Sonntag, 28. Dezember 2008

Hyenas In The Desert - Die Laughing

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 20. August 1996
Label: Slam Jamz / Columbia

Tracklist:
01. Elephant Graveyard
02. Can You Feel It
03. Wild Dogs
04. The Longest Night (Journal #1)
05. Concubinez
06. Why Me
07. Fresh Meat
08. Hyenas In The Desert
09. Other Side Of Midnight



In den Tiefen des Rap-Universums stößt der Suchende immer wieder auf höchst interessante Funde. Wie beispielsweise dieses Teil hier. Die Hyenas In The Desert sind eine Gruppierung aus Long Island, NY, die mit "Die Laughing" ihren ersten Output vorlegt - in EP-Länge. Wer sich schwer tut, dieses Release einzuordnen, für den seien hier ein paar weitere Facts genannt: Die EP ist das erste Release über Chuck D's Label Slam Jamz und wurde komplett produziert Gary G-Wiz produziert, der durch seine Mitgliedschaft bei der Bomb Squad bekannt sein dürfte.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Bei dem durchschnittlichen Eastcoast-Liebhaber dürfte hier Freude aufkommen. Denn bei einem Grundkonzept, wie es der Gruppenname nun einmal mit sich bringt, fehlt meist nicht mehr viel zur guten Musik. Die Hyenas also ziehen in keine Shaolin-Kloster, sondern ebnen ihren Großstadtdschungel in eine Savanne ein. Das logische Äquivalent zum vermummten, bzw. maskierten Villain, der auf dem Cover auch gemimt wird, ist natürlich die Hyäne, der mit knochenzermalmenden Kiefern ausgestattete Rudeljäger und Aasfresser - was sich natürlich gleich auf den Härtegrad dieser Scheibe münzen lassen will. Doch ganz so einzigartig böse geht es dann doch nicht zu. Sicherlich findet Gary G-Wiz einen sehr passenden Sound für die Emcees Kendo & Co.: Langsam schraubende Bässe, minimalistisch eingesetze Klavierklänge und als Markenzeichen zwischen den Tracks immer wieder das kläffende Lachen der Namensgeber aus der Tierwelt. Am Mic tut sich zwar einiges, aber nicht genug. Kendo ist seines Fachs zweifelsohne kundig, aber im Konzept dieser Gruppe wünscht man sich doch viel eher ein Unikat, das hier in blutdürstender Stimmlage seine Lyrics aus der Hölle abonniert - wie es zu dieser Zeit zum Beispiel auf die Sunz Of Man zutrifft. So entfällt die Option des Klassikers und man erhält schlichtweg sehr guten Eastcoast-Rap der gesund harten Sorte. Herausstechendes Highlight ist dabei eindeutig "Concubinez", das, unterstützt durch sein Video, wirklich ein klein wenig Wahnsinn aus dem Nähkästchen entsteigen lässt. Doch Hyänen-Gekläffe kann man eben nicht in jeden Song einbauen und auch die stampfenden Drums findet man nur an dieser Stelle, womit man bei den restlichen Songs zum oben schon erwähnten, konservativeren Schema zurückkehrt. Doch das hindert die, vom großartigen "Elephant Graveyard" perfekt eingeleiteten Stücke "Can You Feel It" und "Wild Dogs" nicht daran, sich der Hörerschaft als Vorzeige-Kopfnicker vorzustellen. Nachdem "The Longest Night" auf die Willkür der Staatsgewalt hingewiesen hat, bekommt man das ruhige und klagende "Why Me vorgesetzt, das nicht minder gut ist. Die Tore schließen sich mit dem selbstbetitelten "Hyenas In The Desert" und dem düsteren "Other Side Of Midnight", in dem nochmals mit allen Fakes abgerechnet wird.


Fazit:
Da sich unter den neun Tracks der Scheibe nur sechs richtige Songs befinden, hat dieser Spaß nach 25 Minuten ein Ende. Man verlässt diese EP in dem Wissen, dass mit den Hyenas In The Desert leider keine revolutionäre Vereinigung den Rap-Ring bestiegen hat. Somit ist es kein Desaster, dass "Die Laughing" das einzige je veröffentlichte Machwerk der Gruppe bleibt. Andererseits ist es jedoch mehr als nur schade, da ein solches Album das Potential zu einem weiteren Geheimtipp allemal gehabt hätte. Mit einer eigenen (Duft-)Note konnten die Hyenas ihre EP definitiv markieren. "Die Laughing" selbst ist durchaus auch schon als Geheimtipp zu bezeichnen, wird aber in der Endnote aufgrund der Länge noch eine halbe Krone kürzer gemacht.

Gesamtwertung: 7.3 / 10

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Rodan - Theophany: The Book Of Elevations

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 04. Februar 2004
Label: Day By Day Entertainment

Tracklist:
01. Intro (Peri-G) / Wind Before The Storm
02. The Conqueror
03. F.E.D.'s (Faggot Evil De-Vines)
04. No Snakes Alive Pt. II (Feat. Shaman)
05. Roll Call (Feat. Kong, Kamackeris & Gigan)
06. War In Heaven Pt. I
07. Erotic Peaks
08. Flight Lessons (Lyric Medley)
09. Sumthin' To Prove (Remix)
10. No Degrees
11. War In Heaven Pt. II
12. The Wilderness
13. G.O.D. (O'mighty)
14. Human Inquisition
15. Outro (Apo-G)
16. Century 21 (Feat. Megalon)
17. Run The Sphere V.2.3 (Feat. Monsta Island Czars)
18. Ability To Speak (One Week)



Von den Monsta Island Czars gab es bis ins Jahr 2004 nur Solo-Releases von Doom, Grimm und X-Ray. Nachdem man mit der Veröffentlichung von "Escape From Monsta Island!" allerdings Solos von so ziemlich allen Czars angekündigt hatte, ist es 2004 Rodan, Gründungsmitglied von KMD, der diese Ankündigungen, wenn auch mit Verspätung, als erster wahr macht. "Theophany: The Book Of Elevations" erscheint über Grimms Label Day By Day Entertainment und lässt auf ein Album im typischen Monster-Stil hoffen.

Dass hier etwas höher gegriffen wird, offenbart schon der Titel mit dem trefflich passend gewählten Cover: Theophanie - eine Gotteserscheinung - ist das Hauptkonzept, erweitert durch die Anlehnung an die Offenbarung des Johannes. Der Sound wird größtenteils von X-Ray bereitgestellt, womit dem Anschluss an die qualitativen Höhenflüge der Monster Mixes oder des Gruppenalbums nichts mehr im Wege zu stehen scheint. Den eingefleischten Fans wird auch schon eine ganze Reihe an Songs bekannt sein: Neben den Tracks, die es schon auf den Monster Mixes zu hören gab, existiert nämlich noch die sechs Tracks starke "Flight Lessons EP" aus dem Jahr 2002, die komplett in diese Platte integriert wurde. Bezeichnend für das Album ist schon der Beginn, den ein Sample des Films "The Prophecy" (1995) macht:

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"Did you ever notice how in the Bible, when ever God needed to punish someone, or make an example, or whenever God needed a killing, he sent an angel? Did you ever wonder what a creature like that must be like? A whole existence spent praising your God, but always with one wing dipped in blood. Would you ever really want to see an angel?"

Dies markiert den Auftakt zu "Wind Before The Storm". X-Ray gönnt dem Hörer keinen gemächlichen Einstieg, sondern wirft gleich zu Beginn eines seiner düstersten Instrumentals ins Geschehen, das mit seinem Streicherteppich ein fabelhaftes musikalisches Motiv für den, das Cover zierenden, apokalyptischen Engel abgibt. Dem Beat in seiner Dramatik ebenbürtig ist jene Sekunde, in der Rodan sein erstes Wort abfeuert. Im Rap-Game gibt es keinen anderen Akteur, der eine kühle Stimme und einen rasanten und schlichtweg brutalen Flow so in Szene zu setzen zu weiß. Zudem ist das, was Rodan zu erzählen hat, auf ganz hohem, sich beispielsweise abstrakt oder ironisch kleidenden, Niveau angesiedelt. Selbst wenn einem die Lyrics auf Papier beigelegt würden, man würde hier mit jedem Hörgang Neues entdecken. Jeder Track ist somit in zweierlei Hinsicht besonders - denn selbst ohne Rodan ist auch die Produktion auf "Theophany" erstklassig. Was zuerst nach schlecht abgemischten Lo-Fi-Produktionen riecht, beschert dem ganzen Album eine dichte Atmosphäre, in der die messerscharfen Worte Rodans mühelos ihre Bahnen ziehen. Nicht nur X-Ray, sondern auch RAVAGE, seines Zeichens Monster aus der jüngeren Generation, verewigt sich mit grandiosen Beiträgen. Die beiden Teile von "War In Heaven" krallen sich ein Sample des Transformers-Theme, was überraschenderweise in perfektem Monster-Sound-Kostüm resultiert. "Century 21" sampled Alanis Morissette ("Thank U"), um dem harmonierenden Duo Megalon / Rodan ein weiteres Monument eines Beats zu bieten. "F.E.D.'s (Faggot Evil De-Vines)" hingegen ruft, weitaus konservativer, ein Method Man-Sample auf den Plan, während auch Rodan hier eine thematische Landung bei den Problemen des Ghetto-Lebens vornimmt. Abgehoben wird dagegen in Tracks wie "Flight Lessons" oder dem Remix zu "Sumthin To Prove", wobei beat-technisch etwas abgespeckt wird, um den Fokus voll und ganz auf das Ausnahmetalent am Mic zu setzen: "Ayo, my name was Rodan before the wack Godzilla blockbuster / My name was Rodan before stellar dust collected into the first star cluster" - das war im Original von "Sumthin' To Prove" großartig, und das ist es hier immer noch. Der thematische Exot dieser Scheibe ist "Erotic Peaks", in dem Rodan einen lyrischen Soft-Porno kreiert, der gar nicht erst mit den plumpen Ausführungen gewisser Rap-Kollegen verglichen werden sollte. "G.O.D. (O'mighty)" dreht sich um den "Great O'mighty Dollar" und die von RAVAGE genial produzierte "Human Inquisition" rechnet radikal mit der den Autor anwidernden Menschheit und zudem den Vereinigten Staaten ab. Generell scheinen die Wirren und Widersprüche der menschlichen Existenz ein Thema zu sein, das Rodan beschäftigt - zu Tage tritt dies in "The Wilderness", welches von einer simplen Piano-Line, die sich augenblicklich im Gedächtnis festsetzt, unterlegt ist. Bis jetzt noch gänzlich unerwähnt sind die beiden Posse-Tracks. "Run The Sphere V.2.3" erhebt sich mit düsterer Produktion und seinem Line-Up automatisch zum Brecher. Auch "Roll Call" ist nicht weniger als eine Bombe, die mit Kamackeris, Kong und Gigan (von denen es allerdings keiner vermag, gegen Rodan zu bestehen) hervorragend besetzt ist. Schlussendlich sollte Rodan selbst noch einmal zu Wort kommen, wenn er im abschließenden "Ability To Speak (One Week)" erneut ein Feuerwerk an schwerverdaulichen Rhymes abbrennt: "We monsters and men / Gods and animals / Embody the human dichotomy / Mythical spirits intangible / Consume flesh and vegetables / Killer instincts with cannibal / In my city fantasy video / Produced by me and my manski / Directed by Rodan Polanski."


Fazit:
Immer, wenn Rodan auf "Escape From Monsta Island!" seinen Einsatz hatte, lief dem Hörer (bzw. mir) aufgrund dieses stählernen Flows ein Schauer über den Rücken. Dies nun ist das Soloalbum, das diese Action auf eine volle Stunde ausdehnt. Zusammen mit dem hier gebotenen Sound, den Fans von rohem Eastcoast-Rap zu schätzen wissen sollten, erhält man "Theophany" - nicht weniger als einen Klassiker, der die volle Aufmerksamkeit des Hörers fordert. "You gotta decipher it", meint Rodan selbst. Um nun zu einem Ende zu kommen: Mit einem der besten Releases des neuen Jahrtausends und dem besten Soloalbum aus der Czars-Ecke begeht Rodan seinen Solo-Einstand. Dieser Herr ist und bleibt einer der besten mir bekannten Rapper, sei es aufgrund seiner Inhalte oder seines ihn auszeichnenden und eigenen Flows.

Gesamtwertung: 9.4 / 10

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Freitag, 26. Dezember 2008

G-Unit - Beg For Mercy

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Release Date: 14. November 2003
Label: G Unit / Interscope Records

Tracklist:
01. G-Unit (Feat. Tracie Spencer)
02. Poppin' Them Thangs
03. My Buddy
04. I'm So Hood
05. Stunt 101
06. Wanna Get To Know You (Feat. Joe)
07. Groupie Love
08. Betta Ask Somebody
09. Footprints
10. Eye For Eye (Feat. Tracie Spencer)
11. Smile
12. Baby You Got
13. Salute U
14. Beg For Mercy
15. G'D Up
16. Lay You Down
17. Gangsta Shit
18. I Smell Pussy



Auch die vielgehasste G-Unit hat sich, bei all dem Trubel, mit dem sie die HipHop-Welt inzwischen seit Jahren unterhält, eine genauere Beleuchtung ihres Gruppendebüts verdient. Wohl jeder hat sich, egal ob nun freiwillig oder nicht, schon mit 50 Cent, Lloyd Banks, Young Buck und Tony Yayo auseinandergesetzt, weswegen zu nahezu keiner anderen Gruppe an dieser Stelle weniger Einleitendes geschrieben werden muss. Vielleicht, dass diesem Album eine ganze Palette an Mixtapes vorausging, von denen die inzwischen ellenlange "G-Unit Radio"-Reihe nur ein Beispiel ist. Da Yayo es fertig gebracht hat, vor den Aufnahmen des Albums einzuwandern, erscheint "Beg For Mercy" (fast gänzlich) ohne ihn.

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Wer diesem Album schon vor Veröffentlichung einen tosenden Untergang prophezeit hat, der hätte besser einen Blick in die Producer-Liste geworfen, die bei völligem Fehlen von Gast-Raps als einziger Hinweis dient. Und was dort in den Credits geschrieben steht, klingt gar nicht so schlecht. Renommierte Größen von breit variierendem Bekanntheitsgrad gehen ans Werk. Die kompromisslose Härte, die der Albumtitel proklamiert, schallt dann aber erwartungsgemäß doch nicht aus den Lautsprechern. Hi-Tek eröffnet mit eingängigem Piano-Loop, während sich die Gorillas auf "G-Unit" selbst feiern. Ein weiterer Beat des Reflection Eternal-Mitglieds aus Cincinnatti läuft dem Hörer in "Eye For Eye" über den Weg, und auch an diesem Anspielpunkt wird solide Produktionsarbeit geleistet. Generell kann fast allen Instrumentalkontributionen zu solider Hörbarkeit gratuliert werden. Zwischendurch sollte jedoch auch ein Wort zu den Herren am Mic verloren werden. Da es genügend Rap-Fans gibt, die schon beim Klang eines 50 Cent abwinken, sei diesem Anteil der Leserschaft gesagt: Zwecklos - ihr werdet hier nicht glücklich. Ansonsten muss man allen Gorillas einen soliden Flow zugestehen. Inhaltlich steckt man sich seinen Quadratmeter sorgfältig ab, um diesen dann während des gesamten Albums rauf- und runterzubeten. Allerdings sollte man Kritikern dieses Aspekts die Frage stellen: "Was habt ihr denn erwartet?" - dass 50 Cent seit dem Vertrag mit Interscope zum großkotzigen Vorläufer der Eastcoast-Bling-Bling-Generation mutiert ist, wird nicht erst mit diesem Album enthüllt - und dass seine Lakaien ihm (zu diesem Zeitpunkt zumindest) auf Schritt und Tritt folgen, ebensowenig. Wenn nun also auf Scott Storch's "Poppin' Them Thangs" mit anerkennenswerter Selbstverständlichkeit eine Hymne für alle HipHop-Proleten aus dem Hut gezaubert wird, sollte man nicht klagen, sondern den großartigen Beat genießen. Ein andere "Stärke" dieser Platte sind die Hooks, welche die G-Unit selbst auf ihre Tracks montiert: Einprägsam bohren sich die simplen Aussagen in die Gehörgänge und machen es sich dort unaufgefordert gemütlich. "Baby U Got" und "Lay You Down" sind beides hervorragende Beispiele für äußerst mittelmäßige Ware, die erst von ihrem Chorus einen Charakter verliehen bekommt. Allerdings helfen die besten Hooks nicht, wenn über das gesamte Album hinweg in die gleiche Kerbe geschlagen wird - und beispielsweise bei "Lay You Down" ist das Album schon so weit fortgeschritten, dass Fitty's Androhungen nicht einmal mehr die Augenbraue nach oben wandern lassen. Desweiteren wäre da noch "Wanna Get To Know You", das als schmierig-softe Nummer mit einer versemmelten Hook von Joe regelrecht unerträglich gerät. Doch solange das Selbstvertrauen groß genug ist, wird sich zum Beispiel ein Young Buck an solcher Kritik nicht stören: "Look, I can't even walk through the mall no more / I just pull up, get out, and get all the hoes"


Fazit:
Am Ende von "Beg For Mercy" wird kein Hörer auf die Knie fallen und um Erbarmen betteln. Dafür ist das Album in jeglicher Hinsicht zu wenig fesselnd oder mitreißend. Auch um es als Ganzes anzuhören, ist es einerseits nicht gut genug und zu lang. Auf der anderen Seite finden sich, man danke der guten Wahl der Producer, etliche Beats mit Replay-Value auf diesem Silberling. Es ist zwar nicht sehr glorreich, dass dieses Album den bisherigen Höhepunkt der Gruppe darstellt, doch zum richtigen Zeitpunkt ist "Beg For Mercy" durchaus keine schlechte Wahl.

Gesamtwertung: 6.2 / 10

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X-Ray - Monsta Mixes 2

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Release Date: 26. Juni 2003
Label: Mindbenda Recordings

Tracklist:
01. The Beginning Of Space (Intro)
02. Witchcraft (Remix) (Feat. Monsta Island Czars)
03. Get Your Money Right (Feat. Kong)
04. It's Like That (Feat. B/Wyze)
05. A Monsta (Skit Beat)
06. My Favorite Ladies (Remix) (Feat. MF Doom)
07. Hell Razor (Feat. Megalon)
08. Smash This (Feat. Ray Long)
09. Monstaball
10. In Search Of (I.S.O.) (Feat. Gigan)
11. Evacuate The Club (Feat. Monsta Island Czars)
12. Mocknecks (Feat. Dirt Nation)
13. One Week (Feat. Rodan)
14. Live Life (Feat. Kamackeris)
15. Ride The Arrow (Feat. Spiega & King Ceasar)
16. A Giant Grave (Skit)
17. Now That's Sweet (Feat. Spiega)
18. Go With The Flow (Live) (Feat. MF Doom)
19. Wave Lenghts
20. Covert Op (Feat. Darc Mind)



Der Wahnsinn geht weiter: Nachdem erst ein Jahr zuvor der erste Teil der "Monsta Mixes" herausgebracht, zwischendurch und nebenbei mit "Escape From Monsta Island" ein Klassiker veröffentlicht wurde, sieht 2003 "Monsta Mixes 2" das Licht der Welt, natürlich wieder unter der Regie von X-Ray Da Mindbenda, dem nimmermüden Beatschöpfer der Monsta Island Czars. Natürlich spielt sich die Show über Mindbenda Recordings ab und natürlich hat man es wieder mit exklusivem Material der kompletten Truppe zu tun.

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Gleich zu Beginn darf man erfreut feststellen, dass die Aufmachung im Vergleich zum ersten Teil erheblich mehr Beachtung erfahren hat: Qualität des Covers ist nun normal, CD ordentlich gepresst und eine Art Inlay existiert auch. Ändert zwar nichts an der Musik, aber das Auge hört ja schließlich mit. Doch bezüglich der Musik braucht man sich auch keinen Kopf zu machen. Was Cover und Gästeliste schon erahnen lassen, trifft schlafwandlerisch sicher zu - hier wird so nahtlos an den ersten Teil angeknüpft wie nur irgend möglich. Das hält X-Ray allerdings nicht davon ab, einige kleine Dinge zu ändern: Vier Skits plus Intro wurden ins Album gestreut und bedienen sich diverser Monsterfilm-Samples, um zusätzlich Atmosphäre aufzubauen. Das gelingt auch vortrefflich - "The Beginning Of Space" lässt keinen Zweifel daran, dass es von Anbeginn der Zeit für seine Funktion als Intro vorgesehen war. Mit einem Remix zu "Witchcraft" schneidet man sich dann allerdings ins eigene Fleisch: Einem solchen Monument eines Songs im Remix nahezukommen, scheint schwer möglich. Und auch wenn dieser Beat, wäre er mit anderen Lyrics versehen worden, nur gelobt hätte werden können, verspürt man beim Hören den ständigen Drang zum Original. Das zweite Auflaufen der Czars ist kein Remix und verläuft in "Evacuate The Club" energiegeladen und aufbrausend nach Maß. Wie auch schon im ersten Teil besteht der Rest aus Solo-Tracks. Neuerung im Line-Up ist zum Beispiel B/Wyze, der im zurückgeschraubten "It's Like That" zu einem langsamen Piano seine Raps hervorpresst. Auch die Dirt Nation, eine Crew deren eines Drittel Kwite Def ist, bekommt mit "Mocknecks" einen Auftritt, der die kalte Luft New Yorks atmet. Noch trockener läuft Rodans Beitrag in "One Week", der natürlich die gewohnte Ausnahme-Rapshow des fliegenden Monsters bietet. Auch die restlichen Czars veranstalten mit ihren Auftritten ein gegenseitiges Überbieten. Megalon bekommt im leider nur eineinhalbminütigen "Hell Razor" genau das Futter, das das schnellzüngige Schabenmonster am besten verträgt. Gigan schaltet einen Gang herunter, um das nicht minder starke "In Search Of" zu performen, in dem bei selbst gesungener(!) Hook seine einmalige Stimme hervorragend zum Tragen kommt. X-Ray himself tritt, neben seiner ständigen Präsenz in den Produktionen, beispielsweise mit dem "A Monsta" Instrumental oder "Monstaball" immer wieder ins Rampenlicht. Die mit den M.I.C. weniger vertrauten Hörer werden jedoch zuerst auf die beiden Solo-Tracks von Doom achten. Diese fallen dann natürlich auch nicht schlecht aus, gehen aber schlicht und ergreifend zwischen den restlichen Hochkarätern unter. Und bei der Vergabe der Lorbeeren wurde einer bis jetzt noch gar nicht erwähnt: Spi(e)ga, dessen monotoner Flow und Stimme aus der Unterwelt selbst einem Prodigy in nichts nachstehen. Mit X-Ray und reichlich Blues-Feeling ist er in "Ride The Arrow" zu hören (MF Doom-Fans werden diesen Beat vom "Take Me To Your Leader"-Album kennen), in "Now That's Sweet" liefert er im Alleingang eine Genialität und den versteckten Höhepunkt dieser Scheibe.


Fazit:
Selten genug passiert es, dass ein zweiter Teil seinem starken ersten gerecht wird. Bei X-Ray und seinen Monster Mixes ist das ganz klar der Fall. Das liegt daran, dass zwischen den beiden Scheiben nur sehr kurze Zeit verstreicht, X-Ray auf dem Höhepunkt seiner Schaffensphase jedoch keinerlei qualitative Abstriche einplanen muss. Wie schon beim ersten Teil gilt hier: Wer von sich selbst behaupten kann, ein Fan von gepflegt gutem und hartem Eastcoast-Rap zu sein, der macht hier gar nichts falsch - er macht genau genommen in dem Augenblick etwas falsch, in dem er X-Ray nicht die Ehre erweist und "Monsta Mixes 2" verschmäht.

Gesamtwertung: 8.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 24. Dezember 2008

X-Ray - Monster Mixes Vol #1

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 2002
Label: Mindbenda Recordings

Tracklist:
01. Run The Sphere (Feat. Monsta Island Czars)
02. Live Wirez (Feat. Gigan)
03. Fast Lane (Feat. Kurious)
04. Gorilla Warfare (Feat. Megalon & Kong)
05. Blindfold (Feat. Monsta Island Czars)
06. Broken Nose Flow (Feat. Kong)
07. You Da One (Feat. Darc Mind)
08. Mic Line (Feat. King Ghidra)
09. I Seen It All (Feat. Spiega)
10. Newyork, Newyork (Feat. Quiz)
11. The Orignal (Feat. MF Grimm)
12. Feel It (Feat. Megalon)
13. We Got Beef Wit Da Cops (Feat. Ray Long)
14. Untouchable (Feat. Kamackeris)
15. Century 21 (Feat. Rodan & Megalon)
16. Doomsday (Remix) (Feat. MF Doom)




Was einem hier als Godzilla in schlechter Bildqualität entgegenlächelt und sich als Album von X-Ray zu erkennen gibt, könnte ebenso gut mit dem Schlagwort Monsta Island Czars auf dem Cover winken. "Monster Mixes Vol #1" jedoch ist das erste Machwerk von X-Ray Da Mindbenda, dem Mastermind hinter den Czars, der auch auf dem Gruppenalbum von 2003 einen Großteil der Produktion übernahm. Dieses Werk hier erschien ein Jahr früher über das eigene Label Mindbenda Recordings und lässt schon mit besagtem Cover erahnen, woher der (atomare) Wind weht und mit welchen Gästen man zu rechnen hat.

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Und auch wenn dieses Album älter ist, darf man es doch als naheliegendste Ergänzung für jeden, der das weitaus bekanntere "Escape From Monsta Island" schätzt, anpreisen. Mit von der Partie sind sie alle - und noch mehr. Wer es vergessen hat: die rappenden Ungeheuer, die ihre Namen von den Godzilla-Streifen der Toho Studios beziehen, sind (in der Besetzung des Gruppenalbums): X-Ray selbst als King Ceasar, MF Doom als King Ghidra, Rodan, Megalon, Kong, Spiega, Kamackeris, Gigan und Initiator MF Grimm als Jet Jaguar. Aus der weiteren Riege der Monstas ist hier nur einer zu hören: Kurious, der als Biolante aufläuft und auf dem Doom-produzierten "Fast Lane" gleich eine Monsta-Hymne schlechthin abliefert. Der Beat selbst klingt wie einer der seltsamen Rufe der Toho-Monster - einsame Klasse. Im weiten Rest des Albums regiert jedoch der pechschwarze Dirigierstab des Mindbendas, der uns allerfeinste Eastcoast-Kost um die Ohren haut. Das beginnt schon gleich im Opener, dem Remix zu "Run The Sphere": X-Ray verpasst dem Posse-Track ein neues Streicher-Gewand, das den energiegeladenen Raps sogar noch besser steht als das 2001 veröffentlichte Original. Doch ansonsten stellen auf dieser Scheibe, im Gegensatz zu "Escape From Monsta Island!", die Tracks in Komplettbesetzung die klare Minderheit - genau genommen wäre da nur noch das robuste "Blindfold", in dem das eingespielte Team das Mic reihum gehen lässt. Der Rest füllt sich mit Solo-Tracks, die teilweise auch auf den äußerst raren EPs von Rodan, Gigan oder Kong erschienen sind. Letzterer ist mit "Gorilla Warfare" und "Broken Nose Flow" gleich mit zwei Songs vertreten, für die jeweils der gute alte Prodigy als Sample herhalten muss. Wenn er dann in Megalons "Feel It" nochmals bemüht wird, möchte man meinen, es mit einem weiteren Mitglied der Czars zu tun zu haben. Doch wer will sich beschweren, wenn die Resultate von solch bemerkenswerter Qualität sind? "Mic Line" ist dann der einzige Song, der auch auf dem Czars-Album vertreten ist - und gehört zu den wenigen hiesigen Mic-Appearances von Doom. Die Alternativen sind allerdings und glücklicherweise mehr als ausreichend: Gigan beispielsweise flowt sich elektrisch geladen durch "Live Wirez" und Kwite Def alias Kamackeris erhält in "Untouchable" ebenfalls genug Spielzeit. Im Verlauf des Albums kommt man noch am genialen "Century 21", mit Megalon und einem wie gewohnt nicht in den menschlichen (Stratos-)Sphären rappenden Rodan, als auch an dem von Fakts One stürmisch ausgestatteten "The Original", vorbei. Nicht zu vergessen Froststimme Spiega, die sich in "I Seen It All" ein Denkmal setzt. Dagegen verblasst sogar MF Doom, der auf dem von DangerMouse 2005 abgekupferten Bauplan dieses Tracks zu hören ist. Schlussendlich sind auch einige Nicht-Monsta-Stücke an Bord: Kev-Roc, der als Reimpartner zusammen mit X-Ray die Formation Darc Mind bildet, gibt sich in "You Da One" die Ehre und auch Quiz bekommt drei Minuten um sich zu beweisen. Megalons Bruder Ray Long komplettiert das Gästeaufgebot, während der Ausstieg mit einem gelungenen Remix zu "Doomsday" (welcher seinem Original jedoch nicht gleichkommt) vollzogen wird.


Fazit:
Man sollte sich nicht vom billigen Cover abschrecken lassen: Im ersten Teil der Monster Mixes steckt eine Füllung, an der man lange seinen Spaß haben wird. Dieses zur Blütezeit der Truppe entstandene Werk bildet einen der Gründe, warum die Monsta Island Czars zu dieser Zeit als Geheimtipp und Qualitätshochburg eine der führendsten Anlaufstellen für ungeschliffenen Eastcoast-Rap waren. Wem das Line-Up vor guten Emcees aus den Nähten platzt, wer solche Beats zustande bringt, der braucht sich nicht verstecken. "Monster Mixes Vol #1" ist ganz einfach gesagt ein Blindkauf für jeden Ostküsten-Fan und zudem ein Beweis, dass guter HipHop keines riesigen Budgets und namenhafter Gäste bedarf.

Gesamtwertung: 9.0 / 10

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Zu Ninjaz - Now Justice

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Release Date: 23. September 2005
Label: Kamikaze Entertainment / Chamber Musik Records

Tracklist:
01. Intro (Elements)
02. Slicer (Feat. Buddha Monk & Babyface Fensta)
03. No Retreat
04. Gunshots
05. Hard To Defeat
06. Specially Trained Ninja (Feat. Drunken Dragon, Ol' Dirty Bastard & Redz)
07. Back Of The Church (Feat. Redz & Spiritual Assassin)
08. Blazin' (Feat. Buddha Monk)
09. Ninjitzu
10. Ninja Habitat (Feat. Denise And Her Hoes)
11. Blood Thirsty (Instrumental)



Mal wieder eine kleine Lehrstunde in der Wu-Tang-Kunde: Was grob dem weithin bekannten Ol' Dirty Bastard als Brooklyn Zoo und Konsorten anhängt, gehört zu einem der größten Pools der Wu-Familie. Auffächern lassen sich diese Auswüchse des früheren United Kingdom in die Manchuz, den Brooklyn Zu selbst und die Zu Ninjaz. In den Neunzigern brachte es jedoch keine dieser Formationen zustande, ein Album zu veröffentlichen. Grund genug, um eine ganze Zeit später einige der Tracks, vornehmlich aus den Jahren 1995 bis 1998, zusammen auf ein Album zu packen: "Now Justice".

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Die Akteure, die hier zu Werke gehen, genießen im Einzelnen einen minimalen Grad an Bekanntheit, ergeben aber zusammengenommen ein typisches Namensspektrum: K-Blunt, Cherokee Chief aka Popa Chief, 5 Foot Hyper Sniper, Rambo, Raw, Hook Ninja, Ninja Scroll, Shadeed, Black Lantern, Celo und D.L.. Eigentlich sind die Individuen hier auch unwichtig, man hat es andauernd mit einer breiten Front aus anonymen Gesichtern zu tun, bei denen die Bezeichnung "Ninja" vollkommen angebracht ist. Wie sich herausstellt, gilt das auch für die Musik. Ein herrliches "Intro" hebt den Vorhang für eine schmutzige Show, bestehend aus verbalen Martial Arts und 100 Prozent Einsatz. So fliegen in "Slicer" die Schwerter durch den Beat, während Buddha Monk seinen Stimmbändern seinen ihm eigenen Flow aufzwingt. So, und genau so, hat ein Track einer Gruppe mit dem Namen Zu Ninjaz zu klingen. Und die Ninjaz spucken und kämpfen sich mit dreckigen Raps von Track zu Track. In "No Retreat" geschieht das zu gedämpften Klavierklängen, in "Gunshots" bekommt man zu seinem rohen Steak ein Method Man-Sample serviert. Ganz nebenbei sind hier keinerlei bekannte Producer zugegen: Ninja Scroll, Buddha Monk und Kamikaze Productions finden sich in den Credits am häufigsten. Im weiteren, leider sehr kurzen Verlauf des Albums begeistern vor allem die kompromisslosen und messerscharfen Stücke: "Ninjitzu" und noch viel mehr "Hard To Defeat" treiben mit mörderischer Präzision ihr Samuraischwert ins Ohr des Hörers, und das bereits von Popa Wus "Visions Of The Tenth Chamber" bekannte "Back Of The Church" ist in der Kombination mit Choralgesängen unschlagbar. Der alte dreckige Bastard höchstpersönlich ist auf "Specially Trained Ninja" mit von der Partie und passt in diesem Kung-Fu-Sample-bestückten Werk auch gut ins Geschehen. Mit "Ninja Habitat" gesellt sich dann trotz dem Feature mit Oscar-reifem Namen (Denise And Her Hoes) noch ein mittelmäßiger Track ins Aufgebot, während das Album mit dem erstaunlich gefühlvoll gesungenen (bzw. gesampleten) "Blood Thirsty" Instrumental ausklingt.


Fazit:
Wenn man "Now Justice" so betrachtet, ist es ein Jammer, dass nicht bereits zur Zeit von "Prophecy" ein Album der Zu Ninjaz erschienen ist, welches dann über eine ordentliche Spieldauer angedauert hätte und für seine Zeit relevant gewesen wäre. Im hier vorliegenden Zustand darf man sich immerhin über ein weiteres Manifest der (früheren) Stärke der Wu-Familie freuen - denn hier wurde im Prinzip alles richtig gemacht: Roh bis aufs Mark baut man auf dem Martial Arts-Sound auf. Da bedarf es keiner großen Persönlichkeiten wie dies etwa im Clan selbst der Fall ist - die Masse der guten Spitter hat seinen ganz eigenen Effekt. Wer die ganz dreckigen Alben des Ostens allgemein und insbesondere der Wu-Fam schätzt, der wird hieran große Freude haben. Und mit einer längeren Spielzeit wäre sogar noch mehr drin gewesen.

Gesamtwertung: 8.3 / 10

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Montag, 22. Dezember 2008

Vordul Mega - Megagraphitti

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Release Date: 19. August 2008
Label: Backwoodz Studioz / Green Streets Entertainment

Tracklist:
01. Stay Concious
02. AK-47 (Feat. Vast Aire)
03. Opium Scripts (Feat. Billy Woods)
04. Hattori Hanzo
05. Air Battery (Feat. Tommy Gunn & Billy Woods)
06. Trigganomics
07. Broken Halo (Feat. Invizzibl Men & Hi-Coup)
08. Light
09. In The Mirror (Feat. Vast Aire)
10. Beautiful
11. Learn
12. Peanut Butta Up's
13. Keep Living (Feat. Billy Woods)
14. Imani (Feat. Billy Woods)
15. Megagraphitti



Im Sommer 2008 erfreut ein gewisses Label aus New York seine Hörerschaft mit gleich zwei Releases. Die Rede ist von den Backwoodz Studioz, einem kleinen Nischen-Label, in dem ein kleiner Kreis eingespielter und doch viel zu unbekannter Emcees ein Zuhause gefunden hat. Der bekannteste im Roster ist auch der, der hier parallel zu den Invizzibl Men sein nunmehr zweites Soloalbum vorlegt - Vordul Mega geht als eine Hälfte von Cannibal Ox mit "Megagraphitti" an den Start.

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Dass Vordul Mega Depressionen plagten, schlägt sich natürlich auf die Atmosphäre dieses Albums nieder, so wie es schon beim Debüt der Fall war. Seine Stimme hatte bekanntermaßen schon immer etwas Trübsinniges, Kaltes und Düsteres. Diese Attribute heben ihn auch heute noch von seinen Kollegen ab und machen es zu einem Genuss, ihm beim Flowen zu lauschen. Da stört auch die Tatsache nicht, dass sich seine Raps inhaltlich oft wiederholen. Mega mimt den verbitterten Veteranen, der über die zerbrochene Welt um ihn herum sinniert. Nicht verwunderlich, dass einer seiner Tracks mit "Trapped in the darkness..." eingeleitet wird. Einen Gleichgesinnten findet Mega in Billy Woods ("Air Battery", "Keep Living", "Imani" und "Opium Scripts"), einem der Künstler von Backwoodz, der mit einer nicht minder markanten Stimme und einer guten Portion Können eine feine und zynische Ergänzung am Mic darstellt, die auch viermal konsultiert wird. Was nun die Produktionen betrifft, so wandeln die dort geladenen Herren von gänzlicher Unbekanntheit bis hin zu Bronze Nazareth, El-P oder Sid Roams. Keine Angst, Letztere fügen sich mit ihrem Beitrag gut ins Gesamtbild. Dieses Gesamtbild bedeutet: kratzige, dunkle und rohe Produktionen, die dem Ostküsten-Fan das Herz aufgehen lassen. Reduzierte Beats, dezenter Einsatz von Streichern und Samples - und den Rest macht Vordul selbst. "Stay Conscious" gibt den trist-pumpenden Anfang und in "AK-47" kommt neben Vast Aire außerdem ein leichter Hauch Cold Vein-Feeling auf. Auch wenn Bronze Nazareth mit "Trigganomics" nur Altbekanntes serviert (vielen wird dieses Sample, beispielsweise von der 2005er Afu-Ra / Masta Killa Kollabo, bekannt sein), gibt es zu keinem Zeitpunkt einen Grund zu ernsthafter Beschwerde. Auch nicht, wenn El-P mit seinem Beitrag "Keep Living" hinter den Erwartungen zurückbleibt. Das biegen die weniger Namenhaften wieder gerade. Zach One steuert neben dem erwähnten Opener noch den letzten und Titel-Track bei, der ganz großes Kino ist und in puncto düstere Atmosphäre sämtliche Ostküstenkonkurrenz dieses Jahres ausschaltet. DJ Marmaduke kann sich ebenfalls profilieren, wenn er in "Hattori Hanzo" ein absolutes Überbrett auf die Theke knallt. Weniger hingegen schafft dies Ex-Monsta Tommy Gunn, der einen für ihn vollkommen untypisch blassen Auftritt hinlegt. Da ein solcher jedoch immer noch einiges hermacht, lässt sich auch dieser Punkt verkraften. Und wenn Megallah in "Imani" zusammen mit Billy Woods schwermütig in großartig produzierter musikalischer Kälte schwelgt, sollte man sowieso zufrieden sein.


Fazit:
Dieses Album genießt man am besten alleine an einem kalten, unfreundlichen Wintertag. Trotz der sehr langen Entstehungszeit hat sich am Gemütszustand von Vordul Mega nicht viel verändert, was dem Album einen einheitlichen Sound verleiht, der nur durch wenige Sonnenstrahlen ("Beautiful") durchbrochen wird. Backwoodz ist ganz klar die richtige Heimat für Mega, der im Direktvergleich mit seinem Can Ox-Partner eindeutig die Nase vorne hat. Denn "Megagraphitti" liefert wie kein anderes Album seines Jahrgangs einen durch die Bank weg gut produzierten, kalten und trotzdem atmosphärischen Ostküsten-Sound der Sorte, die eigentlich schon als halb ausgestorben gilt.

Gesamtwertung: 8.2 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Madvillain - Madvillainy

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 23. März 2004
Label: Stones Throw Records

Tracklist:
01. The Illest Villains
02. Accordion
03. Meat Grinder
04. Bistro
05. Raid - (feat. MED aka Medaphoar)
06. America's Most Blunted - (feat. Quasimoto)
07. Sickfit
08. Rainbows
09. Curls
10. Do Not Fire!
11. Money Folder
12. Shadows Of Tomorrow - (feat. Quasimoto)
13. Operation Lifesaver / Mint Test
14. Figaro
15. Hardcore Hustle - (feat. Wildchild)
16. Strange Ways
17. Fancy Clown - (feat. Viktor Vaughn & Allah's Reflection)
18. Eye - (feat. Stacy Epps)
19. Supervillain Theme
20. All Caps
21. Great Day
22. Rhinestone Cowboy



Madvillain ist ein Name, der seit diesem Album hier mit viel Respekt in der Rap-Welt umhergeistert. Dass sich dahinter der namentliche Zusammenschluss von Supervillain Metal Face Doom und Madlib verbirgt, ist dabei kein Geheimnis. Was genau dieses Album zu einem solchen Phänomen macht, ist da weitaus interessanter. Andererseits: schon Madlibs Kollabo mit einem anderen großen Kopf im HipHop als Jaylib brachte ein ähnlich gerühmtes Werk hervor.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Anders als bei "Champion Sound" werden hier nicht Beats und Rhymes 50/50 aufgeteilt - obwohl das sicherlich auch prima funktioniert hätte. Doch hier sorgt der Beat Konducta für die klangliche Ausrüstung der Songs, während die einzigartige Reimwalze Doom seinen Flow darüberpackt. Was also passiert, wenn zwei der zu den kreativsten Köpfen im HipHop gezählten Künstler zu Superschurken avancieren und die Welt unsicher machen, bekommt man hier in einer Dreiviertelstunde und auf 22 Tracks so unverschämt gut vor Ohren geführt, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Charakteristisch über das ganze Album hinweg sind kurze Spielzeiten, die es dem Hörer nicht gönnen, groß Luft zu holen. Hier jagt eine Sensation die nächste, die Instrumentals wechseln manchmal in atemberaubendem Tempo, ohne dabei den von Madlib schwungvoll ausgelegten und doch nie abreißenden Faden zu verlieren. Da klebt der selbstredende Titel "Accordion" an dem vom Metal Face gebastelten Intro, das Doom-angepasst-verhaltene "Curls" wird von einer Explosion pulsierender Madlib-Auswüchse in "Do Not Fire!" verfolgt und der "Mosnta Island Sound goes Madlib"-Clash namens "Operation Lifesaver" sitzt zwischen nachdenklichen Quasimoto-Pitches und dem genickbrechenden "Figaro". Sample-Kunst nahe der perfektionierten Vollendung kommt mannigfach zum Einsatz und verpasst der Harmonie des Albums den letzten Schliff. Beim Aufzählen der positiven Beispiele muss man da weit ausholen: ein umwerfend nach vorne preschendes "Raid", das abgedrehte Interlude-artige "America's Most Blunted" und gleich danach das schlichtweg hinreißend geniale Instrumental "Sickfit" - und im zweiten Atemzug folgen "Strange Ways" mit Streicher-Untersatz der Extraklasse und dem vielleicht besten Auftritt Dooms auf diesem Album ("They pray four times a day, they pray five / Who ways is strange when it's time to survive / Some will go of they own free will to die / Others take them with you when they blow sky high"), eine melancholische Sample-Show mit "Gast" Viktor Vaughn, die Madvillain-Hymne "All Caps" oder "Rhinestone Cowboy", das abschließend noch einmal Doom auf Hochtouren bietet: "We rock the house like Rock 'N Roll / Got more soul than a sock with a hole".


Fazit:
Wer im Aufeinandertreffen der Supervillains, das übrigens auch ein Wettstreit der Anzahl der Alter Egos hätte werden können, letztendlich besser dasteht, ist sehr schwer zu sagen. Vielleicht Madlib ein klein wenig. Ist allerdings auch vollkommen egal - fest steht, dass die allgemeine Euphorie über dieses Album vollkommen gerechtfertigt ist. "Madvillainy" ist ein Hörerlebnis, dem man mit Worten schwer gerecht wird.

Gesamtwertung: 9.0 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Sonntag, 21. Dezember 2008

7L & Esoteric - DC2: Bars Of Death

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 13. April 2004
Label: Babygrande Records

Tracklist:
01. DC Theme
02. Ring Music
03. Loud & CLear
04. Rise Of The Rebel
05. Rogue Nation
06. This Is War - (feat. Army Of The Pharoahs)
07. Graphic Violence
08. Neverending Saga
09. Grace Of Gods - (feat. Rise)
10. Murder-Death-Kill - (feat. Celph Titled)
11. Battlefield
12. Touchy Subject - (feat. Uno The Prophet)
13. Deathgrip
14. So Glorious
15. Way Of The Gun - (feat. Celph Titled, Lord Digga & Apathy)
16. Another Way Out
17. That's Right - (feat. Main Flow & K.T.)
18. Crab Move - (feat. Beyonder) (Bonus)
19. Yell At Us - (feat. Celph Titled & Apathy) (Bonus)



7L & Esoteric sind ein Schlagwort (bzw. zwei), das man sofort mit Boston-Rap verbindet. Nachdem die ersten beiden Alben als Duo, 2001 "The Soul Purpose" und 2002 "Dangerous Connection", weithin positiv aufgenommen wurden, folgt 2004 die Fortsetzung der gefährlichen Verbindung: "DC2: Bars Of Death" kommt über das zu diesem Zeitpunkt noch nicht zum Massenpool mutierte Label Babygrande und verspricht wieder eine volle Dröhnung Aufs-Maul-HipHop im Eastcoast-Style.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Und da 7L ein fähiger Producer ist, hat man sich auch bei diesem Album den ein- oder anderen Kracher zu erwarten. Nicht umsonst klingt der einige Jahre später bis zum Erbrechen ausgereizte Sound der AOTP dem Stil dieser Platte teilweise sehr ähnlich. Ohne jedoch das Album gehört zu haben, kann man allerdings schon die ersten Abstriche machen, nämlich bei dem sprechenden Teil des Duos. Es gibt wenige Rapper, die eine ähnlich nervige Stimme haben wie Esoteric und es gibt noch weniger mir bekannte Menschen, die mir in diesem Punkt widersprechen würden. Um noch eine kleine Einschränkung zu treffen: als einmaliges Feature auf einer anderen Scheibe ist das durchaus erträglich - aber auf einem 19 Tracks starken Album sind entnervte Ohren vorprogrammiert. Dass Esoteric zudem auch noch ein höchstgradig mittelmäßig begabter Rapper ist, kommt noch hinzu. Zu Beginn des Albums kann man darüber hinwegsehen: nach einem großartigen Intro gibt es mit "Loud & Clear" gleich einen erstklassigen Banger vorgesetzt, während auch "Rise Of The Rebel" mit lockerem Klaviereinsatz gut unterhält. Doch abgesehen davon fällt auf, dass sowohl die Produktion von 7L, als auch die der wenigen Gastproduzenten keinesfalls durchgehend überragend ausfällt. Ein überdrehtes "Murder-Death-Kill" wird trotz Celph Titled sehr schnell anstrengend, das seichte "That's Right" wird mit dem hier tödlichst deplatzierten Main Flow und der Hook auf Kindergartenniveau zur Qual. Während meist überraschungslose Solidität vorherrscht, stechen Tracks wie "Another Way Out" dank großartigem Instrumental heraus. "Yell At Us" passt mit seiner erdrückenden Brachialität bestens zu Celph Titled, der zum Schluss nochmal ein Feuerwerk zündet. Und der beste Track der Scheibe, "Grace Of Gods" ruft zu düsterem Sound-Gerüst einen Rise auf den Plan, der den Gastgeber in nicht mehr feierlicher Art und Weise an die Wand rappt.


Fazit:
Ganz generell sorgen die Gäste für die Highlights am Mic. Dieser Umstand verbindet sich mit der soliden, doch zu vorhersehbaren Produktion und resultiert schließlich in "DC2", einem Album, mit dem sich 7L und ES keine neuen Freunde machen werden. Den Prolls aus Boston fehlt hier ganz einfach das glückliche Händchen, "Bars Of Death" ist der Prototyp eines Standard-Ostküstlings mit wenigen Highlights und viel Mittelmaß.

Gesamtwertung: 5.8 / 10

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Blahzay Blahzay - Blah Blah Blah

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Release-Date: 13. August 1996
Label: Fader Records / Mercury

Tracklist:
01. Intro
02. Blah, Blah, Blah
03. Medina's In Da House
04. Danger Part 2 - (feat. LA The Darkman, Trigger Tha Gambler & Smooth Da Hustler)
05. Don't Let This Rap Shit Fool You
06. Pain I Feel
07. Posse Jumpa - (feat. LA The Darkman & Mental Magician)
08. Maniac Cop
09. Good Cop / Bad Cop
10. Sendin' Dem Back - (feat. Tanya Brewer)
11. Long Winded - (feat. Mental Magician, Verbal Hood & Verbal Fist)
12. Jackpot
13. Danger



Von einem typischen Eastcoast-Album der Neunziger, der goldenen Zeit, wird oft geredet und besonders heutzutage wird oft darauf hingewiesen. Wenn man sich dann an den Fingern aufzählt, welche Alben denn nun wirklich und vollständig zu dieser Beschreibung passen, wird man früher oder später bei "Blah Blah Blah" hängen bleiben. Hier hat man es mit dem ersten und bis dato einzigen Album von Blahzay Blahzay zu tun, die sich in allerfeinster 1MC/1DJ-Manier aus Outloud und PF Cuttin zusammensetzen.

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1996, der späte Zenit des hier praktizierten Sounds, sieht ein Album, in dem schon Gäste wie Smoothe Da Hustler oder LA The Darkman richtungsweisend sein sollten. Minimalistische Beats, souverän geflowte Realness, viele Scratches, zusammengecuttete Hooks, das ist im wahrsten Sinne des Wortes Musik in den Ohren des Eastcoast-Liebhabers. Nach einem atmosphäreaufbauenden Intro wird mit dem Titeltrack, einem nüchternen Windhauch New Yorks, die erste Wegmarkierung sturmsicher verankert. Denn Medina alias Brooklyn ist im Haus - das heißt im Klartext: "Danger". Egal ob mit Jeru-Sample in der ersten Single oder im zweiten Teil mit dreiköpfiger "XY the YZ"-Koalition, hier lässt man Worten tatkräftige Worte folgen. Ein weiteres Sample, nämlich von KRS-One, muss als Hook für "Good Cop / Bad Cop" herhalten, in dem Outloud aus der Perspektive des bösen Cops zusammen mit dem guten Partner von seinem Alltag berichtet. Lines wie "I deal with blacks like they're products of a monkey" sollten klarstellen, dass hier die ungeschönte Ansicht des Emcees ausgesprochen wird. Ohne Aussetzer wird das goldene Programm auf hohem Niveau abgezogen, was neben den Raps vor allem auch den fehlerlosen Produktion von PF Cuttin zuzuschreiben ist. "Don't Let This Rap Shit Fool You" bietet trotz 0815-Aussage gute Unterhaltung. Der Höhepunkt der Platte findet sich im Anschluss in "Pain I Feel", in dem der beste Beat des Albums auf die beste Performance von Outloud trifft, wobei ein weiteres Sample (diesmal von Channel Live) auf ein Neues perfekt in der Hook funktioniert.


Fazit:
Alle, die sich in der heutigen Welt des Raps nicht mehr übermäßig wohl fühlen, dürfen Artists wie Blahzay Blahzay danken, dass sie die Neunziger mit einer Unzahl an guten Alben gefüllt haben. Wie "Blah Blah Blah" eben eines ist. Und wer einfach ab und zu gerne zum Ostküsten-Rap der goldenen Neinziger greift, der sollte ebenfalls mit dieser Platte glücklich werden, Hier wird nichts Außergewöhnliches praktiziert, doch dafür das Gewöhnliche umso besser.

Gesamtwertung: 8.0 / 10

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Freitag, 19. Dezember 2008

IDE - Force Fed

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Release-Date: 10. April 2007
Label: Creative Juices Music

Tracklist:
01. Intro
02. Never - (feat. Alucard)
03. Bounty Hunter - (feat. Mista Sinista)
04. Field Of Orbs - (feat. Alucard)
05. Interlude
06. Hidden Network - (feat. Mista Sinista)
07. Coat Of Arms
08. Haight And Ashbury - (feat. Savage Messiah)
09. Condemned
10. Ravenous - (feat. Alucard & Jak Progresso)
11. Innerlude
12. Psilasylum - (feat. Alucard)
13. Serpentine Movements
14. Out Of Touch
15. What Happenz - (feat. Critical, L.I.F.E. Long, UG & Madness)
16. Trade And Kinship
17. Sun Pyramids - (feat. Alucard)
18. Enterlude
19. Caught In Time
20. Superior Knowledge - (feat. Savage Messiah & Jak Progresso)
21. Outerlude
22. White Lighters feat. Rae Rodriguez
23. Outro



Heute sind wir wieder bei Creative Juices. Im Jahr 2007 war das wohl größte Veröffentlichungshighlight dieses Labels das hier im Mittelpunkt stehende Album - das Soloalbum von dem Kopf der Bande, IDE - Force Fed. Nach der "Divince Kingdom" Mix CD 2006, welche eigentlich auch als Album gewertet werden kann, präsentiert der rappende Producer aus New York hier 23 Tracks mit Gastauftritten aus dem näheren Umfeld.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Was sich in Zukunft zu einem wahren Markenzeichen von CJM entwickeln könnte, ist der erste Blickfang, den alle Alben gemein haben: ein außergewöhnliches Cover. Hier wird der Vogel vollkommen abgeschossen, denn die Fratzen, Figuren und Formen, die sich in wildem Farbmix auf diesem Cover tummeln, könnten eine Facharbeit mit Interpretationen füllen. Bei einem Album, das von einem Wesen bewacht wird, welches einem von einem Monster zersetzten Papst nahekommt und zudem eine Axt in der Hand hält, schrecken nur die Hartgesottenen nicht zurück. Was man bei dem Album nicht erwartet hätte ist wohl die Tatsache, dass IDE keineswegs selbst die komplette oder auch nur einen Großteil der Produktion übernimmt. Beide Mitglieder der 2 Hungry Brothers - Ben Boogz und Deep, DJ Connect, Kryptonite, sowie einige Beatbastler aus dem näheren Bekanntenkreis (Tzarizm, Nemo) - sie alle tragen ihren Teil zum instrumentalen Teil des Albums bei. Die Gästeliste verlässt zu keiner Zeit das eigene Haus, ausgenommen der von Mista Sinista ab und an begesteuerten Cuts. Was also hat ein Album, das schon mit seinem Cover eine solch klare Ansage macht, zu bieten? Einiges! IDE selbst nennt eine markante Stimme sein Eigen, mit der er in gleichsam apartem als auch gewöhnungsbedürftigem Flow seine Tracks bezieht. Kurz gesagt besitzt er gerade so viel Eigennote, um als MC hochgradig relevant zu sein. Kombiniert man diese Gegebenheit mit den Gastparts der nicht minder authentischen Kollegen und legt darunter eine ostküstenangehauchte, visionäre Produktionskarosserie, erhält man "Force Fed". Hier jagt ein Highlight das nächste. Kleine Juwelen wie "Trade And Kinship" (Respekt an Jak Progresso für diesen Beat) gehen Hand in Hand mit dem eröffnenden Kopfnicker "Never" oder den vielen atmosphärischen Farbklecksen, die alle ihren Teil zum großen Ganzen beitragen. Dabei finden sich vor allem die düster-brodelnden Suppentöpfe, aus denen IDE in Tracks wie "Sun Pyramids", "Serpentine Movements", "Condemned" oder "Coat Of Arms" seine Reime spuckt. Selbst Standard-BoomBapper Domingo gelingt mit "Caught In Time" ein perfekt passender Beitrag. Einziger Kritikpunkt mag das zu lang geratene "Out Of Touch"-Interlude sein, das bei mehrmaligem Hören langweilig wird.


Fazit:
Insgesamt stellt "Force Fed" genau das dar, was in Zukunft (wenn die Anzahl der Releases angemessen hoch ist) hoffentlich als "typisches" Creative Juices-Album bezeichnet werden wird: eine hohe Trackzahl, die dabei keineswegs mit der Qualität spart. Viele und teilweise kurze Tracks garantieren große Vielfalt, wobei der dicke Posse-Track auch nicht fehlt. "Force Fed" hat seine eigene Atmosphäre und kann komplett durchgehört werden. Diese Scheibe ist der Ort, an dem auf die Lähmungserscheinungen im Sound New Yorks gepfiffen wird. Anhören und genießen!

Gesamtwertung: 8.5 / 10

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Monsta Island Czars - Escape From Monsta Island!

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 3. März 2003
Label: Rhymesayers Entertainment / Metal Face Records

Tracklist:
01. What's The Name Of This Place?
02. M.I.N.Y.A.
03. F@#k Y'all N!@@#s
04. Witchcraft
05. 1,2... 1,2
06. Scientific Civilization (Skit)
07. MIC Line
08. Poizon Windz
09. Under Pressure
10. Became A Monsta
11. There's A Legend (Skit)
12. Out My Mind
13. Warning
14. Make It Squash!
15. Gunz 'N' Swordz
16. Sumthin' To Prove
17. Live Son Of A Bitch (Skit)
18. Comin' At You
19. Take Control
20. Escape From Monsta Isle



Wer ist diesem Cover nicht schon mal zumindest über den Weg gelaufen? Dass das Album trotzdem keine weitreichende Bekanntheit genießen kann, ist dabei gleichsam Tatsache und Frechheit. Denn hier hat man es mit einem einmaligen Spektakel zu tun: 2003 kommt das bis dato einzige Gruppenalbum des in den Neunzigern entstandenen Kollektivs der Monsta Island Czars, kurz M.I.C., auf den Markt.

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Ursprünglich ins Leben gerufen von MF Grimm, ist es ebenjener Herr, der zur Zeit der Aufnahmen hinter schwedischen Gardinen sitzt und auf dem Album nicht zu hören ist. Ist allerdings nicht weiter schlimm, denn die Emcees, die hier zu Monstern mutieren, dürfen sich allesamt fähige Untergrundspucker nennen. Die Namen, die einem auf diesem Album begegnen, sind aus den Monsterfilmen entnommen, die unter Produtkion der Toho Studios seit den 50ern ihr Unwesen treiben. Da wären: der abwesende Grimm, der in die Rolle der fliegenden Action-Roboterfigur Jet Jaguar schlüft, der weitaus bekannteste Name der Truppe - MF Doom - der hier als dreiköpfiges Monster King Ghidra unterwegs ist, ein zerstörungswütiger Pteranodon alias Rodan (auch Doc Morreau), Tommy Gunn als Riesenschabe Megalon, Zymeer als Gigan, Kwite Def als Kamackeris (Monstervorbild: der Gottesanbeterinnenverschnitt Kamacuras), Kongcrete bzw. Kong, dessen Cousin Spice als Riesenspinne Spiega und last but not least die lenkende Hand im Hintergrund, X-Ray Da Mindbenda, der hier als King Ceasar auftritt. Direkt in der zweiten Reihe und auf diesem Album (noch) nicht vertreten finden sich allerdings noch eine ganze Reihe weiterer Monster.

Wer sich bei diesem Album einen Abklatsch des Doom-Sounds erwartet, der liegt vollkommen daneben. Generell wirkt Doom hier mehr wie ein Gast, der nur einmal ans Mic tritt, jedoch einige der Produktionen übernimmt. "Mic Line" ist ebenjener Auftritt, der in typischer Doom-Manier abgehandelt wird und sicherlich auch Abwechslung in das Album bringt, trotzdem nicht zu den besten Tracks gehört. Die haben nämlich die restlichen Monster gepachtet, die im Gegensatz zum gemächlichen Doom Tod und Verderben über das Rap-Land bringen. Kantige, düstere Produktionen von X-Ray legen den Grundstein für den Sturm auf herkömmlichen und kommerziellen HipHop, der vor nichts Halt macht und alles im Weg stehende niederreißt. Erläutern lässt sich dies bestens am Highlight der Platte, "Whichcraft": ein Insturmental, das mit pechschwarzer Sound-Kulisse und elektrischem Zucken wie die Audioillustration des Himmels eines Jahrhundertgewitters erscheint, wird durchschnitten von gleich sechs der Monster, die nach mehrmaligem Hören ihre jeweiligen Besonderheiten herauskristallisieren können. Rap-technisch fliegt über allen seinen Kumpanen Rodan: ein stahlharter Flow, gepaart mit einer zügigen Geschwindigkeit lässt seine Raps sogar unter dieser Ausnahmegruppe hervorstechen. Vor allem in den verworren-dunklen Momenten trumpfen weitere Monster auf, wie beispielsweise auf "Poison Windz" Megalon und auch Gigan, dessen Stimmorgan dem "Damien" von den DMX-Alben nahekommt. Spiega ist nicht minder einzigartig, was er seiner unbändig finsteren Stimme zu verdanken hat, mit der er Tracks wie das drohend-stampfende "Became A Monsta" zerlegt. Weiterhin bietet das Album eine ganze Palette an Samples aus den Monsterfilmen, einen irrwitzig guten Solo-Track Rodans ("Sumthin' To Prove"), das Anti-Kommerz-Statement "Take Control", einen nach vorne preschenden Opener namens "M.I.N.Y.A.", Kongs dreckig-geniales Solo "Warning", mit "Comin' At You" und einer Hook von Angela Workman leider auch einen überflüssigen Track (wohlgemerkt, produziert von Doom) und mit dem Titeltrack nochmal allerfeinstes Hochgefühl zum Abschluss.


Fazit:
Wo der Wu-Tang Clan seine Inspiration aus vereinsamten Shaolinklostern bezog, da bedienen sich die Czars bei den Toho Studios. Und auch wenn diese Supergruppe (zusammen) nur ein Album veröffentlichte, hat es dieses Release in sich. Von schlichtem unangepasstem Ostküsten-Sound nahe der Perfektion bis zu bedrückenden Abgründen, die X-Ray mit seinen Produktionen auftut, wird hier der Soundtrack zur Zerstörung New York Citys bzw. der Welt serviert. "Escape From Monsta Island!" darf als Repräsentant sämtlicher Releases aus der M.I.C.-Ecke gelten und ist somit in diesem Rap-Universam ein Unikat, das die Höchstnote verdient hat.


Gesamtwertung: 9.6 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Mittwoch, 17. Dezember 2008

RAVAGE The MeccaGodZilla - ERROARS

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 11. November 2008
Label: Godsendant Music

Tracklist:
01. Intro
02. Follow
03. UrFuked
04. Monsta Eyez
05. Interlude 1.0
06. Asian Sensation
07. Lunch Room 1996
08. Mystery Of Mina
09. Untitled
10. Erroar Echo
11. Magma
12. Awokenbeethoven
13. G.O.D.2
14. Prophecy Pleaze
15. Stopit 2004
16. Halozzz
17. Mic Avengers
18. Nihon Fast
19. 8 Bit
20. Genesis
21. Gabarah - (feat. Junclassic)



Nach Megalon ist auch RAVAGE The MeccaGodZilla bei Godsendant Music gelandet. Im Gegensatz zu ersterem jedoch hält Ravage am Konzept der Monstas fest. Und nachdem dieses Jahr bereits Jay-Zs "American Gangster" von einem Monsta (bzw. Ravage) gefressen wurde, folgt nun ein weiteres Release. "ERROARS" ist ein Album, das fast komplett aus Instrumentals besteht - nur Monsta-Kollege Junclassic schaut für einen kurzen Auftritt vorbei.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Was hier zur Diskussion steht, ist die Frage, ob Ravage mit diesem Werk nur Restverwertung von liegengebliebenem Material betreibt, oder ob diese Instrumentals wirklich etwas taugen. Ja, diese Instrumentals sind mehr als nur Restposten. Bereits im Intro beginnt man mit tiefdröhnenden Klavierklängen, um sich im Verlauf des Albums durch eine Vielzahl an verschiedenen Einflüssen und Sound-Szenarien zu hören. Natürlich gibt es ständige Begleiter, wie Ravages beinharte Drums, oder immer wiederkehrende Streicheraufgebote. "Awokenbeethoven" fällt in diese Kategorie und verwurstet die Machenschaften seines Namensgebers in soliden zwei Minuten - die in diesem Fall jedoch auch weitaus besser hätten ausfallen können. Weitaus positivere Beispiele gibt es jedoch einige. "Nihon Fast" beispielsweise funktioniert ohne Raps wunderbar. Die "Asian Sensation" führt den Hörer in ganz andere Gefilde und stellt zugleich einen der Höhepunkte auf dem Album dar. Dann wäre da das wuchtige "Magma", auf das die stürmischen Raps eines Rodan ausgezeichnet passen würden, ebenso wie "Mic Avengers" wunderbar auf Kongs "Shackles Off" gepasst hätte. Auch typische und meist gelungene Ostküstenkost mit Sample-Versatz wird in "Follow" oder "UrFuked" geboten. Dazu mischen sich, neben einigen Skip-Nummern, eigenwillige Ausreißer, die das Album nie übermäßig langweilig werden lassen: "Halozzz" und "8bits" seien hier genannt". Schlussendlich sollte noch "Gabarah", der Track zu Junclassics Monster-Alias, erwähnt werden. Hatte man sich beim einzigen Track mit Raps etwas besonderes erwartet, so wird man enttäuscht. Junclassic bewegt sich mit der Plumpheit seines Toho-Vorbilds durch den Track, erreicht dadurch zwar wirklich eine gewisse Parallele zu seinem Monstercharakter, klingt deswegen jedoch noch lange nicht unterhaltend.


Fazit:
Wer kein generelles Problem mit Instrumental-Alben hat und zudem noch mit der Ecke, aus der Ravage kommt, sympathisiert, der kann mit "ERROARS" durchaus glücklich werden. Selbst wenn man prinzipiell keine Instrumental-Alben hört, kann man dieses Album problemlos anhören. Durch die Vielfältigkeit, die Ravage in sein Album einbaut, kommt allerdings nie ein nennenswertes Album-Feeling auf. Und wenn man nun noch die restlichen Schwächen berücksichtigt, kommt man zum altbekannten Fazit: diese Scheibe ist nicht verkehrt, doch notwendig ist sie sicherlich auch nicht.

Gesamtwertung: 5.8 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Savage Messiah / Daddy Grace - Street Religion, Vol. 1

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 2006
Label: Creative Juices Music

Tracklist:
01. Know What It Is
02. Stories We Own
03. I Can't
04. This That Shit
05. Wreck
06. Peace (Ooh La La)
07. Just A Thought
08. Egyptian Musk Scented
09. News Flash
10. Sav Speaks
11. Watch Where You Steppin'
12. Street Religion Pt. 1
13. Music, Bitches And Drugs



Als einer der Künstler des Aufgebots von Creative Juices präsentiert uns Savage Messiah hier sein Mixtape "Street Religion Vol. 1", wozu er in die Person des auf dem Cover zu bewundernden Daddy Grace schlüpft. Ohne jegliche Gastauftritte gibt es hier 13 Tracks, eine halbe Stunde, in denen Savage Messiah seine Raps vorträgt. Doch trotz des schönen Covers sollte man sich keinen falschen Illusionen hingeben: hier hat man es mit einem stinknormalen Mixtape zu tun, das im schlichtesten CD-R Format erscheint. Es sollten auch keinesfalls Vergleiche mit andern Creative Juices-Werken gezogen werden, da hier, wie schon erwähnt, niemand der anderen Heads des Kollektivs beteiligt war (wobei das bei den spärlichen Infos schwer zu sagen ist). Die Beats, die sich Daddy Grace aussucht, umfassen eine gesunde Spanne und garantieren trotzdem einen einheitlichen Ostküsten-Sound. Gleich zu Beginn wird man in "Know What It Is" das Instrumental von Big Noyds "Louder" wiedererkennen, später dann schleicht sich beispielsweise Jae Millz' "Who" ein, das nicht zuletzt von einem der And1-Mixtapes bekannt sein dürfte. Was also zu bewerten bleibt, ist die Leistung am Mic. Und wer Savage Messiah nicht kennt, dem sei gesagt, dass der Mann über eine helle und nicht übermäßig einprägsame Stimme verfügt, diese jedoch gut einzusetzen weiß und einen Flow auspackt, an dem es nichts zu bemängeln gibt. Das ist dann auch schon das, was man aus diesem Mixtape mitnimmt: Savage Messiah ist ein fähiger Rapper. "Street Religion" selbst ist als seltenes Sammlerstück eventuell anschaffenswert, fällt auch an keiner Stelle negativ auf, doch grenzwertet mit seinem Notwendigkeitsgrad unbeirrbar gegen Null. Da sei Unbewanderten lieber gleich zu den anderen Releases von Creative Juices geraten.

Gesamtwertung: 4.7 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Freitag, 12. Dezember 2008

Creative Juices - Presents: Endless Varieties 2

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: März 2008
Label: Creative Juices Music

Tracklist:
01. Mista Sinista - Get Loose Intro
02. Breez Evahflowin - Ongoing
03. Ill Bill & Brooklyn Academy - Im From Brooklyn
04. Alucard & Savage Messiah - False Idols
05. Thirstin Howl The 3rd - Thirsty Thirsty
06. IDE feat. Alucard & Critical - Coffin
07. Yah Yah - New Shit
08. Steele feat. Casual, UG & Prince Ali - My Soldiers
09. Little Vic - Sister Morphine
10. Shabaam Sahdeeq - Old Beginings
11. Alucard & Critical - Dark Arts
12. Mannrock & Jade Foxx - Overqualified
13. Block McCloud feat. War Bixby & Fresh Jones - U-N-I Verse
14. Abnormal feat. L.I.F.E. Long, Lush One, Iron Solomon, Mazzi, Swave Sevah & Jise - Raise It Up
15. Prince Ali feat., Keith Murray, Casual & Planet Asia - The Majors
16. Many Styles - Day By Day
17. Savage Messiah & Invisible Hands - Uptown Saturday Night '02
18. UG - Freestyle
19. Necro - Creepy Crawl
20. IDE feat. Alucard & Jak Progresso - Hellbent 3
21. L.I.F.E. Long feat. Respect & Star - G.O.D.
22. Main Flow - Creative Juices
23. S.O.U.L. Purpose - Dip Dip Dive
24. IDE feat. Alucard - Unlike The Rest
25. Dark Water - I Before You
26. Armored Chest Architect & 2 Ugli - Cali Culture Chiefing



Creative Juices laden zur zweiten Runde ihres Mixtape-Highlights. "Endless Varieties 2" soll die Stellung des Labels als NY-Underground Konstante festigen und zudem den Hunger auf die folgenden Releases schüren. An den endlosen Variationen beteiligen sich auch diesmal eine ganze Reihe an Emcees: neben den Hausherren wären da Ill Bill, Main Flow, Necro, Many Styles, die Brooklyn Ac, Steele, Casual, Prince Ali oder Thirstin Howl III. Grund genug also, aufmerksam zu werden.

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Unter dem blickeanziehenden Cover verbirgt sich ein großer Anteil an Exclusives, die zudem meist von Kryptonite oder IDE produziert wurden. Daneben finden sich auch einige bekannte Tracks: das eher mäßige "I'm From Brooklyn" von Ill Bills "Black Metal" bzw. dem zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlichten "Bored Of Education" der Brooklyn Academy, Necros "Creepy Crawl" von "Death Rap", das bombige "The Majors" von Prince Alis Debütalbum oder Thirstin Howl The 3rds "Thirsty Thirsty". Was die Tracks trotzdem in den roten Faden dieses Mixtapes einbindet und generell diese Scheibe zu etwas mehr als einem durchschnittlichen Mixtape macht hat einen Namen: Mista Sinista. Der ehemalige X-Ecutioner sorgt für einen flüssigen Übergang zwischen den Songs und bekommt zudem das Intro zum Austoben. Die interessantesten Punkte stammen, wie zu erwarten war, von den Gastgebern selbst, sei es nun am Mic oder an den Boards. "My Soldiers" ist ein düsteres Eastcoast-Brett, von dessen Schlag man gerne eines auf dem Smif-N-Wessun Album gehört hätte. Allgemein muss das hier von IDE und Kryptonite als Kunst betriebene Sampling geehrt werden, da es zu den feinsten Momenten führt: "False Idols", das dunkel-polternde "Coffin", das ruhige "Old Beginnings" von Shabaam Sahdeeq oder aber das viel zu kurz geratene "Dark Arts", das sich als besten Freund die Repeat-Taste aussucht. Das vom Little Vic-Album stammende "Sister Morphine" fügt sich gut ein und stellt einen guten Kontrast zum Horrorkabinett in "Hellbent 3" dar. Auch L.I.F.E. Long bekommt zusammen mit dem Kollegen Respect Da God einen IDE-Banger vorgesetzt, ebenso wie S.O.U.L. Purpose. Und wer denkt, bei 26 Tracks ist gegen Ende die Luft raus, der hat sich geschnitten - wenn im eineinhalbminütigen "Creative Juices" mit Main Flow ein weiteres Instrumental-Juwel verballert wird, wenn IDE und Aluard ihren letzten Auftritt haben, wenn Dark Water von TSOI seine Lines vom Stapel lässt oder abschließend "Cali Culture Chiefing" einläuft, wird man jedem Track etwas abgewinnen können, und das auch auf lange Dauer.


Fazit:
"Endless Varieties 2" ist ein weiteres Manifest der Klasse des Labels Creative Juices - alleine wegen der Handvoll Tracks der Roster-Artists lohnt sich diese Platte. Da die Zahl der nicht exklusiven Tracks sehr überschaubar ist und da generell fast kein einziger Track geskippt werden muss, sollte der geneigte Ostküstenkonsument diesem Mixtape mit offenen Armen entgegentreten und vergessen, dass sich seine musikalische Welt im Jahre 2008 eigentlich in einer schweren Rezession befindet. Da "Endless Varieties 2" dann allerdings doch nur ein Mixtape ist, bleibt die Wertung im gemäßigten Bereich.

Gesamtwertung: 7.2 / 10

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Antithesis - JLaine, T. Fox & Wes Felton Are Antithesis

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Release-Date: 11. März 2008
Label: Tasteful Licks Records

Tracklist:
01. Body Star
02. Space Cadet Pt. 1
03. Prom Queen On The Train
04. Me And You And Everyone We Know
05. Love Is Somthin' Mo'
06. Space Cadet Pt. 2
07. Happy To Show You
08. Prom Queen In Leather
09. Magical - (feat. K'Alyn & Dub Ell)
10. DC Fast Lane
11. Bird Watchin'
12. Bags
13. Seasons
14. Strong Enuff
15. Dilla Glows
16. 17 Is The New 30



Zwei Wochen nachdem Wes Felton über Tasteful Licks sein Soloalbum "Distraction City" veröffentlichte, erscheint dieses Werk hier. Antithesis ist der Zusammenschluss von drei Künstlern, die alle Washington, D.C. bzw. Nortthern Virginia stammen. Neben dem schon erwähnten Wes Felton handelt es sich dabei noch um Travis Fox und Jon Laine. (Fast) Ohne weitere Hilfe hebt das Trio sein Debüt, ein Konzeptalbum, aus der Taufe.

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Dass JLaine ein fähiger Produzent ist, sollte bereits mit der Dilla-Widmung "Apple Jons" zutage getreten sein. Da auch Wes und Fox die Arbeit an den Knöpfchen beherrschen, bedarf es seitens der Produktion keiner zusätzlichen Gäste. Außerdem verspricht schon das Zusammentreffen dieses vielschichtigen und vielseitig beeinflussten Trios einige sehr interessante muskalische Aspekte. Die Bewunderung für James Yancey scheint auch hier keine Grenzen zu kennen und neben den Einflüssen, die oft und versteckt hervortreten, findet sich mit "Dilla Glows" auch ein Track, den man dem Detroiter widmet. Dass hier kein purer Abklatsch stattfindet, sollte jedoch trotzdem offensichtlich sein. Die unglaubliche Rawness, die Dilla beizeiten in seine Songs einfließen lies, wird hier ausgeblendet und stattdessen mit viel Gesang ausgefüllt. Beizeiten ist "Antithesis" sowieso kein Rap-Album mehr: "Magical" kommt mit nicht mehr als Gitarrenbegleitung aus, in "Seasons" wird das Instrumental neben verhaltenem Gesang in den Vordergrund gerückt und "Strong Enuff" schließlich lebt über vernachlässigbarem musikalischem Hintergrund nur vom Gesang von T.Fox. Raps gibt es dann, wenn Wes Felton in den Ring tritt, beispielsweise in "Space Cadet Pt. 1", der Geschichte einer drogenabhängigen Bekannten des Interpreten oder in "Bags", das als Fusion von Gesang, Raps und einem wunderbar relaxten Beat das Highlight dieser Scheibe darstellt. Doch sobald man realisiert hat, dass "Bags" trotzdem keinesfalls ein wirklich eingängiger Song ist, steht man auch schon vor dem riesigen Problem dieses Albums: von vorne bis hinten ist das zwar alles ganz nett, aber dabei bleibt es auch. An keiner Stelle spielen Antithesis in der obersten Liga, es fehlt einfach der letzte Schritt. Da hilft es auch ganz und gar nicht, dass keine groben Patzer verbrochen werden.


Fazit:
Die Voraussetzungen für dieses Album waren hervorragend. Dass "Antithesis" trotzdem nicht über solide Hintergrundmusik hinauskommt, ist dabei durchaus enttäuschend. Den verantwortlichen Fehler, den Wes Felton, JLaine und T.Fox nun gemacht haben, zu identifizieren, fällt ebenfalls schwer - für ein gutes Album gibt es nunmal kein Patentrezept. Es könnte also sein, dass ein eventuelles Sophomore-Album ähnlich ausfällt, oder aber ein Geheimtipp wird, dem der hier nicht vorhandene mitreißende Effekt eigen ist. Mit diesem Album von Antithesis hat man jedenfalls nicht viel verpasst, da sei einem lieber zum Wes Felton-Solo geraten.

Gesamtwertung: 5.6 / 10

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