Freitag, 27. November 2009

Saigon - Warning Shots 2

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 29. September 2009
Label: Amalgam Digital / E1 Entertainment

Tracklist:
01. Nothing Comes Easy
02. That's Not What's Up (Feat. G Martin Soul)
03. Fatherhood (Rayne Dior)
04. All Around The World (Feat. G Martin Soul)
05. For Some Pussy
06. Cookies & Milk (Feat. Young Boombaya & A.P.)
07. Be On Time
08. G Optified (Tommy Tee's Theme Sampler)
09. Fuckk Me, Fuck You (Feat. Quan & Ransom)
10. Rusty Gunz (Feat. Lil Fame)
11. Aye Aye Aye Nigga
12. Copping Pleas
13. Who Can Get Busy (Feat. Grand Puba)
14. For Some Pussy (Remix) (Feat. OJ Da Juiceman)
15. Gotta Believe It
16. Saiiiiii Outro



Es scheint, als hinge inzwischen selbst Saigon das Warten auf sein eigenes offizielles Debüt "The Greatest Story Never Told" zum Halse heraus. Nachdem er sich mit Statik Selektah für das selbsterklärende "All In A Day's Work" verbrüderte, folgt nun die Fortsetzung seines 2004 veröffentlichten Street-Albums slash Mixtapes "Warning Shots". Vor fünf Jahren brachte ihm dieses Werk viel Lob und den Hörern die Zuversicht, dass ein Album wohl bald folgen würde. Doch bis zum heutigen Tag hat es Sai sehr gut geschafft, sich durch besagte Street-Tapes, einige Scharmützel und Gastauftritte über Wasser zu halten.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Diesmal ist zwar kein Alchemist mit von der Partie, doch im Bestreben, den relativen Erfolg des Vorgängers fortzuführen, haben sich zusätzlich zum ähnlichen Cover-Design Mentor Just Blaze sowie Scram Jones, Oddisee, Buckwild und eine ganze Reihe an weniger und nicht bekannten Beatschraubern eingefunden. Wie schon beim Vorgänger ist auch hier der Mixtape-Charakter prägnant, was im Klartext bedeutet: kein roter Faden. Doch wer würde sich an diesem Umstand stören, wenn dafür eine Anhäufung starken Materials geboten würde, die einen in die Vollen gehenden Saigon sähe. Das einleitende "Nothing Comes Easy" lässt dem auch noch alle Chancen offen: Ein etwas lasches, aber immer noch feines Piano-Arrangement dient als Unterlage für Saigon's teils clevere Zeilen. Auch in einigen weiteren Anspielstationen verfolgt er ähnliche Ambitionen, welche natürlich die wünschenswerte Seite des Yardfathers zeigen. Richtige Brecher sollte man jedoch gar nicht erst vermuten. Doch auch Songs wie das an Tochter Rayne Dior adressierte "Fatherhood" können, wenn auch auf instrumentaler Ebene nur halbwegs spannend, den Unterhaltungswert aufrechterhalten. Der Illusion, dass Sai durchgehend von nennenswerten Themen zu berichten hätte, sollte man sich deswegen allerdings nicht hingeben: Ein bisschen Rap-Game-Philosophie, ein wenig Street-Talk und ein viel zu großer Haufen nervtötender Mist. Gemeint ist der unverständlich überproportionierte Anteil, der der animalischen Jagd nach dem weiblichen Geschlecht und allem Folgenden eingeräumt wird: "For Some Pussy" ist nicht nur instrumental miserabel unterlegt, sondern leidet auch an einer Auto-Tune-Hook, die nur aufgrund ihrer Dämlichkeit im Kopf bleibt. Berichtet Saigon hier noch, zu was ihn die Jagd nach Schmuckkästchen getrieben hat, geht es in "Cookies & Milk" ans Eingemachte. Doch auch anderswo sind die Aussetzer zu finden: Vor allem Tommy Tee läuft vollkommen neben der Spur: "Be On Time" und "G Optified" sind mülltonnenreif. Die Suche nach gutem Material verläuft mühsam: "Fuck Me, Fuck You" bietet solides Piano-Geklimper, "Rusty Gunz" ein erfreuliches Oddisee-Instrumental. Altmeister Buckwild's "Aye Aye Aye Nigga" wird erst durch die Hook so richtig versemmelt. Ein Remix mit einem gewissen OJ Da Juiceman sei gar nicht erst in die Relevanz einer Erwähnung erhoben, Grand Puba's Hook für das mäßige "Who Can Get Busy" im leicht karibischen Style hat der Nubian nicht nötig. Um dem Mixtape wenigstens den Ansatz eines versöhnlichen Abschlusses zu setzen, wird mit "Gotta Believe It" ein gelungener Auto-Tune-Track serviert und im "Saiiiiii Outro" mit guter Unterstützung von Scram Jones abgeschlossen.


Fazit:
"Warning Shots 2" ist ein Mixtape. Es sich komplett anzuhören, ist mühsam und resultiert zwangsläufig in konstantem Skippen. Denn die Quote der genießbaren Stücke rangiert um die 50%, was selbst bei einem Mixtape unverzeihlich ist. Zudem fehlt die Loge der sehr guten Tracks (vor fünf jahren noch angeführt von "Yes") gänzlich. Damit bleiben noch Saigon's Skills am Mic, die beizeiten zugunsten von primitivem Proletengelaber in den Schrank gesperrt werden, aber auch sonst nicht jeden Song retten. Wer tatsächlich noch auf "The Greatest Story Never Told" wartet und dabei etwas von Saigon zum Zeitvertreib hören will, der sollte auf die anderen beiden eingangs erwähnten Scheiben zurückgreifen, nicht aber auf "Warning Shots 2".

Gesamtwertung: 4.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

William Cooper - Beware Of The Pale Horse

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 20. Oktober 2009
Label: Traffic Entertainment Group / Gemstarr Regime

Tracklist:
01. The Day Of Light
02. In America (Feat. Killah Priest & Hell Razah)
03. Bring It Back (Feat. 9th Prince & Nature)
04. One Roll Of The Dice
05. Still Shinning (Feat. Killah Priest)
06. Salutations (What's Real)
07. Song Cry
08. Pray For Me
09. Heaven
10. Free (Feat. Stoneface & Majesty)
11. Feel Afraid
12. Beware Of The Pale Horse (Feat. Ill Bill)
13. J. W. Booth
14. Megalif
15. Bust My Gun
16. Cocaine Israelites (Feat. Killah Priest)
17. American Gangsters (Feat. Kool G Rap)
18. No Retreat No Surrender (Feat. Blue Raspberry, Bloodsport, Stoneface & Majesty)



Wer denkt, hier einem komplett unbekannten Gesicht gegenüberzustehen, der täuscht sich unter Umständen: Wie schon das Cover unmissverständlich kundgibt, hat William Cooper etwas mit der Black Market Militia zu tun, ist genau genommen sogar einer der Initiatoren. Zuvor war er vornehmlich im Hintergrund tätig, z.B. ein Jahr als A&R bei Loud Records - bis zur Schließung des Kultlabels. Des Weiteren war er unter seinem Alias Booth an Tragedy Khadafi's "Still Reporting" beteiligt und produzierte dort einige der Songs. Um nun also auch seinen eigenen Mann zu stehen - auf der "Black Market Militia" LP spielte er ja eher eine Hintergrundrolle - veröffentlicht er das lange vorbereitete Solodebüt "Beware Of The Pale Horse".

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Im Rücken hat er das eigene Label Gemstarr Regime, zur Unterstützung holt er sich einerseits weitbekannte Gäste, aber auch eine Produzentenliste, die man (abgesehen von Bronze Nazareth) kaum kennen dürfte. Doch das stört nicht weiter, denn im Großen und Ganzen kommt man der Ankündigung, eine direkte Fortsetzung des Black Market Militia-Sounds zu liefern, gut nach. Dafür spricht auch die Gästeliste, die zum Großteil dem Wu-Tang-Feld zuzuordnen ist. Inhaltlich ist der Rahmen schnell abgesteckt - Cooper's Freundschaft mit Tragedy Khadafi schlägt eben voll durch: Rezitationen aus dem zentnerschweren Buch der Straßenweisheiten sowie die obligatorische Portion Systemkritik und Verschwörungstheorien. Namedropping bekannter Vordenker und unbeschwertes Konsultieren von Illuminaten und Konsorten. Um es kurz zu fassen: Einmal mehr muss auf die Neue Weltordnung hingewiesen und müssen die unwissenden Massen zur Eigeninitiative aufgerufen werden. "I can see the all-seeing eye on the reverse side of the one dollar bill, homie it's real / See I'm convinced that the unseen hand exists, just take a glimpse between the lies that the government spin" heißt es in "In America". Auch wenn man dem immergleichen Mumpitz kein Gehör schenken muss, ist der überzeugte Enthusiasmus, mit dem Cooper ans Werk geht, lobenswert. Am Mic selbst macht er eine gute Figur, ist aber sowohl bezüglich seiner Stimme als auch hinsichtlich der Performance kein Hingucker bzw. -hörer. Damit mutieren die Beats zu einem noch wichtigeren Faktor. Die Marschrichtung stimmt dort zwar, doch qualitativ kann nicht an das BMM-Projekt angeknüpft werden: Wo das selbst produzierte Intro "The Day Of Light" noch auf Großes hoffen lässt, fehlt dem Album auf voller Spielzeit die nötige Power. Lediglich der Titeltrack "Beware Of The Pale Horse" triumphiert mit einem passenden Gast - Ill Bill. "Bust My Gun" dagegen wirkt vollkommen uninspiriert. Ein "American Gangsters" klingt bereits gehört, "Song Cry" glänzt mit seiner vorhersehbar gesungenen Hook ebenfalls wenig. Gute Vorstellungen gibt es mit dem streichergetriebenen "One Roll Of The Dice" sowie "Bring It Back", das mit seinen Gästen auch seitens der Raps eine willkommene Abwechslung bietet. Wer sich auf das Bronze Nazareth-Instrumental gefreut hat, der wird vom halbminütigen Skit "J.W. Booth" enttäuscht. Bei "Still Shining" als auch bei "Cocaine Israelites" tritt, beide Mal über solide, aber eher gelassene Instrumentals, die gute Verträglichkeit Cooper's mit Killah Priest zu Tage. Doch auch die restlichen Gäste sind gerne gesehen und bringen Abwechslung, was ein "No Retreat No Surrender" allerdings trotzdem nicht übers gute Mittelmaß hebt.


Fazit:
Das Album leidet an zwei Problemen, einem grundlegenden und einem behebbaren: Die Instrumentals, die weit von einer als besonders hervorzuhebenden Leistung entfernt sind, sorgen zwar für Unterhaltung, sind aber nicht in der Lage, dieses Album zu tragen. Dieser Umstand wird in Kombination mit dem zweiten Problem schwerwiegend: William Cooper ist zwar ein fähiger Emcee, doch in den Reihen einer Gruppe wie der BMM, wo er aus dem Hintergrund heraus agieren kann, ist er wohl besser aufgehoben als auf Solopfaden. Für alle Fans der "Black Market Militia" LP dürfte auch "Beware Of The Pale Horse" ein Reinhören wert sein, auf eine ähnlich starke Leistung sollte aber niemand hoffen. Trotzdem gelingt William Cooper ein geschlossener Einstand, der sich ein gutes Stück über dem Durchschnitt festsetzt.

Gesamtwertung: 6.4 / 10

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Masta Ace & Edo G - Arts & Entertainment

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 03. November 2009
Label: M3 Records

Tracklist:
01. T.V. Night (Intro)
02. Hands High
03. Fans (Feat. Large Professor)
04. A's E's (Feat. Marsha Ambrosious)
05. Rocsi (Interlude)
06. Little Young
07. Reminds Me
08. Black Ice (Interlude)
09. Good Music (Feat. Posdnuos & Light)
10. Power Out (Interlude)
11. Pass The Mic (Feat. KRS-One)
12. Over There
13. Round And Round (Feat. Doitall)
14. Hot Wangs (Interlude)
15. Ei8ht Is Enuff
16. Here I Go Again (Feat. Jamelle Bundy)
17. You Me & Some Snacks (Interlude)
18. Dancing Like A White Girl (Feat. Chester French)
19. Outro



Erwartungshaltung: hoch. Der aus der Frührente zurückgekehrte Masta Ace lässt sich nach seinem Gruppenprojekt mit eMC nun zu einem weiteren Projekt hinreißen: Fand bis dato auf "A Long Hot Summer" bzw. "My Own Worst Enemy" (ebenso wie mit der "Make Some Noise" EP) ein immer fruchtbarer, gegenseitiger Austausch zwischen Ace und Edo G, seines Zeichens Bostoner Halblegende, statt, kommt man nun für ein komplettes Album zusammen. Wollte man zuerst unter dem Titel A&E auflaufen, hatte man schnell eine Klage von A&E Television am Hals, weswegen es nun schlichtweg Ace und Edo sind, die "Arts & Entertainment" veröffentlichen.

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Die potentielle Erwartungshaltung ist hoch, doch bei beiden Akteuren scheint es, als seien sie im Begriff, in die Jahre zu kommen. Damit in Verbindung steht natürlich die Gefahr auf nostalgisches Gewäsch, zu dem Ace schon immer einen Hang hatte. Trotzdem gilt es (im Sinne besagter "A Long Hot Summer" und "My Own Worst Enemy"), ein hohes Niveau fortzuführen, was den beiden alten Haudegen auch jeder zutrauen wird. Doch was es dazu braucht, ist ein glückliches Händchen bei der Beat-Wahl und ein wenig mehr als die bloße Zusammenstellung einiger gemeinsamer Tracks. Um Letzterem zuvorzukommen, wird, wie schon bei allen jüngeren Projekten von Ace, ein Konzept in Form einer Rahmenhandlung konstruiert, die jedoch diesmal mehr als nur mager bzw. primitiv ausfällt: Der von allerlei Junkfood begleitete Abend eines klischeehaften schwarzen Ehepaars, bei dem man Intellekt vergebens sucht, wird in fünf Skits illustriert, soll dabei wohl den "Entertainment"-Faktor der im TV laufenden Rap-Kombo unterstreichen, lässt den Witz, den etwa ein Fats Belvedere noch in sich trug, aber gänzlich vermissen. Solange die Musik stimmt, ließe sich darüber natürlich hinwegsehen. Doch was M-Phazes, DJ Supreme One und Konsorten abdrücken konnten, überzeugt nur bedingt. In "Hands High" beispielsweise bietet M-Phazes schwaches Geklimpere und eine müde Hook. In diesem Zug ist auch das als Abschieds-Gag gedachte "Dancing Like A White Girl" zu nennen, das zwar lustig ("I ain't being rude, I can tell you in the mood / Cause you dancin' with this dude, but you steppin' on his feet / You're dancin' kinda fast and the song is kinda slow / What I really wanna know is do you even hear the beat?"), aber gleichsam ungenießbar ist. Der Rest fällt zwar weitaus besser aus, doch die atmosphärische Dichte des letzten Ace-Solos sollte man nicht erwarten. Auch überragende Highlights haben es sich auf dieser Scheibe nicht bequem gemacht. Immerhin hat man mit Songs wie Spinna's "Good Music" tatsächlich gute Musik am Start. "Round & Round" dagegen wieder lässt sich von der Thematik fast schon als "typisch Ace" abstempeln, ohne dabei groß Akzente zu setzen. Eine Widmung an die "Fans" passt voll ins Bild, ebenso wie besagte Packung Nostalgie, die unterschwellig omnipräsent ist, doch manchmal auch voll zutage tritt: "Reminds Me" glorifiziert und spannt den Bogen zu den "guten alten Zeiten", "Here I Go Again" reflektiert die eigenen Karrieren als auch die Zukunft, während "Ei8ht Is Enuff" mit abwechselnden Battle-Raps im 8er-Pack aufwartet. Wie sehr das Spoken Word-Interlude vom Meister des Fachs, Black Ice, ins Bild passt, bleibt fraglich, besser als die Skit-Story ist es allemal. Positive Aspekte umfassen die ähnlich konzipierten und gelungenen "A's & E's" und "Little Young", das sich der fehlenden Kreativität bei der Rapper-Namensgebung verschreibt. Zu guter letzt ist "Over There" relaxt gestrickt, kommt mit dieser Masche jedoch gut an, entgegen dem einfallslosen "Pass The Mic".


Fazit:
In gewisser Hinsicht wäre es wohl besser gewesen, wenn Ace nach seinem 2004er Album tatsächlich in Rente gegangen wäre. Damit will nicht gesagt sein, dass dieses Album schlecht sei, denn das entspräche nicht der Wahrheit. Denn auch wenn Ace und Edo hier nicht Feuer und Flamme sind, so ist alleine das Zusammensein zweier routinierter Emcees dieses Kalibers keine verkehrte Sache und beschert der Rap-Welt ja auch eine ganze Reihe an gelungenen Songs. Doch wer bereits große Sachen auf dem Konto stehen hat, der sollte sich nicht wundern, wenn er mit einem Intermezzo wie "Arts & Entertainment" seine Fans nur bedingt zufriedenstellt. Ace sollte zudem erkennen, dass sich seine Rahmenhandlungsstrategie erschöpft hat und dass ein paar lyrische Neuerungen ebenfalls nicht schaden könnten. Wie es auch bei diesem Album der Fall ist, werden zukünftige LPs zu sehr von einer Produktionsgüte abhängen, die mit einer zu geringen Wahrscheinlichkeit eintreten wird.

Gesamtwertung: 6.1 / 10

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Fashawn - Boy Meets World

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Release Date: 20. Oktober 2009
Label: One Records

Tracklist:
01. Intro
02. Freedom
03. Hey Young World (Feat. Aloe Blacc & Devoya Mayo)
04. Stars (Feat. Aloe Blacc)
05. Life As A Shorty (Feat. J Mitchell)
06. The Ecology
07. Our Way (Feat. Evidence)
08. Why
09. Samsonite Man (Feat. Blu)
10. Father
11. Sunny CA (Feat. Co$$ & Mistah F.A.B.)
12. Bo Jackson (Feat. Exile)
13. Lupita
14. When She Calls
15. Boy Meets World



Auf den ersten Blick sehen Cover und Tracklist eher unscheinbar aus. Geradezu so, als wäre dieses Projekt für den Durchschnitts-HipHop-Konsumenten gar nicht von Interesse. Wer sich näher mit diesem Album beschäftigt, der wird diese eventuelle Meinung schleunigst revidieren: Bei "Boy Meets World" handelt es sich um das Debütalbum eines 20-jährigen Emcees aus Fresno, das komplett von Exile produziert wurde. Spätestens hier sollte man hellhörig werden, denn der Produzent aus Los Angeles gehört derzeit zu den saftfrischsten Beatbastlern in seiner Sparte. Hinzu kommen schon die ersten begeisterten Rezensionen und man darf definitiv gespannt sein, was hier fabriziert wurde.

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Auch wenn die Platte über One Records erscheint, sie wäre - als kleine Richtungsweisung - z.B. bei Tres Records ebenso gut aufgehoben gewesen. Und schließlich und letztendlich unausweichlich ist der Vergleich mit "Below The Heavens" zu ziehen, das vor zwei Jahren einem gewissen Blu haufenweise Lob bescherte und die entscheidende Zündung in einer seither florierenden Karriere markierte. Gewisse Parallelen sind in der Tat nicht von der Hand zu weisen: Neben Exile im Rücken führte auch Fashawn bis zu diesem Zeitpunkt ein relativ unbeachtetes Dasein im Rap-Game, was sich nun - soviel sei schonmal verraten - schlagartig ändern wird. Doch "Boy Meets World" ist kein "Below The Heavens 2": Auch wenn das Cover einen ähnlich verträumten Eindruck macht, liegt Fashawn beizeiten näher am Reality Rap der frühen QBler als am entspannten Westcoast-Spaziergang eines Blu. Dass an anderen Stellen tatsächlich Ähnlichkeiten zu ebenjenem Blu aufglimmen, stellt einen augenscheinlich unvereinbaren Spagat dar, der jedoch die Stärke der Platte ausmacht. Das geht natürlich Hand in Hand mit Exile's Produktion, die sich rein qualitativ auf einem ähnlichen Level wie bei der Blu-Collabo befindet, jedoch vielschichtiger geworden ist. Doch zurück zu Fashawn: Der verbringt Teile seiner Kindheit in einem Waisenhaus, da der Vater einsitzt und die Mutter drogenabhängig ist. Doch Fa kann es besser: Im "Intro" wird der krummen Bahn zugunsten seiner Leidenschaft - dem Rappen - der Rücken gekehrt. Als Belohnung gibt es einen fetten (eine andere Umschreibung will sich nicht finden lassen) Beat von Exile, der nur der Auftakt zu einer Aufreihung der schmackhaftesten Instrumentals, die einem seit längerer Zeit über den Weg gelaufen sind, sein soll. "Hey Young World" als grundauf positiver Song ist in seiner herrlich relaxten Art und mit Exile's Piano einer der Gründe, warum man dieses Album auch auf lange Sicht nicht vergessen wird. Auf der anderen Seite geben ernst zusammengefügte Samples den Nährboden für "The Ecology", einen Bericht über die sozialen Zustände in Fashawn's direkter Umwelt. Genau dort setzt auch das bombenstarke "Our Way" an, in dem ein Foto der eigenen Straße geschossen und eiskalt kommentiert wird:

