Tracklist:
1. Capital Q
2. Who Can You Trust?
3. Border Line
4. Betti Bye Bye feat Flame Killa
5. It’s A Gift
6. Blauu!
7. Get It Poppin’
8. Streetz Of NY feat Erick Sermon
9. Muzik 4 The User feat Chinky
10. We Here (U Know) feat ACD & P-Wonder
11. That Smell feat G3
12. Reality Rap
13. The Cypher
14. 4/20 feat Un Pacino
15. Double El feat. Big Noyd
16. Closer
17. Handle Ya Business feat Prodigy & V-12
18. Hustle Hard feat The Alchemist
Release: 06. November 2007
Label: Sure Shot Recordings / IM3
Während gerade die News die Runde machen, dass sich das Trio Infamous Mobb getrennt hat, steht derzeit ihr nunmehr drittes Album, "Reality Rap", in den Läden. Infamous Mobb, das sind Twin Gambino, Ty Nitty und Godfather Pt. III. Ihr Sound wird oft mit dem von Mobb Deep in ihren besseren Zeiten verglichen, auf jeden Fall halten bzw. hielten die drei die Flagge des Reality Rap auch im neuen Jahrtausend hoch.
Wie es mit dem neuen Album aussieht, das ja ausgerechnet diesen Titel, "Reality Rap" trägt, und das schon so unglaublich lange angekündigt und verschoben wurde, dass niemand mehr daran gegelaubt hat, dass es überhaupt noch kommt, eröffnet sich nun. Die Tracklist sowie die Auftritte und die Producer lassen darauf schließen, dass sich nicht viel geändert hat, doch der Fall von Mobb Deep in den Höllenschlund des G-Unit-Monsters ist auch am Sound von IM3 nicht spurlos vorübergezogen.
Doch erstmal die positiven Dinge. Man findet hier auch noch ab und an die Tracks, die man sich wünscht. "Capitol Q" beispielsweise eröffnet gleich zu Beginn mit düsteren Streichern, und klassischem Mobb-Sound. Doch dann bemerkt man recht schnell, dass dieser Sound zwar noch recht oft zu hören ist, nur würde man so gut wie keinen Track dieses Albums auf eines der ersten Alben stecken, da sie dort recht alt aussehen würden.
"Who can U trust?" ist ein Paradebeispiel hierfür, die Hook und auch das Gesamtpaket haben nicht mehr den gewissen Faktor, der z.B. "Blood Thicker Than Water" so gut machte. "Who can U trust? / When you filthy, rich and up / You heard what 50 said, it's lonely at the top / I'm a Queens, New York native, so you know I'm gon' pop". Diese Erwähnung des Teufels persönlich, und der gewisse Respekt, der mitschwingt, dreht dem eingefleischten QB-Fan den Magen um.
Nach einem mittelmäßigen, Sample-bestückten Track folgt die erste Video-Auskopplung, "Betti bye bye". Das von Erick Sermon produzierte Stück hat etwas, und auch wenn die relaxte Stimmung sich dank der geraspelten Raps nicht lange hält, fragt man sich doch, ob man solche Stücke auf einem IM3-Album hören will. Verglichen mit dem Rest dieses Albums, muss zum Schluss kommen, dass die Antwort "Ja" ist, vergleichen mit den alten Alben jedoch ein "Nein".
Inhaltlich war schon im Vorraus vorhersehbar, dass sich die Themen, bzw. das Thema, irgendwo in Street-Stories, Gewalt, Hustling, Waffenhandhabung und verbaler Wortgewalt in imaginären Snitches und sonstigen Gegnern festfahren wird. Und so ziemlich ohne Ausnahme gibt es das auch zu hören. Das war schon immer so bei Infamous Mobb. Wenn jedoch die Produktionen top sind, stört das nicht. Man schaut sich auch keinen Porno, um Zeuge durchdachter Handlungen werden. ABER, die Darsteller(innen), die im Porno "Reality Rap" mitspielen sind nunmal keinesfalls immer top.
Doch es finden sich mit dem stürmischen "It's a gift" oder dem ruhigen, ausnahmsweise großartigen "Blauu!" auchrichtig Starke Nummern. Wenn für einen Track jedoch eine Melodie aufgefahren wird, die man schon von anderen Rap-Tracks kennt, ist das weniger erfreulich. "Get it poppin'" gab es schon in viel besserer Version von E. Moneybags. Hier fehlt eindeutig die Power. "We get it poppin' everywhere we go / Got niggas in every hood that let that thing go / For the a-cause, not the because, gon' show you how the heat draws". Ernsthaft ansteigender Langeweile-Faktor macht sich breit.
Das erstaunliche ist, dass man von Sid Roams keine 5 Beats zu kennen braucht, um seinen Sound trotzdem aus einem Beat herauszuhören. So auch bei "Streetz of NY" der Fall, bei dem Sid sehr ordenltiche Arbeit leistet und der Langeweile Abhilfe schafft. Dazu ein Feature von Erick Sermon machen den Track zu einem der besseren des Albums.
Die weibliche Stimme, die man sofort mit Infamous Inc. assoziiert, ist Chinky, die natürlich auf keinem Album fehlen darf, ganz gleich ob ihre letzten Beiträge zu diversen Songs eher Ohrtorturen als musikalische Bereicherung waren. Doch im gelungenen "Muzik 4 the user" ist das Gott sei Dank nicht der Fall.
Der Rest des Albums lässt sich, leider, recht schnell zusammenfassen. Neben einem erwähnenswerten Track, dem großartigen "4/20", eindeutig einem der besten dieser Platte, findet sich ein Twin-Solo mit absolut nervtötendem Pitch-Sample in "Closer" oder ein beträchtlicher Song mit Lynyrd Skynyrd-Sample, nämlich "That smell". Einziger Auftritt von Prodigy (und, angesichts der Tatsache, dass er bald hinter schwedische Gardinen wandert, auch einer seiner letzten) ist auf "Handle ya business" zu finden, der zudem von QB-hauseigenem Hook-Sännger V-12 bezuckert wird. Doch V-12 passt sogar recht gut, und Steve Sola, der sich auch mal hinter die Regler begibt, steuert einen soliden Beat bei.
Der letzte Track, das von Alchemist produzierte "Hustle hard", soll noch kurze Erwähnung finden, auch wenn es diese nicht wirklich verdient hat. Nicht alles was von Alchemist kommt, ist goldwert, genau das will uns dieser oberflächliche Beat mit zu hektischen Streichern und zudem einer platten Hook sagen.
Fazit:
Mit dem Gang zu G-Unit sind Mobb Deep gestorben, mit ihrer Trennung und diesem kläglichen Erzeugnis dann Infamous Mobb. Ganz objektiv betrachtet, ist "Reality Rap" sicherlich ein solides, gut hörbares Eastcoast-Album, doch wenn man weiß was man sich von Infamous Mobb zu erwarten hat, eine einzige Enttäuschung. Die Queensbridge erleidet weiter harte Zeiten. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Geschichte um Infamous Mobb bzw. die einzelnen Mitglieder weiterentwickelt. Hier haben sie sich nicht mit Ruhm bekleckert, falls das wirklich das letzte Output als Gruppe bleiben sollte, schlichtweg schade.
Gesamtwertung: 6.4 / 10

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