Donnerstag, 7. Mai 2009

Nine - Quinine: The Oversaes Shipment

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: April 2009
Label: Smoke On Records / Brand Narcotic

Tracklist:
01. What's Done Is Done
02. Bionic
03. Furious
04. Hip Hop
05. Gimme My Money
06. Red Light Green Light
07. Shotgun
08. Homicide (Feat. Vendetta)
09. Yes
10. Glock 9
11. Quinine
12. Push
13. He Got A Problem



Zu diesem Mann muss nichts mehr gesagt werden - Nine ist eine Klasse für sich, die einen einmaligen Weg hinter sich hat. War er nach seinem 96er Klassiker "Cloud 9" höchstens noch im Gespräch, wenn Leute die Frage "Was ist eigentlich aus Nine geworden?" stellten, so erfolgte vor ein paar Jahren das Comeback. Obwohl er aus dem überfüllten Game einen Schritt in den Schatten tat, war er nicht untätig und meldete sich 2007 mit einer Kollektion der Werke aus den Jahren 1999-2003 zurück. Da konnte man es schon hören: Der Mann mit der Reibeisenstimme hat es nicht verlernt. Genau dieser Umstand schraubt natürlich die Hoffnungen nach oben, dass bei dem neuen Album "Quinine: The Overseas Shipment" hochqualitatives Material um die Ecke kommt.

Wahrscheinlich ist es zuviel erwartet, wenn man auf Großtaten im Stile des epischen "Make Or Take" oder des todfinsteren "Every Man 4 Himself" hofft. Die Rap-Geschichte lehrt, dass die meisten Comebacks der letzten Jahre große Fehler waren, weswegen man wohl schon zufrieden sein darf, wenn Nine seinen Namen nicht durch den Schmutz zieht. Doch es macht nicht den Anschein - auf den Mainstream-Markt schielt er sowieso nicht (man achte nur auf die mickrige Promotion, die dieses Album erfuhr) und auch sonst steht er mit "Quinine" wieder da, wo er gute 15 Jahre zuvor ebenfalls schon war: Es gilt, das Game aufs Neue zu entern. Was Nine's eigenen Ankündigungen dann jedoch folgt, ist eine Dreiviertelstunde, die Nine-Fans eher ernüchtern sollte. Der Bronx-Native macht sich hier zwar nicht lächerlich, sondern bleibt seiner Linie treu und ist damit auch einer der wenigen, die dieses Jahr noch die raue NY-Schiene fahren; aber andererseits scheint es, als wäre an einigen Stellen die Luft raus. Das liegt einerseits daran, dass die altbekannten Themen teils wenig attraktiv verpackt werden, und außerdem an den Produktionen, die nicht wirklich zu Nine passen: "What's Done Is Done" ist zwar thematisch als Hinführung auf dieses Album sehr gelungen, bietet jedoch mit dem gemächlichen, freundlichen Streichergewand ein zu geringes Gegengewicht zum stimmlichen Schwerkaliber Nine. Doch er selbst ist auch nicht mehr über jeden Zweifel erhaben: Was er in "Red Light Green Light" an lüsternen Ausführungen über seine Fantasien mit dem anderen Geschlecht auftischt, ist schlichtweg plump:

WRITTEN FOR Rap4Fame

"I'm headstrong, Teflon under my white tee
Cause there's a few places where niggas don't like me
But the ladies like me, and I like ladies
I don't even have to know her and I'm callin' her baby
Hey baby, baby, listen to me baby
Let's get together, maybe we can have a baby
Jump on, jump off, baby you so mean
I'm so hot, I'm so cold, I'm both extremes
"

Glücklicherweise begnügt sich Nine für den größten Teil damit, seine Realness in allen Einzelheiten breitzutreten. Natürlich geht es immer noch um Gewalt und Verbrechen, die nötigen Hilfsmittel auf dem Weg zum Dinero, das schon in den 90ern ausreichte, um einen Klassiker mit Inhalten zu füllen. Doch die trostlose Reality-Rap-Sichtweise, die auch bei Nine immer durchschien, hat sich hier verflüchtigt und weicht einem gewöhnlichen Tonfall - wie etwa in "Shotgun", das über einfältiges Piano-Loop Nine's Waffensammlung personifiziert. "Quinine" klingt zu simpel, um zu überzeugen, "Yes" bemüht ein altbekanntes Sample, während auf ein Neues groß aufgeschnitten wird. In einigen Tracks wendet sich Nine dann sogar anderen Themen zu: "Hip Hop" ist die fast schon pflichtmäßige Analyse des Genres, die zwar keine wirklichen Antworten bietet, doch trotzdem nett hergerichtet wird. Das viel zu langsame Tempo steht Nine allerdings ganz und gar nicht. Weitaus besser - und ein Fingerzeig darauf, wie dieses Album eigentlich hätte ablaufen müssen - ist dann "Furious": Die stete Drumline und der dezent wallende Hörnerteppich treiben Nine an, der (dem Titel gemäß) kurzzeitig zur richtigen Stimmung findet und den Hörer mit einer gesunden Portion Wut übergießt ("All the time, I find I'm mad at something / [...] / I'm bout peace, long as I get my piece, man / You said you gangster?, you fuckin' with police, man!"). Bevor das Album mit "Push" wieder in mittelmäßige Strukturen zurückfällt und mit "He Got A Problem" einen gelungenen Ausstieg hinlegt, tut sich noch das von Streichern angetriebene "Glock 9" hervor:

"Sometimes you gotta remind these niggas how soft they is
Sometimes you gotta aim the Nine right at they kids
By kids I mean balls, tell him you gon' blow his dick off
"


Fazit:
Die Geschichte kommt einem bekannt vor: Obwohl "Return Of The Hardcore" nur als Mix-Album und Vorreiter für das neue, echte Album hätte fungieren sollen, ist es letztendlich die bessere der beiden Scheiben. Genau das macht "Quinine" wohl so enttäuschend. Zu selten wird wirklich Fahrt aufgenommen, zu selten bekommt Nine hier angemessene Produktionen. Doch selbst wenn, so würde das Feuer der Neunziger wohl ausbleiben. Zu erwarten war vielleicht ein wenig mehr, doch im Endeffekt darf man froh sein, dass Nine kein gähnend langweiliges oder gar schlechtes Album vorlegt. Wirklich gut ist "Quinine" mit seiner abschnittsweisen Mittelmäßigkeit zwar auch nicht, schießt jedoch knapp daran vorbei und sollte zumindest ein paar Songs bieten, die dem Nine-Fan positiv in Erinnerung bleiben.

Gesamtwertung: 5.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Dr. Ama / Dark Skinned Assassin - Split Personali-d

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 21. April 2009
Label: Chamber Musik Records

Tracklist:
01. Keep It In Da Street (Feat. Blackk Starr & Young G)
02. We Run It
03. Get It Straight (Feat. Blackk Starr & Haxaw)
04. No More Games
05. Real Wit It (Feat. Yaniece & Fresh Jones)
06. I'm Down (Feat. Block McCloud & Blackk Starr)
07. M.O.N.E.Y.
08. Stick Up Chronicles (Feat. Blackk Starr, Blackk Money & Young G)
09. So Close (Feat. J Maul)
10. Quiver
11. Move Me
12. We Not Yall (Feat. 7OD & Block McCloud)
13. Lay Em Down (Feat. Stretch Strong Arm & Blackk Starr)
14. NY Get It In (Feat. Block McCloud, Blackk Starr & Castro)
15. Be Serious (Feat. Block McCloud)
16. You Didn't Know
17. It's Mine
18. P.R.O.
19. The Don'ts (Feat. Block McCloud & Blackk Starr)
20. The Wake Up Show (Feat. Block McCloud)



Man sehe und staune, was Chamber Musik hier ausgegraben hat: Der Dark Skinned Assassin war einer der unzähligen Künstler, die Mitte der Neunziger ein paar Singles veröffentlichten und damit bis heute währenden Respekt einheimsen konnten. Was DSA (der zudem eine Wu-Affiliation vorzuweisen hatte) an der Verfolgung seiner Träume und einer weiteren Rap-Karriere hinderte, war Vater Staat: Nachdem er drei Jahre abgesessen hatte, war der Zug für ihn mehr oder weniger abgefahren. Also bleibt DSA vorerst in der Versenkung, taucht ab und an auf Mixtapes auf und legt sich außerdem ein Alter Ego zu - Dr. Ama. Damit liegt der Albumtitel "Split Personali-d" nicht mehr fern, und möglich gemacht wird das Zustandekommen des ersten Longplayers durch G-Clef und sein Label, die den dunkelhäutigen Assassinen in ihrer Frühjahrs-Release-Reihe unterbringen.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Die Persönlichkeit ist geteilt, die Produktion dagegen geschlossen. Für dieses Album konnte Falling Down gewonnen werden, der gerade frisch von Fes Taylor's Ocean Drive zurück ist, um sich diesem, schon im Design weitaus dunkler gestalteten Werk zuzuwenden. Eigentlich kennt man Falling Down ja als einen der unbekannteren Produzenten aus dem Wu-Umfeld und speziell für seine Beiträge auf dem dritten Killarmy Album - hier sei nur das geniale "Originators" genannt. Doch seit dem erbärmlichen Erzeugnis, das er Lil' Flip unter den Allerwertesten setzte ("I'm A Balla"), ist das Vertrauen weg. Dabei ist es wohl gerade eine durchgehend solide Produktion, die für ein Gelingen vonnöten wäre. Denn das Rappen hat der Doktor Ama nicht verlernt, was er den Hörer auch spüren lässt: Ein bärenstarker Flow berichtet auf diesem Album von den alltäglichen Struggle-Themen. Wer ein Konzept-Album vermutete, der wird eher enttäuscht: Kein DSA Vs. Ama oder ähnliche Spielereien à la Cassidy im Intro, auch sonst merkt man nicht viel von Ama's Zwiespalt. Man hätte sich Dr. Ama also eigentlich auch sparen können - zumal die Apronymisierung (Deadly Rhyme Alters Man's Attitude) viel zu gezwungen und sinnlos klingt, um zu verbergen, dass sie im Nachhinein auf Biegen und Brechen erfunden wurde. Doch nun zur Musik: Es lässt sich erleichtert feststellen, dass Falling Down die richtige Atmosphäre gefunden hat. Auch wenn man sich nicht vom Cover fehlleiten lassen sollte - eine düstere Horror-Show bleibt aus - so kann das Album doch keinesfalls mit dem kürzlich erschienenen Solo von Fes Taylor verglichen werden. "Keep It In Da Street" läutet die Scheibe mit vollem Tempo ein und stimmt den Hörer auf 20 Songs voll harter Drumlines und straßenorientierter Rhymes ein. Letztere kommen nicht etwa nur von DSA selbst: Das Album gleicht vielmehr einem Schaulaufen der (meist unbekannten) Viellzahl an Emcees. Block McCloud ist inzwischen mehr oder weniger bekannt, und neben seinen fünf weiteren Auftritten hat seine Hook in "We Not Y'all" den höchsten Replay-Wert. Doch man vergreift sich auch ab und an im Ton: "P.R.O." wendet sich in unangenehmer Art und Weise dem weiblichen Geschlecht zu, während "Quiver" viel zu hektisch gerät und spätestens ab der Hook zum Skip-Kandidat wird. Doch der Rest fällt überraschend gut aus: "NY Get It In" ist ein frecher Ohrwurm übers altbewährte Geldscheffeln, in "Be Serious" (mit mäßigem Beat) stellt man sich der Szene gegenüber ("50 Cent's the hardest? Be serious! Ludacris the livest? Be serious! Lil Wayne the greatest? Be serious!") und "I'm Down" lässt es mit Pitch-Voice etwas ruhiger angehen. Die wirklichen Highlights gibts es dafür nicht im Überfluss: "It's Mine" feiert sich in allerbester Manier selbst und tischt über jegliche Zweifel erhabene Lines auf, während Falling Down in "So Close" die beste Arbeit auf dieser LP abliefert und damit Ama's Ausführungen über eine Freundschaft, die sich in Neid und Gier entzweit, unterstützt.


Fazit:
Die Bilanz hinterlässt zwei Skip-Tracks und zwei herausragende, die aus der sonstigen Vielzahl an gelungenen Stücken herausstechen. Ganz der roughe Street-Sound, den man sich insgeheim vielleicht gewünscht hat, ist es nicht geworden; mit den Singles aus den Neunzigern hat es selbstverständlicherweise auch nichts zu tun und letztendlich sollte sich hier jeder selbst eine Meinung bilden, doch ganz generell geht die erste Runde Props an Chamber Musik, die dieses Album (sowie das "Sex, Crime & Audiotape" Mixtape im Jahr zuvor) möglich gemacht haben. Auch DSA verdient Respekt - dass nach einer so zerfurchten Karriere immer noch die Motivation für ein Album da ist, ist nicht selbstverständlich. Vielleicht hätten es ein paar weniger Gäste auch getan, denn notwendig sind sie nicht. Ansonsten sind in Anbetracht der langen Spielzeit die geringen Einbußen in Sachen Qualität beachtlich und machen "Split Personali-d" zu einem gerade noch guten Album, auf das Chamber Musik mit Recht stolz sein kann.

Gesamtwertung: 6.6 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 3. Mai 2009

Fes Taylor - Inspectah Deck Presents: Flight 10304 (T-2 Fly)

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 07. April 2009
Label: Chamber Musik Records

Tracklist:
01. Never Ever
02. Feeling Myself
03. G-Clap (Feat. Mr. Prezident)
04. Window
05. The Streets (Feat. Inspectah Deck)
06. Piano Gangsta
07. House Wife Ho (Feat. Mr. Prezident & Sassy)
08. Ocean Drive (Feat. Lot-A-Nerv)
09. You Could Be
10. Bang Bang (Feat. Frankie Bells)
11. Lunch Meat (Feat. Lot-A-Nerv)
12. Show Something (Feat. T-Bird & Inspectah Deck)
13. Howl At The Wolves (Feat. T-Bird, Mr. Prezident & Lot-A-Nerv)
14. Sky Walker
15. Broken Wings
16. Shoot Up the Party
17. G Shit (Feat. Mr. Prezident & Shyheim)
18. The Other Side (True Story) (Feat. Minnesota Slimz & Khaliq)
19. Clouds
20. Been Through It All (Feat. Frankie Bells)
21. CMG Salutes La Banga (Feat. Inspectah Deck, Hue Hefna, T-Bird, & Mr. Chernak)



Was vielen im Jahr 2009 als neuer Name unter die Augen tritt, hat in Wirklichkeit schon einen langen Weg im Rap-Game hinter sich. Die Wu-Hardliner werden von Fes Taylor, damals noch unter dem Namen Profes, erstmals auf King Just's Album "Mystics Of The God" gehört haben, wo er als Teil der Shaolin Soldiers zu Wort kam. Wie somit unschwer zu erraten, stammt Fes (obwohl in Harlem geboren) aus Staten Island. Auch wenn immer im Hintergrund, war Fes nie untätig und wurde von Inspectah Deck in dessen House Gang integriert. Neben den eigenen halbgaren Releases und der sehr ineffizienten House Gang landete er irgendwann da, wo vor ihm schon unzählige Köpfe aus der erweiterten Wu-Gemeinde ein Zuhause fanden: Bei Chamber Musik Records, wo es dann auch endlich zur Veröffentlichung des hier vorliegenden und ersten offiziellen Soloalbums, "Flight 10304 (T-2 Fly)", präsentiert von Inspectah Deck, kommt.

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Natürlich ist das erste, worauf sich die Kritiker stürzen, der Umstand, dass dieses Album so gar nicht nach einem "Inspectah Deck Presents" aussieht. Wo der Rebel INS als aus dem Hintergrund des Clans agierender, hervorragender Lyricist gilt, posiert Fes mit Kettchen und Fitted vor einem Symbol von Reichtum (dem mäßig ins Cover passenden Flieger). "Too Fly" für diese Welt ist Fes Taylor angeblich. Von wegen: Tatsächlich ist der Herr Taylor weit davon entfernt, ein herausragender Emcee zu sein. Trotzdem hindert ihn das nicht an dem Vorhaben, das dieses Album darstellt und das von jeglichen Wu-Tang-Wurzeln wegführt. Denn über weite Strecken hinweg praktiziert Fes genau das, was Ostküsten-Interpreten bisher fast durchgehend schlecht bekam: Die Fusion von East und South. In diesem Fall fühlt man sich besonders an die Eumel aus Miami erinnert. Wo zu Beginn mit "Never Ever" noch simple Drums auf Piano treffen, steigt Fes nicht selten in den Flieger, um gen Süden zu fliegen. Der erste im Voraus bekannte Song "Ocean Drive" macht jegliche weiteren Beispiele hinfällig: Was Falling Down - eigentlich ja eher als Vertreter des schnörkellosen NY-Sounds bekannt - einem hier vor den Latz knallt, ist ein Club-Banger von einem Kaliber, den sonst in der Regel nur die Südstaaten-Acts alle paar Monate zustande bringen. Vielleicht ist das hier vollkommen unpassend, wahrscheinlich will dem Ostküsten-Fan diese Musik garnicht gefallen - trotzdem ist dieser Song so verfänglich, dass man ihn nicht mehr aus dem Kopf bekommen wird. Und damit hat Fes auch schon gewonnen. Auf dass dem Hörer auf den restlichen 21 Songs (und immerhin 75 Minuten) nicht langweilig wird, haut Fes einige Kehrtwenden ins Programm: Was er sich vom Meister G-Clef unter dem Titel "Piano Gangsta" bestellt hat, ist mit seinem Mix aus Klavier und Trompete so unverschämt charmant, wie man es auf dieser Platte nicht erwartet hätte. Enttäuschend dagegen sind die Beiträge von Inspectah Deck. Sowohl die Produktionen als auch seine Raps wirken äußerst charakterlos: "Show Something" geht seitens des Instrumentals in Ordnung, doch ein vollkommen Unwissender würde den Rebel höchstwahrscheinlich nicht über T-Bird oder Fes selbst stellen, was dem Mentor zu denken geben sollte. Der Rest der Gäste (an der Zahl nicht wenige) fügt sich homogen ins Album, ohne dass dabei wirklich Akzente gesetzt werden: Mr. Prezident (mit dem Fes zusammen die Heart Foundation bildet) zum Beispiel passt mit seiner Allerweltsstimme bestens hierher. Die weiteren Instrumentals fahren allesamt ordentlich Drive auf, gehen aber zum Teil in der Masse der Songs oder aber in ihrem eigenen "East goes South"-Zwiespalt unter. Und während in "Lunch Meat" noch die Wölfe losgelassen werden und in "Sky Walker" dem geldgefederten Leben gefrönt wird, versammelt sich in "CMG Salutes La Banga" die ganze Gemeinschaft, um dem House Gang-Member La Banga die letzte Ehre zu erweisen. Davor servieren Blastah Beatz noch das massige "G Shit", lässt Fes es in "The Other Side" geschmiert weich angehen und findet sich sogar noch ein wirkliches Stück Ostküste: "Broken Wings" gehört zur qualitativen Oberschicht des Albums und zeigt außerdem, wie Fes seine Inhalte durchmischt:

"You take the food out my son mouth, you stupid
Before I see him cry, I pull my gun out and shoot it
I got bitches run around boosted
My crew flip like Chinese niggas in kung-fu flicks
[...]
I'm by the elevator, fuck it, will I tell a hater?
I hate me too, shit, I'm getting hella paper
"


Fazit:
Nach diesem Album ist klar: Fes' Namensvetter, der u.a. für die Taylor-Reihe bekannt ist, bleibt die wichtigere Persönlichkeit für die Menschheit. Weswegen diese CD von Inspectah Deck präsentiert werden muss, bleibt zudem ein Rätsel, da sie erstens mit selbigem nicht viel zu tun hat und da zweitens der Rebel in seiner Paten-Rolle nicht gerade gut aussieht. Folglich werden alle, die sich hier ein klassisches Wu-Affiliate Album erwartet haben, überrascht und wohl auch enttäuscht sein. "Flight 10304" ist massenorientiert und somit nichts wirklich Spektakuläres, verliert dabei aber nicht seine Kredibilität. Fes Taylor zieht sein Ding durch, und gemessen daran, wie solche Ambitionen (inklusive mindestens eines Tracks mit Club-Tauglichkeit) normalerweise enden, verdient er auch Respekt. Prinzipiell interessant für jeden, wird diese Scheibe sicherlich nicht jedem zusagen. Hätte Fes Taylor ein paar der durchschnittlichen Songs gestrichen und die Qualitätsdichte erhöht, wäre hier noch eine halbe Krone mehr drin gewesen.

Gesamtwertung: 5.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

RA EL - Noir World

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Release Date: April 2009
Label: Hierogrammat Entertainment

Tracklist:
01. Glowing Pyramid (Feat. Claire-Marie)
02. Noir World
03. Star Street Caper
04. We Gotta Survive
05. The Ancient Ones (Feat. Canibus)
06. Enchanting Beauty (Feat. Claire-Marie)
07. Life’s a Blessing
08. Mystic Swordzmen (Feat. Killah Priest)
09. The Keeper Of Purple Twilight (Feat. Holocaust/Warcloud)
10. Cherche L'Amour
11. Architects (Feat. Killah Priest & Canibus)
12. Only Built 4 Scientists
13. Gangsta Soul Brotha
14. Shattered Soldier (Feat. Holocaust/Warcloud)
15. Spirit Boxer
16. Prism City
17. Zebulba Spy Operative
18. Nexus (Feat. Claire-Marie)



Nun ist es also da: Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass RA EL mit seinem Erstlingswerk für viel Wirbel sorgen wird, so hat er doch Aufmerksamkeit verdient. Aus Queens, New York stammt dieser Artist und er legt mit "Noir World" ein Album vor, das auf einer selbstkreierten Science-Fiction Story basiert. Seit einem guten Jahr angekündigt, kommt auch der mit seinem eigenen Label Hierogrammat Entertainment relativ ungebunden agierende RA EL (Beiname: The Soul Conducta) nicht ohne Verschiebungen davon. Doch nun darf man sich auf Geschichten aus der "Noir World", einer von Verbrechen beherrschten, fiktiven Welt, freuen.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Bei genauer Betrachtung wird klar, wie sehr sich dieses Projekt vom herkömmlichen Durchschnittsalbum 2009 unterscheidet. Ein interessantes Line-Up an Produzenten (u.a. bestehend aus White Lotus und Domingo) kleidet die groß angelegte Story aus. Der Hörer wird in ein Szenario geworfen, in dem es zuerst drei Parteien gibt: Zwei Verbrecher-Kartelle - eines unter der Leitung von Lady Doloris und das andere unter Führung von Sir Kyber - die sich untereinander bekriegen, und natürlich noch die Handvoll guter Charaktere, die im Inlay (für das sich RA EL mit Mr. Visions eigens einen Designer zulegte) abgebildet sind. Hier wird es bereits komplizierter: RA EL selbst schlüpft in die Rolle des Agent Starseed und spielt somit als Ich-Erzähler im Drehbuch direkt mit. Die eigentliche Hauptfigur ist jedoch Detective Murdoc, über den RA EL berichtet und der bei fast allen Handlungen, die im Rahmen der Ermittlungen gegen die Verbrecher-Ringe stehen, aktiv zu Werke geht. Damit fehlt noch Dr. Dana Socrates, eine auf Seiten der Guten ins Geschehen eintretende Wissenschaftlerin. Das ist natürlich bei weitem nichts alles, sollte jedoch für den Anfang reichen. Mit "Noir World" werden diese Rahmeninfos preisgegeben und zudem findet sich Starseed gleich mit der schönen Claire-Marie in einer Metropole, in der sich (ähnlich Gotham City) die Gesetzlosen nach Belieben aufführen und den Plot für das hier erzählte Abenteuer liefern: Sowohl Kyber als auch Lady D entführen Forscher und deren Arbeit (zusammengefasst - deren Formeln), um so zu neuartigen Drogen zu gelangen und damit den Markt zu übernehmen. "Once addicted, Phantom Dwellers from an unknown dimension appear and destroy the body and soul" heißt es im Inlay über diese Drogen. Kurzum, ein Szenario der jetzigen Welt, projiziert in die Zukunft. Nachdem Murdoc auftaucht, jagt er auch gleich einem solchen Dweller hinterher. Im Anschluss erfährt man von einer Unsterblichkeit verleihenden Substanz namens Sequoia Prism, mit der Dr. Dana ins Geschehen tritt. Doch "Star Street Caper" führt die Handlung erst einmal nahtlos fort und erzählt von Murdoc, wie er in ein verstecktes Labor eindringt, um die dort festgehaltenen Forscher zu befreien. Nach Kämpfen mit den Schergen der Kartelle (einer Geisha und einem Cyborg namens General V), bei denen er tödlich verwundet wird, eilt ihm Dr. Dana zu Hilfe. Mit Sequoia Prism geheilt, können Murdoc und Dana in ein Zeitportal flüchten. Zu diesem Zeitpunkt verabschiedet man sich vorerst von der Handlung und begibt sich auf Zeitreisen mit RA EL, bzw. seinem Charakter Starseed. Ein guter Zeitpunkt, andere Aspekte der Platte zu beleuchten: Die Produktionen sind erfreulich gelungen und kombinieren das Sci-Fi Thema mit herkömmlicher BoomBap-Formel, bieten jedoch genug Überraschungen. Wenn in "The Ancient Ones" über tief summendes Dröhnen alte Mythen aufgesponnen werden, taucht man beispielsweise in eine eigene Sphäre ein. Bei einem Gast wie Canibus offenbart es sich jedoch glasklar: RA EL ist bzgl. Flow und Technik nicht der begnadetste Rapper, von einem Kaliber wie Canibus wird er völlig in den Schatten gestellt. Selbiges gilt auch bei Killah Priest oder Warcloud, die die erlesene Wahl der Gäste, welche ebenfalls als Zeitreisende unterwegs sind, komplettieren. "Mystic Swordzmen" lässt im Wu-Tang-Stil die Schwerter fliegen, "The Keeper Of Purple Twilight" zeigt Starseed und Warcloud als Akteure in einem Krieg. Mit "Enchanting Beauty" und "Cherche L'Amour" sind zwei an das weibliche Geschlecht gerichtete Songs vertreten, wobei ersterer die physikalische Ebene in den Vordergrund rückt und mit orientlaischem Anstrich gehörig missglückt. Nachdem vor allem die Songs mit den Gästen durch die Bank weg begeistern, spuckt das Zeitportal Starseed wieder aus und er landet in "Prism City" (wobei nicht ersichtlich ist, ob dies die Stadt der bisherigen Handlungen ist). Hier werden erstmals die Zoites, die vierte Partei und Erschaffer der Sequoia Prism-Substanz, vorgestellt. Nach der Konversation mit einem Zoite folgt in "Zebulba Spy Operative" das Finale: Die Geiseln (Forscher) werden befreit, die gestohlenen Formeln zurückgewonnen und mit Starseed's Raumschiff gelingt die Flucht durch ein Wurmloch in den "Nexus".


Fazit:
Zugegeben: Letztendlich fehlen der Story beizeiten die Zusammenhänge. Doch das stört auf dieser Scheibe sowieso nicht - die Handlung rückt als Begleiter in den Hintergrund. Vom Sound her sind die Zeitreisen im Mittelteil des Albums sowieso ansprechender. Was die Produzenten RA EL mit auf den Weg geben, ist meistens solide, erhebt sich jedoch manchmal zu Großtaten, die einen Sound atmen, mit dem RA EL sehr alleine steht und der deswegen umso wertvoller ist. Die Wahl der Features ist in Zahl und Qualität hervorragend, die Einbindung ins Album-Geschehen passt ebenfalls. Zu kritisieren bleibt also höchstens, dass RA EL selbst nicht ganz auf dem Level seiner Gäste rappt und dass die Beats ab und zu nur im Mittelmaß liegen. Ansonsten ist RA EL dieses eigentümliche Projekt gelungen. "Noir World" wird wohl auch noch am Ende des Jahres zu den besseren Veröffentlichungen zu zählen sein.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame