Sonntag, 1. Juni 2008

Verbal Kent - Fist Shaking

WRITTEN FOR Rap4Fame

Release Date: 01. April 2008
Label: Molemen Records

Tracklist:
01. First 3
02. Brand New Style
03. Remain Psycho - (Feat. Roadblok, DoomsDay, MoodSwangz & Alltruisms)
04. The Dagger - (Feat. Wayne Larrivee)
05. A Rapper Who Quit Part 1
06. Underdogs - (Feat. Rusty Chains & Lance Ambu)
07. Game Face
08. OMU Rehearsal Skit 1
09. I'm A Rapper
10. You Can't Rap - (Feat. Alltruisms)
11. Tim Hardaway Hates You - (Feat. Rusty Chains)
12. Fist Shaking
13. OMU Rehearsal Skit 2
14. Users And Pushers
15. Man Down
16. Snakes On A Stage
17. Another Masterpiece - (Feat. Lance Ambu & Alltruisms)
18. Get A Job 2 - (Feat- Alltruisms & Lance Ambu)



Ladies und Gentlemen, darf ich vorstellen: Verbal Kent, mal wieder ein Rapper von dem viel zu wenige von euch je gehört haben - und das natürlich mal wieder vollkommen zu Unrecht. Als einer der vielen Gründe, warum Chicago mit seiner lebendigen und hochgeschätzten HipHop-Szene einen festen Platz im Game einnimmt, läuft Kent unter dem Banner von Gravel Records auf, das auch noch ein Zuhause für Namen wie Eratik Statik, Kaz 1, Matlock und Rusty Chains bietet. Mit seinem dritten Paukenschlag auf Albumlänge geht Verbal Kent diesmal jedoch mit Molemen Records, sozusagen dem Nachbar-Label, an den Start. Doch das sollte ja am eigentlichen Produkt nicht viel ändern, für alle Chi-City-Heads und auch alle sonstigen Freunde von gutem HipHop heißt es einmal mehr: "Aufgemerkt"!

Denn was ich hier vorstellen darf, ist eine bloße Aneinanderreihung von ausgefeilten Beats. Verbal Kent lädt ein - und schickt eine Vielzahl an Producer-Models (hier seien nur mal Panik, Marco Polo oder Oddisee genannt) auf den Laufsteg. Doch hier ist weder Heidi Klum vonnöten, noch wird nach dem Top-Producer gesucht - das Gesamtwerk soll ja schließlich begeistern. Angefangen wird mit ganz simplen Drums und Cuts, die die erste Runde dieses einzigen, langen Kopfnickers einläuten. Dabei eröffnet sich allen, die zuvor noch kein einziges Wort aus dem Mund dieses Mannes gehört haben, dass er auch sehr gut fähig ist, das Ohr der Hörerschaft zu binden.

Von der puren Rawness erfolgt ein nahtloser Übergang in eine ruhige, melodiöse und streicherangetriebe Nummer mit dem Namen "Brand New Style". Und es mag meine Euphorie über diesen Bomben-Track sein, aber atmosphärischer kann mein einen zweiten Intro-Track (denn das ist er mit seinen nicht mal zwei Minuten eigentlich) nicht gestalten. "Welcome to the third solo-album I drop / I'm assumin' it's the third solo-album you cop / Cause how the fuck could you've forgot 'What Box' and 'Move With The Walls' / My voice got a little deeper, started using my balls". Auch wenn sich "neue" Fans hier etwas ausgeschlossen fühlen mögen; bei so guter Musik bekommt man vielmehr ein schlechtes Gewissen, falls man die ersten Alben nicht kennt. Sehr stark wird einem "Remain Psycho", das schlagartig seinen vorangegangen Track ablöst, vor den Kopf geschlagen, während es wieder einen astreinen Wechsel in staubtrockene Beatgefilde vollzieht und neben seiner Funktion als Neckbreaker auch noch wahnwitzig gute Lines von allen Beteiligten hervorbringt.

Doch das Stelldichein der Bombensongs hat gerade erst begonnen: Mit "The Dagger" wird wieder ein Stilwechsel vollzogen, man befindet sich in einem, "Brand New Style" ähnlichen, Land voller relaxter Smoothness. Was hier ebenfalls schön zu Tage tritt: HipHop in seiner ungeschliffenen Form, in der die Hooks aus zusammengescratchten Hooks bestehen, in denen der MC aber auch ganz alleine zu unterhalten weiß. Erstaunlich, dass bis jetzt noch kein Song die Drei-Minuten-Marke überschritten hat, was sich auch in der Story 'bout "A Rapper Who Quit" nicht ändert. Geradezu verschwenderisch, wie solchen Beats keine längere Spielzeit gewährt wird. Doch die Zeit reicht Kent vollkommen, um uns von den psychischen und finanziellen Blessuren zu berichten, die einem Rapper so widerfahren können: "This is the story of a rapper who quit / Who though the game was in his blood 'til he heavily bled".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Das hohe Niveau, auf dem diese Platte loslegt, erfährt jetzt noch einen Ausschlag nach oben - die "Underdogs" Kent, Rusty Chains und Lance Ambu toben sich über einen schlichtweg genialen Piano-Beat aus, dessen Loop, so simpel er auch sein mag, auch nach dem zwanzigsten Mal noch flasht. Nach einem sehr soliden "Game Face" taucht das Album nach einem Skit in seine schwächste Phase ein. Bezeichnend für die Qualität dieser Platte sind diese "schwächsten" Songs, die allesamt rundum gelungen sind: "I'm A Rapper" fröhnt, wie schon zwei andere Tracks der Platte, dem schmucklosen, rohen Rap, während "You Can't Rap" mit einem ausgefallenen Beat ebenfalls sehr gut verträglich ist. "Tim Hardaway Hates You" lässt zwar auf großes Kino hoffen, ist aber leider der Hauptgrund für den schwächelnden Mittelabschnitt, trotz gewohnt guter Lesitung am Mic. Kent steigert sich mit seinem Titeltrack jedoch wieder in die Etage der beanstandungslosen Headnodder. Gegen wen die Fäuste geschwungen werden, das sind natürlich sämtliche schlechte Rapper. Doch mit den großartigen Lines, die der Herr Kent auch hier wieder vom Stapel lässt, ist das auch gerechtfertigt.

Ein weiteres lyrisches Highlight folgt sogleich: "This isn't an expensive way to get fucked up / Don't smoke that - just put my CD in and shut the fuck up for a minute / I rap for the users and pushers / [...] / Been listening to Rap lately / I turned the radio on - I couldn't fuckin' believe what was playin' / I took a coule o' seconds, took time to test and observe it / I was shocked - was HipHop molested by perverts?" heißt es in "Users And Pushers". Für die Hook wird Legende Common aus der Nachbarschaft gesampled. Wem hier der Beat noch nicht genug auf die Kacke gehauen hat - bitteschön, dafür dürfte die nächste Nummer zur Genüge sorgen: "Man Down" reiht sich zu den ganz Dicken der Platte und ist eventuell sogar das Highlight schlechthin.

Da, wo Verbal Kent diese Nase für Beats herhat, sollten andere Rapper auch mal vorbeischauen. Denn die kraftvollen Produktionen reißen nicht ab: Auch "Snakes On A Stage" bildet da keine Ausnahme. "Common Sense would tell y'all I'm the wrong writer to face / Cause my Raps can put the wires back in Kanye's face"... und Lines wie diese finden sich in jedem Track. Kein Meisterwerk, doch immernoch ein kleines Highlight findet sich in "Another Masterpiece", in dem vor allem Alltruisms mit seiner markanten Stimme überzeugen kann. Zum letzten Track "Get A Job 2" verbleiben mir dann nicht mehr viele Worte - er ist auf jeden Fall auch gut.



Fazit:
Es ist nicht einfach, in einem Album voller doper Produktionen für jeden Beat eine eigene Würdigung aus dem Hut zu zaubern. Und auch wenn das Ding unter Molemen released wurde und trotzdem nicht der Großteil von ebenjenem Produzententeam (Panik, Memo, PNS) gestemmt wurde, sind schon die Beats ein absolutes Muss für jeden HipHop Fan. Selbst wenn Verbal Kent die ganze Platte hinweg nicht mehr als "Ra-Ra" herausgebracht hätte. Doch wie inzwischen klar geworden sein sollte ist Kent selbst, mit seinen Raps, ein weiterer Kaufgrund. Alles in allem ist "Fist Shaking" ein erneuter Beweis dafür, dass man den Midwest - und vor allem Chicago - nicht übersehen sollte, da sich hier inzwischen (im Gegensatz zur immer häufiger einfallslos wirkenden Ostküste) die meiste Kreativität ansammelt. Auch wenn das Album keine leichte Kost ist und nicht jedem HipHop-Neuling zu empfehlen ist, auch wenn das Album fast etwas lang ist - hier liegt ganz klar eines der besseren bis besten Releases dieses bisherigen Jahres vor. Starke 4 Kronen.

Gesamtwertung: 8.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

All Natural - Elements|Fire

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 06. Mai 2008
Label: All Natural Inc.

Tracklist:
01. Intro
02. The All
03. Move, Move
04. Backslap
05. SomethinOfNothin
06. Good Life - (Feat. Rita J)
07. Poppers Pop, Breakers Break
08. Nothin' To Lose
09. You Know My Name
10. Signature Flow - (Feat. Grav & Noyd)
11. World Champion
12. A View To A Kill
13. Stronger Than Love



Der sechste Mai 2008 war für mich ein ganz besonderer Tag dieses Jahres. Es ist mal wieder so weit - All Natural droppen ein neues Album. Kein 0815-Duo ist es, das wir hier vor uns haben. Capital D als MC und auch Producer, Tone B. Nimble an den Turntables. Was sie besonders macht: ihre Muisk. All Natural gelten zweifelsohne zu jenen Artists, von denen man sich immer sehr gute Alben erwarten kann, ohne dabei enttäuscht zu werden. Auch deshalb hat sich ihr Label All Natural Inc. inzwischen zu einem wichtigen Bestandteil der Chicago'er HipHop-Szene entwickelt. Nachdem Cap D seine Solo-Trilogie beendet hat, wird mit "Elements|Fire" gleich der Auftakt zu einem Quartett an, je einem Element gewidmeten, neuen Alben geblasen.

"Of course we had to bring you the fire first... nothing but straight heat" - das haben wir uns zu erwarten. Ein "Intro", das mit Cuts vom "The Avanger Is Back"-Intro gleich das richtige Feeling verbreitet, um dann mit "The All" voll loszulegen. Cap D selbst produziert den energiegeladenen Beat, dem er dann natürlich auch seinen einmaligen Flow aufsetzt. Starker Representer zu Beginn. "You's a shit-sarter? I'm a shit-ender / Put your money where your mouth, Mr. Big Spender" ist die Devise. Ein gelegentlicher Hang zu den ganz frühen Tagen war bei All Nat nicht erst sein "Vintage" zu beobachten, was sich auch hier in den aufgefahrenen Drums zu "Move, Move" zeigt, welche vom Chicago-Kollegen Battletek beigesteuert werden. Bei "Backslap", dem es an nichts zu einem Top-Track fehlt, führt Cap wieder selbst Regie.

Im Sinne des Albumkonzepts wird hier vorerst auf ruhige Tracks verzichtet: auch "SomethinOfNothin" ist geeignet, Fäuste in die Luft fliegen zu lassen, während man von Capital D natürlich nicht nur hohle Punchlines erwartetn darf, sondern durchdachte Gesellschaftkritik, die sich hier mit Kampfansagen Luft macht: "You see the people jumping, you see the fist pumping / They said that we were nothing, I'mma turn nothin to somethin". Die richtigen Brecher haben sich allerdings noch nicht sehen lassen, was sich auch nicht mit "Good Life", dem soliden nächsten Track, nicht ändert. Labelmate Rita J beweist mit ihrem Auftritt immerhin, dass sie zur oberen (und gleichzeitig zur oft übersehenen) Riege der Female MCs gehört. Während man immer noch auf die für All Nat eigentlich normalen Highlights wartet, sagt "Poppers Pop, Breakers Break" kurz guten Tag und lässt schon vom Titel auf erneute Oldschool-angehauchte vier Minuten schließen, die der lokalen B-Boy Szene gewidmet sind.

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Da es in Chi-City anscheinend sehr beliebt ist, Common zu samplen, finden wir ebendiesen in "Nothin' To Lose", während sich Cap D auf einer Produktion, die wieder voll im Motto des Albums steht, selbst in Fahrt rappt. Der bisherige Teil des Albums ist zwar ausnahmslos gut, doch so langsam sollte mal ein Ohrwurm für ein wenig Replaytastendrücken sorgen. Das erledigt dann auch die erste Single: "You Know My Name" ist eine typische Kev Brown-Produktion (die im Video noch einen sehenswerten Auftritt von B-Boy Crew Phase II zu bieten hat). Allerdings ist sie auch eine seiner besten, womit "typisch" ein wenig zu degradierend wirken mag. In Kombination mit Cap's Rhymes und Tone's sehr starken Cuts gelingt dem Duo hier der erste wirkliche Kracher des Albums, was jedoch ohne Kev und die Abwechslung, die er dem Album beschert, nicht gelungen wäre.

Auch wenn wir mit der ersten Single auch das absolute Highlight hinter uns lassen, kommt das Album nun weiter in Fahrt. "Signature Flow" ruft stampfende Bass-Drums auf den Plan (Props an Gee Field, der hier ganze Arbeit leistet), während die Gäste dem ganzen einen karibischen Flair überstreuen. Yuani, den All Nat-Fans als Producer auf Cap's letztem Solo bekannt sein sollte und auch tätig auf Iomos Marad's letzter EP war, bringt mit "World Champion" weiter Abwechslung ins Spiel. Während die Klaviertasen sich gegenseitig jagen, muss die Stimme von Snoop Dogg als Einleitung herhalten. Mag unpassend scheinen, ist es aber nicht.

Einer der interessantesten Tracks der Scheibe ist "A View To Kill", für das Deep Kalico eine Doku-Beschreibung eines Wolfrudels als Einspielung wählt: "Life in the pack, though apparently simple, is extraordinarily intricate. Each wolf must learn exactly his position. He learns who he can dominate and he remembers those, who dominate him. In each pack there is one, stronger wolf, which none can dominate and who dominates all others. This is the leader, or alpha wolf". Trotz eines nicht perfekten Beats ist der Song zu den besseren des Albums zu zählen. Damit verbleibt noch ein letzter Track, bei dem das Fire wohl nur noch als Glut brennt: "Stronger Than Love" beendet, ruhig, solide und mit weiblichen Vocals, dieses Album.



Fazit:
All Natural sind eine der wenigen aktiven Markenzeichen im HipHop, von denen sich ein kleiner Teil von mir bei einem neuen Release immer einen Klassiker erhofft. Als dieser Teil "Elements|Fire" gehört hat, war er natürlich enttäuscht, denn das ist leider kein Klassiker. Man kann auch ganz eindeutig sagen, dass diese Scheibe das bisher schwächste Album der Gruppe ist. Der erste Teil des Albums versucht zwar recht gut, das Thema "Fire" umzusetzen, der letzte Funke zum Flächenbrand will aber einfach nicht überspringen. Schade auch, dass hier relativ viele unbekannte Producer zu Werke gehen durften, während Cap D nur zwei und Tone selbst keinen Beat beisteuert (wobei zweiteres auch auf "Vintage" der Fall war und nicht störte). Fazit: Das Konzept hätte man besser umsetzen können. Doch wenn wir das Album nüchtern betrachten, ist natürlich ebenso klar, dass All Natural keinesfalls Durchschnittsware abgeliefert haben und dass dieses Release locker mit dem Großteil der anderen Platten dieses Jahres mithalten kann. Mit dem nächsten Album, das wohl unter dem Motto "Wasser" stehen wird, gibts es die nächste Chance auf einen Classic.

Gesamtwertung: 6.5 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Prodigy - H.N.I.C. Pt. 2

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 22. April 2008
Label: Voxonic Music

Tracklist:
01. Real Power Is People
02. The Life
03. Young Veterans
04. Illumanati
05. New Vitty
06. A,B,C's
07. Click Clack - (Feat. Twin Gambino)
08. Veterans Memorial Pt. 2
09. Field Marshal P - (Feat. Un Pacino)
10. 3 Stacks - (Feat. Twin Gambino)
11. When I See You
12. It's Nothing - (Feat. Big Noyd)
13. I Want Out - (Feat. Un Pacino & Havoc)
14. A,B,C's (Vox Spanish Remix Teaser) (Bonus)
15. Dirty New Yorker (Bonus)



Hier noch einmal den Werdegang von Mobb Deep zusammenzufassen, ist wohl überflüssig. Denn dieses Duo ist einer der wenigen Acts, zu denen wenig Erläuterung nötig ist. Selbiges gilt für Prodigy, die bekanntere Hälfte des Mobbs. Dieser veröffentlichte jedenfalls, sieben Jahre nach seinem Debüt-Album, im Jahre 2007 sein Streetalbum "Return Of The Mac", komplett produziert von The Alchemist, als Vorgeschmack auf dieses Werk hier. ROTM bekam erstaunliche viel positives Feedback, was nicht zuletzt an dem Fehlen von 50 Cent und seinen Gorillas gelegen haben mag, und schaufelte damit auch für "H.N.I.C. Pt. 2" einen kleinen Berg Erwartungen auf. Die Tatsachen, dass P zur Zeit der Veröffentlichung schon eine mehrjährige Haftstrafe absitzt und davor noch mächtig mit diversen Aussagen auf Blogs, etc. über sich Reden machte, dienen alle als perfekte Promo. Ebenso das Label Voxonic Music, von dem große Töne einer neuen Stimmübersetzungstechnologie gespuckt wurden, die "H.N.I.C. Pt. 2" in 1400 Sprachen erscheinen lassen sollte. Doch zurück zum Kern der Sache, am 22. April erscheint schließlich P's offizielles Sophomore Album.

Als das Cover ein paar Wochen vor Release auftauchte, dachte noch jeder an einen Fake. Denn das Wort, das einem hier bei einem weißen Cover mit zwölf Prodigy's, Spritzen, Dice und usw. durch den Kopf schießt, ist "abgefuckt". Doch ein hässliches Cover lässt sich bei entsprechender Musik ja verkraften. Für die Produktion sind zum Großteil der Alchemist und Sid Roams verantwortlich. Sid Roams? Ja, wer sie (noch) nicht kennt: unter anderem verantwortlich für Evidence's "Mr Slow Flow" und bekannt für einen markanten, wenig variablen Sound. Der wird auch gleich im Opener bestens präsentiert: "Real Power Is People", das mit einem sehr schnell nervenden Beat den Takt des Albums angibt. Rapper P, der die Zeit im Kittchen nutzen will, um viel zu lesen und sich zu bilden, gibt uns gleich mal einen Vorgeschmack seiner Knowledge: "Money's worthless, real power is people / Real strength is in the streets where everybody's equal / Fuck jewelry, fuck rims, let's spend on our protection / Get armor, get cameras, get with' it lil' nigga this man's shit". Ja, das klingt doch sehr vernünftig für einen Typen, der seine Seele für 50 lausige Cents verkauft hat, um dann in seinem fortgeschrittenen Rap-Alter noch ein paar Flocken einzuheimsen.

Doch genug davon, schließlich ist auf dem ganzen Album kein 50 Cent, was man P schon sehr hoch anrechnen muss. Doch der Weg, den er hier einschlägt, ist deswegen keinesfalls der alte. Denn fast die komplette Produktion des Albums orientiert sich an dem, was man sonst nur von Sid Roams gewöhnt ist. Prodigy goes digital: die alten Elemente werden restlos entsorgt, um dem Hörer Synthies um die Ohren zu hauen. Auch The Alchemist geht in den nächsten drei von ihm produzierten Songs nach diesem Schema vor und serviert zuallererst "The Life", das sich in Kombination mit P's Stimme als gut hörbar erweist. Auch wenn Prodigy's Raps irgendwo zwischen 0815-Phrasen und Belanglosigkeit flattern - seine Stimme hat, wenn auch meilenweit vom Charisma der glorreichen Tage entfernt, etwas, dem man gerne zuhört. Das gilt auch für die Produktion in "Young Veterans", in dem Prodigy eindrucksvoll beweist, dass er anscheinend nichts mehr zu sagen hat: "Now we thirty-thou feet in the air / Getting head from a pretty face who ain't scared / To fuck with these G's and she happy that she did / Cause we turned out to be that shit that she felt / Baby on the real, all these lame niggas now the deal / My dudes give out the wounds that never heal".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Wer sich in "Illuminati" ein wenig mehr Gehalt erwartet/erhofft (ganz gleich wie sinnvoll der sein mag), wird enttäuscht sein. Wieder passiert nicht viel, womit alle Verantwortung in Sachen Unterhaltungswert auf den Produzenten abgewälzt wird, der hier immer noch Alchemist heißt und keine Glanzleistung abliefert, weswegen man an dieser Stelle auch nicht groß verweilen muss und dann bei "New Yitty" landet, das etwas dunkler gerät und somit auch wieder gut. Doch die dem Album auf voller Länge oft bescheinigte düstere Atmosphäre gibt es nicht wirklich - Tracks wie die erste Single "A,B,C,'s" sind ganz einfach nur solide, sonst nichts. Kein wirklicher Banger, aber auch nicht schlecht.

Ein wenig Abwechslung erfolgt mit den nächsten zwei Songs, wobei das im Falle "Click Clack" leider trotzdem keine Qualitätssteigerung mit sicht bringt. Allenfalls "Veteran's Memorial Pt. 2" entpuppt sich, als einziger Song des Albums von Streichern dominiert, als sehr stark und Part 1 fast ebenbürtig. Im Anschluss darf zum ersten Mal Havoc etwas beisteuern: "Field Marshal P" ist schlicht und schmucklos. Doch auch hier stellt sich deswegen kein richtig guter Track ein, man will Prodigy durchschütteln und ihn dazu anhalten, keine halben Sachen zu liefern. Doch sobald Sid Roams wieder das Steuer übernehmen und mit "3 Stacks" loslegen, ist man sogar über halbe Sachen froh, denn hier sieht man sich eindeutig mit dem schlechtesten Track der Scheibe konfrontiert. Gerade zu lächerlich, wie fehl am Platz Reibeisen Gambino auf dieses Geklimper wirkt. Doch dieser Tiefpunkt verheißt wenigstens einen nun folgenden Anstieg, der mit "When I See You" sehr gemächlich vonstatten geht und dann im gehetzten "It's Nothing" wieder bei guter Hörbarkeit angelangt ist. Big Noyd, Homie seit Tag Eins aus der Infamous Family, lässt es sich nicht nehmen, hier auch mal Hallo zu sagen.

Die zweite Havoc-Produktion trägt den Titel "I Want Out" und beschert uns nicht nur ein relatives, sondern auch ein absolutes Maximum. Während sich Prodigy zum zweiten Mal auf diesem Album an seinen youtube-Views aufgeilt, stellt ihn sein Kollege Un Pacino mit einem hervorragenden ersten Part in den Schatten. Allein mit dem Titel hebt sich der Song auch thematisch vom Rest des Albums ab. Außerdem beweist Havoc, dass er immer noch als Producer relevant ist. Nach diesem starken letzten Track folgt noch das Bonus-Material. Da wäre zuerst der Vox Spanish Teaser zu "A,B,C's", der immerhin ein klein wenig der Ankündigungen bestätigt. Ob P auf Spanisch (oder auch in anderen Sprachen) wirklich hörenswert ist (abgesehen von einem deutschen Prodigy als unfreiwilligem Comedian), bleibt eine ganz andere Frage. "Dirty New Yorker" stammt vom GTA IV OST, geht auf ALC's Kappe und hätte auch sonst gut aufs Album gepasst, zumal es dort im oberen Bereich gelegen wäre.



Fazit:
Prodigy ist im Jahr 2008 garantiert nicht mehr der Head Nigga In Charge. Seine Rhymes mögen auch früher thematisch im selben Gebiet rangiert haben, doch sie waren ganz eindeutig fresher. Der Sound, der sehr nach einer Komplettproduktion von Sid Roams klingt, ist zu unflexibel für ein ganzes Album, was man an einigen Stellen auch zu hören bekommt. Kein Fitty, schön und gut, aber das macht noch lange kein Top-Album. Wer "Return Of The Mac" gut fand, sich aber dachte 'Das toppt er mit seinem richtigen Album nicht', der lag wohl richtig. Prodigy's "H.N.I.C. Pt. 2" ist ein Durchschnitts-Album für zwischendurch, das einerseits gute Ansätze bei P zeigt und zwischendurch auch wirklich gut bis sehr gut gerät, andererseits jedoch auch in erschreckender Weise darlegt, wie wenig dieser Mann noch zu erzählen hat. Deshalb wird die Welt (aus musikalischer Sicht) P's Gefängnisaufenthalt verschmerzen können.

Gesamtwertung: 5.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Danger|Zone - Dangerous Styles

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Release Date: 22. Januar 2008
Label: Dove Ink. Records

Tracklist:
01. Welcome To The Danger Zone
02. Marley Emcee Intro
03. Addictions - (Feat. Illogic)
04. The Hideout
05. Stop Sleepin
06. Have It Made - (Feat. Ill Poetic and Illogic)
07. Judge
08. Live From Elbo's Pt.1
09. Ones That Smoke Blunts Witcha
10. Dangerous Styles
11. Seems like - (Feat. Npayshint)
12. When I Ain't Got A Girl
13. Live From Elbo's Pt. 2
14. Stalker
15. Blowin' Up
16. Writers Block
17. Video Games



Und es ist wieder passiert. Ich beginne die Review zum gefühlten hundertsten Album dieses Jahr, das in seiner Pressemitteilung als Rückkehr zum guten alten Boom Bap angepriesen wird, während zur Bekräftigung noch Black Moon und Jeru The Damaja mit ihren Erstlingswerken als Richtungsweiser aufgeführt werden. Allerdings geht es diesmal nicht um ein Duo aus New York, nein: Danger|Zone kommen aus Sacramento, der Hauptstadt vom Gutwetterstate California. An der Aufstellung 1MC/1DJ wird trotzdem nicht gerüttelt, Bru Lei ist der Storyteller, während sich Amos Famous um die Produktion kümmert. Immerhin ist das Design der Platte alles andere als langweilig. Achja, das Album heißt "Dangerous Styles". So, nun ist alles wichtige gesagt, dann mal: "Welcome to the Danger Zone".

Ein kurzes Intro, das sich "Welcome To The Danger Zone" nennt, stellt uns die beiden Hauptakteure vor. Amos macht den Anfang, während er typische Boom-Bap-Snares und ein Piano im Gepäck hat. Nichts Neues, aber immer wieder gut. Bru Lei verschafft sich mit seiner weichen, angenehmen und leicht rauchigen Stimme sofort Gehör und beweist auf ein Neues, dass es nicht immer einer außergewöhnlichen Stimme bedarf, um einen charismatischen Rapper abzugeben. Das "Marley Emcee Intro" dient dazu, einen weiteren, sehr relaxten Beat von Amos in die Manege zu schicken und gleichzeitig mit dem Gebrabbel Marley Emcee's Sympathien einzufangen - denn Kleinkinder am Mic sind nunmal einfach süß. Wenn man Danger|Zone verziehen hat, dass ihr Zielpublikum keine Blondinen, sondern HipHopHeads sind, kann man zum ersten vollen Track voranschreiten. "Addictions" handelt, über einen soliden Beat, von diversen Suchtmitteln, was Bru Lei auch sehr gut zu verpacken weiß. Nach Nikotin, Kokain, Koffein, Crack, Alkohol, Morphium und Marihuana geht es weiter mit "The Hideout", das auch gleich den ersten Höhepunkt der Platte markiert. Was gibt es gegen BoomBap einzuwenden, wenn dabei mitreißende und genickbrechende Bretter wie dieser Song das Ergebnis sind?

Auch ein sehr relaxtes "Stop Sleeppin'", in dem Amos Famous wieder sein Klavier auffährt, lässt wenig Kritik zu. Wenn die Dove Ink-Kollegen auf "Had It Made" eingeladen werden, um über einen routinierten Kopfnicker ihre Lines abzuhandeln, bleibt mir ebenfalls nicht viel zu sagen - außer, dass diese Musik perfekt auf den iPod passt, während man bei gutem Wetter gerade unterwegs ist.Selbiges gilt auch und vor allem für "Judge", eine atmosphärische Nummer über vorschnelle Schlüsse, die vor allem von einem Horn im Hintergrund zehren kann und deren Chorus ebenfalls dicke Pluspunkte einheimst: "Don't judge a book by its cover, when you haven't even read the first page / Don't tell a girl that you love her, when you don't even know her name / B-R-U spells danger, L-E-I spells danger / A-M-O-S spells danger, F-A-M-O-U-S, danger".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Der erste Teil von "Live From Elbo's", den man sich allerdings hätte sparen können, bildet die Einleitung zu "Ones That Smoke Blunts Witcha", das neben einem Biggie-Sample nur einen (gut) durchschnittlichen Beat aufweisen kann. Sofern das als kleiner Durchhänger bezeichnet werden kann, taucht das Album nun in seine stärkste Phase ein. Der Titeltrack "Dangerous Styles" schafft es trotz strikter Langeweile im Produktionskonzept, mit einer eingängigen Melodie einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen - Bru fasst es zusammen: "Amos Famous set me up on a blind date and / To my surprise the beat was bangin'". Die einzige melancholische Anspielstation findet sich in "Seems Like", dessen Beat ohne weiteres von KNO hätte stammen können und auch dementsprechende Qualität aufweist.

Die Stimmung dreht sich im Anschluss mit "When I Ain't Got A Girl" um 180°: "The ones without them boyfriends I choose and pick / The ones with the boyfriends is usually who I get". Und bei diesem Thema verbleiben wir jetzt auch erstmal. "Live From Elbo's", Teil 2, erweist sich als unterhaltsam und bildet eine starke Überleitung zum nächsten Höhepunnkt: "Stalker". Während Bru Lei sämtliche Bekanntschaften und Beziehungen zu normalen und schrägen Ladies (und Freaks) Revue passieren lässt, holt Amos seine akustische Gitarre hervor und kreiert einen Beat mit unbedingtem Replay-Faktor. "Whatup Cindy? When I come to your city, your boyfriend's gettin' knocked out". Und während man, aufgrund solcher und ähnlicher Lines, noch ein dickes Grinsen im Gesicht stehen hat, folgt auch schon der nächste Streich. Für "Blowin' Up" muss wieder das Piano herhalten, auch hier geht die Rechnung voll auf. Dass Danger|Zone eine besondere Vorliebe für Biggie haben, beweist die Tatsache, dass hier zum zweiten Mal ein Sample des Dicken die Hook schmeißt. Dem nicht genug, am Schluss wird sogar ein ganzes Stück "Juicy" eingespielt.

"Writer's Block" verkriecht sich als typischer Standard-Song eines solchen Albums irgendwo im unteren Mittelfeld und ist spätestens beim Einsetzen von "Video Games" wieder vergessen. Denn hier zeigen Danger|Zone nochmals, dass sie den Kauf dieses Albums durchaus wert waren; je nach Altersklasse wird sich der ein oder andere Hörer bei der Aufzählung Bru Lei's liebster Konsolen-Games an schöne Zeiten zurückerinnern. Bei den neun Minuten Spielzeit dieses Songs versteckt sich noch ein Bonus-Track, der jedoch etwa im Bereich von "Writer's Block" liegt und weder positiv, noch negativ auffällt.



Fazit:
Ja, "Dangerous Styles" ist im Großen und Ganzen ein typisches Boom Bap-Album, das man sicher nicht nach Sacramento gesteckt hätte. Doch so sehr das einige HipHop-Fans leugnen, auch heutzutage kann der Bauplan für so ein Album der richtige sein, wie auch in diesem Fall. Bis auf wenige unauffällige Tracks bietet dieses Album nämliche durchgehend gute Unterhaltung, was an einem fähigen Producer und einem charismatischen MC, dem man gerne zuhört, liegt. Da Bru Lei und Amos Famous auch noch keine Lorbeeren zum Daraufausruhen haben, ist ein gewisser Antrieb deutlich spürbar. Alle, die nun ein schlechtes Gewissen haben, weil sie noch nie von dem Duo gehört haben, können sich dieses Gewissens entledigen, indem sie das Album erwerben: denn diese Review (und damit ich) schließt mit einem "kaufenswert" ab, und lässt sich, trotz der Ausgelutschtheit des inhaltlichen und soundlichen Rahmens, zu (knappen) vier Kronen hinreißen.

Gesamtwertung: 7.7 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame