Samstag, 8. März 2008

Guilty Simpson - Ode To The Ghetto

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 25. März 2008
Label: Stones Throw Records

Tracklist:
01. American Dream
02. Robbery
03. She Won't Stay At Home
04. Footwork
05. Ode To The Ghetto
06. Getting Bitches
07. I Must Love You
08. The Future - (Feat. MED)
09. Pigs
10. My Moment
11. Run - (Feat. Sean Price & Black Milk)
12. Kinda Live
13. Yikes
14. The Real Me
15. Kill 'Em
16. Almight Dreadnaughtz - (Feat. Supa MC, Kriz Steel & Konnie Ross)



Guilty Simpson ist ein Name, der bis zum Jahr 2007 recht unauffällig im Rap-Universum herumschwirrte. Der Mann war zwar schon auf der legendären Kollabo von Jay Dee und Madlib als Jaylib zu hören, konnte aber erst auf dem Debütalbum von Detroit's neuem Shooting Star Black Milk und dessen Lead-Single "Sound The Alarm" richtig auf sich aufmerksam machen. Denn damit kam auch die Ankündigung dieses Albums, die Fusion mit Milk und Sean Price zu Random Axe (und deren, auch für 2008, angekündigtes Album), und weiteren Feature-Auftritten (u.a. bei der nächsten Größe aus Detroit, Phat Kat). Und ja, selbst stammt der Kerl auch aus Detroit, und nach etlichen Verschiebungen schafft es seine "Ode To The Ghetto" Ende März endlich, ihren Weg in die Läden zu finden, und das über Westcoast-Rucksack-Label Stones Throw.

Und genau so wird in der Presseinfo auch Guilty's Stärke gepriesen: die Verbindung vom Stones Throw-Sound der Gebrüder Madlib und Oh No und dem ruffen Detroit Sound, der von Black Milk, Mr. Porter, oder J Dilla bereitgestellt wird. Hier gibt es also keine reine Fortführung der Detroit-Schiene (wie in etwa bei Milk selbst oder dem schon genannten Album von Phat Kat), sondern Guilty mischt seinem Süppchen mehrere Zutaten bei. Angefangen wird mit "American Dream" und einem Madlib-Track, der einen gleich in den tiefsten Dschungel seines Werkzeugkastens mitnimmt, während mit kräftigen Bässen die Gehörgänge bearbeitet werden. Einen schöneren Einstieg hätte man sich kaum wünschen können. Auch die "Robbery" verläuft absolut reibungslos, wieder wird auf einen power-geladenen Beat gesetzt und bei dessen Qualität geht die Rechnung natürlich auch auf. Wen Guilty so alles ausnimmt, das erläutert er auch: "Niggas got cash fo sho' / Cause everywhere I look a nigga flashin' doe / Try'nna get attention from a nasty hoe / Perfect victims for my grab-n-go / And when they leave, that's my cue / I don't give a fuck, I rob the bitch, too".

Vorzeitiger Höhepunkt findet sich in "She Won't Stay At Home". Madlib heißt uns willkommen zur nächsten Lehrstunde, in der er der Audienz ein perfekt verarbeitetes Sample vorführt. Mit nur zwei Minuten leider etwas kurz geraten, macht der Song umso mehr Spaß. Weiter kräftig auf die Ohren gibt es mit "Footwork", das gelichzeitig Oh No's erster Beitrag zum Album ist. Der zweite folgt sogleich, "Ode To The Ghetto" ist auch ein Track, den man Dr. No, ohne mit der Wimper zu zucken, zuschreiben würde. Inhaltlich sind die Ausführungen über alles bisherige natürlich nichts Neues, doch Guilty weiß, wie man seine Raps vorträgt, um das Ohr der Hörergemeinde aufmerksam zu halten.

Wo der Stones Throw-Teil der Produktionen sich mit der eingehauchten Finesse in den grünen Bereich katapultiert, da packt Mr. Porter einfach ein paar Pferdestärken mehr in seine Beats und sie preschen von alleine noch oben, mindestens ins obere Mittelfeld. So auch geschehen in "Getting Bitches". "We bangin' that jungle music / Homies in the hood flip bundles to it". Anschließend lese ich J Dilla in den Credits und frage mich, wie viele Beats dieser Mann eigentlich noch hinterlassen hat. Es scheint, als käme kein Release aus dem gröberen Umfeld mehr ohne einen seiner Beats aus. So lange sie jedoch alle ordentliche Qualität besitzen, was auch auf "I Must Love You" zutrifft, von mir aus.

Das erste Feature findet sich erst jetzt, Stones Throw's / Own MED alias Medaphoar, aus dem, Detroit fernen, Oxnard, gibt sich auf "The Future" die Ehre, und da sowohl hier als auch im sehr kurzen "Pigs" Madlib hinter den Reglern steht, braucht man sich um die Qualität keine Sorgen zu machen. Die Pigs sind natürlichen die Herren der ausführenden Gewalt des Gesetztes, denen man doch bitte einen Mittelfinger schnenken soll. Mit "My Moment" betritt erstmals Black Milk den Ring, der gleich seine ihm eigenen Drums auspackt. Vors Mic tritt er als Random Ace-Trio mit dem Gastgeber und Bucktown's finest Sean Price, und so ist "Run" ein guter Vorgeschmack dessen, was uns wohl auf dem noch folgenden Album der drei erwartet.

Das erste und einzige Mal, bei dem hier nicht der richtige Ton getroffen wird, tritt ein, wenn Mr. Porter "Kinda Live" mit seinen Vocals überhäuft. Der Track ist auch sonst, als einer der langsamsten, der einziger Filler. Schnell vergessen und auch leicht verkraftet, denn mit dem Madlib-produzierten "Yikes" darf man sich gleich wieder über eine astreine Detroit-Hymne freuen, die ganz relaxed zum Kopfnicken auffordert. Selbiges kann auch über das, durch und durch das Pflaster von Detroit atmende, "The Real Me", geschrieben werden, bei dem sich Black Milk in gewohnt starker Form zeigt. "My friend got killed, his girl got problems / She saw what happened when they robbed 'em / The block got eyes and ears / The strong survive, so dry your tears / Be leery of the guys you speak with / Showing emotion's a sign of weakness / And that's deep shit / Sometimes the ones you beef with are the ones you eat with".

Der Schluss gehört, was die Beats betrifft, den Exoten. DJ Babu wirkt hier zwar zuerst fehl am Platz, schafft es mit "Kill 'Em" jedoch auch einwandfrei, sich der Atmosphäre des Albums anzupassen. Das Outcome gehört zwar zu den schlechteren Nummern des Albums, muss deshalb jedoch noch lange nicht geskippt werden. Richtig auf die Kacke gehauen wird dann nochmal zum Schluss, wenn Guilty Simpson mit einem Teil seiner Crew einen selbstbetitelten Anthem schmeißt. Die "Almighty Dreadnaughtz" sind in the house und sorgen dafür, dass der Hörer dieses Album in bester Laune verlässt.



Fazit:
Kurz und knapp - Guilty Simpson's "Ode To The Ghetto" ist ein sehr rundes Album, das wohl genau das bietet, was sich die Fans erwartet haben. Sowohl die Anhänger von Madlib, sowie die Liebhaber des von Dilla und seinen Nachfolgern und Kumpanen praktizierten Detroit Sounds, als auch ganz normale HipHop-Fans (oder wie auf der Promo plakatiert: Fans of D-12 & Eminem) werden hier auf ihre Kosten kommen. Denn Guilty selbst rappt gemäß dem Albumtitel (der deswegen auch passt wie die Faust aufs Auge) von alltäglichen Geschichten aus dem Ghetto, während sich die Beats über eine gute Bandbreite erstrecken, jedoch trotzdem immer zusammenpassen. Nach diversen Releases 2007 setzt der Zug namens Motor City seine Fahrt fort, und wie schon erwähnt ist das noch lange nicht alles. Ganz nebenbei steht auch Black Milk mit B.R. Gunna-MC Fat Ray und einem neuen Album in den Startlöchern. Und um zurück auf dieses Album zu kommen: von der Zusammenarbeit von Stones Throw-Westküste und Detroit sollte man sich noch viele weitere Erzeugnisse wie dieses wünschen.

Gesamtwertung: 8.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Akrobatik - Absolute Value

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 19. Februar 2008
Label: Koch Records / Fat Beats

Tracklist:
01. A To The K - (Feat. B-Real)
02. Soul Glo
03. Put Ya Stamp On It - (Feat. Talib Kweli)
04. Step It Up
05. Rain - (Feat. Brenna Gethers)
06. Be Prepared - (Feat. Little Brother)
07. Absolute Value
08. Black Hell Breaks Loose - (Feat. Willie Evans Jr. & Therapy)
09. Kindred - (Feat. Chuck D & Brenna Gethers)
10. Front Steps Pt. II (Tough Love)
11. Beast Mode - (Feat. Mr. Lif)
12. If We Can't Build - (Feat. Bumpy Knuckles)
13. Ak B. Nimble
14. Back Home To You



Ein weiteres der zahlreichen Ostküsten-Releases der letzten Wochen. Und wieder eine dicke, sehr dicke Tracklist, die das Augenmerk des Hörers binden soll. Der Interpret ist diesmal Akrobatik, seines Zeichens MC aus Boston, Mitglied der Perceptionists und allein schon deswegen eines der vielen unzähligen, fest angewachsenen Ästchen des großen Baums, der sich da Eastcoast-HipHop nennt. Nach "Balance" ist "Absolute Value" das zweite Album von Ak, das da weitermacht, wo das erste aufgehört hat.

Entgegen aller Vorfreude bei dieser, eine Großzahl an Gästen zählende, Party, ist es doch genau dieser Teil des Ostküsten-Baums, dem in letzter Zeit einfach die Kreativität und das gewisse Etwas fehlt. Alleine bevor man hier Play drückt, macht sich schon der Geruch eines schnellvergessenen, von zu vielen Köchen zubereiteten Albums breit. Dann auch noch der Titel, der mathematische Betrag, der laut Akrobatik aus "negativen Werten" Positives macht. Will er uns also Schrott, verkleidet als gute Musik, andrehen? Doch daran soll sich hier gar nicht lange aufgehängt werden. Ein immerhin vielversprechender Produzent ist Illmind, der es bisher immer exzellent verstand, aus der grauen Masse der BoomBap-Beatsmiths hervorzutreten und mit seinen Beats zu glänzen. Er ist mit vier Beiträgen der am häufigsten vertetene Produzent und darf sich auch gleich um den Einstieg kümmern.

"A To The K" ist dann auch ein sehr solider Kopfnicker, in dem B-Real seine Stimme für die Hook leiht. Ak selbst legt mit seinem sauberen und kraftvollen Flow los, um Lines wie "I'm from the era where you had to work the hardest to win / A lotta records dropped, you never heard the artist again / But in my heart is the desire to win / I'm on fire again / Ignite the mic and let it strike my opponents" zu droppen. Seine recht markante Stimme verleiht ihm zwar einerseits Wiedererkennungswert, macht es aber schon im ersten Track absehbar, dass man wegen ihr eventuell auch, genervt, zur Skip-Taste fährt. Doch erstmal fährt Ak damit fort, uns mit einem astreinen Start zu beeindrucken. Mit "Soul Glo" fließt die Arbeit der mehr als nur erfahrenen Beatminerz ein, die hier einen der besten und ärgernswerterweise den kürzesten Track des Albums beisteuern. Kratzige Old-School-Drums mit wunderbarem Voice-Sample und das ganze passend zu Akrobatik's Stimme, da gibt es rein gar nichts zu meckern.

Bis aus die kurzen zweieinhalb Minuten halt, nach denen schon die nächste Nummer hereinrauscht, bei der an die nächste Producer-Größe, J Dilla himself, abgegeben wird. "Put Ya Stamp On It" ist die Devise. "Put 'em up, get 'em high / If Hip Hop is dead, then it happened the day that Dilla died / But Ak and Kweli's here to show you that their shit is still alive". Zwar keine Erstware von Dilla, und nach öfterem Anhören sind die Streicher auch etwas störend, für zwischendurch passt die Nummer jedoch ganz gut.

Der nächste Beat stammt von Hezekiah aus Philly, der mit seinem Beitrag und der beständigen Orgelei allerdings sehr ohrenstrapazierend gerät. Dementsprechend ist "Step It Up" auch schnell vergessen, und die nächste Anlaufstation ist "Rain", erste ruhige Nummer des Albums. Und mit seine besten Momente hat Ak genau hier, wenn sich seine Stimme sehr gut ertragen lässt und wenn er die Thematik zur Politik und zu sozialen Problemen schwanken lässt. "Why's it raining so hard, a young child asked his mother / She said God is cryin', cause we killin each other / Now I don't know if that's the reason or not / But I know I'm sick of seeing young brothers in the hood gettin shot / As the blood flows through the streets through the heat bustin / Understand cousin, that it's mostly over nothing".

Auch hier findet sich der Trend von sehr kurzen Tracks, wodurch die folgende Nummer mit dreieinhalb Minuten Länge schon sehr aus der Reihe fällt. Little Brother wieder zu dritt gibt es mit "Be Prepared", und einem 9th Wonder-typischen Beat, Soul-Sample inklusive. Wem 9th schon seit langem zum Hals raushängt, der weiß was er hier zu tun hat, für alle anderen jedoch ein überdürchschnittlicher Beat mit gewohnt starken Rhymes. Den folgenden Titeltrack, "Absolute Value", vergisst man, trotzdem einem weiteren namenhaften Producer hinter den Boards (J-Zone), schnellstens wieder, da man ihn im Normalfall sowieso nicht bis zum Ende erträgt. "Black Hell Breaks Loose" wartet dann schon mit dem nächsten Gast, ehemals Asamov und nun The Alias Brothers tragen zum soliden Endergebnis des Songs bei.

Anschließend taucht Illmind wieder auf, um mit dem Flöten-dominierten "Kindred" die nächste ernste Nummer zu dirigieren. Desweiteren kann man hier auch Legende Chuck D antreffen, der ab und an ein paar altbekannte Parolen spricht. Ak selbst rollt nochmals die Vergangenheit auf (deren Studium grundlegend für das Einschlagen des richtigen, zukünftigen, Wegs ist) und beklagt zudem die immernoch existierende Benachteiligung der Afro-Amerikaner. "We sleep, because we have no choice / Dehydrated and we can't scream for help, because we have no voice". Sogar noch steigern kann sich Ak mit "Front Steps Pt. II", dem Höhepunkt der Scheibe. Ein Inspectah Deck-Sample und ein perfekt schwermütiger Beat bilden die Grundlage für Ak's erneute Ausführungen über die Probleme der schwarzen Bevölkerung. "My High School had no black teachers / And very few students who had similar features / That's where I caught my first glimpse on how they do us / The priviledge to learnin how to be entrepreneurs / While we die in the sewers, in the gutters / Murkin each others with box cutters".

Von diesem Niveau-Turm, auf dem sich Ak gerade befindet, nimmt er nun kräftig Anlauf und springt einen astreinen Hecht bis ganz nach unten - zum schlechtesten Track des Albums. Dieser kommt mit Unterstützung von Fakts One und Mr Lif. Die Perceptionists also vereint, und trotzdem ist der "Beast Mode", in den jetzt gewechselt wird, keine schöne Sache. Auf die trockenen Drums treibt einem vor allem Lif die Galle hoch. Was da schon viel mehr in Ordnung geht ist die wuchtige und letzte Produktion von Illmind. "If We Can't Build" begrüßt zudem ein lange nicht gesehenes Gesicht, die immerwütende Realness in Person aus der Gang Starr Foundation, Freddie Foxxx alias Bumpy Knuckles. Das war dann alerdings auch das einzig wichtige, was auf diesem Album noch großartig erwähnenswert ist. Das mit Beatbox versetzte "Ak B. Nimble" ist zwar ganz nett, wirkt auf einem Album wie diesem allerdings etwas verloren. Und "Back Home To You" ist nochmals sehr angenehm anzuhören und reiht sich somit ins obere Mittelfeld ein; selbiges gilt auch für den kurzen Hidden Track.


Fazit:
Akrobatik gelingt mit "Absolute Value" ein durchwachsenes Album, das einerseits ein paar sehr freshe Höhepunkte aufzuweisen hat, jedoch ebenso viele Patzer. Der Rest bewegt sich im guten Mittelfeld, was eine endgültige Wertung schwer macht. Das Ziel jedenfalls (falls Ak es sich überhaupt gesetzt hat), mit diesem Album aus der Masse der Conscious Boom Bapper herauszutreten, wird voll verfehlt. Trotzdem wird das Album wohl auch noch in ferner Zukunft seinen Weg in meinen Player finden, jedoch nur wegen schon genannter Höhepunkte, von denen vor allem "Front Steps Pt. II" als sozialkritischer und ausnahmsweise auch nicht oberflächlicher Song glänzen kann. Ein weiteres Album für die Eastcoast-Fans, das jedoch bei diesen Gästen und vor allem diesen Producern auch erheblich besser hätte ausfallen können. Aufgrund der zwar wenigen, doch tief ins Fleisch des Albums schneidenden Tiefpunkte, kann es hier nur 3 Kronen geben.

Gesamtwertung: 5.8 /10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Chaundon - Carnage

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 12. Febuar 2008
Label: Hall of Justus

Tracklist:
01. The Greatest Warrior
02. Don't Take It Personal - (Feat. Darien Brockington)
03. 3 Kings - (Feat. Torae & Skyzoo)
04. HPNY
05. Angie
06. Everything Ain't Easy - (Feat. Charlie Smarts)
07. Understanding - (Feat. Darien Brockington & Percy Miracles)
08. Gone - (Feat. Jean Grae)
09. Told You That - (Feat. Torae)
10. Can I Live
11. Carnage - (Feat. Emilio Rojas & MAG)
12. Selfish - (Feat. Joe Scudda & Jozeemo)
13. Submission - (Feat. Skyzoo & Sean Price)
14. We Are Here - (Feat. G.O.D., Sha Stimuli & D.V. Alias Khryst)



Die Justus League hat sich inzwischen zu einem unübersehbaren Kollektiv im Rap-Geschäft gemausert. Anfangs nur im zweiten Atemzug in Verbindung mit Little Brother genannt, kennt der durchschnittliche Rapfan heutzutage sicherlich den ein oder anderen Namen aus der zweiten Reihe. Und genau solch einer ist Chaundon. Bisher nur mit ein paar Mixtapes aktiv, vielen bekannt von seinem Gastauftritt bei Sean Price, legt er Anfang 2008 sein Debütalbum vor, "Carnage". Dieses bringt uns gemäß dem Titel das Abschlachten von sämtlichen minderqualitativen Emcees im Game. Und Obermetzger Chaundon will in diesem Album natürlich auch zeigen, warum er gerade nicht in jene Sparte der Nullnummern gehört.

Was die Producer betrifft, so sieht man sich mit den üblichen Verdächtigen konfrontiert - ein bisschen 9th Wonder, viel Khrysis und etwas Illmind, plus einige weitere Namen - und fertig ist ein typisches J-League-Release. Auch sonst hat es hier schnell den Anschein, dass man alles andere als etwas besonderes in den Händen hält; dafür ist sein Charisma am Mic nicht groß genug, auch wenn man ihm gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen kann. Gestartet wird mit der Selbstbeweihräucherung "The Greatest Warrior", in der Illmind mal wieder beweist, dass er ein verdammt fähiger Beatbastler ist. "Listen, I'm the nicest in here / I don't even write rhymes, words assemble themselves out of fear". Große Ansage. Auch "Don't Take It Personal" kann dank der sehr ansprechenden Vocals von Darien Brockington überzeugen, auch wenn schon hier der immer im gleichen Ton gehaltene Stil von Chaundon auffällt.

Das schon lange im Voraus bekannte "3 Kings" schließt sich an, und Torae schießt auch gleich mit einem starken Bar los: "We bout to get the lines blurred with this over- and underground shit / The only category I'm in: 'He sound sick'". In Vers zwei gibt es dann von Chaundon selbst folgendes zu hören: "At first it was Kane, G Rap and Rakim / Then B.I.G., Jay-Z and Nas stepped in / A generation later, nobody at the thrones / So Chaundon, Skyzoo and Tor came along". Wie unglaublich hochgegriffen und unfreiwillig amüsant diese Line ist, eröffnet sich den dreien, die hier allerdings zweifellos eine gute Show abliefern, wohl nicht. Muss man denn immer gleich so über die Stränge schlagen?

Es folgen zwei Khrysis-Beiträge, von denen "HPNY" Altes neu aufkocht (und somit auch nicht sonderlich gut hängenbleibt) und "Angie" im gewohnten Style sehr solide gelingt. Dramen über die x-beliebigsten jungen Frauen sind zwar auch nichts Neues, machen sich jedoch trotzdem ganz gut, und bieten hier eine gute Abwechslung zu den Ausführungen über Chaun's Greatness. Irgendwie kommt einem auch "Everything Ain't Easy" in leicht abgeandelter Form sehr vertraut vor, was, trotz des guten Beats, die Stimmung etwas dämpft. Eine sehr unauffällige 9th Wonder-Produktion erwartet den Hörer in "Understanding", was zwar so angenehm wie Charmin-Klopapier vorüberstreicht, aber beim Beginn des nächsten Songs in etwa auch so gut in Erinnerung geblieben ist. Wieso? Weil sich die Stimmung des Albums gerade irgendwo in langsamen, eher ernsten Kopfnickern, gebraut nach schon viel zu oft angewendeten Rezepten, verfangen hat. Hier fehlt einfach das gewisse Etwas.

Gleich mit dem nächsten Track, nochmal 9th Wonder, und diesmal mit Jean Grae, kann auch einigermaßen Abhilfe geschaffen werden. Auch thematisch wird hier mit dem eskalierenden Streit eines Paares gute Abwechslung geboten. "Aahh, shit, bitch, why'd you shoot me? / God damn, I'm bleeding profusely / Hold on, wait a minute, let me talk / Put the fucking gun down, I'll tell you whassup / There's a lotta things goin' on that you wasn't telling me / I'm insecure, so of course that led to infidelity / Too many male friends, everybody callin' you / Two a.m., three a.m., what the fuck is wrong with you? / And you expect me to stand here faithful? / You don't respect me?, bitch I hate you! / And for the record, her pussy was wetter / Gave head better, made mo chedda". "Told You That" ist das, was sich im Glas mit Einheitsbrei schon am Rand absetzt, und schafft es höchstens noch, die Augenbrauen zu einem zweifelhaften Blick zusammenzuziehen.

Nicht so schlimm verhält es sich mit "Can I Live", welches zumindest als mittelmäßiger Kopfnicker durchgeht. Weiter nach oben ziehen kann sich das Album mit dem wohl relaxtesten Beat des Albums, der von 9th Wonder stammt und auch der Titeltrack ist. In "Carnage" hinterlässt vor allem Emilio Rojas, mit einer markanten Stimme und einer astreinen Performance, einen bleibenden Eindruck. Ein für Illmind nur durchschnittliches "Selfish" hakt mit Jozeemo und Joe Scudda zwei weitere HoJ-Gäste ab, darf jedoch nicht wirklich als spektakulär bezeichnet werden. Und auch "Submission" ist mit einem stinknormalen 9th Wonder-Beat so tödlich berechenbar, dass weder Skyzoo, noch Meister Ruck hier den Karren aus der Mittelmäßigkeit hieven. Damit fehlt noch "We Are Here", das mit Altmeister DV Alias Khryst eine gute Hook verpasst bekommt und es auch ansonsten schafft, als einer der erinnernswertesten Tracks aus dem Album zu gehen.



Fazit:
Das altbekannte Problem - Stillstand. Die Hausproduzenten der HoJ scheinen sich festgefahren zu haben, was dann vor allem bei Alben wie diesem eine Top-Wertung unmöglich macht. Abgesehen davon macht Chaundon nicht viel falsch, und so werden sich sämtliche Fans des Justus League Sounds auch hier, manche mehr, manche weniger, wohl fühlen. Das ändert jedoch nichts daran, dass es auf Dauer so nicht weitergehen kann, irgendwann wird aus der hier noch soliden, wenn auch nicht besonderen, Kost, die Mahlzeit, die man einfach zu oft gegessen hat und nicht mehr sehen kann. Weil sich hier jedoch kein großer Aussetzer findet und das Album doch ganz nett vor sich hinplätschert, entgeht Chaundon diesem Schicksal. Noch...

Gesamtwertung: 6.0 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

Dienstag, 4. März 2008

Pete Rock - NY's Finest

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 26. Februar 2008
Label: Nature Sounds

Tracklist:
01. Pete Intro
02. We Roll - (Feat. Jim Jones & Max B)
03. Till I Retire
04. 914 - (Feat. Styles P & Sheek Louch)
05. Questions - (Feat. Royal Flush)
06. Best Believe - (Feat. Redman & LD)
07. Reade Fe War - (Feat. Chip Fu & Renee Neufville)
08. Don't Be Mad
09. Bring Y'all Back - (Feat. Joe Scudda & Little Brother)
10. The Best Secret - (Feat. Lords Of The Underground)
11. That's What I'm Talking About - (Feat. Rell)
12. The PJ's - (Feat. Raekwon & Masta Killa)
13. Made Man - (Feat. Tarrey Torae)
14. Let's Go - (Feat. Doo Wop)
15. Comprehend - (Feat. Papoose)



Es gibt einige Artists, bei denen hört man auf, wenn da von einem neuen Album die Rede ist. Und zu jenen gehört auch ein gewisser Pete Rock, der jedem HipHop-Fan mehr als nur ein Begriff sein sollte. Trotz des nicht übermäßig freudig aufgenommenen "Soul Survivor II" im Jahr 2004 gibt es wenig, was am goldenen Glanz um seinen Ruf als Producer-Legende kratzen kann. Vier Jahre später nun, Pete Rock ist inzwischen auf Nature Sounds untergekommen, kommt "NY's Finest" in die Läden, auf dem sich wieder eine ganze Reihe Neu- und Altstarts die Ehre gibt. Doch nicht nur das, auch Pete selbst greift erstaunlich oft zum Mic.

Wo es beim Cover eigentlich nicht viel zu bemängeln gibt, treten bei der Tracklist schon eher Zweifel an den Tag. Denn allein die Tatsache, dass sich hier ein stilistischer Ausrutscher wie Jim Jones findet, ist reichlich verwirrend. Der Rest jedoch ist wohl das, was man auch erwartet. Vergessene Artists wie Royal Flush oder die Lords Of The Underground reihen sich u.a. zu Wu-Tang's Raekwon und Masta Killa. Doch den Anfang macht nach dem Intro schon erwähnter Track mit Jim Jones und dessen Herold, Max B. "We Roll", dieser Titel klingt auch schon nach der Fortsetzung eines "Ballin", ganz im Dipset-Proleten-Style. Wer sich folglich dann hier (mich eingeschlossen) die erste Pfütze, in welche man beim Gang durch das Album tritt, erwartet, der liegt komplett falsch. Der Beat ist eine zeitgemäße Version dessen, was sich in den frühren 90ern eventuell auch auf einem ATCQ-Album getummelt hätte. Sehr relaxed lässt es Pete angehen, und einfach "jazzy" wie eh und je. Dazu mischen sich Max B's Vocals, die in der Hook sogar mindestens passend klingen. Und da auch Jimmy selbst wohl eine ganze Stunde vor den Aufnahmen nichts geraucht hat, entpuppt sich sein Beitrag als dezent solide, und richtet entgegen meiner Erwartung nicht größtmöglichen Schaden an. Pete selbst schließlich zeigt sich am Schluss souverän: "The game ain't changed, but only the players / Religion ain't changed, but only the prayers / I put one up for all my homies that left / I put one up for just takin' a breath / Now take a step back and look in the mirror man / You could try without me, but it just won't feel the same".

"Till I Retire" kann seitens des Beats nicht mit so viel Freshness aufwarten, und bleibt somit im Mittelfeld hängen. Pete rappt hier ganz ohne Gäste den ganzen Track und gibt uns seine Ansichten preis: "I hear the talk, what's the hatin' about / Pete Rock, 07, still straight'n it out / Y'all niggaz hatin' on the South, cause they gettin' the shine / I advise ya Rap dudes better get on your grind". Was man von dieser zahnlosen Aussage zu halten hat, soll hier nicht beantwortet werden, dafür geht es weiter mit dem nächsten Track. Zwei Drittel von The LOX gibt es mit "914". Und ja, dieser Track ist schon uralt, bzw. schon seit Ewigkeiten auf Mixtapes zu hören gewesen. Und ja, dieses Sample ist schon mehr als totgespielt. Allein deswegen mag hier keine rechte Freude mehr aufkommen, trotz Lines wie: "Yeah, the beat rock from Pete Rock / The flow's from the Ghost from D-Block".

Deutlich härter wird es mit "Questions" und Royal Flush, der immer noch erstklassige Kriminellen-Stories zu erzählen hat. Nachdem sich der Soul Brother #1 von Queens' düsteren Hintergassen verabschiedet hat, fährt er nach Jersey um zusammen mit dem Weed-Brother #1 den nächsten Track, nämlich "Best Believe", zu servieren. PR-typische Bläser machen diesen Song zu einer gewohnt starken Produktion, auf der hinter dem bestens aufgelegten Doc ("If the pen run out of ink, I kill another octopus") auch LD und Pete eine gute Figur machen. Während sich der Hörer in Hochstimmung befindet, legt Pete Rock eine 180°-Wende ein, um mit Chip Fu und Renee Neufville im Jamaica-Gewand den nächsten Track, "Ready Fe War", zu bestreiten. Ganz nett, solange keiner die Frage stellt, was zum Teufel dieser Track hier verloren hat. Denn ins Gesamtkonzept passt das einfach nicht, so gut der Track sich auch anhören lässt. Als eine rechte Nullnummer erweist sich "Don't Be Mad", welches wieder Pete Rock alleine gehört, dafür jedoch als einziger Track nicht von ebenjenem produziert ist. Nein, hier war Green Lantern am Werk. Und im Bezug hierauf bleibt, wie schon beim Track zuvor, nur noch ein verständnisloses 'Wieso?' im Raum stehen. Mr. DJ GL in Ehren, doch in positiver Weise trägt er hier nich bei.

Nach diesem Fast-schon-Lückenfüller kommt der Track mit Little Brother, die sich auf dem besten Weg befinden, in die Riege der allgegenwärtigen Feature-Geister aufzusteigen. Macht aber nichts, denn mit "Bring Y'all Back" liegt einer der besten, wenn nicht der beste, Track des Albums vor. Dunkel dröhnende Hörner, einprägsamer Chorus, und fertig ist der Kopfnicker, bei dem man erstmal den Finger auf Repeat fahren lässt. Der unauffällige Auftritt von Joe Scudda im ersten Verse sei hier auch noch schnell erwähnt, um dann mit dem nächsten Song fortzufahren. "The Best Secret" vermisst irgendwie ein "Kept" im Titel, bietet dem Hörer ansonsten jedoch feine Ostküsten-Vibes mit den alten Hasen von LOTU. Vielleicht etwas unspektakulär, doch bei dem verstaubten Namen der Lords hätte es auch weniger gut ausgehen können.

"That's What I'm Talking About" ist leider eine absolute 0815-Nummer, von dessen Schlag es unzählige gibt. Abgesehen davon, dass man sich diese, softeste Nummer des Albums, hier garnicht wünscht, plätschert sie ganz nett im Hintergrund vor sich hin, es würde sie aber sicherlich niemand vermissen. Ganz anders "The PJ's" mit Raekwon und Masta Killa, bei dem The Chocholate Boy Wunda wieder einen mangelfreien Beat vorlegt, der mit genannten Gästen dann auch erwartungsgemäß verwertet werden kann. Beat-wise weniger beachtenswert, dafür jedoch wohl mit Pete's besten Lines gesegnet, ist "Made Man", bei dem die Vocals jedoch reichlich überflüssig sind. Mit einer dicken Portion 90s-Flavor und versetzt mit einem altbekannten Sample von Willie Hutch schickt sich "Let's Go" nochmals an, zu den Highlights der Platte hinaufzuklettern. Auch auf lange Zeit ein sehr hörenswertes Teil. Abgeschlossen wird das Album dann durch "Comprehend" und mit dem "Mixtape artist of the year", Papoose. Dass er damit sein eigenes Dilemma schon in Worte gefasst hat, gehört hier jedoch nicht her, und so kann man nur sagen, dass sich der Gast-Part hier sehr gut macht und auf einer soliden Produktion auch einen runden Abschluss für das Album bildet.


Fazit:
Pete Rock gelingt im Großen und Ganzen ein Album, das es versteht, scheinbar unvereinbare Obejkte zusammenzuschustern und dem ganzen einen einheitlichen Anstrich zu verpassen. Ohne große Aussetzer, große Überraschungen oder richtige Höhepunkt, die beispielsweise am Ende des Jahres zu den besten Tracks gezählt werden würden, verbleibt ein solides Album, dem jeder HipHop Fan etwas abgewinnen wird. Man muss sich allerdings damit abfinden, dass Pete Rock hiermit weder an das Niveau des ersten "Soul Survivor", noch an die CL-Smooth-Zeiten herankommt. Andererseits untermauert Pete doch seinen Status als einmalige Producer-Legende, zeigt, dass er auch heute noch relevante Musik auf Albumlänge zustande bringt und beweist deren Kompatibilität mit den verschiedensten Artists, was in der heutigen Zeit und der Masse an veröffentlichten Producer-Alben nicht jeder von sich behaupten kann. "NY's Finest" schrammt knapp an den 4 Mics vorbei.

Gesamtwertung: 7.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame