Samstag, 10. November 2007

50 Cent - Guess Who's Back?


Tracklist:
01 Killa Tape Intro
02 Rotten Apple
03 Drop (Skit)
04 That's What's Up feat Lloyd Banks & Tony Yayo
05 U Not Like Me
06 50 Bars
07 Life's on the Line
08 Get out the Club
09 Be a Gentleman
10 Fuck You
11 Too Hot feat Nature & Nas
12 Who U Rep With feat Nas & Bravehearts
13 Corner Bodega
14 Ghetto Qu'Ran
15 As the World Turns feat Bun B
16 Whoo Kid Freestyle
17 Stretch Armstrong Freestyle
18 Doo Wop Freestyle

Release: 21. Mai 2002
Label: Full Clip Records



Ein weit verbreiteter Irrglaube unter der breiten Masse ist, dass 50 Cent erst 2003 mit "Get Rich Or Die Tryin'" urplötzlich auf der Bildfläche erschien, und davor gar nicht existierte. Dem ist natürlich nicht so, schon 1998 war er beispielsweise auf Onyx' "Shut 'Em Down" zu hören. Doch die erste Beachtung fand er mit dem Industry-Diss "How to rob", mit dem "Power Of The Dollar"-Album und dann mit diesem Album, "Guess Who's Back?", erschienen im Jahr 2002. Und wer wissen will, wie sich 50 Cent vor Em und Dre anhörte, als er mit Nas noch befreundet war, sollte sich dieses Teil nicht entgehen lassen.

Schließlich ist "Guess Who's Back?", da es ein gewisser Eminem in die Finger bekam, der Grund, warum 50 Cent heute überhaupt da ist, wo er ist. Was er damals noch war, das nennt sich "raw". Hätte 50 Cent von damals mit dem von heute ko-existiert, der frühere würde sein Mainstream-Ich wohl auf Teufel-komm-raus beschimpfen. Denn alles was man ihm heutzutage vorwirft, war er damals nicht.
Wer hier nach einer frühren Version des "Candy Shop" sucht, hat hier nichts verloren. Dieses Album ist ein Underground-Banger wie man ihn sich schöner nicht vorstellen kann. 50 Cent bekommt die dreckigsten Beats vorgesetzt, wie beispielsweise in dem göttlich rohen "Rotten apple". Wo 50 Cent heute seine Hooks selbst singt, hatte er damals einen Flow, so flüssig wie Wasser, und eine Abgebrühtheit in seinen Texten, wie man sie von Prodigy gewohnt ist. "In every hood in the US, I'm that nigga they feelin' / Rap's full of good guys, 50 Cent is the villan".

Hier gibt es wunderbare, Streicher-geleitete, Sample-unterlegte, Beats, die so dreckig sind wie der Boden einer dunklen Gasse in Queens. Neben diesen Juwelen, wie "50 bars" einer ist, holt sich 50 Cent Unterstützung direkt aus der Nachbarschaft, QB. Nas, dessen Schützlinge, die Bravehearts, und Nature finden sich auf "Who U rep with" oder "Too hot", das wie ein klassischer Primo-Track klingt und auch ansonsten zum heißesten gehört, was das Album zu bieten hat.
Und das Album hat einiges zu bieten, wie das spaßige "Be a gentleman", in dem 50 Cent keine Hemmungen hat, seinen Opfern aus "How to Rob" noch weiter ans Bein zu pissen. "Yo, no more freestyles and verses killin' Sticky and Ja / I'm movin' on now, I got bigger fish to fry / Since 'How to Rob' a lot of niggas been naming names / Monkey see monkey do, I done changed the game" spottet er über genickbrechende Drums.

Auch Lloyd Banks und Tony Yayo bekommen hier einen Auftritt, und was später eine der bekanntesten Rap-Gruppen sein wird, macht auf einem Freestyle auf Wu-Tang's "You've been warned" mit dem Namen "That's what's up" seine ersten Schritte. "G-Unit nigga, that's what's up!".
Ein weiterer Hörgenuss ist "U not like me", in dem klare Aussagen getätigt werden. "Aiyo, you think about shittin' on 50, save it / My songs belong in the Bible with King David / I teach niggaz sign language, that ain't def son". 50 Cent tritt auf alles in seinem Einzugsbereich, eine angepisste Einstellung trifft auf seinen Hustler-Hintergrund und eine nicht zu leugnende Begabung zu rappen, die in großartigen Rhymes und einprägsamen Refrains endet.

Für weitere Erzeugnisse dieser "I don't give a fuck"-Einstellung muss man nicht lange suchen. Denn wenn sich alles schon so bündelt, dass im Titel nichts undirekteres als "Fuck you" steht, ist man richtig. Wieder so ein Beat, der von DJ Premier stammen könnte. Ein aus Samples von Styles P, Nas und Pun zusammengecutteter Chorus und dieser Beat machen der Track zum Underground-Klassiker, der zudem vor Lines, die unter dem Tracktitel gut zusammengefasst werden können, nur so strotzt. "How dare these niggaz take me lightly? / I ain't come to make friends and niggaz aint got to like me / My own homie said '50, you done lost yo' mind' / Cause I shootout in broad day, run and toss my nine".
Der einzige Track, der "Fuck you" den Titel des besten Songs des Albums streitig macht, ist ebenfalls ein Klassiker, der dem durchschnittlichen HipHop-Hörer bekannt sein solte, auch ohne dieses Album oder das davor gehört zu haben. Die Rede ist natürlich von "Life's on the line". Einfach nur traumhaft, wie der Bomben-Beat und die Mitbrüll-Hook einheizen. "Scream murder! I don't believe you! / Murder! Fuck around and leave you! / Murder! I don't believe you! / Murder, murder! Your life's on the line!". Da bleibt kein Auge trocken. Auch 50's Line sind hier besser als sie es in den folgenden Jahren jemals wieder sein werden. "When I don't like a nigga, I don't pretend to / I'll have the paramedics wrappin your fuckin head like a Hindu / Look, I ain't goin nowhere, so get used to me / O.G.'s look at me and see what they used to be" oder "In the hood they be like, 'Damn, 50 really spitted on 'em' / 'You heard that shit?' 'Yeah, 50 really shitted on 'em' / Beef, you don't want none, so don't start none / You just a small player in this game, play yo' part son". So viel Arroganz ist Kunst.

In den letzten Tracks nimmt das Album einen Gang raus, das sehr kurze "Corner bedega" kann ebenso überzeugen wie die Zusammkunft von Süd und Ost, dem Gastauftritt von Bun B auf "As the world turns". Dann bleibt noch das von den Trackmasters produzierte, richtig gefühlvolle "Ghetto qu'ran", in dem 50 ausnahmsweise etwas anderes als wüste Beschimpfungen von sich gibt.
Das Ende des Albums besteht aus 3 Freestyles, einmal bei Whoo Kid, einmal bei Stretch Armstrong und einmal bei Doo Wop, Letzterer über den "Symphony 2000" Beat von EPMD.


Fazit:
Es bleibt Ansichtssache, ob 50 Cent heute besser wäre, wenn er einfach so weitergemacht hätte wie auf "Guess Who's Back?". Als Liebhaber dieses hier praktizierten Sounds, muss man, ohne mit der Wimper zu zucken, sagen, 'Ja'. Und für Ebenjene, die gerade ebenfalls 'Ja' gesagt haben, ist das hier wahrscheinlich auch das beste Album von 50 Cent. Klassischer Eastcoast-Sound aus dem Rotten Apple, mit der passenden Einstellung und traumhaften Beats.

Gesamtwertung: 8.2 / 10

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