Samstag, 20. Oktober 2007

Bronze Nazareth - The Great Migration


Tracklist:
01 In the Beginning (Intro)
02 Pain
03 More Than Gold feat Timbo King
04 Killa Beez Attack (Skit)
05 Bronzeman feat Killa Sin
06 One Plan feat Byata
07 Instrumental (Interlude)
08 Stolen Van Gogh
09 5th Chamber feat Sean Price & 2 On Do Road (Prodigal Sunn & 12 O'Clock)
10 Stupid Fucking White Man (Skit)
11 Good Morning (A Nice Hell)
12 Rare Breed feat Phillie
13 Hear What I Say!
14 Black Royalty
15 Detroit feat Kevlaar 7 & Phillie
16 $ (a.k.a. Cash Rule)
17 Poem Burial Ground
18 Great Migrataion
19 Bronze Halls (Outro)


Release: 18. April 2006
Label: Babygrande / Think Differently


Bronze Nazareth. So heißt ein weiterer Producer / MC aus dem Wu-Tang Umfeld, ein Mitglied des Producer-Teams Wu-Elements. Entdeckt durch den RZA, gab es von ihm nicht viel Material zu hören, bis er schließlich 2005 den Großteil des ersten Think Differently Releases, "Wu-Tang Meets The Indie Culture", produzierte, und dort zum ersten Mal Aufsehen erregen konnte. Ein Jahr später folgt sein Solo-Debut, "The Great Migration".
Was schon auf der "Wu-Tang Meets Indie"-Scheibe deutlich wurde, nämlich dass Bronze einen Hang zu Blues- und Soul-Samples hat und diese gerne mit Instrumenten wie Streichern, Bläsern, Orgel oder ähnlichem unterlegt, setzt er hier weiter fort. Nach einem kurzen, aber den Ton des Albums perfekt treffenden Intro, startet die Platte mit "The pain". Was für ein Track, nach einem soulvollen Sample legen die Bläser voll los, und nachdem Polizeisirenen und weitere Samples abgeebbt sind, bekommt man eine ausgezeichnete Rap-Performance von Bronze Nazareth, der sich diesem genialen Beat als würdig erweist.
Erster Gast ist Timbo King, ebenfalls Wu-Tang-Killa Bee. Auf den eher langsamen, doch geradewegs vorwärts walzenden Beat von "More than gold" gibt es Lyrics zu hören wie: "High maneuvers, blue street pie for dinner / Consider a sinner, simmer my lines like roaches shimmer / Leftover bread winner, a lively dead winter". Nach einem Skit, zu dem es nicht mehr zu sagen gibt als den Titel, folgt "The bronzeman". Mit Killarmy-Mitglied Killa Sin wird über einen nahezu perfekten Beat gespittet. Die Drums sind straight und klar strukturiert, doch dank der verschiedenen Streich-Instrumente, die hier zum Einsatz kommen, und desweiteren eines Samples, bleibt das Bronze-Feeling voll erhalten. "When the block's hot, I stand with my heart frozen / Clap like a thousand books closing"
Das Album schiebt gleich das nächste Juwel hinterher. "One plan" featured als Gast den weiblichen MC Byata, die sich durch hervorragenden Flow hervortut. Der sehr gefühlvolle Beat, dessen Melodie durch tiefe Hörner unterstützt wird, tut das Seinige um einen weiteren Höhepunkt zu schaffen. Anschließend gibt es ein 40-sekündiges Instrumental mit gepitchtem Sample und Trompeten, die leichten Jazz-Flair verbreiten, um dann vom eineinhalbminütigen und somit fast Interlude-artigen "Stolen Van Gogh" gefolgt zu werden, das ebenfalls sehr gut ins Gesamtbild passt.
Ein starkes Line-Up bietet "5th chamber". Doch Bronze kann sich neben 2 On Da Road, alias Prodigal Sunn und 12 O'Clock, und BCC-Vertreter Sean Price durchaus behaupten, und wer behauptet, dieser Mann könne nicht rappen, hat anscheinend nie richtig hingehört. Doch in welcher Kategorie ihn man nicht mal annähernd kritisieren kann, ist das Produzieren. Auch "5th chamber" erhebt sich auf das gleiche Niveau wie die vorangegangenen Songs.
Nach einem kurzen Skit folgt "Good morning (A nice hell)", welches eine altbekannte, von Flöten gespielte, Melodie in neues Gewand kleidet, und dies so gekonnt, dass sie nach etwas Gewöhnung fast noch besser klingt als Masta Ace's Version namens "No regrets". Für "Rare breed" schnappt sich Bronze seinen Wisemen-Kollegen Phillie, um zusammen über einen weiteren Traum von einem Beat zu rappen. Phillie zeigt sich für die Einstiegsline in Bestform: "Yeah, let's get real acquainted, flows hard as the pavement / Far from basic, my aim in the game's through complication / Food for thought, taste it, ain't it amazing?". Und später Bronze: "Yo, I'm a rare breed, you won't dare scheeme / I blow a hole through ya speakers, and watch ya snares bleed". Dieser Track braucht keinen Chorus, das schwermütige Sample, verpackt in eine harmonische Kombination aus Streichern und sehr im Hintergrund stehenden Drums allein geben diesem Track etwas so unergründlich Tiefes, dass er nach einer Stunde auf Repeat noch unergründlicher klingt.
Für "Hear what I say!" hat Bronze weitere fesselnde Lyrics. "Like The Neptunes, Jazze Pha or Kanye West / And if the album ain't five mics, don't front like it is / I got classic material without a mixtape host / Love Pac and BIG, but I miss Pun the most". Nicht zu vergessen der auf ein Neues prächtige Beat, der auch diesen Track goldwert macht. Ganz auf Drums verzichtet Bronze dann für "Black royalty", um nur über eine Trompeten-Melodie zu rappen und sich selbst in Metaphern und Vergleichen zu ergehen. Und die Rechnung geht auf, astreiner Track. Für den nächsten Track, "Detroit", holt sich Nazareth seinen Burder Kevlaar 7 und Phillie mit ins Boot, um über warme Streicher-Einlagen über seine Heimatstadt zu philosophieren.
"$ (a.k.a. cash rule)" besticht mit seinem Sample im Refrain und auch "Poem burial ground" kann mit Bronze's typischen Drums überzeugen. Es bleibt noch der Titeltrack, "The great migration", der bei weitem ruhiger ankommt und die Drums sehr weit in den Hintergrund schiebt. Doch auch hier bleibt Bronze's Klasse erhalten. Letztendlich fehlt noch das Outro, "Bronze halls", welches ein Instrumental ist, das sich in der kurzen Zeit so sehr beim Hörer festsetzt, dass man sich wünscht es wäre ein voller Track. Die für Bronze so typischen Streicher, ein verstaubt klingendes Piano für die Melodie, ein Sample, später einsetzende Drums, verpackt in 45 Sekunden wundervoller Musik.


Fazit:
Bronze Nazareth ist anders als die meisten Producer, er befindet sich auf einem anderen Level als der Querschnitt aller Produzenten, die dem Snap-Clap-Pop-Matsch, der zur Zeit in den Charts zu hören ist, frönen. Somit war es klar, dass dieses Album bei der breiten Masse keinen besonderen Anklang fand. Doch wer immer sich Wu-Tang-Fan nennt, wird dieses Album feiern, wie lange keines mehr. Bronze liefert mit "The Great Migration" eindeutig das beste Hip-Hop-Album 2006, auch wenn der Sound gute 10 Jahre älter klingt.



Gesamtwertung: 9.4 / 10

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