Sonntag, 27. April 2008

Braille - The IV Edition

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 15. April 2008
Label: Snytax Records / hiphopismusic

Tracklist:
01. Beautiful Humanity
02. Submission Hold
03. Calculated Risk - (Feat. Mr. J Medeiros & Manchild)
04. The IV - (Feat. Rob Swift)
05. Main Squeeze
06. Remember Your Path - (Feat. Rob Swift)
07. Constantly Growing - (Feat. Speech, Surreal & Sojourn)
08. Blessed Man
09. Many Stories - (Feat. Barry Hampton)
10. Raise The Dead - (Feat. Poems)
11. Double Dose
12. Counter Attack - (Feat. Theory Hazit & DJ Idull)
13. Mental Guards (Snitch Blade)
14. Get It Right - (Feat. Ragen Fykes)
15. Restless
16. The Cure
17. ADDvice - (Feat. DJ Bombay)



Braille gehört mittlerweile zu den heißesten Empfehlungen, die man im Bereich der Westküste, und auch allgemein im US-HipHop, von einem Backpacker zum anderen weitergibt. "hiphopismusic" als Label für die ursprüngliche Crew Lightheaded, in der neben Braille noch Ohmega Watts und Othello zu finden sind, ist inzwischen ein Zuhause für diversen guten HipHop geworden und unterstreicht Braille's Status noch. 2008 kehrt er mit seinem vierten Album zurück, das den passenden Titel "The IV Edition" trägt und (auch) als Zurschaustellung von Braille's beträchtlichen Connections verstanden werden kann.

Denn Braille lädt sich auf 17 Tracks 17 verschiedene Producer ein, die dann auch noch alles andere als No-Names sind. Ohmega Watts aus dem eigenen Camp, Shuko, der als einer der wenigen Deutschen auch in den Staaten höchstgefragt ist, und viele weitere, die noch Erwähnung finden werden. "The IV" selbst ist natürlich nicht nur der Hinweis an den Hörer, das wievielte Album von Braille er gerade hört. Im Booklet erklärt Braille die vier luftigen Bedeutungen seines Albumtitels, die neben der Lösung von sozialen Problemen noch "International Vision" und eine Parallele zur Bibel und Jesus' Tod am Kreuz zur Vergebung der Sünden der Menschheit anbieten. Wer das definitiv gelungene Design lange genug bestaunt hat und sich mit der Musik beschäftigt, der wird in "Beautiful Humanity" von einem Beat von Ohmega Watts begrüßt. "Different cultures and nationalities / I love the variety, you be you and I be me / We need more humanity / Why does racism still exist? Stop walkin' blindly".

Nach diesem gelungenen Intro, das von einigen Shoutouts aus Europa beendet wird, geleitet uns nun Shuko in den nächsten Track, der den Anstrich eines typischen Westcoast-Kopfnickers bekommt und sich "Submission Hold" nennt. Wie bei so vielen Alben ist der jetzt gewonnene Eindruck für den Rest des Abums gültig: solide. "Calculated Risk" gehört da mit einem nach vorne preschenden Beat, der im Chorus einen Sample-Salat serviert, zu den Ausbrüchen nach oben. Ein hier zu hörendes Nas-Sample bildet die Überleitung zum nächsten Track, auf dem ebenfalls Herr Nas gesampled wird.

Der Beat stammt diesmal von Marco Polo, inzwischen Mitglied der Standard-Produzentenriege im gehobenen Underground. Dass der Titeltrack "The IV Edition" nichtsdestotrotz ein wunderbarer Kracher und der beste Track der Scheibe ist, beweist auch, wieso Marco Polo so gefragt ist. "You didn't know you could the IV, did you? / The solution to the social issues is you / It's me too, if you, have the ability / To respond, then it's your responsibility / Excuses are useless, the truth is, it takes more than music / To bring forth improvement to this". Wenn dann noch Rob Swift die Scratches beisteuert, kann sowieso wenig schiefgehen. Und wenn Braille fragt: "Are you my Main Squeeze?", geht das schwer in Ordnung, auch wenn die Hook nach vermehrtem Hören zu nerven beginnt.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Ein Fingerzeig namens "Remember Your Path" ist da weit weniger aufregend, zumal die Thematik von sämtlichen Titelanwärtern der HipHop-Zurückbringer-Olypmpiade schon bis aufs Knochenmark zerkaut wurde. Sehr mittelmäßig ist ebenfalls das von DJ Spinna zusammengebaute "Constantly Growing", woran auch dreifacher Gastbesuch nichts ändert. Wieder völlig verschiedenen Sound erwartet den Hörer, wenn er bei "Blessed Man" landet, das von Symbolic One aus dem fernen Texas, Mitglied des Strangr Fruit Project, mit viel Soul versehen wurde und ausgezeichnet zu Braille's Raps passt. Die Befürchtung, hier möge bei so vielen Producern ein unharmonisches Gesamtwerk entstehen, erweist sich bereits hier als unbegründet. Dass Braille damit allerdings doch nicht die optimale Wahl getroffen hat, wird noch angesprochen. Doch nun findet man sich erst beim wohl persönlichsten Song des Albums: "Many Stories". Der ebenfalls aus Portland stammende Barry Hampton steuert Beat als auch Vocals bei (wobei sich inzwischen bei allen auch nur entfernt ähnlich klingenden Artists, so wie hier der Fall, die Bezeichnung "Christ Martin"-Verschnitt, aufdrängt), während Braille über die Komplikationen bei der Geburt seiner Tochter sowie den plötzlichen Tod seines Vaters erzählt.

Das sich anschließende "Raise The Dead" kann da sowohl inhaltlich als auch atmosphärisch nicht anknüpfen und verbleibt bei einem weiteren "solide". Doch im Anschluss hebt sich das Niveau wieder, nämlich mit "Double Dose" - und schon wieder einem Beat aus Deutschland - hier von Mr. Mar von den Stieber Twins. Zu dem äußerst fidelen Piano gesellen sich ein paar unterhaltsame Punchlines von Braille. Für Oh No-Verhältnisse ist "Counter Attack" alles andere als ein Glanzstück; und so gehört der Track auch auf diesem Album nicht zur besseren Hälfte.Äquivalent dazu zieht "Mental Guards", trotz interessanter Paranoia-Thematik, schnell vorbei. Die wenig(er) glorreiche zweite Hälfte schreitet voran und kommt wieder auf Produzenten zurück, die Arbeit unter ihrem Standard abliefern. Gemeint ist diesmal KNO, für Corny-Riegel werbender Produzent der CunninLynguists, der im Piano-überfüllten "Get It Right" seinen Beitrag zum Album leistet. Ob einem die sehr christlich angehauchte Aufforderung zur Ablehnung aller Versuchungen (Vater Unser lässt grüßen) gefällt, bleibt jedem selbst überlassen, mir persönlich trägt Braille hier ein bisschen dick auf.

Mit M-Phazes muss leider noch ein Producer genannt werden, der schon wesentlich Besseres von sich gegeben hat. Das sehr ruhige "Restless", das von Braille's Unermüdlichkeit (mit gefolgter Übermüdung) im Bezug auf die Schaffensphase dieses Albums berichtet, verstärkt den Wunsch nach einem zum Schluss nochmals aufgefahrenen Brett eines Songs. Doch der bleibt aus und findet sich sicher auch nicht in "The Cure", dem eigentlichen Outro des Albums, dessen Beat von Panacea's K-Murdock stammt. Der Bonus Track ist eine typische und unspektakuläre Produktion von J-Zone mit dem Titel "ADDvice", die Braille jedoch sehr fein abschließt: "And to all the critics: you ain't gotta get us a perfect score. On a scale from 1 to 5, maybe call it a 4... you know, cause it's IV, I mean it would be appropriate, it's kinda like, you'd be givin' in to the word play, you know. Plus it gives me room to keep growin. You think it's lower? I mean that's on you. I ain't gon' argue, everybody's got their own opinion... It's been a long journey up to this point. Hope you enjoyed the record. If you really enjoyed it, I hope you found an opportunity to buy a copy. If not it's cool, it my pleasure... to share it with you".


Im Fazit muss wohl kein Wort über Braille's Rapkünste oder seine Texte verloren werden, denn die sind erwartungsgemäß gut bis sehr gut. Was jedoch definitiv besser gemacht hätte werden können, sind die Produktionen. Hier vermisst man doch bei dem ein oder anderen Gast die Power, weswegen sich Braille wohl besser auf wenige Producer beschränkt hätte. Dass er sich selbst nur 4 von 5 Kronen für sein Album wünscht, zeigt zumindest, dass er keineswegs an einem zu großen Ego leidet, womit er im Rap-Game wahrscheinlich ziemlich alleine dastehen wird. "The IV Edition" ist ein gutes Album für zwischendurch - und wer sich das Album wirklich kauft, darf sich auf ein starkes Booklet mit Kommentar zu jedem einzelnen Song freuen. Braille's Wunschwertung wird jedoch knapp nicht erreicht.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

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9th Prince - Prince Of New York

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 04. März 2008
Label: Armyourself Ent.

Tracklist:
01. Intro
02. The Writer
03. Sniper Challengers - (Feat. Islord)
04. Ain't Promised Tomorrow - (Feat. Tommy Whispers)
05. Vandalism - (Feat. Tekitha)
06. Banned From The Radio
07. Never Front - (Feat. Beretta 9)
08. Prince Of New York
09. Street Pharmacists - (Feat. Trife Da God, Tommy Whispers & Paradox)
10. Fan Voicemail (Skit)
11. Bottomline - (Feat. Tash Mahogany)
12. Tell A Friend



Auch wenn die Freude nach einem halben Jahr Verspätung leicht gedämpft ist: wenn 9th Prince, Bruder von RZA und signifikantes Mitglied der Killarmy, sein neues Album auf den Tisch legt, dann hat der Eastcoast-Fan Grund zur Freude. Früher zumindest war der militante Ableger des Wu-Tang Clans ein Garant für hochqualitativen, düsteren Rap. Nach 9th's erstem Soloalbum, "Granddaddy Flow", wurde es jedoch weitestgehend ruhig, wenn man mal von Dom P's eigentlich keiner Erwähnung werten Mixtape- und Streetalben-Flut absieht. 9th Prince, der momentan hinter schwedischen Gardinen sitzt, steht also nun, nach dem "Prince Of The City"-Mixtape, mit seinem zweiten Solo-Album (das jedoch eigentlich irgendwo zwischen "Streetalbum" und "Album" schwebt) in den Startlöchern, "Prince Of New York".

Cover gefällt. Tracklist auch, denn da finden sich fast ausschließlich Wu-Fam-ler, von TMF bis zur Killarmy. Auf den ersten Blick fällt auch nicht auf, dass hier nicht alles brandneues Material ist. Was die Producer betrifft, so mag man schmerzlich Namen wie RZA, 4th Disciple, True Master oder Falling Down vermissen, sollte jedoch deshalb nicht gleich auf einen kompletten Kuttenwechsel des neunten Prinzen schließen. Nach einem kurzen Intro geht es nämlich mit "The Writer" los; und hier zeigt 9th gleich mal, was er so von anderem als dem bis jetzt auch praktiziertem Sound hält: nichts. Einer der drei Schneider, die hier seitens der Beats für ihn tätig sind, nämlich Gooch, zimmert ein solides Gerüst aus altbekannten Drumstrukturen, Piano und Streichern - und trotzdem ist das Outcome herrlich.

9th's Flow ist zwar nicht mehr so dreckig wie noch vor zehn Jahren, jedoch ist die Stimme immer noch einmalig genug, um 9th Prince in der oberen Rap-Liga mitspielen zu lassen. Und wem das ganze zu ruhig ist, weil er von der Killarmy anderes gewohnt ist, der braucht nur bis zum nächsten Track zu warten. "Sniper Challengers" ist produziert von Monster alias Alexander The Great und lässt in Sachen Härtegrad wenige Wünsche übrig. Hier fliegen wieder die Fetzen, blecherne Hörner rufen einen Flashback hervor, der mich spontan meinen Army Suit und meine Phat Black Boots aus der Schublade auspacken lässt. Während zusammen mit Islord klargestellt wird: "Killarmy - We never left! We never went nowhere, we still here", machen hier auch die restlichen Raps einiges her, wie von 9th Prince: "Aiyo, Staten Islanders, rhyme challengers, carry silencers / I spit like the snipers, right through the shot / Martin Luther King off the banister, lyrical dillinger / Told you battle cats, the contender / I'm a terrorist, not like P.R., but more like Pablo Escobar".

Doch generell stellen solche urbanen Schlachtzüge die Minderheit der Songs dieses Albums - 9th Prince hat sich schon lange die Veteranenmedaille verdient, weshalb in Songs wie "Ain't Promised Tomorrow" weniger geschossen wird. Die hier ausgewälzten Ausführungen über das harte Leben ("Life is a gamble, we scramble for dollars") bewegen einen zwar inhaltlich zu keinem müden Gähnen, doch solange sie von Saddam 9th Prizm oder hier auch Most Feared, No Smiles/Tommy Whispers stammen, stört das nicht.

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"Vandalism" fährt wieder etwas kräftigere Drums auf, bekommt mit Wu-Tang-Hausvokalistin Tekitha einen weiteren hörenswerten Aspekt versetzt und ist gleichzeitig die Vorstellung des dritten hier zu Werke gehenden Produzenten, nämlich Freedom, einem alten Bekannten aus den "Granddaddy Flow"-Tagen. Mit seiner erstaunlichen Gabe, mit vielen Worten wenig auszusagen und trotzdem interessant zu klingen, erinnert er in diesem Song durch den ihm eigenen "kontrollierten Stolper-Flow" an frühere Zeiten: "9th Prince, wisdom is like a poisonous virus venom / Bionic venom attack the minds of the victims / Intimate portrait of a killer blood spiller, illa rhyme spitter / Verbal holocaust, The unexplained by Prince Hitler / My sword is a tongue used to unhung the young, Third rock from the sun / Shocks run through your body from the veins of my verbal stun gun". Aber hallo, bei so viel wunderbar komplexem Schwachsinn, als Abwechslung zu monotoner Langeweile bei anderen Artists, läuten die Glocken - und nicht nur die Wu-Fans sind überglücklich.

Der folgende Track ist aufgrund eines Shoutouts an ebenjenen unschwer Alexander The Great zuzuschreiben, der hier eine Staten Island-Hymne fertigt, wie sie besser nicht zu 9th Prince gepasst hätte. "Banned From The Radio" hat zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, klingt jedoch immer noch nach frischerer Ostküste als bei (fast) sämtlichen anderen auf der Stelle tretenden Eastcoastrepresentern. Das zugehörige Video erinnert mit vollgepackter Ghetto-Euphorie sogar an "Feel It". Eine Wand aus Bläsern lädt ein zu "Never Front", wo neben dem Guestspot des zweiten Neuners der Killarmy wieder der Wechsel in härtere Gefilde durchzogen wird. Ganz nach dem bisherigen Schema empfängt uns der Titeltrack dann wieder ruhiger, wobei, wie im Übrigen auf vielen Tracks des Albums, ein Film-Sample als Einleitung dient. Kurz gesagt, "Prince Of New York" ist ein weiterer exzellenter Baustein, der sich auch auf dem Debütalbum hätte finden können.

Ob es wirklich gesundheitsfördernd ist, sich von den selbst ausgerufenen "Street Pharmacists" ein Rezept verschreiben zu lassen, bleibt fraglich. Hilfreich höchstens gegen Mangel an gutem HipHop. Nebenwirkungen: Knochenbrüche und sonstige Blessuren durch messerscharfe Punchlines. Doch um diesen zweifelsohne guten Song nicht zu hoch zu loben: er gehört nicht mal zur besseren Hälfte des Albums. Nach dem "Fan Voicemail" folgt das bereits bekannte "The Bottomline", für das als Producer William Cooper, Mitglied der Black Market Militia, vorbeischneit und dem Prinzen eine ruppige Matte unter die Füße schiebt, auf die sich im Chorus auch noch Tash Mahogany mit ihren Vocals stellt. "This is the bottomline, we live the life of righteous crimes / Snake niggas drop a dime, fake industry cats is out of time / The Granddaddy Flow is in it's prime, bust guns like Tech 9's". Mit zwölf Anspielstationen, wobei zwei davon Intro bzw. Interlude sind, ist dieses Album recht kurz geraten. So bildet "Tell A Friend" schon die rote Laterne des Albums, die von Gooch hauptsächlich mit Streichern ausgeschmückt wird. An dem Song gibt es auch wenig auszusetzen, bis auf eine Sache: Wenn es gerade erst ein Jahr her ist, dass ein Kollege, der zu allem Überflüss ebenfalls aus der Wu-Fam stammt, sich des gleichen Samples bedient hat, dann sollte man doch erstmal die Finger davon lassen (gemeint ist Bronze Nazareth's Beat zu Hell Razah's "Millenium Warfare").



Fazit:
Mit weniger als 40 Minuten Spielzeit hat man ein schnelles Ende, was Patzer um so gravierender macht. Glücklicherweise kann 9th Prince da, wo der Puerto Rican Terrorist kläglich versagt hat, das Level der Killarmy Gruppen-Alben fast konstant weiterführen (und patzt nicht). Genau da liegt auch der Unterschied zwischen 9th Prince und sämtlichen Spittern der Justus League, den Termanologys unserer Zeit, eigentlich fast allen heutigen Eastcoast Acts. Was 9th Prince hier ganz routiniert praktiziert ist der klassische Eastcoast-Sound, ganz ohne Schnörkel, ohne die typischen BoomBap-Köche des Hier und Jetzt und auch ohne Gefahr zu laufen, sich den Abklatsch-der-besseren-Zeiten-Anschuldigungen unterziehen zu müssen. Denn "Prince Of New York" klingt so, als wäre Anfang des neuen Milleniums die Zeit angehalten worden. Alle, die problemlos damit leben können, sollten hier zugreifen. Jeder, der mit den Killarmy-Alben etwas anfangen konnte, darf hier auch zugreifen. Denn so etwas gibt es heutzutage nicht mehr all zu oft. Trotzdem verhindert dieser Umstand der Zeitentrücktheit eine 4,5er-Wertung.

Gesamtwertung: 8.2 / 10

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Mittwoch, 9. April 2008

Foul Mouth Jerk - Streetlight Music

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 22. April 2008
Label: Miner League Records

Tracklist:
01. Streetlight Music
02. The Jerks Theme
03. NJ Transit - (Feat. El Da Sensei)
04. Small Town USA - (Feat. Masta Ace)
05. Tryin To Eat
06. One Room Shack
07. Neighborhood Drug Dealer
08. Day One - (Feat. Grandmaster Caz & TopR)
09. The Decider
10. Culture Of Life (Jesus Doesn't Give A Shit)
11. Played Out
12. Lost In The Sauce - (Feat. Breez Evahflowin)
13. Mr. Green - (Feat. Hardy Cooper)
14. Take The Money And Run - (Feat. Tao Principle)
15. The Hard Part (Remix) - (Feat. Murs & Gus McGuillicutty)
16. Monopoly (Remix)



Was sich hinter den unterschiedlichsten Namen, die das Rap-Game in seiner vollen Bestanddauer hervorgebracht hat, verbirgt, mag viele Gründe haben. Der erste, der sich einem bei "Foul Mouth Jerk" aufdrängt, begründet sich ganz einfach durch die Tatsache, dass man hier zweimal hinschauen wird. Dieser zweite Blick wird einem dann eröffnen, dass dieser Kerl kein Frischling ist, sondern sein hier vorliegendes Produkt zu drei bereits veröffentlichten Alben ins Regal stellen kann. Das neue Album trägt den Titel "Streetlight Music", also eine Hommage an die alten Tage, die uns hier vom aus New Jersey stammenden Jerk angeboten wird. Und da sollte es auch schon klingeln, denn solche Töne schreibt sich 2008 jedes zweite Eastcoast-Release in seine Pressemitteilung. Diese Review ist dazu da, um sämtliche Leser davor zu bewahren dieses Album vorzeitig abzuschreiben.

Unterstützung bekommt FMJ im ersten, sowie auch einigen weiteren Tracks der Scheibe, von DJ Notik an den 1's & 2's, sowie Waxwerkz als Producer. So ist das Intro, "Streetlight Music", auch reich an Scratches und Cuts, während der Protagonist fast nur die zweite Geige spielt. Was sich dem Hörer jedoch eröffnet, ist FMJ's gut ausgebildetes Reimtalent und eine Stimme, die auch auf Albumlänge vertretbar ist. Ein schwer anrumpelndes und von A-List produziertes "Jerk's Theme" dient als Hymne auf FMJ selbst: "They call me Dirty Harry, cause I'm dirty and hairy / Ain't got love for noone but my personal family / [...] / Goin' to hell, but I'm doin' it well / Foul Mouth, with a couple screws loose in the shell".

So weit, so gut; damit sind wir bei dem ersten der auf dem Album vertretenen hochkarätigen Gästen - und El Da Sensei passt als Nachbar auch sehr gut hierher. Der Song selbst, den Titel "NJ Transit" tragend und dementsprechend auch dem New Jerusalem gewidmet, klingt jedoch weniger nach Großstadtdschungel, als viel mehr nach einem Flecken Erde irgendwo in Kentucky. Damit hätten wir uns jedoch auch gleich schon vom typischen 0815-BoomBap-Album verabschiedet und es gegen den ersten dicken Song des Albums eingetauscht. "Come home and chill, smoke a L with Sensei".

Nun zur Vorab-Single des Albums, die bereits auf unzähligen Websites zu hören war: "Small Town, USA", die Würdigung kleiner Käffer, in denen die HipHop-Heads nur herauskommen, wenn FMJ und Ace in der Stadt sind. Denn genau zweiterer ist hier Gast; und neben einer nicht zu leugnenden Zugpferdwirkung ist dieser Song, auch wegen Ace, einfach nur gelungen: Brycon's Mischung aus Bläsern und Sample schneidert dem Titel den perfekten Sound auf den Leib, eine einprägsame Hook und starke Rhymes erledigen den Rest: "Met this girl and her name was Nola / From a small town in Minnesota / Everybody said it was a bullshit town / But this hick town knew how to get down / The club was packed, it was crazy live / It felt like the Square back in '85 / Who would have thought this little speck on the map / Would have so much love and respect for Rap / You see, cats don't know, they think the pace too slow / But small lil' towns be the place to go". Auch wenn das Album definitiv keines der Alben ist, die mit einem Hit glänzen und sonst für die Tonne sind - dieser Song ist das absolute Highlight der Scheibe.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Da es bisher sehr schön funktioniert hat, wird auch auf "Tryin' To Eat" der sehr Sample-lastige Style fortgesetzt, während man sich zudem über ein Wiedersehen mit Waxwerkz und Notik freuen kann. Die inhaltlich kompakt und solide präsentierte Hustle-Story ist natürlich nichts Neues, verträgt sich jedoch sehr gut mit dem Beat. Im Anschluss stellt uns Jerk seine "One Room Shack"-Bruchbude vor: neben "some mysterious shit growin inside my fridge / This probably couldn't be identified by a scientist" erwarten einen viel Müll, ein verstaubter TV, ein mit Viren verseuchter PC, mehr Müll, keine Heizung, keine Dusche, ein deswegen ungewaschener Foul Mouth Jerk, weiterer Unrat und zu guter Letzt noch ein unfreundlicher Hund.

Die sich anschließende "Neighborhood Drug Story" bietet zwar weniger lyrische Unterhaltung, dafür jedoch wieder einen entspannten und soliden Beat, in dem man auch bei der Suche nach einem Soul-Sample wieder fündig wird. Cold Crush-Old School-Legende Grandmaster Caz findet sich auf dem typischen Eastcoast-Track "Day One" ein, das zudem noch den aus San Francsisco stammenden TopR Holiday featured und dank einer kraftvollen Produktion von Brycon auch nicht langweilig wird, woran auch die Realkeeper-Predigt nichts ändert. Nachdem ein paar Worte George Bush's zu "The Decider" zusammgeschnitten wurden, folgt FMJ's Abrechnung mit der tief in Amerika verankerten Religion, die sich "Cluture Of Life (Jesus Doesn't Give A Shit)" nennt. Vor allem die Gegenüberstellung der fundamentalistischen Moslems mit den nicht minder fanatischen Christen, die ihre Meinung als Amerikas Meinung verkaufen, trifft genau ins Schwarze.

Was nun folgt, ist das, den meisten Alben eigene, Tief, das hier mit zwei keinesfalls schlechten Tracks jedoch nicht besonders ausgeprägt ist. "Played Out" ist ironischerweise wirklich ein etwas ermüdender Abklatsch von tausendfach Gehörtem, der schwer mit der Anschuldigung, ein Fülltrack zu sein, zu kämpfen hat. Etwas besser ist die Nummer mit Unterstützung aus dem Stronghold-Land in Form von Breez Evahflowin, wobei man den zu Beginn des Albums so gut praktizierten Sound schmerzlich vermisst. Was als nächster Song zuerst ähnlich langweilig klingt, entwickelt sich dann zu einem der letzten Höhepunkte; "Mr. Green" ist eine weitere Hommage, für deren Erklärung des Inhalts der Titelname ausreicht. Nicht viel mehr als langsame Drums und die vollkommene Trägheit, gepaart mit der besten Hook des Albums (gesungen von Hardy Cooper), machen diesen Song so hörenswert und bescheinigen ihm ähnliche Qualitäten wie "Hits From The Bong", etc.

Ein ebenfalls gelungenes Werk ist das mit Streicher-Grundierung versehene "Take The Money & Run", das Gesellschaft von Living Legend Murs und dem Remix zu "The Hard Part" bekommt, welches sich nur dezent im Hintergrund hält und dem das gewisse Etwas für ein Abspeichern im Langzeitgedächtnis fehlt. Ein voller Erfolg hingegen ist der Abschluss des Albums, eine Acapella vorgetragene Story names "Monopoly", die dem Hörer abschließend die Situation eines Foul Mouth Jerk vorhält, in einem Land, in dem er und seinesgleichen der Regierung egal sind.



Fazit:
Foul Mouth Jerk's "Streetlight Music" ist keinesfalls eine langweilige Eastcoast-Scheibe, sondern vermag mit teils abwechslungsreichen Beats und gut umgesetztem Themenreichtum zu überzeugen. Dass dabei nicht jeder Track ein Jackpot ist, war abzusehen und ist somit auch zu verzeihen. FMJ braucht sich auch nicht groß hinter seinen Gästen zu verstecken, denn auch als Gesamtpaket ist "Streetlight Music" ein sehr solider Release, der nicht nur für Eastcoast Fans interessant sein sollte.

Gesamtwertung: 7.6 / 10

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C.R.A.C. Kncukles - The Piece Talks

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 22. April 2008
Label: Tres Records

Tracklist:
01. What Up Pt. 2
02. Buy Me Lunch - (Feat. Noni Limar)
03. Love Don't
04. Major Way
05. Activate (Too…)
06. CRACHAUSE
07. Respect
08. Pop Dem Boyz
09. 2.16.05
10. Mr. Big Fizz
11. Chill
12. Hello!?
13. Go!
14. Activate (As Well)
15. Bullet Through Me - (Feat. Shawn Jackson)
16. Cotton
17. Credits
18. Umm Yeah
19. Ready



Kunterbuntes Cover und zwei Kerle in ähnlich schrägen Outfits. Das sind C.R.A.C. Knuckles. Der mit der Krawatte, das ist Blu aus Los Angeles, mit seinem Kollabo-Album zusammen mit Exile zu einem der Newcomer und Geheimtipps des Jahres 2007 avanciert. Der andere ist sein Kumpel Ta'Raach, der manch einem vielleicht unter dem Namen Lacks bekannt ist und aus Detroit stammt. Zusammen macht sich dieses Duo auf, der Welt mit ihrem Debüt "The Piece Talks" eines der "buntesten" Releases dieses Jahres zu liefern.

Für alle, die nicht wissen, wie sie den Gruppennamen auszusprechen haben: "Crass Knucks" kommt in etwa hin. Deshalb auch das Motto des Albums: "It ain't Crack, it's Crass, BITCH!". Und so wie man Blu kennt, verbunden mit diesem Cover, kann man sich nicht weniger als ein auf äußerste Freshness bedachtes Album erwarten. Nach einem gut einstimmenden "What Up" geht es dann auch gleich mit "Buy Me Lunch", aberwitzigen Vocals von Noni Limar und einer kompletten LKW-Ladung voller guter Laune los. Die Notwendigkeit, der Saiteninstrument-Dominanz mit jeglicher Art von Sprechgesang Abhilfe zu schaffen, sieht hier jedoch niemand. "Let's play / a.k.a. get paid". Dass man sich saumäßig über einfache Drums freuen kann, welche ganz nebenbei einen der Höhepunkte dieses Werks einleiten, zeigt "Love Don't". Blu rappt hier, wie auch auf dem Rest des Albums, definitiv besser als sein Partner, was in diesem Fall auch im zweiten Verse ein Nachlassen der Euphorie über solch einen hochqualitativen Stimmungsheber verhindert.

Dank der etwas aufgesetzt wirkenden unkonventionellen Form des Albums finden sich zahlreiche "halbe" Tracks, diverse Skits, Instrumentals und natürlich auch eine Trackliste ohne 0815-Features. Dies gebietet auch "Love Don't" nach drei Minuten Einhalt, um Platz zu machen für "Major Way": "The niggas you hate to hate, right back in a major way". Nach dem kurzen Fast-Instrumental "Active (Too...)" folgt ein weiterer Rap-loser Track, der jedoch ein genickbrechendes Instrumental auffährt und sich "CRACHAUSE" nennt. "Respect" hingegen klingt, inklusive aus Samples zusammengebastelter Hook, fast schon nach einer (Premo-)Eastcoast-Produktion, was als weitere Abwechslung mit offenen Armen Willkommen geheißen wird. Der vierte (von bis jetzt acht) richtige Track schwingt sich blitzartig zum nächsten Highlight auf - "Pop Dem Boyz" zieht einen mit Ta'Raach's Beat sofort in seinen (leider nur) zweieinhalbminütigen Bann. Generell muss man Ta'Raach, sofern auch nicht jeder Beat ein absolutes Großkaliber ist, Respekt für seine Vielseitigkeit bei den Produktionen zusprechen. Denn wenn man schon ein solches "mit Absicht anderes" Album auf die Beine stellen will, dann braucht man den passenden Sound dazu, und den haben C.R.A.C..

WRITTEN FOR Rap4Fame

Der Mittelteil vollzieht sich mit dem soliden "2.16.05", dem, allen Fakes gewidmeten, "Mr. Big Fizz", das trotzdem mit leichter Langeweile zu kämpfen hat, und dann mit "Chill", das seinem Namen alle Ehre macht. Typische Detroit-Klänge ermpfangen einen auf dem halbminütigen "Hello!?", ebenso wie auf dem folgenden Kopfnicker "Go!". So unbeschwert wie der Sound sind auch die Lyrics, großen Zusammenhang, seriöse Messages oder Ähnliches sucht man hier vergebens; was jedoch auch gut ist und zum Album passt. Nach dem nächsten "Activate" (selbes Instrumental wie beim ersten) gibt es mit "Bullet Through Me" den einzigen Patzer, der auf musikalischer Ebene einfach so unausstehlich ist, dass sämtliche Amüsanz über die Abgedrehtheit des Songs verloren geht.

Ebenso fragwürdig ist "Cotton": "A message to the consumer of CRAC: No matter how much you like the album, here's what they think about you", ist der Anfang einer sicherlich nicht ironisch gemeinten Hass-Tirade auf alle, die es in Ta'Raach's Augen verdient haben (wozu beispielsweise Internet Thugs zu zählen wären). Sosehr die eigene Credibility gewahrt werden muss, eine solche Aktion entspricht einem schwarzen Rapper, der in seinen Texten Weiße beschimpft und dessen Hörerschaft zu 75% aus ebenjenen besteht. Egal wie unlustig diese Minute ist, das durchaus auch auf "Below The Heavens" passende und sich anschließende "Credits" erfreut wieder mit sehr starkem Beat und einem Fehlen von Raps.

Dann eine einminütige Stille "Umm Yeah" zu nennen, ist nur mit "überflüssig" abzustempeln, was nun zum letzten Track führt. "Ready" bietet zuallererst ein neun Minuten langes Telefongespräch, das zwar lustig, jedoch viel zu lang ist. Da hätte man lieber dem ersten von zwei nun noch folgenden Tracks mehr Spielzeit abgegeben. Denn hier wird nochmal allerfeinste Musik zelebriert. Der passende Ausstieg folgt dann im zweiten, Piano-dominierten Track.



Fazit:
C.R.A.C. Knuckles ist sicherlich eine Formation, die man so stehen lassen kann und die nach der Kollabo mit Exile Blu's zweiter Beweis (mal abgesehen von dem Geplänkel davor) für sein Charisma am Mic darstellt. Auch Ta'Raach dürfte hiermit, zwar bereits als anerkannte Größe, etwas von dem Respekt und der Aufmerksamkeit abbekommen, die ihm zustehen. Als Album ist "The Piece Talks" sicherlich kreativ - doch ebenso einen Tick zu sehr darauf versessen, etwas Besonderes zu sein, was dem Produkt an mancher Stelle mehr schadet als guttut. Auch der eine Patzer schlägt eine leichte Kerbe, was dann, trotz dem sonst guten Rest, eine hohe Wertung zunichte macht. Für die Zukunft sollte man sich trotzdem auf weitere Zusammenarbeit freuen, denn wie gesagt, den Titel des buntesten Albums des Jahres nehmen C.R.A.C. vorerst für sich in Anspruch.

Gesamtwertung: 7.0 / 10


WRITTEN FOR Rap4Fame