Samstag, 8. Dezember 2007

GZA - Beneath The Surface


Release Date: 29. Juni 1999
Label: MCA Records

Tracklist:
01. Intro
02. Amplified Sample
03. Beneath the Surface - (Feat. Killah Priest & RES)
04. Skit #1
05. Skit #2
06. Crash Your Crew - (Feat. Ol' Dirty Bastard)
07. Breaker, Breaker
08. High Price, Small Reward - (Feat. Masta Killa)
09. Hip Hop Fury - (Feat. Hell Razah, RZA, Timbo King & Dreddy Kruger)
10. Skit #3
11. 1112 - (Feat. Masta Killa, Killah Priest & Njeri)
12. Skit #4
13. Victim - (Feat. Njeri & Joan Davis)
14. Publicity
15. Feel Like an Enemy - (Feat. Hell Razah, Killah Priest, Trigga & Prodigal Sunn)
16. Stringplay (Like This, Like That) - (Feat. Method Man)
17. Mic Trippin
18. Outro - (Feat. LA The Darkman & Timbo King)



GZA zählt schon seit Anbeginn der 90er zu den begnadetsten und besten Reimflechtern und Lyricists des Clans, dessen Umfeld und überhaupt dem HipHop-Game. Das liegt an seiner ruhigen, souveränen Art zu rappen, die trotzdem eine selten kraftvolle Wirkung besitzt und die auch "Liquid Swords" zu einem Klassiker machte und seinen Beinamen "Genius" mehr als rechtfertigt(e). Im Zuge der zweiten Generation von Solo-Alben steht auch der GZA in den Startlöchern, um seine Hörergemeinde in "Beneath The Surface" unter die (oberflächliche) Öberfläche zu führen.

So wie ein Wu-Tang Solo halt nun mal auszusehen hat, gibt es hier purste Wu-Features und passende Produktion. Diese legt GZA hauptsächlich in die Hände von Allah Mathematics und The Arabian Knight. Erstaunlicherweise nur ein Beat und ein Feature von RZA. Doch die Betrachtung der Tracklist sagt natürlich noch nichts über den wahren Inhalt des Albums aus, dafür sollte man schon seine Lauscher aufsperren und sich dem Hörerlebnis hingeben, das dieses Album bietet. "In the depths of the cavern of the mind comes another jewel / From the man who brought you Liquid Swords / The director of "Shadowboxin'", "4th Chamber" and "Cold World" / He now takes you... beneath the surface". So leitet sich dieses Album ein, gefolgt von druckvollen Streichern. Nach dem Intro geht es dann gleich über zum ersten Track. Und dieser bietet so unglaublich eindrucksvollen Eastcoast-Sound, dass man versucht ist, anstatt vom Rest des Albums einfach nur "Amplified Sample" 20 mal abzuspielen. Die Harmonie, die hier zwischen dem verkratzten Beat und GZA's ebenso rauer Stimme herrscht, ist schwer in Worte zu fassen. " Everything I thought of, I saw it happen / Then I rose from the soil to sun blacken". Der allwissende Meister hat gesprochen.

Für den nächsten Beat-Diamant zeigt sich Inspectah Deck verantwortlich, der im Titeltrack "Beneath The Surface" dem GZA softe Streicher zur Seite stellt. Zu Gast ist außerdem ein Killah Priest, der so perfekt rappt wie auf "BIBLE". "Been in the presence of mad peasants, and old kings / Who sold everything, on a quest for god's divine / Slept in caves to get a clear mind / Who prayed 3 times, when the moon lit and when the sun rise / I met dwellers in the desert, talked to shepherds / Been in the mouth of many leopards / Felt the death kiss, of Satan's mistress / Walked through vacant districts, for four religions, studied Pagan scriptures". Eine solche Wortwahl ist im Rap-Game fast mit dem Titel 'einzigartig' zu krönen. Abgerundet wird das Werk von einer angenehmen Hook von RES.

Nach zwei Skits erwartet den Hörer eine Wucht eines Beats, die von einem grölenden Ol' Dirty Bastard mit einem Chorus gesegnet wird. "Crash Your Crew" ist böse-verrucht, wie es sich ein Wu-Tang-Fan nur wünschen kann. The Arabian Knight lässt anschließend in "Breaker, Breaker" eine Geige den Ton angeben, um ansonsten nur noch simple Drums hinzuzufügen und trotzdem mit minimalem Aufwand ein großartiges Ergebnis zu erzielen. "My high molecular structure be untangible / The name ring a bell, killable, two syllable / The Wu is comin' through, the outcome is critical". Im sehr kurzen "High Price, Small Reward" leistet Masta Killa dem Genius Gesellschaft, während Mathematics den Piano-dominierten Beat beisteuert. Allah Mathematics gibt den Ball dann gleich wieder an den Arabien Knight ab, der eine eingängige, wunderbar dreckige, Piano-Line mit simplen Drums unterlegt, um "Hip Hop Fury" zu einem der Kracher des Albums zu erheben. Gast-Raps gibt es von der Royal Fam, hier verteten durch Dreddy Kruger und Timbo King, und dem SOM-MC Hell Razah. Ob diese Features dem Album wirklich zuträglich sind, steht offen, sie stören jedoch auch nicht und bieten jenen MCs somit eine gute Chance, ihre Fähigkeiten für jene, die keine Die-Hard-Wu-Fans sind, vorzustellen. Und dann ist da noch RZA's starke Hook, die dem Song das I-Tüpfelchen aufsetzt. "You crunchy chump crabs get crumbled up like crack rock / fuck wit the Wu we bustin ya whole snot box".

Es stellt sich die Frage, was mit dem folgenden, nunmehr dritten Skit, bezweckt werden soll, da er, wie schon die beiden vorigen, höchstens den Fluss des Albums stört. Und da RZA mit seinem einzigen Beat voll den Nerv des Albums trifft, gibt es keinen Grund, sich von einem solchen Skit aufhalten zu lassen, zumal es neben GZA hochwertige Raps von Masta Killa, Killah Priest und auch Njeri zu hören gibt. I shot the sheriff and the deputy secondly / Threatenin the lives of those who threaten me", so Njeri. Skit #4 ist etwas aussagekräftiger als seine Vorgänger und zielt wirkungsvoll auf den Waffenfanatismus der Amerikaner ab, und die daraus resultierende Gefahr für Kinder. "In the United States, more than 10 children are killed by handguns every day". Dies bildet die Einleitung zum großartig von Arabian Knight produzierten "Victim", das leider von Joan Davis' Hook etwas versalzen wird. Ohne diese Hook wäre der Track sicher bei den besten des Albums gelandet, so kann man sich lediglich an starken Raps von GZA und Njeri und dem Beat erfreuen. Dass das Konzept aus trockenen Drums und alt klingenden Streichern wieder und wieder aufgeht, beweist Mathematics mit "Publicity", einem zweieinhalb Minuten langen Rap von GZA, ohne Hook und Schmuck. "I do an interview and they aim to trace my essence / To know more than is necessary blunts your weapon / My group's Nova, remain unsober / And serve high times with king cobras".

In "Feel Like An Enemy" geht Mathematics genau nach demselben Schema vor wie schon beim Track zuvor, und kreiert wieder einen astreinen Beat, den sich die halben Sunz Of Man mit MMO-Mitglied Trigga teilen, wobei GZA hier nicht zu hören ist. "Stringplay" ist, was den Beat betrifft, wörtlich zu nehmen, denn er besteht aus eben diesem Stringplay. Dazu gibt es eine gehörige Portion Coolness von Method Man und GZA, was zu Lines führt wie: "You're like secretaries who can't type, you're no use". Mit einem fast schon verträumten Beat schiebt Mathematics den Hörer dann nochmals tief in die Wu-Atmosphäre, während GZA für die entsprechende Rap-Unterhaltung sorgt, was "Mic Trippin'" im Gesamtpaket einwandfrei macht. Für das Outro wird dann nochmals der Beat des Intros eingespielt, wobei er diesmal von LA The Darkman und Timbo King berappt wird.


Fazit:
Man sollte "Beneath The Surface" nicht mit "Liquid Swords" vergleichen, denn dann wird man mit diesem Album nicht glücklich. Es ist bei weitem nicht so kantig, es fehlt dieser Schatten, der über dem Album hängt, es fehlen auch die Kung Fu-Samples. Davon abgesehen ist "Beneath The Surface" jedoch ein einwandfreies Eastcoast-Album ohne Ausfälle, mit einem einmaligen Hauptdarsteller und durchweg starken Beats. Und damit ist "Beneath The Surface" eines, wenn nicht das beste Album der zweiten Runde an Wu-Solos, das in einer Zeit, in der HipHop am Aufweichen ist, durchaus als Klassiker seiner Zeit bezeichnet werden kann.

Gesamtwertung: 9.6 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 5. Dezember 2007

One Be Lo - S.O.N.O.G.R.A.M.


Release Date: 8. Februar 2005
Label: Fat Beats

Tracklist:
01. Intro
02. The UNDERground
03. enecS eht no kcaB
04. Questions - (Feat. Charmaine Gibson & Abdus Salaam)
05. Oggie
06. Propaganda
07. The Ghetto - (Feat. Marvin Scruggs)
08. Axis
09. Sleepwalking - (Feat. Ka Di)
10. True Love - (Feat. Decompoze)
11. Interlude
12. Used 2 Be Fly
13. Deceptacons
14. Can't Get Enough - (Feat. Magestik Legend)
15. Assassinations
16. Evil of Self - (Feat. Abdus Salaam)
17. The Future
18. E.T.
19. The Capital IST
20. Rocketship
21. Unparalleled - (Feat. Magestik Legend)
22. Follow My Lead



One Be Lo, von woher sollte einem dieser Name bekannt vorkommen? Genau, zusammen mit Senim Silla als Binary Star bekannt und für einen Underground-Klassiker namens "Masters Of The Universe" verantwortlich. Nach dem Aufbau von Subterranoues Records und einem eigenen Album "Project F.E.T.U.S." erscheint im Jahr 2005 der Nachfolger, "S.O.N.O.G.R.A.M.", alias "Sounds Of Nashid Originate Good Rhymes And Music". Sein Motto hat Nashid Sulaiman damit also schon definiert. Es stellt sich somit nur noch die Frage, wie in One Be Lo's Augen "Good Music" aussieht bzw. sich anhört, und darauf ist natürlich das Album selbst die Antwort.

Um diese Antwort zu bekommen, sollte man sich, ohne groß zu zögern, einfach in das Album stürzen. One Be Lo verzichtet auf all zu viele Gäste, belässt die Produktion ganz bei den einzelnen Mitgliedern der Trackezoids und packt doch ganze 22 Tracks auf das Album. Wer Binary Star kennt, sollte jedoch wissen, dass der Moslem kein Problem damit hat, jede einzelne Sekunde Spielzeit mit intelligenten, unterhaltenden und bewegenden Raps zu füllen, und das natürlich in allerbester Form, denn an Talent fehlt es ihm ebensowenig wie an Rhymes.

Neben Liedern, in denen sich die OneManArmy mit dem weiblichen Geschlecht beschäftigt, gibt es von Alltagsproblemen, Kritik an den Lebensverhältnissen im Ghetto, Kritik am Rap-Game und Ausführung der Missstände in Politik und Gesellschaft das volle Programm. Doch erstmal muss der Mann sein Intro gebacken bekommen, für dass er selbst Producer-Hand anlegt und die Blechbläser zu seinen Raps dirigiert: "This apple's hard to the core, this ain't about metaphors / Given the spiritual war, we all a part of it / So much emotion inside, I spit with passion and pride / Feel the rhythms I ride? I put my heart in it".

Nachdem dem "UNDERground" gefröhnt und gegen Major-Labels geschossen wird, fährt Lo in "enecS eht no kcaB" einen Gang herunter, um auf den fast schon übertrieben relaxten Beat seine Wortspiele an den Mann zu bringen. "Thinkin' I'm dissin', cause I ain't feelin' the shit they spittin' / Know the difference between dissin' and constructive criticism / [...] / We don't procrastinate, how many times I got to say to you? / We ain't the type of cats that only talk about what they would do". Während man sich nun, gefesselt von dieser Kombination aus starken Rhymes und ungemein beruhigendem Piano, schon voll in der Atmosphäre des Albums befindet, steigert One Be Lo das Tempo in "Questions" wieder ein wenig, um sich dem System zu widmen. "Violence the number one form of entertainment / Guidance, we need to free us from mental enslavement". Dieser Song geht nahtlos in den nächsten über, der nach kurzen eineinhalb Minuten zu "Propaganda", führt, um thematisch zurück zum verdorbenen System zu steuern. "Who got da props?".

Damit gelangt das Album zu seiner sowohl musikalisch als auch inhaltlich bis dato besten Nummer. "The ghetto". Dieser Song wäre perfekt, wenn nicht der Gesang den von One Be Lo selbst produzierten Song im Chorus etwas ruinieren würde. So kann man sich ganz auf die ohnehin besseren Verses von Lo konzentrieren. "The only playgrounds is vacant lots and burned buildings / You gotta feel sorry for the children / How they gon' do they homework when they homes don't work? / They can't read books cause the lights don't work / They can't take a bath cause the water don't work / The stove in the kitchen, plus the heat don't work / It's cold at night, they mommas can't afford jackets / She too busy trynna to support the crack habit".

Ein starker Vorteil des Albums ist, dass alle vier Mitglieder des Trackezoids, sowohl Chic Masters, Magestik Legend, Decompoze als auch One Be Lo selbst, absolut auf einer Wellenlänge liegen, wodurch das Album eine durchgehende Sound-Atmosphäre aufweisen kann, gleichzeitig aber äußerste Abwechslung zu bieten hat. Im folgenden "Axis" sorgt Chic Masters für die harmonische Beschallung, während One Be Lo nicht müde wird, seine Grundsätze in Rhymes zu verpacken. "It don't take a professor / to see the oppressor got the whole treasure / Now how many Africans slain for one platinum chain on yo dresser / I'm no better just because I think I know better / Tell me who you trust when you in your new trucks / Some of us dyin over a few bucks / Killers old enough to ride a school bus/ With brothers like these, tell me who needs the Ku-Klux?". Nicht möglich zu sagen, ob man sich nun mehr darüber wundert, wie es One Be Lo schafft, solche schlagkräftigen Aussagen in so wenige Lines zu packen oder wie er das Ganze als Rap-Paket darbietet, da beides allererste Sahne ist.

Für "Sleepwalking" schnappt sich Lo KaDi, welche ihm eine Soul-geschwängerte, tramuhafte, Hook beschert. Dank dem gut verständlichen Flow des Mannes bleiben seine Lines wie von alleine im Gedächtnis kleben. "Big chains, cars and clothes, yo that ain't Hip Hop". Mit und von Decompoze erklingt im Anschluss "True Love", was eine kurzzeitige Verschiebung der Thematik auf Liebe und Beziehungen bedeutet. Mit einem nicht minder zurückgelehnten Kopfnicker-Beat präsentiert sich "Used to Be Fly", an welches sich das Streicher-getriebene "Deceptions" heftet, in dem sich Lo mit der Veränderung von Freundschaften beschäftigt.

Das über eine langsam gezupfte Gitarre ertönende "Can't Get Enough" beschäftigt sich logischerweise mit der unmäßigen Gier nach Geld (und Macht). "They say money’s the root of all evil, it gotta be wicked / I seen million dollar preachers robbin’ church senior citizens / A lotta cats be buyin' lottery tickets / Somebody offer you a mill, you probably with it". Natürlich wird auch auf geldfressende Staatsinstitutionen verwiesen, was beim Thema Geldgier natürlich nicht fehlen darf. Der wohl schwächste Track ist "Evil of Self", was am etwas verhaltenen Beat liegt, in dem die dominierenden Snares leicht unpassend wirken. Anschließend philosophiert Lo über "The future", wobei in entspannt-ruhiger Stimmung auch sein Glauben deutlich zum Vorschein tritt. "I heard the future was impressin' when you doin some investin' / Allah multiply 10 times one of your blessings / Qu'ran full of wisdom, it answer thousands of questions / Muhammad soon to show us the way, follow directions".

Für den verbleibenden Rest bringt Lo nochmals Schwung in das Album, angefangen beim Gute-Laune-Song "E.T.", in dem One Be Lo von einer Liebschaft mit einer extraterrestrial/außerirdischen Dame berichtet. Und nachdem man sich in "Rocketship" starker Piano- und Soulsample-Beschallung ausgesetzt hat, darf man sich nochmals Raps vom Duo SECURITY, Lo und Magestik Legend, anhören, die "Unparalleled" Leben einhauchen. Damit ist das Album auch schon fast bei seinem Ende, es fehlt nur noch "Follow My Lead". Dieser stellt als perfekter Ausstiegstrack nochmal einen unanzweifelbaren Höhepunkt des Albums dar. In Eigenregie packt One Be Lo einen Hammer-Beat aus, zu dem er einen selten guten, stimmungsvollen, Refrain auftischt. "Feel the vibe in the place when it's primetime / Don't need no light on the stage, I got my own shine / The fact's right in your face, no need to play blind / Proceed, follow my lead, and get left behind".

Fazit:
Wie oft kommt es heutzutage schon noch vor, dass ein Artist ein Album veröffentlicht, welches (fast) ausnahmslose Begeisterung hervorruft? One Be Lo ist deshalb mit "S.O.N.O.G.R.A.M." ein Underground-Klassiker aus dem Jahr 2005 geglückt, der dank seines freshen Sounds fast jeden HipHop-Liebhaber überzeugen kann und wird, sofern dieser sich das Album auch anhört. Auch wenn man anhand der Trackstärke auf einen oder zwei Songs hätte verzichten können, ist einem das Verlangen nach der Skip-Taste hier vollkommen fremd. Ausgehend vom grundlegenden Erfolgsrezept "Dope Beats, starke Rhymes" baut One Be Lo sehr viel von seiner persönlichen Note ein, welche durch die Produktion und die wenigen Gäste auch nie verfälscht wird. Für alle, die eine Abwechslungs zu Street-Rap, oder einfach nur exzellente, entspannte Musik, suchen, unbedingt empfehlenswert!

Gesamtwertung: 9.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Sonntag, 2. Dezember 2007

Sean Price - Jesus Price Supastar


Release Date: 30. Januar 2007
Label: Duck Down

Tracklist:
01. Intro (JESUS PRICE)
02. Like You
03. P-Body - (Feat. Rock)
04. Cardiac - (Feat. Buckshot, Rustee Juxx & Flood)
05. Stop
06. Violent
07. Da God - (Feat. Sadat X & Buckshot)
08. Oops Upside Your Head - (Feat. Steele)
09. Church - (Feat. Rock & Loudmouf Choir)
10. King Kong - (Feat. Rock)
11. One
12. You Already Know - (Feat. Skyzoo)
13. Directors Cut
14. Let It Be Known - (Feat. Phonte)
15. Hearing Aid - (Feat. Chaundon)
16. Mess You Made - (Feat. Block McCloud)



Sean Price leitete 2005 mit seinem Release "Monkey Barz" den Triple Threat von Duck Down Records ein, mit dem sich die Truppe der "Great 8" wieder ins aktuelle Rap-Geschehen katapultierte. "Monkey Barz" erhielt durchgehend gute Kritiken, und nach einem Kollabo Album von Buckshot und 9th Wonder und dem Comeback von Tek und Steele war das Rap-Jahr für die Boot Camp Clik ein voller Erfolg. 2006 kam dann was kommen musste, die BCC bescherte der Welt ein neues Album, "The Last Stand". In neuer Frische zurück ist es trotzdem Sean Pee, der nun der inoffzielle Kopf der Bucktown-Clik ist. Und nach zweifacher Verschiebung erscheint Anfang 2007 sein zweites Solo-Album, "Jesus Price Supastar".

Nachdem sein erstes Album eher aus dem Nichts erschien, lasten auf dem Sophomore Release erheblich mehr Erwartungen. Was seine Beats betrifft, verlässt sich Sean hier sehr auf die Justus League-Producer 9th Wonder und Khrysis. Zusammen steuern die beiden ganze 9 Beats bei. Was die Gästeliste betrifft, so gibt es keine besonderen Überraschungen: eben die üblichen Verdächtigen, zu denen seit Neuestem auch die Riege der Justus League zählt (Mit Chaundon, Phonte und Skyzoo ganze 3 mal vertreten).

Ein Grund, weshalb man "Monkey Barz" unzählige mal rauf- und runterspielen konnte, waren die teils witzigen bis verrückten Inhalte von Sean's Gedankenauswüchsen. Dementsprechend kann auch dieses Album nur ein Erfolg werden, wenn Sean zu unterhalten weiß. Und das tut er. Noch viel mehr als auf dem Vorgänger ergeht Pee sich in sinnlosen, aberwitzigen Lines, und das in so hoher Dichte, dass man nicht annähernd alles beim ersten Hören mitbekommt.
Genau hier steigen auch Kritiker ein, mit erhobenem Finger wird gerügt, dieses Album habe keine lyrische Tiefe, keine tiefgreifenden Aussagen und keine Substanz. Doch wer bitteschön braucht das? Immerhin gibt es genau dafür unzählige andere Alben, und es ist ja nicht so dass Sean sich auf das Niveau eines Souljah Boy oder Mike Jones begibt, nein: "Listen, Sean Price is the nicest to write poems / I never sing the same shit twice like Mike Jones". Vielmehr ist dieses Album gerade wegen seiner herzlich unbeschwerten Punchlines, die trotzdem nachdrücklich einschlagen, so gut. Jeder einzelne Song ist bis oben hin vollgestopft mit 100% Sean Price.

Wenn von dieser Seite alles gut ist, können also nur noch die Beats die Suppe versalzen. Doch auch hier kann gleich zu Beginn Entwarnung gegeben werden. Jeder Track, der nun aufgeführt wird, ist hörenswert. P.F. Cuttin haucht dem Intro minimal orientalische Klänge ein, auf dass man sich der ersten intensiven Rap-Behandlung durch Dr. Ruck aussetzt. "Niggaz ask what the God is about, I'm like 'Nothin' / Meanwhile I got my manhood, in your mom's mouth / [...] / Sean is a Rapper, but rappin' is lame, I QUIT!".

Eine der besten Lines des ganzen Albums findet sich in "Like You": " Wu-Tang Clan ain't nuttin to fuck wit / Boot Camp Clik ain't nuttin to Wu-Tang / Niggaz seem shocked by the way that I do thangs"; Sean zeigt, dass sich Genialität nicht reimen muss. Wer in "P-Body" auf knochenbrechende Raps von Rock gehofft hat, wird leider enttäuscht, denn die Unterweltstimme kümmert sich lediglich um den Chorus. Allerdings reichen die Rhymes von Sean vollkommen zur Unterhaltung aus. "U supposed to lie to the cops, tell the truth in the booth / Instead you tell the truth to the cops and lie in the booth". Illmind schraubt die nächste, schweißtreibende Nummer zusammen, auf der neben BCC-Kollege Buckshot noch Schützling Rustee Juxx und Flood (im Chorus) zu hören sind. Mit durchgehend starken Lines schafft es Juxx neben dem Master P zu bestehen.

Khrysis feiert seinen ersten Beitrag zum Album mit einem Voice-Sample, einem alten Piano (in dem sicherlich ein Holzwurm haust) und mit soft an die Trommelfelle klopfenden Drums. "Stop" nennt sich das Stück und Sean bietet wieder mal nicht weniger als durchgehend starke Rhymes. "I love Allah but I act Christian". Neben Aussagen wie diesen, die klarmachen, dass Ruck es mit Religion nicht so ernst nimmt wie manch einer aus der Wu-Tang Umgebung, finden sich natürlich auch total schlichte, und trotzdem geniale Lines wie "Choose to lose, I choose to win", die nur vom Master P stammen können.

Auf einen zuckersüßen Beat von 9th Wonder verkündet Sean, alles andere als ernst: "I'm such a failure / [...] This beat is just so cool, you know you just wanna relax and... say some ol' cool shit... but that's not me!". Natürlich nicht, der Beat is smooth, the Rap is hard, so sieht das bei Sean aus. Was über das ganze Album hinweg auffällt, ist, dass es keinen einzigen Track mit mehr als vier Minuten Spielzeit gibt, und während sich die meisten über drei Minuten halten, gibt es auch mehrere fast schon Skit-artige Tracks. Mit knappen 45 Minuten Gesamtdauer ist das Album somit auch nicht eines der längsten dieses Jahr.

Doch was stört das, wenn die Musik stimmt, was sie definitiv tut. Nachdem die Voice-Samples schon so viele Tracks begleitet haben, gesellt sich auch eines auf "Da God" zum Beat. "Now I done wrote a lotta god damn rhymes, but this time I must be out of my god damn mind" verkündet Sean, wobei er auf diesem gute Laune verbreitenden Song von Brand Nubian's Sadat X und Buckshot unterstützt wird. "Oops Upside Your Head" mit Cocoa Brova Steele zeichnet sich als der schlichteste Song aus, der als Street-Track ganz souverän von den zwei Rap-Meistern mit ihren Worten überzogen wird. "You can't, be like Sean Price, can't do like Steele".

Trotzdem geht die Nummer leicht unter und sofern man das sagen kann, steigert sich das Album erst jetzt zu seinen besten Momenten. "Church" ist ein für Tommy Tee absolut typischer Beat, der zum entspannten Kopfnicken auffordert, während Heltah Skeltah das Mic rippen und der Loudmouf Choir die nötige Abwechslung ins Spiel bringt. Allein schon wegen den Raps von Rock hörenswert, als Gesamtpaket unwiderstehlich! Nun geht die Produktion vollends in Justus League-Hand (9th und Khrysis) über, die sich bis auf den letzten Track um alle Beats kümmern. Im großartigen Banger "King Kong" lässt Khrysis seine Drums kräftig gegen die Lautsprecher donnern, während sich niemand besser als Rock dafür geignet hätte, das Streicherorchester im Chorus zu bändigen. Der Mann ist ganz einfach unschlagbar wenn er Wortkeulen wie "Crush, kill and destroy 'em, with savagery, catastrophe" schwingt.

"One gun, one clip, one shot, one slug / All it takes for this nigga to disfigure your mug / Not five, not four, not three, not two / Just 'One'", so leitet sich ein weiterer feucht-fröhlicher Wortschwall in "One" ein. 9th nimmt nun den Platz als Dirigent ein und schickt eine weitere Streicher-Armee ins Rennen, die "You Already Know" veredelt. Neben Skyzoo's gelungener Hook hat Ruck Lines parat, wie z.B.: "Yo, who hot more Raps than P? / Yeah, you got more Raps, but please / Sean Price, a walkin', talkin', rappin machine / Rappin' for cream, slap your faggot Rapper regime". Nach einem sehr kurz gehaltenen "Director's Cut" folgt "Let It Be Known", der sich einen Tick zu typisch nach 9th Wonder anhört, ansonsten jedoch über ausgezeichnete Gast-Raps von Phonte verfügt.

Um einiges besser klingt es, wenn Chaun und Sean einem in "Hearing Aid" ein Hörgerät spendieren, damit man die großartigen Rhymes nicht überhört. "Listen to me, you heard me pal, listen to P / I'm a dog, bitch, I piss on a tree, bow wow". Was ein würdiger Abschluss für ein solches Album ist, beantwortet "Mess You Made", mit schlichtweg traumhaftem Refrain von Block McCloud von der Brooklyn Academy und fast noch besseren selbstironischen Lines von Sean P. "My man said he heard me on Mister Cee / Yeah, that's cool, but it don't equal chips to P / The brokest rapper you know sell crack after the show" ist nur eine der vielen erwähnenswerten Lines.


Fazit:
Einem Album mit einem gelungenen Vorgänger muss man immer die Frage stellen: Ist es ein würdiger Nachfolger? Bei "Jesus Price Supastar" darf man getrost erwidern: Ja. Was dem Album an abgedrehten Beats wie in "Boom Bye Yeah" fehlt, macht Sean mit seinen Lyrics wieder mehr als gut. Und wer bei Justus League-Sound nicht äußersten Brechreiz bekommt, macht hier sowieso nichts falsch. Boot Camp Fans mögen sich eventuell mehr Raps von Rock und dem Rest der Clik und weniger Einfluss der J-League wünschen, doch das war dann wohl auch schon der einzige nennenswerte Kritikpunkt des Albums. Mit "Jesus Price Supastar" legt Sean Price gleich zu Beginn des Jahres 2007 die Latte für alle noch folgenden Rap-Releases äußerst hoch.

Gesamtwertung: 9.2 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Killarmy - Dirty Weaponry


Release Date: 11. August 1998
Label: Priority

Tracklist:
01. Galactics
02. Allah Sees Everything
03. 5 Staged of Consciousness
04. Unite to Fight
05. Murder Venue
06. Doomsday - (Feat. Holocaust)
07. Red Dawn
08. The Shoot Out
09. Bastard Swordsman - (Feat. Holocaust)
10. Last Poet
11. Serving Justice
12. Where I Rest At
13. Pain



Wenn diejenigen, die den Weg kritisieren, welchen HipHop als Gesamtheit im Jahr 2007 schon lange eingeschlagen hat, gefragt werden, was denn nun richtiger HipHop sei, in diesem riesigen Pool aus verwässertem Dünnbrettbohrer-Rap, dann darf man ziemlich sicher sein, dass früher oder später der Name Killarmy fallen wird. Als einer der bekanntesten Ableger des Wu-Tang Clan schafften sie es 1997 mit "Silent Weapons For Quiet Wars" einen Wu-Klassiker zu veröffentlichen, in dem die 6 Guerilla-Krieger verdeutlichen, wie sich der Clan in seiner militantesten Variante anhört. Ein Jahr nach dem Debut, 1998, lassen sie bereits das Sophomore folgen, welches sich da so trefflich "Dirty Weaponry" nennt.

Und schon der Titel spricht Bände. Beretta 9 und ShoGun Assasson stoßen aus Ohio zu den NY-ansässigen Islord alias Thief of Baghdad, Killa Sin, Saddam 9th Prince (RZA's Bruder) und P.R. Terrorist alias Dom Pachino. Neben den gewalttätigen Lyrics sind es auch auf Album #2 die Beats, die "Dirty Weaponry" zu etwas Besonderem machen. Während sich Allah Mathematics für zwei Beats verantwortlich zeigt, stammt der Rest wieder vom inoffiziellen siebten Mitglied, 4th Disciple, der auch hier wieder seinen Job als Meisterproducer einwandfrei erledigt.

Der Opener allerdings geht auf Mathematics' Kappe und nennt sich "Galactics". Dom Pachino schmettert den Hörern einen Chorus hin, der sich sofern einprägt. "Killarmy in your galaxy, in your continent, in your city / Take 'em to war, throw your grenades, this shit is gritty / Rollin' tanks, carry shanks, while ya'll niggaz shoot blanks / Livin' gun powder, roll black down, dealin' wit ranks".
Nacheinander werfen Islord, Beretta, Dom und 9th ihre lyrischen Granaten auf diesem abgrundtief finsteren Song. "Yo, what's the science on y'all crab ass niggaz out here / In this rap shit, turnin' this shit into some fuckin' actor shit / step into my chamber, I'll hang ya". Und neben Lines wie diesen von Islord ist es vor allem 9th Prince, der mit seiner markanten Stimme und seinem Flow, der sich so gekonnt (andauernd) stolpernd und unverständlich anhört wie bei wenigen anderen Rappern sonst, Akzente setzen kann.

Neben 9th ist dann wohl Dom Pachino der zweitbekannteste aus der Truppe, was jedoch nicht heißt, dass er seinen Kollegen etwas voraus hätte. Hier werden auf so kunstvolle Art und Weise Köpfe gespalten, Fake MCs vernichtet und Körper mit großkalibrigen Waffen in Stücke zerrissen, dass es schwer fällt, einen MC herauszuheben oder einen schwachen Punkt zu finden. Jeder einzelne MC trägt seinen Teil zum Ganzen bei, keinem fehlt es an Persönlichkeit, sofern man nur die Ohren aufsperrt. Islord beispielsweise schafft es auf verblüffende Weise mit seinen Raps makellos sauber zu flowen, obwohl diese sich über mehrere Bars hinweg nicht reimen.

Und dann könnte man auch immernoch einfach die Raps ausblenden und sich ganz den genialen Produktionen von 4th Disciple hingeben. "Allah Sees Everything" ist ein Musterbeispiel eines bedachten Eastcoast-Klassikers, wobei der Titel schon darauf hinweist, dass die 6 MCs, deutlich von der 5%-Ideologie beeinflusst, auch religiöse Themen ansprechen. Neben typischen Phrasen wie "Soldier where's ya warpaint?" hört man auch Lines wie folgende: "To take the Gods off the earth, is what the devil's wishing / You won't last with religion / It deals with division, Allah's all / United we stand, son, divided we fall".

"Unite To Fight" kommt man zusammen, "for one common cause", der da wäre, die "5 Stages Of Consciousness" zu erreichen. Einziger Gast auf dem Longplayer ist Westcoast Killa-Bee Holocaust, auch bekannt als Warcloud, der zweimal zu Wort kommt, erstmals auf "Doomsday", wobei er einem gleich eine schwer verdauliche Ankündigung aufdrückt: "This is doomsday, for MCs with hollow skills", während P.R. Terrorist seinen "Kriegsalltag" in Worte fasst: "Layin' in the dark war trench / Covered in mud strong corpse stench / Monkey wrench, adjusting my mic, fatigues drenched".

Im Anschluss schleicht sich die Killarmy in dämmernder Morgenröte über den Kriegsschauplatz (musikalisch ist "Red Dawn ebenfalls die wohl ruhigste Nummer des Albums), um sich dann dem "Shoot Out" zu stellen, welches dem Titel entsprechend mit pumpenden Drums den MCs am Mic alles abverlangt. Dieser Überlebenskampf wird auch im zugehörigen Video als blutiges Szenario dargestellt, in dem letztendlich nur die 6 Killarmy-MCs überleben und somit die Anerkennung (in Form des Wu-Tang-Tattoos) des thronenden RZA kassieren.

Die Reise durch das Kriegsgebiet der schmutzigen Waffen setzt sich im langsamen "Last Poet" fort, und findet sich dann nach dem nicht minder großartigen "Serving Justice" im düster-dreckigen "Where I Rest At" wieder, bei dem zum ersten Mal von 4th Disciple ein Voice-Sample zum Einsatz gebracht wird. In Kombination mit den knöchernen Snares und den vielschichtigen Streichern ein weiteres Meisterwerk an Rohheit. "Smell that gun powder in the air? / Shit is like this everyday when I wake up". Gegen Ende des Tracks, wenn die Streicher langsam verstummen, taucht 4th Disciple den Hörer in eine Geräuschkulisse aus Maschinengewehrfeuer, Bomben- und Granateneinschlägen und Querschlägern, auf dass man auch ja nicht vergisst wo man sich hier befindet. Track 13 ist dann auch schon der letzte, und der bietet natürlich nochmals staubtrockene Drums und tödliche Lyrics. " This is war niggaz, a duel to the death / You better make sure your sword's sharp".

Fazit:
"Dirty Weaponry" setzt da an, wo "Silent Weapons For Quiet Wars" aufgehört hat. Wieder ist das blinde Vertrauen in 4th Disciple absolut gerechtfertigt, da der Mann eine Sound-Grundlage bereitstellt, bei der selbst ein RZA nichts mehr besser machen könnte. Die dreckigen Beats passen wie die Faust aufs Auge zu den Rhymes der 6 immer noch hungrigen Emcees. Diese können als geschlossene Einheit ein Juwel für jeden Liebhaber von gutem Eastcoast-Street-Rap liefern, und zudem noch eines der besten Alben, das je seinen Weg aus dem unendlichen Umfeld des Wu-Tang Clan gefunden hat.

Gesamtwrtung: 9.4 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame