Donnerstag, 1. November 2007

Smif-N-Wessun - The Album


Tracklist:
01 See the Light
02 Gotta Say It (Feat. Chuckii Star)
03 Trouble
04 K.I.M. 2000 (Feat. Loudmouf Choir)
05 P.N.C. for Life
06 Gangsta Prayer (Feat. Million Styles)
07 Stomp (Feat. Rock & Joell Ortiz)
08 Who Gonna Save Us
09 Still Fighting
10 Yeah
11 Movie
12 Can’t Stop
13 Can’t Feel My Face (Feat. Loudmouf Choir)
14 Still Here

Release: 23. Oktober 2007
Label: Duck Down



Nachdem Smif-N-Wessun 2005 mit "Reloaded" ihr "Comeback" feierten, und Duck Down wieder voll loslegte, nach einem Group-Album 2006, legen Smif-N-Wessun mit "The Album" nach. Schon die Gäste-Liste lässt annehmen, dass hier eine etwas andere Schiene gefahren wird, da nur ein einziges mal ein Mitglied der Boot Camp Clik gefeatured wird. So wird auch die Produktion nicht altvertrauten Größen wie den Beatminerz anvertraut, sondern stattdessen Producern wie Tommy Tee und Ken Ring in die Hände gelegt.

Normalerweise kann man einem Album keine Abzüge wegen seinem Titel geben. Doch "The Album" ist so unglaublich bescheuert, dass dagegen selbst Titel wie "Curtis" vor Einfallsreichtum sprühen. Es wirft außerdem einige Bedenken an der Kreativität des Albums auf, wenn den beiden wirklich kein besserer Name eingefallen ist. Doch sofern der Sound stimmt, kann man das natürlich ohne auch nur mit der Wimper zu zucken verzeihen.
Jedoch muss jetzt das große "aber" eingeworfen werden. Denn der Sound stimmt nicht. Ganz und gar nicht. Wem "Reloaded" zu wenig BCC-Sound war, der sollte einen weiten Bogen um "The Album" machen. Besonders unerfreulich ist es dann auch noch, dass das Album mit "See the light" einen ersten Track hat, dessen Beat schon bekannt ist. Das hier ist kein Mixtape, sondern ein Album; wieso tut man also so etwas? Nicht dass der Beat nicht gut wäre, doch der Vorfreude wird damit ein herber Schlag ins Gesicht verpasst.
Track 2 schiebt sich dann in die feel-good-party-Schiene, schon das Video an karibischer Küste zeigt, dass man hier nicht mit düsterem Street-Sound zu rechnen hat. So ist "Gotta say it" zwar ein durchaus passabler Track, doch es drängt sich die Frage auf: Was hat der hier verloren?! Bevor man sich auf dieses Album einlässt, sollte man akzeptieren, dass sich Tek und Steele weiterentwickelt haben, wobei das Urteil, ob diese Entwicklung positiv zu betrachten ist, jedem selbst überlassen bleibt. Jedenfalls können sie mit "Trouble" einen lupenreinen Track aufweisen, der auch eingefleischte BCC-Fans glücklich machen dürfte. Die Lyrics drehen sich um den Teufelskreis des kriminellen Geschäfts: "You ain't lying, it's easy to get in it / but it's hard to get out it / Not for nothing, I can picture us living without it / If you think you can avoid it, then boy I tell you I doubt it / Hood niggas bout violence and 'Trouble' ".
Im selben Style ertönt "K.I.M. 2000", ganz im Gegensatz zu "Gotta say it" wird hier eine ernste, ruhige Stimmung heraufbeschworen, die mit ihrem Beat von Tommy Tee zu überzeugen weiß. Das enttäuschend einfallslose "P.N.C. 4 life" dagegen zieht mit unspektakulärer Hook und ebenso durchschnttlichem Beat vorbei, auf dass mit "Gangsta prayer" wieder ungewohnte Töne angeschlagen werden, bei denen Million Styles im Chorus eine nicht mehr als solide Leistung abliefert. Man kann diese Songs nicht als schlecht bezeichnen, doch hier fehlt etwas, dass den Hörer fesselt und ihn gedanklich nicht total von der Musik abschweifen lässt.
Wie zum Beispiel in "Stomp thru", dem ganz eindeutig besten Track der Platte. Auf einen monströsen Beat wird zusammen mit den einzigen Rap-Gästen schönster New Yorker Sound praktiziert: "Ma, I'm so gutter, no sister, no brother / One mother, no father, no problem, oh brotha / Y'all gonna jump me again, let's do it bitch / Just like the only thing running is my nose when I'm sick". Neben den alten Hasen zeigt sich Joell Ortiz äußerst stark und steht diesen in nichts nach, was er anhand oben zitierter Line auch ansehnlichst beweist. Außer Konkurrenz steht natürlich Rock, der mit seiner bitterbösen Stimme im Refrain mit dem Vorschlaghammer an den Ohren der Hörer anklopft.
Ein ebenfalls ganz gelungener Beat trägt "Who gonna save us", bei dem die Polit-Keule geschwungen wird. Neben einigen sinnvollen und wunderbar scharfen Aussagen ("We got casualties unthinkable / How does one survive / If he's living where his water's undrinkable / For years we sat back and watched TV Commercials / About what five cents a day could do" ) findet sich sich auch diese Line: "Let it be known about the effort being spent / The world ain't ready for a black president / Obama, I stand besida ya / Gun in hand and body armor". Da wird sich Obama aber freuen...
"Still fighting" setzt sich zu "Trouble" und "KIM 2000" in die ruhige Ecke. "Chris Rock said a joke I think we all overlooked / You wanna hide your money, just put it in a book / Cause, we don't read shit consistently / How we gonna be equal in an economy / I was taught that the 5% nation / Was to teach the other 85 wasting / Energy in the wrong direction / So, Tek & Steele present Smif-N-Wessun / And, Together Each Achieves More / That's what the letters in the word T.E.A.M. stand for". Komisch, dass so viele Rapper immer wieder die 5% Nation in ihre Texte einfließen lassen.
Den abgedrehtesten Beat des Albums kann wohl "Yeah" verbuchen, doch was Tommy Tee da gebastelt hat, ist schon leicht über der Grenze zu "gewöhnungsbedürftig". Solche Beats will man auch mit viel Toleranz nicht zu den Raps von Tek & Steele hören. Abgesehen davon trotzdem noch ganz passabel. "Movie" dagegen ist in einer anderen Art und Weise passabel, denn der wieder eher ruhig gehaltene Track weist einen der schwächeren Beats des Albums auf.
Da Smif N Wessun mit "Yeah" wohl auf den Geschmack gekommen sind, wird mit "Can't stop" gleich der nächste komische Beat nachgeschoben. Ergebnis ist einer der schwächsten Tracks des Albums; wo "Yeah" an sich noch einen ganz guten Beat hatte, hört sich der von "Can't stop" nach billiger G-Unit-Ware an, auf die auch die Raps verhältnismäßig schlecht ausfallen. Der letzte Beat von Tommy Tee und die nächste Nummer die in die "Yeah"-Richtung ausschlägt, kann jedoch dann auf der Erfolg-Seite verbucht werden. Denn "I can't feel my face" hat einen sehr starken Beat, einen herrlichen Refrain des Loudmouf Choirs, und auch wenn es nicht 100% zu S-N-W passen mag, ist das Outcome umso interessanter und durchgehend hervorragend. Man möchte den Track schon fast auf Sean P's Jesus Price Album stecken.
Damit ist das Album auch schon wieder bei seinem Ende, es fehlt nur noch "Still here", welches ein gepitchtes Voice Sample von "Long and winding road" einleitet. Auch der Trach an sich ist sehr gut hörbar, Tek und Steele legen einen guten Ausstieg hin.


Fazit:
Natürlich ist das Album kein totaler Reinfall. Fast unmöglich, da es sich schließlich um ein Duck Down-Release handelt. Doch für die Fans sollte es doch eine herbe Enttäuschung darstellen. Anstatt von East Coast Krachern nonstop gibt es viele ernste, wenn auch zum teil ins Langweilige abeschweifende Tracks, vermischt mit ein paar sehr ungewohnten und meist auch nicht besonders überzeugenden Songs. Smif-N-Wessun sollten sich wieder dessen besinnen, für was sie stehen. Nämlich für astreinen Street-Sound aus Bucktown. Wertung: 7.2, minus 0.1 aufgrund des Titels, ergibt:

Gesamtwertung: 7.1 / 10

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