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Dienstag, 22. Dezember 2009

Slug & Murs - Felt 3: A Tribute To Rosie Perez

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 17. November 2009
Label: Rhymesayers Entertainment

Tracklist:
01. Protagonists
02. Felt Chewed Up
03. Get Cake
04. Bass For Your Truck
05. Like You
06. Permanent Standby
07. Kevin Spacey
08. Ghost Dance Deluxe
09. Revisiting The Styleetron
10. Whaleface
11. Glory Burning
12. Henrietta Longbottom
13. She Sonnet
14. Felt Good
15. Deathmurdermayhem
16. The Prize
17. G.I. Josephine
18. The Clap
19. We Have You Surrounded
20. Give It Up
21. Paul Reubens



Die Marke Felt genießt nahezu Kulstatus. Nicht etwa, weil die zwei bisher veröffentlichten Alben Klassiker wären, sondern schlichtweg aufgrund des Konzepts hinter der ganzen Geschichte: Slug und Murs, gleichermaßen Indie-Größen und jeweils einem nicht weniger bekannten Camp zugehörig, kommen im gemeinsamen Ziel, die Aufmerksamkeit von Schauspielerinnen aus der zweiten Reihe zu erhaschen, zusammen und kreieren so Kollaboalben mit jeweiliger Widmung. Bisher kamen Christina Ricci und Lisa Bonet zu der Ehre einer LP. "Felt 3" geht an Rosie Perez, und wo die ersten beiden Scheiben mit The Grouch bzw. Ant jeweils einen eigenen Produzenten im Rücken hatten, konnte auch hier höchstinteressante Unterstützung gewonnen werden: Diesmal ist der Dritte im Bunde niemand Geringeres als Aesop Rock.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Dieser vollwertige Dritte wirkt sich nicht unerheblich auf das Erscheinungsbild des Albums aus. Was laut Murs und Slug zu einer besseren Harmonie führte, war die Tatsache, dass der Produzent diesmal neutral zwischen den beiden Hauptakteuren steht, wohingegen Grouch aus Murs' direktem und Ant aus Slug's unmittelbarem Umfeld stammt. Doch ganz unabhängig davon werden alle, die Aesop Rock kennen, wissen, dass man sich hier auf weitaus sperrigere Gebilde einzustellen hat, als das auf den vorigen beiden Scheiben noch der Fall war. Auch die Spielzeit hat sich nunmehr konstant gesteigert, gegenüber dem zweiten Teil wurde eine satte Viertelstunde draufgelegt. Allen, die aus diesem Album schnell und nebenbei schlau werden wollen, sei gesagt: "Felt 3" braucht seine Zeit. Erst, wenn man sich beim Einsetzen von Aesop's Gitarren im Opener "Protagonists" mit einem zufriedenen Lächeln der Gesichtsmuskulatur konfrontiert sieht, fängt die Platte an, zu zünden. Dazu wird von S&M sofort klargestellt, wo nun die Aufmerksamkeit der Hörerschaft zu liegen hat. Denn es folgt eine lyrisch hochwertige Darbietung, gespickt mit Sarkasmus, Süffisanz und frei von jeglichen Erwartungen, die etwa ein Atmosphere-Fan der Platte unterstellen könnte. Natürlich kommt auch der Geschichtenerzähler Slug zum Vorschein, etwa im düsteren "Permanent Standby" (wobei sich Aesop den Avril-Lavigne-Voice-Cut hätte sparen können), das die irgendwie vertraute Szenerie eines Mädchens, das des öfteren die falsche Wegabzweigung nimmt und sich von Drogen sowie zwielichtigen Typen umringt sieht, modelliert. Hier kopiert selbst Murs den Slug'schen Stil. Trotzdem halten sich die beiden Emcees die Waage, obwohl die Produktionen Murs auf den ersten Blick besser zu Gesicht stehen. Doch selbst in nach vorne preschenden Bangern wie "Revisiting The Styleetron" (welches großartiges Rap-Ping-Pong spielt) verliert Slug nie den Anschluss. In "Henrietta Longbottom" werden Gerüchte über besagte Henrietta in irrwitzige Höhen getrieben, "Like You" zeigt S&M dagegen als die alltäglichen Kerle, die sie sind, während Aesop immer die passende Untermalung findet. Meist geht er dabei in eine rockige oder eine elektronische Richtung. Fehltritte unterlaufen ihm dabei nur wenige: "Bass For Your Truck" ist kein Muss, dazu kommen die Interludes (bzw- kurzen, Interlude-artigen) Stücke ("Kevin Spacey", "Felt Good", "The Clap"), die allesamt das Niveau nach unten ziehen. Lediglich "Get Cake" setzt sich durch strikte Eintönig- und -gängigkeit durch. Eigentherapie gibt es mit "Deathmurdermayhem", in dem angestaute Aggressionen abgelassen werden, mit "We Have You Surrounded" hingegen wird den Fans ("I write a song about life and dirt / So I can ride along with you when you driving to work") ein Geschenk gemacht. Abschließend gibt es mit "[b}Paul Reubens[/b]" (man beachte, dass entgegen der ersten beiden Scheiben diesmal zwei Schauspieler, nicht etwa Musiker, einen Track abbekommen) noch ein Schmankerl, für das ein paar Seitenhiebe gen Mainstream ausgeteilt, die eigenen Qualitäten nochmals betont werden und bei dem Slug auch schon ankündigt, wie es weitergehen wird:

"I guess the moral is, stick a fork in it
We got more to give, you fortunate
You fucking with a legend and these members of the orphanage
Organisms that were born for this
First we make the people feel quite right
And then I'm working on a sequel to Zeitgeist
So push up the light, peace, nighty night
Stay tuned, number four, tribute to Heidi Fleiss
"


Fazit:
Die Erwartungen bei einem Dreigespann wie dem hiesigen sind natürlich hoch, doch sie wurden auch erfüllt. Zwar wäre wohl noch mehr drin gewesen, doch im schwachen Jahr 2009 sollte man mit diesem Produkt mehr als zufrieden sein. Kritik findet sich wenig: Die Interludes hätten gestrichen und ganz generell auch die Spielzeit etwas komprimiert werden können. Demnach finden sich nunmal einige unnötige Tracks, außerdem stellen sich gegen Ende (trotz des hervorragenden Ausstiegs) Ermüdungserscheinungen ein. Den Spaß, den die Aufnahmen gemacht haben müssen, hört man trotzdem beständig durch. Deshalb, und weil "Felt 3" sowieso nicht komplett in Worte gefasst werden kann, sei jedem geraten, einfach selbst reinzuhören, denn Murs, Slug und Aesop schrammen haarknapp an den vier Kronen vorbei.

Gesamtwertung: 7.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 6. Dezember 2009

Obie Trice - Special Reserve

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 15. Dezember 2009
Label: Mossappeal Music

Tracklist:
01. Welcome
02. Got Hungry
03. You've Been Slain
04. On And On
05. I Am
06. 4 Stories
07. Roughnecks (Feat. Deuce Wonder)
08. Cool Cats
09. What You Want
10. Jack My Dick
11. Dope, Jobs, Homeless (Bonus / Alternate Take)



Wenn Newsletter davon tönen, dass sich hier ein neues, dynamisches Duo gefunden hat, schießt man an der Wahrheit etwas vorbei: Obie Trice und MoSS kennen sich schon lange. Die ersten Singles, die Obie veröffentlichte, waren von ebenjenem MoSS produziert. Doch dann schlugen die beiden unterschiedliche Wege ein: Während Obie Trice der weltbekannte Schützling von Eminem wurde, zog MoSS weiter im Untergrund seine Bahnen, konnte seine Werke bei einschlägigen Underground-Größen unterbringen und zählt (um das Ganze anschaulich in Worte zu fassen) als das erste Mitglied von DJ Premier's "Works Of Mart"-Produktionsgenossenschaft. Obie's Weg dürfte bekannt sein: Nach dem Platinumdebüt ging es bergab, schließlich verließ er Shady Records. Damit ist "Special Reserve" sein erstes Indie-Release und drittes Album.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Doch damit ist zur Story dieser Platte noch nicht alles gesagt: Denn um die Jahrtausendwende herum erblickten nicht nur Singles wie "Mr. Trice" das Licht der Welt, MoSS und Obie nahmen genug Material für ein komplettes Album auf, das über Obie's Shady-Phase hinweg unberührt alterte. Zum Glück für die Rap-Gemeinde fanden Obie und MoSS mit einem Anruf wieder zusammen, um jenes Material aufzuarbeiten (MoSS verlieh dem Ganzen ein komplett neues Gewand), halbfertige Songs zu vollenden und der Welt als "Special Reserve" zu präsentieren. Als weiterer Beteiligter wurde DJ Grouch für Cuts & Scratches angeheuert, auf Gäste wurde bis auf eine Ausnahme verzichtet. Mehr braucht es auch beileibe nicht. Denn wem es bei all den Gästen aus dem Aftermath-/Shady-Camp sowie dem dauerhaften Gläserheben entgangen ist: Obie Trice ist ein ausgezeichneter Emcee. Und wenn das bisher für viele Hörer durch zu viele verschiedene Produzenten, adoptierte Styles und besagte Gäste (und damit soll "Cheers" gar nicht schlechtgeredet werden) kaschiert wurde, bekommt man hier die Augen bzw. Ohren geöffnet: Für "Special Reserve" holt Obie einmal tief Luft und spittet sich dann die Seele aus dem Leib. Ein ironischer Zufall, dass diese Raps zum jetzigen Zeitpunkt wie ein Kontrastbild zu den beiden Shady-Releases dastehen, als hätte er nun allen Grund, Feuer zu spucken. Was also passt perfekt zu Obie's unerbittlichen Battle-Raps? Genau, MoSS. Der klingt nicht mehr so, wie bei den frühen gemeinsamen Werken, sondern unterlegt alle Tracks mit einer weitaus stärkeren Dosis Asphalt: Was etwa bei Kollabos mit Big Shug schon den Geruch einer Trademark-Eigenschaft hatte, tritt hier voll zutage: MoSS knüppelt seine Drumlines aus den Boxen wie kaum ein anderer. Damit steht dem Start in dieses kurze, aber rasante Album nichts mehr im Weg: Gleich das "Welcome"-Intro als auch "Got Hungry" marschieren ohne Hook, dafür aber mit umso mehr Cuts, gen Zuhörer. Ohne Wenn und Aber zieht MoSS seine Schiene durch und legt damit einen Unterbau, den in dieser Form schon lange kein Album mehr bieten konnte: schönen, schlichten Street-Sound. Man möchte es kaum glauben, wie das Duo in "Roughnecks" Energie freisetzt, wie Obie in "I Am" das Studio in Grund und Boden rappt. An anderer Stelle wird die Battle-Maske abgenommen und der lustige Obie tritt zutage: "Jack My Dick" entsagt "the root of evil", den Ladies ("Obie never gets upset when a bitch say no"), "What You Want" entlarvt Obie als professionellen Schnorrer ("What you want Obie? Get off my dick! / No you can't borrow, buy your own shit!"). Lediglich das neue Instrumental zu "Dope, Jobs, Homeless" bewegt sich "nur" im guten Mittelmaß. Zehnmal wertvoller ist da "On And On", das mit simplem Piano-Loop, starken Cuts von Grouch und direkt ins Gesicht gewatschten Battle-Raps von Obie genug Grund zu übermäßiger Freude bietet.


Fazit:
Obie Trice und MoSS gehen ohne Zweifel eine Symbiose ein: Beide motivieren sich gegenseitig zu Höchstleistungen - man bekommt hier gleichwohl Obie's energischste Raps als auch MoSS' beste Produktionen zu hören. Trotzdem: Warum dieses Album sonderlich hervorheben, wenn es nur elf Tracks lang und keine Neuerungen implizierende Bereicherung ist? Weil Alben wie "Special Reserve" viel zu selten daherkommen. Eine Ausblendung jeglicher Störeffekte (wie etwa sentimentaler Underground-Allüren) ermöglicht den Fokus auf strikten Battle-Rap, der mit imposantem Nachdruck konzentriert wird. Gerade weil "Special Reserve" so wenige Tracks aufführt, ist die Zahl der Bretter außergewöhnlich und ergibt mit den restlichen, ebenfalls hörenswerten Tracks ein knappes 4-Kronen-Album.

Gesamtwertung: 7.5 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Freitag, 27. November 2009

Royce Da 5'9 - Street Hop

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 20. Oktober 2009
Label: M.I.C. Records / One Records

Tracklist:
01. Gun Harmonizing (Feat. Crooked I)
02. Count For Nothing
03. Soldier (Feat. Kid Vishis)
04. Something 2 Ride 2 (Feat. Phonte)
05. Dinner Time (Feat. Busta Rhymes)
06. Far Away
07. Warriors (Feat. Slaughterhouse)
08. ...A Brief Intermission (Skit)
09. New Money
10. Shake This
11. Gangsta (Feat. Trick Trick)
12. Minez In This
13. Street Hop 2010
14. Thing For Your Girlfriend (Feat. K-Young)
15. On The Run
16. Murder
17. Bad Boy (Feat. Jungle Rock Jr.)
18. Part Of Me
19. Hood Love (Feat. Bun B & Joell Ortiz)



Um dahin zu gelangen, wo Royce Da 5'9" inzwischen steht, musste er einiges durchmachen. Was ihm dabei schon immer zugrunde lag, waren seine Skills, die es ihm ermöglichten, 2004 mit "Death Is Certain" ein Album zu veröffentlichen, das dem Totgeglaubten viel Lob bescherte. Dass es auch anders laufen kann, zeigte das mit Gleichgültigkeit empfangene "Independent's Day" ein Jahr später. Für Royce verliefen die nächsten Jahre mit Gastauftritten und Mixtapes, bis sein Auftauchen bei Slaughterhouse ihn 2009 wieder in die ersten Reihen wirft. Denn wenngleich er es auf Ebene der Skills wohl nicht nötig hätte, sich einer Gruppe anzuschließen, wurde damit der allgemeinen Bereitschaft zum neuen Soloalbum "Street Hop" ein guter Push versetzt.

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Angekündigt war "Street Hop" ja schon lange. So lange, dass es viele inzwischen wieder vergessen haben. Damals war sogar von einer Premo-Komplettproduktion die Rede, was sich jedoch als falsch herausgestellt hat - ganze drei Instrumentals sind es nunmehr noch. Doch als Executive fungiert der alte Herr Premier trotzdem, was dem Album unter Umständen sogar besser tut. Andere Produzenten umfassen u.a. Nottz, Emile und Streetrunner. Ein Konzept sucht man bei der Platte vergeblich, die vage Zuordnung seiner Musik als "Street Hop", im Gegensatz zum derzeit so negativ behafteten "Rap", ist irrelevant. Dass Royce seine Fans für die lange Wartezeit mit ganzen 18 Tracks entschädigen will, ehrt ihn. Genügend Punchlines hätte er sicher auch parat. Doch damit wird jeglicher Kritik am Album ein gewichtiger Aspekt addiert - die Qualitätsdichte. Natürlich hat Royce das Potential zu Bombensongs, nur reicht es für so viele? Nein, leider nicht. Doch das will nicht heißen, dass es nicht interessant wäre, hier einzusteigen. Denn was durchaus geboten wird, ist eine gesunde Breite an Angeboten, allen voran natürlich die signafikanten Kopfnicker, in denen Royce sich schlichtweg des Rappens erfreut, wie etwa der Opener "Gun Harmonizing". Dicker Representer ist das einzig typische Premo-Gestell "Hood Love", das den Rückhalt in der eigenen Nachbarschaft anpreist. Den Sinn für Humor hat Royce ebenfalls nicht verloren, weshalb "A Brief Intermission" eingeworfen wird und weswegen im akzeptablen "Far Away" die als Gag gedachte Auto-Tune-Hook konsequent durchgezogen wird und dabei herrlich sarkastisch andere Nonsense-Hooks aufs Korn nimmt. Für "The Warriors" zimmert Streetrunner einen dicken Beat mit Feeling eines Leone-Western-Finales, womit der Song zum bis dato besten Slaughterhouse-Track avanciert. Trotz der Differenzen bei den Songs baut sich damit eine starke Atmosphäre auf, die sich im zweiten Teil leider verliert. Wo "Shake It" für Premo-Verhältnisse noch herrlich fresh daherkommt, wird "Gangsta" über seine vier Minuten wahrhaft mühsam. Auch "Thing For Your Girlfriend" (egal, wie ernst gemeint) lädt zum Wegnicken ein, während mit "Bad Boy" ein unterdurchschnittlicher Song eingebunden wurde, der dank Jungle Rock Jr. das klischeehafte Jamaica-Feeling ins Programm nimmt. Dann doch lieber Storytelling: Im Zweiteiler "On The Run" / "Murder" wird aus zwei Perspektiven erzählt, wobei vor allem "Murder" mit einem hintergangenen Gangsterboss wie ein Drehbuch eines Gangster-Films anmutet. Mehr erstklassige Erzählkünste werden auf "Part Of Me", der schon länger bekannten Geschichte mit dem so überraschenden, makaberen Ende, geboten. Zurück zum Anfang, wo man mit "Soldier" zwar auch einen potentiellen Skip-Track findet, der aber mit Premo's "Something 2 Ride 2" und dem energischen "Dinner Time" für die Sympathie sorgt, die den Hörer auch über den Mittelteil hinweg motiviert. An dieser Stelle muss nur noch "Count For Nothing" genannt werden, der inoffizielle König dieses Albums, in dem Royce seinen Wortschwall über ein Brett eines Nottz-Instrumentals ungezügelt laufen lässt.


Fazit:
Durchgehend gut ist das Album leider nicht. Aber trotzdem hat es auch vielen leicht besseren Alben etwas voraus, nämlich einige richtig dicke Songs. Die lesen sich aus der Endwertung zwar nicht mehr heraus, hinterlassen aber einen bleibenden Eindruck. Verbesserungsvorschläge für das nächste Werk hätte ich auch parat: Es bedarf keiner 70 Minuten Spielzeit; eine Kürzung der richtigen Songs hätte zumindest bei dieser LP einen erheblich besseren Gesamteindruck hinterlassen. Für eine handfeste Verbesserung wäre vielleicht das Fokussieren auf ein geschlosseneres Gesamtbild nötig, denn "Street Hop" fühlt sich an einigen Stellen etwas zusammengesammelt an. Doch das sollte niemanden davon abhalten, sich dieses Album zu Gemüte zu führen - das Mindeste, was man gewinnt, sind einige gute Tracks für die eigene Playlist.

Gesamtwertung: 6.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 11. November 2009

BK-One & Benzilla - Rádio Do Canibal

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 06. Oktober 2009
Label: Rhymesayers Entertainment

Tracklist:
01. Ivan Tiririca (Intro)
02. Gititit (Feat. Slug & Brother Ali)
03. Mega (Feat. Haiku D'Etat)
04. Caetano Veloso (Interlude)
05. The True & Living (Feat. Raekwon & I Self Devine)
06. Here I Am (Feat. Phonte, Brother Ali & The Grouch)
07. Tema do Canibal (Feat. The Hypnotic Brass Ensemble)
08. Ivan Tiririca (Interlude)
09. Philly Boy (Feat. Black Thought)
10. Blood Drive (Feat. Slug)
11. A Day's Work (Feat. P.O.S.)
12. Face It (Feat. Toki Wright)
13. Love Like That (Feat. Aby Wolf)
14. Hyldon (Interlude)
15. Blue Balls (Feat. Blueprint)
16. Eighteen To Twenty-One (Feat. Murs)
17. Call To Arms (Feat. I Self Devine)
18. American Nightmare (Feat. Brother Ali & Scarface)
19. Tom Zé (Outro)



Jenen, die beim Anblick von Cover und Titel verwundert auf eine nähere Erklärung bzw. Einordnung warten, zu helfen, fällt hier gar nicht so leicht. BK-One releast über Rhymesayers. Doch was sagt das schon groß über die Platte aus, abgesehen von einer zu erwartenden, mindestens passablen Qualität? BK-One war bzw. ist Tour-DJ von Brother Ali. Doch wer diese Scheibe gehört hat, der weiß, dass auch dieser Hinweis nur sehr bedingt weiterhilft. Zumal BK-One bisher als Produzent eine verschwindend geringe Aktivität an den Tag legte. Benzilla, der helfend zur Seite steht, ist im gleichen Umfeld anzusiedeln, hat aber ähnlich wenig in der eigenen Diskografie stehen. Um "Rádio Do Canibal" zu umreißen, muss man sich also schon mit der LP beschäftigen.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Zuerst muss erklärt werden, woher der Titel und damit auch die Idee zum Album, das im eleganten Discbox-Slider erscheint, kommt: Hierfür sind BK-One's zahlreiche Trips nach Mittel- und Südamerika verantwortlich, auf denen es ihm anscheinend vor allem Brasilien angetan hat, denn aus Samples von Musik aus selbigem Land setzt sich der musikalische Grund dieser Platte zusammen. Die Antropophagie-Bewegung wiederum spendet den Titel: Oswald de Andrade's Werk "Manifesto Antropófago" (engl. "Cannibal Manifesto"), das im Zuge der Bewegung eine rassische Lehre der kannibalistischen Absorption anderer kultureller Strömungen vertrat, wird auf die Musik transferiert und bedeutet kurz gesagt: Der HipHop (bzw. das "Radio", was als Anspielung auf die von BK-One mitbegründete erste Rap-Radiosendung in Minneapolis, "The Beatbox", angesehen werden könnte) verleibt sich die brasilianischen Musikelemente ein - oder anders herum, wie auch immer man es sehen will. Da sich BK auf der Schule dem Studium von Jazz widmete, ist es nur verständlich, dass auch aus dieser Richtung ein schwacher Wind weht. Nun also hat man eine grobe Ahnung, in welchem Film man sich befindet. Dieses einzigartige Konzept wird nun also in einen Topf geworfen mit HipHop-Helden aus dem Hause Rhymesayers sowie einigen weiteren weitbekannten Indie-Größen. Was dabei herausgekommen ist, ist zwar leider nicht ganz so abgefahren, wie man vielleicht erwartet hätte, doch ein angenehmes Hörerlebnis erwartet einen allemal. Zum Teil tropisch frisch, zum Teil auch auf anderen Platten vorstellbar: "Gititit" läuft sich als erster Track noch langsam warm, während das einleitende "Ivan Tiririca" bereits das richtige Feeling vorgegeben hat. Mit Interludes, in denen u.a. Lokalgrößen/-musiker Tom Zé, Hyldon oder Caetano Veloso zu Wort kommen, wird auch immer anschaulich unterstrichen, wo man sich hier befindet. Den Rappern selbst wird zwar keine Marschrichtung vorgegeben (und auch keine Doktrin gleich dem Titelkonzept wird propagiert), doch das Fehlen des inhaltlich roten Fadens (der auf Producer-Alben fast nie zu finden ist) stört kein bisschen. Da darf ein Murs einen seiner bekannten Frauen-Songs abhalten und die unbeschwerte Spanne von "Eighteen To Twenty-One" preisen und Slug gleichzeitig in "Blood Drive" ernste und kritische Töne anschlagen. Ein wahres Highlight findet sich sowieso anderswo: Im munteren "Mega" trägt das Konzept der Platte mitunter seine dicksten Früchte, da Haiku D'Etat aufblühen wie sonst niemand auf der Scheibe. Auf der anderen Seite steht das schwermütige "American Nightmare", das vor allem mit der außergewöhnlichen Kombo Ali-Scarface überrascht. Idyllischer Gesang von Aby Wolf zu Gitarrenakkorden in "Love Like That" ist eine weitere Facette der LP, ebenso wie der nur auf den ersten Blick nicht ins Bild passende Raekwon (der sich gut mit I Self Divine ergänzt) im bassgeschwängerten "The True & Living". Zuletzt sei noch "Tema Do Canibal" zur Sprache gebracht, ein von The Hypnotic Brass Ensemble eingespieltes Instrumental, das sich dank mitreißendem Karneval-Feeling schon nach dem ersten Hörgang felsenfest im Gedächtnis festsetzt.


Fazit:
HipHop braucht Alben wie "Rádio Do Canibal". Nicht wegen ihrer außergewöhnlichen Qualität, sondern wegen neuen Ideen, die ein wenig Staub aufwirbeln und sich alleine damit eine Existenzberechtigung sichern. Abgesehen davon kommt man nicht daran vorbei, zu vermerken, dass BK-One gerne noch mehr brasilianischen Flair in seine Songs hätte packen können, dass es hier beizeiten fast schon zu gewöhnlich (wenn auch auf ansehnlichem Niveau) zugeht. Ansonsten kann man ihm zu diesem Album gratulieren, und Rhymesayers darf man dafür beglückwünschen, dass sie weiterhin die richtige Musik veröffentlichen. Im Endeffekt ist "Rádio Do Canibal" zwar "nur" gut, aber interessant ist es in jedem Fall.

Gesamtwertung: 6.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Montag, 26. Oktober 2009

Brother Ali - Us

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 22. September 2009
Label: Rhymesayers Entertainment

Tracklist:
01. Brothers And Sisters (Feat. Chuck D & Stokley Williams)
02. The Preacher
03. Crown Jewel
04. House Keys
05. Fresh Air
06. Tight Rope
07. Breakin' Dawn
08. The Travelers
09. Babygirl
10. 'Round Here
11. Bad Mufucker Pt. II
12. Best@it (Feat. Freeway & Joell Ortiz)
13. Games
14. Slippin' Away
15. You Say (Puppy Love)
16. US (Feat. Stokley Williams)




Das Erfolgsgespann geht in die nächste Runde: Wenige haben in den letzten Jahren so viel euphorische Kritiken erhalten wie Brother Ali am Mikrophon und Ant in der Regie. Der Albino Ali, der vor 2007 vielen schon als Geheimtipp galt, mauserte sich mit seinem in diesem Jahr erschienenen Album "The Undisputed Truth" zum Helden vieler neuer Hörer. Touren mit Atmosphere, die auch Europa einschlossen, untermauerten diesen neuen Status und bescherten dem Midwest-Qualitätslabel Rhymesayers ein neues Zugpferd. Doch da all dies schon zur Zwischenmahlzeit, der "The Truth Is Here" EP, gesagt wurde, seien hier keine weiteren Zeilen verschwendet: Ring frei für "Us".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Diesmal hat er also nicht nur die Wahrheit im Gepäck, sondern auch noch eine handfeste und von Herzen kommende Botschaft: "There's no me and you, it's just us". Bei wem das Auge mithört, der darf sich über eine aufwändig hergerichtete Scheibe im Digi-Pack freuen, der die kompletten Lyrics gleich beigegeben sind. Auch wenn das Team Ant-Ali schon wesentlich länger zusammenarbeitet, ist man doch versucht, "Us" direkt mit "The Undisputed Truth" zu vergleichen - den Erfolg von 2007 zu überbieten wird schließlich kein leichtes Stück. Über eines darf man sich jedoch wieder gewiss sein: Ali hat erneut einige interessante Themen im Gepäck, die niveauvoll ausgeführt, doch trotzdem für jeden ansprechend gehalten werden: Mit Worten weiß Ali mit seinem einmaligen Singsang-Rap weiterhin problemlos umzugehen. Doch in der Vortragsweise darf man sich schon zum ersten Mal wundern, wo denn das Feuer geblieben ist, mit dem Ali 2007 noch "Watcha Got" abfeuerte. An dieser Stelle steht nun "Brothers & Sisters", in dem Chuck D den Hauptdarsteller vorstellt. Mit "The Preacher" geht Ali dann auch tatsächlich in die Vollen, ein Bläserteppich von Ant sorgt für die angemessene Kulisse. Der Song erinnert zudem daran, dass das Album ursprünglich unter dem Namen "The Street Preacher" geplant war. Dann begibt sich die Scheibe allerdings in eine entspannte Phase, die mir persönlich etwas zu lange dauert. Live-Instrumentierung hin oder her, Ant hätte es ruhig etwas mehr krachen lassen können: So hat "Bad Mufucker Pt. II" wenig mit dem gitarrenbeladenen Kracher der "Champion" EP zu tun, auch wenn die rückblickenden Lyrics über das Problemkind Ali einmal mehr überzeugen:

"Little boys and the girls they both packed heat
Both had something I need from 'em in their pants see
Broads got that booty all felt up in the backseat
Dudes got their lunch money boosted and their ass beat
'Can I get it back?', fuck naw don't even ask me
"

Ob Freeway und Joell Ortiz die richtigen Gäste sind, ist die nächste Frage, die man sich ernsthaft stellen sollte. "Best@It" ist solide, aber streckenweise nicht packend. Die Eindrücke und ersten Ängste, dass hier die Qualität des Vorgängeralbums nicht gehalten wird, sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ali von Anfang bis Ende ein hohes Niveau fährt: "House Keys" ist zwar sehr ruhig, erzählt aber eine lustige Geschichte, in der Ali aus Geldnot einen Teil seines Hauses vermietet, nur um laute, dealende Übermieter zu bekommen, zu deren Wohnung er den im Titel erwähnten Schlüssel noch immer besitzt. Geschichten wie diese weiß Ali perfekt vorzutragen; das war so, und das bleibt auch hier so - ein anderes Beispiel ist "Slippin' Away", in dem von Kumpel Ethan berichtet wird, dessen Leben dem Hustler-Dasein zum Opfer fällt. Nach wie vor stark ist die Zusammenarbeit zwischen Ant und Ali, die eine Übereinstimmung zwischen Atmosphäre und Inhalt garantiert. Daran, dass Ant keine wirklichen Bretter (wie sie auf "The Undisputed Truth" durchaus zu finden waren) zimmert, ändert das nichts. Die Notwendigkeit eines Tracks, der im Jahr anno Sklaverei spielt und der gepeinigten schwarzen Rasse verschrieben ist, erhebt sich zwar keineswegs, doch beschweren sollte man sich deswegen ob der starken Rap-Show nicht. Ein weiteres ernstes Thema gibt es in "Babygirl", das die inneren Narben eines Vergewaltigungsopfers offenlegt. Trotz dieser einwandfreien Stücke wären einige Beats von Ant, die dem Blues/Soul-Konzept mehr Power zugrunde lägen und auf denen es Ali vergönnt wäre, etwas mehr aus sich herauszugehen, wünschenswert - denn nur dann kann der Albino seine Rap-Stärken voll ausspielen. Ein Schritt in diese Richtung ist "Games", das sich als einziger Song die staatlichen Missstände zur Brust nimmt und zudem das Bild, das u.a. auch einige Rapper-Kollegen vom gesetzeswidrigen Weg des Geldschäffelns zeichnen, aus seinem positiven Licht rückt ("Shit, ain't nothing like The Sopranos / Real talk, you're probably better off at McDonald's"). Noch unerwähnt sind bis jetzt das Beat-technisch mittelmäßige "Round Here" sowie das stimmige "Fresh Air". Ein Streicherkostüm, auf das auch Slug bestens gepasst hätte, bietet "You Say", während in "Us" der Bogen zum Intro gespannt wird und das Album langsam ausklingt.


Fazit:
Die Frage, ob dieses Album gut sei, stand von Anfang an nicht zur Diskussion. Vielmehr sollte hier geklärt werden, wie gut "Us" ist. Und genau deshalb muss sich Ali - bzw. Ant - an dieser Stelle auch Kritik gefallen lassen. Die Scheibe ist ohne Zweifel gut, sie ist auch besser als die "The Truth Is Here" EP, doch Luft noch oben wäre reichlich gewesen. Das ist nicht unbedingt schlimm, doch in jedem Fall schade. So baut "Us" eine schöne Atmosphäre auf, die dem Albummotto ein attraktives Äußeres gibt. Besagte Kritik existiert also nur, weil man weiß, was außerdem möglich gewesen wäre: Ein paar Rhymes, in denen Ali auf die Kacke haut und die von Ant entsprechend vertont werden. Trotzdem ist "Us" (bis jetzt) eines der besten Alben des Jahres und schlittert nur knapp an einer höheren Wertung vorbei.

Gesamtwertung: 7.2 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Donnerstag, 24. September 2009

KiD CuDi - Man On The Moon: The End Of Day

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 15. September 2009
Label: Universal Motown / G.O.O.D. Music

Tracklist:
01. In My Dreams (Cudder Anthem)
02. Soundtrack 2 My Life
03. Simple As...
04. Solo Dolo (Nightmare)
05. Heart Of A Lion (KiD CuDi Theme Music)
06. My World (Feat. Billy Cravens)
07. Day 'N' Nite (Nightmare)
08. Sky Might Fall
09. Enter Galactic (Love Connection Part 1)
10. Alive (Nightmare) (Feat. Ratatat)
11. CuDi Zone
12. Make Her Say (Feat. Kanye West & Common)
13. Pursuit Of Happiness (Nightmare) (Feat. MGMT & Ratatat)
14. Hyyerr (Feat. Chip Tha Rapper)
15. Up Up & Away (The Wake & Bake Song)



CuDi überall: Dank eines House-Remix (von den Crookers) zu seiner "Day 'N' Nite"-Single gibt es schon seit geraumer Zeit von Europas größten Party-Metropolen bis zur Disse in der eigenen Region keinen Abend, ohne dass man diesem "neuen" Künstler über den Weg liefe. Doch damit nicht genug, denn wie einige Rap-Hörer slash Club-Gänger zu Beginn des ganzen Hypes erschreckt feststellen mussten, ist der Kerl ja (mehr oder weniger) der Sparte "HipHop" zuzuordnen - und genießt dort auch alles andere als einen schlechten Ruf. Vom Niemand über die Kreise von Kanye's G.O.O.D. Music in die Welt der Major-Labels hat er es inzwischen geschafft, um nun sein Debüt "Man On The Moon: The End Of Day" zu präsentieren.

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Bereits jetzt fast einstimmig hochgelobt, schon vor Release als grenzenüberschreitendes und vorwärts denkendes Album der Kategorie "Alternative HipHop" illustriert; für CuDi gilt es also durchaus, einige Erwartungen zu erfüllen. Seinem Album haftet das Prädikat eines Konzeptalbums an, zur Bekräftigung erfolgt eine Aufteilung in fünf betitelte Akte, ebenso wie das Nutzen eines gutväterlichen Charakters als Erzähler im Morgan Freeman-Stil, für den sich natürlich niemand besser eignet als Common ("This is the story of a young man who not only believed in himself, but his dreams too."), der "unseren Helden" mit seinen Worten in die Traumwelt, in der dieses Album spielt, schickt. Denn Akt eins, das "Ende des Tages", startet abends beim Einschlafen, während Akt fünf morgens endet. Dazwischen steht das, was CuDi mit seinem Album versucht, der Hörerschaft näherzubringen: eine abstrakte, vielseitige Welt, in der CuDi sich gleichfalls mit seinen tatsächlichen Problemen konfrontiert sieht als auch sonst ungekannte Freiheiten besitzt. Um diesem Gerüst einen musikalischen Mantel überzuziehen, bedarf es der Hilfe verschiedenster Produzenten wie auch Gäste - wobei die Gäste am Mic in dieser Traumnacht definitiv nur Nebenrollen spielen und entweder Hooks beisteuern oder sich schlichtweg unauffällig ins Geschehen fügen. Für die Instrumentals steht es außer Frage, dass die HipHop-Sphären CuDi's Träumen nicht genügen - der genreübergreifende Mix kann vereinfachenderweise als Pop erklärt werden, ohne sich dabei jedoch mit dem höchst negativen Beigeschmack dieses Wortes zu belegen. Im von Emile dominierten Anfang ergibt sich der Wandel vom stillen Intro über das starke "Soundtrack 2 My Life" (das sich aus Erinnerungen aus dem eigenen Leben aufbaut) ins Land der Albträume (zweiter Akt), das mit dem langsamen, aber eingängigen "Solo Dolo" winkt. CuDi's permanenter Wechsel zwischen Gesang und Rap beschert dem Song eine starke Hook; der Kompromiss aus beidem, mit dem die Verses gefüllt werden, wirkt beizeiten allerdings etwas unreif. Vor diesem Song steht nocht "Simple As...", ein drumlastiger (und somit simpler) (Rap-)Song, in dem CuDi es glänzend versteht, positiven Vibe zu verbreiten. Der Mix und die Zusammensetzung der Atmosphären und Themen erinnert von Zeit zu Zeit an einen gewissen Lupe Fiasco. Doch wo sich CuDi nicht mit dessen Rap-Skills messen kann, setzt er anderswo Akzente: Eine unerwartete Kollabo, "Alive" mit Ratatat, schickt den Mann auf dem Mond auf Frauenjagd. Die Single "Day 'N' Nite" im Original stellt sich als starke Frage des Geschmacks heraus und gibt mir persönlich, ohne den proletigen Touch des House-Remix, der zumindest unter übermäßigem Alkoholeinfluss noch seinen Reiz hatte, nicht viel. Auch sonst ist CuDi nicht vor einigen mittelmäßigen Songs gefeit - "Sky Might Fall" ist nicht schlecht, bleibt aber vollkommen blass. Mit Tracks wie "Enter Galactic" wäre all das zu vergeben, hätte sich nicht auch noch ein Totalausfall eingeschlichen: Groupie-Song "Make Her Say" mit Gaga-Sample hätte als totales No-Go so kurz vor Ende nicht sein müssen - denn danach erfolgt das langsame Erwachen, das nach "Pursuit Of Happiness" beginnt und schließlich im einwandfreien "Up Up & Away" von Sonnenstrahlen begrüßt wird.


Fazit:
KiD CuDi liefert im Großen und Ganzen genau das, was man von ihm erwartet. Poppiger Gesamtanstrich, Ausflüge nach und Einflüsse von hier und da machen dieses Debüt zu einem Unterfangen, das keinesfalls langweilig wird und dem man auch, selbst wenn man es versucht, von der HipHop-Perspektive aus nicht viel vorwerfen kann - CuDi ist eben nur ein Grenzposten dieses Genres. Die Verarbeitung seiner nächtlichen Selbstzweifel geben dem Album in seiner Ausführung zwar keinen hochgradig anspruchsvollen, aber einen gelungen Rahmen. Im Gegensatz zu einem Kanye West schmeckt CuDi auch keine fortwährende Arroganz in der Musik bei, womit sich "Man On The Moon" mit einem Wort gut beschreiben lässt: sympathisch. Zwar keinesfalls makellos - doch ohne "Make Her Say" wäre es ein gutes Album, das auch so hörenswert bleibt und Erwartungen für die Fortsetzung der Geschichte schürt.

Gesamtwertung: 6.2 / 10

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Qwel & Maker - So Be It

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Release Date: 01. September 2009
Label: Galapagos4 Records

Tracklist:
01. Dawn
02. Gnosticism
03. Back Stage Pass
04. Friend Or Foe
05. Har Megiddo
06. Interlude - Meditation
07. Berzerker
08. White Elephant
09. Fear As A Weapon
10. No Joke
11. Lunch Money
12. Interlude - So Be It
13. Paper Dolls
14. Golden Era



Es ist soweit. Galapagos4's Zugpferd startet wieder durch. In den fast schon erschreckenden Output, den Qwel an den Tag legt, von dem sowohl die offiziellen als auch die Tour- und Online-Releases eine Qualität innehaben, bei der man nur staunen kann, reiht sich nun ein weiteres, offizielles Album ein, das zudem noch einen besonderen Wegpunkt markiert: "So Be It" ist das Ende der Vier-Stationen-Tour, die 2004 mit "The Harvest" begann. Wie schon zu Beginn, so steuert auch hier Maker alle Beats bei. Denn das ist bei Qwel inzwischen auch Tradition: pro Album ein Producer. So umfassten die mittleren Alben "Freezer Burner" mit Meaty Ogre und "The New Wine" mit Kip Killagain. "So Be It" markiert im Übrigen in der Vier-Jahreszeiten-Reihe den Sommer.

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Was soll man noch groß sagen? Für fast jeden, der mit G4 vertraut ist, stellt dieses Release sowieso einen Pflichtkauf dar. Wieso? Weil Qwel es mit seinen letzten Auswürfen immer geschafft hat, seinen produzierenden Partnern eine dichte Atmosphäre zu entlocken, in der sich die bärenstarken Raps des Chicagoers voll entfalten konnten. Von Battle-Raps über Storytelling bis zu einigen der intelligentesten gesellschaftskritischen Ansätzen hat er alles parat. Der Pressetext beschreibt die Gegenstücke, Maker's Instrumentals, als Spiegel von sowohl warmem Sommer-Feeling als auch den Sommernächten, was in dieser Form auch unterschrieben werden darf. Es mag schon Qwel Alben mit düstereren Instrumentals gegeben haben, aber das will in keinster Weise heißen, das man nicht vom ersten Moment an voll von "Se Be It" erfasst würde. Zugegeben, Qwel ist kein Gnostiker, auch von der Titelergreifung für "Gnosticism" sollte man keine Erleuchtungen erwarten, aber das Gesamtpaket stimmt allemal. Die allgemeinen Weisheiten, Metaphern und kritischen Ansätze, die Qwel sehr oft in Betrachtung der Menschheit von sich gibt, wirken durchdachter als bei den meisten Emcees und werden außerdem von einem der nobelsten Flows illustriert, die es derzeit zu finden gibt. Das erste Indiz für die Qualität der Scheibe gab es ja schon im Voraus mit "Welcome To Chicago" - denn wer ein Brett wie dieses als kostenlosen Bonus-Track verschießt, der muss sich seiner Sache sicher sein. Aber die Spanne, die Maker bietet, reicht weit über eine Palette an Kopfnickern hinaus: "White Elephant" sampelt aus Hindi-Gefilden, während Qwel sich des englischen Sprichtworts annimmt, ohne dabei seinen kritischen Ton zu verlieren: "Can't see eye to eye if between us is this elephant chilling / [...] / Plus the longer we ignore, it seems the larger he's growing". In "Back Stage Pass" wird der Ton noch schärfer, wenn Qwel über ein luftiges Kissen aus Bläsern die Unterschiede zwischen Backstage- und Onstage-Verhalten einiger Künstler ächtet. Dub-Einflüsse machen sich in "Paper Dolls" breit, während Qwel diesmal den Wahn um Markenklamotten zum Tagesordnungspunkt macht. "Har Megiddo", der Berg der letzten Schlacht, hält mit brodelndem Instrumental und Sirenenheulen Einzug ins Album und dürfte thematisch kein großes Rätsel sein. Doch einige der Highlights sind bis jetzt unerwähnt: "Fear As A Weapon" fährt bedachtes, aber hartes Geschütz gegen Regierungsmethoden auf, "No Joke" setzt auf langsame und melancholische Töne. Ebenfalls zum Album gehören zwei nette Interludes, die als gelungene Abrundung dienen. Und bevor das Album mit dem lockeren "Golden Era" seinen Abschied nimmt, gibt es mit "Lunch Money", einem Song an die "welfare mommas", nochmal einen herrlichen kleinen Diamanten.


Fazit:
Es gibt wenige so konstant gute Künstler wie Qwel. Auch hier wird nicht mehr und nicht weniger als gute Musik geliefert. Kein Album, das die Vorgänger in den Schatten stellt, aber auch keines, was auch nur einen Zentimeter auf der Qualitätsleiter nachgibt. Ob Maker nun der beste Mann hinter Qwel ist, bleibt eine nicht beantwortbare Frage, da bisher zwischen allen Partnern die Chemie gestimmt hat. Außer Frage steht allerdings, dass Maker eine von mehreren richtigen Wahlen ist, die viele der angesehenen Produzentengrößen der Szene an Kreativität locker überbietet. Auch als Gesamtheit steht "So Be It" über so ziemlich jedem anderen Release der letzten Zeit. Hut ab.

Gesamtwertung: 8.0 / 10

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Mittwoch, 26. August 2009

Kevlaar 7 - Unbotton Your Holsters Vol. 1

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Release Date: 17. Juli
Label: Black Day Entertainment

Tracklist:
01. Unbutton Your Holsters (Remix)
02. Blood Diamond (Feat. Phillie)
03. Tarantula's Web
04. Get Down With Me (Feat. Inspectah Deck)
05. Start The Show (Feat. Chi King & 12 O'Clock)
06. Final Dark Sip
07. Can't Stand To Wake Up (Remix) (Feat. Wisemen)
08. Interlude
09. Harsh Winds (Feat. Iron Fingaz & Crucial The Guillotine)
10. Suicide Watch (Feat. Merc Verses & Illah Dayz)
11. Suns & Daughters (Feat. Bronze Nazareth)
12. Sacrifice (Interlude)
13. Three Kings (Feat. Hell Razah & Melanin 9)
14. Now Or Never (Feat. Solomon Childs, Son One & 5 Star)
15. The Prelude (Freestyle) (Feat. Killah Priest)
16. Much Too Soon
17. Lesser Sorrows (Feat. June Megalodon & Phillie)
18. Gun Sonnet
19. Interlude
20. Nothing To Hide (Feat. Bronze Nazareth & Salute)
21. Streets Is My Home (Feat. Bronze Nazareth & Sav Killz)
22. Evil Eye (Feat. June Megalodon & Illah Dayz)
23. Pathways (Feat. Illah Dayz)
24. Unbutton Your Holsters
25. Indebted
26. I Am Trouble (Feat. Bronze Nazareth & Salute)
27. Illah On The Fly (Freestyle) (Feat. Illah Dayz)
28. Nothing Like It (Feat. Wisemen)
29. Chief Pontiac (Feat. Beace)
30. Live From... (Feat. Bronze Nazareth)



Die Zeit für den näheren Umkreis von Bronze Nazareth ist angebrochen, eigene Lorbeeren zu ernten. Mit den Wisemen baute Bronze eine Gruppe Detroiter Artists um sich herum auf, die in der Motor City als Nest der Killa-Beez fungieren sollen. Eine Person ist dabei keinesfalls neu: Kevlaar 7 ist der Bruder von Bronze und an dessen Seite schon lange aktiv, unter anderem mit dem Brüderchen als The Unknown mit einem Album aus dem Jahr 2002. Doch in den letzten Jahren hat sich die Situation verändert, der Respekt fließt beständig ins Camp der Wisemen, man hat sich von Babygrande gelöst und neue Alben sind angekündigt. Davor gibt es Kevlaar's Mixtape "Unutton Your Holsters Vol. 1".

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Eine dicke Tracklist mit vielen Songs, von denen ein Großteil von Kevlaar selbst produziert wurde. Denn das kann er auch. Dass er dabei einiges von seinem Bruder gelernt hat, hört man sofort - jeder, der Bronze Nazareth-Beats etwas abgewinnen kann, der wird auch hier zufrieden sein. Zudem dient das Mixtape als Neuvorstellung der Wisemen, da die Truppe kürzlich von vier auf sieben Mitglieder aufgestockt wurde. Neuzugänge sind Beace, Illah Dayz und June Megalodon. Natürlich kommen auch die restlichen Wisemen (vor allem Bronze) zu ihren Auftritten, ebenso wie eine Vielzahl an Gästen. Zusammengesetzt ist das Mixtape nun aus neuen, bisher ungehörten Tracks, einigen Raps über fremde Beats sowie der fast kompletten Liste an Gastauftritten, die Kevlaar bis zu diesem Zeitpunkt zu verbuchen hat. "Tarantula's Web" beispielsweise war auf dem Mixtape zum Wisemen-Album vertreten und fährt energische Streicher auf. "Get Down With Me" zeigt einen Rebel INS (am Mic im Alleingang), wie man ihn sich wünscht, nämlich auf einem starken Instrumental und in Hochlaune. Auf den vielen anderen Songs kommt auch Kevlaar zu Wort, denn am Mic macht der Detroiter ebenfalls alles andere als eine schlechte Figur, auch wenn seine bärenstarken Beats doch die wertvollere Hälfte darstellen. So zum Beispiel, wenn "Can't Stand To Wake Up" unter neuem Anstrich aufglänzt. Auch die bekannten Songs fügen sich gut ins Bild: Egal ob von M-Eighty's "Academy" ("Blood Diamond"), Endemic's Album ("Three Kings") oder der Almighty-Platte ("Now Or Never"), dieses Mixtape ist aus einem Guss. Da passen die herrlich leichten Streicher in "Suicide Watch" hervorragend neben die kräftige Drumline in "Suns & Daughters". "Streets Is My Home" dagegen ruft die typischen Bronze-Drums auf den Plan und hätte auch glatt aus dessen Feder stammen können. Der Auftritt auf White Lotus' genialem "Pathways" darf dabei natürlich nicht fehlen. Bei seinen eigenen Produktionen zeigt Kevlaar mehr und mehr, dass er seinem Bruder fast ebenbürtig ist - das soulvolle "Much Too Soon" bindet den Hörer mehrere Male an den Repeat-Button. Unnötig ist einzig und alleine Illah Dayz' Freestyle in "Illah On The Fly" (über Common's "Black Maybe"), ansonsten lohnt sich dieses Mixtape in jeder Minute - vor allem für jene, denen Kevlaar's bisherige Auftritte nicht geläufig sind.


Fazit:
Den Titel des jahresbesten Mixtapes dürfte Kevlaar damit wohl sicher haben. Nicht nur das, auch die meisten Alben der letzten Zeit könnten hier noch etwas lernen. 30 Tracks (abzüglich einiger Interludes), die fast durchgehend Albumniveau halten und somit für das Geld des Käufers etwas bieten können. Die Beats von Bronze Nazreth - und spätestens jetzt auch die von Kevlaar - stellen eine Hochburg für alle Liebhaber des östlich angehauchten (Wu-)HipHops dar, die, projiziert man die hier erbrachte Leistung auf die kommenden Alben, Großes zu leisten fähig sind. Die Vorfreude auf das neue Wisemen Album bleibt mit "Unbutton Your Holsters" in jedem Fall bestehen und wird darüber hinaus gesteigert.

Gesamtwertung: 6.7 / 10

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Montag, 10. August 2009

Twista - Category F5

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Release Date: 14. Juli 2009
Label: EMI

Tracklist:
01. Misunderstood (Feat. Buk)
02. American Gangsta
03. Fire (Feat. Lil Boosie)
04. Talk To Me
05. Yellow Light (Feat. R. Kelly)
06. Walkin On Ice (Feat. Gucci Mane & OJ Da Juiceman)
07. Wetter (Feat. Erika Shevon)
08. Billionaire (Feat. Busta Rhymes)
09. Yo Body (Feat. Do Or Die & Johnny P)
10. Hustla
11. Gotta Get Me One (Feat. Static Major)
12. On Top (Feat. Akon)
13. Jump Off
14. Wanna See 'Em Buss (Feat. Liffy Stokes)
15. Birthday



Der Herr Zungen-Twista ist zurück, keine zwei Jahre nach seinem letzten Album. Man mag ihn hassen oder lieben, er ist ohne Zweifel ein fester Teil der Landschaft des HipHop-Genres, spätestens seit seinem 2004er Platinum-Album "Kamikaze". Doch auch sonst gehört der Mann mit der schnellen Zunge dazu, auch wenn er sich mit seinen letzten Auswürfen nicht unbedingt mit Ruhm bekleckerte. Bei diesem Album kürzte sich vom ursprünglich angekündigten Star-Lineup einiges weg, doch trotzdem verbleibt "Category F5" mit einigen renommierten Gästen. Und auch so beansprucht Twista auf der Messskala für Orkanstärken, die parallel zum Kronensystem von eins bis fünf reicht, das Maximum.

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Ein bisschen widersprüchlich ist es auf den ersten Blick schon: Wer Twista nicht kennt, dem werden beim Anblick des Covers, auf dem ein mit schwuler (zu verstehen im Rap-, nicht im tatsächlichen Sinn) Hipster-Brille und -Hut sowie tonnenweise Bling-Bling abgebildetes Moppelchen die im Hintergrund zu sehende Verwüstung angerichtet haben will, vor Lachen die Tränen kommen. Doch die Zeichen stehen gar nicht schlecht, immerhin markiert dieses Album seit 2004 die erste Zusammenarbeit mit The Legendary Traxster. Diese Zusammenarbeit hat das Potential, über die etwas enttäuschende Gästeliste hinwegzutrösten. Der Einstieg ins Album ist vielversprechend: Nachdem dem Hörer erklärt wurde, was so ein "F5"-Hurrikan alles anzurichten vermag und Buk mit tiefer Stimme die ersten Lines gekickt hat, legt Twista los: Über Traxster's düsteres, mit Streichern ausgekleidetes Instrumental gibt es Rhyme-Salven vom Allerfeinsten, die zudem stark mit Buk's gegensätzlich langsamer Performance harmonieren. Wo "Misunderstood" ansetzte, da macht "American Gangsta" weiter: Diesmal ist es Toxic (ebenfalls ein Langzeitkollaborationspartner), der in "American Gangsta" das richtige Gelände für Twista modelliert. Der Speedster tischt hier eine etwas fragwürdige Hommage an die Groß- und Kleinkriminellen Amerikas ("We was born into this system, so don't be mad at what you made us") auf, die raptechnisch allerdings so verdammt gut ist, dass jegliche Kritik unter den Tisch fällt. Der Anfang schmeckt also herrlich, nur was nun folgt, gleicht einer Talfahrt: "Fire" fängt gut an, bis zu dem Punkt, an dem ein kleines Baby anfängt, zu quäken. Nein, es ist Lil' Boosie, der den Unrat, den er als Rap bezeichnet, über den Song kippt. Doch das war natürlich bei weitem nicht das Ende der Fahnenstange. "Birthday" klingt mit Quietschestimmchen und inhaltlich untergründiger sowie auch technisch gewöhnlicher Vorstellung nach nichtigstem Wiedererkennungswert, was ebenso für "Gotta Get Me One" gilt, das jedoch zumindest technisch anspruchsvoller ausgeführt wurde. Ein steter Begleiter ist der Auto-Tune, der prinzipiell akzeptablen Songs wie "Yo Body" den Garaus macht. Auch R. Kelly spielt die Trendhure und säuselt sich durch die ampelgeregelten Softporno-Raps in "Yellow Light", wobei derjenige, dem als erstes die Ironie des Tracktitels ("yellow") in Bezug auf R. Kelly als Gast aufgefallen ist, diesem Song zumindest etwas Amüsantes abgewinnen konnte. Thematisch und auch vom Unterhaltungsfaktor ähnlich verläuft Akon's gelangweilt-routinierter Auftritt, bei dem man die Gespielin "On Top" reiten lässt. Schon fertig? Oh nein, es kommt noch besser, schließlich wurde noch gar nicht genug betont, wie viel Dinero man verdient. "Hustla" hält sich noch in Grenzen, "Billionaire" kann dagegen mit Vollzeit-Auto-Tune gut und gerne der schlechteste Song sein, den es von Twista je zu hören gab. Auch in den Jahrescharts spielt er ohne Zweifel ganz unten mit. Dort klinkt sich auch die Hook von "Walking On Ice" ein, die zeigt, dass die Niveaulosigkeit im Rap ein Fass ohne Boden ist. Nachdem man Gucci und OJ in Gedanken den Gnadenschuss gegeben hat, landet man in einem dicken Bottich aus Sülze, der da auf den Namen "Wetter" hört. Doch softe Klänge plus Twista, das kann durchaus funktionieren, so geschehen in "Talk To Me". Mit "Jump Off" und "Wanna See 'Em Buss" finden sich dann noch zwei Friedensangebote, die jedoch bei weitem nicht ausreichen, den vorher angerichteten Schaden glattzubügeln.


Fazit:
Das war wohl mal wieder ein Schuss in den Ofen. Dabei fing alles so gut an - mit den ersten beiden Tracks hat Twista zwei Kracher parat, die, wenn konsequent weitergeführt, der Beginn seines bisher besten Albums hätten sein können. Doch das scheint unmöglich, schließlich käme dies dem Nichtbedienen der Massen gleich, was für Twista anscheinend nicht zur Diskussion steht. Lieber steckt er sein enormes Talent auf einigen Tracks in die Tasche und rennt, zusammen mit zeitgemäßen Gästen, irgendwelchen Trends hinterher. Damit flaut der "Category F5"-Sturm schnell zum lauen Lüftchen ab, das höchstens bei 40° C im Club wirklich wahrgenommen werden kann. Wer anderswo unterhalten werden will, der muss sein Messer nach "Misunderstood" und "American Gangsta" (die dieses Album übrigens auch vor Kellerwertungen retten) ansetzen, den Rest wegwerfen und anderswo suchen.

Gesamtwertung: 3.8 / 10

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Freitag, 24. Juli 2009

Scheme - The Manifesto EP

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Release Date: 16. Juni 2009
Label: Molemen Records / Sound Merchants

Tracklist:
01. The Manifesto (Intro)
02. Respect The Art
03. Spotlight (Feat. Wes Restless)
04. Let Me Do My Thing (Feat. Jean Grae)
05. Modern Day Warfare
06. Chicano
07. All I Know
08. Extravagent Lifestyle (Feat. Tone Pro & Astonish)
09. Fin (Outro)



Es ist wieder einmal so weit, es gibt Neues aus dem Molemen-Camp. Nachdem Decay und Astonish letztes Jahr an den Start gingen, ist es diesmal Scheme, der seine neue EP veröffentlicht. Unter dem Namen Rhyme Scheme gab es bereits 2006 ein Album, das jetzt mit "The Manifesto" eine neun Tracks starke Fortführung findet. Scheme selbst, der mit 13 Jahren seine Liebe fürs Schreiben entdeckte, ist in Chicago's Northside aufgwewachsen und über Visual in Kontakt mit den Molemen gekommen, in deren Reihen er mit 19 Jahren eintrat. Mit dieser EP tut er einen relativ ungewohnten Schritt: Während sie auf seinem Blog zum kostenlosen Download steht, wird allen, die hier Spaß beim Hören hatten, der Kauf einer CD ans Herz gelegt.

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Damit legalisiert er eigentlich nur, was die meisten Hörer dieser Zeit sowieso tun: zuerst "Probehören". Die Zahl derer, die ihre Zustimmung und ihre Unterstützung einem Künstler gegenüber dann auch tatsächlich in einem Kauf äußern, ist so oder so nicht sehr groß. Zu klären bleibt also nur noch, ob es überhaupt angebracht ist, Scheme zu unterstützen. Die Molemen Fans werden eventuell im ersten Moment erschrecken, denn keine der drei Säulen steuert hierfür Beats bei - das überlässt Scheme voll und ganz den Sound Merchants, zu denen 21 Grams, CB und neuerdings auch Prestige zählen. Doch schnell zeigt sich, dass allein vom Hören kein Unterschied auszumachen ist. Man setzt natürlich auf BoomBap, der von der Chicagoer Note, wie sie die Molemen geprägt haben, durchsetzt ist. Scheme's "Manifesto" beherbergt keine weltbewegenden Inhalte und beschäftigt sich neben den üblichen Themen mit dem Dualismus der amerikanischen und der ethnisch begründeten Welt, zwischen denen Scheme lebt. "Soy Chicano" ist die Einleitung für selbigen Song, welcher diese Thematik äußerst gelungen und umfassend abhandelt. Neben diesem Highlight gibt es noch einen Track, der unbedingt zu empfehlen ist: "Spotlight" klingt 100% nach Molemen, prägt sich schnell ein und wurde von Alo mit herrlichen Scratches versehen. Auch wenn der Rest nicht herausragend (jedoch auch durchgehend solide) ist, so ist es die Gesamtheit dieses kompakten Werks, die zu überzeugen weiß. Ein roter Faden leitet durch das Album, das durchaus einen kleinen Spannungsbogen aufbaut, der beispielsweise mit gemächlichen Bläsern in "Respect The Art" seinen Anfang nimmt. Ein weiteres Kriterium sind die Gäste, bei denen sich neben den lokalen Kollegen (Wes Restless, Astonish und Tone Pro) noch Jean Grae einfindet; in "Let Me Do My Thing" fügt sie sich angenehm und sogar unauffällig in den Song ein. "Extravagent Lifestyle" muss sich als einziger Song eventuelle Kritik am etwas schleppenden Beat gefallen lassen, ganz im Gegensetz zu "All I Know", das mit seinem Saxophon für Unterhaltung sorgt. Den Abschluss macht ein perfektes Outro: "Fin" hat nochmals einen großartigen Beat parat und lässt diese EP wunderbar ausklingen.


Fazit:
Nach gut einer halben Stunde ist es nicht nur dem Outro zu verdanken, dass man eine positive Erinnerung an Scheme's EP hat. Zwar fährt der Chicano keine dicken Kracher auf, doch in Sachen Stimmigkeit und Beständigkeit wird kräftig gepunktet. Jeder Song passt dort, wo er sitzt. Man darf also den Sound Merchants zu einem gelungenen Beat-Teppich gratulieren, während auch Scheme - wenn auch kein Top-Emcee - auf dieser EP ein angenehmer Zeitgenosse am Mic ist. Nicht der große Wurf (wohl auch nie dafür gedacht), doch Scheme's kleines Manifest hat Hand und Fuß und ist zudem, zwar nicht fehlerlos, dafür aber sehr sympathisch. Chicago bleibt die Hochburg des Mittleren Westens für BoomBap der ruhigen Sorte. Und in Scheme kann man getrost ein paar Euros investieren.

Gesamtwertung: 6.7 / 10

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Donnerstag, 16. Juli 2009

Toki Wright - A Different Mirror

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Release Date: 09. Juni 2009
Label: Rhymesayers Entertainment

Tracklist:
01. Foundation
02. More Fiya
03. Devil's Advocate
04. Good
05. A Different Mirror
06. Rise (Feat. Scarub)
07. Next Best Thing
08. The Law (Feat. I Self Devine)
09. State Of Emergency
10. Truth Or Dare
11. The Feeling (Feat. Brother Ali)
12. Little Girl
13. Poison Ivy (Afreecan-American)
14. Get Up (Bonus) (Feat. Felipe Cuauhtli, St. Paul Slim & Trama)



Es gibt unzählige Gesichter und Schicksale im HipHop, von denen man als durchschnittlicher Hörer nie etwas mitbekommt. Das jetzt ins Rampenlicht tretende Gesicht gehört zu Toki Wright, einem Rapper aus Minneapolis, von dem es bisher nicht viel zu erwerben gab und der es jetzt endlich zu einem Album geschafft hat. Als Mitglied von The C.O.R.E. mag man ihn auf deren 2003er Album "Metropolis" eventuell schon gehört haben, vielleicht ist man auch seinem Verse auf C-Rayz Walz' "The Dropping" über den Weg gelaufen. Ansonsten betätigte sich Toki bei der in Minnesota ansässigen Jugendorganisation Yo! The Movement. Nach dem "Low Budget High Quality" Mixtape darf er sich nun also glücklich schätzen, bei Rhymesayers mit "A Different Mirror" sein Debütalbum zu veröffentlichen.

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Auch für Rhymesayers scheint Toki optimal: Die "Spotlight Series" soll der Welt Augen und vor allem Ohren für neue Künstler öffnen, wobei sich hier ein solcher Pseudo-Newcomer mit durchaus vorhandener Erfahrung, der ganz am Rande auf zahlreichen Shows auf der halben Welt für Brother Ali eröffnete, besonders anbietet. Doch auch bei der "Spotlight Series" scheint zu gelten: Wo Rhymesayers draufsteht, ist auch Rhymesayers drin. Zumindest hier. Toki Wright hat ein Gespür für Storytelling, ebenso wie er mit seinen Texten die Aufmerksamkeit der Hörerschaft fordert. Ein direkter Vergleich zu einem anderen RS-Künstler drängt sich nicht auf, doch der Sound ist ein Paradebeispiel für die Non-Gangsta-Fraktion des mittleren Westens. Langsame, entspannte Instrumentals, die auf die in langsamem Tempo bedacht vorgetragenen Raps zugeschnitten sind, dominieren. Verantwortlich zeichnet vor allem Benzilla, wobei auch C.O.R.E.-Kollege Reggie Reg vorbeischaut. "Next Best Thing", das voll im Sinne des Rhymesayers-Konzepts für dieses Album liegt, überzeugt mit lockeren Sprüchen à la "I read an article that said that I'm a hype man / I ain't no hype man fucker, I'm a live band". In eine ähnliche Richtung zielt "More Fiya", das als solider, wenn auch etwas unspektakulärer Eröffnungstrack dient. Damit kann Toki natürlich sofort auf die Bühne und der Crowd einheizen. Doch noch besser muten die ruhigeren Songs an, die eher für den Konsum in den eigenen vier Wänden geeignet sind. "Devil's Advocate" ist verträumt-soulig und baut damit eine bewegende Atmosphäre auf, die mit "Good" gleich fortgeführt wird und den stillen Höhepunkt der Scheibe bildet. Im weiteren Verlauf darf man noch zwei Beats von Brother Ali bestaunen, von denen v.a. "The Feeling" dem Entertainer Toki bestens zu Gesicht steht, während "Little Girl", natürlich gerichtet an die eigene Tochter, wieder die sehr ruhige Schiene fährt. So lässt sich das ganze Album grob in die ruhigen und die etwas muntereren Songs einteilen, kritische Zeilen finden sich allerdings überall, sowohl in, zum Beispiel, "Rise" als auch in "A Different Mirror". "State Of Emergency" widmet sich voll und ganz dem amerikanischen Staat, während "Poison Ivy" die eigenen schwarzen Wurzeln unterstreicht und sich die Situation der Afro-Amerikaner zur Brust nimmt. Den Abschluss allerdings macht das karibisch glasierte "Get Up", der einzige Song mit großer Gästeliste.


Fazit:
Toki Wright ist nicht der Künstler, über den man viele Worte verlieren muss. Die Texte sind die eines herkömmlichen Conscious-Rappers, der Stil ist gemäßigt und ebenfalls keine Seltenheit. Doch das heißt nicht, dass Toki Wright ein Fehlgriff für Rhymesayers war. Denn mit seinem Debüt schafft er es, seine guten Voraussetzungen als Emcee mit seiner Bühnenenergie zu kombinieren und ein Album zu schaffen, das sich keine nennenswerten Fehler leistet und weit genug vom Standardprogramm entfernt liegt. "A Different Mirror" ist schmackhafte Kost in guter Ausführung und darf Toki als gelungener Solo-Einstieg angerechnet werden, auch wenn teilweise nicht ganz so viel passiert.

Gesamtwertung: 6.7 / 10

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Sonntag, 28. Juni 2009

M-Eighty - Presents: The Academy

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Release Date: 19. Mai 2009
Label: Sound Records & Entertainment / Holy Toledo Productions / INgrooves Distribution

Tracklist:
01. Keith Murray – Mazel Tov (Intro)
02. Casual & Pro The Leader – OG Rap Money
03. Planet Asia – Fine Print
04. RZA – The Birth (OG Version)
05. Kevlaar 7 & Phillie – Blood Diamonds
06. Timbo King, Cali Budd & Moty The DGG – Taking It To the Streets
07. DZK & DJ Immortal – Treacherous Abbot
08. Chi-King – Rain Dance
09. Tragic Allies & Canibus – Bootleggin'
10. 67 Mob & Sean Price – Let The Games Begin
11. Project Lionheart & Bronze Nazareth – The Rain (Alt. Version)
12. Bad Luck & Mathematics – S.O.N.Y (Streets of New York)
13. 60 Second Assassin – No Face
14. C-Rayz Walz - Chapter 23
15. MidaZ The Beast, Sabac Red & Critical – Science EQ
16. Killah Priest – Convergence
17. Dezert Eez – 40 Macks
18. The Wisemen – Campaign Of Pressure
19. Warcloud & The American Poets 2099 – Super Villains
20. Chopp Devize – You Lose
21. Strong Arm Steady - Hood Life



M-Eighty war bisher eher ein Mann im Hintergrund. Obwohl er bereits vier Alben veröffentlicht hat, war er als Musikkünstler bisher mehr oder weniger völlig unbeachtet. Ein wenig anders sieht es da in seiner Tätigkeit hinter den Kulissen aus: Der Mann war am "Wu-Tang Meets The Indie Culture" Album beteiligt, außerdem war er die treibende Kraft hinter dem Almighty-Projekt. Noch dazu haben wir es ihm zu verdanken, dass der Wu-Tang-Ast um Bronze Nazareth inzwischen nicht mehr bei Babygrande unter Vertrag steht, sondern bei Sound Records & Entertainment ein neues Zuhause gefunden hat. Und bevor man aus dieser Ecke einige neue Alben erwarten kann, präsentiert uns M-Eighty seine eigene kleine Compilation, die uns seine Firma, The Academy, vorstellen soll.

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Weiterer Gedanke dieser Compilation ist es, unbekannten Künstlern eine Möglichkeit zu geben, sich Gehör zu verschaffen. Deshalb ist - wenn hier auch vom Nachfolger zum "Wu-Tang Meets The Indie Culture"-Album die Rede ist - das Line-up nicht von Weltrang - auch wenn sich einige Größen aus dem Bekanntenkreis von M-Eighty eingefunden haben. Denn Beziehungen pflegt M-Eighty zahlreiche. Was hat sich hier also versammelt? Mit den Mitgliedern der Almighty-Truppe, den Künstlern auf Sound Records & Entertainment und unbekannten Artists, die im entferntesten Winkel des Wu-Universums unterwegs sind, hat man fast alle zusammengefasst. Gleich zu Beginn sollte festgehalten werden, dass dieses Album in fast keiner Hinsicht mit Dreddy Kruger's Projekt zu vergleichen ist, das seinerzeit von den Produktionen Bronze Nazareth's ein einheitliches Albumgefühl eingehaucht bekam. Auf "The Academy" sind über ein Dutzend Produzenten zugegen, was sich auch bemerkbar macht. Die logische Folge, die sich dabei einstellt, ist ein Schwanken an Qualität: Der Einstieg beispielsweise wird mit "Money Off Rap" und Plastik-Beat mehr schlecht als recht gemeistert. Und nachdem Allzweckwaffe Planet Asia einen bescheidenen Auftritt hingelegt hat, wird erstmal eine "OG Version" von RZA's "The Birth" eingeschmissen, die zwar keine bahnbrechenden Differenzen zur Version von "Birth Of A Prince" aufweist, aber trotzdem immer wieder gut klingt. Im Anschluss kommt die Compilation dann schon eher in die Gänge: Ein hungriger DZK fletscht in "Treacherous Abbot" die Zähne und zeigt erstmals, dass es sich tatsächlich lohnt, sich hier ein paar neue Namen aufs Notizblatt zu schreiben. Die Tragic Allies ziehen schon seit einiger Zeit im Untergrund ihre Kreise und können sich auch hier in "Bootleggin'" beweisen, werden jedoch von Canibus (übrigens auch bei Sound Records gesignt) auf ihre Plätze verwiesen. Dass Sean Price auf jeder Hochzeit tanzen muss, zeigt er hier einmal mehr, wenn er in "Let The Games Begin" zusammen mit den Jungspunden der 67 Mob in den Ring steigt. Doch sowohl das hektische Instrumental von Bronze als auch die bescheidenen Raps des Mob sind kaum zufriedenstellend. Bessere Arbeit liefert Bronze in "Blood Diamonds" und "Campaign Of Pressure" ab, beide in seinem ganz typischen Stil gestaltet. Auf der negativen Seite finden sich noch zwei Songs ein: Die American Poets 2099 sowie die "Taking It To The Streets"-Gemeinschaft sind schnell wieder vergessen. Chi-King dagegen steigert in "Rain Dance" die Freude auf sein eigenes (hoffentlich bald erscheinendes) Album. Ein Gastspiel führen die New Yorker Critical, Sabac, Midaz und IMAKEMADBEATS, die in "Science EQ" zu einem der Top-Tracks der Platte beitragen. Auch Veteran C-Rayz Walz legt über einen herrlichen Beat (mit eingängiger Oboe) von DJ Sean One einen starken Auftritt hin, der ebenfalls Hoffnungen auf das schon lange angekündigte Album "Chapter 23" schürt. Erwähnenswert ist nun noch Killah Priest's "Convergence", in dem KP einmal mehr aus seiner Kristallkugel voll Weisheit rezitiert, außerdem der von Mathematics' letztem Album noch gut in Erinnerung gebliebene Bad Luck, Desert Eez und sein Highlight "40 Macks" (der vielleicht beste Track des Albums) sowie das bedrohlich lauernde "You Lose".


Fazit:
Ein Stelldichein der Bombentracks ist es nicht geworden. Muss es aber auch gar nicht, um als Erfolg bezeichnet zu werden. Denn das ist "The Academy": Die Anzahl an Songs, die wirklich im Gedächtnis bleiben, ist mehr als nur überdurchschnittlich hoch, was das weiterhin bestehende Interesse an M-Eighty's Akademie sichern sollte. Auch der Umstand, dass M-Eighty selbst das Mic hier nicht ergriffen hat, war eine gute Idee, denn er ist nunmal nicht der geborene MC, sondern vielmehr der Unternehmer im Hintergrund. Des Weiteren nimmt man einige neue Namen aus dieser Zusammenstellung mit. Und auch wenn "The Academy" eine typische Compilation ohne roten Faden und mit einigen weniger grandiosen Momenten ist, so wird sie doch von den gelungenen Songs in die Riege der hörenswerten Platten dieses Jahres gehoben.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

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Dienstag, 16. Juni 2009

SoulStice & SBe - Beyond Borders

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Release Date: 30. Juni 2009
Label: Wandering Soul Records

Tracklist:
01. Speed Of Sound
02. Chi Worldwide (Feat. GLC)
03. Strange Kinda Love (Feat. Monique Harcum)
04. Unfold (Feat. Oddisee & Stef)
05. To the Limit (Feat. Brainpower)
06. Beyond Borders (Feat. Supastition & Angelina)
07. Bird's Eye View (Feat. Kev Brown)
08. Chicago To Germany (Feat. Nico Suave)
09. No Place Like It (Feat. Eternia, Richie Filth & Stef)
10. 2 Days In Paris (Feat. Kohndo)
11. I Found It (Feat. Haysoos & Kwrecial)
12. Better Way (Feat. Wordsmith)
13. World Star (Feat. Zap Mama)
14. Closer (Feat. Isabel Novela)



Von Chicago hinaus in die große, weite Welt - unter diesem Vorsatz geht SoulStice an sein neues Album. Internationales Konzeptalbum heißt so etwas dann. Was genau das bedeutet? SoulStice arbeitet mit HipHop-Künstlern aus aller Welt zusammen, um das Ergebnis dann auf einem Silberling zu präsentieren. In der Tat finden sich bis - ausgenommen Australien - Beiträge von jedem Kontinent. Angefangen wird dabei gleich bei den Produktionen, die der studierte Informatiker nach Belgien verlegt, nämlich zu einem gewissen SBe", der als SBe Audiologist schon auf Soulstice's letztem Album zugegen war.

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Diejenigen, die mit SoulStice vertraut sind, kennen ihn für seinen lockeren Sound. SoulStice liegt niemals schwer im Magen und baut klare, positive Messages in seine Texte ein, verpackt in einen klaren, unaufgeregten Flow. Damit gehört SoulStice in jene Sparte Rap, deren größte Gefahr darin besteht, ins Harmlose abzurutschen. In dieser Hinsicht ist SBe ein gefährlicher Partner, denn schon auf "Dead Letter Perfect" waren seine beiden Stücke ("Be Strong", "Dreamer") keine Aufrüttler. Auf Albumlänge scheint sich dieser Eindruck zu bestätigen: SBe versteht sein Handwerk, daran gibt es keinen Zweifel. Doch nach Boom Bap ohne jegliche Überraschungen kräht dieser Tage nunmal kein Hahn mehr. Doch "Dead Letter Perfect" wusste ja auch zu überzeugen, weshalb die Zweifel vorerst beiseite geschoben werden und man das Album in den Player wirft. Reisegeschwindigkeit ist nicht ganz der "Speed Of Sound", einen soliden Opener bekommt man allemal vorgesetzt. In der Tat sind die nun folgenden Tracks genau der Sound, der zu erwarten war: Angefangen wird in Chicago selbst, wenn mit GLC in "Chi Worldwide" die Reise geplant wird. Neben dem eigentlichen Albumthema werden dabei typische Conscious-Programmpunkte aufgegriffen: "Beyond Borders" weist auf den Klimaschutz hin, in "Strange Kinda Love" wird im Rahmen besonderer Beziehungen ("Let 'em say what they want to, care about nothing but you") Homophobie angeprangert. So wirklich universell ist das Album dann aber doch nicht: Alle Künstler haben, ungeachtet der Geburtsorte, ihren Wohnsitz entweder in den Staaten oder in Europa. So mag Angelina russischstämmig sein, pendelt derzeit aber zwischen London und New York und rappt auf Englisch. Die einzigen anderen Sprachen, die einem auf dem Album begegnen, sind Deutsch und Französisch. Dafür bietet SoulStice im englischen Bereich gleich mehrere Akzente. Wo Angelina noch typisch britisch klingt, ist der Ire Richie Filth reine Geschmackssache und gehört für mich persönlich geknebelt und vom Mic getrennt. Kanada wird von Eternia repräsentiert, die bekanntermaßen schon einige Male zuvor mit US-Größen zusammengearbeitet hat und in "No Place Like It" die beste weibliche Vorstellung des Albums darbietet. Auch "Bird's Eye View" wird aufs Albumkonzept zurechtgeschnitten, während man leider umsonst auf den Kev Brown-Sound hofft. Doch auch SBe macht seine Arbeit gut, patzt nicht, vergisst jedoch, Highlights zu setzen. Liebesgrüße aus Paris und von Kohndo gibt es in "2 Days In Paris", in dem sich sich SoulStice zu einem sehr amerikanisch angehauchten "Paris, je t'aime" hinreißen lässt. Weniger prickelnd sind die französischen Wortfetzen der Zap Mama in "World Star" - dann doch lieber der englische Gesang der aus Mosambik stammenden Isabel Novela in "Closer". Für die deutschen Hörer von Belang ist sicher Nico Suaves Auftritt in "Chicago To Germany". Doch sowohl der Beat als auch Nicos gepresste Battle-Raps sind ein unpassender Störfaktor auf dem Album. Viel besser funktioniert die Kollabo mit Wade Waters-Partner Haysoos und dem belgischen Krewcial in "I Found It".


Fazit:
Die Idee für dieses Album ist absolut nicht verkehrt. Zu SoulStice passt das Konzept sowieso hervorragend. Eine weniger gute Idee war es, das komplette Album von nur einem Beatsmith produzieren zu lassen. Vor allem, weil SBe nicht gerade der vielseitige Audiologist ist, der er wohl gerne wäre. Das Outcome ist einmal mehr das eines typischen Albums aus dem guten Durchschnitt: Bedingt durch die Instrumentals gehen dem Album sowohl Aussetzer als auch Highlights ab, womit "Beyond Borders" nicht annähernd so gut im Gedächtnis bleibt wie "Dead Letter Perfect". Trotzdem kann man sich, vor allem als SoulStice-Sympathisant, problemlos mit dem Album auseinandersetzen. Großes sollte man allerdings nicht erwarten, dafür ist "Beyond Borders" zu beschaulich.

Gesamtwertung: 6.1 / 10

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J Dilla - Jay Stay Paid

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Release Date: 05. Juni 2009
Label: Nature Sounds

Tracklist:
01. KJay FM Dedication
02. King
03. I Told Y'All
04. Lazer Gunne Funke
05. In The Night / While You Slept (I Crept)
06. Smoke (Feat. Blu)
07. Blood Sport (Feat. Lil Fame)
08. caDILLAc
09. Expensive Whip
10. Kaklow (Jump On It)
11. Digi Dirt (Feat. Phat Kat)
12. Dilla Bot Vs. The Hybrid (Feat. Danny Brown & Constantine)
13. Milk Money
14. Spacecowboy Vs. Bobble Head
15. Reality Check (Feat. Black Thought)
16. On Stilts
17. Fire Wood Drumstix (Feat. DOOM)
18. Glamour Sho75 (09)
19. 10,000 Watts
20. 9th Caller
21. Make It Fast (Unadulterated Mix) (Feat. Diz Gibran)
22. 24K Rap (Feat. Havoc & Raekwon)
23. Big City
24. Pay Day (Feat. Frank Nitty)
25. See That Boy Fly (Feat. Illa J & Cue D)
26. Coming Back
27. Mythsysizer
28. KJay And We Out



Da man es hier mit dem ersten Dilla-Album seit 2006 zu tun hat, sei ruhig einmal die Zeit genommen, sich vor Augen zu halten, was in diesen drei Jahren passiert ist: Die Musik von James Yancey, einem unter vielen angesehenen Beatbastlern der HipHop-Szene, wurde erfasst von einer posthumen Begeisterungswelle, wie es sich schwerlich jemand ausgemalt hatte. Dilla ist vom wenig beachteten Mann im Hintergrund zur unantasbaren Legende avanciert. Zu Recht? Dieses Urteil bleibt jedem selbst überlassen. Fest steht, dass nicht nur Fans, sondern auch Kollegen den Detroiter in den Himmel loben. Kein Wunder also, dass der Herr als seliges Engelchen auf dem Cover zu "Jay Stay Paid", dem missing link to Dilla's legacy, zu sehen ist.

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Nicht unerwähnt bleiben darf hier Dilla's Vorbild Pete Rock, der zusammen mit Jay Dee's Mutter (Maureen "Ma Dukes" Yancey) für das Zustandekommen dieser Scheibe verantwortlich ist. Rock spielt auf dem Album, das als Radio-Show konzipiert ist, den DJ, leitet somit also die musikalische Zusammenstellung der Tracks. Als Album, das zum einen Teil instrumental und zum anderen mit Gästen besetzt ist, darf man es getrost einen Mittelweg aus "Donuts" und "The Shining" nennen. Die letzten ungehörten Werke Dilla's waren es sicher nicht, doch dies mag (vielleicht) die wohl letzte wichtige Ergänzung an bisher unveröffentlichtem Dilla-Material auf Albumlänge sein, zusammengetragen aus allen Stadien seiner Karriere. Und ganz gleich, ob all der derzeitige Ruhm gerechtfertigt ist oder nicht - was hier aus den Boxen rollt, stiehlt schlicht und ergreifend fast jedem dieses Jahr schon veröffentlichten Album die Show. "I Told Y'All" lässt ein tief dröhnendes Monster auf den Hörer los, "CaDILLAc" pumpt mit Dilla's typischer Drumline. Schön reiht sich ein Stück an das andere, ein aufgrund der unterschiedlichen Entstehungszeit bedingter Bruch bleibt aus. Die komplette Stunde Spielzeit ist durchtränkt von dem, womit Dilla den Sound seiner Stadt prägte. Man kommt gar nicht aus dem Aufzählen heraus. Doch wenn DJ Premier verlangt "Drop one of them neck-breaking Dilla beats now"" - natürlich auch gefolgt von dem genickbrechenden "Big City" - dann hat man es geschafft. Dass von den Gästen am Mic eine gute Ergänzung geboten wird, kommt noch hinzu. War "Digi Dirt" schon als Beat auf Akrobatik's "Absolute Value" zu hören (wobei Kat mindestens ebenso gute Raps zum Besten gibt), so ist der große Rest in der Tat bisher ungehört. Lil Fame hat sich Dilla schon ab und an auf seine Tracks gesampelt, hier darf er in "Blood Sport" gleich zwei Beats bespitten. Blu bekommt in "Smoke" höchst relaxte Töne, Black Thought wird man mit "Reality TV" ebenfalls gerecht. Dass der Song mit Havoc und Raekwon nicht zu den Highlights zählt, ist schade, muss aber nichts heißen, denn Highlights gibt es hier viele. Da fällt sogar der Auftritt vom kleinen Bruder Illa J eher blass aus. Tonnenschwere Kicks in "Expensive Whip" und "Kaklow" sind da um einiges interessanter. Oder man klinkt sich beim hungrigen Danny Brown und "Dilla Bot Vs. The Hybrid" ein. Um noch einmal ein paar Anspieltipps zu nennen, sei auf das verwiesen, was einem soliden DOOM-Auftritt folgt: Die "Glamour Sho75 (09)" ist einmal mehr roh bis auf die Knochen, was in selbem Ausmaß auf das sich anschließende "10,000 Watts" zutrifft. Nachdem Dilla mit "Mythsysizer" ein bezauberndes Piano tanzen lässt, verabschiedet sich Pete Rock im smoothen "KJay And We Out" von der Hörerschaft.


Fazit:
Pay Dilla. So einfach lautet das Fazit dieser Scheibe. Die Dilla-Euphorie mag übertrieben sein - an der Tatsache, dass James Yancey ein ausgezeichneter Producer war, ändert das nichts. Auch wenn er immer noch in aller Munde ist, so fand bisher keine groß angelegte Leichenfledderei à la Tupac statt. Das ist auch mit "Jay Stay Paid" nicht der Fall. Denn was von Pete Rock hier zusammengebaut wurde, ist ein Tribut, der dem Verstorbenen gerecht wird. Vom Anfang seiner Karriere bis zu den Krankenhausaufenthalten bastelte J Dilla Beats, die auch im Jahr 2009 noch zu begeistern wissen. Ganz egal, was noch kommt, mit "Jay Stay Paid" haben die Fans ein posthumes Album (neben "The Shining" natürlich), das sein Geld wert ist.

Gesamtwertung: 7.5 / 10

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