Freitag, 1. Februar 2008

Nicolay & Kay - Time:Line

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 01. Februar 2008
Label: Nicolay Music Group

Tracklist:
01. Time:Line
02. Blizzard - (Feat. Toby Hill)
03. The Lights - (Feat. Myth, S1 & Nicole Hurst)
04. Through The Wind - (Feat. Stokley Williams)
05. What We Live
06. I've Seen Rivers
07. Tight Eyes - (Feat. Oh No & The Luv Bugz)
08. As The Wheel Turns
09. The Gunshoot - (Feat. Chip Fu)
10. GrandTheft Auto
11. When You Die
12. Dancing With The Stars - (Feat. Soulfruit)



Nicolay aus den Niederlanden, jetzt ansässig in North Carolina. Kay von The Foundation, aus Houston. Was die beiden verbindet? Sie veröffentlichen ein gemeinsames Album. Wieso? Das Internet macht's möglich. Okayplayer war der Ausgangspunkt, und das Endprodukt darf man sich ab dem 01. Februar in Europa in den Läden aneignen. Und bei einem Titel wie "Time:Line", der ein wohldurchdachtes Konzeptalbum verspricht, sollte man gespannt genug sein. Zumal der Producer-Teil sich in der Szene bereits einen exzellenten Ruf eingefangen hat, was nicht zuletzt an dem mit Lob überschütteten Album mit LB's Phonte, als The Foreign Exchange, liegt.

Und wenn "Connected" etwas gelehrt hat, dann das Nicolay ein vielseitiger Producer ist. Dies trifft nun auf Kay's Lyrics, die im Sinne des Konzept sehr viel Spielraum haben, denn diese Zeitleiste erlaubt sowohl Zeitreisen allgemein als auch solche im Rahmen eines menschlichen Lebens. Das Album macht jedoch keine Anstalten, hier langsam seinen Einstieg zu finden, sondern Nicolay legt mit krachenden Drums und Audiochaos, in Form von Stimmgewirr im Hintergrund, gleich voll los, und sobald sich dann auch Kay ins Getümmel stürzt, befindet man sich voll und ganz Sound von "Time:Line", so auch der Name des Intros. Die Time-Line beginnt allerdings praktisch erst im "Blizzard", bzw. wie auch im Chorus schwer zu überhören, der Geburt. Dieser steht als Hebamme Toby Hill bei, der die Vocals zur angemessenen Auskleidung dieses Songs beisteuert, bei dem Nicolay am Rande fast schon an Timbaland's frühere und noch ernst zu nehmende Zeiten erinnert.

Für "The Lights" werden zwei Drittel des Strange Fruit Projects eingeladen, welche als Seelenverwandte aus Texas durchaus bekannt sein sollten. Doch ganz abgesehen davon passen Myth und Symbolic One auch sehr gut ins Gesamtbild des butterweichen Songs, auf welchem zudem Nicole Hurst ihre Stimme für die Vocals herleiht, während sich die Raps um den (zu großen) Ruhm und dessen Bewältigung drehen. "Designer clothes, sharper than lenses / Contact with beautiful women, model types / Guess that's the life when you're living in the lights / Best believe, you might get caught up in your own hype / A little snort here and there, dealin' with the limelight / Depression get into your souls, you can't cope / Your best friend name is coke, and you put him up your nose". Ein wenig mehr in Fahrt kommt das Album mit "Through The Wind", was sicherlich an den klar nach vorne gehenden Drums liegt, die natürlich wieder mit den Nicolay-typischen Soundelementen versehen werden und zu denen sich mit Stokley Williams auch wieder eine gesungene Hook gesellt.

Erstes richtiges musikalisches Highlight ist dann "What We Live", in dem Nicolay eine solch breite Front an Hörnern auffährt, wie man es sonst selten hört. Gefällt. Die nahtlose Überleitung in das ruhigere "I've Seen Rivers" gelingt ebenso einwandfrei, und der Rest des Tracks weiß gleichfalls zu überzeugen. Auch wenn die Gesamtaussage etwas wässrig gehalten wird und man am Ende so schlau wie am Anfang ist, so lauscht man doch gerne dem, äußerst flüssigen, Flow Kay's beim Philosophieren. "See, they all smile, til' a nigga say somethin' / Then it's like 'Call my office' / They only seem to take action when they start talkin / About the rivers, elephant and donkey / 90% of the folks is clearly retarded".

Wem auf den letzten paar Songs die weiblichen Vocals abgegangen sind, der wird an "Tight Eyes" mehr als nur Gefallen finden, das mit den Luv Bugz in Sachen Vocals keinesfalls besser hätte ausgestattet werden können. Außerdem findet sich hier auch ein Auftritt von Herr Oh No, der als Vertreter von Stones Throw sicherlich gut passt, gegenüber besagten Vocals jedoch mit Kay nur die zweite Geige spielt. Noch weiter steigern kann sich das Album mit "As The Wheels Turn", bei dessen Hook sich ein T-Pain, stellvertretend für sämtliche weitere gefühllose Figuren dieser den Markt überschwemmenden Brut, in Grund und Boden schämen würde, würde man ihm unterstellen, dass er jemals in den Genuss solcher Musik käme. Dieses Stück lässt sich mit nicht mehr und nicht weniger als "smooth" umschreiben, eventuell darf sich noch "unglaublich entspannt" dazugesellen.

Genau hier, im späten Mittelteil des Albums, findet die Harmonie zwischen den Auswüchsen Nicolay's Oberstübchens und Kay's talentgesegneten Rapkünsten ihren Höhepunkt. An dessen Spitze steht nämlich das nun denn folgende "The Gunshot", in dem der chemischen Lösung aus "Nic" und "Kay" auch noch "Chip Fu" begemischt wird und dem ganzen dann einen noch viel einzigartigeren Flair begibt, was zu allem Überfluss mit perfekt eingesetzen Vocals in die Perfektion getrieben wird. Nun bewegt sich das Album langsam aber sicher auf seinen thematischen Umbruch zu, zuerst jedoch digitalisiert sich Kay, um dann eine kurze Zeit in "Grand Theft Auto", Houston, zu verweilen. Doch wie es den meisten selbst erging, so findet sich auch Kay schnell mit dem langen Arm des Gesetzes konfontriert, hier in Form einer SWAT-Einheit. Und da Kay anscheinend die Cheats nicht kennt, heißt es am Schluss "Game over", womit wir auch gleich bei "When You Die" wären, was hier natürlich perfekt anknüpfen kann. Aus der Sicht von Kay im Koma: "As I lay in this bed and see tears from my wife and my mother, my sister my father, I / Wanna scream 'It's okay, I can hear you', this coma got folks in the frenzy". Auf sein letztendliches Ableben gibt der letzte Track einen Ausblick auf das, was einen nach dem Übetreten der Schwelle von Leben und Tod erwartet. Und sofern das immer so fein klingt wie hier in "Dancing With The Stars" braucht man vor dem Tod keine Angst zu haben.


So ziemlich alles, was Nicolay & Kay über ihr Album angekündigt hatten, trifft auch ein. Hier ist wirklich der etwas andere Sound vorzufinden, der durchaus auch richtungsweisend ist und ganz allgemein eine erfreuliche Abwechslung sowohl zu einheitlichem Dirty-South-Stuff als auch zum wenig variablen Boom Bap bietet. Sauber gewählte Gastauftritte mit durchdachten Songs, die auch nach vielmaligem Hören nicht alles preisgeben, und wahrscheinlich auch einen Deutschlehrer glücklich machen würden. Davon kann man sich nur mehr wünschen! Nic & Kay: Mission erfüllt!

Gesamtwertung: 8.5 / 10


WRITTEN FOR Rap4Fame

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