Samstag, 8. März 2008

Akrobatik - Absolute Value

WRITTEN FOR Rap4Fame


Release Date: 19. Februar 2008
Label: Koch Records / Fat Beats

Tracklist:
01. A To The K - (Feat. B-Real)
02. Soul Glo
03. Put Ya Stamp On It - (Feat. Talib Kweli)
04. Step It Up
05. Rain - (Feat. Brenna Gethers)
06. Be Prepared - (Feat. Little Brother)
07. Absolute Value
08. Black Hell Breaks Loose - (Feat. Willie Evans Jr. & Therapy)
09. Kindred - (Feat. Chuck D & Brenna Gethers)
10. Front Steps Pt. II (Tough Love)
11. Beast Mode - (Feat. Mr. Lif)
12. If We Can't Build - (Feat. Bumpy Knuckles)
13. Ak B. Nimble
14. Back Home To You



Ein weiteres der zahlreichen Ostküsten-Releases der letzten Wochen. Und wieder eine dicke, sehr dicke Tracklist, die das Augenmerk des Hörers binden soll. Der Interpret ist diesmal Akrobatik, seines Zeichens MC aus Boston, Mitglied der Perceptionists und allein schon deswegen eines der vielen unzähligen, fest angewachsenen Ästchen des großen Baums, der sich da Eastcoast-HipHop nennt. Nach "Balance" ist "Absolute Value" das zweite Album von Ak, das da weitermacht, wo das erste aufgehört hat.

Entgegen aller Vorfreude bei dieser, eine Großzahl an Gästen zählende, Party, ist es doch genau dieser Teil des Ostküsten-Baums, dem in letzter Zeit einfach die Kreativität und das gewisse Etwas fehlt. Alleine bevor man hier Play drückt, macht sich schon der Geruch eines schnellvergessenen, von zu vielen Köchen zubereiteten Albums breit. Dann auch noch der Titel, der mathematische Betrag, der laut Akrobatik aus "negativen Werten" Positives macht. Will er uns also Schrott, verkleidet als gute Musik, andrehen? Doch daran soll sich hier gar nicht lange aufgehängt werden. Ein immerhin vielversprechender Produzent ist Illmind, der es bisher immer exzellent verstand, aus der grauen Masse der BoomBap-Beatsmiths hervorzutreten und mit seinen Beats zu glänzen. Er ist mit vier Beiträgen der am häufigsten vertetene Produzent und darf sich auch gleich um den Einstieg kümmern.

"A To The K" ist dann auch ein sehr solider Kopfnicker, in dem B-Real seine Stimme für die Hook leiht. Ak selbst legt mit seinem sauberen und kraftvollen Flow los, um Lines wie "I'm from the era where you had to work the hardest to win / A lotta records dropped, you never heard the artist again / But in my heart is the desire to win / I'm on fire again / Ignite the mic and let it strike my opponents" zu droppen. Seine recht markante Stimme verleiht ihm zwar einerseits Wiedererkennungswert, macht es aber schon im ersten Track absehbar, dass man wegen ihr eventuell auch, genervt, zur Skip-Taste fährt. Doch erstmal fährt Ak damit fort, uns mit einem astreinen Start zu beeindrucken. Mit "Soul Glo" fließt die Arbeit der mehr als nur erfahrenen Beatminerz ein, die hier einen der besten und ärgernswerterweise den kürzesten Track des Albums beisteuern. Kratzige Old-School-Drums mit wunderbarem Voice-Sample und das ganze passend zu Akrobatik's Stimme, da gibt es rein gar nichts zu meckern.

Bis aus die kurzen zweieinhalb Minuten halt, nach denen schon die nächste Nummer hereinrauscht, bei der an die nächste Producer-Größe, J Dilla himself, abgegeben wird. "Put Ya Stamp On It" ist die Devise. "Put 'em up, get 'em high / If Hip Hop is dead, then it happened the day that Dilla died / But Ak and Kweli's here to show you that their shit is still alive". Zwar keine Erstware von Dilla, und nach öfterem Anhören sind die Streicher auch etwas störend, für zwischendurch passt die Nummer jedoch ganz gut.

Der nächste Beat stammt von Hezekiah aus Philly, der mit seinem Beitrag und der beständigen Orgelei allerdings sehr ohrenstrapazierend gerät. Dementsprechend ist "Step It Up" auch schnell vergessen, und die nächste Anlaufstation ist "Rain", erste ruhige Nummer des Albums. Und mit seine besten Momente hat Ak genau hier, wenn sich seine Stimme sehr gut ertragen lässt und wenn er die Thematik zur Politik und zu sozialen Problemen schwanken lässt. "Why's it raining so hard, a young child asked his mother / She said God is cryin', cause we killin each other / Now I don't know if that's the reason or not / But I know I'm sick of seeing young brothers in the hood gettin shot / As the blood flows through the streets through the heat bustin / Understand cousin, that it's mostly over nothing".

Auch hier findet sich der Trend von sehr kurzen Tracks, wodurch die folgende Nummer mit dreieinhalb Minuten Länge schon sehr aus der Reihe fällt. Little Brother wieder zu dritt gibt es mit "Be Prepared", und einem 9th Wonder-typischen Beat, Soul-Sample inklusive. Wem 9th schon seit langem zum Hals raushängt, der weiß was er hier zu tun hat, für alle anderen jedoch ein überdürchschnittlicher Beat mit gewohnt starken Rhymes. Den folgenden Titeltrack, "Absolute Value", vergisst man, trotzdem einem weiteren namenhaften Producer hinter den Boards (J-Zone), schnellstens wieder, da man ihn im Normalfall sowieso nicht bis zum Ende erträgt. "Black Hell Breaks Loose" wartet dann schon mit dem nächsten Gast, ehemals Asamov und nun The Alias Brothers tragen zum soliden Endergebnis des Songs bei.

Anschließend taucht Illmind wieder auf, um mit dem Flöten-dominierten "Kindred" die nächste ernste Nummer zu dirigieren. Desweiteren kann man hier auch Legende Chuck D antreffen, der ab und an ein paar altbekannte Parolen spricht. Ak selbst rollt nochmals die Vergangenheit auf (deren Studium grundlegend für das Einschlagen des richtigen, zukünftigen, Wegs ist) und beklagt zudem die immernoch existierende Benachteiligung der Afro-Amerikaner. "We sleep, because we have no choice / Dehydrated and we can't scream for help, because we have no voice". Sogar noch steigern kann sich Ak mit "Front Steps Pt. II", dem Höhepunkt der Scheibe. Ein Inspectah Deck-Sample und ein perfekt schwermütiger Beat bilden die Grundlage für Ak's erneute Ausführungen über die Probleme der schwarzen Bevölkerung. "My High School had no black teachers / And very few students who had similar features / That's where I caught my first glimpse on how they do us / The priviledge to learnin how to be entrepreneurs / While we die in the sewers, in the gutters / Murkin each others with box cutters".

Von diesem Niveau-Turm, auf dem sich Ak gerade befindet, nimmt er nun kräftig Anlauf und springt einen astreinen Hecht bis ganz nach unten - zum schlechtesten Track des Albums. Dieser kommt mit Unterstützung von Fakts One und Mr Lif. Die Perceptionists also vereint, und trotzdem ist der "Beast Mode", in den jetzt gewechselt wird, keine schöne Sache. Auf die trockenen Drums treibt einem vor allem Lif die Galle hoch. Was da schon viel mehr in Ordnung geht ist die wuchtige und letzte Produktion von Illmind. "If We Can't Build" begrüßt zudem ein lange nicht gesehenes Gesicht, die immerwütende Realness in Person aus der Gang Starr Foundation, Freddie Foxxx alias Bumpy Knuckles. Das war dann alerdings auch das einzig wichtige, was auf diesem Album noch großartig erwähnenswert ist. Das mit Beatbox versetzte "Ak B. Nimble" ist zwar ganz nett, wirkt auf einem Album wie diesem allerdings etwas verloren. Und "Back Home To You" ist nochmals sehr angenehm anzuhören und reiht sich somit ins obere Mittelfeld ein; selbiges gilt auch für den kurzen Hidden Track.


Fazit:
Akrobatik gelingt mit "Absolute Value" ein durchwachsenes Album, das einerseits ein paar sehr freshe Höhepunkte aufzuweisen hat, jedoch ebenso viele Patzer. Der Rest bewegt sich im guten Mittelfeld, was eine endgültige Wertung schwer macht. Das Ziel jedenfalls (falls Ak es sich überhaupt gesetzt hat), mit diesem Album aus der Masse der Conscious Boom Bapper herauszutreten, wird voll verfehlt. Trotzdem wird das Album wohl auch noch in ferner Zukunft seinen Weg in meinen Player finden, jedoch nur wegen schon genannter Höhepunkte, von denen vor allem "Front Steps Pt. II" als sozialkritischer und ausnahmsweise auch nicht oberflächlicher Song glänzen kann. Ein weiteres Album für die Eastcoast-Fans, das jedoch bei diesen Gästen und vor allem diesen Producern auch erheblich besser hätte ausfallen können. Aufgrund der zwar wenigen, doch tief ins Fleisch des Albums schneidenden Tiefpunkte, kann es hier nur 3 Kronen geben.

Gesamtwertung: 5.8 /10

WRITTEN FOR Rap4Fame

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

großteil der lieder wird gelobt und dann so ne mäßige wertung?
würde eher 7,5/10 geben.
die sozialkritischen tracks sind schon ziemlich gut und zum kopfnicken sind auch einige tracks dabei.

SnoopFrog hat gesagt…

Ich zitier eben meinen letzten Satz:

"Aufgrund der zwar wenigen, doch tief ins Fleisch des Albums schneidenden Tiefpunkte, kann es hier nur 3 Kronen geben."

--> gemeint sind 3/5

Alben wie dieses gibts ja wie Sand am Meer, dieser heutige Boom Bap wird von fast jedem an der East Coast praktiziert. Und schon bei solchen Alben, die oft durchgehend ohne Ausfälle daherkommen, kann man nicht mehr zu hoch werten, aber wenn dann auch noch so richtige Griffe ins Klo (wie beast mode) aufm Album sind, kanns einfach nicht mehr geben... Natürlich kannst du das auch anders sehn, aber ich denk mit der Wertung is das Album noch gut bedient, lies dir mal die Review auf ugrap.de durch, die is da nich so nett :)

Anonym hat gesagt…

hab mir grad mal die ugrap review durchgelesen... die sollten vielleicht jemanden ransetzen der auch gerne boombap hört ;)
da wird zwar richtig erkannt welche lieder herausstechen, aber wie paradox ist das denn die geniale featureliste als negativ zu werten... oO
versteh nicht ganz warum du dich an einzelnen liedern festbeisst, j-lives beats und mr. lifs feature sind reine geschmackssache und nicht unbedingt schlecht.

vllt bist du einfach übersättigt ;)
merkt man an auch an deinen justus-league reviews, das chaundon-album find ich auch deutlich besser als bewertet :)

SnoopFrog hat gesagt…

mag wohl stimmen, aber Reviews sind ja nicht (nur) dazu da, dass man von nem Fan dieser speziellen Sparte was vorgeschwärmt bekommt... und wer den alten Justus League Sound kennt der muss einfach zugeben dass die heute größtenteils played out sind

Auch wenn ich zB den Titeltrack vom Chaundon album jetzt noch extrem feiern kann, im Durchschnitt war da früher einfach mehr Besseres...

und zur Geschmackssache: natürlich ist es Geschmackssache, wenn mir bei Lif in diesem Fall übel wird ist das nichts andres wie mein unbändiger Hass auf Lil Wayne und seine Stimme, aber ne objektive Review-Maschine wurde halt noch nicht erfunden