Mittwoch, 21. November 2007

Cormega - Who Am I?


Tracklist:
01. Sleep Well (Ft. Dwele)
02. 718 (Ft. Lil Fame)
03. Use Mad Clips (Ft. Styles P)
04. Lookin' At It (Ft. Jacka, Keak Da Sneak & Yukmouth)
05. Ryder Muzik (Ft. Tragedy Kadafi)
06. Throwback Homie (Ft. Hejaz)
07. Who Am I Exclusive (Ft. AZ & Nature)
08. What Mobsters Do (Ft. Husalah, Unda P & Fed X)
09. Stuntin Remix (Ft. Hell Rell)
10. Shade 45 Skit
11. Time (Ft. Ransom & Nicole Wray)
12. The Rap Game (Ft. Little Brother)
13. Triboro (Ft. Dead Eye, Ron Smack & Bags)
14. Live From The Caves (Ft. Donnie Castro, Sick Jacken, Cynic Of The Psycho Realm & Sick Symphonies)
15. King Me (Ft. Agallah)

Release: 20. November 2007
Label: Legal Hustle Entertainment



Die Queensbridge war schon immer ein Pool, aus dem viele großartige MCs ihren Weg in die Rap-Welt gefunden haben. Einer davon ist Cormega. Vielen nur bekannt durch den Beef mit Nas und nochmals Anderen gar nicht bekannt zählt er sicherlich zu den "most underrated", und das nicht nur aus der Bridge, sondern aus ganz New York. Seine ersten beiden Alben gelten vielen als QB-Klassiker. Dann kam ein "Legal Hustle"-Album und "The Testament", die beide nicht mehr so in den Himmel gelobt wurden. Viel schlimmer jedoch ist, dass es seitdem um Cormega ruhig geworden war. Ein neues Album war und ist zwar angekündigt, es ist jedoch frühestens nächstes Jahr zu erwarten. In der Zwischenzeit kommt "Who Am I?", eine DVD über Mega, mit allem möglichem ungesehenen Material, unter anderem auch unveröffentlichten Videos. Passend dazu gibt es diesen Soundtrack.

Ja, das ist ein Soundtrack. Kein Album. Mega selbst ist fast auf der Hälfte der Tracks nicht vertreten, was eindeutig für den Begriff Soundtrack spricht. Und bei Features wie den Mob Figaz, Yukmouth, Keak Da Sneak oder Hell Rell bekommt der Cormega-Fan erstmal einen gehörigen Schreck. Solche Namen werfen die Frage auf, ob Mega überhaupt noch seinem Sound treu geblieben ist, was unter den Fans Ängste, Schrecken und noch mehr Fragen heraufbeschwört.

Doch man sollte die Sache erstmals langsam angehen. Wie gesagt: Diese Platte sollte unter keinen Umständen als Mega-Album gewertet werden. Und auch nichr damit verglichen. Man darf sich höchstens die Frage stellen, wieso er Bay-Artists auf seinen Soundtrack holt (Wahrscheinlich wegen seines Trips dorthin).
Und dann gibt es ja immerhin einen Track, auf dem Cormega ganz alleine rappt, das gleich zu Beginn startende "Sleep well". Und hier darf dem Eastcoast-Fan ruhig das Herz aufgehen. Erstaunlich, dass die Heatmakerz, ihres Zeichens mit Dipset in Verbindung gebrachtes Produzenten-Duo und bekannt für oberflächliche Beats mit Club-Tauglichkeit, überhaupt zu einem solchen traumhaften Beat fähig sind. Anscheinend schon, denn dieser Track ist der Beweis. Während im Hintergrund die Vocals vor sich hin summen und Dwele einen starken Chorus abgibt, flowt Mega in gewohnt guter Weise und tätigt Aussagen wie: "You got the game backwards, these lame rappers / Wear fake jewelry and say whack shit / Wouldn't bust a U-turn but claim they blastin / And when beef's on, the heat's drawn, they passin". In dieser Beziehung bleibt also alles beim Alten.

Da dieser Soundtrack sowieso keinen wirklich erkennbaren roten Faden aufweist, was aber auch gar nicht nötig ist, sei hier der zweite typische QB-Track vorgezogen. "Who am I? exclusive" (auch bekannt als "Professional style") bietet mit AZ und Nature als einer der wenigen Tracks wirklich die Features, die man sich von Mega erwartet hätte. Der grandiose Beat von Alchemist, der laut Cormega "Raw meat" ist, bietet die passende Grundlage für einen der besten Songs der Scheibe. Auch die beiden Gäste liefern eine starke Leistung ab, wie z.B. Nature mit seiner ersten Line: "Nature the juggernaut, blunts banana-rap / Somethin' like a runningback, I keep y'all niggas runnin' back".

Natürlich finden sich auch andere Gäste aus dem Big Apple. M.O.P.'s Lil Fame, alias Fizzy Womack produziert und rappt auf "718", das mit seinem Sample ebenfalls sehr gelungen ist.
Tragedy Khadafi's "Ryder muzik" ist schon von seinem eigenen Solo-Album dieses Jahres bekannt, und auch wenn der Track hier zum obersten Durchschnitt gehört, drängt sich doch die Frage auf, wieso Mega einen der schlechteren Tracks von "The Death Of Tragedy" für seinen Soundtrack wählt. Abgesehen davon, dass die meisten Mega-Fans durchaus auch Khadafi-Fans sind, und somit den Track sowieso schon kennen. Trotzdem muss die beste Line des Tracks hier zitiert werden: "You ain't never lived this life, you just playin' a part / This is a art, I don't write, I recite from the heart". Damit hat Tragedy vielen Artists auf diesem Soundtrack etwas voraus.

Ein weiteres sauberes Stück Eastcoast ist das Emile-produzierte "Use mad clips", bei dem Mega zusammen mit LOX-Mitglied Styles P spittet. Nun zu "Lookin at it". Produziert von RobLo von den Mob Figaz, als Rapper gibt es Yukmouth, Jacka und Keak Da Sneak. Auch wenn der Track durchaus recht gut hörbar ist (nicht zuletzt wegen einem starken Yukmouth) wirkt er immer noch etwas unpassend. Gleiches gilt auch für "What Mobsters do", wieder von den Mob Figaz.

Agallah The Don Bishop ist mit 2 Beats am Album beteiligt, einer davon nennt sich "Stuntin' (Remix)", mit Raps von Mega und Hell Rell und einem Chorus von Juelz Santana. Der Synthie-Beat ist typisch Agallah, kann jedoch gut gehört werden ohne langweilig zu werden. Sogar die Dipset-Auftritte fügen sich gut ein.
"King me" ist von und mit Agallah allein, der Rau-Hals liefert einen für sich typischen Song ab, der auch recht gelungen ist. "Rap's a league, I'm in the mist of it / The game is cold blooded, but you still love it".

Es fehlt noch der Großteil des letzten Drittels des Albums. Little Brother geben sich auf einen schwerverdaulichen Khrysis-Beat die Ehre, "The Rap game" ist ein erste-Sahne Justus League-Kopfnicker. Dem folgt ein solides "Triboro" von 3 unbekannten Gesichtern, die jedoch eine recht gute Figur machen.
Die Psycho Realm Ecke hat auch etwas zu sagen, und das hört sich auch noch verdammt gut an. "Live from the caves" ist klar in die Banger-Kategorie einzuordnen. "I ain't from round here, the fuck, are you? / Let me snatch up your gorceries and eat your food".
Nun noch etwas Rüge. Einerseits zu dem einfallslosen "Time", dessen Beat vollkommen langweilig vor sich hineiert, während Nicole Wray's Vocals ganz und gar nicht ins Gesamtbild passen wollen (was nicht heißt, dass sie schlecht wären).
Viel schlimmer jedoch ist das Interlude "Throwback homie". Die stümperhaft vorgetragenen Acapella-Rhymes eines lispelnden Vogels namens Hejaz lassen sich wohl nur mit irgendeinem nicht offensichtlichen tieferen Grund erklären, stellen aber in jedem Fall eine Verbal-Qual dar. Dafür wurde die Skip-Taste gemacht.


Fazit:
Auch wenn man anfangs sehr abgeschreckt von dem Album sein mag, sollte man ihm auf jeden Fall eine Chance geben. Denn Cormega hat es geschafft, trotz der verschiedensten Rapper und Producer ein solides Outcome zu kreieren, das sich als Soundtrack sehen lassen kann. Es ist zwar schade, dass Mega selbst so wenig auftaucht, doch er hat es mit "Who Am I?" geschickt angestellt, dass man ihn nicht vergisst und gleichzeitig gespannt weiter auf ein hoffentlich nicht erst in zwei Jahren erscheinendes neues Album wartet.

Gesamtwertung: 7.1 / 10

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