Freitag, 6. März 2009

Dreddy Kruger - Presents... Think Differently Music: Wu-Tang Meets The Indie Culture

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 18. Oktober 2005
Label: Think Differently Music (Babygrande Records)

Tracklist:
01. Introduction
02. Lyrical Swords (Feat. GZA & Ras Kass)
03. Slow Blues (Feat. Vast Aire, Timbo King, Prodigal Sunn & Byata)
04. Still Grimey (Feat. Sean Price, U-God, C-Rayz Walz & Prodigal Sunn)
05. Skit
06. Think Differently (Feat. Casual, Rock Marciano, Vordul Mega & Tragedy Khadafi)
07. Infomercial #1 (Feat. Jim Jarmusch)
08. Biochemical Equation (Feat. RZA & MF Doom)
09. O.D.B. Tribute (Feat. DJ Noize)
10. Fragments (Feat. Del The Funky Homosapien)
11. Intermission
12. Street Corners (Feat. Bronze Nazareth, Solomon Childs & Byata)
13. Listen (Feat. Littles, Khalid & Planet Asia)
14. Infomercial #2 (Feat. Jim Jarmusch)
15. Verses (Feat. La The Darkman, Scaramanga Shallah, Ras Kass & GZA)
16. Preservation (Feat. Aesop Rock & Del The Funky Homosapien)
17. Cars On The Interstate (Feat. C.C.F. Division)
18. Give It Up (Feat. J-Live & R.A. The Rugged Man)
19. Black Dawn (Feat. Bronze Nazareth)



Compilations gibt es genügend im HipHop. Was Dreddy Kruger hier auf die Beine gestellt hat, darf jedoch ruhig als besonders bezeichnet werden. Als Mitglied der Royal Fam ist er schon sehr lange im Umfeld des Clans aktiv. Der Beweggrund für dieses Projekt war wohl der Verdruss über den Verfall und die Lieblosigkeit, die im HipHop vorherrschen. Zudem füllt dieses Album eine Lücke im HipHop, die eigentlich gar nicht existieren sollte und die sich in der Tatsache begründet, dass der Clan und sein Umfeld meist unter sich bleiben. Bezeichnend ist auch der Name, der zugleich Dreddy's Sublabel unter Babygrande vorstellt: "Think Differently" - Wenn Wu-Tang auf den US-Underground trifft.

14 Songs, fünf Interludes bzw. (Instrumental-)Skits. Eine Gästeliste, die dem Ostküsten-Liebhaber das Herz höher schlagen lassen wird. Das Gerüst dieses Albums ist mehr als vielversprechend. Der größte Bonus, der auch über das Album hinweg den Großteil der Last trägt, wurde jedoch noch gar nicht genannt: Bronze Nazareth, der hier erstmals in größerem Ausmaß in Erscheinung tritt. Neun der 14 Songs werden von ihm produziert, und das in der signifikanten Art, die ihm hier seine ersten Lorbeeren einbringt und ihn später auszeichnen wird: dem Wu-Sound sehr nahe und trotzdem mit einer stark und gut duftenden Eigennote, die sich vor allem durch soulige Voice-Samples auszeichnet. Ein weiterer Beatschmied ist Preservation, der sich im Stil nur geringfügig von Bronze unterscheidet. So richtet sich prinzipiell die komplette CD am beschriebenen Sound aus. Das beginnt im Instrumental-Intro mit einer sich wunderbar aufbauenden Atmosphäre und erreicht in "Lyrical Swords" bereits seinen ersten Gipfel, von dem aus zwei Großmeister des Genres ihre Reime spucken. GZA und Ras Kass; eine feine Kombo, die von einem Brecher eines Beats gesegnet wird und sich anscheinend so gut versteht, dass sie noch ein zweites Mal aufspielt - und zwar zusammen mit LA The Darkman und Scaramanga (alias Sir Menelik) auf dem von DJ Noize genial produzierten "Verses", der bisher besten Umsetzung des vielverwendeten Al Green-Samples. Wer dieses monumental gut flowende Quartett vorbeiziehen lässt, der hat noch eine ganze Palette an weiteren Tracks, die es in sich haben, vor sich. Das Bassdrum-starke "Biochemical Equation" breitet vor RZA und Doom einen Streicherteppich aus, der den zwei Zugpferden der Compilation würdig ist. Die Genialität, die dem streichergeführten Beat von "Street Corners" innewohnt, ist schwer in Worte zu fassen. Da sollte es niemanden verwundern, dass ebenjener Beat von Masta Killa ein Jahr später erneut beansprucht werden wird. Noch unerwähnt sind die Skits, die am besten zitiert werden:

WRITTEN FOR Rap4Fame

"Don't think. FEEL. It is like a finger pointing away to the moon. Don't concentrate on the finger or you will miss all that heavenly glory. Do you understand? Never take your eyes off your opponent... even when you bow."

"Music creates order out of chaos: for rhythm imposes unanimity upon the divergent, melody imposes continuity upon the disjointed, and harmony imposes compatibility upon the incongruous. Yehudi Menuhin."

"It's easy to play any musical instrument: all you have to do is touch the right key at the right time and the instrument will play itself. J.S. Bach"

Während Ersteres ein Sample aus Bruce Lee's "Enter The Dragon" ist, werden die beiden letzten Zitate von Regisseur Jim Jarmusch und seiner wohlklingend-tiefen Stimme vorgetragen werden. Mit diesen Mitteln wird dem Album die notwendige Seele eingehaucht, die es von einer plumpen Aneinanderreihung von Tracks abhebt (dass die "Intermission" später als ganzer Track, nämlich "King Toast Queen", u.a. mit U-God und Masta Killa, wiederzufinden sein wird, sollte für sich sprechen). Um noch einigen weiteren Anspielpunkten die Ehre zu erweisen: "Slow Blues" gerät trotz bretternder E-Gitarre und Synthesizer sehr zurückgelehnt, während der nächste Übertrack, "Think Differently", erneut ein Quartett der Extraklasse auf den Plan ruft: QB-Legende Tragedy, Hieroglyphic Casual, UN-Kopf Roc Marciano und Can Ox-Düsterstimme Vordul Mega stanzen ein Denkmal eines Songs in dieses Album ein - wobei wieder ein umwerfender Beat von Bronze die Grundlage bildet. Einziger Aussetzer der Platte ist Del's "Fragments", das mit nervtötendem Halbgesang schon nach einer Minute unerträglich wird. Selbst das vom Stil her anders gesinnte und von Mathematics produzierte "Cars On The Interstate" lässt sich gut hören, ebenso wie DJ Noize's Tribut an ODB, während über Zusammenkünfte von Del und Aesop Rock bzw. dem Rugged Man und J-Live nicht viel gesagt werden muss. Den Abschluss schließlich gibt Bronze Nazareth selbst, nämlich im brilliant soulig-melancholischen "Back Down".


Fazit:
Im Zuge des "Wu-Tang Meets Indie" fehlen hier sowohl von Seite des gutbürgerlichen Undergrounds als auch von Seite des Clans plus Umfeld durchaus eine ganze Reihe an Namen - doch man kann ein solches Album auch nicht beliebig vollstopfen, weswegen Dreddy's Auswahl als gelungen zu bezeichnen ist. Auch die Tatsache, dass auf manchen Tracks gar keine Wu-Acts das Mic in der Hand halten, stört wenig. Letztendlich ist diese Compilation ein Album, das sein Wu-Logo zurecht trägt und auch sonst zu den besten Veröffentlichungen seines Jahrgangs zu zählen ist - nicht zuletzt, weil dank Bronze Nazareth frische Luft Einzug in die Kammern des Wu-Tang Klosters hält.

Gesamtwertung: 8.3 / 10

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Braille & Symbolyc One - Cloud Nineteen

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 03. März 2009
Label: HipHop Is Music

Tracklist:
01. Sky Dive (Intro)
02. It's Nineteen (Feat. Ragen Fykes & Rob Swift)
03. For Life
04. Broken Heart (Feat. Strange Fruit Project, Ragen Fykes & Thesis)
05. That's My Word (Feat. Theory Hazit & Rob Swift)
06. Fill It In (Feat. DJ Idull)
07. Skepticold
08. Heart of God
09. Found Her
10. From The Pulpit
11. Megaphone Phonics (Feat. Vursatyl & Rob Swift)
12. Work That Way
13. HardRock (Feat. Lightheaded & Rob Swift)
14. Stay Together (Feat. Ragen Fykes)
15. Parachutes And Ladders (Outro)
16. Frankenstein (Bonus)



HipHop Is Music. Das ist das Motto, unter dem der aus Portland stammende Braille arbeitet. Kein Wunder, dass auch das eigene Label diesen Namen trägt. 2008 gab es "IV" für den Hörer, ein Schaulaufen von anerkannten Producer-Größen. Einer davon (verantwortlich für "Blessed Man") war Symbolyc One, seines Zeichens Kopf der Rucksackträger des Strange Fruit Project aus Texas. Anscheinend haben sich die Zwei blendend verstanden, denn schnell hat man den Beschluss gefasst, ein ganzes Album zusammen aufzunehmen. Das Erzeugnis nennt sich "Cloud Nineteen" und steht dem Hörer im Frühjahr 2009 ins Haus.

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"Blessed Man" war seinerzeit ganz gelungen. Doch schon vor dem ersten Ton muss man bei diesem Album die schwer berechtigte Befürchtung aussprechen, dass man es hier mit stapelweise Langeweile zu tun hat - immerhin ist Braille, was auch schon auf "The IV" ein großes Problem war, nicht der potenteste Rapper und dümpelt mit seinen immergleichen Raps in einem brav-überschaubaren Intervall, während S1 auf einem Pfad wandelt, der dem der immergleichen Justus-League gefährlich nahe liegt. Natürlich war dies die böse zugespitzte Version und Zusammenfassung der jüngsten Erzeugnisse dieser zwei Künstler, doch leider ist es auch die zutreffendste für dieses Werk. Bezeichnend dafür sind Gastauftritte von Künstlern, die weder negativ noch positiv ins Gewicht fallen. Braille selbst tritt immer noch als naiver Prediger auf, der die Großartigkeit seiner Musik und eine heile Welt propagiert. "I'm not selling my soul, boy, neither should you / Good music is from the heart, so I'm keepin' it true" - gegen solche Phrasen ist selbstverständlich nichts einzuwenden, nur wie Braille in dieser Sphäre blauäugig durch sein ganzes Album stolpert, ist schwer erträglich. "Found Her", das über seine Liebe des Lebens berichtet, bringt zwar ein wenig Abwechslung, dümpelt jedoch ähnlich kraftlos vor sich hin wie der Rest der Scheibe. Erwartungsgemäß findet sich eine kleine Zahl an guten Tracks, denen "For Life" mit gelungener Kombination aus Pitch-Voice und Drum-Gerüst vorsteht. Im Allgemeinen wirft dieser immergleiche Sound allerdings ein starkes Verlangen nach der Skip-Taste auf. Flache Hooks ("Skepticold") wechseln sich mit wolkigen, lahmen Nummern und flotteren Instrumentals, die aufgrund ihrer Vorhersehbarkeit und der penetrante Stimme Braille's trotzdem reizlos bleiben, ab. Die oft zum Tragen kommenden Vocals von Ragen Fykes fallen in die oben erwähnte Sparte von Features, da sie keine Akzente setzen können - ja, nicht einmal sonderlich auffallen. Dass Braille und S1 die Falschen sind, um einen Track "Frankenstein" zu taufen, ergibt nicht erst der letzte Track. Die anwesenden DJs, nämlich Rob Swift und DJ Idull, tun das Ihre, um mit ihren Cuts dem Album einen viel zu herkömmlichen Charakter aufzusetzen. Ab und zu fühlt man sich an irgendwo schon gehörte Songs erinnert und zu anderen Zeitpunkten schweift die Aufmerksamkeit ab. Raps von der Kanzel ("From The Pulpit") sind in etwa so fesselnd wie die tatsächlichen Ansprachen des lokalen Pfarrers mit Holzfällerrhetorik. "Fill It In" versucht sich, wie auch einige andere Tracks des Longplayers, an starker Drum-Lastigkeit, erfährt dadurch aber trotzdem keinen Aufschwung. "More mounts to travel, still kickin' up gravel / There's still more battles to fight and more topics to tackle" - das darf nach Konsum von sowohl "That's My Word" als auch dem großen Rest infrage gestellt werden.


Fazit:
So vorhersehbar, wie sich der Sound dieses Albums angebahnt hat, schlägt er dann auch ein. Im Jahr 2009 ist "Cloud Nineteen" schlichtweg die Irrelevanz eines Albums. Braille rappt sich mit optimistisch-kindlicher Einstellung durch den lähmend altbackenen Sound. Dass ihm dabei der ein oder andere gute Track gelingt, fällt in die absehbare Streuung um den Mittelwert. Bringt man Letzteren auf den Punkt, so landet man bei Hintergrundmusik, was dieses Album in der Tat auch ist. Somit wird der Kette an Releases aus dem HipHop Is Music- als auch dem SFP-Camp ein weiteres mittelmäßiges Glied hinzugefügt, das logischerweise und eigentlich zu einer baldigen Umstrukturierung der Konzepte beider Künstler führen müsste. Damit rechnen sollte man so schnell allerdings nicht.

Gesamtwertung: 4.2 / 10

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Sonntag, 1. März 2009

Havoc - Hidden Files

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Release Date: 24. Februar 2009
Label: E1 Music

Tracklist:
01. Can't Get Touched
02. I Clap'Em Up
03. Watch Me (Feat. Ricky Blaze)
04. Heart Of The Grind
05. You Treated Me (Feat. Cassidy)
06. My Life
07. That's My Word
08. The Hustler
09. The Millennium
10. Walk Wit Me
11. On A Mission (Feat. Prodigy)
12. This Is Where It's At (Feat. Big Noyd)
13. Don't Knock It Til You Try It
14. Tell Me More (Feat. Sonyae Elyse)



Havoc-Solo die Zweite. Es ist generell erstaunlich, dass die eine Hälfte des legendären Duos Mobb Deep bis zum Jahr 2007 braucht, um ein Solo-Werk zu veröffentlichen, damals noch über Nature Sounds. Sein einsitzender Kollege Prodigy hatte bis zum Ende 2008 vier Alben im Kasten. Da hat Hav natürlich Einiges nachzuholen. Angefangen wird mit diesem Release. Wenn auch noch immer im Liebeskontrakt mit der G-Unit, darf sich der Producer und Emcee auf KOCH Records mit eigenen Projekten austoben. KOCH wird zu E1 Music, an dem Release des neuen Albums ändert das jedoch nichts: "Hidden Files" heißt die Scheibe, mit der den QB-Fans neues Futter serviert werden soll.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Man will es gar nicht verschweigen: "The Kush" war für den Mann, der zwei Klassiker produziert hat, ein Armutszeugnis. Zu allem Überfluss hebt sich "Hidden Files" auf den ersten Blick keineswegs von seinem Vorgänger ab: ein nichtssagendes Cover, ausgelutschte Track-Titel und die kleine Handvoll Standard-Features, die niemanden überraschen. Die schlechte Vorahnung, mit der man hier zur Tat schreitet, bestätigt sich sehr schnell in bitterer Art und Weise. Wo soll man anfangen? Vielleicht das Schlimmste zuerst: Die Single "Watch Me" entzieht sich jeder Beschreibung: Mit T-Pain-Verschnitt Ricky Blaze (und somit natürlich Auto-Tune) im Chorus wäre der Song von einen x-beliebigen Artist schon eine Qual, tut bei jemandem wie Havoc jedoch gleich doppelt weh. Noch bevor man diese Anspielstation erreicht hat fällt auf: Havoc hat nicht besonders viel zu sagen. Seit den frühesten Tagen hat sich das Themenspektrum keinen Nanometer verschoben: Immer noch strampelt man im "Heart Of The Grind" mit Dollarbündeln als das große Ziel vor Augen. Das war früher noch gut hörbar, aber wenn man zum zehnten Mal dasselbe sagt, dann macht sich eben auch in den abgedroschenen Formulierungen ein Qualitätsabfall bemerkbar. Doch nicht nur die Texte klingen uninspiriert - auch die Beats erinnern viel zu sehr an "The Kush": Wie die Audiobeilage zu einem allumfassenden Report über den Niedergang des Ostküsten-Sounds in der HipHop-Oberschicht muten diese Instrumentals an. Und wenn dann mal, wie in "Can't Get Touched", die Produktion in Ordnung geht (doch bei weitem noch kein Highlight darstellt), dann leistet Havoc mit einer selten bildungsarmen Hook einen guten Beitrag, um den Hörer zur Skip-Taste zu verleiten. Die größten Strecken des Albums ergehen sich allerdings in gähnender Unbedeutsamkeit, die es unmöglich für den Hörer macht, auf Dauer etwas von diesem Album zu behalten. Da bildet auch das Auflaufen von Prodigy in "On A Mission" keine Ausnahme. Weiterhin bringen weder Big Noyd noch Cassidy frischen Wind, wobei "You Treated Me" wenigstens noch einen akzeptablen Beat zur Grundlage hat. "One gun, two gun, three gun, four / So many of 'em, niggas still want more / Niggas talk drama but they don't want war / My mouth watered when that line get crossed / Untimely lost" - bei solchem Gefasel überlebt "I Clap 'Em Up" keine Minute. Ausgelutschte Streicher in "My Life", lahmer Piano-Einsatz in "The Hustler" und unpassende Hektik inklusive Zuckerwatten-Hook in "Tell Me More" - man ist heilfroh, wenn man dieses Album verlässt.


Fazit:
Anstatt aufzuzählen, wo bei diesem Album die Mängel liegen, beschäftigt man sich lieber gleich mit den positiven Eindrücken: Die gehen nämlich schlafwandlerisch sicher gegen Null. Havoc stellte seit jeher bei den Raps die eindeutig schwache Hälfte des Mobb dar, doch die lyrischen Gute-Nacht-Geschichten dieses Albums bewegen sich definitiv unter seinem Niveau. Zumindest unter seinem früheren. Denn da auch bei den Produktionen extreme Abstriche gemacht werden müssen, liegt die Vermutung nahe, dass Hav inzwischen einfach abgebaut hat. Wer sich selbst etwas Gutes tun will, der sollte um dieses Album einen Bogen machen und sich sein positives Bild von Havoc (sofern nicht schon zerstört) erhalten - diese 45 Minuten sind trostlos und weggeworfen.

Gesamtwertung: 3.0 / 10

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Cappadonna - Slang Prostitution

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Release Date: 27. Januar 2009
Label: Chamber Musik Records

Tracklist:
01. You Can't Keep A Good Man Down Part I
02. Savage Life
03. Three Knives (Feat. Lounge Lo & 3rd Diglah)
04. Walk With Me (Feat. Joey Lee a.k.a. Skinslaya)
05. Do You Remember?
06. That Staten Island Shit
07. Stories (Feat. JoJo Pellegrino & 3rd Diglah)
08. Life's A Gamble (Feat. Raekwon & Ratchet)
09. Hustle And Flow
10. You Can't Keep A Good Man Down Part II
11. Pistachio (Feat. Lounge Lo, King Just & Luga)
12. Grungy (Feat. G-Clef Da Mad Komposa)
13. What's Really Up?
14. Da Vorzon (Feat. Lounge Lo)
15. Somebody's Got To Go (Feat. Lounge Lo & Ghetto Philharmonic)
16. Fire (Feat. Masta Killa)
17. Speed Knotz (Feat. Precise)
18. Stay Shining
19. You Can't Keep A Good Man Down Part III



Über vier Jahre ist es inzwischen her, dass das letzte Album dieses Herren erschien. Cappadonna, das ewig inoffizielle zehnte Mitglied des Wu-Tang Clans, hatte mit seiner Solokarriere nicht immer das größte Glück. Neben den verschiedensten Stadien, die er in seiner Laufbahn durchschritt, musste er sich außerdem eine gewisse Belanglosigkeit auf Solopfaden vorhalten lassen. Doch das hält den MC aus Staten Island nicht davon ab, weiter seinen Weg zu verfolgen. Für das neue Album ist er auf Chamber Musik gelandet, G-Clef's Becken für bodenständigen HipHop um und abseits des Wu-Universums. Kritik am Rap-Game und Hinweis auf die selbst durchlebten Strapazen werden schon im Titel deutlich: "Slang Prostitution".

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Dass sich im Vergleich zum letzten Album einiges getan hat, eröffnet schon der Blick auf die Tracklist: Einerseits mit einer klaren Prägung des Labels Chamber Musik, finden sich jedoch auch viele unbekannte Namen sowohl hinter dem Pult als auch vor dem Mic. Zweitere kommen meist aus Cappa's Nachbarschaft. Eine der Intentionen des Albums dürfte auf jeden Fall sein, Cap's Unabhängigkeit vom Clan deutlich zu machen. Deswegen finden sich auch drei Teile gesprochener Interludes, "You Can't Keep A Good Man Down" I bis III, in denen Cappadonna Eigentherapie und -reflektion in Monologform betreibt. Mit vier Auftritten ist Othorized F.A.M.-Mitglied Lounge Lo ein nicht unerheblicher Bestandteil des Albums. Der auch schon auf "The Struggle" anwesende Rapper trägt mit seinen Rhymes solide zum Album bei, auch wenn dies in sehr unauffälliger Art und Weise geschieht. Cappadonna selbst geht immer noch mit seinem charakteristischen Stil zu Werke und vermag es vor allem im Opener "Savage Life", das auch sonst rundum gelingt und zu Beginn erfrischend loslegt, ordentlich die Sau raus zu lassen. Im Verlaufe des Albums fächert sich die Albumessenz in ein gut überschaubares Spektrum auf, dem man zuallererst zugute halten muss, dass es sich nicht mit dem verweichlichten Pop-Schwamm-Intervall deckt. Doch diese Überschaubarkeit gilt auch in die andere Richtung - Experimente, Neuerungen oder futuristische Elemente sollte man hier gar nicht erst suchen. Unbekannte Producer zu wählen ist natürlich keine Untat, doch wenn jeder dieser Knöpfchendreher dann in der alltäglichen Einheitssuppe noch einmal gegen den Uhrzeigersinn rührt, ist das zu wenig. Samples klingen bekannt, die allgemeine Stimmung bietet leider zu wenig Überraschungen. Das ist schade, denn ansonsten hat Cappadonna wirklich gute Arbeit geleistet. Negativ fällt fast nichts aus der Reihe: "Walk With Me" mit Soul Kid Skinslaya wirkt etwas unpassend und "Fire" ist ebenjene Sorte lahmarschiger Tracks, auf denen Masta Killa's Flow eine einschläfernde Wirkung entfaltet. Das von G-Clef produzierte "Somebody Got To Go" kann mit seinem Saxophon die meisten Akzente setzen und entpuppt sich als richtiger Ohrwurm und das streichergetriebene "Pistachio" hat nachdenkliche, starke Rhymes zu bieten. Raekwon legt in Life's A Gamble" über einen sehr blassen Beat einen soliden Auftritt hin, bleibt jedoch nicht lange in Erinnerung. Einer der härteren Tracks ist "Da Vorzon", das auch prompt bei den besseren Songs einzuordnen ist, die alltäglichen "Stories" aus Staten Island lassen sich ebenfalls gut anhören. "Do You Remember" schwebt nostalgisch in Erinnerungen, während man in "Stay Shining" den typischen, positiv aufgezogenen Abschlusstrack findet.


Fazit:
Man wünscht es Chamber Musik ja von ganzem Herzen, dass sie ein wirklich hervorragendes Album auf den Markt werfen. Doch mit dieser Scheibe hat es wieder nicht geklappt. Auch Cappadonna hätte man es sicherlich gegönnt. Die positive Nachricht ist, dass er selbst keinen Mist baut und ebenso routiniert wie unterhaltend seine Rhymes kickt. Bei der Konzeption und der Wahl der Producer hapert es dann leider: Die komplette No-Name-Riege, von denen niemand als Übertalent aus der Reihe fällt (G-Clef natürlich außen vor, der allerdings auch nicht als No-Name durchgeht), mag ambitioniert sein wie sie will - sie ist trotzdem der Grund, warum diesem Album bei einer gewissen Prozentzahl eine unüberwindbare Barriere im Weg steht. Zusammengefasst: Die Richtung stimmt, ein klein wenig mehr wäre drin gewesen, für erheblich mehr bedarf es dann jedoch einer neuen Struktur, die sich Cap bis zum nächsten Album hoffentlich konzipiert hat.

Gesamtwertung: 6.2 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame