Dienstag, 2. September 2008

Baby J - Presents: Birth

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 17. November 1998
Label: Bomb Hip-Hop / Baby J Enterprises

Tracklist:
01. Intro
02. For My Army - (feat. A-Alikes)
03. Savior - (feat. Poetic)
04. Truth - (feat. Shaqueen, Omen & Shabazz The Disciple)
05. The God In Man - (feat. Knowledge Scientifik Cipher)
06. Unseen Hand - (feat. Kinzmen)
07. War Trilogy: P.O.W. (Projects Of War) / M.I.A. (Militia Incarcerated Alien) / Ambush - (feat. Celestial Souljahz)
08. Focus - (feat. Freestyle)
09. Threat Of Allegiance - (feat. Bless)
10. Pressure - (feat. Yogi)
11. Fire On Water - (feat. Fire)
12. Walk With A Bop - (feat. A-Alikes)
13. Angels Of Death - (feat. Yogi, Freestyle, Shabazz The Disciple & Poetic)
14. How Long? - (feat. G-Force)
15. The Lamb's Blood - (feat. Shabazz The Disciple)
16. Outro - (feat. DJ Noize)



Alle, die Baby J nicht kennen, bitte aufstehen. Wer jetzt noch sitzt, ist ein glücklicher Mensch. Denn er ist wahrscheinlich mit dem Werk, das 1998 unter dem Titel "Birth" seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat, vertraut. Baby J kommt nicht etwa aus New York, sondern aus Großbritannien. Doch was er auf diesem Album abliefert und mit wem er es abliefert, sollte jeden Eastcoast-Fan aufhorchen lassen.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Denn neben einigen weiteren Herren aus dem UK sind auch Shabazz, Poetic oder die A-Alikes mit von der Partie. Letztere beginnen auch mit dem ersten Track, "For My Army". Schon dieser Song eröffnet dem Hörer, von wo der Wind hier weht: staubtrockene Snares, üppiger Einsatz von Streichinstrumenten und Samples, von denen nur Baby J selbst weiß, wo er sie ausgegraben hat. Klingt eigentlich nicht besonders, schließlich stehen diese Reagenzien auf fast jedem Rezept der Neunziger. Doch dieses Album ist anders. Beziehungsweise: besser. Baby J zelebriert sein Handwerk und webt unerahnt atmosphärische Teppiche, mit denen auf diesem Album durchgehend Poeten fliegen dürfen. Neben den nüchternen Reality-Rap-Inhalten finden sich reihenweise religiöse Einflüsse, die man zwar nicht glauben muss, die jedoch das gewisse Etwas ausmachen. Um das Ergebnis in Worte zu fassen bedarf es einer inflationären Verwendung des Worts "genial". Im Gegensatz zu heute, wo größtenteils gemütlich vor sich hingeflowt wird, spucken die Akteure hier lodernde Flammen - ganz gleich von welcher Seite des Kontinents. Schon zu Beginn wird von Poetic als auch von Shaqueen alias Ma Barker Vollgas gegeben. Nachdem dann eine geniale Pause eingelegt wird, in der uns Cipher Jewels von Moorish Delta 7 von seiner Auffassung der Entstehungsgeschichte berichtet, entführen die Kinzmen den Hörer unter mystischem Gesang in andere Rap-Sphären. Doch hier einen Höhepunkt zu setzen wäre fatal - im Anschluss laufen nämlich Shabazz The Disciple und Freestyle (bekannt von den Arsonists) als Celestial Souljahz ein, um die "War Trilogy" zu performen, die unter Sirenenheulen und Maschinengewehrfeuer als Funkverkehr zu vernhemen ist. Im fortgeschrittenen Stadium des Albums stößt man neben einem weiteren genialen Auftritt der A-Alikes auf die "Angels Of Death", die sich über einen verstörend düsteren Beat als Yogi, Freestyle, Shabazz und Poetic vorstellen. Wem das noch nicht reicht, der bekommt zu guter Letzt noch einen Bombeneinschlag eines Songs: "The Lamb's Blood" ist vielleicht Shabazz' bester Song überhaupt. Man mag das, was er hier von sich gibt, als Stuss abtun, doch dieser Stuss befindet sich auf so unerreichbar hohem Niveau, dass es einfach großartig ist, dem Herrn beim Sinnieren zu lauschen. Deshalb ist es nur recht, hier noch einen kleinen Auszug zu zitieren:

"This be the opening of the 7th seal / I'm storming down like the plague of hail / Avenge the innocent blood spilled, the king of Israel
The earth was given to his hand to trick it / I'm the mighty lion in the thicket, who be spying on the wicked
In these last days, the projects is like the caves / Facing the 10 plagues, like Moses I free slaves"


Fazit:
1998 kam eine Auswahl an Künstlern zusammen und erschuf am Zenit ihrer Schaffensphase "Birth". Fast genauso verwunderlich wie dieses Album selbst ist die Tatsache, dass Baby J neben einigen der wortgewaltigsten Emcees der damaligen Zeit nie das Zepter aus der Hand gibt. Denn egal, wo in dieser Review die lyrischen Leistungen gewürdigt wurden - es stand immer ein entsprechend exzellenter Beat dahinter. Baby J, obwohl nicht einmal aus den Staaten, serviert hier den Prototyp eines makellosen Eastcoast-Albums und krallt sich nebenbei den Titel des besten Producer-Albums aller Zeiten. So klingt es, wenn eine Sparte des Raps zur Perfektion getrieben wird. Jammerschade, dass Baby J heutzutage einen vollkommen anderen musikalischen Weg verfolgt.

Gesamtwertung: 9.7 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Onyx - Cold Case Files (Murder Investigation)

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 19. August 2008
Label: Iceman Recordings

Tracklist:
01. U.S.G
02. Ghetto Way Of Thinking
03. O.N.Y.X
04. See U In Hell Pt. 2
05. Evil Streets (Remix) - (feat. Method Man)
06. Rock U
07. Hydro
08. Purse Snatchaz Pt. 2
09. Wili'n Wili'n
10. Free Style
11. I'll Murda U - (feat. Gang Green)
12. Mad World
13. I Don't Want To Die
14. Return Of The Madface
15. Candy Man - (feat. X1)
16. Hard To Be A Thug



Verglichen mit dem HipHop, den Onyx Mitte der Neunziger praktizierten, sah ein Bergarbeiter einer Kohlemine des Neunzehnten Jahrhunderts nach einer Sechzehnstundenschicht aus wie frisch gebadet. Diesem Umstand verdanken Onyx erstens einen Platz im Rap-Olymp und zweitens eine sehr große Anzahl an Fans. Im 21. Jahrhundert sieht es nicht mehr so rosig aus: Gruppenalben werden zerrissen, Solos größtenteils ebenso. Um Sticky wird es musikalisch ruhig, da er zu beschäftigt damit ist, Vampire zu jagen. Fredro sinkt tiefer und tiefer in den HipPop-Sumpf, währen Sonee Seeza sein eigenes Süppchen kocht. Dass ein brandneues Album names "Black Rock" kommen soll, ist da schon erstaunlich genug. Vielleicht noch viel erfreulicher: mit "Cold Case Files" werden die ganzen unveröffentlichten Tracks aus der goldenen Zeit nochmal auf einem Silberling vereint.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Wer die "Rare, Raw & Uncut Grimee EP" kennt, dem werden hier einige Bekannte über den Weg laufen. Da dies jedoch nicht auf allzu viele Personen zutrifft, ist es doch gut, dass dieses Werk nun auch der Allgemeinheit weitere Juwelen des Trios eröffnet. Als da wäre als inoffizieller Höhepunkt die über dreieinhalb Minuten währende komplette Version von "I'll Murda U", das auch auf "All We Got Iz Us" mehr als ein Skit hätte sein dürfen. Denn da sind sie wieder: die menschenverachtenden, grollend wütenden Raps, mit denen Sticky schon in der Einleitung zum Song um sich rotzt:

"Nah nah, fuck dat, I ain't gon' murda you - I'll beat you in the head with the back of my pistol and turn you to a vegetable. I'mma noke a nigga, fuck it, something's gotta give - call me Mr. Negative, I rob my own relative!"

Doch das Album ist vollgestopft mit Tracks dieses Schlags: sei es nun das pianogetriebene "Free Style", die Fortsetzung zu "Purse Snatchaz", der dem Original ebenbürtige Remix zu "Evil Streets", bei dem Method Man trotz guter Tagesform gegen einen dämonischen Sticky Fingaz untergeht, oder aber das Sample-versetzte "Candy Man", in dem X1 (R.I.P.) in die Rolle eines Drogendealers schlüpft. Überall ein abgasverseuchter schwarzer Himmel über den Hintergassen, in denen Onyx' Raps zuhause sind. Bei all der Euphorie gibt es jedoch auch einige Ausreißer: "Wili'n Wili'n" klingt mit gezupfter Gitarre gänzlich anders, ebenso wie "Return Of The Madface", das ich zeitlich eher bei "Bacdafucup Pt. II" einordnen würde. "I Don't Want To Die" ist mit seiner Modifikation von R. Kellys "I Believe I Can Fly" ebenfalls gewöhnungsbedürftig.


Fazit:
"Cold Case Files" mag zwar als Album ohne roten Faden einige Defzite aufweisen, gibt uns jedoch ein sehr schönes Bild von dem, was es nie auf Onyx-Alben geschafft hat. Dass dieses Material so hochwertig ist, zeigt außerdem die Klasse, die Onyx damals besaßen. Schade, dass ich im Jahr 2008 fast nur noch durch solche Alben zu höheren Noten greifen kann, doch ich will mich absolut nicht über diese Platte beschweren, die so unverschämt oft an "All We Got Iz Us" erinnert - gleichbedeutend mit: Onyx in einer Zeit, in der sie unerreicht waren. Da wird "Black Rock" wohl nie hinkommen.

Gesamtwertung: 8.1 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Outlawz - We Want In: The Street LP

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 5. August
Label: Gold Dust Media / 1Nation Ent.

Tracklist:
01. We Want In - (feat. Stormey)
02. Everything Happenz 4 A Reason - (feat. Stormey)
03. Failure Ain't An Option
04. Us - (feat. Stormey)
05. Love Of Money - (feat. Stormey & Keion)
06. Thuggin Till I Die - (feat. C-Bo & Stormey)
07. I'm Mister
08. My Life- (feat. Stormey)
09. Do It Like That - (feat. J-Bo)
10. I Can't Lie - (feat. Stormey & Tha Pimptationz)
11. Take It Off - (feat. Keion)
12. It's My Turn - (feat. Maserati Rick & Nutt-So)



Dass man als Outlawz-Mitglied wenig zu lachen hat, sollte inzwischen kein Geheimnis mehr sein: immer (zurecht) in die zweite Reihe verwiesen zu werden ist sicherlich kein Zuckerschlecken. Mit Gold Dust Media wird 2008 ein weiterer Versuch gestartet, die gewaltige Mauer der Vorurteile und kritischen Stimmen zu erklimmen: "We Want In" schafft schon mit dem Titel klare Verhältnisse. Dass Young Noble, E.D.I., Kastro und Stormey schon im Vornherein von Vielen ein Scheitern bescheinigt wird, scheint die Jungs nicht zu stören.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Unter dem dicken Albumtitel prangt auf dem Cover noch der Schriftzug "The Street LP". Und man muss nicht seit Jahrzehnten Rap hören, um zu wissen, dass solche widerwärtigen Untertitel sich wie Parasiten an der Qualität des jeweils befallenen Albums zu schaffen machen - Künstler entschuldigen dies meist mit einem Verweis auf ein noch folgendes "real album". Und wie verhält es sich hier? Die Tatsache, dass J-Bo von den Young Bloodz anscheinend das zweitwichtigste Feature der Platte darstellt, fasst das Dilemma der Outlawz schon recht gut zusammen. "Do It Like That" heißt der geistreiche Titel, auf dem J-Bo vertreten ist, und er tut sich durch besondere Austauschbarkeit hervor. Fast auf dem kompletten Album wird bei den Hooks mit erschreckender Sicherheit danebengelangt. So bekommen auch die besten Tracks des Albums leichte Kratzer. "Love Of Money" ergeht es mit einer soliden Hook etwas anders, weswegen sich hier auch der beste Track findet. Und auch das direkt folgende pianogeleitete "Thuggin Till I Die" fordert trotz todesdämlichem Titel als erstaunlich ruhiger Song zum entspannten Zurücklehnen auf - auch wenn die Hook wieder gegen die Wand gefahren wird. Der Rest ist hörbare Langeweile, die erst nach fortgeschrittener Spieldauer zum Skippen animiert, da hier einfach nichts passiert.


Fazit:
Die Outlawz mögen die optimale Truppe gewesen sein, um Pac den Rücken zu stärken - doch alleine beweisen sie hier auf ein Neues, warum sie heutzutage so unbeachtet sind - Austauschbarkeit und Langeweile mit zu wenigen Lichtblicken gibt es genug. Bevor man hier sein Geld investiert, sucht man sich lieber bessere Alben, denn von denen gibt es dieses Jahr viele. "We Want In" hinterlässt keinen einzigen bleibenden Eindruck. Nuff said.

Gesamtwertung: 4.0 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Brooklyn Academy - Bored Of Education

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 2. September 2008
Label: Gold Dust Media

Tracklist:
01. One (Intro) - (feat. Jean Grae)
02. Raise Ya Hands - (feat. Jean Grae)
03. We Don't Play
04. Message To Brooklyn (Skit)
05. I'm From Brooklyn - (feat. Ill Bill)
06. That's Brooklyn - (feat. Will Tell)
07. The Growler
08. Weight Liftin'
09. Tear It Down
10. Blame It On The Alcohol (Skit) - (feat. War Bixby)
11. Splash - (feat. Killah Priest)
12. Black Out - (feat. Jean Grae)
13. Suicide
14. Close Your Eyes - (feat. Skam 2)
15. Back In Effect
16. What's The Buzz
17. Peanuts (Skit)
18. Nothin' You Can Do feat. Jean Grae)



Die Brooklyn Academy ist ein weiteres Kollektiv, das bis dato, immer in Verbindung mit einer Reihe wohlbekannter Namen, lose im Rap-Zirkus New Yorks herumgeflattert war. Doch 2008 kündigt die Crew, die jetzt auf drei Köpfe abgesteckt ist, ein Gruppenalbum an. Auf dem neuen Label Gold Dust finden Pumpkinhead, Block McCloud und Mr. Metapohr ein Zuhause, um "Bored Of Education" zu droppen, das, wie jüngst so viele Alben, als Rückkehr zum Raw HipHop des Ostens angekündigt wird.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Wenn man beispielsweise die bisherigen Releases des Kürbiskopfs kennt, dann darf man solche Töne durchaus für bare Münze nehmen. Beim Auflaufen der Spieler erkennt man an vierter Stelle ein (zumindest bei diesem Album) inoffizielles viertes Mitglied, nämlich Jean Grae. Aus dem näheren Dunstkreis finden sich außerdem Will Tell und War Bixby ein, während man bei den Produktionen ein typisches Bild für ein NY-Release vorfindet: da reiht sich Marco Polo neben Illmind, Sicknature und den Snowgoons ein. Hört man mal rein, kommt auch schnell die Ernüchterung. Hier hebt sich nichts vom alles verschlingenden Rest ab. Fast alle Akteure bringen eine Standardleistung. Das lässt sich über Illmind sagen, wobei das in seinem Fall zu dem immer noch sehr erträglichen Ergebnis "Raise Ya Hands", in welchem er seine Streicher wild tanzen lässt, führt. Die Snowgoons hingegen liefern das ab, was auf ihrem eigenen Album ein nicht erwähnenswerter Füller gewesen wäre. Das schon auf Ill Bills "Black Metal" zu hörende "This Is Brooklyn" schafft es auch nicht übers Mittelmaß hinaus. Und auch wenn sich in der Liste von Sicknatures bisherigen Erzeugnissen noch nicht allzu viel befindet, "Nothing You Can Do" klingt auch viel zu sehr nach seiner Note, als dass es über den Querschnitt eines in letzter Zeit zu oft gehörten AOTP-Beats hinauskäme. Das ist schade, denn in Sachen Skillz nehmen die hier Werkelnden Jungs den Holzfällern aus der Nachbar-Posse definitiv einige Mikrofonmeter ab. Doch das macht eben nur richtig Spaß, wenn auch der Sound stimmt. Dies geschieht in "The Growler", bei dem Marco Polo einmal mehr beweist, dass er konstant mehr aus dem Ärmel schütteln kann als einen 0815-Beat. Dieses eindeutige Highlight entschädigt als Kopfnicker mit Repeat-Qualitäten schon für Einiges. Kämpft man sich am langweiligen "Weight Liftin" vorbei, kommt man bald sogar zu einem weiteren großen Moment des Albums. Killah Priest gibt sich auf "Splash" die Ehre, das mit seiner Streicherbesetzung auch besser als jeder andere Song zum Priester passt. Während man auf dem Weg zum Ziel noch an einer soliden Black Milk-Produktion vorbeikommt, wäre nun auch schon alles Wichtige gesagt.


Fazit:
Eigentlich sollte man diesem Album Kellernoten allein dafür geben, dass es mal wieder genau solch eines ist, das bei zukünftigen Reviews herangezogen werden wird, um als Beispiel für ein berechenbares Album zu dienen, welches das Aufderstelletreten der Ostküste dokumentiert. Diesen Aspekt ausgeblendet, haben wir wieder eine Platte, die ihren Kopf noch über dem Durchschnitt zu halten vermag, allerdings hinter jeglichen gestellten Erwartungen zurückbleibt. Wer schon damit zufrieden ist, Pumpkinhead mal wieder in Aktion zu erleben und ihn mit seinen Kollegen die Tracks aufrollen zu sehen, und dafür bereit ist, bei den Produktionen Abstriche zu machen, der wird mit "Bored Of Education" glücklich werden. Allen anderen sei zu den beiden erwähnten Highlights geraten, wohingegen der Rest unaufgeregt solide im hörbaren Bereich dudelt.

Gesamtwertung: 5.8 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam