Mittwoch, 6. Februar 2008

Big Noyd - Illustrious

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 22. Januar 2008
Label: KOCH Records

Tracklist:
01. Snitches
02. Posted On The Block
03. So Much Trouble - (Feat. Serani)
04. Heartless
05. Money Talk
06. Things Done Changed - (Feat. Kira)
07. Back Up In This Bitch
08. The Paper - (Feat. Jay Rush)
09. Ghetto - (Feat. Joell Ortiz)
10. It's A Wrap - (Feat. Ric Rude)
11. Trying To Make It Out - (Feat. 40 Glocc & B.A.M.)
12. No Where Else To Hide
13. Rages To Riches
14. Get It Poppin'



Es gibt gewisse Artists, bei denen man, wenn vom inzwischen x-ten Album die Rede ist, erstaunt ausruft: 'So viele schon?!'. Und wenn man ein kleines Projekt aus dem letzten Jahr mitrechnet, dann kommt man bei dem Herrn und Rapper Big Noyd auf sein nunmehr sechstes Album. Bisheriges Problem war wohl eindeutig, dass Noyd auf Albumlänge die Verkörperung des langweiligen QB-Sound darstellte. Und deswegen wird auf dem neuesten Werk "Illustrious" auf Features aus der Mobb Deep-Ecke verzichtet und M.O.P.'s Lil Fame als Executive Producer angeheuert. Und so kommt Anfang 2008 "Illustrious" in die Läden.

Den Unterschied soll also diesmal Noyd's "New flavor" ausmachen. Doch betrachtet man sich das Ganze mal ein klein wenig genauer, dann wird hier gar nicht so viel Neues geboten. Denn unterm Strich sehen sich die Lego-Bausteine, aus denen Noyd's bisherige Beats gebaut waren, und jene, die als neu angepriesen werden, doch ziemlich ähnlich. Allein dies lässt schon die Vorahnung aufkommen, dass hier, wie auf jedem anderen Noyd-Album auch, angenehme Hintergrundbeschallung gestreckt auf 14 Songs, im Tagesmenü angeboten werden. Wunder soll es jedoch immer wieder geben, uns deshalb sollte man keine voreiligen Urteile fällen. Wunder geschehen allerdings äußerst selten, und auch wenn damit der Rest der Review erheblich an Gewichtigkeit und Spannung verliert, Noyd hat hier bestimmt kein Wunder aus dem Ärmel gezaubert. Ganz im Gegenteil, er manifestiert das ihm gegenüber schon bestehende Vorurteil. "Niggas like bitches, talkin / Til' you put a fuckin gun in they mouth / Believe me he a dead man, walkin / Cause when I see him, I'mma air the nigga out".

Wie eh und je werden die immergleichen Phrasen abgeklopft und gleich einem Lego-Baukasten in den anscheinend unendlichenen Variationsmöglichkeiten aneinandergereiht. Noch dazu ist die musikalische Untermalung, die Sebb, der in QB alles produziert was sich nicht schnell genug in Sicherheit gebracht hat, dem Opener "Snitches" verpasst hat, nicht gerade aufregend. Wen wundert es da, dass die Queensbridge die letzten Jahre so erheblich an Gewichtigkeit verloren hat. In "Posted On The Block" zeigt sich Fizzy Womack alias Lil Fame dann alerdings sehr gut aufgelegt und kann zumindest einen soliden Kopfnicker erschaffen, der zumindest positiv auffällt. Während man beim Ertönen von "So Much Trouble", "That gangsta shit" und leicht karibischem Flair in Form von Serani schon den Kopf halb in die Schlinge gelegt hat und kurz davor ist, sich vom Stuhl abzustoßen, gerät die Nummer dann doch erträglicher als gedacht, vermag es allerdings trotzdem nicht, seinen Weg ins Langzeitgedächtnis zu finden.

Das gelingt schon viel mehr mit einer typischen Ric Rude-Produktion, welche übrigens auch einwandfrei auf jedes bisherige Noyd-Album gepasst hätte; "Heartless" vermittelt zwar inhaltlich wieder nur viel heiße Luft, doch bevor man sich ergebnislosen Diskussionen über die Wichtigkeit und die Notwendigkeit des Vorhandenseins von lyrischem Content verliert, sollte man einfach weghören und genießen. Denn das schöne Wetter hält nicht lange, "Money Talk" versucht zwar erstmals, ein anderes Thema in den Mittelpunkt zu stellen (Denn nachdem uns Noyd erinnert hat, dass er größte Chips-Stacker von allen ist, wird auch der moralische Zeigefinger, ganz kurz, gehoben), besticht dafür jedoch ebenso mit einem äußerst unschönen Sample.

Die Vorab-Single geht wieder auf Fame's Kappe und besticht mit erstaunlich viel Soul. In dieser Weise gibt es wenig zu bemängeln. Nur eben, dass "Things Done Changed" eher die Ausnahme auf dem Album bildet. Denn man verfällt schnell wieder in das altgewohnte Muster der Belanglosigkeit, wie etwa in "Back Up In This Bitch" oder "The Paper". Es bedarf hier keiner näheren Beschreibungen der einzelnen Songs, da diese, im Noyd'schen Einheitsgewandheit, gemächlich vorbeiplätschern ohne positiv oder negativ aufgefallen zu sein. Etwas besser und somit im guten Durchschnitt liegt "Ghetto", welches sehr von den Raps des Gastes und Ex-Aftermath-Emcees Joell Ortiz profitiert. "Hands only do damage, with cannons you meet Jesus".

Ehe man sichs versieht ist schon ein weiterer Track vorbei, "It's A Wrap" kommt und geht heimlich, still und leise. Über "Trying To Make It Out" lies Noyd etwas von einer Verantwortung gegenüber Kids (wie auch seiner Tochter) verlauten, die er mit seiner Musik habe und die neben der Gangster-Attitüde koexistieren könne/müsse. Erscheint hier allerdings, wenn überhaupt von selbst ersichtlich, reichlich paranoid, um nicht zu sagen Para-Noyd. Nichtsdestotrotz gerät die Nummer, mit Unterstützung von G-Unit-Rekrut 40 Glocc und B.A.M., recht gut; und mindestens überdurchschnittlich ist auch das sample-versetzte "Nowhere To Hide", in dem sich massiv ein Piano über den Hörer ergießt.

"Rags To Riches" leitet den mittelmäßigen Schlussteil ein. "You stuntin on Noyd kid, that's prohibited / You think I can't get you hit, that's ridiculous / I know niggas that pull more strings than Aerosmith / That'll have you in your casket, bastard, real quick". Alle Achtung. Kurz nachdem "Get It Poppin'" angefangen hat, ist es auch schon wieder vorbei. So geht es in etwa auch dem ganzen Album. Doch bevor man sich darüber länger den Kopf zerbricht - das Album ist mit 40 Minuten Spielzeit wirklich sehr kurz geraten.



Fazit:
Noyd bleibt Noyd, mit oder ohne Mobb. Hier hat niemand auch nur das Geringste verpasst, und trotzdem wird der durchschnittliche Eastcoast-Fan, während er sich mit etwas anderem beschäftigt, "Illustrious" als angenehmes Beigeräusch bezeichnen. Dass Noyd wohl nie über diesen Status hinauskommen wird, wird von Album zu Album sicherer, wobei sich auch Machwerk Nummer sechs brav in die lineare Folge einreiht. Wer sich die allesdominierende QB zurückwünscht, der sollte hier auf keinen Fall anhalten, wer, wie schon gesagt, nicht zu gehaltvollen und nicht zu harten Street-Rap sucht, weil er Stille nicht ertragen kann, der ist bei Big Noyd richtig.

Gesamtwertung: 5.1 / 10


WRITTEN FOR Rap4Fame

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