Dienstag, 22. Dezember 2009

Slug & Murs - Felt 3: A Tribute To Rosie Perez

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 17. November 2009
Label: Rhymesayers Entertainment

Tracklist:
01. Protagonists
02. Felt Chewed Up
03. Get Cake
04. Bass For Your Truck
05. Like You
06. Permanent Standby
07. Kevin Spacey
08. Ghost Dance Deluxe
09. Revisiting The Styleetron
10. Whaleface
11. Glory Burning
12. Henrietta Longbottom
13. She Sonnet
14. Felt Good
15. Deathmurdermayhem
16. The Prize
17. G.I. Josephine
18. The Clap
19. We Have You Surrounded
20. Give It Up
21. Paul Reubens



Die Marke Felt genießt nahezu Kulstatus. Nicht etwa, weil die zwei bisher veröffentlichten Alben Klassiker wären, sondern schlichtweg aufgrund des Konzepts hinter der ganzen Geschichte: Slug und Murs, gleichermaßen Indie-Größen und jeweils einem nicht weniger bekannten Camp zugehörig, kommen im gemeinsamen Ziel, die Aufmerksamkeit von Schauspielerinnen aus der zweiten Reihe zu erhaschen, zusammen und kreieren so Kollaboalben mit jeweiliger Widmung. Bisher kamen Christina Ricci und Lisa Bonet zu der Ehre einer LP. "Felt 3" geht an Rosie Perez, und wo die ersten beiden Scheiben mit The Grouch bzw. Ant jeweils einen eigenen Produzenten im Rücken hatten, konnte auch hier höchstinteressante Unterstützung gewonnen werden: Diesmal ist der Dritte im Bunde niemand Geringeres als Aesop Rock.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Dieser vollwertige Dritte wirkt sich nicht unerheblich auf das Erscheinungsbild des Albums aus. Was laut Murs und Slug zu einer besseren Harmonie führte, war die Tatsache, dass der Produzent diesmal neutral zwischen den beiden Hauptakteuren steht, wohingegen Grouch aus Murs' direktem und Ant aus Slug's unmittelbarem Umfeld stammt. Doch ganz unabhängig davon werden alle, die Aesop Rock kennen, wissen, dass man sich hier auf weitaus sperrigere Gebilde einzustellen hat, als das auf den vorigen beiden Scheiben noch der Fall war. Auch die Spielzeit hat sich nunmehr konstant gesteigert, gegenüber dem zweiten Teil wurde eine satte Viertelstunde draufgelegt. Allen, die aus diesem Album schnell und nebenbei schlau werden wollen, sei gesagt: "Felt 3" braucht seine Zeit. Erst, wenn man sich beim Einsetzen von Aesop's Gitarren im Opener "Protagonists" mit einem zufriedenen Lächeln der Gesichtsmuskulatur konfrontiert sieht, fängt die Platte an, zu zünden. Dazu wird von S&M sofort klargestellt, wo nun die Aufmerksamkeit der Hörerschaft zu liegen hat. Denn es folgt eine lyrisch hochwertige Darbietung, gespickt mit Sarkasmus, Süffisanz und frei von jeglichen Erwartungen, die etwa ein Atmosphere-Fan der Platte unterstellen könnte. Natürlich kommt auch der Geschichtenerzähler Slug zum Vorschein, etwa im düsteren "Permanent Standby" (wobei sich Aesop den Avril-Lavigne-Voice-Cut hätte sparen können), das die irgendwie vertraute Szenerie eines Mädchens, das des öfteren die falsche Wegabzweigung nimmt und sich von Drogen sowie zwielichtigen Typen umringt sieht, modelliert. Hier kopiert selbst Murs den Slug'schen Stil. Trotzdem halten sich die beiden Emcees die Waage, obwohl die Produktionen Murs auf den ersten Blick besser zu Gesicht stehen. Doch selbst in nach vorne preschenden Bangern wie "Revisiting The Styleetron" (welches großartiges Rap-Ping-Pong spielt) verliert Slug nie den Anschluss. In "Henrietta Longbottom" werden Gerüchte über besagte Henrietta in irrwitzige Höhen getrieben, "Like You" zeigt S&M dagegen als die alltäglichen Kerle, die sie sind, während Aesop immer die passende Untermalung findet. Meist geht er dabei in eine rockige oder eine elektronische Richtung. Fehltritte unterlaufen ihm dabei nur wenige: "Bass For Your Truck" ist kein Muss, dazu kommen die Interludes (bzw- kurzen, Interlude-artigen) Stücke ("Kevin Spacey", "Felt Good", "The Clap"), die allesamt das Niveau nach unten ziehen. Lediglich "Get Cake" setzt sich durch strikte Eintönig- und -gängigkeit durch. Eigentherapie gibt es mit "Deathmurdermayhem", in dem angestaute Aggressionen abgelassen werden, mit "We Have You Surrounded" hingegen wird den Fans ("I write a song about life and dirt / So I can ride along with you when you driving to work") ein Geschenk gemacht. Abschließend gibt es mit "[b}Paul Reubens[/b]" (man beachte, dass entgegen der ersten beiden Scheiben diesmal zwei Schauspieler, nicht etwa Musiker, einen Track abbekommen) noch ein Schmankerl, für das ein paar Seitenhiebe gen Mainstream ausgeteilt, die eigenen Qualitäten nochmals betont werden und bei dem Slug auch schon ankündigt, wie es weitergehen wird:

"I guess the moral is, stick a fork in it
We got more to give, you fortunate
You fucking with a legend and these members of the orphanage
Organisms that were born for this
First we make the people feel quite right
And then I'm working on a sequel to Zeitgeist
So push up the light, peace, nighty night
Stay tuned, number four, tribute to Heidi Fleiss
"


Fazit:
Die Erwartungen bei einem Dreigespann wie dem hiesigen sind natürlich hoch, doch sie wurden auch erfüllt. Zwar wäre wohl noch mehr drin gewesen, doch im schwachen Jahr 2009 sollte man mit diesem Produkt mehr als zufrieden sein. Kritik findet sich wenig: Die Interludes hätten gestrichen und ganz generell auch die Spielzeit etwas komprimiert werden können. Demnach finden sich nunmal einige unnötige Tracks, außerdem stellen sich gegen Ende (trotz des hervorragenden Ausstiegs) Ermüdungserscheinungen ein. Den Spaß, den die Aufnahmen gemacht haben müssen, hört man trotzdem beständig durch. Deshalb, und weil "Felt 3" sowieso nicht komplett in Worte gefasst werden kann, sei jedem geraten, einfach selbst reinzuhören, denn Murs, Slug und Aesop schrammen haarknapp an den vier Kronen vorbei.

Gesamtwertung: 7.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

O.C. & A.G. - Oasis

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 24. November 2009
Label: Nature Sounds

Tracklist:
01. Oasis
02. Keep It Going
03. Give It Back
04. Alpha Males
05. Young With Style
06. Everyday Life
07. Think About It
08. Gotta Get It
09. Put It In The Box
10. Boom Bap
11. Reality Is
12. Contagious
13. Supreme Squad
14. God's Gift
15. Get Away (Feat. Mirror Image)
16. 2 For The Money
17. Pain (Feat. Mirror Image)



Da dieses Album als die erste offizielle Zusammenarbeit der D.I.T.C.-Mitglieder (zumindest einigen davon) seit dem 2000er "Worldwide" angekündigt wird, wäre hier wohl der richtige Zeitpunkt, darauf hinzuweisen, wie sehr dieses einstige Monument einer New Yorker Crew vom Zahn der Zeit in Mitleidenschaft gezogen wurde. Vor allem die produzierende Hälfte verbringt das neue Jahrtausend bisher im Halb- und teilweise Tiefschlaf. Aber auch Leute wie O.C., die sich mit ihrer Solokarriere zumindest halbwegs im Feld der Relevanz hielten, zehren heute nur noch von ihrem Veteranenstatus, nicht etwa von musikalisch bemerkenswerten Taten. Ein Kollabo-Album von O.C. und A.G. soll Abhilfe schaffen.

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"Oasis", so der Titel des Werks. Selbst ohne Cover ist es unschwer zu erraten, was sich hinter dieser Metapher versteckt: anti-progressives, konservatives Denken, Predigten alter Werte in einer Welt, mit der sich die D.I.T.C.-Clique nicht mehr identifizieren kann. Wer also denkt, dass hier ein Versuch gestartet wird, sich mit einem neuen Album neue Ideen und Arbeitsweisen einzuverleiben, um dem langweiligen, verstaubten Bild der eigenen Marke eine neue Facette aufzusetzen, der dachte falsch: O.C. und A.G. schlagen den einfachen Weg ein und versuchen, mit altbackenem BoomBap einen Treffer zu erzielen. Also bleibt einem nicht viel anderes übrig, als sich mit dieser Entscheidung abzufinden und herauszufinden, wie sich O.C., A.G. und die produzierenden Köpfe (vor allem E Blaze, der gut die Hälfte der Tracks beisteuert) schlagen. Und man muss eingestehen, dass es weitaus schlimmer hätte laufen können. Von einer Blamage ist man hier weit entfernt. Leider ebenso weit wie von einem bemerkenswerten oder außergewöhnlichen Album. Wie bei so vielen anderen Künstlern auch verliert sich die Scheibe in Tracks der Güteklasse "okay". Eine müde Vorstellung geben O.C. und Andre The Giant trotzdem nicht: Neben einer nicht von der Hand zu weisenden Harmonie zwischen den beiden Emcees (wobei O.C. als der beständig Bessere aus dem Album hervorgeht) ist es erfreulich zu sehen, dass bei beiden immer noch genügend Power vorhanden ist. Angreifbar wird die Performance am Mic, die alltäglichen Street-Talk und Selbstinszenierung umfasst, erst in Kombination mit den Instrumentals, die auf Dauer genau die Befürchtungen, die bei einem Album wie diesem unweigerlich aufkommen, schüren: Wo der Start noch gut gelingt, verliert sich "Oasis" schnell in Hintergrundmusik. Der Titeltrack und Opener "Oasis" profitiert noch von maximaler Hörmotivation, mit "Give It Back" und einer schönen Drumline hat der Hörer ebenfalls wenig zu kritisieren. Doch schon bei "Alpha Males" fängt die Aufmerksamkeit des Hörers zu bröckeln an. Da helfen vereinzelte großartige Metaphern und Glanzmomente der Lyrics ("Reality Is") nicht weiter, im Gesamtpaket wirkt alles zu unfokussiert. Für den Fall, dass man dem Album besondere Aufmerksamkeit schenkt, sorgen spätestens "Against The Wall", "Put It In The Box" und "Boom Bap" im Mittelteil für die endgültige Erkenntnis, dass hier nicht mehr viel passiert. Im späteren Verlauf warten mit "Two For The Money" noch Scratches von DJ Premier, ein guter Showbiz-Beat und starke Raps, während in der ersten Hälfte "Think About It" die kraftvollste Nummer ist.


Fazit:
Mehr lässt sich an dieser Stelle nicht sagen. Inzwischen fehlt mir wohl auch die Motivation, das x-te Album, das sich damit begnügt, BoomBap zu fertigen, der einerseits jegliche Anstrengungen, sich von der Masse der anderen BoomBap-Platten abzuheben oder erinnerungswerte Elemente einzubauen, ablehnt, der aber andererseits seine Sache bei weitem nicht gut genug macht, um diese Ablehnung zu rechtfertigen, in blumige Worte zu packen. Denn wenn man will, dann ist "Oasis" ein gelungenes Album, das ohne Aussetzer ins Ziel kommt und einige hörenswerte Momente mitführt. Um es aber auf den Punkt zu bringen: "Oasis" muss man nicht gehört haben.

Gesamtwertung: 6.0 / 10

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RA EL - Close Encounters Of The 4th Kind

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Release Date: Oktober 2009
Label: Hierogrammat Entertainment

Tracklist:
01. Uprising
02. First Contact
03. Night Of Intrigue
04. Matrix Warz
05. Control Agenda
06. Transit Of V3nus
07. Close Encounters Of The 4th Kind
08. Sphere Of Andromeda
09. Born Invincible
10. Love Of Art
11. Prophesies In The Violet Sky
12. War Zone
13. Dreamscape Corridor
14. Salvation



Es hat mit dem Debüt funktioniert, wieso also nicht gleich noch einmal: RA EL kreierte mit "Noir World", ob man es nun schätzt oder nicht, etwas inhaltlich Neues. Die Science-Fiction-Story als Grundlage eines Konzeptalbums bildete eine willkommene Abwechslung zu all den Standard-BoomBap-Platten. Nur ein halbes Jahr nach dem ersten Album folgt also das zweite. Alleine der Titel, eine Anlehnung an Spielberg's "Close Encounters Of The Third Kind" bzw. den Hynek-Terminus, verrät, dass sich RA EL wieder eine nette Geschichte ausgedacht hat, die in einer imaginären Zukunft spielt. Als Steigerung zu Spielberg scheint "Close Encounters Of The 4th Kind" da nur logisch.

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Doch nun etwas konkreter: Wie auf "Noir World" gibt es auch hier einige Hauptpersonen, die "Guten". Doch die Story wirkt diesmal etwas ausgereifter, schließlich wird die gesamte Erde von einer außerirdischen Macht bedroht: Unter dem Namen Dark Reign tritt diese Bedrohung im 31. Jahrhundert auf, um die Erde zu invasieren. Ob das Cover nun einen Eindruck besagter Invasion vermitteln soll, darf jeder selbst entscheiden, doch vom Cover sollte man sich sowieso nicht abschrecken lassen. Denn auch auf Seiten der Instrumentals fanden sich mit 4th Disciple, Falling Down und Ciph Barker einige interessante Persönlichkeiten ein. Zurück zum Plot: Die Dark Reign Invasion wird geleitet von einem Supercomputer, genannt Prophecy. In "First Contact" wird die gesamte Ausgangssituation dargelegt: in Flammen aufgehende Städte, Übernahme durch die Invasoren, weltweites Chaos. Als Gegengewicht entwickelt sich ein Bündnis zwischen dem amerikanischen General Pythagoras, dem russischen Kion Freejack und der japanischen Mona Lisa. Science-Fiction-Jargon findet sich noch und nöcher in RA's Raps, so verdient Mona beispielsweise ihr täglich Brot als Bio-Hunter. Nun also darf der Kampf "Gut gegen Böse" beginnen. Vielleicht sollte man an dieser Stelle erst einmal betrachten, was sich im Vergleich zum ersten Album geändert hat. Die schmackhafte Gästeliste, die beim Debüt eine größere Interessensgruppe anziehen sollte, wird diesmal aus dem Budget gestrichen, was jedoch ohne weiteres zu verschmerzen ist. RA EL ist immer noch kein Rap-Wunderkind, sein Flow ist nicht immer sauber, die Silbenzahl passt an vereinzelten Stellen ebenfalls nicht. Wer diese, im Rahmen des Erträglichen gehaltenen Macken der "Persönlichkeit" zurechnet und somit akzeptiert, der wird sich nicht weiter daran stören. Die Beats schließlich sind ähnlich gut wie auf dem Debüt und als Untermalung der Geschichte meist bestens geeignet. Nun zum Handlungsverlauf: "Night Of Intrigue" und "Matrix Warz" liefern das Vorgeplänkel in einer Erdstation von Dark Reign. Ganz nebenbei: Dass die Erdbevölkerung von der DR-Miliz via Implantaten versklavt wird, offenbart zusammen mit der Verwendung mehrerer Ghost-In-The-Shell-Samples eine von RA's Inspirationsquellen. Schließlich erfolgt eine Teleportation ins Mutterschiff (genannt Darkone Castle), wo weitere Kämpfe ausgetragen werden, die zum augenscheinlichen Tod Mona Lisa's führen. Damit offenbart sich im Titeltrack auch, was mit "Close Encounters Of The 4th Kind" gemeint ist: Anstatt zu sterben, wird sie von einer zuerst unbekannten Instanz in den Andromeda-Nebel befördert ("Transit Of V3nus"), wo höhere Wesen ihr den Schlüssel zur Zerstörung des Prophecy-Computers in die Hände legen ("Sphere Of Andromeda"). 4th Disciple's Produktion im Titeltrack ist ein schlichtes, aber nachhaltiges Juwel, das auch den Hörspaß nicht zu kurz kommen lässt. Es folgen einige Tracks, die die Handlung ruhen lassen. Hier sticht vor allem "Prophesies In The Violet Sky" hervor, erneut ein herausragendes Instrumental, das außerdem perfekt zum hektischen Flow von RA EL passt. In "War Zone" geht es schließlich weiter: Pythagoras und Freejack schlagen sich emsig im Mutterschiff mit dem fiesen Gesindel der Gegenpartei herum, als Mona wieder auftaucht und die Entscheidung bringt. Doch - zu früh grefreut - im "Dreamscape Corridor" - einer weiteren Top-Produktion von 4th Disciple - muss noch der Gestalt annehmende Prophecy-Computer ausgeschaltet werden. Ist auch das geschafft, erfolgt mit "Salvation" das Happy End:

"We made it through the dark storm, the war's over as the night dawn
Soldiers stand at ease and calm
Return to their families, after casualties, enemies
Slaves set free, celebrate freedom and victory
[...]
Pythagoras kisses his wife, holds his daughter, as they walk in the park
"


Fazit:
Bevor man dieses Albun anrührt, sollte man sicherstellen, dass man sich mit dem Emcee RA EL und seiner Art anfreunden kann. Falls ja, wird man mit dem Sophomore des Rappers aus Queens einige schöne Momente verbringen können. Einmal abgesehen von dem starken Statement, das 4th Disciple hier abgibt, sind viele der Beats zwar nicht herausragend, passen dafür jedoch umso mehr ins Gesamtbild. Es fällt (wie beim ersten Album) schwer, der Story zu folgen, doch wie schon auf "Noir World" ist das nicht zwingend notwendig. "Close Encounters Of The 4th Kind" ist ein nettes Werk, das etwas abseits der Norm spielt und dem man ohne Bedenken eine Chance geben darf. Ob dem ganzen Konzept, falls es denn noch einem weiteren Album als Grundlage dienen sollte, jemals höhere Wertungen entspringen, ist allerdings stark in Zweifel zu ziehen.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

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Critical Madness - Organ Donors

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Release Date: September 2009
Label: Domination Recordings

Tracklist:
01. Organ Donors
02. Empirical (TzarizM ReMIX)
03. Life Is Horror
04. Boom (Nowhere to Hide) (Feat. IDE, Jise, Alucard, UG & TzarizM)
05. Go Harder (Feat. Little Vic)
06. FL. To T-Dot (Feat. Doc Demeyez)
07. Remember (Monowax Remix)
08. Versatility (Feat. J.Bada)
09. CM Anthem
10. Sorry Sugar
11. Issues
12. Halftime Show Promo
13. Madness Freestyle
14. Pasta Eaters (Feat. Little Vic)
15. Chug A 5th
16. Blessed With Sin (Feat. Little Vic)
17. Red Handed
18. Hail To The Fetus
19. Gambling
20. Nothing's Changed (Feat. Mygrane McNastee)
21. Massacre Mics (Original Version)
22. Big Fish (Feat. Caveman Theory)
23. Every Night



Der enge Kreis, der Creative Juices vor kurzem noch war, scheint langsam aufzubrechen: Zuerst zeichnen sich einige namhafte Features ab, nun deutet sich eine leichte Expansion an: Für Critical Madness bedeutet das eine Zusammenarbeit mit Domination Recordings. In diesem Zuge steht auch das erste offizielle Gruppenalbum, "Bringing Out The Dead", in greifbarer Nähe. Davor gibt es jedoch noch ein Schmankerl für alle Freunde von Free Downloads: In einem 23 Tracks starken Mixtape namens "Organ Donors" werden bisher unveröffentlichte Tracks etc. zusammengefasst und dem Hörer vorgesetzt.

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Ein Mixtape, bei dem keine Rücksicht auf Ausgeglichenheit genommen wird und bei dem es auch nicht jedem recht gemacht wird: "Organ Donors" gibt 75 Minuten lang Vollgas und hinterlässt eine von Battle-Rap und wuchtigen Beats verschuldete Schneise. Zur Seite stehen den beiden Emcees dabei Langzeitkumpel TzarizM, ebenso wie einige andere Kollegen, von denen Tempermental noch die meisten Einsätze verzeichnet. Wer Critical Madness bereits kennt, oder wer auch nur zum Beispiel mit Critical's letztjährigem Solo vertraut ist, der weiß, dass CM im Vergleich zu den anderen Creative Juices-Heads eher die Herren fürs Grobe sind: Die ausgeklügelt düster-dramatischen Kompositionen sind nicht ihr Metier, weswegen die bisherigen Releases auch nicht mit denen der Kollegen mithalten konnten. Ob sich das mit "Bringing Out The Dead" ändert, sei mal dahingestellt, doch wie hier in den ersten Songs in die Vollen gegangen wird, schickt einem unter Umständen die Kinnlade gen Süden. Im Sinne des Mixtape-Charakters mixt Prolific alles schön zusammen und macht die ersten Minuten zu einem einzigen Feuerwerk. Wo sich das Intro noch in gesampelten Wortfetzen aufwärmt, rücken der Hörerschaft im Tzar-Remix zu "Empirical" bereits pumpende Drums und dichte Streicher-Arrangements zu Leibe, während es von CM saftige Battle-Raps setzt, die wie nichts anderes an diese Stelle passen, auf dass nur noch zu sagen bleibt: "CM, bitch!" Noch ganz im Erstaunen darüber, wie die ersten Zweifel im Streich genommen wurden, wird nachgelegt: "Life Is Horror" ist das Motto, unter dem der Franzose Al'Tarba seine munter weiterknüppelnden Drums in die Schlacht wirft - wer Tarba kennt, der darf sich auf eine seiner besten Arbeiten freuen. Wem das noch nicht reicht, der darf sich mit "Boom" den alles wegschwemmenden Rest geben. Ein Posse-Track erster Güteklasse treibt über eine weitere Großtat von Tzar die komplette CJM-Bande (mal abgesehen von Savage Messiah) in die Manege und dem Fan die Tränen in die Augen: Vom wütenden IDE über den gewandten Alucard bis zum stimmgewaltigen Dwella UG ist alles dabei. Kein Wunder, dass dieser Song auch auf Alucard's re-releastem Album auftaucht. "We make bangers with no hooks" heißt es direkt im Anschluss - denn vorbei ist die Show noch lange nicht. Ohne Zweifel schleichen sich in der restlichen, ausgedehnten Spielzeit einige Filler ein, doch geboten wird mehr als genug. "Remember" serviert im Monowax Remix relaxte Sommermusik, während in der "Halftime Show Promo" wieder die Sau rausgelassen wird. Aussetzer gibt es keine, lediglich "Red Handed" entpuppt sich als anstrengend. Während sich im hinteren Teil die Hochkaräter lichten, schaffen es die deutschen Hitfarmers trotzdem, nochmal Akzente zu setzen: "Pasta Eaters" mit Little Vic lebt beanstandungslosen BoomBap bis in die letzte Sekunde. Nebst einigen weiteren Songs zum Zurücklehnen ("Issues") sei nochmals zum ersten Teil zurückgekehrt, der noch nicht voll ausgeschöpft wurde, denn "Go Harder" und "Versatility" ziehen mit ähnlicher Intensität wie die Opener aus den Boxen.


Fazit:
Es ist verständlich, bei kostenlosem Material vorsichtig zu sein, beziehungsweise bei der übermäßigen Fülle einen Großteil einfach zu übergehen. Doch gerade deshalb sei an dieser Stelle explizit auf dieses Werk hingewiesen, das zwar keinen Albumcharakter entwickelt, diesen aber auch gar nicht tragen möchte und vielmehr durch die Unbeschwertheit der hintereinander aufgereihten Battle-Sausen besticht. Die Qualität einiger (sogar überraschend vieler) Songs übersteigt dabei das Niveau, das viele Alben innehaben, bei weitem. Sollte wirklich der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Critical Madness ihr nächstes Album mit solchen Songs ausstopfen, dann ist Vorfreude angesagt. Doch bis dahin darf man sich darüber freuen, dass mit "Organ Donors" der Sinn eines kostenlosen Mixtapes punktgenau getroffen wurde. Genau für diesen Umstand werden auch großzügige 3,5 Kronen vergeben.

Gesamtwertung: 6.5 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame