Freitag, 27. Februar 2009

Joe Budden - Padded Room

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 24. Februar 2009
Label: Amalgam Digital

Tracklist:
01. Now I Lay
02. The Future (Feat. The Game & Dominic)
03. If I Gotta Go
04. Don't Make Me
05. Blood On The Wall
06. In My Sleep
07. Exxxes
08. I Couldn't Help It
09. Adrenaline (Feat. CZ)
10. Happy Holidays (Feat. Emanny)
11. Do Tell
12. Angel In My Life
13. Pray For Me



Dass auch nach der Veröffentlichung des ersten Albums nicht alle Hürden überwunden sind, beweist uns Joe Budden in eindrucksvoller Weise: sechs geschlagene Jahre sind inzwischen vergangen, seit "Pump It Up" in aller Leute Münder (und Ohren) war. Überbrückt wurde diese Zeit mehr schlecht als recht mit einer Vielzahl an Mixtapes. Nun hat es Budden endlich geschafft: Nach ewigen Streitereien mit dem alten Label Def Jam, dem Wechsel zu Amalgam Digital, über das 2008 zur Überbrückung "Mood Muzik 3: The Album" und "Halfway House" erschien, gibt es endlich "Padded Room", das zweite offizielle Album des Emcees aus New Jersey.

Mit ellenlangen Lobpreisungen über Joe's Grind wird extra hervorgehoben, dass der Hype um den 28-jährigen noch nicht abgeflaut ist. Um aber ganz ehrlich zu sein: In der engeren Szene hielt sich die Beigeisterung für "Jump Off" Joe seit jeher in Grenzen. Ein leicht unsauberer, gelispelt klingender Flow und Snack-Rap für zwischendurch, der durch die Hit-Single "Pump It Up" natürlich noch extrem unterstrichen wurde. Wer sich das Debütalbum noch ein wenig öfter zu Gemüte geführt hat, dem werden einige lustige Tracks ("Porno Star") und auch sogar einige nachdenkliche Songs in Erinnerung geblieben sein. Genau da setzt "Padded Room" an: Die unabstreitbaren Mühen und Rückschläge, die Budden einstecken musste, scheinen sich im Sound niederzuschlagen - zumindest teilweise. In jedem Fall fällt auf, dass sich die Club-Tracks und Representer rar gemacht haben. Die produzierenden Jungspunde aus Portugal, Blastah Beatz, sind mit fünf Beats auf dem Album vertreten und steuern auch den Opener bei, der mit gutem Tempo in die Manege einrollt: "Now I Lay me down to sleep / I pray the lord..." und so weiter - diese abgedroschenen Phrasen machen die Hook leider doppelt anstrengend. Mit einem kleinen Exkurs lässt sich die Ecke der wirklichen Street-Tracks abhaken: Dass MoSS nach altbewährtem Muster solche Nummern zimmert, ist weithin bekannt und offenbart sich einmal mehr in "Blood On The Wall", einem Diss an den einsitzenden Prodigy:

WRITTEN FOR Rap4Fame

"Never mind me, worry bout your medicaid
Shit is so unfair - nigga, beats carried your ass most of your career
Wanna blog?, here's a reason: how the fuck it's "Murda Muzik"?
Anybody ever dissed this nigga still breathin'
Jay-Z, Saigon, Nas already peeled him
2 Pac, he ain't alive, but you ain't killed him
"

Durchaus amüsant; und man würde es ihm auch abkaufen, würde sich nicht gute zehn Minuten früher ein Track wie "The Future" finden: Ebenjener (und ebenfalls immer noch lebendiger) Game, der 2003 als G-Unit-Emporkömmling noch "Buddens" grölte, macht sich zusammen mit dem Gastgeber auf einem Weichspüler-Cub-Track, dessen Hook selten austauschbar und widerwärtig daherkommt, zum Idioten. Noch mehr Blödsinn erlaubt sich Budden mit "Adrenaline", einem vollkommen überflüssigen Song mit Rock-Instrumental. Und wenn nicht so übertrieben daneben gegriffen wird, dann schadet sich das Album mit Nobody-Produktionen: Pure Ironie ist "I Couldn't Help It", dessen Sample einem nicht zuletzt (und zudem besser verwertet) schon in "Diamond" von einem gewissen Prodigy untergekommen ist. Wie auch bei "I Couldn't Help It" findet man Joe Budden viel zu oft und tief in Gedanken versunken. Mit "In My Sleep" gelingt das mehr, mit "Exxxes" weniger gut, was der schwankenden Leistung der Producer zuzuschreiben ist. Nachdem man das Ausschussprodukt "Happy Holidays" passiert hat, landet man beim erneut sehr persönlichen "Angel In My Life", in dem sich der sehr ernste Joe einmal mehr der Welt erklärt. In "Pray For Me" findet sich der wohl interessanteste Track, da der zu Beginn des Songs gestorbene Joe hier vor das Himmelstor tritt und mit Gott über den Eintritt verhandelt - und alle seine Taten vorträgt und aufgewogen bekommt:

"- (You're real close to heaven, few get to step in
Now tell me what you done, to deserve to be let in)
- Look, I'm far from a Christian, not big on religion
But ain't done too much wrong, my entire time living
Never killed, never tried to, though I been lied to
Was once suicidal, never read the bible
I've always been a care-taker, tried to nurse people
At times it backfired, hurt people, hurt people
Plus I never used your name in vain,
But you should know everything I'm being asked to explain
- (I know you stole from your mother's purse)
- You can't count that, that was way back when
- (It's still a sin)
- But I was ten
"


Fazit:
Unter'm Strich muss ich selbst zugeben, dass ich die Scheibe schlechter erwartet hätte. Das heißt beileibe nicht, dass "Padded Room" ein gutes Album ist, doch Ansätze lassen sich finden. Dass Joe Budden sehr viel persönliche Zeilen einbringt, ist ihm einerseits hoch anzurechnen, andererseits fällt auf, dass er sich bei der Vielzahl solcher Tracks das ein oder andere Mal wiederholt. Blastah Beatz zu verpflichten war sicher kein Fehler, andere Produzenten wie The Klasixs, Fyu-chur oder Dub B jedoch hätte man sich getrost in die Haare schmieren können, da sie mit ihrem farblosen Alltags-Sound dieses Album zum Mittelmaß verdammen. Das heißt: Kein wirkliches Highlight, einige gute Ansätze und vieles, was man schnell vergessen hat. Immerhin zeigt Joe Budden selbst, dass er ein respektabler Rapper ist.

Gesamtwertung: 4.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Cesar Comanche - Die In Your Lap

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 24. Februar 2009
Label: Defenders Of The Free World / ABB Records

Tracklist:
01. Don't Be Afraid
02. Die In Your Lap
03. Choose
04. Merciless
05. Mercy (Feat. AC Goodness)
06. Ghetto World
07. Shame
08. Hello World
09. Hands High
10. Whats Wrong
11. Our Song
12. Lamb to Lion 2
13. Guf 2
14. Everything
15. Reborn



Es gibt mal wieder Neues aus der Ecke der Justus League. Das Kollektiv, das seinen Sitz in North Carolina hat und um das es in letzter Zeit doch bemerkenswert ruhig geworden ist, schickt einen seiner besten Männer ins Rennen. Cesar Comanche galt bisher als eine der konstantesten Größen des relaxten Sounds, der sich um Produzenten wie 9th Wonder und Khrysis ausgeprägt hat. "Die In Your Lap" heißt das neue Album, für das Cesar teilweise selbst an die Boards tritt, das fast ohne Gast-MCs auskommt und das über Cesar's eigenes Label Defenders Of The Free World bzw. ACC Records veröffentlicht wird.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Daran, dass Cesar hier Mic-wise (bis auf den unbedeutend kurzen Auftritt von AC Goodness) eine Solo-Show bietet, sollte niemand stören. Immerhin weiß der Mann, wie er mit seiner smooth-angenehmen Stimme Stimmung aufbaut. Wie bei viel zu vielen Releases muss auch hier ein Satz dem bodenlos geschmacklosen Cover gewidmet werden, da es augenscheinlich alles dafür gibt, potentielle Käufer bzw. Hörer zu verschrecken. Doch das nur am Rande. Weitaus interessanter sind die Produktionen, die dieses Album richten, wie sie es schon immer bei sämtlichen anderen Platten aus der J-League-Ecke taten. Man kann gleich bei 9th Wonder anfangen, der mit fünf Beats der am öftesten vertretene Koch auf dieser Scheibe ist. Immer noch klopfen die Drums wie eh und je, immer läuft alles nach genau dem gleichen Schema. Dabei ist jeder der fünf Beats ohne große Mängel, doch im Jahr 2009 locken diese Beats nunmal niemanden hinter dem Ofen hervor. "Choose" ist sehr solide, klingt jedoch oft gehört (Willie Hutch lässt grüßen). "What's Wrong" schiebt sein Voice-Sample in den Vordergrund, gerät schon weitaus weniger ansprechend und kann deshalb als gutes Beispiel zur Problemanalyse herhalten: Denn sobald die Beats ins Belanglose abdriften und die Rhymes von Cesar nur auf Standard-Niveau laufen, dann tritt die Harmlosigkeit dieser Scheibe in erschreckendem Ausmaß zutage. Auch der Langzeitkumpel-Bonus hilft da nichts mehr, die Stagnation, die schon viel zu lange in den Hallen der Justus League weht, ergreift auch dieses Album. Zudem sind auch die Conscious-Parolen von Cesar kein allzu schlagkräftiges Argument mehr. 9th ohne Wonder ist "Hello World", dessen unspektakuläres Instrumental die nicht minder begähnenswerten Shoutouts aus aller Welt begleitet. Lediglich einmal geht 9th's Formel auf: In "Hands High" erinnert die sprudelnde gute Laune an frühere Zeiten, Cesar packt eine eingängige Hook aus und rappt sich aus Freude an der Sache mit Leichtigkeit über den Track. Doch leider bildet der Song auf "Die In Your Lap" eher die Ausnahme. Ein gemächliches "Mercy" wirft (inklusive seiner Interlude-Einleitung) erneutes Déjà Vu-Gefühl in den Raum. Wer sich mit diesem Umstand abfindet, wird die von Cesar selbst produzierte Nummer zu den besten Tracks der Platte einordnen. Das zweite Mal, dass Cesar an die Regler tritt, verläuft nämlich nicht annähernd so gut: "Lamb To Lion 2" lebt, wie schon sein Namensvetter auf "Paper Gods", von seinen Hörnern, ist dabei allerdings zu wenig atmosphärisch, um sich die vorhandene Lahmarschigkeit zu erlauben. "Guf 2" (erneutes Déjà Vu) bildet die zweite Sequel zu einem "Paper Gods"-Track und lässt enttäuschenderweise jeglichen Überraschungseffekt vermissen. Vielschichtig und frisch kommt dagegen der Opener und Titeltrack "Die In Your Lap" daher, das zusätzlich zu Standard-Drums noch großartige Vocal-Samples bietet. Der bisher unerwähnte Rest tummelt sich irgendwo im hörbaren und doch schnell vergessenen Mittelfeld. Bezeichnend dafür ist die letzte 9th Wonder-Produktion, die an letzter Stelle als heiterer Kopfnicker aus diesem Album geleitet.


Fazit:
Was dieses Werk letztendlich die meisten Punkte kostet, ist das Veröffentlichungsjahr: Nach gefühlten 100 Alben, die bereits nach diesem Schema heruntergelaufen sind, ist es nur verständlich, dass die Begeisterung für diesen, kleine nennenswert großen Wellen schlagenden Stil nachlässt. Das Album selbst gibt sich keine nennenswerte Blöße: Inhaltlich solide (wenn auch nicht besonders), mit einem starken Flow und sauber produziert ist "Die In Your Lap" ein weiteres Stück Handarbeit aus North Carolina - und dazu auch sehr repräsentativ für den Justus League-Sound. Das heißt jedoch auch, dass sich diese LP nicht im Geringsten von seinen Artgenossen abhebt. So rettet sich "Die In Your Lap", nach den Abzügen für die Ermüdungserscheinungen, noch knapp über die 50%. Cesar-Fans wissen, was sie hier vor sich haben.

Gesamtwertung: 6.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Samstag, 21. Februar 2009

Junclassic - Late Nites And Early Mournings

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 19. Januar 2009
Label: Eigenvertrieb / Free Download

Tracklist:
01. I Gotcha
02. The Ohh Ahh (Feat. Cy Yung)
03. Status (Feat. Monsta X)
04. The Basics
05. Forever
06. Cruisin Thru The Southside
07. Lil Bit (Feat. Ceez)
08. Heard 'Em Say
09. Sleeping Awake
10. Werld
11. Premeditated



Die meisten Artists haben sich ihren Weg ins Game hart erkämpft und müssen sich auch dann noch mit einer Vielzahl Problemen herumschlagen. Junclassic musste mit seinem ersten Soloalbum erstmal kräftig einstecken. Erst "Overqualified" schien zu bestätigen, dass er sich seitdem und inzwischen auf dem richtigen Weg befindet. RockTheDub.com ist dann der Grundstein zu diesem Werk hier. Auf dieser Blog-Seite nämlich knüpfte er Kontakt zu J Slikk, der zusammen mit Cynergy die Produktion dieser EP übernimmt. Unter anderem um eine neue Möglichkeit zu erschaffen, seinen Bekanntheitsgrad zu steigern, wird "Late Nites And Early Mournings" nicht auf CD gepresst, sondern digital als Free Download angeboten.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Die Gäste bleiben weiterhin im sehr überschaubaren Bereich, der sich als voll und ganz angebracht herausstellt. Denn Junclassic kann mit seiner tiefen Stimme selbst unterhalten und vermag es inzwischen auch, seinen Tracks Atmosphäre einzuhauchen. Seitens der Produktion wird, zieht man den Vergleich zu den beiden Alben, wieder eine komplett neue Richtung eingeschlagen. Allgemein betrachtet ist diese Richtung allerdings alles andere als neu: J Slikk und Cynergy orientieren sich sehr am typischen BoomBap, versäumen es jedoch trotzdem nicht, ihren Erzeugnissen eine eigene und sehr rohe Note zu verpassen, die hervorragend zu Jun passt. Etwaige Vergleiche zu Pete Rock oder Dr. Dre klingen vielversprechend, sind aber weitgehend unbegründet - werden jedoch auch nicht im geringsten benötigt, um diesen Instrumentals gute Bekömmlichkeit zu bescheinigen. Immer abwechselnd schieben die beiden Beatschmiede Junclassic ihre Produkte unter's Mic, wobei auch auf diesem Release ein langsames Tempo gehalten wird, was bei allen bisherigen Alben zu beobachten war und Jun's Flow auch bestens zu Gesicht steht. Irgendwo im spätesten Stadium der Nacht soll sich diese Musik also abspielen, was abgenickt werden kann - die oft Electro-überzogene Produktion legt das Album in einen Mantel aus kühlem Nebel, durch den sich der behäbige Flow von Junclassic ohne große Mühen windet. Cynergy variiert dabei von gefühlvoll-ruhigen Vocal-Samples in "Forever" bis zu einem schwungvollen Chor-Aufgebot in "Sleeping Awake". Über eine unauffällige Produktion von J Slikk philosophiert Jun über die "Werld that we livin' in" und in "Heard 'Em Say" hat man es erneut mit einem Instrumental zu tun, das gut, jedoch recht unauffällig klingt. Weitaus eingängiger gerät "The Basics", das sowohl thematisch als auch seitens des Beats seinen eigenen Weg verfolgt, der in abstrakt-relaxte Gefilde führt, die mit grundsätzlichen Gedanken und (Selbst-)Zweifel gesäumt sind. Sehr zugute kommen Junclassic kraftvolle Produktionen, die dabei jedoch keine Hektik versprühen - so der Fall in "Lil' Bit", in dem das niedrige Tempo der Raps zu keinem Zeitpunkt negativ auffällt. "I Gotcha" stellt gleich zu Beginn einen astreinen Opener dar, in dem der Hörer in einen vielseitigen, geladenen Sumpf geworfen wird. Das ständige DownTempo-Feeling wird man auch nicht los, wenn Junclassic in "Cruisin' Thru The Southside" einen Überblick dessen, was einem zu später Stunde in Queens über den Weg laufen kann, gibt. Das Highlight der Scheibe offenbart sich im Representer "The Ohh Ahh", das Jun's dreckigen Flow mit einer astreinen und eingängigen Hook von Cy Yung kombiniert.


Fazit:
Man sollte generell vorsichtig sein mit free Downloads. Meist leidet unter dem Aspekt, dass hiermit keine Kohle zu schäffeln ist, die Qualität. Doch schon aufgrund der Spontanität der Entscheidung, diese 35 Minuten nicht kostenpflichtig zu machen, sollte hervorgehen, dass hier volle 100% drinstecken. "Late Nites And Early Mournings" hält das Niveau des "Overqualified" Albums und kann dieses sogar noch ein wenig steigern. Die Ermüdung, die beim Sophomore gegen Ende auftrat, macht sich hier dank der Kürze nicht breit - auch wenn hier die absoluten Highlights rar und ein paar mittelmäßige Tracks vorhanden sind. Junclassic versteht es, den Standard-Sound nicht eins zu eins abzukupfern, sondern ihn zu "verzerren" - in positiver Weise. Vielleicht gibt es ja auf dem nächsten Album bei gleicher Qualität eine noch größere Variationsbreite. Doch in jedem Fall bleibt Junclassic ein Artist, dessen Releases interessant sind. Dafür, dass dieses Werk kostenlos ist, kann man nur sagen: reinhören!, man kann nur gewinnen.

Gesamtwertung: 6.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Jak Progresso - Random Violence

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Release Date: 22. Dezember 2006
Label: Creative Juices Music

Tracklist:
01. Progresso Family Intro
02. Barn Axe
03. Skool Lunch
04. Stab Wounds
05. Swamp Vapors (Feat. IDE)
06. Random Violence
07. Lingering
08. Peppermint Rainbow Bowtie Lounge 1968
09. Bobby Fisher
10. Kiss The Girls (Feat. Margie Medina)
11. Spiral Staircase
12. Bleeding Forest
13. Long Winter
14. Bright Future
15. I Hate Myself
16. Yearbook
17. Broken Antenae
18. Meditation (Feat. LoDeck, Deep, Paramount, L.I.F.E. Long, IDE, Alucard, Savage Messiah & Critical Madness)
19. Pathetic Outro / In The Mushroom Patch



Wenn von eigenartigen Persönlichkeiten im Rap-Game die Rede ist, dann darf Jak Progresso nicht fehlen. Nicht nur, dass dieser Herr schon einige Stationen in seiner Karriere passiert hat (hier seien die Labels DeadArm Music und johnny23 Records genannt), sein eigener Stil hebt ihn auch seit jeher aus der grauen Masse hervor. Den bisherigen Veröffentlichungen, die nur als schwer zu findende Mixtapes existieren, wird mit diesem Teil das erste offizielle Album hinzugefügt: "Random Violence". Zudem ist die Scheibe auch noch die erste richtig gepresste Veröffentlichung des aufstrebenden Labels Creative Juices.

Da verwundert es nicht großartig, dass IDE als Executive Producer fungiert oder dass die Produktion fast gänzlich aus jener Ecke stammt. Während fast das gesamte Album von den 2 Hungry Brothers - bestehend aus Ben Boogie und Deep - zusammengeschustert wurde, beteiligten sich auch IDE, Blockhead und DJ Kryptonite an der klanglichen Gestaltung. Um Jak selbst zu beschreiben sei kurz das "Progresso Family Intro" zitiert:

WRITTEN FOR Rap4Fame

"Jak Theodore Progresso Jr. was born on the 25th day during the month of June, 1978. He was conceived in the Mt. Vernon Einstein Memorial Hospital and was recorded the longest baby to ever be born there. His collar bone was broken and during the second day of his birth, his incubator broke down. When he was 10, he owned a goldfish and named him Otis - after his dead uncle. He fed it potato bread and Pepper twice a day. A week later, it died. At age 13 he joined the Meredith tennis and golf Academy where he received 2 gold putters and went undefeated for three years in a row. He dabbled in chess but never followed through, due to his left thumb being shorter than the right. At age 17 he ran away from home and joined the psychedelic environmental movement, where he experimented with DMT and Peyote on the Adirondack Moutain tops in an adobe hut. He left when he was 23..."

Was uns diese Vorstellung sagen will? Dass es hier nicht gewöhnlich zugeht. Jak Progresso nimmt sein Titelkonzept beim Wort und berichtet von allerlei kranken Dingen. Allen voran muss hier "Kiss The Girls" erwähnt werden, in dem Jak in die Rolle eines kranken Killers, dessen Opfer junge Frauen sind, schlüpft. Was ihm dabei von der ersten Sekunde an zugute kommt ist die Tatsache, dass sich schon sein Rap leicht gestört anhört. Irgendwo in der Nähe einer pervertierten Form von Aesop Rock liegt die Stimme von Progresso. Dazu kommt ein pampiger Flow, der durch eine teilweise sehr betonte und teilweise sehr unsaubere Aussprache unterstützt wird. In "Peppermint Rainbow Bootie Lounge 1968" beschränkt man sich auf einen einprägsamen literarischen Vortrag (ohne Musik), während die sonstige Bandbreite der Instrumentals von den beklemmend fremdartigen Creative Juices-Beats bis hin zu klassischer Eastcoast-Kost reicht. "Barn Axe" wird beispielsweise erst durch die penetrante Vorstellung Progresso's zu einem Highlight - dafür jedoch zu einem richtigen: "Excuse me Sir, but do you think murder's an art? But of course! Do you think happiness is being in the dark? But of course! Is the chainsaw really a choice of weapon? But of course! Do you really levitate heads during sessions? But Of course!". "Swamp Vapors" trägt mit seinen Streichern die Handschrift von Kryptonite, während IDE's Beitrag in "Long Winter" bedrückt vor sich herschreitet. "I Hate Myself" spricht Jak und lässt dabei prächtig verdrehte Rhymes, die man auf dem ganzen Album zuhauf bekommt, vom Stapel. Intensiviert wird der Hörspaß durch die Stimmlage, in der Progresso monoton seine Raps herunterrasselt. Oft dienen Samples zur Überleitung, wie auch im Fall des kargen und trotzdem starken "Stab Wounds". Selbige Eigenschaften treten auch in "Bleeding Forest" zutage, in dem Jak in drei Minuten weitere Fakten über sein Leben und seine Ansichten preisgibt - von seinem (seiner Freundin nicht mundenden) Ejakulat zum übermäßigen Drogenkonsum. "Skool Lunch" beginnt als Brief aus einem Summer-Camp und verläuft sich dann in amüsanten Auswüchsen: "I start fist fights with younger cats right in front of their cribs that involve their parents". Schon mit seinen Titeln kommt er seinen wirren Inhalten nahe: "Spiral Staircase" windet sich ab einer halben Minute als hypnotisches Instrumental - und was in Jak's "Yearbook" steht, will man gar nicht erst wissen. "Meditation" ist ein achtminütiger Posse-Track sowohl mit dem Creative Juices-Camp als auch dem johnny23-Kollegen LoDeck. Den glorreichen Abschluss bildet das "Pathetic Outro", das nach vier Minuten nächtlichem Grillengezirpe in einen versteckten Track übergeht, der mit seinem Hörnereinsatz der beste und vor allem atmosphärischste Anspielpunkt des Albums ist.


Fazit:
Jak Progresso ist Horrorcore-BoomBap auf Acid. Mit einer einprägsamen Performance macht er dieses Album zu einem Hörerlebnis, das in dieser Art recht einzigartig ist. Tracklängen spielen gar keine Rolle, von acht bis zu zwei Minuten wird alles geboten. Zwar wird hier jeder einen Track finden, der ihm nicht übermäßig zusagt, Aussetzer finden sich jedoch keine - dafür ist die Produktion der 2 Hungry Bros viel zu gut. Jak und seine Rhymes bedürfen auf dieser Platte sowieso keiner Kritik, dafür spielt er den verschrobenen Psychopathen viel zu gut - wobei es sich nicht bestimmen lässt, wieviel hier echt ist. Wer sich auf dieses Album einlässt, wird es nicht bereuen.

Gesamtwertung: 8.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 18. Februar 2009

Grandmaster Flash - The Bridge: Concept Of A Culture

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 23. Februar 2009 (D) / 10. März 2009 (US)
Label: Adrenaline Entertainment / Strut / !K7 / Alive

Tracklist:
01. Welcome
02. Shine All Day (Feat. Q-Tip, Jumz & Kel Spencer)
03. We Speak Hip Hop (Feat. KRS-One, Afasi, Kase-O, Maccho & Abass)
04. Here Comes My DJ (Feat. DJ Kool & DJ Demo)
05. Bounce Back (Feat. Busta Rhymes)
06. Swagger (Feat. Red Café, Snoop Dogg & Lynn Carter)
07. What If (Feat. KRS-One)
08. Unanswered (Interlude)
09. Tribute To The Breakdancer (Feat. MC Supernatural)
10. Grown & Sexy (Feat. Mr. Cheeks)
11. When I Get There (Feat. Big Daddy Kane & Hedonis Da Amazon)
12. Connection (Interlude)
13. I Got Sumthin' To Say (Feat. Lordikim, J-Flo & Almighty Thor)
14. Can I Take You Higher (Feat. Mr. Cheeks, Granmaster Caz & Tito)
15. Unpredictable (Feat. Syndee & Big Daddy Kane)
16. Those Chix (Feat. Byata, Princess Superstar & Hedonis Da Amazon)
17. Bronx Bombers (Feat. Lordikim, Almighty Thor & Mann Child)
18. Zuka The Sound (Interlude)
19. Oh Man (Feat. Syndee & Natacha Atlas)



Ja, dieses Album ist Realität. Grandmaster Flash: Mehr Legenden-, mehr Pionierstatus ist kaum noch möglich. Stolze 51 Jahre hat der Herr inzwischen auf dem Buckel. Dass er sich da noch einmal zu einem Album aufrafft, ist schon eine Leistung. "The Bridge: Concept Of A Culture" steht zudem unter einem Motto - dem Zelebrieren der von ihm mitgeprägten Kultur und deren universellem Auftreten: "The album title represents all the bridges I've crossed worldwide, the bridges of time, cultures and color, the bridges of Hip Hop, Funk, Pop, Rock, Jazz, Punk, Disco and R&B". Deswegen bläst der Grandmaster zum großen Gruppenkuscheln, zu dem sich auch eine Vielzahl an Künstlern einfindet.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Von weltberühmt bis gänzlich unbekannt tummelt sich hier alles dicht beieinander, der Universalsprache HipHop ist das allerdings komplett gleichgültig. Wie sinnvoll es generell für GMF ist, ein neues Album zu veröffentlichen, ist jedoch eine ganz andere Frage, die von diesem Album auch ganz eindeutig beantwortet wird. Prinzipiell gilt: Mit großer Wahrscheinlichkeit fällt man weit hinter den Erwartungen zurück und hätte es lieber bleiben lassen. Da sollte niemand aus den Latschen kippen, wenn ich eröffne, dass auch bei "The Bridge" genau dieser Fall eintritt. Man weiß gar nicht wo man anfangen soll. Vielleicht bei der Pressemitteilung, in der man durch Lesen zwischen den Zeilen schon einiges erfährt: "From Pop to Underground, from Alternative to Mainstream" soll die Bandbreite des Albums reichen, vielseitig und universell soll es sein. Was im Endeffekt übrig bleibt, ist ein ein nutzloser Sumpf, der in keiner Richtung wirklich Akzente setzen kann. Generell steht Flash schon mit den Features auf sehr verlorenem Posten: Mäßig talentierte No-Names, Veteranen ohne großen Schwung und eine Handvoll großer Namen aus dem aktuellen Geschehen. Mit Abstand am schlimmsten jedoch ist die Tatsache, dass bei diesem Projekt anscheinend die Gleichberechtigung groß geschrieben wird und somit ein vollkommen unangemessen übermäßiger Anteil an weiblichen Emcees und Sängerinnen mit von der Partie ist. Der totale Abschuss des Albums ist "We Speak Hip Hop", der Fahnenträger des LP-Mottos: Kase-O auf spanisch, Maccho auf japanisch, Abass (Senegal) auf französisch und Afasi auf schwedisch feiern die Kultur über einen vollkommen gesichtslosen Beat, von dem nur die nervigen Bläser in Erinnerung bleiben. Nicht zu vergessen der geistige Bruder von GMF - KRS-One, der diesem Song den Rahmen aufsetzt: Als behämmerter Don Quijote der Rap-Musik lebt der Altmeister inzwischen in seinem vollkommen eigenen, illusionären Universum, predigt die heile Welt - und spricht zudem kein "Spainish" (Nein, dieses zweite "i" war kein Tippfehler). Was, wenn HipHop nie existiert hätte? KRS erläutert es im unecht aufgeblasenen "What If", einem weiteren vollkommen überraschungslosen Glorifizierungs-Song. Mehr? Bitteschön: Da wäre ein plastisch-unhörbares "Bounce Back" mit einer alltäglichen Leistung von Busta, das mit klebriger Hook versehene "Swagger" oder das in ähnlichen Gefilden schwelgende "When I Get There", in dem der Big Daddy ebenso fehl am Platz wirkt wie in "Unpredictable". Dass man "Here Comes My DJ" mit Schreihals DJ Kool nicht mehr wirklich braucht, ist ebenso offensichtlich wie die Nervigkeit des dreifachen Frauenauflaufs im Miami-Bass-Stil ("Those Chix"). Auf die weiteren Tracks weiter einzugehen, macht wenig Sinn, da sich die beschriebenen Symptome in bedauernswerter Weise konstant wiederholen. Einziger Lichtblick ist "Can I Take You Higher" mit dem sehr gelassen auftretenden Mr. Cheeks.


Fazit:
Im überschwänglichen Enthusiasmus, der beim Schlagen so vieler Brücken an den Tag gelegt wird, vergisst Grandmaster Flash vollkommen, ein gutes Album abzuliefern. Denn um seine Leistung auf dieser Scheibe zu würdigen, muss man sich den Beats zuwenden, die seinen einzigen Beitrag darstellen und die schlicht und ergreifend - in jeder Hinsicht - belanglos sind. Ebenfalls ihm zuzuschrieben ist die Wahl der Gäste, die nicht minder in den Sand gesetzt wird und diese Producer-LP daran hindert, richtigen Album-Charakter auszubilden. Bleibt im Nachhinein, wie so oft, zu sagen: Das war vollkommen unnötig.

Gesamtwertung: 2.9 / 10

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Real Live - The Turnaround: A Long Awaited Drama

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Release Date: 01. Oktober 1996
Label: Big Beat (Atlantic)

Tracklist:
01. Intro
02. Pop The Trunk
03. The Gimmicks
04. They Got Me
05. Ain't No Love
06. Iceberg Slick
07. Larry-O Meets Icerberg Slick
08. All I Ask of You (Commin' Thru) (Feat. Kira Scott)
09. The Turnaround
10. Trilogy of Error
11. Real Live Shit
12. Day You Die
13. Crime Is Money
14. Money And Shows
15. Real Live Shit (Remix) (Feat. Ghostface Killah, Lord Tariq, Killa Sin & Cappadonna)



Was man hier vor sich hat, ist ein auf den ersten Blick eher unscheinbares Album aus der goldenen Zeit. Real Live - da klingelt's nicht zwingend. Wenn man jedoch nachsieht, wer hinter diesem Namen steht, so findet man eine Kombo aus MC und Producer, bei der vor allem Letzterer kein Nobody sein sollte: K-Def, heutzutage angesehener Veteran, hatte sich bereits im Jahr 1996 einen Namen gemacht, unter anderem mit Produktionen für Lords Of The Underground und Tragedy Khadafi, die der Schützling von Marley Marl auf seiner MPC zusammengeschraubt hat. Auf einer Party trifft er erstmals bewusst mit seinem Cousin Larry-O, bzw. dessen Seite als MC, zusammen. Das bis dato einzige Erzeugnis trägt den Titel "The Turnaround: A Long Awaited Drama".

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Zwei Tracks, die von Marley Marl produziert wurden, ansonsten eine Komplettproduktion von K-Def - alleine diese Information sollte ausreichen, um diesen Release mehr als nur interessant zu machen. Und das zu Recht, denn K-Def's Produktionsstil ist ausgeprägt genug, um diesem Album einen eigenen Charakter aufzudrücken. Dabei sind Def's beste Freunde die Streichinstrumente, die in fast jedem Song eine zentrale Rolle einnehmen. Hinzu kommen die typische und gesunde Portion Samples und eine feine Dosierung an Funk, was das Album schließlich immer noch im Kielwasser der riesigen Neunziger-Fähre schwimmen lässt, ihr jedoch genügend Abstand verschafft. Hinzu kommt Larry-O, der zwar beileibe kein aus der Masse herausragender Rapper ist, mit seinem Stimmorgan und einem runden Flow jedoch nichts falsch macht. Die Stimme des leicht übergewichtigen MCs klingt tief, routiniert und warm. Der Mann nimmt Platz und lädt zu einer Erzählstunde, die geprägt ist vom Straßenleben, dem Hustler-Dasein, Materialismus und Gangster-Geschichten - von nichts besonderem also. Doch das stört nich im geringsten, denn Larry-O hält seine Vorträge sehr überzeugend und lässt nie Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit aufkommen. Es kristallisiert sich eine wohltuende, Hörspaß garantierende Harmonie zwischen den beiden Akteuren heraus. Zusammen mit einem 70er R&B-Voice Sample ertönen über K-Def's Streicher in "Ain't No Love" Street-Tales, während in "Money And Shows" die Streicher zur sehr lockeren Atmosphäre des Songs beitragen. Dass das Album mit einer angebrachten Anzahl an Scratches angereichert ist, versteht sich von selbst. Dazu findet man in der Single "Real Live Shit" ein Nas-Cut in der Hook - und natürlich auch ein dramatisch aufspielendes Streicheraufgebot. Im zugehörigen Remix findet sich mit drei Wu-Brüdern und Lord Tariq hohe Prominenz ein, um aus dem Snare-intensiven Beat einen astreinen Posse-Cut zu machen. Ein auch später oft wiederzufindendes Phänomen wird hier bereits von K-Def praktiziert: Die Tracks werden durch kurz eingespielte Instrumentals ineinander geleitet. So folgt dem schwer gerüsteten Representer "Pop The Trunk" das smooth vor sich hingleitende "The Gimmicks", während das schon erwähnte "Ain't No Love" herrlich funky zur Vorstellung der Person des "Iceberg Slick" überleitet: "You ain't never seen no ice like this". "Crime Is Money" ist die Devise - da sollte es nicht groß verwundern, wenn in "The Turnaround" gezeigt wird, was man hat. Da fehlt nur noch der Song mit austauschbarer weiblicher Hook, der (aus welchem Grund auch immer) auf fast jedem Album dieser Zeit zu finden ist - und sich auch hier in Form von "All I Ask Of You" zu erkennen gibt.


Fazit:
Zwar hat dieses Album seine anerkennungswerten Eigenheiten, doch letzten Endes fällt es doch in den Pool typischer Neunziger-Releases des Ostens - und ist genau deshalb so gut. In einer Reihe vieler anderer Duos bilden K-Def und Larry-O ein eingespieltes Team, das auf seinem Debüt mehr als nur zu überzeugen weiß. Man könnte an dieser Stelle viel darüber spekulieren, wie man dieses Album noch besser hätte gestalten können, welche Features noch produktiv gewesen wären und ob K-Def vielleicht an einigen Stellen konsequenter hätte vorgehen können. Doch wozu? "The Turnaround: A Long Awaited Drama" füllt mit seinen Eigenschaften genau die Mängel, die bei heutigen Alben der Eastcoast oft angekreidet werden - da sollte man mit diesem Werk auf voller Linie zufrieden sein.

Gesamtwertung: 7.8 / 10

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Sonntag, 15. Februar 2009

Darc Mind - Symptomatic Of A Greater Ill

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Release Date: 29. August 2006
Label: Anticon / Mindbenda Recordings

Tracklist:
01. Visions Of A Blur
02. U Da One
03. Seize The Phenom
04. Knight Of The Roundtable
05. I'm Ill
06. Covert Op
07. Give Me Time
08. BMOC
09. Fever Pitch
10. Rhyme Zone
11. Outside Looking In



Die Geschichte ist weitbekannt, hat sich oft wiederholt und überrascht auch niemanden mehr: Ein vielversprechendes Album wird aufgenommen, aufgrund von Label-Problemen kommt es dann jedoch nicht zur Veröffentlichung. Der Name, der diesmal ins vorskizzierte Raster eingefügt werden muss, erwächst aus der Legion Of D.U.M.E., die nach dem Wegfall einiger Member zum zwei Mann starken Duo Darc Mind wird. Da ein Ex-Mitglied als A&R bei Loud Records tätig ist, liegt der Deal nicht fern. Zwischen Ende '95 und '97 wird ein Album aufgenommen. Dann jedoch geht Loud Pleite und das Album wird auf die lange Bank geschoben. MC Kev Roc und Producer GM Web G, der später unter dem Namen X-Ray (u.a. als Mastermind der Monster Island Czars) auftritt, stehen ohne Release da. Eine knappe Dekade später wird das Album dann endlich über Anticon veröffentlicht.

Abgesehen davon, dass es nur richtig ist, ein solches Album auch im Jahr 2006 noch zu veröffentlichten, ist "Symptomatic Of A Greater Ill" für Hörer interessant, die entweder den Beatschmied X-Ray von den Czars kennen und lieben oder schlichtweg für alle Ostküsten-Fans, die beim Namen Loud Records hellhörig werden. Betrachtet man die äußeren Werte, so wird man feststellen, dass das Album leider nur elf Tracks bietet. Diese bedürfen dafür jedoch keiner Feature-Gäste, während seitens der Produktion X-Ray zweimal die Regler aus der Hand gibt (einmal sogar an Nick Wiz). Besieht man sich die Tracklist etwas näher, könnte man beklagen, dass man es hier fast schon mit einer Mogelpackung zu tun hat: Vier Tracks sind bereits bekannt. Auf der anderen Seite ist nicht davon auszugehen, dass der durchschnittliche Hörer diese Songs auch kennt, weswegen der Vorwurf schnell wieder zurückgezogen werden darf. Anfangen kann man allerbestens mit dem Opener - "Visions Of A Blur". Schon bekannt vom "Soul In The Hole" Soundtrack, eignet sich dieser Track hervorragend, um die Struktur dieses Duos zu analysieren: Seitens der Beats zeigt X-Ray einen sehr drum-lastigen Produktionsstil, der mit minimalen Effekten aufpoliert und effektiv in Szene gesetzt wird. So besteht "Visions Of A Blur" nur aus Drum- und (einer hinreißenden) Bassline und mausert sich trotzdem zum besten Track dieses Albums - zu einem heimlichen Klassiker, der auch nach 20 Replays seine Magie nicht verliert. Das andere Phänomen dieses Albums ist Kev Roc: Selten findet sich im Geschäft eine ähnlich einzigartige Stimme bzw. ein ähnlich einzigartiger Stil. Kev brummt und blubbert im Bass vor sich hin, bedient sich dabei einer Mischung aus Rap und Singsang, die seinem sehr monotonen Flow und den nicht vorhandenen Sprüngen oder Variationen in der Tonlage etwas hypnotisierendes verleiht. Zu allem Überfluss ist Kev Roc auch ein exzellenter Lyricist, bei dem das Zuhören Spaß macht:

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"But true is able wicked ones that labeled and punished the man
Salvation begs for him who have the wisdom yet understand
It's a battle for souls, hit while you can
Niggaz appendages of evil as if fingers on Shaitan hand
"

Es steht außer Frage, dass man mit diesen Fähigkeiten am Mic keine Gesellschaft in Form von Gästen braucht. Der nächste bekannte Track folgt sogleich: Für "U Da One" - ebenso wie für "Covert Op" - gilt: Die Monster Mixes lassen grüßen. In "I'm Ill" wirft X-Ray zu seinen Drums ein Nas- sowie ein Isaac Hayes-Sample in seinen Kochtopf, was wieder in großem Kino endet. Auch wenn der Sound des Albums grob unter dem Schirm der Neunziger steht, ist er nicht vergleichbar mit den typischen Releases - X-Ray klang schon damals sehr eigen und konnte immer einen futuristischen Anteil in seine Beats packen. Es entsteht ein zeitlos rohes Denkmal der Ostküste. Immer wieder ist es Kev Roc, der mit seiner Stimme das gewisse Etwas aus einem Song herausholt und Tracks wie "BMOC" (mit großartigem Chuck D-Sample) zu einem Vergnügen macht. "Knight Of The Roundtable" sticht hevor, da Kev Roc hier ein (für ihn sehr ungewöhnliches) äußerst flottes Tempo an den Tag legt, während im kurzen "Rhyme Zone" wieder der Minimalismus in Form von Bass und Drum regiert. Abgeschlossen wird das Album durch das bereits 1996 erschienene "Outside Looking In", für das sich Nick Wiz verantwortlich zeigt, das auch mit dessen Signatur versehen ist und das jedoch trotzdem perfekt an diese Stelle im Album passt.


Fazit:
Nach 43 Minuten schließt das Album auch schon wieder seine Tore. Doch was es in dieser Zeit zu hören gab, zeugt von höchster Qualität und hebt sowohl die Producer-Künste von X-Ray als auch (und vor allem) die Einmaligkeit Kev Roc's hervor. "Symptomatic Of A Greater Ill" hätte 1997 das Potential gehabt, ein vielbeachtetes Album zu werden, das sich neben seinen Loud-Kollegen nicht hätte verstecken zu brauchen. Im Jahr 2006 gibts es leider viel zu wenige Heads, die solchen Rap zu schätzen wissen, was natürlich nichts an der Qualität des Longplayers ändert und ihn für jeden Hörer von gepflegt gutem HipHop zu einer Anschaffung macht, die nicht bereut werden wird.

Gesamtwertung: 7.8 / 10

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8th Platoon - A Matter Of Darkness EP

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Release Date: Dezember 2008
Label: Kings Gambit Records

Tracklist:
01. 8th Platoon Grow (Feat. Christ Apostle)
02. Bloody Tarantulas (Feat. Rasul Allah & Bomshot)
03. War Of Calamity
04. Battle Shogun (Feat. Portarock)
05. Big Guns (Feat. Bomshot)
06. Chess Pieces
07. Harvester Of Death (Feat. Portarock) / Real Life (Bonus)



Long Beach, Kalifornien - gutes Wetter und Sonnenschein. HipHop, der als Party-Musik dient - oder aber G-Rap. Doch das nicht alles im Sunshine-State in diese Schublade zu stecken ist, zeigt schon das Cover zum hier vorliegenden Release. 8th Platoon implizieren den Militarismus mit dem ersten Atemzug. Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass man MC Contribution X und Producer Medic irgendwo klangliche Ähnlichkeiten zum Wu-Tang-Sound, bzw. deren Vertretern an der Westküste, nachsagen kann. Außerdem tritt zutage, dass diese (durch einige Line-Up-Änderungen gegangene) Formation ihr Debüt-Release schon lange in Planung hatte. Ursprünglich als Album geplant, wird aus "A Matter Of Darkness" nun jedoch nur eine EP.

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Wer Contribution X von seinen Alben "What Iz Freedom" (2005), "Dark Destiny" (2005) und "Cobra Of The North" (2007) nicht kennt, dem sei gesagt, dass der Herr bezüglich seiner Stimme in der Tat Parallelen zu Warcloud/Holocaust aufweist - seines Zeichens Vorzeige-Westcoast-KillerBee. Kombiniert man diese Information mit der, die der Blick aufs Cover preisgibt, kann man schon grob umreißen, worum es hier geht - zumal in der Gästeliste noch Brechstangen-Rapper Bomshot aus Boston und Rasul Allah von den Lost Children Of Babylon zu finden sind. Mag sein, dass man es als berechenbar bezeichnet, wenn gleich im Opener "8th Platoon Grow" ein langsamer, düster-dröhnender Beat durch die Lautsprecher wälzt, über den Contribution X zusammen mit einem vergleichsweise eher unauffälligen Christ Apostle seine Rhymes raspelt. Andererseits ist diese Art von Rap heutzutage nicht mehr alltäglich - denn hier wird komplett auf aufweichende Elemente gepfiffen. Düstere Streicher und dumpf stampfende Bass-Drums treiben diese (achte) Kolonne an, Contribution X selbst sitzt mit seiner dunkel-brachialen Stimme auf dem vordersten Panzer und beschießt sämtliche imaginären Feinde mit seinen grimmigen Raps. Ein trübsinnig-ernstes Streicheraufgebaut nimmt auf der Tribüne zum "War Of Calamity" Platz, bei dem man sich wundern muss, wie Contribution X mit solch langsamen Raps trotzdem zu überzeugen weiß. "Bloody Tarantulas" glänzt zwar nicht gerade mit einem intelligenten Titel, dafür umso mehr mit Rasul Allah's Gastpart und mit den Raps des Hausherrn, der auch mit seinen Metaphern sehr an Warcloud erinnert. Auch wenn zu keiner Zeit des Albums Instrumentals aufgefahren werden, die dem auf dem Cover zu sehenden Kaliber gerecht werden, so webt Medic trotzdem eine gut hörbare Atmosphäre aus dunklen Fäden, die man, so simpel sie sein mag, heutzutage nicht mehr oft zu hören bekommt. In "Chess Pieces" beispielsweise erklingt ein entfernter Gesang im Hintergrund, in "Battle Shogun" greift sich Contribution X den Bass als Schwert, um über den Track zu rollen. Waffen-, doch nicht Soundwechsel erfolgt in "Big Guns", die lyrisch-martialischen Rhymes bleiben unverändert. Es ist auch keine Überraschung, dass nach sechs Tracks der letzte ebenfalls nicht aus dem bisher verfolgten Muster ausreißt - der Mähdrescher des Todes läuft allerdings nicht mit Blut, sondern mit Biodiesel und hätte durchaus etwas spektakulärer ausfallen können - selbiges gilt für den folgenden, kurzen und versteckten Bonus "Real Life".


Fazit:
Nach einer halben Stunde kann man sagen: Da wäre noch viel mehr drin gewesen. Medic ist kein schlechter Produzent und sein Beitrag auf dieser EP ist auch durchaus annehmbar, leider jedoch viel zu verhalten und zurückhaltend, um wirklich große Wellen zu schlagen. Contribution X liefert am Mic eine solide Leistung ab, die jedoch mit mehr Drive von Medic viel besser unterstrichen hätte werden können. Die Gastauftritte bewegen sich im selben Niveau-Bereich wie die von Contribution X selbst und auch sonst findet sich an der Scheibe leider nichts, was sie zu der Qualität erhebt, die die Atmosphäre des Covers suggeriert. Trotzdem ist "A Matter Of Darkness" überdurchschnittlich und ein Reinhören wert.

Gesamtwertung: 6.2 / 10

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Donnerstag, 12. Februar 2009

Melodious Monk - HYMNS (EP)

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Release Date: 19. Februar 2009
Label: Open Words

Tracklist:
01. Hymns
02. Freedom Song (Feat. Karniege)
03. Cherish Today
04. Baptized
05. Sleep Walk
06. All About Me (Feat. Massive Jugganott)
07. Embrace
08. Private Parts (Don't Be Afraid To Tell Someone)



Auf der Suche nach unbekannten, vielsversprechenden Gesichtern im HipHop sollte man hier Halt machen. Melodious Monk ist bisher kaum in Erscheinung getreten, sein Umfeld spricht jedoch für sich: Produktionen auf Vast Aire's Soloalbum "Dueces Wild" und auf Mighty Joseph's "Empire State" zeigen die eine Seite dieses Künstlers, der sowohl Produzent als auch Rapper ist. Auf Access Immortal's "American Me" war er sogar mit einem gesungenen Beitrag unter seinem richtigen Namen, Nathaniel Roberts, vertreten. Den wenig beachteten Alben "Ghetto Blues" und "Guns" soll dieses Jahr ein weiteres folgen, "The Forbidden Drug". Doch bis es soweit ist, gibt es vorerst eine acht Track starke EP namens "HYMNS".

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Für diese Veröffentlichung räumt der melodiöse Monk(ey) die Boards, auf dass sie sein Kollege ShelShock alias T1 besetzt. Dessen Beats wiederum waren auch schon auf einigen Scheiben im Cannibal Ox-Umfeld zu hören. Als Gäste lädt sich Monk die beiden Rapper Karniege und Massive Jugganott, die seinerzeit auch schon auf "Ghetto Blues" die einzigen Gastauftritte markierten. Nach einem genaueren Blick auf diese EP stellt sich heraus, dass ihr ein interessantes Konzept innewohnt. Acht "Hymnen" werden aneinandergereiht, in denen Melodious Monk, ohne sich irgendwelchen Illusionen hinzugeben, über Sorge, Trübsal und Schicksale, die sich in jedem Winkel der Menschheit als unbeantwortete Fragen offenbaren, berichtet. Als Zusammenfassung unzähliger, um Antwort suchender Gebete zeigt dieser Mönch, dass einige Umstände keine Antwort bzw. Lösung offenbaren und dass sie bei anderen schon in der Frage liegen. Wie man solche Thematik am besten unterlegt? Eine schwere Aufgabe, die ShelShock jedoch auf überraschende Simplizität heruntertransformiert. Es weht, erwartungsgemäß, BoomBap. ShelShock baut auf ein sehr ruhiges, wohlerwogen wirkendes Gerüst, das zwischen einem frischen Lufthauch und einer nüchternen Bedrücktheit variiert. Ersteres wird in "Baptized" angewandt, das mit seinem Bericht über die Armut und deren Folgen ("Kids grow up too fast / Streets educated them") in einigen (Stadt-)Teilen der Staaten inhaltlich einen krassen Kontrast bietet, in dem auch die Gleichgültigkeit des bürokratischen Systems adressiert wird. Mit einem melancholischen Klaviereinsatz ertönt "Cherish Today", das die Unberechenbarkeit des Lebens thematisiert und sich im Refrain gut selbst definiert: "And this could happen in one day, could be your last day / Forget Monday to Sunday / This could happen in one day, so cherish today". Der Opener "HYMNS" passt gut in die Rolle der Einleitung und gibt einen thematischen Überblick. Die Fähigkeiten Monk's offenbaren sich darin, dass er auch auf dieser EP nicht davor scheut, seine (sehr ansprechenden) Hooks selbst zu singen. "Freedom Song" verliert sein Konzept (u.a. dank Karniege) ein wenig aus den Augen, kann jedoch im Gesamtbild trotzdem kräftig punkten. Dass man im Leben auf sich gestellt ist, nimmt sich "About Me", das außerdem einen soliden (doch unspektakulären) Auftritt von Massive Jugganott beherbergt, zum Vorsatz. Anrührendes Glockenspiel begleitet "Embrace", während der letzte Track wieder ein heikles Thema anspricht: Um sexuellen Missbrauch aus der Sicht eines Fünfjährigen (bzw. später Siebenjährigen) geht es in "Private Parts": "Maybe it's me, but I feel funny inside / Don't wanna tell, so I hide, Momma thinks I'm shy / but I feel that if I let her know, I'd get in trouble like I'm tellin' a lie / So all I do is cry".


Fazit:
Im Endeffekt ist "HYMNS" klanglich keine Überraschung: ShelShock verrichtet gute Arbeit, scheint aber auch an keiner Stelle Wert darauf zu legen, aus bekannten Mustern auszubrechen. Hier muss man jedoch fragen: wofür auch? Die Harmonie zwischen Beats und Rhymes passt hervorragend, die in den Instrumentals transportierte Stimmung unterstützt die EP bestens. Melodious Monk beweist Tiefsinn, lyrisches Können und die Fähigkeit, zu singen. Für eine EP, für 23 Minuten Spieldauer, bietet "HYMNS" mehr Atmosphäre und mehr Inhalte als so manches Album; der Affenmönch garantiert kurzen, doch gehaltvollen Hörspaß, bei dem Skippen nie notwendig ist und der Lust auf das kommende Album macht.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

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Mic Geronimo - The Natural

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Release Date: 14. November 1995
Label: Blunt Recordings (TVT Records)

Tracklist:
01. The Natural (Feat. Royal Flush)
02. Lifecheck
03. Wherever You Are
04. Masta I.C. (Feat. Royal Flush)
05. Man Of My Own (Feat. Royal Flush)
06. Time To Build (Feat. Ja Rule, Jay-Z & DMX)
07. Shit's Real
08. Three Stories High (Feat. Royal Flush)
09. Sharane
10. Men Vs. Many (Feat. O.C. & Royal Flush)
11. Train of Thought
12. Things Change (Feat. Royal Flush)
13. Masta I.C. (Feat. Lost Boyz & Royal Flush)



Mic Geronimo's "The Natural" ist (neben vielen anderen) ein Album, das im Bezug auf die goldenen Jahre New Yorks immer wieder im zweiten Atemzug genannt wird. Der aus Flushing, Queens stammende Rapper wird von Irv Gotti auf einer Talentshow entdeckt und kann sich dann einen Deal bei Blunt / TVT erhaschen. Allein schon anhand der Gästeliste sollte erkennbar sein, wieso dieses Album als urtypisches Neunziger-Werk gehandelt wird.

Denn eines muss man Mic Geronimo zugestehen: Die Gästeliste kann sich sehen lassen. "Time To Build" ruft gleich drei Emcees auf den Plan, die zu dieser Zeit noch einen sehr überschaubaren Bekanntheitsgrad genossen, später dann jedoch alle gehörig Kohle scheffelten: Jay-Z, DMX und Ja Rule. Vor allem der Dark Man tut sich mit seinen Zeilen hervor:

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"I did too much dirt to turn back now
I'm the reason my lil' sister's smoking crack now
I'd feel guilty if I had a heart but I don't
Could live a carefree life if I stopped killing, but I won't
It's in my blood to destroy mankind
With every murder I lose it little more of my damn mind
"

Ja, da darf man sich durchaus wundern, wieso DMX neuerdings von Gott erleuchtet ist und die Ansicht vertritt, eine thematische 180 Grad-Wende hinlegen zu müssen. Doch hier war noch alles "normal". Auch die Sound-Kulisse stimmt. Sorge dafür tragen, neben Irv Gotti selbst, angesehene Größen wie Mark Sparks, Buckwild, die Beatminerz und Chyskillz. Die guten Beats sind also gesichert, im Ganzen ist das Album dann allerdings fast schon zu "normal". Die Produktionen sind Standardware, wenn auch sehr hochqualitative. Die Rhymes selbst sind ebenfalls Standardware, denn Mic Geronimo ist nicht gerade das, was man eine herausstechende Persönlichkeit nennt. Referiert wird über Alltäglichkeiten, das Hustler-und Ghetto-Leben und natürlich alles drum herum. Tatkräftig unterstützt wird Geronimo dabei vom ebenfalls aus Flushing stammenden Royal Flush, der mit sieben Auftritten auf mehr als der Hälfte der Tracks zu Wort kommt. Gleich im wunderbar von Mark Sparks produzierten Opener "The Natural" gehören ihm die ersten Worte. Mag sein, dass für Mic G das Reimen eine natürliche Sache ist. Dass seine Inhalte so natürlich sind, ist eher zweifelhaft. Die besten Momente beschert einem auf diesem Album Mark Sparks, der mit seinen famos entspannten Produktionen mehrmals ins Schwarze trifft. So lässt sich neben dem Opener vor allem "Wherever you are" problemlos auf Repeat schalten. Der Auftritt der Lost Boyz passt ebenfalls, während man über O.C. keine großen Worte verlieren muss. Etwas störend gehen die gesungenen Hooks in Tracks wie "Masta I.C.", dessen Remix oder "Things Change" in die Gesamtnote ein, da sie zu gesichtslos konzipiert sind und den Stil des Albums nicht wirklich fördern. Mit simplem Trompeteneinsatz bringt Chyskillz in "Man Of My Own" Abwechslung ins Album, während der "Train Of Thought" in schlichter Buckwild-Manier durchs Gehirn rattert. Und mit "Sharane" ist schließlich noch ein Track mit weiblichem Namen als Titel mit von der Partie - nicht gerade die Neuerfindung der Welt.


Fazit:
Trotz der Tatsache, dass "The Natural" so natürlich gewöhnlich ist, gelingt Mic Geronimo mit seinem Debütalbum ein Werk, das sich von vorne bis hinten gut durchhören lässt. Der große Vorteil, von dem er dabei profitiert, liegt darin, dass 1995 auch ein nicht außergewöhnliches Album einen Standard mit sich bringt, der heute eher selten ist. Danken sollte Mic Geronimo dabei vor allem seinen Produzenten. Er selbst ist zwar kein herausragender Rapper, macht seinen Job jedoch solide gut. Die Gäste runden die Sache dann bestens ab. Wer klassisches (Eastcoast-) 90s-Feeling sucht, der ist bei "The Natural" genau richtig. Denn auch ohne jegliche Innovation hat dieses Album einen Flair, der die Scheibe zu einer Einheit macht und den man heute schwerlich antrifft.

Gesamtwertung: 7.2 / 10

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Dienstag, 10. Februar 2009

Junclassic - Overqualified

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Release Date: 21. Oktober 2008
Label: Classified Recordings LLC

Tracklist:
01. Squeaky Clean
02. Tiger Music
03. God Is Listening
04. I Wasn't Ready
05. Pretty Toni
06. Bee Collector (Feat. L8sho)
07. Bosslady (Feat. El Juba / Julie B.)
08. Duck Sauce (SQZR)
09. "E" From Brooklyn
10. Kirk Franklin
11. Myspace Sensitivity
12. The Heineken (Feat. L8sho)
13. Uptown Piff
14. Mott's Interlude
15. Snares (Supr Rmx)
16. The Promo



Auch wenn Junclassic nicht gerade der Mittelpunkt der Rap-Welt ist, so hat der Rapper aus Queens doch im letzten Jahr doch ordentlich daran gearbeitet, seinen Namen in die Münder der gepflegten Underground-Hörerschaft zu bringen. Als Teil der jüngsten Generation der Monsta Island Czars sind die guten Grundvoraussetzungen bereits gegeben, dazu kommt noch das Label Classified Recordings, das als eines der Auffangbecken für die zerbrochenen Czars fungiert. Da ist es mehr als schade, dass Junclassic, der auch unter dem Monster-Alias Gabarah bekannt ist, mit seinem ersten Album "2 Much Ain't Enuff" durch die Bank weg schlechte Kritiken einfuhr. Inzwischen ist jedoch ein Jahr vergangen und mit dem zweiten Album, "Overqualified", soll sich dieser Umstand ändern.

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Die Beats waren das große Manko des letzten Album. Mit seinem Fantom X6 Keyboard stellte Junclassic die Produktion komplett selbst zusammen, was Respekt verdient, jedoch leider in die Hose ging. Doch der Herr hat aus seinem Fehler gelernt: Für "Overqualified" tut er sich mit L8sho zusammen, der sich für die Produktion des gesamten Albums verantwortlich zeigt. Zudem sind hier auch am Mic Gäste zu hören. Um zur Essenz des Albums vorzudringen, muss Jun's Rapstil analysiert werden. Denn der ist, ganz gleich ob man ihn mag oder nicht, recht eigen. Äußerst langsam ziehen sich seine Rhymes wie ein Fluss durch das Gestein des Instrumentals. Dazu kommt eine tiefe Stimme und das eigentlich ungewöhnliche Element, der eigentümliche Flow, der oft unsauber wirkt, Junclassic jedoch die nötige Portion Charisma verleiht. Das bedeutet in Bezug auf die Produktionen, dass Junclassic beileibe nicht auf jeder Sorte Beats glänzen kann. Hier kommt L8sho ins Spiel. Sein Beitrag zum Album entpuppt sich schon zu Beginn als äußerst fruchtbar. Beschreiben lässt sich das sehr gut am zweiten Track, "Tiger Music": Ein hypnotisierend-heruntergeschraubter Beat, ab und an eingestreute Streicher und entfernte Vocals geben einen für das Album sehr repräsentativen Track ab, der vor allem dank der Raps von Junclassic ("My body ain't a templte, it's a mountain") wie in Slow Motion daher kommt. Trotzdem - und genau deshalb - wirkt der Song eine anziehende Kraft aus, die ihn auch nach zigfacher Wiederholung hörenswert bleiben lässt. Nicht weniger gilt für den Opener "Squeaky Clean" oder das sehr auf Bass und Hintergrundgesänge reduzierte "God Is Listening". L8sho's Downtempo-Schiene wird auf dem kompletten Album durchgezogen, was fast immer zu Jun passt und dem Album eine ordentliche Atmosphäre beschert, die durch vielerlei Spielereien und Effekte nie ausgelutscht klingt. Erreicht wird das oft durch umgedrehte und gechoppte Samples oder aber gemächliche Piano-Klänge. Zweiteres dominiert im skurril-lustigen "The Heineken", in "Uptown Piff" sowie im entspannenden "Mott's Interlude". Zweimal greift L8sho selbst zum Mic und neben dem Track mit dem Bier-Titel kann man seine solide Leistung auch in "Bee Collector", das voll im Fahrtwasser des Albums liegt, hören. Richtig harmonische Voice-Samples werden dem Hörer in "Pretty Toni" vorgesetzt, "Bosslady" hingegen wirkt als Gesamtheit leicht unvollkommen. "The Promo" kommt am ehesten dem Monsta-Sound nahe; interessantes Story-Telling gibt es in ""E" From Brooklyn", das im Aufbau Parallelen zu einer Kurzgeschichte aufweist und in dem Junclassic die Begegnung mit einem gewissen "E" beschreibt, der von seiner Frau betrogen wurde. Über das kurze und rauhe "Kirk Franklin" hinweg gelangt man zu einem weiteren thematischen Exoten, "Myspace Sensitivity", das die Wirren des Online-Spielplatzes zwar in höchst amüsanter Weise einrahmt, dank einer schräg gesungenen Hook allerdings auf Dauer eher nervig wird. Noch minimalst erwähnenswert wäre "I Wasn't Ready", das ein Optimalergebnis der Zusammenarbeit zwischen L8sho und Junclassic offenbart - dieses Brett ist wunderbar eigenwillig und sollte für viele Fans das Highlight der Platte darstellen.


Fazit:
Vergleichen wir also dieses mit dem letzten Album: Beim Beat-Problem hat man erheblich gearbeitet, eine hochsignifikante Steigerung wurde erreicht. Bei den Raps kann auch eine positive Weiterentwicklung verzeichnet werden. Das Cover ist leider immer noch nicht sehr ansprechend, doch das stört nur sekundär. Den Czars-Sound wird man auch hier nicht finden, erwartet hat das allerdings niemand. Alles in allem ist "Overqualified", trotz seiner Macken und obwohl es kein überragendes Album ist (auf Albumlänge ist L8sho's Sound eben doch etwas anstrengend), ein riesiger Schritt in die richtige Richtung. Wenn sich Junclassic in dieser Weise steigert, darf man sich auf das nächste Album freuen.

Gesamtwertung: 6.2 / 10

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A.D.O.R. - The Concrete

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Release Date: 11. Oktober 1994
Label: Atlantic Records

Tracklist:
01. Penetration (Interlude)
02. One For The Trouble
03. Life Flow
04. Ill At Will
05. Day 2 Day
06. Off The Top (Interlude)
07. Let It All Hang Out
08. The Voice (Interlude)
09. Keep It Real (Feat. Diamond D & K Terrible)
10. From The Concrete
11. The Kid Is Crazy
12. Here Comes Da Wreck
13. Heart And Soul
14. Day 2 Day (Diamond D's Mecca Mix)
15. The Last Word (Interlude)



Er ist einer der vergessenen Spitter aus den Neunzigern - A.D.O.R. erblickt in Manhatten als Sohn eines Musikers das Licht der Welt, was den späteren Werdegang bereits nahelegt. Mit dem Umzug nach Mount Vernon kommt A.D.O.R. in den hohen Genuss, auf der High School die Bekanntschaft von Leuten wie Puff Daddy, Heavy D oder Pete Rock zu machen. Da er zu dieser Zeit schon als MC tätig ist, macht er sich in gewissen Kreisen einen Namen. Er ergattert einen Deal bei Atlantic und nimmt das Album "The Concrete" auf. Nach zwei Singles ist jedoch Schluss, es folgen Label-Probleme, das Album wird auf Eis gelegt und A.D.O.R. verlässt Atlantic.

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Nichtsdestotrotz existiert "The Concrete"; und spätestens im Zeitalter des Internet ist das Album zumindest im digitalen Format für jeden erreichbar. A.D.O.R. ist selbstverständlicherweise ein Akronym und kann vielfach aufgefasst werden: "Another Dimension Of Rhymes", "A Definition Of Real", "Against Discrimination Of Race" oder "A Delinquent Out Representin'" stehen zur Auswahl. Besonders interessant für den durchschnittlichen Eastcoast-Jünger sind auf dieser Scheibe die Producer: K-Def, Pete Rock, Willy Gunz und Diamond D sind hier u.a. in den Credits zu finden. A.D.O.R. selbst ist kein Rap-Gott, lässt sich jedoch irgendwo im guten Mittelfeld nieder. Dazu kommt eine extrem helle Stimme, die fast schon pre-stimmbruchartig klingt. Doch glücklicherweise ist das alles andere als ein Punkt, an dem man sich auf diesem Album stört. Die Produktionen, die so herrlich nach den frühen Neunzigern klingen, bilden eine starke Grundierung, auf der A.D.O.R.'s Stimme sogar sehr passend wirkt. Allen anderen Tracks voran und voraus schreitet natürich die erste Single, "Let It All Hang Out". Der einzige Pete Rock-Beat des Albums ist nicht weniger als ein Klassiker, der bzgl. des Niveaus locker auch auf einem der Pete Rock & C.L. Smooth Alben hätte auftauchen können. Generell sind die Beats dieses Albums auf ganzer Linie von einer jazzigen und funkigen Frische durchdrungen. Rohe Drums werden angereichert mit einem warmen Cocktail aus Streichern, Blasinstrumenten und sehr unauffälligen Basslines. Unter Diamond's Beiträgen sticht vor allem das smoothe "The Kid Is Crazy" hervor, bei dem eine simple Hookline viel Freiraum für Scratches und die volle Entfaltung des Beats einräumt. Doch auch die anderen Beiträge der D.I.T.C.-Größe geben sich keine Blöße: "Heart And Soul", "Keep It Real" und "Day 2 Day" bieten das Niveau, das man von Diamond in jener Zeit gewohnt war. Noch besser geht es in K-Def's "One For The Trouble" zu, das als zweite Single-Auskopplung auch zu den Highlights der Scheibe zählt. Inhaltlich deuten schon die Tracktitel an, dass es nicht A.D.O.R.'s ausgemachtes Ziel ist, sein Album mit speziellen und variierenden Themenpunkten auszustatten. Doch das macht nichts, man ist "From The Concrete", spuckt seine Lines über das tägliche Leben, baut eine Menge viel- und gleichzeitig nichtssagender Weisheiten ein und kann trotzdem bestens unterhalten. Die 15 Anspielstationen werden von vier Interludes geschmälert, wobei ein Intro und ein Shoutout-Outro die ganze Sache einrahmen. Im Intervall dazwischen stapelt A.D.O.R. noch mehr für ihn typische Feel-Good-Tracks, wie beispielsweise "Here Comes Da Wreck", das ebenfalls auf dem Konzept der simplen Hook aufbaut. Gegen Ende gibt es mit dem Mecca Mix zu "Day 2 Day" sogar einen schwermütigen Song, der als Abschluss gut ins Bild passt.


Fazit:
Was A.D.O.R. mit seinem Debütalbum auf die Beine gestellt hat, lebt vor allem von den extrem starken Produktionen, die hier zusammentreffen. Wer Beats von Pete Rock und Diamond D in der besten Phase ihrer Schaffenszeit vorzuweisen hat, bei dem kann gar nicht mehr so viel schiefgehen. Zudem kann A.D.O.R. mit seiner markanten Stimme, die im Jahr 1994 und zu diesem Sound irgendwie angebracht klingt, beim Hörer punkten. Ein Jammer, dass dieser Longplayer keine reguläre Veröffentlichung erfahren hat, denn das hätte ihm sicherlich einen hohen Status zwischen all den anderen glänzenden Neunziger-Releases verschafft. So bleibt "The Concrete" ein Geheimtipp, der für jeden bei den hier anwesenden Produzenten anspringenden Hörer sehr interessant sein sollte.

Gesamtwertung: 7.6 / 10

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Montag, 9. Februar 2009

Onyx - Bacdafucup

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Release Date:
30. März 1993

Label:
JMJ Records (Rush Associated Labels)

Tracklist:
01. Bacdafucup
02. Bichasniguz
03. Throw Ya Gunz
04. Here 'N' Now
05. Bust Dat Ass
06. Atak Of Da Bal-Hedz
07. Da Mad Face Invasion
08. Blac Vagina Finda
09. Da Bounca Nigga
10. Nigga Bridges
11. Onyx Is Here
12. Slam
13. Stik 'N' Muve
14. Bichasbootleguz
15. Shifftee
16. Phat ('N' All Dat)
17. Da Nex Niguz
18. Getdafucout



1993, ein geschichtsträchtiges Jahr für HipHop - sowohl im Osten als auch im Westen. Eines der erheblichsten Ereignisse ist des Debütalbum dieser Gruppe - Onyx. Gegründet wurde das Quartet zwar schon früher (1988 in einem Barbershop), doch es ist erst der Deal, den ihnen Mentor und Entdecker Jam Master Jay verschafft, der zu diesem Album führt. Die Cousins Sticky Fingaz und Fredro Starr bilden zusammen mit Big DS und Sonee Seeza (zu dieser Zeit noch als Suavé aufgeführt) diese Formation und "Bacdafucup" nennt sich das Album, das komplett ohne Gäste auskommt.

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Als Klassiker und richtungsweisend wird das Album bezeichnet - und damit haben nicht im geringsten die Produktionen, die hauptsächlich von Chyskillz und Jam Master Jay selbst beigesteuert werden, etwas zu tun. Denn die sind größtenteils höchst typisch für ihre Zeit und beileibe nichts besonderes. Nein, was Onyx zu einem einzigartigen Phänomen macht, sind die Vorträge dieser Emcees: Es wird geschrieen, gegrölt und gebrüllt, natürlich eingedeckt mit einer gesunden Anzahl an Flüchen. Irgendwo muss man zugeben, dass dieses Konzept nicht sehr originell ist und zudem eigentlich auch kein Album ausfüllen kann - schon gar kein gutes Album. Weit gefehlt! Onyx können. Die Glatzköpfe (Bal-Hedz) werfen sich in ihre schwarzen Lumpen, schlüpfen in ihre Timberlands und ziehen böse Grimassen - fertig ist die "Mad Face Invasion". Darüber hinaus haben sie auch auf lyrischer Ebene einiges zu bieten: Arrogant und in bester Proll-Manier wird die ganze Welt angerotzt. Diese wird Zeuge des Wahnsinns, der sich aus den Mündern der vier Emcees Bahn bricht. Den ungezügelten Aggressionen fällt auch die englische Sprache zum Opfer, die in fast allen Titeln nur noch bruchstückhaft verbleibt. Wer hier nicht mitgerissen wird, der wird abgerissen. Vor allem Sticky Fingaz nutzt seine Raps als Streitkolben, mit dem auf die Hörerschaft eingedroschen wird. Wer die Hasstirade "Bichasniguz" gehört hat, der weiß, wieso die simplen Beats hier so gut passen - alles andere würde viel zu sehr vom Wesentlichen ablenken. Und das sind nunmal die sich prächtig aufführenden Fratzenschneider. Allen Tracks voran galoppiert natürlich der Welthit "Slam" auf einer Welle entfesselter Energie, dicht gefolgt von der nächsten Hymne, "Throw Ya Gunz". Beide Tracks stechen mit den einprägsamsten Hooks der Platte hervor, wobei Sticky natürlich auch hier seine lyrische Raserei in keinster Weise zügelt:

"And unless you got 10 sticky fingers
It's straight imitation
A figment, of your imagination
But but but but wait it gets worse!
I'm not watered down, so I'm dyin' of thirst
"

Oft reichen die Tracks nicht aus, um den emotionalen Eruptionen als Plattform zu dienen. Deswegen finden sich auch einige Interludes ("Bust Dat Ass", "Da Mad Face Invasion", "Bichasbootleguz" oder auch das "Bacdafucup"-Intro), in denen dem Hörer rohe Wortfetzen entgegengepfeffert werden. "Ayo, what about tha hoes??". Das fragen sich auch Onyx und widmen dem weiblichen Geschlecht zwei Tracks, die sich nicht gerade durch politische Korrektheit oder Toleranz hervortun: In "Da Nex Niguz", einer Abrechnung mit allen untreuen "Bitches", werden unterhaltsame Geschichten ausgetauscht, während "Blac Vagina Finda" selbsterklärend ist. Irgendwo, vor allem bei Kenntnis des zwei Jahre später erscheinenden nächsten Albums, ist dieses Album jedoch über seine ganze Spieldauer hinweg mit einer nahezu heiteren Atmosphäre belegt. Das liegt daran, dass in Tracks wie "Nigga Bridges" Trompete und Saxophon zum Einsatz kommen, ebenso wie an der Tatsache, dass man den Lines nie ohne Lächeln lauschen kann - wahrscheinlich war auch genau das die Absicht von Onyx. Unter diesem Licht erscheint auch das Outro mehr als nur passend, das in seiner inhaltslosen einen Minute fordert: "Getdafucout"!


Fazit:
Hätte vor diesem Album jemand gedacht, dass man sich seinen Weg in den Rap-Olymp erschreien kann? Doch selbst wenn Onyx diese Leistung nicht gelungen wäre, so wären die vier Irren wahrscheinlich zu den Ehrwürdigen hinaufgeklettert und hätten die Tore zu dem ihnen zustehenden Platz eingerissen. Mit den Mitgröl-Hymnen, die Onyx der HipHop-Welt bescherten, schuf sich dieses Quartett seine ganz eigene Nische im Hardcore-Rap. Ein wirklicher Klassiker ist "Bacdafucup" allerdings nicht, dafür fehlt dem Album ein Konzept, die Ausgereiftheit des zweiten Albums oder ein sonstiges i-Tüpfelchen. Doch wer will sich beschweren? Einzigartig ist der Longplayer trotzdem und wer ein bisschen Dampf ablassen will oder einfach nur die gute Laune ausschöpfen will, die dieses Album macht, der sollte "Bacdafucup" mal wieder in den Player werfen.

Gesamtwertung: 8.6 / 10

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CunninLynguists - Will Rap For Food

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Release Date: 20. Oktober 2001
Label: FreshChest Records

Tracklist:
01. Will Rap For Food
02. Lynguistics
03. Mic Like A Memory (Feat. Kory Calico)
04. So Live!
05. Hey
06. Fukinwichu
07. Ain't No Way (Feat. Mr. SOS & Anetra)
08. Missing Children (Feat. Braille)
09. Midnight
10. Thugged Out Since Cub Scouts (Feat. Jugga The Bully & Mr. Raw)
11. Kno's Diggin'
12. Halfanimal
13. Family Ties (Feat. Cashmere The Professional)
14. Dirty South
15. Mindstate
16. Takin' The Loss (Feat. Jugga The Bully)
17. Not Guilty
18. 616 Rewind (Feat. Tonedeff, Sankofa, Kashal-Tee & Celph Titled)



Wer kennt sie nicht, die CunninLynguists. Ein lustiger Name und zwei abgebrannte Typen, die ihre Rap-Künste für eine Handvoll Wechselgeld anbieten - das können nur KNO und Deacon Da Villain sein, die für das Cover ihres Debütalbums posieren. Doch hier hat man es nicht etwa mit herkömmlichen Conscious-Rappern aus New York zu tun - die beiden stammen aus Kentucky bzw. Georgia und halten somit für den dreckigen Süden die Flagge in die Höhe. Da "Will Rap For Food" trotzdem kein Standard-South-Album ist, darf man sich der interessanten Voraussetzungen erfreuen, unter denen dieses Album entstand.

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Dieses Duo in Produzent und Rapper einzuteilen, wäre nicht ganz korrekt, da KNO zwar fast alle Beats zum Album schustert, jedoch auch immer am Mic steht. Deacon ist übrigens auch des Produzierens mächtig, steht aber hier nur für einen Track hinter den Knöpfchen. Mit Gästen wie J. Bully, Celph Titled oder Tonedeff ist ein klarer Einfluss der Ostküste nicht von der Hand zu weisen, wobei man in diversen Pressetexten auch Vergleiche zu Outkast finden wird. Wen wundert es da, dass sich CL mit ihrem ersten Album einen Marken-Sound kreieren, der auch heute noch hochgelobt wird. Da sich dieser Sound aus mehreren Teilen zusammensetzt, fängt man am besten gleich mit ein paar Beispielen an. Die Skits, zu denen auch das "Will Rap For Food"-Intro zählt (die sonst allerdings am Ende einiger Tracks anzutreffen sind), setzen das ganze Album in einen Rahmen, der sich selbst nicht zu ernst nimmt. Hier wird die eigene Profession, und vor allem auch der ein oder andere Trend, mit einem Augenzwinkern bedacht. Mit kurzen Instrumental-Interludes wie auf "Hey", "Midnight", "Kno's Diggin'" oder "Dirty South" wird der von Kno betriebenen Kunst dann trotzdem besonderer Platz eingeräumt, der die restlichen Tracks gekonnt verbindet und sehr förderlich für den Gesamtcharakter der Scheibe ist - mit"Not Guilty" bekommt ein solches Instrumental sogar dreieinhalb Minuten Spielzeit. Die verbleibenden Tracks lassen sich ebenfalls sehr gut in zwei Kategorien einteilen, wobei beide relativ unterschiedlich und trotzdem dem typischen CL-Sound zugehörig sind. Die erste Partei eröffnet mit "Lynguistics": Wild tanzende Streicher, ein paar gut gesetzte Cuts und bestens aufgelegte Raps sind für den ersten Representer und diese sich selbst feiernde Hymne verantwortlich, die noch heute der Track ist, der, in Bezug auf die CunninLynguists, meist an erster Stelle genannt wird. "The music makes me high / Even though I stay away from Cannabis like Wyclef" - herrlich. Auch in "So Live" rollt die Maschinerie mit Vollgas und dem von Celph Titled produzierten Instrumental haftet sogar ein Hauch von Old School an. "Thugged Out Since Cub Scouts" denkt gar nicht erst daran, das Niveau absacken zu lassen, während man nie vergisst, dass der Wind von Süden weht. Für "Fukinwichu" tritt der Representer-Aspekt in den Hintergrund, um gute Laune aus allen Rohren zu blasen und die entspannteste Nummer des Albums aufzutischen. Vollgas gegeben wird dann wieder mit dem Streichergetriebenen "Ain't No Way" und dem genickbrechenden "Halfanimal". Kurz gesagt: Partei Eins prescht nach vorne und gibt den Fans bei jedem Live-Auftritt einen Grund, ins Schwitzen zu kommen. Die andere Hälfte der Tracks stellt das Gegenteil dar: Nachdenkliche und sehr persönliche Texte werden über teils äußerst melancholische Melodien preisgegeben. So handelt das selbsterklärende "Family Ties" von kaputten Vater-Sohn-Beziehungen, während in "Mic Like A Memory" über schlechte Zeiten sinniert wird, in denen man am besten nicht zur Flasche, sondern eben zum Mic greift. So, dann fehlt ja nur noch ein Track. "616 Rewind" gehört wieder zur Kategorie der Songs, die einfach nur Spaß machen. Mit einem atemberaubenden Auftritt von Tonedeff und den großartig direkten Lines von Celph Titled bekommt man hier noch einmal ein absolutes Highlight, das dieses Album abschließt.


Fazit:
Für jemanden wie mich, der in erster Linie Non-Gangsta Rap und somit wenig Südstaaten-Rap hört, gibt es von der dritten Küste wenig Pflichtprogramm. CunninLynguists sind jedoch genau das. Spaß an der Arbeit, Vielfalt und eine Frische, die man im Osten oftmals vergebens sucht. Das Schöne an "Will Rap For Food" ist dabei, dass fast jeder Rap-Hörer diesem Album etwas abgewinnen können wird. Da Tracks wie "Lynguistics" auf späteren Alben immer seltener wurden, ist dieses, das Debütalbum, als das beste Machwerk der Gruppe anzusehen. Mehr muss hier nicht gesagt werden.

Gesamtwertung: 8.6 / 10

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