Mittwoch, 7. November 2007

Murs - 3:16:The 9th Edition


Tracklist:
1. Intro
2. Bad Man!
3. 3:16
4. The Pain
5. Trevor an' Them
6. Freak These Tales
7. H-U-S-T-L-E
8. Walk Like a Man
9. And This Is For...
10. The Animal feat Phonte

Release: 23. März 2004
Label:
Definitive Jux



9th Wonder hat schon für viele Artists ein ganzes Album produziert. Einer dieser Rapper nennt sich Murs und stammt aus Los Angeles. Doch das 2004 erscheinende "3:16: The 9th Edition" ist bei weitem nicht Murs' erstes Album. Die Kollaboration mit gefühlvollem Boom-Bap Sound aus North Carolina jedoch läutet etwas Neues ein. Dass diese Kombination ein Erfolg war, beweist das 2 Jahre später folgende zweite Kollabo-Album der beiden.

Abgesehen davon, dass dieses Album zu einer Zeit entstand, in der 9th Wonder noch nicht der Beigeschmack von Einseitigkeit anhaftete, können sich hier auch 9th-Kritiker nicht beschweren, fährt der Mann doch sehr einzigartige Beat-Konstruktionen auf. Was außerdem diesem Album zugute kommt, ist die Tatsache, dass Murs alles andere als ein durchschnittlicher Emcee ist. Eine der klarsten Stimmen, ein sehr sauberer Flow, das macht es auch dem unfähigsten Deutschen möglich, hier ein Ohr aufzusperren und ein paar Inhalte aufzuschnappen.
Doch selbst das wäre nicht nötig, denn schon 9th Wonder's Beat-Unterlage macht das Album hörenswert. Der langsam startende Beat im Intro startet ein mitreißender Kopfnicker, zu dem Murs den Hörer gleich mit köstlichsten Lines überschüttet. "Couldn't wait for George to make the new Star Wars scene / So I made my own episode, 3:16 / To answer all the rumors that been shooting through your group / Yes, 9th does really make these beats on Fruity Loops / But what does that matter?, this is more than music / By buying this disc you have bought into a movement / Not a revolutionary, nothing but the truth I carry". Und das kann man wörtlich nehmen, Murs hat nicht vor, hier politische Töne anzuschlagen, es warten einfach Geschichten aus dem Leben und vor allem welche über Frauen. Doch nun ist der Zeitpunkt, bei dem man nur noch Murs' letzte Line im Intro zitieren kann: "Murs 3:16, let the fun begin!".

"Bad man"
schiebt den Zähler bei den Songs über das andere Geschlecht um eins nach oben. Der Beat ist sehr eigenwillig, doch weiß zu überzeugen, während Murs ein paar Dinge klarstellt. "All I wanted was to fuck from the start, I never lied / Now it hurts my heart to have to see you cry / Let you know from the jump, I was that type of guy / Now you all on my voice mail askin' me why / Never kissed you in public and I never held your hand / I never said I loved you so I never was your man". So dreht sich das ganze Stück über Missverständnisse in dieser Art, denn der gute Murs ist ja auch nur ein Mann: "I don't wanna have to lie just to get into your pants".

Nächstes Schmankerl ist das sehr nach Ostküste klingende "3:16", bei dem Murs kein direktes Thema anspricht, der Track bringt schlichtweg Lines wie: "I come by with 9th, sickest with these beats / I mean so sick like he's forgettin to eat". Da der Beat jedoch hinreißend ist, schlägt sich auch dieser Track zu den besten des Albums.
Auf "The pain" spricht Murs zum ersten Mal ein sehr tiefsinniges Thema an. Genau genommen nicht so tiefsinnig, doch die ernste bis melancholische Stimmung, vermischt mit Murs' hier recht langsamen Raps, macht die Sache doch sehr hörenswert. Grundaussage ist sehr gut mit dem letzten Satz zusammengefasst: "Her ass is amazing. High five for Jesus / Keep making 'em like that / Just make 'em with half a brain so maybe they'll talk to me". In den 3 Verses davor erzählt Murs von seinen Enttäuschungen, die er im Umgang mit Frauen erfahren hat. "...Cause I'm tired of getting shot down, put down and dissed / I wanna be picked up, held tight and kissed / But things like these don't happen to dudes like me / Because I'm more Coldplay than I am Ice-T", oder in Verse 2: "She said she had a boyfriend, just trying to be nice / But I've heard the same lines from different women all night". Durch seine erhliche Ader schafft er es schnell, sich die volle Sympathie der Hörer zu sichern.

Das Album wechselt dann in lustigere Gefilde. "Trevor an' them" ist eine astreine, kurze, Komödie. Sie dreht sich um Trevor, einen Kleinkriminellen aus Murs' Nachbarschaft. Murs erzählt davon, wie der einfältige Trevor einen Laden ausraubt, während er, Murs, zufällig anwesend ist. "I was standing by the magazines readin' a Maxim / When I heard a familiar voice go to the the counter dude and ask him / To empty out the register, naw that can't be Trevor / Excuse me, Tiny T-Bone from the neighborhood gang / Who if his head wasn't screwed on he would lose his brain". Später stellt sich dann der Grund dieser Anschuldigung heraus: "I was about to leave, that's when that nigga blew it / He lifted up his mask and said: "Hey Murs, it's me Trevor" / I said "You dumb motherfucker do you use your brain, ever?". Die Geschichte endet damit, dass Trevor Murs in seinen Wagen folgt, dann jedoch die Fliege macht, und seine Beute in Murs' Wagen vergisst.

Das nächste Stück handelt wieder voll und ganz von Frauen, beziehungsweise Sex. Tracks, in denen ein Rapper von diversen Liebschaften erzählt, sind nichts Neues, doch Murs tut es auf seine eigene, sympathische Weise, die "Freak these tales" besser als die meisten Tracks dieser Art macht. Er startet bei seinem ersten Mal, und arbeitet sich vor zu Stories wie: "Now there was Umi, female emcee / We talked most of the night about the M-I-C / When it was time for us to get down to B-I-Z / She let me stick it straight in her asshole, lyrically". Großartig, und nicht nötig zu erwähnen, dass 9th's exzellenter Beat die Atmosphäre des Beats perfekt auffasst.

Der Motivations-Track des Albums ist "H-U-S-T-L-E-". Murs erzählt von seiner Beziehung zum Geld, und seinen unkonventionellen Hustle-Methoden. "Everyday before juinor high I bought a six pack / And sold 'em for a buck a piece down by the track / And I never sold crack, did aluminum cans / Used to get laughed at by you and your mans / But I never let it get, stay true to my plans / I used it all for the studio, now you understand". 9th's Beat stellt seine typischen Drums bereit und verursacht ein spontanes Mitnicken. "And these kids love me, I stay DTE / Down To Earth, and down to merch at any given moment".

Damit ist das Album bei "Walk like a man", seinem wohl besten Track. Der Beat wird sagenhafte zwei mal gewechselt, und alle 3 Beats haben ihre Spielzeit mehr als verdient. Doch was diesen Track so besonders macht, sind seine Lyrics. Murs verarbeitet hier den Tod seines besten Freundes. In Teil 1 tut er seine Meinung zu Waffen allgemein, ihrer Handhabung und Verwendung im Ghetto, kund ("If you don't know shit then you still know better / Human life is so precious it could never be measured"), während er in Teil 2 vom tragischen Abend an dem es zum unnatürlichen Ableben seines Freundes kam, berichtet.
Schon der deprmiernde Beat verbreitet eine dunkle Vorahnung, während Murs langsam Spannung aufbaut: "We roll up ask 'em where their party at / They just start to laugh and I knew it was a trap / But I couldn't roll out cause the strip was so packed / Now I'm lookin at this nigga in this motherfuckin' hat", um dann den Höhepunkt in folgende starke Zeilen zu packen: "I put it in park, jumped out to get his back / But as I did that, I heared two shots / I turned to my right and I see my dude drop / Time stopped, coudln't believe what I seen / I was struck by reality when the two girls screamed / I saw his killer stand up put the gun in his jeans".
Teil 3 spielt ein ganzes Jahr später, Murs ist am Grab seines Freundes und spricht ein paar Worte zu ihm. Als er danach seinem Alltag nachgehen will, sieht er zufällig den Mörder. Da ein Freund von Murs eine Waffe dabei hat, ist er sofort dabei, sich zu rächen. So tritt er dem Mörder gegenüber: "...Do you remember what you was doin' last year at this time / He looked into my eyes with both shock and surprise / When I split his face with the Glock right before he could reply / He cried, as I pressed the heat against his cheek / Then I squoze two times for the homie rest in peace". Forderte Murs in der Hook nach Verse 2 noch Rache, so endet er den Track mit folgender Line: "Now I'm haunted by remorse that I wished I hadn't done it". Großartiger Song.

Auch "And this is for..." setzt einem lyrisch schwere Kost vor. Unter anderem richtet er sich an Weiße, die einen auf Gangsta machen: "My culture's not a trend, being Black is not in / But for you it's just a phase you're gonna have to transcend". Letztendlich kommt Murs jedoch zu dem Schluss: "Good music transcends all physical limits".
Das Album findet mit einem astreinen Track sein Ende, bei dem das einzige Feature zugegen ist, LB's Phonte. "Animal" hat zwar keine tiefsinnigen Inhalte zu bieten, es ist jedoch wie bei "3:16", dem Titeltrack, einfach angenehm, den warmen Sound und den starken Raps zuzuhören. "Ayo, We animals, ready for war, destined for combat / Play the CD or tape and then rewind that / You want beef motherfucka never mind that".


Fazit:
Auch wenn "3:16" eine Spielzeit von gerade einmal einer guten halben Stunde hat, ist es trotzdem ein großartiges Album. 9th's Sound ist fresh und abwechslungsreich, und mit Murs hat er einen Emcee, der mit seinem Flow perfekt auf diese Beats passt. Und eben Murs ist es, der das Album dank der großartigen Lyrics, der bewegenden Stories, auch nach dem x-ten mal Hören noch interessant macht. Er packt sein Leben und seine eigenen Erfahrungen in seine Texte, und diese kommen auf den Tracks mit verschiedensten Themen sehr gut beim Hörer an.

Gesamtwertung: 9.2 /10

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