Samstag, 8. März 2008

Guilty Simpson - Ode To The Ghetto

WRITTEN FOR Rap4Fame



Release Date: 25. März 2008
Label: Stones Throw Records

Tracklist:
01. American Dream
02. Robbery
03. She Won't Stay At Home
04. Footwork
05. Ode To The Ghetto
06. Getting Bitches
07. I Must Love You
08. The Future - (Feat. MED)
09. Pigs
10. My Moment
11. Run - (Feat. Sean Price & Black Milk)
12. Kinda Live
13. Yikes
14. The Real Me
15. Kill 'Em
16. Almight Dreadnaughtz - (Feat. Supa MC, Kriz Steel & Konnie Ross)



Guilty Simpson ist ein Name, der bis zum Jahr 2007 recht unauffällig im Rap-Universum herumschwirrte. Der Mann war zwar schon auf der legendären Kollabo von Jay Dee und Madlib als Jaylib zu hören, konnte aber erst auf dem Debütalbum von Detroit's neuem Shooting Star Black Milk und dessen Lead-Single "Sound The Alarm" richtig auf sich aufmerksam machen. Denn damit kam auch die Ankündigung dieses Albums, die Fusion mit Milk und Sean Price zu Random Axe (und deren, auch für 2008, angekündigtes Album), und weiteren Feature-Auftritten (u.a. bei der nächsten Größe aus Detroit, Phat Kat). Und ja, selbst stammt der Kerl auch aus Detroit, und nach etlichen Verschiebungen schafft es seine "Ode To The Ghetto" Ende März endlich, ihren Weg in die Läden zu finden, und das über Westcoast-Rucksack-Label Stones Throw.

Und genau so wird in der Presseinfo auch Guilty's Stärke gepriesen: die Verbindung vom Stones Throw-Sound der Gebrüder Madlib und Oh No und dem ruffen Detroit Sound, der von Black Milk, Mr. Porter, oder J Dilla bereitgestellt wird. Hier gibt es also keine reine Fortführung der Detroit-Schiene (wie in etwa bei Milk selbst oder dem schon genannten Album von Phat Kat), sondern Guilty mischt seinem Süppchen mehrere Zutaten bei. Angefangen wird mit "American Dream" und einem Madlib-Track, der einen gleich in den tiefsten Dschungel seines Werkzeugkastens mitnimmt, während mit kräftigen Bässen die Gehörgänge bearbeitet werden. Einen schöneren Einstieg hätte man sich kaum wünschen können. Auch die "Robbery" verläuft absolut reibungslos, wieder wird auf einen power-geladenen Beat gesetzt und bei dessen Qualität geht die Rechnung natürlich auch auf. Wen Guilty so alles ausnimmt, das erläutert er auch: "Niggas got cash fo sho' / Cause everywhere I look a nigga flashin' doe / Try'nna get attention from a nasty hoe / Perfect victims for my grab-n-go / And when they leave, that's my cue / I don't give a fuck, I rob the bitch, too".

Vorzeitiger Höhepunkt findet sich in "She Won't Stay At Home". Madlib heißt uns willkommen zur nächsten Lehrstunde, in der er der Audienz ein perfekt verarbeitetes Sample vorführt. Mit nur zwei Minuten leider etwas kurz geraten, macht der Song umso mehr Spaß. Weiter kräftig auf die Ohren gibt es mit "Footwork", das gelichzeitig Oh No's erster Beitrag zum Album ist. Der zweite folgt sogleich, "Ode To The Ghetto" ist auch ein Track, den man Dr. No, ohne mit der Wimper zu zucken, zuschreiben würde. Inhaltlich sind die Ausführungen über alles bisherige natürlich nichts Neues, doch Guilty weiß, wie man seine Raps vorträgt, um das Ohr der Hörergemeinde aufmerksam zu halten.

Wo der Stones Throw-Teil der Produktionen sich mit der eingehauchten Finesse in den grünen Bereich katapultiert, da packt Mr. Porter einfach ein paar Pferdestärken mehr in seine Beats und sie preschen von alleine noch oben, mindestens ins obere Mittelfeld. So auch geschehen in "Getting Bitches". "We bangin' that jungle music / Homies in the hood flip bundles to it". Anschließend lese ich J Dilla in den Credits und frage mich, wie viele Beats dieser Mann eigentlich noch hinterlassen hat. Es scheint, als käme kein Release aus dem gröberen Umfeld mehr ohne einen seiner Beats aus. So lange sie jedoch alle ordentliche Qualität besitzen, was auch auf "I Must Love You" zutrifft, von mir aus.

Das erste Feature findet sich erst jetzt, Stones Throw's / Own MED alias Medaphoar, aus dem, Detroit fernen, Oxnard, gibt sich auf "The Future" die Ehre, und da sowohl hier als auch im sehr kurzen "Pigs" Madlib hinter den Reglern steht, braucht man sich um die Qualität keine Sorgen zu machen. Die Pigs sind natürlichen die Herren der ausführenden Gewalt des Gesetztes, denen man doch bitte einen Mittelfinger schnenken soll. Mit "My Moment" betritt erstmals Black Milk den Ring, der gleich seine ihm eigenen Drums auspackt. Vors Mic tritt er als Random Ace-Trio mit dem Gastgeber und Bucktown's finest Sean Price, und so ist "Run" ein guter Vorgeschmack dessen, was uns wohl auf dem noch folgenden Album der drei erwartet.

Das erste und einzige Mal, bei dem hier nicht der richtige Ton getroffen wird, tritt ein, wenn Mr. Porter "Kinda Live" mit seinen Vocals überhäuft. Der Track ist auch sonst, als einer der langsamsten, der einziger Filler. Schnell vergessen und auch leicht verkraftet, denn mit dem Madlib-produzierten "Yikes" darf man sich gleich wieder über eine astreine Detroit-Hymne freuen, die ganz relaxed zum Kopfnicken auffordert. Selbiges kann auch über das, durch und durch das Pflaster von Detroit atmende, "The Real Me", geschrieben werden, bei dem sich Black Milk in gewohnt starker Form zeigt. "My friend got killed, his girl got problems / She saw what happened when they robbed 'em / The block got eyes and ears / The strong survive, so dry your tears / Be leery of the guys you speak with / Showing emotion's a sign of weakness / And that's deep shit / Sometimes the ones you beef with are the ones you eat with".

Der Schluss gehört, was die Beats betrifft, den Exoten. DJ Babu wirkt hier zwar zuerst fehl am Platz, schafft es mit "Kill 'Em" jedoch auch einwandfrei, sich der Atmosphäre des Albums anzupassen. Das Outcome gehört zwar zu den schlechteren Nummern des Albums, muss deshalb jedoch noch lange nicht geskippt werden. Richtig auf die Kacke gehauen wird dann nochmal zum Schluss, wenn Guilty Simpson mit einem Teil seiner Crew einen selbstbetitelten Anthem schmeißt. Die "Almighty Dreadnaughtz" sind in the house und sorgen dafür, dass der Hörer dieses Album in bester Laune verlässt.



Fazit:
Kurz und knapp - Guilty Simpson's "Ode To The Ghetto" ist ein sehr rundes Album, das wohl genau das bietet, was sich die Fans erwartet haben. Sowohl die Anhänger von Madlib, sowie die Liebhaber des von Dilla und seinen Nachfolgern und Kumpanen praktizierten Detroit Sounds, als auch ganz normale HipHop-Fans (oder wie auf der Promo plakatiert: Fans of D-12 & Eminem) werden hier auf ihre Kosten kommen. Denn Guilty selbst rappt gemäß dem Albumtitel (der deswegen auch passt wie die Faust aufs Auge) von alltäglichen Geschichten aus dem Ghetto, während sich die Beats über eine gute Bandbreite erstrecken, jedoch trotzdem immer zusammenpassen. Nach diversen Releases 2007 setzt der Zug namens Motor City seine Fahrt fort, und wie schon erwähnt ist das noch lange nicht alles. Ganz nebenbei steht auch Black Milk mit B.R. Gunna-MC Fat Ray und einem neuen Album in den Startlöchern. Und um zurück auf dieses Album zu kommen: von der Zusammenarbeit von Stones Throw-Westküste und Detroit sollte man sich noch viele weitere Erzeugnisse wie dieses wünschen.

Gesamtwertung: 8.1 / 10

WRITTEN FOR Rap4Fame

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