Montag, 26. Oktober 2009

Capone - Revenge Is A Promise

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 15. September 2009
Label: SMC Recordings

Tracklist:
01. None Of Y'all Better
02. Fallin' Apart
03. Seen My Face Before
04. Get $t
05. Talk My Shit
06. Rock Star
07. Keep It On Me 2
08. Dirty Game
09. Witness
10. Ain't No Punk
11. Lonely
12. Take Me Alive
13. Still Ridin'
14. Capo 2 Capo
15. West Side Story



Mit diesem Werk ist das Trio der Veröffentlichungen von Capone-N-Noreaga im Jahr 2009 komplett. Nachdem man bei SMC Recordings unterschrieb, veröffentlicht das Label nach dem im März erschienenen "Channel 10" ein Soloalbum jeweils beider Mitglieder des QB-Duos. Für Capone ist es damit das nunmehr dritte Album, bei dem man natürlich gespannt sein darf, welche Richtung Pone diesmal einschlägt. Ob "Revenge Is A Promise" ähnlich wie das parallel erscheinende N.O.R.E. Album ohne die Zustimmung des Künstlers erschien, sei hier einmal außer Acht gelassen, der Fokus sei gänzlich bei der Musik gesetzt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Und dort hat Pone einiges an Boden gutzumachen, schließlich schimpft sich "Menace II Society", ein ungenießbares Stück Zeitverschwendung, sein letztes Album. Doch was bei "Pain, Time & Glory" noch gut kaschiert wurde und bei "Menace II Society" eine Teilschuld am kläglichen Endergebnis trug, tritt auch hier zutage: Capone wirkt auf Solopfaden die größte Zeit vollkommen orientierungslos was den Sound betrifft, mit dem er sich kleiden möchte. Das bedeutet konkret, dass man auch auf dieser Scheibe bzgl. Produktion weitreichende Abstriche machen muss. Hinzu kommen die gewohnten Raps mit Standardsprüchen von Pone, und man könnte jegliche weitere Besprechung des Albums an dieser Stelle beenden. Wo "S.O.R.E." schlecht war, ist "Revenge Is A Promise" langweilig und einfallslos. Das impliziert natürlich, dass man im Verlauf über mehr als nur ein gut bekanntes Samples stolpern wird. Verständlich, wenn man im Opener "None Of Y'all Better" nur noch ein Gähnen aufbringt, wenn sich Pone zum Durchladegeräusch seines Schießeisens selbst inszeniert. Mäßige Sample-Arbeiten wie etwa in "Lonely", wo Bonnie Tyler vor den Wagen gespannt wird, wären über kurze Distanz kein Problem, erheben sich hier aber zum oft gesehenen Gast und machen es zusammen mit den restlichen, unmotivierten Beats unmöglich, dem Album durchgehend Aufmerksamkeit zu schenken. Dazu hat Pone in Tracks wie "Take Me Alive" absolut gar nichts zu erzählen. Der harte Gangster lässt sich nicht lebendig fangen - wie interessant. Zu den laschen Street-Tracks mischen sich noch einige undefinierbare Ausrutscher, denen "Dirty Game" unbeirrt vorausgeht: Schlechte Voice-Cuts in der Hook, ein Instrumental, das bei mir nach einer Minute zum Tinnitus führt und Pone's höchst uninteressante Ausführungen über die Game-Politics - da greift man doch gerne und beherzt zur Skip-Taste. Die Tiraden über die verschiedenen Tracks können problemlos fortgeführt werden, wobei man anerkennen muss, dass "Rock Star" (in dem sich Capone über das Sample aus Fitty's "Window Shopper" versucht) halbwegs annehmbar gerät. Dass dieses Album seine Highlights da setzen muss, wo man andernorts die Nase rümpfen würde, sollte jedoch aussagekräftig genug sein. "Fallin' Apart" wäre ohne die schwachen Voice-Samples in der Hook genießbar, "Seen My Face Before" weckt höchstens Sehnsucht nach Songs mit besserer Umsetzung des Samples. In "Witness" wird Capone um sechs Uhr morgens von Türklopfen geweckt, um nach Verstecken und Vernichten aller illegalen Substanzen, Laden und Entsichern in Erwartung der ungeliebten Cops festzustellen, dass die Zeugen Jehowas vor der Türe stehen. Diese kleine Story bietet nicht viel, aber auf diesem Album den größten Unterhaltungswert. Nach mehr Gelaber und den dümmlichen "Still Ridin' und "Capo 2 Capo" ist es irgendwann endlich genug.


Fazit:
Das war wohl nichts. Da Capone über eine auf Dauer anstrengende Stimme gebietet, hätten es sowieso ein paar Gäste sein dürfen. Aber auch mit Gästen wäre hier nicht mehr viel zu retten gewesen: Wer so wenig zu sagen hat und wem so mittelmäßig bis schlechte Beats zur Verfügung stehen, der sollte die Veröffentlichung eines Albums nochmal überdenken - wobei bei allen Gegebenheiten eine Veröffentlichung seitens des Labels über Pone's Kopf hinweg ebenfalls denkbar und somit teilweise erklärend wäre. Lässt man diesen Aspekt unter den Tisch fallen, darf man resümierend, auch "S.O.R.E." betrachtend, sagen: Mit "Channel 10" haben CNN doch noch Einiges geleistet. Denn was auch ein Capone hier solo zusammenstümpert, wäre nicht notwendig gewesen. Da mag die Wertung sogar noch zu positiv wirken, doch "Revenge Is A Promise" ist meist weniger schlecht als gänzlich unbedeutend.


Gesamtwertung: 3.8 / 10

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Paten Locke - Super Ramen Rocketship

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 20. Oktober 2009
Label: Tres Records

Tracklist:
01. Soup For One
02. Breakthru
03. Good Muse
04. Ash On Em
05. Auto Reverse
06. Brava
07. Funky Hit Record
08. Ventilation
09. Wadaap!
10. Til The Dawn
11. Just Me
12. Super Ramen Rocketship
13. Off The Grid
14. After You



Von Paten Locke werden viele Leser bereits Musik gehört haben, ohne sich dessen bewusst zu sein. Doch schön der Reihe nach: Paten wurde in Boston geboren, ist dann nach Chicago gezogen und später (Ende der 90er) dann nach Jacksonville, Florida. Als er anfing, sich in der dortigen HipHop-Szene zu etablieren, ging das noch nicht unter seinem bürgerlichen Namen, sondern dem Alias DJ Therapy vonstatten. Mit dem Beinamen The Triple Threat wird gleich unterstrichen, dass Paten sowohl als DJ, Produzent sowie auch Emcee sein Unwesen treibt. Wieso man ihn nun kennt? Er ist Teil der ehemals als Asamov bekannten Truppe. In der Zwischenzeit begründete er noch eine weitere, weniger bekannte Gruppe, The Smile Rays. Um nun auch als Solokünstler Fuß zu fassen, kommt er den vielstimmigen Forderungen nach einem Album nach und veröffentlicht "Super Ramen Rocketship".

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Was passt da als Label besser als Tres Records, die zwar in Los Angeles sitzen, im Geiste jedoch als direkte Nachbarn von P. Locke zählen - für eine frische Brise sorgen beide. Der erste Hinweis, dass Herr Locke dies (die frische Brise) beabsichtigt, ist das kunterbunte, wilde Cover. Als in diesem Fall sehr zuträglich stellt sich die vollkommene Abwesenheit jeglicher Gäste heraus - der Triple Threat erledigt alles selbst und erreicht somit genau das, was auch der Pressetext ankündigt: ein musikalisches Abbild seiner Person, eine Biographie in CD-Format. Etwaige Zweifel, dass hier das Producer-am-Mic-Syndrom durchschlägt und man sich die volle Spielzeit durch zweitklassige Raps hören muss, pulverisiert Paten bereits zu Beginn erfolgreich. Mit Lines wie "I punch a rapper right up in his personality" sorgt er für gute Unterhaltung; außerdem wird die lyrische Ausrichtung durchaus gut wiedergegeben - große Denkanstöße will P. Locke gar nicht an den Mann bringen, wohl aber aus seiner eigenen Welt erzählen. Die Grundstimmung der Musik lässt sich dabei als durch und durch entspannt beschreiben. Locke kreiert lockere Kopfnicker, unternimmt funkige und schräge Ausflüge oder baut angenehme Streichergebilde, ohne dabei jemals seine gute Laune aus den Händen zu geben. Diese gute Laune ist eine Begleiterscheinung seiner Raps selbst - denn sogar, wenn es beim Beat mal aussetzt, geht die Grundstimmung nicht flöten. "Ash On 'Em" lässt sich hier ebenso wie das etwas zu "funkige" "Funky Hit Record" als Beispiel anführen. Der Rest des Albums fällt durchwegs erfreulich aus, vor allem dann, wenn sich Paten gar nicht erst die Mühe macht, den Hörer groß zu fordern, sondern ihm einfach nur ein Schmankerl vorsetzt: "Wadaap!" startet mit einer eingängigen und feschen Hook, nur um dann in komplette Unbeschwertheit zu zergehen und zu einem der Highlights der Scheibe aufzublühen. "Auto Reverse", das der Tape-Generation gewidmet ist, ist schräg, trotzdem gelungen und zudem ein Ohrwurm. Spätestens hier merkt man, dass Paten in einer Formation wie Asamov gar nicht die Möglichkeit bekommt, seine Ideen voll auszuleben. Denn das Gruppenprogramm bringt er auch im Alleingang zusammen und gibt etwa in "Off The Grind" feinst-schnörkellosen BoomBap zum Besten. Dem stehen Songs wie "Super Ramen Rocketship" oder (vor allem) "Breakthru" entgegen, die zwar nicht wirklich das Rad neu erfinden, vor Energie aber nur so strotzen. Für ruhigere Stunden sei "Good Muse" ("I'm just looking for an outlet for this good muse / While you wonder if your outfit match your stupid shoes") empfohlen. Damit hat man die Bandbreite des Albums auch schon grob umrissen, der Rest sei dem Hörer selbst überlassen.


Fazit:
Ein sehr erfreuliches Debüt, das Paten Locke da veröffentlicht. Beileibe kein perfektes - dafür ist es an vielen Stellen noch zu ungeschliffen - doch auf jeden Fall eines, das sich von der grauen Masse abhebt. Genau da liegt die große Stärke von Paten: Seine auf dem Album gebotene Mixtur klingt nicht ausgelutscht und totgehört, obwohl er sich keiner anderen Werkzeuge bedient als der große Rest. Dass sich "Super Ramen Rocketship" trotz einiger Schwachstellen als gutes Album bezeichnen darf, liegt vor allem an der guten Atmosphäre und am bestens aufgelegten P. Locke, von dem in nächster Zeit ruhig mehr kommen darf.

Gesamtwertung: 6.6 / 10

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Ghostface Killah - Ghostdini: Wizard Of Poetry

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Release Date: 29. September 2009
Label: Def Jam

Tracklist:
01. Not Your Average Girl (Feat. Shareefa)
02. Do Over (Feat. Raheem DeVaughn)
03. Baby (Feat. Raheem DeVaughn)
04. Lonely (Feat. Jack Knight)
05. Stapleton Sex
06. Stay
07. Paragraphs Of Love (Feat. Vaughn Anthony & Estelle)
08. Guest House (Feat. Fabolous & Shareefa)
09. Let's Stop Playin' (Feat. John Legend)
10. Forever
11. I'll Be That (Feat. Adrienne Bailon)
12. Goner (Feat. Lloyd)
13. She's A Killah (Feat. Ron Browz) (Bonus)
14. Back Like That (Remix) (Feat. Kanye West & Ne-Yo) (Bonus)



Ghostface Killah goes R&B - das war die Schlagzeile, die vielen HipHop-Heads zu denken gab. Manchem Fan nahm sie auch bereits im Voraus die Motivation, sich mit dem Album, das unter selbigem Motto angekündigt wurde, zu beschäftigen. Zwar ist es nicht so, dass Ghostface hier Neuland beschritte - Ansätze, Einflüsse und einzelne Tracks gibt es auch schon auf älteren Alben - doch der Schritt, den dieses Album, u.a. als starker Kontrast zum diesjährigen Output von Raekwon, bedeutet, ist nunmal bei vielen Hörern wenig willkommen. Doch das braucht GFK nicht zu stören, Beachtung findet "Ghostdini: Wizard Of Poetry" genug.

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Über die Kreativität eines Albums, das von vorne bis hinten Frauenprobleme und -geschichten erzählt und dafür ein Aufgebot an Allerweltsproduzenten konsultiert, lässt sich eindeutig streiten. Trotzdem ist Ghostface genau der Typ für ein solches Projekt, und so sehr man auch von der Ankündigung zu "Ghostdini" vor den Kopf gestoßen sein mochte, nachvollziehbar ist sie immerhin. Weniger verständlich ist ein kitschiges Cover aus Ghostface's persönlichem Fantasialand, das schlechte Vorahnungen nur so herausfordert. Doch das Album frühzeitig abzuurteilen, erwiese sich wie so oft als Fehler. Was Scram Jones in "Not Your Average Girl" schustert, heizt gesund ein, während Ghostface seine gewohnten Raps spittet und Shareefa in der Hook das immer treue Hood-Girl beträllert. Für GFK sind die Änderungen auf diesem Album also in erster Linie thematisch. Gab es bisher wenigstens ein bisschen Abwechslung, so versinkt man hier in strikter Langeweile, deren Berichte über alles, was die Welt der Beziehungen so hergibt, zwar nicht schlecht, aber auf Dauer einschläfernd sind; zumal GFK in Sachen Tonfall und Energie ebenfalls den Softie markiert. Doch selbst die dann noch hinzukommende teils laue Ausführung verhindert nicht den ein oder anderen Anspieltipp: "Stay" gefällt mit einem wunderbar gestrickten Instrumental, "Let's Stop Playin'" hingegen mit dem bewährten Charme des Gastes John Legend in der Hook. Im sonst mittelmäßigen "Guest House" wird der Unterhaltungsfaktor durch die Konversation zwischen Fabolous als Techniker und Ghostface als (von Fab) Gehörnter gesteigert, wobei Fab's Einschlaf-Flow zu einem Zeitpunkt, an dem er Ghost's Glock unter der Nase hat, schlichtweg unpassend ist. Die restlichen Gäste sind für Hooks zuständig, wie etwa Quäkgeist Lloyd oder Raheem DeVaughn, der seine Sache zumindest anständig macht. So bietet das ganze Album ein Bild voller softer Rhythmen, sanfter Streicher und Pianos, hier und da einigen souligen Samples und natürlich besagter Hooks. Im Gegensatz zu den anständigen Songs steht "Stapleton Sex", das sich als einziges Stück mit Ghost's unzüchtigen Vorlieben in seinen Bettgemächern beschäftigt, beim Beat von Sean C & LV allerdings lahmt. Nach dem Dutzend, das sich zu den regulären Tracks zählt, werden noch zwei überflüssige Boni nachgereicht: Einmal ein schlichtweg total gesichtsloser Ron Browz-Track, der erstmals auf der LP auf die Clubs ausgerichtet ist. Danach folgt ein bis in die letzte Sekunde überflüssiger Remix zu "Back Like That", der schon auf "More Fish" lieber kein Bonus hätte sein sollen.


Fazit:
Wirklich viel zu sagen gibt es nicht über das Album, weswegen sich eine große Zusammenfassung an dieser Stelle nur ermüdend gestaltet: Das R&B-Konzept wurde im Großen und Ganzen solide erfasst und umgesetzt, der Hörspaß bleibt dabei aber über längere Passagen hinweg auf der Strecke. Das liegt daran, dass man selbst bei einem Ghostface irgendwann genug von weichstimmig vorgetragenen Weibergeschichten hat, wenn im Hinterkopf die Erinnerungen an ganz andere Rap-Darbietungen des Tony Starks weilen. Nun kommen noch die Produktionen, die zwar im Grunde genommen gut, aber nunmal fast komplett austauschbar sind, sowie die schwachen Tracks hinzu und man sieht sich einem durchwachsenen und insgesamt mittelmäßigen Album gegenüber. Fielen die beiden Bonus-Tracks (besagte Aussetzer) nicht in die Wertung, wäre noch eine halbe Krone mehr drin gewesen, so kann man "Ghostdini" als nichts besonderes abhaken und gespannt sein, was als nächstes kommt.

Gesamtwertung: 5.0 / 10

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Del The Funky Homosapien & Tame One - Parallel Uni-Verses (Produced by Parallel Thought)

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Release Date: 13. Oktober 2009
Label: Gold Dust Media

Tracklist:
01. Intro (Magic)
02. Keep It Up
03. Flashback
04. The Franchise
05. Specifics
06. Beforer This
07. We Taking Over
08. Life Sucks
09. Teddy
10. Special
11. Gaining Ground



Gold Dust zieht seinen nächsten Trumpf aus dem Ärmel. Nach einigen anderen Releases spannt das Label nun ein Duo vor den Wagen, das auf den ersten Blick gar nicht zusammenpassen will: Del The Funky Homosapien und Tame One; der sympathische Hiero-MC und der Straßenpoet aus New Jersey. Doch es ist nicht ihre erste Begegnung: Bekanntschaft hat man schon gegen 1993 gemacht, man blieb in Kontakt und schließlich fand sich Del auch auf den letzten beiden Alben von Tame wieder. Diese waren rein zufällig auch vom Produktionsteam Parallel Thought mit Beats versehen, wie es auch hier wieder der Fall ist.

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Ähnlich Tame's letzten beiden Alben ("Da Ol' Jersey Bastard" und "Acid Tab Vocab") begnügt sich auch "Parallel Uni-Verses", das zumindest schonmal beim Titel kreativ auffällt, mit einer überschaubaren Zahl an Tracks. Ähnlich Tame's letzten beiden Alben sorgen Parallel Thought für einen Sound-Teppich, der gleichermaßen geschlossen und solide als auch unspektakulär ist. Wer mit den letzten beiden Tame Alben überhaupt nichts anfangen konnte, der sollte hier gar nicht erst den Motor anwerfen. Wem die Ansätze - bei mäßiger Ausführung - gefielen, der wird feststellen, dass hier zumindest ein Schritt in die richtige Richtung getan wird. Die befremdenden Instrumentals wurden aus dem Programm genommen, während trotzdem die eigene Note, die sich Parallel Thought mit ihren letzten Machenschaften erspielen konnten, beibehalten wird. Dass Del und Tame zusammenpassen, zeigten schon die bekannten gemeinsamen Tracks: Was, legt man den dreckigen, unregelmäßigen Flow von Tame One und die locker-flüssige Gelassenheit des Funky Homosapien zugrunde, wie zwei nicht kompatible Bausteinchen erscheinen mag, passt problemlos aufeinander und kreiert seine eigene Atmosphäre aus abstrakten Wortketten, Anspielungen auf vergangene Tage und Kritik an allem, was dem Duo nicht passt - vornehmlich die derzeitige HipHop-Landschaft. In plumpes "früher war alles besser"-Gejammer verfällt hier aber niemand. Deshalb ist "Flashback" auch als Hommage konzipiert, die mit schlichtem Instrumental zu überzeugen weiß. Ein einwandfreier Song ist "Before This", in dem eine schöne Bassline kräftig Flair verströmt und Tame für ihn typische Lines vom Stapel lässt:

"I went from 'hard to deal with'
To 'hard to get', to 'hard to get to find'
Now the label, I'm hard to listen to
Making me too hard to sign
I find, most of you folks are too much coke to be dope
But I smell you though
"

Des Weiteren hält der Song gut als Beispiel her, um hervorzuheben, dass es gerade auch Del ist, der sich voll entfalten kann, da die schlichten Instrumentals dem charismatischen Emcee meist voll in die Karten spielen. Klingt bisher also alles ganz nett - dabei bleibt es aber leider auch. Die beiden Emcees rappen beanstandungslos wie eh und je, doch - man mag es den Instrumentals in die Schuhe schieben - volle 100% gibt es nicht. Denn bei selbigen Untersätzen von Drum und Knowledge (alias Parallel Thought) ist es nie erforderlich. In Nummern wie "Life Sucks" schrammt man dann sogar nahe am Rand zur Langeweile vorbei. Trotzdem seien noch ein paar hörenswerte Songs genannt: "Teddy" steht mit seinem Funk dem Hiero-MC hervorragend, "Specifics" fährt die typisch dämmrige Parallel Thought-Atmosphäre auf, ebenso wie das herrlich mit Drums bestattete "The Franchise", in dem Tame die Szene aufs Korn nimmt. Da von extrem kurzen Track-Längen anscheinend nicht viel gehalten wird, bietet fast jeder Song ein schönes Hin und Her der zwei Emcees und man landet trotz der nur elf Tracks bei einer gesunden Spielzeit.


Fazit:
Eine Steigerung zu etwa "Acid Tab Vocab" hat man hier in jedem Fall vor sich. Im Duo Del und Tame hat man zudem ein Gespann vor sich, das es dem Hörer nie langweilig macht und das es versteht, seine Worte gekonnt zu platzieren, dass einem die ein oder andere Line für längere Zeit im Kopf bleibt. Trotzdem ist diese Scheibe noch nicht das Gelbe vom Ei. Der Grund dafür sind einmal mehr Parallel Thought, die für einen Aufstieg in die höheren Wertungssphären auch mal ein paar Bretter in ihre Reihen aufnehmen müssten. Denn obwohl "Parallel Uni-Verses" keine nennenswerten Macken hat, bleibt es im oberen Mittelfeld kleben, weil man hier nach richtigen Highlights vergebens sucht. Doch vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung, für die man Del und Tame alles Gute wünschen darf.

Gesamtwertung: 6.4 / 10

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Boxguts & Will Taubin - Mutilator

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Release Date: 04. April 2009
Label: Johnny23 Records

Tracklist:
01. Rat Burger
02. Bottles
03. Buckets Of Phlegm
04. Mega Mosaic
05. Where's My Dub (Feat. Chief)
06. Killa Bees Vs. Butterflies
07. Electric Termite Mound Structure
08. Mutilator
09. Spineless
10. Monks
11. Earth Plus Plastic
12. Curry Ocean
13. Deadmand Walker
14. Headless Elephant Stampede
15. Sacred Tools
16. Get Soemthing (Feat. Many Styles)
17. Mutilator Extended Instrumental



Für alle, die Augen und Ohren für Normfremdes haben: Zwei kreative Köpfe aus Brooklyn treffen aufeinander, um dem New Yorker Underground ein weiteres, ganz und gar nicht alltägliches Werk hinzuzufügen. "Mutilator", die Substantivierung des Verbs "verstümmeln", ist das lose Konzept der Sessions, in denen Boxguts und Will Taubin zusammenfanden. Beide gehören dem Schuppen Johnny23 Records an, der für eigenständige, gewöhnungsbedürftige Musik bekannt ist. 2004 trat Boxguts dem Label bei, hier ist sein erster LP-Output, bei dem er alleine am Mic steht.

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Man kann es von beiden Seiten sehen: Entweder passt nichts so gut wie das Cover zum Albumtitel - oder aber (und diese Ansicht erscheint logischer) der Albumtitel passt vortrefflich zum Cover. Selbiges nämlich ist kein Einzelstück, sondern gehört in die Sammlung von Doug Hoffmann, der niemand Geringerer ist als Boxguts selbst und der neben anderen Artworks bereits für andere Künstler Album-Artworks arrangierte. Charakteristisch ist dabei der Stil des heillosen Chaos, der "Mutilator" schon im Voraus von anderen Releases abhebt. Was dann musikalisch hinterhergeschoben wird, sollte jeden Johnny23-Fan glücklich machen: Lo-Fi-Feeling, düstere, verhangene Instrumentals, brummende Basslines, exzentrische Samples und abstrakt-gewundene Rhymes. Hier wird nicht gereimt, um große Botschaften zu vermitteln oder um grandioses Storytelling zu beweisen, sondern nur der Kunst des Reimens wegen - was natürlich nicht heißt, dass in Boxguts' Wortdschungel keine cleveren Anspielungen zu finden wären. In seiner Kategorie zeigt Boxguts teilweise erstaunliche Qualitäten: Wie er sich durch "Headless Elephant Stampede" windet, verdient Respekt. Auch die schon erwähnten Instrumentals, die logischerweise alle von Will Taubin kommen, erreichen beizeiten eine Klasse, bei der der Unwissende verwundert sein darf. Sei "Electric Termite Mound Structure" als Beispiel herangezogen: Das tiefdüstere Beat-Gerüst wird bei der Hälfte des Tracks verworfen, nur um ein neues Dickicht introvertierter Klangwelten aufzubauen. Weit, weit abseits des Alltäglichen bewegen sich Guts und Will, ohne dabei allerdings eine saubere Ausführung vermissen zu lassen. Denn auch wenn der Lo-Fi-Charakter über dem Album thront, sollte man den beiden Künstlern schlampige, nicht vollwertige Arbeit gar nicht erst unterstellen. Zwar ist nicht alles auf der Platte überragend - "Mega Mosaic" schwächelt mit zu reduziertem Beat, ebenso wie "Get Something", trotz Many Styles - doch bei den restlichen Tracks eröffnet sich dem Underground-Head eine wahre Fundgrube: beruhigender Choral im Hintergrund von "Sacred Tools", verstörende Töne in "Deadmand Walker", auf die die Umschreibung "verstümmelt" in der Tat zutrifft. Unter den 17 Tracks finden sich drei Instrumentals, von denen vor allem "Mutilator Extended" zu lange dauert (der Titeltrack an sich hätte ausgereicht). "Killa Bees Vs. Butterflies" (das augenscheinlich fälschlicherweise und entgegen der Trackliste vor "Where's My Dub" kommt) dagegen bildet einen angebrachten Übergang. Zuletzt noch zwei Tracks, die Erwähnung verdienen: "Monks" schmeckt nach Fernost und ruft immer wieder Sakralgesang auf den Plan, während auch "Curry Ocean" in ähnlichen Bereichen einzuordnen ist.


Fazit:
Alles in allem hat man es hier mit einem typischen Underground-Geheimtipp zu tun, der unverdienterweise zu viel zu wenigen Ohren vordringen wird. All jene, die schon vom Cover angezogen werden, können höchstwahrscheinlich auch mit der Musik etwas anfangen. Johnny23-Fans wissen, was sie erwartet, und sie werden nicht enttäuscht. Denn letztendlich sind es Alben wie dieses, auf die sich die Underground-Liebhaber berufen, wenn sie den Mainstream anprangern und die Qualität von unbekannten Releases predigen. In diesem Fall völlig zu Recht, denn "Mutilator" ist zeitunabhängig, eigenständig, innovativ und vor allem ist es kein Aufkochen alter Rezepte aus den 90ern. Ohne die wenigen mittelmäßigen Tracks wäre hier noch mehr drin gewesen.

Gesamtwertung: 7.2 / 10

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V/A - Definitive Jux Presents... IV

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Release Date: 01. September 2009
Label: Definitive Jux

Tracklist:
01. Weathermen (Aesop Rock, El-P & Cage) - Reports Of A Possible Kidnapping
02. Camu Tao - When You're Going Down
03. Despot - Look Alive
04. Cage - Worm In Her Vein
05. Yak Ballz - Gas Galaxy
06. Mr. Lif & Miz Metro - Digi Data
07. Hail Mary Mallon (Aesop Rock, Rob Sonic, DJ Big Wiz) - D-Up
08. Central Services - We Do The Work, You Do The Pleasure
09. Rob Sonic - Domestic Animals
10. Yak Ballz - Halogen Glow
11. Chin Chin - Live Or Die
12. El-P - How To Serve Man (The Meanest Things I'd Never Say)



Definitive Jux ist einer dieser Namen, die so fest im Vokabular des Eastcoast-Fans verankert sind, dass sie nicht mehr wegzudenken wären - selbst wenn man mit der Musik, die aus diesem Hause kommt, nichts anzufangen weiß. Zugegeben, derzeit führen die Def Jukies mehr ein Schattendasein, was sie aber natürlich nicht daran hindert, immer wieder qualitativ und innovativ abzuheben. Seit 2000 "Def Jux Presents..." erschien, begleitet die Label-Geschichte diese Compilation-Reihe, deren letzter Teil vor ganzen fünf Jahren veröffentlicht wurde. Was sich seitdem bei El-P's Label so getan hat und wo man derzeit musikalisch steht, zeigt "Definitive Jux Presents... IV".

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Ziel der Compilations war es mitunter immer, einen Vorgeschmack auf anstehende Releases zu geben. Da macht der vierte Teil natürlich keine Ausnahme. Neue Gesichter werden diesmal keine vorgestellt, wohl aber alte in neuem Zusammenschluss. Der starke Kern - El-P selbst, Aesop Rock und eigentlich auch Cage - eröffnet die Show. El-P, der zu dem Album nicht viel beiträgt, agiert damit trotzdem als eines der Zentren, um das sich die diversen Emcees und Produzenten gruppieren. In besagtem Opener "Reports Of A Possible Kidnapping" schrumpft das Kollektiv der Weathermen zu den erwähnten drei Emcees zusammen. Doch das sollte nicht weiter stören, da El-P und Aesop einen wunderbaren Beat basteln, der sich zusammen mit den Raps zum tadellosen Brett mausert. Dass sich im losen Konzept der Platte danach keine fortführende Atmosphäre aufbaut, war gar nicht erst zu erwarten. So zeigt sich das schon eher erwartete Bild: diverse Kostproben, die sowohl für den Def Jux-Neueinsteiger als auch den Kenner gleichsam interessant wie auch durchwachsen ausfallen. Für "D-Up" mutieren Aesop Rock, Big Wiz und Rob Sonic zu Hail Mary Mallon, ohne dabei große Spuren zu hinterlassen - da hilft auch ein makaberes Video nicht. Auch Rob Sonic im Alleingang liegt zwar auf solidem, aber keinesfalls sonderlich auffallendem Niveau. Ein ganz anderer Aspekt der Scheibe ist das Vermächtnis von Camu Tao, dessen unveröffentlichtes Album ja bald erscheinen soll und der hier zwei Auftritte bekommt. Möge er in Frieden ruhen, doch hier, über dem Erdboden, ändert auch kein posthumer Ruhm etwas daran, dass "When You're Going Down" zwar annehmbar von ihm produziert wurde, dass sein Gesang allerdings schwer an der Grenze der Erträglichkeit liegt und gleich in der Anfangsphase den ersten Skiptrack verschuldet. Nichts anderes kann über "We Do The Work, You Do The Pleasure" gesagt werden, wo der ausfüllende Gesang erneut den Ohrenvergrauler spielt. Und wie machen sich andere gestandene Jukies? Yak Ballz hinterließe bei einem mit Def Jux nicht vertrauten Hörer wohl ein positives Bild, was in erster Linie "Gas Galaxy" in die Schuhe zu schieben ist. Cage schlägt mit seinem "Worm In Her Vein" eine Brücke zwischen dem Charakter dieses Albums und seinem eigenen, kürzlich veröffentlichten Werk, ohne dabei großartig positiv oder negativ aufzufallen. Nachdem Lif ebenfalls keine neuen Fans hinzugewinnt, darf man sich den Schmankerln des Albums widmen: Despot überrascht über einen fettes Instrumental von E*Vax und flowt sich behände durch "Look Alive", einen definitiven Anspieltipp. Schließlich noch El-P, der mit "How To Serve Man", einem gewohnten Sound-Bild und dem bissigen Ton die Pforten der Compilation schließt.


Fazit:
Braucht man diese Compilation, egal ob man nun Def Jux-Fan ist oder nicht? Nein, nicht zwingend, denn abgesehen vom Compilation-Charakter merkt man, dass sich einige der Größen keine übermäßige Mühe gegeben bzw. nicht ihr ganzes Pulver verschossen haben. Ein kleiner Statusbericht, wo Def Jux zur Zeit so steht, ist die Compilation trotzdem - der Soloauftritt von Cage beispielsweise schlägt hervorragend die Brücke zu dessen Album. Insgesamt wäre die Scheibe komplett durchschnittlich, wären da nicht die wenigen Kracher, die als einziger Kaufgrund ins Feld geführt werden können und "Definitive Jux Presents... IV" für den ein oder anderen vielleicht interessant machen könnten.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

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Brother Ali - Us

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Release Date: 22. September 2009
Label: Rhymesayers Entertainment

Tracklist:
01. Brothers And Sisters (Feat. Chuck D & Stokley Williams)
02. The Preacher
03. Crown Jewel
04. House Keys
05. Fresh Air
06. Tight Rope
07. Breakin' Dawn
08. The Travelers
09. Babygirl
10. 'Round Here
11. Bad Mufucker Pt. II
12. Best@it (Feat. Freeway & Joell Ortiz)
13. Games
14. Slippin' Away
15. You Say (Puppy Love)
16. US (Feat. Stokley Williams)




Das Erfolgsgespann geht in die nächste Runde: Wenige haben in den letzten Jahren so viel euphorische Kritiken erhalten wie Brother Ali am Mikrophon und Ant in der Regie. Der Albino Ali, der vor 2007 vielen schon als Geheimtipp galt, mauserte sich mit seinem in diesem Jahr erschienenen Album "The Undisputed Truth" zum Helden vieler neuer Hörer. Touren mit Atmosphere, die auch Europa einschlossen, untermauerten diesen neuen Status und bescherten dem Midwest-Qualitätslabel Rhymesayers ein neues Zugpferd. Doch da all dies schon zur Zwischenmahlzeit, der "The Truth Is Here" EP, gesagt wurde, seien hier keine weiteren Zeilen verschwendet: Ring frei für "Us".

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Diesmal hat er also nicht nur die Wahrheit im Gepäck, sondern auch noch eine handfeste und von Herzen kommende Botschaft: "There's no me and you, it's just us". Bei wem das Auge mithört, der darf sich über eine aufwändig hergerichtete Scheibe im Digi-Pack freuen, der die kompletten Lyrics gleich beigegeben sind. Auch wenn das Team Ant-Ali schon wesentlich länger zusammenarbeitet, ist man doch versucht, "Us" direkt mit "The Undisputed Truth" zu vergleichen - den Erfolg von 2007 zu überbieten wird schließlich kein leichtes Stück. Über eines darf man sich jedoch wieder gewiss sein: Ali hat erneut einige interessante Themen im Gepäck, die niveauvoll ausgeführt, doch trotzdem für jeden ansprechend gehalten werden: Mit Worten weiß Ali mit seinem einmaligen Singsang-Rap weiterhin problemlos umzugehen. Doch in der Vortragsweise darf man sich schon zum ersten Mal wundern, wo denn das Feuer geblieben ist, mit dem Ali 2007 noch "Watcha Got" abfeuerte. An dieser Stelle steht nun "Brothers & Sisters", in dem Chuck D den Hauptdarsteller vorstellt. Mit "The Preacher" geht Ali dann auch tatsächlich in die Vollen, ein Bläserteppich von Ant sorgt für die angemessene Kulisse. Der Song erinnert zudem daran, dass das Album ursprünglich unter dem Namen "The Street Preacher" geplant war. Dann begibt sich die Scheibe allerdings in eine entspannte Phase, die mir persönlich etwas zu lange dauert. Live-Instrumentierung hin oder her, Ant hätte es ruhig etwas mehr krachen lassen können: So hat "Bad Mufucker Pt. II" wenig mit dem gitarrenbeladenen Kracher der "Champion" EP zu tun, auch wenn die rückblickenden Lyrics über das Problemkind Ali einmal mehr überzeugen:

"Little boys and the girls they both packed heat
Both had something I need from 'em in their pants see
Broads got that booty all felt up in the backseat
Dudes got their lunch money boosted and their ass beat
'Can I get it back?', fuck naw don't even ask me
"

Ob Freeway und Joell Ortiz die richtigen Gäste sind, ist die nächste Frage, die man sich ernsthaft stellen sollte. "Best@It" ist solide, aber streckenweise nicht packend. Die Eindrücke und ersten Ängste, dass hier die Qualität des Vorgängeralbums nicht gehalten wird, sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ali von Anfang bis Ende ein hohes Niveau fährt: "House Keys" ist zwar sehr ruhig, erzählt aber eine lustige Geschichte, in der Ali aus Geldnot einen Teil seines Hauses vermietet, nur um laute, dealende Übermieter zu bekommen, zu deren Wohnung er den im Titel erwähnten Schlüssel noch immer besitzt. Geschichten wie diese weiß Ali perfekt vorzutragen; das war so, und das bleibt auch hier so - ein anderes Beispiel ist "Slippin' Away", in dem von Kumpel Ethan berichtet wird, dessen Leben dem Hustler-Dasein zum Opfer fällt. Nach wie vor stark ist die Zusammenarbeit zwischen Ant und Ali, die eine Übereinstimmung zwischen Atmosphäre und Inhalt garantiert. Daran, dass Ant keine wirklichen Bretter (wie sie auf "The Undisputed Truth" durchaus zu finden waren) zimmert, ändert das nichts. Die Notwendigkeit eines Tracks, der im Jahr anno Sklaverei spielt und der gepeinigten schwarzen Rasse verschrieben ist, erhebt sich zwar keineswegs, doch beschweren sollte man sich deswegen ob der starken Rap-Show nicht. Ein weiteres ernstes Thema gibt es in "Babygirl", das die inneren Narben eines Vergewaltigungsopfers offenlegt. Trotz dieser einwandfreien Stücke wären einige Beats von Ant, die dem Blues/Soul-Konzept mehr Power zugrunde lägen und auf denen es Ali vergönnt wäre, etwas mehr aus sich herauszugehen, wünschenswert - denn nur dann kann der Albino seine Rap-Stärken voll ausspielen. Ein Schritt in diese Richtung ist "Games", das sich als einziger Song die staatlichen Missstände zur Brust nimmt und zudem das Bild, das u.a. auch einige Rapper-Kollegen vom gesetzeswidrigen Weg des Geldschäffelns zeichnen, aus seinem positiven Licht rückt ("Shit, ain't nothing like The Sopranos / Real talk, you're probably better off at McDonald's"). Noch unerwähnt sind bis jetzt das Beat-technisch mittelmäßige "Round Here" sowie das stimmige "Fresh Air". Ein Streicherkostüm, auf das auch Slug bestens gepasst hätte, bietet "You Say", während in "Us" der Bogen zum Intro gespannt wird und das Album langsam ausklingt.


Fazit:
Die Frage, ob dieses Album gut sei, stand von Anfang an nicht zur Diskussion. Vielmehr sollte hier geklärt werden, wie gut "Us" ist. Und genau deshalb muss sich Ali - bzw. Ant - an dieser Stelle auch Kritik gefallen lassen. Die Scheibe ist ohne Zweifel gut, sie ist auch besser als die "The Truth Is Here" EP, doch Luft noch oben wäre reichlich gewesen. Das ist nicht unbedingt schlimm, doch in jedem Fall schade. So baut "Us" eine schöne Atmosphäre auf, die dem Albummotto ein attraktives Äußeres gibt. Besagte Kritik existiert also nur, weil man weiß, was außerdem möglich gewesen wäre: Ein paar Rhymes, in denen Ali auf die Kacke haut und die von Ant entsprechend vertont werden. Trotzdem ist "Us" (bis jetzt) eines der besten Alben des Jahres und schlittert nur knapp an einer höheren Wertung vorbei.

Gesamtwertung: 7.2 / 10

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Bound By Honor - B For Vendetta

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Release Date: 18. August 2009
Label: Magnus Records

Tracklist:
01. Only An Intro (Feat. Raydar Ellis)
02. Rippin The Rythm
03. Made In Korea
04. Light 'Em Up
05. Go Time (Feat. Raydar Ellis & Esoteric)
06. Spanish Fly
07. Character Assassination (Feat. Chino XL)
08. Buried Alive
09. Industry (Feat. Raydar Ellis)
10. Bord Dead (Feat. Rugged Intellect)
11. Killin' It
12. Lab Rats (Feat. Raydar Ellis)
13. Rain On Your Parade (Feat. Raydar Ellis)
14. Sport And Survival
15. Spin Master Grant (Skit)
16. Word Play
17. Age Of Decadence
18. Sadist
19. Cloud 19
20. B For Vendetta



Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit Big John mit "The Next Step" sein zweites Soloalbum veröffentlichte - das damals mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Seitdem war der Herr aus dem Nordwesten Amerikas nicht untätig. Nur anstatt sein nächstes Soloalbum aufzunehmen, gründete er ein Duo mit dem Kollegen Mic Daily, der ebenfalls aus Tacoma stammt und auch schon auf "The Next Step" einige Wörtchen mitzureden hatte. Zusammen ist man nun Bound By Honor und zeigt Der Welt mit 20 Tracks, verschnürt als "B For Vendetta", dass man von kurzen Alben nicht viel hält.

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Dass dem platten Namen und dem noch viel dämlicheren Wortspiel im Titel reimtechnisch nicht viel folgt, werden die meisten, die mit "The Next Step" vertraut sind, ahnen. Big John ist, um es vorsichtig auszudrücken, ein bescheidener Rapper. Mic Daily hat ein wenig mehr auf dem Kasten, aber auch hier gab es die Skills in der Kindheit nicht mit großen Löffeln. Was bei Big John und dem eigenen Label Magnus Records viel wichtiger ist, sind die Connections: Auf dem letzten Album waren es R.A. The Rugged Man, Canibus und Kool G Rap, hier ist es vor allem Raydar Ellis, aber auch z.B. Chino XL. An den produzierenden Namen hat sich nicht viel geändert, abgesehen davon, dass Loptimist anteilmäßig kräftig zugelegt hat und über die Hälfte der Instrumentals beisteuert. Die Freundschaft zu Esoteric besteht natürlich weiterhin, was auch hier einen Auftritt des Bostoners verheißt. Bei der Musik selbst wird Big John zwar nicht mehr von einem Canibus in Grund und Boden gerappt, doch ein Raydar Ellis reicht mehr als vollkommen aus, um mit seinem Verse in "Only An Intro" die vorausgehenden Mic und John bis aufs Unterhemd zu entblößen. Der Loptimist-Beat dagegen taugt perfekt als Intro und geht gut nach vorne. Damit wäre man auch schon beim Knackpunkt des Albums: Die Beats sind gut, die Raps ganz und gar nicht. Als Segen wie auch als Fluch erweisen sich die Gäste, die einerseits durchwegs erfreuliche Bars spitten, andererseits aber auch gnadenlos darauf hinweisen, wie plump die eigentlichen Protagonisten agieren. Natürlich werden hier auch keine Konzepte vom Zaun gebrochen oder etwa Anstrengungen angestellt, mit einer Grundthematik Bezug zum Albumtitel herzustellen. Diese B-Klasse-Battle-Raps machen es einem nicht schwer, den Fokus voll und ganz auf die Beats zu legen. Hier finden sich einige sehr angenehme Überraschungen, ob der vielen Anspielstationen aber auch einige Filler. Nachdem man also nach dem Intro dem wohlklingenden Raydar Ellis vorerst Lebwohl gesagt hat, döst sich das Album bis zum relaxten "Light 'Em Up", um dann in "Go Time" Wohlvertrautes zu servieren: Selbige Produktion verscherbelte Loptimist schon an Amadeus The Stampede als auch Randam Luck (und bei Bound By Honor hat man es nicht mit der besten Verwertung zu tun). Doch damit hat man die einzige Mogelpackung der Platte abgehakt. Es gilt erstaunlich oft: Wo keine Gäste zugegen sind, passiert nicht viel. Ausnahmen sind "Word Play", auf dem Loptimist seine Bauklötze zu einem wirklich erfrischenden Beat-Türmchen zusammenstöpselt, aber auch "Born Dead", für dessen mittelmäßigen Beat und Performance von John jede Hilfe zu spät kommt. John's aufgesetzte Aggressivität will hier keine Pluspunkte mehr sammeln - im Gegenteil. Glücklicherweise gibt es Stücke wie das trompetengetriebene "Spanish Fly" von niemand Geringerem als Kutmasta Kurt, das schon in der Instrumental-Version genügend Unterhaltungswert an den Tag legt, aber hier auch eine starke Hook abbekommt. Auch Kurt's zweiter Beitrag, "Character Assassination", entpuppt sich als dicker Kopfnicker, von dem Chino's Verse selbstredend das Highlight bildet.


Fazit:
Und so ließe sich jeder Track abhandeln: Beats, die von "gut" bis "mittelmäßig" variieren, kombiniert mit den Raps, für die gilt: Gast über Mic Daily über Big John. Für die Gastgeber selbst ergibt das eine Bilanz, die ihnen und ihrer Tätigkeit als Emcees zu denken geben sollte. Strikte Battle-Raps müssen nicht gleich das Todesurteil bedeuten, man kann sie schließlich auch attraktiver anrichten, sie vor allem in einen besseren Flow packen. Doch dafür muss bei Bound By Honor einiges passieren. All jene, die Loptimist-Beats schätzen, werden hier auf ihre Kosten kommen. All jene, die es schaffen, bei den Raps wegzuhören, werden das Album aufgrund der Beats als solides Werk einschätzen, denn hier werden einige gute Produktionen vor die Säue (alias John und Mic) geworfen. Ebenjene Beats retten "B For Vendetta" dann auch vor schlechten Noten.

Gesamtwertung: 5.1 / 10

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Donnerstag, 8. Oktober 2009

Termanology - Time Machine (Hood Politics VI)

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Release Date: 22. September 2009
Label: ST. Records

Tracklist:
01. Nobody's Smilin'
02. Brown Paper Bag
03. Stick Up (Feat. Sheek Louch & Quest Tha Young'n)
04. Time Machine (Feat. Reks)
05. Wild Puerto Ricans (Feat. Tony Touch & Ea$y Money)
06. Forever (Feat. Superstah Snuk)
07. My Boston (Feat. Singapore Kane & Big Shug)
08. Hold That
09. It’s A Shame (Feat. Joell Ortiz)
10. Gods World
11. Music Industry (Remix) (Feat. Royce Da 5'9, Crooked I, Akrobatik & Consequence)
12. Passion Iz Money (Feat. Lil Fame & Quest Tha Young'n)
13. Bout To Go Down (Feat. Superstah Snuk & H Blanco)
14. Nothing Iz Real
15. Good Day (Feat. Ghetto & Hectic)
16. I See Dead People



Für alle BoomBapper führte im letzten Jahr kein Weg an Termanology vorbei. Nicht etwa, weil er der beste Emcee der letzten Zeit wäre. Nein, das sicherlich nicht. Der Grund ist vielmehr bei denen zu suchen, mit denen er sich umgibt - sein offizielles Debüt konnte ein Producer-Lineup aufweisen, das vom Gehalt her oft mit "Illmatic" verglichen wird. Damit hat Term es inzwischen geschafft, sich vollends zu etablieren. Um nicht untätig zu sein und den Namen im Gespräch zu halten, wird gleich das nächste Werk veröffentlicht: Da "Time Machine" nur das zusammenkratzt, was gerade so an Tracks verfügbar ist, um dann noch ein paar neue hinzuzufügen, reicht es nicht für ein offizielles Album, weswegen es einfach der "Hood Politics"-Reihe angerechnet wird, die Term seit jeher begleitet und nun bereits beim sechsten Teil angelangt ist.

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Trotzdem hat man es hier nicht mit einem banalen Mixtape zu tun. All new beats, all new rhymes - so ist es schnell und fast wahrheitsgemäß auf den Punkt gebracht. Und bei den Produzenten wurde mal wieder nicht mit großen Namen gegeizt. Doch sah man schon bei "Politics As Usual" von dem manipulativen Gewicht der Gäste ab, blieb von Termanology dem Solokünstler nicht mehr übrig als ein Äquivalent seiner Körpergröße. Rappen kann er, einen beanstandungslosen Flow hat er, doch wer sich nicht gerade als Groupie zählt, der bekommt bei der höchst unpotenten Stimme des Halb-Latinos keine weichen Knie. Rechnet man nun noch die Lyrics, die es mit Mühe und Not ins Vorabendprogramm schaffen, hinzu, kann man froh sein, dass hier so viele Namen ans Mic geladen werden. Da ist es gut, dass "Time Machine" gar nicht erst den Anspruch eines voll gültigen Albums erhebt, weist aber gleichzeitig auf die mindere Qualität hin. Trotzdem hat es sich etwa ein Pete Rock nicht nehmen lassen, mit "Hold That" einen astreinen Beat beizusteuern - dem dann leider das stimmliche Gegengewicht am Mic fehlt. Und wie schon erwähnt ist auch Term's andauernde Selbstinszenierung als Rap-Wunderkind kein Grund, die Lauscher gespannt zu halten. So findet man sich schnell in einem großen Haufen Bumtschak-Mittelmaß, das sich etwa in "It's A Shame" in sterbenslangweiligen Tiraden gegen die untersten Mitgleider der Nahrungskette - die Snitches - entlädt. Richtiger Spaß kommt selten auf. Einer der wenigen Fälle ist "Wild Puerto Ricans", das nach seinem grandiosen Start zwar eigentlich gar nicht so besonders ist, aber trotzdem mordsmäßig Stimmung macht - hier passt's einfach. Anders "Stick Up", in dem Term's Flowvariation einem Griff in einen großen Dunghaufen gleichkommt. Sein Problem wird hier oft und deutlich bloßgestellt: Der Rahmen an Beats, auf denen er wirklich gut ankommt, ist erschreckend klein. Abgesehen davon, dass "I See Dead People", ein Spaziergang durchs Leichenhaus, von The Alchemist zu lasch produziert wurde, gibt es auch seitens der Raps eine Vorstellung zum Einschlafen. Ähnliches gilt für "Forever". Auf Street-Tracks wie "My Boston" wiederum kann Term flowen, wie er will - gegen einen Big Shug (von dessen Album dieser Track auch entnommen wurde) verblasst er. Im Voraus interessant war noch Large P's Beitrag, "Time Machine", doch dem soliden Werk fehlt zum Ohrwurm mehr als nur der letzte Schliff. "We about to make classic Boom Bap rap ish, that's it", spricht Reks. Dann muss man sich bei schludriger Ausführung allerdings auch Kritik gefallen lassen. Nach dem trostlos langweiligen "Brown Paper Bag" schafft es mit "God's World" (inklsuive käsigem Michael Jackson-Sample) schließlich noch ein kompletter Blackout aufs Album, der vom herrlichen "Nothing Iz Real" zumindest ausgeglichen wird - hier hat man es mit dem Highlight der Platte zu tun, dessen leicht melancholische Atmosphäre Term endlich positiv zur Geltung bringt.


Fazit:
Ich weiß immer noch nicht, ob ich nun positiv überrascht sein soll oder nicht. Schließlich waren es doch noch einige hörenswerte Tracks, von denen es zwei ("Nothing Iz Real" und "Wild Puerto Ricans") eventuell sogar ins Langzeitgedächtnis schaffen. Das ändert natürlich nichts daran, dass Termanology auf Albumlänge eine anstrengende Angelegenheit bleibt. Vielleicht wäre es überlegenswert, einen einzigen Produzenten für das nächste Album zu suchen - gesetzt der Fall, dieser Produzent liegt auf einer Wellenlänge mit Termanology, was ja alles andere als einfach ist. "Time Machine" jedenfalls ist eine akzeptable Verköstigung bis zum nächsten Longplayer, punktet mit vielen der Instrumentals (und hebt sich damit auch über den Durchschnitt), ist aber als Gesamtheit absolut nichts, was man gehört haben muss.

Gesamtwertung: 5.6 / 10

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Crown City Rockers - The Day After Forever

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Release Date: 29. September 2009
Label: Gold Dust Media

Tracklist:
01. Intro
02. Break
03. Soul
04. Kiss (Feat. Silya)
05. Go On (Feat. Aima)
06. Astroshocks
07. Go Away
08. Crusin' (Feat. Destani Wolf)
09. Let's Love
10. Clap Your Hands (Feat. Aima)
11. Make It Hotter
12. That's Life (Feat. Jason Jasper)
13. The Forever Song



Alle, die sich bisher wenig oder gar nicht mit den Crown City Rockers befasst haben, bekommen nun Gelegenheit dazu: Denn neben einem Deal bei Gold Dust gibt es natürlich auch ein neues Album, das nunmehr dritte. Hier sei nochmal eine kleine Vorstellung gegeben: Das fünfköpfige Gespann hat sich ursprünglich in Boston gegründet, ist inzwischen aber in Oakland anzutreffen und besteht neben der weiblichen Keyboarderin Kat 010 aus dem Emcee Raashan Ahmad, dem Produzenten / Bassisten Headnodic, Drummer Mac MacVeety und Produzent Woodstock. Das dritte Album der CCR trägt den Titel "The Day After Forever".

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Musikalisch passen die CCR vortrefflich in die Bay Area bzw. deren Non-Gangsta-Szene. Das zeigte sich spätestens, als Headnodic als Teil der Mighty Underdogs auftrat. Im Verband wollen die Rockers mit Live-Instrumentalisierung und funkigen Vibes punkten. Was der Hörer davon in erster Linie mitbekommt, sind also die organischen Sounds und die Rhymes von Raashan Ahmad, den man eventuell von seinen jüngsten Solounternehmungen (u.a. dem Album "Push") als bodenständigen Handwerker am Mic, der sich in jedem Gefilde zurechtfindet, kennt. Im Gegensatz zum luschen "Push" allerdings wird hier mehr Atmosphäre aufgebaut. Während im "Intro" diverse Wecker den Hörer wachklingeln und in "Break" noch ein öder und fruchtloser Fehlstart hingelegt wird, entfaltet das Album schnell seine positive Seite. Relaxte Musik, die sich, suchte man einen Vergleich, vage durch eine Mischung aus den ostküstlichen Panacea und Time Machine andeuten ließe. Qualitativ spielen die CCR allerdings eine Liga tiefer. Doch deshalb spielt sich "Soul" trotzdem mit lässiger Unbeschwertheit und permanenten Allusionen alter Soul-Legenden ins Gehör. Wie viele andere Künstler in diesen Gewässern sind auch die CCR für große Euphorie zu harmlos, doch in ihrem Rahmen wird eine saubere Show abgezogen, die ihre Akkus mit Sonnenschein lädt. Der stimmlich eher moderat besaitete Raashan sitzt den Kompositionen seiner Teamkollegen dabei immer sachte auf, tritt für manche Songs gar einen Schritt gen Hintergrund. Da versteht es sich von selbst, dass "Cruisin" auf dieser Platte auf einem Tempominimum vonstatten geht. Die Hook von Destani Wolf fügt sich, wie auch alle anderen Gast-Hooks, reibungslos in die Ästhetik dieses Albums ein. Das weibliche Geschlecht spielt für Ra selbstverständlich ebenfalls eine wichtige Rolle, und so werden das funkige uptempo "Kiss" mit nettem Storytelling sowie "Let's Love" dieser Thematik gewidmet. Selbst wenn in "Clap Your Hands" die Party-Aufforderung an die Menge gegeben wird, geschieht das ohne Eile und in derselben smoothen Weise wie auf dem Rest des Albums. Zusammen mit der gesampelten Hook hätte man hier schon einen perfekten Abschlusstrack. Doch es folgt noch u.a. "Make It Hotter", das mit Flöten- und Streicher-Sample zwar der Titelaufforderung nicht nachkommt, dafür aber erneut zu überzeugen weiß. "Astroshocks" weicht leicht von den Songs, die es umgeben, ab und versucht, abstrakter und futuristischer zu klingen. Doch das, was sonst geboten wird, reicht vollkommen. Vor allem das Highlight der Scheibe, "Go Away", weht mit kräftiger Drumline wie eine frische Brise und vertreibt - wie Ra schon rappt - die täglichen Probleme. Am Ende und vor allem mit "Forever Song" wird dann die Albumthematik angerissen: "When it's all said and written / The people keep on, the clock keeps tickin".


Fazit:
Zuerst muss man den Crown City Rockers vorwerfen, dass sie ihr Album zur falschen Jahreszeit veröffentlicht haben. Nicht zum Beginn des Herbstes, viel eher Ende Frühling oder Anfang Sommer hätte die Atmosphäre der Platte voll eingeschlagen. Abgesehen davon versetzen die CCR keine Berge, sondern schaffen sich zwischen hohler Party- und wüster Gangster-Musik eine kleine Nische souligen True School HipHops, die nicht unbedingt große Denkanstöße liefert, ebenso wenig wie sie den Hörer voll in ihren Bann zieht - dafür ist sie, wie gesagt, zu harmlos. Aber wer abschalten und Seele oder Gedanken schweifen lassen will, der kann ohne Bedenken zu "The Day After Forever", keinem überragenden, aber einem guten Album, greifen.

Gesamtwertung: 6.7 / 10

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Jak Progresso - Pestilence

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Release Date: Juli 2009
Label: Johnny23 Records

Tracklist:
01. Intro (A Festival)
02. Bad Eden
03. Helium Hive
04. Run On Johnny
05. Drain Fly
06. Stimulus Black
07. Birth of Razorback
08. Memoirs
09. Yip Wreck
10. Human Monster
11. Electric Mountain
12. Good Mourning
13. In Grey
14. The Magic Nobody
15. Spinning Box
16. Vibes



In einschlägigen Rap-Kreisen gibt es sicherlich nicht viele Künstler, die sich selbst mit okkultem Ideengut in Verbindung bringen. Ob der Begriff bei Jak Progresso wirklich angebracht ist, bleibt eine ganz andere Frage, aber es ist einer der unzähligen Punkte, in denen sich dieser Herr von seinen Artgenossen abhebt. Jak Progresso ist anders. Eine Person, die sich um ihre Umwelt wohl so wenig schert wie irgend möglich. Im 2006er "Random Violence", das im Namen von Creative Juices veröffentlicht wurde, findet sich sein bisher "bekanntestes" Album. Denn inzwischen ist CJ Geschichte und Jak zurück bei Johnny23 Records, was ihn nicht davon abhält, noch tiefer in den Untergrund abzutauchen. So tief, dass das seit langem angekündigte neue Album "Pestilence" nun so heimlich, still und leise veröffentlicht wurde, dass es kaum jemand bemerkt hat.

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Mit dem neuen Album verabschiedet man sich auch vom fast schon freundlichen Sound-Bild, das "Random Violence" bot. Man ist zurückgekehrt zu Beats, die von Branestorm, Misilanious und Jak selbst gesteuert werden und den Bodensatz an Rawness verkörpern. Langsame, rumpelnde Drumlines bilden das Rückgrat der Platte und versprühen einen gewissen Lo-Fi-Charakter, den man von Jak schon ausgiebig gewohnt ist. Hinzu kommt die Performance von Jak, die diesmal ohne jegliche Gastbeiträge auskommt. Im Gesamtpaket fühlt man sich zuerst wieder einmal vor den Kopf gestoßen, doch bei wiederholtem Konsum der oberflächlich als abstoßend abgestempelten Platte zieht sie den Hörer in einen Bann, der im Rap-Game gänzlich einzigartig ist. Neben den Instrumentals trägt einen Großteil der Schuld daran Jak selbst, da er sich wieder einmal in Bestform zeigt und aus seinem kranken Oberstübchen eine Stunde voll befremdender, doch bestens unterhaltender Zeilen extrahiert. Dem Album gehen mit "Intro (A Festival)" knappe drei Minuten unerklärlicher Geräuschkulisse voran, bis in "Bad Eden" dann endlich die gewohnt hysterisch-teuflische Stimme des Jak ertönt. Da der anfangs erwähnte okkulte Aspekt hier, im Gegensatz zur "Occult Seminar" EP, nicht im Mittelpunkt steht, sei nur gesagt: Jak Progresso tut genau das, wofür man ihn kennt. Wirre, abstrakte Zeilen, menschenverachtende, das Leben mit Füßen tretende Gedanken, zusammengefasst: Gegen Jak Progresso sind Eric Cartman's Woodland Christmas Critters reinster Kindergarten. Beispiel gefällig? Jak versinkt in Gedanken, um sich mit einem Stück Fleisch in der Hand und Blut, das ihm aus dem Mund läuft, vor seinem weiblichen Gegenüber, welchem ein Stück Wange fehlt, wiederzufinden ("In Grey"). Ebenfalls charakteristisch sind die wahllos eingeworfenen Gedanken, die Jak zum Besten gibt. Wann und wie er Hooks einbaut, scheint ihn wenig zu kümmern. Die Sound-Kulisse wechselt ständig von leisen, mystischen Tönen zum Soundtrack eines Horrorfilms: tief donnernde Klavierklänge grüßen in "Helium Hive", verstörendes Summen in "Drain Fly". Einquartiert im Mt. Vernon Hospital, verfasst Jak seine "Memoirs, die erstmals Stellung zu Creative Juices nehmen, "Random Violence" verklären und gegen IDE schießen. Misilanious stattet Jak in "Spinning Box" mit Chorgesang aus, in "Yip Wreck" dominiert ein Horrorszenario, in dem es sich Jak äußerst gemütlich macht. Zynisch ruhige Klänge bietet "Stimulus Black", während zuvor in "Run On Johnny" die Welt noch in Dunkelheit getaucht wird. Mit "Vibes" erlaubt Jak dem Hörer dann, seine kleine, diabolische Welt zu verlassen.


Fazit:
Man will gar nicht in die Tiefen des Innenlebens Jak Progresso's steigen, um dort zu versuchen, zu heilen, was noch an Menschlichkeit übrig ist. Denn das würde dem Ende von Alben wie diesem hier gleichkommen. Wer ein offenes Ohr für den beschriebenen, mehr als nur makaberen Stil hat, der wird in Jak Progresso's neustem Machwerk einmal mehr einen Trip erleben, den andere Rapper nicht im Angebot haben. Dass "Pestilence" dabei nicht ganz an "Random Violence" herankommt (über diese Anmerkung würde sich Jak selbst, für den "Random Violence" nicht mehr exisiert, wohl grün und blau ärgern), stört nicht wirklich. Den Spaß an der Sache hat Jak nicht verloren, der Stil ist - und das können die wenigsten von sich behaupten - raw wie eh und je. Man darf gespannt sein, was in Zukunft noch so kommt.

Gesamtwertung: 7.2 / 10

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KRS-One & Buckshot - Survival Skills

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Release Date: 15. September 2009
Label: Duck Down Records

Tracklist:
01. Survival Skills (Feat. DJ Revolution)
02. Robot
03. The Way I Live (Feat. Mary J. Blige)
04. Clean Up Crew (Feat. Rock)
05. Oh Really (Feat. Talib Kweli)
06. Connection (Feat. Smif-N-Wessun)
07. Runnin Away (Feat. Immortal Technique)
08. Think Of All The Things (Feat. K'Naan)
09. One Shot (Feat. Pharoahe Monch)
10. Amazin (Feat. Sean Price & Loudmouf Choir)
11. Hear No Evil
12. Murder 1 (Feat. Bounty Killer)
13. We Made It (Feat. Slug)
14. Past * Present * Future (Feat. Melanie Fiona & Naledge)



Das nächste schwergewichtige Album aus dem Hause Duck Down steht an. Zwischen KRS-One und Buckshot hat es wohl nun endgültig gefunkt, da man sich entschloss, ein gemeinsames Album aufzunehmen, mit dem man der BoomBap-Gemeinde gehäuft auftischt: Namhafte Producer und reihenweise Gäste zieren die Tracklist von "Survival Skills". Dass es zu diesen beiden stehenden HipHop-Begriffen nicht mehr viel zu sagen gibt, sollte klar sein - was sie im Zusammenschluss zustande bringen, bleibt abzuwarten.

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Die Gewinner des neuen Jahrtausends waren beide nicht unbedingt. Buckshot konnte zwar mit den 9th Wonder-Kollabos viel positive Resonanz einfahren, vermochte aber nie die Akzente eines Sean Price zu setzen. Und für den Blastmaster KRS fand die geistige und musikalische Talfahrt zuletzt Tiefpunkte im Gründen einer eigenen Religion bzw. dem Release von z.B. "Adventures In Emceein'", mit dem er es - wäre das Album nicht so gnadenlos unbeachtet geblieben - beinahe geschafft hätte, seinen eigenen Legendenstatus zu kippen. Was einen dann auf dem hiesigen Design begrüßt, droht, gleich dort weiterzumachen: Eine selten bescheuerte Visualisierung des Albumkonzepts, das ja laut Buckshot eigentlich den HipHop selbst als Überlebenswerkzeug meint, zeigt KRS und Buck am Lagerfeuer mit erschlagenem Bären oder auch Buck mit Holzspeer auf Fischjagd. Glücklicherweise geht es auf dem Album dann nicht auf diesem Niveau los: Der Titeltrack mit DJ Revolution ist zwar nichts besonderes, verrichtet aber einen guten Job als Opener. Direkt im Anschluss wird mit der schon seit langem bekannten Single "Robot" gegen Biting anhand des Auto-Tune-Beispiels gewettert und Roger Troutman kräftige Props zugeschoben. So langsam wird klar, dass sich das Albtraumbild nicht bewahrheitet. Nach selbigem nämlich erginge sich KRS-One in wirren Predigten, nuschelte sich Buckshot saft- und kraftlos durch seine Parts und wären die Beats ein Mix aus lahmem Altaufgekochtem und lächerlichen Versuchen, neue Trends einzufangen - "Adventures In Emceein'" sei an dieser Stelle gegrüßt. Doch glücklicherweise spielt KRS für den Großteil seiner Spielzeit den Battle-Raps kickenden Veteranen, ohne dabei die "Back in the days"-Karte bis zum Erbrechen auszuspielen. Buckshot bleibt durch die Bank weg und vor allem bei stimmgewaltigen Gast-Raps etwas blass, die Instrumentals sind aber meist im kompatiblen Bereich angepflanzt. "Connection" zum Beispiel knüppelt in Moss'scher Manier nach vorne und hätte dem Feeling nach auf "Reloaded" gepasst. Ein kleiner Kritikpunkt sind die Black Milk-Beats, die mit ihrem Detroit-Flair - ohne Urteil über die Qualität - nicht so ganz passen wollen: In "Runnin Away" kämpft Buck mit geringem Erfolg gegen Black's Trademark-Snares an, während Immortal Technique's altbekannte Leier gegen die staatlichen Einrichtungen ebenfalls ein nur in sich beanstandungsloser Fremdkörper ist. Während ein Teil als austauschbarer BoomBap nicht schlecht ist, aber auch nicht im Gedächtnis bleibt (z.B. "Hear No Evil"), kommt mit "Think Of All The Things" tatsächlich Abwechslung in die Platte, die in erster Linie K'Naan's starkem Auftritt zuzuschreiben ist. "Clean Up Crew" ist mit Streichern und Hörnern schön auf Rock zugeschnitten, während Bounty Killer mit seinem Input in "Murder 1" dafür Sorge trägt, dass seine Spuren auf dem Album zu hören sind. Der Rest schwankt zwischen Gutem ("Oh Really", "One Shot") und Vernachlässigebarem ("Amazin", "We Made It" mit einem unauffälligen Slug). Den Abschluss macht "Past * Present * Future", das noch einmal hervorragend vor Augen führt, wieso und wie gut Buck und 9th harmonieren: Das weiche Drum-Geäst des neunten Wunders trägt wenige andere MCs so gut wie Buckshot.


Fazit:
Ein überragendes Werk ist dem Duo Buckshot / KRS-One nicht unbedingt gelungen. Doch zumindest ein von vorne bis hinten gut hörbares. Wahrscheinlich sogar ein besseres, als beide jeweils alleine fertig gebracht hätten. Von beiden Emcees hat man nach Genuss des Albums keine Überdosis zu beklagen, mit der durchaus abwechslungsreichen Gästewahl wird das Bild komplettiert. Die Instrumentals sind - wenn auch keine Großtaten - fast durchgehend gelungen und versorgen KRS-One und Buckshot von Anfang bis Ende mit dem nötigen Untersatz. Alles in allem zeigt "Survival Skills" zwei Altmeister, die es schaffen, ihr Gesicht zu wahren und ein knapp gutes Outcome zu liefern.

Gesamtwertung: 6.6 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Donnerstag, 1. Oktober 2009

N.O.R.E. - S.O.R.E.

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Release Date: 15. September 2009
Label: Thugged Out Militainment / SMC Recordings

Tracklist:
01. Take Ya Face Off (Feat. Raekwon & Tony Sunshine)
02. Get It In (Say What)
03. Move (Feat. Jim Jones & Nina Sky)
04. My Girl Gangsta (Feat. T-Pain)
05. Good Day
06. Set Trip (Feat. Bun B)
07. By Myself
08. On & On (Feat. Sean Kingston)
09. Shorty Look Good
10. Phone Call 2 Heaven
11. Body In The Trunk 2
12. I Wasn't Wrong
13. Fake Nigga
14. Letter 2 Norieaga (Bonus)



Wer hätte gedacht, dass nach dem neuen Album von Capone-N-Noreaga noch im gleichen Jahr Solowürfe von beiden Mitgliedern des QB-Duos das Licht der Welt erblicken würden? Anscheinend herrscht eine gute Arbeitsmoral bei den beiden. Dabei war das Album von Noreaga alias N.O.R.E. bereits seit einiger Zeit angekündigt. Stand sein Debüt für "Niggas On (The) Run Eatin'", so wird nun das erste Wort durch "Still" ersetzt, um zu verdeutlichen, dass sich an der Einstellung des Dickerchens nichts geändert hat. Ob die Qualität, die in N.O.R.E.'s Karriere weitesgehend abwesend war, mitzieht, ist eine ganz andere Frage.

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Zuletzt gab es von N.O.R.E. das mehr als durchwachsene "Noreality", davor einen Ausflug in Reggaetone-Gefilde. Was hier geschieht, ist eine konsequente Fortsetzung des N.O.R.E.-Solo-Stils, der sogar mit "Channel 10" wenig zu tun hat und in dessen Zusammenhang man von der Nennung des (mit positiven Momenten assoziierten) Alias "Noreaga" lieber absieht. Denn "S.O.R.E." ist schlecht. Wie schlecht, bzw. wieso schlecht, das gilt es zu ergründen. Als ersten Kritikpunkt darf man ins Feld führen, dass N.O.R.E. sowohl bzgl. seines Unterhaltungswerts am Mic sowie auch im Empfinden seines Status unter gnadenloser Selbstüberschätzung leidet. Dass die Themenwahl nicht über Niedrigstniveau hinausgehen würde, war absehbar - dass die ganze Chose mit einer unschönen Auswahl an Gästen und mittelmäßigen Rhymes angereichert werden würde, war höchstens zu befürchten. Doch wo im von Tuneheadz annehmbar (aber aggressiv die Ohren angreifend) produzierten "Take Ya Face Off" mit Raekwon und einer Tony Sunshine-Hook noch ein passabler Einstieg hingelegt wird, begibt sich der schwergewichtige Latino schnell auf Talfahrt. Warum man im Prinzip bis zu "Good Day" durchskippen kann, sei später erklärt, an dieser Stelle sei der Song nur als Beispiel herangezogen: Ruhige und vor allem gemäßigte Klänge stellen, in der Minderheit, den Kontrast zum dominierenden Rest, der als "Lärm" zusammengefasst sei, dar. Das dabei "Good Day" ein einfallsloser Abklatsch des Ice Cube-Klassikers ist, nimmt jedoch auch diesem Song die Butter vom Brot. In selbige Kategorie kann man "By Myself" stecken, in dem sich N.O.R.E. ausgiebig mit sich selbst, seinen Errungenschaften und Lastern, beschäftigt. "Shorty Look Good" ergeht sich in viel Alkohol und (hauptsächlich) Sex, was N.O.R.E. laut Eigenaussage in den Status eines "Cocksmith" erhebt - was sicherlich nicht weniger langweilig anzuhören ist, als es sich hier liest. Weitere ruhige Songs sind "Letter 2 Heaven", das natürlich nur ein Brief an Pun sein kann, sowie das überraschend annehmbare "I Wasn't Wrong" (wenn auch das Sample im Beat schon besser verpackt und bespittet wurde). Damit zur Fraktion, die diesem Album den Strick dreht - Synthies, gelangweilte Standardgäste und Party-Rhymes. "Move" tut fast schon physisch weh, der "Set Trip" ist, im reudig misslungenen Versuch, dem Gast entgegenzukommen, so stinklangweilig, dass simples Skippen einem zu geringen Ausdruck der Geringschätzung dieses Songs gleichkäme. Und wo "On And On" nicht weniger kreativ, dafür aber fast mit Ohrwurmpotential gerüstet ist, vergehen die Trommelfellanimateure "Body In The Trunk 2" und "Get It In" am Rande zur Nichtexistenz. Während man sich noch durch einen unauffälligen und belanglosen Disstrack gegen einen gewissen Juda hangelt ("Fake Nigga"), erwartet einen das schlimmste Instrumental zum Schluss: "Letter 2 Norieaga" vergleicht in zwei Verses den echten Noriega aus Panama mit dem hiesigen, während die explizit hervorgehobene Latino-Rassengleichheit N.O.R.E. als Grund zur Blutsbruderschaft genügt.


Fazit:
"Yo Pone, let me keep this for my solo" sagt N.O.R.E. zu Beginn von "Move" und tut seinem Partner damit höchstens einen Gefallen. Sich selbst und seine Solokarriere verdammt er weiterhin zu einer orientierungslosen Irrfahrt, die sich an Trends festzuklammern versucht und zudem einen lächerlichen Spagat mit den eigenen Wurzeln erreichen will. Letztere sind hier nur noch rudimentär auszumachen, während auch bei den Songs, die als Party-Aufheizer gedacht sind, keine Stimmung aufkommen will. Zu penetrant die Trendreiterei, zu nervtötend selbst N.O.R.E.'s Performance, gespickt mit hohlen Phrasen. Der Swag des Noreaga passt nicht auf diese Gleise und ist deshalb, da auch alle sonstigen Songs nur zu maximal annehmbarer Qualität reichen, derzeit heimatlos.

Gesamtwertung: 2.8 / 10

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Dynas - The Apartment

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Release Date: 29. September 2009
Label: BBE Records

Tracklist:
01. Intro
02. Higher Definition
03. Challenges Of L.O.V.E. (Leaving Ones Virtues Exposed)
04. The Future (Feat. DJ Jazzy Jeff)
05. Illa's DVD (Skit)
06. Crown Royal
07. Totally Tanya
08. The Apartment
09. Family Jewels (Feat. Slick Rick)
10. Becky Vs. Illa (Skit)
11. It's My Turn
12. 90 Degrees (Feat. Wrekonize LMS & Rich Medina)
13. The Apartment 2
14. Brad & Becky (Skit)
15. Come Along (Feat. Tiye Phoenix)
16. Hey Sister (Feat. Tone Trezure)
17. Think it Over
18. Outro



Wie so viele Künstler, die nun ihr offizielles Debüt vorlegen, hat es auch bei Dynas seine Zeit gedauert. Bisher war der Emcee, der im Süden von Florida, geistig aber vielmehr im Big Apple beheimatet ist, eher unauffällig, kann aber schon auf einige Singles, einige Auftritte (u.a. bei DJ Spinna) und einen Ruf als exzellenter Live-Performer zurückblicken. Außerdem war er Teil der Rawkus 50-Flut und wurde schon damals als Talent gehandelt. Nun hat er die Möglichkeit, sich zu beweisen: BBE Records nimmt sich seiner an und releast "The Apartment".

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Dass Dynas einige Dinge durch den Kopf gehen, macht schon das Cover klar - dass er dabei in seinem Apartment sitzt, erklärt der Umstand, dass dieses Album in der Zeit entstand, als Dynas genau dort wohnte und dort sowohl Höhen als auch Tiefen erlebte. Das Album selbst jedoch beginnt damit, dass Dynas sein Apartment verlässt, um auf Tour zu gehen. In Obhut gibt er es dabei seinem Kumpel Illa, nicht etwa seiner lamentierenden Freundin. So wird der Auftakt zu einer Reise durch ein Album lockeren BoomBaps gegeben, bei dem als Label auch ohne weiteres High Water Music hätte stehen können. Denn wie einige Kollegen dort, so ist auch Dynas bemüht, das Image des jungen, dynamischen BoomBappers, der seinem Genre frische Luft einhaucht, zu bedienen. Wieso auch nicht? Eine gesunde Lineup bei den Produzenten kann er jedenfalls vorweisen: DJ Spinna, Illmind, Khrysis, Dilla und viele weitere sollen versichern, dass Dynas die "Future" gehört. Bei selbigem Track gibt sich eine andere Legende, nämlich Jazzy Jeff, die Ehre und schustert eine ansehnliche Drumline. Nochmals Jeff gibt es in "It's My Turn", das massives, aber durchgehend unterhaltsames Namedropping betreibt und dabei klarstellt, dass Dynas jetzt an der Reihe sei, sich der "Bitch" HipHop zu widmen: "She ain't never been a virgin but it's my turn". Die Instrumentals sind dabei nicht mehr als gelungener BoomBap (wie nicht anders zu erwarten), was aber gleichzeitig sehr gut hörbar ist und nur an wenigen Stellen schwächelt. Thematisch machen Liebe und Frauen allgemein einen nicht unwesentlichen Teil in Dynas' Apartment aus. Dreht sich "Challenges Of L.O.V.E." mit einem elegant-relaxten Instrumental von Illastrate noch um die Liebe zum HipHop, so berichtet "The Apartment" von einer Beziehung, in der Dynas mehr als einmal das Herz gebrochen wurde. Der Beat, den er dabei von Dilla abgreifen konnte, ist okay, aber keine Großtat. Exile's "The Apartment 2" findet Dynas mit neuer weiblicher Begleitung, wobei es diesmal vielmehr andersrum läuft. Zwischen den Songs reihen sich einige Skits ein, in denen sich Illa als falsche Wahl herausstellt: Seine DVD ist keinesfalls jugendfrei und die Nachbarin Becky, die sich wegen lauter Musik beschwert, wird in einer (bzw. zwei) lustigen Konversation unwirsch verbal geohrfeigt. Wenn sich dann auf der musikalischen Seite Rick The Ruler einfindet, gibt Spinna ein flottes Marschtempo vor und zusammen wird mit "Family Jewels" ein deftiges Highlight gesetzt. Cop-Ungerechtigkeiten gibt es in "90 Degrees", die Story von Tonya in "Totally Tonya", in beiden Fällen mit durchschnittlichen Instrumentals unterlegt. Ein unbedingter Anspieltipp hingegen ist "Crown Royal", wohl eines von S1's besten Erzeugnissen. Nach einem weiteren mittelmäßigen Song ("Hey Sister") erfolgt nach dem souligen "Think It Over" Dynas' Rückkehr, die einen riesigen Saustall (u.a. ein "unreines" Sofa) ans Tageslicht fördert.


Fazit:
Dynas serviert ein solides Debüt, mit dem er zwar nicht herausragt, das aber durch qualitative Konstanz überzeugt. Hier und da hätten es viellecht ein wenig mehr eigene Akzente sein dürfen, denn als eigene Persönlichkeit am Mic kann sich Dynas - natürlich vor allem bedingt durch eine wenig markante Stimme - nicht etablieren. Ein starker Spitter ist er allemal. So ist sein Apartment ein Ort, an dem es sich gut aushalten lässt, das eine nette kleine Geschichte erzählt, das aber keinen festen Platz im Langzeitgedächtnis sicher hat. Trotzdem ist "The Apartment" noch als gutes Album einzustufen.

Gesamtwertung 6.7 / 10

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