Sonntag, 6. Dezember 2009

Sha Stimuli - My Soul To Keep

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 27. Oktober 2009
Label: Chamber Musik Records

Tracklist:
01. Duction
02. Hang On (Feat. The Astronomical Kid)
03. My Soul
04. Blasphemy
05. Do It For The Doe
06. Move Back (Feat. Young Chris & Freeway) / The Reason
07. I Wish I Was U (Feat. Bellringer)
08. The Smelly Cat Song
09. What's Wrong With That? (Wake Up The World) (Feat. Torae)
10. Good Day / Change
11. I Believe (Feat. Lydia Caesar & Khaliq)
12. Have You Seen Him?
13. My Girl (Feat. Khaliq)
14. Last Time / Bucket List
15. Sometimes (Feat. Lydia Caesar)
16. Follow The Leader



Für Sha Stimuli ist endlich der Moment gekommen, in dem er ins Rampenlicht treten darf: Man mag ihn als einen der vielen Mixtape-Rapper kennengelernt haben, die sich vor einigen Jahren wie eine Flut aus New York ergossen, dann aber wieder größtenteils verschwanden. Im Falle Stimuli bedeutete dies, dass aus seinem Vertrag mit Virgin Records, der eine rosige Zukunft in Aussicht stellte, und dem geplanten Album "Thee Emotion Picture", nichts wurde und er selbst im Regen stehengelassen wurde. Doch als entschlossenes Stehaufmännchen ist er nun, nach einer Reihe an Mixtapes, zurück, hat Chamber Musik Records an der Seite und präsentiert sein Debüt "My Soul To Keep".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Somit stellt dieses Album auch für Chamber Musik eine Neuerung dar. Schließlich hatten die bisherigen Releases immer mehr oder weniger entfernt mit Wu-Tang zu tun. Hinsichtlich der Beteiligten jedoch hat dieses Album - ausgenommen G-Clef - gar nichts mit Wu oder CM zu schaffen. Nein, "My Soul To Keep" wurde diesbezüglich keiner Beeinflussung unterworfen, sondern vermittelt durchwegs den Eindruck, dass Sha hier die Zügel in der Hand hält. Seitens des Produktionsbilds, für das neben Namen wie Just Blaze und M-Phazes viele wenig Bekannte verantwortlich sind, lässt sich diese LP recht gut als NY-Album kategorisieren und ist in diesem Sinne auch mehr oder weniger "gewöhnlich". Will sagen, Sha setzt auf keine revolutionären Instrumentals und landet schließlich bei einer Standardkombination aus meist gutem Material. Dass ihm in Anbetracht seiner bisherigen Karriere ein ordentliches Kontingent an Verbitterung und ernsten Tönen zu Verfügung steht, sollte verständlich sein. Wie gelungen er seine Tracks zu einem wahrhaft persönlichen Album schnürt, dürfte jedoch die meisten überraschen. Wird im vom eigenen Bruder produzierten "Hang On" noch eine jazzige Einführung geboten, differenziert "My Soul" bereits zwischen einerseits Rap-Nonsense:

"I heard somebody say: I hate Rap music
Cause all we talk about is our guns and our cars and our money and our broads
And how wack dudes be, and how nice we are
And how much stuff we sold and how we so damn hard
"

und sich selbst, wobei er sich eine "different motivation" attestiert, denn seiner Musik wohnt seine Seele inne. Damit hat er auch größtenteils Recht, denn sein Album bietet weitaus mehr als die erste Single, "Move Back", die als erstklassiger Just Blaze-Kopfnicker und Representer trotzdem einen Platz auf der Scheibe verdient hat. Das andere Ende der Spanne dieses Albums ist wohl "Last Time", das in erster Linie aus Piano-Begleitung besteht und mit seinem Singsang an KiD CuDi erinnert, während "Bucket List" in der düsteren zweiten Hälfte aufzählt, was Sha noch im Leben zu erreichen wünscht, und dabei kunstvoll Träume mit harter Realität kombiniert. Diese harte Realität behandelt auch "Do It For The Doe" im Rahmen notgezwungen verrichteter Jobs. Kritik am Genre hat natürlich auch Platz, "Follow The Leader" bringt gelungen den Herdeneffekt des Auto-Tune und auch der von Jay-Z mitinitiierten Gegenrevolution auf den Punkt. Ein Glanzpunkt der Scheibe ist "The Smelly Cat Song" (Achtung: hat wenig mit der Friends'schen Phoebe zu tun), in dem ein herrlich souliger Pitch-Beat das amüsante Storytelling von Sha untermalt, das hier nicht weiter als mit der Hook ausgeführt werden muss: "How do you tell a pretty young lady that her coochie smells?" Mehr Storytelling bietet "Good Day", in dem Sha von einem Freund dessen Geschichte (die ihn an den Rollstuhl fesselte) erzählt bekommt, das aber auf die positiven Dinge des Lebens hinweist. "Blasphemy" ist eine Liste von Fragen an Gott, die zusammengefasst den Grund für das beständige Leid der Menschheit zu wissen verlangen. Und neben den bereits erwähnten Tracks haben natürlich auch die restlichen Stationen etwas zu bieten (um noch zwei Beispiele zu nennen: "I Wish I Was You" unterbreitet ein interessantes und wohl für viele nachvollziehbares Beziehungsszenario, "Sometimes" legt Zeugnis von der Gegensätzlichkeit von Sha's Wünschen und Gedanken ab).


Fazit:
Für Sha Stimuli muss es sich unglaublich gut anfühlen, diesen Berg an Gedanken zu Papier gebracht zu haben und losgeworden zu sein. Und auch wenn er weit davon entfernt ist, ein neuer Heiland zu sein (die stimmliche Unauffälligkeit beugt den beachtlichen Skills am Mic in geringem Maße vor), so ist es doch die Dichte an wertvollem geistigen Material, die er absondert und die ihn von so vielen Kollegen abhebt. Auf lyrischer Seite bietet diese Scheibe demjenigen, der gewillt ist, zuzuhören, also einiges. Die Schranken, die "My Soul To Keep" gesetzt sind, findet man auf Seiten der Instrumentals. Die sind allesamt gut (Aussetzer gibt es keine), doch gleichsam verhindern sie, dass man auf lange Sicht sonderlich viel von "My Soul To Keep" behält. Fazit: Wenn Sha Stimuli bei seinem nächsten Werk am Mic eine ähnliche Leistung bringt und gleichzeitig noch bessere Beats pickt, darf man noch einiges von diesem Emcee erwarten.

Gesamtwertung: 6.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Souls Of Mischief - Montezuma's Revenge

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 01. Dezember 2009
Label: Hiero Imperium / Clear Label Records

Tracklist:
01. Intro
02. Won1
03. Postal
04. Tour Stories
05. Skit
06. Proper Aim
07. You Got It
08. Hiero HQ
09. Poets Skit
10. Poets
11. Mr. Freeman Skit
12. Fourmation
13. Dead Man Walkin
14. For Real Y'all
15. Lickity Split
16. Home Game
17.Outro
18. Lalala



Es war einmal, eine unscheinbare Truppe namens Souls Of Mischief"; ein Quartett, das vor 16 Jahren mit der Single "93 Til Infinity" einen Hit für die Rap-Geschichte schuf. Das letzte Album der Gruppe gab es vor neun Jahren, doch mit dem Namen kann (ebenso wie mit dem der Hieroglyphics) trotzdem jeder etwas anfangen. In den letzten Jahren gab es zudem Soloalben von Tajai, Opio und auch A Plus, während es um Phesto eher ruhig blieb. Die Nachricht, dass also nun ein neues Album unterwegs sei, ist schon freudig genug, doch es kommt noch dicker: "Montezuma's Revenge" entstand in Zusammenarbeit mit Prince Paul, weswegen man in der Tat gespannt sein darf.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Laut Titel (dem man nicht zu viele Interpretationen aufhalsen sollte) soll die Scheibe sogar so gut sein, dass es einem glatt den Hosenboden durchschlägt. Möglich erscheint das, wenn man beachtet, dass sich die Souls Of Mischief zusammen mit Hiero-Buddy Domino und Prince Paul für über einen Monat in ein Haus einschlossen, um dort ganz ungestört jeden Tag Musik aufzunehmen. Die schlägt im optimalen Fall eine Brücke zwischen den erfolgreichen frühen SoM-Tagen und einer zeitgemäßen Ausführung. Immerhin stießen schon die letzten Solotaten auf durchwegs positive Resonanz. Wie soll man sich da der Albumatmosphäre entziehen, wenn Prince Paul das "Intro" mit entspannter Hintergrundmusik einläutet und Del The Funky Homosapien für die Vorstellung sorgt? "Ladies & Gentlemen, a warm, warm welcome for Souls Of Mischief." Dass im Anschluss einiges geboten wird, zeigen die ersten Tracks ebenso wie das Album als Gesamtheit. Von Persönlichem bis zu cleveren Wortspielen zur Verschönerung des eigenen Egos zeigen sich die Souls als hungriger, gewohnt harmonischer Haufen, dem sich die gute Laune nicht nehmen lässt und der nie um direkte, zweideutige oder lustige Lines verlegen ist. Alle männlichen Zuhörer werden schmunzelnd nachvollziehen können, wie die Emcees in "Postal" von der Herzallerliebsten in den Wahnsinn getrieben werden. "Lickity Split" schickt die nervtötende Partnerin dann in die Wüste. Der Sound ist dabei meist locker gehalten und lässt sich, wenn man denn so will, als das definieren, was man sich von den Mischiefs erwartet hätte. Trotz der verschiedenen Autoren der Instrumentals (Domino, Prince Paul, Opio, A Plus) findet nie ein Bruch statt, weswegen die Platte auch an einem Stück durchgehört werden kann. Immer wieder finden sich die inhaltlich nicht abgesteckten Kopfnicker, etwa der Opener "Won1", der über einen krachenden Beat die Souls Of Mischief (für alle, die sie nicht kennen oder vergessen haben) und deren Können nochmals darlegt. Ähnlich die schwächeren "Hiero HQ" oder "Fourmation", in dem sich die Vier immer weider gegenseitig ins Wort fallen. Mehrere mehr oder weniger notwendige sowie witzige Skits ("Mr. Freeman" mit einem Seitenhieb gegen Morgan Freeman) durchziehen die Platte, auf der sich auch richtige Perlen finden: "For Real Y'All" legt schon seitens des Beats mächtig los, ist mit Raps jedoch gut und gerne ein potentieller Favorit. Ein zweiter ist "Tour Stories", das dem ausgiebigen Tour-Leben der Truppe Tribut zollt und natürlich auch einen kurzen Bericht einiger Erlebnisse bietet. Domino's Beat ist dabei ähnlich smooth wie zu längst vergangenen Anfangszeiten. Damit stimmen zwar alle Äußerlichkeiten, doch mehr wäre in jedem Fall drin gewesen, da mit Songs wie "Proper Aim" auch Mittelmaß ins Haus in der Montezuma Street eingedrungen ist. Schließlich darf man gegen Ende noch das "Home Game" genießen, Del im "Outro" lauschen und sich mit "Lalala" verabschieden.


Fazit:
Die Voraussetzungen sind erste Sahne, die Emcees sind in Topform, das Feeling als auch der Sound passen, doch trotzdem fehlt zum großen Wurf so Einiges. Das liegt vorrangig daran, dass sich die Qualitätsspanne von einigen sehr guten Tracks bis hinein ins Mittelmaß erstreckt. Selbiges Mittelmaß bringt dann eben auch besagte gute Voraussetzungen ins Straucheln. Grund zur Beschwerde besteht dabei allerdings nicht - es ist einfach nicht besser geworden. Vielleicht beim nächsten Mal. Geändert werden müsste eigentlich nichts. Schließlich ist auch "Montezuma's Revenge" ein gutes Album. Nur eben leider nicht mehr.

Gesamtwertung: 6.7 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Swollen Members - Armed To The Teeth

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 27. Oktober 2009
Label: Suburban Noize Records / Battle Axe Records

Tracklist:
01. Reclaim The Throne (Feat. Tre Nyce & Young Kazh)
02. Porn Star (Feat. Tre Nyce)
03. Kyla
04. Red Dragon (Feat. Moka Only)
05. Bollywood Chick (Feat. Tech N9ne & Tre Nyce)
06. Meltdown
07. My Life
08. Bang Bang (Feat. Tre Nyce & Young Kazh)
09. Here We Come
10. Warrior (Feat. Tre Nyce & Young Kazh)
11. Certified Dope
12. Funeral March (Feat. Saafir & Barbie Hatch)
13. Flyest (Feat. Tre Nyce)
14. Lonely One
15. Crossfire (Feat. Talib Kweli, Krondon, Phil The Agony & Tre Nyce)
16. Concerto
17. Dumb (Feat. Everlast, Slaine & Tre Nyce)
18. Real P.I. (Feat. Tre Nyce & Glasses Malone)



Inzwischen können sich die Swollen Members getrost (und zu Recht) einen der größten Fische nennen, den HipHop-Kanada je hervorgebracht hat. Auf dem Konto stehen bisher fünf Alben, die dem üblichen Syndrom der unerreichten Taten als Newcomer gehorchen und von denen zuletzt "Black Magic" über weite Strecken hin wieder unterstrich, dass die alte Formel immer noch ansprechende Verwendung finden kann. Drei Jahre später stehen Prevail, Mad Child und Rob The Viking mit ihrem nächsten Longplayer vor der Tür: "Armed To The Teeth" heißt das gute Stück und knüpft mit dem sehr direkten Titel plus Cover unmittelbar an die bisherigen Erzeugnisse an.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Ansonsten hat sich jedoch einiges verändert: Stand "Black Magic" zum Beispiel noch stark unter dem Einfluss der Westcoast-Backpacker, vor allem in Form der Dilated Peoples, so sucht man Evidence (der vor drei Jahren noch vier Beats und zwei Auftritte am Mic verbuchen konnte) hier vergebens. Die Produktion übernimmt diesmal zu einem Großteil Rob The Viking, und neben einer Standard-Auswahl an US-Größen treten Tre Nyce und Young Kazh immer wieder am Mic ins Rampenlicht. Den Kern dieser Scheibe bringt man damit jedoch nur bedingt zur Sprache. Denn die Frage, die sich vor allem die Fans stellen, ist natürlich die der soundlichen Ausrichtung (nachdem die inhaltliche schon vom Cover eine vorzeitige Antwort erhielt). Hier stellt sich ein Phänomen ein, wie man es selten bei einem Album beobachten kann: "Armed To The Teeth" ist mit einer fast komplett eindeutigen Linie in zwei Lager einzuteilen, die sowohl hinsichtlich der Ausrichtung als auch der Qualität eindeutig abgetrennt sind. Seien also zuerst beide Lager benannt. Das erste (oder, je nach Auffassung der Gewichtung, das zweite) bedient (erwartungsgemäß) die Fans, die Real HipHoppers, die gute Seite mit genau dem, was zu erhoffen war: dem (dunklen) Sound, der das Markenzeichen der Members ausmacht. Das zweite Lager entspringt dem albernen Gedanken, dieser Markensound könne in eine gewinnbringendere Richtung frisiert werden, und wird demnach nahe den derzeitigen Trends aufgeschlagen. Diesem Lager entspringen auch die bisherigen Videos. "Warrior" fasst zusammen: Verstärker, Knarren und Auto-Tune. Für ebendieses Lager wird auch schon genannter Hampelmann engagiert (Tre Nyce), womit man auch schon beim Indikator wäre, der bei der Erkennung aller Untaten auf der Platte behilflich ist und mit einer (für Tre erschreckend) hohen Sicherheit funktioniert. "Porn Star" und "Bollywood Chick" sind auf inhaltlichem Ying Yang Twins-Niveau gleichermaßen überflüssig; da hilft auch ein Tech N9ne rein gar nichts mehr. "Flyest" ist nicht weniger eine Frechheit, die Hook kommt wie ein Kanye West-Heartbreak-Plagiat dahergescheppert. "Reclaim The Throne" startet als Zwitter und wäre ohne Tre Nyce in der Hook sogar gelungen, wohingegen "Real P.I." als schwerwiegende Sünde gebrandmarkt werden darf. Bevor man sich nun dem Rest widmet, sei noch "Bang Bang" erwähnt, das als einziger Tre Nyce-Song aus dem "zweiten Lager" tatsächlich gelingt. Und nun zu den schönen Seiten der Scheibe: Hier wird schön an "Black Magic" angeknüpft, "Certified Dope" etwa erinnert, versehen mit derselben Coolness, an "Too Hot". Ansonsten finden sich viele schöne, teils dunkle Kompositionen. Lediglich "Crossfire" leidet trotz der starken Gäste an trockener Langeweile. "Kyla" dagegen ist so sehr Swollen wie nur irgend möglich: ungehetzt, aber bestimmt düster und somit perfekt für Mad Child. "Meltdown" dagegen besteht aus (und begeistert mit) stürmischen, immer höher aufbrausenden Streichern, die vor allem Prevail gut zu Gesicht stehen. "Dumb" klingt, wie man sich eine Kollabo von Swollen und La Coka vorstellt, und bietet zudem köstlich anschaulich den Wandel des Everlast im Vergleich zum "Black Magic"-Auftritt. Auch den bisher unerwähnten restlichen Tracks soll das Swollen-Gütesiegel nicht abgesprochen werden, "Lonely Ones" zum Beispiel glänzt mit eingängiger Bassline und einer Coolness, die glatt vergessen lässt, welche Untat direkt davor zum Besten gegeben wurde.


Fazit:
"HipHop, it's not dead, but it's hardly breathin'" tönt es an einer Stelle mit unbewusst bitterer Ironie. Da muss den Members irgendwo zwischen Beschriftung der Flaggen und tatsächlicher Handlung ein Meinungswandel unterlaufen sein. Die Frage nach dem "Warum" muss man eigentlich gar nicht stellen; dass die Swollen Members gerne ein paar mehr Einheiten über die Ladentische brächten, scheint offensichtlich. Ihre Strategie ist eine nicht alltägliche: Auf der einen Seite steht der unverwässerte, ureigene Sound, auf der anderen die knallharte Hurerei mit aktuellen Trends. Warum letztere Unternehmungen so derart plump ausfallen, ist dann aber doch unerklärlich und verwunderlich. Da der bessere Teil gleichzeitig der größere ist, verbleibt mit dem dort auch (in geringem Maße) vorhandenen Durchschnitt insgesamt ein Album, bei dem sich die beiden Lager die Waage halten. Mit einigen Skips lässt sich "Armed To The Teeth" dann richtig gut anhören. Ob die Swollen Members den Quatsch, den sie hier partiell eingeführt haben, selbst erkennen, bleibt abzuwarten.

Gesamtwertung: 5.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Singapore Kane - Living Militant

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 06. Oktober 2009
Label: Brick Records

Tracklist:
01. Whatever I Wanna Do
02. Livin' Militant
03. Sufferer
04. Mollywhopped (Feat. Big Shug)
05. Rise Up (Feat. Big Shug)
06. Bust Ya Shit
07. Street Legends (Feat. Chan)
08. Fastlife
09. Summer In The City
10. Superstar
11. You And What Army
12. Don't Take It Personal (Feat. Big Shug)
13. Inner City Youth
14. Stop Playin'
15. You Understand



Für alle, die ihn nicht kennen: Singapore Kane ist ein Name, den man sich im Rahmen der östlichen Street-Rap-Szene ruhig merken kann. Geboren und aufgewachsen in "Murdapan" alias Mattapan, Boston, verlebt er seine ersten Lenze wie viele Kids nicht unter rosigsten Bedingungen, kommt aber dank seinem Vater, der ein in Boston populärer Reggae-Künstler ist, früh mit Musik und dem Schreiben von Texten in Berührung. Im Hier und Jetzt nennt sich Singapore Schützling von Big Shug, was weitere Einordnung ins Rap-Library erübrigen sollte. Neben einigen Gastauftritten umfasst sein bisheriger Output drei Mixtapes unter dem Titel "Welcome To Singapore". Unter anderem als Zusammenfassung eben jener Mixtapes fungiert "Living Militant", ein digital über Brick Records veröffentlichtes Album.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Hier und da sind aus den Tracklisten der Mixtapes einige Songs gepickt worden und werden nun als Album präsentiert. Dass an dieser Stelle dann überhaupt das Gefühl eines Albums aufkommt, spricht sehr für Singapore Kane und einen geschlossenen Sound. Für selbigen kommt ein Lineup an Produzenten auf, das in keinster Weise überrascht: Illmind, Moss und Lil Fame werden gefolgt von einigen Halbbekannten (Purpose, MP2, Kid Kass, Reel Drama), die auf Projekten wie z.B. der "A Boston State Of Mind" Compilation von 2006 schon Beiträge ablieferten. Auch wenn sich Singa ein Repertoire, das sowohl Street-Topics als auch politische Ansichten impliziert, auf die Fahne schreibt, konzentriert sich "Living Militant" voll und ganz auf Ersteres. Das Straßenleben mit seinen scharfkantigen Facetten wird detailliert ausgebreitet und auf 15 Tracks ausgewälzt - ohne Kompromisse. Die obligatorische Schmalznummer mit R'n'B-Hook sucht man hier vergebens. Ein Umstand, den viele schätzen werden. Hinzu kommt, dass auch die Produktion relativ gut ausfällt. Dabei gerät die Bläser-Sause in "Whatever I Wanna Do" noch geradezu fröhlich, während Kane Hood-Talk von der Karte ablässt und die eigenen Ambitionen darlegt. Als Soll steht das Entkommen aus den miserablen Zuständen (wenn möglich mit Hilfe der Musik), als Ist wird ausführlich der Geldmangel in all seinen Folgen skizziert und von einer ganzen Armee an Snitches, Treulosen und Opponenten umrahmt. Klar, dass in "Mollywhopped" zusammen mit Shug die Fäuste ausgepackt werden und alle Faggots einstecken dürfen. Doch nicht nur von den Austeilfähigkeiten seines Mentors Shug hat Singa sich eine Scheibe abgeschnitten, auch beim Beschreiben seiner Umwelt kann er punkten. Selbst nennt er sich den "Journalist and oberserver" der Straße. In "Street Legends" wird das tägliche Leben geschildert:


"I dont smile and joke, cause it ain't shit funny
When you're broke in the hood, starvin' with no money
Everybody gotta fend for theirselves, survival of the fittest
Only the strong survive, so handle your business
"

Richtige Schwachpunkte findet man wenige. Kane ist sicherlich keine Lichtgestalt eines Emcees, doch ein einwandfreier Flow lässt wenig Platz für Kritik. Lediglich "You And What Army" lässt ein wenig Fingerspitzengefühl vermissen, während das Joe Cocker-Sample für "Summer In The City" zwar wenig innovativ ist, aber gut verarbeitet wurde. Außerdem hat die Sommerhitze, die in Kane's Nachbarschaft um sich greift, nur im übertragenen Sinn mit dem sonnenbedingten Temperaturanstieg zu tun. Moss' harte Trademark-Drumline in "Don't Take It Personal" ruft keine Begeisterungsstürme mehr hervor, tut dem Album aber keinen Abbruch. Und während weiter im "Fastlife" gelebt und dem Geld hinterhergejagt wird, bündelt Kane gegen Ende nochmals all seine Künste für zwei überragende Songs: "Stop Playin'" ist eine besonnen vorgetragene Warnung, in der Singa sich grandios in die Rolle eines alten Veteranen rappt. Sehr hilfreich ist der grandios melancholische Beat von Purpose. Fast noch besser ist direkt davor "Inner City Youth", von Kid Kass mit dezenten Gitarrenklängen versehen und durch die Raps über das harte Jugendschicksal in der falschen Nachbarschaft veredelt:

"Peer pressure will get ya, young niggas'll wet ya
They probably scared as you to be on that stretcher
But fuck fear, cause robbery ain't new to me
I know cats that been snatching jewelry before puberty
"


Fazit:
Bleibt zu sagen: Für einen zusammengetragenen Überblick über Singapore Kane's bisheriges Tun und Treiben darf man positiv überrascht sein. Natürlich passiert hier nichts, was man nicht irgendwo schonmal gehört hätte, doch Singapore Kane hat die Fähigkeit, über ein Album hinweg zu unterhalten und anscheinend hat er auch einen guten Geschmack, wenn es zur Beat-Wahl kommt. "Living Militant" gibt ein anschauliches Bild von Kane's Umfeld und ist in ein sehr gelungenes Eastcoast-Beat-Gewand gepackt. Wenn es beim nächsten Mal mehr ernste, schwermütige Songs vom Schlage "Inner City Youth" und "Stop Playin'" werden, hätte Kane die Möglichkeit, eine Sparte zu bedienen, die derzeit viel zu dünn besetzt ist.

Gesamtwertung: 6.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame