Mittwoch, 29. April 2009

Vakill - The Darkest Cloud

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 05. Mai 2003
Label: Molemen Records

Tracklist:
01. Intro
02. The Darkest Cloud
03. The Creed
04. Til The World Blows Up
05. Sickplicity
06. Dear Life
07. Forbidden Scriptures (Feat. Breeze Evahflowin, Jakki, Camu Tao & Copywrite)
08. American Gothic
09. Forever
10. Fallen (Feat. Slug)
11. Cry You A River
12. Sweetest Way To Die
13. The Crown Don't Move
14. The Flyer
15. End Of Days



Aus der South Side von Chicago in die oberste Liga der Emcees aus der City of Wind: Vakill mischt schon seit den frühen Neunzigern mit und brachte es trotzdem erst 2003 zum offiziellen Debütalbum. Doch deshalb war er zuvor nicht untätig: Als Gründungsmitglied der Molemen ist die feste Bindung zum schwer respektierten Produzenten-Trio selbstverständlich. 2001 wird dann "Kill 'Em All", eine Übersicht über seinen bisherigen Output, veröffentlicht und bietet Battle-Rap vom Feinsten. "The Darkest Cloud", hinter dem natürlich wieder die Molemen stehen, will jedoch noch mehr sein als nur Battle-Rap.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Wenn Vakill seine Stimme erhebt, geht der Rest in Deckung. Ein kräftiges Stimmorgan und ein messerscharfer Flow prädestinieren diese Person zum Emcee. Für das Debüt hat Vakill auch nur ein winziges Anliegen: Wer diese CD einlegt, der muss für die folgende Stunde auf die Sonne verzichten, da diese hinter einer dunklen, der dunkelsten Wolke - von Vakill heraufbeschworen - verschwindet. Diesbezüglich verdient das "Intro" gleich das erste Lob: Die von Panik kreierte, bedrohliche Stimmung und die unmissverständlich pumpende Drumline geben die Marschrichtung vor, an die sich auch der Rest der Produzenten hält. Richtig losgelegt wird mit dem Titeltrack, "The Darkest Cloud", einem Brecher, der nicht etwa den ersten vorsichtigen Schrtt tut, sondern gleich zu Beginn alles hinwegfegt und dem Rest der Scheibe eine breite Schneise, in der nichts den zerschmetternden Punchlines Vakills standgehalten hat, hinterlässt: "If the name of my profession is 'Fuck you' / Then basically, what I'm trying to say is: Never mind, my work speaks for itself". Doch darauf ruht sich Vakill selbstverständlich nicht aus: Wird mit "The Crown Don't Move" nochmals bekräftigt, wer die dicksten Eier hat (Vakill natürlich), so werden außerdem noch weitere Facetten des Protagonisten offenbart: In "Dear Life" geht es um Leben und Sterben mit sarkastischem Unterton, während das Instrumental zwischen seinen düsteren Nachbarn wie ein Sonnenstrahl anmutet. Ansonsten sind es die Beats, die das Niveau der brillianten Raps halten und die Scheibe zu dem machen, was sie ist. Die steinern harten Drumlines erinnern an goldene Zeiten der Ostküste, zusammen mit dem Rest macht dies die Handschrift der Molemen (wobei hier Memo und Panik fast die gesamte Produktion tragen) aus. Neben den Battle-Raps, die ohne Zweifel zu Vakill passen, beherrscht der MC auch unterhaltsames Storytelling, wie etwa "Fallen" beweist: In der Rolle des Don Murda, der, nachdem er von seiner Plattenfirma gedroppt wurde, seinen Label-CEO in den Himmel schickt und an im Anschluss Geiseln nimmt, steht Vakill dem Verhandlungsführer Slug gegenüber. Zusammen mit der simplen Piano-Line ein Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Später schlüpft er in die Rolle eines Graffiti-Writers, der vor seinem Third Strike flüchtet und den "Sweetest Way To Die" wählt. Doch dieses Album wäre nicht halb so schön ohne die restliche Palette an Battle-Tracks, in denen sämtliche Wack-MCs mit unzähligen Schlägen degradiert und mit dem kleinen Finger zerdrückt werden. Egal ob in "Forbidden Scriptures" als Posse-Track mit unterhaltsamem Line-Up oder in "Sickplicity" als mörderischer Kopfnicker. Doch die Balance wird gehalten: In "Cry You A River" wird es erneut persönlich (die Widmung an verstorbene Freunde ist natürlich nicht neu, aber trotzdem gut verpackt), während in "End Of Days" zum letzten Rundumschlag ausgeholt wird, der nochmals grandiose Zeilen hervorbringt:

"Competition's like parking spots
Good one's hard to find
Everything else is handicapped
"


Fazit:
Nach 15 Tracks ist man sich sicher: Vakill gehört zur Liste der Emcees, die man im Auge behalten wird. Die Voraussetzungen für weitere hervorragende Alben sind hier einfach gegeben: Vakill als Emcee ist sowieso über jeden Zeifel erhaben und mit den Molemen ist ein schlecht produziertes Album nicht zu erwarten. Doch vielleicht wird ihm auch genau deshalb der Weg in die ganz hohen Wertungen verwehrt bleiben: Denn irgendwo klingt es so, als ob Panik und Memo hier nicht viel mehr als das Geleistete zu vollbringen imstande sind. Doch wen stört das schon, wenn man mit "The Darkest Cloud" ein Debüt vor sich hat, das von Anfang bis Ende unterhält und sich getrost als kleiner Klassiker des Chicago HipHop ansehen darf?

Gesamtwertung: 8.3 / 10

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Rapper Big Pooh - The Delightful Bars (North American Pie Version)

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 05. Mai 2009
Label: Hall Of Justus

Tracklist:
01. North American Pie Intro
02. The Comeback
03. Its A Go (Feat. Torae)
04. Nothing Less (Feat. Ab Soul, Jay Rock & K Dot)
05. C.O.D.
06. Move (Feat. Darien Brockington)
07. Something Like Stars (Feat. Big Treal)
08. Step Up
09. Reality Check (Feat. Big Dho, D. Black & Mykestro)
10. Problems (Feat. Jozeemo)
11. AMO A SU PAPI DE LA BARRA (Skit)
12. Roll Call (Feat. Jozeemo, Chaundon & Joe Scudda)
13. The Life (Feat. Mushinah)
14. Rearview Mirror
15. EMPANADA NORTE AMERICANA OUTRO



Sie ist definitiv sympathisch: Die wohlgerundete eine Hälfte von Little Brother namens (Rapper) Big Pooh, die weiter daran arbeitet, sich auch als Solo-Künstler einen Namen zu machen. Das Debüt "Sleepers" bekam und bekommt auch heute noch keine übermäßige Beachtung, was dem Zweitling "Dirty Pretty Things" nicht passieren soll. Um sich im Gespräch zu halten, war ein Mixtape geplant. Weniger geplant war, dass aus den entsprechenden Sessions ein Street-Album in vierfacher Ausführung hervorgeht: Neben der hier vorliegenden Standard-Version wären da noch die Versionen mit kandiertem Apfel à la iTunes, belgischer Schokolade und japanischem Daifuku. "The Delightful Bars" ist der treffliche Titel, der in dieser Version den "American Pie", natürlich veröffentlicht über das eigene Hall Of Justus-Label, serviert.

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Auch wenn mit sämtlichen Covern gleich delightfully daneben gegriffen wurde, tut das "Intro" mit verführerischer Stimme sein Bestes, um dem Hörer den bevorstehenden Naschgang schmackhaft zu machen. Doch darauf alleine verlässt sich Pooh selbstverständlich nicht. Im Gepäck hat er eine Wagenladung an Gästen, die sowohl bzgl. der Beats als auch der Raps für gute Unterhaltung sorgen sollen. Für Little Brother Fans bedeutet dies allerdings schon die erste Enttäuschung: Kein Phonte und nur ein Beat von 9th Wonder haben es hier aufs Album geschafft. Von der HoJ hingegen schleppt Pooh dann doch den ein oder anderen Emcee aus der zweiten Reihe mit sich: Joe Scudda und Jozeemo sind nur zwei davon. Trotzdem besteht mit der Viezahl an verschiedenen und vielfältigen Producern, unter denen Jake One aus Seattle und Young RJ aus Detroit als handfestes Beispiel dienen, durchaus Hoffnung, dass es Big Pooh gelingt, aus dem Klammergriff des langweiligen HoJ-Sounds auszubrechen. Doch Fehlanzeige. Schnell - viel zu schnell - wird dem Hörer bewusst, dass er sich hier wie immer mit halbgaren Representern, harmlosen Sounds und zu oft durchgekauten Themen von der Stange herumzuschlagen hat. Mit "Come on media - don't bootleg my album" bzw. "Come on consumer - go buy my album" hat man hier außerdem einen ernsthaften Anwärter für das nervtötendste bzw. dämlichste Promo-Gequatsche der letzten Jahre. Relaxed ist die Scheibe trotzdem - was sie aber auch jegliche Spannung kostet. Dass Khrysis derzeit in einer nicht enden wollenden Krise steckt, offenbart sich hier erneut: Wo "The Comeback" viel zu berechenbar einläuft, gewinnt "Reality Check" gerade noch ein müdes Lächeln. Lediglich "The Life" baut (natürlich weiterhin voll im klanglich begrenzten Rahmen des Albums) mit dem Gesang Mushinah's ein wenig Atmosphäre auf. Weitaus erschreckender ist jedoch, dass auch die externen Produzenten keine Akzente im Album setzen können: Young RJ lässt den Detroit-Flavor in "Nothing Less" nur ganz bedingt aufleben und Jake One bleibt in "Something Like Stars" erschreckend blass. Seitens der Raps passiert nicht viel mehr: Ausgelutschte Hooks, Gäste, die das Album nicht bereichern und ein Big Pooh, dem unter all diesen Umständen das Publikum flöten geht. Nachdem ihn auch Illmind im Stich lässt, scheint alles verloren - doch es sind glücklicherweise gerade die unbekannteren Namen, die diese Scheibe vor wirklich schlechten Noten retten (teilweise - beileibe nicht durchgehend): Dae One bastelt mit "It's A Go" genießbare Musik, und auch sonst hieven sich einige Stücke (z.B. "Step Up") in ebendiesen, akzeptablen Bereich. Ironischerweise ist es gerade 9th Wonder, der im abschließenden "Rearview Mirror" seine altbewährte Sample-Kunst auffährt und diesem Album einen angenehmen Abtritt verschafft.


Fazit:
Es ist Definitionssache, ob die standardisierten "Patzer" der Produzenten wirklich als solche bezeichnet werden sollten. "08/15-Leistung" beschreibt es auch ganz gut und lässt außerdem erkennen, dass das, was hier geleistet wurde, gemessen am eigenen Status (und beispielsweise bei Jake One auch an dem, was er 2008 noch mit seinem Debütalbum veröffentlichte) zu wenig ist. Für das wenig beachtete Mixtape, als welches "The Delightful Bars" eigentlich geplant war, wäre dieses Material akzeptabel - als zu hoch gehyptes Street-Album in Vierfachausführung ist es (unter der Annahme, dass die hier nicht vertretenen restlichen Tracks ähnlich gut sind) seinen Preis nicht wert. Unter solchen Umständen muss man Big Pooh als Solo-Künstler nicht weiter beachten und sollte sich entweder Phonte und Nicolay zuwenden - oder mal wieder "The Listening" in den Player einwerfen. Für die hier vergebenen 50% sollte sich Pooh bei seinem früheren LB-Kollegen 9th Wonder bedanken.

Gesamtwertung: 4.9 / 10

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The Reavers - Terror Firma

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Release Date: 15. November 2005
Label: Backwoodz Studioz / Green Streets Entertainment

Tracklist:
01. America (Feat. feat. Spiega, Hasan Salaam & Akir)
02. Web (Feat. Vordul Mega & Billy Woods)
04. Slums (Feat. Akir, Priviledge, Goldenchild, Billy Woods & Vordul Mega)
05. Bodybuilding (Feat. Keith Masters & Billy Woods)
06. Pirate (Feat. Priviledge)
07. Beast (Feat. Kong & Spiega)
08. Invasion (Feat. Hasan Salaam & Billy Woods)
09. Penmanship (Feat. Vordul Mega, Billy Woods & Karniege)
10. Napalm (Feat. Dom Pacino, Keith Masters & NLZ)
11. Empire (Feat. Priviledge, Billy Woods & Vordul Mega)
12. Melody (Feat. Akir, Keith Masters, Goldenchild, Priviledge & Karniege)
13. Arcade (Feat. Priviledge & Billy Woods)
14. Nature (Feat. Vordul Mega, Billy Woods, Goldenchild & Spiega)
15. Warrior (Feat. Hasan Salaam)
16. Genocide (Feat. Spiega, Billy Woods & Kong)
17. Scoundrels (Feat. Keith Masters)
18. Skirmish (Feat. Priviledge & Billy Woods)
19. Shadows (Feat. Akir, Hasan Salaam, Billy Woods, Goldenchild & Vordul Mega)
20. Hochiminh (Feat. Vordul Mega & Billy Woods)



Vereint unter dem Banner der Backwoodz Studioz war es 2005 diese Truppe, die als eine der bedeutendsten Neugründungen im Big Apple der letzten Jahre zu zählen ist. Trotzdem verlief die Veröffentlichung des Debütalbums der Reavers eher weniger aufsehenerregend. Dabei ist die Gruppe, deren Namen auch als Apronym für "Revolutionary Emcees Advocating their Views on Everyday Reality Struggles" verstanden werden kann, eine elfköpfige Formation, die einige der feinsten Underground-Adressen der Ostküste vereint. Vordul Mega, Billy Woods, Priviledge, Keith Masters, Dom Pachino, Kong, Spiega, Goldenchild, Karniege, Hasan Salaam und Akir sind es, die mit "Terror Firma" ein Album vorlegten, das unter den turmhohen Erwartungen fast nur einknicken konnte.

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Dem gebildeten Fan geht bei einer solchen Kombo natürlich das Herz auf: Backwoodz, Monsta Island Czars, Killarmy und weitere geschätzte Camps treffen aufeinander. Da Backwoodz die Initiatoren sind, dürfte es auch nicht verwundern, dass der Sound unter anderem von der gängigen Riege aus Bond, Dr. Monokrome und DJ Marmaduke produziert wurde. So groß die Zahl der Mitglieder auch sein mag, deren Kompatibilitätsvermögen steht, schon durch mehrmalige Zusammenarbeit zuvor bewiesen, außer Frage. Czars und Backwoodz funktionierten beispielsweise schon auf dem Projekt von Bond und Ravage. Und mit den politischen Ansichten und Anliegen, die auf diesem Album kundgetan werden sollen, besteht sowieso gemeinsamer Nährboden. Der Kern der Scheibe ist dabei logischerweise das Backwoodz-Camp selbst, weshalb Woods, Vordul und Edge auch die meisten Auftritte verbuchen. Gegen Kaliber wie Dom Pachino mag dem wenig bewanderten Hörer das Verhältnis von einem zu ganzen zwölf Auftritten von Woods wie eine Mogelpackung erscheinen. Doch hier wird man schnell eines Besseren belehrt: Woods hat mit seinen Soloalben schon bewiesen, was er kann, wohingegen der blasse Auftritt des P.R. Terrorist auf "Napalm" nicht einmal dessen Mitgliedschaft in der Gruppe rechtfertigt. Er alleine ist es auch, der nicht wie ein Teil der Formation wirkt. Beim Rest steht das Funktionieren dieser Zweckgemeinschaft außer Zweifel. Düstere, inhaltsschwere Zeilen werden geklopft. Und wer passt da besser als das bewährte Trübsinnsduo Megallah und Woods, das in "Web" erwartungsgemäß eine starke Show bietet, die zu einem nicht unerheblichen Teil vom genialen Beat Monokrome's profitiert. Bereits zuvor eröffnet Spiega mit seiner Stimme aus einem anderen Universum die Partie in "America", das sich mit eingängiger Streichermelodie ebenfalls als Highlight anbietet und zudem die ungemeine Harmonie zwischen Hasan Salaam und Spiega aufzeigt. So gelungen der Einstieg auch vonstatten geht - die Begeisterung beginnt, sich mit den nächsten Nummern aufzulösen. Wo "Slums" noch ganz nett ist und "Bodybuilding" mit düsterem Streichergewand gute Ansätze zeigt, ist Edge's Geplänkel in "Pirate" total fehlproduziert. Auch die Czars-Cousins kämpfen in "Beast" auf vollkommen verlorenem Posten. Damit ist schnell klar: Neben dem unvermeidbaren Anteil an mittelwertigem Material hat man es hier mit einer hohen Standardabweichung zu tun, die einem sowohl positive als auch negative Ergebnisse beschert. Schuld an Zweiterem ist entweder eine durchschnittliche Tagesform des jeweiligen Emcees oder aber (viel eher) die Produktion. Man merkt den Beat-Bastlern an, dass sie bemüht sind, nicht im langweiligen BoomBap-Alltag stehen zu bleiben und kreative Elemente miteinzubinden - was zum Teil nach hinten losgeht. "Arcade" hat beispielsweise nicht mehr viel mit Musik zu tun und schabt unangenehm an den Hörgängen. Überreizt von solchen Songs, fängt die Aufmerksamkeit des Hörers bei herkömmlichen und dabei nicht hervorragenden Nummern schnell an, sich zu lösen. Glücklicherweise gibt es neben dem Teil, der entweder irrelevant, schnell vergessen oder nicht schmackhaft ist, noch eine kleine Auswahl an richtigen Hochkarätern. Zu den bereits genannten Openern gesellt sich "Genocide", bei dem Spiega, Woods und Kong vom eigenwillig großartigen Instrumental angefeuert werden. Und während Keith Masters seinen Solo-Shot in "Scoundrels" meistert, wird der Hörer gegen Ende von dem von Axis grandios produzierten "Shadows" mitgerissen, das mit seiner melancholischen Stimmung einen Wegweiser, wie das Album viel öfter hätte klingen müssen, aufstellt. Denn gleich im Anschluss stiehlt sich die LP mit "Hochiminh" vollkommen belanglos aus dem Hintereingang.


Fazit:
Woran es letztendlich lag, dass "Terror Firma" nicht besser ist, will sich mir nicht so recht erschließen. Dass dieses Kollektiv zu viele Köpfe habe, untereinander nicht harmoniere und ein Album somit zur Compilation verdammt sei, ist völliger Quatsch (ausgenommen evtl. Dom Pachino) - keiner der Emcees legt Wert darauf, sich selbst in den Vordergrund zu stellen, es wird als Team operiert. Auch die Produzenten wären eigentlich dazu imstande, ein solches Werk entsprechend auszustatten. Doch sie tun es nicht. Bezeichnend dafür, was hier eigentlich hätte entstehen können, sind die Leistungsschwankungen: Von totalen Fehlgriffen reicht die Spanne bis hin zu einigen genialen Momenten (ganz im Gegensatz zum sonstigen, einheitlichen Sumpf aus Mittelmaß), die immer wieder kurz durchscheinen und das eigentliche, ungemein riesige Potential der Reavers unter Beweis stellen.

Gesamtwertung: 6.3 / 10

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Killarmy - Silent Weapons For Quiet Wars

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Release Date: 05. August 1997
Label: Wu-Tang Records / Priority Records

Tracklist:
01. Dress To Kill
02. Clash Of The Titans (Feat. Streetlife)
03. Burning Season
04. Blood For Blood
05. Seems It Never Fails
06. Universal Soldiers
07. Love, Hell Or Right
08. Wake Up (Feat. Hell Razah & Prodigal Sunn)
09. Fair, Love & War
10. Wu-Renegades
11. Full Moon
12. Under Siege
13. Shelter (Feat. Hoffa)
14. Camouflage Ninjas
15. Swinging Swords
16. War Face (Feat. Hoffa)
17. 5 Stars (Feat. Masta Killa)



Die Familie des Wu-Tang Clans ist bekanntermaßen riesig, sie umschließt eine unglaublich große Liste an Affiliates, die alle unter der Flagge des Clans Hip Hop unter die Massen bringen bzw. brachten. Eine der ersten Gruppen auf dem Wu-Tang-Zug war die Killarmy (eigentlich Killa-Army gesprochen). Mit ihren sechs (plus eins) Mitgliedern ist sie neben dem Clan eine der größeren Gruppierungen. Einzuteilen ist sie in zwei Hälften: Aus den Straßen New Yorks sind es RZA's Bruder 9th Prince und zudem Islord, Killa Sin und P.R. Terrorist (alias Dom Pachino), aus dem Steel Valley / Ohio stößt Produzent 4th Disciple mit Shogun Assason und Beretta 9 hinzu. Das erste Album erblickt 1997 unter dem Titel "Silent Weapons For Quiet Wars" das Licht der Welt.

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Wo sich der Titel auf Verschwörungstheorien bezieht, sollte gleich zu Beginn eines klargestellt werden: Solche Ansätze werden nicht wirklich verfolgt, diese Scheibe dreht sich um das schmutzige Geschäft des Kriegs, dessen metaphorische Anwendungen und die Handhabung der richtigen (lyrischen) Waffen. Die sechs Lyricists gehen mit einer Einstellung, die gepflegt auf alles - Normen, die Industrie, politische Korrektheit - scheißt und die stattdessen die Rhymes sprechen lässt, ins Rennen. Was bei erstem Anhören wie ein undurchsichtlicher Pulg aus sechs aggressiven Mäulern voller Reißzähne klingt, offenbart bei differenzierter Betrachtung eine Formation, die eine erstaunliche Qualität an den Tag legt und in der sich jeder Emcee zu behaupten weiß. Außerdem ist da auch noch 4th Disciple, der eigentliche Star der Platte, der bekanntermaßen ja schon zuvor im Wu-Tang Umfeld aktiv war, mit diesem Album jedoch ein Monument seines genialen Könnens errichtet: Simple Piano-Lines, pumpende Kicks, nüchtern-trockene Snares, Streicheraufgebote und hier und da ein Voice-Sample - mit den simpelsten Mitteln braut 4th seinen Zaubertrank, der wahre Wunder wirkt - selten war ein Album mit solch konsequent gutem, hartem Sound gesegnet. Dabei werden die Kung Fu-Samples größtenteils gegen Maschinengewehrrattern eingetauscht, denn dort liegt das Metier der Killarmy. Vom Opener, dem opulenten und genialen Representer "Dress To Kill", zum abschließenden "5 Stars", für das sogar Generalfeldmarschall Masta Killa den Gefechtsstand betritt, befindet man sich "Under Siege", was die durchgehende Kampfbereitschaft bedeutet. Neben Songs wie dem eiskalten "War Face" (mit trefflichem "Full Metal Jacket"-Sample), für das RZA eine von zwei Gastproduktionen beisteuert, legt 4th Disciple Wert darauf, mit eleganten und bedachten Arrangements die Brücke zum Wu-Tang Sound nicht einzureißen - "Camouflage Ninjas" oder "Swinging Swords" sind die verehrenswerten Resultate. Hell Razah und Prodigal Sunn schauen auf "Wake Up" (der zweiten RZA-Produktion) vorbei, und neben Hoffa aus dem Steel Valley komplettiert Streetlife auf einer weiteren Großtat von 4th Disciple, "Clash Of The Titans", die kurze Liste der Gäste. Irgendwo zwischen dem Berg aus Kriegsmaterial, auf dem die Killarmy sitzt, scheinen ab und an auch Black Supremacist-Ansätze durch, stören jedoch nie wirklich. Ansonsten ist die Devise: "Killarmy profilin', mostly buckwildin'". Und findet sich in "Fair, Love & War" tatsächlich mal ein Track, der ein wenig schwächelt, so wird in "Wu-Renegades" prompt ein Song der Extraklasse nachgeschoben. Wieder einmal ist es 4th Disciple, der den ungebrochenen Wortfluss von Pachino, Killa Sin, 9th Prince und Beretta 9 mit einer umgreifend wallenden Piano-Line veredelt. Zum Abschluss sei noch 9th Prince mit einigen repräsentativen Zeilen aus "5 Star" zitiert:

"As night falls the commandos teams seize the palace
Fiercely assault commands the volts
Explode in the air like lightning bolts
We rippin' out your spleen, at battlegrounds like the dense jungles of Phillipines
Drunk monk sip O.E. out the canteen, men at war with guillotines
"


Fazit:
Bei der Einordnung dieser Scheibe im Wu-Universum bleibt zu sagen, dass sie, ähnlich dem Sunz Of Man-Sound der ersten Tage, schwerlich mit den Wu-Tang Alben selbst gleichgesetzt werden kann. Die Killarmy ist die unzensierte Version des Clans, die Unterabteilung in der Firma Wu-Tang, die sich auf alles mit großem Kaliber spezialisiert hat, dieses Fach aber ähnlich kunstvoll meistert wie seinerzeit der Clan seine 36 Kammern. Sechs hungrige Emcees (oder fünfeinhalb, wenn man Islord's Gefängnisaufenthalt zu jener Zeit berücksichtigt), ein mächtiger Producer im Hintergrund, damit schmiedet die Killarmy ihre "Silent Weapons For Quiet Wars". Was fälschlicherweise auf den ersten Blick wie ein Abklatsch aussehen mag, ist in Wahrheit ein Klassiker, dem höchstens die Killarmy selbst mit ihrem Nachfolger nahezukommen vermochte.

Gesamtwertung: 9.4 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Samstag, 25. April 2009

Bond - Golden Gunn

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Release Date: 2005
Label: Backwoodz Studioz

Tracklist:
01. Coup Du Jour (Feat. Vordul Mega & Creature)
02. Basic Training
03. Yardman Anthem (Feat. Vordul Mega, Akir, Billy Woods, Priviledge & Hasan Salaam)
04. Paranoia
05. Bank Job (Feat. MykCee)
06. Pre-Emptive Strikes Remix (Feat. Billy Woods)
07. Lawmen
08. General Tso (Feat. Hasan Salaam & HiCoup)
09. Adam & Evil
10. Barbarians At The Gate (Feat. Super Cron Flight Brothers)
11. Stay Quiet (Remix) (Feat. Billy Woods, Priviledge & Vordul Mega)
12. 007
13. Come On and Take It (Feat. Billy Woods)
14. Low Tide
15. Holy Ghost
16. Warrior (Remix) (Feat. Hasan Salaam)
17. Unemployment
18. Rent Control (Feat. Billy Woods)
19. Cigar Squad
20. 1876 (Feat. Billy Woods)
21. Recon
22. Level Up (Feat. Keith Masters)
23. Poli-Sci (Feat. Billy Woods & Vordul Mega)
24. Plague
25. Ritual
26. Rehab
27. O Child



Bond - dieser Name wird in einem Atemzug mit den Backwoodz Studioz genannt. Kein Wunder, ist der in Brooklyn residierende Herr doch auch der Hauptproduzent hinter dem Indie-Label aus New York. Das schweißt ihn fest zusammen mit den dort tätigen Künstlern, zu denen u.a. Billy Woods oder Vordul Mega zu zählen sind. Eine Kollaboration auf Albumlänge mit RAVAGE The MeccaGodZilla aus dem Monsta Island Czars-Camp und davor noch eine eigene EP ("Eminent Domain") stellen den bisherigen Opus dar. Um dem Hörer ein Türchen in die Hallen seines Tuns und Schaffens zu öffnen, veröffentlicht er "Golden Gunn", ein Werk zwischen Mixtape und Album.

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27 Tracks, 70 Minuten, eine Handvoll Gäste, die nur auf knapp der Hälfte der Songs zu Wort kommen. Der Rest der Zeit gehört Bond ganz allein. Doch auch sonst besteht nie ein Zweifel, wer hier der Protagonist ist. Als Trip durch "every genre of music that's ever been recorded" wird die Scheibe angekündigt - und das ist sie auch. Die abschnittsweisen Begleiter sollten niemanden groß überraschen: Zu den üblichen Verdächtigen gesellen sich Akir (als Reavers-Mitglied ebenfalls keine Überraschung), Mykcee und Creature. Doch die Raps sind hier meist nur die Begleitung. Der Kern dieser Scheibe liegt im rasanten Tempo, das Bond vorgibt: Flüssige Übergänge verknüpfen die Unzahl an Instrumentals, die Bond ins Rennen schickt. Zwischen einer und zwei Minuten dauern viele Songs, scheuen sich deswegen jedoch nicht, mindestens einen Beat-Umbruch in sich zu tragen. Unverkennbar ist außerdem die Kunst, die Bond in den Exzess treibt: das Samplen. Tracks wie "Paranoia" bedürfen keiner Gäste - Bond samplet sich alles selbst zusammen: Von Rappern wie Prodigy zu Filmen und generell allem, was Bond an gesprochenem Wort in die Hände fällt. Eastcoast-typische Streicher, wie etwa in "Plague", finden sich immer wieder. Wenn der Sound nicht gerade abstrakt ist, dann hält es Bond meist eher ernst. Bestes Beispiel ist "Poli-Sci", ein für das geniale Dreigespann Woods-Vordul-Bond sehr repräsentativer Track, dessen klagende Streicher die schwermütigen Raps umzüngeln - Backwoodz-Fans wissen, was sie sich bei solchen Umschreibungen vorzustellen haben. In "Lawmen" hingegen entführt Bond den Hörer auf eine musikalische Weltreise, während eine Armada von Wortfetzen um das Thema Cops errichtet wird. Kurze, oft großartige Momente blitzen auf, entzücken und räumen auch schon wieder die Bühne für den nächsten Beat. Eineinhalb Minuten rollt Billy Woods über ein gepitchtes Voice-Sample in "Come On And Take It", nur damit direkt im Anschluss mit "Low Tide" die Fusion neuer Elemente ein weiteres Highlight setzt, das sich übrigens auch auf dem Super Chron Flight Brothers Album wiederfindet. "Ritual" setzt an mit Chorgesang, "007" bedient sich erwartungsgemäß beim Mann mit dem goldenen Colt. Während fast sämtliche Samples schwer zuzuordnen und aus unergründlichen Tiefen ausgegraben zu sein scheinen, hat Bond keine Hemmungen, auch weithin bekannte Melodien wie William Bell's "I Forgot To Be Your Lover" ("Adam And Evil") mit ins Programm zu nehmen - wieso auch nicht, wenn sie so gut passen? Um keinesfalls langweilig zu werden, unternimmt Billy Woods in "1876", begleitet von dröhnendem Hörner-Klang, eine Zeitreise, während die 5th Column-Abgeordneten HiCoup und Hasan Salaam in "General Tso" über eine chinesische Bambusflöte gejagt werden. Diese überraschend munteren eineinhalb Minuten dürfen sich trotz starker Konkurrenz zum viel zu kurzen Höhepunkt des Albums küren, da das Zusammenspiel von HiCoup's hellem, Hasan's äußerst tiefem Stimmorgan und den einprägsamen Raps gar nicht oft genug gehört werden kann. Ein letztes Beispiel für die Vielfältigkeit sei mit "Stay Quiet (Remix)" genannt, für dessen Melodie Bond ein Bollywood-Sample aus seiner Trickkiste zieht.


Fazit:
Es ist und bleibt zwar nur ein halbes Album (ein halb-instrumentales noch dazu), doch das hält dieses Werk nicht davon ab, zu beeindrucken. Und zwar in Hinsicht auf Bond's Producer-Skills. Liebe zum Detail, ein eigener Stil, eine unwahrscheinlich riesige Bandbreite an Einflüssen und selbstverständlich auch eine exquisite Riege an MCs, die für diese Beats ihre Stimme erheben. "Golden Gunn" reiht sich qualitativ bei den anderen Veröffentlichungen von Backwoodz ein (hat aber durchaus einige mittelmäßige Momente), ist jedoch in seinem Charakter verschieden, höchstens noch vergleichbar mit dem Producer-Clash mit RAVAGE. Von einem Instrumental-Album weit entfernt, bietet es einen guten Überblick über die Welt, in der dieser Geheimagent der Beats - heimlich, still und leise gegenüber Mainstream-HipHop - agiert.

Gesamtwertung: 7.0 / 10

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J.R. & PH7 - Present: The Standard

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Release Date: 24. April 2009
Label: Supercity

Tracklist:
01. JR Intro
02. Rock For Yall (Feat. Supastition & J-Scienide)
03. Fast Lane Speedin (Feat. Oddisee)
04. Summer Chill (Feat. Edgar Allen Floe)
05. Interlude
06. Take It To The Streets (Feat. Planet Asia & Rakaa Iriscience)
07. Top Rank (Feat. Guilty Simpson & Black Milk)
08. Lets Move (Feat. Skyzoo)
09. Ain't Seen This (Feat. 20/20)
10. Best Flow (Feat. Pumpkinhead)
11. Hip Hop Lives (Feat. Edo.G)
12. The World Keeps Turnin' (Feat. Larissa Sirah)
13. Dreams (Feat. Kev Brown, Emskee & Sean Boog of The Away Team)
14. I Keep On Movin' (Feat. Kaze & Edgar Allen Floe)
15. I Dont Know Why (Feat. Oddisee)
16. Zone To Da Nightlife (Feat. Median)
17. The End Is Near (Feat. The Good People & Larissa Sirah)



Produzenten aus Deutschland nehmen ein Album mit Star-Line-Up aus dem US-Untergrund auf - kommt einem bekannt vor? Ja, seit den Snowgoons ist diese Schablone mit einer festen Assoziation verbunden. Doch dasselbe können auch J.R. & PH7. Beide ehemalige Rapper, die irgendwann herausfanden, dass ihnen das Produzieren besser zu Gesicht steht, lernten sie sich vor gut drei Jahren kennen, worauf dann bald eine Freundschaft entstand. Und was ursprünglich als kleine EP mit US-Acts geplant war, hat sich nun ausgedehnt und wird über das österreichische Label Supercity als "The Standard" veröffentlicht.

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Ganz im Gegensatz zu den Snowgoons liegt der Fokus der beiden Kölner eher bei den relaxten, souligen Nummern, die allerdings ebenfalls auf BoomBap als Grundstein bauen und stark von den 90ern geprägt sind. In den Staaten ist eine der ersten Assoziationen, die einem zu einer solchen Beschreibung einfällt, die in North Carolina ansässige Justus League. Und - welch Überraschung - ebenjene Formation ist mit mehreren Mitgliedern und Affiliates mit von der Partie. Dazu gesellen sich diejenigen, die sonst auch auf allen möglichen Producer-Scheiben herumgeistern, und fertig ist die Gästeliste, die zwar für ein deutsches Duo ungewöhnlich, bei den soundlichen Ambitionen von J.R. und PH7, die dieser Platte jegliche Unterschiede zu einem amerikanischen nehmen, allerdings in der Tat dem Titel entspricht und nicht mehr als Standard ist. Kaum eine Producer-LP, die sich in letzter Zeit ohne ein Planet Asia-Feature davonstehlen konnte: Auch hier schlägt der Mann aus Fresno zu, nämlich auf "Take It To The Streets", das mit Rakaa von den Dilated Peoples gleich noch einen weiteren Rucksackträger der Westküste im Gepäck hat. Ausgesprochenes Ziel von "The Standard" ist es, als Musik zu enden, die J.R. und PH7 sich auch selbst freiwillig anhören. Auf polarisierende, spannende oder in anderer Weise normabweichende Experimente wird also gepfiffen. Das hat zur Folge, dass die komplette LP von Anfang bis Ende geschlossen bleibt und vor allem auch zu ihren Gästen passt. Auf der anderen Seite ist die Angst vor Langeweile mehr als nur berechtigt - zu oft driften die Songs ins Belanglose ab. Oder, um es anders auszudrücken: Mit dem Ami-Stil wird auch gleich eine viel zu weit verbreitete Krankheit der aktuellen US-Szene adoptiert. Was Skyzoo in "Let's Move" über ein allzu bekanntes Sample rappt, ist repräsentativ für das ganze Album - es unterscheidet sich nicht nennenswert von den gefühlten 100 Malen, die man solchen BoomBap schon zuvor gehört hat. Das soll natürlich nicht die gute Leistung schmälern, nicht etwa aussagen, dass die Beats durchgehend Schlaftabletten oder gar schlecht seien. Mit dem unerhört smooth-relaxten "Fast Lane Speedin" gelingt sogar eine wahre Köstlichkeit. Doch leider funktioniert das nicht für jeden Künstler so gut wie für Oddisee: Black Milk und Guilty Simpson hätte man durchaus etwas ruffere Töne zumuten können, Pumpkinhead ein flotteres Tempo und Edo. G eine kräftigere Drumline. Die schon erwähnte Justus League-Fraktion hingegen fühlt sich hier pudelwohl, reißt dafür aber trotzdem nicht mehr: Egal, ob der Herr Edgar zusammen mit Kaze seine "Dreams" darlegt oder in "Summer Chill" entspannt - für mehr als solide Kofnicker reicht es nicht. Larissah Sirah bringt (übrigens als einzige Deutsche) zwar ein wenig Abwechslung, doch nicht mehr Schwung ins Album. Als positiver Impuls entpuppt sich auch der zweite Beitrag von Oddisee ("I Don't Know Why"), da der Herr aus Washington hier irgendwie einen Tick besser zurecht kommt als seine Kollegen.


Fazit:
Woran mangelt's also? Was haben J.R. & PH7 falsch gemacht? Solche Fragen sind schlichtweg unangebracht, da man sie nicht wirklich beantworten kann. Falsch gemacht haben die beiden Kölner gar nichts. Abgesehen davon, dass sie auf die Liste der Emcees, die ihre Instrumentals beehrt haben, mehr als nur stolz sein dürfen, wird dieses Album definitiv Musik sein, die sie sich selbst anhören und die auch jeder andere anhören kann. "The Standard" kommt dabei sogar ohne einen einzigen Patzer aus - vergisst dabei jedoch ebenso, irgendwo nennenswerte Höhepunkte zu setzen. Das Fazit heißt also, wie so oft: Nette, relaxte und leicht überdurchschnittliche Hintergrundmusik, doch nicht mehr als Standard.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

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Al'Tarba - Blood Out Connections Vol. 1

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Release Date: 05. April 2009
Label: Moloko Rap

Tracklist:
01. First Injection
02. Walk With The Beast (Feat. Qualm)
03. Consumed (Feat. Planet X)
04. Ego (Feat. Little Vic)
05. Devil In Chains (Feat. Psych Ward)
06. Feed Me (Feat. 2Ugli & Mr Shadow)
07. 2012 (Feat. Planet X)
08. Body Harvest (Feat. ArchNME & Ill Bill)
09. Game Over (Feat. Planet X)
10. Retour A L'Age De Piérre (Feat. Droogz Brigade)
11. 9mm (Remix) (Feat. Planet Asia)
12. Crass Test
13. Regard Percant (Feat. Swift Guad, Seth Gueko, Al K Pote & Aketo)
14. Old Soul (Feat. Savage Brothers)
15. Bubbles For Jess
16. Planetary Takeover (Feat. Lord Lhus, Savage Brothers & Planet X)
17. On Ne Sait Rien (Remix) (Feat. Mysa)
18. Massacre De L'Industrie (Feat. Droogz Brigade)
19. Free From The Straighjack (Feat. Plague Plenty)
20. Science Of Dreams (Feat. IDE)
21. Dead End



Heute wenden wir unseren Blick ins Nachbarland - nach Toulouse, um genau zu sein. 22 Jahr jung ist Al'Tarba und trotzdem hat er erreicht, wovon viele Hobby-Produzenten träumen: Connections zu und Produktionen für einige der angesehensten Größen im Biz: Bei einem Remix-Contest für Ill Bill erntet er dessen Aufmerksamkeit - das Ergebnis ist der Beat zu "I'm From Brooklyn". Mit "Rap, Ultraviolins And Beatmaking" erscheint 2007 auch schon das erste Album. Einen von DJ Muggs veranstalteten Remix-Contest kann Tarba dann sogar gewinnen. Nun hat er eine neue Scheibe in den Startlöchern - "Blood Out Connections Vol. 1", mit Unterstützung sowohl aus den Staaten als auch aus Frankreich.

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Wenn man ganz ehrlich ist, dann ist "I'm From Brooklyn" nicht gerade ein Instrumental, das man positiv in Erinnerung hat. Wer also nichts anderes von dem Franzosen kennt, der wird diesem Album nicht gerade erwartungsvoll gegenüberstehen. Doch Al'Tarba ist besten Bestrebens, alle Zweifler eines Besseren zu belehren. Mit ordentlichem Hunger und erfreulichem Enthusiasmus geht er ans Werk. Sein Sound lässt sich als erste Zuordnung irgendwo da hinstecken, wo auch der ganze AOTP-Kram seine Runden dreht. Dabei zeigt der 22-Jährige, im Gegensatz zu vielen der halbbegabten Knöpfchendreher aus dem AOTP-Umfeld, eine erfrischende Kreativität, die seine Sounds vor Langeweile bewahrt. Der Aufbau ist meist von schwer drückenden Drumlines geprägt - das brachiale "Body Harvest" mit ArchNME und Ill Bill bietet sich hier als Beispiel geradezu an. Die Auswahl an Rappern, mit denen Al'Tarba arbeitet, ist zwar nicht optimal, rückt jedoch genau deswegen den Fokus noch mehr auf seine Produktionen: Die Savage Brothers etwa rauschen ungschlacht durch "Old Soul" und "Planetary Takeover". Ein Glück, dass Tarba's Erzeugnisse dem standhalten. Denn auch bei den zwei Formationen, zu denen sich er sich selbst zählt (die französische Droogz Brigade und Planet X, dessen Restmitglieder in South Carolina sitzen), und die mehrere Auftritte verbuchen, finden sich keine lyrischen Wunderkinder. Doch Tarba macht aus seiner Situation das Beste: schöne Streichermelodien, vielseitige, oft dramatische Voice-Samples, gezielter Gitarreneinsatz, weitere Instrumente und selten durchscheinender Eelctro-Einfluss sind die Zutaten, mit denen er sein Süppchen kocht. Davon profitiert auch der Beat des Remix-Contest-Gewinners zu "9mm", der Planet Asia ebenso gut zu Geischt steht wie Muggs' Original. Mit schlichten Bomben wie "2012" zeigt Tarba, was seine zehn Jahre Erfahrung wert sind. Und wenn dann in "Science Of Dreams" mit IDE ein Rapper mit von der Partie ist, der vortrefflich zu der äußerst düsteren Produktion passt, wird am Schluss dieses Albums noch ein dringlicher Anspieltipp serviert. Gäste wie Psych Ward aus Kanada sind schon von früheren Zusammenarbeiten bekannt und liefern solide Auftritte. Einige Songs rutschen zwar ins Mittelmaß ab ("Game Over"), stellen aber die klare Minderheit. Im Gegenzug führt Tarba außerdem einige Instrumentals ins Feld, was zwar für Producer-Alben dieses Schlags fast schon Standard ist, jedoch trotzdem bestens unterhält: "Crass Test" brennt sich mit seiner brutalen Drumline ins Gedächtnis und "Bubbles For Jess" mit dezentem Einsatz eines Metallophons. "Walk With The Best" dient als Representer zum Einstieg, das solide "Ego" bleibt mit Little Vic dann allerdings hinter seinen Möglichkeiten. Dass das Album jeweils von einem Instrumental ein- und ausgeleitet wird (wobei vor allem das vierminütige "Dead End" eine starke Atmosphäre aufbaut), versteht sich von selbst.


Fazit:
Al'Tarba gelingt das, woran viele Produzenten scheitern: ein stimmiges Album. Eine homogene Auswahl an Gästen wird kombiniert mit einem klaren Sound. Zwar hätten ein paar Instrumentals besser sein können und auf jeden Fall ist die gebotene Rap-Show inhaltlich nicht immer erste Sahne, doch auf der anderen Seite bewegt sich dieses Album den Großteil seiner Spielzeit auf einem angenehmen Niveau. Wer Al'Tarba schon kennt, der weiß, woran er hier ist. Für alle anderen gilt: Wer kein Problem mit der Kombination aus US- und französischen Raps hat und wer desweiteren gerne Eastcoast-angelehnte Produktionen hört, der wird mit "Blood Out Connections Vol. 1" einige Songs für die eigene Playlist finden. Volume Zwei kann kommen.

Gesamtwertung: 7.0 / 10

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Megalon - A Penny For Your Thoughts

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Release Date: 23. November 2004
Label: Day By Day Entertainment

Tracklist:
01. Son's Of Sarah Connors
02. Death B/4 Dishonor (Feat. Ray Long)
03. The Soul Of Jah
04. Street Souljahz
05. Keep Gettin' Money
06. Got My Wings
07. 12 Disciplez
08. Black Jesus
09. Yahkoo
10. Feel It (Hitlist)
11. No Pain
12. Thugs Cry
13. Thief In The Night (Feat. Ray Long)
14. No! Just Us
15. Feel God's Pain
16. Rainblood
17. They Don't Make 'Em Like Me No More
18. Raise Hell
19. Hell Razor
20. Revelations
21. What A Burn
22. When I Go Out



Rodan hat es vorgemacht, Megalon zieht nach. Wie beim Kollegen kommt auch dieses Solodebüt mit reichlich Verspätung in die Läden. Doch das schmälert nicht die Erwartungen, die in dieses Werk gesetzt wurden. Als Mitglied der ursprünglichen Formation der Monsta Island Czars konnte Megalon schon mit seinen früheren Auftritten Akzente setzen und schwimmt mit "A Penny For Your Thoughts" auf der Welle der Soloalben, die von sämtlichen MIC-Mitgliedern angekündigt wurden (um dann, ganz allmählich, zu erscheinen). Erfreulich einerseits, dass sich als Label Grimm's Day By Day Entertainment findet; weniger erfreulich, dass Megalon um diese Zeit hinter Gittern sitzt.

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Wer sich hier ein Schaulaufen der Monster erhofft hat, wird herbe enttäuscht. Kein einziges kreuzt hier auf. Lediglich Bruder Ray Long, seinerzeit vorgestellt auf X-Ray's "Monster Mixes", leistet Megalon zweimal Gesellschaft. Apropos X-Ray - der Mindbenda beschert dieser Scheibe eine fast komplette Produktion, worüber man sich als Fan der bisherigen Machenschaften der MIC wie ein Schneekönig freuen dürfte. Denn auch wenn der (ebenfalls als King Ceasar bekannte) Produzent hinter den Czars inzwischen einen bedauerlichen Teil seiner Unfehlbarkeit eingebüßt hat - auf "A Penny For Your Thoughts" ist noch alles in Ordnung. Düstere Endzeitstimmung macht sich schon in "Son's Of Sarah Connors" (mit dem symbolischen Terminator-Charakter, der sich immer wieder in Megalon's Raps einschleicht) breit. Die dichte Atmosphäre der bisherigen Veröffentlichungen umhüllt den Hörer auch hier in vollem Maße, lässt ihn erst mit dem letzten Song wieder los und wird auch nicht durch die Interlude-artigen Tracks unterbrochen, in denen Megalon nur ein paar Worte von sich gibt. Unter den Monstas war Megalon schon immer eher derjenige, der mit trockenen Reality Raps die Härte des Lebens in seine Texte verpackt hat. Kombiniert mit dem unsauber schnellen und doch mehr als nur hörenswerten Flow sowie seiner belegten, wie von weit entfernt schallend klingenden Stimme konnte er sich damals unter seinen Kollegen behaupten und kann er auch auf diesem Album fesseln. Da stört es auch nicht weiter, wenn bereits bekannte Stücke auf den Plan gerufen werden. "Rainblood" war auf dem "Downfall Of Ibliys" zu hören und ist als einziger Song von Doom produziert. Ray Long's Alleingang im auf dieser Scheibe ungewöhnlich relaxten "Thief In The Night" kennt man unter "We Got Beef Wit Da Cops". "Feel It" macht auch hier noch Spaß und "Hell Razor" (die "Monster Mixes" lassen grüßen) geht sogar noch ein sehr gelungenes Intro voraus. Was nun die bisher ungehörten Tracks betrifft, so lässt sich mit Freude vermerken, dass das Niveau mindestens gehalten wird. Dabei weiß X-Ray, wie er Megalon einen vortrefflich passenden Sound auf Leib zu schneidern hat: Verhalten drohende Klänge wie in "Yahkoo" markieren Hymnen von einzigartigem Gemüt. Und wenn zu Beginn des Albums "Death B/4 Dishonor" loskracht, gibt es sowieso kein Halten mehr. Ungeschliffener New York-Flavor ruht in "What A Bum", während Songs wie "Street Souljahz" erst durch die intensiven Raps zum Hingucker bzw. Hinhörer werden. Trotz der über 20 Stationen kommt das Album schnell genug zu einem Ende, nämlich dem von einem Klavier dominierten "When I Go Out", das gelungen und überraschend hell klingt.


Fazit:
Megalon patzt nicht. Zwar zieht sein Soloeinstand im Direktvergleich mit dem von Rodan (mit dem er sich nunmal messen muss) den Kürzeren, doch außerhalb der internen Czars-Skala ist dieses Album ein starkes Stück Rap-Musik, das 2004 in Sachen Kompromisslosigkeit ohne viel Konkurrenz dasteht. In einer Zeit, in der typischer, düsterer New Yorker Sound selten geworden ist, ist diese Scheibe besonders wertvoll. Trotzdem ist dieses Album eine Art Schlussstein der Serie bis dato veröffentlichter Alben aus jener Ecke (wobei eventuell noch Kwite Def mit seinem Album mitzieht): Die Monster zogen sich vorerst wieder ins Verborgene zurück und verloren sich dabei auch gegenseitig aus den Augen. Megalon hat sich abgewendet und läuft jetzt nur noch unter Tommy Gunn, was seinen vier Jahre später erschienenen Zweitling jedoch trotzdem nicht an "A Penny For Your Thoughts" herankommen lässt.

Gesamtwertung: 8.1 / 10

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MF Woolly - Operation: Chrome & Ivory

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Release Date: 17. März 2009
Label: Granddad Entertainment

Tracklist:
01. The New Villain (Intro)
02. You Need To...
03. Good Morning
04. Sci-Fi Channel
05. Jasper & Otis Talk Mammoth
06. Drop
07. The Box (Feat. Shy Inkwriter)
08. D.M.G.C
09. 41st Street
10. Tuskanee Talks Mammoth
11. Battle Rap Galactica
12. Celebration On A Bandstand (Feat. Jedi Hymie)
13. You Can't Sell Records
14. Midnight Marauders (The Heist)
15. Repetition Heart Sickness (Feat. Shy Inkwriter)
16. Letter To The Princess
17. Bleinstein & Funnybone Talk Mammoth
18. The Mutumbo



Viel Beachtung gab es ja dann nicht, als MF Woolly schließlich sein Album veröffentlichte. Mag daran liegen, dass auch die Promotion gegen Null ging oder dass generell fast das komplette Wesen dieses Unternehmens im Halbdunkeln lag und immer noch liegt. MF Woolly (The Mammoth Villain), das ist die Kombination aus MF Doom und T-Woolly, fusioniert im altbewährten Stil wie man es bei Doom schon kennt (zuletzt als DangerDoom). Woolly ist dabei ein waschechter No-Name, der aus dem Nirgendwo auftaucht, um "Operation: Chrome & Ivory" über das hinter ihm stehende Label Granddad Entertainment" zu veröffentlichen. Auf den ersten Blick hört sich das Projekt auch sehr interessant an: Doom als Produzent, ein frischer MC am Mic...

Doch ganz schnell wird klar, wo hier der Haken ist. Kauft man es Woolly noch ab, dass Doom mit seinem Namen hinter diesem Projekt steht, obwohl es vom Metallgesicht selbst nirgends erwähnt wird, so verbleibt doch (und genau deshalb) die ungeklärte Frage, wie viel Doom aktiv mit diesem Album zu tun hat bzw. hatte. Die Antwort: gar nichts. Die Produktionen sind keine exklusiven, keine neuen, keine bisher ungehörten. Laut Aussage von Woolly sind die Beats alle der "Special Herbs"-Reihe entnommen, dabei jedoch alle neu gemixt und mit extra Samples versehen. Wie der Albumtitel schon erahnen lässt, baut die Scheibe auf Doom's Debüt-Klassiker auf - in Woolly's Worten:

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"Chrome & Ivory is the righteous evil Hip Hop operation that is meant to reinstate the effects of Operation: Doomsday. The record is blueprinted after Doomsday but has its own approach which ensures its success."

Das mag der Hörer nun sehen, wie er will - irgendwo geht immer ein Teil der Begeisterung flöten, wenn alle Beats schon bekannt sind. Das ändert sich auch nicht, wenn DOOM die Geschichte absegnet. Da T-Woolly, der sich selbst - bescheiden wie er ist - auch Wunderkind nennt, einen eigenen Stil und durchaus respektable Skillz an den Tag legt, hätte man sich mit der richtigen Auswahl an nie berappten Instrumentals jedoch ohne Weiteres anfreunden können. Aber nein, das wäre zu einfach. Stattdessen entschließt sich das Wunderkind, ein Drittel seiner Songs mit Instrumentals, die es auch auf der King Geedorah-Scheibe zu hören gab, zu unterlegen. Generell wird viel von dem ersten Doppelpack der "Herbs"-Reihe entnommen, was den Fakt mit sich bringt, dass Woolly fast durchgehend im Direktvergleich mit anderen Rappern steht. Wobei hier schon gesagt werden kann, dass er jedes Mal verliert. Am besten sieht er auf "Midnight Marauders" aus, das sich mit Hassan Chop und "I Wonder" misst: Der Banküberfall, der von Woolly mit solidem Story-Telling an den Mann gebracht wird, weiß zu unterhalten. Der Flow des Mammoth Villains erinnert in seiner unsauber genuschelten Form abschnittsweise sogar an Doom selbst, insgesamt ist Woolly jedoch (vor allem stimmlich gesehen) ein eigenständiger Rapper. Doch wenn man sich beim Einschalten des "Sci-Fi Channel" nur an Doom's "Fazers" erinnert fühlt, erhält die Freude einen herben Dämpfer. Nichts anderes passiert beim Betreten der metaphorischen "41st Street" (die kläglich gegen Gigan's "Live Wirez" eingeht) oder beim Öffnen von "The Box", wobei das Duo Woolly/Inkwriter hier sowohl der Version von Scienz Of Life als auch der von Spiega und King Ceasar gegenübersteht und dabei winzig klein erscheint. "Bleinstein & Funnybone Talk Mammoth" und "Battle Rap Galactica" machen die Geedorah-Fraktion komplett. Schade, dass dabei sogar die ausgefallenen und stilvollen ("The Mutumbo") Track-Titel sowie die amüsant abstrakten Inhalte an Wert einbüßen. Mit "You Can't Sell Records" greift man sogar bei "Doomsday" ("?") selbst (bzw. natürlich auch "Podina" aus dem Herbs-Garten) ab, während Woolly sich gelungen mit der Absatzkrise der Musikindustrie beschäftigt. Unglücklicherweise rutschte mit sämtlichen Verschiebungen dieses Albums auch noch das Werk von John Robinson ("Who Is This Man?") vor "Chrome & Ivory", womit man sich erneut mit einigen Doom-Beats konfrontiert sieht, die ganz und gar nicht jungfräulich sind - "Letter To The Princess" ist hier ebenso schuldig wie "Tuskanee Talks Mammoth" oder das ursprünglich auf "Special Herbs Vol. 0" vertretene "Celebration On A Bandstand". Von den extra Samples bekommt man nur stellenweise etwas zu hören. Abgesehen davon muss jedoch bei all der Kritik erwähnt werden, dass das eigentliche Konzept einer an "Operation: Doomsday" angelehnten Platte mit eigener Seele hervorragend getroffen wurde.


Fazit:
Man muss dieses Album auf zwei Ebenen betrachten. Hinterfragt man die Notwendigkeit der Existenz dieser Platte, sind Zweifel berechtigt: Von der Grundidee des Kopierens zur unglücklichen Tatsache, dass fast alle ausgewählten Beats der Zielgruppe schon, belegt mit besseren Raps, bekannt sein dürften - wirklich überzeugen kann auch Woolly's Argument, warum dieses Album trotzdem brennend interessant sei, nicht. Auf der zweiten Ebene, auf der dieser Aspekt ausgeblendet wird, ist "Operation: Chrome & Ivory" eine großartige Zusammenstellung von Doom-Beats, die zu einem selbstständigen Album mit beachtlicher Rap-Leistung zusammengelötet wurden. Wären die Beats alle neu, so wäre diese Scheibe der unbeachtete Geheimtipp des Jahres. So bleibt es jedem selbst überlassen, wie hoch er die Abzüge ansetzt. Doch wer sich auf den Hörspaß einlässt, der wird von Anfang bis Ende unterhalten.

Gesamtwertung: 6.1 / 10

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Sticky Fingaz - Black Trash: The Autobiography Of Kirk Jones

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Release Date: 22. Mai 2001
Label: Universal

Tracklist:
01. Intro
02. Come On
03. My Dogz Iz My Gunz (Feat. Black Child)
04. Not Die'n
05. Kirk Jones Conscience
06. Money Talks (Feat. Raekwon)
07. Why (Feat. Still Livin' & X1)
08. Oh My God
09. State Vs. Kirk Jones (Feat. Superb, Canibus, Guess Who, Redman, Scarred 4 Life & Rah Digga)
10. Kirk Jones Conscience II
11. Baby Brother (Feat. Dave Hollister)
12. Cheatin'
13. What Chu Want (Feat. X1)
14. Ghetto (Feat. Petey Pablo)
15. What If I Was White (Feat. Eminem)
16. Sister I'm Sorry (Feat. Choclatt)
17. Get It Up (Feat. Fredro Starr)
18. Kirk Jones Conscience III
19. Licken Off In HipHop (Feat. Columbo The Shining Star)
20. Wonderful World



Er ist einer der schillerndsten Vögel, die je im HipHop-Käfig umherflatterten: Sticky Fingaz stellte sich der Welt als einer der glatzköpfigen Schreihälse von Onyx vor, wobei der schielende Sticky mit seinen einzigartigen Parts den inoffiziellen Kopf der Truppe darstellte. Drei Gruppenalben, von der Welt alle positiv aufgenommen, sind im Jahr 2001 veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt folgen die ersten Soloalben: Fredro Starr mit "Firestarr" und eben auch Kirk Jones, der der Welt "Black Trash: The Autobiography Of Kirk Jones" präsentiert.

Im Gegensatz zu seinem Cousin hat Sticky auch wirklich etwas zu erzählen: "Black Trash" ist ein Film in Albumformat, gepolstert mit reichlich Interludes zwischen den jeweiligen Songs und natürlich auch den Songs selbst, die auf Konzept und Handlung zugeschnitten sind. Deswegen macht es hier auch Sinn, chronologisch vorzugehen: Gerade frisch aus dem Knast, stellt Sticky dem Publikum seinen Charakter in "Come On" kurz und bündig vor: Ein unverbesserlicher Kleinkrimineller, der genau dort Fuß fasst, wo er wahrscheinlich vor seiner Einbuchtung aufgehört hat. Nachdem er schnell Bekanntschaft mit Sammy, der es in Sticky's Hood zu Macht und Einfluss gebracht hat, macht, bekommt er von seinem Freund Bruce eine Waffe gesteckt, was zu "My Dogz Iz My Gunz", einer unterhaltsamen Neudefinition des besten Freunds des Menschen, führt. Bereits hier lässt sich vermerken, dass dieses Album für ein Major-Release einen erfreulich gleichgültig dreckigen Stil fährt. Kurzum: Die Beats, die nebenbei von Leuten wie Rockwilder, Nottz und DJ Scratch beigesteuert werden, passen zu Sticky. Zurück in der Albumhandlung stellt unsere Hauptfigur die Zielperson Sammy vor einem Club. Sticky kassiert fünf Treffer, kann jedoch aufgrund seiner Bewährung nicht ins Krankenhaus - "Not Die'n" ist die Konsequenz:

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"I tried everything, swallowed pills, slit my wrist
Made my own brother shoot me, X1 fucking missed!
Tried to paint the walls with my brain, but the gun jammed
At my first shoot out, I stayed - everyone ran
"

"Kirk Jones Conscience" ist die erste von drei Intermissions, in der Sticky dem Hörer eröffnet, dass Sammy das Zeitliche gesegnet hat und Kirk nun seinen Platz (und seine Bitch) eingenommen hat. Nun rollt logischerweise der Rubel. Grund genug, dem Kies einen Song zu widmen - für "Money Talks" erzählen Sticky und Raekwon aus der Sicht der grünen Scheine. Doch da Kirk's Bude bereits zuvor ausgenommen wurde, muss erneut angeschafft werden. In "Why" klinkt sich Kirk ins Auto von Bruce, der ein bürgerliches Leben mit Familie führt, ein, überfällt einen Juwelier und bringt Bruce dazu, mit ihm zu flüchten. Während der Verfolgungsjagd lauscht der Hörer dem Streitgespräch zwischen Kirk und Bruce, wobei Letzterer über seine urplötzlich missliche Lage wenig erbaut ist. Es kommt wie es kommen muss, die Flüchtenden bauen (aufgrund Streitigkeiten über die Steuerführung) einen Unfall, Bruce stirbt. Über seinen toten Freund gebeugt, verflucht Sticky sein Schicksal - Auftakt zum inhaltlichen Höhepunkt der Scheibe. In "Oh My God" bekommt der Hörer eine Konversation zwischen Sünder und Allmächtigem zu hören:

"[Kirk] But why let the suffering go on, why not just stop it?
[God] In order for anything to exist, so must its opposite
How can there be left, if there was never right?
How can something know death, if it never knew life?
How can you lose, if nobody won?
How can it be dark, if there was never a sun?
[...]
[Kirk] But I never asked to be born, I hate my life!
And if you are God dammit, then show me the light
And tell me - what's the meaning of life?
"

Nachdem Vater Staat Sticky Fingaz vor Gericht gezerrt hat, beginnt "State Vs. Kirk Jones": Mit Rah Digga als Richterin, Canibus als grandiosem Staats-, Redman als Rechtsanwalt und mit einer Reihe von Zeugen ist diese Verhandlung ebenfalls ein Leckerbissen, der seinesgleichen sucht. Nachdem Kirk Jones wieder einwandert, erfolgt "Kirk Jones Conscience II" aus dem Bau. "Baby Brother" ist ein Telefongespräch mit dem jüngeren Bruder (ebenfalls gesprochen von Sticky), den Kirk davon abbringen will, es ihm gleichzutun. Dave Hollister's Hook gelingt dabei der Spagat zwischen gelungen und kitschig. Im Anschluss wird Kirk von seiner Freundin verlassen, was zu "Cheatin'" führt, einer urkomischen Abrechnung mit allem, was sich als Schlampe zusammenfassen lässt:

"Ayo, turn it up, and take a look at your bitch
If she's smiling, somebody stuck a dick in your bitch
Now think about when you're not around, who she be with?
And think about the bullshit you got away with
"

Dank passendem Instrumental ist diese Nummer ein weiterer Anspieltipp. Im Folgenden driftet das Album noch weiter von seiner Handlung ab: In "What Chu Want" hängen die Gebrüder Sticky und X1 den eigenen Träumen nach, in "Ghetto" werden, nachdem ein Skit zuvor enthüllt, dass Sticky nach zehn Jahren wieder auf freiem Fuß ist, die stereotypischen Ghetto-Attribute portraitiert. Dass Kirk im sich anschließenden Skit wieder bei Überfällen gelandet ist, dürfte niemanden überraschen. "What If I Was White" bemüht sich nicht, die Rassenthematik ernsthaft zu diskutieren, sondern ergeht sich in Sticky's amüsanten Vorstellungen ("If I was white, wouldn't matter if I was rich or poor / Security wouldn't follow me around the store"), zu denen Eminem Adlibs und Chorus beisteuert. Der folgende Skit spielt sich als Konflikt zwischen Kirk und seiner derzeitigen Freundin ab (während das gemeinsame Kind im Hintergrund weint), bei dem man erfährt, dass Kirk's Bruder nicht mehr unter den Lebenden weilt. Nachdem die Freundin geschlagen und das Haus verlassen wurde, folgt mit "Sister I'm Sorry" gleich die soulige, aber zu schnulzige Entschuldigung. Doch Kirk ist unbelehrbar. Nach einem Skit mit tödlich endendem Raubüberfall gibts es mit "Get It Up" eine düstere Stick-Up-Hymne, während das zugehörige Video eröffnet, dass Kirk nach erneuter Flucht vor den Cops auf einer Brücke gestellt wird. Nach "Kirk Jones Conscience III" ("I ain't going back") hat er gerade noch Zeit, in "Licken Off In HipHop" ein paar Gedanken zur Rap-Szene loszuwerden, um sich im Anschluss mit einem reuelosen "I see you in hell!" in den Tod zu stürzen. Den Abschluss macht das zynische Louis Armstrong-Cover "Wonderful World":

"I've seen guys in blue, seize pounds of white
The rich rule the day, the poor starve at night
And I think to myself
What a wonderful world
"


Fazit:
Sticky Fingaz macht keine halben Sachen mit seinem Debüt. Was Ideenreichtum (auch wenn das Konzept stellenweise an Prince Paul angelehnt ist), Aufmachung, Authentizität und Ausführung betrifft, so spielt Sticky in seiner eigenen Liga. Seine Raps sind meist simpel, doch immer ausdrucksstark. Generell profitiert Sticky durchgehend von seinem Charisma, das ihn in jeder Lage überlegen bleiben lässt. Wer hier ein Werk im Sinne der Onyx-Alben erwartet hat, der wird jedoch bitter enttäuscht sein: Obgleich Sticky mit derselben Energie hinters Mic tritt, so ist der Sound ein anderer. Im zweiten Teil des Albums schwächeln die Produzenten gelegentlich, was diesem Album Klassiker-reife Wertungen verwehrt. Nichtsdestotrotz meistert Sticky die vielen Einflüsse, die auf "Black Trash" Einzug halten, und bietet außerdem eine Story, die vom Hörer Aufmerksamkeit fordert und die auch bei mehrmaligem Hören nicht langweilig wird. "The Autobiography Of Kirk Jones" ist ein persönliches Album, dessen Kauf man mit der richtigen Erwartungshaltung nicht bereuen wird.

Gesamtwertung: 8.0 / 10

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Donnerstag, 16. April 2009

Jadakiss - The Last Kiss

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Release Date: 07. April 2009
Label: Roc-A-Fella / Def Jam Recordings

Tracklist:
01. Pain And Torture
02. Can't Stop Me (Feat. Ayanna Irish)
03. Who's Real (Feat. Swizz Beatz & OJ Da Juiceman)
04. Grind Hard (Feat. Mary J. Blige)
05. Something Else (Feat. Young Jeezy)
06. One More Step (Feat. Styles P)
07. Stress Ya
08. What If (Feat. Nas)
09. Things I've Been Through
10. I Tried (Feat. Avery Storm)
11. Rocking With The Best (Feat. Pharrell)
12. Smoking Gun (Feat. Jazmine Sullivan)
13. Cartel Gathering (Feat. Ghostface Killah & Raekwon)
14. Come and Get Me (Feat. S.I. & Sheek Louch)
15. By My Side (Feat. Ne-Yo)
16. Letter To B.I.G. (Feat. Faith Evans) (Bonus)
17. Something Else (Remix) (Feat. Snyp Life, Bully, AP, Boo Rossini & Blood Raw) (Bonus)
18. Death Wish (Feat. Lil Wayne) (Bonus)



Fünf geschlagene Jahr ist es inzwischen her, seit "Kiss Of Death" frisch in den Läden stand. Jadakiss ist ein Paradebeispiel eines Rappers, der es mit der Industrie alles andere als leicht hatte. Vom vielversprechenden Start mit The LOX, der mit Bad Boy und Ruff Ryders über die angesagten Trends im Big Apple führt, zu bisher zwei Soloalben, gehört er trotzdem zu der Sparte Künstler, der man nachsagt, ihr reichliches Talent nie voll auszuschöpfen. Zumindest läuft es für die LOX-Brüder auch nicht merklich besser: Das Gruppenalbum lässt auf sich warten und die Solos von Sheek sowie Styles zierten die letzten Jahre, ohne dabei Wellen geschlagen zu haben. Jadakiss selbst ist inzwischen auf Roc-A-Fella gelandet und betitelt, nachdem "Kiss My Ass" zu ungehobelt war, den letzten Teil seiner Kuss-Trilogie mit "The Last Kiss".

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Wie gesagt, nicht das letzte Album, nur das Ende einer Trilogie, von der bisher eigentlich niemand wusste, dass es eine war. Die drei Alben haben auch wenig miteinander zu tun: So ist "The Last Kiss", wie schon seine Vorgänger, ein Spiegel seiner Zeit. Und somit vielleicht ein Beweis, dass es zumindest in den letzten Jahren bergab ging. Und dabei fängt alles so gut an: "Pain And Torture" räumt mit energischem Streicheraufgebot ordentlich ab, zeigt einen gut ausgeschlafenen Protagonisten und bietet genau den Sound, den man sich von Jada gewünscht hat. Im Anschluss allerdings kommt alles, wie es fast schon kommen musste. Wenn (im Schnitt) gegen einen Song ohne gleich neun Stück mit Gastauftritt stehen, dann stimmt etwas nicht. Von gesichtslosen Chorus-Gurrern zu einer Auswahl erlesener Namen des Rap-Games - anscheinend geht es nicht ohne. Vor allem die erstere Fraktion ist Gift für die Platte: Wo Mary J. Blige im dafür sonst vollkommen austauschbaren "Grind Hard" noch eine solide Leistung abruft (die ich persönlich auf einem Jadakiss Album allerdings auch nicht brauche), sind fast alle restlichen Hooks überflüssig. Die Notwendigkeit, über einen fetten Beat einfach nur die eigenen Skills sprechen zu lassen - was ja auf "Kiss Of Death" noch ab und an zu hören war (man erinnere sich an "Shoot Outs" oder "Real Hip Hop") - scheint Jadakiss nicht mehr bewusst zu sein. Doch bei der Beat-Wahl hakt es natürlich auch: Als einer derjenigen, die den Spagat zwischen Ost und Süd gewagt haben, hat sich Jada's Geschmack stellenweise einer Generalüberholung unterzogen. Höchst selten erkennt man auf diesem Album noch den Jadakiss von früher. Etwa auf "One More Step" mit Styles im altbewährten Wechselspiel, das zum Besten gehört, was es hier zu hören gibt. Denn ansonten hat der Mann aus YO nicht viel zu sagen: "What If" schüttelt den Wörterkasten von "Why" einmal kräftig durch und verkauft dem Hörer zur Kaschierung noch einen schnell vergessenen Nas-Auftritt ("What if Saddam hung Bush? What if "One Mic" was called "One Hook"?"). Die "Things I've Been Through" sind etwas seicht, doch immerhin gut hörbar. So zieht sich dann auch ein Großteil des Albums hin: Nichts ist wirklich schlecht, aber nirgends kommt wirklich Spannung auf. Sei es nun mit Hilfe der Neptunes ("Stress Ya") oder im auf Jeezy zugeschnittenen "Something Else". Der "Letter To B.I.G." überzeugt mit trefflichem Auftritt von Faith Evans und guter Produktion, reißt im Jahr 2009 aufgrund seiner Thematik allerdings nicht mehr viel. Erwartungsgemäß ist das "Cartel Gathering", zu dem sich Ghost und Rae einfinden, eine kleine Vertröstung für diejenigen, die vom Rest enttäuscht sind. "Come And Get Me" fängt düster donnernd an, bekommt dann jedoch von der verblüffend deplatzierten Hook von S.I. die Suppe versalzen. Wenn man von deplatzierten Features spricht, darf Lil Wayne auf dem hektischen "Death Wish" nicht unerwähnt bleiben. Als überflüssig sind noch "By My Side" und der Remix zu "Something Else" zu nennen. Und natürlich die Krönung zum Schluss: "Who's Real" spiegelt in erschreckender Weise Swizzy's IQ wider, wenn der Langzeitkollege von Jada die (auf Kindergarten-Niveau angesiedelte) Hook zu diesen drei Minuten Audiokot gibt:

"Who's real? Who's not?
She's real, but he's not
If you real and you know it, clap your hands!
"


Fazit:
Trotz allem bringt Jadakiss den Teil, den er selbst zum Album beiträgt, in solider Art und Weise in trockene Tücher. Unter Betrachtung des Grundpotentials kann man allerdings sagen: Bei der Wahl von Gästen und Produzenten hat Kiss in katastrophaler Weise auf die falschen Pferde gesetzt - und außerdem auf zu viele Pferde. Darüber hinaus ist ein solcher Longplayer natürlich nicht das, womit eine der bekannteren NY-Größen der orientierungslosen Ostküste hätte helfen können - dafür ist "The Last Kiss" selbst zu orientierungslos, will zu viele Einflüsse unter einen Hut bringen, zu viel Geld scheffeln, ohne dabei die eigene Realness zu verlieren. An diesen Vorsätzen scheitert Jadakiss. Bleibt abzuwarten, ob er beim nächsten Album seinen Kurs fortsetzt oder ob er anhält, umkehrt und sich auf die eigenen, alten Werte, die in Anbetracht der hier erbrachten Leistung ruhig Stärken genannt werden dürfen, besinnt.

Gesamtwertung: 5.2 / 10

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Big Tone - The Art Of Ink

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Release Date: 21. April 2009
Label: Tres Records / Mojoe Music System

Tracklist:
01. Skin Deep (Feat. Monica Blaire)
02. Business
03. Pedigree (Feat. Guilty Simpson)
04. Scapegoat
05. Paid, Laid, And Played
06. A Song Called Triumph (Feat. Blu)
07. Chocolate (Feat. L'Renee)
08. The Look (Feat. Ta'Raach & Phoenix)
09. Squo
10. Broken Logos (Feat. Breeze Brewin)
11. Folktale
12. Peace, Progress, God Bless



Wieder mal Detroit. Und wieder mal eine vielversprechende Veröffentlichung: Big Tone gehört nicht erst seit gestern zur etablierten Szene der Motor City. Seit dem 2005 erschienenen "The Drought" hat sich allerdings nicht wenig geändert: Über Ta'Raach und den Aufenthalt in Kalifornien kommt der Kontakt mit Tres Records, das nun auch als Label für den Zweitling von Tone fungiert, zustande. Daneben steht noch Mojoe Music System, die nach wie vor bestehende Production Company. Wie schon beim Debüt übernimmt Tone auch auf "The Art Of Ink" die komplette Produktion selbst.

Da Big Tone das Gegenteil eines Stümpers an den Boards ist, stellt eine Komplettproduktion von ihm eine gute Nachricht dar, die dem Album dann erwartungsgemäß auch einen nahtlosen Guss überzieht. Zur Erläuterung des Albumtitels darf man getrost einen Blick ins Inlay werfen:

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"Two of the most celebrated cultures of modern times share a very common ground.
[...] We aim to acknowledge those who have impacted, and have been impacted by both Hip-Hop and Tattoo cultures.
The Art Of Ink is our way of saying "We recognize and appreciate artists and fans that set the standard for exceptional artistic expression in both genres.
"

Auch wenn Big Tone vom Begriff "Ink" fasziniert ist (Man achte darauf, wie er auf dem Cover seine Rhymes zu Papier bringt), steckt dieses Album musikalisch alles andere als in der Tinte: Tone beherrscht es spielend, den typischen Detroit-Sound und dessen knackige Drumlines mit anderen Elementen zu kombinieren und zu variieren. "Paid, Laid, And Played" beispielsweise ist ein (Interlude-artiger) Track von eineinhalb Minuten, der so locker durch die Boxen schlendert, als wäre Tone's Heimat die seines Labels. "Scapegoat" hingegen baut auf Minimalismus, der den Bass-Drums aufgesetzt wird, während Tone das Bild von Rap-Musik in der Gesellschaft umreißt. Guilty Simpson ist, neben fast jedem anderen derzeitigen Detroit-Release, auch hier mit von der Partie und legt seine rauen Rhymes über die feinen Streicher in "Pedigree". Big Tone selbst zeigt sich in jeder Lage souverän. Der fehlende Wiedererkennungswert in seiner Stimme wird durch schlafwandlerisch sauberen und starken Flow mehr als nur kompensiert. Damit ist es eine Freude, sich zurückzulehnen und Tracks wie "Squo" zu genießen. Die Kombination aus Soul-Samples, tiefer Bass-Line und den markanten Drums mit Detroit-Prägung wird bestens beherrscht und kommt auch in "A Song Called Triumph" (mit einem gewohnt herrlichen Part von Blu) zum Tragen.

"Soul music is powerful, Soul music makes you believe.
Soul music gives you hope in the way that you feel, in the way that you wanna feel.
So for years and years, players and producers have been trying to find that magic Motown sound and pocket,
as if it's some sort of a formula
"

Mit diesem Sample von Ben Harper beginnt "Chocolate", das beweist: Big Tone versteht es, jenen magischen Motown-Sound in seinen HipHop-Gebilden einzufangen: Bestärkt durch die Hook von L'Renee versprüht der Song ein ergreifendes Feeling. Auch sonst lockert Tone sein Album durch viele angenehm-smoothe Tracks auf. "Broken Logos" funktioniert bestens im Sommer und fährt mit Breeze Brewin des ungewöhnlichste, trotzdem sehr gut ins Bild passende Feature auf. Ta'Raach als Gast ist Pflichtprogramm, während Zo! auf "The Look" die Rhodes und Strings einspielt und Phoenix die abschließenden Worte spricht. Ans Ende werden mit "Folktale", das an die Heimatstadt gerichtet ist, und "Peace, Progress, God Bless" zwei kurze Nummern gesetzt, die dem Album einen fein geschliffenen, ruhigen Ausstieg bescheren.


Fazit:
Das Album verdient auf jeden Fall Respekt. Vergleicht man Tone beispielsweise mit dem weitaus mehr gehypeten Black Milk, so lässt sich auf Seiten der Produtkion nur eine geringe Differenz ausmachen, während Tone bei den Raps eindeutig gewinnt. Mit dem Tres Records-Umfeld als Gesellschaft macht er ebenfalls nichts falsch. Und so ist das Endprodukt ein typisches Album aus Detroit, das trotzdem seine eigenen Aspekte bietet und somit nicht der Einseitigkeit verfällt. Ankreiden lässt sich, dass die gefahrene Schiene stellenweise droht, ins Langweilige abzudriften. Trotzdem: Was viele Künstler mit einem Haufen Produzenten nicht schaffen, gelingt Big Tone mit "The Art Of Ink" - kein herausragendes, doch ein stimmiges Album, zu dem man auch in einem und in fünf Jahren gerne wieder greifen wird.

Gesamtwertung: 7.0 / 10

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CunninLynguists - Strange Journey Volume One

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Release Date: 09. April 2009 (D) / 26. Mai 2009 (US)
Label: A Piece Of Strange Music / QN5 Music / Bad Taste Records

Tracklist:
01. Departure
02. Nothing But Strangeness (Feat. Looptroop Rockers & Hilltop Hoods)
03. Lynguistics (Live In Stockholm)
04. Move
05. Spark My Soul (By Inverse & Substantial)
06. Never Come Down (The Brownie Song)
07. Hypnotized (Feat. PackFM & Club Dub)
08. Dance For Me (Remix)
09. Die For You (By Mr. SOS)
10. White Guy Mind Tricks
11. Georgia (Remix) (Feat. Killer Mike & Khujo Goodie)
12. KKKY (Remix) (Feat. Skinny DeVille & Fishscales (Nappy Roots), Young Chu & Sheisty Khrist)
13. Don't Leave (When Winter Comes) (Feat. Slug of Atmosphere)
14. The Distance (By Tonedeff)
15. Broken Van (Thinking Of You) (Feat. Mac Lethal)
16. Billy Joe's Garage (To Be Continued)



Der Karrieresprung, den die CunninLynguists hier in Deutschland vollbracht haben, ist erstaunlich: Von einem unter vielen Underground-Acts zu gefeierten Helden, von denen jedes Erzeugnis gepriesen wird - es verhält sich ähnlich wie mit Atmosphere. Bei Kno, Deacon The Villain und Natti war es wohl hauptsächlich das intensive Touren, das kräftig zum jetzigen Status verhalf. Nach vier Alben, von denen "Dirty Acres" noch recht gut in Erinnerung ist, wird das Jahr 2009 dazu genutzt, zwei neue Scheiben auf den Markt zu werfen. Beladen mit einigen interessanten Kollaborationen erscheint "Strange Journey Volume One", dem der zweite Teil noch im September folgen soll.

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Vielmehr als Mixtape und damit ähnlich der "Sloppy Seconds"-Reihe ist dieser Auswurf anzusehen. So gibt es nicht auf allen Tracks Mic-Auftritte der CL - "Spark My Soul" geht auf das Konto der QN5-Label-Kollegen Inverse und Substantial und ist lediglich von Kno produziert (und war darüber hinaus bereits auf der "So True" EP zu hören). Doch solche Dinge stören auf einem Tape wie diesem, das sich als Aufzeichnung der sonderbaren Reise der Lynguists auffasst, nicht im Geringsten. Schon gar nicht, wenn die Qualität der Musik stimmt. Eine interessante Frage ist natürlich, welche musikalische Schiene hier gefahren wird. Denn der Teil der Fans, der immer noch den munteren Tracks der ersten beiden Alben nachhängt, wird die Hoffnung nicht aufgeben, dass die CL zu ihren ursprünglichen Strukturen zurückkehren. Größtenteils ist die "Strange Journey" in dieser Hinsicht eine Enttäuschung. Da hilft auch keine eineinhalbminütige Live-Version von "Lynguistics" - die Atmosphäre, die von dem Trio live verbreitet wird, rettet sich nicht auf den Silberling. Das gemäßigt lustige "White Guy Mind Tricks" mit einem stereotypischen weißen Südstaaten-Officer läutet zwei Remixe von "Dirty Acres"-Tracks ein: "Georgia" bewegt sich mit zusätzlichen Rhymes von Khujo Goodie und Killer Mike im fragwürdig notwendigen Bereich, während "KKKY" mit vier neuen Gästen (u.a. von den Nappy Roots) durchaus frisch daherkommt. "Dance For Me" erhält einen frischen Anstrich, bleibt dabei jedoch hinter seinem Original. Viel interessanter als Remixe sind natürlich die bisher komplett unbekannten Tracks, die diese Scheibe bietet: Hier gab es vorab schon "Never Come Down (The Brownie Song)" zu hören, eine stimmige Nummer mit Voice-Sample in der Hook. "Nothing But Strangeness" bietet ein internationales Aufeinandertreffen: Die Hilltop Hoods aus Australien, die einigen Fans vielleicht als Vorgruppe bei CL-Shows bekannt sind, und die schwedischen Looptroop Rockers geben sich die Ehre und machen aus dem relaxten Gute-Laune-Song ein Highlight. Nicht weniger erwartet wurde "Don't Leave" mit Slug, das seine Qualität nicht zu verstecken braucht und sich in die Reihe der ernsten Tracks einreiht, die bisher auf jeder Veröffentlichung zu finden waren (wobei Slug somit natürlich bestens ins Bild passt). In dieselbe Kerbe schlägt "The Distance" mit gewohnt starken Raps von Tonedeff, während "Broken Van" mehr als Kopfnicker angelegt ist. Als bester Song der Scheibe ist das gefühlvolle "Die For You" von Ex-Mitglied Mr. SOS zu nennen - was Kno hier alles in seinen Beat steckt, macht beim Hören (trotz der melancholischen Atmosphäre) mächtig Spaß - und mit einem Wink Richtung Kanye landet SOS eine der besten Lines des Albums:

"The most I got from her was ass and bread
But trust was lost like Kanye's fashion sense
Accidents happen when you live with the weak
But it's not an accident when you make a conscience decision to cheat
"


Fazit:
Bezeichnend für die nicht abstreitbare Klasse der CunninLynguists ist die Tatsache, dass ihr Mixtape / Album qualitativ über einem großen Teil anderer derzeit veröffentlichter Alben liegt. Trotz einiger Tracks, die man sich hätte schenken können. Was das neue Material betrifft, so machen Kno, Deacon und Natti da weiter, wo sie bei "Dirty Acres" aufgehört haben und erweitern das Spektrum auch wieder ein wenig, was natürlich auch an der Bandbreite der geladenen Gäste liegt. Dabei geht der CL-eigene Sound jedoch nie verloren. Somit ist "Strange Journey Volume One" für CunninLynguists-Fans ein Muss und für alle anderen eine Anschaffung, die man nicht bereuen wird.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

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