohrwurm. Spätestens hier merkt man, dass Paten in einer Formation wie Asamov gar nicht die Möglichkeit bekommt, seine Ideen voll auszuleben. Denn das Gruppenprogramm bringt er auch im Alleingang zusammen und gibt etwa in "Off The Grind" feinst-schnörkellosen BoomBap zum Besten. Dem stehen Songs wie "Super Ramen Rocketship" oder (vor allem) "Breakthru" entgegen, die zwar nicht wirklich das Rad neu erfinden, vor Energie aber nur so strotzen. Für ruhigere Stunden sei "Good Muse" ("I'm just looking for an outlet for this good muse / While you wonder if your outfit match your stupid shoes") empfohlen. Damit hat man die Bandbreite des Albums auch schon grob umrissen, der Rest sei dem Hörer selbst überlassen.


Fazit:
Ein sehr erfreuliches Debüt, das Paten Locke da veröffentlicht. Beileibe kein perfektes - dafür ist es an vielen Stellen noch zu ungeschliffen - doch auf jeden Fall eines, das sich von der grauen Masse abhebt. Genau da liegt die große Stärke von Paten: Seine auf dem Album gebotene Mixtur klingt nicht ausgelutscht und totgehört, obwohl er sich keiner anderen Werkzeuge bedient als der große Rest. Dass sich "Super Ramen Rocketship" trotz einiger Schwachstellen als gutes Album bezeichnen darf, liegt vor allem an der guten Atmosphäre und am bestens aufgelegten P. Locke, von dem in nächster Zeit ruhig mehr kommen darf.

Gesamtwertung: 6.6 / 10

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Del The Funky Homosapien & Tame One - Parallel Uni-Verses (Produced by Parallel Thought)

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Release Date: 13. Oktober 2009
Label: Gold Dust Media

Tracklist:
01. Intro (Magic)
02. Keep It Up
03. Flashback
04. The Franchise
05. Specifics
06. Beforer This
07. We Taking Over
08. Life Sucks
09. Teddy
10. Special
11. Gaining Ground



Gold Dust zieht seinen nächsten Trumpf aus dem Ärmel. Nach einigen anderen Releases spannt das Label nun ein Duo vor den Wagen, das auf den ersten Blick gar nicht zusammenpassen will: Del The Funky Homosapien und Tame One; der sympathische Hiero-MC und der Straßenpoet aus New Jersey. Doch es ist nicht ihre erste Begegnung: Bekanntschaft hat man schon gegen 1993 gemacht, man blieb in Kontakt und schließlich fand sich Del auch auf den letzten beiden Alben von Tame wieder. Diese waren rein zufällig auch vom Produktionsteam Parallel Thought mit Beats versehen, wie es auch hier wieder der Fall ist.

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Ähnlich Tame's letzten beiden Alben ("Da Ol' Jersey Bastard" und "Acid Tab Vocab") begnügt sich auch "Parallel Uni-Verses", das zumindest schonmal beim Titel kreativ auffällt, mit einer überschaubaren Zahl an Tracks. Ähnlich Tame's letzten beiden Alben sorgen Parallel Thought für einen Sound-Teppich, der gleichermaßen geschlossen und solide als auch unspektakulär ist. Wer mit den letzten beiden Tame Alben überhaupt nichts anfangen konnte, der sollte hier gar nicht erst den Motor anwerfen. Wem die Ansätze - bei mäßiger Ausführung - gefielen, der wird feststellen, dass hier zumindest ein Schritt in die richtige Richtung getan wird. Die befremdenden Instrumentals wurden aus dem Programm genommen, während trotzdem die eigene Note, die sich Parallel Thought mit ihren letzten Machenschaften erspielen konnten, beibehalten wird. Dass Del und Tame zusammenpassen, zeigten schon die bekannten gemeinsamen Tracks: Was, legt man den dreckigen, unregelmäßigen Flow von Tame One und die locker-flüssige Gelassenheit des Funky Homosapien zugrunde, wie zwei nicht kompatible Bausteinchen erscheinen mag, passt problemlos aufeinander und kreiert seine eigene Atmosphäre aus abstrakten Wortketten, Anspielungen auf vergangene Tage und Kritik an allem, was dem Duo nicht passt - vornehmlich die derzeitige HipHop-Landschaft. In plumpes "früher war alles besser"-Gejammer verfällt hier aber niemand. Deshalb ist "Flashback" auch als Hommage konzipiert, die mit schlichtem Instrumental zu überzeugen weiß. Ein einwandfreier Song ist "Before This", in dem eine schöne Bassline kräftig Flair verströmt und Tame für ihn typische Lines vom Stapel lässt:

"I went from 'hard to deal with'
To 'hard to get', to 'hard to get to find'
Now the label, I'm hard to listen to
Making me too hard to sign
I find, most of you folks are too much coke to be dope
But I smell you though
"

Des Weiteren hält der Song gut als Beispiel her, um hervorzuheben, dass es gerade auch Del ist, der sich voll entfalten kann, da die schlichten Instrumentals dem charismatischen Emcee meist voll in die Karten spielen. Klingt bisher also alles ganz nett - dabei bleibt es aber leider auch. Die beiden Emcees rappen beanstandungslos wie eh und je, doch - man mag es den Instrumentals in die Schuhe schieben - volle 100% gibt es nicht. Denn bei selbigen Untersätzen von Drum und Knowledge (alias Parallel Thought) ist es nie erforderlich. In Nummern wie "Life Sucks" schrammt man dann sogar nahe am Rand zur Langeweile vorbei. Trotzdem seien noch ein paar hörenswerte Songs genannt: "Teddy" steht mit seinem Funk dem Hiero-MC hervorragend, "Specifics" fährt die typisch dämmrige Parallel Thought-Atmosphäre auf, ebenso wie das herrlich mit Drums bestattete "The Franchise", in dem Tame die Szene aufs Korn nimmt. Da von extrem kurzen Track-Längen anscheinend nicht viel gehalten wird, bietet fast jeder Song ein schönes Hin und Her der zwei Emcees und man landet trotz der nur elf Tracks bei einer gesunden Spielzeit.


Fazit:
Eine Steigerung zu etwa "Acid Tab Vocab" hat man hier in jedem Fall vor sich. Im Duo Del und Tame hat man zudem ein Gespann vor sich, das es dem Hörer nie langweilig macht und das es versteht, seine Worte gekonnt zu platzieren, dass einem die ein oder andere Line für längere Zeit im Kopf bleibt. Trotzdem ist diese Scheibe noch nicht das Gelbe vom Ei. Der Grund dafür sind einmal mehr Parallel Thought, die für einen Aufstieg in die höheren Wertungssphären auch mal ein paar Bretter in ihre Reihen aufnehmen müssten. Denn obwohl "Parallel Uni-Verses" keine nennenswerten Macken hat, bleibt es im oberen Mittelfeld kleben, weil man hier nach richtigen Highlights vergebens sucht. Doch vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung, für die man Del und Tame alles Gute wünschen darf.

Gesamtwertung: 6.4 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Bound By Honor - B For Vendetta

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Release Date: 18. August 2009
Label: Magnus Records

Tracklist:
01. Only An Intro (Feat. Raydar Ellis)
02. Rippin The Rythm
03. Made In Korea
04. Light 'Em Up
05. Go Time (Feat. Raydar Ellis & Esoteric)
06. Spanish Fly
07. Character Assassination (Feat. Chino XL)
08. Buried Alive
09. Industry (Feat. Raydar Ellis)
10. Bord Dead (Feat. Rugged Intellect)
11. Killin' It
12. Lab Rats (Feat. Raydar Ellis)
13. Rain On Your Parade (Feat. Raydar Ellis)
14. Sport And Survival
15. Spin Master Grant (Skit)
16. Word Play
17. Age Of Decadence
18. Sadist
19. Cloud 19
20. B For Vendetta



Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit Big John mit "The Next Step" sein zweites Soloalbum veröffentlichte - das damals mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Seitdem war der Herr aus dem Nordwesten Amerikas nicht untätig. Nur anstatt sein nächstes Soloalbum aufzunehmen, gründete er ein Duo mit dem Kollegen Mic Daily, der ebenfalls aus Tacoma stammt und auch schon auf "The Next Step" einige Wörtchen mitzureden hatte. Zusammen ist man nun Bound By Honor und zeigt Der Welt mit 20 Tracks, verschnürt als "B For Vendetta", dass man von kurzen Alben nicht viel hält.

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Dass dem platten Namen und dem noch viel dämlicheren Wortspiel im Titel reimtechnisch nicht viel folgt, werden die meisten, die mit "The Next Step" vertraut sind, ahnen. Big John ist, um es vorsichtig auszudrücken, ein bescheidener Rapper. Mic Daily hat ein wenig mehr auf dem Kasten, aber auch hier gab es die Skills in der Kindheit nicht mit großen Löffeln. Was bei Big John und dem eigenen Label Magnus Records viel wichtiger ist, sind die Connections: Auf dem letzten Album waren es R.A. The Rugged Man, Canibus und Kool G Rap, hier ist es vor allem Raydar Ellis, aber auch z.B. Chino XL. An den produzierenden Namen hat sich nicht viel geändert, abgesehen davon, dass Loptimist anteilmäßig kräftig zugelegt hat und über die Hälfte der Instrumentals beisteuert. Die Freundschaft zu Esoteric besteht natürlich weiterhin, was auch hier einen Auftritt des Bostoners verheißt. Bei der Musik selbst wird Big John zwar nicht mehr von einem Canibus in Grund und Boden gerappt, doch ein Raydar Ellis reicht mehr als vollkommen aus, um mit seinem Verse in "Only An Intro" die vorausgehenden Mic und John bis aufs Unterhemd zu entblößen. Der Loptimist-Beat dagegen taugt perfekt als Intro und geht gut nach vorne. Damit wäre man auch schon beim Knackpunkt des Albums: Die Beats sind gut, die Raps ganz und gar nicht. Als Segen wie auch als Fluch erweisen sich die Gäste, die einerseits durchwegs erfreuliche Bars spitten, andererseits aber auch gnadenlos darauf hinweisen, wie plump die eigentlichen Protagonisten agieren. Natürlich werden hier auch keine Konzepte vom Zaun gebrochen oder etwa Anstrengungen angestellt, mit einer Grundthematik Bezug zum Albumtitel herzustellen. Diese B-Klasse-Battle-Raps machen es einem nicht schwer, den Fokus voll und ganz auf die Beats zu legen. Hier finden sich einige sehr angenehme Überraschungen, ob der vielen Anspielstationen aber auch einige Filler. Nachdem man also nach dem Intro dem wohlklingenden Raydar Ellis vorerst Lebwohl gesagt hat, döst sich das Album bis zum relaxten "Light 'Em Up", um dann in "Go Time" Wohlvertrautes zu servieren: Selbige Produktion verscherbelte Loptimist schon an Amadeus The Stampede als auch Randam Luck (und bei Bound By Honor hat man es nicht mit der besten Verwertung zu tun). Doch damit hat man die einzige Mogelpackung der Platte abgehakt. Es gilt erstaunlich oft: Wo keine Gäste zugegen sind, passiert nicht viel. Ausnahmen sind "Word Play", auf dem Loptimist seine Bauklötze zu einem wirklich erfrischenden Beat-Türmchen zusammenstöpselt, aber auch "Born Dead", für dessen mittelmäßigen Beat und Performance von John jede Hilfe zu spät kommt. John's aufgesetzte Aggressivität will hier keine Pluspunkte mehr sammeln - im Gegenteil. Glücklicherweise gibt es Stücke wie das trompetengetriebene "Spanish Fly" von niemand Geringerem als Kutmasta Kurt, das schon in der Instrumental-Version genügend Unterhaltungswert an den Tag legt, aber hier auch eine starke Hook abbekommt. Auch Kurt's zweiter Beitrag, "Character Assassination", entpuppt sich als dicker Kopfnicker, von dem Chino's Verse selbstredend das Highlight bildet.


Fazit:
Und so ließe sich jeder Track abhandeln: Beats, die von "gut" bis "mittelmäßig" variieren, kombiniert mit den Raps, für die gilt: Gast über Mic Daily über Big John. Für die Gastgeber selbst ergibt das eine Bilanz, die ihnen und ihrer Tätigkeit als Emcees zu denken geben sollte. Strikte Battle-Raps müssen nicht gleich das Todesurteil bedeuten, man kann sie schließlich auch attraktiver anrichten, sie vor allem in einen besseren Flow packen. Doch dafür muss bei Bound By Honor einiges passieren. All jene, die Loptimist-Beats schätzen, werden hier auf ihre Kosten kommen. All jene, die es schaffen, bei den Raps wegzuhören, werden das Album aufgrund der Beats als solides Werk einschätzen, denn hier werden einige gute Produktionen vor die Säue (alias John und Mic) geworfen. Ebenjene Beats retten "B For Vendetta" dann auch vor schlechten Noten.

Gesamtwertung: 5.1 / 10

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Donnerstag, 8. Oktober 2009

Crown City Rockers - The Day After Forever

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Release Date: 29. September 2009
Label: Gold Dust Media

Tracklist:
01. Intro
02. Break
03. Soul
04. Kiss (Feat. Silya)
05. Go On (Feat. Aima)
06. Astroshocks
07. Go Away
08. Crusin' (Feat. Destani Wolf)
09. Let's Love
10. Clap Your Hands (Feat. Aima)
11. Make It Hotter
12. That's Life (Feat. Jason Jasper)
13. The Forever Song



Alle, die sich bisher wenig oder gar nicht mit den Crown City Rockers befasst haben, bekommen nun Gelegenheit dazu: Denn neben einem Deal bei Gold Dust gibt es natürlich auch ein neues Album, das nunmehr dritte. Hier sei nochmal eine kleine Vorstellung gegeben: Das fünfköpfige Gespann hat sich ursprünglich in Boston gegründet, ist inzwischen aber in Oakland anzutreffen und besteht neben der weiblichen Keyboarderin Kat 010 aus dem Emcee Raashan Ahmad, dem Produzenten / Bassisten Headnodic, Drummer Mac MacVeety und Produzent Woodstock. Das dritte Album der CCR trägt den Titel "The Day After Forever".

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Musikalisch passen die CCR vortrefflich in die Bay Area bzw. deren Non-Gangsta-Szene. Das zeigte sich spätestens, als Headnodic als Teil der Mighty Underdogs auftrat. Im Verband wollen die Rockers mit Live-Instrumentalisierung und funkigen Vibes punkten. Was der Hörer davon in erster Linie mitbekommt, sind also die organischen Sounds und die Rhymes von Raashan Ahmad, den man eventuell von seinen jüngsten Solounternehmungen (u.a. dem Album "Push") als bodenständigen Handwerker am Mic, der sich in jedem Gefilde zurechtfindet, kennt. Im Gegensatz zum luschen "Push" allerdings wird hier mehr Atmosphäre aufgebaut. Während im "Intro" diverse Wecker den Hörer wachklingeln und in "Break" noch ein öder und fruchtloser Fehlstart hingelegt wird, entfaltet das Album schnell seine positive Seite. Relaxte Musik, die sich, suchte man einen Vergleich, vage durch eine Mischung aus den ostküstlichen Panacea und Time Machine andeuten ließe. Qualitativ spielen die CCR allerdings eine Liga tiefer. Doch deshalb spielt sich "Soul" trotzdem mit lässiger Unbeschwertheit und permanenten Allusionen alter Soul-Legenden ins Gehör. Wie viele andere Künstler in diesen Gewässern sind auch die CCR für große Euphorie zu harmlos, doch in ihrem Rahmen wird eine saubere Show abgezogen, die ihre Akkus mit Sonnenschein lädt. Der stimmlich eher moderat besaitete Raashan sitzt den Kompositionen seiner Teamkollegen dabei immer sachte auf, tritt für manche Songs gar einen Schritt gen Hintergrund. Da versteht es sich von selbst, dass "Cruisin" auf dieser Platte auf einem Tempominimum vonstatten geht. Die Hook von Destani Wolf fügt sich, wie auch alle anderen Gast-Hooks, reibungslos in die Ästhetik dieses Albums ein. Das weibliche Geschlecht spielt für Ra selbstverständlich ebenfalls eine wichtige Rolle, und so werden das funkige uptempo "Kiss" mit nettem Storytelling sowie "Let's Love" dieser Thematik gewidmet. Selbst wenn in "Clap Your Hands" die Party-Aufforderung an die Menge gegeben wird, geschieht das ohne Eile und in derselben smoothen Weise wie auf dem Rest des Albums. Zusammen mit der gesampelten Hook hätte man hier schon einen perfekten Abschlusstrack. Doch es folgt noch u.a. "Make It Hotter", das mit Flöten- und Streicher-Sample zwar der Titelaufforderung nicht nachkommt, dafür aber erneut zu überzeugen weiß. "Astroshocks" weicht leicht von den Songs, die es umgeben, ab und versucht, abstrakter und futuristischer zu klingen. Doch das, was sonst geboten wird, reicht vollkommen. Vor allem das Highlight der Scheibe, "Go Away", weht mit kräftiger Drumline wie eine frische Brise und vertreibt - wie Ra schon rappt - die täglichen Probleme. Am Ende und vor allem mit "Forever Song" wird dann die Albumthematik angerissen: "When it's all said and written / The people keep on, the clock keeps tickin".


Fazit:
Zuerst muss man den Crown City Rockers vorwerfen, dass sie ihr Album zur falschen Jahreszeit veröffentlicht haben. Nicht zum Beginn des Herbstes, viel eher Ende Frühling oder Anfang Sommer hätte die Atmosphäre der Platte voll eingeschlagen. Abgesehen davon versetzen die CCR keine Berge, sondern schaffen sich zwischen hohler Party- und wüster Gangster-Musik eine kleine Nische souligen True School HipHops, die nicht unbedingt große Denkanstöße liefert, ebenso wenig wie sie den Hörer voll in ihren Bann zieht - dafür ist sie, wie gesagt, zu harmlos. Aber wer abschalten und Seele oder Gedanken schweifen lassen will, der kann ohne Bedenken zu "The Day After Forever", keinem überragenden, aber einem guten Album, greifen.

Gesamtwertung: 6.7 / 10

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Mittwoch, 9. September 2009

Irie-1 - Irie-1 Meets The Man With 12 Faces

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Release Date: 04. August 2009
Label: Out Da House Productions

Tracklist:
01. N.A.S. Intro
02. Punch Fuckers (Feat. Pro The Leader)
03. Undying Creatures (Feat. Holocaust)
04. Life Complete (Feat. Bobby Famoso)
05. Why (Feat. Solomon Childs & Pro The Leader)
06. City Of Gods
07. Stairway (Feat. Primce Music)
08. Look
09. Cast Of Shadows
10. Samurai Showdown (Interlude)
11. O.G. Poets (Feat. Anti The Decimator & Pro The Leader)
12. Be There
13. Conflict
14. N.A.S. Outro
15. Domination (Bonus) (Feat. Holocaust, Pro The Leader & Mic Moses
16. You Never Did Rap (Bonus) (Feat. Pro The Leader)
17. Best Believe (Bonus) (Feat. Pro The Leader)



Wer bisher noch nie von Irie-1 gehört hat, der muss seine Kenntnisse nicht in Frage stellen: Dieser Emcee ist wahrlich ein bisher unbeschriebenes Blatt: Stephen Daniel Ambrosious Jr. kommt im sonnigen Kalifornien zur Welt und findet nach einer normalen Kindheit und dem erfolglosen Versuch, eine Punk-Band zu gründen, einen Weg, sich auszudrücken, nämlich in Form von Gedichten. Nachdem dieser Grundstein fürs spätere Reimen gelegt ist, fängt er an, am eigenen PC zu produzieren, womit der Weg als HipHop-Künstler besiegelt ist. 2009 bestehen feste Bande zu anderen Westcoast-Untergrundlern, und wie es der Zufall so will, ist die Idee zum eigenen Soloalbum aufgekommen und mit "Irie-1 Meets The Man With 12 Faces" letztendlich auch umgesetzt worden.

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Auf den ersten Blick fällt das Cover auf, bei dem sich die Parallelen zu den jüngsten Alben von RZA und 9th Prince sofort aufdrängen und das logischerweise auch vom selben Künstler - Gary Alford - stammt. Da wären Parallelen in der Musik natürlich wünschenswert. Und in der Tat scheint mit dem Draht zu Pro The Leader bzw. Holocaust über mehrere Ecken eine Bindung zum Westküstenableger des Clans zu bestehen. Das schlägt sich auch im Sound nieder, denn "Irie-1 Meets The Man With 12 Faces" klingt wie schnörkelloser Eastcoast-HipHop. Da passt ein Beat von Domingo natürlich ins Bild. Um den Großteil der Instrumentals kümmert sich allerdings Irie's Mentor Prime Music, während auch Irie selbst zweimal zu Werke geht. Ohne Frage hat man es hier mit einem Projekt fernab jeglicher Kommerzialisierung zu tun, was, wenn nicht schon auf den ersten Blick, dann klar wird, wenn Irie in selbstironischer Weise ein Shoutout an "die 20 Leute, die seine CD gekauft haben", richtet. Diese 20 Käufer bekommen nach einem Intro, in dem ein Kind das ABC herunterbetet, schnell zu hören, welchen Weg Irie einschlägt, wobei "Punch Fuckers" als Opener noch relativ relaxte Kampfansagen klopft. Ganz im Gegensatz zum grobschlächtigen Pro The Leader verfügt Irie über eine sehr helle und somit markante Stimme, die einen langsamen und klaren Flow nahelegt. Zum strikten "auf-die-Fresse"-Prollrap einiger Kollegen verkommt Irie dabei auf seinem Album nicht - nach "Punch Fuckers" regieren nachdenkliche, teils ernste Töne, die fast durchgehend ein ruhiges Tempo vorlegen und dabei stets gewandt anmuten. Die einzige Ausnahme bildet "Conflict", das mit energischen Streichern und vor allem dem Auftritt von Bootface in besagte plumpere Kerbe schlägt. Bootface als Gast ist auf dem Album ein Bild, an das man sich schnell gewöhnt, schließlich ist der Kumpel von Irie auf so vielen Tracks zugegen, dass er auf dem Backcover nicht mehr als Feature gelistet wird. Dass "Conflict" auch den schwächsten Track der Scheibe ausmacht, sollte Irie selbst eine Lehre sein. Das gemächliche Piano im sehr gefassten "Undying Creature" überzeugt da schon weitaus mehr. Oder aber "Be There", das Samples aus dem altbekannten Film "Friday" mit typischem Wu-Sound paart. Einen exzellenten Auftritt von Solomon Childs bekommt man in "Why", wo der New Yorker erstaunlich gut mit den beruhigenden Streichern harmoniert. Doch auch die Bonus-Tracks sollten nicht unterschätzt werden: "Domination" fährt erneut Streicher auf, diesmal jedoch in bedrohlichem Anstrich, in dem der stimmgewaltige Holocaust ohne Frage der Herr und Meister ist. Denn auch inhaltlich kann Irie nicht ganz mit dessen abstrakten Gebilden mithalten. Heimliches Highlight der Platte ist "Life Complete", das mit einem butterweichen Voice-Sample sehr auflockernd wirkt. Mit dem starken Bonus "Best Believe" schließt das Album dann schließlich seine Tore.


Fazit:
Und mit seinem Ende hinterlässt es einen guten Nachgeschmack. Das mag daran liegen, dass die Scheibe gar nicht erst versucht, etwas besonderes zu sein. Mit Songs, die zum Großteil besonnen klingen, mag sie auf den ersten Blick sogar unscheinbar wirken. Auch ist sie ohne Zweifel nicht geeignet, in einer Gesellschaft die Stimmung anzuheizen. In den eigenen vier Wänden jedoch offenbart Irie-1 seine Qualitäten. Ankreiden mag man eventuell, dass er als Protagonist bei der dauerhaften Anwesenheit von Bootface etwas kurz kommt (zumal Irie für den Hörer stimmlich interessanter ist), doch stören wird man sich an dieser Tatsache nicht. "Irie-1 Meets The Man With 12 Faces" ist, um es kurz zu machen, ein gutes Album, mit dem man als Eastcoast-Anhänger zufrieden sein kann.

Gesamtwertung: 6.9 / 10

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Mittwoch, 26. August 2009

Pro The Leader & Nova-Kane - Know The Names

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Release Date: 11. August 2009
Label: Chamber Musik Records

Tracklist:
01. Intro
02. Know The Names
03. Destruction Overload (Feat. Holocaust)
04. Hitting The Stage
05. Back 2 Back
06. Gots to Love it (Feat. C-Rayz Walz)
07. Rap Throwbacks
08. New Day (Feat. Semantix Tha Sorcera)
09. Reincarnation (Feat. Rasul Allah)
10. Must Maintain (Feat. NLZ & Makeba Mooncycle)
11. Distress Call
12. One Hand Wash The Other (Feat. C-Rayz Walz)
13. Swift Illusion (Feat. The Holocaust & Semantix Tha Sorcera)
14. Swift Illusion 2 (Feat. Timbo King, The Holocaust & Solomon Childs)
15. Outro



Die American Poets 2099 sind eine bisher größtenteils unbekannte Gruppe, die irgendwo zwischen Chamber Musik, M-Eighty's Academy und den West Coast Killa Beez einzuordnen ist. Wie so viele andere schmiedet auch dieses Quartett große Pläne. Zu den Mitgliedern zählen neben Aushängeschild Holocaust noch Pro The Leader (der einem als The Professional vielleicht bekannt ist), Nova-Kane und Atlantis Scrolls, alle im Sunshine State beheimatet. Die Ausgangsposition ist also durchaus vielversprechend, doch eine gewisse Grundzahl an Hörern muss noch gefunden werden. Hieraus erklärt sich auch dieses Werk: Als eigenständiges Album, das schon seit zwei Jahren in den Startlöchern steht, wird der Hörer nun von zwei der Poets aufgefordert: "Know The Names".

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Angeblich haben die American Poets ein komplett von White Lotus produziertes Album bereit stehen - und auch hier wird auf einen einzigen Producer gesetzt. Semantix Tha Sorcera stammt aus dem UK und erweist sich schnell als des Hörers bester Freund auf dieser Scheibe. Damit will nicht gesagt sein, dass Pro The Leader und Nova-Kane eine schlechte Vorstellung abliefern, die Beats von Semantix überstrahlen trotzdem den Rest. Um eine möglichst genaue Skizze des Albums anzufertigen, bedarf er dreierlei: Nova und Pro als Emcees fallen in die Kategorie jener Emcees, die mit Enthusiasmus bei der Sache sind, denen man jedoch anhört, dass sie sich technisch nicht in aristokratischen Kreisen bewegen. Ebendort sind ein nicht kleiner Teil der Gäste zu finden, was den zweiten Aspekt der Scheibe ausmacht: Ein C-Rayz Walz (um nur ein Beispiel zu nennen) als Gast könnte seine Gastgeber auch mit Schnupfen bzw. Erkältung ausstechen, bietet darüber hinaus allerdings sogar gewohnt starke Leistung. Woher die Verbindung zu sämtlichen Gästen kommt, ist auch kein Geheimnis, denn durch die Feature-Börse namens M-Eighty und die Connection zu LCOB Productions hat sich das Aufgebot schnell erklärt. Um Semantix' Beats zu charakterisieren, darf man sich ruhig an den Gästen orientieren: Zweifelsohne ostküstig, aber trotzdem kein BoomBap-Standard aus dem Regal. Da wird tonnenschweres Piano-Gedonner in "Must Maintain direkt neben eine Pitch-Voice in "Reincarnation" gestellt, für das LCOB-Mitglied Rasul Allah seine markanten Reime leiht. "Swift Illusion" geht in die Richtung von "Must Maintain" und hat mit Holocaust den stimmlich perfekt passenden Gast parat. Auf "One Hand Wash The Other" gibt der schon erwähnte C-Rayz einen von zwei Auftritten zum Besten, während auch in diesem Song Semantix für gelungene Untermalung sorgt. Der Brite meldet sich sogar selbst zu Wort und bringt dem Album mit seinem britischen Akzent auch auf Seiten der Raps Abwechslung. Vor allem "New Day" sticht hier mit entspannten Tönen heraus. Semantix scheint eine Vorliebe für Voice-Samples zu haben, da er auch in "Distress Call", auf dem das Duo Nova und Pro aggressive Battle-Rhymes (die den Großteil der Scheibe zieren) kickt, eines zum Einsatz bringt. Im Wesen alle ähnlich, lohnt es nicht, auf die weiteren Songs einzugehen, auch wenn die Qualität bis zum letzten Song beständig hörenswert bleibt. Den Abschluss macht ein "Outro", das ohne Worte (und dafür mit viel Gescratche) auskommt.


Fazit:
Zielpublikum erreicht. Auch wenn Pro The Leader und Nova-Kane derzeit wohl keine große Zahl an Interessenten für ihre Scheibe finden werden, so wird sich unter denen, die dieses Album gehört haben, viel Zufriedenheit einstellen. An den Skillz am Mic darf zwar noch gefeilt werden, doch bei der Auswahl der Beteiligten am Album beweisen die beiden eine mehr als sichere Hand: Starke Beats und starke Gäste. Damit schießen sie sich zwar insofern ins eigene Bein, als dass ihre eigenen Unzulänglichkeiten doppelt unterstrichen werden, andererseits war dies der einzige Weg, um dem Ziel, die eigenen Namen an den ellenlangen HipHop-Zug anzukuppeln, gerecht zu werden. Und auch wenn das nicht auf dem Weg passiert ist, den sie wohl geplant haben, so verbleibt mit "Know The Names" eine durchaus hörenswerte Scheibe und anzunehmenderweise auch eine ganze Reihe an Hörern, die die American Poets 2099 weiterhin verfolgen werden.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

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Sareem Poems - Black And Real All Over

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Release Date: 28. Juli 2009
Label: Mello Music Group

Tracklist:
01. Enter
02. Come Get It (Feat. Theory Hazit)
03. Hard Labor (Feat. LMNO & Scarub)
04. Tell It
05. See It (Feat. Georgia Anne Muldrow)
06. Lower The Boom (Feat. Pigeon John & Akil)
07. Go Ahead
08. Shake It Up
09. Impossible (Feat. Stro & Othello)
10. Windows To The Soul
11. She So So
12. More Than Seen (Feat. Ohmega Watts & Propaganda)
13. See What Happens
14. Pay Dues



Die Zeiten sind nicht rosig für Indie-Labels, doch das stört Mello Music wenig: Das Label um Oddisee & Co. legt dieses Jahr erst richtig los. Nach "Mental Liberation" kündigt sich hier nun das zweite Album an. Protagonist ist Sareem Poems, ein nicht gerade unbeschriebenes Blatt aus Long Beach. Sharlok Poems oder einfach nur Poems waren die Namen, unter denen er bisher, vor allem in den Reihen der L.A. Symphony, tätig war. Dass er sein 2008er Album "Blooming Sounds" auf Braille's HipHop IS Music veröffentlichte, sollte bezüglich des Sounds aussagekräftig genug sein. Eineinhalb Jahre später kann er auf die Unterstützung seiner neuen Label-Kollegen zurückgreifen und veröffentlicht "Black And Read All Over".

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"...the revolution that has nothing to do with guns" findet sich in den Leitsätzen für diese Scheibe. Spätestens nun sollten alle Conscious-Glocken läuten. Poems setzt mit seinen christlich-beeinflussten Texten noch eins drauf - auch wenn dieser Aspekt auf "Black And Read All Over" nie wirklich dominierend zutage tritt. Weitaus wichtiger sticht der Umstand, dass Theory Hazit und Oddisee dieses Album gemeinsam und komplett produziert habem, ins Auge. Was somit schon zu erwarten ist, schlägt sich letztendlich auch voll nieder: Hier hat man es mit einem Conscious-BoomBap-Album zu tun, wie es typischer nicht sein könnte. Damit bleibt hier nur noch zu erklären, warum die Scheibe trotzdem ganz hörenswert ist. Es versteht sich von selbst, dass die besagte Revolution viel eher als Möchtegernrevolution anzusehen ist, denn das, was an Beats hier aus den Boxen schlendert, ist nicht mehr als relaxte Sommermusik. Wenn man das Album unter diesem Aspekt betrachtet, fängt es ganz gelungen an: Nach dem eingängigen "Enter"-Intro ist "Come Get It" auch schon einer, wenn nicht der beste Song, der einem hier über den Weg läuft. Poems wirkt zwar gegen die freshen Rhymes von Theory Hazit (noch) etwas verschlafen, doch daran stört sich niemand, zumal Hazit mehr der Feature-Typ ist und Poems auf Albumlänge warmzulaufen vermag. Auch wenn es nicht unmittelbar negativ zu werten ist, erwehrt sich die Scheibe über ihre ganze Spielzeit hinweg nicht dem Eindruck, dass sie hervorragend zum sanften Einschlafen geeignet wäre - der Gesang von Georgia Anne Muldrow trägt dazu im entsprechenden Song wesentlich bei. Neben "See It" fährt auch "Windows To The Soul", diesmal unterlegt von dezentem Saitengezupfe, weibliche Vocals auf. Charakteristisch für das Album ist der Umstand, dass auch beim zwanzigsten Durchlauf kein Song wirklich hervorsticht. Das hat auch zur Folge, dass die schwächeren Tracks nicht übermäßig auffallen: So vergisst man "Shake It Up" einfach, anstatt sich daran zu stören. Auch "Hard Labor" wäre nicht zwingend notwendig gewesen, ebensowenig wie der LMNO-Auftritt. "She So So" macht mit seinem Klavier und den leichtverdaulichen Raps über Frauen Spaß, während "Tell It" ebenfalls mit einem Klavier punktet. Wenn bis jetzt noch kein Wort zu den Gast-Emcees verloren wurde, dann ist das der Unauffälligkeit der Scheibe zuzuschreiben, die auch ebenjene Gäste verschluckt - und deren gute Auftritte, die sich homogen ins Album eingliedern. Und ehe man sich's versieht (doch nachdem "See What Happens" mit satten Snares noch für Unterhaltungs gesorgt hat), verabschiedet Poems den Hörer in "Pay Dues" auch schon wieder.


Fazit:
Was also sagen über das neuste Werk von Poems? In gewisser Weise verhält es sich wie immer: Poems selbst überzeugt mit einer handfesten Vorstellung am Mic, die von seiner angenehmen Stimme gefüttert wird. Die Inhalte sind das Standard-Conscious-Programm und vermögen nicht, ein überdurchschnittliches Maß an Aufmerksamkeit hervorzurufen. Was nun die Produktionen angeht, so lässt das Gespann Oddisee / Theory Hazit nichts anbrennen und fährt beizeiten mit angezogener Handbremse. Selbst Oddisee hatte bei seinem diesjährigen Album mehr Pepp als streckenweise dieses Album. Doch die fehlende Experimentierfreudigkeit wird durch Beständigkeit bekämpft, was zu einem zumindest überdurchschnittlichen Ergebnis führt, das sich gut für den Sommer eignet, das dabei aber eher im Hintergrund steht - denn ernsthafte Highlights gehen "Black And Read All Over" ab.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

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Randam Luck - Graveyard Shift

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Release Date: 21. Juli 2009
Label: Babygrande Records

Tracklist:
01. You Will Never Be
02. Blood (Feat. Banish & Aims)
03. Listen (Feat. Banish)
04. Danger (Feat. Big Left)
05. Raw (Remix) (Feat. Vinnie Paz)
06. Buck'Em Down
07. Back To Business
08. Celebrity Smackdown (Feat. Copywrite)
09. Lost It
10. Get Ya Mind Right (Feat. Reef The Lost Cauze & Planetary)
11. Mystery On The Block
12. Connected (Feat. Banish)
13. 1 Man 1 Life (Feat. Heated)
14. Street Goons (Feat. Jimmy Powers)
15. Verbal Holocaust (Feat. Ill Bill)
16. Pick Your Poison
17. Watch Your Step (Feat. Banish & Aims)
18. Golden State



Wer hätte es gedacht, sie sind zurück: Obwohl es Randam Luck schon seit 2000 gibt, scheinen sie erst jetzt so langsam auf die Idee gekommen zu sein, ihre Musik in Form von Alben zu veröffentlichen: Mit dem Signing bei Babygrande Records ergab sich das Debütalbum "Conspiracy Of Silence", ein Jahr darauf folgt der nächste Streich, "Graveyard Shift". An der Einstellung der Jungs hat sich rein gar nichts geändert: Noch immer setzen Lucky, Randola und Stadi Majadi auf die volle Packung aggressiver Hardcore-Raps, mit der sie in ihrer Heimat San Diego seit jeher auf sich aufmerksam machen. Als Referenz stehen immer noch die Parallelen zu Acts wie Jedi Mind Tricks oder Non Phixion.

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Mit Ruhm hat sich das Trio beim Debüt nicht gerade bekleckert: Wo die Beats als gute Kopien der AOTP/JMT-Ecke durchgingen, waren die Raps nicht mehr als plumpes Gebrüll. Sollte sich das auf diesem Album ändern, stünden die Chance zu einem gelungenen Album durchaus gut. Doch natürlich ist alles beim Alten geblieben; was war auch anderes zu erwarten? Und dabei hat man seitens der Produktionen sogar noch aufgestockt: Während Anno Domini Beats weiterhin zugegen ist, gesellen sich auf "Graveyard Shift" namenhaftere Produzenten wie die Snowgoons, Loptimist und auch Undefined (der zwar weniger bekannt, dafür aber sonst für die AOTP tätig ist) ins Lineup. Doch es hilft alles nichts: Statt 14 auf dem ersten Album sind es hier ganze 18 Tracks, in denen man vorgeschrien bekommt, wie hart die drei Kalifornier doch sind. Das fängt bei "You Will Never Be" gleich doppelt ärgerlich an, da Loptimist diesen Beat bereits an Amadeus The Stampede verscherbelte, der darüber eine weitaus bessere Hook legte. "Y'all motherfuckers ain't ready, we ready / We swingin' machetes and cuttin' y'all niggas into confetti" - da kommt Lust auf. Wie schon auf dem ersten Teil ergeht man sich hier in aussagekräftigen Titeln, Aufforderungen wie "Buck 'Em Down" sind immer noch an der Tagesordnung. Vor allem Lucky ist es, der mit seinem nervtötenden Stimmorgan immer und immer wieder wie ein Einfaltspinsel dämliche Parolen abgibt - und das in lautstarkem Ton. Denn aggressiv ist die Platte ohne Zweifel, nur eben in einer Art und Weise aggressiv, in der blind mit dem Kopf gegen die Wand gerannt wird. "Celebrity Smackdown" folgt dabei wenigstens noch einem Konzept, und sei es nur das teils gerechtfertigte Anpöbeln sämtlicher Stars. Andere Songs, wie in etwa "Blood", erscheinen auf den anderen Seite noch einfältiger als die kritisierten Promis. Gegen das, was sich Randam Luck an Reimen aus den Fingern saugen, sind die heutigen Taten eines Vinnie Paz reinste Kunstwerke. Die Thematik ist überall und bei den Idolen dieselbe, doch stilloser als hier wurde sie selten verkauft. Apropos Vinnie Paz, der wird auch als Gast angekündigt. Doch ebenso wie Ill Bill wurde schlichtweg das Feature der ersten Scheibe ordentlich ausgeschlachtet und mit neuem Beat versehen - ärgerlich, selbst wenn die Produktionen (Beiträge der Snowgoons) in Ordnung sind. Bezüglich der Skills kann auch hier nicht viel angekreidet werden, denn Randam Luck rappen allesamt durchaus passabel. Doch das Gesamtpaket am Mic stimmt nicht. Das fördert umso mehr ein die Gastgeber ausstechendes Reef The Lost Cauze-Feature zutage. Doch wenn in "Listen" über einen gelungenen Beat von AD die Hook zusammengecuttet wird, während auf dem unüblich lockeren Instrumental die Aggro-Fahne nur auf Halbmast weht, geht es auch so. Mit solchen Songs hätte man das Album bestens auflockern können. Aber nein, RL ziehen es vor, gelungene Beats (wie etwa in "Mystery On The Block") mit schwachen Hooks zu bekleckern. Dass vieles ähnlich klingt, ist zu einem nicht kleinen Teil Randam Luck selbst zuzuschreiben, denn die Beats sind mitunter richtig dick. So auch in "Golden State", das überraschend muntere Klänge auffährt, die dem Album sehr guttun.


Fazit:
Dass es weiterhin Vertreter dieser Schiene des Raps gibt, ist wichtig. Dass diese Vertreter dem Sound, den sie praktizieren, weder gerecht werden noch Ehre machen, sollte als Indiz gelten, dass hier etwas nicht stimmt. "Subtile Gewalt-Raps" ist die Zauberformel, mit der man weiterkäme. Doch Randam Luck zeigen, dass sie im Vergleich zum Debüt kaum dazugelernt haben. Sie sind die als Soldaten verkleideten Bauern, die der Monarch in der Schlacht als erste verheizt. Wer alleine auf die Beats aus ist, der sollte sich "Graveyard Shift" - entweder mit Rap-Nebengeäusch oder als vielleicht bald erscheinendes Instrumental-Album - zulegen. Die Performance am Mikro jedoch bleibt eine durchwachsene Angelegenheit, die entweder zu plump und/oder gebrüllt für ernsthaften Genuss ist.

Gesamtwertung: 5.3 / 10

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Sonntag, 2. August 2009

La Coka Nostra - A Brand You Can Trust

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Release Date: 14. Juli 2009
Label: Suburban Noize Records

Tracklist:
01. Bloody Sunday (Feat. Big Left & Sen Dog)
02. Get You By
03. Bang Bang (Feat. Snoop Dogg)
04. The Stain
05. I'm An American (Feat. B-Real)
06. Brujeria (Feat. Sick Jacken)
07. Once Upon A Time
08. Cousin Of Death
09. Choose Your Side (Feat. Bun B)
10. Hardcore Chemical
11. Soldier’s Story (Feat. Sick Jacken)
12. Gun In Your Mouth
13. Nuclear Medicinemen (Feat. Q-Unique & Immortal Technique)
14. That's Coke
15. Fuck Tony Montana (Feat. Sick Jacken & B-Real)



Der Name La Coka Nostra" geistert inzwischen bereits seit mehr als drei Jahren an der Ostküste umher, trat aber nur mit einigen Features ins Rampenlicht. Wer sich genau hinter diesem Sammelbegriff versteckt, sei hier noch einmal genannt. Ursprünglich wohl als loses Kollektiv gegründet, reduzierte sich das Lineup später auf fünf feste Mitglieder: das komplette House Of Pain-Aufgebot aus Danny Boy (Gründer der LCN), Everlast und DJ Lethal sowie Ill Bill und der Bostoner Slaine. Damit ist das Erwartungsbild für ein kommendes Album schon weitesgehend abgesteckt, denn übermäßig weit liegen die einzelnen Charaktere nicht voneinander entfernt. Dass sie gerade diesen Erwartungen gerecht werden wollen, sagt schon der Albumtitel: "A Brand You Can Trust".

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Da haben sich die richtigen Gestalten gefunden, denkt man sich, während man die Play-Taste drückt und einem mit dem ersten Ton in "Bloody Sunday" gleich ein schneidender Wind losbrettender Energie entgegenschlägt. Ganz klar - der schmutzige Bastard aus Heavy Metal und HipHop greift nach dem Ruder und lenkt dieses Album. Wenn man diese, oft verpfuschte Kunst der Fusion irgendwo in angemessener Ausführung zu bestaunen sucht, dann wohl hier. Denn mit DJ Lethal, der den Großteil der Produktionen beisteuert, ist für Uunterhaltung auf instrumentaler Ebene gesorgt. Wen kann es da noch groß verwundern, dass man seinen Einstieg als everybody's favorite weiße, rüpelhafte Rap-Proleten feiert und ordentlich auf die Kacke haut? Besagtes "Bloody Sunday" tut genau das: "The LCN make you jump around like House Of Pain". Dazu ist es eine Freude, die tief-raue Stimme von Everlast wieder Raps hervorpressen zu hören. Abgerundet wird der Song durch Ex-Member Big Left und eine Hook von Sen Dog, welcher sich hier selbstverständlich äußerst wohl fühlt. Für Snoop Dogg gilt das natürlich nicht auf Anhieb, weswegen man von seiner Hook in "Bang Bang" positiv überrascht sein darf, während Lethal auch hier Vollgas fährt. Der Paukenschlag zu Beginn wird perfekt gemacht durch "Get You By". Für den weiteren Verlauf wurde das nähere Umfeld abgeklappert, was zu Beats von Cynic, Q-Unique (der auch zweimal seine Fähigkeiten am Mic unter Beweis stellt) und Sicknature führte. Als Gastgröße gibt sich der Alchemist die Ehre, der in "Choose Your Side" ein Bollywood-Vocal-Sample über dicke Bässe laufen lässt. Selbst Bun B fügt sich gut ein. Im Trio der Gastgeber fällt schnell auf, dass der stimmlich schwächere Slaine hinter Ill Bill und Everlast in der zweiten Reihe tanzt (an seiner statt hätte unter Umständen Big Left besser gepasst). Inhaltlich werden mehrere Songs geboten, die über das Gehabe der ersten Songs hinausgehen: "Cousin Of Death" zeigt die emotional angeschlagenen Persönlichkeiten, wie z.B. bei Ill Bill:

"When one of us dies we don't really learn anything
Outside the funeral doing bumps, burning trees
Plotting revenge, crying over fallen angels
Sometimes your friends die the most awkward strangers
"

Ebenso wie auf "The Stain" (das inhaltlich ein an junge Frauen adressiertes Negativbeispiel bietet) übt Everlast hier, nicht nur mit der Hook, starken Einfluss aus und lässt seine Rock-Erfahrungen mit einfließen, weswegen selbige Songs für die HipHop-Puristen eher uninteressant sind. Da wird die vage Slick Rick-Anlehnung in "Once Upon A Time" schon eher erfreuen, oder man hört sich an, was die LCN am amerikanischen Staat auszusetzen hat. Dabei sind Songs wie "I'm An American" zwar nicht ernsthaft tiefgründig, aber ähnlich unterhaltsam wie das gewaltbereite "Gun In Your Mouth". Für "Brujeria" ("Hexerei") legt Sick Jacken sogar einen spanischen Verse ein. Bevor gegen Ende mit "That's Coke" nochmal eine kräftige Hymne loslegt, fliegt man für das politisch-kritische "Nuclear Medicinemen" mit IT den Chef-Prediger aus der dritten Welt ein.


Fazit:
Ihrem Albummotto werden La Coka Nostra auf ganzer Linie gerecht - man bekommt, was man erwarten konnte, nämlich Sex, Drugs & Rap 'n Roll. Fast durchgehend starke Beats bilden ein starkes Rückgrat für die aggressiven Rhymes von Ill Bill, Slaine und Everlast. Hinzu kommt ein nicht gerade kleines, doch immer treffliches Aufgebot an Gästen, das gerade genug Abwechslung ins Album bringt. Wer hier enttäuscht ist, der muss die Scheibe mit verdrehten Erwartungen angegangen haben. Denn "A Brand You Can Trust" ist zwar nicht überragend, doch ist es in allen Belangen ein gutes Album, das Lust auf mehr macht.


Gesamtwertung: 6.8 / 10

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Montag, 27. Juli 2009

DJ Muggs - Soul Assassins: Intermission

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Release Date: 23. Juni 2009
Label: Gold Dust Media

Tracklist:
01. Gangsta Shit (Feat. Bun B & M-1)
02. Classical (Feat. Sick Jacken & Evidence)
03. Gunshots (Feat. Chace Infinite & The Alchemist)
04. Do It (Feat. La Coka Nostra)
05. Rep Yo Shit (Feat. P.C.P (Sick Jacken & Necro))
06. Good Evening LA (Feat. Self Scientific)
07. Meet Your Maker (Feat. Reef The Lost Cause & Outer Space)
08. Intermission (Feat. RZA, Rev. William Burk, Planet Asia & B-Real)
09. Champions (Remix) (Feat. Prodigy & Big Twins)
10. Let Go (My Life) (Feat. Fashawn)
11. Like That Y'All (Feat. Planet Asia)
12. World We'Re In (Feat. Cynic)
13. Call It Like I Aee It (Feat. Chace Infinite & Krondon)
14. Matchbox (Feat. Dust)
15. Figure It Out (Feat. Young De, Xzibit & Mykestro) (Bonus Track)



Es gibt Produzenten, deren Alben werden nicht sofort abgewatscht, weil sie Tradition haben. Das trifft vortrefflich auf DJ Muggs und seine "Soul Assassins"-Reihe zu (wobei man an dieser Stelle das "Produzentenalbum" revidieren und durch "Compilation" ersetzen muss). Der letzte Auswurf hat allerdings auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Die seitdem verstrichene Zeit hat sich Muggs mit einigen Projekten vertrieben, unter anderem mit einer Kollabo mit GZA, die dann später auch nochmals komplett mit neuen Beats versehen wurde. Nicht zu vergessen ist außerdem das Album, das er für Planet Asia produzierte und das erstaunlich gut ausfiel. Um das Kollektiv der Soul Assassins als Ganzes war es in musikalischer Hinsicht eher ruhig - bis jetzt. Denn während der dritte SA-Teil schon als Soundtrack zum parallel erscheinenden Soul Assassins-Film angekündigt ist, gibt es hier die "Intermission" für zwischendurch.

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Wie schon auf dem zweiten Teil finden sich hier ebenfalls Gastproduzenten ein. Nur in diesem Fall nehmen sie überhand: Muggs' Beiträge lassen sich fast an einer Hand abzählen. Weitere Mitwirkende sind der Alchemist, Cynic, DJ Khalil und G Rocka. Begleiterscheinung dieser Beat-Auffächerung ist der Verlust der geschlossenen Atmosphäre, die der erste und auch der zweite Teil aufbauen konnten - ja, eigentlich der Verlust von so ziemlich allem, was die Scheibe mit ihren Vorgängern verbände. Doch immerhin hat man es hier nur mit einer "Intermission" zu tun, vielleicht soll hier auch die Laufrichtung des dritten Teils angedeutet werden. Doch wer will schon auf einem Album wie diesem als Begrüßung plattes "This that Gangster Shit"-Geröhre von einem Bun B haben? Dabei sei die UGK-Legende gar nicht ins Kreuzfeuer gestellt, nur hat er hier nunmal nichts verloren. Und bei dem tödlichst langweiligen Beat wirft man M-1 gleich mit über Bord. Doch so wirklich will sich die Situation nicht bessern: "Classical" ist zumindest ein astreiner Track, der mitunter auch zu den besten dieser CD zählt, doch hätte er wesentlich besser auf ein Alchemist- oder Evidence-Album denn auf dieses hier gepasst. Das lässt sich so fortführen: Entweder erscheinen die Tracks deplatziert oder sie lassen qualitativ zu wünschen übrig. Themaverfehlung aller Beteiligter - nicht einmal Muggs selbst ist davor gefeit: Abgesehen von der Unnötigkeit des Duos PCP kommt der blutgeile Necro über Muggs' Instrumental mehr als nur anstrengend daher. Und auch wenn die QB-Connection bisher immer (bzw. beide Male) vertreten war, kann man auf das Synthie-Georgel im "Champions" Remix gepflegt pfeifen. Ähnliche Störenfriede sind "Intermission", bei dem "QB" durch "Wu-Tang" ersetzt sei, das jedoch noch schneller von der Skip-Taste ausgeknockt wird. Höhepunkt ist schließlich Planet Asia, der in "Like That Y'All" von G Rocka eine Untat eines Beats vorgesetzt bekommt. Es sei noch kurz auf die sauer aufstoßende Kombo aus Paukenschlägen und Bläsern im Coka Nostra-Song hingewiesen, um die Reihe der größten Übel zu komplettieren. Das bisherige, wenig erfreuliche Bild stellt selbst für eine herkömmliche Compilation eine schwache Leistung dar. Wer nun denkt, dass sich hier kein einziger guter Anspielpunkt findet, der sei beruhigt, eine Handvoll hat sich dann doch eingeschlichen: Zusammen mit seinem Partner weiß Chace Infinite mit "Good Evening Los Angeles" zu überzeugen, während Fashawn in erster Linie vom ausnahmsweise gelungenen Instrumental profitiert. Während der Rest im Mittelmaß versauert überzeugt Reef The Lost Cauze, fallen Outerspace nicht negativ auf und zeigt Muggs in "Matchbox" seine Klasse - auch wenn der Song wieder einmal sehr unpassend wirkt. Selbiges gilt auch für "Figure It Out", das als frischer Banger trotzdem Pluspunkte sammelt.


Fazit:
Es läst sich eine interessante Parallele zwischen Gold Dust und Muggs beobachten: 2008 hatte man noch Wind in den Segeln, 2009 herrscht Flaute. Denn genau das ist diese Intermission: ein Manifest der Einfallslosigkeit. Und wenn schon nichts besseres dabei herumkommt als dieses Erzeugnis, dann lasse man bitteschön die Marke "Soul Assassins" unangetastet und warte auf neue Eingebungen, die die ersten beiden Teile würdevoll fortführen. Mit dieser Scheibe begeben sich Muggs und Co. ins ausgetrocknete Feld der mittelmäßigen Compilations und Produentenalben, was zwar traurig ist, aber irgendwo auch gar nicht mehr groß überrascht. Vielleicht wird es ja mit dem "offiziellen" dritten Teil besser, denn hier kann man ja noch die Entschuldigung des Beititels "Intermission" bemühen. Wer das Standard- bzw. Pausenprogramm mit seinen (wenigen) Höhen und Tiefen leid ist, der nutze die "Intermission" sinnvoll und gehe aufs Klo oder kaufe sich neues Popcorn.

Gesamtwertung: 5.2 / 10

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