Posts mit dem Label 5.0 - 6.0 Punkte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 5.0 - 6.0 Punkte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 22. Dezember 2009

Wale - Attention Deficit

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 10. November 2009
Label: Allido Records / Interscope Records

Tracklist:
01. Triumph
02. Mama Told Me
03. Mirrors (Feat. Bun B)
04. Pretty Girls (Feat. Gucci Mane & Weensey)
05. World Tour (Feat. Jazmine Sullivan)
06. Let It Loose (Feat. Pharrell Williams)
07. 90210
08. Shades (Feat. Chrisette Michele)
09. Chillin' (Feat. Lady Gaga)
10. TV In The Radio (Feat. K'Naan)
11. Contemplate
12. Diary (Feat. Marsha Ambrosius)
13. Beautiful Bliss (Feat. Melanie Fiona & J.Cole)
14. Prescription



Es scheint dem HipHop-Staate ins Blut gelegt, von Zeit zu Zeit neue Jungspunde so sehr mit Medienrummel zu beladen, dass sich selbst der unverbesserliche Ewiggestrige fragt, welcher Messias denn nun schon wieder das Game revolutioniert. Im Falle Wale, mehr oder weniger einem Zögling von Mark Ronson, waren es vielgerühmte Mixtapes, die den Hype um das Debütalbum in ungesunde Höhen schraubten. Denn wenn das nur Mixtapes waren, wie mag dann wohl erst das Album klingen? Man möchte jetzt schon gähnen - nicht wegen Wale selbst, sondern aufgrund der medialen Beachtung, die Wale's "Attention Deficit" wohl jetzt schon mehr als genug befriedigt hat.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Ob er seinen Albumtitel nun mit oder ohne Sarkasmus gewählt hat, egal wie gut oder schlecht seine Mixtapes waren und was dort bereits an Thematiken abgesondert wurde - hier geht es um das Album, um 14 Tracks mit verschiedensten Gästen und angesehenen Produzenten. Bevor das große Ziehen der Vergleiche, um das man bei Wale schlecht herumkommt, beginnt, sei notiert, dass bisher wohl wenige bis keine Rapper der "jungen" Generation mit einem ähnlichen Anspruch, gleichsam Mainstream-Welt und seriöse HipHop-Gemeinde zu bedienen, ihr Debüt veröffentlichten. Gehaltvolle Lyrics, die über das Gejammer eines Kanye West hinausgehen, injiziert in Massenverträglichkeit. Und so könnte man noch seitenlang Namen in den Schmelztiegel werfen, aus dem im Anschluss ein Wale werden soll, wobei eine Analyse des Endproduktes sinnvoller erscheint. Den Einstieg, "Triumph", in Worte zu fassen, fällt schwer, denn es gibt von allem etwas: Representing, Bragging, Darstellung der Skills, Reflektion des eigenen Werdegangs. Kurzum, ein Track, der alle, die mit Wale noch keine Bekanntschaft geschlossen haben, darauf hinweist, dass dieser Junge Talent hat. Über das Album hinweg muss er sich sogar gedacht haben, dass der anfangs präsentierte Rap-Stil nicht genug sei, weswegen Wale nach Belieben variiert. Der erste Fehler, das Fehlen eines wirklich markanten und auch voll ausgearbeiteten Flows, darf vermerkt werden, spielt aber keine entscheidende Rolle. Da die Zahl der Rapper aus Washington, D.C. nicht gerade lang ist, wartet man unter Umständen auf Referenzen an die Haupstadt. Eine solche findet unterschwellig mit "Pretty Girls", einem Backyard Band-Sample und dem Feature eines Mitglieds ebenjener Go-Go-Band, Weensey, statt. Wer genau dafür verantwortlich ist, dass außerdem der potentiell käuferspektrumerweiternde Gucci Mane mit ins Geschehen geworfen wird, weiß ich nicht, in jedem Fall wird der ansehnliche Song (der Gucci Mane-Hörer wahrscheinlich sowieso kalt lässt) befleckt. Weniger störend sind die weiblichen Gäste, die für die meist gelungenen, doch manchmal austauschbaren Hooks engagiert werden. Schließlich dreht sich auch ein nicht geringer Teil der Texte um die Ladies: "Black girl's Diary" zeigt nicht den souveränen Player, sondern einen Wale, der mehr für eine gute Freundin empfindet als vice versa. Im gut produzierten (und mit atmosphärisch gelungen transferiertem Rihanna-Sample bestückten) "Contemplate" dagegen wird eine undankbare Freundin überwunden bzw. werden die Medienerwartungen verarbeitet. Doch nicht die ganze Platte ist derart interessant: "Mama Told Me" rührt als typischer Opener im "kleiner Junge entdeckt die große Welt"-Kaffee herum und ein "Mirrors" stellt nicht mehr als ein mit dem vollkommen unpassenden Bun B noch erhöhtes Gewicht für die HipHop-Seite der LP dar. Doch nicht nur das, es werden auch andere Styles für das Album übernommen: Auf "90210" klingt Wale wie CuDi und rappt über ein Mädchen, dessen Hollywood-Träume sie und ihren Körper zerstören, auf "Beautiful Bliss" klingt Kollege J Cole wie Lupe Fiasco und auf "Chillin" werden mit dem werbetrommelrührenden Namen Lady Gaga, die zu vollen 100 Prozent im M.I.A.-Stil auftritt, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. "Let It Loose" kupfert nicht ab, geht mit ödem Pharrel-Gesülze und Neptunes-Geholpere im Beat trotzdem als Aussetzer durch. Wenn bis dato die Produktionen wenig erwähnt wurden, liegt das daran, dass Mark Ronson, Best Kept Secret und Konsorten nie in den Vordergrund treten, dafür jedoch auch nichts anbrennen lassen. "World Tour" beispielsweise erarbeitet sich seinen Replay-Value durch Jazmine Sullivan, (das immerhin auffallend gelungen produzierte) "Shades" durch den Auftritt von Chrisette Michele und die Raps, die sich mit den einzelnen Abstufungen und internen Beziehungen der Farbe Schwarz beschäftigen (Wale's Eltern sind Nigerianer). Ebenfalls eine gute Vorstellung liefert das abschließende "Prescription", das als jazzige Nummer mehr HipHop atmet als die meisten Songs der Platte. Da macht es nur Sinn, dass Wale selbst auch seine Profession thematisiert.


Fazit:
Welche der Erwartungen hält Wale nun also ein? Auf der einen Seite nicht übermäßig viele, auf der anderen Seite aber vollbringt er doch eine reife Leistung: Sein Debüt dürfte für jeden akzeptabel sein. Damit lässt es sich auch mit einem Wort zusammenfassen: "Attention Deficit" ist ein Kompromiss. Hier und da wird ein wenig Mist für die Dummen eingestreut, an anderen Stellen wird klargestellt, dass eigentlich ein cleveres Kerlchen am Mic steht. Von der Person Wale bleibt damit leider nicht mehr allzu viel übrig, doch wer weiß, was die Zukunft bringt. Von "Attention Deficit" bleiben jedenfalls weder Beats noch Rap-Taten im Gedächtnis, doch als das Kompromisswerk, das es ist, gelingt mit der Mischung aus Rap und sich zum Beispiel in Hooks niederschlagendem Pop-Appeal ein angenehmes Album, das jedoch keine nennenswerten Spuren hinterlässt.

Gesamtwertung: 5.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 6. Dezember 2009

Swollen Members - Armed To The Teeth

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 27. Oktober 2009
Label: Suburban Noize Records / Battle Axe Records

Tracklist:
01. Reclaim The Throne (Feat. Tre Nyce & Young Kazh)
02. Porn Star (Feat. Tre Nyce)
03. Kyla
04. Red Dragon (Feat. Moka Only)
05. Bollywood Chick (Feat. Tech N9ne & Tre Nyce)
06. Meltdown
07. My Life
08. Bang Bang (Feat. Tre Nyce & Young Kazh)
09. Here We Come
10. Warrior (Feat. Tre Nyce & Young Kazh)
11. Certified Dope
12. Funeral March (Feat. Saafir & Barbie Hatch)
13. Flyest (Feat. Tre Nyce)
14. Lonely One
15. Crossfire (Feat. Talib Kweli, Krondon, Phil The Agony & Tre Nyce)
16. Concerto
17. Dumb (Feat. Everlast, Slaine & Tre Nyce)
18. Real P.I. (Feat. Tre Nyce & Glasses Malone)



Inzwischen können sich die Swollen Members getrost (und zu Recht) einen der größten Fische nennen, den HipHop-Kanada je hervorgebracht hat. Auf dem Konto stehen bisher fünf Alben, die dem üblichen Syndrom der unerreichten Taten als Newcomer gehorchen und von denen zuletzt "Black Magic" über weite Strecken hin wieder unterstrich, dass die alte Formel immer noch ansprechende Verwendung finden kann. Drei Jahre später stehen Prevail, Mad Child und Rob The Viking mit ihrem nächsten Longplayer vor der Tür: "Armed To The Teeth" heißt das gute Stück und knüpft mit dem sehr direkten Titel plus Cover unmittelbar an die bisherigen Erzeugnisse an.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Ansonsten hat sich jedoch einiges verändert: Stand "Black Magic" zum Beispiel noch stark unter dem Einfluss der Westcoast-Backpacker, vor allem in Form der Dilated Peoples, so sucht man Evidence (der vor drei Jahren noch vier Beats und zwei Auftritte am Mic verbuchen konnte) hier vergebens. Die Produktion übernimmt diesmal zu einem Großteil Rob The Viking, und neben einer Standard-Auswahl an US-Größen treten Tre Nyce und Young Kazh immer wieder am Mic ins Rampenlicht. Den Kern dieser Scheibe bringt man damit jedoch nur bedingt zur Sprache. Denn die Frage, die sich vor allem die Fans stellen, ist natürlich die der soundlichen Ausrichtung (nachdem die inhaltliche schon vom Cover eine vorzeitige Antwort erhielt). Hier stellt sich ein Phänomen ein, wie man es selten bei einem Album beobachten kann: "Armed To The Teeth" ist mit einer fast komplett eindeutigen Linie in zwei Lager einzuteilen, die sowohl hinsichtlich der Ausrichtung als auch der Qualität eindeutig abgetrennt sind. Seien also zuerst beide Lager benannt. Das erste (oder, je nach Auffassung der Gewichtung, das zweite) bedient (erwartungsgemäß) die Fans, die Real HipHoppers, die gute Seite mit genau dem, was zu erhoffen war: dem (dunklen) Sound, der das Markenzeichen der Members ausmacht. Das zweite Lager entspringt dem albernen Gedanken, dieser Markensound könne in eine gewinnbringendere Richtung frisiert werden, und wird demnach nahe den derzeitigen Trends aufgeschlagen. Diesem Lager entspringen auch die bisherigen Videos. "Warrior" fasst zusammen: Verstärker, Knarren und Auto-Tune. Für ebendieses Lager wird auch schon genannter Hampelmann engagiert (Tre Nyce), womit man auch schon beim Indikator wäre, der bei der Erkennung aller Untaten auf der Platte behilflich ist und mit einer (für Tre erschreckend) hohen Sicherheit funktioniert. "Porn Star" und "Bollywood Chick" sind auf inhaltlichem Ying Yang Twins-Niveau gleichermaßen überflüssig; da hilft auch ein Tech N9ne rein gar nichts mehr. "Flyest" ist nicht weniger eine Frechheit, die Hook kommt wie ein Kanye West-Heartbreak-Plagiat dahergescheppert. "Reclaim The Throne" startet als Zwitter und wäre ohne Tre Nyce in der Hook sogar gelungen, wohingegen "Real P.I." als schwerwiegende Sünde gebrandmarkt werden darf. Bevor man sich nun dem Rest widmet, sei noch "Bang Bang" erwähnt, das als einziger Tre Nyce-Song aus dem "zweiten Lager" tatsächlich gelingt. Und nun zu den schönen Seiten der Scheibe: Hier wird schön an "Black Magic" angeknüpft, "Certified Dope" etwa erinnert, versehen mit derselben Coolness, an "Too Hot". Ansonsten finden sich viele schöne, teils dunkle Kompositionen. Lediglich "Crossfire" leidet trotz der starken Gäste an trockener Langeweile. "Kyla" dagegen ist so sehr Swollen wie nur irgend möglich: ungehetzt, aber bestimmt düster und somit perfekt für Mad Child. "Meltdown" dagegen besteht aus (und begeistert mit) stürmischen, immer höher aufbrausenden Streichern, die vor allem Prevail gut zu Gesicht stehen. "Dumb" klingt, wie man sich eine Kollabo von Swollen und La Coka vorstellt, und bietet zudem köstlich anschaulich den Wandel des Everlast im Vergleich zum "Black Magic"-Auftritt. Auch den bisher unerwähnten restlichen Tracks soll das Swollen-Gütesiegel nicht abgesprochen werden, "Lonely Ones" zum Beispiel glänzt mit eingängiger Bassline und einer Coolness, die glatt vergessen lässt, welche Untat direkt davor zum Besten gegeben wurde.


Fazit:
"HipHop, it's not dead, but it's hardly breathin'" tönt es an einer Stelle mit unbewusst bitterer Ironie. Da muss den Members irgendwo zwischen Beschriftung der Flaggen und tatsächlicher Handlung ein Meinungswandel unterlaufen sein. Die Frage nach dem "Warum" muss man eigentlich gar nicht stellen; dass die Swollen Members gerne ein paar mehr Einheiten über die Ladentische brächten, scheint offensichtlich. Ihre Strategie ist eine nicht alltägliche: Auf der einen Seite steht der unverwässerte, ureigene Sound, auf der anderen die knallharte Hurerei mit aktuellen Trends. Warum letztere Unternehmungen so derart plump ausfallen, ist dann aber doch unerklärlich und verwunderlich. Da der bessere Teil gleichzeitig der größere ist, verbleibt mit dem dort auch (in geringem Maße) vorhandenen Durchschnitt insgesamt ein Album, bei dem sich die beiden Lager die Waage halten. Mit einigen Skips lässt sich "Armed To The Teeth" dann richtig gut anhören. Ob die Swollen Members den Quatsch, den sie hier partiell eingeführt haben, selbst erkennen, bleibt abzuwarten.

Gesamtwertung: 5.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Freitag, 27. November 2009

The White Shadow Of Norway - Victory

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 26. Oktober 2009
Label: Uncut Productions

Tracklist:
01. The Rap Game (Feat. Melle Mel)
02. Dark Side (Feat. Seven)
03. It's The Crew Again (Feat. Sadat X & Khb)
04. Before (Feat. Awkword, Block McCloud & Pacewon)
05. Gotta Do (Feat. Bawston Strangla)
06. Victory (Feat. Craig G, The Grindhouse Gang & Strick)
07. All My Friends (Feat. The Pizdamen)
08. Verbal Assault (Feat. IDE & Alucard)
09. Classic Regulations (Feat. Infinito:2017)
10. Straight Bars (Feat. Mark Deez, Powder, Main Flow & Nato Caliph)
11. You Don't Want (Feat. Ripshop)
12. Ready For War (Feat. The Grindhouse Gang)
13. Rap Thugs (Feat. Infinito:2017)
14. Wild Wild East (Feat. Awkword, Castro & Block McCloud)
15. The End (Instrumental)



Der bisherige Weg von The White Shadow Of Norway ist länger, als die meisten denken würden. Aus seiner Herkunft macht der Herr kein Geheimnis und bezeichnet sich im Übrigen auch als erster norwegischer DJ, der je scratchte (laut Bio bereits 1978). Doch da hört seine Geschichte natürlich nicht auf: Anfang der Neunziger zog es ihn nach New York, wo er im erweiterten Dunstkreis der Boogie Down Productions auftauchte, weswegen sein erster musikalischer Fußabdruck auch in Form von Scratches auf dem 93er Album von Jamalski zu finden ist. Von da an spinnen sich die Connections weiter und weiter, umfassen Produktionen für angesehene Größen sowie bisher zwei eigene Alben mit jeweiligem Star-Lineup. "Victory" ist sein inzwischen dritter Langspieler, wieder einmal über das eigene Label Uncut Productions und wie schon der Vorgänger ausschließlich digital erhältlich.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Auch sonst fallen unwiderlegbare Parallelen zu "Untouchable" aus dem Jahr 2008 auf. Das Cover, das wieder derselbe Künstler erstellt hat, bleibt im gleichen Stil. Selbst die Tracklist findet mehr als nur einen alten Bekannten wieder - White Shadow's ständige Weggefährten eben. Von dieser Seite betrachtet ist es schon verwunderlich, dass etwa Supastition, Maylay Sparks oder Majik Most nicht vertreten sind. Aus der Vogelperspektive hat man auch mit dem tatsächlichen Lineup eine unorganisierte, für Produzentenalben typische Ansammlung an Künstlern, die eine maximal überdurchschnittliche Scheibe mit Compilation-Charakter durchscheinen lassen. Und - als hätte man es allein mit diesem Gedanken heraufbeschworen - so ist es auch. Der weiße Schatten ist mit Leib und Seele dem Standard-BoomBap verschrieben, der sich vom sehr ruhigen Instrumental (dem gelungenen "The End") zum Song mit AOTP-Ambitionen (das nervtötende Heranziehen dieser Bezugsmarke sei mir vergeben) erstreckt. Nicht umsonst hat WS auf "The Torture Papers" produziert. Vielleicht sei dort angefangen, wo "Untouchable" seinerzeit seinen Einstieg hatte: Die Pizdamen, eine unbekannte Truppe aus Milwaukee, waren bis jetzt immer bei White Shadow zu Gast und dürfen diesmal "All My Friends" mit verstellten Stimmen und mäßigem Unterhaltungswert vorstellen. Doch oft fehlt hier auch die richtige Glut, weswegen einige Künstler einfach nicht in die Gänge kommen wollen. Wer sich von der Creative Juices-Abordnung etwas erhoffte, dessen Vorfreude wird von einem viel zu überspitzt dramatischen Streicher-Gehetz gedämpft. Gerade bei den "härteren" Songs will's nicht so recht - zu sauber, zu glatt, zu berechenbar: "Wild Wild East" klingt nach gar nichts und scheint dies zu allem Überfluss in der Block McCloud-Hook auch noch bekräftigen zu wollen. Dann doch lieber die ruhigeren Stücke: Bawston Strangla berichtet in "Gotta Do" in aller Ruhe vom täglichen Struggle und lässt sich prompt besser genießen. Der restliche Inhalt beschäftigt sich, wenn nicht mit Battle-Raps, mit dem "Victory" des Underground über den fake HipPop. Bereits in "The Rap Game" wird die Thematik mit einem Sample einer Rede von Vinnie Paz dargelegt und zudem (finanzieller) Respekt für die Pioniere gefordert. Die Grindhouse Gang (Mark Deez, Powder, Dr- ILL, Lord Lhus) tritt als White Shadow's Schützlinge auf und bekommt zwei bzw. drei akzeptable Auftritte. Craig G und seine hingerotzten Zeilen aus dem Normbaukasten sind leider keine Bereicherung, viel eher sollte da schon Chicago's Infinito 2017 erwähnt werden. Nicht nur fällt das Release-Date dieses Albums mit seinem Geburtstag zusammen, zwei Tracks mit ihm finden sich ebenso wie der Vorgeschmack auf das gemeinsame Album, das auf den Namen "Classic Regulations" hören wird. Beim hier vertretenen Song kommt zum ersten Mal Freude auf. Eine entspannte Piano-Line und keine (sonst vorherrschende) Hektik sind Vorsätze, denen White Shadow öfter folgen sollte. Auch "Rap Thugs" geht in dieselbe Richtung, ist mit Infinito's Fingerzeig auf die fake Thugs jedoch kein Pflichtprogramm.


Fazit:
Fällt die Endwertung erstaunlich niedrig aus, so gibt es dafür gute Gründe. Erstens: Die angesprochenen Themen liegen noch unter dem Durchschnitt der sowieso durchwegs langweiligen Produceralben - was ja im Grunde kein Problem wäre, wenn nicht die Aufbereitung ebenfalls die Raffinesse fehlen ließe. Zweitens: Auch White Shadow selbst hätte sich bei seinen Instrumentals mehr Mühe geben können, um nicht wie jeder x-beliebige Beatbastler zu klingen, der irgendwann bereits einen Track auf irgendeinem AOTP-Affiliates-Album platzieren konnte. Drittens fehlt diesem Album - mehr noch als den vielen anderen - das Gefühl, dass man es hier wirklich mit einem Album zu tun hat. Damit lässt sich "Victory" zwar ohne große Störungen anhören, kommt aber nicht aus dem Mittelfeld heraus.

Gesamtwertung: 5.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 11. November 2009

Deams - The Legacy EP

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 11. September 2009
Label: Deams Music

Tracklist:
01. DJ Premier Legacy Intro
02. State Your Game (Feat. Big Daddy Kane)
03. Collateral Damage (Feat. Jeru the Damaja)
04. The BoomBap Experience (Feat. De La Soul)
05. Underground (Feat. Ice T)
06. I See (Feat. Chuck D)
07. Nuthin' Like (Hip Hop Music)



Für alle, die das Zeitfenster in den Neunzigern, in dem man von Deams hätte Wind bekommen können, verpasst haben, ist es nur angebracht zu fragen: 'Wer bitteschön ist denn Deams?' Denn der Herr, der hier seine erste (halb)volle Veröffentlichung, eine EP, vorlegt, scheint kein Niemand zu sein, was der Grad seiner Gäste schwer andeutet. Kurze Zusammenfassung: Deams stammt aus Holland, zog dann aber nach New York, wo er von Afrika Bambaata in die Zulu Nation aufgenommen und zudem Teil der Gang Starr Foundation wurde. Probleme mit seiner Greencard zwangen ihn zur Ausreise, weshalb es damals bei nur einer Single blieb. 2009 wird ein neuer Anlauf gewagt, der mit der übers eigene Label veröffentlichten "The Legacy EP" seinen Start nimmt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Inzwischen ist Deams kein Jungspund mehr, der Stellenwert von BoomBap hat sich geändert und Namen wie Zulu Nation oder Gang Starr Foundation werden vornehmlich in auf vergangene Tage zurückblickendem Kontext verwendet. Es gilt also, andere Dinge zu beweisen als noch vor einem guten Dutzend Jahren. Jemand wie Deams muss beweisen, dass er überhaupt noch relevant ist. Die Tracklist lässt vermuten, dass diese Aufgabe mit einer gepflegten Nostalgiestunde und der Kraft der wohlklingenden Gäste in Angriff genommen werden soll. Doch es ist nicht so, dass Deams selbst kein passabler Emcee wäre, der durchaus eine eigene Persönlichkeit am Mic vorzuweisen hat. Nur was dann in harmlosen sieben Tracks geboten wird, reicht keinesfalls, um irgendeine "Legacy" fortzuführen, geschweige denn, um in jeglicher Weise aufzufallen. BoomBap nach Strich und Faden, der zwar durchaus zu gefallen weiß, dafür aber jede Besonderheit vermissen lässt. Viele Shoutouts, viel Props-Schieberei. Das beginnt im (keinem anderen Zweck dienenden) DJ Premier-Intro und ist in jedem weiteren Track wiederzufinden: Gibt es in "State Your Game" mit BDK noch ein richtig schönes Instrumental, während von Deams im Vitrinenschrank der selbstverliehenen Auszeichnungen Inventur geführt wird, so hat man im unauffälligen "The BoomBap Experience" beispielsweise relativ wenig vom De la Soul-Auftritt. "Collateral Damage" ist nicht schlecht, aber schnell vergessen. Im hinteren Teil trifft "Underground" (thematisch ohne Überraschungen) eine gute Wahl aus der Standard-Sample-Kiste, während Ice-T (repräsentativ für alle Gäste) gründlich, aber unauffällig auftritt. Dann wäre da noch das mittelmäßige "I See", das die gewohnten Probleme (Verfall der HipHop-Kultur, soziale Missstände) sieht. "Nuthin'" sollte schlussendlich gar nicht mehr erwähnt werden, da Deams im einzigen Song ohne Gast dank eines miserablen Beats nichts gelingen will.


Fazit:
Das war es auch schon wieder. In Anbetracht der Gästeliste, von welcher viele vollwertige Alben nur träumen können, eine doch etwas magere Vorstellung. Das mag daran liegen, dass man Deams als Hörer keinen Sound zuordnen kann, ebenso wie Deams selbst dazu anscheinend nicht in der Lage ist. Deswegen bleibt es BoomBap, wie er standardisierter nicht sein könnte. Was Deams am Mic bietet, würde reichen, wenn er besagtes Sound-Problem gelöst hätte. Doch so verbleibt nur eine Hand voll Songs, bei denen man unter Umständen noch die Gäste im Kopf behält, die als Neuvorstellung für Deams im Jahr 2009 jedoch recht ungeeignet erscheinen. "The Legacy" lässt sich zwar gut anhören (letzter Track ausgenommen), im überdurchschnittlichen Bereich bewegt man sich hier allerdings (knapp) nicht.

Gesamtwertung: 5.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Montag, 26. Oktober 2009

Ghostface Killah - Ghostdini: Wizard Of Poetry

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 29. September 2009
Label: Def Jam

Tracklist:
01. Not Your Average Girl (Feat. Shareefa)
02. Do Over (Feat. Raheem DeVaughn)
03. Baby (Feat. Raheem DeVaughn)
04. Lonely (Feat. Jack Knight)
05. Stapleton Sex
06. Stay
07. Paragraphs Of Love (Feat. Vaughn Anthony & Estelle)
08. Guest House (Feat. Fabolous & Shareefa)
09. Let's Stop Playin' (Feat. John Legend)
10. Forever
11. I'll Be That (Feat. Adrienne Bailon)
12. Goner (Feat. Lloyd)
13. She's A Killah (Feat. Ron Browz) (Bonus)
14. Back Like That (Remix) (Feat. Kanye West & Ne-Yo) (Bonus)



Ghostface Killah goes R&B - das war die Schlagzeile, die vielen HipHop-Heads zu denken gab. Manchem Fan nahm sie auch bereits im Voraus die Motivation, sich mit dem Album, das unter selbigem Motto angekündigt wurde, zu beschäftigen. Zwar ist es nicht so, dass Ghostface hier Neuland beschritte - Ansätze, Einflüsse und einzelne Tracks gibt es auch schon auf älteren Alben - doch der Schritt, den dieses Album, u.a. als starker Kontrast zum diesjährigen Output von Raekwon, bedeutet, ist nunmal bei vielen Hörern wenig willkommen. Doch das braucht GFK nicht zu stören, Beachtung findet "Ghostdini: Wizard Of Poetry" genug.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Über die Kreativität eines Albums, das von vorne bis hinten Frauenprobleme und -geschichten erzählt und dafür ein Aufgebot an Allerweltsproduzenten konsultiert, lässt sich eindeutig streiten. Trotzdem ist Ghostface genau der Typ für ein solches Projekt, und so sehr man auch von der Ankündigung zu "Ghostdini" vor den Kopf gestoßen sein mochte, nachvollziehbar ist sie immerhin. Weniger verständlich ist ein kitschiges Cover aus Ghostface's persönlichem Fantasialand, das schlechte Vorahnungen nur so herausfordert. Doch das Album frühzeitig abzuurteilen, erwiese sich wie so oft als Fehler. Was Scram Jones in "Not Your Average Girl" schustert, heizt gesund ein, während Ghostface seine gewohnten Raps spittet und Shareefa in der Hook das immer treue Hood-Girl beträllert. Für GFK sind die Änderungen auf diesem Album also in erster Linie thematisch. Gab es bisher wenigstens ein bisschen Abwechslung, so versinkt man hier in strikter Langeweile, deren Berichte über alles, was die Welt der Beziehungen so hergibt, zwar nicht schlecht, aber auf Dauer einschläfernd sind; zumal GFK in Sachen Tonfall und Energie ebenfalls den Softie markiert. Doch selbst die dann noch hinzukommende teils laue Ausführung verhindert nicht den ein oder anderen Anspieltipp: "Stay" gefällt mit einem wunderbar gestrickten Instrumental, "Let's Stop Playin'" hingegen mit dem bewährten Charme des Gastes John Legend in der Hook. Im sonst mittelmäßigen "Guest House" wird der Unterhaltungsfaktor durch die Konversation zwischen Fabolous als Techniker und Ghostface als (von Fab) Gehörnter gesteigert, wobei Fab's Einschlaf-Flow zu einem Zeitpunkt, an dem er Ghost's Glock unter der Nase hat, schlichtweg unpassend ist. Die restlichen Gäste sind für Hooks zuständig, wie etwa Quäkgeist Lloyd oder Raheem DeVaughn, der seine Sache zumindest anständig macht. So bietet das ganze Album ein Bild voller softer Rhythmen, sanfter Streicher und Pianos, hier und da einigen souligen Samples und natürlich besagter Hooks. Im Gegensatz zu den anständigen Songs steht "Stapleton Sex", das sich als einziges Stück mit Ghost's unzüchtigen Vorlieben in seinen Bettgemächern beschäftigt, beim Beat von Sean C & LV allerdings lahmt. Nach dem Dutzend, das sich zu den regulären Tracks zählt, werden noch zwei überflüssige Boni nachgereicht: Einmal ein schlichtweg total gesichtsloser Ron Browz-Track, der erstmals auf der LP auf die Clubs ausgerichtet ist. Danach folgt ein bis in die letzte Sekunde überflüssiger Remix zu "Back Like That", der schon auf "More Fish" lieber kein Bonus hätte sein sollen.


Fazit:
Wirklich viel zu sagen gibt es nicht über das Album, weswegen sich eine große Zusammenfassung an dieser Stelle nur ermüdend gestaltet: Das R&B-Konzept wurde im Großen und Ganzen solide erfasst und umgesetzt, der Hörspaß bleibt dabei aber über längere Passagen hinweg auf der Strecke. Das liegt daran, dass man selbst bei einem Ghostface irgendwann genug von weichstimmig vorgetragenen Weibergeschichten hat, wenn im Hinterkopf die Erinnerungen an ganz andere Rap-Darbietungen des Tony Starks weilen. Nun kommen noch die Produktionen, die zwar im Grunde genommen gut, aber nunmal fast komplett austauschbar sind, sowie die schwachen Tracks hinzu und man sieht sich einem durchwachsenen und insgesamt mittelmäßigen Album gegenüber. Fielen die beiden Bonus-Tracks (besagte Aussetzer) nicht in die Wertung, wäre noch eine halbe Krone mehr drin gewesen, so kann man "Ghostdini" als nichts besonderes abhaken und gespannt sein, was als nächstes kommt.

Gesamtwertung: 5.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Bound By Honor - B For Vendetta

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 18. August 2009
Label: Magnus Records

Tracklist:
01. Only An Intro (Feat. Raydar Ellis)
02. Rippin The Rythm
03. Made In Korea
04. Light 'Em Up
05. Go Time (Feat. Raydar Ellis & Esoteric)
06. Spanish Fly
07. Character Assassination (Feat. Chino XL)
08. Buried Alive
09. Industry (Feat. Raydar Ellis)
10. Bord Dead (Feat. Rugged Intellect)
11. Killin' It
12. Lab Rats (Feat. Raydar Ellis)
13. Rain On Your Parade (Feat. Raydar Ellis)
14. Sport And Survival
15. Spin Master Grant (Skit)
16. Word Play
17. Age Of Decadence
18. Sadist
19. Cloud 19
20. B For Vendetta



Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit Big John mit "The Next Step" sein zweites Soloalbum veröffentlichte - das damals mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Seitdem war der Herr aus dem Nordwesten Amerikas nicht untätig. Nur anstatt sein nächstes Soloalbum aufzunehmen, gründete er ein Duo mit dem Kollegen Mic Daily, der ebenfalls aus Tacoma stammt und auch schon auf "The Next Step" einige Wörtchen mitzureden hatte. Zusammen ist man nun Bound By Honor und zeigt Der Welt mit 20 Tracks, verschnürt als "B For Vendetta", dass man von kurzen Alben nicht viel hält.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Dass dem platten Namen und dem noch viel dämlicheren Wortspiel im Titel reimtechnisch nicht viel folgt, werden die meisten, die mit "The Next Step" vertraut sind, ahnen. Big John ist, um es vorsichtig auszudrücken, ein bescheidener Rapper. Mic Daily hat ein wenig mehr auf dem Kasten, aber auch hier gab es die Skills in der Kindheit nicht mit großen Löffeln. Was bei Big John und dem eigenen Label Magnus Records viel wichtiger ist, sind die Connections: Auf dem letzten Album waren es R.A. The Rugged Man, Canibus und Kool G Rap, hier ist es vor allem Raydar Ellis, aber auch z.B. Chino XL. An den produzierenden Namen hat sich nicht viel geändert, abgesehen davon, dass Loptimist anteilmäßig kräftig zugelegt hat und über die Hälfte der Instrumentals beisteuert. Die Freundschaft zu Esoteric besteht natürlich weiterhin, was auch hier einen Auftritt des Bostoners verheißt. Bei der Musik selbst wird Big John zwar nicht mehr von einem Canibus in Grund und Boden gerappt, doch ein Raydar Ellis reicht mehr als vollkommen aus, um mit seinem Verse in "Only An Intro" die vorausgehenden Mic und John bis aufs Unterhemd zu entblößen. Der Loptimist-Beat dagegen taugt perfekt als Intro und geht gut nach vorne. Damit wäre man auch schon beim Knackpunkt des Albums: Die Beats sind gut, die Raps ganz und gar nicht. Als Segen wie auch als Fluch erweisen sich die Gäste, die einerseits durchwegs erfreuliche Bars spitten, andererseits aber auch gnadenlos darauf hinweisen, wie plump die eigentlichen Protagonisten agieren. Natürlich werden hier auch keine Konzepte vom Zaun gebrochen oder etwa Anstrengungen angestellt, mit einer Grundthematik Bezug zum Albumtitel herzustellen. Diese B-Klasse-Battle-Raps machen es einem nicht schwer, den Fokus voll und ganz auf die Beats zu legen. Hier finden sich einige sehr angenehme Überraschungen, ob der vielen Anspielstationen aber auch einige Filler. Nachdem man also nach dem Intro dem wohlklingenden Raydar Ellis vorerst Lebwohl gesagt hat, döst sich das Album bis zum relaxten "Light 'Em Up", um dann in "Go Time" Wohlvertrautes zu servieren: Selbige Produktion verscherbelte Loptimist schon an Amadeus The Stampede als auch Randam Luck (und bei Bound By Honor hat man es nicht mit der besten Verwertung zu tun). Doch damit hat man die einzige Mogelpackung der Platte abgehakt. Es gilt erstaunlich oft: Wo keine Gäste zugegen sind, passiert nicht viel. Ausnahmen sind "Word Play", auf dem Loptimist seine Bauklötze zu einem wirklich erfrischenden Beat-Türmchen zusammenstöpselt, aber auch "Born Dead", für dessen mittelmäßigen Beat und Performance von John jede Hilfe zu spät kommt. John's aufgesetzte Aggressivität will hier keine Pluspunkte mehr sammeln - im Gegenteil. Glücklicherweise gibt es Stücke wie das trompetengetriebene "Spanish Fly" von niemand Geringerem als Kutmasta Kurt, das schon in der Instrumental-Version genügend Unterhaltungswert an den Tag legt, aber hier auch eine starke Hook abbekommt. Auch Kurt's zweiter Beitrag, "Character Assassination", entpuppt sich als dicker Kopfnicker, von dem Chino's Verse selbstredend das Highlight bildet.


Fazit:
Und so ließe sich jeder Track abhandeln: Beats, die von "gut" bis "mittelmäßig" variieren, kombiniert mit den Raps, für die gilt: Gast über Mic Daily über Big John. Für die Gastgeber selbst ergibt das eine Bilanz, die ihnen und ihrer Tätigkeit als Emcees zu denken geben sollte. Strikte Battle-Raps müssen nicht gleich das Todesurteil bedeuten, man kann sie schließlich auch attraktiver anrichten, sie vor allem in einen besseren Flow packen. Doch dafür muss bei Bound By Honor einiges passieren. All jene, die Loptimist-Beats schätzen, werden hier auf ihre Kosten kommen. All jene, die es schaffen, bei den Raps wegzuhören, werden das Album aufgrund der Beats als solides Werk einschätzen, denn hier werden einige gute Produktionen vor die Säue (alias John und Mic) geworfen. Ebenjene Beats retten "B For Vendetta" dann auch vor schlechten Noten.

Gesamtwertung: 5.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Termanology - Time Machine (Hood Politics VI)

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 22. September 2009
Label: ST. Records

Tracklist:
01. Nobody's Smilin'
02. Brown Paper Bag
03. Stick Up (Feat. Sheek Louch & Quest Tha Young'n)
04. Time Machine (Feat. Reks)
05. Wild Puerto Ricans (Feat. Tony Touch & Ea$y Money)
06. Forever (Feat. Superstah Snuk)
07. My Boston (Feat. Singapore Kane & Big Shug)
08. Hold That
09. It’s A Shame (Feat. Joell Ortiz)
10. Gods World
11. Music Industry (Remix) (Feat. Royce Da 5'9, Crooked I, Akrobatik & Consequence)
12. Passion Iz Money (Feat. Lil Fame & Quest Tha Young'n)
13. Bout To Go Down (Feat. Superstah Snuk & H Blanco)
14. Nothing Iz Real
15. Good Day (Feat. Ghetto & Hectic)
16. I See Dead People



Für alle BoomBapper führte im letzten Jahr kein Weg an Termanology vorbei. Nicht etwa, weil er der beste Emcee der letzten Zeit wäre. Nein, das sicherlich nicht. Der Grund ist vielmehr bei denen zu suchen, mit denen er sich umgibt - sein offizielles Debüt konnte ein Producer-Lineup aufweisen, das vom Gehalt her oft mit "Illmatic" verglichen wird. Damit hat Term es inzwischen geschafft, sich vollends zu etablieren. Um nicht untätig zu sein und den Namen im Gespräch zu halten, wird gleich das nächste Werk veröffentlicht: Da "Time Machine" nur das zusammenkratzt, was gerade so an Tracks verfügbar ist, um dann noch ein paar neue hinzuzufügen, reicht es nicht für ein offizielles Album, weswegen es einfach der "Hood Politics"-Reihe angerechnet wird, die Term seit jeher begleitet und nun bereits beim sechsten Teil angelangt ist.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Trotzdem hat man es hier nicht mit einem banalen Mixtape zu tun. All new beats, all new rhymes - so ist es schnell und fast wahrheitsgemäß auf den Punkt gebracht. Und bei den Produzenten wurde mal wieder nicht mit großen Namen gegeizt. Doch sah man schon bei "Politics As Usual" von dem manipulativen Gewicht der Gäste ab, blieb von Termanology dem Solokünstler nicht mehr übrig als ein Äquivalent seiner Körpergröße. Rappen kann er, einen beanstandungslosen Flow hat er, doch wer sich nicht gerade als Groupie zählt, der bekommt bei der höchst unpotenten Stimme des Halb-Latinos keine weichen Knie. Rechnet man nun noch die Lyrics, die es mit Mühe und Not ins Vorabendprogramm schaffen, hinzu, kann man froh sein, dass hier so viele Namen ans Mic geladen werden. Da ist es gut, dass "Time Machine" gar nicht erst den Anspruch eines voll gültigen Albums erhebt, weist aber gleichzeitig auf die mindere Qualität hin. Trotzdem hat es sich etwa ein Pete Rock nicht nehmen lassen, mit "Hold That" einen astreinen Beat beizusteuern - dem dann leider das stimmliche Gegengewicht am Mic fehlt. Und wie schon erwähnt ist auch Term's andauernde Selbstinszenierung als Rap-Wunderkind kein Grund, die Lauscher gespannt zu halten. So findet man sich schnell in einem großen Haufen Bumtschak-Mittelmaß, das sich etwa in "It's A Shame" in sterbenslangweiligen Tiraden gegen die untersten Mitgleider der Nahrungskette - die Snitches - entlädt. Richtiger Spaß kommt selten auf. Einer der wenigen Fälle ist "Wild Puerto Ricans", das nach seinem grandiosen Start zwar eigentlich gar nicht so besonders ist, aber trotzdem mordsmäßig Stimmung macht - hier passt's einfach. Anders "Stick Up", in dem Term's Flowvariation einem Griff in einen großen Dunghaufen gleichkommt. Sein Problem wird hier oft und deutlich bloßgestellt: Der Rahmen an Beats, auf denen er wirklich gut ankommt, ist erschreckend klein. Abgesehen davon, dass "I See Dead People", ein Spaziergang durchs Leichenhaus, von The Alchemist zu lasch produziert wurde, gibt es auch seitens der Raps eine Vorstellung zum Einschlafen. Ähnliches gilt für "Forever". Auf Street-Tracks wie "My Boston" wiederum kann Term flowen, wie er will - gegen einen Big Shug (von dessen Album dieser Track auch entnommen wurde) verblasst er. Im Voraus interessant war noch Large P's Beitrag, "Time Machine", doch dem soliden Werk fehlt zum Ohrwurm mehr als nur der letzte Schliff. "We about to make classic Boom Bap rap ish, that's it", spricht Reks. Dann muss man sich bei schludriger Ausführung allerdings auch Kritik gefallen lassen. Nach dem trostlos langweiligen "Brown Paper Bag" schafft es mit "God's World" (inklsuive käsigem Michael Jackson-Sample) schließlich noch ein kompletter Blackout aufs Album, der vom herrlichen "Nothing Iz Real" zumindest ausgeglichen wird - hier hat man es mit dem Highlight der Platte zu tun, dessen leicht melancholische Atmosphäre Term endlich positiv zur Geltung bringt.


Fazit:
Ich weiß immer noch nicht, ob ich nun positiv überrascht sein soll oder nicht. Schließlich waren es doch noch einige hörenswerte Tracks, von denen es zwei ("Nothing Iz Real" und "Wild Puerto Ricans") eventuell sogar ins Langzeitgedächtnis schaffen. Das ändert natürlich nichts daran, dass Termanology auf Albumlänge eine anstrengende Angelegenheit bleibt. Vielleicht wäre es überlegenswert, einen einzigen Produzenten für das nächste Album zu suchen - gesetzt der Fall, dieser Produzent liegt auf einer Wellenlänge mit Termanology, was ja alles andere als einfach ist. "Time Machine" jedenfalls ist eine akzeptable Verköstigung bis zum nächsten Longplayer, punktet mit vielen der Instrumentals (und hebt sich damit auch über den Durchschnitt), ist aber als Gesamtheit absolut nichts, was man gehört haben muss.

Gesamtwertung: 5.6 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 26. August 2009

Randam Luck - Graveyard Shift

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 21. Juli 2009
Label: Babygrande Records

Tracklist:
01. You Will Never Be
02. Blood (Feat. Banish & Aims)
03. Listen (Feat. Banish)
04. Danger (Feat. Big Left)
05. Raw (Remix) (Feat. Vinnie Paz)
06. Buck'Em Down
07. Back To Business
08. Celebrity Smackdown (Feat. Copywrite)
09. Lost It
10. Get Ya Mind Right (Feat. Reef The Lost Cauze & Planetary)
11. Mystery On The Block
12. Connected (Feat. Banish)
13. 1 Man 1 Life (Feat. Heated)
14. Street Goons (Feat. Jimmy Powers)
15. Verbal Holocaust (Feat. Ill Bill)
16. Pick Your Poison
17. Watch Your Step (Feat. Banish & Aims)
18. Golden State



Wer hätte es gedacht, sie sind zurück: Obwohl es Randam Luck schon seit 2000 gibt, scheinen sie erst jetzt so langsam auf die Idee gekommen zu sein, ihre Musik in Form von Alben zu veröffentlichen: Mit dem Signing bei Babygrande Records ergab sich das Debütalbum "Conspiracy Of Silence", ein Jahr darauf folgt der nächste Streich, "Graveyard Shift". An der Einstellung der Jungs hat sich rein gar nichts geändert: Noch immer setzen Lucky, Randola und Stadi Majadi auf die volle Packung aggressiver Hardcore-Raps, mit der sie in ihrer Heimat San Diego seit jeher auf sich aufmerksam machen. Als Referenz stehen immer noch die Parallelen zu Acts wie Jedi Mind Tricks oder Non Phixion.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mit Ruhm hat sich das Trio beim Debüt nicht gerade bekleckert: Wo die Beats als gute Kopien der AOTP/JMT-Ecke durchgingen, waren die Raps nicht mehr als plumpes Gebrüll. Sollte sich das auf diesem Album ändern, stünden die Chance zu einem gelungenen Album durchaus gut. Doch natürlich ist alles beim Alten geblieben; was war auch anderes zu erwarten? Und dabei hat man seitens der Produktionen sogar noch aufgestockt: Während Anno Domini Beats weiterhin zugegen ist, gesellen sich auf "Graveyard Shift" namenhaftere Produzenten wie die Snowgoons, Loptimist und auch Undefined (der zwar weniger bekannt, dafür aber sonst für die AOTP tätig ist) ins Lineup. Doch es hilft alles nichts: Statt 14 auf dem ersten Album sind es hier ganze 18 Tracks, in denen man vorgeschrien bekommt, wie hart die drei Kalifornier doch sind. Das fängt bei "You Will Never Be" gleich doppelt ärgerlich an, da Loptimist diesen Beat bereits an Amadeus The Stampede verscherbelte, der darüber eine weitaus bessere Hook legte. "Y'all motherfuckers ain't ready, we ready / We swingin' machetes and cuttin' y'all niggas into confetti" - da kommt Lust auf. Wie schon auf dem ersten Teil ergeht man sich hier in aussagekräftigen Titeln, Aufforderungen wie "Buck 'Em Down" sind immer noch an der Tagesordnung. Vor allem Lucky ist es, der mit seinem nervtötenden Stimmorgan immer und immer wieder wie ein Einfaltspinsel dämliche Parolen abgibt - und das in lautstarkem Ton. Denn aggressiv ist die Platte ohne Zweifel, nur eben in einer Art und Weise aggressiv, in der blind mit dem Kopf gegen die Wand gerannt wird. "Celebrity Smackdown" folgt dabei wenigstens noch einem Konzept, und sei es nur das teils gerechtfertigte Anpöbeln sämtlicher Stars. Andere Songs, wie in etwa "Blood", erscheinen auf den anderen Seite noch einfältiger als die kritisierten Promis. Gegen das, was sich Randam Luck an Reimen aus den Fingern saugen, sind die heutigen Taten eines Vinnie Paz reinste Kunstwerke. Die Thematik ist überall und bei den Idolen dieselbe, doch stilloser als hier wurde sie selten verkauft. Apropos Vinnie Paz, der wird auch als Gast angekündigt. Doch ebenso wie Ill Bill wurde schlichtweg das Feature der ersten Scheibe ordentlich ausgeschlachtet und mit neuem Beat versehen - ärgerlich, selbst wenn die Produktionen (Beiträge der Snowgoons) in Ordnung sind. Bezüglich der Skills kann auch hier nicht viel angekreidet werden, denn Randam Luck rappen allesamt durchaus passabel. Doch das Gesamtpaket am Mic stimmt nicht. Das fördert umso mehr ein die Gastgeber ausstechendes Reef The Lost Cauze-Feature zutage. Doch wenn in "Listen" über einen gelungenen Beat von AD die Hook zusammengecuttet wird, während auf dem unüblich lockeren Instrumental die Aggro-Fahne nur auf Halbmast weht, geht es auch so. Mit solchen Songs hätte man das Album bestens auflockern können. Aber nein, RL ziehen es vor, gelungene Beats (wie etwa in "Mystery On The Block") mit schwachen Hooks zu bekleckern. Dass vieles ähnlich klingt, ist zu einem nicht kleinen Teil Randam Luck selbst zuzuschreiben, denn die Beats sind mitunter richtig dick. So auch in "Golden State", das überraschend muntere Klänge auffährt, die dem Album sehr guttun.


Fazit:
Dass es weiterhin Vertreter dieser Schiene des Raps gibt, ist wichtig. Dass diese Vertreter dem Sound, den sie praktizieren, weder gerecht werden noch Ehre machen, sollte als Indiz gelten, dass hier etwas nicht stimmt. "Subtile Gewalt-Raps" ist die Zauberformel, mit der man weiterkäme. Doch Randam Luck zeigen, dass sie im Vergleich zum Debüt kaum dazugelernt haben. Sie sind die als Soldaten verkleideten Bauern, die der Monarch in der Schlacht als erste verheizt. Wer alleine auf die Beats aus ist, der sollte sich "Graveyard Shift" - entweder mit Rap-Nebengeäusch oder als vielleicht bald erscheinendes Instrumental-Album - zulegen. Die Performance am Mikro jedoch bleibt eine durchwachsene Angelegenheit, die entweder zu plump und/oder gebrüllt für ernsthaften Genuss ist.

Gesamtwertung: 5.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Montag, 27. Juli 2009

DJ Muggs - Soul Assassins: Intermission

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 23. Juni 2009
Label: Gold Dust Media

Tracklist:
01. Gangsta Shit (Feat. Bun B & M-1)
02. Classical (Feat. Sick Jacken & Evidence)
03. Gunshots (Feat. Chace Infinite & The Alchemist)
04. Do It (Feat. La Coka Nostra)
05. Rep Yo Shit (Feat. P.C.P (Sick Jacken & Necro))
06. Good Evening LA (Feat. Self Scientific)
07. Meet Your Maker (Feat. Reef The Lost Cause & Outer Space)
08. Intermission (Feat. RZA, Rev. William Burk, Planet Asia & B-Real)
09. Champions (Remix) (Feat. Prodigy & Big Twins)
10. Let Go (My Life) (Feat. Fashawn)
11. Like That Y'All (Feat. Planet Asia)
12. World We'Re In (Feat. Cynic)
13. Call It Like I Aee It (Feat. Chace Infinite & Krondon)
14. Matchbox (Feat. Dust)
15. Figure It Out (Feat. Young De, Xzibit & Mykestro) (Bonus Track)



Es gibt Produzenten, deren Alben werden nicht sofort abgewatscht, weil sie Tradition haben. Das trifft vortrefflich auf DJ Muggs und seine "Soul Assassins"-Reihe zu (wobei man an dieser Stelle das "Produzentenalbum" revidieren und durch "Compilation" ersetzen muss). Der letzte Auswurf hat allerdings auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Die seitdem verstrichene Zeit hat sich Muggs mit einigen Projekten vertrieben, unter anderem mit einer Kollabo mit GZA, die dann später auch nochmals komplett mit neuen Beats versehen wurde. Nicht zu vergessen ist außerdem das Album, das er für Planet Asia produzierte und das erstaunlich gut ausfiel. Um das Kollektiv der Soul Assassins als Ganzes war es in musikalischer Hinsicht eher ruhig - bis jetzt. Denn während der dritte SA-Teil schon als Soundtrack zum parallel erscheinenden Soul Assassins-Film angekündigt ist, gibt es hier die "Intermission" für zwischendurch.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Wie schon auf dem zweiten Teil finden sich hier ebenfalls Gastproduzenten ein. Nur in diesem Fall nehmen sie überhand: Muggs' Beiträge lassen sich fast an einer Hand abzählen. Weitere Mitwirkende sind der Alchemist, Cynic, DJ Khalil und G Rocka. Begleiterscheinung dieser Beat-Auffächerung ist der Verlust der geschlossenen Atmosphäre, die der erste und auch der zweite Teil aufbauen konnten - ja, eigentlich der Verlust von so ziemlich allem, was die Scheibe mit ihren Vorgängern verbände. Doch immerhin hat man es hier nur mit einer "Intermission" zu tun, vielleicht soll hier auch die Laufrichtung des dritten Teils angedeutet werden. Doch wer will schon auf einem Album wie diesem als Begrüßung plattes "This that Gangster Shit"-Geröhre von einem Bun B haben? Dabei sei die UGK-Legende gar nicht ins Kreuzfeuer gestellt, nur hat er hier nunmal nichts verloren. Und bei dem tödlichst langweiligen Beat wirft man M-1 gleich mit über Bord. Doch so wirklich will sich die Situation nicht bessern: "Classical" ist zumindest ein astreiner Track, der mitunter auch zu den besten dieser CD zählt, doch hätte er wesentlich besser auf ein Alchemist- oder Evidence-Album denn auf dieses hier gepasst. Das lässt sich so fortführen: Entweder erscheinen die Tracks deplatziert oder sie lassen qualitativ zu wünschen übrig. Themaverfehlung aller Beteiligter - nicht einmal Muggs selbst ist davor gefeit: Abgesehen von der Unnötigkeit des Duos PCP kommt der blutgeile Necro über Muggs' Instrumental mehr als nur anstrengend daher. Und auch wenn die QB-Connection bisher immer (bzw. beide Male) vertreten war, kann man auf das Synthie-Georgel im "Champions" Remix gepflegt pfeifen. Ähnliche Störenfriede sind "Intermission", bei dem "QB" durch "Wu-Tang" ersetzt sei, das jedoch noch schneller von der Skip-Taste ausgeknockt wird. Höhepunkt ist schließlich Planet Asia, der in "Like That Y'All" von G Rocka eine Untat eines Beats vorgesetzt bekommt. Es sei noch kurz auf die sauer aufstoßende Kombo aus Paukenschlägen und Bläsern im Coka Nostra-Song hingewiesen, um die Reihe der größten Übel zu komplettieren. Das bisherige, wenig erfreuliche Bild stellt selbst für eine herkömmliche Compilation eine schwache Leistung dar. Wer nun denkt, dass sich hier kein einziger guter Anspielpunkt findet, der sei beruhigt, eine Handvoll hat sich dann doch eingeschlichen: Zusammen mit seinem Partner weiß Chace Infinite mit "Good Evening Los Angeles" zu überzeugen, während Fashawn in erster Linie vom ausnahmsweise gelungenen Instrumental profitiert. Während der Rest im Mittelmaß versauert überzeugt Reef The Lost Cauze, fallen Outerspace nicht negativ auf und zeigt Muggs in "Matchbox" seine Klasse - auch wenn der Song wieder einmal sehr unpassend wirkt. Selbiges gilt auch für "Figure It Out", das als frischer Banger trotzdem Pluspunkte sammelt.


Fazit:
Es läst sich eine interessante Parallele zwischen Gold Dust und Muggs beobachten: 2008 hatte man noch Wind in den Segeln, 2009 herrscht Flaute. Denn genau das ist diese Intermission: ein Manifest der Einfallslosigkeit. Und wenn schon nichts besseres dabei herumkommt als dieses Erzeugnis, dann lasse man bitteschön die Marke "Soul Assassins" unangetastet und warte auf neue Eingebungen, die die ersten beiden Teile würdevoll fortführen. Mit dieser Scheibe begeben sich Muggs und Co. ins ausgetrocknete Feld der mittelmäßigen Compilations und Produentenalben, was zwar traurig ist, aber irgendwo auch gar nicht mehr groß überrascht. Vielleicht wird es ja mit dem "offiziellen" dritten Teil besser, denn hier kann man ja noch die Entschuldigung des Beititels "Intermission" bemühen. Wer das Standard- bzw. Pausenprogramm mit seinen (wenigen) Höhen und Tiefen leid ist, der nutze die "Intermission" sinnvoll und gehe aufs Klo oder kaufe sich neues Popcorn.

Gesamtwertung: 5.2 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

The Alchemist - Chemical Warfare

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 07. Juli 2009
Label: E1 Music

Tracklist:
01. Intro
02. ALC Theme (Feat. Kool G Rap)
03. Lose Your Life (Feat. Snoop Dogg, Jadakiss & Pusha T)
04. Chemical Warfare (Feat. Eminem)
05. Grand Concourse Benches (Feat. KRS-One)
06. Therapy (Feat. Evidence, Blu, Talib Kweli & Kid Cudi)
07. That'll Work (Feat. Three 6 Mafia & Juvenile)
08. Smile (Feat. Twista & Maxwell)
09. Keep The Heels On (Feat. Prodigy)
10. Acts Of Violence (Feat. Gangrene, Roc C & Crooked I)
11. Lights, Cameras, Action (Feat. Lil Fame)
12. Some Gangster Shit (Feat. Fabolous)
13. On Sight (Feat. Dogg Pound & Lady of Rage)
14. Take A Look Back
15. Under Siege (Bonus) (Feat. Gangrene)



Auch unter den Produzentenalben gibt es Scheiben, auf die man sich tatsächlich freut. So dürfte es den meisten beim neuen Werk von The Alchemist ergehen. Vom Mann im Hintergrund, der den Spagat zwischen Mobb Deep und Dilated Peoples meistert, ging es stets bergauf. Sein 2004er "1st Infantry" konnte in einer Zeit Akzente setzen, in der es monatlich noch keine zehn Produzentenalben hagelte. Inzwischen gehört er - ganz gleich, ob man es für gerechtfertigt erachtet - zu den angesehensten Größen hinter den Knöpfchen. "Chemical Warfare" ist das seit langem angekündigte zweite Album, das nun endlich erscheint und sogar eine EP ("The Cookbook" EP, die im November des letzten Jahres herauskam) als Vorspeise vorzuweisen hat.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Die Stärke von "1st Infantry" war, dass es die schon damals sehr unterschiedlichen Künstler unter einen Hut bekam. Bei "Chemical Warfare" wird dieses Unterfangen noch gewagter, da die Bandbreite der Gäste diesmal noch weiter auseinandergeht. Auch beim Alchemisten selbst (bzw. seinem Produktionsstil) hat sich einiges geändert - und das nicht nur, weil er den DJ für Eminem spielt. Vor fünf Jahren wäre es kaum vorstellbar gewesen, dass es sich die Three 6 Mafia zwischen Evidence und Twista gemütlich macht. Doch prinzipiell ist dem Motto "Wer rastet, der rostet" nichts entgegenzusetzen, und wenn man mit der "Cookbook" EP nicht vertraut ist, betritt man dieses Album vorwiegend unbelastet. Für das Wesen der Platte interessant ist der Skit, in dem die sogenannte "Nation of Backpackers" eine Diskussion mit den "Street Cats" (wobei die jeweiligen Vertreter natürlich keine Klischees auslassen) über die ALC-Beats austrägt. Auf dem Album selbst stellt sich diese Frage nicht, da ein solcher Zwiespalt seitens der Instrumentals gar nicht existiert; hier eröffnet sich kein nennenswerter Bruch. Muss also nur noch die Qualität unter die Lupe genommen werden, und hier sieht es dann schon ganz anders aus: Sowohl die veränderten Ansprüche als auch die Gäste sind für das Album beizeiten Gift. Man stecke doch KRS bitte in einen Schrank und lasse ihn dort verstauben, anstatt ihn einmal mehr mit seiner tausende Male durchgekauten Geschichtsstunde über ein - in diesem Fall auch noch lusches - Instrumental zu jagen. Das Feature mit Eminem war wohl Pflichtprogramm und kommt mit eineinhalb Minuten nur in der Slim-Version, was Mr. Shady aber ausreicht, um mit seinen nervig geflöteten Raps den sowieso schon langweiligen Beat zu schänden. Dabei unerwähnt ist bisher die Tatsache, dass Alchemist inzwischen selbst zum Großmeister am Mic avanciert ist und seine Hörer diesen Umstand auch spüren lässt. Doch der Mann hat schlicht und ergreifend eine langweilige Stimme, zu der sich die mäßigen Skills noch hinzusummieren. Nichtsdestotrotz bekommt man in "Take A Look Back" (das einen vorzüglichen Beat auffährt) die volle Ladung, ebenso wie G Rap aus diesem Grund im sonst starken "ALC Theme" auf nur eine Minute reduziert wird. Natürlich gibt es auch, bedingt, Gutes zu vermelden: "Therapy" (bereits von der EP bekannt) schwingt sich auch hier mit seinem freshen Gitarren-Sample zum Highlight auf, während die Südstaatler dank eines guten Beats in "That'll Work" gut hörbar sind. Dass die Pop-Hure Twista in "Smiling" ihre flinke Seite zeigt, macht den Zwischenspurt guter Songs zu einem flotten Dreier. Denn dann kommt Prodigy, der "Keep The Heels On" mit billigsten Sex-Raps in die Kacke reitet. Fabolous fällt als irrelevant unter den Tisch, Lil Fame hat mit einem bereits (fast) identisch verwursteten Sample hart zu kämpfen (und verliert mit seinem Gebrüll gegen das QB-Aufgebot, das die Molemen auf ihren Track einluden). Man streiche das gangsterische Backpfeifen-Ensemble in "On Sight" sowie die Snoop Dogg-Hook und dem auf Dauer eintönigen Beat in "Lose Your Life" und es verbleibt nur noch Gangrene, das neu gegründete Duo aus Alchemist und Oh No, das sowohl mit Roc C und Crooked I als auch im abschließenden Bonus-Track im guten Durchschnitt bietet.


Fazit:
Als Fortsetzung zu "1st Infantry" darf man "Chemical Warfare" als missglückt bezeichnen. Zu viele verschiedene Gäste schicken die Platte unters Schafott der alltäglichen Produzentenalben, was allerdings zu einem nicht unbedeutenden Anteil auch ALC zuzuschreiben ist, da selbiges Unterfangen auf der letzten Platte noch funktionierte. Er ist ohne Frage ein großer Producer, scheint das auf diesem Album jedoch vergessen zu haben. Gut die Hälfte der Songs ist Allerweltsmaterial - eine tödliche Quote. Anhören kann man die Scheibe trotzdem (meist) problemlos, nur die Erwartungen sollten zurückgeschraubt werden, denn "Chemical Warfare" ist nicht mehr als Durchschnitt.

Gesamtwertung: 5.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Freitag, 24. Juli 2009

Dead Prez & DJ Green Lantern - Turn Off The Radio Vol. 3: Pulse Of The People

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 23. Juni 2009
Label: Invasion Music Group / Boss Up Inc.

Tracklist:
01. WRBG
02. Runnin Wild
03. Don't Hate My Grind (Feat. Bun B)
04. Warpath (Feat. Ratfink)
05. Gangsta, Gangster (Feat. Styles P)
06. Afrika Hot!
07. NYPD (Feat. Johnny Polygon)
08. Summer Time
09. Refuse To Lose (Feat. Chuck D & Avery Storm)
10. Life Goes On
11. Helpful
12. Pulse
13. Stimulus Plan
14. My Dirty Valentine



Dead Prez sind zurück. Nachdem sowohl die Kollabo mit den Outlawz als auch die beiden jeweiligen Soloalben mehr schlecht als recht verliefen (man erinnere sich vor allem an "Manhood") stehen Stic.man und M-1 wieder zusammen am Mic. Mit Boss Up Inc. als eigenem Label will man künftig auch abseits des Mics eine feste Fundierung haben. Dazu gehören 2009 auch zwei Releases: einmal das (bis jetzt) für November angekündigte "Information Age" als drittes Album sowie der dritte Teil der Mixtape-Serie "Turn Off The Radio", deren erste Teile ihrerzeit zwischen den beiden ersten Alben standen. Dieses Mal tut man sich mit DJ Green Lantern und dessen Invasion Music zusammen, was dem politisch motivierten Duo auch gleich eine komplette Produktion beschert.

WRITTEN FOR Rap4Fame

"Turn Off The Radio" impliziert bereits, dass von den lyrischen Schwerpunkten nicht abgerückt wurde. Ganz im Gegenteil: Die wirtschaftliche Lage der Welt und insbesonders der USA, Rezession und soziale Ungerechtigkeit, all das liefert einen noch größeren Anreiz für DP, ihrem Unmut Luft zu machen. Der richtet sich gegen die üblichen Verdächtigen, und da nunmal Barack Obama derzeit im weißen Haus sitzt, bekommt auch er einen Teil der Anschuldigungen ab. Es ist, kurz gesagt, wieder einmal die gut bekannte Ideologie (die DP aus Hass des kleinen Mannes nach oben und einer radikalen Sicht auf die Rassendiskussion zusammensetzen), die auf der Scheibe den Ton angibt. Beizeiten wird zwar der Anschein einer objektiv-kritischen Sichtweise erweckt, dieser sollte jedoch nicht über die Tatsachen hinwegtäuschen. Eine große, weiße Verschwörung, die auf dem Ursprung allen Übels, dem Geld, fußt, wird propagiert und dämonisiert. Wer sich damit anfreunden kann, der wird auch auf dieser Scheibe jede Menge Freude haben. Und selbst wer die wahrheitsgemäße Ansicht vertritt, dass diese Agitation für das eigene politische Meinungsbild uninteressant ist, der wird nichtsdestoweniger von DP zum Zuhören gefordert und so auch meist gut unterhalten. Doch nun zum Dreh- und Angelpunkt, der über dieses Mixtape, das eigentlich ein Album ist, richtet: DJ Green Lantern. Der DJ produzierte schon für Immortal Technique, einen thematisch ähnlich angesiedelten MC, ein fast identisch konzipiertes Mixtape-Album, wobei es schon damals Beschwerden über die Beats gab. Hier verhält es sich noch gravierender: Selten trifft GL den Ton, meist wollen seine Instrumentals mit DP keinen Konsens erreichen oder aber sie sind schlichtweg von minderem Unterhaltungsfaktor. Es hilft nichts, "Don't Hate My Grind" auf Bun B zuzuschneiden, wenn dieser absolut nicht ins Bild passt. Auch die eingewebten Rock-Elemente ("Warpath") sind nichts Halbes und nichts Ganzes. Deplatzierte Hooks ("Life Goes On") wechseln sich mit mit mäßigen Beats ab. "Afrika Hot!" offenbart, von einem vollkommen fehlgeschlagenen Instrumental begleitet, die Anziehung, die der Schwarze Kontinent auf M-1 und Stic ausübt. Die beiden würden anscheinend lieber in einer präindustriellen Epoche mit ihrem Stamm durch die Savanne hüpfen, als in New York dem "NYPD" und seiner für DP unumstrittenen Willkür ausgesetzt zu sein. Da erfreut es, wenn im sanften, streichergeleiteten "Summer Time" Gelegenheit zum Durchatmen gegeben wird. "Gangsta, Gangster" umreißt die Definition des Wortes "Gangsta" gemäß Dead Prez, "$timulus Plan" wälzt die immergleichen Zeilen über den Almighty Dollar und die Gier danach:

"Don't ever think slavery was just about race, slavery was bout money
They say the USA was founded on freedom, but slavery built this country
Washington, Jefferson, Lincoln, Hamilton, Jackson, Grant, all slave owners
And even today from Clinton to Bush, they running the same game on us
[...]
It's the American way - imperialism, have it your way
Whatever it takes, whoever gets fucked in the process, that's ok, that's how they play
"


Fazit:
Dead Prez bieten letztendlich wohl genau das, was man von ihnen erwarten konnte. Unter der Annahme, dass man es hier nur mit einem Mixtape zu tun hat, wohl noch ein wenig mehr - ganz gleich für wie wertvoll man die Inhalte erachtet. Wie schon bei Immortal Technique ist es auch hier Green Lantern, der von besseren Noten abhält. Den Produktionen fehlt durchwegs die Kraft, um eine Revolution anzutreiben. Hinzu kommt der Gesamteindrucks der Songs, der durch einen oft standardmäßigen Stil mit 08/15-Hooks verwässert wird. Neu sind die Botschaften von DP natürlich auch nicht, weswegen man "Pulse Of The People" zwar anhören, es aber auch ohne Bedenken an sich vorbeiziehen lassen kann.

Gesamtwertung: 5.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Dienstag, 21. Juli 2009

Tame One & Parallel Thought - Acid Tab Vocab

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 23. Juni 2009
Label: Amalgam Digital

Tracklist:
01. Intro
02. Molly (Feat. Aesop Rock & Breeze Brewin)
03. Anxiety Attacks
04. Ooops (Feat. Del The Funky Homosapien9
05. Hip-Hop Action Figure
06. Suede Adidas
07. Dips
08. Ghetto Gutter Gillaness
09. Press Rewind
10. Bitch
11. Kik Rox
12. Go Away



Gleiches Label, gleiche Produzenten, gleiche Anzahl an Tracks - "Da Ol' Jersey Bastard" ist noch kein ganzes Jahr alt (weshalb der ein oder andere sich vielleicht noch daran erinnert), da legt Tame One auch schon nach. Nach mehrfachem Label-Wechsel hat er sich anscheinend bei Amalgam Digital eingelebt. Auch mit Parallel Thought scheint er sich gut arrangiert zu haben, da sie erneut für sämtliche Instrumentals aufkommen. Und wenn man schon auf Amalgam gesignt ist, liegt es natürlich nahe, sein Album digital zu veröffentlichten, weshalb "Acid Tab Vocab" auch nicht als CD erhältlich ist.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Man hat "Da Ol' Jersey Bastard" in Erinnerung als... ja, genau genommen hat man es gar nicht in Erinnerung, denn dafür war es zu bescheiden. Wem bei der damaligen Mischung aus Standard und eigenbrödlerischem, schwer verdaulichem Material die letztere Kategorie schon bitter aufstieß, der wird bei dieser Scheibe panisch die Flucht ergreifen. Angekündigt wird sie als Konzeptalbum, die den Hörer auf eine Reise zu den verschiedenen Gemütslagen von Tame One einlädt. Dabei verrät schon das "Intro", dass hier Drogen (das Intro spricht von Ersterfahrungen mit LSD) im Spiel sind. Im zweiten Track kommt mit "Molly" (alias Ecstasy) ein neues Rauschmittel ins Spiel, die Gäste - vor allem Aeosp Rock - kommen ebenfalls gut und der Beat fängt den Hörer ein und entwickelt nach mehrmaligem Hören seinen Charakter. Im Folgenden entpuppt sich das gesamte Album als Trip, dem Parallel Thought einen Anstrich verpassen, der gleichwohl zum Motto passt, dabei aber oft und tief ins Klo greift. Noch bunter treibt es Tame selbst, der sich aus Fetzen vollkommen zusammenhangs- und inhaltsloser Lines seine Tracks zusammenkleistert. Hier und da sticht eine gute Line heraus, auf dass sich Tame direkt im Anschluss wieder wirrem Wortgehäcksel widmet. Wenn "Hip Hop Action Figure" als sarkastischer Kommentar zur Rap-Szene gedacht war, kommt Tame One mit rotkäppchenscher Sicherheit vom Weg ab. Der unhandliche Beat tut das Übrige, um die Zuhörer zu vertreiben. Nichts anderes lässt sich über das schräge Geklimper in "Anxiety Attacks" sagen. Je nachdem, wie abgehärtet die Ohren des Hörers sind, wird man entweder vollkommen verdrängen, dass Musik spielt, oder aber sein Heil in der Skip-Taste suchen. Denn es geht ja auch besser: Del Tha Funky Homosapien war schon auf der letzten Scheibe vertreten und schaut hier auf dem sehr atmosphärischen "Ooops" vorbei. Songs wie "Dips" sind sicher nicht in jeder Lage zu genießen, können aber durchaus ganz amüsant sein. Tame's schroffe Stimme und der unstete Flow kommen zum Gesamtpaket hinzu und machen es dem Hörer noch schwerer, das Album zu durchblicken. Mit "Suede Adidas" findet sich dann jedoch noch ein Song, der - ausnahmsweise - ungestresst und langsam konzipiert ist und auch prompt bei den gut hörbaren Abschnitten des Albums landet. Ganz anders "Bitch", das mit seiner fehlenden Erläuterung höchstens frauenfreindlich wirkt. Ansonsten passiert nicht viel, denn auch wenn die Produktionen teilweise durchaus gelungen sind, will man sich nie so recht wohl fühlen.


Fazit:
Tame One trifft erneut nicht ins Schwarze. Zwar schwimmt er weiterhin etwas abseits des Stroms, doch helfen will ihm das auch nicht. Parallel Thought als Produzenten sorgen zwar für einen einheitlichen Sound, der aber auf der anderen Seite höchstgradig sperrig und anstrengend anzuhören ist. Zudem zeigt das "Konzept" dieser Scheibe nur eins: Wenn hier wirklich Tame One's Gefühlsleben widergespiegelt wird, dann hat der Mann ernsthafte Probleme bzw. ist äußerst verwirrt. "Acid Tab Vocab" wird als "digital only" Release nicht viele Freunde finden, denn trotz einiger hörenswerter Momente hat man dieses durchwachsene Projekt schnell wieder vergessen bzw. verdrängt.

Gesamtwertung: 5.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Maino - If Tomorrow Comes...

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 30. Juni 2009
Label: Hustle Hard / Atlantic Records

Tracklist:
01. Million Bucks (Feat. Swizz Beatz)
02. Scene 1: If Tomorrow Comes...
03. Back To Life (Feat. Push! Montana)
04. Remember My Name
05. Gangsta (Feat. B.G.)
06. Scene 2: The Meeting
07. All The Above (Feat. T-Pain)
08. Here Comes Trouble
09. Scene 3: Hating
10. Hi Hater
11. Let's Make A Movie
12. Kill You
13. Scene 4: Contemplating
14. Runaway Slave
15. Soldier
16. Hood Love (Feat. Trey Songz)
17. Floating
18. Scene 5: The Phone Call
19. Celebrate



Während des letzten dreiviertel Jahrs (dem Gefühl nach weitaus länger) wurde es schon zur Gewohnheit, dass dieses Album irgendwo auf der Tafel der anstehenden Releases auftauchte, nur um dann beim Näherrücken der Veröffentlichung nach hinten verschoben zu werden. "If This Album Ever Comes..." war bald ein folgerichtigerer Titel. Doch die Wartezeit gab einem genügend Zeit, sich mit der Person Maino erst einmal vertraut zu machen: Wer um das Jahr 2004 mit einem Auge die Mixtape-Szene verfolgte, der wird damals von Maino (als einem von vielen Namenlosen) vielleicht schon ein paar Zeilen gehört haben. Denn nachdem der "Gangster turned Rapper" 2003 eine zehnjährige Haftstrafe abgesessen hatte, machte er die Bekanntschaft von DJ Kay Slay. Einen erfolglosen Deal mit Universal (inklusive geplantem Album "Death Before Dishonor") und gute fünf Jahre später ist Maino bei Atlantic untergekommen und erzählt seine Story mit "If Tomorrow Comes...".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Vor dem Hintergrund seines Werdegangs und in Anbetracht der fünf Skits ist es also schon offensichtlich, dass dieses Album eine Geschichte - nämlich die von Maino - erzählt. Es ein Konzeptalbum zu nennen, wäre dabei vielleicht übertrieben, doch da Maino in vielen anderen Belangen den Anschein des durchschnittlichen Straßen-Rappers erweckt, kann eine solche Konzeption nicht schaden. Da wir die Geschichte der Reihe nach verfolgen wollen, starten wir beim Anfang, der in diesem Fall dem Ende gleichkommt: "Million Bucks" hätte inhaltlich voll und ganz als letzter Track gepasst, ist es doch ein Party-Track von und mit Swizz Beatz, der über das schöne Leben referiert, das die von Geld Gesegneten genießen. Dass meine Wenigkeit, die dem Swizz Beatz dieser Tage nicht viel abgewinnen kann, mit dem Kopf nickt und auch die typische Swizzy-Hook unterschreibt (allerdings nicht den "Money Dance"), spricht für sich. Erst im Anschluss wird mit der ersten "Scene" der Anfangspunkt gesetzt sowie der Plot dargelegt: Maino kommt frei und erhofft sich ein besseres "Tomorrow". Dieser Startpunkt scheint, wie das "Los"-Feld bei einem Brettspiel, welchs zuvor schon zig andere Rapper benutzten, festgelegt - interessant wird der nun folgende Weg. Doch erst gibt es den "Homecoming"-Track "Back To Life", in dem Maino in drei Verses mit Kumpel, Bitch und Bewährungshelfer spricht. Der Plan, die Straßen hinter sich zu lassen und Rapper zu werden, steht schon. Die offizielle Ansage diesbezüglich macht das gelungene "Remember My Name" mit einer eingängigen Hook. Wie auch auf dem Rest des Albums präsentiert sich Maino dabei keinesfalls als Innovator und bleibt in seinen beschaulichen vier Wänden, macht dabei jedoch auch nicht viel falsch. "I had big dreams of being a rapper. But the reality was, I was being sucked back into the streets" - der Weg für "Gangsta" ist geebnet. Trotz B.G. gibt es zu den Standard-Zeilen einen befriedigenden Beat, der vom "Gangster Of Love"-Sample stark eingeleitet wird. Es folgt das Treffen mit Kay Slay; der erste Höhenflug beginnt: "All The Above" geht (wie schon der Opener) überraschend gut ins Ohr, ohne dabei jeglichen Inhalt vorweisen zu müssen. Letzteres gilt auch für "Here Comes Trouble", der J.U.S.T.I.C.E. League-Beat dagegen will geskippt werden - da muss man dem Hater im folgenden Skit fast schon Recht geben. Die Antwort ist "Hi Hater", das echte Eastcoast-Heads allerdings links liegen lassen und LA The Darkman, der anno 1998 dieses Sample schon um Welten besser umsetzte, ansteuern werden. Doch zurück zu Maino - dem geht es (wahrscheinlich zur Zeit, in der er bei Universal war) immer noch gut, und so darf man schon mal in schmutzige Fantasien ("Let's Make A Movie") abheben, die auf der musikalischen Seite allerdings wenig bis gar nichts bieten. Unwirsch wird er zudem von der Mutter seines Kindes auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Aversion gegen selbige führt zu "Kill You", in dem seine Beziehung thematisiert wird. "Contemplating" sieht Maino dann am Boden, überhäuft mit Problemen. Diese treten in den folgenden Songs zutage. In "Runaway Slave" gönnt sich der MC aus Bedstuy, scharf gesprochen, eine Runde Selbstmitleid, während man den Beat schon von Joe Budden's "Pray For Me" kennt. Die Geschichte hinter dieser Doppelung rankt sich um die Produzenten Versatile & Dilemma und kann kurzum auf die ausgebliebende Rückmeldung von Budden zurückgeführt werden. Songs wie "Soldier" und "Hood Love" (beide durchschnittlich) verraten sich schon mit ihrem Titel und künden von dem erneuten Kampf zwischen Rap-Karriere und Straße. Nachdem schon der teilweise Absturz in die Welt der Alkoholika ("Floating") erfolgt ist, bekommt Maino einen Anruf von Brian Berger von Atlantic Records, der dem Protagonisten doch noch ein Happy End beschert, das im elfminütigen "Celebrate" mit etlichen Danksagungen schön ausklingt.


Fazit:
Das ist sie, die Story von Maino. Da auf wahren Tatsachen beruhend, ist ein gewisser Rahmen natürlich gesetzt, die weitere Ausführung allerdings ist nicht allzu anspruchsvoll, dafür jedoch sehr verständlich gehalten. Man weiß immer, wie es Maino gerade geht. Das verraten schon die sehr transparenten Tracktitel, die ein Hören des Albums nicht zwingend erforderlich machen. Dazu kommt natürlich eine ganze Reihe Durchschnitt, die Konsequenz des Schielens auf massentauglichen Sound (bestes Beispiel ist die J.U.S.T.I.C.E. League, die eigentlich auf keinem NY-Album etwas zu suchen hat). Trotzdem kann man auf "If Tomorrow Comes..." einige schöne Momente finden. Denn wer hier mit niedrigen Erwartungen einsteigt, der wird unter Umständen positiv überrascht.

Gesamtwertung: 5.6 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 10. Juni 2009

Shyheim - Disrespectfully Speaking

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 12. Mai 2009
Label: Bottom Up Records

Tracklist:
01. Intro
02. Staten Island
03. Evil Bitches
04. Look At Me
05. Love Letters (Feat. Mya)
06. Dust Juice (Feat. Castro)
07. Wake Up
08. Safe (Feat. L.E.O.)
09. Just Be U
10. Pettle 2 The Metal (Feat. Bomb Official)
11. Pain
12. Bond
13. Yea Yea
14. Flowers In A Vase (Feat. Lady Venom)
15. The Bottom Pt. 2
16. Bank Money



Mal wieder ein bekannter Name, der mit neuem Projekt vor der Tür steht. Es handelt sich um Shyheim, Jüngling aus Staten Island und ehemals aus der Wu-Gemeinde, der seit seinem Debütalbum 1994 bereits drei weitere Scheiben veröffentlichte. War er damals noch 14, so marschiert er jetzt auf die 30 zu - eine Zeitspanne, die bei einem Rapper eher selten (mehr oder weniger) durchgehend musikalisch dokumentiert ist. Schon sein letztes Werk fand seinen Weg über Bottom Up Records in die Läden. Nicht anders verhält es sich mit "Disrespectfully Speaking".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Dieses Album liefert nicht gerade einen Grund zum Verlieren vieler Worte. War "The Greatest Story Never Told" noch gut von unterschiedlichen Gästen besucht, so findet man hier nur unbekannte Anhängsel, bei denen schon die Notwendigkeit einer Erwähnung höchst fraglich erscheint. Die Lageanalyse von "Disrespectfully Speaking" lässt uns im besten Fall auf ein bisschen beanstandungslosen, schnörkellosen NY-Sound hoffen, viel wahrscheinlicher jedoch ist ein Abdriften Shyheim's ins Belanglose. Denn der große Virtuose ist er nicht. Weder seine Texte noch der allgemeine Einsatz seines Stimmorgans locken hier den Bär aus der Höhle. Trotzdessen muss noch vermerkt werden, dass sich die Scheibe mit Aussetzern gänzlich zurückhält - wenn schon Mittelmaß, dann wenigstens konsequent. Doch auch das darf nicht voll unterschrieben werden, denn in einem Beispiel führt Shyheim sogar vor, wie er mit seiner Musik hätte begeistern können. Was er uns als "Dust Juice" einschenkt, schmeckt so trocken-düster, dass man glatt nach mehr verlangt. Sogar seine Stimme passt zu den hypnotischen Klängen. Andernorts nämlich ist das bei aller Liebe nicht der Fall: Die verhaltene, leicht rauchige Stimme kratzt mit ihren Raps eher mager über wohlbekannte Samples in "Pain" und "Look At Me", wobei "Look At Me" noch sehr sauber ausfällt, trotz der harmlosen Diss-Zeilen Richtung Raekwon. Leider sind die meisten Themen, während schon nichts Neues zu finden ist, auch noch sehr lustlos zusammengekehrt. In "Staten Island" wird repräsentiert, eine Geschichte über "Evil Bitches" hat das inzwischen Manchild genannte Rugged Child auch im Gepäck. "Pettle 2 The Metal" klingt wie ein billiger Versuch, den gemächlichen Südstaaten-Sound zu kopieren, während man bei "Lover Letters" schon Geld auf eine (auch eintretende) Schnulzennummer hätte wetten können. Ein Großteil der verbleibenden Songs legt eine Punktlandung in dem dünnen Landstrich akzeptablen Materials, das jedoch keine Spuren im Gedächtnis hinterlässt, hin. Die Spanne reicht dabei wiederum von vollkommen massenkompatiblem Sound wie "Just Be U" zum minimalistischen "Safe". "Flowers In A Vase" schließlich war unter anderem Titel schon auf dem "Enter The Bottom" Mixtape vertreten, gehört textlich jedoch zum interessanteren Teil des Albums:

"I got more studio time than personal time
But don't a minute go by you not on my mind
Waiting so long and patient for this moment to arrive
It's my dream, but you help keep it alive
So then it's not only mines, right? Am I correct
Correct me if I'm wrong, you done it before
I just wanna make songs to express my thoughts
Got some stress on my chest that I need to get off
"


Fazit:
Man mag mich als Pessimisten bezeichnen, doch die HipHop-Gemeinschaft macht es einem nicht schwer, da sie mit solchen Veröffentlichungen ihre momentane missliche Lage unterstreicht. Natürlich muss man auch Shyheim selbst einen Vorwurf machen. Wer so wenig zu sagen hat, und wer zudem noch so mittelmäßige Beats am Start hat, der soll doch bitte bei Burger King arbeiten, um seine paar Dollar zu verdienen. Ein einziger wirklich guter Song - das ist zu wenig. Das restliche Mittelmaß ist zwar eigentlich keine dermaßen scharfen Worte wert, doch auf Dauer hängen einem die typischen 08/15-Alben zum Hals heraus. "Disrespectfully Speaking" läuft problemlos durch den Player, ist dabei jedoch durchwegs unspektakulär, von einem Kauptipp somit ein ganzes Stück entfernt und höchstens direkten Fans zu empfehlen.

Gesamtwertung: 5.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame