Mittwoch, 27. Februar 2008

KRS-One - Adventures In Emceein'

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 19. Februar 2008
Label: Echo-Vista Group

Tracklist:
01. Intro - (Feat. Rakim)
02. Today's Topics - (Feat. Chuck D)
03. Our Soldiers - (Feat. Cx)
04. Money - (Feat. MC Lyte)
05. We Dem Teachas - (Feat. Dwayne Da Rock)
06. Better & Better - (Feat. Peedoe)
07. The Way It's Goin’ Down
08. All Right - (Feat. Just Blaze)
09. Don't Get So High (Dancehall Mix)
10. I Got You
11. All My Love - (Feat. Carlet Boseman)
12. Over 30 (Remix)
13. The Teacha Returns
14. The Real Hiphop - (Feat. Nas)
15. Watch This! - (Feat. S-Five)
16. What's Your Plan?
17. Getaway
18. Don't Give It Up - (Feat. S-Five)
19. Gro---oh! (Hiphop Nation) - (Feat. S-Five)
20. It's All Love - (Feat. Non-Stop)
21. Wachanoabout



Wer sich einen Besuch im HipHop-Land vornimmt, der wird nicht daran vorbeikommen, auch den Tempel zu besuchen, in dem der Oberpriester, gerne auch The Teacha genannt, den Namen KRS-One trägt. Dass selten auf einen noch aktiven Rapper die Bezeichnung Urgestein so gut gepasst hat sei nur mal am Rande erwähnt. Wer also diesen Tempel besucht, der wird merken, dass KRS-One sein Mic noch lange nicht an den Nagel gehängt hat. Nach dem jüngsten Projekt, dem Kollabo-Album mit dem früheren Opponent Marley Marl, steht Anfang 2008 schon das nächste Werk ins Haus. Neben einem Album namens "Maximum Strength", das alte Songs beinhalten wird, veröffentlicht KRS nämlich ein brandneues Album namens "Adventures In Emceein'".

Dass man dieses Ding wegwerfen will, bevor man es überhaupt angehört hat, das schafft auf glorreiche Weise ein Cover, das allem Anschein nach größten Wert darauf legt, eine Frechheit zu sein. Was bei tödlichst unbekannten Artists zu entschuldigen ist, ruft bei einem Künstler wie KRS-One einfach nur Unverständnis hervor; dieser Typ wird sich doch jemanden leisten können, der mit Photoshop eine längere Erfahrungsdauer als einen Tag aufzuweisen hat. Aber ich will mein ganzes Pulver nicht schon bei diesem Witz eines Covers verschießen, dafür ist das Album viel zu schade. Denn weiter geht es mit der Trackliste. Bei so viel Geteachere zückt der Deutschlehrer schon seinen Rotstift in der gewissen Vorahnung auf unzählige Wiederholungen. Fast schon erdrückt von diesen bösen Vorahnungen taucht man also in ein kurzes "Intro" ein, das fließend in "Today's Topics" übergeht, und diese Topics werden von einem weiteren Urgestein, Chuck D, vorgetragen. Und erstaunlicherweise ist dieser äußerst kurze Track alles andere als schlecht.

Diese ersten beiden Tracks hat KRS gut genutzt - denn nun hat er mit seiner unfehlbaren Knowledge-Keule soweit ausgeholt, dass er den Hörer für den Rest des Albums damit abwatschen kann. Angefangen wird mit "Our Soldiers": über einen soliden, doch unspektakulären Beat, rollt KRS die Wahrheit auf und enthüllt, dass der von der US-Regierung angezettelte Krieg eigentlich total unnötig ist. Während man noch total geschockt von dieser Offenbarung ist, lässt KRS keine Pause zu, sondern stellt gleich den nächsten Bösewicht an den Pranger - den Herrn Geld, alias "Money". Bei wieder solide unauffälligem Beat und Spoken Word-Einlagen von MC Lyte werden unfehlbare Wahrheiten klargestellt, wie zum Beispiel: "M-O-N-E-Y, don't ask why, it is the root of all evil, the very necessary to your livelihood, it's all good, when you got enough; 'til enough ain't enough". Auch wenn sich der marktwirtschaftlich aufgeklärte Mensch hier, unwissend ob er jetzt schockiert oder belustigt sein soll, an den Kopf fasst: man sollte KRS doch unbedingt glauben, denn seine Traumwelt, in der kein Geld existiert, die voller Blumenwiesen ist und in der der Wert eines PC's plus MP3-Player dem einer Kuh plus 20 Liter Milch entspricht, ist definitiv erstrebenswert.

Da solche Inhalte allerdings alles andere als eine Überraschung darstellen, kann man auch einfach weghören, was dann natürlich die Frage aufwirft, was man auf diesem Album zu suchen hat. Dass dann ausgerechnet "We Dem Teachas", das unter der scheinbar endlosen Liste der bekloppten Titelnamen nochmal den Vogel abschießt, erstaunlich erträglich gerät, scheint sich jeder Logik zu entziehen. "Comin straight out the block, we dem teachas / Always makin' that doe, on the hustle". Na da hoffe ich doch schwer, dass dieses Doe nicht aus verticktem Dope resultiert. Ganz unabhängig davon gehört Keith Stewart für diese Dämlichkeit einer Hook erschossen. KRS selbst predigt wie nicht anders zu erwarten Lines wie: "I'll never stop talkin' bout Malcolm X / And I'll never stop talkin' bout havin save sex". Und trotz der stellenweisen Wässrigkeit darf man dem Mann hier ein "hörenswert" attestieren.

Trotz seiner auf Albumlänge äußerst anstrengenden Stimme verzichtet KRS größtenteils auf Features. Eines (in Form von Pee-Doe) findet sich jedoch auf "Better & Better", das sich über eine hektische Komposition aus Streichern freuen kann. "However, I'm really fascinating to the letter / My English grammar gets better & better". Für die zweite Hälfte dieser Line darf man jedem Grundschüler ein anerkennendes Lob zusprechen, nur von einem 42-jährigen dürfte man eigentlich schon den Abschluss dieses Lernprozesses erwarten. Wie auch immer, ganz im Trend von Tracks mit kurzer Spielzeit findet man sich nach weniger als drei Minuten schon im nächsten (noch kürzeren) Song, in dem Adam Deitsch ganz gemäß der bisherigen Beatkulisse ein weiteres Bäumchen in die Landschaft stellt, welches dann aber doch ziemlich großen Abstand zum Langzeitgedächtnis hält. "HipHop East, West, North, South, we lovin it / It's time for new leadership, time for self-government". Natürlich für sich genommen, wie übrigens ein Großteil von KRS' Verbaloutput, weder tragisch oder besonders, nur in seiner Gesamtheit, gespittet von diesem ausrangierten Fast-Rentner, nicht ernst zu nehmen.

"The Teacha Returns". Schon wieder? Zumindest auf einen von Bam Beats annehmbar gestalteten Beat, der auch KRS eine halbwegs lustige Line entlockt. "I be rockin them drums, all you do is shoutin' / What's your adress, 69 Brokeback Mountain?". Nach einem gesprochenen Intro von Nas erklingt mit "The Real HipHop" der bis dato beste Track, was vorwiegend an dem soliden Beat liegt. Mit "Watch This!" begibt sich KRS in elektronische Beat-Gefilde, die ihm eindeutig nicht stehen, weswegen hier auch nicht mehr als Mittelmäßigkeit drin ist. Geboten wird außerdem einer von zu vielen unaufregenden Auftritten von S-Five. Der nächste richtig gute Track folgt mit "What's Your Plan?", für den Alex Track verantwortlich ist. Wieso nicht öfter so? O nein, denn Abwechslung muss sein und deshalb klingt "All Right" mit seinen Streichern eher wie eine typische Represent-Nummer eines Releases von irgendwo zwischen Georgia und Texas. Für einen unheilverkündenden Dancehall Mix hätte "Don't Get So High" dann jedoch erheblich schlimmer ausfallen können. "Some say I'm stuck back in 84, I don't know / I don't see no nicklebags, yo / I don't see no Word Up! Mags, yo / All I see is striaght up fags, yo.

Da dieses Album stolze 21 Tracks besitzt, sprich viel zu viele, fängt ungefähr nun die leichte Langeweile an, über die auch nicht mehr die Raps vom Blastmaster hinweghelfen. "I'm omni-hood, that means I rep every street". Solche Lines finden sich viel zu selten auf "I Got You". Jetzt aber zum besten Teil des Albums. Bis zu diesem Punkt konnte man seitens der Beats noch keinen wirklichen Totalausfall beklagen. Dieser zeigt sich auch noch nicht in "All My Love", wobei die gesäuselten und allgegenwärtigen Vocals von Carlet Boseman in anderer Weise eine Tortur darstellen. Doch das war noch nichts. Denn wenn dieser Track den Anus darstellt, dann ist der Rattenschwanz der nun folgenden Tracks dessen Output.

"Over 30 (Remix)" leitet mit traumhaft grottigem Beat ein, Ohrenkrebs bekommt man nach der unangenehmen Hook von "Get Away" spätestens bei "Don't Give It Up". Während man sich noch fragt, wieso KRS hier über Produktionen rappt, die jeder zweitklassige South-Rapper verschmäht hätte, kommt der eigentliche Knaller des Albums. "Gro---oh! (HipHop Nation)" ist, abgesehen von der verursachten Übelkeit, schon wieder höchstamüsant. Dass sich KRS-One wirklich mit einer solchen Schlechtheit auf ein Album traut, verdient Anerkennung. Über den Inhalt ist mit dem Titel schon alles gesagt. Da KRS diesen Song nicht überbieten kann, setzt er in "It's All Love" auf ein langweiliges Piano mit Dünnbrettbohrer-Hook und einem Tick Kitsch. Äußerst fehl am Platz wirkt das abschließende "Wachanoabout", das mit Metal-Einfluss und stark dominierender Gitarre von Vince Flores jedoch trotzdem weitaus besser als seine Vorgänger ist. Und damit wäre diese Show, Schrägstrich, Panne, vorbei.


Fazit:
Es ist nicht einfach, einer noch lebenden Person den Titel "Legende" zuzusprechen. Bei KRS-One jedoch wird wohl niemand Einspruch dagegen erheben. Dies führt zur Preisfrage des Tages: Was sollten Legenden auf keinen Falls tun? Genau, dann noch Musik machen, wenn sie schon lange hätten in Rente gehen sollen. Dass man dabei seinen eigenen guten Namen noch extrem in den Dreck ziehen kann, haben unlängst erst Mobb Depp, ääh Deep, lehrbuchmäßig vorgeführt. Nichts anderes ist dieses Album. Ganz wie zu erwarten. Da KRS für "Knowledge Reign Supreme" steht, sollte sich der Mann, der dieses Album veröffentlicht hat, ab sofort nur noch "One" nennen. Die teils passablen bis guten Beats, die den totalen Aussetzern und der Eintönigkeit der plattgetretenen Lyrics und deren Inhalt gegenüberstehen, verhindern eine absolute Keller-Wertung. Falls KRS-One wirklich meint, er muss die HipHop-Welt weiter mit seiner Musik segnen, dann sollte er jedoch dringendst einiges ändern.

Gesamtwertung: 3.9 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hey Homes...

...nach dem Lesen deiner Kritik stelle ich mir folgende Frage: konntest du mit KRS' Musik überhaupt jemals etwas anfangen? In deinem Artikel kommst du zu der Qiuntessenz, KRS hätte besser kein weiteres Album recorden sollen - was du dann aber tatsächlich kritisierst, sind Punkte, die man dem guten Kris schon vor 5 oder auch 10 Jahren hätte vorwerfen können. Meiner Ansicht nach kann das konsequente "teachen" dem Teacha nicht zum vorwurf gemacht werden - es ist seine ureigene Eigenart. Etwas, wofür man ihn liebt oder hasst - mir persönliche ist KRS' unglaublich konsequente Art sehr sympathisch, auch wenn ich es ansonsten vorziehe, nicht belehrt zu werden.

Dazu kommt, dass es meiner Ansicht nach keinen Rapper gibt, der nach einer tatsächlich so langen Karriere immer noch zeitgemäße Musik macht.
Meiner Ansicht nach ist das Album wirklich gut.

Naja, wie auch immer,

peace.

SnoopFrog hat gesagt…

1. Ist natürlich n guter Punkt, den du hier anführst...

Aber:
Ausschlaggebend für die Kellerwertung sind hier zu einem sehr gewichtigen Teil die Beats, die größtenteils einfach unter aller Sau sind, da kann mir keiner was erzählen

Falls er n Album voller Brecher Beats gehabt hätte, dann wär das in Ordnung gegangen, auf jeden Fall etwas mehr

und jetzt zum Teachen:
Erstens ist es ein Unterschied ob du eine bestimmte Sache auf 3 Alben oder auf 10 durchziehst, ob du genau dasselbe 1993 sagst oder 15 Jahre später, ohne dabei jemals was Neues reinzubringen

Damit will ich sagen, dass ich mir die alten Sachen (teils auch wegen dem Sound früher) viel besser geben kann, dass er aber mit der Zeit konstant abgenommen hat (wie so viele Artists halt)

und außerdem: du willst wohl auch nicht leugnen, dass seine Lines früher etwas origineller waren, dass da früher mehr Pepp dahinter war... alleine das Album-Cover spricht meiner Meinung nach schon Bände über dieses Album (ganz gleich obs nix mit der Musik zu tun hat, das is einfach alles lieblos, sowohl Cover als auch Musik)