Dienstag, 4. März 2008

Pete Rock - NY's Finest

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 26. Februar 2008
Label: Nature Sounds

Tracklist:
01. Pete Intro
02. We Roll - (Feat. Jim Jones & Max B)
03. Till I Retire
04. 914 - (Feat. Styles P & Sheek Louch)
05. Questions - (Feat. Royal Flush)
06. Best Believe - (Feat. Redman & LD)
07. Reade Fe War - (Feat. Chip Fu & Renee Neufville)
08. Don't Be Mad
09. Bring Y'all Back - (Feat. Joe Scudda & Little Brother)
10. The Best Secret - (Feat. Lords Of The Underground)
11. That's What I'm Talking About - (Feat. Rell)
12. The PJ's - (Feat. Raekwon & Masta Killa)
13. Made Man - (Feat. Tarrey Torae)
14. Let's Go - (Feat. Doo Wop)
15. Comprehend - (Feat. Papoose)



Es gibt einige Artists, bei denen hört man auf, wenn da von einem neuen Album die Rede ist. Und zu jenen gehört auch ein gewisser Pete Rock, der jedem HipHop-Fan mehr als nur ein Begriff sein sollte. Trotz des nicht übermäßig freudig aufgenommenen "Soul Survivor II" im Jahr 2004 gibt es wenig, was am goldenen Glanz um seinen Ruf als Producer-Legende kratzen kann. Vier Jahre später nun, Pete Rock ist inzwischen auf Nature Sounds untergekommen, kommt "NY's Finest" in die Läden, auf dem sich wieder eine ganze Reihe Neu- und Altstarts die Ehre gibt. Doch nicht nur das, auch Pete selbst greift erstaunlich oft zum Mic.

Wo es beim Cover eigentlich nicht viel zu bemängeln gibt, treten bei der Tracklist schon eher Zweifel an den Tag. Denn allein die Tatsache, dass sich hier ein stilistischer Ausrutscher wie Jim Jones findet, ist reichlich verwirrend. Der Rest jedoch ist wohl das, was man auch erwartet. Vergessene Artists wie Royal Flush oder die Lords Of The Underground reihen sich u.a. zu Wu-Tang's Raekwon und Masta Killa. Doch den Anfang macht nach dem Intro schon erwähnter Track mit Jim Jones und dessen Herold, Max B. "We Roll", dieser Titel klingt auch schon nach der Fortsetzung eines "Ballin", ganz im Dipset-Proleten-Style. Wer sich folglich dann hier (mich eingeschlossen) die erste Pfütze, in welche man beim Gang durch das Album tritt, erwartet, der liegt komplett falsch. Der Beat ist eine zeitgemäße Version dessen, was sich in den frühren 90ern eventuell auch auf einem ATCQ-Album getummelt hätte. Sehr relaxed lässt es Pete angehen, und einfach "jazzy" wie eh und je. Dazu mischen sich Max B's Vocals, die in der Hook sogar mindestens passend klingen. Und da auch Jimmy selbst wohl eine ganze Stunde vor den Aufnahmen nichts geraucht hat, entpuppt sich sein Beitrag als dezent solide, und richtet entgegen meiner Erwartung nicht größtmöglichen Schaden an. Pete selbst schließlich zeigt sich am Schluss souverän: "The game ain't changed, but only the players / Religion ain't changed, but only the prayers / I put one up for all my homies that left / I put one up for just takin' a breath / Now take a step back and look in the mirror man / You could try without me, but it just won't feel the same".

"Till I Retire" kann seitens des Beats nicht mit so viel Freshness aufwarten, und bleibt somit im Mittelfeld hängen. Pete rappt hier ganz ohne Gäste den ganzen Track und gibt uns seine Ansichten preis: "I hear the talk, what's the hatin' about / Pete Rock, 07, still straight'n it out / Y'all niggaz hatin' on the South, cause they gettin' the shine / I advise ya Rap dudes better get on your grind". Was man von dieser zahnlosen Aussage zu halten hat, soll hier nicht beantwortet werden, dafür geht es weiter mit dem nächsten Track. Zwei Drittel von The LOX gibt es mit "914". Und ja, dieser Track ist schon uralt, bzw. schon seit Ewigkeiten auf Mixtapes zu hören gewesen. Und ja, dieses Sample ist schon mehr als totgespielt. Allein deswegen mag hier keine rechte Freude mehr aufkommen, trotz Lines wie: "Yeah, the beat rock from Pete Rock / The flow's from the Ghost from D-Block".

Deutlich härter wird es mit "Questions" und Royal Flush, der immer noch erstklassige Kriminellen-Stories zu erzählen hat. Nachdem sich der Soul Brother #1 von Queens' düsteren Hintergassen verabschiedet hat, fährt er nach Jersey um zusammen mit dem Weed-Brother #1 den nächsten Track, nämlich "Best Believe", zu servieren. PR-typische Bläser machen diesen Song zu einer gewohnt starken Produktion, auf der hinter dem bestens aufgelegten Doc ("If the pen run out of ink, I kill another octopus") auch LD und Pete eine gute Figur machen. Während sich der Hörer in Hochstimmung befindet, legt Pete Rock eine 180°-Wende ein, um mit Chip Fu und Renee Neufville im Jamaica-Gewand den nächsten Track, "Ready Fe War", zu bestreiten. Ganz nett, solange keiner die Frage stellt, was zum Teufel dieser Track hier verloren hat. Denn ins Gesamtkonzept passt das einfach nicht, so gut der Track sich auch anhören lässt. Als eine rechte Nullnummer erweist sich "Don't Be Mad", welches wieder Pete Rock alleine gehört, dafür jedoch als einziger Track nicht von ebenjenem produziert ist. Nein, hier war Green Lantern am Werk. Und im Bezug hierauf bleibt, wie schon beim Track zuvor, nur noch ein verständnisloses 'Wieso?' im Raum stehen. Mr. DJ GL in Ehren, doch in positiver Weise trägt er hier nich bei.

Nach diesem Fast-schon-Lückenfüller kommt der Track mit Little Brother, die sich auf dem besten Weg befinden, in die Riege der allgegenwärtigen Feature-Geister aufzusteigen. Macht aber nichts, denn mit "Bring Y'all Back" liegt einer der besten, wenn nicht der beste, Track des Albums vor. Dunkel dröhnende Hörner, einprägsamer Chorus, und fertig ist der Kopfnicker, bei dem man erstmal den Finger auf Repeat fahren lässt. Der unauffällige Auftritt von Joe Scudda im ersten Verse sei hier auch noch schnell erwähnt, um dann mit dem nächsten Song fortzufahren. "The Best Secret" vermisst irgendwie ein "Kept" im Titel, bietet dem Hörer ansonsten jedoch feine Ostküsten-Vibes mit den alten Hasen von LOTU. Vielleicht etwas unspektakulär, doch bei dem verstaubten Namen der Lords hätte es auch weniger gut ausgehen können.

"That's What I'm Talking About" ist leider eine absolute 0815-Nummer, von dessen Schlag es unzählige gibt. Abgesehen davon, dass man sich diese, softeste Nummer des Albums, hier garnicht wünscht, plätschert sie ganz nett im Hintergrund vor sich hin, es würde sie aber sicherlich niemand vermissen. Ganz anders "The PJ's" mit Raekwon und Masta Killa, bei dem The Chocholate Boy Wunda wieder einen mangelfreien Beat vorlegt, der mit genannten Gästen dann auch erwartungsgemäß verwertet werden kann. Beat-wise weniger beachtenswert, dafür jedoch wohl mit Pete's besten Lines gesegnet, ist "Made Man", bei dem die Vocals jedoch reichlich überflüssig sind. Mit einer dicken Portion 90s-Flavor und versetzt mit einem altbekannten Sample von Willie Hutch schickt sich "Let's Go" nochmals an, zu den Highlights der Platte hinaufzuklettern. Auch auf lange Zeit ein sehr hörenswertes Teil. Abgeschlossen wird das Album dann durch "Comprehend" und mit dem "Mixtape artist of the year", Papoose. Dass er damit sein eigenes Dilemma schon in Worte gefasst hat, gehört hier jedoch nicht her, und so kann man nur sagen, dass sich der Gast-Part hier sehr gut macht und auf einer soliden Produktion auch einen runden Abschluss für das Album bildet.


Fazit:
Pete Rock gelingt im Großen und Ganzen ein Album, das es versteht, scheinbar unvereinbare Obejkte zusammenzuschustern und dem ganzen einen einheitlichen Anstrich zu verpassen. Ohne große Aussetzer, große Überraschungen oder richtige Höhepunkt, die beispielsweise am Ende des Jahres zu den besten Tracks gezählt werden würden, verbleibt ein solides Album, dem jeder HipHop Fan etwas abgewinnen wird. Man muss sich allerdings damit abfinden, dass Pete Rock hiermit weder an das Niveau des ersten "Soul Survivor", noch an die CL-Smooth-Zeiten herankommt. Andererseits untermauert Pete doch seinen Status als einmalige Producer-Legende, zeigt, dass er auch heute noch relevante Musik auf Albumlänge zustande bringt und beweist deren Kompatibilität mit den verschiedensten Artists, was in der heutigen Zeit und der Masse an veröffentlichten Producer-Alben nicht jeder von sich behaupten kann. "NY's Finest" schrammt knapp an den 4 Mics vorbei.

Gesamtwertung: 7.3 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

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