Montag, 19. Mai 2008

Kidz In The Hall - The In Crowd

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 13. Mai 2008
Label: Duck Down Records / Major League Entertainment

Tracklist:
01. Black Out - (Feat. DJ GI Joe)
02. Paper Trail - (Feat. Phonte)
03. Drivin' Down The Block (Low End Theory) - (Feat. Masta Ace)
04. Lucifer's Joyride - (Feat. Travis McCoy)
05. Snob-Hop - (Feat. Camp Lo)
06. Mr. Alladatshit - (Feat. Donnis & Chip Tha Ripper)
07. Love Hangover - (feat. Estelle)
08. Let Your Hair Down - (Feat. Skyzoo & Lil Eddie)
09. Middle Of The Map Pt. 1 - (Feat. Fooch)
10. Middle Of The Map Pt. 2 - (Feat. Black Milk & Guilty Simpson)
11. The In Crowd - (Feat. Tim William)
12. The Pledge - (Feat. Sean Price & Buckshot)
13. Inner Me
14. Drivin' Down The Block (Remix) - (Feat. Pusha T, The Cool Kids & Bun B) (Bonus)



Mit einer Cover-Version des Souls Of Mischief-Klassikers als Single für ihr erstes Album "School Was My Hustle" begann für Double-O und Naledge, besser bekannt als Kidz In The Hall, der Weg in die etablierte HipHop-Szene. Damals als frischer Wind im Hause Rawkus unterwegs, erfolgte dann der Wechsel zu Duck Down Records. Die Aufmarksamkeit von Barack Obama konnten die beiden auch erringen, weswegen auf ihrem zweiten Album, "The In Crowd", erheblich mehr Erwartungen lasteten und auch die Promo im Voraus ganz anders ausfiel. Um diese Erwartungen zu erfüllen und den erreichten Status zu verdeutlichen, laden sich die Kidz ganze Heerscharen von Feature-Gästen ein. Gemeinsam wird auf "The In Crowd" dem souligen BoomBap gefröhnt.

Was denn die Kidz so besonderes an sich haben, das den Wirbel um dieses Album erklären würde, ergibt sich auch bei näherer Betrachtung nicht - war doch ihr Debüt-Album auch nicht mehr als eines unter vielen. Doch ganz ungeachtet des Überschusses an ebensolchem HipHop, der hier angekündigt wird, klinkt man sich ins Album. "Black Out" macht den Anfang. Die Zusammensetzung des Instrumentals erinnert irgendwie an einen Klassiker von einem gewissen Duo namens Eric B. & Rakim, doch was Double-O hier zusammengeschraubt hat, ist weit entfernt von gerade genannter Klassifizierung. Penetrante Trompeten vermiesen die Stimmung und offenbaren uns auch gleich das erste und gravierendere der zwei Hauptprobleme, die uns über das ganze Album hinweg begleiten werden: Double-O ist schlicht und einfach ein sehr mittelmäßig begabter Producer, denn abgesehen von der Idee, hier einen Old School-Vibe heraufzubeschwören, ist der Sound total kahl. Das zweite Problem lässt sich nun noch nicht in seinen vollen Ausmaßen erahnen, es sei hier jedoch trotzdem erwähnt: der Männlichkeitfaktor, den Naledge mit seinen Raps transportiert, bewegt sich in den Kreisen gewisser R&B-Schnulzer.

Als hätte Naledge diese Bemerkung vernommen, nimmt er sie sich gleich zu Herzen und leitet "Paper Trail" mit (Fast-)Gesang ein. Der ganze Track an sich ist so butterweich und zuckersüß gehalten, dass ich mich wundern muss, beim Skippen keine klebrigen Finger zu bekommen. Denn hier rettet nicht mal Phon-Tigga-Lo the Show Stopper die Show. "Hier ist für jeden etwas dabei", ließ Naledge einmal vernehmen. Hoffentlich war das der missglückte Track an die weiblichen Hörer und hoffentlich ist diese Sparte nun abgehakt. Die erste Single des Albums jedenfalls ist wirklich deutlich anders. "Drivin' Down The Block". Featuring Masta Ace. Sehr schön, mit dem Masta gab es noch selten einen richtig schlechten Track. Nachdem ich mich einmal durch den Track gehört habe, muss ich verwundert nochmals auf mein Back-Cover schauen. Ja, da steht Masta Ace. Dann macht es klick - achso, die Kidz lassen sich die Frechheit nicht nehmen, ein Sample des Masters vom Slaughtahouse Album zu slowen, es auf diesem Geklimper eines Beats als Hook einzusetzen, und das ganze dann als Feature zu verkaufen. Das Gesamtpaket würde man eher nach Houston stecken, wobei es auch dort kein Glanzmoment für welchen Artist auch immer wäre. Schwach.

"Lucifer's joyride" lässt dann auf einen gesellschaftkritischen Song hoffen, entpuppt sich jedoch als Fortsetzung von "Paper Trail". Schon hier beginnen die unbeschreiblich harmlosen Produktionen von Double-O nach einem Skip zu rufen; und da aus Naledge's Mund nichts als Trivialität zu kommen scheint, landet man schnell bei "Snob Hop", das mit Camp Lo starke Gäste dabei hat. Preisfrage: von wem wird Naledge hier die Show gestohlen? Ganz genau, mit Geechie Suede und Sonny Cheeba machen uns zwei MCs vor, wie man seine Raps cool aus der Hand schüttelt, ohne dabei die einschläfernde Wirkung von Naledge mit sich zu ziehen.

WRITTEN FOR Rap4Fame

"Mr Alladatshit" kämpft sich in den oberen Bereich erträglicher Langeweile, den gänzlich überflüssigen Gastraps zum Trotz. Mit "Love Hangover" landet man wieder bei einem Feature: Estelle sorgt für den besten Moment des Songs, nämlich dessen Hook. Der Beat ist erträglich, jedoch entsprechend Double-O's Künsten nichts besonderes. Naledge's Raps unterscheiden sich hier inhaltlich nicht sonderlich von dem Beziehungs-Song, den man auf fast jedem Album heutzutage findet. Spontan schießt mir hier sogar der Vergleich zu Lupe Fiasco durch den Kopf, was Raps-Stil und Stimme betrifft. Doch wenn Lupe "The Cool" ist, dann bietet sich bei Naledge eher "The Boring" an.

"Let Your Hair Down" wäre auf einem anderen Album als relaxte, Soul-beeinflusste Nummer durchgegangen. Doch da man sich schon wieder mit dem gleichen Sound konfrontiert sieht, mag keine Freude aufkommen - auch wenn die Umsetzung diesmal etwas besser ist, die Abwechslung ist tief im Kellerverließ eingesperrt. Ein weiterer namenhafter Gast, Skyzoo, zieht ereignislos vorbei und bringt uns dem Highlight der Platte näher. "Middle Of The Map" Teil eins ist laut Credits als einziger Track der Scheibe nicht von Double-O, sondern von Black Milk produziert worden. Und das hört man. Endlich mal ein wenig Abwechslung, endlich tanzen die Snares mal ein wenig kraftvoller und tauchen auch Naledge's Raps in ein ganz anderes Licht. Ein fließender Übergang führt uns zum zweiten Teil, wobei ich einen Besenstiel fressen würde, wenn Black Milk da nicht auch seine Finger im Spiel hatte. Das Mic jedenfalls ergreift er und reppt mit Stones Throw'er Guilty Simpson The D.

Kaum sind die Gäste wieder weg, kehrt Double-O auch wieder zu seinen stinklangweiligen eigenen Produktionen zurück. Und genau dadurch verliert die Tragödie über eine junge Dame, die auf allen Hochzeiten tanzt und dann in die falsche Gesellschaft gerät, ihren Reiz. Wenn es alleine nicht geht, lädt man sich eben wieder Gäste ein. Und da dieses Release über Duck Down kommt, wurde es auch langsam Zeit, dass sich ein paar BCC'ler blicken lassen. Auf "The Pledge" ist es so weit, Donkey Sean und Buckshot sind zwar nicht in Bestform, für den Lyricist der Kidz In The Hall reicht es jedoch allemal. Double-O's Produktion kann wohl als seine beste auf dem Album (ausgegangen davon, dass "Middle Of The Map Pt. 2" nicht allein auf seinem Mist gewachsen ist) bezeichnet werden; und das, obwohl hier sicher kein Kracher vorliegt. "Inner Me" rettet sich recht gut über die Ziellinie und kann als einer der wenigen Songs auch mit seinem lyrischen Gehalt überzeugen. "And I swear, my inner me is my enemy" dient als grobe Zusammenfassung. Es verbleibt noch der Remix zu "Drivin' Down The Block", der in vorbildlicher Manier vorführt, wann ein Remix vollkommen überflüssig ist.



Fazit:
Resümieren wir also: das Album ist hauptsächlich so scheiße, weil Double-O ein schlechter Producer ist. Desweiteren ist Naledge nicht unbedingt ein schlechter Emcee, doch auf den einschläfernden Beats seines Partners dürfte es sogar gestandenen Größen schwer fallen, auf Albumlänge zu unterhalten - egal wie kräftig deren Stimmorgan sein mag. "Best new group in HipHop", diesen Titel soll "The In Crowd", laut Naledge, dem Duo bescheren. Hier sei eine kleine Pause eingelegt, damit jeder Leser die Gelegenheit bekommt, einmal verächtlich zu lachen. [...] Ein wirklich angebrachter Titel wäre: größter Fehlgriff Duck Down's nach dem Signing von KRS-One. Denn "The In Crowd" ist als Album eine Katastrophe. Das einzige, was hier die Show vor dem totalen Black Out bewahrt, sind einige der zahlreichen Gäste (beileibe nicht alle). Wenn die Kidz In The Hall weiterhin ihr Dasein als unbedeutende Gruppe führen und uns ab und zu mit solider Musik versorgen, geht das voll on Ordnung, aber die hochgestochenen Ansprüche sollen doch bitte schleunigst revidiert werden.

Gesamtwertung: 3.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Rap P - Hustle Music

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: April 2008
Label: Black Flag Records / Hard Work, No Play Ent.

Tracklist:
01. DJ.250 Intro
02. Burn This City
03. Fast Lane - (Feat. Begetz)
04. The Machine
05. One Night - (Feat. Remo)
06. I'm Coming
07. We Gettin' Money - (Feat. K.P.)
08. In A Blaze
09. Pain Music - (Feat. Begetz)
10. Stomp 'Em Out - (Feat. Stress Athletics)
11. 1000 Pounds
12. Workin' Shifts - (Feat. Wopo)
13. I Remember - (Feat. Mr. Bars)
14. Everybody
15. Burn Ya Bridges - (Feat. Ty Nitty)
16. Follow My Lead
17. Unlisted Bonus Track



Nachdem bereits das neue Album, "R.E.L.O.A.D.I.N.G", hier genauer unter die Lupe genommen wurde, widmet sich diese Review dem Vorab-Mixtape "Hustle Music" von Rap P - Spitter unter der Flagge von Black Flag. Geboten werden hier, neben einigen Bars über schon bekannte Beats, auch ein paar neue Tracks, wobei sich Features unter anderem von Infamous Mobbling Ty Nitty und AZ-Schützling Begetz finden. Gehostet wird die ganze Geschichte von DJ.250.

Dass man mit Rap P wirklich bei einem Rekruten der unteren Bekanntheitsränge gelandet ist, beweist einem die magere CD-R mit B-Klasse-Design, auf der sich dieses Mixtape abspielt. Doch das sollte niemanden groß stören, denn für solide Rapmusik war Rap P immer zu haben. So beginnt die Show auch mit einem bärenstarken Intro, in dem, neben den Mixtape-üblichen Shouts von DJ.250, ein Beat aufgefahren wird, der Großes hoffen lässt. Doch unter den Produzenten, die an diesem Werk beteiligt waren (als da wären Rap P selbst, K.P., Tarva und King) scheint mindestens einer eine Vorliebe für Plastik-Beats zu haben, was sich auf RELOADING selbst nur ganz kurz, hier jedoch des öfteren bemerkbar macht. Da wäre ein blechernes "Burn This City", das mit seinem Sample irgendwie sogar Ohrwurm-Qualitäten besitzt, gefolgt von einer Fahrt in der "Fast Lane", in der sich die Hi-Hats nur so jagen und das zudem noch mittelprächtige Raps von Begetz auffährt.

Das sehr kurze "The Machine" hat seine kurze Dauer zurecht, denn mit Weisheiten wie "I don't sweat, I don't bleed / I'm not a man, I'm a machine" muss man sich fast schon fremdschämen. Verwirren lassen sollte man sich auch nicht von dem Tagging-Fehler, bei dem "I'm Coming" und "One Night" verwechselt wurden. Das auf der Tracklist zuerst angekündigte "One Night" featured jedenfalls einen gewissen Remo, der uns eine erschreckend austauschbare und überflüssige Hook vor den Latz knallt. Trotzdem bin ich erleichtert, dass vorerst besagte Plastik-Beats zurückgelassen werden. Und auch wenn "I'm Coming" leicht vertraut klingt, kann man sich hier immerhin über den ersten guten Track der Scheibe freuen. "We Gettin' Money" bietet neben dem langweiligen Beat außerdem noch eine guten Zusammenfassung sämtlicher Inhalte und Themen, die den Rap Predator so beschäftigen. Denn erstaunlich ist es schon, wie es der Mann bei einer solchen Releaseflut eiskalt durchzieht, in 95% seiner Songs die immergleichen Phrasen hin- und herzuwälzen.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Wie schon in der RELOADING-Review erwähnt, werde ich mich an diesem Geischtspunkt jedoch nicht lange aufhängen und stattdessen zum nächsten Song skippen, der in der Gestalt von "In A Blaze" endlich wieder auf voller Spieldauer zu unterhalten weiß. Und nachdem man nach einem moderaten "Pain Music" bei "Stomp 'Em Out" gelandet ist, fühlt man sich angenehm an einen gewissen Mos Def erinnert, der 2004 auf selbige Produktion von seinem Real Life berichtete. Sowohl Rap P, als auch Stress Athletics machen auf diesen doch etwas eigenwilligen Beat eine gute Figur, was auch die Laune des Hörers erheblich pushen kann. Mit dem nächsten gut bekannten Beat kann das Niveau gehalten werden: worüber P in "1000 Pounds" spittet, das wird den meisten viel eher als der Titelsong von Cormega's "Who Am I" bekannt sein. Wenn man hier nun den direkten Vergleich mit Nature, Mega und AZ zieht, geht Rap P natürlich nicht als Sieger hervor, eine starke Leistung muss man ihm jedoch allenfalls attestieren.

Da es ein komplettes Wopo/Rap P-Kollabo-Album gibt ("The Struggle Continues"), ist dessen Auftritt auf dieser Scheibe voll berechtigt und führt in "Workin' Shifts" sogar zu einem sehr annehmbaren Outcome. In seinem viel besseren zweiten Teil fährt das Mixtape jetzt seine besten Stücke auf. Mr. Bars von den früheren Mobb Deep-Lakaien Bars & Hooks steht P in "I Remember" zur Seite, das endlich starken QB-Sound auf den Plan ruft. "They say you can't turn a bad girl good / Once a good girl turned bad, she caught up in the hood". Auch "Everybody" fährt mit langsamen Streichern ganz klar die QB-Schiene. Tracks 13 und 14 markieren so auch eindeutig den Höhepunkt der Scheibe und werfen zugleich die einzige Frage auf, die man sich hier stellen muss: Wieso denn nicht gleich so?! Die Streicher begleiten uns noch ein Stück und geben "Burn Ya Bridges" einen düsteren Bodensatz, in dem Rap P zusammen mit Ty Nitty direkt an die vorangegangenen Stücke anknüpft. Damit wäre alles wichtige zu "Hustle Music" gesagt, denn in "Follow My Lead" verfällt P wieder dem Plastik-Gedudel, das in einem nicht gelisteten Bonus Track nochmals ausgiebig zelebriert wird.



Fazit:
Rap P's "Hustle Music" zeigt, neben seinem typischen Mixtape-Charakter, zwei Seiten von Rap P. Eine gute, die in wenigen Tracks durchscheint und den Hörern zeitlosen QB-Sound anbietet, und dann noch eine überflüssige Seite, deren Rap-Auswüchse vollkommen belanglos sind. Leider überwiegt hier zweitere, was "Hustle Music" dann auch keinesfalls zu einem Pflichtkauf macht. QB-Fans werden der Scheibe jedoch trotzdem etwas abgewinnen können, dem Rest lege ich doch eher das Album "R.E.L.O.A.D.I.N.G" ans Herz. Fazit: Als Mixtape ganz solide, jedoch weniger dazu geeignet, neue Hörer auf dem Geschmack zu bringen, sondern vielmehr dazu, alten Hasen etwas zu geben, aus dem sie sich ein paar ungeschliffene Diamanten heraussuchen können.

Gesamtwertung: 5.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Freitag, 9. Mai 2008

Grip Grand - Brokelore

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 25. März 2008
Label: Look Records

Tracklist:
01. Showtime (That's Entertainment)
02. Hip Hop Classic
03. Win The War
04. Tomorrow
05. Handle That
06. But Anyway
07. Paper Cup - (Feat. Percee P)
08. Love/Drama
09. A Penny - (Feat. Richie Cunning)
10. 96 Tears (MF Shalem's Talk About It Mix)
11. Out Of Service
12. Poppin' Pockets (Remix) - (Feat. A.G.)
13. Mr. Versatility
14. Remember The Time - (Feat. Darondo)



Leute, die mit HipHop aufgewachsen sind, gibt es viele. Jene, die sich dann selbst dem MCing widmen und auf ihrem Sophomore-Album die Gäste A.G. und Percee P vorzuweisen haben, sind schon seltener. Hier jedenfalls ist die Rede von Grip Grand, dessen Heimat nach diversen Umzügen eigentlich die komplette Westküste ist, den man jedoch der Bay Area (und Oakland alias Broakland) zuordnen darf. Dort kam er auch in Kontakt mit DJ Design, was uns zur jetzigen Situation führt, denn Grip ist bei Look Records gesigned. Und bei wem der begnadete Spitter, der eine riesige Plattensammlung sein Eigen nennt und großen Wert auf eine abgegrenzte Privatsphäre legt, jetzt Sympathien geweckt hat, der sollte hier weiterlesen.

Bezeichnend für jene Privatsphäre ist auch die Tatsache, dass man den Kerl in seinem Inlay kein einziges Mal finden wird. Denn da ist nur das in Schwarz gekleidete Phantom unterwegs, das es schon auf dem Cover zu sehen gibt. "Every thief doesn't carry a gun..." - dieser Leitsatz ziert die Rückseite des Inlays und soll einen wohl davor bewahren, voreilige Schlüsse über Herrn Grand zu ziehen. Bemerkenswert ist desweiteren, dass der Löwenanteil der Produktion ebenfalls von Grip gestemmt wird, womit das Wort "Eigenregie" hier definitiv angebracht ist. Und um kurz auf eine der wohl wichtigsten Fragen einzugehen, die sich alle stellen, die noch nie von dem Typen gehört haben und nur bei dem Blick auf die Tracklist und deren Features (oben schon erwähnt) hängen geblieben sind: Ist das Album unter diesem Aspekt ansprechend? Ja, allerdings.

Was genau uns Grip Grand hier verkauft, soll allerdings noch nicht vorweggenommen werden.Denn den Anfang macht erstmal "Showtime (That's Entertainment)", das den Prototypen einer gelungenen Einleitung eben schnell neu definiert. Nach diesem frischen Luftzug, der einem immer noch um die Ohren weht, macht Grip gleich weiter und fragt sich, was es zu einem "Hip-Hop Classic" bedarf: "I'm try'nna make a Hip-Hop classic / So tell what that is, tell me what that is / It isn't something you can sell in a package / But is it something you can tell if you have it?". In dem von Grip selbst produzierten Song dominiert ein einprägsames Piano, während am Schluss eine traumhaft softe Überleitung den nächsten Track, "Win The War", einleitet. "It's no end to the madness! We slide out of town / In a cloud of alcohol fumes, blunt smoke, and bad checks / I told son wait the weekend to cash it / Then split with the dough and no forwarding address / Exit! Get into the booth on some next shit / Hectic! Better get insured - call Progressive.". Die Kost, die Grip Grand einem hier vorsetzt, stellt weder hohe Ansprüche, noch ist sie schwer zu verdauen. Trotzdem kommt hier anstatt Langeweile richtig gute Laune auf. Die dämpft GG selbst, indem er mit "Tommorrow" einen sehr nachdenklichen Song folgen lässt, in dem er auch gleich noch die Hook selbst singt, was ihm auch angemessen gelingt. "Now is the hour for survival / War's not the answer - Grip put a flower in your rifle / G to the R! If I leave in a car / Then it's borrowed - don't confuse me with a star.".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Einen interessanten neuen Aspekt wird man in "Handle That" finden, das mit seiner gescrewten Einleitung fast wie ein Abstecher in den Süden aussieht. Dementsprechend werden hier auch lyrische Finessen in den Hintergrund gestellt. Und ganz egal, wie wenig Grip diese Nummer als ernst verkaufen will, sie ist immernoch die schlechteste, die es bis dato zu hören gab. Glücklicherweise bleibt "Handle That" damit auch recht alleine, denn mit "But Anyway" wird wieder eine ganz andere Schiene gefahren. Ab Sekunde Eins sollte man erkennen, woran sich Grip hier bedient hat. Da ihm nach eigener Aussage der Anfang dieses House Of Pain-Klassikers so gut gefällt, entnimmt er ihn und wälzt ihn zu einem vollen Track aus. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Noch einen Tick besser ertönt dann "Paper Cup", das sehr Old Schoolig gehalten ist, einen Toast auf den Fast-Rap ausbringt und mit Percee P auch den perfekten Gast vorzuweisen hat, der hier einen Rap-Part hinlegt, der auch 15-20 Jahre älter hätte sein können. In "Lova/Drama" widmet sich GG einer Review, die über sein erstes Album verfasst wurde. "I got dissed on the Net—I guess now I'm a real rapper! / With my haphazard delivery, no hot beats to speak of / I couldn't beat up the mic with a brick tucked in each glove! / My AV-club recording was boring, snoring like sleeping pills / And Grip swallowed six in the morning to delete my skills / My tired loops, and my four-track / I'm like every wack rapper you ever heard of, but more wack! / Don't buy it, my album that is - you won’t like it / Every sample you'll recognize / 'Cuz the fans are all cool psychic record guys". Auch wer weder die Review gelesen, noch das erste Album gehört hat, kann sich hier ein Schmunzeln nicht verkneifen. Da "Love/Drama" dank eines nur durchschnittlichen Beats trotzdem nicht zu den besten Tracks zählt, lässt GG nun wieder ein Highlight folgen.

"A Penny" ist ein wunderbar einprägsamer Song, der gemächlich seine Kreise um das Adjektiv "verbittert" zieht. "96 Tears" bekommt von MF Shalem einen neuen Anstrich verpasst, der sehr nach frühren 90ern klingt, sich jedoch nur im guten Mittelfeld des Albums einreiht. Dass sich die lyrisch besten Songs auf den langweiligsten Beats abspielen, ist oft ein Jammer und kann auch bei "Out Of Service" beobachtet werden. Zum Glück für dieses Album hat der beste Track des Albums bis jetzt auf sich warten lassen - um nun loszulegen. "Poppin' Pockets" lädt sich im Remix D.I.T.C.'s A.G. ein und ist mit seinem gepitchten Sample kaum markanter zu gestalten. Wem ebenjenes Sample nicht zu penetrant ist, der wird den Song jedenfalls ohne Ende feiern können. Schade, dass dann allerdings Herr Vielseitigkeit a.k.a. "Mr. Versatility" nicht über ein "in Ordnung" hinauskommt (wobei hier wieder eine gescrewte Hook zum Einsatz kommt). Den Abschluss des Albums bildet eine Hommage an Dorando's "Didn't I", das hier den Namen "Remember The Time" trägt und sowohl als Ausstieg, als auch als Song an sich, voll tauglich ist.


Abschließend lässt sich sagen, dass es sich im Broakland doch sehr gut aushalten lässt. Grip Grand serviert uns eine Mischung aus Boom-Bap, Backpack und seinem eigenen Freidenkergeist, ohne dabei groß in die Schiene der 0815-Standardwerke zu fallen. Wenige, aber gut gewählte Gäste, ergänzen sich ebenso gut mit Grip wie die Cuts von DJ Design. Und da dieses Album, wie bis auf wenige Ausnahmen jedes andere auch, seine kleinen Macken hat, kann man "Brokelore" in das Regal der guten Releases des Jahres 2008 ablegen, die knapp an den vier Kronen vorbeigeschrammt sind, die man jedoch problemlos an einem Stück runterlaufen lassen kann. Und den Abschluss dieser Review machen am besten Grip's eigene Worte: I can rap. And if you think otherweise, not only are you clearly wrong, but also, fuck you.

Gesamtwertung: 7.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Rap P - R.E.L.O.A.D.I.N.G.

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 15. Mai 2008
Label: Black Flag Records / Hard Work No Play Ent.

Tracklist:
01. Make It Happen
02. Hustle Harder - (Feat. Nature)
03. The Future
04. All I Know
05. How We Get Down (Remix) - (Feat. Twin Gambino & A-Pinks)
06. Picture That
07. Something On Your Mind
08. I Need To Know
09. Move - (Feat. Bad News Buke & K.P.)
10. Crunch Time
11. Come My Way
12. So Long
13. Holdin' On
14. Moved On
15. Crazy
16. Let Me In
17. Sacrifice - (Feat. K.P.)



Wer sich ein bisschen genauer mit den Rap-Auswüchsen der Queensbridge befasst oder befasst hat, dem wird auffallen, dass es da außer Nas, CNN und IMD noch mehr gibt. Und wem die zweite Reihe, zu der sich gestandene Legenden und Veteranen (Marley Marl, Tragedy Khadafi, Craig G, Cormega, Noyd, Screwball, etc.) zählen, überwindet, der landet dann bei Rappern wie Rap P. Erstmals groß aufmerksam machte dieser auf sich mit seinem 2003er Erstlingswerk "The Struggle Never Ends", das den Eastcoast-Fans als tadel- und schnörkelloser QB-Rap in Erinnerung sein wird. Über die Zeit jedoch wurde der Rap Predator eher zu einem der Künstler, die man in die "Was wurde eigentlich aus..."-Ecke steckt, wobei ein zwischenzeitlicher Gefängnisaufenthalt nicht gerade Abhilfe schaffte. Doch wie auch immer, das Aushängeschild von Black Flag Records ist zurück und hat eine wahre Release-Flut im Gepäck. "I Can't Take No More", "The Struggle Continues" (mit Wopo) und "Hustle Music" (alle nur erhältlich auf cdbaby) sollen den Weg ebnen für sein im Anschluss droppendes Album "R.E.L.O.A.D.I.N.G".

Da Rap P in seiner Nachbarschaft diverse Connections aufrechterhält, darf man sich auch hier wieder, neben einigen mehr oder weniger Namenlosen, über Namen wie Nature oder IM³'s Twin Gambino freuen - das direkte QB-Umfeld eben. Ohne sich lange aufzuhalten, wird dann auch gleich losgelegt: "Make It Happen" nennt sich der erste Track, der nach altbekanntem Sampling-Schema einen Eastcoast-Track aus der Taufe hebt, welcher sich sehen lassen kann. Alles an diesem Song passt zu einem Gutwettertag im Frühling. "I grind hard, think smarter my niggas / Stand and deliver for them figures / The sweat, the pain, ya heard / We came from the dirt / Queensbridge Projects, puttin in work / You hear the sound, that's clear to your ear / Thug nigga, I ain't going nowhere / Comin' straight from the Bridge, nigga have no fear". Auch der zweite Track ergattert sich die Sympathien der Hörer mit seiner lockeren Art - die harten Represent-Tracks bleiben aus. A propos Beats, die stammen von Rap P selbst, Live, Drawzilla, K.P. und Wopo.

Der erste Gast, Firm-Veteran Nature, fügt sich gut ins Bild und liegt bei "Hustler Harder" auch voll im Trend des Albums. Denn das folgende "The Future" setzt beat-wise den dritten Strich auf der "Relaxed"-Tafel. Dass hier inhaltlich durchgehend ähnliche und leicht variierte Hustle-Stories aus dem harten Leben in den größten Projects der Staaten geklopft werden, versteht sich von selbst - und etwas anderes braucht und will man von jemandem wie Rap P auch nicht. Eine Marschtrommel gibt den Takt zu "All I Know" an, das ein wenig hinter den vorausgegangenen Songs zurückbleibt. Alles was Rap P so kennt, das ist natürlich ganztätiges Hustling à la Rick Ross. "How We Get Down" war seinerzeit auf P's erstem Album einer der Höhepunkte. Der Remix ruft neben dem damals schon dabei gewesenen großen Twin noch A-Pinks auf den Plan, kommt dabei jedoch trotzdem nicht ganz an sein Original heran und verbleibt mit dem Zertifikat "gut" somit unter den bisherigen Tracks des Albums. Die Aufgabe, der erste Höhepunkt zu sein, übernimmt dann jedoch "Picture That", das mit einem gut gelaunten Beat (und wieder einem Voice-Sample) die Raps des Predators sehr schmackhaft macht, entgegen der langweiligen Geldmacher-Texte. Da Rap P über einen sehr ansehnlichen Flow verfügt, sollten seine Inhalte sowieso, über das ganze Album hinweg, die wenigsten Hörer stören.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Und solange die Beats stimmen, stimmt hier auch das Gesamtpaket. Sei es nun ein Gitarren-geleitetes "Something On Your Mind" oder das erstaunlich ruhige "I Need To Know", in dem ausnahmsweise mit der Thematik zum weiblichen Geschlecht geschwenkt wird, hier läuft alles flüssig durch. "I ain't T-Pain, fuck fallin' in love with a stripper" ist die Devise. Verglichen mit dem Rest des Albums folgt nun eine Ausnahme: "Move" fällt mit seinen Synthies eindeutig aus der Reihe. Das Ergebnis ist weder besser und höchstens ein wenig schlechter als der bisherige Rest. Überbieten kann Rap P sich gleich im Anschluss selbst und zwar wenn er in die "Crunch Time" geht, in der er, begleitet von typischem Boom Bap, mit Soul-Sample & Co., zu Höchstform aufläuft.

Damit wären wir auch schon beim besten Track der Platte angelangt: dieses Glanzstück namens "Come My Way" zelebriert allerfeinsten QB-Sound. Dazu spittet der Protagonist routiniert seine Straßenweisheiten: "Come my way, that money gon' run my way / I always knew I'd make it out the hood one day / Never forgot where I came from and that's a fact / Cause when you lose love in the hood, ain't no gettin' it back / I'm just doin' my 1,2 homie, spittin' the facts / The streets showed me love, now I'm showin' it back". Auch der nun folgende Teil des Albums bewegt sich in dem Rahmen, mit dem man nun schon vertraut ist; verbale Massaker über markerschütternde Beats wird man hier einfach nicht finden. Ein sehr lockeres "So Long", das mit weiblichen Vocals die Hustle-Themen, wie schon bei "I Need To Know", etwas zurückstellt, hinterlässt leider keine all zu tiefen Eindrücke.

Und auch wenn Kim Wilde in "Holdin' On" (das eigentlich "Hangin' On" heißen sollte) gesampled wird, vermisst man das gewisse Etwas. Das findet sich erst wieder bei "Moved On", das vom Konzept her nicht viel ändert, doch trotzdem besseren Anklang findet. Der erste und einzige Track, der sich als Party-tauglich erweist, nennt sich "Crazy" und gelingt, entgegen der regelmäßigen Ausrutscher, die sich Artists im Rahmen solcher Ideen auf ihren Alben leisten, erstaunlich gut. Der direkte Gegensatz zu der einprägsamen Hook, die man gerade noch mitsummt, folgt mit "Let Me In": "Lord forgive me, I'm trapped in this world of sin / When I knock on heaven's doors, will they let me in? / I can't be goin' to hell, cause I'm there already / Worldplay, like my gunplay, homey I'm deadly". Trotz P's Unfähigkeit, andere Themen in seinen Reimen zu bearbeiten, eine sehr starke Nummer. Der einzige Song des Albums, den Rap P sich hätte sparen könnte, ist "Sacrifice", das man mit seinem Beat viel eher in die Bay Area gesteckt hätte, und das genau deshalb hier fehl am Platz wirkt. Noch dazu treten nach 16 Tracks langsam Ermüdungserscheinungen zu Tage, weswegen dann das Verständnis für einen weiteren Song über das roughe Streetlife fehlt.


Trotz des letzten Tracks ist Rap P mit "R.E.L.O.A.D.I.N.G" ein sehr solides Album gelungen, das man sich von vorne bis hinten durchhören kann. Die wohl größte Stärke des Albums ist, dass hier keinen aktuellen Trends hinterhergerannt wird. Weder das Gewabere, das man zur Zeit in manchen anderen Studios der Queensbridge (und im Osten allgemein) findet, noch eine aufgezwungene Messias-Mission, die HipHop zurückbringt, wird man hier finden. Im Grund bietet das Album das, was schon "The Struggle Never Ends" geboten hat - mit minimalen Einschränkungen und deshalb auch nicht ganz so gut. Im Großen und Ganzen kann man jedoch sagen: Erwartungen erfüllt.

Gesamtwertung: 7.2 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame