Mittwoch, 24. Oktober 2007

Nine - Cloud 9




Tracklist:
01 Know Introduction feat King Just
02 Every Man 4 Himself
03 We Play 4 Keeps
04 Tha Product feat U-Neek
0ß Uncivilized
06 No Part a Me
07 Lyin' King
08 Richman Poorman (Act One) feat 3rd Eye
09 Jon Doe
10 Make or Take feat Smoothe Da Hustler
11 Warriors feat Bounty Killer
12 4 Chicken Wings and Rice

Release: 06.08.1996
Label:
Profile



Zu Zeiten als Ja Rule und DMX noch weit davon entfernt waren, mit rauh-stimmigem Rap Ruhm einzufahren, gab es schon den Urvater der Reibeisen. Und der nennt sich Nine. Nach seinem Debut-Album "Nine Livez" schickt der Mann aus der Bronx sich ein Jahr später, 1996, an, der Welt einen Klassiker des harten Street-Raps aus dem New York der goldenen Zeit zu liefern. Dieser kommt in Form von "Cloud 9".

Das Intro läutet dieses Hörerlebnis in düsterster Weise ein. Mit dem Wu-Tang Affiliate und Shaolin Soldier King Just werden auf "Know introduction" Rhymes gekickt, wie z.B.: "It ain't safe no more, you done fucked up and broke God's laws / Ten commandments, but thou shall only know Nine / That's why I wrote the shit in my rhyme" (King Just). Und wer mit Nine's Stimme noch nicht vertraut ist, bekommt hier dann auch gleich die erste Hörprobe.
Doch so richtig göttlich wird es erst bei "Every man 4 himself", das so abgrundtief böse ist, dass es sich hier nicht in Worte fassen lässt. "Born alone die alone, guess whos on the microphone / Project nigga, deep voice put your boots on / Come take a walk down the alley with the gat / Enter my cypher where everything's black". Wenn Nine anfängt, mit seiner Stimme loszupoltern, jagt es einem erst mal einen gehörigen Schauer über den Rücken, und man muss sich unweigerlich fragen, ob das diesem Mann nicht wehtut, wenn er seine Stimme so klingen lässt, als wäre ein Stück der Stimmbänder abgeraspelt worden. Doch anscheinend nicht, wie er selbst sagte, seit das ganz normal. "My mentality is somewhere between arrmageddon and apocalypse / No matter how hot it gets". Dieses Stück gehört zum Besten, was New York 96 zu bieten hat.
"Be all you can be, fuck that / Be on the block, sell rocks, stay strapped". Klare Aussagen auch auf dem nächsten Kracher, "We play 4 keeps". Nine profitiert sehr von den durchwegs harten Produktionen von Rob Lewis. Und auch die Texte kommen hier nicht zu kurz, Phrasen wie "Only the good die young, so I'm bad as fuck" bleiben dauerhaft im Gedächtnis hängen. So kann auch der nächste Track, der dank der Geigen im Beat weniger bedrückend wirkt, begeistern. "The product" featured außerdem eine ausgesprochen gut auftretende Rapperin namens U-Neek, die Nine sogar halbwegs ebenbürtig ist.
Damit wäre das Album bei Track #5, "Uncivilized", einem Traum von einer Produktion, bei dem wieder Streicher auf harte Drums treffen, während Nine das ganze in gewohnt meisterhafter Weise durchpflügt. Denn zu seiner Stimme kommt ein starkes Talent zum Rappen, und, auch wenn man das anhand der rauhen Stimme schwer behaupten kann, ein ausgereifter Flow. Und dann droppt Nine herausragende Bars, wie hier "Fuck Versace and Rolex, I can't eat that". Durch einen der unauffälligsten Beats des Albums rappt sich Nine auf "Not a part of me", welches trotzdem gut ins Album passt, und auch keineswegs als schlecht zu bezeichnen wäre.
Die nächste Granate bekommt man mit "Lyin' king", einem weiteren Diamanten von Rob Lewis, zu dem Nine ein paar Wörter an alle Fake-Rapper, ebenjene Lyin kings, richtet. "Richman, poorman (Act one)" beschäftigt sich mit den ewigen Geldnöten, dem Beschluss einen Raub zu begehen, in dem Nine und Jesse West a.k.a. 3rd Eye dann von der Polizei gefasst werden. Sicher keine neue Geschichte, doch so gut erzählt mit der ganzen Geschichte über einen soliden Beat-Untergrund schafft auch hieraus einen sehr feinen Track.
"What I gotta do to be Jon Doe?" fragt Nine auf "Jon Doe", einem weiteren Song über Cash, und auch hier fährt Rob Lewis einen überzeugenden Beat auf. Darauf folgt ein absoluter Klassiker. "Make or take" featured Smoothe Da Hustler, der schon zu Anfang den Chorus gibt. Und auch hier serviert Nine Einsteigslines, die aus den tiefsten Tiefen der Rap-Hölle dröhnen. "In the land of the free and the home of the brave / I still feel like a slave, my heart is dark like the bat cave / Don't cry, dry your eye / We all gon' die... but ''m gon' die fly".
Unterstützt von einer weiteren tiefen Stimme, der von Dancehall-MC Bounty Killer, geht es weiter mit "Warriors", an dem sich ebenfalls nichts kritisieren lässt. Das Zusammenspiel der zwei sehr unterschiedlichen Artists auf den harten Beat ist äußerst interessant anzuhören und spielt sich auf hohem Niveau ab. Abgeschlossen wird das Album nochmals mit einem Song der Extraklasse. "4 chicken wings and rice" verfügt über einen traumhaften Beat, der im Gegensatz zum Rest des Albums weitaus ruhiger und friedlicher klingt. Auch über diese Atmosphäre kommen Nine's dreckige Raps äußerst gut, und bescheren dem Hörer einen Ausstieg wie er schöner nicht sein könnte. "Get up in the morning and i take a bath / Count my cash and, wash my ass".


Fazit:
Nine's bestes Werk, ein Glanzstück seiner Zeit. Dank der Kombination aus den schön dreckigen bis harten Beats der goldenen Zeit und Nine's sicherlich einmaliger Stimme wird dieses Album genauso einmalig bleiben wie Nine's Stimme. Classic.

Gesamtwertung: 9.2 / 10

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