"That's how we live in the streets of the F
Paranoid, so I sleep with a tec, valley of death
I'm from the Sunshine State, but we live in the darkness
Be smart nigga, enter with caution
"

Mitunter der größte Schnitzer der Scheibe ist der Auftrit von Schnarchnase Evidence, der auch thematisch voll und ganz die Show verschläft und mit seinem Gefasel zwischen den beiden 16ern von Fashawn nur stört. Ein weiterer unnötiger Gast ist Exile - natürlich nur am Mic. Denn auch sonst ist "Bo Jackson" der schwächste Song der Scheibe. Was aber nicht stören sollte beim großen Rest: Da wäre z.B. "Life As A Shorty", das ganz simpel über die Mühen von Fashawn's Kindheit ("Didn't know how broke we was til I got older") berichtet, die Lovestory über "Lupita", das an Gott gerichtete "Father" oder das mit hauchdünnen Streichern bespannte, selbstreflektierende "Why". Neben den gut vorgetragenen Inhalten bietet Fashawn auch einwandfreie Rap-Skills sowie eine Präsenz am Mic, die Potential hat. Zutage tritt dies, neben den schon erwähnten Songs, im grandiosen "Samsonite Man", das so ungebunden wie der Titel ist und nicht nur dank Gast Blu auch auf "Below The Heavens" gepasst hätte. Ein anderes Highlight ist das ergreifende "When She Calls", eine weitere überragende Sample-Arbeit von Exile, in der Fa drei unterschiedlich verlaufende Versionen einer zerbrochenen Jugendliebe erzählt. Den Ausstieg gibt "Boy Meets World", ein Zehnminüter, der im ersten Teil die Frische des ganzen Albums versprüht, um den Hörer danach mit sachtem Gesang und Shoutouts aus der Tür zu geleiten.


Fazit:
Fragt man sich nun, ob dieses Debüt für Fashawn ähnliche Konsequenzen nach sich ziehen wird, wie es damals "Below The Heavens" für Blu tat, dann kann man diese Frage mit einer hohen Sicherheit mit "ja" beantworten. Dank gebührt dabei zu großen Stücken Exile, der sich zu einem der derzeitigen Top-Producer mausert. Wie schon erwähnt sollte der musikalische Vergleich mit Blu's Album nicht zwingend herangezogen werden, doch vom Wesen her besteht eine Ähnlichkeit, die die andauernde Erwähnung von Blu rechtfertigt. Auch wenn "Boy Meets World" beizeiten weitaus ernster und lyrisch kühler ausfällt, wohnt der LP eine von Exile verschuldete Wärme inne, die derzeit wenige andere Künstler zustande bringen. Zu einem hohen Durchschnittsniveau kommen noch einige herausragende Highlights und ein lyrisch ansprechendes Spektrum, und schon hat man in "Boy Meets World" eine der besten Scheiben des Jahres gefunden.

Gesamtwertung: 7.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Snowgoons - The Trojan Horse

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 27. Oktober 2009
Label: iHipHop Distribution

Tracklist:
01. The Trojan Horse (Feat. Savage Brothers)
02. King Kong (Feat. Reef The Lost Cauze & Young De)
03. Hey Young World (Feat. Heltah Skeltah & La Coka Nostra)
04. Krush University (Feat. Krush Unit & Freestyle)
05. Git Cha Gully Up (Feat. Outerspace)
06. Full Force (Feat. Block McCloud, Feaz One, King Syze & Sifu Versus)
07. Hate On Me (Feat. M-Dot & Krumb Snatcha)
08. Make Way (Feat. Chief Kamachi, Buckshot & Reef The Lost Cauze)
09. Goons Stampede (Feat. Rakaa Iriscience, Sicknature & Reks)
10. The Limit (Feat. Viro The Virus)
11. He Sold Out (Feat. Lord Lhus)
12. The Ill Bunch (Feat. Nut-Rageous, Termanology & Tribeca)
13. The Time Is Now (Feat. D-Stroy, Sicknature & Freestyle)
14. Valley Of Death (Feat. Block McCloud, LordWillin & Sabac Red)
15. Scar Sculpture (Feat. Virtuoso & Young Haze)
16. I Did Everything (Feat. Lord Lhus, Qualm & Dark Skinned Assassin)
17. Cross The Line (Feat. Young Haze)
18. Survive The Mess (Feat. Kaze & El Da Sensei)
19. Man In The Mirror (Feat. Nut-Rageous)



Bisher kein Ende in Sicht: Nach dem ersten Album meinten viele, dieses Art von Scheibe könne keinen dauerhaften Bestand haben. Inzwischen laden die Snowgoons zum dritten großen verbalen Schlagabtausch ein - und der breite Strom des nach Deutschland fließenden Respekts scheint nicht abzureißen. Auf anderen Alben sind sie selten zu finden, dafür scheint sich ihr 2007 begonnenes Release-Bestreben zum Stammtisch der Indie-Emcees zu entwickeln. Dazwischen stand in diesem Jahr noch der Zusammenschluss mit den Savage Brothers und Lord Lhus, der wie die lässige Anmerkung, dass DJ Illegal und DJ Waxwork nicht wissen, wohin mit ihren Beats, wirkte. Ob der Markensound auch im vierten voll produzierten Auswurf ansprechend verkauft wird, ist die Frage, die es mit "The Trojan Horse" zu beantworten gilt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Das trojanische Pferd wäre natürlich ein schöner Grundbaustein für ein sauberes Konzept, das zwischen den instrumentalen Bauten der Snowgoons und dem Standpunkt der Indie-Gemeinschaft super hätte funktionieren können. Doch "Wofür?" haben sich die Goons wohl gedacht. Im wilden Haufen ihrer zahllosen Gäste eine klare Marschrichtung vorzugeben, kommt sowieso einem unmöglichen Unterfangen gleich. Also ist der einzige rote Faden des dritten Komiteetreffens erneut nur auf Seite der Beats zu suchen. Und die sind wieder einmal laut, dramatisch und brachial. Eine Neuerung, die auch zu "A Fist In The Thought" führte, ist der veränderte Status der Goons: Galt es beim ersten Album noch, mit möglichst vielen hochkarätigen Namen auf sich aufmerksam zu machen, muss man sich mit solchen Problemen inzwischen nicht mehr befassen (wahrscheinlich gingen die Plätze auf "Trojan Horse" weg wie warme Semmeln). Kurzum, wo früher sofort die bedeutenden Figuren ins Feld geführt wurden, steht nun auch eine Reihe Bauern, die den Ansporn haben, sich zu beweisen. Beispielsweise das, was sich als Krush Unit zusammenfasst und sich (neben Zugpferd Reef) mit Brainstorm, Side Effect oder Viro The Virus schon auf der letzten Goons-Platte einen Namen machen konnte. Hier staubt Viro wieder einen Solotrack ab und zeigt, wo "The Limit to the love" liegt. Im Verband wirkt man - was auch dem schwächsten Beat der Platte zuzuschreiben ist - etwas blass. Im Zuge der anderen, wenig bekannten Gesichter dürfen natürlich auch die Savage Brothers ran, die es im Opener "The Trojan Horse" sogar auf das massive Bläsergerüst schaffen, sich wie Elefanten im Porzellanladen aufzuführen und den bisher schlechtesten Start (man denke an die Opener von "German Lugers" oder "Black Snow") hinzulegen, der dank der starken Produktion immer noch zu genießen ist. Doch damit hat man schon ein Problem der kompletten Scheibe: Beizeiten fühlt es sich an, als würden manche der Künstler den Instrumentals nicht gerecht - vornehmlich in den Hooks. Da sind natürlich Outerspace zu nennen ("If I push snow into Snowgoons, would it be illegal? Would Illegal come through with mo' Goons and the Desert Eagles?"), aber auch ein Young Haze und natürlich Termanology, der hier nicht deplatzierter sein könnte. Doch wen stört das schon, wenn die Goons sich durch das große Kochbuch der Chorgesänge sampeln? "Git Cha Gully Up" ist ein gewaltiges Gefüge, "Full Force" schreitet gemäßigter durch die Boxen und hat dabei einen richtig gut aufgelegten Block McCloud im Gepäck. Nahezu unscheinbar ist das gelungene Aufeinandertreffen von Heltah Skeltah und La Coka in "Hey Young World", wohingegen "King Kong" die inoffizielle Fortsetzung zu "Never" und "This Is Where The Fun Stops" gibt. An anderen Stellen wandern die Goons auf Pfaden, die Stoupe The Enemy Of Mankind ausgetreten hat: "Valley Of Death" mit seinem einleitenden Shannon Kraus-Sample oder "The Ill Bunch" erinnern klar an den JMT-Mastermind. "He Sold Out" (mit einem zu schwachen Lhus) oder "The Time Is Now" dagegen peitschen ungestüm nach vorne. Doch fast noch besser gefallen da die clever und düster zusammengesteckten Kopfnicker wie "I Did Everything" und "Survive The Mess", die dem Album die nötige Abwechslung geben.


Fazit:
Die Snowgoons bleiben eine Angelegenheit, die man entweder feiert oder links liegen lässt. Daran ändert sich auch mit diesem Album nichts. Der einzige Unterschied ist, dass die Qualität hier etwas verwässert wurde - in erster Linie durch Pack wie die Savage Brothers, aber auch durch eine mäßige Leistung einiger bekannter Größen (Outerspace) und der vereinzelten Mittelmäßigkeit bei den Beats. Nichtsdestotrotz bleiben die hiesigen Kompositionen der Goons eine Delikatesse, die dem Neugewinn zahlreicher Fans keinen Abbruch tun wird. Für ein zukünftiges, qualitativ hochwertigeres Projekt wäre es interessant zu hören, was entweder ein kompakter Gästekreis (bei "A Fist In The Thought" sei hier gar nicht erst angefangen) oder aber ein einziger Emcee (ganz im Stile von der Stoupe-Canibus-Kollabo) aus dieser instrumentalen Landschaft zu formen imstande wäre. Doch für gute Unterhaltung wird auch weiterhin ein Album im Stile von "The Trojan Horse" ausreichen.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Royce Da 5'9 - Street Hop

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 20. Oktober 2009
Label: M.I.C. Records / One Records

Tracklist:
01. Gun Harmonizing (Feat. Crooked I)
02. Count For Nothing
03. Soldier (Feat. Kid Vishis)
04. Something 2 Ride 2 (Feat. Phonte)
05. Dinner Time (Feat. Busta Rhymes)
06. Far Away
07. Warriors (Feat. Slaughterhouse)
08. ...A Brief Intermission (Skit)
09. New Money
10. Shake This
11. Gangsta (Feat. Trick Trick)
12. Minez In This
13. Street Hop 2010
14. Thing For Your Girlfriend (Feat. K-Young)
15. On The Run
16. Murder
17. Bad Boy (Feat. Jungle Rock Jr.)
18. Part Of Me
19. Hood Love (Feat. Bun B & Joell Ortiz)



Um dahin zu gelangen, wo Royce Da 5'9" inzwischen steht, musste er einiges durchmachen. Was ihm dabei schon immer zugrunde lag, waren seine Skills, die es ihm ermöglichten, 2004 mit "Death Is Certain" ein Album zu veröffentlichen, das dem Totgeglaubten viel Lob bescherte. Dass es auch anders laufen kann, zeigte das mit Gleichgültigkeit empfangene "Independent's Day" ein Jahr später. Für Royce verliefen die nächsten Jahre mit Gastauftritten und Mixtapes, bis sein Auftauchen bei Slaughterhouse ihn 2009 wieder in die ersten Reihen wirft. Denn wenngleich er es auf Ebene der Skills wohl nicht nötig hätte, sich einer Gruppe anzuschließen, wurde damit der allgemeinen Bereitschaft zum neuen Soloalbum "Street Hop" ein guter Push versetzt.

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Angekündigt war "Street Hop" ja schon lange. So lange, dass es viele inzwischen wieder vergessen haben. Damals war sogar von einer Premo-Komplettproduktion die Rede, was sich jedoch als falsch herausgestellt hat - ganze drei Instrumentals sind es nunmehr noch. Doch als Executive fungiert der alte Herr Premier trotzdem, was dem Album unter Umständen sogar besser tut. Andere Produzenten umfassen u.a. Nottz, Emile und Streetrunner. Ein Konzept sucht man bei der Platte vergeblich, die vage Zuordnung seiner Musik als "Street Hop", im Gegensatz zum derzeit so negativ behafteten "Rap", ist irrelevant. Dass Royce seine Fans für die lange Wartezeit mit ganzen 18 Tracks entschädigen will, ehrt ihn. Genügend Punchlines hätte er sicher auch parat. Doch damit wird jeglicher Kritik am Album ein gewichtiger Aspekt addiert - die Qualitätsdichte. Natürlich hat Royce das Potential zu Bombensongs, nur reicht es für so viele? Nein, leider nicht. Doch das will nicht heißen, dass es nicht interessant wäre, hier einzusteigen. Denn was durchaus geboten wird, ist eine gesunde Breite an Angeboten, allen voran natürlich die signafikanten Kopfnicker, in denen Royce sich schlichtweg des Rappens erfreut, wie etwa der Opener "Gun Harmonizing". Dicker Representer ist das einzig typische Premo-Gestell "Hood Love", das den Rückhalt in der eigenen Nachbarschaft anpreist. Den Sinn für Humor hat Royce ebenfalls nicht verloren, weshalb "A Brief Intermission" eingeworfen wird und weswegen im akzeptablen "Far Away" die als Gag gedachte Auto-Tune-Hook konsequent durchgezogen wird und dabei herrlich sarkastisch andere Nonsense-Hooks aufs Korn nimmt. Für "The Warriors" zimmert Streetrunner einen dicken Beat mit Feeling eines Leone-Western-Finales, womit der Song zum bis dato besten Slaughterhouse-Track avanciert. Trotz der Differenzen bei den Songs baut sich damit eine starke Atmosphäre auf, die sich im zweiten Teil leider verliert. Wo "Shake It" für Premo-Verhältnisse noch herrlich fresh daherkommt, wird "Gangsta" über seine vier Minuten wahrhaft mühsam. Auch "Thing For Your Girlfriend" (egal, wie ernst gemeint) lädt zum Wegnicken ein, während mit "Bad Boy" ein unterdurchschnittlicher Song eingebunden wurde, der dank Jungle Rock Jr. das klischeehafte Jamaica-Feeling ins Programm nimmt. Dann doch lieber Storytelling: Im Zweiteiler "On The Run" / "Murder" wird aus zwei Perspektiven erzählt, wobei vor allem "Murder" mit einem hintergangenen Gangsterboss wie ein Drehbuch eines Gangster-Films anmutet. Mehr erstklassige Erzählkünste werden auf "Part Of Me", der schon länger bekannten Geschichte mit dem so überraschenden, makaberen Ende, geboten. Zurück zum Anfang, wo man mit "Soldier" zwar auch einen potentiellen Skip-Track findet, der aber mit Premo's "Something 2 Ride 2" und dem energischen "Dinner Time" für die Sympathie sorgt, die den Hörer auch über den Mittelteil hinweg motiviert. An dieser Stelle muss nur noch "Count For Nothing" genannt werden, der inoffizielle König dieses Albums, in dem Royce seinen Wortschwall über ein Brett eines Nottz-Instrumentals ungezügelt laufen lässt.


Fazit:
Durchgehend gut ist das Album leider nicht. Aber trotzdem hat es auch vielen leicht besseren Alben etwas voraus, nämlich einige richtig dicke Songs. Die lesen sich aus der Endwertung zwar nicht mehr heraus, hinterlassen aber einen bleibenden Eindruck. Verbesserungsvorschläge für das nächste Werk hätte ich auch parat: Es bedarf keiner 70 Minuten Spielzeit; eine Kürzung der richtigen Songs hätte zumindest bei dieser LP einen erheblich besseren Gesamteindruck hinterlassen. Für eine handfeste Verbesserung wäre vielleicht das Fokussieren auf ein geschlosseneres Gesamtbild nötig, denn "Street Hop" fühlt sich an einigen Stellen etwas zusammengesammelt an. Doch das sollte niemanden davon abhalten, sich dieses Album zu Gemüte zu führen - das Mindeste, was man gewinnt, sind einige gute Tracks für die eigene Playlist.

Gesamtwertung: 6.3 / 10

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Apathy - Wanna Snuggle?

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Release Date: 06. Oktober 2009
Label: Demigodz Entertainment

Tracklist:
01. Hell's Angel
02. Money Orientated (Feat. Emilio Lopez)
03. Gov't Cheese
04. On And Off The Mic (Feat. Blacastan)
05. Back In L.A. (Feat. Ryu (of Styles Of Beyond) & Veze Skante)
06. Shoot First (Feat. B-Real & Celph Titled)
07. I'm A Demigod
08. True Love (Feat. Phonte)
09. Mind Ya Business (Feat. Chip-Fu)
10. Thinkin'
11. This Is The Formula (Feat. J-Live)
12. Guys & Girls (Feat. Blue Raspberry)
13. Anyday (Feat. King Magnetic)
14. Candy (Feat. Dose)
15. Run, Run Away
16. No Sad Tomorrow (Feat. Holly Brook & Mike Mass)
17. Rhode Island (Feat. Emilio Lopez)
18. What Goes Up
19. Hard Times On Planet Earth
20. Slave (Feat. Motive)
21. Victim (Feat. Holly Brook)



Man möchte es kaum glauben, aber was einem hier ins Haus schneit, ist erst das zweite offizielle Album von Apathy. Immerhin machte der Emcee aus Connecticut sein Debüt auf dem ersten Jedi Mind Tricks-Album. Im Rap-Firnament fest verankert ist Apathy im Sternbild der Demigodz, die er zusammen mit Celph Titled gründete und die ihn bis zum heutigen Tag begleiten. Dazwischen stand ein Vertrag mit Atlantic, der fruchtlos blieb und schließlich zum Signing mit Babygrande führte, die 2006 das Debüt veröffentlichten, während das rechtliche Material auf Mixtapes Platz fand. Apathy's bisheriger Werdegang ist also kein Einzelfall in diesem Genre. Wen wundert es da, dass "Wanna Snuggle?" independent, über Demigodz Ent. erscheint?

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21 Tracks, 65 Minuten, reichlich Gäste - auf den ersten Blick scheint das eine anstrengende Angelegenheit zu werden, bei der Ap es nicht verstanden hat, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Wer zudem hinter Titel und Cover etwas Weiterführendes vermutet, der sei darauf hingewiesen, dass Ap sich auf nicht mehr als strikten Rap beschränkt - ohne jegliches Konzept. Hervorzuheben ist dabei der Anteil an Instrumentals, den Apathy sich diesmal selbst aufschultert: knappe drei Viertel. Natürlich sind es keine Wundertaten, die hier geschehen, doch es ist trotzdem erstaunlich, was für ein beschauliches Werk hier zustande gekommen ist. Wieder einmal ist es BoomBap, wie er sich problemlos hören lässt, weder in irgendeiner Weise besonders noch im Geringsten langweilig. Das mag daran liegen, dass Ap eine relativ breite Spanne an Stimmungen bzw. Ausrichtungen der Instrumentals zulässt, ist aber auch der Tatsache zuzuschreiben, dass hier Leute zu Werke gehen, die wissen, wie's geht: Egal ob als Storyteller, Battle-Rapper oder mit ein paar wahllos gekickten Zeilen behält sich Apathy die Aufmerksamkeit des Publikums. Ein Spagat, der von AOTP'schen Wortstürmen bis zu den häuslichen Beziehungs- und Alltagsproblemen reicht, meist aber zugunsten von Zweiterem ausschlägt. Lässt man sich auf diesen Mix ein, wird man sich schnell mit "Wanna Snuggle?" arrangieren. "Shoot First" beispielsweise stellt einen der gröberen Tracks dar und hat mit B-Real und Celph Titled genau die richtigen Gäste für E-Gitarre bzw. harte Drumline. Den krassen Gegensatz liefert direkt zuvor "Back In L.A.", das mit entspannter Melodie und softer Hook vielleicht überrascht, deswegen aber nicht minder hörenswert ausfällt. Um eine gesunde Mischung beizubehalten, wird das Album immer wieder aufgelockert, beispielsweise mit dem herrlich leichten "Mind Ya Business", dem Chip-Fu ganz sanft seine Hook aufsetzt und das sich mit dem Tun und Treiben der Gerüchteküche beschäftigt. Die Zahl der Tracks, die Apathy seinen diversen Beziehungserfahrungen widmet, mag überraschen, doch er hat genügend, meist lustige Dinge zu berichten, weshalb nun auf diese, inhaltlich erfrischendsten Songs eingegangen sei. "Run, Run Away" clappt sich fidel-poppig in die Ohren und ist somit als leicht ironische Begleitung zu Ap's Rhymes über eine Hassliebe perfekt geeignet. Während in "Candy" den bettgemächerischen Fähigkeiten Tribut gezollt wird, gibt Phonte in "True Love" ein amüsantes Gastspiel mit zwei Extrembeispielen seiner Freundinnen (dem "HipHop-Chick", das "Illmatic" auswendig herunterbeten kann und dem Gegenteil, das als HipHop-Analphabet durchgeht), um seine wahre Liebe in der Mitte zu definieren. "Guys And Girls" ("I hate the stereotype, but a lot of y'all are very alike") stellt die zwei Welten gegenüber, das von einem grandiosen Bläser-Beat angetriebene "Thinkin'" zeigt Ap mit einer übermisstrauischen und eifersüchtigen Freundin: "Women's intuition? Or just your suspicion? I think it sound like a bunch of bullshit fiction". Sehr viel Soul plus harte Drums gibt es im Tribut an "Rhode Island", während "Money Orientated" ein AZ-Sample (damit wissen wohl die meisten, von welchem Song) bemüht. Thematisch hervorzuheben ist noch "Victim", das zuerst wie ein gewöhnlicher Song über ein Vergewaltigungsopfer riecht, dann aber eine Kehrtwendung erfährt, da laut Ap's Geschichte das ehemalige Opfer aus den bitteren Erfahrungen (Täter ist der Stiefbruder) inzwischen selbst einen Blutdurst entwickelt hat. Hinzu kommt Holly Brook's starker Gesang, der den Song veredelt.


Fazit:
Das Album hat in der Tat viele Tracks, vielleicht auch zu viele Tracks. Aber es wird definitiv auch einiges geboten. Es ist die Mischung, die an und für sich nicht besonders erscheint, die von Apathy aber großartig zubereitet wird und die hier punktet. Die alltäglichen Zeilen aus dem Ostküstenalltag mischen sich mit einigen netten Stories und Momentaufnahmen von Beziehungen. So hebt sich die Platte in der Tat von anderen, x-beliebigen BoomBap-Platten der Jetztzeit ab. Hinzu kommt Ap's stimmige Vorstellung am Mic und man kann problemlos über die wenigen Fülltracks hinwegsehen, um "Wanna Snuggle?" als durchwegs gelungenes Release zu zertifizieren.

Gesamtwertung: 7.1 / 10

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The White Shadow Of Norway - Victory

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Release Date: 26. Oktober 2009
Label: Uncut Productions

Tracklist:
01. The Rap Game (Feat. Melle Mel)
02. Dark Side (Feat. Seven)
03. It's The Crew Again (Feat. Sadat X & Khb)
04. Before (Feat. Awkword, Block McCloud & Pacewon)
05. Gotta Do (Feat. Bawston Strangla)
06. Victory (Feat. Craig G, The Grindhouse Gang & Strick)
07. All My Friends (Feat. The Pizdamen)
08. Verbal Assault (Feat. IDE & Alucard)
09. Classic Regulations (Feat. Infinito:2017)
10. Straight Bars (Feat. Mark Deez, Powder, Main Flow & Nato Caliph)
11. You Don't Want (Feat. Ripshop)
12. Ready For War (Feat. The Grindhouse Gang)
13. Rap Thugs (Feat. Infinito:2017)
14. Wild Wild East (Feat. Awkword, Castro & Block McCloud)
15. The End (Instrumental)



Der bisherige Weg von The White Shadow Of Norway ist länger, als die meisten denken würden. Aus seiner Herkunft macht der Herr kein Geheimnis und bezeichnet sich im Übrigen auch als erster norwegischer DJ, der je scratchte (laut Bio bereits 1978). Doch da hört seine Geschichte natürlich nicht auf: Anfang der Neunziger zog es ihn nach New York, wo er im erweiterten Dunstkreis der Boogie Down Productions auftauchte, weswegen sein erster musikalischer Fußabdruck auch in Form von Scratches auf dem 93er Album von Jamalski zu finden ist. Von da an spinnen sich die Connections weiter und weiter, umfassen Produktionen für angesehene Größen sowie bisher zwei eigene Alben mit jeweiligem Star-Lineup. "Victory" ist sein inzwischen dritter Langspieler, wieder einmal über das eigene Label Uncut Productions und wie schon der Vorgänger ausschließlich digital erhältlich.

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Auch sonst fallen unwiderlegbare Parallelen zu "Untouchable" aus dem Jahr 2008 auf. Das Cover, das wieder derselbe Künstler erstellt hat, bleibt im gleichen Stil. Selbst die Tracklist findet mehr als nur einen alten Bekannten wieder - White Shadow's ständige Weggefährten eben. Von dieser Seite betrachtet ist es schon verwunderlich, dass etwa Supastition, Maylay Sparks oder Majik Most nicht vertreten sind. Aus der Vogelperspektive hat man auch mit dem tatsächlichen Lineup eine unorganisierte, für Produzentenalben typische Ansammlung an Künstlern, die eine maximal überdurchschnittliche Scheibe mit Compilation-Charakter durchscheinen lassen. Und - als hätte man es allein mit diesem Gedanken heraufbeschworen - so ist es auch. Der weiße Schatten ist mit Leib und Seele dem Standard-BoomBap verschrieben, der sich vom sehr ruhigen Instrumental (dem gelungenen "The End") zum Song mit AOTP-Ambitionen (das nervtötende Heranziehen dieser Bezugsmarke sei mir vergeben) erstreckt. Nicht umsonst hat WS auf "The Torture Papers" produziert. Vielleicht sei dort angefangen, wo "Untouchable" seinerzeit seinen Einstieg hatte: Die Pizdamen, eine unbekannte Truppe aus Milwaukee, waren bis jetzt immer bei White Shadow zu Gast und dürfen diesmal "All My Friends" mit verstellten Stimmen und mäßigem Unterhaltungswert vorstellen. Doch oft fehlt hier auch die richtige Glut, weswegen einige Künstler einfach nicht in die Gänge kommen wollen. Wer sich von der Creative Juices-Abordnung etwas erhoffte, dessen Vorfreude wird von einem viel zu überspitzt dramatischen Streicher-Gehetz gedämpft. Gerade bei den "härteren" Songs will's nicht so recht - zu sauber, zu glatt, zu berechenbar: "Wild Wild East" klingt nach gar nichts und scheint dies zu allem Überfluss in der Block McCloud-Hook auch noch bekräftigen zu wollen. Dann doch lieber die ruhigeren Stücke: Bawston Strangla berichtet in "Gotta Do" in aller Ruhe vom täglichen Struggle und lässt sich prompt besser genießen. Der restliche Inhalt beschäftigt sich, wenn nicht mit Battle-Raps, mit dem "Victory" des Underground über den fake HipPop. Bereits in "The Rap Game" wird die Thematik mit einem Sample einer Rede von Vinnie Paz dargelegt und zudem (finanzieller) Respekt für die Pioniere gefordert. Die Grindhouse Gang (Mark Deez, Powder, Dr- ILL, Lord Lhus) tritt als White Shadow's Schützlinge auf und bekommt zwei bzw. drei akzeptable Auftritte. Craig G und seine hingerotzten Zeilen aus dem Normbaukasten sind leider keine Bereicherung, viel eher sollte da schon Chicago's Infinito 2017 erwähnt werden. Nicht nur fällt das Release-Date dieses Albums mit seinem Geburtstag zusammen, zwei Tracks mit ihm finden sich ebenso wie der Vorgeschmack auf das gemeinsame Album, das auf den Namen "Classic Regulations" hören wird. Beim hier vertretenen Song kommt zum ersten Mal Freude auf. Eine entspannte Piano-Line und keine (sonst vorherrschende) Hektik sind Vorsätze, denen White Shadow öfter folgen sollte. Auch "Rap Thugs" geht in dieselbe Richtung, ist mit Infinito's Fingerzeig auf die fake Thugs jedoch kein Pflichtprogramm.


Fazit:
Fällt die Endwertung erstaunlich niedrig aus, so gibt es dafür gute Gründe. Erstens: Die angesprochenen Themen liegen noch unter dem Durchschnitt der sowieso durchwegs langweiligen Produceralben - was ja im Grunde kein Problem wäre, wenn nicht die Aufbereitung ebenfalls die Raffinesse fehlen ließe. Zweitens: Auch White Shadow selbst hätte sich bei seinen Instrumentals mehr Mühe geben können, um nicht wie jeder x-beliebige Beatbastler zu klingen, der irgendwann bereits einen Track auf irgendeinem AOTP-Affiliates-Album platzieren konnte. Drittens fehlt diesem Album - mehr noch als den vielen anderen - das Gefühl, dass man es hier wirklich mit einem Album zu tun hat. Damit lässt sich "Victory" zwar ohne große Störungen anhören, kommt aber nicht aus dem Mittelfeld heraus.

Gesamtwertung: 5.3 / 10

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Mittwoch, 11. November 2009

Fat Joe - Jealous Ones Still Envy (J.O.S.E. 2)

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Release Date: 29. September 2009
Label: Imperial Records / Terror Squad

Tracklist:
01. Winding On Me (Feat. Lil Wayne & Ron Browz)
02. Joey Don't Do It
03. One (Feat. Akon)
04. Aloha (Feat. Pleasure P & Rico Love)
05. Put Ya In Da Game (Feat T-Pain & OZ)
06. Congratulations (Feat. Rico Love & T.A.)
07. Porn Star (Feat Lil' Kim)
08. Cupcake (Feat Benisour)
09. Ice Cream (Feat Raekwon & T.A.)
10. Okay Okay
11. Blackout (Feat. Swizz Beats & Rob Cash)
12. Music (Feat Cherlise)



Die Zeiten, in denen Fat Joe ein wahrhaftes Schwergewicht der Szene war, sind vorbei. Da hilft es nicht weiter, dass er inzwischen fast im Jahresrhythmus Alben droppt, die erstaunlich belanglos sind. An anderen Fronten war Joe erfolgreicher: Gastauftritte von ihm gibt es viele, u.a. auf erfolgreichen Projekten. Denn zumindest seine fettigen Wurstfinger hatte der ehemalige Don Cartagena das ein oder andere Mal im Spiel (als bestes Beispiel sei hier DJ Khaled genannt). Auf Solopfaden sieht das etwas anders aus: Auch wenn er zwischenzeitlich zum "Regenmacher" mutierte, bleibt sein letztes erwähnenswertes Album - wir ahnen es - das platinumgekürte "Jealous Ones Still Envy". Kein Wunder, dass man mit "J.O.S.E. 2" daran gerne anknüpfen möchte.

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Viel eher anzunehmen ist jedoch, dass der Pfad der Unwichtigkeit, dem schon "Loyalty", "All Or Nothing", "Me, Myself & I" und "The Elephant In The Room" folgten, weiterhin beschritten wird. Dass Joe dabei trotzdem immer über seine 100.000 verkauften Einheiten kam, ist schon fast ein Kunststück. Der Weg zum Erfolg sah eine auf Biegen und Brechen erzwungene Befriedigung des zur jeweiligen Zeit angesagten Massengeschmacks vor, was auch diesmal der einzige, strikte Tagesordnungspunkt zu sein scheint. Die Gäste riechen schon gegen den Wind danach, eine kurze Hörprobe liefert die endgültige Bestätigung. Möglichst wenig Eigeninitiative, am besten gar keine persönliche Note: Exakt so windet sich "Winding On Me" mit dem "EtherBoy" durch die Boxen und ist dabei nicht mehr als der Bastard, den das nicht viel bessere "Pop Champagne" mit einer billigen Hure gezeugt hat. In etwa so einfallslos wie das Cover ist die komplette Scheibe: Es wird gegrindet, die eigenen Qualitäten werden ausführlich in alle Wolken gelobt und natürlich bekommen es alle weiblichen Wesen, die Joe zu nahe kommen, ordentlich besorgt. Aber eigentlich braucht er ja nur "One", also die eine Frau; oder - wie Akon quäken würde: "One one one one", quak, quak. Nur in der nächsten Minute sind es halt nicht eine, sondern dreihundert. Ja, dieser Joe ist schon ein toller Kerl. Wenn er doch nur halbwegs so gute Musik von sich geben könnte wie er ein toller Kerl ist. Aber Joe ist ja bekanntermaßen ein toller Kerl und gönnt seinen Hörern ab und zu auch eine Pause von der musikalischen Schlammschlacht mit Einheitsbrei, um im unauffälligen "Ice Cream" verbal seinen Stängel und dessen Tagesplan zu präsentieren - so kann "Eiscreme" natürlich auch aufgefasst werden. Da hilft selbst ein Raekwon nichts mehr. Mehr Einheitsbrei? "Aloha" ist schon zur Stelle und garantiert Déjà Vu-Feeling, auch wenn man den Song zum ersten Mal hört. Ein bisschen Materialismus mit T-Pain richtet im Anschluss nicht viel Schaden an, ist aber dafür hitverdächtig langweilig. Alle Achtung im Übrigen an all jene, die bei den infantil bescheuerten Hooks von Swizz Beatz immer noch keinen Brechreiz verspüren. Unnötig zu erwähnen, dass "Porn Star" schlecht umgesetzt wurde. Zudem trieft dem Song der Auto-Tune aus allen Nähten. Ginge man an dieser Stelle noch weiter auf das Album ein, irrte man nur weiter in die endlose geistige Wüste hinein. Deshalb noch die wenigen "positiven" Dinge, die man dem Album abgewinnen kann: "Joey Don't Do It" überrascht mit harter Gangart und erfreulicherweise fehlender Kotz-Hook, "Music" sowie "Okay Okay" sind immerhin keine vollkommenen Nullnummern.


Fazit:
Man muss sich schon einmal die Frage stellen, was Joe mit einem solchen Album erreichen will. Sind es traumhafte Verkaufszahlen? Denn da hat ihm eine mickrige erste Woche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ist es ein neuer musikalischer Weg für die Zukunft? Diese Abkupferungstour einen "Weg" zu nennen, kann nur sarkastisch gemeint sein. Zusammenfassend ist diese LP sogar für den heruntergekommenen Fat Joe eine Frechheit, die nur unterstreicht, dass dieser Mann nicht mehr den Hauch einer Idee zu sinnvollem musikalischem Output hat. Den ein oder anderen Track mag man betrunken auf der Tanzfläche akzeptieren, ohne sich zu fragen, wer oder was gerade die Lautsprecher zum Schwingen bringt. Seine Punkte bekommt Joe für "Joey Don't Do It" und das Bisschen Professionalität, das er beim Zusammenschandeln dieses Albums an den Tag gelegt hat.

Gesamtwertung: 2.9 / 10

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Cormega - Born And Raised

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Release Date: 20. Oktober 2009
Label: Aura Records

Tracklist:
01. Intro (The 3rd Coming)
02. Girl
03. Love Your Family (Feat. Havoc)
04. Get It In (Feat. Lil Fame)
05. The Other Side
06. Live And Learn
07. Make It Clear
08. Journey
09. Define Yourself (Feat. Tragedy Khadafi & Havoc)
10. What Did I Do
11. Dirty Game (Album Version)
12. One Purpose
13. Rapture
14. Mega Fresh X (Feat. DJ Red Alert, Parish Smith, Grand Puba, KRS-One & Big Daddy Kane)



Die Wartezeit war schmerzhaft lang, doch nun ist es soweit: Sieben Jahre ist das letzte offizielle Album von Cormega inzwischen alt. Dass ihm bis zum heutigen Tag, im Gegensatz zu vielen anderen, der viel gelobte QB-Sound zugeschrieben wird, liegt aber nicht daran, dass man in der langen Zeit nichts von ihm zu hören bekam: "Legal Hustle" und der "Who Am I" Soundtrack bildeten zwei Stationen, die beide keine Überflieger waren, doch zumindest die Sicherheit gaben, dass Mega immer noch seine Schiene fährt. Nicht zu vergessen der Umstand, dass sein nie veröffentlichtes eigentliches Debüt "The Testament" das Licht der Welt erblickte. Doch große Wellen schlug Mega nie, er blieb der Kerl im Hintergrund, der er schon immer war. Das wird sich wohl auch mit "Born And Raised" nicht ändern.

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Dass sich die Scheibe in diesen für den Musikmarkt so schweren Zeiten weitaus weniger verkaufen wird wie die ersten beiden Alben, ist sogar als sicher anzusehen. Und das, obwohl diesmal das bisher wohl namenhafteste Aufgebot an Produzenten hinter Mega steht. Doch wie wir alle wissen, kann ein solches Monster-Lineup dieser Tage gleich einem Kartenhaus einstürzen, da die Großmeister früherer Tage inzwischen nicht immer in Bestform auflaufen. Dabei ging Cormega auf "The Realness" und vor allem auf "The True Meaning" Hand in Hand mit der instrumentalen Atmosphäre, die - zusammen mit seinen einzigartigen Raps - seinen persönlichen Stil ausmachte. Gerade dieses Attribut konnten sich jüngst (an der Zahl zu) viele Künstler nicht mehr auf die neueren Ergüsse retten. Sollte Cormega da etwa die Ausnahme bilden?, oder vergeht hier eine der letzten Eastcoast-Größen, die noch von allen Seiten Respekt genießt? Nein. Denn die erste und auch größte Überraschung an dieser Platte ist Mega's schlafwandlerisch sichere Hand bei der Wahl der richtigen Beats. Das will nicht heißen, dass hier keine mittelmäßigen Tracks zu finden wären, doch das Gesamtbild stimmt. Schon nach dem überflüssigen "Prelude" (gesprochen von Marley Marl) schnürt Bear One ein herrliches "Intro", das alles hat, was man sich von Mega wünscht: eine simple und schöne Piano-Line, federleichte Voice-Samples im Hintergrund und die einzigartige Stimme Cormega's, die wie immer souverän in Szene gesetzt wird. Erzählt wird vom Leben im Ghetto und dem Ehrenkodex der Straße. Dass Cormega die immergleichen Themen interessant zu verpacken weiß, gehört zu seinen Stärken. "Girl" beispielsweise ist mit dem zur Frau personifizierten Coke ein alter Hut, läuft aber trotz des eher schwachen Beats von L.E.S. gut. Doch der Einstieg ins Album verläuft nach dem guten Intro generell noch etwas schleppend (die Havoc-Hook im sonst guten "Love Your Family" hätte nicht sein müssen) und endet erst nach Easy Mo Bee's müdem "Get It In", in dem Fame's Hook deplatziert wirkt. Mit dem Produzieren klappt es für das M.O.P.Mitglied besser: "The Other Side" macht mit seinem Sax viel Boden gut. Was dann in den nächsten Tracks folgt, ist genau das, was man von den ersten Alben kennt, besprüht mit neuem 2009er Lack. Herrlich, wie Large P mit einer einfachen Streicher-Bestückung Cormega die Voraussetzung dafür gibt, wo so viele andere scheiterten (unterhaltsamer BoomBap). QB-Sound à la Mega bietet ebenfalls Ayatollah's "Rapture". Davon lässt sich auch DJ Premier anstecken und macht mit "Make It Clear" nicht weniger als das, wofür man ihn seit jeher schätzt. "Dirty Game" ist zwar schon mehrere Jahre alt, passt hier aber trotzdem gut und mutet ähnlich wie der erste Premo-Track an. Den Pokal für die beste Beihilfe geht trotzdem an Pete Rock, der mit "Live And Learn" (in dem Mega einmal mehr über Realness und Snitch-Dasein referiert) perfekt die bedächtige Stimmung einfängt, die "The True Meaning" so stark machte. Den Abschluss macht ein Monster-Track, der zwar durchaus gut gerät, in dem ein Puba aber nicht auf die Streicher von Buckwild passen will. Außerdem bricht "Mega Fresh X" den roten Faden, den der starke zweite Albumteil bis dato verfolgt hat.


Fazit:
Wer soweit gehofft hatte, hier eine direkte qualitative Fortsetzung der beiden ersten Alben zu finden (auch wenn erneut ein, bei Mega inzwischen wohl zum Programm gehörendes Acapella mit von der Partie ist), der sollte seine Erwartungshaltung überdenken. Gut ist Mega's neues Album, aber überragend gut ist es nicht. Doch immerhin ist es (zumindest im größten Teil) genau auf die Liebhaber des alten Mega zugeschnitten und knüpft da an seine Vorgänger an, wo viele andere Alben 2009 versagten. Damit ist "Born And Raised" selbstverständlich in keinster Weise innovativ. Muss es aber auch nicht, denn insgesamt hat Cormega seine Fähigkeiten sowie seine Relevanz unter Beweis gestellt und ein erfreuliches Album zustande gebracht.

Gesamtwertung: 6.9 / 10

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BK-One & Benzilla - Rádio Do Canibal

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Release Date: 06. Oktober 2009
Label: Rhymesayers Entertainment

Tracklist:
01. Ivan Tiririca (Intro)
02. Gititit (Feat. Slug & Brother Ali)
03. Mega (Feat. Haiku D'Etat)
04. Caetano Veloso (Interlude)
05. The True & Living (Feat. Raekwon & I Self Devine)
06. Here I Am (Feat. Phonte, Brother Ali & The Grouch)
07. Tema do Canibal (Feat. The Hypnotic Brass Ensemble)
08. Ivan Tiririca (Interlude)
09. Philly Boy (Feat. Black Thought)
10. Blood Drive (Feat. Slug)
11. A Day's Work (Feat. P.O.S.)
12. Face It (Feat. Toki Wright)
13. Love Like That (Feat. Aby Wolf)
14. Hyldon (Interlude)
15. Blue Balls (Feat. Blueprint)
16. Eighteen To Twenty-One (Feat. Murs)
17. Call To Arms (Feat. I Self Devine)
18. American Nightmare (Feat. Brother Ali & Scarface)
19. Tom Zé (Outro)



Jenen, die beim Anblick von Cover und Titel verwundert auf eine nähere Erklärung bzw. Einordnung warten, zu helfen, fällt hier gar nicht so leicht. BK-One releast über Rhymesayers. Doch was sagt das schon groß über die Platte aus, abgesehen von einer zu erwartenden, mindestens passablen Qualität? BK-One war bzw. ist Tour-DJ von Brother Ali. Doch wer diese Scheibe gehört hat, der weiß, dass auch dieser Hinweis nur sehr bedingt weiterhilft. Zumal BK-One bisher als Produzent eine verschwindend geringe Aktivität an den Tag legte. Benzilla, der helfend zur Seite steht, ist im gleichen Umfeld anzusiedeln, hat aber ähnlich wenig in der eigenen Diskografie stehen. Um "Rádio Do Canibal" zu umreißen, muss man sich also schon mit der LP beschäftigen.

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Zuerst muss erklärt werden, woher der Titel und damit auch die Idee zum Album, das im eleganten Discbox-Slider erscheint, kommt: Hierfür sind BK-One's zahlreiche Trips nach Mittel- und Südamerika verantwortlich, auf denen es ihm anscheinend vor allem Brasilien angetan hat, denn aus Samples von Musik aus selbigem Land setzt sich der musikalische Grund dieser Platte zusammen. Die Antropophagie-Bewegung wiederum spendet den Titel: Oswald de Andrade's Werk "Manifesto Antropófago" (engl. "Cannibal Manifesto"), das im Zuge der Bewegung eine rassische Lehre der kannibalistischen Absorption anderer kultureller Strömungen vertrat, wird auf die Musik transferiert und bedeutet kurz gesagt: Der HipHop (bzw. das "Radio", was als Anspielung auf die von BK-One mitbegründete erste Rap-Radiosendung in Minneapolis, "The Beatbox", angesehen werden könnte) verleibt sich die brasilianischen Musikelemente ein - oder anders herum, wie auch immer man es sehen will. Da sich BK auf der Schule dem Studium von Jazz widmete, ist es nur verständlich, dass auch aus dieser Richtung ein schwacher Wind weht. Nun also hat man eine grobe Ahnung, in welchem Film man sich befindet. Dieses einzigartige Konzept wird nun also in einen Topf geworfen mit HipHop-Helden aus dem Hause Rhymesayers sowie einigen weiteren weitbekannten Indie-Größen. Was dabei herausgekommen ist, ist zwar leider nicht ganz so abgefahren, wie man vielleicht erwartet hätte, doch ein angenehmes Hörerlebnis erwartet einen allemal. Zum Teil tropisch frisch, zum Teil auch auf anderen Platten vorstellbar: "Gititit" läuft sich als erster Track noch langsam warm, während das einleitende "Ivan Tiririca" bereits das richtige Feeling vorgegeben hat. Mit Interludes, in denen u.a. Lokalgrößen/-musiker Tom Zé, Hyldon oder Caetano Veloso zu Wort kommen, wird auch immer anschaulich unterstrichen, wo man sich hier befindet. Den Rappern selbst wird zwar keine Marschrichtung vorgegeben (und auch keine Doktrin gleich dem Titelkonzept wird propagiert), doch das Fehlen des inhaltlich roten Fadens (der auf Producer-Alben fast nie zu finden ist) stört kein bisschen. Da darf ein Murs einen seiner bekannten Frauen-Songs abhalten und die unbeschwerte Spanne von "Eighteen To Twenty-One" preisen und Slug gleichzeitig in "Blood Drive" ernste und kritische Töne anschlagen. Ein wahres Highlight findet sich sowieso anderswo: Im munteren "Mega" trägt das Konzept der Platte mitunter seine dicksten Früchte, da Haiku D'Etat aufblühen wie sonst niemand auf der Scheibe. Auf der anderen Seite steht das schwermütige "American Nightmare", das vor allem mit der außergewöhnlichen Kombo Ali-Scarface überrascht. Idyllischer Gesang von Aby Wolf zu Gitarrenakkorden in "Love Like That" ist eine weitere Facette der LP, ebenso wie der nur auf den ersten Blick nicht ins Bild passende Raekwon (der sich gut mit I Self Divine ergänzt) im bassgeschwängerten "The True & Living". Zuletzt sei noch "Tema Do Canibal" zur Sprache gebracht, ein von The Hypnotic Brass Ensemble eingespieltes Instrumental, das sich dank mitreißendem Karneval-Feeling schon nach dem ersten Hörgang felsenfest im Gedächtnis festsetzt.


Fazit:
HipHop braucht Alben wie "Rádio Do Canibal". Nicht wegen ihrer außergewöhnlichen Qualität, sondern wegen neuen Ideen, die ein wenig Staub aufwirbeln und sich alleine damit eine Existenzberechtigung sichern. Abgesehen davon kommt man nicht daran vorbei, zu vermerken, dass BK-One gerne noch mehr brasilianischen Flair in seine Songs hätte packen können, dass es hier beizeiten fast schon zu gewöhnlich (wenn auch auf ansehnlichem Niveau) zugeht. Ansonsten kann man ihm zu diesem Album gratulieren, und Rhymesayers darf man dafür beglückwünschen, dass sie weiterhin die richtige Musik veröffentlichen. Im Endeffekt ist "Rádio Do Canibal" zwar "nur" gut, aber interessant ist es in jedem Fall.

Gesamtwertung: 6.9 / 10

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Freestyle Professors - Gryme Tyme

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Release Date: 06. Oktober 2009
Label: Freestyle Records

Tracklist:
01. Intro
02. Turn My Headphones Up
03. Valley Of Death
04. Who Am I?
05. Luv U (Feat. Stanley Grimes)
06. Confuse A Few (Feat. Lord Finesse)
07. Breaking The Rules
08. Gryme Tyme
09. Jump On It (Feat. Don Q & Akbar)
10. Let Me Tell You Something
11. Time Flies
12. The Lord's Prayer
13. The Breakdown (Feat. Lil' Sha)
14. Testify
15. We Comin'
16. Those Was The Days Remix (Feat. Kasha)
17. Radio
18. Think About It
19. Knick Knack (Feat. Stanley Grimes & Akbar)
20. Outro (Feat. G.W. Foxx)



Willkommen zurück aus der Versenkung: Die Freestyle Professors sind ein Duo, das zu der Sorte Künstler gehören, die die Mittneunzigerwelle angespült hat, die es aber nicht ganz den Strand hinauf geschafft haben. Aus der South Bronx stammend und sich zum D.I.T.C.-Umfeld zählend, waren die Voraussetzungen gar nicht schlecht, doch für Giff und Branesparker ging es nie über die 12" hinaus. Inzwischen ist sogar das Gewicht von Diggin' In The Crates erheblich gesunken, doch die Freestyle Professors scheinen es nun doch endlich wissen zu wollen: Veröffentlichung der alten Tracks im letzten, neues Album in diesem Jahr. Ohne großen Trubel erscheint "Gryme Tyme" über das eigene Label.

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Für die Produktion wird die ganze, angegraute D.I.T.C.-Riege eingebzogen, während der Großteil von Branesparker selbst ausgestattet wird. Wo "Gryme Tyme" einzuordnen ist, sollte offensichtlich sein, denn die Freestyle Professors sind in der Zeit stehengeblieben. Hier hat man es mit zwei in Rap-Jahren alten Haudegen zu tun, die vom Einbeziehen neuer Methoden in ihr Handwerk nicht viel halten. Dementsprechend klingt das Album dann auch so sehr nach Golden Era, wie es 2009 nur möglich ist. Ob das nun in allen Belangen gut zu bewerten ist, wirft eine ganz andere Frage auf. Doch gerade bei dieser Frage ist man am Knackpunkt des Albums angelangt, denn an anderen Fronten sehen die Errungenschaften eher durchwachsen aus: Rap-Götter oder Charismabomben sind die FPs keinesfalls und die inhaltlichen Ergüsse sind durch und durch 08/15-Abhandlungen über das Leben, das man als "Real HipHop"-Head in der Bronx nunmal so führt. Nach Konsum der ersten Tracks wird schnell klar, dass hier nicht sonderlich viel passiert, dass man dabei aber trotzdem auf seine Kosten kommt. Die Beats sind zu keinem Zeitpunkt herausragend, was sich auch als Fehlen jeglicher Highlights auf das Endfazit auswirkt, doch dafür wird die eigene Schiene konsequent und angenehm gefahren. Denn im Gegensatz zu sämtlichen mit "Bring It Back" plakatierten Alben könnte diese Scheibe wirklich aus den 90ern stammen - sie wäre dort nur (ebenso wie sie das 2009 ist) im Mittelmaß gelandet. Die Drumlines haben den typischen 90s-Geschmack, die Rhymes sind simpel, die Real HipHopppers werden aufgefordert: "Turn My Headphones Up". Hier eine kleine Piano-Line, dort ein paar Streicher zusammengeschnürt, mit Scratches bestrichen, und so weiter; man kennt es ja. Trotzdem wirkt das alles an einigen Stellen zu einfach ("Luv U") und an anderen zu plump (der Titeltrack "Gryme Tyme" verlangt mit seiner anstrengenden Hook als einziger nach der Skiptaste), wobei insgesamt der nötige Biss fehlt. Trotzdem seien die besten Tracks noch angesprochen: "Breakin' Tha Rules" gefällt mit gelungenem Voice-Cut plus Streicher-Aufgebot und "Think About It" hätte auch zu Diamond D's besten Zeiten kommen können. Die gänzlich aus dem Umfeld stammenden Gäste (auf dass sie auch Erwähnung finden) liefern allesamt passende Beiträge zum stimmigen Gesamtpaket, ohne dabei das Rampenlicht erwähnenswert zu beanspruchen.


Fazit:
In einer gewissen Weise ließe sich dieses Album scharf richten, denn es ist eine Platte, das seine Zeit verschlafen hat, um sich nun in einer veränderten Welt wiederzufinden. Dabei wäre es zu seiner eigentlichen Zeit nichts besonderes gewesen, weswegen ein Release im Jahr 2009 nicht zu Unrecht als überflüssig kritisiert werden kann. Auf der anderen Seite hat es in den letzten Jahren selten ein Album so gut geschafft, die Atmosphäre der Neunziger einzufangen. Das gilt für alle beteiligten Produzenten, die ein harmonisches Gesamtbild geschaffen haben. "Gryme Tyme" bleibt als Album gut hörbar, ist aber nichts, was man auf Dauer im Gedächtnis behalten wird.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

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67 Mob - Raising The Bar

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Release Date: 29. September 2009
Label: 67 Mob LLC

Tracklist:
01. You Don't Even Know
02. Raising The Bar (Feat. Cutty Ranks)
03. Keep It Movin' (Feat. Buckshot)
04. Any Contender (Feat. Masta Killa)
05. Beast
06. Poison String Masquerade (Feat. AZ)
07. Bensonhurst Skit
08. Let The Games Begin (Feat. Sean Price)
09. Archie Bunker Meets Sammy Davis Jr. Skit
10. Mob Ride
11. Backbreaker
12. Chasin' The High
13. Legendary (Feat. Kool G Rap)
14. Gun Barrel Keys (Feat. Bronze Nazareth & Canibus)
15. Fastlane
16. Rain On My Parade
17. Survivin' This Game (Feat. Bronze Nazareth, Phillie & Killah Priest)
18. Rude Awakening
19. Get That Now (Feat. Planet Asia)
20. No Ez Way Out




Man kann studierter Gelehrter der ostküstlichen HipHop-Hemisphäre sein und es wird trotzdem passieren, dass einem immer wieder Unbekanntes und Überraschendes über den Weg läuft. Zum Beispiel eine Gruppe wie diese: Die 67 Mob begründet ihren Namen durch ihren Gründungsort (die 67th Street) und die Zahl der Freunde, welche den Mob ausmachen. Eine typische Underground-Formation - an sich nichts besonderes. Doch bei der Liste der Namen, die sich zu besagten Freunden zählen, wird es interessant: Neben der oben ersichtlichen Tracklist darf das Debütalbum des Quartetts mit nicht weniger als einer Komplettproduktion von Bronze Nazareth prahlen. Spätestens jetzt ist "Raising The Bar" ein Reinhören wert.

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Man sollte es sich nochmal auf der Zunge zergehen lassen - schließlich hat Bronze (ausgenommen seiner eigenen Werke) noch nie Vergleichbares getan. Erst recht nicht für eine Bande von Greenhorns, die sich mit einem bescheuerten Titel wie "Raising The Bar" und diesbezüglichen Erläuterungen à la "taking HipHop to the next level" nicht gerade käuferwerbend vorstellen. Das übernimmt die Überdosis Vitamin B, die Lips, Grecaman, Sal Black und CHZ jeden Morgen zu sich nehmen. Ihr Auftritt auf M-Eighty's "Academy"-Sampler war allerdings eher Grund zur Sorge: Trotz eines Sean Price war "Let The Games Begin" keine Erleuchtung. Selbst Bronze Nazareth zeigte sich erstaunlich unmotiviert. Um das allgemeine Interesse an "Raising The Bar" zu erhalten, sei gesagt, dass fast der gesamte Rest ein gutes Stück besser ist. Nun zum Wesen der Scheibe: Den Vorurteilen sei's gedankt, dass es wenig überrascht, wenn vier weiße Baggy-Nasen aus Brooklyn über 70 Minuten hinweg Battle-Raps klopfen und die eigene Realness ins Mikrophon erklären, um dem Ganzen ein wenig Street-Talk beizugeben. Aus lyrischer Sichtweise ist das Album (wie so viele andere auch) also - man darf es ruhig so hart auf den Punkt bringen - zu vollen 100 Prozent überflüssig. Erwähnenswerte Wortspiele? Wortwitz? Nicht hier. Flowmäßig sieht es da schon besser aus, da zumindest in diesem Punkt wenig Kritik vonnöten ist. Es liegt also schon schwer in der Luft: Dieses Album verdient seine Daseinsberechtigung mit den Beats. Denn die sind größtenteils genau das, was man bei Bronze schätzt, während der Detroiter jedoch versucht, dem Mob einen etwas streetlastigeren Sound zuzubereiten: "Chasin' The High" (das sich ausnahmsweise das Thema Drogen zum Tagesordnungspunkt macht) besticht als düsteres Arrangement, "Mob Ride" hätte auf einem härteren Album sicher noch besser ausgesehen. Solchen Tracks stehen die von typischen Bronze-Drumlines getriebenen Stücke gegenüber, wobei die ganze Spanne gut unter ein Dach platziert wird. Man ist also schnell in das Album eingetaucht. Trotzdessen und trotz der teils durchaus guten Performances des Mob am Mic kann nichts darüber hinwegtäuschen, dass man manche der Instrumentals lieber in anderen Händen gesehen hätte: Gerade bei Gastauftritten ("Survivin' This Game", "Gun Barrel Keys") tritt dieses Gefühl zutage. Oder aber, wenn 67 Mob der herrlich wehmütigen Stimmung in "Rain On My Parade" nicht gerecht werden. Hin- und hergerissen zwischen Kritik und Lob, sollte man keinesfalls vergessen, dieses Album einfach zu akzeptieren, die starken Beats und soliden Rhymes zu genießen. Der karibische Flair, den Cutty Ranks für "Raising The Bar" mitbringt, erweist sich z.B. als vortreffliche Wahl, ebenso wie "Keep It Movin'" hervorragend mit den fünf Emcees funktioniert. Aussetzer sucht man bei Bronze Nazareth sowieso vergebens, im Gegenzug wiederum sind "Backbreaker" mit dominierendem Piano und "Get That Now" weitere Argumente für die Platte.


Fazit:
Aus Sicht der 67 Mob ist ihr Debüt selbstverständlich das Beste, was ihnen zur Option stand: Es gibt wenige Alben, die durch ihre Produktion so sehr aufgewertet werden wie "Raising The Bar". Das will nicht heißen, dass 67 Mob nicht rappen könnten, doch mit Durchschnittsproduktion hätte sich (um es erneut auf den Punkt zu bringen)) kein Schwein für dieses Album interessiert. Auf der anderen Seite muss man sich ernsthaft fragen, was (bzw. welche Summe) Bronze Nazareth dazu veranlasst hat, hier mit vollem Einsatz zur Tat zu schreiten. Zwar ist es nicht seine beste Arbeit - das Wort "angebracht" trifft es am besten - , doch während man weiterhin auf seinen Zweitling oder den der Wisemen wartet, verwundert es, dass er nebenbei Zeit für ein Projekt wie dieses hat. Doch um zu einem Ende zu kommen: Alle, die Bronze's Beats etwas abgewinnen können, werden hier glücklich. Wer auf große Rap-Darbietungen setzt, der kann "Raising The Bar" (dementsprechend: Albumkonzept verfehlt) links liegen lassen.

Gesamtwertung: 6.7 / 10

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Deams - The Legacy EP

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Release Date: 11. September 2009
Label: Deams Music

Tracklist:
01. DJ Premier Legacy Intro
02. State Your Game (Feat. Big Daddy Kane)
03. Collateral Damage (Feat. Jeru the Damaja)
04. The BoomBap Experience (Feat. De La Soul)
05. Underground (Feat. Ice T)
06. I See (Feat. Chuck D)
07. Nuthin' Like (Hip Hop Music)



Für alle, die das Zeitfenster in den Neunzigern, in dem man von Deams hätte Wind bekommen können, verpasst haben, ist es nur angebracht zu fragen: 'Wer bitteschön ist denn Deams?' Denn der Herr, der hier seine erste (halb)volle Veröffentlichung, eine EP, vorlegt, scheint kein Niemand zu sein, was der Grad seiner Gäste schwer andeutet. Kurze Zusammenfassung: Deams stammt aus Holland, zog dann aber nach New York, wo er von Afrika Bambaata in die Zulu Nation aufgenommen und zudem Teil der Gang Starr Foundation wurde. Probleme mit seiner Greencard zwangen ihn zur Ausreise, weshalb es damals bei nur einer Single blieb. 2009 wird ein neuer Anlauf gewagt, der mit der übers eigene Label veröffentlichten "The Legacy EP" seinen Start nimmt.

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Inzwischen ist Deams kein Jungspund mehr, der Stellenwert von BoomBap hat sich geändert und Namen wie Zulu Nation oder Gang Starr Foundation werden vornehmlich in auf vergangene Tage zurückblickendem Kontext verwendet. Es gilt also, andere Dinge zu beweisen als noch vor einem guten Dutzend Jahren. Jemand wie Deams muss beweisen, dass er überhaupt noch relevant ist. Die Tracklist lässt vermuten, dass diese Aufgabe mit einer gepflegten Nostalgiestunde und der Kraft der wohlklingenden Gäste in Angriff genommen werden soll. Doch es ist nicht so, dass Deams selbst kein passabler Emcee wäre, der durchaus eine eigene Persönlichkeit am Mic vorzuweisen hat. Nur was dann in harmlosen sieben Tracks geboten wird, reicht keinesfalls, um irgendeine "Legacy" fortzuführen, geschweige denn, um in jeglicher Weise aufzufallen. BoomBap nach Strich und Faden, der zwar durchaus zu gefallen weiß, dafür aber jede Besonderheit vermissen lässt. Viele Shoutouts, viel Props-Schieberei. Das beginnt im (keinem anderen Zweck dienenden) DJ Premier-Intro und ist in jedem weiteren Track wiederzufinden: Gibt es in "State Your Game" mit BDK noch ein richtig schönes Instrumental, während von Deams im Vitrinenschrank der selbstverliehenen Auszeichnungen Inventur geführt wird, so hat man im unauffälligen "The BoomBap Experience" beispielsweise relativ wenig vom De la Soul-Auftritt. "Collateral Damage" ist nicht schlecht, aber schnell vergessen. Im hinteren Teil trifft "Underground" (thematisch ohne Überraschungen) eine gute Wahl aus der Standard-Sample-Kiste, während Ice-T (repräsentativ für alle Gäste) gründlich, aber unauffällig auftritt. Dann wäre da noch das mittelmäßige "I See", das die gewohnten Probleme (Verfall der HipHop-Kultur, soziale Missstände) sieht. "Nuthin'" sollte schlussendlich gar nicht mehr erwähnt werden, da Deams im einzigen Song ohne Gast dank eines miserablen Beats nichts gelingen will.


Fazit:
Das war es auch schon wieder. In Anbetracht der Gästeliste, von welcher viele vollwertige Alben nur träumen können, eine doch etwas magere Vorstellung. Das mag daran liegen, dass man Deams als Hörer keinen Sound zuordnen kann, ebenso wie Deams selbst dazu anscheinend nicht in der Lage ist. Deswegen bleibt es BoomBap, wie er standardisierter nicht sein könnte. Was Deams am Mic bietet, würde reichen, wenn er besagtes Sound-Problem gelöst hätte. Doch so verbleibt nur eine Hand voll Songs, bei denen man unter Umständen noch die Gäste im Kopf behält, die als Neuvorstellung für Deams im Jahr 2009 jedoch recht ungeeignet erscheinen. "The Legacy" lässt sich zwar gut anhören (letzter Track ausgenommen), im überdurchschnittlichen Bereich bewegt man sich hier allerdings (knapp) nicht.

Gesamtwertung: 5.1 / 10

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