Sonntag, 30. März 2008

Astonish - From Now Until Forever

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 26. Februar 2008
Label: Molemen Records

Tracklist:
01. Can U Hear Me
02. The Interview
03. Problems - (Feat. Scheme & Decay)
04. Broken Dreams
05. Panik Attack
06. Microphone Check
07. Life Ain't Sweet - (Feat. Termanology)
08. No Patience
09. Light'em Up
10. Impossible



Der Midwest stellt wohl die kleinste Fraktion unter den vier großen Rap-Sektoren der USA. Doch mit Leuten wie Twista, Kanye West, Lupe Fiasco oder Common konnte sich zumindest die Stadt Chicago mehr als ein Gesicht, das man mit ihr verbindet, aneignen. Dass dort eine aktive Untergrund-Szene, ähnlich der im Osten, vorzufinden ist, wissen allerdings nicht allzu viele. Doch wenn man die Underground-Camps aus Chicago und auch dem Midwest allgemein betrachtet, kommt man an einem Namen nicht vorbei - den Molemen, einem Kollektiv, das sich um drei Producer angesammelt hat (Memo, Panik und PNS). Seit kurzem freut man sich über den jüngsten Zugang, Astonish. Als kleine Vorstellung veröffentlicht dieser dann auch eine 10 Tracks starke EP, "From Now Until Forever".

Das definitiv erfreuliche an der Sache, bei der eine Enttäuschung auch im Rahmen des Unmöglichen liegt: natürlich wird ein Großteil der Produktion aus den eigenen Reihen, von PNS und Panik, gestemmt. Solange Astonish es also fertig bringt, seitens der Raps eine halbwegs erträgliche Show abzuliefern, ist die Scheibe schon besser als der Querschnitt eines heutigen (Mainstream-) Rap-Releases. PNS eröffnet mit "Can U Hear Me", während Astnoish seine Mic Skills vorführt. Über das Wesen dieses Werks kann man mit einem jetzt gezogenen Urteil auch nach den restlichen Tracks nicht mehr viel hinzufügen: Astonish nennt einen soliden Flow sein Eigen, bewegt sich in einem abgegrenzten Themenbereich und seine Stimme gehört nicht zu den potentesten. Doch dazu später mehr, erst mal sollte man sich zu den relaxten Produktionen zurücklehnen, und dem lauschen, was Astonish so zu sagen hat. "Shit is fucked up man, y'all grown ass niggaz in the club, doin' the soulja Boy, [...] 'fuck outta here".

Ja, und dementsprechend wird auch ein dicker Prozentsatz der Lyrics in "Real HipHop"-Parolen investiert. Hier jetzt einen Haken bei langweiligem Conscious-Gebrabbel zu machen und auszusteigen wäre jedoch unrecht. Gleich der nächste Track zeigt (als bester des Albums), dass es Astonish nicht vollkommen an Einfallsreichtum fehlt. Der als "Interview" aufgezogene Track wirft dem jungen Herrn ein paar wenige Schlagwörter vor die Füße, zu denen er seine Meinungen zum Besten gibt. Auf die HipHopIsDead-Frage: "I bring that lyricism back / Most niggaz think they good until you hear 'em and they whack / Chicago's on the map, but ain't nobody checkin for us / So if you from the Chi, I'm reppin for us".Diese und ähnliche selbstsichere Aussagen sind zwar zweifelsohne sehr hochgestochen, stören jedoch zu einem so vorzüglichen Beat nur geringfügig, da zudem auch mal amüsante Vergleiche gezogen werden: "I said it before, gettin a deal's like gettin a dick in the ass".

Unterstützung aus dem Molemen Camp gibt es auf "Problems", auf dem (Rhyme) Scheme und Decay zugegen sind. Und wenn Astonish nicht klarstellt, wer im HipHop die Bösen und wer die Guten sind, dann berichtet er aus seinem Leben, das anscheinend kein Zuckerschlecken ist. "I'm going broke, looking for hope, lacking a dollar / Back to the drama, guess I got problems stackin' on problems / Problems stackin' on problems, can't even manage to solve 'em / As soon as I think I shift 'em, they comin' back even harder".

WRITTEN FOR Rap4Fame

Wie man, angezogen vom schnellen Geld, vom rechten Weg abkommt, erläutert "Broken Dreams", wobei Astonish eine gute Figur abgibt. Das liegt hier, wie auch auf den vorangegangenen Tracks, größtenteils an den ihm auf den Leib geschneiderten Beats, die in ihrem Milieu die (wie schon erwähnt, etwas schwache,) Stimme des Rappers nicht überfordern. Genau das gilt auch, wenn Panik die "Panik Attack" beisteuert, bei der sowohl Beat als auch Raps unbeschwert vor sich hinspielen. Nachdem man sich durch die weder richtig gute, noch richtig langweilige oder schlechte Geringfügigkeit namens "Microphone Check" gehört hat, landet man bei "Life Ain't Sweet", in dem wieder kräftig vom Struggle berichtet wird, während Astonish seinen Kollegen aus dem Osten sogar in den Schatten stellt, da dieser, mit für seine Verhältnisse sehr aufgesetztem Flow, anscheinend nicht seinen besten Tag erwischt hat.

Der nächste Song widmet sich den Ladies, bzw. Astonish's Erfahrungen mit ihnen, die aus dem Geständnis "I think with my penis" resultieren. Der oft Sample-basierte, ruhige Aufbau der Beats wird im übrigen immer noch verfolgt. So auch mit "Light 'Em Up", welches sich als solides Mittelstück einreiht. Umso mehr Soul wird dann vom letzten Track, "Impossible", versprüht, das auch wieder recht gut zu Astonish selbst passt.



Fazit:
Dank einer durch die Bank weg starken Produktion ist "From Now Until Forever" für alle, die schon früher etwas mit den Molemen anfangen konnten, zwar kein Höhepunkt, doch mindestens gut hörbar. Die Raps sind dezent solide, womit aber auch schon das größte Problem von Astonish genannt wäre. Wo ein Vakill die Produktionen aus seinem Label mit energiegeladenen Raps zerlegt, fehlt Astonish einfach das stimmliche Volumen, er ist so etwas wie der Chingy der Molemen. Deswegen wird er sich auch nie vollwertig neben Rappern wie Vakill in der oberen Etage etablieren können, was ihn jedoch nicht daran hindert, ruhige und solide Musik, wie auch auf dieser EP, unter die Leute zu bringen.

Gesamtwertung: 6.8 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Mittwoch, 26. März 2008

Mighty Joseph - Empire State

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 18. März 2008
Label: Urchin Studios

Tracklist:
01. The Uprising
02. Beast - (Feat. Poison Pen)
03. Out The Gate - (Feat. Genesis)
04. Kidz (N.Y.C.)
05. Blurr
06. Anything Can Happen?
07. Legend
08. Blood Sport - (Feat. Vordul Mega)
09. The Dark Ages - (Feat. Murs)
10. Criminal Tales
11. Pandora's Box - (Feat. Double AB, Access Immortal & Swave Sevah)
12. Night Life
13. General Stripes
14. Rock-It-Science



Der Zusammenschluss von zwei etablierten MC's zu einer neuen Formation bringt immer eine besondere Erwartung hinsichtlich des Debütalbums mit sich. Und das lässt sich wohl auch definitiv über das hier vorliegende Produkt sagen. Auch wenn die Partnerschaft von Cannibal Ox's charismatischem Dickerchen Vast Aire und dem aus Flatbush, BK, stammenden Karniege nicht von heute auf morgen passiert ist: das angekündigte Album und dessen Cover und Titel lässt die Rap-Gemeinde erst seit kurzem aufhorchen.

Und das auch vollkommen zurecht, denn zu einem Gästekreis der üblichen Verdächtigen gesellt sich ein Cover, wie man es nicht alle Tage bei Rap-Releases zu Gesicht bekommt. Das lässt doch auf etwas anderes als den üblichen BoomBap-Eintopf hoffen. Ganz nach dem Motto "Na dann mal los" klinkt man sich also ein. Und was da gleich am Anfang aufgetischt wird, kann sich sehen lassen. Abgrundtief dröhnende Hörner, gefolgt von apokalyptischen Streichern, eröffnen die Partie. Das Ganze wird sachte abgerundet durch die messerscharfen Einstiegslines von Karniege, deren markerschütternde Kaltblütigkeit das Szenario komplettiert, wenn er fordert: "Give the props, to this nigga that's hot". Karniege, "about to ruin, the image and the style that you're used to", wird abgelöst von Vast Aire, dessen Stimme fast schon der, Karnieges Stimme durchaus eigene, Groll und die Boshaftigkeit fehlen.

Nichtsdestotrotz ist Vast seinem Kollegen in Sachen Raps ein wenig überlegen, was an seinen, C-Rayz Walz ähnlichen, zwar unzusammenhängenden, jedoch großartigen, Vergleichen, Andeutungen und Metaphern liegt. "Now you're the owner of a lonely heart / It's much better than a, owner of a broken heart / Grab the mic and rip the bones apart, like Napoleon / I know you got a complex / And it's hard for you to see the concept / We them kids that grew up in the projects / I don't care about yours, we got next". Da kommt Freude auf. Der erste Gast trifft auf "Beast" ein, Stronghold's Kraftpaket und Mittelfinger Poison Pen unterstützt das Duo über einen erstaunlich unkantigen Beat. Ja, der King Kong des Covers macht erstmal Brotzeit anstatt seinen Allerwertesten "Out The Gate" zu bewegen, um ein bisschen Angst und Schrecken zu verbreiten. Und passend dazu spielt ein altbekanntes, gepitchtes, Voice-Sample.

Bei dem trotzdem sehr gelungenen Outcome sollte man sich jedoch nicht beschweren, was auch für "Kidz (N.Y.C.)" gilt, das sich mit seinem Titel selbst erklärt. "How many of y'all, had the past I've had / You and you're Mom's, but no dad / Seems like a normal thing, ain't that sad? / If you feel what I'm sayin', people raise your hand". Der nächste Happen folgt mit dem köstlich relaxten "Blurr", das sich jedoch gleichzeitig auch bei den blassesten Stücken einreiht.


WRITTEN FOR Rap4Fame

Ein Solo-Track von Karniege wird mit "Anything Can Happen?" nachgelegt, bei dem man Vast Aire, trotz solider Leistung von Karniege, leicht vermisst. Wenn dann Country-Musik eingespielt wird, kann man die Auswahl an Producern, die hier hätten am Werk sein können, schon stark einschränken. Und spätestens wenn der Beat einsetzt, kristallisiert sich ein klares "Madlib" heraus. Mit gewohnt eigenwilliger, aber auch wie immer zu den Akteuren passender, Leistung sorgt der Herr Quasimoto für den nächsten (kleinen) Höhepunkt, der sich "Legend" nennt und als Gegenstück zum vorangegangenen Song diesmal Vast Aire alleine gehört (was die Beat-Atmosphäre auch voll rechtfertigt). "In the streets, anything can happen / The stock exchange is like the glock exchange / The supply goes up and down / And the bullets go up and down / Give me some ellbow room and I'll lock it down / And I don't even like your town / You need recess / I came to destroy Rap and also save the princess", spricht Vast Aire.

Der nächste Volltreffer lässt nicht lange auf sich warten, auch auf "Blood Sport" ist Vast Aire voll in seinem Element, zumal sich noch Cannibal Ox-Partner Vordul Mega einfindet. Passend dazu wird auch ein, äußerst gut ins Geschehen passendes, Sample von ebendiesem eingespielt. Nun aber hurtig weiter zum Hauptgericht, bzw. dessen I-Tüpfelchen. "The Dark Ages" darf sich ruhig als eines der atmosphärischsten Instrumentals des (noch jungen) Jahres rühmen und passt dazu noch exzellent zu den drei, sich sehr voneinander unterscheidenden, Verbalanstrichen von Living Legend Murs und den zwei Protagonisten. Und wieder krallt sich Vast Aire den Titel für die besten Lines: "Vast's flow can turn men to mice / If reality's a whore, I'm fuckin her twice / And on the third time, she'll be screamin' my name / And her best friend 'truth' will tell you the same / I'm that same chubby kid with the Bruce Lee poster / That'll finger-pop a bitch to check the odor / That's ill, they put coke in soda? / Nah, what's ill is, I practiced with Yoda / My people rep the sun, cause they're dark / Only in the skin, not in the heart". Traumhaft.

In "Criminal Tales" kann Vast, ebenso wie Karniege, mit erstklassigen Stories aufwarten, die schon leicht an Tarantino's "Reservoir Dogs" erinnern: "Here they go again, they took him to Queens / They took him to a Warehouse, so they can't hear him scream / They cut off his nose, put salt on it / Then they poured honey on it, put ants on him / He couldn't take no more, he was cryin' n shit / 'Why don't you let me go, you blood bastards?'". Wer im Anschluss die "Pandora's Box" öffnet, dem springen nicht zwei, nein, fünf Wortakrobaten entgegen, die sich über einen kühlen Kopfnicker austoben dürfen. Dabei kann man jedem, sei es nun Stronghold-Spitter Swave Sevah oder Bedford's Eigen ACS, eine gute Show attestieren.

Der Rest des Albums wird alleine bestritten, und auch wenn man bei keinem der drei verbleibenden Tracks in Begeisterungsstürme ausbrechen wird, so fügen sich doch das wenig nach HipHop klingende "Night Life" als auch der solide Eastcoast-Kopfnicker "General Stripes", gut ins Gesamtbild. Den Abschluss macht ein Track, der in Sachen Eigensinn fast schon Madlib zugesprochen werden kann, jedoch aus J-Zone's Küche stammt. "Rock-It-Science" erfüllt zuverlässig seine Aufgabe als gut gelaunter und dazu sehr langer Abschluss.



Fazit:
Was lehrt uns das Album? Definitiv, dass solche Zusammenschlüsse frischen Wind in gewisse Sparten des NY-Rap bringen können. Mighty Joseph zumindest zeigen, dass sie sich als Duo gut am Mic ergänzen, ein glückliches Händchen bei der Beatwahl zu beweisen fähig sind und das ganze auch gekonnt zu einem gut verträglichen Paket zusammenschnüren können. Auf die Gefahr hin, dass Vast Aire in solchen Gefilden etwas verloren wirkt, wünscht man sich als einzigen Kritikpunkt vielleicht mehr düstere Brecher im Format des Openers. Ansonsten steht dem Zertifikat "Hörenswert" jedoch nichts im Wege, und bei dem (noch) nicht mit vielen Highlights gesegneten 2008 lohnt sich hier ein Zugreifen definitiv!

Gesamtwertung: 8.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Donnerstag, 20. März 2008

Living Legends - The Gathering

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 08. April 2008
Label: Legendary Music

Tracklist:
01. The Gathering
02. She Wants Me
03. Pants on Fire
04. War and Peace
05. Luva Changer
06. Samba
07. After Hours (Extended Euro Mix)



Wenn man sich die Westküste betrachtet, seinen Horizont über Snoop, Dre oder The Game erweitert, und sich die verschiedenen Bäumchen (bzw. Palmen) betrachtet, die hier so wachsen, dann fallen schnell Namen wie Mac Dre und die komplette Thizz Schublade, die Hieroglyphics, Stones Throw - oder eben die Living Legends. Als Kollektiv von talentierten Masters of Ceremony mit unterschiedlichstem Bekanntheitsgrad sind die Jungs inzwischen zu einem der konstanten Garanten für freshe Musik geworden. Und wenn man mal neue Musik unter die Leute bringt, dann gleich richtig: Neben einem neuen Album von The Grouch erscheint am selben Tag ein EP-langes Album namens "The Gathering".

Dieses hat genau genommen sieben Tracks zu bieten, auf dem dafür jedoch jeweils jeder MC das Mic ergreift. Und für alle, die die acht Mitglieder nicht im Schlaf aufsagen können, es ist hier die Rede von: Luckyiam.PSC, Scarub, Eligh, Sunspot Jonz, The Grouch, Bicasso, Asop und Murs. Die Produktion kommt auch aus diesen Reihen, womit "The Gathering" also ohne Gäste auskommt. Und um es kurz zu machen: die Living Legends tun den Erwartungen ihrer Fans auch mit diesem kurzen Hörspaß keinen Abbruch. Das deutet sich schon im Opener, "The Gathering", an, wenn "the latest gods to be added to the pantheon" über einen einprägsam-hypnotisierenden Beat ihre mannigfaltigen Styles auspacken und dem Hörer gleich mal den schwer zu verdauenden ersten Höhepunkt reinwürgen. "I am legend / I been it before / With my boots made of rubberbands, I went on tour". Dass Murs ein Frauen-Experte ist, wissen wir spätestens seit seinen letzten Solo-Bemühungen; in "She Wants Me" gibt es Weisheiten von sämtlichen Crew-Mitgliedern, wobei Murs für die markanteste Stelle sorgt: "I got a, restraining order on my ex-girlfriend / We had a fight, she pulled a knife, I'm at the precinct again".

