Mittwoch, 26. März 2008

Mighty Joseph - Empire State

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 18. März 2008
Label: Urchin Studios

Tracklist:
01. The Uprising
02. Beast - (Feat. Poison Pen)
03. Out The Gate - (Feat. Genesis)
04. Kidz (N.Y.C.)
05. Blurr
06. Anything Can Happen?
07. Legend
08. Blood Sport - (Feat. Vordul Mega)
09. The Dark Ages - (Feat. Murs)
10. Criminal Tales
11. Pandora's Box - (Feat. Double AB, Access Immortal & Swave Sevah)
12. Night Life
13. General Stripes
14. Rock-It-Science



Der Zusammenschluss von zwei etablierten MC's zu einer neuen Formation bringt immer eine besondere Erwartung hinsichtlich des Debütalbums mit sich. Und das lässt sich wohl auch definitiv über das hier vorliegende Produkt sagen. Auch wenn die Partnerschaft von Cannibal Ox's charismatischem Dickerchen Vast Aire und dem aus Flatbush, BK, stammenden Karniege nicht von heute auf morgen passiert ist: das angekündigte Album und dessen Cover und Titel lässt die Rap-Gemeinde erst seit kurzem aufhorchen.

Und das auch vollkommen zurecht, denn zu einem Gästekreis der üblichen Verdächtigen gesellt sich ein Cover, wie man es nicht alle Tage bei Rap-Releases zu Gesicht bekommt. Das lässt doch auf etwas anderes als den üblichen BoomBap-Eintopf hoffen. Ganz nach dem Motto "Na dann mal los" klinkt man sich also ein. Und was da gleich am Anfang aufgetischt wird, kann sich sehen lassen. Abgrundtief dröhnende Hörner, gefolgt von apokalyptischen Streichern, eröffnen die Partie. Das Ganze wird sachte abgerundet durch die messerscharfen Einstiegslines von Karniege, deren markerschütternde Kaltblütigkeit das Szenario komplettiert, wenn er fordert: "Give the props, to this nigga that's hot". Karniege, "about to ruin, the image and the style that you're used to", wird abgelöst von Vast Aire, dessen Stimme fast schon der, Karnieges Stimme durchaus eigene, Groll und die Boshaftigkeit fehlen.

Nichtsdestotrotz ist Vast seinem Kollegen in Sachen Raps ein wenig überlegen, was an seinen, C-Rayz Walz ähnlichen, zwar unzusammenhängenden, jedoch großartigen, Vergleichen, Andeutungen und Metaphern liegt. "Now you're the owner of a lonely heart / It's much better than a, owner of a broken heart / Grab the mic and rip the bones apart, like Napoleon / I know you got a complex / And it's hard for you to see the concept / We them kids that grew up in the projects / I don't care about yours, we got next". Da kommt Freude auf. Der erste Gast trifft auf "Beast" ein, Stronghold's Kraftpaket und Mittelfinger Poison Pen unterstützt das Duo über einen erstaunlich unkantigen Beat. Ja, der King Kong des Covers macht erstmal Brotzeit anstatt seinen Allerwertesten "Out The Gate" zu bewegen, um ein bisschen Angst und Schrecken zu verbreiten. Und passend dazu spielt ein altbekanntes, gepitchtes, Voice-Sample.

Bei dem trotzdem sehr gelungenen Outcome sollte man sich jedoch nicht beschweren, was auch für "Kidz (N.Y.C.)" gilt, das sich mit seinem Titel selbst erklärt. "How many of y'all, had the past I've had / You and you're Mom's, but no dad / Seems like a normal thing, ain't that sad? / If you feel what I'm sayin', people raise your hand". Der nächste Happen folgt mit dem köstlich relaxten "Blurr", das sich jedoch gleichzeitig auch bei den blassesten Stücken einreiht.


WRITTEN FOR Rap4Fame

Ein Solo-Track von Karniege wird mit "Anything Can Happen?" nachgelegt, bei dem man Vast Aire, trotz solider Leistung von Karniege, leicht vermisst. Wenn dann Country-Musik eingespielt wird, kann man die Auswahl an Producern, die hier hätten am Werk sein können, schon stark einschränken. Und spätestens wenn der Beat einsetzt, kristallisiert sich ein klares "Madlib" heraus. Mit gewohnt eigenwilliger, aber auch wie immer zu den Akteuren passender, Leistung sorgt der Herr Quasimoto für den nächsten (kleinen) Höhepunkt, der sich "Legend" nennt und als Gegenstück zum vorangegangenen Song diesmal Vast Aire alleine gehört (was die Beat-Atmosphäre auch voll rechtfertigt). "In the streets, anything can happen / The stock exchange is like the glock exchange / The supply goes up and down / And the bullets go up and down / Give me some ellbow room and I'll lock it down / And I don't even like your town / You need recess / I came to destroy Rap and also save the princess", spricht Vast Aire.

Der nächste Volltreffer lässt nicht lange auf sich warten, auch auf "Blood Sport" ist Vast Aire voll in seinem Element, zumal sich noch Cannibal Ox-Partner Vordul Mega einfindet. Passend dazu wird auch ein, äußerst gut ins Geschehen passendes, Sample von ebendiesem eingespielt. Nun aber hurtig weiter zum Hauptgericht, bzw. dessen I-Tüpfelchen. "The Dark Ages" darf sich ruhig als eines der atmosphärischsten Instrumentals des (noch jungen) Jahres rühmen und passt dazu noch exzellent zu den drei, sich sehr voneinander unterscheidenden, Verbalanstrichen von Living Legend Murs und den zwei Protagonisten. Und wieder krallt sich Vast Aire den Titel für die besten Lines: "Vast's flow can turn men to mice / If reality's a whore, I'm fuckin her twice / And on the third time, she'll be screamin' my name / And her best friend 'truth' will tell you the same / I'm that same chubby kid with the Bruce Lee poster / That'll finger-pop a bitch to check the odor / That's ill, they put coke in soda? / Nah, what's ill is, I practiced with Yoda / My people rep the sun, cause they're dark / Only in the skin, not in the heart". Traumhaft.

In "Criminal Tales" kann Vast, ebenso wie Karniege, mit erstklassigen Stories aufwarten, die schon leicht an Tarantino's "Reservoir Dogs" erinnern: "Here they go again, they took him to Queens / They took him to a Warehouse, so they can't hear him scream / They cut off his nose, put salt on it / Then they poured honey on it, put ants on him / He couldn't take no more, he was cryin' n shit / 'Why don't you let me go, you blood bastards?'". Wer im Anschluss die "Pandora's Box" öffnet, dem springen nicht zwei, nein, fünf Wortakrobaten entgegen, die sich über einen kühlen Kopfnicker austoben dürfen. Dabei kann man jedem, sei es nun Stronghold-Spitter Swave Sevah oder Bedford's Eigen ACS, eine gute Show attestieren.

Der Rest des Albums wird alleine bestritten, und auch wenn man bei keinem der drei verbleibenden Tracks in Begeisterungsstürme ausbrechen wird, so fügen sich doch das wenig nach HipHop klingende "Night Life" als auch der solide Eastcoast-Kopfnicker "General Stripes", gut ins Gesamtbild. Den Abschluss macht ein Track, der in Sachen Eigensinn fast schon Madlib zugesprochen werden kann, jedoch aus J-Zone's Küche stammt. "Rock-It-Science" erfüllt zuverlässig seine Aufgabe als gut gelaunter und dazu sehr langer Abschluss.



Fazit:
Was lehrt uns das Album? Definitiv, dass solche Zusammenschlüsse frischen Wind in gewisse Sparten des NY-Rap bringen können. Mighty Joseph zumindest zeigen, dass sie sich als Duo gut am Mic ergänzen, ein glückliches Händchen bei der Beatwahl zu beweisen fähig sind und das ganze auch gekonnt zu einem gut verträglichen Paket zusammenschnüren können. Auf die Gefahr hin, dass Vast Aire in solchen Gefilden etwas verloren wirkt, wünscht man sich als einzigen Kritikpunkt vielleicht mehr düstere Brecher im Format des Openers. Ansonsten steht dem Zertifikat "Hörenswert" jedoch nichts im Wege, und bei dem (noch) nicht mit vielen Highlights gesegneten 2008 lohnt sich hier ein Zugreifen definitiv!

Gesamtwertung: 8.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

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