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Donnerstag, 24. September 2009

Qwel & Maker - So Be It

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 01. September 2009
Label: Galapagos4 Records

Tracklist:
01. Dawn
02. Gnosticism
03. Back Stage Pass
04. Friend Or Foe
05. Har Megiddo
06. Interlude - Meditation
07. Berzerker
08. White Elephant
09. Fear As A Weapon
10. No Joke
11. Lunch Money
12. Interlude - So Be It
13. Paper Dolls
14. Golden Era



Es ist soweit. Galapagos4's Zugpferd startet wieder durch. In den fast schon erschreckenden Output, den Qwel an den Tag legt, von dem sowohl die offiziellen als auch die Tour- und Online-Releases eine Qualität innehaben, bei der man nur staunen kann, reiht sich nun ein weiteres, offizielles Album ein, das zudem noch einen besonderen Wegpunkt markiert: "So Be It" ist das Ende der Vier-Stationen-Tour, die 2004 mit "The Harvest" begann. Wie schon zu Beginn, so steuert auch hier Maker alle Beats bei. Denn das ist bei Qwel inzwischen auch Tradition: pro Album ein Producer. So umfassten die mittleren Alben "Freezer Burner" mit Meaty Ogre und "The New Wine" mit Kip Killagain. "So Be It" markiert im Übrigen in der Vier-Jahreszeiten-Reihe den Sommer.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Was soll man noch groß sagen? Für fast jeden, der mit G4 vertraut ist, stellt dieses Release sowieso einen Pflichtkauf dar. Wieso? Weil Qwel es mit seinen letzten Auswürfen immer geschafft hat, seinen produzierenden Partnern eine dichte Atmosphäre zu entlocken, in der sich die bärenstarken Raps des Chicagoers voll entfalten konnten. Von Battle-Raps über Storytelling bis zu einigen der intelligentesten gesellschaftskritischen Ansätzen hat er alles parat. Der Pressetext beschreibt die Gegenstücke, Maker's Instrumentals, als Spiegel von sowohl warmem Sommer-Feeling als auch den Sommernächten, was in dieser Form auch unterschrieben werden darf. Es mag schon Qwel Alben mit düstereren Instrumentals gegeben haben, aber das will in keinster Weise heißen, das man nicht vom ersten Moment an voll von "Se Be It" erfasst würde. Zugegeben, Qwel ist kein Gnostiker, auch von der Titelergreifung für "Gnosticism" sollte man keine Erleuchtungen erwarten, aber das Gesamtpaket stimmt allemal. Die allgemeinen Weisheiten, Metaphern und kritischen Ansätze, die Qwel sehr oft in Betrachtung der Menschheit von sich gibt, wirken durchdachter als bei den meisten Emcees und werden außerdem von einem der nobelsten Flows illustriert, die es derzeit zu finden gibt. Das erste Indiz für die Qualität der Scheibe gab es ja schon im Voraus mit "Welcome To Chicago" - denn wer ein Brett wie dieses als kostenlosen Bonus-Track verschießt, der muss sich seiner Sache sicher sein. Aber die Spanne, die Maker bietet, reicht weit über eine Palette an Kopfnickern hinaus: "White Elephant" sampelt aus Hindi-Gefilden, während Qwel sich des englischen Sprichtworts annimmt, ohne dabei seinen kritischen Ton zu verlieren: "Can't see eye to eye if between us is this elephant chilling / [...] / Plus the longer we ignore, it seems the larger he's growing". In "Back Stage Pass" wird der Ton noch schärfer, wenn Qwel über ein luftiges Kissen aus Bläsern die Unterschiede zwischen Backstage- und Onstage-Verhalten einiger Künstler ächtet. Dub-Einflüsse machen sich in "Paper Dolls" breit, während Qwel diesmal den Wahn um Markenklamotten zum Tagesordnungspunkt macht. "Har Megiddo", der Berg der letzten Schlacht, hält mit brodelndem Instrumental und Sirenenheulen Einzug ins Album und dürfte thematisch kein großes Rätsel sein. Doch einige der Highlights sind bis jetzt unerwähnt: "Fear As A Weapon" fährt bedachtes, aber hartes Geschütz gegen Regierungsmethoden auf, "No Joke" setzt auf langsame und melancholische Töne. Ebenfalls zum Album gehören zwei nette Interludes, die als gelungene Abrundung dienen. Und bevor das Album mit dem lockeren "Golden Era" seinen Abschied nimmt, gibt es mit "Lunch Money", einem Song an die "welfare mommas", nochmal einen herrlichen kleinen Diamanten.


Fazit:
Es gibt wenige so konstant gute Künstler wie Qwel. Auch hier wird nicht mehr und nicht weniger als gute Musik geliefert. Kein Album, das die Vorgänger in den Schatten stellt, aber auch keines, was auch nur einen Zentimeter auf der Qualitätsleiter nachgibt. Ob Maker nun der beste Mann hinter Qwel ist, bleibt eine nicht beantwortbare Frage, da bisher zwischen allen Partnern die Chemie gestimmt hat. Außer Frage steht allerdings, dass Maker eine von mehreren richtigen Wahlen ist, die viele der angesehenen Produzentengrößen der Szene an Kreativität locker überbietet. Auch als Gesamtheit steht "So Be It" über so ziemlich jedem anderen Release der letzten Zeit. Hut ab.

Gesamtwertung: 8.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 26. August 2009

White Lotus - Formless Kung-Fu

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: September 2008
Label: Eigenvertrieb

Tracklist:
01. Pai Mei's Lessons
02. Falling From Hands Of Gods (Feat. Cosmic Crusader)
03. Crippled Beggas (Feat. Begga Ooh, Long Ace & Dragon Fly)
04. Street Rings (Feat. Darkim Be Allah, Crucial The Guillotine & Tragic Allies)
05. Training Sequence (Interlude)
06. Ginsu Karaté
07. Crazy Horsemen Of The Apocalypse (Feat. The Lost Children Of Babylon & Tragic Allies)
08. Hymns Of A Ghostly Priest (Feat. Lotus Clan a/k/a D.K.G.A.)
09. Formless Kung Fu
10. Paper Crane Technique (Feat. SeraphGuard)
11. Shadow Portraits (Feat. Loke & Morning Star)
12. Foundation
13. Pathways (Feat. Wisemen, Crucial The Guillotine, Rasul Allah & Richard Raw)
14. The Rain Marker
15. Water Spike (Feat. Lotus Clan a/k/a D.K.G.A.)
16. Interlude
17. Seventh Crown Chamber
18. Wandering Ghost (Feat. Lotus Clan a/k/a D.K.G.A.)
19. The Sleeping Fist (Feat. Sleep Sinatra, Killer Falcon, Nova Kane & SeraphGuard)
20. Windbreaker
21. Moon Flowers In The Attic (Feat. Eridanus) / Dart Landscape (Feat. The Lost Children Of Babylon) (Bonus)



Wer im Underground sucht, der findet. In diesem Fall White Lotus. Aus Calgary in Kanada kommt dieser Herr, der sowohl Emcee als auch Producer ist. In seiner Funktion als Vorstand der White Lotus Society repräsentiert er ein ganzes Kollektiv voller Künstler mit exotischen Namen, die zwar in Kanada sitzen, allerdings rege Verbindungen zu den Lost Children Of Babylon (selbst Teil der Society) und diversen Namen aus dem Wu-Tang-Umfeld pflegen. 2007 gab es bereits zwei Alben der kompletten Gruppe, nämlich "The Lotus Society Vol. 1 & 2", die dem Hörer als Vorstellung dienten. Nun droppt White Lotus sein Solo-Album, "Formless Kung-Fu", exklusiv und nur erhältlich über seine Myspace-Seite.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Viel geändert hat sich im Verlgeich zu den beiden "The Lotus Society"-Teilen nicht: Auch hier findet ein großangelegter Auflauf der schwertschwingenden Wortakrobaten, die schon dadurch unterhalten, dass man ihre Namen einen nach dem anderen vorliest, statt. Am häufigsten vertreten ist White Lotus' eigenes Unterkollektiv, der Lotus Clan alias Dread Knaut Ghost Army. Bei all diesen Namen wird wahrscheinlich jeder, der mit der Lotus Society nicht vertraut ist, unsicher darüber sein, wo er den Sound einzuordnen hat. Dabei lässt es sich recht gut auf den Punkt bringen: White Lotus liegt teilweise sehr nah am glorreichen Wu-Tang Sound, baut dabei jedoch seinen eigenen Stil aus. Besagter Wu-Tang Sound ergibt sich daraus, dass hier eine Prise Eastcoast als Fundierung gelegt wird, diese mit einer Unzahl an Samples aus Martial Arts-Filmen geziert wird und auch sonst darauf geachtet wird, dass sich der Hörer durchgehend so fühlt, als befinde er sich in einem Shaolin-Kloster. Die Drumlines sind dabei jedoch nicht so hart wie beim Wu-Tang Clan seinerzeit, dafür wird sehr viel mit Streichern und gepitchten Voice-Samples gearbeitet. White Lotus' Rap-Stil passt perfekt ins Bild, da er formlos flüssig ist und trotzdem das Quäntchen Unsauberkeit besitzt, das einem solchen Release innewohnen muss. Und auch wenn White Lotus den Großteil seiner Beats selbst produziert, findet man in "Falling From Hands Of Gods" einen Beitrag von Bronze Nazareth, zu dem ebenfalls beste Connections bestehen. Mit Bronze in Bestform ist es ein Genuss, wie gut dieser Song (gespickt mit einem Auftritt von Cosmic Crusader von den LCOB) funktioniert. Die ehemaligen Beggaz und jetzigen Hidden Aspects finden sich auf "Crippled Beggas" ein, das wie ein Soundtrack zu einem Kung Fu-Flick anmutet. Epische Streicher und ferne Choräle untermalen "Pathways", einen Posse-Cut, auf dem die Wisemen aus Detroit und großartig aufgelegte Poeten und Mitglieder der LCOB zugegen sind. Doch White Lotus kommt auch ganz allein bestens zurecht: "Ginsu Karaté" lebt von seinem Voice-Sample, während das schwermütige Instrumental zu "Formless Kung-Fu" die (trotzdem vollauf passenden) Raps in den Hintergrund drängt und so eine dichte Atmosphäre aufbaut. Die beste Pitch-Voice Einlage serviert jedoch Loke, der "Shadow Portraits" produziert, eine großartige Show aus wehmütigem Sample und tiefgreifenden Raps. Wer es nicht schon aus den Track-Titeln abgeleitet hat (die für sich genommen schon unterhaltend sind), dem sei gesagt: Die Rhymes der Lotus Society schweben auf der abstrakten Wolke Sieben, wobei natürlich die Anlehnungen an diverse Kampftechniken nie aus den Augen verloren werden. Auch wenn es schwer ist, Highlights auszumachen, hier noch ein paar Erwähnungen: Das schneidende "Crazy Horsemen Of The Apocalypse" ist nicht nur aufgrund der Features hörenswert, ebenso wie das trockene "Street Rings". Und während "Wandering Ghost" seine Streicher zu einem düsteren Kopfnicker zusammenbindet, ergeht sich White Lotus in "The Rain Maker" in weichen Klängen, die man auch Bronze Nazareth in die Schuhe hätte schieben können.


Fazit:
"Formless Kung-Fu" hat zwar eine kleine Zahl mittelmäßiger Tracks, macht diese jedoch durch die Masse der guten wett. Der Sound dieses Kollektivs, der zweifelsohne von White Lotus stark mitgeprägt wurde, sollte nicht nur für Wu-Tang Fans sehr interessant sein. Im schwachen Jahr 2008 mausert sich White Lotus damit unter die Top-Alben. Da dieses Kollektiv außerdem auf den ersten Blick wie ein Loch ohne Boden erscheint, gibt es mehr als genug Material für hungrige Fans. Doch als erster Überblick sowie als konstant gelungenes Album sollte man vorerst hier zugreifen. "Formless Kung-Fu" hält, was Titel und Cover versprechen. Kanada trägt hiermit einen weiteren, starken Aspekt zum erweiterten Wu-Universem bei.

Gesamtwertung: 8.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 29. April 2009

Vakill - The Darkest Cloud

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 05. Mai 2003
Label: Molemen Records

Tracklist:
01. Intro
02. The Darkest Cloud
03. The Creed
04. Til The World Blows Up
05. Sickplicity
06. Dear Life
07. Forbidden Scriptures (Feat. Breeze Evahflowin, Jakki, Camu Tao & Copywrite)
08. American Gothic
09. Forever
10. Fallen (Feat. Slug)
11. Cry You A River
12. Sweetest Way To Die
13. The Crown Don't Move
14. The Flyer
15. End Of Days



Aus der South Side von Chicago in die oberste Liga der Emcees aus der City of Wind: Vakill mischt schon seit den frühen Neunzigern mit und brachte es trotzdem erst 2003 zum offiziellen Debütalbum. Doch deshalb war er zuvor nicht untätig: Als Gründungsmitglied der Molemen ist die feste Bindung zum schwer respektierten Produzenten-Trio selbstverständlich. 2001 wird dann "Kill 'Em All", eine Übersicht über seinen bisherigen Output, veröffentlicht und bietet Battle-Rap vom Feinsten. "The Darkest Cloud", hinter dem natürlich wieder die Molemen stehen, will jedoch noch mehr sein als nur Battle-Rap.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Wenn Vakill seine Stimme erhebt, geht der Rest in Deckung. Ein kräftiges Stimmorgan und ein messerscharfer Flow prädestinieren diese Person zum Emcee. Für das Debüt hat Vakill auch nur ein winziges Anliegen: Wer diese CD einlegt, der muss für die folgende Stunde auf die Sonne verzichten, da diese hinter einer dunklen, der dunkelsten Wolke - von Vakill heraufbeschworen - verschwindet. Diesbezüglich verdient das "Intro" gleich das erste Lob: Die von Panik kreierte, bedrohliche Stimmung und die unmissverständlich pumpende Drumline geben die Marschrichtung vor, an die sich auch der Rest der Produzenten hält. Richtig losgelegt wird mit dem Titeltrack, "The Darkest Cloud", einem Brecher, der nicht etwa den ersten vorsichtigen Schrtt tut, sondern gleich zu Beginn alles hinwegfegt und dem Rest der Scheibe eine breite Schneise, in der nichts den zerschmetternden Punchlines Vakills standgehalten hat, hinterlässt: "If the name of my profession is 'Fuck you' / Then basically, what I'm trying to say is: Never mind, my work speaks for itself". Doch darauf ruht sich Vakill selbstverständlich nicht aus: Wird mit "The Crown Don't Move" nochmals bekräftigt, wer die dicksten Eier hat (Vakill natürlich), so werden außerdem noch weitere Facetten des Protagonisten offenbart: In "Dear Life" geht es um Leben und Sterben mit sarkastischem Unterton, während das Instrumental zwischen seinen düsteren Nachbarn wie ein Sonnenstrahl anmutet. Ansonsten sind es die Beats, die das Niveau der brillianten Raps halten und die Scheibe zu dem machen, was sie ist. Die steinern harten Drumlines erinnern an goldene Zeiten der Ostküste, zusammen mit dem Rest macht dies die Handschrift der Molemen (wobei hier Memo und Panik fast die gesamte Produktion tragen) aus. Neben den Battle-Raps, die ohne Zweifel zu Vakill passen, beherrscht der MC auch unterhaltsames Storytelling, wie etwa "Fallen" beweist: In der Rolle des Don Murda, der, nachdem er von seiner Plattenfirma gedroppt wurde, seinen Label-CEO in den Himmel schickt und an im Anschluss Geiseln nimmt, steht Vakill dem Verhandlungsführer Slug gegenüber. Zusammen mit der simplen Piano-Line ein Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Später schlüpft er in die Rolle eines Graffiti-Writers, der vor seinem Third Strike flüchtet und den "Sweetest Way To Die" wählt. Doch dieses Album wäre nicht halb so schön ohne die restliche Palette an Battle-Tracks, in denen sämtliche Wack-MCs mit unzähligen Schlägen degradiert und mit dem kleinen Finger zerdrückt werden. Egal ob in "Forbidden Scriptures" als Posse-Track mit unterhaltsamem Line-Up oder in "Sickplicity" als mörderischer Kopfnicker. Doch die Balance wird gehalten: In "Cry You A River" wird es erneut persönlich (die Widmung an verstorbene Freunde ist natürlich nicht neu, aber trotzdem gut verpackt), während in "End Of Days" zum letzten Rundumschlag ausgeholt wird, der nochmals grandiose Zeilen hervorbringt:

"Competition's like parking spots
Good one's hard to find
Everything else is handicapped
"


Fazit:
Nach 15 Tracks ist man sich sicher: Vakill gehört zur Liste der Emcees, die man im Auge behalten wird. Die Voraussetzungen für weitere hervorragende Alben sind hier einfach gegeben: Vakill als Emcee ist sowieso über jeden Zeifel erhaben und mit den Molemen ist ein schlecht produziertes Album nicht zu erwarten. Doch vielleicht wird ihm auch genau deshalb der Weg in die ganz hohen Wertungen verwehrt bleiben: Denn irgendwo klingt es so, als ob Panik und Memo hier nicht viel mehr als das Geleistete zu vollbringen imstande sind. Doch wen stört das schon, wenn man mit "The Darkest Cloud" ein Debüt vor sich hat, das von Anfang bis Ende unterhält und sich getrost als kleiner Klassiker des Chicago HipHop ansehen darf?

Gesamtwertung: 8.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Samstag, 25. April 2009

Megalon - A Penny For Your Thoughts

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 23. November 2004
Label: Day By Day Entertainment

Tracklist:
01. Son's Of Sarah Connors
02. Death B/4 Dishonor (Feat. Ray Long)
03. The Soul Of Jah
04. Street Souljahz
05. Keep Gettin' Money
06. Got My Wings
07. 12 Disciplez
08. Black Jesus
09. Yahkoo
10. Feel It (Hitlist)
11. No Pain
12. Thugs Cry
13. Thief In The Night (Feat. Ray Long)
14. No! Just Us
15. Feel God's Pain
16. Rainblood
17. They Don't Make 'Em Like Me No More
18. Raise Hell
19. Hell Razor
20. Revelations
21. What A Burn
22. When I Go Out



Rodan hat es vorgemacht, Megalon zieht nach. Wie beim Kollegen kommt auch dieses Solodebüt mit reichlich Verspätung in die Läden. Doch das schmälert nicht die Erwartungen, die in dieses Werk gesetzt wurden. Als Mitglied der ursprünglichen Formation der Monsta Island Czars konnte Megalon schon mit seinen früheren Auftritten Akzente setzen und schwimmt mit "A Penny For Your Thoughts" auf der Welle der Soloalben, die von sämtlichen MIC-Mitgliedern angekündigt wurden (um dann, ganz allmählich, zu erscheinen). Erfreulich einerseits, dass sich als Label Grimm's Day By Day Entertainment findet; weniger erfreulich, dass Megalon um diese Zeit hinter Gittern sitzt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Wer sich hier ein Schaulaufen der Monster erhofft hat, wird herbe enttäuscht. Kein einziges kreuzt hier auf. Lediglich Bruder Ray Long, seinerzeit vorgestellt auf X-Ray's "Monster Mixes", leistet Megalon zweimal Gesellschaft. Apropos X-Ray - der Mindbenda beschert dieser Scheibe eine fast komplette Produktion, worüber man sich als Fan der bisherigen Machenschaften der MIC wie ein Schneekönig freuen dürfte. Denn auch wenn der (ebenfalls als King Ceasar bekannte) Produzent hinter den Czars inzwischen einen bedauerlichen Teil seiner Unfehlbarkeit eingebüßt hat - auf "A Penny For Your Thoughts" ist noch alles in Ordnung. Düstere Endzeitstimmung macht sich schon in "Son's Of Sarah Connors" (mit dem symbolischen Terminator-Charakter, der sich immer wieder in Megalon's Raps einschleicht) breit. Die dichte Atmosphäre der bisherigen Veröffentlichungen umhüllt den Hörer auch hier in vollem Maße, lässt ihn erst mit dem letzten Song wieder los und wird auch nicht durch die Interlude-artigen Tracks unterbrochen, in denen Megalon nur ein paar Worte von sich gibt. Unter den Monstas war Megalon schon immer eher derjenige, der mit trockenen Reality Raps die Härte des Lebens in seine Texte verpackt hat. Kombiniert mit dem unsauber schnellen und doch mehr als nur hörenswerten Flow sowie seiner belegten, wie von weit entfernt schallend klingenden Stimme konnte er sich damals unter seinen Kollegen behaupten und kann er auch auf diesem Album fesseln. Da stört es auch nicht weiter, wenn bereits bekannte Stücke auf den Plan gerufen werden. "Rainblood" war auf dem "Downfall Of Ibliys" zu hören und ist als einziger Song von Doom produziert. Ray Long's Alleingang im auf dieser Scheibe ungewöhnlich relaxten "Thief In The Night" kennt man unter "We Got Beef Wit Da Cops". "Feel It" macht auch hier noch Spaß und "Hell Razor" (die "Monster Mixes" lassen grüßen) geht sogar noch ein sehr gelungenes Intro voraus. Was nun die bisher ungehörten Tracks betrifft, so lässt sich mit Freude vermerken, dass das Niveau mindestens gehalten wird. Dabei weiß X-Ray, wie er Megalon einen vortrefflich passenden Sound auf Leib zu schneidern hat: Verhalten drohende Klänge wie in "Yahkoo" markieren Hymnen von einzigartigem Gemüt. Und wenn zu Beginn des Albums "Death B/4 Dishonor" loskracht, gibt es sowieso kein Halten mehr. Ungeschliffener New York-Flavor ruht in "What A Bum", während Songs wie "Street Souljahz" erst durch die intensiven Raps zum Hingucker bzw. Hinhörer werden. Trotz der über 20 Stationen kommt das Album schnell genug zu einem Ende, nämlich dem von einem Klavier dominierten "When I Go Out", das gelungen und überraschend hell klingt.


Fazit:
Megalon patzt nicht. Zwar zieht sein Soloeinstand im Direktvergleich mit dem von Rodan (mit dem er sich nunmal messen muss) den Kürzeren, doch außerhalb der internen Czars-Skala ist dieses Album ein starkes Stück Rap-Musik, das 2004 in Sachen Kompromisslosigkeit ohne viel Konkurrenz dasteht. In einer Zeit, in der typischer, düsterer New Yorker Sound selten geworden ist, ist diese Scheibe besonders wertvoll. Trotzdem ist dieses Album eine Art Schlussstein der Serie bis dato veröffentlichter Alben aus jener Ecke (wobei eventuell noch Kwite Def mit seinem Album mitzieht): Die Monster zogen sich vorerst wieder ins Verborgene zurück und verloren sich dabei auch gegenseitig aus den Augen. Megalon hat sich abgewendet und läuft jetzt nur noch unter Tommy Gunn, was seinen vier Jahre später erschienenen Zweitling jedoch trotzdem nicht an "A Penny For Your Thoughts" herankommen lässt.

Gesamtwertung: 8.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sticky Fingaz - Black Trash: The Autobiography Of Kirk Jones

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 22. Mai 2001
Label: Universal

Tracklist:
01. Intro
02. Come On
03. My Dogz Iz My Gunz (Feat. Black Child)
04. Not Die'n
05. Kirk Jones Conscience
06. Money Talks (Feat. Raekwon)
07. Why (Feat. Still Livin' & X1)
08. Oh My God
09. State Vs. Kirk Jones (Feat. Superb, Canibus, Guess Who, Redman, Scarred 4 Life & Rah Digga)
10. Kirk Jones Conscience II
11. Baby Brother (Feat. Dave Hollister)
12. Cheatin'
13. What Chu Want (Feat. X1)
14. Ghetto (Feat. Petey Pablo)
15. What If I Was White (Feat. Eminem)
16. Sister I'm Sorry (Feat. Choclatt)
17. Get It Up (Feat. Fredro Starr)
18. Kirk Jones Conscience III
19. Licken Off In HipHop (Feat. Columbo The Shining Star)
20. Wonderful World



Er ist einer der schillerndsten Vögel, die je im HipHop-Käfig umherflatterten: Sticky Fingaz stellte sich der Welt als einer der glatzköpfigen Schreihälse von Onyx vor, wobei der schielende Sticky mit seinen einzigartigen Parts den inoffiziellen Kopf der Truppe darstellte. Drei Gruppenalben, von der Welt alle positiv aufgenommen, sind im Jahr 2001 veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt folgen die ersten Soloalben: Fredro Starr mit "Firestarr" und eben auch Kirk Jones, der der Welt "Black Trash: The Autobiography Of Kirk Jones" präsentiert.

Im Gegensatz zu seinem Cousin hat Sticky auch wirklich etwas zu erzählen: "Black Trash" ist ein Film in Albumformat, gepolstert mit reichlich Interludes zwischen den jeweiligen Songs und natürlich auch den Songs selbst, die auf Konzept und Handlung zugeschnitten sind. Deswegen macht es hier auch Sinn, chronologisch vorzugehen: Gerade frisch aus dem Knast, stellt Sticky dem Publikum seinen Charakter in "Come On" kurz und bündig vor: Ein unverbesserlicher Kleinkrimineller, der genau dort Fuß fasst, wo er wahrscheinlich vor seiner Einbuchtung aufgehört hat. Nachdem er schnell Bekanntschaft mit Sammy, der es in Sticky's Hood zu Macht und Einfluss gebracht hat, macht, bekommt er von seinem Freund Bruce eine Waffe gesteckt, was zu "My Dogz Iz My Gunz", einer unterhaltsamen Neudefinition des besten Freunds des Menschen, führt. Bereits hier lässt sich vermerken, dass dieses Album für ein Major-Release einen erfreulich gleichgültig dreckigen Stil fährt. Kurzum: Die Beats, die nebenbei von Leuten wie Rockwilder, Nottz und DJ Scratch beigesteuert werden, passen zu Sticky. Zurück in der Albumhandlung stellt unsere Hauptfigur die Zielperson Sammy vor einem Club. Sticky kassiert fünf Treffer, kann jedoch aufgrund seiner Bewährung nicht ins Krankenhaus - "Not Die'n" ist die Konsequenz:

WRITTEN FOR Rap4Fame

"I tried everything, swallowed pills, slit my wrist
Made my own brother shoot me, X1 fucking missed!
Tried to paint the walls with my brain, but the gun jammed
At my first shoot out, I stayed - everyone ran
"

"Kirk Jones Conscience" ist die erste von drei Intermissions, in der Sticky dem Hörer eröffnet, dass Sammy das Zeitliche gesegnet hat und Kirk nun seinen Platz (und seine Bitch) eingenommen hat. Nun rollt logischerweise der Rubel. Grund genug, dem Kies einen Song zu widmen - für "Money Talks" erzählen Sticky und Raekwon aus der Sicht der grünen Scheine. Doch da Kirk's Bude bereits zuvor ausgenommen wurde, muss erneut angeschafft werden. In "Why" klinkt sich Kirk ins Auto von Bruce, der ein bürgerliches Leben mit Familie führt, ein, überfällt einen Juwelier und bringt Bruce dazu, mit ihm zu flüchten. Während der Verfolgungsjagd lauscht der Hörer dem Streitgespräch zwischen Kirk und Bruce, wobei Letzterer über seine urplötzlich missliche Lage wenig erbaut ist. Es kommt wie es kommen muss, die Flüchtenden bauen (aufgrund Streitigkeiten über die Steuerführung) einen Unfall, Bruce stirbt. Über seinen toten Freund gebeugt, verflucht Sticky sein Schicksal - Auftakt zum inhaltlichen Höhepunkt der Scheibe. In "Oh My God" bekommt der Hörer eine Konversation zwischen Sünder und Allmächtigem zu hören:

"[Kirk] But why let the suffering go on, why not just stop it?
[God] In order for anything to exist, so must its opposite
How can there be left, if there was never right?
How can something know death, if it never knew life?
How can you lose, if nobody won?
How can it be dark, if there was never a sun?
[...]
[Kirk] But I never asked to be born, I hate my life!
And if you are God dammit, then show me the light
And tell me - what's the meaning of life?
"

Nachdem Vater Staat Sticky Fingaz vor Gericht gezerrt hat, beginnt "State Vs. Kirk Jones": Mit Rah Digga als Richterin, Canibus als grandiosem Staats-, Redman als Rechtsanwalt und mit einer Reihe von Zeugen ist diese Verhandlung ebenfalls ein Leckerbissen, der seinesgleichen sucht. Nachdem Kirk Jones wieder einwandert, erfolgt "Kirk Jones Conscience II" aus dem Bau. "Baby Brother" ist ein Telefongespräch mit dem jüngeren Bruder (ebenfalls gesprochen von Sticky), den Kirk davon abbringen will, es ihm gleichzutun. Dave Hollister's Hook gelingt dabei der Spagat zwischen gelungen und kitschig. Im Anschluss wird Kirk von seiner Freundin verlassen, was zu "Cheatin'" führt, einer urkomischen Abrechnung mit allem, was sich als Schlampe zusammenfassen lässt:

"Ayo, turn it up, and take a look at your bitch
If she's smiling, somebody stuck a dick in your bitch
Now think about when you're not around, who she be with?
And think about the bullshit you got away with
"

Dank passendem Instrumental ist diese Nummer ein weiterer Anspieltipp. Im Folgenden driftet das Album noch weiter von seiner Handlung ab: In "What Chu Want" hängen die Gebrüder Sticky und X1 den eigenen Träumen nach, in "Ghetto" werden, nachdem ein Skit zuvor enthüllt, dass Sticky nach zehn Jahren wieder auf freiem Fuß ist, die stereotypischen Ghetto-Attribute portraitiert. Dass Kirk im sich anschließenden Skit wieder bei Überfällen gelandet ist, dürfte niemanden überraschen. "What If I Was White" bemüht sich nicht, die Rassenthematik ernsthaft zu diskutieren, sondern ergeht sich in Sticky's amüsanten Vorstellungen ("If I was white, wouldn't matter if I was rich or poor / Security wouldn't follow me around the store"), zu denen Eminem Adlibs und Chorus beisteuert. Der folgende Skit spielt sich als Konflikt zwischen Kirk und seiner derzeitigen Freundin ab (während das gemeinsame Kind im Hintergrund weint), bei dem man erfährt, dass Kirk's Bruder nicht mehr unter den Lebenden weilt. Nachdem die Freundin geschlagen und das Haus verlassen wurde, folgt mit "Sister I'm Sorry" gleich die soulige, aber zu schnulzige Entschuldigung. Doch Kirk ist unbelehrbar. Nach einem Skit mit tödlich endendem Raubüberfall gibts es mit "Get It Up" eine düstere Stick-Up-Hymne, während das zugehörige Video eröffnet, dass Kirk nach erneuter Flucht vor den Cops auf einer Brücke gestellt wird. Nach "Kirk Jones Conscience III" ("I ain't going back") hat er gerade noch Zeit, in "Licken Off In HipHop" ein paar Gedanken zur Rap-Szene loszuwerden, um sich im Anschluss mit einem reuelosen "I see you in hell!" in den Tod zu stürzen. Den Abschluss macht das zynische Louis Armstrong-Cover "Wonderful World":

"I've seen guys in blue, seize pounds of white
The rich rule the day, the poor starve at night
And I think to myself
What a wonderful world
"


Fazit:
Sticky Fingaz macht keine halben Sachen mit seinem Debüt. Was Ideenreichtum (auch wenn das Konzept stellenweise an Prince Paul angelehnt ist), Aufmachung, Authentizität und Ausführung betrifft, so spielt Sticky in seiner eigenen Liga. Seine Raps sind meist simpel, doch immer ausdrucksstark. Generell profitiert Sticky durchgehend von seinem Charisma, das ihn in jeder Lage überlegen bleiben lässt. Wer hier ein Werk im Sinne der Onyx-Alben erwartet hat, der wird jedoch bitter enttäuscht sein: Obgleich Sticky mit derselben Energie hinters Mic tritt, so ist der Sound ein anderer. Im zweiten Teil des Albums schwächeln die Produzenten gelegentlich, was diesem Album Klassiker-reife Wertungen verwehrt. Nichtsdestotrotz meistert Sticky die vielen Einflüsse, die auf "Black Trash" Einzug halten, und bietet außerdem eine Story, die vom Hörer Aufmerksamkeit fordert und die auch bei mehrmaligem Hören nicht langweilig wird. "The Autobiography Of Kirk Jones" ist ein persönliches Album, dessen Kauf man mit der richtigen Erwartungshaltung nicht bereuen wird.

Gesamtwertung: 8.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Dienstag, 31. März 2009

Krumb Snatcha - Snatcha Season Pt. 1

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 04. August 1998
Label: M.I.A. Records Inc.

Tracklist:
01. Intro
02. Gangsta Disease (Remix)
03. Remarkable
04. Mental Orgasm
05. Romeo & Juliet
06. Hip Hop
07. Closer To God
08. Everyday Struggle (Feat. Sonic)
09. Hustlers And Hardcore (Feat. Kabuki)
10. To All The Killas (Feat. Timbo King & Lord Harrison)
11. Simple Words



Boston, Massachussetts. Nicht nur, weil Guru von hier stammt, ist diese Stadt für die Gang Starr Foundation fast ebenso wichtig wie New York. Neben Größen wie Freddie Foxxx, Jeru The Damaja, Group Home oder Bahamadia sind es auch Big Shug und Krumb Snatcha, die als der Boston-Anteil dieses Kollektivs auf diesem Weg die Leiter zum etablierten Rap-Game erklommen haben. Krumb Snatcha taucht 1998 erstmals auf Gang Starr's "Moment Of Truth" auf und legt in "Make 'Em Pay" einen denkwürdig guten Part hin. Daraufhin veröffentlicht er noch im selben Jahr seinen Erstling, eine EP namens "Snatcha Season Pt. 1".

Leider nur knappe zehn Tracks plus Intro bietet die Scheibe. Doch diese Dreiviertelstunde reicht Krumb Snatcha völlig, um sein Anliegen an den Mann zu bringen. Als jemand, der die stereotypische Hustler-Vergangenheit schon hinter sich hat, berichtet der Mann aus Erfahrung, ohne dabei zu glorifizieren. Um ein kurzes Profil dieses Emcees abzugeben: Eine sehr gewöhnliche Stimme trifft auf hervorragenden Flow und Delivery. Bezeichnend für Krumb's Glaubwürdigkeit ist die Tatsache, dass dieser Mann Weisheiten aneinanderreiht, als wäre dies nicht sein Einstand, sondern als hätte KS schon Jahre im Game verbracht. In diesem Zusammenhang ist es unabdingbar und nur richtig, als erstes Beispiel den "Gangsta Disease" Remix aufzuführen: Krumb Snatcha's Resümee über den von waffen- und gewaltgeilen Schwätzern befallenen Patienten Hip-Hop:

WRITTEN FOR Rap4Fame

"Wanna be drug incorporator, street life narrator
But nothin but a bullshit immitator
Exagerrator with that bust-shot chatter that don't flatter
That means you need to change your subject matter
[...]
So what? You carry hot glocks and rocks
So what? That type of Rap is number one on the charts
So what? Your video was on MTV
You still ain't an emcee to me!
"

Die Art, wie nüchtern, ruhig und ernst KS seinen Vortrag hält, verdient höchsten Respekt. Wendet man sich dem Rest der Scheibe zu, wird man schnell feststellen, dass die CD mehr als nur einen Hochkaräter zu bieten hat - ja, dass sie genau genommen voll davon ist. Denn die Bühne, auf der Krumb Snatcha hier spielt, ist geprägt von der Schokoladenseite der Eastcoast. Dialek (der manchen vielleicht noch als Producer der Concrete Clik in Erinnerung ist) trägt vier Instrumentals bei, Pistachio Paul, Blink Dog, Curt Cazal, Ski und The Magician tun den Rest. Und dann ist da natürlich noch DJ Premier, der den Beat zur Single "Closer To God" geschustert hat. Und dass die satten Drums, kombiniert mit einem Prodigy-Sample und den Raps von KS hervorragend harmonieren, stellt sich schon nach wenigen Sekunden heraus. Auch hier gibt sich KS kritisch und berichtet von der Schattenseite des Hustler-Lebens - dem Sterben. A propos Prodigy - der Mobb Deep-MC muss noch zwei weitere Male herhalten, wie aus den Titeln "To All The Killas" und "Simple Words" schon hervorgeht. Beide Nummern fallen hervorragend aus und sind von dem trüben Ostküstenvorhang, für den auch die Sample-Stimme bekannt ist, umschlungen. Doch die Scheibe hat noch mehr zu bieten: "Remarkable" ist ein prächtiger Piano-Kopfnicker, während das von Ski produzierte "Hustlers And Hardcore" in erfreulicher Art und Weise nach einem Nick Wiz-Beat klingt. "Romeo & Juliet" projiziert die vielkopierte Thematik in sehr ansprechender Weise in die Welt der städtischen Gang-Welt und das in Erinnerungen schwelgende "Hip Hop" ist an Krumb Snatcha's große Liebe gerichtet, die er inzwischen vermisst. Da auch noch die verbleibenden Tracks Erwähnung finden sollen: "Everyday Struggle" berichtet ohne Umschweife und gerade heraus von der Titelthematik, während "Mental Orgasms" das weibliche Geschlecht auf platonischer Ebene thematisiert und ehrt.


Fazit:
Krumb Snatcha zeigt mit seinem Debüt-Album (bzw. seiner Debüt-EP), dass er den Sport am Mic exzellent beherrscht und zudem auf nur zehn Tracks eine lyrische Vielfalt an den Tag zu legen weiß, die andere Emcees über ihre ganze Karriere hinweg vermissen lassen. Doch dem nicht genug, die mindestens ebenso erwähnenswerte Stärke dieser Scheibe ist die Produktion, welche in jeder einzelnen Kapillare von feinstem Ostküsten-Sound erfüllt ist. Mehr braucht an dieser Stelle eigentlich nicht gesagt zu werden - denn jeder, der nun hellhörig geworden ist, wird die Anschaffung von "Snatcha Season Pt. 1" nicht bereuen.

Gesamtwertung: 8.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 8. März 2009

Billy Woods - The Chalice

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 30. März 2004
Label: Backwoodz Studioz

Tracklist:
01. Killtro / Go-Go Dub Plate
02. Mind Control (Feat. Vordul Mega)
03. Capture The Flagg
04. High Treason
05. BBC (Backwoodz Broadcasting Corp.) (Feat. Thrill Gates)
06. Blowout (Feat. Priviledge)
07. Damage
08. Drinks (Feat. Vast Aire & Karnegie)
09. Sativa / Stillife (Feat. Stretch Nyce)
10. Gourmet
11. Wake Up Call
12. Get Out The Kitchen (Feat. Priviledge)
13. CJ's
14. Pit & The Pendulum (Feat. Vordul Mega)
15. Cross My Heart (Feat. Kong)
16. Maryland
17. Holidaze
18. Magic (Feat. Taiwo)
19. Last MC's (Feat. Vordul Mega & Taiwo)
20. Shinin
21. Vacationland (Redux) (Feat. Thrill Gates)



Irgendwo in einer der wenig beachteten Nischen des Underground gibt es ein Label namens Backwoodz Studioz. Dort hat sich eine kleine Gruppe von Künstlern zusammengefunden, die sich über die paar Jahre, die sie nun schon aktiv ist, einen Sound erarbeitet hat, der weit abseits des breit ausgetretenen Wegs der Massen liegt. Billy Woods ist eines der Kernstücke des Labels. Mit seinem "Camouflage"-Album aus dem Jahr 2003 (bzw. 2002) kann ein ungefährer Nullpunkt gesetzt werden. Ein gutes Jahr später kann man dieses Erzeugnis hier erwerben: ein ursprünglich als Mixtape gedachtes und nun zu 21 Tracks zusammengebundenes Album namens "The Chalice".

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Alles an diesem Album verspricht allerfeinsten Backwoodz-Sound: Gastauftritte aus dem näheren Bekanntenkreis und Produktion von: 007 alias Bond, einem der Köpfe des Labels, DJ Marmaduke, Rev Casino Earl oder Beep Beep, den man später als Dr. MONOKROME kennen wird. Woods selbst, der schon viele Orte seine Heimat nannte (Washington D.C., Zimbabwe, Jamaica), residiert derzeit in Maryland. Was er auf diesem Album bietet, ist so vielseitig wie seine Aufenthaltsorte und gleichzeitig ähnlich exotisch. Wieso lässt man es Woods nicht selbst in Worte fassen: "I take great pains not to sound like you lames". Da kann man ihn beim Wort nehmen. War "Camouflage" noch sehr an den politischen Geschehnissen seiner Zeit orientiert, so scheint Woods auf "The Chalice" seine Gedanken, neben den weiterhin vorhandenen ernsten Themen, oft durch sehr abstrakte Sphären ziehen zu lassen. Laut Eigenaussage sind seine Rhymes nicht immer so ernst zu nehmen, wie das manche Hörer tun. Doch zurück zur Andersartigkeit der Scheibe. Die offenbart sich schon in der Aufmachung der CD: Das bunte Cover ist da noch der gewöhnlichste Teil - Back-Cover und Inlay legen keinen Wert auf geregelte Groß- und Kleinschreibung, Satzzeichen sind überflüssig, die Suche in den Producer-Credits wird zum Abenteuer. Ähnlich verhält es sich mit der Musik, die beim ersten Hören reichlich unübersichtlich klingt. Nach einiger Zeit offenbaren sich die Strukturen des Albums: Der rote Faden des Albums sind die electro-lastigen Produktionen, die - ganz gleich von welchem Schuster - mit eigenwilligen und minimalistischen Drumlines ausgestattet wurden, auf die neben den Electro-Gebilden auch ausgefallene Samples und Ideen Einfluss nehmen - wie beispielsweise das im locker-karibischen Gewand aufspielende "CJ's". Ganz groß punkten können die Momente, in denen Woods tonnenschwere Melancholie vor sich herwälzt. "Pit & The Pendulum" ist hier zu nennen, das langsam und trostlos in sich hineinlamentiert. Und mit jemandem wie dem dauerhaft depressiven Vordul Mega hätte Woods auch keinen besseren Gast wählen können. Woods selbst ist keiner der besten Rapper wenn es um Technik geht, doch mit seiner druckvoll-markanten, tiefen Stimme bedient er sich eines eigenwilligen Flows, der seinen Worten einen ganz besonderen Ausdruck verleiht und ihn letztendlich doch zu einem rappenden Highlight macht. Unter sämtlichen genannten Gegebenheiten entfaltet das Album eine herrliche Kantigkeit. Neben abstrakten Auswüchsen wie "Damage" oder dem scharfen "Mind Control" gibt es auch leicht verdauliche Kost: "Sativa / Stillife" mutet im Album wie ein Lichtstrahl an. Priviledge, mit dem Woods später die Super Chron Flight Brothers bilden wird, schaut u.a. im Kopfnicker "Blowout" vorbei, wohingegen die zukünftig als Mighty Joseph auflaufenden Vast Aire und Karniege im fast schon zu abgedrehten "Drinks" ins Studio geladen werden. Bereits auf die spätere Reavers-Kollabo hinweisende Czars-Connections treten in Form eines Kong-Features zutage, das im gefühlvollen "Cross My Heart" auch äußerst hörenswert verläuft. Schließlich muss noch der abschließende Track Erwähnung finden: "Vacationland" trägt kiloweise Schwermut in sich und ruft mit Thrill Gates einen Künstler auf den Plan, der sich mit seinen nahezu wehklagenden Raps perfekt für solche Songs eignet.


Fazit:
"The Chalice" gehört zu jener Sorte Alben, die man nach dem ersten und zweiten Durchhören beiseite legt und als nicht sonderlich hörenswert abstempelt. Nach intensivem Hören jedoch wird die Scheibe ihre Qualität und ihren Facettenreichtum preisgeben. Billy Woods verfügt über einen einzigartigen Rapstil, mit dem er in der dichten Atmosphäre dieses Albums erfolgreich operiert. An dieser Stelle Vergleiche zu anderen Alben zu ziehen fällt schwer. "The Chalice" ist ein wenig Cannibal Ox, doch weitaus mehr ist es eigen, es ist Backwoodz und es ist einer der Gründe, warum sich das Suchen nach Silberlingen aus dem Underground lohnt. Denn eines ist gewiss: HipHop braucht mehr Künstler wie Billy Woods, welche die Eier besitzen, ein unangepasstes und eigenständiges Album wie dieses hier aufzunehmen.

Gesamtwertung: 8.0 / 10

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Freitag, 6. März 2009

Dreddy Kruger - Presents... Think Differently Music: Wu-Tang Meets The Indie Culture

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Release Date: 18. Oktober 2005
Label: Think Differently Music (Babygrande Records)

Tracklist:
01. Introduction
02. Lyrical Swords (Feat. GZA & Ras Kass)
03. Slow Blues (Feat. Vast Aire, Timbo King, Prodigal Sunn & Byata)
04. Still Grimey (Feat. Sean Price, U-God, C-Rayz Walz & Prodigal Sunn)
05. Skit
06. Think Differently (Feat. Casual, Rock Marciano, Vordul Mega & Tragedy Khadafi)
07. Infomercial #1 (Feat. Jim Jarmusch)
08. Biochemical Equation (Feat. RZA & MF Doom)
09. O.D.B. Tribute (Feat. DJ Noize)
10. Fragments (Feat. Del The Funky Homosapien)
11. Intermission
12. Street Corners (Feat. Bronze Nazareth, Solomon Childs & Byata)
13. Listen (Feat. Littles, Khalid & Planet Asia)
14. Infomercial #2 (Feat. Jim Jarmusch)
15. Verses (Feat. La The Darkman, Scaramanga Shallah, Ras Kass & GZA)
16. Preservation (Feat. Aesop Rock & Del The Funky Homosapien)
17. Cars On The Interstate (Feat. C.C.F. Division)
18. Give It Up (Feat. J-Live & R.A. The Rugged Man)
19. Black Dawn (Feat. Bronze Nazareth)



Compilations gibt es genügend im HipHop. Was Dreddy Kruger hier auf die Beine gestellt hat, darf jedoch ruhig als besonders bezeichnet werden. Als Mitglied der Royal Fam ist er schon sehr lange im Umfeld des Clans aktiv. Der Beweggrund für dieses Projekt war wohl der Verdruss über den Verfall und die Lieblosigkeit, die im HipHop vorherrschen. Zudem füllt dieses Album eine Lücke im HipHop, die eigentlich gar nicht existieren sollte und die sich in der Tatsache begründet, dass der Clan und sein Umfeld meist unter sich bleiben. Bezeichnend ist auch der Name, der zugleich Dreddy's Sublabel unter Babygrande vorstellt: "Think Differently" - Wenn Wu-Tang auf den US-Underground trifft.

14 Songs, fünf Interludes bzw. (Instrumental-)Skits. Eine Gästeliste, die dem Ostküsten-Liebhaber das Herz höher schlagen lassen wird. Das Gerüst dieses Albums ist mehr als vielversprechend. Der größte Bonus, der auch über das Album hinweg den Großteil der Last trägt, wurde jedoch noch gar nicht genannt: Bronze Nazareth, der hier erstmals in größerem Ausmaß in Erscheinung tritt. Neun der 14 Songs werden von ihm produziert, und das in der signifikanten Art, die ihm hier seine ersten Lorbeeren einbringt und ihn später auszeichnen wird: dem Wu-Sound sehr nahe und trotzdem mit einer stark und gut duftenden Eigennote, die sich vor allem durch soulige Voice-Samples auszeichnet. Ein weiterer Beatschmied ist Preservation, der sich im Stil nur geringfügig von Bronze unterscheidet. So richtet sich prinzipiell die komplette CD am beschriebenen Sound aus. Das beginnt im Instrumental-Intro mit einer sich wunderbar aufbauenden Atmosphäre und erreicht in "Lyrical Swords" bereits seinen ersten Gipfel, von dem aus zwei Großmeister des Genres ihre Reime spucken. GZA und Ras Kass; eine feine Kombo, die von einem Brecher eines Beats gesegnet wird und sich anscheinend so gut versteht, dass sie noch ein zweites Mal aufspielt - und zwar zusammen mit LA The Darkman und Scaramanga (alias Sir Menelik) auf dem von DJ Noize genial produzierten "Verses", der bisher besten Umsetzung des vielverwendeten Al Green-Samples. Wer dieses monumental gut flowende Quartett vorbeiziehen lässt, der hat noch eine ganze Palette an weiteren Tracks, die es in sich haben, vor sich. Das Bassdrum-starke "Biochemical Equation" breitet vor RZA und Doom einen Streicherteppich aus, der den zwei Zugpferden der Compilation würdig ist. Die Genialität, die dem streichergeführten Beat von "Street Corners" innewohnt, ist schwer in Worte zu fassen. Da sollte es niemanden verwundern, dass ebenjener Beat von Masta Killa ein Jahr später erneut beansprucht werden wird. Noch unerwähnt sind die Skits, die am besten zitiert werden:

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"Don't think. FEEL. It is like a finger pointing away to the moon. Don't concentrate on the finger or you will miss all that heavenly glory. Do you understand? Never take your eyes off your opponent... even when you bow."

"Music creates order out of chaos: for rhythm imposes unanimity upon the divergent, melody imposes continuity upon the disjointed, and harmony imposes compatibility upon the incongruous. Yehudi Menuhin."

"It's easy to play any musical instrument: all you have to do is touch the right key at the right time and the instrument will play itself. J.S. Bach"

Während Ersteres ein Sample aus Bruce Lee's "Enter The Dragon" ist, werden die beiden letzten Zitate von Regisseur Jim Jarmusch und seiner wohlklingend-tiefen Stimme vorgetragen werden. Mit diesen Mitteln wird dem Album die notwendige Seele eingehaucht, die es von einer plumpen Aneinanderreihung von Tracks abhebt (dass die "Intermission" später als ganzer Track, nämlich "King Toast Queen", u.a. mit U-God und Masta Killa, wiederzufinden sein wird, sollte für sich sprechen). Um noch einigen weiteren Anspielpunkten die Ehre zu erweisen: "Slow Blues" gerät trotz bretternder E-Gitarre und Synthesizer sehr zurückgelehnt, während der nächste Übertrack, "Think Differently", erneut ein Quartett der Extraklasse auf den Plan ruft: QB-Legende Tragedy, Hieroglyphic Casual, UN-Kopf Roc Marciano und Can Ox-Düsterstimme Vordul Mega stanzen ein Denkmal eines Songs in dieses Album ein - wobei wieder ein umwerfender Beat von Bronze die Grundlage bildet. Einziger Aussetzer der Platte ist Del's "Fragments", das mit nervtötendem Halbgesang schon nach einer Minute unerträglich wird. Selbst das vom Stil her anders gesinnte und von Mathematics produzierte "Cars On The Interstate" lässt sich gut hören, ebenso wie DJ Noize's Tribut an ODB, während über Zusammenkünfte von Del und Aesop Rock bzw. dem Rugged Man und J-Live nicht viel gesagt werden muss. Den Abschluss schließlich gibt Bronze Nazareth selbst, nämlich im brilliant soulig-melancholischen "Back Down".


Fazit:
Im Zuge des "Wu-Tang Meets Indie" fehlen hier sowohl von Seite des gutbürgerlichen Undergrounds als auch von Seite des Clans plus Umfeld durchaus eine ganze Reihe an Namen - doch man kann ein solches Album auch nicht beliebig vollstopfen, weswegen Dreddy's Auswahl als gelungen zu bezeichnen ist. Auch die Tatsache, dass auf manchen Tracks gar keine Wu-Acts das Mic in der Hand halten, stört wenig. Letztendlich ist diese Compilation ein Album, das sein Wu-Logo zurecht trägt und auch sonst zu den besten Veröffentlichungen seines Jahrgangs zu zählen ist - nicht zuletzt, weil dank Bronze Nazareth frische Luft Einzug in die Kammern des Wu-Tang Klosters hält.

Gesamtwertung: 8.3 / 10

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Samstag, 21. Februar 2009

Jak Progresso - Random Violence

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Release Date: 22. Dezember 2006
Label: Creative Juices Music

Tracklist:
01. Progresso Family Intro
02. Barn Axe
03. Skool Lunch
04. Stab Wounds
05. Swamp Vapors (Feat. IDE)
06. Random Violence
07. Lingering
08. Peppermint Rainbow Bowtie Lounge 1968
09. Bobby Fisher
10. Kiss The Girls (Feat. Margie Medina)
11. Spiral Staircase
12. Bleeding Forest
13. Long Winter
14. Bright Future
15. I Hate Myself
16. Yearbook
17. Broken Antenae
18. Meditation (Feat. LoDeck, Deep, Paramount, L.I.F.E. Long, IDE, Alucard, Savage Messiah & Critical Madness)
19. Pathetic Outro / In The Mushroom Patch



Wenn von eigenartigen Persönlichkeiten im Rap-Game die Rede ist, dann darf Jak Progresso nicht fehlen. Nicht nur, dass dieser Herr schon einige Stationen in seiner Karriere passiert hat (hier seien die Labels DeadArm Music und johnny23 Records genannt), sein eigener Stil hebt ihn auch seit jeher aus der grauen Masse hervor. Den bisherigen Veröffentlichungen, die nur als schwer zu findende Mixtapes existieren, wird mit diesem Teil das erste offizielle Album hinzugefügt: "Random Violence". Zudem ist die Scheibe auch noch die erste richtig gepresste Veröffentlichung des aufstrebenden Labels Creative Juices.

Da verwundert es nicht großartig, dass IDE als Executive Producer fungiert oder dass die Produktion fast gänzlich aus jener Ecke stammt. Während fast das gesamte Album von den 2 Hungry Brothers - bestehend aus Ben Boogie und Deep - zusammengeschustert wurde, beteiligten sich auch IDE, Blockhead und DJ Kryptonite an der klanglichen Gestaltung. Um Jak selbst zu beschreiben sei kurz das "Progresso Family Intro" zitiert:

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"Jak Theodore Progresso Jr. was born on the 25th day during the month of June, 1978. He was conceived in the Mt. Vernon Einstein Memorial Hospital and was recorded the longest baby to ever be born there. His collar bone was broken and during the second day of his birth, his incubator broke down. When he was 10, he owned a goldfish and named him Otis - after his dead uncle. He fed it potato bread and Pepper twice a day. A week later, it died. At age 13 he joined the Meredith tennis and golf Academy where he received 2 gold putters and went undefeated for three years in a row. He dabbled in chess but never followed through, due to his left thumb being shorter than the right. At age 17 he ran away from home and joined the psychedelic environmental movement, where he experimented with DMT and Peyote on the Adirondack Moutain tops in an adobe hut. He left when he was 23..."

Was uns diese Vorstellung sagen will? Dass es hier nicht gewöhnlich zugeht. Jak Progresso nimmt sein Titelkonzept beim Wort und berichtet von allerlei kranken Dingen. Allen voran muss hier "Kiss The Girls" erwähnt werden, in dem Jak in die Rolle eines kranken Killers, dessen Opfer junge Frauen sind, schlüpft. Was ihm dabei von der ersten Sekunde an zugute kommt ist die Tatsache, dass sich schon sein Rap leicht gestört anhört. Irgendwo in der Nähe einer pervertierten Form von Aesop Rock liegt die Stimme von Progresso. Dazu kommt ein pampiger Flow, der durch eine teilweise sehr betonte und teilweise sehr unsaubere Aussprache unterstützt wird. In "Peppermint Rainbow Bootie Lounge 1968" beschränkt man sich auf einen einprägsamen literarischen Vortrag (ohne Musik), während die sonstige Bandbreite der Instrumentals von den beklemmend fremdartigen Creative Juices-Beats bis hin zu klassischer Eastcoast-Kost reicht. "Barn Axe" wird beispielsweise erst durch die penetrante Vorstellung Progresso's zu einem Highlight - dafür jedoch zu einem richtigen: "Excuse me Sir, but do you think murder's an art? But of course! Do you think happiness is being in the dark? But of course! Is the chainsaw really a choice of weapon? But of course! Do you really levitate heads during sessions? But Of course!". "Swamp Vapors" trägt mit seinen Streichern die Handschrift von Kryptonite, während IDE's Beitrag in "Long Winter" bedrückt vor sich herschreitet. "I Hate Myself" spricht Jak und lässt dabei prächtig verdrehte Rhymes, die man auf dem ganzen Album zuhauf bekommt, vom Stapel. Intensiviert wird der Hörspaß durch die Stimmlage, in der Progresso monoton seine Raps herunterrasselt. Oft dienen Samples zur Überleitung, wie auch im Fall des kargen und trotzdem starken "Stab Wounds". Selbige Eigenschaften treten auch in "Bleeding Forest" zutage, in dem Jak in drei Minuten weitere Fakten über sein Leben und seine Ansichten preisgibt - von seinem (seiner Freundin nicht mundenden) Ejakulat zum übermäßigen Drogenkonsum. "Skool Lunch" beginnt als Brief aus einem Summer-Camp und verläuft sich dann in amüsanten Auswüchsen: "I start fist fights with younger cats right in front of their cribs that involve their parents". Schon mit seinen Titeln kommt er seinen wirren Inhalten nahe: "Spiral Staircase" windet sich ab einer halben Minute als hypnotisches Instrumental - und was in Jak's "Yearbook" steht, will man gar nicht erst wissen. "Meditation" ist ein achtminütiger Posse-Track sowohl mit dem Creative Juices-Camp als auch dem johnny23-Kollegen LoDeck. Den glorreichen Abschluss bildet das "Pathetic Outro", das nach vier Minuten nächtlichem Grillengezirpe in einen versteckten Track übergeht, der mit seinem Hörnereinsatz der beste und vor allem atmosphärischste Anspielpunkt des Albums ist.


Fazit:
Jak Progresso ist Horrorcore-BoomBap auf Acid. Mit einer einprägsamen Performance macht er dieses Album zu einem Hörerlebnis, das in dieser Art recht einzigartig ist. Tracklängen spielen gar keine Rolle, von acht bis zu zwei Minuten wird alles geboten. Zwar wird hier jeder einen Track finden, der ihm nicht übermäßig zusagt, Aussetzer finden sich jedoch keine - dafür ist die Produktion der 2 Hungry Bros viel zu gut. Jak und seine Rhymes bedürfen auf dieser Platte sowieso keiner Kritik, dafür spielt er den verschrobenen Psychopathen viel zu gut - wobei es sich nicht bestimmen lässt, wieviel hier echt ist. Wer sich auf dieses Album einlässt, wird es nicht bereuen.

Gesamtwertung: 8.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Montag, 9. Februar 2009

Onyx - Bacdafucup

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date:
30. März 1993

Label:
JMJ Records (Rush Associated Labels)

Tracklist:
01. Bacdafucup
02. Bichasniguz
03. Throw Ya Gunz
04. Here 'N' Now
05. Bust Dat Ass
06. Atak Of Da Bal-Hedz
07. Da Mad Face Invasion
08. Blac Vagina Finda
09. Da Bounca Nigga
10. Nigga Bridges
11. Onyx Is Here
12. Slam
13. Stik 'N' Muve
14. Bichasbootleguz
15. Shifftee
16. Phat ('N' All Dat)
17. Da Nex Niguz
18. Getdafucout



1993, ein geschichtsträchtiges Jahr für HipHop - sowohl im Osten als auch im Westen. Eines der erheblichsten Ereignisse ist des Debütalbum dieser Gruppe - Onyx. Gegründet wurde das Quartet zwar schon früher (1988 in einem Barbershop), doch es ist erst der Deal, den ihnen Mentor und Entdecker Jam Master Jay verschafft, der zu diesem Album führt. Die Cousins Sticky Fingaz und Fredro Starr bilden zusammen mit Big DS und Sonee Seeza (zu dieser Zeit noch als Suavé aufgeführt) diese Formation und "Bacdafucup" nennt sich das Album, das komplett ohne Gäste auskommt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Als Klassiker und richtungsweisend wird das Album bezeichnet - und damit haben nicht im geringsten die Produktionen, die hauptsächlich von Chyskillz und Jam Master Jay selbst beigesteuert werden, etwas zu tun. Denn die sind größtenteils höchst typisch für ihre Zeit und beileibe nichts besonderes. Nein, was Onyx zu einem einzigartigen Phänomen macht, sind die Vorträge dieser Emcees: Es wird geschrieen, gegrölt und gebrüllt, natürlich eingedeckt mit einer gesunden Anzahl an Flüchen. Irgendwo muss man zugeben, dass dieses Konzept nicht sehr originell ist und zudem eigentlich auch kein Album ausfüllen kann - schon gar kein gutes Album. Weit gefehlt! Onyx können. Die Glatzköpfe (Bal-Hedz) werfen sich in ihre schwarzen Lumpen, schlüpfen in ihre Timberlands und ziehen böse Grimassen - fertig ist die "Mad Face Invasion". Darüber hinaus haben sie auch auf lyrischer Ebene einiges zu bieten: Arrogant und in bester Proll-Manier wird die ganze Welt angerotzt. Diese wird Zeuge des Wahnsinns, der sich aus den Mündern der vier Emcees Bahn bricht. Den ungezügelten Aggressionen fällt auch die englische Sprache zum Opfer, die in fast allen Titeln nur noch bruchstückhaft verbleibt. Wer hier nicht mitgerissen wird, der wird abgerissen. Vor allem Sticky Fingaz nutzt seine Raps als Streitkolben, mit dem auf die Hörerschaft eingedroschen wird. Wer die Hasstirade "Bichasniguz" gehört hat, der weiß, wieso die simplen Beats hier so gut passen - alles andere würde viel zu sehr vom Wesentlichen ablenken. Und das sind nunmal die sich prächtig aufführenden Fratzenschneider. Allen Tracks voran galoppiert natürlich der Welthit "Slam" auf einer Welle entfesselter Energie, dicht gefolgt von der nächsten Hymne, "Throw Ya Gunz". Beide Tracks stechen mit den einprägsamsten Hooks der Platte hervor, wobei Sticky natürlich auch hier seine lyrische Raserei in keinster Weise zügelt:

"And unless you got 10 sticky fingers
It's straight imitation
A figment, of your imagination
But but but but wait it gets worse!
I'm not watered down, so I'm dyin' of thirst
"

Oft reichen die Tracks nicht aus, um den emotionalen Eruptionen als Plattform zu dienen. Deswegen finden sich auch einige Interludes ("Bust Dat Ass", "Da Mad Face Invasion", "Bichasbootleguz" oder auch das "Bacdafucup"-Intro), in denen dem Hörer rohe Wortfetzen entgegengepfeffert werden. "Ayo, what about tha hoes??". Das fragen sich auch Onyx und widmen dem weiblichen Geschlecht zwei Tracks, die sich nicht gerade durch politische Korrektheit oder Toleranz hervortun: In "Da Nex Niguz", einer Abrechnung mit allen untreuen "Bitches", werden unterhaltsame Geschichten ausgetauscht, während "Blac Vagina Finda" selbsterklärend ist. Irgendwo, vor allem bei Kenntnis des zwei Jahre später erscheinenden nächsten Albums, ist dieses Album jedoch über seine ganze Spieldauer hinweg mit einer nahezu heiteren Atmosphäre belegt. Das liegt daran, dass in Tracks wie "Nigga Bridges" Trompete und Saxophon zum Einsatz kommen, ebenso wie an der Tatsache, dass man den Lines nie ohne Lächeln lauschen kann - wahrscheinlich war auch genau das die Absicht von Onyx. Unter diesem Licht erscheint auch das Outro mehr als nur passend, das in seiner inhaltslosen einen Minute fordert: "Getdafucout"!


Fazit:
Hätte vor diesem Album jemand gedacht, dass man sich seinen Weg in den Rap-Olymp erschreien kann? Doch selbst wenn Onyx diese Leistung nicht gelungen wäre, so wären die vier Irren wahrscheinlich zu den Ehrwürdigen hinaufgeklettert und hätten die Tore zu dem ihnen zustehenden Platz eingerissen. Mit den Mitgröl-Hymnen, die Onyx der HipHop-Welt bescherten, schuf sich dieses Quartett seine ganz eigene Nische im Hardcore-Rap. Ein wirklicher Klassiker ist "Bacdafucup" allerdings nicht, dafür fehlt dem Album ein Konzept, die Ausgereiftheit des zweiten Albums oder ein sonstiges i-Tüpfelchen. Doch wer will sich beschweren? Einzigartig ist der Longplayer trotzdem und wer ein bisschen Dampf ablassen will oder einfach nur die gute Laune ausschöpfen will, die dieses Album macht, der sollte "Bacdafucup" mal wieder in den Player werfen.

Gesamtwertung: 8.6 / 10

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CunninLynguists - Will Rap For Food

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Release Date: 20. Oktober 2001
Label: FreshChest Records

Tracklist:
01. Will Rap For Food
02. Lynguistics
03. Mic Like A Memory (Feat. Kory Calico)
04. So Live!
05. Hey
06. Fukinwichu
07. Ain't No Way (Feat. Mr. SOS & Anetra)
08. Missing Children (Feat. Braille)
09. Midnight
10. Thugged Out Since Cub Scouts (Feat. Jugga The Bully & Mr. Raw)
11. Kno's Diggin'
12. Halfanimal
13. Family Ties (Feat. Cashmere The Professional)
14. Dirty South
15. Mindstate
16. Takin' The Loss (Feat. Jugga The Bully)
17. Not Guilty
18. 616 Rewind (Feat. Tonedeff, Sankofa, Kashal-Tee & Celph Titled)



Wer kennt sie nicht, die CunninLynguists. Ein lustiger Name und zwei abgebrannte Typen, die ihre Rap-Künste für eine Handvoll Wechselgeld anbieten - das können nur KNO und Deacon Da Villain sein, die für das Cover ihres Debütalbums posieren. Doch hier hat man es nicht etwa mit herkömmlichen Conscious-Rappern aus New York zu tun - die beiden stammen aus Kentucky bzw. Georgia und halten somit für den dreckigen Süden die Flagge in die Höhe. Da "Will Rap For Food" trotzdem kein Standard-South-Album ist, darf man sich der interessanten Voraussetzungen erfreuen, unter denen dieses Album entstand.

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Dieses Duo in Produzent und Rapper einzuteilen, wäre nicht ganz korrekt, da KNO zwar fast alle Beats zum Album schustert, jedoch auch immer am Mic steht. Deacon ist übrigens auch des Produzierens mächtig, steht aber hier nur für einen Track hinter den Knöpfchen. Mit Gästen wie J. Bully, Celph Titled oder Tonedeff ist ein klarer Einfluss der Ostküste nicht von der Hand zu weisen, wobei man in diversen Pressetexten auch Vergleiche zu Outkast finden wird. Wen wundert es da, dass sich CL mit ihrem ersten Album einen Marken-Sound kreieren, der auch heute noch hochgelobt wird. Da sich dieser Sound aus mehreren Teilen zusammensetzt, fängt man am besten gleich mit ein paar Beispielen an. Die Skits, zu denen auch das "Will Rap For Food"-Intro zählt (die sonst allerdings am Ende einiger Tracks anzutreffen sind), setzen das ganze Album in einen Rahmen, der sich selbst nicht zu ernst nimmt. Hier wird die eigene Profession, und vor allem auch der ein oder andere Trend, mit einem Augenzwinkern bedacht. Mit kurzen Instrumental-Interludes wie auf "Hey", "Midnight", "Kno's Diggin'" oder "Dirty South" wird der von Kno betriebenen Kunst dann trotzdem besonderer Platz eingeräumt, der die restlichen Tracks gekonnt verbindet und sehr förderlich für den Gesamtcharakter der Scheibe ist - mit"Not Guilty" bekommt ein solches Instrumental sogar dreieinhalb Minuten Spielzeit. Die verbleibenden Tracks lassen sich ebenfalls sehr gut in zwei Kategorien einteilen, wobei beide relativ unterschiedlich und trotzdem dem typischen CL-Sound zugehörig sind. Die erste Partei eröffnet mit "Lynguistics": Wild tanzende Streicher, ein paar gut gesetzte Cuts und bestens aufgelegte Raps sind für den ersten Representer und diese sich selbst feiernde Hymne verantwortlich, die noch heute der Track ist, der, in Bezug auf die CunninLynguists, meist an erster Stelle genannt wird. "The music makes me high / Even though I stay away from Cannabis like Wyclef" - herrlich. Auch in "So Live" rollt die Maschinerie mit Vollgas und dem von Celph Titled produzierten Instrumental haftet sogar ein Hauch von Old School an. "Thugged Out Since Cub Scouts" denkt gar nicht erst daran, das Niveau absacken zu lassen, während man nie vergisst, dass der Wind von Süden weht. Für "Fukinwichu" tritt der Representer-Aspekt in den Hintergrund, um gute Laune aus allen Rohren zu blasen und die entspannteste Nummer des Albums aufzutischen. Vollgas gegeben wird dann wieder mit dem Streichergetriebenen "Ain't No Way" und dem genickbrechenden "Halfanimal". Kurz gesagt: Partei Eins prescht nach vorne und gibt den Fans bei jedem Live-Auftritt einen Grund, ins Schwitzen zu kommen. Die andere Hälfte der Tracks stellt das Gegenteil dar: Nachdenkliche und sehr persönliche Texte werden über teils äußerst melancholische Melodien preisgegeben. So handelt das selbsterklärende "Family Ties" von kaputten Vater-Sohn-Beziehungen, während in "Mic Like A Memory" über schlechte Zeiten sinniert wird, in denen man am besten nicht zur Flasche, sondern eben zum Mic greift. So, dann fehlt ja nur noch ein Track. "616 Rewind" gehört wieder zur Kategorie der Songs, die einfach nur Spaß machen. Mit einem atemberaubenden Auftritt von Tonedeff und den großartig direkten Lines von Celph Titled bekommt man hier noch einmal ein absolutes Highlight, das dieses Album abschließt.


Fazit:
Für jemanden wie mich, der in erster Linie Non-Gangsta Rap und somit wenig Südstaaten-Rap hört, gibt es von der dritten Küste wenig Pflichtprogramm. CunninLynguists sind jedoch genau das. Spaß an der Arbeit, Vielfalt und eine Frische, die man im Osten oftmals vergebens sucht. Das Schöne an "Will Rap For Food" ist dabei, dass fast jeder Rap-Hörer diesem Album etwas abgewinnen können wird. Da Tracks wie "Lynguistics" auf späteren Alben immer seltener wurden, ist dieses, das Debütalbum, als das beste Machwerk der Gruppe anzusehen. Mehr muss hier nicht gesagt werden.

Gesamtwertung: 8.6 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Samstag, 7. Februar 2009

Cormega - The Realness

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 24. Juli 2001
Label: Legal Hustle Entertainment / Landspeed Records

Tracklist:
01. Dramatic Entrance
02. American Beauty
03. Thun & Kicko (Feat. Prodigy)
04. The Saga
05. R U My Ni**a?
06. Unforgiven
07. Fallen Soldiers
08. Glory Days
09. Rap's A Hustle
10. Get Out My Way
11. You Don't Want It
12. 5 For 40
13. They Forced My Hand (Feat. Tragedy Khadafi)
14. Fallen Soldiers (Remix)



Von den Queensbridge-Helden der Neunziger gibt es nicht mehr viele, die sich ihren Ruhm bis zum heutigen Tag erhalten haben. Cormega allerdings hat auch heute noch so viel Respekt in den Taschen, dass ihm die Nähte zu reißen drohen. Die Verantwortung hierfür tragen mitunter seine ersten Alben, die wesentlich zum respektierten QB-Sound beigetragen haben. Da sein Album "The Testament" mit Def Jam gecancelt wurde, ist es erst 2001 "The Realness", das über Landspeed erscheint und das Debüt von Cory McKay darstellt. Und wenn jemand diesen Titel wählen darf, dann ist es Mega.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Im Gegensatz zu einem Tragedy Khadafi war Cormega nie besonders politisch ausgerichtet, sondern ist eher bei den anderen QB-Kollegen einzuordnen, die den Alltag und dessen Missstände in ihren Lyrics widerspiegeln. Bei den Produzenten findet man neben einigen Schwergewichten auch unbekannte Namen. Ayatollah, J-Love, Alchemist, Godfather Don und der spätere Sha Money XL als Sha-Self sind die Namenhaften und versprechen gemäßigten, doch sehr guten QB-Sound. Wenn Hav mit dem Beat und Prodigy mit einem Packen Rhymes vorbeischauen, kann sowieso wenig schiefgehn. Zumal sich Havoc in "Thun & Kicko" eher am rohen, puren Sound früherer Tage orientiert und nicht an jenem, den es noch im gleichen Jahr auf "Infamy" zu hören geben wird. Ansonsten bewegt sich Cormega im bekannten Street-Gefilde, das von soulful bis zu trocken und düster reicht. Auch wenn er dabei, wie jeder andere auch, von guten Produktionen abhängig ist, gehört Mega doch zu jener Kategorie, die einen solch hohen Wiedererkennungswert und eine entsprechend prägnante Persönlichkeit haben, um sich in jeder Situation der Aufmerksamkeit der Hörer sicher zu sein. Dazu kommt seine sehr geschmeidige Stimme, die Tracks wie das sanfte und doch druckvolle "Dramatic Entrance" zum reinsten Genuss macht. Wie sicherlich die meisten wissen, fühlt sich Cormega in dieser Beat-Umgebung am wohlsten, was auf dem ein Jahr später folgenden Album überdeutlich werden soll. Auch "The Realness" beinhaltet weitere solcher Stücke: "Glory Days" profitiert von verhaltenem Streicherteppich und schummrigem Voice-Sample, "The Saga" schlägt in dieselbe Kerbe. Dass Cormega in seinen Raps vornehmlich Verrat und das harte Straßenleben abhandelt, ist bei einer Vergangenheit als Hustler, seinen ersten Label-Erfahrungen und der ganzen Firm-Geschichte (seiner ursprünglichen Aufstellung in Nas' Supergruppe, dem Kick und dem Ersatz durch Nature) kein Wunder. "R U My Ni**a?" fragt er sich, während er über das Instrumental so elegant flowt, als bestünde es aus Porzellan.

"Ask yourself, am I your man
Would I die for you or by your hand
If I go broke, would you divide your grand, put me in your plans
Hold me down with your heat if my shit jams
"

Es werden keine großen Transferleistungen vom Hörer verlangt, Mega rappt, was ihn bewegt - was in keinester Weise mit einem abwerten Beigeschmack aufgefasst werden darf, denn der Mann am Mic macht seinen Job außerordentlich gut. In "Fallen Soldiers" wird den Verstorbenen gedacht, in "American Beauty" wird das Genre wieder einmal personifiziert (und ist natürlich weiblich). Neben einem kurzen Acapella-Interlude, von dessen Sorte sich auch auf seinen anderen Alben Vertreter finden, zeigt Mega, dass er auch mit allen anderen Situationen, die ihm seine Produzenten vorsetzen, fertig wird. Godfather Don schickt aus seiner Schmiede ein kostbares Juwel ("You Don't Want It"), das dem Eastcoast-Fan mit einer simplen Piano-Line das Herz aufgehen lässt. "Unforgiven" tut sich als düsterste Nummer hervor, während "Get Out Of My Way" als einziger großspuriger, pompöser Representer mit seinen Fanfaren ebenfalls bestens funktioniert. Als eines der absoluten Highlights zu nennen ist "They Forced My Hand", das auch auf Tragedy's Album zu finden ist - ein Klassiker, zu dem es nichts mehr hinzuzufügen gibt.


Fazit:
Auf der einen Seite ist es natürlich schade, dass Cormega erst dann anfing, seine Alben zu veröffentlichen, als sich die Rap-Aktie der Queensbridge bereits in der bis heute andauernden Rezession festgefahren hatte. Andererseits zeigt gerade die Stärke von "The Realness" auch das Können dieses Artists, der sich seinen Respekt und auch die berechtigte Wahl seines Albumtitels mehr als nur verdient hat. Cormega der Straßenpoet hat den richtigen Riecher bei seinen Instrumentals und stellt somit ein Album auf die Beine, das nicht nur für QB-Fans ein Muss ist. "The Realness" ist ein sehr starkes und vor allem herrlich unverwässertes Album - und zwar nicht nur im Bezug auf auf den Jahrgang 2001.

Gesamtwertung: 8.2 / 10

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Sonntag, 18. Januar 2009

Cyne - Evolution Fight

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Release Date: 29. August 2005 (D) / 05. September 2005 (US)
Label: City Centre Offices

Tracklist:
01. Plight About Now
02. Soapbox
03. Evolution Fight
04. Haze
05. Rousseau (Feat. Rico Suave)
06. Fuck America
07. Growing (Feat. Lula Dawit)
08. Rappin'
09. Automaton
10. Arrow Of God
11. Running Water
12. Up Above
13. Deferred
14. Moonlight



Im Jahr 2008 konnten Cyne mit ihrem Doppelschlag ihrem Bekanntheitsgrad einen erheblichen Schub nach oben versetzen. Davor waren sie mit einigen EPs und zwei Alben eher ein Geheimtipp. Doch bereits mit ihren früheren Releases konnte die große, in Gainesville, Florida hausende Alternative zum platten Miami-Sound nur Lob einfahren. Nachdem "Time Being" die Erzeugnisse der ersten Jahre zusammengefasst hat, ist "Evolution Fight" im Jahr 2005 der zweite Longplayer von Akin, Cise Star, Enoch und Speck, der den bereits auf die Beine gestellten eigenen Sound weiter manifestieren soll.

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Was bei Cyne seit jeher einzigartig war, ist die Dynamik, die diesem Quartett innewohnt. Enoch und Speck sind die Dirigenten im Hintergrund, die den Sound des Albums zusammenstellen, während Akin und Cise Star am Mic ihren Teil beitragen. Cyne gehen dabei immer mit einer unbelasteten Leichtigkeit ans Werk, die einerseits das Markenzeichen ihres Sounds ist und die es andererseits auf ganzer Linie unnötig macht, hektische oder gar aggressive Töne anzuschlagen. Deshalb findet man solche Songs bei Cyne in der Regel nicht. Es läge auch nicht in der Natur der beiden Emcees, sich diesem Stil zu verschreiben: Cise Star nennt eine äußerst gewöhnliche und leicht helle Stimme sein Eigen, die seinen Raps immer einen leicht heiteren Ton verleiht. Als Ergänzung agiert Akin, dessen Stimme tiefer angesiedelt ist und der in seiner ergreifenden und bedächtigen Art entweder seinen Partner komplettiert oder aber einem Song eine ganz eigene, oft sehr schwermütige Note verleiht. Unter diesen Voraussetzungen machen sich Cyne also ans Werk, unsere "New Experience" zu kultivieren. Und eines muss man gleich zu Beginn eingestehen: "Plight About Now" ist der Prototyp eines Einstiegstracks, der leicht von den Percussions Femi Kako-Addies geprägt wird und mit den einsetzenden Trompetenklängen eine schön ansteigende Treppe zur Plattform, auf der dieses Album residiert, bietet. Mit den ersten Rhymes von Akin ist klar, wo der lyrische Schwerpunkt dieses Albums liegt. Cyne setzen sich vornehmlich mit den Missständen der eigenen Gesellschaft auseinander, wobei die Scheuklappen des Einzelnen aus einer unteren sozialen Schicht abgenommen werden und das große Ganze betrachtet wird. Dazu servieren Enoch und Speck Feel-Good-Music, wie man sie besser kaum findet. Was sehr paradox und unpassend klingt, funktioniert bestens - auf zwei Ebenen, denn man kann dieses Album genießen, egal ob man auf die Texte achtet oder nicht. Die Beats sind einzuteilen in sehr ruhige und introvertierte Nummern, die meist Akin minimal besser zu Gesicht stehen, und in die eigentlichen Highlights, die federleicht zusammengesetzten und trotzdem unheimlich kraftvoll wirkenden Kopfnicker, auf denen wiederum Cise Star ein wenig besser klingt. In die erste Sparte fallen zum Beispiel der Titeltrack "Evolution Fight" und "Rousseau", die beide sehr langsam gehalten sind und somit das Tempo aus dem Album herausnehmen. Auch "Rappin'" gehört mit gefühlvollem Klaviereinsatz zu dieser Klasse, ebenso wie das von Cise an seine Mutter gerichtete "Up Above". Durch die Einteilung der Instrumentals lässt sich ein sehr gut umgesetztes Wechselspiel zwischen den verschiedenen Songs beobachten, wie beispielsweise, wenn der schon erwähnte Titeltrack vom großartigen "Haze" abgelöst wird, das am trefflichsten als musikalischer Sonnenschein umschrieben werden kann. Nichts anderes gilt für "Soapbox", das mit gelooptem Voice-Sample bestückte "Automaton" oder das elegante "Moonlight" - die gute Laune, die Enoch und Speck hier heraufbeschwören, ist unbezahlbar. Nicht unerwähnt bleiben darf "Arrow Of God", das als Kombination der Essenzen dieses Albums und als bester Beitrag der zwei Produzenten auch das absolute Highlight der Scheibe markiert. Zudem gehören Akins Ausführungen über Fragen der Transzendenz und der Ewigkeit zum Besten, was die Platte auf lyrischer Ebene zu bieten hat:

"Celebrate life and death in the same vein
And those that are gone I mourn but it's from pain
Live and let die, some thoughts I been thinking bout
Not fascinated by death, but just hear me out
Live and let die, see you in the whirlwind
Grandmother, see you soon when my world end
[...]
See I ain't like y'all, I don't read much
Biblical words ain't shit, fuck Jesus
I just live now, perhaps regret later
Don't call me atheist, I do believe that God's greater
"

Natürlich ist auch auf diesem Album nicht alles perfekt. "Fuck America" kann mit seinem durchschnittlichen Beat die Erwartungen des Titels leider nicht erfüllen. Das war jedoch auch schon der einzige ernsthafte Kritikpunkt. Mit "Running Water" brechen Cyne dann aus ihrem gewöhnlichen Schema aus und erzeugen eine nahezu dissonante Atmosphäre, die jedoch trotzdem sehr gut funktioniert und für einen sehr markanten Anspielpunkt sorgt, von dem ich persönlich froh bin, dass er es auf's Album geschafft hat.

Mit "Evolution Fight" fügen Cyne ihrem ganz eigenen Sound-Universum ein weiteres Puzzle-Teil hinzu. Dass dabei größtenteils auf Hilfe verzichtet wurde, ist nur gutzuheißen, denn benötigt wird diese ganz sicherlich nicht. Erstaunlich ist es bei jedem Track aufs Neue, wie wunderbar die Produktionen mit den beiden Herren am Mic harmonieren. Und auch wenn dieses Album als Einheit nicht perfekt ist, so verdienen Cyne doch Respekt dafür, wie unbekümmert sie ihr eigenes Ding durchziehen. Dieses Album sollte für jeden Non-Gangsta-Sammler mehr als nur interessant sein.

Gesamtwertung: 8.1 / 10

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