
Release-Date: 23. September 2008
Label: Hell Razah Music
Tracklist:
01. Assylum (The Embryo)
02. Indian Giver
03. Burn Babylon Burn
04. Renaissance Ages
05. Born And Raised
06. Pre Natal Care Skit
07. Umbilical Mic Chords
08. Kicks Of Raziel
09. Mental Orgasms
10. Labor Pain
11. Contractions
12. Crack Baby Cradles
13. Digital Dope Spoons
14. After Birth
Anscheinend hat Hell Razah das Gefühl, einiges nachholen zu müssen. Seit 2007 ist der Herr in eine Release-Wut verfallen, die einen nur stutzig machen kann. Nachdem "Renaissance Child" und "Razah's Ladder" im letzten Jahr erschienen, wird nach der Scheibe mit Shabazz und zwei "Hell Hop" Mixtapes gleich munter weitergefeuert: "Ultra Sounds Of A Renaissance Child" offenbart uns, was der Herr in letzter Zeit getrieben hat. Dazu kommt die Gründung eines eigenen Labels und die anstehende Namenstransformation zu Heaven Razah.
Dass dabei die Qualität zu leiden hat, ist eine Weisheit, die sich schon unzählige Male bewahrheitet hat. Um es kurz zu machen: man könnte dieser Review hier an dieser Stelle den Saft abdrehen und mit einem kurzen Fazit abschließen - denn viel gibt es nicht zu sagen. Das Album beginnt, und während man bis zum letzten Track darauf wartet, dass es mal richtig loslegt, ist es auch schon wieder zu Ende, was bei unter 40 Minuten Spieldauer sowieso kein Wunder ist. Natürlich ist das Album nicht total für die Tonne. Es wird vielmehr munter unter der Schwelle der Aktivierungsenergie zu erwähnenswerter Begeisterung gelümmelt, während ein Exempel von "typischem Razah-Sound" geschaffen wird, das in zukünftigen Rezensionen mit leicht negativem Beigeschmack zitiert werden wird. Die besten Versuche, Hörenswertigkeiten hervorzubringen, sind das entspannte "Born & Raised" und das etwas düstere "Kicks Of Raziel", dem es letztendlich jedoch auch an Energie fehlt, die auch Razah mit seinem immergleichen und schön anzuhörenden Gebrabbel aus dem Ghetto-Geschichts-Religions-Eintopf nicht liefern kann. Der im hinteren Teil des Albums kurz aufkommende sehr gute Vibe, der vor allem durch Tracks wie "Contractions", "Crack Baby Cradles" oder "Labor Pains" genährt wird, ist leider viel zu kurz - und zudem durchsetzt von Langweilern bzw. dem wirklich nervigen "Mental Orgasms", das als einziger Track einen bewussten Griff zur Skip-Taste hervorruft.
Fazit:
"Ultra Sounds Of A Renaissance Child" ist das, wonach es aussieht: eine gute Gelegenheit zum Verpassen. Hier passiert so herzlich wenig, dass man sich lieber nochmal die Alben von 2007 anhört. Selbst für Fans ist wenig Großartiges dabei. Vielleicht sollte jemand Razah mitteilen, dass ihn niemand zu seiner Release-Flut zwingt. Denn weder an der prinzipiellen Wahl der Produzenten, noch an Razahs Rapkünsten selbst gibt es viel zu bemängeln. Dieses Album hätte ganz einfach frühestens in einem Jahr kommen sollen, mit einer besseren Wahl an interessanteren Tracks.
Gesamtwertung: 5.4 / 10

Release-Date: 9. September 2008
Label: Hyena Records
Tracklist:
01. Service
02. Trouble Is
03. Gol'Dust
04. Slow Cure
05. Back Home (The Return)
06. 40 Furrows
07. House
08. Winter Takes All
09. Weather Vane
10. 40 Acres
11. Spits (Instrumental=
12. Nina Sing - (feat. Funklove)
13. Certitude - (feat. Chev)
14. The Crucible - (feat. Geologic (of Blue Scholars))
15. 40 Thieves
16. Nothin' At All
17. Swell
18. Tobacco Road
Im Bestreben der Stadt Seattle, ein fester Teil der HipHop-Map der Vereinigten Staaten zu werden, spielen die Blue Scholars und vor allem Sabzi eine wichtige Rolle. Als Produzent kennt man ihn für seine relaxt-souligen Produktionen. Neben den Blue Scholars existiert seit 2005 auch Common Market, das neben Sabzi aus dem MC RA Scion besteht. Und nachdem "Tobacco Road" eigentlich schon vor einem Jahr fertig gewesen wäre, jedoch mit einigen Problemen zu kämpfen hatte, darf man sich nun, nach einer inzwischen eingeworfenen EP, über das zweite Album von Common Market freuen.
Und wie bei fast jedem, so wird auch bei diesem Release die Welt nicht auf den Kopf gestellt. Mit einem ironischen "Überraschung!" darf enthüllt werden, dass sich Sabzi darin ergeht, wofür man ihn kennt und wie er in der Einleitung vorgestellt wird: "Tobacco Road" ist randvoll mit locker-leichtem Sound, der keiner Fliege etwas zu Leide tun könnte. Sabzis bester Freund ist dabei das Klavier, welches uns in vielen Stücken begleitet und altbekanntes Relax-Feeling heraufbeschwört: die Tasten mögen vom Einspielen des Blue Scholars-Tracks "Back Home" noch warm sein, da wird schon "Back Home (The Return)" heruntergeklimpert - diesmal jedoch ohne die eingängige Antikriegsstory und wesentlich fröhlicher. Und wer sich für Sabzis Sound begeistern kann, dem wird auch bei dieser Gutwettermusik wieder warm ums Herz. Man mag es zwar fast vergessen, doch diese Formation besteht aus zwei Akteuren: RA Scion ist auch noch da und rappt sich durch das ganze Album mit einem soliden Flow. Was ihn dabei jedoch von Anfang an einschränkt ist sein schwaches Stimmorgan, das einen sehr großen Teil dazu beiträgt, seinen Vorträgen die zweite Geige in die Hand zu drücken - denn die erste spielt hier zweifelsohne Sabzi. Andererseits sollte man nicht zu viel meckern, denn wenn man sich mit der Tatsache, dass hier die Beats im Vordergrund stehen, abgefunden hat, dann erscheint Scion als sehr angenehme Verbalglasur für die Instrumentals doch ziemlich passend. Und bei denen finden sich wieder einige Juwelen. Neben der schon erwähnten Fortsetzung zu "Back Home" wäre da das langsame "Slow Cure", der Titeltrack mit Klaviereinsatz vom Feinsten, das recht markante "Nothing At All" oder der sich erst nach mehrmaligem Hören herausschälende Höhepunkt "Swell", der den Pokal für die "most relaxed" Nummer dieses Albums einheimst. Als Einheit jedoch versagt das Album, da nicht jeder Beat solche Highlight-Qualitäten aufweist.
Fazit:
Letztendlich versinkt ein nicht unerheblicher Teil der Platte im unbedeutsamen Mittelmaß, was vor allem daran liegt, dass RA Scion bei fehlender Höchstleistung von Sabzi das Ruder nicht an sich zu reißen vermag. Die Leute, denen Sabzis Sound schon immer zu langweilig war, sollten hier gar nicht erst anfangen. Alle anderen sollten die genannten Anspielstationen mal genauer unter die Lauscher nehmen, denn allein wegen dieser Tracks und deren Atmosphäre lohnt sich ein Reinhören. Ansonsten läuft Sabzi mit Geologic als Blue Scholars immer noch besser, was ein Album wie "Tobacco Road" zu einer guten zweiten Wahl macht, welche weniger als komplettes Album und mehr aufgrund einzelner Perlen interessant ist.
Gesamtwertung: 6.4 / 10

Release-Date: 30. September 2008
Label: Duck Down Records / Groove Attack
Tracklist:
01. Intro
02. Everything Is Heltah Skeltah
03. The Art Of Disrespekinazation
04. Da Beginning Of Da End
05. Twinz
06. D.I.R.T. (Another Boot Camp Clik Yeah Song)
07. So Damn Tuff - (feat. Buckshot & Ruste Juxx)
08. Insane
09. W.M.D. - (feat. Smif N Wessun)
10. That's Incredible
11. Ape Food - (feat. The Representativz)
12. Hellz Kitchen
13. Smack Muzik - (feat. Flood)
14. Ruck N Roll
Da ist es also. Heltah Skeltah veröffentlichen, zehn Jahre nach ihrem letzten Album, ihr Drittlingswerk. Wenig umstritten wird dabei die Tatsache sein, dass es wenige Scheiben der Sparte Eastcoast-Rap gibt, auf die man mehr gewartet hat. Das mag einerseits daran liegen, dass es Rock bis zum heutigen Tage zu keinem Solo-Album gebracht hat, und andererseits daran, dass Ruck alias Sean Price in dieser Beziehung um so erfolgreicher war und mit seinen beiden Alben den Löwenanteil beim Ausdemdreckziehen des Duck-Down-Karren geleistet hat. Ohne weitere, und wahrscheinlich sowieso überflüssige, Erläuterung: Bühne frei für Da Incredible Rap Team.
Mit dem "Magnum Force"-Sound hatten Rucks letzte Werke nicht mehr viel zu tun, weshalb es wohl eine der primären Fragen sein wird, in welche Richtung "D.I.R.T." driftet. Die Produzentenliste deutet auf ein typisches 2008er-Release hin: Illmind, Khrysis, Marco Polo, Evidence oder M-Phazes - alle für einen Banger zu haben, aber auch alle gefangen in der großen Schublade des mehr oder weniger einheitlichen Sounds, in den sich die gepflegte Underground-Szene selbst gesteckt hat. Und, welch großes Wunder: auch auf diesem Album ereilen uns keine bahnbrechenden Überraschungen. Das beginnt mit den mittelprächtigen und schon im Voraus bekannten Einstiegstracks "Everything Is Heltah Skeltah" und "The Art Of Disrespekanization" und zieht sich als Faden, der so rot ist wie Seans Superman-Kostüm, durch den ersten Teil des Albums. Weitaus schlimmer erscheint jedoch die Tatsache, dass auch die beiden "Twinz" nicht volle 100% zeigen. Bei Sean Price vermisst man sehnlichst die wahnwitzig guten Lines, die seine Soloalben so gut machten, während Rock über die meisten Instrumentals gar nicht erst voll loslegen kann. Was passiert, wenn ihm dann doch ein Beat entgegenkommt, zeigen "Da Beginning Of Da End" oder der Titeltrack, der durch und durch ein weiterer "Boot Camp Clik Yeah Song" ist. Nachdem Illmind auch mit seinem zweiten Beitrag in "Too Damn Tuff" maßlos enttäuscht (und Buckshot vorführt, zu welcher Sorte Beats er absolut nicht passt) darf auch Marco Polos Beat abgeschrieben werden. In der zweiten Hälfte bessert sich dann die Situation: "W.M.D." beschränkt sich auf bärenstark simplen Sound, der zum ersten Mal an den alten BCC-Sound erinnert. Der nun folgende Rest behält, trotz eines Auftritts des unpassenden Neulings Flood, den Fingerzeig bei und beschert dem Hörer einen gelungenen Ausstieg.
Fazit:
Der Werdegang der Heltah Skeltah-Cover (ich hoffe das hier vorliegende chaotische Superheldenbildchen mit fettem Schriftzug erscheint nicht nur mir etwas... unfertig) geht Hand in Hand mit der Musik. Denn "D.I.R.T." ist leider nicht das Album, auf das die Fans gehofft haben. Zu schlechte Beatwahl, zu wenig Engagement bei Rock und Ruck selbst (wen wundert das auch bei der Feature-Präsenz von zweiterem) - drei Jahre nach der "Wiederbelebung" von Duck Down verflüchtigt sich der Schwung. Noch dazu müssen Heltah Skeltah sich an zwei eigenen Alben aus einer goldenen Zeit messen. Doch entgegen aller Kritik bleibt bei der Ausblendung jener selbstgelegten Messlatte ein Album mit einer durchwachsenen ersten Hälfte und einer starken zweiten - ein solides Album also, dem man viel mehr abgewinnt, wenn man es im Licht des Jahres 2008 und nicht in dem von "Nocturnal" und "Magnum Force" betrachtet.
Gesamtwertung: 6.9 / 10

Release-Date: 23. September 2008
Label: Good Hands Records
Tracklist:
01. Beautiful Minds
02. All Hail
03. Closest
04. Reflections
05. Illest - (feat. Planet Asia)
06. Most High
07. Time Out Revisited
08. Don't Waste Your Lungs
09. All Been Buried
10. Blessing
11. See Clearly
12. Scrolls
Wer in letzter Zeit in der östlichen Underground-Szene nicht über den Namen Killah Priest gestolpert ist, der muss blind und taub zugleich sein. Der Mann scheint überall zu sein. Neben einem eigenen Solo dieses Jahr und einer Unzahl an Feature-Auftritten gibt es desweiteren eine ganze Reihe an Projekten, in die das Ex-Sunz Of Man-Mitglied involviert ist. Bei diesem hier schließt er sich mit Chief Kamachi, Day-One-Mitglied der AOTP, zusammen, um seiner Diskographie ein weiteres Mosaik hinzuzufügen: "Beautiful Minds".
Die etwas zu kurz geratene Erwähnung Kamachis in einem Nebensatz sollte jedoch keinesfalls bezüglich eines eventuellen qualitativen Gefälles irreführen - wer Kamachi kennt, der weiß, dass der Herr mit seiner gesegnet tiefen Stimme dem KP aus dem Jahr 2008 ebenbürtig ist. Bei den Producern setzt man auf größtenteils und teilweise gänzlich unbekannte Namen. Selbst Priests Liebling DJ Woool ist nur mit einem einzigen Beitrag am Start. Zur Vergabe der Lorbeeren: hier heimst ein gewisser Diamond Legit - seitens der Beats - gleich die ersten beiden Plätze ein. "All Hail" und "Closest" untermalen mit ihrem simplen, doch effektiven Strickmuster aufs beste die Raps der zwei Hauptakteure. Vor allem Kamachi scheint die Zusammenarbeit mit seinem Reimpartner sehr zu liegen, da er mit seiner Power-Stimme die perfekte Ergänzung zum bedächtigen Priester darstellt. Auch inhaltlich bietet der Mix aus Street-Wisdom und Hood-Mystik über die komplette Spieldauer hinweg angemessene Unterhaltung - wie man es eben gewohnt ist. Die restlichen Producer liefern größtenteils ebenfalls hochwertige Ware ab - sei es nun das wunderbar streichergetriebene "Reflections" oder Dev Rockas einziger Beitrag im Instrumental-Interlude "Time Out Revisited". Über eine gewisse, durchaus positive, Gemächlichkeit, kommt das Album dabei selten hinaus; "Don't Waste Your Lungs" hebt sich hier vom Rest ab. Die typischen Langweiler trifft man natürlich auch - "All Been Buried" wirft sich als schlechtester Track in die Waagschale, während auch Woools Beitrag sehr belanglos verläuft. Der positive Gesamteindruck wird dadurch jedoch nur leicht getrübt.
Fazit:
Dass "Beautiful Minds" als Ganzes dann doch kein herausragendes Album ist, liegt wohl ganz einfach am Konzept, welches zu keinem Zeitppunkt etwas Neues oder Ungewohntes vorsieht. Trotzdem lässt sich dieses Album problemlos von vorne bis hinten durchhören, der Sound klingt noch weit entfernt von "ausgetreten" und zeigt zumindest hier, dass der quantitative Blowout von K-Priest weiterhin gute Musik zulässt. Wer bisher mit Kamachi, der im Gegensatz zur zweiten Reihe der AOTP-MCs über stimmliches Charisma verfügt, noch nicht vertraut war, sollte dies spätestens jetzt ebenfalls nachholen. Fazit für das Album: Erwartungen erfüllt, nicht weniger, nicht viel mehr.
Gesamtwertung: 7.4 / 10

Release-Date:
30. September 2008
Label:
Gold Dust Media
Tracklist:
01. The Swan Fever
02. Step Bacc
03. Up Yo Spine (Live At The Fishbucket Pt. 3)
04. Ste. For Peter Pt.1 “The Fun”
05. Ste. For Peter Pt.2 “The Grind”
06. Anotha’ (BBQ)
07. The Ultimate 144
08. Letter 2 c/o Bronx
09. Party Enemy #1
10. Enjoy
11. Gamin’ On Ya
12. Critical Condition
13. The Wiz
14. People Riddum
15. California
16. Love’s Theme #1
17. A Baby
18. Same Beat (The Wesley Rap)
19. D
20. The Mike & Chris Story
Im riesigen und sich ständig ausbreitenden Rap-Garten gibt es neben zwielichtigen Gestalten, Bling-Bling-Gangstern und Weed-Heads nur wenige, die man ohne mit der Wimper zu zucken zu den "Guten" stecken kann. Die People Under The Stairs gehören in diese letzte Gruppe. Thes One und Double K sind inzwischen ein fester Bestandteil der HipHop-Szene L.A.'s und haben mit ihren bisherigen Releases sowohl Fans als auch Kritiker immer wieder überzeugt. Das soll sich auch nicht ändern, wenn "Friday Night @ 6:00 PM" ein BBQ zu Ehren des neuen und sechsten Albums "Fun DMC" steigt.
Wie könnte dieses Album, bei einem solchen Cover, aus etwas anderem bestehen als allerbester Gute-Laune-Musik? Das denken sich auch die PUTS und schlagen als Marschrichtung die Untermalung ihrer selbstproklamierten Gartenparty ein. Trudeln im "Swan Fever" noch langsam die Gäste ein, so legt "Step Bacc" dann voll los und wirft den Hörer in einen Pool, der auf relaxed-angenehme Temperatur gekühlt ist, in dem Schwermut als unnatürlichste Sache der Welt erscheint, in dem die Sonne sofort aufgeht und aus dem man so schnell nicht wieder auftaucht. Schon gar nicht, wenn ein Public Enemy-Klassiker zu "Party Enemy No. 1" umfunktioniert wird oder wenn der feel-good-Track Nummer Eins der Scheibe, "Anotha (BBQ)", loslegt. Hier wird auch der widerlichste Tag im verregneten Deutschland mit Los Angeles-Sommerhimmel und gefühltem Geruch von einem auf Hochbetrieb laufenden Grill überzogen. Da lässt es sich auch gut verkraften, wenn einige Tracks etwas zu relaxed vor sich hinschlurfen - "Letter 2 C/O The Bronx" sei hier als passendes Beispiel genannt. Entschädigt wird man durch den unbeschreiblich freshen "People Riddum", der mit Odell eine besondere Note bekommt, oder das textlich aus der Reihe tanzende "A Baby", das mit seinem Titel hoffentlich keiner weiteren Erläuterung bedarf. Und auch über die letzten der 20 Tracks wird das Niveau hoch gehalten, womit auch der runde Abschluss gegeben ist.
Fazit:
Abgeschottet von Charts und sämtlichen Trends oder Einflüssen chillen die People Under The Stairs auf ihrem eigenen Grundstück. Die angenehme Musik, die im Hintergrund läuft, ist vom Album "Fun DMC". Den PUTS gelingt zwar kein Meisterwerk, und letztendlich sind es bei der hohen Trackzahl doch ein oder zwei langweilige Tracks zu viel, doch was hier fabriziert wurde, schlägt trotzdem den Großteil der parallel releasten Musik. Denn in der Funktion, für die "Fun DMC" inszeniert wurde, angelt es sich 4,5 Mics. Aus der Vogelperspektive betrachtet verabschiedet sich ein Mic, womit wir dann bei der Endwertung landen.
Gesamtwertung: 7.3 / 10

Release-Date: 16. September 2008
Label: Duck Down Records / Groove Attack
Tracklist:
01. Intro - (feat. Jazzy Jeff)
02. King Of The Decks - (feat. Sean Price & Tash)
03. The DJ - (feat. KRS-One)
04. Do Your Thing - (feat. Guilty Simpson & Royce Da 5'9)
05. LA D.J. - (feat. Tony G)
06. Funky Piano - (feat. Bishop Lamont, Crooked I & Styliztik Jones)
07. The Big Top - (feat. Special Teamz)
08. Start The Revolution - (feat. Boot Clamp Clik)
09. Scratch Nerds
10. Invaders From The Planet Sqratch - (feat. DJ QBert)
11. EY - (feat. Joell Ortiz & Termanology)
12. Casualties Of Tour - (feat. Rakaa Iriscience)
13. Damage - (feat. Blaq Poet & Bumpy Knuckles)
14. Willie Lynch - (feat. Styliztik Jones & KBimean)
15. The Biggest Up - (feat. DJ Premier)
16. Blow Da Spot - (feat. Strong Arm Steady)
17. School - (feat. Planet Asia)
18. Spit Ridiculous - (feat. DeFari)
19. Pro's & Con's - (feat. Evidence)
20. Calling HAUL
21. Man Or Machine - (feat. KBimean)
22. The Set Up - (feat. Sway & King Tech)
23. The Re-Match - (feat. DJ Spinbad)
24. Raided R - (feat. DJ Raid)
Unter den zahlreichen DJs, die im HipHop-Game ihr Unwesen treiben, sollte der Name DJ Revolution den meisten ein Begriff sein. Hier aufzulisten, wo der Herr schon seine Finger im Spiel hatte, wäre sinnlos. Es sei einfach, für alle an denen es vorbeigezogen ist, gesagt, dass er derzeit beim House Duck Down unter Vertrag steht und mit "King Of The Decks" sein erstes Album für jenes Label veröffentlicht. Die Gästeliste ist, das versteht sich von selbst, der eines typischen Producer-Albums mehr als nur würdig.
Dass der Markt innerhalb der letzten Jahren mit eben solchen Alben gründlich übersättigt wurde, scheint DJ Revolution dabei nicht zu stören. Denn im Line-Up lungern auch hier die üblichen Verdächtigen. Allzweckwaffe KRS-One bekommt dabei mit einem Streicher-Monster den besten Beat ab, was zusammen mit seinen ausnahmsweise mal wieder ganz fresh klingenden Ausführungen über "The DJ" auch den besten Track der Scheibe ergibt. Und um nicht lange um den heißen Brei herumzureden: im großen Rest des Albums watscht DJ Revolution seine Hörer mit einfallsloser Langeweile ab. Neben dem obligatorischen Auftritt eines der BCC-Member, und zwar im Titeltrack, der auf ein typisches Cut & Scratch-Intro folgt und ganz nebenbei nicht der Rede wert ist, findet sich auf diesem Album noch ein kompletter Gruppen-Track: "Start The Revolution" hört sich zwar vom Titel her gut an, hat aber die Sorte von Beat, auf dem Buckshot als absolute Schlaftablette fungiert, auf der ein rumpelnder Rock vollkommen fehl am Platz wirkt und bei dem man bei den folgenden Tek und Steele schon geskippt hat. Diese Umschreibungen gelten auch für so ziemlich alle anderen Tracks, die berappt werden: Special Teamz liegen ganz weit vorne im High-Speed-Narkose-Rennen und werden nur noch von Evidence geschlagen, der einen Beat abbekommt, bei dem das Adjektiv "langweilig" schon purer Euphemismus ist. Auch dem Dilated Kollegen Rakaa ergeht es nicht besser - da kann "Casualties Of Tour" textlich noch so unterhaltsam sein. Selbst beim Gipfeltreff der gepflegt prolligen Battle-Raps wird kein "Damage" angerichtet. Als kleine Erweiterung zum 0815-Programm hat Revolution noch eine ganze Reihe Skits und Tracks, die seine Sonderstellung als DJ betonen, eingestreut. "Scratch Nerds" ist trotz seiner Dämlichkeit beim ersten Hören noch witzig, wird aber ebenso wie "The Biggest Up" nach einiger Zeit tödlichst nervig. Selbiges gilt für das Spinbad-Match, welches zudem noch durch ein Sway-Interlude eingeleitet wird.
Fazit:
"King Of The Decks" ist ein grauenhaft präziser Fall von plumper Langeweile auf hohem Niveau. Hier Kellerwertungen zu verteilen, ist zwar unangebracht, doch es ist mindestens genauso offensichtlich, dass diese Platte (beinahe) so überflüssig ist wie Vorträge von Oscar Lafontaine. Gerade ein einziger Track, der über den guten Durchschnitt hinauskommt - inakzeptabel. Revolution ist ein ausgezeichneter DJ, keine Frage; aber das garantiert nunmal kein gutes Album - und "King Of The Decks" ist das CD-fizierte Mittelmaß.
Gesamtwertung: 4.9 / 10

Release-Date: 16. September 2008
Label: Gold Dust Media / k7
Tracklist:
01. Sleeper Cell
02. Pain Language
03. Smoke
04. 9mm - (feat. B-Real)
05. That's What It Is
06. Black Mask Men
07. Lions In The Forest - (feat. B-Real)
08. Death Frees Every Soul - (feat. Sick Jacken)
09. All Hail The King
10. Black Angels - (feat. Killah Priest, Cynic & Scratch)
11. Drama
12. Language
13. Deadly Blades - (feat. Prodigal Sunn & Tri State)
14. Hashashins - (feat. Turban & Chace Infinite)
15. Shadows Of Hell
16. Triple Threat - (feat. GZA & Chace Infinite)
DJ Muggs, ein Urgestein im HipHop, ist zurück. Dass das Mitglied von Cypress Hill sich gerne mit gestandenen HipHop-Größen für Kollabo-Alben zusammentut, zeigte uns vor einiger Zeit "Grandmasters". Diesmal ist es Fresno-/Cali-Agent Planet Asia, der zur Ehre kommt, auf einem kompletten Album die Produktionen vom Soul Assassin zu berappen. "Pain Language" heißt das Album, birgt sogar ein kleines Konzept in sich und kommt, wie viele andere Alben der letzten Wochen, über Gold Dust Media.
An Muggs' Fähigkeiten will wohl niemand zweifeln. Alles, was einem solchen Album zum Verhängnis werden kann ist entweder der Rapper, oder aber die auf Dauer einsetzende Monotonie im Sound. Im Bezug auf den ersten möglichen Kritikpunkt lässt "Pain Language" wenig Wünsche offen: Planet Asia spittet nicht nur in gewohnt guter, sondern in Bestform. Muggs selbst scheint sich davon anstecken zu lassen und sorgt dafür, dass diese Review sehr positiv ausfällt. Der Sound ist altbekannt - viele Streicher, die typischen Snares und natürlich die ausgefallenen Samples. Das führt im fanfarengetriebenen "Sleeper Cell" zu einem langsam in die Gänge kommenden Einstieg und gipfelt in einer Reihe kleiner Juwelen, von denen mindestens einer in die diesjährige Sammlung der besten Tracks aufgenommen werden sollte. Als da wären: das bombastische "That's What It Is", dessen Hörneraufgebot selbst Planet Asia nicht ganz gerecht wird, oder aber das ähnlich nach vorne preschende "Lions In The Forest", in dem sich B-Real gut ins Gesamtbild fügt. Dem folgt das sehr atmosphärische "All Hail The King", das mit Kirchenglocken und Choralgesängen eine auf dem Album einmalige Stimmung heraufbeschwört. Mit vergleichbar gesampletem Stimmaufgebot schraubt sich auch "Deadly Blades" mit einem starken Gastpart von P-Sunn seinen Weg in die Gehörgänge, während das sich anschließende "Hashashins" mit ähnlich massiver Coolness einrangiert. Nach so viel Lobhudelei muss jedoch auch noch erwähnt werden, dass nicht alles an diesem Album so hervorragend ist - "Black Mask Men" ist zwar der einzige langweilige Song, tut sich dafür jedoch doch durch eine gehörige Portion Lahmarschigkeit hervor. Auch beim Rest verstecken sich ein bis zwei durchschnittliche Tracks, was jedoch im Gesamtbild keinen Schaden anrichtet. Die eingespielten Skits, die sich u.a. mit der Evolution der Sprache befassen, runden die ganze Geschichte ab.
Fazit:
Letztendlich bleibt nicht mehr viel zu sagen: wer DJ Muggs mag, der wird hieran Freude haben. Wer zudem Planet Asia für einen unterbewerteten Rapper hält, der erst recht. Nach den mittelmäßigen letzten Releases ist dies hier sein bestes Werk, bei dem auch Muggs wieder einmal zeigt, wo der Hammer hängt. Eine abgedroschene Phrase, aber hier geht die Kombo aus fetten Beats und dopen Rhymes voll und ganz auf - sehr hörenswertes Release.
Gesamtwertung: 8.1 / 10

Release-Date: 30. September 2008
Label: K7 Records / Gold Dust Media
Tracklist:
01. The Entrance
02. Hot, Sizzling, Scorching, Torching, Blazing
03. ‘Maica Living’ - (feat. Killa Sha & Guardian Leep)
04. Pump Ya Fist - (feat. Mikey D Lotto)
05. Party Time
06. In The Ghetto
07. Hardcore Hip Hop
08. Frantic Barz
09. Sewin’ Love
10. Ru Dope - (feat. Jeru Tha Damaja)
11. Dap - (feat. Lil Dap)
12. Noyd - (feat. Big Noyd)
13. Classic Emergency
14. Rockin’ Hip Hop
15. Large Pro Says
16. To The Meadows
17. The Hardest - (feat. AZ & Styles P)
An dieser Stelle einleitende Worte zu dem Herren, der hier mit einem neuen Album vor der Tür steht, zu platzieren, wäre selten überflüssig. Viel interessanter ist die Tatsache, dass diese Platte praktisch aus dem Nichts erschienen ist - und dass sich Large Pro nach sechs Jahren Stille und mit seinen 36 Jahren (hättet ihr ihn auch älter geschätzt?) überhaupt noch einmal aufrafft. Operationsplattform ist jedenfalls das neue Label Gold Dust Media und der Titel "Main Source" lässt zusammen mit dem Cover auf das schließen und hoffen, was Large Pro kann - Boom Bap.
Normalerweise ist es immer das gleiche Fazit, wenn ein Veteran auf seine alten Tage nochmal ein Album unter die Massen bringt: das hättest du mal besser gelassen. Doch das scheint den Professor nicht sonderlich zu interessieren: wo 9 von 10 der heutzutage erscheinenden und Boom Bap praktizierenden Alben ein Loch an Kreativität und streckenweise gähnende Langeweile hinterlassen, da bahnt sich Xtra P seinen "Entrance" mit Schwung und Elan. Und was nun auf 16 weiteren Tracks folgt, ist das Zelebrieren des Sounds, an dem P seinerzeit selbst mitgetöpfert hat - in einer Art und Weise, die die Umschreibung "Kopfnicker" unumgänglich macht. Hier wird durchgehend gute Laune gepumpt - egal von welchem der Beteiligten. Selbst wenn der Professor für einen Track lang den Taktstock aus der Hand und an Marco Polo gibt, ändert sich daran nicht das Geringste - "Hardcore Hip Hop" macht es sich sogar gleich ganz oben gemütlich, während sich Marco Polo einen weiteren Bomben-Beat ins Inventar stellen darf. Dass P's Raps über das ganze Album hinweg eine Energie versprühen, die man ihm vielleicht nicht mehr zugetraut hätte, kommt noch hinzu: "To hell with the alternative Rapper, I'll make the style blacker / When playtime's over, I'll take your mind back to the norm - and where the artform was once invented / On that hardcore pavement in New York by minute" ist das Motto. Die schon erwähnten ebenso gut aufgelegten Gäste bringen zusätzliche Abwechslung, wobei sich vor allem die einzigartige Stimme des QB-Veteranen Killa Sha als auch die Harmonie zwischen dessen Nachbarn und dem ihm verpassten Beat in "Noyd" hervortun. Selbst der schwächste Track "Rockin Hip Hop" ist ebenso wie das etwas lahme "To The Meadows" gut hörbar und kommt als verzeihbarer Abstrich im Budget unter. Und sogar "The Hardest", das sich Large P von AZ's Album (welches damit keinen einzigen Kaufgrund mehr aufweist) nimmt, scheint hier goldrichtig als Ausstieg.
Fazit:
Wer hätte das gedacht? "Main Source" ist seit Langem das erste Album, das die selbstgesteckten Ziele im Rahmen des schon immer praktizierten NY-HipHop voll erfüllt. Was die Scheibe letztendlich von sämtlichen anderen unterscheidet? Wenn man das beantworten könnte, gäbe es die Einschlaf-Platten einiger Kollegen wohl nicht oder zumindest in verminderter Zahl. "Main Source" ist ganz einfach fresh bis unters Dach und erfreut sich daran, dass vom Large Pro keiner mehr einen Classic erwartet, sondern dass ein solches Album in diesem Stadium seiner Karriere schlichtweg anerkennenden Beifall verdient hat. Hot, Sizzling, Scorching, Torching, Blazing!
Gesamtwertung: 7.9 / 10

Release-Date: 2. September 2008
Label: Babygrande Records
Tracklist:
01. Thrashin'
02. Beware
03. Where I'm From
04. So Much Shit
05. Walk With Me - (feat. Vinnie Paz)
06. Reality Check
07. I Know
08. It's Raining
09. Riddler
10. My Triumph
11. Missles
12. Gutzilla
13. This Is My Life
Wer mit einem Namen wie "Gutta" an den Start geht, der liegt im Rennen der in unkreativer Weise bescheuertsten Namen, die das Rap-Universum je hervorgebracht hat, sehr weit vorne und muss allerhöchstens Angst haben, von Musen wie "Gangsta" geschlagen zu werden. Beim Blick aufs Äußere des Albums drängen sich folgende Fragen auf: Babygrande? Typ, der aussieht, wie direkt dem Trailer-Park entsprungen und der schon durch die nicht in Worte zu fassende Dämlichkeit seiner Cover-Pose seinen inhaltlichen Horizont darlegt? Hatten wir das nicht irgendwie schon? Ja, hatten wir, und das Ergebnis war wieder und wieder kein positives. Unter diesen erschwerten Bedingungen geht also Gutta ins Rennen und gibt seinem Album dabei den vor Niveau strahlenden Titel "Heads Will Roll".
Was die Sache nicht besser macht: Vinnie Paz gibt den einzigen Gastpart, was bei Babygrande-Releases dieser Art inzwischen schon irgendwie so dazugehört wie die Tracklist und das Cover. Was dieses Werk jedoch von vielen anderen abhebt: hinter den Reglern stehen nicht die üblichen stümpferhaften Stoupe-Imitatoren - nein, es sind Blue Sky Black Death, die das komplette Album produzieren. Und bei zweiter Betrachtung fällt auf, dass Gutta einem von diesen schon im Sand verlaufenen früheren Projekten von Babygrande entstammt - der Society Of Invinsbles. Dass diese Fakten nichts an der Tatsache ändern, dass Gutta die typische Weißer-Rapper-Auf-Babygrande-Stimme hat (rau und aggressiv, mit diesem leicht dümmlichen Nachgeschmack), ist jedoch offensichtlich. Doch bei allem Gequengel soll auch auf die positiven Seiten des Albums hingewiesen werden: BSBD spielen ihre ganze Klasse aus und setzen eine (auf Gutta zugeschneiderte) Betonfundierung, über die jedes verbale Leid nur noch halb so groß ist. Auch Gutta selbst macht seinen Job eigentlich gar nicht so schlecht - gegen die Glühwürmchen von Randam Luck wirkt Gutta mit seinem sehr soliden Flow und dem kontrollierten Einsatz seiner leicht reibeisigen Stimme fast schon wie der Messias. Das heißt allerdings nicht, dass die Lyrics groß über den zu erwartenden Tellerrand hinausschauen - was sie aber eigentlich gar nicht brauchen. Nehmen wir nur einmal den Opener "Trashin", zu dem Gutta eine knallhart gute Ergänzung bietet. Selbiges gilt, wenn sich in "Beware" Hörner und ein tief donnerndes Piano die Ehre geben - zu solchen Tracks passt die besagte Rapper-Gattung einfach ausgezeichnet. Und auch wenn man sich beim Erklingen von Vinnie Paz, der mit "My Cousin Gutta" seinen Mitternachtsshoutout ablässt, schon die Kugel geben will, wird auch "Walk With Me" durch seinen starken Beat gerettet, während Gutta ganz nebenbei seinem Gast fast ebenbürtig ist. Gegen Ende hin verliert die Scheibe jedoch an Fahrt, was zwar keinen schlechten, jedoch einige durchschnittliche Tracks mit sich zieht.
Fazit:
Die große Frage bei "Heads Will Roll" muss wohl trotzdem die sein, die einem gleich zu Beginn schon durch den Kopf schießt: wieso bekommt ein Gutta eine Ganzalbumsproduktion von Young God und Kingston, wenn es da draußen zahlreiche Canibuses gibt, die solche Beats viel nötiger hätten? Diese Frage zu zerstreuen vermag Gutta nur teilweise, schafft es jedoch allemal, aus "Heads Will Roll" mehr zu machen als ein Instrumental-Album mit Störgeräuschen. Demnach zielen die gehässigen Vorurteile größtenteils ins Leere, was für Gutta ein Erfolg sein sollte. Ob er ohne die bärenstarke Rückendeckung von BSBD allerdings hier so gut abgeschnitten hätte, ist mehr als fraglich - denn dieses Album ist nicht 50% Beats 50% Rhymes, es ist 75% Beats 25% Rhymes. Deswegen auch die (knappen) dreieinhalb Mics.
Gesamtwertung: 6.6 / 10

Release-Date: 29. August 2008 / 21. Oktober 2008
Label: Groove Attack / Johnny23 Records
Tracklist:
01. Postcards From The Third Rock
02. No Rims
03. On A Path
04. A Day In The Triangle
05. Other Worlds (Interlude)
06. Wipe Out Zone
07. Nice Kids - (feat. Invizzibl Men & C-Rayz Walz)
08. Understand U
09. New York (Interlude)
10. Shrimp
11. Still Cambodia - (feat. Jak Progresso)
12. Maui
13. The Safari
14. Titanium - (feat. Invizzibl Men)
15. Postcards From The Third Rock (Remix)
Die erste Information, die man in der Regel über ein Album erhält, ist jene, die vom Cover enthüllt wird. Und wenn es nach ebendieser ginge, wäre "Postcards From The Third Rock" das Album des Jahres - denn solche Kunstwerke findet man als Einkleidung für Rap-CDs selten, weswegen an dieser Stelle auch eine kurze, respektvolle Erwähnung des Künstlers, Mars-1, angebracht ist. Doch zurück zum eigentlichen Thema: LoDeck's drittem Album auf dem selbstgegründeten Label Johnny23 Records, für das der in Brooklyn lebende Weißrusse einen vielversprechenden Produzenten gewinnen konnte: Omega One, der zuletzt mit seinem eigenen Album "The Lo-Fi Chronicles" viel Lob einfahren konnte.
Wer es noch nicht wusste: dieses Album ist ein Konzeptalbum, in dem jeder Track als Postkarte von der hiesigen Welt berichtet. "It ain't a waste of time, time likes to be framed" - die eröffnenden Worte von LoDeck geben die Richtung vor. Unterstützt wird er dabei von Karniege, MarQ Spekt, C-Rayz Walz und Jak Progresso - Backwoodz, Def Jux und Creative Juices - man verkehrt also im untergründigen lokalen Bereich. Was dieses Album nun letztendlich von den vielen anderen Scheiben der letzten Zeit abhebt, ist nicht Omega One und seine Produktion, sondern LoDeck, der es tatsächlich schafft, dass ich ihm ein Lyrischestiefgangszertifikat unterschreibe. Keine Selbstinszenierung, keine politische oder religiöse Kundgebung in Rap-Format, sondern schlichtweg die Gedanken des Herrn LoDeck, welche es verstehen, den Hörer selbst zum Nachdenken anzuregen. Die Bandbreite reicht dabei von wenigen Metern vor der eigenen Haustür quer über die Welt - ein Querschnitt der Wirren des menschlichen Seins. Diese lyrische Reise würde allerdings nicht halb so gut funktionieren, wäre da nicht Omega One, der ebenfalls einen ausgezeichneten Job macht. Die einzelnen Themen werden mit dem passenden Sound bestückt, sogar bei den Samples gräbt Omega in den entsprechenden Crates. Die Ergebnisse aus Omegas oft Elektro-angehauchter Arbeit schaffen eine nachdenkliche Atmosphäre, in der sich LoDeck erst voll entfalten kann. Als bestes Beispiel sei hier der Remix zum Titeltrack genannt, der sein Original übertrifft und der den Gedanken des Hörers ein Türchen öffnet, das zu ausschweifenden geistigen Spaziergängen einlädt.
Fazit:
Das Schöne an Konzeptalben ist: wenn sie funktionieren, dann sind sie etwas Besonderes. Zwar vermisst "Postcards From The Third Rock" ein paar Songs der Güteklasse "genial", was auch verhindert, dass das Album gemäß seines Covers zu den Anwärtern für den "Album-Of-The-Year"-Award zählt - trotzdem bietet es ein lückenlos geschlossenes Hörerlebnis, welches aufzeigt, was ein Album denn eigentlich ist - nämlich mehr als nur die Aneinanderreihung von Songs. Alle, die sich schon vom Cover bezaubern ließen und einfach alle, die sich bei ihrem 0815-Boom-Bap Album etwas mehr Fortschritt wünschen, sind hier an der richtigen Adresse.
Gesamtwertung: 7.8 / 10

Release-Date: 26. August 2008
Label: Godsendant Music
Tracklist:
01. Birth Of A Blitz
02. Emergency Room
03. Block Rock Basics
04. The Happening
05. Sight
06. Gun Clap Essential Material
07. Untitled - (feat. Agallah & Krohme)
08. @17
09. A Cold Day In Hell
10. Solid Gold - (feat. Timbo King & Little Indian)
11. Soul Glo
12. Please Lord
13. Time Moves On - (feat. Sadat X)
14. After School Special
Es gibt ja herzlich wenig neue Adressen im Rap-Land der Ostküste, die auch vielversprechend klingen. Eine solche jedoch ist Godsendant Music, die von Krohme aus dem Boden gestampft wurde und größtenteils noch ganz am Anfang steht. die zweitwichtigste hausinterne Persönlichkeit hört auf den Namen Atari Blitzkrieg und steht mit einer wahren Release.Flut in den Startlöchern: "The Right To... Bear Arms" als erstes Full-Length-Album, die "Fantastic Saturday Celebrity Hour" EP, sowie die "Electric Kool-Aid Acid Test" EP. Und es steht noch ein Projekt, eine weitere EP, an: "A Hand-Made Soul".
Produziert wurde das Werk fast komplett von Krohme, bis auf einen Track, für den Bronze Nazareth verantwortlich ist. Mit 14 Tracks in der digitalen und 16 in der normalen Version kommt diese EP eigentlich einem Album gleich. Wer Atari nicht kennt, dem sei gesagt: hört man den Mann einmal, vergisst man ihn nicht wieder - eine extrem weiche Stimme paart sich mit einem eigenwilligen Flow. Dass Atari dabei immer ein wenig kraftlos klingt, wirkt sich erstaunlicherweise keineswegs negativ aus. "A Hand-Made Soul" wurde zusammengeschustert, um anders zu sein als die bisherigen Erzeugnisse von Atari; und dem ist meistens auch so. Krohmes Produktionen sind soulvoll, funkig und kommen dem selbstgesteckten Ziel, einen Vibe einzufangen, der die Siebziger atmet, sehr nahe. Dabei wird fließend zwischen den kraftvollen Beats, die Krohme gerne mit Hörnern besetzt, und unwahrscheinlich smoothen Stücken gewechselt. In die erste Kategorie fallen u.a. der Opener, sowie das abschließende "After School Special". Erstaunlicherweise gehört Bronzes Beitrag nicht zu den Top-Tracks, was auch daran liegen mag, dass er nicht gänzlich in das restliche, von Krohme vorgegebene, Sound-Schema passt. Als die besten Tracks entpuppen sich die Songs der oben erwähnten zweiten Kategorie, wie zum Beispiel das großartig jazzige "Sight", das einen zum Mitwippen zwingt oder das einfach nur meisterhaft relaxte "Block Rock Basics", das nicht besser zu Ataris Stimme passen könnte. Auch die Gäste, Sadat X und Agallah, fügen sich gut ins Bild. Ein weiterer Höhepunkt, "Please Lord", eröffnet uns außerdem, dass Atari sich bemüht, auch tiefgreifende Themen in seine Lyrics einfließen zu lassen.
Fazit:
"A Hand-Made Soul" sollte definitiv Hunger auf mehr machen. Ataris Flow ist eine erfrischende Abwechslung zum großen Rest, was in den meisten Fällen auch für Krohmes Arbeit gilt. Für eine hohe Wertung fehlt dieser EP zwar dann doch der Albumcharakter, doch das war wohl auch gar nicht anders beabsichtigt. Man sollte sich lieber darüber freuen, dass von den unzähligen angekündigten Releases auf Godsendant endlich eines in die Tat umgesetzt wurde, dass "Fantastic Saturday Celebrity Hour" schon komplett und fertig bereitsteht und dass das richtige Album (laut Krohme) schon zu 80% fertiggestellt ist. Watch out for Godsendant!
Gesamtwertung: 7.0 / 10