Samstag, 6. Dezember 2008

Alucard - Watch Them Fall

WRITTEN FOR HipHop-Jam


Release-Date: 28. Oktober 2008
Label: Creative Juices Music

Tracklist:
01. Intro - (feat. DJ Jedi)
02. Stealth Bomber - (feat. DJ Jedi)
03. We The Ones - (feat. IDE)
04. Rainy Soul - (feat. Destruments)
05. Poison Tester
06. Utopias
07. Oh No
08. Walk In The Park - (feat. IDE & Midaz)
09. Life Threatening Interlude - (feat. DJ Jedi)
10. Vendetta
11. What They Gone Say - (feat. L.I.F.E. Long)
12. Poetry In Motion
13. Clear Face Mask - (feat. IDE & Critical)
14. Full Of Hate
15. Octane - (feat. Savkillz, L.I.F.E. Long & IDE)
16. Dream Of Life - (feat. Savage Messiah & L.I.F.E. Long)
17. Dont Get - (feat. IDE)
18. Best Of Short Cuts 1-3
19. Altitude - (feat. Savage Messiah)
20. Order Of The Dragon - (feat. Deep, L.I.F.E. Long, Relz & IDE)
21. Ditmas - (feat. IDE)
22. Daisy Cutters
23. Smiley Face Killers - (feat. Jise)



In Zeiten, in denen die Ostküste immer noch im Dauertief feststeckt und hin- und hergerissen ist zwischen Aufspringen auf den Zug des Einheitssounds oder Sichtreubleiben, was meist trotzdem in unspektakulären Alben resultiert, muss sich der Underground-Fan in seine letzten Rückzugsgebiete verkriechen. Ein solches ist Creative Juices, ein Label, das in New York beheimatet ist. Eines der Gründungsmitglieder wiederum ist Alucard, der schon seit über zehn Jahren im Geschäft mitmischt, bis zum heutigen Tag jedoch noch kein einziges Release vorzuweisen hat. Grund genug, einige Tracks der letzten Jahre zusammenzukehren und sie auf eine CD zu packen. Was ursprünglich als Mixtape geplant war, heißt nun "Watch Them Fall" und gilt als vollwertiges Album.

WRITTEN FOR HipHop-Jam

Auf dem Cover ein Junge, der einem Engel, welchem er augenscheinlich die Flügel ausgerissen hat, beim Sturz aus den Wolken zusieht. Was will man eigentlich mehr? Neben der Tatsache, dass hier ein weiterer Bewerber für das beste Cover des Jahres vorliegt, erscheint die Scheibe nur im SlimCase-Format. Das schmälert zwar die ersten Freudeneindrücke, ändert jeodch und natürlich nichts an der Musik selbst. "Some of the rawest Boom Bap Hip Hop has ever heard", so heißt es. Große Töne also, die schon so viele Alben für sich beanspruchten, dass man es hier auch wieder mit einem 0815-Werk zu tun haben könnte. Doch um eines vorwegzunehmen: "Watch Them Fall" ist alles andere als gewöhnlich. Alucard übergießt den Hörer mit einem komplexen Wortfluss, der sich vor nichts und niemandem verstecken muss. Die Produktion verspricht, angeführt von IDE, allerfeinsten CJM-Sound. Und was soll man da mehr sagen? Was hier auf den Hörer losgelassen wird, ist Kunst. Sobald im Intro, langsam aber sicher, losgelegt wird, springt die Platte auf ein Grundniveau, auf dem bei anderen Alben die Highlights sitzen. Der Opener "Stealth Bomber" macht sich innerhalb nur einer Minute kraftvoll Platz, um die Hörerschaft mit Tracks wie dem tiefschwarz-düsteren "We The Ones" oder dem vielschichtig-überragenden Kopfnicker "Poison Tester" zu überziehen. Desweiteren stehen im Programm: knochenbrechende Drums mit perfekt passenden Samples wie in "Full Of Hate" und gut gesetzte Streicher, die vom verhältnismäßig ruhigen "Don't Get" bis zum bedrohlichen "Order Of The Dragon" reichen, welches zudem noch von einem bestens aufgelegten L.I.F.E. Long zerlegt wird. Der "Walk In The Park" mutet vielmehr wie eine professionell inszenierte Geisterbahnfahrt an, die in puncto Düsternis von "Vendetta" noch übetroffen wird, in dem Alucard gemäß dem Titel eine blutige Spur hinterlässt. Doch damit nicht genug. Die 2 Hungry Brothers bemühen unheilvoll schallende Trompeten für das "Life Threatening Interlude", in dem DJ Jedi knappe drei Minuten lang die Hörer an die unschönen Dinge des Lebens erinnert und dabei zwischen "Anal Rape", Treibsand, Killerbienen, Pech, unpassenden Schuhen, Sonnenbrand, der Erderwärmung, Vergiftung des Leitungswassers, dem nuklearen Winter und dem Zorn Gottes wenig auslässt. Als kleiner ironischer Fingerzeig wohl eines der besten Interludes des Jahres. Sogar die "Short Cuts" sind, jedes der drei für sich, kleine Juwelen, wobei man sich vor allem beim ersten fragen muss, wieso solch eine Brillianz nicht länger als eine Minute bekommt. Und unter all diesen erwähnenswerten Anspielpunkten fehlt noch der vielleicht Beste. "Poetry In Motion" bekommt von IDE einen Beat verpasst, der, in Worte gefasst, für sich schon ein eigenes Kunstwerk darstellt und nicht weniger als überwältigend ist.


Fazit:
In einer Zeit, in der viele Künstler auf höchstens ein Dutzend Tracks setzen und es schon dabei nicht auf die Reihe bringen, konstant gute Ware zu bieten, knallt einem Alucard 23 Songs vor den Latz, die es in sich haben. Dieses Album ist der Prototyp eines zu wenig beachteten Underground-Werks. Auch dem Label-Namen macht es alle Ehre, denn hier fließen die Creative Juices im Überfluss. Wer bezüglich des Compilation-Charakters, den eine Zusammenstellung aus so vielen Jahren mit sich bringen könnte, Bedenken hat, dem kann ebenfalls Entwarnung gegeben werden - Alucard tat um die Jahrtausendwende das, was er auch heute tut. Wer sich "Watch Them Fall" entgehen lässt, der ist selbst schuld, denn hier hat man es wohl mit dem besten Release des Jahres 2008 zu tun.

Gesamtwertung: 9.0 / 10

WRITTEN FOR HipHop-Jam

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