WRITTEN FOR Rap4Fame


Nach zwei schweißtreibenden Brettern wird dem Hörer mit "Pants On Fire" ein klein wenig Ruhe gegönnt, was in diesem Fall ein Beschränken auf einen soliden Beat heißt, der jedoch von einer hervorragenden Hook weitesgehend ausgeglichen wird. Genau umgedreht verhält es sich mit "War And Peace", das ohne seine Hook um einiges besser dastehen würde. Ein genial relaxter Beat, der sich auf minimalistische Snares abspielt, macht die Raps zu einem wahren Genuss, die einmal mehr die Sinnlosigkeit von Krieg allgemein, und dem Irak-Konflikt im Speziellen, anprangern. Da verzeiht man auch gerne den etwas einfalloslosen Beat von "Luva Changer", der der, diesmal mit anderem Schwerpunkt gesetzten, Ausführung über das andere Geschlecht, nur zu einem soliden Endprodukt verhilft.

Etwas zu trocken zeigt sich dann allerdings "Samba", das auf der Reise ins Langzeitgedächtnis schon sehr schnell vom Weg abkommt. Am wunderbaren Extended Euro Mix von "After Hours", das als Abschluss serviert wird, gibt es dann allerdings wieder wenig bis gar nichts auszusetzen. Und da die Legends gerne mal die Nacht durchfeiern, haben sie zu diesem Thema auch einiges zu erzählen. "To all the late night people... Drivin home from the club... you know your ass got work in the morning... I hope your ass don't get fired... Living Legends... We invented fun". Nach achteinhalb Minuten guten Ratschlägen hat der Spaß dann schließlich ein Ende.


Fazit:
Auch wenn hier nicht jede Produktion wirklich auf Dauer überzeugt, können sich vier Highlights bei sieben Tracks durchaus sehen lassen. Dass die Raps der Acht immernoch in der oberen Liga spielen, bedarf keiner weiterer Erläuterung. Für die Zukunft darf man gespannt sein auf das schon angekündigte Album, das dann mit etwas längerer Spielzeit gesegnet sein wird. Und das ist hier auch der einzige Grund, warum die vier Kronen nicht vergeben werden - der EP-Charakter.

Gesamtwertung: 7.2 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Del The Funky Homosapien - Eleventh Hour

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 11. März 2008
Label: Definitive Jux

Tracklist:
01. Raw Sewage
02. Bubble Pop
03. Back In The Chamber
04. Slam Dunk
05. Situations
06. Naked Fonk
07. Hold Your Hand
08. Foot Down
09. I'll Tell You
10. Workin' It
11. Last Hurrah - (Feat. KU)
12. Str8t Up And Down
13. I Got You - (Feat. Ladybug Mecca)
14. Funkyhomosapien



Del The Funky Homosapien, Cousin von NWA-Legende Ice Cube und selbst auch schwerreicher Rapper, dem in Sachen Gangster-Rap und Geschichten über gewalttätig-kriminelle Aktionen keiner etwas vormacht. Oder etwa nicht? Nein, wir haben es hier mit dem Funky Homosapien, nicht dem Hostile Homosapien, zu tun. Del ist Mitglied bei den Westcoast-Rucksackträgern der Hieroglyphics, hat zusammen mit Dan The Automator als Deltron Zero schon Zeitreisen unternommen, und nennt zudem noch das Zuhause der Querdenker, nämlich Def Jux, seine Label-Heimat. Auch ganz ohne das alles wäre der Kerl aber eine der markantesten Figuren im Rap-Game, deren Stimme man unter Hunderten sofort einordnen kann. Doch lange war es ruhig um den Herrn, der auch mit Feature-Spots nicht um sich geworfen hat. Dass "Eleventh Hour" dann auch noch dem Verschiebungs-Virus zum Opfer fällt, macht die Sache nicht besser. Am 11. März ist es dann endlich soweit, Del's neues Album steht in den Läden.

Und mit "Eleventh Hour" kommt der Funky Homosapien (fast) ganz alleine. Wenige Gäste, und bei der Produktion hatte er auch in jedem Track die Finger im Spiel. Also kein Riesenauflauf seitens Hiero oder Def Jux. "Oakland, do you want ride tonight?!". Ja, das will nicht nur Oakland; und so legt Del auch gleich ohne lange zu fackeln los, um mit "Raw Sewage" dann allerdings alles andere als Abwasser zu servieren - nein, dieses Album beginnt so, wie man es sich wünscht - Del flowt verdammt fließend über vorsätzlich relaxed-ruhige Sound-Gewässer. "Salutations, now you facin' / A real nigga, D-E-L, I don't feel bigger / Up here on stage, man I keep it real witcha / I'm here to entertain y'all, let's play ball / I stay raw as coke, flawless flows", da gibt es wirklich wenig zu bemängeln. Die alles entscheidende Frage jedoch, ob Del über ein ganzes Album hinweg seine Kreativität in die richtigen, und für den Hörer hörenswerten, Bahnen lenken kann, ist damit noch nicht beantwortet.

Und um etwas vorzugreifen: Wahnwitzige Gedankenauswüchse, wie man sie von Def Jux teilweise schon kennt, werden hier nicht zum Problem. Nein, aber Del hat nunmal auch nicht durchgehend die Top-Beats gepachtet, was gleich in "Bubble Pop" offensichtlich wird, wenn Del an, von sich selbst überzeugte Fakes, austeilt. "This goes out to my peoples who I love a lot / Del with another hot joint named Bubble Pop", wandelt sich zu "Why do you think that you are all that? / Cause you ain't" im Chorus. Trotz der unterhaltsamen Lyrics schafft es der Beat, gewisse Antipathien auf sich zu ziehen. Und damit wären wir auch schon beim Hauptproblem. Wie auch im sich anschließenden "Back In The Chamber" kann hier zwar nicht von schlechter Produktion die Rede sein, aber der Funke will nicht so richtig überspringen. Entweder, so wie in "Back In The Chamber" der Fall, ist das alles einfach zu harmlos, oder wirkt, man siehe "Slam Dunk", leicht befremdlich. Da helfen auch keine eingebauten Alley Oops weiter. Es ist erschreckend, wie selten es Del gelingt, diese Schranken zu überwinden und etwas wirklich Überzeugendes vorzulegen. "Situations" ist ein solches positives Beispiel, in dem der Weg zum Erfolg wieder eine dicke Packung entspannende Vibes vorsieht.

WRITTEN FOR Rap4Fame

Der "Naked Fonk" kann einen zu einem leichtem Mitwippen bewegen, während in "Hold your hand" ein etwas aus der Reihe tanzender Beat die Show sehenswert (bzw. hörenswert) macht. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier, stellt man das Album mal ins Rampenlicht, einfach zu wenig geboten wird. Denn eben genannte Tracks gehören ja keineswegs zum qualitativen Mittelteil des Albums, sondern zum oberen Drittel oder sogar Viertel. Komplementär verhalten sich einfallslose Tracks wie "Foot Down", während sich ein "Ill Tell You" als Ansage an niveaulose Platinum-Rapper auch nicht aus dem Mittelfeld kämpfen kann, was, wie auf dem ganzen Album, an der Produktion liegt. "Try masterin' your ABC's / And you can graduate kindergarten while you in your teens".

Einer der wenigen Lichtblick ist die erste Single des Albums, "Workin' It", die sich zum eleganten Kopfnicker und zu einem der besten Songs des Albums aufschwingt. Die ersten fremden Raps gibt es mit "Last Hurrah" zu hören, KU eröffnet den gelungenen und sehr entspannten Track mit soliden Raps, die auch neben denen von Del Bestand haben. Auch wenn das Album zum Ende hin ganz klar besser wird, bleibt der ganz große Jubel bei "Str8 Up And Down" aus; und auch "I Got You" kommt trotz einem starken Auftritt von Ladybug Mecca nicht über ein "ganz nett" hinaus. Man kann es nur wiederholen, hier passiert einfach zu wenig. Zum Abschluss wird dann ein bisschen vom sonstigen Schema abgewichen, wenn die Frage "'The fuck is a funkyhomosapien?" in den Raum gestellt wird. Wenigstens bekommt man einen guten Ausstieg. Und damit hat sich die Sache auch schon.



Fazit:
Del's "Eleventh Hour" ist zu langweilig, um als energiegeladenes Album etwas zu reißen, und gleichzeitig aber auch an vielen Stellen zu wenig relaxed, um in diese Richtung ein geschlossen gutes Werk zu sein. Was Del sicher gut getan hätte, wären ein paar mehr Gastproducer. Was die Raps betrifft, so muss über das ganze Album hinweg kein einziges Mal groß Kritik geäußert werden, denn Del ist nicht erst seit gestern ein Meister seines Fachs, und so lässt er auch hier rein garnichts anbrennen. Doch um heutzutage noch ein Album mit "Oha"-Effekt zu machen, bedarf es eben mehr. Und da man die großen Momente hier vergebens sucht, bleibt unterm Strich nur ereignisloser Durchschnitt ohne Aussetzer.

Gesamtwertung: 5.6 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame