Sonntag, 4. Januar 2009

DJ Wich - The Golden Touch

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 05. Dezember 2008
Label: Skoop Entertainment / EMI Czech Republic

Tracklist:
01. The Man With The Golden Touch (Intro)
02. Get Live (Feat. Slum Village)
03. Give Up Your Guns (Feat. Royce Da 5'9", Talib Kweli & Raekwon)
04. Coasting (Feat. Kurupt & Nironic)
05. It Don't Stop (Feat. Big Noyd, Frank Nitty, Guilty Simpson & DJ Rafik)
06. Classic (Feat. M.O.P.)
07. Gone With The Wind (Feat. Cali Agents)
08. Is You Ready (Feat. Young De, J-Ro & Tekneek)
09. What We Need (Feat. Glasses Malone & Lil' Wayne)
10. Give It Up (Feat. Little Brother)
11. They Don't Know How (Money Over Here) (Feat. Havoc, Kurupt & Roscoe)
12. Do My Thing (Feat. Nironic)
13. On And On (Feat. Rasco)
14. Superman (Feat. Frank N Dank)
15. Much Higher (Feat. Kurupt & Nironic)
16. We Finally Here (Feat. Tangled Thoughts)
17. Unstoppable (Feat. Guilty Simpson & Rasco)
18. Always On The Run (Feat. Gail Gotti & Roscoe)
19. Cheat On Her (Feat. RL & Nironic) (Bonus)



Das tschechische Gegenstück zu den Snowgoons? Ja, so in etwa. Der aus Prag stammende DJ und Produzent war dem durchschnittlichen Konsument von amerikanischem HipHop bisher wohl absolut kein Begriff. Mit diesem Producer-Album mag sich das allerdings ändern - denn ganz im Gegensatz zu seinem Erstling "Time Is Now" zaubert DJ Wich hier eine Gästeliste aus dem Hut, die sich vor denen seiner amerikanischen Kollegen - oder eben den Snowgoons - nicht verstecken muss. Noch hinzu kommt die Tatsache, dass dieser Mann ganz angeblich den "Golden Touch" gepachtet hat. Die Zeit, die dieser Herr schon im Game verbracht hat, rückt diese Behauptung zwar in den Rahmen des Möglichen, macht sie jedoch nicht sofort wahr.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Berechtigte Zweifel im Voraus sind aber doch erlaubt. Produzentenalben an sich geraten ja selten übermäßig gut und bei jemandem wie DJ Wich, sowie der oben zu sehenden Tracklist, muss man erst recht fragen, ob hier nicht einfach abgegriffen wurde, was möglich war, um dann eine Compilation mit dem attraktivsten Line-Up abzuliefern. Dazu kommt noch die Tatsache, dass man es mit 18 ganzen Songs zu tun hat, was dann in jedem Fall anstrengend wird. Bezüglich der Art und Weise, in der DJ Wich mit seinem Goldhändchen seine Tracks glasiert, heißt das Zauberwort: gepitchte Voice-Samples. Und zwar bis zum Erbrechen. Und noch weiter. Letztendlich sind es dann doch nur gut über die Hälfte der Tracks, die in diesem Format daherkommen, doch die Zahl der gefühlten Tracks, die DJ Wich mit solchen Samples versieht, beläuft sich auf 30 bis 40. Zu Beginn des Albums ist die Motivation noch im grünen Bereich - auch wenn das "Intro" schon in seinen 50 Sekunden die komplette Bandbreite von DJ Wichs Produzentenkünsten abhandelt. Im Prinzip bedient sich DJ Wich der üblichen Hilfsmittel, die auch bei dem durchschnittlichen Stöpseldreher der Ostküste zu finden sind. Fatal ist dabei jedoch die Kombination aus Wichs Markenzeichen, den besagten Voice-Samples, und einer völlig rückgratlosen Struktur, die bei jedem Song ähnlich ist. Im Klartext heißt das nämlich, dass einem auf jeder Anspielstation die gleiche Geschichte mit unterschiedlichem Deckblatt untergejubelt wird. Großartigerweise haben die Gäste, von denen keiner einen übermotivierten Eindruck macht, nichts besseres zu tun, als ihre Bars von der einen Ecke in die andere zu schieben und dabei entweder zu representen oder über ein großes Nichts zu schwatzen. Ein wunderbares Beispiel ist "It Don't Stop". Ein Beat, der eigentlich richtig gut ist, wird bestückt mit gelangweilten Raps, unter denen vor allem Guilty Simpson den Eindruck macht, nicht so richtig aus den Federn gekommen zu sein. Desweiteren muss man sich mit einer Großzahl 08/15-Gäste, die anscheinend auf jedem Producer-Album vertreten sein müssen, herumschlagen. Royce Da 5'9, Kweli oder M.O.P. mögen alle gute Künstler sein, doch hörenswert sind sie vor allem dann, wenn sie auf ihren eigenen Alben ihren eigenen Sound praktizieren - und nicht, wenn ein DJ Wich daran scheitert, ihnen den seinen auf den Leib zu schneidern. Vollkommen unnötig zu erwähnen, dass die Kombo Glasses Malone / Lil' Wayne hier absolut unpassend und nur mit von der Partie ist, um ein paar mehr Käufer zu werben. Selbiges gilt für den dahinsiechenden RL in "Cheat On Her". Natürlich tun sich auch einige Tracks positiv hervor: Die Cali Agents bekommen in "Gone With The Wind" einen der besten Beats des Albums und bei "Give It Up" passt der leicht verdauliche Sound bestens zu Phonte und Big Pooh. Auf der anderen Seite hat man es dann allerdings mit absolut nervigen Pitch-Stimmchen wie in "We Finally Here" zu tun. Oder aber ein Kurupt, der ganze drei Mal ans Mic tritt, liefert lyrische Tiefflüge ab: "I'm all in the club, got in on crack / just like what? Just like that / Just like what? just like that" - peinlich.


Fazit:
In einem Punkt darf man DJ Wich Recht geben - dieses Album ist voll und ganz aus einem Guss, diesem von Wich proklamierten goldenen Überzug. Dass jener Guss dann aber vollkommen ungeeignet ist, um über ein ganzes Album hinweg zu unterhalten, scheint der tschechische Beat-Bastler nicht zu wissen. Ganz im Gegensatz zu den Snowgoons, die im Prinzip ein ähnlich geschlossenes Album vorgelegt haben, fehlt Wich nämlich das gewisse Etwas. Hinzu kommen durchgehend ernüchternde und viel zu routiniert-gelangweilte Gast-Raps - und schon ist man bei diesem mittelmäßigen Release gelandet. "The Golden Touch" ist keinesfalls ein gutes Album, sondern punktet nur mit einigen wenigen Tracks, bei denen Wichs Formel aufgegangen ist. Der Rest ist völlig belanglos.

Gesamtwertung: 5.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Wu-Syndicate - Myalansky & Joe Mafia: Wu-Syndicate

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 20. April 1999
Label: Slot Time Records / P.I.A.S. / Wu-Tang Records (Priority Records)

Tracklist:
01. Thug War (Feat. Napolean)
02. Pointin' Fingers
03. Global Politics (Feat. 12 O'Clock & Napolean)
04. VA Cats
05. Metropolis
06. Golden Sands
07. Crime Syndicate (Feat. Napolean)
08. Where Was Heaven
09. Ice Age (Feat. Napolean)
10. Ghetto Syringe (Feat. 12 O'Clock & Napolean)
11. Young Brothas
12. Weary Eyes (Feat. Napolean)
13. Muzzle Toe
14. Ask Son
15. Wings Of Life
16. Latunza
17. Bust A Slug (Feat. Trigga & Ill Knob)
18. The Hit (Feat. Napolean)



Bei Veröffentlichungen aus dem riesigen Zeltlager unter der Flagge des Wu-Tang Clan, neigt man dazu, die unbeachteteren Alben als unbedeutend abzutun. Doch, dass diese Irrlehre, aufgrund des allgemein sehr hohen Niveaus in der Wu-Fam oft zu Eigenschädigung (im Sinne von verpasstem Hörgenuss) führt, sollte inzwischen klar sein. So findet auch das 1999 von Joe Mafia und Myalansky über Wu-Tang Records auf den Markt geworfene Album wieder, auf dem die beiden aus Virginia stammenden MC's als "Wu-Syndicate" auflaufen, nicht die Beachtung, die einer solchen Platte eigentlich zukommen sollte.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Wie schon erwähnt, stammen diese Jungs nicht etwas aus Brooklyn oder den Tiefen der Shaolin, sondern aus Virginia und sind damit als vorgeschobener Außenposten der Familie anzusehen. Ihren ersten Auftritt hatten dei beiden auf der 1998 erschienen Wu-Compilation "The Swarm". Doch zurück zum ein Jahr später erschienenen und bisher einzigen Album des Syndikats. Auf diesem ist das dritte Mitglied, Napolean, auf einem Drittel aller Songs zu hören und mit DJ Devastator übernimmt ein weithin unbekannter Name den Löwenanteil der Produktion, während Altmeister Mathematics nur zwei seiner Instrumentals beisteuert. Den Rest machen Smokin' Joe und E The Dred unter sich aus. Was einem dann letztendlich aufgetischt wird, ist so klassische Ostküstenkost, dass "Wu-Syndicate" als Musterbeispiel in ein entsprechendes Lehrbuch Einzug halten könnte. Die mit Streichern unterlegten Raps, die einem hier gleich zu Beginn in "Thug War" entgegenschlagen, lassen keinen Zweifel an der Reality Rap-versetzten Straßenpoetrie, die einen auf dieser Scheibe erwartet: "Livin' in this do-or-die lifestyle for ransom / 50 Gs, need keys to free their grandson / Run but you can't hide, rich is what we long for / You get your wig split back, caught in this thug war". Weder Myalansky, noch Joe Mafia oder Napolean verfügen über eine charakteristische Stimme, was der Stimmung des Albums jedoch erstaunlicherweise förderlich ist: Diese Gruppe operiert aus der zweiten Reihe, hält sich im Halbschatten und ist wohl genau deshalb in keinster Weise minderwertiger als alle die anderen Wu-Ableger. Denn der klare Flow von Joe Mafia und der, mit leicht rauchiger Stimme vorgetragene Wortfluss von Myalansky sind aus einem Holz geschnitzt, das weit entfernt von Zweitware ist. Unterlegt man deren Vorträge nun mit guten Produktionen, gelangt man zu Tracks wie "Ask Son", dem ein Voice-Sample und Bläser verabreicht wurden, oder dem kalten "Crime Syndicate", das sich als Gangster-Track erster Güteklasse präsentiert. Weiter im Aufgebot findet man "Global Politics" mit Fanfaren-Aufgebot und 12 O'Clock als Gast, einem weiteren Streicherteppich, diesmal unter dem Titel "VA Cats" und versetzt mit weiblichen Vocals, oder das sehr trockene "Muzzle Toe" von Allah Mathematics. Das Hauptgericht dieser Scheibe teilt sich in zwei Gänge, von denen einer extra fett ausfällt: "Bust A Slug" ist der nach vorne preschende Representer des Albums, der Gastverse von Ill Knob von der Klik Ga Bow und Trigga von der M.M.O. auffährt. Überbieten kann das nur ein Track, der auch schon auf besagter "The Swarm"-Compilation zu hören war. "Where Was Heaven" ist als schwermütige Reflektion des eigenen, ausweglosen Lebens im Ghetto einer der besten Tracks, die je das Wu-Camp verließen: "My man Shawn, he held on strong / Slug burned through his lower back side, cracked his spine exit his arm / Lost him twice on the hospital table, and when he died I cried my eyes out / I couldn't take it, damn / But the same things continued to happen, niggaz got bust / I'm a kid with a grown man's mind, turning corrupt"


Fazit:
Auch wenn dieses Album aussieht, als würden hier zwei Nichtskönner mit den Namen "Wu-Tang" und "RZA" ein paar Plattenverkäufe abgreifen wollen - der Eindruck täuscht, das Gegenteil ist der Fall. "Wu-Syndicate" ist ein Album, das jedem Head, der auch nur halbswegs mit der Marke Wu-Tang etwas anzufangen weiß, einiges zu bieten hat. In einer Zeit, in der der Clan teilweise schon zu sehr den Blick fürs Wesentliche verloren hatte, servieren Joe Mafia und Myalansky schnörkellosen HipHop nach Maß. Schade, dass auch dieses Duo nie wirklich an sein Debüt anknüpfen konnte und bis heute noch in halbherzigen Ankündigungen feststeckt (auch wenn "Grimlenz" nun anscheinend doch Gestalt annimmt).

Gesamtwertung: 7.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Donnerstag, 1. Januar 2009

Super Chron Flight Brothers - Emergency Powers

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date:
24. April 2007

Label:
Backwoodz Studioz / Green Streets Entertainment

Tracklist:
01. Drought
02. European Safari (Live From The Caucasus Mountains)
03. To Catch A Thief (Live From Wall Street, NYC)
04. Slaugtherhouse
05. Rent Control
06. Panama Red
07. Guy Fawkes (Live From Baioda, Somalia) (Feat. Trife Da God)
08. First Blood
09. Bob Hope
10. Public Defenders (Feat. Hi-Coup & Hasan Salaam)
11. Dirtweed (Live From The 4th Circuit, Court Of Appeals, Richmond, VA)
12. A Million Little Pieces (Live From The Oprah Show) (Feat. Keith Masters)
13. Love & War In October (Feat. Whizla)
14. Frontier Province (Feat. Marq Spekt)
15. High Grade
16. Soweto Nightclub (Live From Brixton, United Kingdom)
17. Adamantium (Live From Cannabis Cup, Amsterdam) (Feat. Cannibal OX)
18. Low Tide / Epilogue: Rain (Live From The Trocadero, Philadelphia, PA)



Mit dem Zusammenschluss von Billy Woods und Priviledge kommt die Rap-Welt wieder in den Genuss eines extravaganten und originellen Namens: Das Duo läuft unter dem Titel Super Chron Flight Brothers und beschert dem New Yorker Nischen-Label Backwoodz Studioz eine Erweiterung im Release-Katalog. Unterstützung bekommen die beiden Weedheads von Label-Kollegen und näheren Bekannten: Cannibal Ox, Trife Da God oder auch Marq Spekt schauen auf "Emergency Powers; The World Tour" vorbei.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Billy Woods stellte bereits mit seinem 2004er Solo unter Beweis, dass er eine gesunde Portion Eigenwilligkeit besitzt. Schon auf besagtem Album, "The Chalice", war unter den Beat-Bastlern der Inhouse-Produzent von Backwoodz, Bond, zu finden. Der sorgt hier nun, neben anderen Kollegen wie DR. MONOMROME, Shame, MF Doom, Axis 360, Goldenchild, Nasa oder Essex Dogs, für mehr als 50% der instrumentalen Beschallung. Thematisch ist es naheliegend, dass man bei genügend Marijuana-Konsum und entsprechendem Titel eine "World Tour" unternimmt - wenn auch nur im Geiste. Das klingt in erster Linie natürlich nach einem Fun-Projekt - und ganz zweifelsohne steht dieser Aspekt ganz weit oben - doch sollte dabei nicht außer Acht gelassen werden, dass beide Emcees auch ernsthafte Themen zur Sprache bringen. Wie bei so vielen Tag-Teams sieht man sich auch hier mit Gegensätzen konfrontiert: Stimmlich kommt Priviledge eher unauffällig, auf den zweiten Hörgang jedoch trotzdem einprägsam daher, während Billy Woods mit sehr markantem Stimmorgan und gekonnt unsauber-stockendem Flow sofort Akzente setzen kann und auch dauerhaft dominiert. Der Spaß beginnt mit "Drought" und einem für das Album bezeichnenden Beat: gewöhnungsbedürftig, nicht im alltäglichen Anstrich und trotzdem mit klarem Wink der Ostküste. Durch die ambitionerte Darbietung der Emcees gerät ein großartiger Einstieg, der in "European Safari" eine, das Niveau haltende Fortsetzung erfährt: Wie Billy Woods hier über die kantige Produktion gegen das Voice-Sample ankämpft, hat viel Schönes. Mit Anhängseln wie "Live From Caucasus Mountains" werden zwar die Themen definiert; dies bedeutet jedoch nicht, dass Woods und Priviledge sich in diesem Rahmen aufhalten. Vielmehr wird hier meist, in unterhaltender Weise, über alles und nichts gerappt. Die Flight Brothers sind spontan und meist ohne direktes Ziel vor Augen, lassen aber an genügend Stellen in gut gesetzten Andeutungen durchscheinen, dass sie auch ein Anliegen haben. Das ganze Unternehmen gelingt nur so gut, da die Beats meist perfekt mitspielen. "Guy Fawkes" passt mit klassischem BoomBap bestens zu Trife Da God, "Bob Hope" macht nach düsterem Bläser-Anfang eine Kehrtwende, auf dass Priester William Woods über ein Soul-geschwängertes Piano-Instrumental zu seiner Gemeinde predigt. Für "Public Defenders", ebenso wie für das Doom-produzierte "Dirtweed", zieht man sich, eingedeckt mit genug zu rauchen, in einen Pflanzendschungel zurück und genießt die gute Laune, die aus den Lautsprechern schallt. Während einen "A Million Little Pieces" erst nach wiederholtem Durchlauf in seinen Bann zieht, weiß man bei "Frontier Province" mit großartigem Bläser-Gerüst und einem tierisch guten Billy Woods sofort, dass man es hier mit einem Highlight zu tun hat. Nasa beweist in "Soweto Nightclub" mit seinem einzigen Beitrag seine fehlende Producer-Begabung, während DR. MONOMROME in "Adamantium" über's Ziel hinausschießt und dem Quartett am Mic ein elektronisches Etwas vorsetzt, das nur mit viel gutem Willen abgenickt werden kann. Den Schluss besorgt dann wieder Bond, der in "Low Tide" gleich drei Beats verbrät, die steigend angeordnet sind, wobei das schwer melancholische letzte Stück mit seinen Streichern einen überragenden Ausstieg darstellt, bei dem sogar die Flight Brothers von ihrem Super Chron ablassen.


Fazit:
Den Super Chron Flight Brothers gelingt mit "Emergency Powers; The World Tour" ein Ausbruch aus der Monotonie vieler anderer Underground-BoomBap-Releases. Dass dieser Ausbruch an einigen Stellen noch ein bisschen weiter ausgefeilt werden muss, stört nicht weiter. Sämtliche Unstimmigkeiten werden von der Motivation, die den beiden Interpreten anzuhören ist, kaschiert. Der New York HipHop der Neuzeit muss eben nicht immer gleich klingen - "Emergency Powers" ist eine feine Alternative, die jedoch sicherlich nicht jedem gut im Magen liegen wird.

Gesamtwertung: 7.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Royal Flush - Ghetto Millionaire

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 19. August 1997
Label: TVT Records / Blunt Recordings

Tracklist:
01. Intro
02. I Been Gettin' So Much $
03. Iced Down Medallions (Feat. Noreaga)
04. Can't Help It (Feat. Khadejia)
05. Illiodic Shines (Feat. Mic Geronimo)
06. Movin' On Your Weak Productions (Feat. Phenom Pacino)
07. Conflict (Intro)
08. Conflict (Feat. Wastlanz)
09. Shines (Intro)
10. Shines
11. Family Problems
12. What A Shame (Feat. Noreaga)
13. Regulate (Intro)
14. Regulate (Feat. Mic Geronimo)
15. Worldwide
16. Niggas Night Out
17. International Currency (Intro)
18. International Currency (Feat. Wastlanz)
19. War
20. Makin' Moves (Feat. Mic Geronimo)
21. Reppin' (Feat. Michell Mitchell)
22. Dead Letter



Im New York der Neunziger ist die Zahl der Releases so groß, dass viele Alben unter den Tisch fallen und heute nur noch als Geheimtipps umhergeistern. Etwa in diese Kategorie fällt auch das Debüt des Queens-Rappers Royal Flush. 1997, also noch im besten Alter, erschienen, stehen die Zeichen für dieses Album mehr als nur gut. Produktionen von Buckwild, L.E.S. oder den Beatminerz sollten den richtigen Sound garantieren. Und nachdem Royal Flush erstmals auf Mic Geronimo's "The Natural" zu hören war, revanchiert sich dieser nun auf "Ghetto Millionaire".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Hier muss auch nicht lange um den heißen Brei herumgeredet werden - "Ghetto Millionaire" steckt knietief im Sound seiner Zeit. Es wird absolut kein Hehl daraus gemacht, dass man hier auf der Jagd nach den "Benjamins" ist. Bestes Beispiel ist die Single "Iced Down Medallions". Der mit charakteristischem Trompeteneinsatz loswalzende und weithin bekannte Track lädt sich Noreaga für die Hook und fröhnt dem Bling-Bling, lange bevor irgend jemand eine Crunk-Welle auch nur erahnen konnte. Ein großer Unterschied zu besagtem, im neuen Jahrtausend einsetzenden Trend sollte jedoch nicht unter den Tisch fallen - Bei Royal Flush wirft noch der von Mobb Deep geprägte Reality Rap einen großen schwarzen Schatten. Der Feststellung "I Been Gettin' So Much $" geht selbstredend dem schmutzigen Geschäft zur Beschaffung des Zasters voraus. Und wo man schon beim ersten Song der Scheibe ist, kann gleich einer der wenigen Fehler des Albums hervorgehoben werden: Die Gesangseinlage in der Hook hätte Flush mal lieber bleiben lassen. Weitaus besser klingt das nämlich von weiblichen Gästen, die jenes Handwerk auch beherrschen: "Reppin'" mit Michelle Mitchell oder "I Can't Help It" mit Khadejia Bass sind dadurch zwar deutlich softer, erdrücken dafür aber jegliche Kritik mit der Qualität, die sie als Beschallung beim Entspannen entfalten. Sonst herrschen allerdings die trockenen Snares vor - mal versehen mit einer Hook-losen Rap-Show der Wastlanz in "Conflict" oder bestrichen mit einer minimalistischen Piano-Line in "Illiodic Shines", auf der im Wechselspiel mit Mic Geronimo die bedrückende Allgegenwart der Gewalt in Worte gefasst wird: "Illiodic shine, just like a palace / Now, release the violence / Heat lay 'em down, off of balance / Snitch & murder comes, when you deal wit the guns". Familiäre Auseinandersetzungen und einen Alkoholiker als Vater hat Flush ebenfalls zu bieten, nachzuhören in "Family Problems". Ebenfalls im Kulturbeutel des Ghetto-Lebens findet Flush die Idee des Gedenkens an verstorbene Freunde, die in "Dead Letter" gleich aufgegriffen wird. Und natürülich nicht zu vergessen: Immer und immer wieder Ausführungen über die Strukturen der Gewalt, vom durch Violineneinsatz geprägten lokalen "War" vor der Haustür bis hin zu "International Currency". NY-Flavor vom Allerfeinsten bekommt man auch, wenn die Beatminerz an den Boards stehen um "Movin' On Your Weak Productions" ein gescratchtes Nas-Sample als Hook aufzusetzen - typischeres 90s-Feeling ist schwer vorstellbar. Denn was Royal Flush bei allen seinen verbalen Taten legitimiert, sind die Produktionen, bei denen ein Fehltritt auf dem gesamten Album kein einziges Mal vorkommt.


Fazit:
"Ghetto Millionaire" ist beileibe kein besonderes Album - es gehört, wie so viele andere, in die Sparte jener Scheiben, die heute einzig und allein deswegen hohe Anerkennung genießen, weil sie zum richtigen Zeitpunkt erschienen sind - doch das soll dem Album keinesfalls kritisierend vorgehalten werden. Wie hier einem Track nach dem anderen ein Feeling übergezogen wird, welches heute gar nicht mehr existiert, wirkt ebenso natürlich und selbstverständlich wie es heutzutage bei einem Dirty South-Album der Fall sein mag. Ob man allerdings in zehn Jahren über ein Album eines x-beliebigen Südstaatlers die selben lobenden Worte verlieren wird, wie an dieser Stelle zu Royal Flush, wage ich in Frage zu stellen. Aber um es kurz zu machen - Östküsten-Jünger: Hier spielt die Musik!

Gesamtwertung: 8.2 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame